DEUTSCH

 

Leitsätze über die Jugendbewegung der Kommunistischen Internationale

 

(Angenommen vom Exekutivkomitee der KI

am 17. August 1920 im Anschluß an die Internationale Jugendkonferenz im Juli/August 1920 in Moskau.)

 

 

1. Die gesteigerte kapitalistische Ausbeutung der Arbeiterjugend in allen Fabriken, Werkstätten und in der Heimindustrie, die zu ihrer geistigen und körperlichen Entartung führen muß, der Militarismus, dessen Lasten vor allem von der Arbeiterjugend getragen werden, die Gefahr der Durchdringung ihrer Reihen mit der bürgerlich-nationalistischen Ideologie durch Schule, Presse, bürgerliche Jugendvereine usw. sowie die psychologischen Besonderheiten des heranwachsenden Geschlechts haben in der ganzen Welt zur Gründung proletarischer Jugendorganisationen geführt.

2. Im Prozeß der Entwicklung der allgemeinen Arbeiterbewegung während und nach dem imperialistischen Kriege entstanden in allen Ländern kommunistische Jugendverbände, teils durch Übergang der alten sozialistischen Jugendvereinigungen in das Lager der Kommunistischen Internationale, teils durch deren Spaltung.

3. Die Aufgaben der KJO bestehen in der kommunistischen Erziehung der Arbeiterjugend, in der aktiven Teilnahme am Kampfe zur Niederringung des Kapitalismus (in der Verteidigung der proletarischen Diktatur und im Sowjetaufbau nach Übernahme der Macht), im Kampf für die Reorganisation der Arbeit und der Bildung der Jugend nach neuen sozialistischen Grundsätzen. Die KJO fördern nach Möglichkeit die kulturelle Entwicklung der Arbeiterjugend im Sinne der marxistischen Weltanschauung und die körperliche Erziehung, die gegenwärtig vor allem der militärischen Vorbereitung dienen muß.

4. Die praktische Teilnahme am politischen Tageskampf der Arbeiterklasse ist außer der theoretischen Bildung das wichtigste Element in der kommunistischen Erziehung der Jugend. Darin unterscheiden sich die KJO von den sozialpatriotischen und den zentristischen Jugendvereinigungen. Ihr politischer Kampf hat außer der erzieherischen Bedeutung einen großen realen Wert für die internationale kommunistische Bewegung.

5. Die ganze Geschichte der proletarischen Jugendbewegung in allen Ländern beweist, daß nur die selbstständigen, d. h. sich selbstverwaltenden Jugendorganisationen kühne und entschlossene revolutionäre Kämpfer und geschickte Organisatoren der proletarischen Revolution und der Sowjetmacht erwachsen. Die Selbsttätigkeit der Arbeiterjugend ist die erste Voraussetzung für ihre kommunistisch-revolutionäre Erziehung im Gegensatz zu der sozial patriotischen Jugendpflege, durch die ihre opportunistische kleinbürgerliche Erziehung erreicht wurde. Für die kommunistische Erziehung der Jugend sind besondere Arbeitsmethoden notwendig, die den Eigentümlichkeiten ihrer Altersklassen entsprechen.

6. Die Beziehungen zwischen KP und der KJO nehmen nach den verschiedenen Situationen und dem verschiedenen Stand der Parteien in den einzelnen Ländern verschiedene Formen an. In einigen Ländern, in denen die Bildung kommunistischer Parteien noch im Fluß ist und die Jugend-Verbände sich erst von den sozialpatriotischen und zentristischen Parteien spalten, herrscht die Losung der absoluten politischen und organisatorischen Unabhängigkeit der Jugendbewegung und in dieser Situation ist diese Losung objektiv revolutionär. Falsch ist die Losung der absoluten Unabhängigkeit in den Ländern, wo bereits starke kommunistische Parteien bestehen und wo die Losung der absoluten Unabhängigkeit von den Sozialpatrioten und Zentristen zur Irreführung der Jugend und gegen die KJO ausgenutzt wird. Dort haben sich die KJO auf den Boden des Programms der KP gestellt. In allen Ländern, Wo alte und aktive kommunistische Parteien bestanden, verdichtete sich das Verhältnis zwischen KP und KJO und nahm folgende Formen an: die KJO nahmen die Programme der KP an und wirken im Rahmen ihrer politischen Richtlinie. Gleichzeitig hat dort die Jugend 1. ihre eigene zentralisierte Organisation, 2. bestimmt sie selbst die Methoden ihrer Organisations-, Agitations- und Propagandatätigkeit, 3. den Platz und die Formen ihrer Teilnahme am politischen Kampf, 4. bespricht sie die allgemeinen politischen Fragen. Zu diesem Verhältnis mit den KP müssen alle Jugendorganisationen kommen, und zwar nicht durch den Zwang der Partei, sondern durch Überzeugung und freie Entschließung der Jugendorganisationen.

7. Die KP unterstützen geistig und materiell die KJO, ohne diese Unterstützung mit kleinlicher Einmischung in die Tätigkeit der KJO und mit der Jugendpflege zu verknüpfen. Die KJO unterstützen ihrerseits die kommunistischen Parteien in ihrer gesamten organisatorischen (legalen und illegalen) und politischen Tätigkeit.

8. Die Kommunistische Internationale begrüßt die Bildung der Kommunistischen Jugendinternationale, deren grundsätzliche Aufgaben sind: die zentralisierte Leitung der kommunistischen Jugendbewegung, die Unterstützung. der nationalen kommunistischen Jugendverbände, Schaffung solcher Jugendverbände, wo noch keine bestehen, die internationale Agitation für die -Ideen des Kommunismus und der Jugendbewegung.

9. Die Kommunistische Jugendinternationale ist ein Teil der Kommunistischen Internationale und unterordnet sich als solcher den Beschlüssen der Kongresse der Kommunistischen Internationale und die politischen Direktiven ihrer Exekutive und führt dabei selbständig ihre Arbeit in der Leitung, Organisierung, Festigung und Erweiterung der Jugendinternationale.

10. Die Kommunistische Jugendinternationale und ihre Verbände nehmen teil an den Kongressen der Kommunistischen Internationale. Die Exekutiven der KI und der Jugendinternationale tauschen gegenseitig Vertreter mit entscheidender Stimme.

11. Die Kommunistische Internationale bezeichnet es als eine Aufgabe ihrer Exekutive und der ihr angeschlossenen Parteien, unter den Mitgliedern der Parteien und breiten Massen der Arbeiter die Ideen der kommunistischen Jugendbewegung zu propagieren.

 

 

Kommunistische Jugend-Internationale

K J I