Lenins Lehre über den historischen Analogieschluss

und

der Kampf gegen opportunistische Geschichtsfälschung

geschrieben von Wolfgang Eggers

aus Anlass des 21. Januar 2021, des 97. Todestages von Lenin.


Die Propagierung der historischen Ereignisse der Arbeiterweltbewegung und der Geschichte der Kommunistischen Weltbewegung, spiegelt sich wider in unserem Roten Kalender, der von der Komintern (SH) am Anfang jedes Jahres herausgegeben wird, so auch der Rote Kalender 2021.

Mit ihrem weiteren Aufbau fällt den Sektionen zunehmend die Aufgabe zu, selbständig an der Aufarbeitung der Geschichte der revolutionären Bewegung im eigenen Land zu arbeiten, die nicht nur ein wichtiger Hebel darstellt für die sozialistische Revolution im eigenen Land, sondern vor Allem ein wichtiger Hebel für die sozialistische Weltrevolution. Es ist eine Tatsache, dass die Sektionen noch sehr unerfahren sind, um diese Aufgabe im Auftrag der Komintern (SH) korrekt zu erfüllen. Um den Sektionen zu helfen, hat die Komintern (SH) beschlossen, einige Richtlinien zur Überwindung der revisionistischen Geschichtsschreibung im eigenen Land zu erarbeiten und sich mit den historischen Quellen der modernen Revisionisten kritisch auseinander zu setzen. Diesem Ziel dient der folgende Artikel, den der Genosse Wolfgang Eggers aus Anlass des 97. Todestages des Genossen Lenin geschrieben hat.


Liebe Genossinnen und Genossen !

In unserem Jahresplan 2021 haben wir geschrieben:
Die Komintern (SH) hält auch 2021 das Banner der kommunistischen Tradition im Weltmaßstab hoch.
Zu viel Antikommunismus ist in der ganzen Welt verbreitet. Umso mehr ist es unsere Pflicht und auch Ehre, unsere eigene kommunistische Tradition zu pflegen und zu verteidigen. Unsere Wurzeln sind eine nie versiegende Quelle unserer Kräfte. Mit dieser Kraft vereinigen wir die Kommunisten in der ganzen Welt und schließlich das gesamte Weltproletariat. Die kommunistische Tradition kann nicht besser repräsentiert werden als durch die Kommunistische Internationale !
Unsere Erfahrung zeigt, dass die Genossen in aller Welt dankbar sind und tiefe Sympathie mit der Komintern (SH) empfinden. "Gedenktage" - das ist in der Tat ein kollektiver Propagandist, Agitator und Organisator der Komintern (SH) und ihrer Sektionen. Dieser Hebel des Parteiaufbaus sollte nicht unterschätzt und im Jahr 2021 weiter kultiviert werden!
Kommunisten in aller Welt können sich darauf verlassen, dass wir auch 2021 nicht auf die Veröffentlichung von "Gedenktagen" verzichten werden.
Es gibt auch viele junge Genossinnen und Genossen, die unsere Bemühungen in dieser Angelegenheit begrüßen. "Gedenktage" sind eines der wichtigsten Ereignisse der Übergabe unserer Tradition von der einen Generation an die nächste Generation.
Es ist wichtig zu erwähnen, dass die Komintern (SH) die historischen Ereignisse immer im Spiegel der Gegenwart und der Zukunft betrachten wird. Unsere Grußbotschaften sollten immer auf die gegenwärtige Situation bezogen sein. Auf diese Weise lernen wir aus den historischen Ereignissen für den Zweck unseres täglichen globalen Klassenkampfes. Wir integrieren historische Ereignisse in unseren Klassenkampf.
Der Umfang der Umsetzung all dieser Vorschläge historischer Daten hängt von unseren Kräften ab - einige werden hinzugefügt und einige werden weggelassen). Der "Rote Kalender 2021" enthält mehr Ereignisse, als von unseren Kräften abgedeckt werden können. Wir werden eine Auswahl treffen, was in Angriff genommen werden kann und was nicht. Wir müssen unsere Kräfte unbedingt auf RILU (100 Jahre) und Pariser Kommune (150 Jahre) konzentrieren.
Die Sektionen müssen einige Termine des "Roten Kalenders 2021" übernehmen, die Ereignisse in ihrem eigenen Land betreffen. (Arbeitsteilung zwischen Hauptquartier und Sektionen).


* * *


Die Komintern (SH) geht davon aus, dass der negative Einfluss des modernen Revisionismus auf die proletarische Geschichtsschreibung besonders unter den Bedingungen des Revisionismus an der Macht bis heute noch derart verheerende Auswirkungen hat, dass die proletarische Geschichtsschreibung durch die revisionistische Geschichtsschreibung verdrängt wurde und fast vollständig ersetzt worden ist. Die bürgerlichen Historiker des offenen Anti-Kommunismus arbeiten mit den revisionistischen Historikern eng zusammen, die sich fälschlich als Vertreter der kommunistischen Geschichtsschreibung ausgeben. Die herrschende Klasse der Bourgeoisie, so wie alle voran gegangen herrschenden Klassen, waren Klassen, die über die Geschichtsschreibung herrschten, Sie waren alle Klassen von Geschichtsfälschern. Das Weltproletariat ist die einzige Klasse, deren Geschichtsschreibung wissenschaftlich ist, d.h. auf objektiven Wahrheiten basiert.

Erst mit dem Archiv der Komintern (SH) ist es uns nach 20 Jahren gelungen, diesen unhaltbaren Zustand zu beenden. In 20 Jahren haben wir für die Befreiung der proletarisch-revolutionären Geschichtsschreibung aus den Fesseln der revisionistischen Geschichtsschreibung gekämpft. Aber wir sind noch weit von dem Ziel entfernt, die revisionistische Geschichtsschreibung restlos zu zerschlagen, ohne die wir auch nicht die offen anti-kommunistische Geschichtsschreibung der Bourgeoisie vernichten können.

Es sind heute die Neo-Revisionisten, die sich heute des reichhaltigen Materials der revisionistischen Geschichtsschreibung von sozialfaschistischen Staaten bedienen, um ihren Lakaiendienst zu erfüllen, nämlich unsere stalinistisch-hoxhaistische Geschichtsschreibung zu bekämpfen, die Geschichtsschreibung der sozialistischen Weltrevolution.

Der Stalinismus-Hoxhaismus lehrt, dass das Wesen der neo-revisionistischen Geschichtsfälschung hauptsächlich darin besteht, die Geschichtsschreibung des Revisionismus zu restaurieren, um sie als Waffe gegen die stalinistisch-hoxhaistische Geschichtsschreibung einzusetzen.

Sich in Worten auf die Geschichtsschreibung der 5 Klassiker des Marxismus-Leninismus zu berufen, aber in Wahrheit diese zu leugnen und zu verfälschen, das ist eins der Wesensmerkmale der neo-revisionistischen Geschichtsfälschung.

In Worten die Geschichtsfälschung der Bourgeoisie bekämpfen, aber in Taten die revolutionäre Geschichte des Proletariats leugnen und verfälschen – darin besteht die Aufgabe der opportunistischen Geschichtsfälschung im Auftrag der Bourgeoisie.

Es ist die Aufgabe der Komintern (SH) und ihrer Sektionen, die Geschichtsfälschungen auf allen Gebieten der Ideologie, der Ökonomie, Politik und Kultur systematisch zu widerlegen und richtig zu stellen. Vor Allem müssen wir die Geschichtsfälschungen über die 5 Klassiker des Marxismus-Leninismus, über die Komintern und über die Sowjetunion Lenins und Stalins sowie über das sozialistische Albanien des Genossen Enver Hoxha pausenlos angreifen, indem wir unsere stalinistisch-Hoxhaistische Geschichtsschreibung weiter voran treiben und konsolidieren.


* * *

Lenin lehrt, dass die herrschende Klasse nicht nur die revolutionäre Geschichte der unterdrückten Klassen leugnet und verfälscht, sondern sogar ihre eigene anfängliche revolutionäre Vergangenheit opfert, wenn es sich darum handelt, die revolutionäre Bewegung der unterdrückten Klassen niederzuschlagen und die eigene Herrschaft aufrechtzuerhalten.

Die ganze Geschichte des Kapitals ist eine Geschichte von Gewalttaten und Plünderungen, von Blut und Schmutz.“ (Lenin, Band 21, Seite 94, deutsche Ausgabe.)

Die bürgerliche Geschichtswissenschaft ist Mittel zum Zweck der Unterdrückung und Ausbeutung.

Die proletarische Geschichtswissenschaft ist Mittel zum Zweck der Befreiung und Beseitigung von Ausbeutung und Unterdrückung.

Genauso wie sich die Weltbourgeoisie und das Weltproletariat als feindliche Klassen gegenüber stehen, so stehen sich auch die Geschichtswissenschaften der herrschenden und unterdrückten Klassen feindlich gegenüber.

Die Bourgeoisie fürchtet die proletarische Geschichtsschreibung über den Kampf des Proletariats für den Untergang des Kapitalismus. Deswegen hat sie bezahlte Schreiberlinge angeheuert, um die Ergebnisse der proletarischen Geschichtsforschung zu verfälschen und die "Ewigkeit" und "Unerschütterlichkeit" der kapitalistischen Weltordnung zu "beweisen".

Deswegen bekämpft das Proletariat die bürgerliche Geschichtswissenschaft mit der proletarischen Geschichtswissenschaft, indem es sich dabei auf die 5 Klassiker des Marxismus-Leninismus stützt, insbesondere auf Lenin, an dessen 97. Todestag wir heute erinnern wollen.

* * *

Die konkret-historische Analyse fordert, so lehrt Lenin, die Untersuchung der historischen Ereignisse in ihrem wechselseitigen Zusammenhang und ihrer Kausalität.

Die Revisionisten ersetzten die Dialektik durch Metaphysik. Sie trennen das Allgemeine metaphysisch vom Besonderen, erheben es zum Abstrakten und stellen es dem Konkreten gegenüber.

Die Revisionisten ignorieren den konkret-historischen Inhalt der Ereignisse und bedienen sich zur Rechtfertigung ihrer gegen die Revolution gerichtete bürgerliche Politik der weiter zurück liegenden historischen Analogien.

Lenin lehrt, dass historische Parallelen überhaupt nur im begrenzten Sinne zulässig seien. Jeder historische Vergleich hinkt. Aber wissenschaftlich angewandt – das heißt mit der Methode des dialektischen und historischen Materialismus - haben Lehren aus historischen Vergleichen zur Bereicherung des großen Schatzes der marxistischen Theorie beigetragen, so auch zur Weiterentwicklung des Marxismus-Leninismus durch den Stalinismus-Hoxhaismus. Heute ist der Stalinismus-Hoxhaismus erst im Entstehen begriffen. Er hat erst das Interesse einer kleinen Minderheit von Weltrevolutionären geweckt und noch längst nicht die Massen erreicht, die zur Zeit noch schlafen, jedenfalls was ihr Interesse am Stalinismus-Hoxhaismus anbelangt. Die ruhmreiche Periode in der Geschichte des Stalinismus-Hoxhaismus hat noch nicht begonnen. Diese Periode beginnt erst, wenn der Stalinismus-Hoxhaismus von den Massen als unbesiegbare ideologische Waffe ihrer Befreiung erfasst worden ist. Wir müssen zurück blicken auf den historischen Weg des Marxismus und dann des Leninismus. Hat es nicht auch Jahrzehnte gedauert, bis der Marxismus-Leninismus die Massen erfasste und sie zur siegreichen Revolution führen konnte ?

* * *

Was lehrt die proletarische Geschichtswissenschaft über Analogieschlüsse ?

Besonders in Hinblick auf die Geschichtsperioden sind Analogieschlüsse von Bedeutung. Aus den Klassenkämpfen der vergangenen Zeitalter können wir auf die Klassenkämpfe der Gegenwart in gewisser Beziehung Schlüsse ziehen. Die Funktion der historischen Analogie ist in vielen Fällen nicht die gleiche wie bei der Erklärung der Urgeschichte, nämlich die Schlussfolgerung aus Bekanntem auf Unbekanntes, sondern besteht in einer scharfen Beleuchtung der bekannten Tatsachen durch Hervorhebung der übereinstimmenden und nicht übereinstimmenden Züge der analogen historischen Situation.

Stalin wies darauf hin, dass die in einem Lande sich vollziehende Revolution aus den in anderen Ländern sich vollzogenen Revolutionen lernen kann, selbst wenn diese Revolutionen nicht zu demselben Typus gehören.

Engels hat in seinem Werk „Der deutsche Bauernkrieg“ in sehr lehrreicher Weise die Analogie zwischen den deutschen Zuständen in der Zeit von 1525 und denen um 1848 zur Charakterisierung der Grundfrage der deutschen Geschichte benutzt.

Und Lenin unterscheidet bei der Dialekik der historischen Entwicklung, verallgemeinernd, zwei allgemein gültige aufeinander bezogene Perioden:

"Die Dialektik der historischen Entwicklung gestaltet sich so, dass in der ersten Periode die Durchführung der unmittelbaren Umgestaltung auf allen Lebensgebieten des Landes auf der Tagesordnung stand, in der zweiten dagegen die Verarbeitung der Erfahrungen, ihre Aneignung durch breite Schichten, das Eindringen dieser Erfahrungen - wenn man sich so ausdrücken darf - in die Untergründe, in die zurück gebliebenen Reihen der verschiedenen Klassen." (Lenin, Band 17, Seite 26)

Zieht man eine historische Parallele, so muss man das, was in den verschiedenen Ereignissen einander ähnlich ist, aussondern und genau bezeichnen, da sonst statt eines historischen Vergleichs in den Wind geredet wird.“ (Lenin, Band 17, Seite 58, deutsche Ausgabe)

Sowohl, was den Unterschied zwischen internationalen und nationalen historischen Ereignissen betrifft, insbesondere, was die Weltrevolution und die Revolution in einzelnen Ländern und Regionen betrifft, als auch was die Unterschiede beim Vergleich historischer Epochen (z.B. Entwicklungsstadien des Kapitalismus) betrifft, so darf der marxistische Theoretiker weder den Fehler machen, diese Unterschiede zu ignorieren und willkürlich zu verallgemeinern, noch den Fehler machen, die bestehenden Zusammenhänge auseinanderzureißen oder gar entgegen zu stellen. Kurz: Man darf in der Geschichte weder alles über einen Kamm scheren, noch einzelne Ereignisse aus dem Zusammenhang reißen.

Historische Fehlschlüsse sind durchaus nicht gleich historische Fehlschlüsse. Es ist nämlich ein großer Unterschied, ob wir Stalinisten-Hoxhaisten historische Fehlschlüsse ziehen, weil wir die Methode des dialektischen und historischen Materialismus nicht korrekt angewandt haben, oder ob die Opportunisten die Massen mit historischen Fehlschlüssen bewusst in die Irre zu führen versuchen. Das Ergebnis ist allerdings das Gleiche: Mit jedem historischen Fehlschluss entfernt sich die sozialistische Weltrevolution von ihrem Sieg. Deswegen müssen wir immer besser lernen, die dialektische Methode bei jeglichen historischen Vergleichen korrekt anzuwenden und Fehleinschätzungen zu vermeiden.

Die Opportunisten ziehen gerne historische Parallelen heran, wenn es darum geht, das Proletariat von seinem aktuellen revolutionären Kampf abzuhalten und das Proletariat mit seiner kommunistischen Partei in eine opportunistische Richtung zu lenken, also in eine Richtung, die der Bourgeoisie am wenigsten weh tut. Dabei unterscheidet Lenin sowohl die „links“opportunistischen als auch die rechtsopportunistischen Geschichtsfälschungen, die sich gegenseitig ergänzen und die gleichen anti-marxistischen Ziele verfolgen. Der Opportunismus, mit historischen Parallelen den Marxismus zu widerlegen, geht Hand in Hand mit der dogmatischen Vereinfachung, Verflachung und Verdrehung der Geschichte.

* * *

Bei dem Reichtum und der Vielseitigkeit der proletarischen Ideologie ist es nicht verwunderlich, dass die Weltrevolution und die Revolution in einzelnen Ländern in ihren verschiedenen historischen Perioden betrachtet werden. Bei diesen historischen Betrachtungen spielen einmal die philosophischen Lehren des Marxismus die bestimmende Rolle, ein anderes Mal steht die politische Ökonomie im Vordergrund und wiederum ein anderes Mal die Lehren aus der kommunistischen Bewegung und des proletarischen Klassenkampfes. Das heißt ja nicht, dass man dabei alle anderen Aspekte ignoriert. Das heißt lediglich, dass das Überwiegen des Interesses für diese oder jene Lehren des Marxismus nicht unseren subjektiven Wünschen folgt, sondern von der Gesamtheit der historischen Bedingungen abhängt. Es ist klar, dass in den historischen Phasen der Ebbe der Revolution theoretisch-philosophische Fragen im Mittelpunkt stehen. Es gibt auch Länder, in denen der Marxismus auf bestimmten Gebieten noch nicht so weit entwickelt ist, wie in anderen Ländern, woraus das unterschiedliche Interesse am Marxismus verständlich und nachvollziehbar ist. Durch die Kommunistische Internationale können alle unterschiedlichen Bedürfnisse, bestimmte Lehren des Marxismus zu bestimmten Zwecken zu Rate zu ziehen, für alle revolutionären Kräfte der Welt optimal befriedigt werden, nämlich durch unser vielsprachiges Literaturarchiv. Das gilt auch für die wissenschaftliche Betrachtung historischer Parallelen und noch viel mehr für die Bekämpfung der revisionistischen Geschichtsfälschung, die durch die neo-revisionistische Geschichtsschreibung heute restauriert wird. Dafür führen wir ein Beispiel aus Deutschland an:

Nun gibt es in Deutschland außer unserem eigenen unverfälschten Original-ROTER MORGEN Archiv auch ein so genanntes „Roter Morgen“ - Archiv auf der Webseite www.RoterMorgen.eu. Was ist das für ein Archiv ? Das ist ein Archiv der deutscher Neo-Revisionisten, das sie kürzlich aus der Taufe gehoben haben. Es handelt sich unter Anderem um den Artikel: „Geschichtsfälschung“ aus unserem Zentralorgan Roter Morgen, vom September 1969, den einst der Genosse Ernst Aust geschrieben hatte. Warum publizieren diese deutschen Neo-Revisionisten ohne unsere Genehmigung diesen Artikel aus unserem Zentralorgan „Roter Morgen“ ? Welche Haltung nehmen diese Neo-Revisionisten dabei selber zur Geschichtsfälschung ein ? Nun, sie kopieren den Artikel „Geschichtsfälschung“ einfach kommentarlos. Hinter diesem angeblich „neutralen“ Standpunkt, ein historisches Dokument nach 50 Jahren wieder zu veröffentlichen, verbirgt sich allerdings sehr wohl ihre neo-revisionistische Haltung. Warum ? Weil unsere Partei, die KPD/ML, damals in ihrer Gründungszeit noch eine falsche Haltung eingenommen hatte, von der sich unsere Partei und der Genosse Ernst Aust jedoch 10 Jahre später selbstkritisch distanziert und für immer verabschiedet haben. Das wird verschwiegen. Man kann die überwundenen Fehler der KPD/ML nicht zur Grundlage der Verteidigung der KPD/ML machen wollen, ohne sich der Geschichtsfälschung schuldig zu machen. Die KPD/ML und der Genosse Ernst Aust haben den Standpunkt der Partei der Arbeit Albaniens unter Führung des Genossen Enver Hoxha übernommen, nämlich den Maoismus als revisionistische Ideologie abzulehnen, zu entlarven und zu bekämpfen. Diese maoistische Kinderkrankheit hatte unsere Partei also längst überwunden. Der Fehler unserer Partei bestand anfangs darin, dass wir den modernen Revisionismus nicht allein vom bolschewistischen Standpunkt aus bekämpft hatten, sondern uns auch auf den revisionistischen Standpunkt des Maoismus gestützt hatten. Unsere Partei war bei ihrer Gründung eben noch nicht in der Lage, das revisionistische Wesen des Maoismus zu durchschauen. Genauso wie wir damals nicht den Revisionismus so mancher Arbeitergenossen durchschaut hatten, lange bevor der Maoismus in Mode kam. Und was machen die Neo-Revisionisten daraus ? Nach 50 Jahren (!!) verschweigen sie diese notwendige ideologische Korrektur unserer Partei. Seit über 40 Jahren bekämpft unsere Partei den Maoismus. Über diesen Fakt setzen sich die Neo-Revisionisten hinweg. Diese Leute geben vor, den Genossen Ernst Aust zu „verteidigen“ (gegen uns, die wir selber Mitglied in der Gründungszelle des Genossen Ernst Aust waren, gegen wen denn sonst ?! Niemand außer uns verteidigt heute die KPD/ML und den Genossen Ernst Aust seit der Gründungszeit !).

Wie können die Neo-Revisionisten also den Genossen Ernst Aust „verteidigen“ wollen, der seinen falschen Standpunkt von 1969 im Jahre 1979 korrigiert hatte ?

Wenn man die von Ernst Austselber revidierte Position wieder zum Leben erweckt und sie der Arbeiterklasse als wieder gültig verkauft, so ist das genau das, was wir unter falschem historischen Analogieschluss verstehen.

Die Absicht der Neo-Revisionisten ist also leicht durchschaubar. Diese Leute wollen die Arbeiterklasse wieder auf die alten, falschen Positionen der KPD/ML bringen. Das aber kann nichts Anderes heißen, als die Arbeiterklasse von den korrigierten Positionen fernzuhalten. Eben in diesem Taschenspielertrick sehen wir den Angriff dieser Leute auf unsere Partei heute.

Sie wollen damit genau das Gegenteil erreichen. Die Absicht der Neo-Revisionisten ist also leicht durchschaubar. Sie sind Versöhnler von Enver Hoxha und Mao, ebnen den Weg zurück zum Maoismus. Sie sind Restauratoren des Maoismus und bedienen sich hierzu unserer alten, noch fehlerhaften Parteidokumente, die längst korrigiert waren. Und dabei klauen sie auf ihren Webseiten auch das von uns entworfene Parteisymbol der deutschen Sektion der Komintern (SH), während sie gleichzeitig die Werke von Mao Tsetung propagieren.

Die Neo-Revisionisten nennen uns „Scharlatane“. Wer sind in Wahrheit die Scharlatane, wir oder sie ?

Wer verteidigt den Roten Morgen ?

Etwa ihr, die ihr euch der Raubkopien unseres Roten Morgen bedient oder wir, die wir den Roten Morgen geschaffen, unterstützt und verteidigt haben, mit ihm groß geworden sind? Wir von der deutschen Sektion der Komintern (SH) sind Mitglieder der KPD/ML des Genossen Ernst Aust. Unter seiner persönlichen Anleitung haben wir den Roten Morgen mitgeschrieben, haben uns um das Lay-out und den Druck gekümmert, haben den Roten-Morgen-Vertrieb aufgebaut, haben den Roten Morgen aus den Klauen der Liquidatoren befreit und ihn zum Schutz von Hamburg nach Würzburg verlagert.

Das waren wir und nicht ihr.

Wer stand mit dem Roten Morgen vor den Betriebstoren, vor den Kaufhäusern, vor den Bahnhöfen oder ist für den Roten Morgen aufs Land gefahren, um ihn unter den Bauern zu verbreiten ?

Das waren wir und nicht ihr.

Wer hat an den Haustüren in den Arbeitervierteln geklingelt und den Roten Morgen verkauft?

Das waren wir und nich ihr.

Wer hat den Roten Morgen auch nach dem Tod des Genossen Ernst Aust weiter herausgegeben ?

Das waren wir und niemand sonst !

All das zeigt:

Die Geschichte des Roten Morgen ist die Geschichte von unseren Arbeiterfäusten und nicht von euch Raubkopierern ! Genauso wie die ganze Geschichte der Arbeiterklasse die Geschichte ihres Klassenkampfes ist.

Unsere Antwort auf euch Neo-Revisionisten ist also klar. Wir definieren eure Geschichtsfälschung wie folgt:

„Gegen die Geschichtsfälschung in Worten, Geschichtsfälschung in Taten – das ist die Physiognomie der Neo-Revisionisten von www.RoterMorgen.eu.

Die KPD/ML ist eine bolschewistische Partei, war weder eine maoistische Partei, noch will sie es jemals werden. Das wollen nur diese deutschen Neo-Revisionisten. Viel Spaß dabei, werte Damen und Herren ! Wir Stalinisten-Hoxhaisten haben jedenfalls aus unseren Anfangsfehlern gelernt. Sie zu wiederholen, bleibt euch überlassen. Wir können den sowjetischen Revisionismus nicht mit dem chinesischen Revisionismus bekämpfen, so wie wir ganz allgemein den Revisionismus nicht mit dem Revisionismus bekämpfen können. Das kann man nur auf den Grundlagen der 5 Klassiker des Marxismus-Leninismus ! Die Neo-Revisionisten haben sich mit ihrer plumpen Geschichtsfälschung das eigene Grab geschaufelt. Die Arbeiterklasse wird sich noch an uns Stalinisten-Hoxhaisten erinnern, wenn ihr schon längst in Vergessenheit geraten seid.

* * *

Was die marxistische Geschichtsauffassung betrifft, so hat Lenin 1914 in seinem Artikel „Karl Marx“ eine hervorragende Definition der materialistischen Geschichtsauffassung gegeben, die wir hier im vollen Wortlaut zitieren wollen:

Die Entdeckung der materialistischen Geschichtsauffassung oder richtiger: die konsequente Fortführung, der Ausdehnung des Materialismus auf das Gebiet der gesellschaftlichen Erscheinungen hat zwei Hauptmängel der früheren Geschichtstheorien beseitigt. Diese hatten erstens im besten Falle nur die ideellen Motive des geschichtlichen Handelns der Menschen zum Gegenstand der Betrachtung gemacht, ohne nachzuforschen, wodurch diese Motive hervorgerufen werden, ohne die objektive Gesetzmäßigkeit in der Entwicklung des Systems der gesellschaftlichen Verhältnisse zu erfassen, ohne die Wurzeln dieser Verhältnisse im Entwicklungsgrad der materiellen Produktion zu erblicken; zweitens hatten die früheren Theorien gerade die Handlungen der Massen der Bevölkerung außer acht gelassen, während der historische Materialismus zum ersten Mal die Möglichkeit gab, mit naturgeschichtlicher Exaktheit die gesellschaftlichen Lebensbedingungen der Massen sowie die Veränderungen dieser Bedingungen zu erforschen. Die „Soziologie“ und die Geschichtsschreibung vor Marx hatten im besten Falle eine Anhäufung von fragmentarisch gesammelten unverarbeiteten Tatsachen und die Schilderung einzelner Seiten des historischen Prozesses geliefert. Der Marxismus wies den Weg zur allumfassenden, allseitigen Erforschung des Prozesses der Entstehung, der Entwicklung und des Verfalls der ökonomischen Gesellschaftsformationen, indem er die Gesamtheit aller widerstreitenden Tendenzen untersuchte, diese auf die exakt bestimmbaren Lebens und Produktionsverhältnisse der verschiedenen Klassen der Gesellschaft zurückführte, den Subjektivismus und die Willkür bei der Auswahl bzw. Auslegung der einzelnen „herrschenden“ Ideen ausschaltete und die Wurzeln ausnahmslos aller Ideen und aller verschiedenen Tendenzen im gegebenen Stand der materiellen Produktivkräfte aufdeckte. Die Menschen machen ihre Geschichte selbst; aber wodurch die Motive der Menschen und namentlich der Massen der Menschen bestimmt, wodurch die Zusammenstöße der widerstreitenden Ideen und Bestrebungen verursacht werden, was die Gesamtheit aller dieser Zusammenstöße der ganzen Masse der menschlichen Gesellschaften darstellt, was die objektiven Produktionsbedingungen des materiellen Lebens sind, die die Basis für alles geschichtliche Handeln der Menschen schaffen, welcherart das Entwicklungsgesetz dieser Bedingungen ist auf all dies lenkte Marx die Aufmerksamkeit und wies so den Weg zur wissenschaftlichen Erforschung der Geschichte als einen einheitlichen, in all seiner gewaltigen Mannigfaltigkeit und Gegensätzlichkeit gesetzmäßigen Prozesses.“

Und in seinem Artikel "Übereinige Besonderheiten der historischen Entwicklung des Marxismus" definiert Lenin die Dialektik, als die "Lehre von der allseitigen und widerspruchsvollen historischen Entwicklung." (Lenin, Band 17, Seite 23)

Es ist das historische Sein der Gesellschaft, welches das historische Bewusstsein der Gesellschaft bestimmt und nicht umgekehrt. Lenin schrieb hierzu in seiner Schrift: „Materialismus und Empiriokritizismus“:

Der historische Materialismus anerkennt das gesellschaftliche Sein als unabhängig vom gesellschaftlichen Bewusstsein der Menschheit. Man kann aus dieser aus einem Guss geformten Philosophie des Marxismus nicht eine einzige grundlegende These, nicht einen einzigen wesentlichen Teil wegnehmen, ohne sich von der objektiven Wahrheit zu entfernen, ohne der bürgerlich-reaktionären Lüge in die Fänge zu geraten.“ (Lenin, Band 14, Seite 329, deutsche Ausgabe)

Marx rief zum Beispiel immer wieder zur Bewaffnung und zum Aufstand auf. Erst dann, als Marx die unausbleibliche 'Erschöpfung' der 'wirklichen Revolution' sah – erst dann änderte er seine Ansicht. Jeder weitere Aufruf zum Aufstand wäre nur noch bloße Spielerei gewesen. Eine Partei, die es nicht fertig bringt, auf eine solche Veränderung der Form der revolutionären Bewegung eine klare Antwort zu finden, verdient die Bezeichnung Partei nicht.

Wie bei der Auflösung der Ersten Internationale mit dem Scheitern der Pariser Kommune, ist es historisch unumgänglich, unter veränderten Bedingungen in der Revolution einen Schritt zurück zu machen und neue Kräfte zu sammeln, um dann einen um so größeren historischen Schritt nach vorne machen zu können. Diese dialektische Vorgehensweise ist in Wahrheit revolutionär und nicht opportunistisch, wie es uns die „linken“ Opportunisten vorwerfen.

Nehmen wir ein Beispiel aus der Gegenwart:

Der „Arabische Frühling“ zeigt, dass die Massenbewegung noch nicht proletarisch ist, dass sogar bürgerlich-demokratische Kräfte darin die Führung inne haben. Das spiegelt sich dann auch in den neuen bürgerlichen arabischen Regierungen wider, nachdem die alten Diktatoren gestürzt worden sind. Lenin schreibt hierzu:

Es wäre überaus schädlich, sich in dieser Hinsicht irgendwelchen Illusionen hinzugeben [Lenin bezieht sich hierbei auf den „Schwätzer Trotzki“ (siehe Lenin Band 8, Seite 284 deutsche Ausgabe). Die demokratische Revolution muss gigantische Massen zu aktivem Leben, zu heroischen Anstrengungen, zur 'gründlichen historischen Aktion“ aufrütteln, muss sie aus fürchterlicher Finsternis, aus beispielloser Unterdrückung, aus unsäglicher Verwilderung und hoffnungsloser Stumpfheit empor heben. Die Regierung selbst erleichtert dies durch ihren krampfhaften Widerstand.“

Aber selbstverständlich kann bei dieser demokratischen Massenbewegung noch nicht von einem proletarisch-revolutionärem Bewusstsein die Rede sein. Dazu müssen die Massen eine Reihe revolutionärer Prüfungen durchmachen. Erst jede weitere Welle des „Arabischen Frühlings“ wird zu einer höheren Stufe des revolutionären Bewusstseins der Massen führen. Die Logik der Revolution besteht für Lenin darin, dass die sozialistische Umwälzung eine Reihe demokratischer Umwälzungen voraussetzt, die nicht übersprungen werden können. Es ist die Aufgabe der Stalinisten-Hoxhaisten, den realen fortschrittlichen Charakter des „Arabischen Frühlings“ aus dem Flitterkram seiner (kleinbürgerlichen) ideologischen Umhüllungen herauszuschälen. Bei der Unterstützung jeder fortschrittlichen Bewegung muss man sowohl ihre Vergangenheit als auch ihre Zukunft berücksichtigen. Das heißt, man muss bei der Einschätzung des „arabischen Frühlings“ die Dialektik des Marxismus anwenden. Die Errungenschaften des „Arabischen Frühlings“ bedeuteten anfangs für die Massen nur unbefriedigende Ergebnisse. Mögen die kleinbürgerlichen Elemente sich daraufhin enttäuscht zurückziehen und die revolutionäre Bewegung vorzeitig verraten, aber der „Arabische Frühling“ wird ohne sie von den untersten Klassen um so stürmischer voran getrieben werden und ihnen in den folgenden Wellen umfangreichere Errungenschaften sichern. Das sozialistische Ziel des „Arabischen Frühlings“ dürfen wir Stalinisten-Hoxhaisten dabei in keinem Augenblick aus den Augen verlieren:

Wir gehen bis zum äußersten Ende jeder Teilung der Gesellschaft in Klassen.“ (Lenin, Band 8, Seite 324, deutsche Ausgabe)

Und in dieser Umwälzung wird das revolutionäre Proletariat mit aller Energie teilnehmen. Es wird die jämmerliche Nachtrabpolitik der Einen, wie die revolutionäre Phrase deren Anderen zurückweisen, wird in den schwindelerregenden Wirbel der Geschehnisse klassenmäßige Bestimmtheit und Klassenbewusstsein hineintragen, wird unentwegt und mutig vorwärts schreiten, wird die revolutionär-demokratische Diktatur nicht fürchten, sondern sie vielmehr leidenschaftlich herbei sehnen, (…) damit eine wirklich weite (…) Arena für den Kampf um den Sozialismus geschaffen wird.“ (Lenin, Band 8, Seite 284 - 285)

* * *

Die Renegaten kämpften einst für die Revolution, aber nur um sie hinterher zu verraten, indem sie sich auf solche historische Parallelen beriefen, die nicht mehr auf die realen Verhältnisse der Gegenwart angewandt werden können, und deswegen die Revolution in ihrer Vorwärtsbewegung zurückzerren. Solche historische Parallelen der Renegaten sind Taschenspielertricks, ganz im Interesse der Bourgeoisie. Solche Spielereien mit historischen Parallelen kann und darf man nicht ernst nehmen. Solche historischen Parallelen sind gelehrter Mist und beruhen nicht auf Wissenschaft. Je frecher und schamloser jemand den Marxismus durch falsche historische Parallelen verhöhnt, desto mehr Ehre erweist ihm die Bourgeoisie. Aber mit falschen historischen Parallelen lässt sich der Marxismus nicht widerlegen.

Es ist eine historische Tatsache, dass die Renegaten mit ihren historischen Parallelen stets beabsichtigten, die Revolution durch Zugeständnissen an die Bourgeoisie zu opfern, wie dies mit der Dimitroff'schen „Volksfrontpolitik“ der Fall war. Stets haben die Renegaten versucht, einen historischen Leichnam wieder zum Leben zu erwecken. Und so hat Dimitroff auch den Leichnam der Zweiten Internationale wieder zu erwecken versucht. Die Bourgeoisie hat sich in ihrer Geschichte stets jener Führer bedient, die von der Revolution und dem Sozialismus abgeschwenkt sind, hin zum bürgerlichen Sozialismus. Die Bourgeoisie hat diese Führer dadurch unschädlich gemacht, dass sie diese zum Anhängsel der bürgerlichen Regierung machte. Solche „Sozialisten“ dienten als Aushängeschild, hinter dem die Bourgeoisie stets ihr konterrevolutionäres Wesen verbarg. Den Einfluss auf die Massen, zu dem die Bourgeoisie selbst nicht fähig ist, lässt sie durch Lakaiendienste der Renegaten erledigen. Sie sind die Blitzableiter, um die Volksempörung von der Regierung abzulenken und die Massen zu betrügen – eben nicht zuletzt durch Rechtfertigung ihrer falschen historischen Parallelen.

In der Periode des Imperialismus wenden die opportunistischen, reformistischen Führer in ihren sophistischen Trugschlüssen die falsche Analogie mit besonderer Vorliebe an. Darum haben Lenin und Stalin mit außerordentlicher Gründlichkeit und Tiefe nicht nur die Unhaltbarkeit einzelner falscher Sätze der Sozialdemokraten, sondern auch die sophistischen Methoden, die sie in ihren Schlüssen anwandten, aufgedeckt.

Der Sophismus dieser Ausführungen besteht darin, dass eine Unterstellung gemacht, nämlich eine frühere, längst vergangene Geschichtsepoche an die Stelle der gegenwärtigen gesetzt wird. Sowohl Kautsky wie auch A. Potressow bemänteln, rechtfertigen und verteidigen die national-liberale Arbeiterpolitik, anstatt sie vor dem Proletariat zu entlarven. Das ist der Wesenskern der Sophismen des Sozialchauvinismus.“ (Lenin, Band 21, Seite 304; „Die Sophismen der Sozialchauvinisten"). Diese Renegaten waren es, die keinen Unterschied machten zwischen dem Kapitalismus des 19. Jahrhunderts (Anfangsphase) und des Kapitalismus des 20. Jahrhunderts, dem Imperialismus.

Die Sozialchauvinisten griffen einzelne Sätze von Marx und Engels heraus, die diese im 19. Jahrhundert, im Zeitalter der fortschrittlichen bürgerlich-nationalen Bewegung (1979 bis 1871), in Bezug auf einzelne Kriege aufgestellt hatten. Sie wandten sie nun 1:1 auf den imperialistischen Krieg von 1914-1918 an. Auf diese Weise wollten sie das Proletariat der einzelnen Länder dazu bewegen, an der Spitze ihrer eigenen Bourgeoisie gegeneinander zu kämpfen. Und heute? Das gleiche Spiel. Nur dass nunmehr die Proletarier eines ganzen imperialistischen Weltlagers dazu bewegt werden sollen, das Blut der Proletarier des anderen imperialistischen Weltlagers zu vergießen. Dagegen vertritt die Komintern (SH) den korrekten Standpunkt, sich ganz allein auf die Kräfte des Weltproletariats und seiner Bündnispartner zu stützen, um den Weltimperialismus insgesamt zu zerschlagen, ohne sich dabei auf die eine oder anderes Seite bürgerlicher Lager zu schlagen, und zwar durch die sozialistische Weltrevolution, beziehungsweise durch den internationalen Bürgerkrieg gegen den imperialistischen Weltkrieg.

In diesem Sinne kritisierte auch Stalin die falsche Methoden Axelrods und Plechanows,

die Methode der Zitate und historischen Parallelen, ausgeklügelter Pläne und toter Formeln.“ (Stalin, Werke Band 5, Seite 69, deutsche Ausgabe)

Exemplarisch für die wissenschaftliche Anwendung des Kampfes gegen die Geschichtsfälschung ist die unter Stalins Anleitung herausgegebene historische Richtigstellung des Informationsbüros der Sowjetunion, mit dem unzweideutigen Titel "Geschichtsfälscher" (1948). Sie muss von jedem Kommunisten studiert werden, der sich mit dem Thema Geschichtsfälschung beschäftigt.

"Der Zweck besteht nicht darin, die historischen Ereignisse objektiv darzustellen, sondern darin, das wirkliche Bild der Ereignisse zu entstellen, Lügen und Verleumdungen über die Sowjetunion zu verbreiten", so heißt es über die Geschichtsfälscher der Westalliierten in dieser Broschüre.

Natürlich erschöpft sich die Sophistik nicht in falschen Analogien. Doch ist der falsche Analogieschluss ein sehr charakteristischer Kunstgriff der Sophistik. Oberflächliche Analogien, nur auf Grund formaler Ähnlichkeiten gezogene falschen Schlüsse sind immer schädlich, selbst dann, wenn keine trügerischen Absichten dahinter stecken. Sie trüben den klaren Blick und verhindern die Erkenntnisse der historischen Zusammenhänge der Wirklichkeit. Die Logik kann keine Rezepte zur Vermeidung falscher Analogien geben, doch steigert sie unsere Wachsamkeit trügerischen Analogien gegenüber, die die imperialistischen Ideologien zur Irreführung der Massen heute anwenden.

Was heißt das heute konkret ?

Während Lenin jene falschen historischen Analogien entlarvte, die die vor-imperialistische Periode auf die Periode des Imperialismus übertrugen, so entlarven wir heute jene falschen Analogien, mit denen die Periode des 20. Jahrhunderts 1:1 auf die Periode des 21. Jahrhunderts übertragen werden, also auf die Periode der Globalisierung. Es sind die Neo-Revisionisten, die dogmatisch an alten Lehrsätzen festhalten, die ihre Gültigkeit unter den sich veränderten Klassenkampfbedingungen des Weltprolatariats längst verloren haben. Sie nennen das "Verteidigung des Marxismus-Leninismus gegen den Stalinismus-Hoxhaismus". Wir nennen das Verhöhnung der bolschewistischen Prinzipienfestigkeit, ein Messerstich in den Rücken des Weltproletariats, ein Instrument in den Händen der Bourgeoisie gegen die sozialistische Weltrevolution, gegen den Weltkommunismus.

Lenin lehrt uns, dass man die Strategie und Taktik, die Kampfformen und Kampfmethoden, die in der vorangegangenen historischen Periode richtig entwickelt und angewandt wurden, nicht auf die neue Geschichtsperiode übertragen darf. Sie verwandeln sich in untaugliche Instrumente des Klassenkampfes und müssen ersetzt oder an die neuen Bedingungen angepasst werden. Die Komintern (SH) hat von Lenin gelernt und wendet dessen Lehren unter den Bedingungen der Globalisierung korrekt an. Das lässt sich in allen grundlegenden Dokumenten der Komintern (SH) in allen Einzelheiten nachlesen.

Von Lenin wissen wir, dass der Übergang von einer historischen Periode zur anderen zwingend Auswirkungen auf den Marxismus haben muss, der diese Übergänge widerzuspiegeln hat. So haben sich auch heute die Bedingungen des internationalen Zusammenlebens im Vergleich zum 20. Jahrhundert durch die Globalisierung drastisch verändert und rasant entwickelt. An solchen grundlegenden Wendungen der Geschichte hat der Marxismus immer "eine tiefe Krise durchgemacht", wie Lenin sagt:

" 'Die Umwertung aller Werte' auf den verwschiedenen Gebieten des gesellschaftlichen Lebens führte zu einer 'Revision' der abstraktesten und allgemeinsten philosophischen Grundlagen des Marxismus. Die Wiederholung der auswendig gelernten, aber nicht verstandenen, nicht durchdachten 'Losungen' führte zu einer starken Verbreitung johler Phrasen, die in der Praxis auf absolut unmarxistische, kleinbürgerliche Strömungen hinaus liefen." (Lenin, Band 17, Seite 27)

Die Komintern (SH) hat die Tiefe der Krise des Marxismus-Leninismus, hervorgerufen durch die neuen Bedingungen unter der Globalisierung, analysiert, hat die Notwendigkeit der Überwindung dieser Krise der marxistisch-leninistischen Weltbewegung erkannt und eine Revision des Marxismus-Leninismus vorgenommen, die dieser einschneidenden Veränderung in der Weltgesellschaft Rechnung trägt. Herausgekommen ist dabei der Stalinismus-Hoxhaismus.

 

* * *

Wollen wir dem Marxismus treu bleiben, so können und dürfen wir nicht mit allgemeinen Phrasen einer Analyse der objektiven Bedingungen aus dem Wege gehen. Solche Reden wären jämmerliche Ausflüchte, ein Versuch, an Stelle der konkreten historischen Frage abstrakte Erwägungen zu unterschieben, die absolut nichts klären und lediglich dazu dienen, Dürftigkeit oder politische Kopflosigkeit zu bemänteln.“ (Lenin, ohne Quellenangabe)

Revolutionäre Phrasen richten die Weltrevolution zu Grunde, wenn sie nicht konsequent bekämpft werden.

Die Gefahr historischer Analogieschlüsse besteht in ihrer Verabsolutierung. Verabsolutiert man die Analogie, so fallen die zu vergleichenden historischen Perioden zusammen und werden damit identisch. Und wiederum, ohne Analogieschlüsse zerstreut sich die Geschichte ins Unendliche. In beiden Fällen ist der historische Analogieschluss wertlos für die proletarische Geschichtswissenschaft, d.h., nur noch nützlich für die bürgerlichen Geschichtsfälscher.

* * *

Der Analogieschluss muss stets für weitere Fragestellungen in der Geschichtswissenschaft offen bleiben. Der Analogieschluss kann nur eine unter vielen anderen wissenschaftlichen Methoden sein. Lenin hat einmal gesagt, dass "die richtige Fragestellung schon die halbe Lösung" ist. Und er hat an vielen Beispielen aufgezeigt, dass auch historische Parallelen bereits halbe Lösungen bedeuten können, wenn man denn daraus die richtigen und nicht die falschen Schlussfolgerungen zieht. Richtige Schlussfolgerungen beruhen ausschließlich auf dem dialektischen Materialismus. Hingegen ist die bürgerliche Geschichtswissenschaft hierzu außerstande. Bei den Erklärungen der bürgerlichen Historiker schwebt der Analogieschluss sozusagen „in der Luft“.

Historische Analogieschlüsse beruhen darauf, dass die Geschichte der Menschheit ein zusammenhängendes, einheitliches Ganzes darstellt, wobei die historischen Ereignisse miteinander verbunden sind, voneinander abhängen und einander bedingen. Wäre die Geschichte kein einheitliches Ganzes, wären die Gesetzmäßigkeiten der historischen Entwicklung der Gesellschaft nicht universell, dann könnten wir auch keine wissenschaftlichen historischen Analogieschlüsse ziehen.

* * *

Wie lauten die Prinzipien der wissenschaftlichen Anwendung von historischen Analogien ?

1. Beim historischen Analogieschluss dürfen wir die zu vergleichenden historischen Perioden oder Ereignisse nicht auf äußerlich-oberflächliche Erscheinungen reduzieren. Der historische Analogieschluss beruht auf der Herausarbeitung des inneren materiellen Wesenskerns einer historischen Periode unter Berücksichtigung des Zusammenhanges mit der gesamten historischen Entwicklung der Gesellschaft.

2. Jeder historische Analogieschluss hat die Aufgabe, zwischen den verschiedenen historischen Perioden in einer bestimmten Beziehung eine gültige Übereinstimmung festzustellen.

3. Da sich historische Parallelen auf Übereinstimmungen beziehen, so umfasst der historische Analogieschluss nicht die zwischen den historischen Perioden bestehenden Unterschiede, also historische Erscheinungen, die sich von anderen historischen Erscheinungen unterscheiden. Im Gesamtprozess der Geschichtsforschung kann der Analogieschluss deshalb nur ein Kettenglied sein, dessen Ziel es ist, sowohl die Übereinstimmungen, die gemeinsamen Züge, als auch die Verschiedenheiten zu erschließen.

4. Der Analogieschluss muss uns von bereits erschlossenen historischen Kenntnissen zu neuen, noch unbekannten historischen Kenntnissen führen, beruhend auf den objektiven Gesetzmäßigkeiten der historischen Entwicklung der Gesellschaft. Je enger der Zusammenhang ist zwischen den bekannten Merkmalen einer historischen Periode und den bekannten Merkmalen einer vergleichbaren historischen Periode, und zwischen den bekannten Merkmalen der historischen Periode, die mit der zu vergleichenden historischen Periode übereinstimmen und den über diese hinaus gehen, nur in Bezug auf die historischen Merkmale der historischen Periode andererseits, um so größer ist die Wahrscheinlichkeit dessen, dass die Schlussfolgerungen über die noch unbekannten Merkmale der zu vergleichenden historischen Periode richtig sind. Lenin hat diese Theorie des historischen Analogieschlusses mit dem einfachen mathematischen Satz ausgedrückt:

Die Einheit der Natur zeigt sich in der 'überraschenden Analogie' der Differentialgleichungen auf den verschiedenen Erscheinungsgebieten.“ (Lenin, „Materialismus und Empiriokritizismus“)

Lenin fasste die Erkenntnis historischer Zusammenhänge als "dialektischen Prozess der Bewegung vom Nichtwissen zum Wissen", vom weniger vollständigen zum vollständigeren Wissen auf.

Die Logik ist die Lehre nicht von den äußeren Formen des Denkens, sondern von den Entwicklungsgesetzen 'aller materiellen, natürlichen und geistigen Dinge', d.h., der Entwicklung des gesamten konkreten Inhalts der Welt und ihrer Erkenntnis, d.h., das Fazit, die Summe, die Schlussfolgerung aus der Geschichte der Erkenntnis der Welt.“ (Lenin: „Aus dem philosophischen Nachlass“, Seite 9, deutsche Ausgabe).

* * *

Lenins messerscharfe Geschichtsanalogie versetzte ihn in die Lage, die historischen Fehlschlüsse der Opportunisten zu durchschauen, und die damit von ihnen bezweckten reaktionären Absichten zu entlarven, zu verhöhnen und zu bekämpfen. Es ist verzeihlich, wenn wir in dem einen oder anderen Fall zu fehlerhaften oder gar falschen Schlussfolgerungen kommen. Davor waren auch die 5 Klassiker des Marxismus-Leninismus nicht gefeit. Falsche Schlussfolgerungen lassen sich schließlich mit der dialektischen Methode selbstkritisch korrigieren. Entscheidend ist, dass man nicht all zu schwerwiegende Schlussfolgerungen macht. Aber da, wo falsche historische Analogieschlüsse regelrecht als Methode praktiziert werden, bedeuten sie eine Gefahr, der wir entschlossen entgegen treten müssen.

Lenin selbst lernte aus der Geschichte der Kritik der falschen Analogien, die sich bis auf die Zeit der Griechen zurück verfolgen lässt.

Am 1. Juli 2020 feiern wir den 375. Geburtstag von Leibniz. Er bediente sich zum ersten Mal mathematischer Methoden in der Logik und trug damit zur Weiterentwicklung der historischen Wissenschaft bei. Aber Leibniz war es auch, der den dogmatischen Satz prägte: „Alles in der Natur ist analogisch.“ Lenin beschäftigte sich damit in seinem „philosophischen Nachlass“ (Seite 333, deutsche Ausgabe).

Zu ähnlichen Ergebnissen kommen die falschen Analogieschlüsse von Schelling, Schopenhauer und Fourier und später Herbert Spencer. Alle falschen Auffassungen dieser Philosophen über die Analogie beruhen auf dem metaphysischen System.

Marx und Engels haben zum Beispiel die falschen Analogien der Malthusianer und Sozialdarwinisten widerlegt, die die Naturgesetze 1:1 auf die Gesellschaft übertrugen.

Und solche Faschisten wie Spengler, bedienten sich der falschen Analogien zur Verbreitung ihrer faschistischen Ideologie („Das Mittel zum Verständnis der toten Formen ist das mathematische Gesetz. Das Mittel zum Verständnis lebendiger Formen ist die Analogie“; aus: „Der Untergang des Abendlandes“, Band 1, Seite 4).

Im Jahre 1950 erschienen Stalins Arbeiten über die Fragen der Sprachwissenschaft. Stalin stellte fest, indem er die falschen Auffassungen von Marr kritisierte, dass die Sprache kein Überbau sei. Daraufhin stellten manche ungarische Gelehrte auf Grund falscher Analogie derartige Sätze auf wie „Auch das Recht ist kein Überbau, auch die Musik ist kein Überbau, auch die Kunst ist kein Überbau (oder ein großer Teil derselben) ist kein Überbau“ usw. Was würde daraus folgen ? Dass auch das Recht, die Kunst usw. keinen Klassencharakter hätten, ebenso wenig wie die Sprache. Das aber steht in vollkommenem Widerspruch zu Stalins Darlegungen und den Grundsätzen des Marxismus.

* * *

Auch das dialektische Gesetz der Negation ist mit der Methode historischer Analogieschlüsse eng verbunden. Bereits Engels hatte darauf hingewiesen, dass die Negation der Negation ein breit wirksames Entwicklungsgesetz der Geschichte ist. In den „Philosophischen Heften“ gibt Lenin eine tiefgründige Ausarbeitung dieses Gesetzes. Lenin betrachtet es als ein Gesetz, das eine allmähliche Entwicklung ausdrückt, die die bereits durchlaufenen Stufen gleichsam wiederholt, die nicht in gerader Linie, sondern gewissermaßen in Form einer Spirale abläuft:

Nicht die nackte Verneinung, nicht die leichtfertig-unbesonnene Verneinung, nicht das skeptische Verneinen, Schwanken, Zweifeln ist charakteristisch und wesentlich in der Dialektik – die unzweifelhaft das Element der Verneinung, und zwar als ihr wichtigstes Element in sich enthält -, nein, sondern die Verneinung als Moment des Zusammenhanges, als Moment der Entwicklung, unter Beibehaltung des Positiven, d.h., ohne alle Schwankungen, ohne jeden Eklektizismus.“ (Lenin: „Zur Kritik der Hegelschen 'Wissenschaft der Logik')

Eine Entwicklung, die die bereits durchlaufenen Stadien gleichsam noch einmal durchmacht, aber anders, auf höherer, Stufe („Negation der Negation“), eine Entwicklung, die nicht geradlinig, sondern sozusagen in der Spirale vor sich geht; eine sprunghafte, mit Katastrophen verbundene, revolutionäre Entwicklung; „Abbrechen der Allmählichkeit“; Umschlagen der Quantität in Qualität; innere Entwicklungsantriebe, ausgelöst durch den Widerspruch, durch den Zusammenprall der verschiedenen Kräfte und Tendenzen, die auf einen gegebenen Körper einwirken oder in den Grenzen einer gegebenen Erscheinung oder innerhalb einer gegebenen Gesellschaft wirksam sind; gegenseitige Abhängigkeit und engster, unzertrennlicher Zusammenhang aller Seiten jeder Erscheinung (wobei die Geschichte immer neue Seiten erschließt), ein Zusammenhang, der einen einheitlichen, gesetzmäßigen Weltprozess der Bewegung ergibt – das sind einige Züge der Dialektik .“ (Lenin: „Karl Marx“, 1914)

In vielen grundlegenden ideologischen Dokumenten der Komintern (SH) wurde die Methode der historischen Analogie und der Negation der Negation korrekt angewandt. Als anschauliches Beispiel verweisen wir auf unsere Generallinie, insbesondere auf das Kapitel:. „Weltrevolution und Negation der Negation“ (englisch)


Abschließend gibt die Komintern (SH) ihre Überzeugung darüber zum Ausdruck, dass die Sektionen mit diesem Artikel die Geschichte der revolutionären Bewegung in ihrem Land neu bewerten werden, dass sie aus der Dunkelheit der revisionistischen Geschichtsschreibung mutig hervor treten und die revolutionäre Geschichtsschreibung ihres Landes mit dem unfehlbaren Stalinismus-Hoxhaismus in neuem, Licht erstrahlen lassen.

Diese unbedingt notwendige stalinistisch-hoxhaistische Aufarbeitung der Geschichtsschreibung einzelner Länder durch die Sektionen wird dazu beitragen, schließlich die gesamte Geschichte der weltrevolutionären Bewegung aus den Fesseln der revisionistischen Geschichtsschreibung zu befreien und sie vollständig in den Dienst der sozialistischen Weltrevolution zu stellen.


Es lebe der 97. Todestag des Genossen Lenin !

Es lebe die proletarische Geschichtsschreibung und ihre Befreiung aus den Fesseln der bürgerlich-revisionistischen Geschichtsschreibung !

Es lebe die Komintern (SH) !


Wolfgang Eggers

Komintern (SH)

18. Januar 2021