"WEG DER WELTPARTEI"

Theoretisches Organ

 

der

 

KOMINTERN (SH)

Sektion Deutschland

 

 

 

 

 

Zur Geschichte der deutschen Arbeiterklasse:

"Arbeiter gegen Hitler"

1983 geschrieben von Wolfgang Eggers

 


abgedruckt als zehnteilige Artikelserie in

"Roter Morgen"

Nr. 19 vom 13. Mai bis Nr. 28 vom 15. Juli 1983

 

[die Redaktion des Roten Morgen ( sie war schon zu diesem Zeitpunkt unter dem trotzkistischen Einfluss des Koch-ZK's) hatte den vom Genossen Wolfgang Eggers eingereichten Artikel eigenmächtig und willkürlich gekürzt abgedruckt. Das vollständige Original ist leider nicht mehr auffindbar. Somit liegt hier nur die überarbeitete Fassung eines Fragments vor...

[u.a. weigerte sich die Roter Morgen Redaktion, den Entwurf des Sozialprogramms unserer Partei abzudrucken, den genosse Wolfgang Eggers verfasst hatte. Auch diese Dokument ist heute nicht mehr erhalten]

 

 

- Historisch beginnt die Artikelserie mit dem Zeitpunkt als die Nazis die Gewerkschaften am 1. Mai 1933 zerschlagen hatten.]

 

... So begann ein wahres Kesseltreiben gegen jede gewerkschaftliche Bewegung. Unter diesen Bedingungen trat die KPD wieder mit Angeboten zur Verständigung über ein gemeinsames Vorgehen zur Reorganisierung freier Gewerkschaften an die SPD heran. Aus Anlass des provozierten Reichstagsbrandts vom 27. Februar 1933 - und den damit erfolgten Massenverhaftungen und Massenmorden - hatte die KPD der SPD und dem ADGB vorgeschlagen, zum Generalstreik aufzurufen. Dieser Vorschlag war die Fortsetzung der vergeblichen Einheitsfront-Bemühungen der KPD vom 14. März - anlässlich der Aberkennung der 81 kommunistischen Reichtagsmandate und der Verhaftung des Genossen Ernst Thälmanns am 3. März und der von Dimitroff.

 

Die SPD ließ alle diese Angebote der KPD zur Einheitsfront gegen den Hitlerfaschismus unbeantwortet. Und im Juni 1933 wurde die SPD dann selber verboten.

Dieses ständige Abwarten und Hinauszögern hatte die Position der deutschen Arbeiterklasse im kritischsten Augenblick dramatisch verschlechtert.

Anti-faschistische Einheits-Aktionen, gemeinsame Widerstände, Aufstände, Generalstreiks der Arbeiter - all das wurde somit von der SPD bewusst verhindert, weswegen sie auch in diesem kritischen Augenblick der Machtübernahme Hitlers ihre Rolle als Steigbügelhalter des Faschismus voll ausfüllte. Das war das größte und folgenschwerste historische Verbrechen, das die SPD an der deutschen Arbeiterbewegung und am deutschen Volk jemals begangen hatte und darf niemals vergessen werden.

 

Ähnlich war auch das Bild der internationalen Gewerkschaftsbewegung. Es sei hier festgestellt, dass sich die RGI (Revolutionäre Gewerkschafts-Internationale) bereits seit 1921 mehrere dutzend Male an die Amsterdamer Internationale (gelbe Gewerkschafts-Internationale der Sozialdemokratie) gewandt hatte, um gemeinsam gegen den Kapitalismus zu kämpfen. Die Sozialdemokratie lehnte jedoch prinzipiell jegliche Zusammenarbeit mit den kommunistischen Gewerkschaften ab. Damit stellte sie sich weltweit auf die Seite des Kapitals. Und es war das Weltproletariat, das die verbrecherische Haltung der Amsterdamer Gewerkschafts-Internationale kritisierte, nämlich durch die Ablehnung der anti-faschistischen Einheitsfront die Machtübernahme Hitlers erst ermöglicht zu haben. Im Verlauf von 15 Jahren fiel die Mitgliederzahl von 24 Millionen bis auf 9 Millionen ab. Nebenbei bemerkt war die deutsche Gewerkschaft schon von Anfang an die größte Gewerkschaft in der Welt. Sie hätte also im Weltmaßstab entscheidenden Einfluss auf die anti-faschistische Arbeuterbewegung gehabt. Insofern war der Verrat der SPD nicht nur ein Verrat an der deutschen Arbeiterklasse, am deutschen Volk, sondern vor allem am gesamten Weltproletariat und den Völkern.

 

In einem Brief der RGI an die Amsterdamer Gewerkschafts-Internationale wurde der Vorschlag gemacht, sich am Wiederaufbau von freien Gewerkschaften in Deutschland zu beteiligen. Doch die Antwort lautete: "Es können zur Zeit keine praktischen Ergebnisse erzielt werden."

Das Zustandekommen einer antifaschistischen Einheitsfront zwischen der RGI und der "Amsterdamer" hätte die Mobilisierung von 35 Millionen Mitgliedern bedeutet ! Eine solche Weltvereinigung der Gewerkschaften hätte Hitler das Genick brechen können und wäre eine gewaltige Weltmacht gegen das Kapital, gegen Krieg und Faschismus gewesen. Und dann würden sich sehr wohl "praktische Ergebnisse erzielen" lassen, beispielsweise im internationalen Kampf gegen den Lohnabbau, für eine umfassende Sozialversicherung, für Streikfreiheit, Freiheit der Arbeiter- und Gewerkschaftspresse usw.

 

Um die Einheit der Gewerkschaftsbewegung zu erreichen, schlug die RGI folgende Plattform vor:

 

"1.

Gegen Lohnabbau, für Lohnerhöhung;

 

2.

für durchgreifende Erwerbslosenversicherung auf Kosten der Unternehmer und des Staates;

 

3.

Kampf gegen den Faschismus und für die Wiederherstellung freier Gewerkschaften dort, wo sie vom Faschismus aufgelöst wurden und gegen die Gleichschaltung der Gewerkschaften, sowie für die Auflösung aller faschistischen Organisationen in den Ländern, wo der Faschismus noch nicht an der Macht ist;

 

4.

Vereinigung der Gewerkschaften in allen Ländern auf der Grundlage des Kampfes gegen das Kapital und einer breiten Gewerkschaftsdemokratrie;

 

5.

Einberufung eines internationalen Kongresses aus den Vertretern der den beiden Internationalen angeschlossenen Gewerkschaftsinternationalen zur Schaffung einer vereinigten Gewerkschaftsinternationale;

 

6.

Zur Einberufung des Internationalen Kongresses ist eine paritätische Kommission aus Vertretern beider Internationalen zur Koordinierung des Kampfes der Gewerkschaften in allen Ländern und zur Vorbereitung des Vereinigungskongresses zu schaffen.

 

Was lässt sich gegen die Vereinigung der Gewerkschaften und gegen die Schaffung einer vereinigten Internationale einwenden ?

Wir zwingen unsere Anschauungen über die Diktatur des Proletariats und über das Sowjetsystem nicht auf, wir fordern nicht, dass die Führer der Amsterdamer Internationale Kommunisten und Revolutionäre werden. Wir sagen ihnen:

Ihr habt in den Beschlüssen eurer Internationale viele Male erklärt, dass ihr gegen den Faschismus kämpfen wollt. Ihr habt erklärt, dass ihr gegen den Krieg, gegen die Kapitaloffensive kämpfen wollt. Lasst uns also gemeinsam kämpfen. Werden wir etwa dann zusammen weniger erreichen, als jeder allein für sich ? War doch die elementare Losung der Gewerkschaftsbewegung der ganzen Welt seit den ersten Tagen ihrer Entstehung die Losung:

Einigkeit macht stark!

Sollte sich auch tatsächlich nur ein einziger Arbeiter in der Welt finden, der glauben würde, dass Uneinigkeit stark macht ? Die Arbeiter wollen die Einheit."

 

Diese Linie der Einheitspolitik wurde auf dem VII. Weltkongress der Kommunistischen Internationale festgelegt. Angeblich sollten damit "sektiererische" Positionen der Kommunisten in der Gewerkschaftsfrage "überwunden" werden. In Wahrheit "überwand" der VII. Weltkongress die korrekten Beschlüsse des Stalinischen VI. Weltkongresses. Die entscheidende Frage lautet:

Warum wurde zuerst die RGI im Jahre 1937 und dann die Komintern im Jahre 1943 aufgelöst ? - insbesondere zu einer Zeit, in der die internationale Organisierung des Weltproletariats zum Sturz des Hitlerfaschismus auf der Tagesordnung der Weltrevolution stand !

Unter den schwersten Verhältnissen der faschistischen Diktatur brauchen die Arbeiter ihre kommunistischen Organisationen ja wohl dringender als unter allen anderen Bedingungen. Wie können sich da alle so mühselig geschaffenen und aufgebauten kommunistischen Weltorganisationen auflösen ?

Dies geschah durch den zunehmenden Einfluss des Rechtsopportunismus innerhalb der kommunistischen Weltorganisationen.

Von der leninistischen weltrevolutionären Umwandlung des Kampfes gegen Krieg und Faschismus in den Sozialismus war keine Rede mehr. Die Losung von der Umwandlung der faschistischen Diktatur der Bourgeoisie in die Diktatur des Proletariats wurde vollkommen fallen gelassen und für "sektiererisch" erklärt.

So verrieten die Rechtsopportunisten das Banner Lenins und Stalins und gingen den Weg der Versöhnung mit der liberalen Bourgeoisie, mit den sozialfaschistischen Führern der Sozialdemokratie - wollten sie, dass der Arbeiter unter der Knute des Kapitalismus bleibt!

Im antifaschistischen Kampf der kommunistischen und Arbeiterbewegung verübten die späteren Führer des modernen Revisionismus Sabotage auf der ganzen Linie. Es waren die gleichen Führer, die schließlich in der DDR die sozialfaschistische Herrschaft der Bourgeoisie errichteten und die DDR in ein Arbeiter- und Bauerngefängnis verwandelten . . .

 

 

Tatsache ist, dass sich von unten eine anti-faschistische Einheitsfront unter den sozialdemokratischen und kommunistischen Arbeitern bildete, dass sich die Arbeiter an der Basis im gemeinsamen Kampf gegen den Faschismus an der Macht einig waren und trotz schwierigster, illegaler Bedingungen füreinander einstanden und gemeinsam "praktische Ergebnisse erzielten." Selbst eine faschistische Diktatur erwies sich außerstande, die Einheitsfront der Atrbeiter zu zerschlagen.

 

An der Basis wurden bei den Vertrauensleutewahlen im Frühjahr 1934 beachtliche Erfolge erzielt. Die faschistischen Kandidaten erhielten in der Mehrzahl der Betriebe kaum über 25 % der abgegebenen Stimmen. Nach 1935 stellten die Faschisten folglich sämtliche Wahlen ein und beseitigten das alte Vertrauensleutesystem. Wer den Nazis nicht gefiel, wurde kurzer Hand entlassen oder durch eigene Leute ersetzt. In den Betrieben wurden auch die allerletzten Rechte der Arbeiter vernichtet und schlimmste Reaktion und Faschismus verdunkelten die Betriebsstätten.

Die faschistische Arbeitsgesetzgebung machte die Arbeiter völlig rechtlos. Es folgten politische Säuberungen in den Betrieben, Ausgliederungen, Berufsverbote, Zwangsverpflichtungen, Verbot des Arbeitsplatzwechsels, Zwangsarbeit - all das ermöglichte das faschistische "allgemeine Arbeitspflichtgesetz". Die Faschisten organisierten ihr eigenes Sklavenhaltersystem - die DAF, die "Arbeitsfront für den Führer".

Allgemeine soziale Einrichtungen wurden abgebaut und stattdessen Nazi-Einrichtungen geschaffen zur Militarisierung der Betriebe. Es folgten Lohnabbau, Unterstützungskürzungen, willkürliche Anordnung von Kurzarbeit oder Überstunden ohne Lohnausgleich, die Aushebelung des 8-Stundentages und die Einführung der Arbeitszeitgesetzgebung duch den faschistischen Staat.

 

Der Widerstandskampf der revolutionären Arbeiter, ihre anti-faschistische Gewerkschaftsarbeit musste unter den Bedingungen des Faschismus in die faschistischen Organisationen verlagert werden - in die "Arbeitsfront". Hier mussten neue Kampfformen und - methoden zur Zerschlagung des Faschismus entwickelt werden mit dem langfristigen Ziel des Aufbaus revolutionärer Gewerkschaften. Hierzu nutzten die kommunistischen Arbeiter alle erdenklichen legalen Mittel. Auch unter dem Hitlerfaschismus wandten die Arbeiter erfolgreich das Prinzip des "Trojanischen Pferdes" an.

 

Mit dieser Methode stellten die Arbeiter Forderungen nach Lohnerhöhungen auf, was Bewegung und Unruhe in die Betriebe brachte. So blieb den Nazis nichts anderes übrig, als in ihrem "Völkischen Beobachter" auf demagogische Weise Lohnerhöhungen "in Aussicht zu stellen", um die Arbeiter zu beruhigen. Einige Kollegen schnitten den Zeitungsartikel aus und hefteten ihn ans schwarze Brett. Damit wurde die Diskussion im Betrieb legal in Gang gebracht und die Betriebsführung unter Druck gesetzt. Wer wollte den Arbeitern verbieten, über einen Artikel im offiziellen "Völkischen Beobachter" zu diskutieren ?! All diese legalisierten neuen Kampfformen erwiesen sich als recht wirkungsvoll. Vor dem Machtantritt Hitlers konzentrierten sich die kommunistischen Arbeiter in den Betrieben auf die Entlarvung der Nazi-Führer, wenn diese versuchten, ihre Argumente für Lohnabbau an den Mann zu bringen. In einem Flugblatt konterten sie mit der provokanten Frage:

"Kannst du etwa Eisen auf dein Brot schmieren?"

Vor der Errichtung der Hitlerdiktatur versuchten die Kommunisten, die faschistisch beeinflussten Arbeiter zur Beteiligung am Arbeitskampf der RGO zu bewegen, was auch zum Beispiel im BVG-Streik erfolgreich gelang. Die Bourgeoisie, der ADGB und die sozialfaschistischen SPD-Führer verunglimpften die streikenden Arbeiter nach dem Motto: "Rechtsextremisten und Linksextremisten - Hand in Hand gegen die Demokratie"

 

 

(Teil 2)

 

Roter Morgen Nr. 20 vom 20. Mai 1983:

 

(Teil 3)

 

Roter Morgen Nr. 21 vom 27. Mai 1983:

 

 

(Teil 4)

 

Roter Morgen Nr. 22 vom 3. Juni 1983:

 

 

(Teil 5)

 

Roter Morgen Nr. 23 vom 10. Juni 1983:

 

 

 

 

(Teil 6)

Roter Morgen Nr. 24 vom 17. Juni 1983:

 

Zum ersten Einsatz der Kriegsmaschinerie kam es 1936 in Spanien. Seit dem 18. Juli 1936 putschten die faschistischen Generäle Francos gegen die rechtmäßige spanische Volksfrontregierung.

Trotzdem die Mehrheit der Mitglieder des sozialdemokratischen Vorstandes eine gemeinsame Protesterklärung mit den Kommunisten ablehnte, setzten deutsche Antifaschisten, Kommunisten, Sozialdemokraten und Gewerkschafter, in den Schlachten des Spanischen Bürgerkrieges heldenhaft ihr Leben für die Freiheit Spaniens, für die Freiheit der Völker ein. In der Front von etwa 30 000 Antifaschisten aus 53 Ländern nahmen auch 5 000 deutsche Antifaschisten teil.

 

Die Aktionen der Gewerkschafter für die Verteidigung der materiellen Interessen wurden nicht konsequent genug mit dem politischen Kampf verbunden. Aber es gab in der Gewerkschaftsbewegung auch richtig gute Ansätze. Dies zeigte sich gegen Ende des Jahres 1936 vor allem in der Unterstützung des Kampfes des spanischen Volkes gegen den Faschismus. Seit September 1936 tauchten in fast allen deutschen Großstädten Flugblätter auf, in denen die militärische faschistische Intervention in Spanien schärfstens entlarvt und verurteilt wurde. Im August protestierten Antifaschisten aus neun Berliner Metallbetrieben gegen die Aggression des Hitlerregimes. Auf Sylt versuchten die Antifaschisten sogar einen Streik zu organisieren.

 

Angesichts der wachsenden Weltkriegsgefahr unternahmen auch antifaschistische Seeleute große Anstrengungen, um den Kampf um höhere Heuer mit dem Kampf zur Sicherung des Friedens zu verbinden. Klassenbewusste Seeleute begaben sich nach Spanien und reihten sich dort in die Internationalen Brigaden ein. Mit der Waffe in der Hand kämpften sie gegen den Faschismus. In einem ihrer Flugblätter hieß es:

 

"Jetzt ist es unsere Pflicht, die Pflicht der deutschen Seeleute und Rheinschiffer, alle Transporte von Kriegsmaterial unmöglich zu machen. Jeder anti-faschistische Seemann, jeder klassenbewusste Rheinschiffer kann bei dieser Arbeit, die im Augenblick die beste Unterstützung der kämpfenden spanischen Genossen bedeutet, helfen!"

 

Die Gewerkschaftsleitung der Seeleute schlug vor:

 

"Beobachtet und erforscht möglichst genau den Inhalt jeder Ladung. Meldet uns oder der nächsten Arbeiterorganisation eure Beobachtungen."

 

Von den Hamburger Werftarbeitern wurde sogar ein illegaler Kontroll-Meldeausschuss gegründet. Auf Grund von Informationen über die Ladung von Schiffen war es in einigen Fällen möglich, Transporte von Kriegsmaterial nach Spanien zu verzögern.

 

Die freigewerkschaftlichen Eisenbahner reihten sich in die Kampffront für die Verteidigung der spanischen Republik ein. In der ersten Nummer ihrer Zeitung "Fahrt frei!" riefen sie im Jahre 1937 ebenfalls zur Solidarität mit den in Spanien kämpfenden Genossen auf. All dies unter den illegalen Bedingungen des faschistischen Terrorregimes auf die Beine gestellt zu haben - das war eine großartige Heldentat der deutschen anti-faschistischen Arbeiter.

 

* * *

Im Juli 1936 fand im Gewerkschaftshaus der belgischen Transportarbeiter in Antwerpen eine Konferenz der ITF statt, an der die deutschen Seeleute und Rheinschiffer teilnahmen. Wie aus Materialien einer Gruppe von Seeleuten in Kopenhagen hervorging, wurde nicht nur für eine Erhöhung der Löhne und für die Wiedereinführung des Heuertarifs von 1932 gekämpft, sondern die Beratung in Antwerpen wurde auch Ausgangspunkt zur Organisierung des antifaschistischen Kampfes.

 

Ebenfalls unterstützt von der ITF erfolgte im September/Oktober 1936 die weitere Formierung der illegalen freigewerkschaftlichen Eisenbahner. Die Gewerkschaftszeitung "Freie Fahrt!" erschien von 1936 bis 1938 in einer monatlichen Auflage von mindestens 500 Exemplaren. Das ist eine durchaus "große" Auflage, wenn man berücksichtigt, dass jedes Exemplar von "Hand zu Hand" weitergereicht wurde. Hauptstützpunkt war zum Einen das westdeutsche Industriegebiet und zum Anderen konzentrierte sich die Organisation auf Süddeutschland.

Es kam zu Verhaftungen von 11 Gewerkschaftern. Sie mussten schwerste Misshandlungen erleiden. 1937 wurde ihnen der Prozess gemacht - vor dem "Volksgerichtshof".

 

Beim Aufbau des illegalen Verbindungsnetzes gingen die Eisenbahner von dem Grundsatz aus, dass es notwendig sei, ein Netz von illegalen Funktionären in ganz Deutschland zu organisieren. Diese illegale Truppe sollte imstande sein, sich dann - wenn irgendwelche Ereignisse eintraten - an die Spitze der Eisenbahner zu stellen und den Neuaufbau ihrer Gewerkschaft durchzusetzen. Westdeutschland wurde in Bezirke aufgeteilt. Und an die Spitze eines jeden Bezirkes wurde ein Kollege gestellt, der für dessen Leitung verantwortlich war. Es wurden Verbindungen zu Anhängern des Internationalen Sozialistischen Kampfbundes hergestellt, der über einen gut funktionierenden illegalen Apparat verfügte.

Sie verbreiteten u.a. auch das illegale Programm der ITF von 1935. Es war ein gewerkschaftliches Sofortprogramm. Darin forderten die Mitglieder:

Erhöhung der Löhne, Herabsetzung der Steuerlasten, Wiedereinführung des Mieterschutzes, Anhebung der Arbeitslosen- und Krisenunterstützung sowie der Wohlfahtsunterstützung, Ausbau des Kurzarbeitergeldes, Wiederherstellung des Betriebsrätegesetzes, Pressefreiheit für die Arbeiterorganisationen, Streikrecht, Wiederherstellung des Kollektivarbeitsvertrages, des Kündigungsschutzgesetzes, die 40-Stundenwoche bei vollem Lohnausgleich usw.

 

 

 

(Teil 7)

Roter Morgen Nr. 25 vom 24. Juni 1983:

 

 

 

(Teil 8)

Roter Morgen Nr. 26 vom 1. Juli 1983:

 

(9. Teil)

Roter Morgen Nr. 27 vom 8. Juli 1983

 

 

Im Dezember 1937 kam ein neues Arbeitsgesetz heraus. Es zwang die Arbeiterin, in den Arbeitsdienst zugehen, bevor sie irgendwo eine Beschäftigung suchen durfte. Das war ein weiters Rädchen im Räderwerk der anlaufenden Kriegsmaschinerie. Ein Jahr vor dem Krieg wurde Deutschland zu einem Zwangsarbeiterlager. Die Arbeit rollte schon für den Krieg, bevor dieser begonnen hatte.

 

Der perfektionierte faschistische Staat hatte aber auch nicht vergessen, die "arbeitslosen" Juden in den Rüstungsbetrieben einzusetzen - natürlich isoliert und abgesondert von der deutschen "Gefolgschaft".

Unmittelbar vor Kriegsausbruch wurde den älteren Kollegen verweigert, in Rente zu gehen. Sie durften, soweit sie noch "gesund" waren, ihren Arbeitsplatz bei Strafe nicht mehr verlassen. Sogar Blinde und Invaliden wurden zur Fabrikarbeit "einberufen". Die Nazis zerrten die Menschen aus Heimen und Obdachloseneinrichtungen. Wie Sklaven trieben die Faschisten "alles, was Beine hatte", in die Rüstungsproduktion. Also nicht nur mit dem "Autobahnbau" hatte Hitler die "Arbeitslosigkeit" beseitigt. Er zog auch die noch lebenden Antifaschisten aus den Konzentrationslagern ab, um sie in die Kriegsproduktion "einzugliedern".

 

Unter diesem militärischen Druck entstand ein akuter Arbeitskraftmangel, und die Arbeiter begannen, Forderungen aufzustellen, um ihre Arbeitskraft "teurer" zu verkaufen. Und durch gut organisierte Arbeitskämpfe konnten in dieser Periode tatsächlich Lohnerhöhungen durchgesetzt werden. Hervorzuheben sind hierbei die Werftarbeiter. Auch die Mansfelder Kupferbergarbeiter konnten Lohnerhöhungen durchsetzen.

Insgesamt stiegen die Löhne 1939 immerhin um 1 Prozent. Dieser Erfolg beflügelte den ganzen anti-faschistischen Widerstandskampf in den Betrieben. So heißt es zum Beispiel in einem Flugblatt der Werftarbeiter:

 

"Wir wollen keinen Krieg, wir wollen mehr Lohn, und zwar schon heute ! Wir wollen mehr Geld (aber nicht durch Überstundenschufterei) und dadurch bessere Nahrung, mehr Freiheit und das Recht, selbst zu entscheiden, wie wir unsere Erholung und Bildung organisieren! Mehr Lohn ! Weniger Granaten!"

 

Und in einem Bericht des ZK der KPD hieß es Anfang 1938:

 

"In einem sächsischen Großbetrieb schickte die Betriebsleitung Angestellte des technischen Büros mit Stoppuhren in die Abteilung. Zwei Stopper stellten sich zugleich hinter einen Arbeiter; dieser stürzte sich auf die beiden Stopper, um sie aus der Abteilung rauszuwerfen. Es kam zu einem regelrechten Handgemenge zwischen dem Arbeiter sowie den ihm zur Hilfe eilenden Kollegen und diesen beiden Stoppern. Der Betriebsobmann wurde herbeigeholt. Dieser wandte sich an die DAF, weil auf Grund dieses Vorfalls die Empörung im ganzen Betrieb groß war. Es erschien solgleich ein höherer DAF-Beamter, der eine Ansprache hielt. Die Arbeiter hätten das Recht, sich zu wehren, wenn sie in ihrer "Arbeiterehre" gekränkt würden. Zum Schluss versprach er den Arbeitern, dass das Stoppsystem wieder abgeschafft würde. Die Arbeiter waren sich einig darüber, dass allein ihr Widerstand zum Erfolg geführt und die Neukalkulation für ein noch raffinierteres Antreibersystem verhindert hat" ("Deutschland-Information" Jahrgang 1938, Nr. 2, Seite 20).

 

Eines Morgens fanden die Arbeiter einer Flugzeugmotorenfabrik an allen Maschinen ein Schild: "Kampf gegen den Ausschuss!" Die Kollegen empörten sich darüber. Erst die Antreiberei, dann schlechtes Material... und dann obendrein noch das ! Ohne, dass vorher irgendetwas illegal vorbereitet wurde, waren sich die 200 Kollegen spontan und ohne viel Worte einig. Die Maschinen wurden angehalten. Keiner sprach von Streik - und doch war es einer !

 

Als in einer Abteilung des Siemens-Werkes in Berlin die Mitteilung kam, statt um 7.00 Uhr morgens schon um 6.00 Uhr morgens mit der Arbeit anzufangen, erschienen die Arbeiter am folgenden Tag wieder um 7.00 Uhr und zwangen somit die Direktion zum Rückzug.

 

Auf der Burbacher Hütte bei Saarbrücken nahmen die Bewegungen den Charakter einer offen politischen Demonstration an. Ein Teil des Lohnes sollte in Form von Steuergutscheinen "ausgezahlt" werden. Wegen der starken Protestaktionen wurden eine bewaffnete Polizeieinheit herbeigerufen und eingesetzt.

 

Mehrere Erhebungen und Streiks gab es bei den Arbeitern, die den Westwall bauen mussten. Ihre Aktionen - sie reichten von zig Tausenden Protestbriefen an das Sozialamt der DAF und Protesten bei Radio Saarbrücken bis hin zu einer allgemeinen Arbeitsniederlegung am 10. Juni 1939 auf dem Abschnitt Gersweiler - Saarbrücken. Sie richteten sich gegen die schlechte Ernährung, gegen die mangelnde Unterstützung der Familien, fehlende Arbeitsbekleidung usw. Die Nazis mussten eine einmalige Prämie von 50 Mark zahlen. Andere "Vergünstigungen" wurden zusätzlich "gewährt".

 

 

Kurz vor Einmarsch der Hitlerhorden in Polen richtete die KPD an die SPD Vorschläge zum einheitlichen Vorgehen aller Anti-Faschisten und Kriegsgegner. Kurt Geyer, Rudolf Hilferding und Friedrich Stampfer gehörten zur Gruppe der SPD-Führer, die an ihrer bisherigen Verweigerungshaltung weiter festhielten. Sie lehnten die Zusammenarbeit mit der KPD nach wie vor strikt ab. Dies konnte Hitler nur Recht sein. Vor den Arbeitern konnte es für diese verräterische, niederträchtige Haltung jedoch keinerlei Rechtfertigung geben. Sie haben selbst die richtige Antwort auf diese sozialfaschistische Haltung der SPD-Führer gegeben: gemeinsamer Kampf zum Sturz des Hitlerfaschismus - an der Basis, obwohl die Bedingungen hierfür mit jedem Tag immer schwieriger geworden waren.

 

So wurde beispielsweise die Gewerkschaftsarbeit in Frankreich durch den wachsenden Druck der Polizeipräfektur empfindlich eingeengt. Der Koordinationsausschuss deutscher Gewerkschafter musste sich auflösen.

Schwierigkeiten tauchten auch im Zusammenhang mit dem 8. Kongress des Internationalen Gewerkschaftsbundes in Zürich auf (5. - 8. Juli 1939). Der Zweite Weltkrieg stand auf der Tagesordnung. Mit 46 gegen 37 Stimmen setzten sich auf diesem Kongress wieder die anti-kommunistischen Kräfte unter Führung der amerikanischen Gewerkschaft AFL durch. Diese Beschlüsse verfehlten in der Praxis aber ihre Wirkung, denn die antifaschistischen Gewerkschafter setzten ihre Einheitsfront auch unter den erschwerten Bedingungen weiter praktisch fort.

 

 

 

 

Widerstand der deutschen Arbeiter

im Zweiten Weltkrieg

"Krieg dem imperialistischen Krieg!"

 

Der Ausbruch des Zweiten Weltkriegs verlangte von den antifaschistischen Arbeitern und Gewerkschaftern neue große Herausforderungen.

Die Rüstungswirtschaft wälzte die Lasten des Krieges rücksichtlos auf die Werktätigen ab.

Die Gewerkschaftsbewegung in Deutschland stand vor der schwersten Prüfung in ihrer Geschichte.

 

Von nun an stand der 1. Mai im Zeichen des Kampfes gegen den Krieg.

Im Maiaufruf der Kommunistischen Internationale hieß es:

 

"Der Maifeiertag, der Tag der internationalen Solidarität, wird von den Werktätigen unter den Bedingungen eines neuen imperialistischen Krieges gefeiert. Noch nie war die Idee der internationalen proletarischen Solidarität von so entscheidender Bedeutung für die Arbeiter aller Länder, wie in diesen Tagen des Krieges, der Europa und Asien in eine Feuersbrunst gehüllt hat.

Die Kommunistische Internationale fordert euch Arbeiter auf, euch unter dem glorreichen Banner des proletarischen Internationalismus einzureihen, unter dem großen Banner von Marx, Engels, Lenin, Stalin, denn nur unter dieser Fahne werdet ihr siegen."

 

Die Menschen wurden aus ihrem Leben weggerissen und an die Front geworfen, die Familien zerstört. Der Krieg raubte den Kindern ihre Väter, den Müttern ihre Söhne und den Frauen ihre Männer. Die Ausbeutung der Arbeitskraft nahm in den Rüstungsbetrieben bestialische, umneschliche Ausmaße an. In den Betrieben schufteten und starben Rentner, Frauen, Kinder, Ausländer, Kriegsgefangene. Es herrschte die absolute Willkür der Kapitalisten, das ganze mörderische Ausbeutungs- und Unterdrückungssystem des Kriegsfaschismus - und dieser musste unvermeidlich den Widerstand in noch heldenhafterer Form hervorbringen.

Bis 1945 wirkten zum Beispiel in den Siemenswerken Berlins die Arbeiter und Gewerkschafter für den Sturz der faschistischen Diktatur.

Im September 1939, bei Ausbruch des Krieges, wurde in einem Flugblatt dazu aufgerufen, die Produktion von Munition zu boykottieren. In einem weiteren Flugblatt hieß es im November 1940:

 

"Die Rheinmetall-Borsig AG erzielte im ersten Kriegsjahr einen Reingewinn von 3 900 000 Reichsmark. Diese Summe erhalten die Aktionäre dieser Gesellschaft. Die Aktionäre haben keinen Finger gerührt. Finden Sie das gerecht ? Ist das etwa die viel gepriesene 'Volksgemeinschaft' ?"

(Das Flugblatt ist unterschrieben von "Arbeiteropposition in der NSDAP").

 

In Berlin, Dresdnen, Magdeburg und an der Front erschien im Dezember 1941 ein Flugblatt, in dem es hieß:

 

"In verschiedenen Chemie-Werken Deutschlands wurden an Stelle von Knallquecksilber miderwertige Stoffe in die Bomben eingefüllt. Die Wirkung dieser Bomben ist gleich null. Recht so ! Deutsche Arbeiter ! Verhindert den Mord an unschuldigen Zivilpersonen ! Sabotiert die Arbeit ! Überall sabotieren die deutschen Werktätigen ! In den U-Boot-Werften werden die U-Boote falsch repariert ! Schmirgel wird in die Maschinenlager geworfen. Arbeiter ! Bauern ! Soldaten ! Dreht die Gewehre um ! Hitler hat uns verraten ! Seine Herrschaft ist um !"

 

Vielen Widerstandskämpfern war nastürlich bewusst, dass man den Faschismus nicht mit Flugblättern und Parolen vernichten könne und sahen daher ihre Aufgabe darin, neben der Anti-Faschismus - und Anti-Kriegspropaganda auch direkt den bewaffneten Kampf zu organisieren.

 

Dies tat u.a. die ADV (Anti-Nationalsozialistische Deutsche Volksfront) in München:

 

"Es gibt bereits viele Millionen Deutsche, die sich mit unserer Sache solidarisch fühlen. Leider fehlt vielen der Mut, aktiv zu sein. Wir müssen diesen Ängstlichen sagen, dass es ohne Kampf niemals eine Rettung geben kann und dass jeder, der nicht mittut und mit verschränkten Armen beiseite steht, tatsächlich nur Hitler unterstützt."

 

Die ADV sorgte für die Bewaffnung ihrer Mitglieder und organisierte die Sabotage in der Industrie und im Verkehrswesen. Ihre Aktivitäten entfaltete sie in der Maschinenfabrik Deckel, im Agfa-Werk und in der Lokomotivfabrik Krauss-Maffai. Es schlossen sich auch die Arbeiter und Angestellten einer Münchener Kohlehandlung, eines Baumateriallagers, die BMW-Arbeiter und die Arbeiter anderer Werke an.

Die AVD installierte einen Sender und hielt Kontakt zu Auslandsorganisationen des Nationalkomitees "Freies Deutschland". Sie nahm ferner Kontakt zu im Ausland operierende Widerstandsgruppen auf, die in den großen Betrieben unter den Kriegsgefangenen wirkten.

 

Der Widerstand gegen Hitler nahm von Kriegsjahr zu Kriegsjahr zu. Er nahm auch immer besser organiserte Formen an. Nach einer unvollständigen Statistik der Gestapo wurden allein im Jahre 1944 auf dem Gebiet des "Deutschen Reiches" wegen oppositioneller und vor allem wegen marxistischer Betätigung 33 000 Deutsche und rund 53 000 Ausländer verhaftet. Der Justizminister Thierack gab bekannt, dass in den ersten 6 Monaten des Jahres 1944 in Deutschland 193 024 "Arbeitsniederlegungen" und 12 945 ausländische "Arbeitsniederlegungen" registriert waren.

Nach Angaben des Westberliner Instituts für Wirtschaftsforschung legten im Jahre 1944 250 000 ausländische Bürger in den Betrieben des "Dritten Reichs" die Arbeit nieder.

 

Wenn auch durch das Eingreifen viele Widerstandsaktivitäten verhindert wurden, so konnte dem Hitler-Regime ein beträchtlicher Schaden zugefügt werden.

 

 

 

 

 

 

 

Ende Januar 1942 wurde ein Flugblatt in Umlauf gebracht mit Unterschriften von 60 deutschen Abgeordneten und Gewerkschaftsfunktionären:

 

"Arbeiter und Arbeiterinnen Deutschlands!

Erhebt euch zum Kampf gegen die Hitlerbande, gegen das niederträchtige Regime des Krieges, des Hungers und des Konzentrationslagers !

Bringt die Werkbänke zum Stehen ! Macht die Maschinen, welche Mordinstrumente herstellen, unbrauchbar !

Arbeitet langsamer !

Protestiert gegen die Zwangsabzüge !

Weigert euch, noch weitere Opfer zu bringen ! Sie verlängern nur den Krieg.

Schafft illegale Betriebsvertrauensleute zur Führung des Kampfes gegen Krieg und Hitlerfaschismus, für ein neues, freies Deutschland.

Bereitet euch auf Massenstreiks und Demonstrationen zur Beendigung des Krieges, zum Sturz Hitlers vor !

Nieder mit dem Nazi-Regime !"

 

Im Mai brachte ein "Arbeiterausschuss freier, gewerkschaftlicher Bergarbeiter Deutschlands" ein Flugblatt heraus, das in Düsseldorf und im ganzen Ruhrgebiet verbreitet wurde:

 

"Bergleute !

In diesem Freiheitskampf der Völker sind unsere Kameraden in den besetzten Gebieten führend beteiligt. Sie scheuen keine Opfer, selbst nicht das eigene Leben, wenn es gilt, der Hitler-Bande einen empfindlichen Schlag zu versetzen. Unsere Kameraden In Frankreich, Belgien und Holland, der Tschechoslowakei und Jugoslawien werden von den braunen Räubern zum Einfahren gezwungen, um die Kohle für Hitlers Kanonen und Fabriken zu fördern. Doch sie sabotieren mit allen Mitteln die Kohleförderung. Da werden Pumpen vernichtet, Querschläge gesprengt. Bremsbergsstapel und Strecken zerstört. Streben und Örter gehen zu Bruch. Lokomotiven bleiben auf den Sohlenstrecken liegen und Rutschemotoren, Licht- und Luftleitungen funktionieren nicht mehr. Auf vielen Schachtanlagen wurde schon gestreikt und auf allen Gruben in den von Hitler unterjochten Gebieten bereiteten sich unsere Kameraden sehr ernst zu großen Massenstreiks vor. Sie sind von einem Willen beseelt:

Das Hitler-Regime muss fallen, seine Kriegsmaschinerie vernichtet werden.

Ein wichtiges Glied des Freiheitskampfes der Menschheit aber tritt noch sehr schwach in Erscheinung, obwohl es eigentlich durch die Verbrecherpolitik Hitlers in der allergrößten Gefahr schwebt. Das deutsche Volk selbst.

Werden sich die deutschen Arbeiter, das ganze deutsche Volk aktiv in den Kampf der Freiheit und Frieden liebenden Völker gegen die braune Tyrannei einschalten, um die eigene Freiheit wieder zu gewinnen ? Werden vor allem die deutschen Arbeiter weiter dulden, dass Hitler auch fernerhin in ihrem Namen die Städte und Dörfer der der russischen Arbeiter und Bauern verwüstet, Frauen, Kinder und Greise ermordet ? Werden sie weiterhin dulden dass die SS, grüne Polizei und Gestapo in den besetzten Gebieten mit Galgen und Henkerbeil, mit massenmäßigen Geiselerschießungen und Brandschatzungen ihren Blutrausch stillt ? Darauf erwarten vor allem die Bergarbeiterkameraden der besetzten Länder von den Ruhrkumpels eine Antwort.

Ruhrkumpels !

Diese Antwort müssen wir schnell geben. Sabotieren wir mit allen Mitteln die Kohleförderung, arbeiten wir langsam, drei für zwei. Zerstören wir, wo und wie es immer geht, die Maschinen, Licht- und Luftleitungen ! Verbauen und verpacken wir schlecht, so dass die Strebe zu Bruch gehen muss. Bereiten wir uns zum Massenstreik vor. In allen Kameradschaften, Revieren und Schachtanlagen schafft Vertrauensleute und Schachtkomitees zur Durchführung des Kampfes gegen das verhasste Hitler-Regime.

Es lebe die brüderliche Solidarität der Bergarbeiter aller Länder !"

 

Franz Jacob - Mitglied der KPD - verfasste im Juli 1942 ein Merkblatt für Bauarbeiter:

 

"Wieder werden Tausende unserer Kameraden nach Norwegen und den Osten verschickt, von ihren Familien weggerissen und in härteste Fron- und Sklavenarbeit gepresst, um den bereits verlorenen Sieg dennoch an Hitlers Fahnen zu heften. Wir sind heute noch nicht stark genug, um diese Kriegsarbeit zu verweigern. Aber bevor ihr abreist, beachtet Folgendes:

 

1. Vergewissert euch über eure Lohnhöhe, Frontzulage, Trennungsgelder, Fahr- und Urlaubsgelder.

 

2. Stellt Bedingungen für eine Verpflegung und Unterbringung. Am Bestimmungsort angekommen, müsst iht verlangen:

 

1. Beseitigung allen militärischen Drills in den Lagern und Arbeitsstellen.

2. Keine schikanöse Behandlung durch die OT-Häuptlinge und Ausmerzung aller Poliere, die sich als Antreiber betätigen.

3. Anständige Behandlung der euch zugeteilten einheimischen Bevölkerung oder der Kriegsgefangenen.

 

Um eure Forderungen durchzusetzen, schließt euch zusammen, sammelt um euch die klassenbewusstesten Angehörigen der ehemaligen freien und revolutionären Gewerkschaften, kein Betrieb, keine Baustelle ohne eure Vertrauensleute.

Kameraden, ihr müsst wissen: Hitlers Niederlage ist nicht unsere Niederlage, sondern unser Sieg.

Darum: Stört den planmäßigen Aufbau der Befestigungsbauten, sorgt für langsames und qualitativ schlechtes Arbeiten.

Sabotiert die deutsche Kriegsführung, verweigert den militärischen Einsatz bei Überfällen an der Küste und der Partisanen im Osten.

Stellt ein gutes Verhältnis her zu der Bevölkerung der besetzten Gebiete.

Nieder mit dem Krieg der Hitler-Faschisten !

Es lebe der Sieg der Arbeiterklasse !"

 

Natürlich reicht es nicht aus, an Hand von Flugblättern zu beweisen, dass die deutsche Arbeiter- und Gewerkschaftsbewegung auch im Zweiten Weltkrieg ihre Pflicht tat. Auch wenn die Bewegung noch so schwierig durchzuführen war, sie wurde heldenhaft durchgeführt.

Die Anordnungen der Gestapo über gefällte Terrorurteile beweisen außerdem, dass es trotz härtester Unterdrückungsmaßnahmen nicht gelang, die antifaschistische Bewegung der Arbeiterklasse zu zerbrechen.

Allein im Juni/August 1942 wurden nicht weniger als 4 408 deutsche anti-faschistische Arbeiter wegen solidarischer Zusammenarbeit mit ausländischen Zwangsarbeitern und Kriegsgefangenen verhaftet. In den Monaten Mai bis September 1942 wurden außerdem 6 695 Arbeiter wegen ihres aktiven anti-faschistischen Kampfes eingekerkert. Nicht zuletzt war der Widerstand deutscher Arbeiter und Gewerkschafter auch in den faschistischen Konzentrationslagern und Zuchthäusern lebendig geblieben.

Hinter dem Stacheldraht ließ sich der revolutionäre, rote Maigedanke nicht ersticken. In Buchenwald stellten die Inhaftierten eine Plattform zum 1. Mai 1944 auf. Darin wurde gefordert:

 

"1. Vernichtung der faschistischen Diktatur;

 

2. Betsrafung der Kriegs- und Terrorverbrechen. Wiedergutmachung allen Unrechts;

 

3. Errichtung einer Deutschen Volksrepublik auf neuer demokratischer Grundlage.

 

4. Beendigung des Krieges. Heimsendung der Kriegsgefangenen und der Fremdarbeiter.

(10. Teil) letzter Teil

Roter Morgen Nr. 28 vom 15. Juli 1983

 

 

 

 

 

 

 

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