Der "linke" Opportunismus

- Zwillingsbruder des rechten Opportunismus

HANDBUCH

 

Sammlung von Schriften der Komintern (SH) über den Kampf gegen den "linken" Opportunismus

zusammengestellt von Wolfgang Eggers

herausgegeben von der Komintern (SH)

Dieses Handbuch ist erschienen aus Anlass des 100. Jahrestages der Schrift Lenins:

Der „Linke Radikalismus“, die Kinderkrankheit im Kommunismus

1920 - 2020

Im April und Mai 1920 schrieb Lenin das berühmte Buch "Der "linke Radikalismus", die Kinderkrankheit im Kommunismus."

Die Bedeutung dieses berühmten Buches wurde im "Kurzen Abriss seines Lebens und Wirkens" gewürdigt [ erschienen im Verlag für fremdsprachige Literatur, Moskau 1947 (Seite 325 f)]:

Lenin nannte sein Buch einen "Versuch einer allgemein verständlichen Auseinandersetzung über marxistische Strategie und Taktik." Und wirklich ist das der beste Leitfaden für Strategie unbd Taktik des Leninismus.

In diesem Buch ist die Wissenschaft von der Führung des revolutionären Kampfes des Poletariats dargelegt, sind die Erfahrungen der großen Revolutionen verallgemeinert worden.

Für die Revolution, schrieb Lenin, genügt es nicht, dass die ausgebeuteten und unterdrückten Massen die Unmöglichkeit erkannt haben, auf alte Weise weiter zu leben, und Änderungen fordern. Für die Revolution ist es notwendig, dass die Ausbeuter nicht mehr auf alte Weise leben und regieren können. Die Revolution ist unmöglich ohne die ganze Nation (sowohl die Ausgebeuteten als auch die Ausbeuter) erfassende Krise.

Und zweitens: Damit die ganze Arbeiterklasse, die breiten Massen der Werktätigen zur Revolution schreiten, ist Propaganda und Agitation allein zu wenig. Dazu bedarf es der eigenen politischen Erfahrung der Massen.

Lenin kritisiert schonungslos den "linken" Doktrinarismus, das dogmatische, schablonenhafte Herangehen an die revolutionären Aufgaben, die Abneigung, unter den breiten Massen zu arbeiten.

Man muss vor Allem die Avantgarde für den Kommunismus gewinnen, lehrte Lenin, aber mit der Avantgarde allein kann man nicht siegen. Die revolutionäre Avantgarde des Proletariats, die kommunistischen Parteien, müssen die Mehrheit der Arbeiterklasse, die werktätigen Massen für sich gewinnen. Man muss verstehen, die Massen zur Revolution zu führen, indem man sie geschickt an Hand ihrer eigenen politischen Erfahrungen unter Berücksichigung der nationalen und nationa-staatlichen Unterschieden erzieht.

Die Strategie und Taktik der kommunistischen Parteien muss im höchsten Grade elastisch sein. Die Partei muss alle Mittel und Methoden des Kampfes beherrschen:

die Kunst des bewaffneten Aufstandes und die revolutionäre Ausnutzung der reaktionären Gewerkschaften und Parlamente.

Sie muss die illegale mit der legalen Arbeit geschickt verbinden.

Sie muss kühn und furchtlos angreifen und sich in Ruhe und organisiert zurück ziehen, "und sei es mit dem Teufel und seiner Großmutter".

Sie muss verstehen, alle und jede Reibungen, Konflikte, Streitigkeiten, Meinungsverschiedenheiten im Lager des Feindes auszunutzen.

Sie muss schnell und unerwartet eine Kampfform durch die andere ersetzen, wenn das die Situation erfordert.

Sie müssen nach den Prinzipien des revolutionären Marxismus organisiert, müssen eng mit den Massen verbunden sein, müssen größere Entschlossenheit und die Fähigkeit an den Tag legen, bei der Vorbereitung der siegreichen sozialistischen Revoluion die marxistische Strategie und Taktik zu meistern.

 

W i r k l i c h e Revolutionäre brechen sich zumeist dann den Hals, wenn sie anfangen, 'REVOLUTION' mit großen Buchstaben zu schreiben. (Lenin)

»Derselbe Marx, der die revolutionären Traditionen so hoch schätzte und schonungslos jede renegatenhafte und philisterhafte Entstellung zu ihnen geißelte, forderte zugleich von den Revolutionären die Fähigkeit zu denken, die Fähigkeit, die Bedingungen der Anwendbarkeit der alten Kampfmethoden zu analysieren und nicht einfach bekannte Losungen zu wiederholen« (Lenin, Bd. 13, Seite 27, dt. Ausgabe)

 

 

Stalin

Die "Linken" verhüllen ihren Opportunismus stets mit 'revolutionären' Phrasen.

(Stalin, Band 8, Seite 7-8)

 

linke“ Gefahr, „linke“ Abweichung, „linker“ oder „verkappter“ Opportunismus, die „Linken“ Kommunisten, Dogmatismus, Sektierertum.

kleine Zitatsammlung

 

Als Lenin (...) den Kampf gegen die russischen ´Ultralinken` führte und sie aufs Haupt schlug, fanden sich damals (...) Leute, die Lenin einer rechten Einstellung, der Rechtsschwenkung bezichtigten. Die ganze Welt weiß jetzt jedoch, dass Lenin damals Recht hatte (...) aber die russischen ´Ultralinken` , die sich damals in ´revolutionären` Phrasen ergingen, in Wirklichkeit Opportunisten waren. Man darf nicht vergessen, dass Rechte und ´Ultralinke` in Wirklichkeit Zwillingsbrüder sind, dass sie folglich auf dem opportunistischen Standpunkt stehen, mit dem Unterschied jedoch, dass die Rechten ihren Opportunismus nicht immer verbergen, während die Linken ihren Opportunismus stets mit ´revolutionären` Phrasen verhüllen“ (Stalin, Band 8, Seite 7-8).

Die Opposition hat es sich zur Regel gemacht, Genossen Lenin als den genialsten aller genialen Männer zu preisen. Ich fürchte, dass dieses Lob unaufrichtig ist und dass sich auch dahinter eine strategische List verbirgt: Man will mit dem Wortschwall von der Genialität des Genossen Lenin die Abkehr von Lenin verbergen und gleichzeitig die Schwächen seiner Schüler unterstreichen“ (Stalin, Band 6, Seite 30/31).

... droht von den ´Linken` (die Gefahr), von ihrem versimpelten und überstürzten `Kommunismus` hingerissen, (sich) von der Bauernschaft und den breiten Schichten der einheimischen Bevölkerung los(zu)lösen“ (Stalin, Band 5, Seite 273).

Aber die Sünden der ´Linken` bestehen darin, dass sie es nicht verstehen, gegenüber den bürgerlich-demokratischen und den einfach loyalen Elementen der Bevölkerung elastisch zu sein, dass sie bei der Heranziehung dieser Elemente der Bevölkerung nicht manövrieren können und wollen, dass sie die auf die Gewinnung der Mehrheit der werktätigen Bevölkerung im Lande gerichtete Linie der Partei entstellen“ (Stalin, Band 5, Seite 272).

von oben eine Politik der Teilung in Schichten praktizieren (...) Vorbilder ... mechanisch ... verpflanzen, ohne ... den konkreten Bedingungen Rechnung zu tragen ...im Kampf gegen den Nationalismus gleichzeitig alles Nationale über Bord werfen... ... unverbesserlich , die „linke“ Gefahr sich als größere Gefahr erweisen kann“ (Stalin, Band 5, Seite 273).

Die „Linken“ sündigen dadurch, dass sie vom Sektierertum angesteckt .... komplizierten Aufgaben der Partei verkennen“ (Stalin, Bandf 5, Seite 272).

Entweder entartet die Partei zu einer Sekte, zu einer philosophischen Schule, denn nur in so engen Organisationen ist eine völlige Gesinnungsgleichheit möglich oder sie verwandelt sich in einen ständigen Diskussionsklub, der ewig berät und ewig räsoniert, der sich bis zur Bildung von Fraktionen, ja bis zur Spaltung der Partei versteigt“. „Keine dieser Möglichkeiten kann von unserer Partei akzeptiert werden. Darum bin ich der Meinung, dass eine Beratung der Fragen notwendig, dass eine Diskussion notwendig ist, dass der Diskussion aber auch Grenzen gezogen werden müssen, die die Partei, diesen Kampftrupp des Proletariats, vor Ausartung in einen Diskussionsklub bewahren“ (Stalin, Band 5, Seite 324).

Die Gefährlichkeit der Taktik der ´linken` Kommunisten bestand darin, dass sie die Partei aus der Führerin der proletarischen Revolution in ein Häuflein hohlköpfiger Verschwörer ohne Boden unter den Füßen zu verwandeln drohte“ (Stalin, Band 6, Seite 143).

Die größte Frage, sagt Trotzki, besteht in einer Bürokratisierung des Parteiapparats. Das ist ebenfalls falsch. Nicht darin liegt die Gefahr, sondern in der Möglichkeit einer wirklichen Loslösung der Partei von den parteilosen Massen. (...) Die Partei ist ein Teil der Klasse, sie ist für die Klasse, nicht aber für sich selbst da“ (Stalin, Band 6, Seite 203). „Denn was bedeutet es, dem Parteiapparat den Krieg zu erklären? Es bedeutet, die Partei zu zerstören“ (Stalin, Werke Band 6, Seite 227).

Lenin erklärte auf dem X. Parteitag, dass eine Abweichung etwas noch nicht Abgeschlossenes, nicht endgültig Geformtes ist. Wenn Sie, Genossen von der Opposition, auf dieser kleinbürgerlichen Abweichung, auf diesen Fehlern, die keine großen Fehler sind, nicht beharren, dann wird alles behoben werden, und die Arbeit der Partei wird vorangehen. Wenn Sie aber darauf beharren, so kann sich die kleinbürgerliche Abweichung zu einer kleinbürgerlichen Politik entwickeln“ (Stalin, Band 6, Seite 208).

Wie muss unsere Politik gegenüber solchen Oppositionellen oder, genauer, früheren Oppositionellen sein? Sie muss äußerst kameradschaftlich sein. Es müssen alle Maßnahmen getroffen werden, um solchen Genossen den Übergang zum Grundkern der Partei, eine gemeinsame und einträchtige Arbeit mit diesem Kern, zu erleichtern“ (Stalin, Band 6, Seite 228). „Nachdem wir die Führer der Opposition völlig zerschlagen haben, sind wir (...) verpflichtet, gegenüber den einfachen und mittleren Oppositionellen den Ton zu mildern, um ihnen die Abkehr von den Führern der Opposition zu erleichtern. (...) So und nur so kann man die Opposition vollends zerschlagen, nachdem ihre Führer vor der ganzen Welt blamiert da stehen“ (Stalin, Band 6, Seite 245).

... der direkte Kampf, den die ´Ultralinken` gegen die heutigen Gewerkschaften von außen her führen, von den breiten Arbeitermassen als Kampf gegen ihre Hauptfestungen gewertet wird, an denen sie jahrzehntelang gebaut haben und die die ´Kommunisten` jetzt zerstören wollen. Dieser Besonderheit keine Rechnung tragen heißt, die ganze Sache der kommunistischen Bewegung im Westen zu Grunde richten“ (Stalin, Band 7, Seite 40).

Andererseits besteht die Gefahr der Unterschätzung der Teilforderungen, der parlamentarischen Tätigkeit, der Arbeit in den Gewerkschaften usw. Das ist eine Gefahr von links, denn sie führt zur Loslösung von den Massen und zum Sektierertum“ (Stalin, Band 7, Seite 51).

... der Aufschwung (erzeugt) revolutionäre Illusionen und (ruft) als Hauptgefahr die linke Gefahr hervor...“ (Stalin, Band 7, Seite 52).

Die Theorie und Praxis der Komintern besteht in der Organisierung der revolutionären Massenbewegungen gegen den Kapitalismus. Das stimmt. (...) Nur Ignoranten und Idioten können Verschwörungen und individuellen Terror durcheinander bringen mit der Politik der Komintern in der revolutionären Massenbewegung“ (Stalin, Band 7, Seite 254).

´Ultralinker`(...), die, in schülerhafter Weise alte Losungen wiederholend, es nicht verstanden hat oder nicht willens ist, sich den neuen Kampfbedingungen, die neue Arbeitsmethoden erfordern, anzupassen. Daher die ´Ultralinken`, die die Partei durch ihre Politik daran hindern, sich den neuen Kampfbedingungen anzupassen und sich den Weg zu den breiten Massen (...) zu erschließen. Entweder bricht die (...) Partei den Widerstand der ´Ultralinken` , und dann wird sie den breiten Weg der Gewinnung der Mehrheit der Arbeiterklasse beschreiten, oder aber sie tut dies nicht, und dann wird sie die gegenwärtige Krise in eine chronische und für die Partei verderbliche Krise verwandeln“ (Stalin, Band 8, Seite 2).

Können wir in den Fragen des ideologischen Kampfes in der Partei und der politischen Erziehung der Massen ein faules diplomatisches Spiel, eine Vertuschung von Fehlern zulassen? Nein, das können wir nicht. Das wäre ein Betrug an den Arbeitern (...) Es gibt nur einen Ausweg: die Fehler der ´ultralinken` Führer aufzudecken und auf diese Weise den ehrlichen revolutionären Arbeitern zu helfen, auf den richtigen Weg zu gelangen“ (Stalin, Band 8, Seite 7).

Die Gefährlichkeit der Taktik des Otsowismus bestand darin, dass sie die Avantgarde von ihren Millionenmassen loszulösen drohte“ (Stalin, Band 6, Seite 143).

Parteiführer heranzubilden ist sehr schwer, dazu braucht man Jahre, 5-10 Jahre, mehr als 10 Jahre. (...) Mit Büchern allein kann man keine Führer heranbilden. Das Buch hilft uns vorwärts, aber allein bildet es noch keinen Führer heran. Funktionäre wachsen nur im Laufe der Arbeit heran“ (Stalin, Band 5, Seite 193).

Dem ´revolutionären` Wortgeklingel stellte Lenin gewöhnlich die einfachen und alltäglichen Taten gegenüber und unterstrich damit, dass ´revolutionäre` Projektmacherei` sowohl dem Geist wie dem Buchstaben des wahren Leninismus widerspricht“ (Stalin, Band 6, Seite 165).

Der Kampf des Proletariats ist (...) keine durchgehende Offensive, keine ununterbrochene Kette von Erfolgen. Im Kampf des Proletariats gibt es auch Prüfungen, gibt es auch Niederlagen. Ein echter Revolutionär ist nicht derjenige, der es versteht, bei der siegreichen Offensive der Revolution gut zu kämpfen, der zugleich aber auch in der Periode der Niederlage des Proletariats mannhaft ist, der den Kopf nicht verliert und bei Rückschlägen der Revolution, bei Erfolgen des Feindes, nicht schlappmacht, der in der Periode des Rückzugs der Revolution nicht in Panik verfällt und in Verzweiflung gerät“ (Stalin, Band 6, Seite 295).“

Die Opportunisten passten sich infolge ihrer anpassungssüchtigen, kleinbürgerlichen Natur der Bourgeoisie an, die ´Orthodoxen` aber passten sich ihrerseits den Opportunisten an, im Interesse des `Friedens der Partei`. Das Ergebnis war die Herrschaft des Opportunismus, denn die Kette zwischen der Politik der Bourgeoisie und der Politik der ´Orthodoxen` erwies sich als geschlossen“ (Stalin, Band 6, Seite 71).

» ... dass in den kommunistischen Parteien bei einem Aufschwung der Revolution unweigerlich die rechte und die linke Abweichung auftreten müssen, von denen die erste sich nicht von der Vergangenheit trennen will, und die zweite nicht mit der Gegenwart rechnen will,...dass es keine Revolutionen ohne diese Abweichungen gibt« (Stalin, Bd. 10, Seite 8, dt. Ausgabe).

Der Marxismus erkennt keine unveränderlichen Schlussfolgerungen und Formeln an, die für alle Epochen und Perioden obligatorisch wären. Der Marxismus ist ein Feind jeglichen Dogmatismus“ (Stalin, der Marxismus und die Fragen der Sprachwissenschaft, Berlin 1951, Seite 65).

»Die Theorie und Praxis der Komintern besteht in der Organisierung der revolutionären Massenbewegung gegen den Kapitalismus...Im Westen werden von Söldlingen der Imperialisten und Verfassern gefälschter Briefe Gerüchte verbreitet, wonach die Komintern eine Verschwörer- und Terroristenorganisation sei, wonach Kommunisten in den Ländern des Westens umherreisen, um Verschwörungen gegen die europäischen Machthaber anzetteln. - ich muss erklären, dass die Kommunisten mit der Theorie und Praxis des individuellen Terrors nichts gemein hatten, nichts gemein haben und nichts gemein haben können, dass die Kommunisten mit der Theorie der Verschwörung gegen einzelne Personen nichts gemein hatten, nichts gemein haben und nichts gemein haben können...Nur Ignoranten und Idioten können Verschwörungen und individuellen Terror durcheinander bringen mit der Politik der Komintern in der revolutionären Massenbewegung« (Stalin, Bd. 7, Seite 254, dt. Ausgabe).

 

 

Schulungstexte der Komintern-ML

1956 - 2006

50 Jahre Kommunismus im Kampf gegen den modernen Revisionismus

Teil V

Fragen zur Strategie und Taktik im Kampf gegen den modernen Revisionismus

e) vom Revisionismus und seiner Kehrseite

- Dogmatismus und Sektierertum

Enver Hoxha betonte, dass die Parole (...) vom ´Kampf gegen den Dogmatismus` die beliebteste Parole aller Spielarten des Revisionismus und ihnen allen gemeinsam ist“ (Enver Hoxha, Eurokommunismus ist Antikommunismus, Seite 43, dt. Ausgabe).

Die Revisionisten leugnen den internationalistischen Geist und den universellen Charakter der Wahrheiten des Marxismus-Leminismus, leugnen sie den Marxismus-Leninismus als eine in sich systematisch zusammengefasste, einheitliche, eigenständige und aus einem Guss geformte Klassentheorie, indem sie dies als „Dogmatismus“, als „Sektierertum“, als „logischen Mythos“, als „theologischen Streit verschiedener Richtungen“, als „Formalismus“, als „Institutionalismus“, als „Fanatismus“, „Verbortheit“, „Borniertheit“, „Engstirnigkeit“, als „Scheuklappe“, als „Glaubenslehre“ usw. usf., kritisieren. Den Revisionisten zufolge, gibt es nicht den Marxismus-Leninismus, der international gültig ist, sondern jedes Land hat seinen eigenen Marxismus-Leninismus. Jedem Lande entspricht ihrer Meinung nach ein besonderer „Typ von Marxismus“, eine „spezifische Variante des Marxismus“, „dezentralisierte Formen des Marxismus“, um zu „verhindern“, dass der Marxismus eines Landes „nicht über den Marxismus eines anderen Landes „dominiert“ usw. usf.. Der einzig wahre Marxismus-Leninismus wird also durch tausende von „Marxismen“ ersetzt, bzw. aus all diesen „Marxismen“ eklektisch zu einem zähen, klebrigen Brei zusammengerührt, um den Marxismus-Leninismus zu verkleistern und damit kampfunfähig zu machen, so wie eine Spinne ihr Opfer einspinnt, um ihm dann den Lebenssaft auszusaugen. Um dies berwerkstelligen zu können, muss der Revisionismus die tatsächlich existierende Demarkationslinie verwischen also zwischen wirklichem, also anti-marxistischen Dogmatismus und „linkem“ Sektierertum, Abenteuertum, Trotzkismus, Anarchismus usw. usf auf der einen und dem Marxismus-Leninismus auf der anderen Seite, den die Revisionisten zu ihren hinterhältigen Zwecken als so genannten „Dogmatismus“, als sogenanntes, „Sektierertum“, als „´linken` Opportunismus“ usw verurteilen. Der Revisionismus will also verhindern, dass der tatsächlich notwendige Kampf gegen Dogmatismus, Sektierertum, „linker“ Opportunismus usw. geführt werden kann, denn der Revisionismus braucht den Dogmatismus, das Sektierertum usw. wie den Deckel zum Topf. Will man also den Revisionismus tatsächlich bekämpfen, dann kann man dies als Marxist-Leninist niemals ohne einen konsequenten Kampf gegen den Dogmatismus, gegen das Sektierertum tun, denn Dogmatismus und Sektierertum ist die Kehrseite des Revisionismus. Je weniger wir uns Marxisten-Leninisten vom Dogmatismus und vom Sektierertum abgrenzen, desto mehr erleichtern wir es damit den Revisionisten, uns in die Enge zu treiben und uns in die dogmatische, sektiererische Ecke abzuschieben. Die 50 jährige Geschichte des Kampfes gegen den modernen Revisionismus ist somit auch eine 50 jährige Geschichte des Kampfes um die Trennungslinie zwischen dem uralten Etikett vom so genannten „Dogmatismus“, dem so genannten „Sektierertum“ und dem tatsächlichen Dogmatismus und Sektierertum, wobei wir auch gegen die noch gefährlicheren Erscheinungen des Neo-Dogmatismus und des Neo-Sektierertums zu kämpfen haben, die da von der Komintern / ML definiert sind als:

"Anti-Dogmatismus" und "Anti-Sektierertum" in Worten, Dogmatismus und Sektierertum in Taten.

Wir haben es da vor allem konkret mit der ISML zu tun, die diese Linie hauptsächlich in der Theorie und weniger in der Praxis auf internationalem Parkett verfolgt und einen nicht geringen Schaden in der marxistisch-leninistischen Bewegung anrichtet, indem sie insbesondere die Komintern / ML als „dogmatische“ und „sektiererische“ Organisation abstempelt, wofür ihnen die Revisionisten Applaus spenden, denn die ISML hilft den Revisionisten bei ihrem schmutzigen Geschäft, die wahren Marxisten-Leninisten als „Dogmatiker“ und „Sektierer“ hinzustellen, nur weil diese ihren anti-revisionistischen Prinzipien treu bleiben und sich nicht von den Neo-Revisionisten unterbuttern lassen wollen. Nicht die Marxisten-Leninisten sind sektiererisch und dogmatisch, sondern die Revisionisten. Warum ? Weil nur der Marxismus-Leninismus eine schöpferische, sich weiter entwickelnde, die revolutionäre Befreiungstheorie des Weltproletariats ist, wozu die Revisionisten als Anhänger einer untergehenden Klasse überhaupt nicht fähig sind. Sie können nur das Bild des Marxismus-Leninismus verzerren, können nur verkleistern und den revolutionären Geist verdunkeln, aber nichts dergleichen selber auf die Beine stellen. Sie hinken hinter der marxistisch-leninistischen Theorie hinterher oder überspringen sie. Sie können sie verteufeln, verbieten, mit Dreck bewerfen, was auch immer, aber sie können die Wahrheit des Marxismus-Leninismus nicht widerlegen, die Revisionisten können den Marxismus-Leninismus niemals aus der Welt schaffen, solange das Weltproletariat für seine Befreiung kämpft. Wir Marxisten-Leninisten müssen also auch das Sektierertum der Revisionisten entlarven, denn diese ideologische Waffe gehört mit zu ihrem Repertoire, uns in die Zange zu nehmen, auch wenn sie versuchen, dies zu leugnen.

Ohne klare Trennungslinie zwischen der revisionistischen Auffassung und dem Marxismus-Leninismus zu ziehen, ist es nicht möglich, den Dogmatismus und das Sektierertum mit Erfolg und von richtigen Positionen aus zu bekämpfen“ (Enver Hoxha, Bericht auf dem IV. Parteitag der PAA im Februar 1961).

Folglich ist klar, dass man den Dogmatismus und das Sektierertum niemals von revisionistischen Positionen aus korrekt führen kann. Das heißt genauso umgekehrt: Der Kampf gegen den Dogmatismus und das Sektierertum von revisionistischen Positionen aus zu führen, ist in Wahrheit die revisionistische Maskierung des Kampfes gegen den Marxismus-Leninismus. Es ist ebenso klar, dass man keinen Kampf gegen den Dogmatismus und gegen das Sektierertum führen kann, wenn man nicht gleichzeitig einen anti-revisionistischen Kampf führt, denn beide bieten einander den Nährboden gegen den Marxismus-Leninismus, den man dem einen und dem anderen gleichermaßen entziehen muss. Dogmatismus, Sektierertum, „linker“ Opportunismus, das ist – wie gesagt – nur die Kehrseite der revisionistischen Medaille. Der so genannte „Kampf gegen den Revisionismus“ von Seiten der Sektierer, der Dogmatiker, der „Links“opportunisten - dient wiederum nur dem Revisionismus. Er schwächt den Marxismus-Leninismus und erleichtert es dem Revisionismus, sich Zugang durch die Hintertür zu verschaffen, wenn der „linke“ Opportunismus an die Vordertür klopft und umgekehrt. Beide, der rechte und der „linke“ Opportunismus arbeiten Hand in Hand gegen den Marxismus-Leninismus. Man kann daher weder den „ linken“ Opportunismus mit dem rechten Opportunismus bekämpfen, noch umgekehrt. Die Marxisten-Leninisten müssen also gegen beide kämpfen, müssen einen Zweifrontenkrieg gegen den Opportunismus führen, einschließlich gegen die Versöhnler und Zentristen, die diesen unvermeidlich notwendigen Zweifrontenkrieg aufzuweichen und zu spalten, also zu schwächen und zu liquidieren versuchen, indem sie sich mal auf die revisionistische, mal auf die „links“ opportunistische, ja und manchmal auch auf die marxistisch-leninistische Seite stellen, wie es die Geschichte des Trotzkismus beweist.

Den Kampf gegen den Marxismus-Leninismus unter der vorgetäuschten marxistisch-leninistischen Flagge des Kampfes gegen das Sektierertum, den Dogmatismus, den „linken“ Radikalismus, den „Links“-Opportunismus“ zu führen - ein altes Betrugsmanöver der Revisionisten

Die Annäherung der verschiedenen revisionistischen Gruppierungen und Spielarten, ihr Geschrei über die „Einheitsfront ist begleitet von wütenden Angriffen gegen die „Dogmatiker“ und „Sektierer“ - also gegen die wahren Marxisten-Leninisten. Das ist kein Zufall. Schließlich wollen sie das „anti-revisionistische“ Banner tragen und es den Marxisten-Leninisten entreißen, wollen die Revisionisten über die „Reinheit“ des Marxismus-Leninismus und über die Einheit der „Marxisten-Leninisten“ bestimmen und sich vom Einfluss der Marxisten-Leninisten zu säubern.

Die Revisionisten machen einen Heidenlärm über den radikalen Revolutionarismus, um die Arbeiter, aufzuscheuchen, abzuschrecken und sie so in ihre revisionistischen Netze zu treiben. Marxisten-Leninisten aber sind keine radikalen Revolutionaristen, sondern Revolutionäre. Enver Hoxha vertrat den Standpunkt, Marxisten-Leninisten

... sind keine Dogmatiker, weder in der Theorie noch in der Praxis. Für sie ist der Marxismus-Leninismus als dialektische, materialistische Weltanschauung eine in unaufhörlicher Entwicklung begriffene schöpferische und lebendige Lehre. Die Marxisten-Leninisten sind weder konservativ noch fanatisch, was die Revisionisten und Bourgeois ihnen vorwerfen. Im Gegenteil, sie sind die fortschrittlichsten Menschen, sie sind entschlossene Kämpfer gegen alles Alte und Rückständige. Sie stehen fest auf den Positionen des Neuen und kämpfen mit allen Kräften für seinen Sieg. Konservativ und reaktionär sind die Revisionisten und alle anderen Opportunisten, die als Lakaien der Bourgeoisie eine verlorene Sache, eine alte Unterdrücker- und Ausbeuterordnung verteidigen. Gerade diese reaktionäre Position ist es, die den modernen Revisionismus in eine tiefe Krise geraten ließ. Das Bewusstsein des Proletariats und der Völker von den hemmenden Einflüssen des Revisionismus zu befreien, den Marxismus-Leninismus, der den einzig richtigen Weg des Kampfes und des Sieges weist, zu verbreiten, das ist heutzutage eine erstrangige Aufgabe, um den revolutionären Prozess in jedem einzelnen Land und im Weltmaßstab voranzutreiben“ (Enver Hoxha, Bericht an den 8. Parteitag der PAA, S. 296/297).

Wir Marxisten-Leninisten verstehen nach wie vor den Marxismus-Leninismus nicht als Dogma, sondern als Anleitung zum Handeln, nicht als abstrakte Theorie mit unveränderlichen Schlussfolgerungen und Formeln, sondern als Kampfwaffe, nicht als eine Erleuchtungsdoktrin, sondern als große Kraft zur Revolutionierung der Welt.

Der Marxismus erkennt keine unveränderlichen Schlussfolgerungen und Formeln an, die für alle Epochen und Perioden obligatorisch wären. Der Marxismus ist ein Feind jeglichen Dogmatismus“ (Stalin, der Marxismus und die Fragen der Sprachwissenschaft, Berlin 1951, Seite 65).

Bei den Revisionisten ist nicht nur das Liebäugeln mit „neuen“ bürgerlichen „Theorien“ kennzeichnend, an die sie sich anhängen, sondern überhaupt verbergen sie hinter ihrem „Antidigmatismus“ ihre allgemeine Theoriefeindlichkeit: „Wir sehen also, dass mit den tönenden Phrasen gegen die Verknöcherung des Denkens usw. nur Sorglosigkeit und Hilflosigkeit in der Entwicklung des theoretischen Denkens bemäntelt werden“ (Lenin, Band 5, Seite 379).

Wir leben heute in einer Zeit großer theoretischer Zerfahrenheit, des Zerfalls, der Schwankungen, der Demoralisierung, des Zurückbleibens, der Vereinigung kleinlichen Praktizismus mit völliger theoretischer Unbekümmertheit. Was den heutigen Revisionismus und insbesondere die heutige Revision des Marxismus-Leninismus angeht, so bieten die Revisionisten wenig Neues, was sie dem „Dogmatismus“ entgegen zu stellen haben. Den Marxismus-Leninismus erklärt man für abgelöst, aber von was, bitte schön? Die Revisionisten stellen unserer geschlossenen und durchdachten marxistisch-leninistischen Theorie nichts als neu aufgesetzten Eklektizismus und ihre alte Prinzipienlosigkeit entgegen. Die Revisionisten trampeln heute deswegen weiter auf dem „Dogmatismus“ herum und können nicht aufhören, ihn zu verteufeln, weil sie schließlich genau wissen, dass die revolutionäre Bewegung ohne revolutionäre Theorie eine tote Bewegung ist – und das soll ja möglichst so bleiben. Die Revisionisten werfen also nur deswegen Dreck auf uns „Sektierer“, weil sie genau wissen, dass wir die Einzigen sind, die die revolutionäre Theorie nicht nur verteidigen, sondern sie vor allem weiter entwickeln. Wir tragen sie in die Bewegung hinein und erwecken sie dadurch erneut zum Leben. Den Revisionisten ist klar, dass wir an der Spitze der neuen weltrevolutionären Bewegung stehen und sie führen werden. Wir selbst sind es, die die Revisionisten zwingen, über uns „Sektierer“ herzuziehen, womit sie sich vor den Augen der weltrevolutionären Bewegung um so mehr entlarven und diskreditieren müssen.

. Dieses Kapitel möchten wir mit folgendem Leninzitat beenden:

´Jeder Schritt wirklicher Bewegung ist wichtiger als ein Dutzend Programme`. Diese Worte [aus dem Brief von Marx über das Gothaer Programm – Anmerkung der Redaktion] in einer Zeit der theoretischen Zerfahrenheit wiederholen ist dasselbe, als wolle man beim Anblick eines Leichenbegängnisses ausrufen: ´Mögen euch immer so glückliche Tage beschieden sein` (Lenin, Band 5, Seite 379).




 

aus:

Generallinie der Komintern (SH)

(2001)

 

Gegen die Strategie und Taktik des »linken« Opportunismus

(5. Strategie und Taktik der Komintern/ML, d) Taktik des ideologisch-theoretischen Kampfes)

Wir dürfen nicht vergessen, »dass in den kommunistischen Parteien bei einem Aufschwung der Revolution unweigerlich die rechte und die linke Abweichung auftreten müssen, von denen die erste sich nicht von der Vergangenheit trennen will, und die zweite nicht mit der Gegenwart rechnen will,...dass es keine Revolutionen ohne diese Abweichungen gibt« (Stalin, Bd. 10, Seite 8, dt. Ausgabe).

Die Komintern/ML und ihre Sektionen lehnen in der Frage der möglichen Formen der Revolution und ihres Verlaufs jeden schematischen und dogmatischen Standpunkt ab. Der »linke« Opportunismus hält starr an den überholten Vorstellungen über die Rolle, Aufgabe und Organisation der Kommunistischen Internationalen der Vergangenheit fest, ohne die dringenden Änderungen vorzunehmen, die sich aus der heutigen, der veränderten Weltlage, gegenüber damals, notwendigerweise ergeben. Die Dogmatiker und Sektierer versuchen die marxistisch-leninistischen Parteien und ihre Komintern/ML daran zu hindern, auf der Grundlage des Marxismus-Leninismus eine wissenschaftliche Analyse der Weltsituation zu entwickeln, in allen Ländern eine gemeinsame Strategie und Taktik festzulegen und diese unter den sich verändernden weltweiten Bedingungen schöpferisch anzuwenden. Das hätte die ideologische Entwaffnung der Komintern/ML zur Folge. Durch eine dogmatische und sektiererische Strategie und Taktik wird die Gefahr heraufbeschwört, die Marxisten-Leninisten von der Arbeiterklasse und den breiten Massen der Werktätigen zu isolieren, sie zum passiven Abwarten oder spontanen Handeln zu verurteilen und selber zu voreiligen, abenteuerlichen Aktionen zu greifen, für die die subjektiven Bedingungen noch nicht herangereift sind. Vorwärts schreiten, ohne die Millionenmassen mit sich zu führen, heißt in der Tat im Hintertreffen der Bewegung bleiben. Vorwärts schreiten und sich von der Nachhut loslösen, nicht imstande sein, die Nachhut mitzureißen, würde eine Überstürzung sein, die für eine gewisse Zeit die Vorwärtsbewegung der Massen zum Scheitern bringen kann. Der Fehler der »linken« Opportunisten besteht gerade darin, dass sie die Regeln zur Führung der Massen nicht anerkennt oder ignoriert oder nicht versteht, dass die Komintern/ML und ihre Sektionen allein, dass der Vortrupp allein, ohne Unterstützung der Millionenmassen nicht imstande ist, die Revolution durchzuführen, dass die Revolution letzten Endes von den Millionenmassen der Werktätigen »gemacht« wird.

Zwar ist der Revisionismus allgemein und grundsätzlich die Hauptgefahr der revolutionären Bewegung, aber unter gewissen Umständen und in bestimmten Situationen des sich wandelnden Klassenkampfes kann das Sektierertum durchaus zur Hauptgefahr werden - darf also nicht als »kleineres Übel« unterschätzt oder als Kinderkrankheit in Kauf genommen werden. Besonders in revolutionären Situationen, in denen dem Revisionismus empfindliche Schläge versetzt werden, greift die Bourgeoisie zum »linken« Opportunismus, um dem Revisionismus zur Hilfe zu eilen, indem unter dem Deckmantel des »anti-revisionistischen Kampfes« der Opportunismus durch die Hintertür wieder aktiv werden kann. Es macht letztendlich keinen Unterschied für die Niederlage der Revolution, ob zu früh oder zu spät zum Aufstand aufgerufen und zu den Waffen gegriffen wird.

In den Ländern, wo es noch keine marxistisch-leninistische Partei gibt, wo dies Partei noch nicht in den Massen verankert ist, wo sie noch keine führende Rolle in der Arbeiterbewegung spielt, da müssen die Marxisten-Leninisten ihre isolierte Situation um jeden Preis dadurch überwinden, dass sie zu den Arbeitern hingehen, sich ihnen in ihrem Kampf anschließen, das Proletariat politisch aufrütteln, zur politischen Selbständigkeit ermuntern, nicht länger hinter der Arbeiteraristokratie zu laufen, die die Kunst, die Arbeiter zu betrügen, zu demoralisieren und zu bestechen, in der Welt nicht ihresgleichen findet. Man muss seinen engen, verknöcherten sektiererischen Geist vollständig abwerfen und aus den kleinen organisatorischen, marxistisch-leninistischen Keimzellen unbedingt verbannen, damit es gelingen kann, sich mit der Arbeiterbewegung zu verschmelzen.

Die Taktik der Sektierer besteht darin, dass sie die Komintern/ML aus der Führerin der proletarischen Weltrevolution in ein Häuflein haltloser Verschwörer ohne Boden unter den Füßen verwandeln, dass die Avantgarde in krimineller Weise ganz allein in den entscheidenden Kampf geworfen wird, isoliert von den Massen. Auch Agitation und Propaganda, Schwenken der Klassikerfahnen, führen nicht automatisch zur Revolutionieren der Massen. Wir sind keine sektiererische Agitations- und Propagandapartei, sondern eine Kampfpartei, mit der die Massen ihre eigenen politischen Erfahrung im Klassenkampf machen. Wer dies bestreitet, leugnet die Grundwahrheit aller großen Revolutionen: Es sind die Proletarier aller Länder und die verbündeten Werktätigen aller Länder, die die Weltrevolution unter der Führung der Komintern/ML erkämpfen. Daher muss die Komintern/ML gerade solche Kampfformen entwickeln, die es den Massen der ganzen Welt erleichtern, anhand ihrer eigenen Erfahrungen die Notwendigkeit der Revolution nicht nur zu begreifen, sondern auch die Bereitschaft zu entwickeln, die Komintern/ML und ihre Sektionen zu unterstützen, die die Millionenmassen an die internationalen Fronten der Revolution heranführen und ihre Verteilung an den Fronten der Revolutionen in den Ländern zu erleichtern und sicherzustellen.

Es entspricht nicht dem internationalistischen Charakter des Proletariats, wenn sich einzelne Personen in den Vordergrund drängen und sich Postengezänk breit macht. Die Frage ist auch völlig falsch gestellt, wer irgendeinen Anspruch oder irgendein Recht hat, an der vordersten Front in dieser und jeder Stoßtruppabteilung des Weltproletariats zu kämpfen usw. Die Revolutionen sind keine Wettbewerbsveranstaltungen, um Rangplätze zu verteilen. Welches Proletariat das »Auserwählte« sein wird, das zuerst wieder die Bourgeoisie stürzt, welches die besten Führer sind, diese oder jene, über solche Gegenüberstellungen können nur »linke« Kleinbürger schwätzen, die von der proletarischen Revolution keine Ahnung haben, aber von sich sehr voreingenommen sind, weil sie sich gerne selber als »auserwählte Führer« im Rampenlicht der Revolution sehen möchten, also - »Möchte-Gern-Revolutionäre«. Es gibt auch Ehrenplätze in der Weltrevolution, aber die basieren auf anderen Verdiensten. Der Kampf eines jeden Proletariers ist entscheidend für den Sieg seiner Klasse und jedes Proletariat dient mit all seiner ganzen Kraft den Proletariern in der ganzen Welt an der internationalen Front des Kapitalismus. Auf jeden Genossen kommt es gleichermaßen an, jeder steht also auf seinem Posten an der vordersten Front der Revolution und alle marschieren im Gleichschritt, ohne dass einer aus der Reihe tanzt, um den größten Helden der Revolution zu spielen. Sich als Weltproletariat zu verschmelzen, das hat jeder Proletarier verstanden, der weiss, dass er als Einzelkämpfer nichts gegen die Übermacht des Weltkapitalismus ausrichten, selbst nicht als »heldenhafter« Einzelkämpfer. Ohne seine Weltarmee ist der Kampf gegen die Weltbourgeoisie schon verloren, bevor dieser angefangen hat.

»Die Theorie und Praxis der Komintern besteht in der Organisierung der revolutionären Massenbewegung gegen den Kapitalismus...Im Westen werden von Söldlingen der Imperialisten und Verfassern gefälschter Briefe Gerüchte verbreitet, wonach die Komintern eine Verschwörer- und Terroristenorganisation sei, wonach Kommunisten in den Ländern des Westens umherreisen, um Verschwörungen gegen die europäischen Machthaber anzetteln. - ich muss erklären, dass die Kommunisten mit der Theorie und Praxis des individuellen Terrors nichts gemein hatten, nichts gemein haben und nichts gemein haben können, dass die Kommunisten mit der Theorie der Verschwörung gegen einzelne Personen nichts gemein hatten, nichts gemein haben und nichts gemein haben können...Nur Ignoranten und Idioten können Verschwörungen und individuellen Terror durcheinander bringen mit der Politik der Komintern in der revolutionären Massenbewegung« (Stalin, Bd. 7, Seite 254, dt. Ausgabe).

Der Terrorismus gibt vor, Imperialismus, Reaktion und Faschismus zu bekämpfen, aber er ist selber aus dem Imperialismus hervorgegangen und ein Bestandteil des Imperialismus, Ausdruck des Fäulnischarakters des Kapitalismus, der nur durch Terror, Gewalt, Zwang und Unterdrückung gegenüber dem Weltproletariat und den Völkern existieren kann. Vom Wesen macht es keinen Unterschied, ob diese Gewalt gegen die Massen in Form von bürgerlichem Staatsterrorismus oder kleinbürgerlichem, individuellem Terror ausgeübt wird, egal also ob deren Bomben auf unschuldige Menschen geworfen werden mit der Rechtfertigung des »Schutzes« oder der »Befreiung« der Völker. Terrorismus richtet sich gegen die Massen und nimmt deren Tod infolge von Terroranschlägen in Kauf und rechtfertigt damit Völkermord »im Namen der Zivilisation«, »im Namen der Demokratie«, »im Namen der Völker«, »im Namen der Revolution« usw. usf. Terrorismus ist konterrevolutionär und dient dem Imperialismus. Er ist unvereinbar mit dem gerechten, bewaffneten Kampf der Arbeiterklasse und nicht mit ihm gleichzusetzen. Mit Einzelkämpferangriffen kann man weder den Kampf der Massen ersetzen noch ihn herbei - bomben. Als Bestandteil des bewaffneten Kampfes des Proletariats schloss Lenin den Terror nicht aus als »e i n e Methode des entscheidenden Sturmangriffs des Proletariats«, während er betonte, dass » der individuelle Terror, dieses Produkt der intelligenzlerischen Schwäche«, linkes Abenteurertum und Putschismus, dieser kleinbürgerliche, anarchistische Verzweiflungsakt, »ins Reich der Vergangenheit versinkt«. Es geht nicht um eine Verschwörung gegen eine verhasste Person oder um individuelle Vergeltungsangriffe auf einzelne Institutionen des imperialistischen Unterdrückungsapparates, sondern Lenin sagte: »Die Bombe hat aufgehört, die Waffe einzelner `Bombisten` zu sein. Sie wird zum unentbehrlichen Zubehör der Volksbewaffnung« (Lenin Band 9 dt. Ausgabe »Von der Verteidigung zum Angriff«).

Wenn die Kleinbürger zusammen mit den Revisionisten und den Imperialisten »ihr Lied von Terrorismus und Demokratismus herunterleiern, sind sie lediglich Helfershelfer der Bourgeoisie. Es ist dasselbe Lied, dessen sich die internationale Bourgeoisie bedient, um die Arbeiter zu betrügen und die Arbeiterrevolution abzuwürgen« (Lenin, Bd. 30, Seite 14, »Wie die Bourgeoisie die Renegaten ausnutzt«, dt. Ausgabe).

»Die Bourgeoisie und der Kapitalismus greifen gegenwärtig zu wilden Unterdrückungsmaßnahmen, ohne den Terrorismus auszunehmen. Der Terrorismus bereitet die militärischen, faschistischen Putsche der Bourgeoisie vor (...) sie organisiert Staatsstreiche und bringt Militärjuntas faschistischen Typs an die Macht. Aber dafür muss sie sich vorbereiten, und sie tut dies, indem sie Kommandos bewaffneter Banditen organisiert, die in verschiedenen Ländern operieren, maskiert mit unterschiedlichen Namen wie »Kommunisten«, »Marxisten« oder »Rote Brigaden«. Diese haben das Ziel, die breiten, werktätigen Massen in >Schrecken zu versetzen, sie zu desorientieren und faschistische Staatsstreiche zu rechtfertigen (...) Der Terrorismus ist außerdem die Vorbereitung der Machtergreifung durch die Faschisten(...) Die antimarxistischen Theoretiker verurteilen den Terrorismus in seinen gegenwärtigen Formen, aber sie machen keinerlei Unterschied zwischen den Anschlägen der Terroristen und den bewaffneten revolutionären Aktionen, die die Arbeiterklasse, geführt von ihrer marxistisch-leninistischen Partei, durchführen muss« (Enver Hoxha , »The Marxist-Leninist movement and the world crisis of capitalism, Social Political Studies, No 3, Page 14, Tirana 1986).

Uns Kommunisten geht es um die revolutionäre Gewalt der Arbeiter, der werktätigen Massen, nicht um deren Ersetzung durch individuellen Terror. Es ist klar, dass sich aufgrund der verschärften Widersprüche zwischen Weltproletariat und Weltbourgeoisie der internationale Klassenkampf und seine Methoden und Mittel bis zum Äußersten verschärfen und unweigerlich zu bewaffneten Auseinandersetzungen führen, denn die politische Macht in der Klassengesellschaft, die Abschaffung der Macht der Weltbourgeoisie durch die Macht des Weltproletariats, wird letztlich durch Gewalt entschieden, wobei die Weltbourgeoisie auf der einen Seite ihren Terror verschärft, um ihre Macht zu behaupten und das Weltproletariat auf der anderen Seite zur revolutionären Gewalt greifen muss, um der Weltbourgeoisie die Herrschaft zu entreißen, um die eigene Macht, die Weltdiktatur des Proletariats zu errichten, um letztendlich j e g l i c h e Klassengesellschaft abzuschaffen, die Ursache für j e g l i c h e Gewalt ist. Die Generallinie geht also davon aus, dass das Weltproletariat zu den Waffen greifen muss, um sich zu befreien und seine Mission zu erfüllen. Der Kommunismus kann nicht auf friedlichem Wege erreicht werden, deswegen muss die Generallinie der Komintern/ML konsequent, grundsätzlich und konkret jede revolutionäre Gewalt bejahen, ja sogar neue Formen entwickeln und die Massen dabei führen, aber sich gleichzeitig vom Sektierertum, Anarchismus, Putschismus und individuellem Terror abgrenzen. Die Generallinie muss also eine klare Trennungslinie sein zwischen revolutionärer und reaktionärer Gewalt, insbesondere, wenn sich die reaktionäre Gewalt mit »revolutionärer« Gewalt tarnt und die Unterschiede zu verwischen versucht, um das Weltproletariat in die Irre zu führen und seinen gerechten Kampf zu diskreditieren.

Es gibt zwei Arten von Anti-Terrorismus. Der proletarische Anti-Terrorismus ist sowohl ein Kampf gegen den Terrorismus der Ausbeutung und Unterdrückung, der durch den Weltimperialismus stündlich gegenüber der Arbeiterklasse und den Werktätigen in allen Ländern der Welt erzeugt und eingesetzt wird, als auch ein gleichzeitiger revolutionärer proletarischer Kampf mit dem Endziel zur Beseitigung der Ursachen des Terrorismus, dessen Wurzeln im Weltimperialismus liegen. Wer den Terrorismus für immer beseitigen will, muss den Weltimperialismus beseitigen. Nur die kommunistische Gesellschaft ist eine Gesellschaft frei von Terrorismus.

Und es gibt den sogenannten »Anti-Terrorismus« der Bourgeoisie und des Weltimperialismus, die die revolutionäre Gewalt der Massen, den bewaffneten Aufstand des Proletariats, die Volksbewaffnung, die Rote Armee des Weltproletariats usw. fürchten und deswegen den »Anti-Terrorismus« der Weltbourgeoisie als einen Teil ihres Anti-Kommunismus einsetzen, um den sozialen und nationalen Befreiungskampf zu kriminalisieren, ihn als Gefahr für die »Menschheit«, »Zivilisation«, »Freiheit«, »Demokratie« umzufunktionieren, womit die Imperialisten natürlich ihr »Recht« auf Ausbeutung und Unterdrückung meinen und womit sie ihren Krieg und Faschismus rechtfertigen. So bedient sich zum Beispiel der USA-Imperialismus zweier Wege, um den Kommunismus nieder zu zwingen, um die revolutionäre Befreiungsbewegung zu ersticken, um den Einfluss des Marxismus-Leninismus auf die Massen zu bekämpfen und ihre Hegemonie auf der Welt zu behaupten:

»Der eine Weg war der der Aggression und der bewaffneten Intervention. Die amerikanischen Imperialisten schufen aggressive Militärblöcke wie die NATO, die SEATO u.a., sie stationierten eine große Zahl von Streitkräften auf den Territorien vieler fremder Länder, sie errichteten Militärstützpunkte auf allen Kontinenten, bauten starke Kriegsflotten auf, die sie über alle Meere und Ozeane verteilten. Um die Revolution zu unterdrücken und zu ersticken, intervenierten sie militärisch in Griechenland, Korea, Vietnam und anderswo. Der andere Weg war der der ideologischen Aggression und Subversion gegen die sozialistischen Staaten und die kommunistischen und Arbeiterparteien und der Versuche, diese Staaten und Parteien zur bürgerlichen Entartung zu bringen. In dieser Richtung brachten der amerikanische Imperialismus und das gesamte Weltkapital mächtige Mittel der ideologischen Propaganda und Diversion zum Einsatz« (Enver Hoxha, Imperialismus und Revolution, dt. Ausgabe Seite 18-19).

Heute versucht der USA-Imperialismus, die kapitalistische Welt angeblich gegen den Terrorismus zu vereinigen, versucht er davon abzulenken, dass er selber der Terrorist Nr. 1 in der Welt ist, sucht er immer wieder nach neuen Wegen, um der Katastrophe, in die er hineingeraten ist, zu entgehen. Aber nichts vermag den Imperialismus, den Kapitalismus und den Revisionismus vor der erbarmungslosen Revolution des Proletariats und der Völker zu bewahren - auch nicht terroristische Bombenanschläge, auch nicht die Formel »Kommunismus=Terrorismus!« oder Marxisten-Leninisten=Linksextremisten«, »Linksextremisten=Rechtsextremisten« usw. usf. Alle Methoden der Propagandamaschinerie imperialistischer Klassenpolitik müssen in ihrem zutiefst reaktionären und menschenverachtenden Wesens von der Komintern/ML und ihren Sektionen entlarvt und bekämpft werden - einschließlich der »linken« Abweichungen im Kampf gegen den Anti-Kommunismus.

Es ist auch eine gefährliche revisionistische Abweichung, ein Zurückweichen vor den US-Imperialisten, eine Kapitulation vor dem Weltimperialismus, wenn man von uns Marxisten-Leninisten verlangen würde, uns von der revolutionären Gewalt der Massen loszusagen, weil diese angeblich Ursache für die Verlängerung der Herrschaft des Weltimperialismus sei, weitere Verschärfung der Kriegsgefahr und des Faschismus hervorrufe, das Elend der Massen vergrößere, den Kommunismus diskreditiere, also letztendlich dem Weltproletariat schaden anstatt nützen würde. Und es ist eine »linke« - eine noch gefährlichere - Abweichung, wenn wir uns nicht klar genug vom Terrorismus, Revisionismus und Sektierertum abgrenzen. Denn alles gemeinsam nützt nur dem Imperialismus, um gegen uns vorzugehen.

Die Taktik der Sektierer besteht auch darin, die Komintern/ML und ihre Strategie und Taktik auf die verschiedenste Weise von ihren Sektionen und deren Strategie und Taktik loszutrennen. Die Komintern/ML ist das gemeinsame Instrument der Sektionen, die sich aus freien Stücken ein zentralistisches Führungsprinzip gegeben haben, um ein gemeinsames Ziel schneller und leichter zu erreichen, aber nicht zu dem elitären Zweck, eine »Avantgarde der Avantgarde« zu schaffen, die sich über die eigenen Interessen der Sektionen und ihren Kampfbedingungen und politischen Situation im eigenen Land hinwegsetzt und ihnen einen fremden Willen aufzwingt. Damit schadet man nicht nur dem Weltproletariat und seinen Gesamtinteressen, sondern auch den Proletariern in den einzelnen Ländern und ihren dortigen, besonderen Interessen. Die Strategie und Taktik der Komintern/ML ersetzt nicht die Strategie und Taktik der einzelnen Situationen oder umgekehrt, sondern sie ergänzen sich notwendigerweise gegenseitig in dialektischer Weise.

Die Komintern/ML verwirft keine einzige von der Entwicklung der Arbeiterbewegung geschaffene Form der Organisation oder des Kampfes, und nicht eine einzige Form wird von ihr als Allheilmittel betrachtet. Die Komintern/ML trennt sich in keinem Fall von den Massen, die von ihren »Freunden« betrogen und verraten werden. Jedes Sektierertum, durch das die Kommunisten von den Massen getrennt werden, wird entschieden bekämpft, weil es dem Klassengegner dazu dient, die Weltrevolution zu bekämpfen.

»Revolution ist eine solche Umgestaltung, die das Alte in der Wurzel trifft und von Grund aus zerschlägt, nicht aber es vorsichtig, langsam und allmählich umformt, in dem Bestreben, möglichst wenig zu zerschlagen« (Lenin Bd. 33, Seite 91, dt. Ausgabe).

Aber das heisst nicht, das Kind mit dem Bade auszuschütten. Hat die Revolution gesiegt, kann sie nicht bis zur zweiten Stufe des Kommunismus sozusagen ununterbrochen auf vollsten Touren immer höher geheizt werden. Lenin hat vor diesem Fehler gewarnt, und er unterscheidet da den wahren Revolutionär durchaus von den »linken« Opportunisten, der sich diese »linken« Schwächen der Revolutionäre natürlich zunutze macht:

»Für den w i r k l i c h e n Revolutionär besteht die größte Gefahr - vielleicht sogar die einzige Gefahr - darin, dass er den Revolutionismus übertreibt, die Grenzen und Bedingungen der angebrachten und erfolgreichen Anwendung revolutionärer Methoden außer Acht lässt. W i r k l i c h e Revolutionäre brechen sich zumeist dann den Hals, wenn sie anfangen, ´Revolution´ mit großen Buchstaben zu schreiben, die `Revolution´ zu einem fast Göttlichen zu erheben, den Kopf zu verlieren, die Fähigkeit zu verlieren, ganz kaltblütig und nüchtern zu überlegen, abzuwägen und zu prüfen, zu welchem Zeitpunkt, unter welchen Umständen und auf welchem Tätigkeitsgebiet man es verstehen muss, revolutionär zu handeln, und zu welchem Zeitpunkt, unter welchen Umständen und auf welchem Tätigkeitsgebiet man es verstehen muss, zu reformerischem Handeln überzugehen. W i r k l i c h e Revolutionäre werden (im Sinne nicht einer äußeren Niederlage, sondern eines inneren Zusammenbruchs ihrer Sache) nur dann zu Grunde gehen - dann aber bestimmt zu Grunde gehen - , wenn sie die nüchterne Überlegung verlieren und sich in den Kopf setzen, dass die ´große, siegreiche, weltumspannende´ Revolution unbedingt alle und jegliche Aufgaben unter allen Umständen auf allen Tätigkeitsgebieten revolutionär lösen könne und müsse. Wer sich so etwas ´in den Kopf setzt´ , der ist verloren, denn er hat sich in einer grundlegenden Frage eine Dummheit in den Kopf gesetzt, und während eines erbitterten Krieges ( die Revolution ist der aller erbittertste Krieg) ist die Niederlage die Strafe für eine Dummheit“ (Lenin, Bd. 33, Seite 92, dt. Ausgabe). Hingegen der kleinbürgerliche Revolutionär:

»Der kleinbürgerliche Revolutionär wankt und schwankt bei jeder Wende der Ereignisse... von ingrimmigem Revolutionarismus..., zum Hass gegen die Bolschewiki oder zum Beweinen ihres ´Abenteuertums´, zum ängstlichen Abrücken von ihnen, zu ihrer erneuten Unterstützung, zum geringschätzigen Abrücken von ´organischer Arbeit, Praktizismus und Allmählichkeit´. .. Man muss sich klar machen und fest einprägen, dass auf dieser (kleinbürgerlichen) sozialen Basis kein Sozialismus a u f g e b a u t werden kann.« (Lenin, Bd. 27, Seite 267/268, dt. Ausgabe).

 

weiter aus:

Generallinie der Komintern (SH)

(2001)

 

Gegen den »linken« Opportunismus in der organisatorischen Frage der proletarischen Weltpartei

5. Strategie und Taktik

(8. Die Komintern/ML - proletarische Weltpartei, ihr bolschewistischer Parteiaufbau und das Statut)

 

Der historische Prozess der Herausbildung der bolschewistischen Partei war keineswegs mit dem II. Parteitag der SDAPR beendet - der eigentlichen Gründung - sondern dauerte bis zur völligen organisatorischen Trennung auf der Prager Konferenz 1912. Diese ganze Periode war die Periode der Auseinandersetzung mit dem Opportunismus des Menschewismus. Tatsächlich war es notwendig gewesen, in der ideologischen, politischen und praktischen Auseinandersetzung mit dem Revisionismus die Merkmale dieser Partei neuen Typs zu entwickeln und durchzusetzen. Mussten die späteren Parteien der Komintern diese Besonderheiten wiederholen? Keineswegs. Sie konnten die Lenin´schen Normen, die sich als allgemeingültige Ergebnisse dieses Prozesses herausgebildet hatten, zugrunde legen und daran gehen, diese Normen unter den besonderen Bedingungen eines jeden Landes zu verwirklichen. Die Zirkeltheoretiker, die die Besonderheit für die Allgemeinheit ausgeben, handeln damit nicht nur schematisch, sondern sie leugnen in Wirklichkeit die allgemeingültigen Lehren über die Partei Lenin´schen Typus und ihren Aufbau. Eine Etappe des Zirkelwesens als Voraussetzung für die heutige Entwicklung der Herausbildung von marxistisch-leninistischen Parteien ist also sowohl im nationalen wie im internationalen Maßstab nicht mehr erforderlich und daher auch ein opportunistischer Hemmschuh, der beseitigt werden muss. Dabei haben wir mehrfach darauf hingewiesen, dass der Weg zur Bolschewisierung nicht willkürlich verkürzt werden darf. Bolschewismus kann nie exportiert werden, sondern kann sich nur in harter Arbeit sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene - und in deren dialektischen Verbindung - herausbilden. Die allgemeinen Voraussetzungen für die Schaffung der marxistisch-leninistischen Parteien sind heute also gegeben genauso wie für die Schaffung der Komintern/ML, sowohl, was die zu deren Aufbau gehörigen grundsätzlich geklärten Frage der marxistisch-leninistischen Theorie anbelangt, als auch was die Reife des Proletariats, insbesondere des Weltproletariats, anbelangt, als auch was das Vorhandensein eine marxistisch-leninistischen Weltbewegung betrifft, wenn sich diese auch gegenwärtig noch in einer schwächelnden und zerrissenen Position befindet. Wenn sich die Marxisten-Leninisten auf dieser Basis zusammenschließen, dann ist damit die minimalste Grundlage für die Schaffung eigener und gemeinsamer Organisationen erfüllt. Alle weiteren subjektiven Bedingungen, die eine entwickelte bolschewistische Partei erfüllen muss, werden im bewussten Parteiaufbauprozess selbst entwickelt. Alle weiteren Aufgaben des Parteiaufbaus werden auf den ideologischen und organisatorischen Grundlagen angegangen mit den Mitteln der Arbeitsteilung bei planmäßiger Leitung durch ein einheitliches Zentrum, das sich auf die kollektive Weisheit und die Disziplin der Organisation stützen kann. Wer die Lösung bestimmter Aufgaben des Parteiaufbaus, wie Verankerung in den Massen oder entwickeltes Programm als notwendige Voraussetzung der Parteigründung verlangt, der verlangt doch damit nichts anderes, als dass sich diese Aufgaben im spontanen Prozess der Zirkel, im spontanen Prozess der marxistisch-leninistischen Weltbewegung allmählich herausbilden sollen. Wer darauf warten will, der hat das Wesen des Bolschewismus nicht erkannt, vertritt kleinbürgerlich- spontaneistische Ansichten, die dem Parteiprinzip schaden, sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene. Wie wird also die Einheit der marxistisch-leninistischen Weltbewegung hergestellt? Planmäßig nach dem Prinzip des Parteiaufbaus oder spontaneistisch nach dem Prinzip internationaler Zirkel? Grundlage der Einheit der marxistisch-leninistischen Parteien ist die marxistisch-leninistische Theorie, seit Schaffung der internationalen Generallinie der Komintern und der daraus entwickelten Generallinie der Komintern/ML kann mit der systematischen Aufbauarbeit der marxistisch-leninistischen Parteien, bzw. ihrem Wiederaufbau begonnen werden. Sich gegen den Spontaneismus, Handwerkelei und Zirkelwesen in der marxistisch-leninistischen Weltbewegung zu wappnen durch eine Entscheidung für das planmäßige Parteiaufbauprinzip nach Lenin´schen und Stalin´schen Grundlagen, ist damit natürlich noch nicht das letzte Wort über den Kampf gegen den Neo-Revisionismus in dieser Frage gefallen. Garantien gibt es nicht, aber immerhin eine bessere Ausgangsposition. Wer aber die Einheit der marxistisch-leninistischen Weltbewegung von immer neu zu diskutierenden Konzepten und Theorien abhängig macht und die Bewegung auf »perfektionistische« Ausarbeitungen vertröstet, der hat im Grunde kein Interesse am Bolschewismus, sondern versucht seine Entwicklung zu bremsen.

Wie bei der Komintern in ihrer organisatorischen Abgrenzung zur entarteten II. Internationale werden auch die starken »links«-sektiererischen Strömungen in der organisatorischen Formierungs- und Aufbauphase der Komintern/ML zu erwarten sein. Warum? Die Revisionisten sind mit dem Aufbau ihrer EIGENEN internationalen Organisationen beschäftigt, denn es gibt keine fertige, sowohl ideologisch ausgereifte, als auch bolschewistisch organisierte und gefestigte, stark in den Massen verankerte marxistisch-leninistische Weltbewegung, in die sie eindringen, in der sie ihre Wühltätigkeit entwickeln und die sie liquidieren könnten. Die gegenwärtige Situation ist eher charakterisiert erstens durch die Überwindung der ideologischen Zerfahrenheit und dem Streben nach einem gemeinsamen ideologischen Fundament, zweitens der Überwindung des Zirkelwesens und der Findung und Sammlung der wahren marxistisch-leninistischen Kräfte und deren Bemühen, ihre Zusammenarbeit auf bolschewistische Weise zu koordinieren und zu organisieren d.h. auf zentralistische Weise, drittens der Übergang zur planmäßigen und systematischen Organisation von Aktionen, handlungsorientierte direkte Angriffe auf das kapitalistische Weltsystem zu starten und am Klassenkampf des Weltproletariats teilzunehmen, um die revolutionärsten Proletarier im eigenen Land und das Weltproletariat insgesamt als Kommunisten heranzubilden, sie als Avantgarde zu stählen, den Aufbau der Komintern/ML und ihrer Sektionen somit voranzutreiben und in der Perspektive auf die Massenarbeit vorzubereiten, um die Voraussetzungen für die Durchführung der bewaffneten sozialistischen Revolution zu schaffen.

Weil die Kritiken der unterschiedlichsten politischen Strömungen an der revisionistischen und neo-revisionistischen Entartung der gegenwärtigen internationalen Bewegung nicht automatisch nur auf marxistisch-leninistische Kritiken beschränkt sind, sondern - im Gegenteil - sektiererische Vorstellungen VORHERRSCHEN, werden diese sektiererischen Strömungen auch in die Komintern/ML einzudringen versuchen, wenn dies nicht von vornherein durch eine klare ideologische Trennungslinie vereitelt wird und ein vollständiger Bruch mit dem Sektierertum abverlangt wird. So muss sich jede Sektion verpflichten, täglich systematische, hartnäckige kommunistische Arbeit in den Massenorganisationen der Arbeiter und Werktätigen zu leisten, müssen überall dort auftreten, wo die Arbeiter und Werktätigen kämpfen, arbeiten und leben, um die fortgeschrittensten Arbeiter für den Aufbau ihrer Sektionen gewinnen zu können.

Organisationen, die sich ehrlich der Komintern/ML anschließen wollen, weil sie einen Haß auf die Opportunisten, dabei noch Probleme bei den richtigen Auffassungen und Prinzipien haben, aber einen proletarischen Kern besitzen und in den proletarischer Massen verankert sind, werden von der Komintern/ML und ihren Sektionen freundschaftlich behandelt und nach Kräften solidarisch unterstützt und nicht sektiererisch vor den Kopf gestoßen. Dazu muss man allerdings Fingerspitzengefühl bei prinzipienfester Elastizität entwickeln.

Nicht nur diejenigen sind Spalter, die der proletarischen Mehrheit eine revisionistische Linie aufzwingen wollen, sondern auch diejenigen, die von »links« Kritik daran nur deswegen üben, um ihre eigene revisionistische Mehrheit zu schaffen, die genauso auf die Notwendigkeit einer bolschewistischen Weltpartei mit der Organisationsstruktur eines demokratischen Zentralismus grundsätzlich verzichtet. Unter dem Deckmantel der »Verteidigung der marxistisch-leninistischen Organisationsprinzipien«, unter dem Deckmantel der »Einhaltung des demokratischen Zentralismus« dürfen die Komintern/ML und ihre Sektionen eine künstlich herbeigeführte Zersplitterung und Spaltung durch die Dogmatiker nicht zulassen. So wie Lenin gegen das Zirkelwesen und die Handwerkelei, gegen den Menschewismus in Organisationsfragen, innerhalb der bolschewistischen Partei gekämpft hat, so müssen auch die Komintern/ML und ihre Sektionen diese liquidatorischen Strömungen besiegen, um den bolschewistischen Aufbau der Komintern/ML und ihrer Sektionen zu sichern. Wenn gleich wegen jeder Meinungsverschiedenheit umgehend zur Spaltung übergegangen wird, wenn die Zänkerei höher im Kurs steht als die Einheit, werden die Komintern/ML und ihre Sektionen nicht vor dem »Verfall« zu retten sein. Diese radikale Vorgehensweise entspricht nicht dem Streben und Kampf des Proletariats um prinzipielle Einheit , Vertrauen und Solidarität. Die Generallinie darf nicht dazu missbraucht werden, die prinzipielle Trennungslinie willkürlich zu überziehen, um die prinzipielle Einheit der Komintern/ML und ihrer Sektionen praktisch völlig unmöglich zu machen bzw. sie unnötig zu erschweren und die Kräfte unnötig zu strapazieren und schließlich Mitglieder zu verlieren durch Prinzipienreiterei. Die Organisationsstrukturen der Komintern/ML und ihrer Sektionen sollen die Türen dem Proletariat weit öffnen, aber ansonsten vorsichtig und wachsam sein, das betrifft die Beachtung der sozialen Zusammensetzung der Mitglieder gerade in der organisatorischen Aufbauphase.

 

weiter aus:

Generallinie der Komintern (SH)

(2001)

10. Historische Lehren der Komintern und der kommunistischen Weltbewegung


Gegen den »linken« Opportunismus in der kommunistischen Weltbewegung

Welche von beiden Vereinigungen muss warten und der anderen den Vortritt lassen: die Vereinigung der »Proletarier aller Länder« oder die Vereinigung der »Marxisten-Leninisten aller Länder«? Diese Frage ist eigentlich falsch gestellt.

Worauf es ankommt ist, dass es keinen Grund der Welt gibt, warum ein einziger Proletarier oder ein einziger Marxist-Leninist auf einen anderen »warten« müßte, um sich zu vereinen? Wer hindert sie daran, mit der gemeinsamen Arbeit, mit der gemeinsamen Aktion, mit der gemeinsamen Beratung usw. einfach zu beginnen, wenn der Klassenkampf tobt? Wenn alle nur »warten«, werden sie bis ans Lebensende warten, bis der Kapitalismus alles zugrunde gerichtet hat. So einfach wie die Antwort also ist, so schwer ist es aber auch, den Stein zu bewegen und ihn ins Rollen zu bringen. Wer hindert uns Marxisten-Leninisten daran, uns international zu vereinigen? Oder besser gefragt: Welche marxistisch-leninistischen Interessen stehen dahinter, sich nicht oder noch nicht international zu vereinigen?

Es gibt Neunmalkluge, die ihre »Bedenken« und »prinzipiellen« Argumente vortragen und dem Weltproletariat allen Ernst vorschlagen wollen, so lange die Unterstützung zur Vereinigung der Proletarier aller Länder als eine Klasse des Weltproletariats aufzuschieben, bis man das »Für und Wider« der Komintern/ML ausdiskutiert hat, ohne im geringsten an die praktische Lösung dieser Aufgabe nur einen einzigen Gedanken zu verschwenden. Die Weltbourgeoisie wird sich bei diesen Neunmalklugen bedanken. Sie nennen sich sogar Marxisten-Leninisten, aber das Warten, bis die Komintern/ML vom internationalen Himmel gefallen oder irgendeinem Guru die Internationale aus der Schreibfeder gehüpft ist, bedeutet, dass alle in Erwartung erstarren sollen, anstatt dort mit der Initiative zu beginnen, wo das möglich ist und dies war nicht nur nicht schon lange möglich, sondern ist längst überfällig! »Verkürzt die Zeit! Verliert keine Zeit!« heißt die Devise und nicht: »Nichts übereilen! Nichts übers Knie brechen!« Haben diese Neunmalklugen »vergessen«, dass die Arbeiter auf diesem Erdball schon fast 60 Jahre(!), seit der Auflösung der Komintern im Mai 1943, warten? - Schlimmer noch - die Zahl derer, die es längst aufgegeben haben zu warten, mit jedem Jahr größer geworden ist und größer werden wird mit jedem neuen Jahr. Jede Sekunde, die nutzlos verstreicht für den Beginn des tatsächlichen Aufbaus der Komintern/ML, kostet uns Jahre längerer, unnötiger Überzeugungskraft. Jedes längere Warten heisst heute, Zeit zu vergeuden, denn Arbeiter haben es nun mal an sich, sich lieber von Taten als von Worten überzeugen zu lassen - das hat der Klassenkampf sie so gelehrt. Es erübrigt sich wohl von selbst, dass die Proletarier aller Länder diesen Zustand kritisieren, sich mit dieser Sachlage nicht abfinden können und nun die Initiative ergriffen haben, nachdem folgende ersten Voraussetzungen vorläufig erfüllt sind:

a) Wir haben eine Generallinie der Komintern/ML zur Diskussion ausgearbeitet. Sie ist unserer Meinung nach völlig ausreichend als vorläufige Richtschnur um den ersten praktischen Schritt auf dem Weg in die richtige Richtung zu tun - und sich darauf zu einigen, darauf kommt es jetzt an. Ihre Mängel und Schwächen im gegenwärtigen Zeitpunkt können kein Argument sein, sich dem Beginn der Arbeit zu verweigern. Und Mängel und Schwächen sind dazu da, dass man sie überwindet. Das geht aber nicht, ohne die Arbeit aufgenommen zu haben.

b) Wir haben das von Stalin ausgearbeitete Programm der Komintern, - Es ist zwar schon fast 75 Jahre alt, aber das Kommunistische Manifest ist noch viel älter, und erfüllt auch immer noch seinen Zweck - nicht nur für den Anfang, sondern für die ganze Zeit bis zum siegreichen Ende.

c) Wir haben zur ideologischen Orientierung noch einen weiteren Klassiker des Marxismus-Leninismus hinzu gewonnen. Nun sind es schon mal 5 Klassiker. Reichen 5 etwa noch nicht aus und sollen wir auf den 6., 7.,8... warten, um aus all ihren Lehren nur eine einzige zu begreifen, dass wir endlich Ernst machen müssen: durch die Vereinigung der »Marxisten-Leninisten aller Länder« mit der Vorhut, der höchsten Form der Klassenorganisation der »Proletarier aller Länder«, mit den organisierten Abteilungen des Weltproletariats, mit dem zukünftigen Instrument der Diktatur des Weltproletariats, mit der Einheit des Willens und Handelns aller Sektionen, aller organisierten revolutionären Kräfte der Welt, also mit der Schaffung der Komintern/ML zu beginnen, damit sie sich vom Papier lösen kann und den Weg in den tatsächlichen, in den täglichen, internationalen Klassenkampf findet und zur Triebkraft wird, die die Massen ergreift, um die Weltrevolution zu vollenden?!

d) Wir haben international Genossen, die am internationalen Klassenkampf in kleinen Aktionen bereits teilnehmen - soll man sie etwa hindern, vorwärts zu schreiten? Wir haben die erste Losung der Komintern/ML herausgegeben: »Rote Interbrigaden in den Kosova!« und diese Losung hat in der Welt ein positives Echo gefunden. Hat dieser kleine Beitrag dem Weltproletariat und dem Nationalen Befreiungskampf wenigstens einen kleinen Schritt weiter geholfen oder nicht? Das wir damit am nächsten Morgen nicht die Weltrevolution auslösen, ist klar, aber dies ist bereits ein Anreiz, eine erste Erfahrung, die erste Unterrichtsstunde in revolutionärer internationalistischer Praxis, eine Schule, um eines Tages die weltweiten Aktionen anzuführen und den US-Imperialismus für immer zu vernichten. Oder ist es unsere Aufgabe, uns in einer »vereinigten internationalen Studierstube« zu verkriechen. Wir können noch keine großen Sprünge machen, aber jede kleine Aktion zählt - reicht das noch nicht, darauf die nächste kleine Aktion folgen zu lassen und uns an eine nächste, größere Aufgabe heranzuwagen und uns nach einigen Jahren zu revolutionären Führern des Weltproletariats zu entwickeln? Sehen wir uns die bisherigen Internationalen an.

Was lernen wir aus ihrer Geschichte

bezüglich des Sektierertums?

Sind sie wegen Sektierertum entartet oder wegen des rechten Opportunismus? Keine Internationale ist am Sektierertum gescheitert. Im Gegenteil. Bei allen Internationalen wurde das Sektierertum der einzelnen jungen Parteien nicht nur überwunden, sondern die Internationalen halfen diesen einzelnen Parteien, zu großen Massenparteien heranzuwachsen. Die welthistorische Bedeutung aller Internationalen besteht also darin, dass die Arbeiterklasse den Übergang vom Sektierertum zur proletarischen Massenpartei vollzieht, dass die Internationalen den Marxismus in die breitesten Schichten der Werktätigen der ganzen Welt tragen. Es waren die Internationalen, die die zertretene proletarische Fahne des Weltproletariats hoch hielten. Den Arbeitern lieferte die Hilfe der Internationalen den Beweis, dass die Arbeiterklasse eine mächtige Kraft darstellt, wenn sie organisiert und vereint ist und wenn die Leitung ihrer Organisation in den eigenen Händen liegt, und die Arbeiter können ihre eigenen Interessen am besten vertreten.

Hinter den Sektierertum-Vorwürfen der Bourgeoisie steckt die Angst vor dem Proletariat und seiner Partei, die Angst vor seiner internationalen Organisierung als selbständige Klasse. Die Weltbourgeoisie behauptet, dass das Weltproletariat »nicht in der Lage« sei, seine Klasseninteressen selbständig und unabhängig wahrzunehmen, das könnten die ausbeutenden Klassen viel besser »für sie übernehmen«. Es soll sich den Bündnissen der herrschenden Klasse anschließen und sich unterordnen, um sein Sektierertum »zu überwinden«. Insbesondere in Situationen, wo die proletarische Bewegung nach Zeiten der Flaute wieder einen revolutionären Aufschwung nimmt, fängt die Bourgeoisie verstärkt mit ihren Sektierertum-Vorwürfen an, um die noch schwache aber schnell heranwachsende Kraft des Proletariats herabzusetzen und klein zu machen. So ist auch jetzt dieser Drang des Proletariats zu verspüren, sich im Kampf gegen das Kapital international zusammenzuschließen. Immer ging es um die Sammlung der international verstreuten revolutionären Arbeiter und um ihre Vereinigung in einer internationalen Interessengemeinschaft. Der Kampf für die Stärkung dieser Interessengemeinschaft ist nicht etwa Ausdruck von »Sektierertum«, sondern im Gegenteil gerade ein Zeichen für die Überwindung des Sektierertums. Die Frage der Schaffung einer proletarischen Massenpartei bildete die Hauptaufgabe im Kampf gegen das Sektierertum, die Klasse aus der Masse herauszuheben. Die Internationalen verfolgten das Ziel, den Arbeitern bei der Schaffung ihrer Organisationen weltweit zu helfen, mit denen sie ihre historische Mission erfüllen konnten, nämlich

»die wirkliche Organisation der Arbeiterklasse für den Kampf an die Stelle der sozialistischen und halbsozialistischen Sekten zu setzen (...) Die Entwicklung des sozialistischen Sektenwesens und die der wirklichen Arbeiterbewegung stehen stets im umgekehrten Verhältnis. Solange die Sekten berechtigt sind [historisch], ist die Arbeiterklasse noch unreif zu einer selbständigen geschichtlichen Bewegung. Sobald sie zu dieser Reife gelangt, sind alle Sekten wesentlich reaktionär (...) Und die Geschichte der Internationalen war ein fortwährender Kampf des Generalrats gegen die Sekten und Amateurversuche, die sich gegen die wirkliche Bewegung der Arbeiterklasse innerhalb der Internationalen selbst zu behaupten suchten« (Marx/Engels, Bd. 33, Seite 328, Brief an Friedrich Bolte vom 23. November 1871, dt. Ausgabe).

»Was tun?« Das haben sich damals die marxistischen, russischen Revolutionäre gefragt und die Frage mit der Oktoberrevolution beantwortet; und so ist die Frage heute auch an uns gestellt, die marxistisch-leninistischen Revolutionäre in der ganzen Welt, die wir mit der Weltrevolution beantworten müssen, indem wir gemeinsam das Banner der Oktoberrevolution hochhalten, und es uns von niemandem aus der Hand reißen lassen. Es ist ja gerade die gegenwärtige Schwäche der marxistisch-leninistischen Weltbewegung, sich mit dieser Frage »Was tun?« herum zu quälen, sich wieder ganz von vorn zum schweren Weg Lenins »durchzuringen«, den er zurücklegen musste, um die erste bolschewistische Partei der Welt zu schaffen, die all das hervorgebracht hatte, was heute nahezu wieder zerstört wurde. Darüber können wir uns doch nicht hinwegmogeln, indem wir mal mit dem »linken« und mal mit dem rechten Bein die Schwierigkeiten einfach »überspringen«, um den Weg zu »verkürzen« und »schneller« am Ziel zu sein. Die Geschichte hat bewiesen, dass dies im Gegenteil den Weg stets nur erschwert, unnötig kompliziert und zu voraussehbaren und vermeidbaren Niederlagen geführt hat. Es macht einen Unterschied, ob man eine bolschewistische Partei in einem Land aufbaut oder dies mit dem Aufbau der Weltpartei verbindet. Aber das müssen wir jetzt tun, weil wir gar keine andere Alternative haben. Das ist die Generallinie, das ist der Weg, der heute vor uns liegt zur Schaffung der Komintern/ML und ihrer Sektionen. Dieser Weg war auch immer Lenins Weg. Als Schüler der deutschen revolutionären Sozialdemokratie wurde er jedoch durch deren Verrat, durch den Verrat der II. Internationale, gezwungen, den Weg allein zu gehen. Wenn Lenin davon überzeugt gewesen wäre, dass die Oktoberrevolution nur eine Sache des russischen Proletariats sei und der Aufbau des Sozialismus im eigenen Land vorteilhafter wäre, dann hätte er nicht 1 Jahr nach der Oktoberrevolution die Komintern gegründet und damit den Weg frei gemacht für den Aufbau der bolschewistischen Parteien in der Welt. Die Komintern/ML als zweite bolschewistische Weltpartei wurde nicht nach dem Sieg der Diktatur des Proletariats gegründet, sondern zur Vorbereitung des Sieges der Zurückeroberung der Diktatur des Proletariats. Es ist die Sache unserer Gegner, wenn sie das als ein Manöver betrachten, dass die Russen die Welt nur vor ihren Karren spannen wollten, um die Welt zu unterdrücken und auszubeuten. Nun kann man argumentieren, dass Lenin die Komintern nur gründen konnte, NACHDEM die Diktatur des Proletariats gesiegt hat. Wer stellt denn solche unsinnigen Theorien auf? Dann hätten Marx und Engels niemals die I. Und II. Internationale aufbauen dürfen. Sicherlich ist es für die Proletarier aller Länder leichter, ihre Partei im eigenen Land aufzubauen, wenn man eine starke sozialistische Heimat hinter sich hat, wo die Arbeiter gesiegt haben auf der Welt. Deswegen haben sich auch die Sektionen der Komintern rasch entwickeln können durch die Unterstützung der Sowjetunion Lenins und Stalins. Deswegen konnten sie auf den Erfahrungen der Geschichte der KPdSU(B) aufbauen. Aber haben sie die Bolschewisierung auch konsequent genug im eigenen Land angewandt geschweige denn weiter entwickelt? Das haben sie leider nicht konsequent genug getan, wir wir wissen... und damit ist alles zu erklären und abzuleiten auf Punkt und Komma bis auf den heutigen Stichtag. Eine vorbildliche KPdSU (B) kann Bruderparteien auch zu der Gefahr verleiten, dem Irrtum zu verfallen, dass es für die Bruderparteien völlig ausreichen würde, im Windschatten und Fahrwasser des Schiffes der Bolschewiki, im Gefolge des weltrevolutionären Zentrums einfach nur hinterher zu segeln. Wird dieses weltrevolutionäre Zentrum geschwächt, dann können die ihm folgenden Parteien schnell ihre Orientierung verlieren und sind - auf sich allein gestellt - schwer in der Lage, den Stürmen des Weltklassenkampfes zu trotzen. Lenin und Stalin haben davor gewarnt, und die negativen Folgen vorausgesehen. Der Bolschewismus kann weltweit nur dann siegen, wenn ALLE bolschewistischen Parteien bereit und in der Lage sind, durch eigene Anstrengungen den gleichen harten und beschwerlichen Weg durchzugehen wie die Bolschewiki Lenin und Stalin. Bolschewismus lässt sich nicht exportieren, er muss in jedem Land schwerste Prüfungen bestehen, um so zu siegen wie in Russland. Für den Bolschewisierungsprozess brauchten die Bolschewiki Jahrzehnte - und nirgends auf der Welt bis auf den heutigen Tag geschah dies so gründlich und konsequent wie in der Partei Lenin und Stalins. Vielleicht ist dies auch die plausibelste Erklärung für das Ende der ersten Phase der Entwicklung des Kommunismus. Wir brauchen nicht nur den Sieg des Bolschewismus in einem Lande, um zum Kommunismus zu gelangen, sondern wir brauchen den Sieg des Bolschewismus in allen Ländern. Einen anderen Weg zum Weltkommunismus kann und wird es nicht geben. Die Bolschewisierung unserer internationalen Bewegung muss also heute noch gründlicher und noch konsequenter geschehen, denn die Weltbourgeoisie hat aus der Niederlage gegen den Bolschewismus gelernt und hat sich auf die Verhinderung einer erneuten Schlappe gegenüber dem Kommunismus entsprechend eingestellt. Das muss uns klar sein, wenn wir uns sowohl an den Aufbau der marxistisch-leninistischen Parteien in allen Ländern machen als auch an den Aufbau der Weltpartei. Die bolschewistische Partei des sozialistischen Landes kann helfen, aber nicht den bolschewistischen Aufbau der Sektionen der Weltpartei an deren Stelle übernehmen oder die bolschewistische Partei exportieren. Das war die Schwäche der Komintern, war ein Grund für ihre Verletzbarkeit, für ihre Anfälligkeit gegenüber Einflüssen der bürgerlichen Ideologie, insbesondere des sozialdemokratischen Ballasts, den die Parteien nicht konsequent genug abgeworfen haben und der dann auch den Revisionismus an die Macht brachte... und da stehen wir nun mit den bekannten Resultaten. Das haben Lenin und Stalin erkannt und deswegen im Geiste des proletarischen Internationalismus Gigantisches geleistet, um nicht nur auf diese Gefahren hinzuweisen, sondern den Bruderparteien auch beim Aufbau ihrer bolschewistischen Partei zu helfen. Niemals wären Lenin und Stalin auf die Idee gekommen, sich vor dieser internationalistischen Aufgabe zu drücken, denn sie haben von Anfang an niemals den gemeinsamen Weg aller Kommunisten der Welt verlassen, haben niemals nachgelassen, die Revolutionäre der Welt auf ein höheres Niveau zu heben, damit sie um so besser das sozialistische Vaterland des Weltproletariats schützen und unterstützen können, was den größten Beitrag für die Weltrevolution leistete. Niemals haben die Revolutionäre des ersten sozialistischen Staates ihre Interessen über die Interessen der Weltrevolution, über die Interessen des Weltsozialismus gestellt.

Was lernen wir daraus? Wir lernen daraus, dass wir uns im Kampf nur entwickeln, wenn wir uns auf unsere eigenen Kräfte stützen. Dieses marxistisch-leninistische Prinzip ist nicht zu verwechseln mit Sektierertum, das dabei auf die gegenseitige Unterstützung der internationalen Kräfte prinzipiell verzichtet! Sich auf die eigenen Kräfte zu stützen heisst nicht, sich von der gemeinsamen Kraft des Weltproletariats zu isolieren. Sich auf die eigenen Kräfte stützen heisst, ein selbständiger, fester und zuverlässiger Bestandteil des Weltproletariats zu werden, wovon dessen Gesamtstärke abhängt! Wir Marxisten-Leninisten in der Welt müssen uns gegenseitig Mut machen, müssen die Initiative ergreifen, anstatt von irgendejemand anders auf das Startsignal zu warten. Von wem soll dies gegeben werden? Wir haben weder eine Sowjetunion, die die Kommunistische internationale ins Leben rief, wir haben auch kein Albanien mehr, das die marxistisch-leninistische Weltbewegung führte. Soll uns ein neues sozialistisches Land der Zukunft zur Gründung der neuen Kommunistischen Internationale einladen, voll Dankbarkeit, dass wir so lange geduldig auf dieses Land gewartet haben? Das Weltproletariat wird sich bei solchen Kommunistischen Internationalisten bedanken. Oder gibt es etwa heute irgendwo auf der Welt eine so starke marxistisch-leninistische Partei, dass sie uns großzügig beim Aufbau der neuen Kommunistische Internationale Unterstützung gewähren kann? All das ist nicht vorhanden und schon hört man das Wehgeschrei, dass wir uns mit dem Aufbau der Komintern/ML den denkbar ungünstigsten Zeitpunkt ausgesucht hätten. Wir sind völlig auf uns allein gestellt, aber war das für Lenin mit der Schaffung der bolschewistischen Partei in Russland im Kampf gegen den Sozialdemokratismus etwa anders? Wir müssen unsere vorgeschobenen Festungen der Länder zu einer vorgeschobenen internationalen Festung ausbauen, müssen mit der Schaffung der bolschewistischen Weltpartei selber beginnen. Es ist also die gegenwärtige Aufgabe der Marxisten-Leninisten der ganzen Welt, nicht nur ihre eigene Partei im eigenen Land aufzubauen, sondern sich international zusammenzuschließen, um sich gemeinsam am Aufbau der Komintern/ML zu beteiligen, eine anspruchsvollere Aufgabe, als sich gegenseitig mit Solidaritätsbekundungen zu trösten. Das ist eine Aufgabe, die höchste Einsatzbereitschaft abverlangt, eine doppelte Aufgabe, aber eine erfüllbare Aufgabe, eine Aufgabe, die uns allen gemeinsam hilft und uns allen zu Gute kommt und den gemeinsamen Weg zum Ziel um ein Vielfaches verkürzt, die unsere Arbeit enorm erleichtert, eben auch den Aufbau der bolschewistischen Partei im eigenen Land, so paradox das auch klingen mag: Man kann sich sofort ausmalen, welche internationalen vorhandenen Möglichkeiten wir nutzen und welche wir neu aufbauen können, um unsere Sache zu erleichtern. Wir haben heute modernere Möglichkeiten als zu Lenins Zeiten, aber sie können erst in die Tat umgesetzt werden, wenn wir sie auch wirklich nutzen wollen. Wir können unsere revolutionären Ideen, unsere Kräfte, unsere Organisationen schneller und gründlicher auf ein höheres Weltniveau heben und dieses erhöhte Weltniveau wieder in alle Winkel der Welt tragen. Wir werden eine vereinigte Welttriebkraft erzeugen und unsere kommunistischen Ideen werden überall auf der Erde zur materiellen Gewalt. Sobald sie die Massen in jedem Land ergreifen, hört die Weltrevolution auf, nur eine Vision zu sein. Wir werden den proletarischen Internationalismus dadurch auf eine höhere Stufe heben, dass wir unsere Erfahrungen nicht nur aus dem einen oder anderen Land austauschen, sondern auch unsere revolutionäre Arbeit selber austauschen, sie auch weltweit gemeinsam praktizieren. Die daraus gewonnenen internationalen Erfahrungen sind dann nicht mehr identisch mit den vorangegangenen nationalen Erfahrungen: d.h., wir handeln nicht mehr ganz als Revolutionäre dieses oder jenes Landes, sondern sind schon bald auch internationale Revolutionäre. Hieraus haben wir auch unsere Losung abgeleitet: „Rote Interbrigaden in den Kosova!«. Es ist nicht mehr allein der Bündnispartner im eigenen Land, nicht mehr das Proletariat der Nachbarländer, sondern auch Internationale Brigaden, die zur Hilfe eilen. Diese militante Kampfform des proletarischen Internationalismus ist eine starke Waffe des Weltproletariats, wenn die Rote Armee der Diktatur des Proletariats verloren gegangen ist und erst wieder aufgebaut werden muss, um den Völkern der Welt zur Hilfe eilen zu können. Natürlich gibt es Leute, die davor zurückschrecken und ihren Defätismus hinter »linken« Phrasen zu verbergen suchen. Aber diese Leute können uns nicht ernsthaft aufhalten auf dem Weg, den wir bereits beschritten haben, was das Weltproletariat nicht nur registrieren und begrüßen, sondern auch zum bereitwilligen Folgen veranlassen wird und uns jede nur denkbare Unterstützung gewähren wird. Es gibt keine andere Alternative, es gibt keinen Idealfall, den wir uns aus dem Lehrbuch aussuchen können. Wir müssen mit der Situation fertig werden, so wie sie nun mal ist, und das ist nicht so schlimm wie es aussieht. Ein Beispiel: Es dürfte der Aufmerksamkeit aller Unterdrückten und Ausgebeuteten nicht entgehen und seine eindrucksvolle Wirkung nicht verfehlen, wenn an einem Tag zu gleicher Stunde, überall auf der Welt in einer gemeinsame Aktion beispielsweise dem US-Imperialismus ein harter Schlag auf die gleiche Stelle versetzt wird! Oder: Was hat ein Hammer für eine großartige Wirkung, der - in einer einzigen Hand des gesamten Weltproletariats mit einem Schlag dem Klassenfeind weltweit im selben Augenblick aufs Haupt trifft!? Welche Wirkung muss das auch auf unseren Klassengegner haben, der sich jetzt noch so sicher und stark fühlt und glaubt, die Welt in seinem Griff zu haben und die Marionettenpuppen tanzen lassen kann wie es ihm gefällt!? Das, liebe Genossen, kann man organisieren, werden wir organisieren, vorausgesetzt, alle machen mit und alle unterstellen sich einem einzigen revolutionären Befehl, um diesen diszipliniert im internationalen Gleichschlag auszuführen. Das kann man lernen und das werden wir lernen, und wir werden eine mächtige Kraft, wenn wir es nur wollen!

Angesteckt von der Furcht vorm Untergang des Weltkapitals und beseelt vom Unglauben an die Weltrevolution warfen die Gegner den Gründern der Kommunistischen Internationalen stets Isoliertheit, Utopismus und Kinderei vor. Sicherlich, durch die Zerschlagung der Diktatur des Proletariats ist es dem Weltproletariat dort nicht mehr möglich, sich von Tatsachen zu überzeugen, wie sich das Leben eines sozialistischen Arbeiters vom Leben des Arbeiters im Kapitalismus unterscheidet usw. usf. Ist es da nicht naheliegend, dass wieder einige Utopisten auftauchen, die den utopischen Sozialismus aus dem 19. Jahrhundert ausgraben, zu dem Marx gesagt hat:

»Die Bedeutung des kritisch-utopischen Sozialismus und Kommunismus steht im umgekehrten Verhältnis zur geschichtlichen Entwicklung. In dem selben Maße, worin der Klassenkampf sich entwickelt und gestaltet, verliert diese phantastische Erhebung über denselben, diese phantastische Bekämpfung desselben allen praktischen Wert, alle theoretische Berechtigung. Waren daher die Urheber dieser Systeme auch in vieler Beziehung revolutionär, so bilden ihre Schüler jedesmal reaktionäre Sekten.« (Marx/Engels: Kommunistisches Manifest)

Sie umklammern die 4 Klassiker derart, dass sie sie in ihre Sektenführer verwandelt haben - gegen die geschichtliche Fortentwicklung des Weltproletariats und müssen daher zwangsläufig gegen den 5. Klassiker opponieren, der dieser Fortentwicklung Rechnung getragen hat. Sie versuchen daher »im Kampf um die Verteidigung der 4 Klassiker« konsequent den Klassenkampf wieder abzustumpfen und die Gegensätze zu vermitteln und lassen sich ihre Träume verwirklichen auf den Latifundien der Revisionisten. Nur auf dem Feld des Klassenkampfes werden sie begreifen, dass man die 4 Klassiker entweder vermittels des 5. Klassikers verteidigt oder sie ohne ihn beerdigt. So werden wir denn heute als Gründer der Komintern/ML ausgerechnet von diesen Sekten nicht ernst genommen, weil wir unser Schicksal als einzige Marxisten-Leninisten in »übertriebener Liebe« zu unserem 5. Klassiker verknüpft und uns somit selber »ins Abseits« katapultiert haben. Und kurzerhand werden WIR von diesen Sekten als »Sektierer« verunglimpft, nachdem ihr Mitleid mit uns keinerlei Wirkung auf unsere »Verbohrtheit« zeitigt und weil wir angeblich den Weg von Marx, Engels, Lenin und Stalin unwiderruflich »verlassen« hätten, nur weil wir uns Enver Hoxha als Verstärkung geholt haben. Die Revisionisten qualifizieren die Komintern/ML als »isoliert«, »revolutionistisch-abenteuerlich«, als »schablonenhaft«, »dogmatisch« und »sektiererisch«, »anmassend«, »selbstherrlich«, »größenwahnsinnig« usw. usf. ab. Richtig daran ist lediglich, dass sich die Komintern/ML aus ideologischer Notwendigkeit heraus vom Opportunismus abgrenzen und isolieren muss. Einige unserer Gegner argumentieren, dass die 4 Klassiker im Kampf gegen den heutigen Revisionismus völlig »ausreichen«, während andere Gegner ihren Neo-Revisionismus nicht nur hinter Stalin, sondern auch hinter Enver Hoxha versteckt aufgebaut haben . Die Tatsache der Existenz und des Wirkens der Komintern/ML zerkratzt die »Glaubwürdigkeit« der Revisionisten und zwingt sie, jetzt aus ihren Rattenlöchern zu kriechen, ihr Totschweigen aufzugeben, prophezeien sie im Nachhinein das »zwangsläufige Scheitern« der Internationale und versuchen zu »beweisen«, dass überhaupt die Voraussetzungen zur Gründung fehlen bzw. dichten der Gründung falsche Voraussetzungen an. Zuerst argumentiert man grundsätzlich gegen die Notwendigkeit einer Internationale; dann macht man die Gründung von bestimmten Voraussetzungen abhängig, die natürlich für eine jetzige Gründung »nicht« oder »noch nicht« vorhanden seien; dann bezweifelt man nicht die Gründung, aber zweifelt an den Gründern, auf jeden Fall versucht man »nachzuweisen«, dass die Komintern/ML so oder so »zum Sterben verurteilt« sei. Immer geht es den Gegnern darum, die Gründung und die Entwicklung der Internationale mit fadenscheinigen Argumenten zu verunglimpfen, zu erschweren, hinauszuzögern, zu unterwandern, zu entarten und schliesslich zu liquidieren. Aber all dieser Dreck kann der Gründung der Komintern/ML nichts anhaben, weil sie bereits vom ersten Tag ihres jungen Lebens die Interessen des Weltproletariats vertreten und für die Weltrevolution in Wort und Tat Partei ergriffen hat. Das ist schon eine historische Tatsache geworden und läßt sich nun nicht mehr leugnen. Die Gegner der Komintern/ML haben ihre Chance verpasst, nun müssen sie sich stellen, ob sie wollen oder nicht. Die Komintern/ML ist angetreten, den Marxismus-Leninismus international zu verteidigen und den Revolutionären der Welt in ihrem prinzipienfesten Kampf zu helfen, egal welcher Angriff, welche Niederträchtigkeit in nächster Zeit vom Stapel laufen wird.

Das Argument der verfrühten Gründung klingt angesichts des halben Jahrhunderts, das seit der Auflösung der III. Internationale vergangen ist, geradezu absurd und lächerlich. Auch jenes Argument zieht nicht, dass es kaum Gründungs-Mitglieder gäbe oder nur eine einzige Partei, die sie bisher unterstützt, und damit der Anspruch, die Vertretung des gesamten Weltproletariats werden zu wollen, größenwahnsinnig, anmaßend und ein armseliger Wunschtraum von »Kleinbürgern« sei, die die Kommunistische Internationale »heraufbeschwören« wollen und in ihrer »rrrrrrrrrrrevolutionären Schwärmerei« gar nicht merken, wie weit sie sich damit von den »realistischen« Marxisten-Leninisten entfernt haben, die die Einheit anstreben, anstatt sie durch selbstherrliche »Ausgrenzungsorgien« zu zerstören. So beschimpft man die Komintern/ML nicht allein aus dem offen rechten Lager wie man es gewohnt ist, sondern man staune: das werfen uns die Neo-Sektierer vor [»Neo-Sektierer sind in den Augen der Komintern/ML solche Leute, die in Worten das Sektierertum bekämpfen, aber in Taten das Sektierertum verteidigen«]. Wer hat behauptet, dass die Kommunistische Internationale reif vom Baum fällt? Wenn die objektiven Bedingungen reif sind, und sie sind zweifellos überreif, dann ist es Aufgabe und Pflicht der Marxisten-Leninisten, die subjektiven Faktoren zu verstärken, nicht nur auf nationaler, sondern auch auf internationaler Ebene. Dazu gehört die Gründung Komintern/ML, die Beteiligung am internationalen Klassenkampf, an internationalen Aktionen - egal wie klein sie ist, egal wieviel Kräfte sie „erst“ unterstützen usw. usf. Das gilt auch für die marxistisch-leninistische Partei jedes einzelnen Landes. Das ist eine Frage der Qualität, nicht der Quantität.

»Eine wahrhaft revolutionäre Partei wie unsere Partei gibt auf keinen Fall die prinzipienfesten Haltungen auf... In diesen Fragen kann es keine Diskussion darüber geben, ob die Partei groß oder klein ist.« (Enver Hoxha, Imperialismus und Revolution ,dt. Ausgabe, Seite 530-531)

»Klein aber fein« ist jedoch keine zum Prinzip erhobene brauchbare Formel der Komintern/ML. Im Gegenteil, würde diese zum Prinzip gemachte Taktik damit enden, dass alle anderen Organisationen unrecht haben müssen, und nur die eigene Organisation Recht haben kann. Das ist genauso sektiererisch wie »Kampf gegen alle, allen Feindschaft, »We are only the best!«. Diese Taktik führt nur auf den Weg: »Entweder mit mir oder gegen mich«; »wenn du nicht denkst und handelst, wie ich sage oder handle, dann bist du gegen mich«. Das hat mit Marxismus-Leninismus rein gar nichts zu tun, aber sehr viel mit kleinbürgerlichem Egoismus, intellektueller Arroganz und sektiererischem Führungsanspruch. In diese Richtung geht auch die revisionistische Taktik des Personenkults, die dem kollektiven Geist des Proletariats wesensfremd ist. Personenkult ersetzt die Diktatur des Proletariats durch die Diktatur eines Führers. Das Proletariat lehnt weder die notwendige Rolle, noch die Liebe zu ihren Führern ab, weil diese den besten Teil ihrer Klasse verkörpern, aus ihrer Klasse hervorgehen und aus ihr hervorragen, aber nicht, um sich über die Klasse zu erheben, sondern ihr an vorderster Front zu dienen.

Es ist also eine gefährliche Tendenz, im Alleingang marschieren zu wollen und zu glauben, ohne die anderen auskommen zu können. Dahinter steckt nicht allein die Angst, sich unterordnen zu müssen und seine Führung zu verlieren, denn die Marxisten-Leninisten haben keine Angst vor dem demokratischen Zentralismus, aber es herrscht unter den Marxisten-Leninisten eine andere Angst, nämlich durch die »Übermacht der Einheit der anderen« als revolutionäre Minderheit unter eine opportunistische Mehrheit zu geraten und sich lieber beobachtend und abwartend zurückzuziehen. Dieses aus der leidvollen Erfahrung mit dem Revisionismus entstandene Misstrauen ist all zu verständlich, aber, ob nun berechtigt oder nicht, Misstrauen allein führt nur zu Skeptizismus und Fatalismus, zu verzweifelten Schritten, zur Isolierung und schließlich zur Kapitulation vor dem Revisionismus. Angst vor dem Revisionismus ist keine Schande, aber seine Angst nicht überwinden zu wollen, das wäre für einen vom Marxismus-Leninismus überzeugten Genossen wahrlich seltsam. Marxisten-Leninisten sind vom Marxismus-Leninismus überzeugt, sonst kann man sie nicht als Marxisten-Leninisten bezeichnen. Und wenn wir merken, dass diese Überzeugung nachlässt, muss das nicht an uns allein liegen - das kann auch am Nachlassen des Marxismus-Leninismus liegen, dann nämlich, wenn er in die Jahre kommt und altersschwach wird, wenn er die Welt nur noch schablonenhaft widerspiegeln kann, nicht mehr jung, schöpferisch und streitbar ist und seinen revolutionären Geist verliert. Aber an wem liegt denn das, Genossen? Am Marxismus-Leninismus oder an den Marxisten-Leninisten? Ganz allein an uns, Genossen. Entweder man begnügt sich mit dieser Feststellung oder man ändert etwas daran. Und wir müssen etwas daran ändern, ganz gewaltig sogar. Wir haben Jahrzehnte verschlafen, und die gilt es jetzt wieder wett zu machen. Aber wie? Alle zurück in die Studierstuben? Jawohl! Aber nicht um sich - wie bisher - darin zurückzuziehen. Nein, sondern nur deshalb, um den schnellsten, sichersten und besten Weg zur Arbeiterklasse und ihrem Klassenkampf zu finden- mit einer geschärften marxistisch-leninistischen Waffe im Gepäck! Der größte Lehrmeister des Marxismus-Leninismus ist die revolutionäre Aktion des Weltproletariats. Innerhalb des Kampfes der Arbeiter können wir nicht mit veralteten Formeln operieren. Wir müssen den Arbeitern beweisen, dass wir zur Selbstkritik fähig und damit nützlich und unentbehrlich sind, denn nur aus der Selbstkritik heraus wird es uns gelingen, nicht nur die gemachten Fehler offenzulegen, sondern den Arbeitern auch die Mittel und Wege zu benennen, wie sie sich zukünftig überwinden lassen. Wenn die Arbeiter feststellen müssen, dass wir nichts Neues, Hilfreiches, Nützliches zu bieten haben, dann können wir die massiven Vorurteile gegenüber dem Kommunismus niemals abbauen. Wir müssen mit neuen Ideen kommen, die die Arbeiterklasse nicht nur überzeugen, sondern sie auch veranlassen, sie im Klassenkampf aktiv und erfolgreich einzusetzen. So muss man konkret an die Sache vor Ort in der gegenwärtigen Situation herangehen - alles andere ist Zeitvergeudung. Gerade dadurch, dass wir mit nichts anderem als mit dogmatischen Formeln herumlaufen ( weil wir selber die einst richtigen Formeln durch unser Nichtstun zum Dogmatismus verkommen lassen haben!), dürfen wir uns gar nicht wundern, wenn es den Revisionisten so einfach gelingt, uns in die »sektiererische Ecke« zu drängen, falls wir uns zurecht weigern, uns ihrer revisionistischen Einheitsfront »freiwillig« unterzuordnen. So können wir aber niemals stark werden, Genossen. So können wir keine starke Einheit der marxistisch-leninistische Weltbewegung schaffen, so sind wir zur Passivität verurteilt und kommen über ein internationales Zirkelwesen und Handwerkelei nicht hinaus. Vertrauen ist nur in der revolutionären Aktion auf der prinzipienfesten Basis des Marxismus-Leninismus möglich. Wer also Vertrauen schaffen will, kommt mit der alten Basis nicht mehr aus - wie man sieht. Man muss also eine neue Basis des Vertrauens aufbauen, und das ist ohne Aufbau eines verjüngten Marxismus-Leninismus nicht möglich. Diese neue Basis muss unbedingt aufgebaut werden, sonst riskieren wir, dass sich jeder dahergelaufene Revisionist mit dem heutigen Marxismus-Leninismus einverstanden erklären kann. Denn mit dem alten Marxismus-Leninismus erklärt sich jeder Revisionist deswegen einverstanden, weil er zu einer stumpfen Waffe gegen den Kapitalismus verkommen ist. Anders als durch eine Verjüngung des Marxismus-Leninismus wird es uns niemals gelingen, die Neo-Revisionisten aus unseren Reihen zu vertreiben, wird die Bewegung weiter dahinsiechen und zum Sterben verurteilt sein. Sich auf alten Formeln des Marxismus-Leninismus zu einigen, das tut niemandem weh, das ist leicht machbar, aber so eine „Einheitsfront“ nützt herzlich wenig. Freund und Feind erkennen wir nur in dem Maße, wie wir das marxistisch-leninistische Schwert geschärft haben und im Klassenkampf einsetzen. Wenn sich dann ein Revisionist wundert, damit erledigt worden zu sein, nachdem er sich jahrelang in Selbstsicherheit wiegen konnte, dann können wir sicher sein, dass es scharf genug ist, um etwas zu taugen. Vertrauen in den Marxismus-Leninismus setzt das Vertrauen in die Marxisten-Leninisten voraus, das ohne Vertrauen in die Arbeiterklasse wiederum verkümmert. Die marxistisch-leninistischen Parteien sind NICHTS, wenn sie sich nicht zusammenschließen und organisiert gemeinsam kämpfen:

»Diese marxistischen Elemente - sollten sie auch zu Anfang zahlenmäßig noch so schwach sein - zusammenschließen, in ihrem Namen an die heute in Vergessenheit geratenen Lehren des revolutionären Sozialismus zu erinnern, an die Arbeiter aller Länder die Aufforderung zu richten, mit den Chauvinisten zu brechen und sich unter dem alten Banner des Marxismus zu sammeln - das ist die Aufgabe des Tages« (Lenin, Bd. 21, Seite 330, dt. Ausgabe).

Es ist der Klassenkampf selbst, der uns zwingt, uns alle in der Welt miteinander zu verschmelzen. Und durch nichts anderes als durch den Klassenkampf wächst auch das Vertrauen in die/ in der Arbeiterklasse, unter den Genossen in den marxistisch-leninistischen Parteien, in der marxistisch-leninistischen Weltbewegung und schließlich in der Komintern/ML. Hier entfalten sich die höchsten Formen des Vertrauens durch die Schaffung höchster Formen des internationalen Klassenkampfes, entwickelt sich das Vertrauen des proletarische Internationalismus gegenüber dem nationalistischen Misstrauen. Ohne Vertrauen unter den Proletariern aller Länder kein Selbstvertrauen des Weltproletariats, das sich nicht allein spontan in der Weltrevolution entfaltet, sondern vor allem durch die Komintern/ML gefördert wird.

Vom Standpunkt der Komintern/ML besteht die Hauptaufgabe der internationalen proletarischen Bewegung darin, die zersplitterten marxistisch-leninistischen Kräfte in der Welt zusammenzufassen und den Aufbau der bolschewistischen Parteien in jedem Land einheitlich voranzutreiben, damit die Anstrengungen für die sozialistische Weltrevolution sich gegenseitig verzehnfachen. Diese Hauptaufgabe stellt sich unabhängig von den verschiedenen Bedingungen in den einzelnen Ländern. Es ist eine gemeinsame internationale Aufgabe, und sie kann auch nur international - einheitlich gelöst werden durch die konkrete Herangehensweise in jedem Land, um dort unter den schwierigsten Verhältnissen und unterschiedlichsten Bedingungen überall die Voraussetzungen für die Gründung und den Aufbau bolschewistischer Parteien zu schaffen, bzw. dafür zu sorgen, dass bereits bestehende Parteien auf die Generallinie der Komintern/ML ausgerichtet werden, solange dazu die Möglichkeit besteht.

Der organisatorische Bruch mit diesen bestehenden sogenannten »marxistisch-leninistischen« Parteien, Organisationen, Gruppierungen usw. wird jedoch spätestens in dem Moment unvermeidbar notwendig, wo der neo-revisionistische Verrat zur offensichtlichen, unabänderlichen Tatsache geworden ist, d.h. wo das opportunistische Geschwür längst aufgebrochen ist. Dieser Bruch mit den Opportunismus in den einzelnen Ländern entspricht auf internationaler Ebene dem Bruch mit allen internationalen Organisationen, die die Generallinie der Komintern/ML grundsätzlich ablehnen und bekämpfen.

Ohne Divergenzen, ohne Offenlegen ihrer Divergenzen, ohne Beseitigung ihrer Divergenzen kann sich keine Komintern entwickeln. Wenn sie die Divergenzen versteckt, wenn sie Prinzipienfestigkeit nur zur Schau stellt, um blitzsauber dazustehen, dann ist diese Komintern für den Klassenkampf unbrauchbar, ist sie in der Tat dogmatisch und sektiererisch. Natürlich ähnelt jede junge Organisation formal einer »Sekte«, ist sie in ihrem Anfangsstadium notwendigerweise erst mal mit ihren eigenen Entwicklungsproblemen beschäftigt, orientiert sie sich notgedrungen in gewisser Weise »allgemein orientiert« an die Vorbilder, bevor sie eigene, neue Formen entwickeln kann und zur Massenorganisation zu werden, macht sie »Kinderkrankheiten« durch, ist sie für Fehler besonders anfällig, weil ihr die Erfahrungen fehlen. Wie soll sie aber bitte schön Erfahrungen sammeln können, wie soll sie auf eigenen Beinen stehen können, wenn man ihr von vorn herein Unfähigkeit vorwirft, wenn man sich von vorn herein verweigert, ihr Gelegenheit zu geben, sich zu entwickeln und heranwachsen zu können. Man muss mit einem prinzipienfesten Kampf der Komintern/ML solidarisch helfen, ihre Fehler zu überwinden, aber man darf sie wegen Kinderkrankheiten nicht mit den Prinzipien totschlagen. Wie sah es denn zum Zeitpunkt der Gründung der III. Internationale aus?

»Es kommt nicht auf die Zahl an, sondern auf den richtigen Ausdruck der Ideen und der Politik des wirklich revolutionären Proletariats. Das Wesentliche ist nicht die `Proklamierung` des Internationalismus,sondern die Fähigkeit, selbst in den schwierigsten Zeiten wirklicher Internationalist zu sein« (Lenin Bd. 24, Seite 68, dt. Ausgabe)

»Auf internationale Kongresse oder Konferenzen ´warten´ heißt Verräter am Internationalismus sein, unsere Partei darf nicht `warten´, sondern muss sofort die III.Internationale gründen.« ( Lenin, Bd. 24 Seite 69, dt. Ausgabe - 1916)

»Als der `Spartakusbund` den Namen `Kommunistische Partei Deutschlands` annahm, da war die Gründung einer wahrhaft proletarischen, wahrhaft internationalistischen, wahrhaft revolutionären III. Internationale Tatsache geworden. Formell ist die Gründung noch nicht vollzogen, aber faktisch besteht die III. Internationale heute schon.« (Lenin, Bd 28, Seite 442, dt. Ausgabe, 21. Januar 1919).

So bezeichnete Lenin die ermordeten Gründer der KPD, Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht bereits in diesem Moment als Vertreter der Internationale. Auch der Führer der KPD Ernst Thälmann wurde als Vertreter der Internationale ermordet, so wie auch andere aus den verschiedensten Sektionen.

Die Gründung der III. Internationale erfolgte formell erst im März 1919. So, wie Lenin zum internationalistischen Schlag gegen die Galvanisierung des Leichnams der II. Internationale ausholte, so müssen wir gegen die Galvanisierung des internationalen Leichnams des modernen Revisionismus zum Schlag ausholen.

Wer wagt heute zu behaupten, dass die III. Internationale angesichts dieser Situation von Lenin zu früh gegründet worden sei, wo sie sich doch von Anfang an als unverzichtbares Instrument der Schaffung und des Aufbaus der neuen Parteien erwiesen und insofern auch Vorbildfunktion für die Gründung der Komintern/ML hat? Die Gegner der Internationale sprachen sowohl gegen ihre Gründung, also davon, dass die Gründung angesichts der geringen Anzahl und der Schwäche der neuen, kleinen Parteien noch»zu früh« sei, als auch umgekehrt für ihre Auflösung, also davon, dass die Parteien nun zu »fertigen« Massenparteien geworden seien und damit »auf eigenen Beinen stehen könnten« und nun nicht mehr die Internationale bräuchten (und genauso später nicht mehr Stalins führendes sozialistisches Weltzentrum bräuchten!) Die Revisionisten missbrauchten das Argument der »starken Massenparteien« also in der Absicht, die Internationale zu ersetzen, die Internationale überflüssig zu machen, sie ab - oder gar aufzulösen, um die Weltrevolution zu verhindern. Die Anerkennung der Internationale durch die Revisionisten reduzierte sich deswegen auf ihre Rolle als Kinderstube mit dem angeblichen Ziel, »selbständige, starke, unabhängige« Massenparteien heranzuziehen um deren Sieg im eigenen Land davonzutragen - eine höchst nationalistische und sektiererische Sichtweise. Die Weltrevolution wäre dann genauso überflüssig wie die Internationale selbst, weil der Weltsozialismus sozusagen automatisch, also im Selbstlauf, durch die Schaffung eines sozialistischen Landes nach dem anderen kommen würde. Im nächsten Schritt bräuchte man auch keine sozialistische Revolution in den einzelnen Ländern mehr, weil der Sozialismus der UdSSR sich auf immer mehr Länder durch »friedliche Koexistenz« ausdehnen würde. Umgekehrt wird ein Schuh daraus: Starke Massenparteien sind zur Stärkung der Internationale notwendig, um die subjektiven Voraussetzungen für den Sieg der Weltrevolution zu schaffen. Es ist immer das gleiche, alte Spiel der Bourgeoisie als Agentin in der Arbeiterklasse: revolutionäre Ideen als Hirngespinste vor den Massen verunglimpfen, dort aus der Bewegung zu isolieren, wo sie auf die Massen Einfluss zu nehmen versuchen und als Sektierertum zu bekämpfen. Und wenn es der Bourgeoisie trotz alledem nicht gelingt, versucht sie sich an die Spitze der revolutionären Bewegung zu setzen, um sie zu entwaffnen und in ungefährliche Bahnen zu lenken. Dieses Spiel der Bourgeoisie gelingt nur vermittels der Opportunisten innerhalb des revolutionären Kerns der Bewegung.

Während die »linken« Opportunisten der revolutionären Linie der III. Internationale im »Kampf gegen rechts« in den Rücken fiel, um diese in Wirklichkeit ans Ruder zu bringen, konnten die rechten Opportunisten mit dieser Schützenhilfe immer offener hervortreten, um die III. Internationale revisionistisch zu entarten und aufzulösen und den sozialreformistischen Geist der II. Internationale in ihr wieder zu beleben. Es ist eine Lehre der internationalen kommunistischen Bewegung, dass immer dann, wenn der Kampf gegen den rechten Opportunismus einen entscheidenden siegreichen Wendepunkt nahm, ultralinke Strömungen auftauchten und sie nicht nur Einfluss erlangten, sondern zum Teil auch die Oberhand gewannen. Sie waren dann jedesmal Wegbereiter des rechten Opportunisten, die die Marxisten-Leninisten mit dem »Anti-Sektiererknüppel« totschlagen konnten. Die Versöhnung mit den Rechten beginnt meistens bei ihrem äußersten »linken« Flügel. Die Versöhnung mit dem »linken« Opportunismus beginnt umgekehrt meistens bei ihrem äußersten »rechten« Flügel. Auf jeden Fall muss man die verkappte anti-ultralinke Position bekämpfen, die sich weigert, die Sozialdemokratische Partei als bürgerliche Partei vor den Augen der von ihr beeinflussten Arbeiter offen anzugreifen mit der Begründung, dies würde diese sozialdemokratischen Arbeiter abschrecken, zu den Kommunisten zu kommen. Dem Wesen nach gilt dies nicht nur für den damaligen Sozialdemokratismus, für den damaligen modernen Revisionismus, sondern heute auch gegenüber dem Neo- Revisionismus, gegenüber den neo-revisionistischen Parteien und den Arbeitern, die ihnen folgen.

Ultralinks ist nur diejenige Position, die den einzelnen sozialdemokratischen Arbeiter als Sozialfaschisten bekämpft, nicht aber der Kampf gegen die sozialdemokratische Partei als bürgerliche Agentur in der Arbeiterbewegung. Das gilt auch gegenüber dem einzelnen revisionistischen und neo-revisionistischen Arbeiter, den die Ultralinken als Sozialfaschisten bekämpfen. Was wir Marxisten-Leninisten bekämpfen, ist der sozialfaschistische, bürgerliche Terror gegen die Arbeiterklasse, ist der sozialfaschistische Keil, den die Bourgeoisie in die revolutionäre Bewegung hineinzutreiben versucht, ist die Zurückdrängung des sozialfaschistischen Einflusses in der Arbeiterklasse, bis hin zur Zurückdrängung dieses Einflusses in jedem einzelnen Arbeiter, der von diesem Einfluss befallen ist. Wir kämpfen gegen den bürgerlichen Einfluss im Arbeiter, aber nicht gegen den Arbeiter selbst, sondern im Gegenteil, für seine revolutionäre Befreiung vom bürgerlichen Einfluss, durch Stärkung des marxistisch-leninistischen Einflusses.

Die Gefahr des »linken« Opportunismus besteht in der Überschätzung der Kräfte des Feindes, gegenüber dem Kapitalismus, verfällt schnell in Verzweiflung, verliert das Vertrauen in die Massen und neigt zum kleinbürgerlichen Abenteurertum und Revolutionismus. Stalin sagte im Kampf gegen den Trotzkismus:

»Es steht außer Zweifel, dass ein Sieg der »linken« Abweichung in unserer Partei zur Loslösen der Arbeiterklasse von ihrer bäuerlichen Basis, zur Loslösen der Avantgarde der Arbeiterklasse von den übrigen Arbeitermassen und folglich zu einer Niederlage des Proletariats sowie zur Förderung der Vorbedingungen für eine Wiederherstellung des Kapitalismus führen würde.« ( Stalin Werke, dt. Ausgabe; Bd. 11, Seite 206)

Förderung der Vorbedingungen für die Restauration des Kapitalismus in der UdSSR - vor dieser »linken« (!) Abweichung warnte Stalin 1928, also bereits 28 Jahre vor dem XX. Parteitag!! Und dies sagte er im Zusammenhang im Kampf gegen die rechte (!) Abweichung, die die Überwindung dieser »linken« Abweichung erschwerte. Es ist bekannt, dass es zu einem Block der Trotzkisten mit den Bucharinisten gekommen ist, weil sie die gleiche soziale Basis hatten. Die »linke« und rechte Abweichung bedienen sich lediglich verschiedener, angeblich sich widersprechender Argumente, aber sie kämpfen in Wahrheit, dem Wesen nach stets gemeinsam gegen die marxistisch-leninistische Linie. Deswegen kämpfen die Komintern/ML und ihre Sektionen nicht nur gegen diejenigen, die den offenen Opportunismus praktizieren, sondern auch gegen diejenigen, die »linker« sein wollen als die Marxisten-Leninisten und ihre rechte, opportunistische, kleinbürgerliche Natur hinter tönenden »linken« Phrasen verbergen. Daher warnen die Komintern/ML und ihre Sektionen auch vor der Förderung der Vorbedingungen für die Restauration des Revisionismus durch das »linke« Sektierertum insbesondere in Russland und Albanien, warnen wir vor der Förderung der Vorbedingungen der Verwandlung des anti-revisionistischen Kampfes in einen anti-marxistisch-leninistischen Kampf durch Einschleusen dieser Kräfte von »links« in die Komintern/ML und ihre Sektionen bei unserer notwendigen Abgrenzung und Formierung gegen den Neo-Revisionismus. Es sind ja die Sektierer, die die Marxisten-Leninisten als »Rechte« bekämpfen. Es sind die Sektierer, die den »anti-revisionistischen« Kampf gegen die Marxisten-Leninisten richten, wenn wir bereits über eine Massenbasis verfügen. Auf diese Weise schaffen sie die Vorbedingungen dafür, dass sich der Revisionismus häuten kann, dass der Revisionismus restauriert werden kann. Solange sich die marxistisch-leninistische Bewegung, solange sich der Formierungsprozess der Komintern/ML, noch in der ersten Abgrenzungsphase befindet, solange wir in der Arbeiterklasse noch nicht ausreichend verankert sind und noch nicht ausreichend unsere revolutionäre Praxis im Klassenkampf entfaltet haben, sind es vor allem die intellektuellen Neo-Sektierer, die sich mit ihren Diskutierklubs wichtig tun und sich hinter dem Kampf gegen das Sektierertum verbergen, um die Verbindung von den Marxisten-Leninisten mit dem Klassenkampf des Proletariats, die Verbindung von revolutionärer Theorie und Praxis, zu stören, zu verhindern. »Ohne revolutionäre Theorie kann es keine revolutionäre Praxis geben«, lehrte Lenin. Aber während wir Leninisten auf die Umsetzung der Theorie in die Praxis drängen, missbrauchen die Sektierer die Theorie dazu, die Diskutierereien zu verewigen. Deswegen ist es zuerst unsere Aufgabe, uns vom »Sektierertum«-Vorwurf zu befreien, um die Häutungen des Revisionismus siegreich zu bekämpfen. Und das ist zunächst nicht nur eine theoretische Aufgabe, sondern auch unmittelbar eine praktische Aufgabe, die zur Lösung ansteht.

Man darf das Anfangsstadium, die Gründungs- und Formierungsphase weder überspringen, und der Bewegung ungeduldig vorauseilen, wie es dem Wesen des »linken« Opportunismus entspricht, noch darf man das Anfangsstadium künstlich verlängern nach dem Motto des »Edelkommunismus - klein, aber fein«, um sich vor der Aufgabe der Gewinnung der Massen und dem harten Klassenkampf zu drücken.

»Linke« Fraktionen bilden sich auch, um mit der Spaltung zu drohen, um die Partei nach »links« zu zwingen. Dieses »links«-liquidatorische Vorgehen rechtfertigen sie unter dem Vorwand, die Mehrheit vor dem »Rechtsschwenk« retten zu müssen. Wenn dies misslingt, versuchen die »linken« Fraktionen die Mehrheit zur Neugründung, zum Verlassen der Partei zu veranlassen, weil die Organisation bereits angeblich »vollständig entartet, von der alten revolutionären Linie abgewichen sei« usw. Ohne für ihre Behauptungen vorher einen Beweis für das kleinste Fünkchen Wahrheit erbracht zu haben, darf man dieser Hysterie nicht auf den Leim gehen, muss man kühlen Kopf und proletarische Disziplin bewahren . Selbst wenn die »linken« Vorwürfe tatsächlich zutreffen, ja selbst wenn die Partei offensichtlich vom rechten Fieber geschüttelt sein sollte, ist eine Neugründung liquidatorisch und selbstmörderisch. Ohne den ernsthaften Versuch gemacht zu haben, die Partei im hartnäckigen und geduldigen Kampf und mit Überzeugungsarbeit von der Krankheit des Opportunismus zu befreien, sie zu immunisieren, sie zu stählen, sie zu retten, lässt man sie in Stich und opfert sie der Bourgeoisie unter sektiererischem Vorwand. Es kann nur eine Komintern geben, weil es nur ein Weltproletariat gibt. Sie ist sowohl vor dem rechten wie auch vor dem »linken« Sektierertum zu schützen nicht nur durch die Verteidigung ihrer Prinzipienfestigkeit, nicht nur durch Verteidigung ihrer Generallinie, sondern vor allem durch die Stärkung ihrer marxistisch-leninistischen Kräfte, die den liquidatorischen Kräfte gegenüber stehen:

»Die Theorie von den zwei Parteien, beziehungsweise die Theorie von einer neuen Partei ergibt sich unmittelbar aus der Verneinung der Möglichkeit des siegreichen Aufbaus des Sozialismus, ergibt sich unmittelbar aus der Perspektive der Entartung. Sowohl der eine als auch der andere Ausweg führen zum Kapitulantentum, zum Defaitismus« (Stalin, Bd. 9, Seite 125, Seite 125, dt. Ausgabe).

Die Sektierer machen keinen Unterschied zwischen einer Abweichung zum Opportunismus und dem Opportunismus selbst. Das ist aber nicht das Gleiche. Eine Abweichung nach rechts - das ist etwas, was noch nicht die Form des Opportunismus angenommen hat und was noch korrigiert werden kann. Jemanden rausschmeißen, obwohl noch die Chance besteht, umzukehren und seinen Fehler zu korrigieren, ist einer marxistisch-leninistischen Partei fremd. Wie die Erfahrung der Lenin´schen Partei zeigt, kann es passieren, dass die revolutionären Kräfte vorübergehend in die Minderheit geraten. Lenin wäre es nie eingefallen, jedesmal gleich eine neue Partei zu gründen. Dies darf erst bzw. muss dann geschehen, wenn die Komintern/ML unheilbar entartet ist, wenn sie bereits in die Hand des Klassengegners übergegangen ist. So verhielt sich Lenin auch, als er den schwierigen Kampf gegen den Opportunismus in der II. Internationale aufnahm, um dort die revolutionären Kräfte vom Opportunismus loszueisen. Dies war sogar eine der Voraussetzungen zur Gründung der III. Internationale und gerade dies leugnen zu wollen, wäre ein »linker« Fehler, denn es war gerade die Besonderheit der II. Internationale, über eine enorme breite Massenbasis in der Arbeiterbewegung zu verfügen, die man der Bourgeoisie kampflos überlassen hätte und auf die man sich nicht mehr hätte stützen können. Genau gegen die Notwendigkeit, das Potential der Schwankenden und Unschlüssigen durch geduldige Überzeugungsarbeit für die Partei zurückzugewinnen, richtet sich das Sektierertum, damit die Partei dieses Potential verliert. Die »Sektierer« ziehen es vor, machen sich nicht die Mühe, wie Lenin es formulierte, unter die Massen zu gehen oder für Reformen unter den harten Bedingungen des Kapitalismus zu kämpfen und dafür selbst in die reaktionärsten Organisationen zu gehen, die ihren bürgerlichen Einfluss auf die Arbeiterklasse ausüben. Sie machen sich nicht die Finger schmutzig, schmoren lieber im sozialistischen Saft, stellen sich als »Theoretiker« über die Massen und sind nicht bereit, von ihnen zu lernen, halten die Massen für »rückständig«, weil sie selbst eben die »Auserwählten« sind, die den Sozialismus als einzige mit Löffeln gefressen haben. Es wäre auch ein »linker« Fehler, wenn sich das führende Zentrum des Weltproletariats über die Internationale (oder umgekehrt) erheben würde und alles nach seiner »Pfeife tanzen« müßte, wenn sich die führende Partei in der Internationale über alle anderen hinwegsetzen und sich nicht um die Unterstützung aller anderen Parteien solidarisch kümmern würde. Hinter einer straff organisierten, disziplinierten Weltkampfzentrale des Proletariats würde die Anarcho-«Linke«- Szene nur ein »Repressionsinstrument« gegenüber den Arbeitermassen vermuten, weil sie das Führungsprinzip des Proletariats ablehnen. Deswegen unterscheidet die Anarcho-Szene nicht zwischen revisionistischer und kommunistischer Zentrale, hat sie in Wirklichkeit Angst davor, sich unterzuordnen und die »Freiheit ihrer Kritik« zu verlieren, fehlt der »Linken« proletarische Disziplin und Selbstdisziplin, haben sie Selbstkritik nicht nötig, verlangen sie aber despotisch von den Massen, um sie zu bevormunden. Es ist das Kleinbürgertum, das weder bereit ist, sich der Diktatur der Bourgeoisie, noch der Diktatur des Proletariats unterzuordnen, das zwischen beiden radikal tönend, verzweifelt über seine eigene soziale Stellung, hin und her schwankt, um sich gegenüber der einen oder anderen Klasse »Freiheiten« und »Privilegien« herauszufordern, sie gegeneinander auszuspielen versucht und sich wehrt, ins Proletariat hinab gedrückt zu werden. Es ist die kleinbürgerliche Intelligenz, die der Arbeiteraristokratie die Übergangsbrücke zur Verflechtung des Marxismus-Leninismus mit den ihm fremden bürgerlichen Einflüssen baut, um dem Proletariat seine Weltanschauung zu rauben und es in die Irre zu führen. Die Anmaßung und Hochmütigkeit der kleinbürgerlichen Sektierer, von denen jede nach ihrem eigenen Muster die arbeitende Klasse zu »retten« sucht, sind arbeiterfeindlich und liegen dem Geist der Komintern/ML fern. Sie gibt keine universalen Rezepte noch projiziert sie internationale Beschwörungen (die auch dann nur Beschwörungen bleiben!), sie stützt sich nicht auf Projektmacherei, revolutionäres Pläneschmieden und Dekretiererei, sondern auf die Welterfahrungen der Arbeiterklasse in Vergangenheit und Gegenwart, reinigt diese Erfahrung von ihren Fehlern und Abweichungen, verallgemeinert ihre Ergebnisse, anerkennt und übernimmt nur die Formeln, die als Formeln der Massenaktion erscheinen und nicht als deren Stellvertretung. So wie der Neo-Revisionismus nicht an einem einzigen Tag entstand, sondern einen historischen Häutungs- und Systematisierungsprozess durchläuft, so ist das Erkennen des Neo-Revisionismus durch die Marxisten-Leninisten nicht an einem einzigen Tag möglich gewesen. Die »linken« Kritiker, die heute behaupten, dass der Marxismus-Leninismus fehlerhaft sei oder die Marxisten-Leninisten Scharlatane seien, weil sie diese Häutungsprozesse angeblich nicht richtig und zu spät erkannt hätten, hat es immer gegeben. Hinterher sind wir alle klüger. Die Frage ist nur die, was SIE denn in der ganzen Zeit beigetragen haben? Genauso, wie die »Superbolschewisten« Stalin für den Chruschtschow-Revisionismus verantwortlich machten, und wie sie Enver für die Entstehung des Neo-Revisionismus verantwortlich machen.

Eine »linke« Linie ist auch die Linie des Kosmopolitismus, das genaue Gegenteil des proletarischen Internationalismus. Es ist in Wirklichkeit eine Ideologie des Weltimperialismus, nationale Eigenarten aus dem Weg zu räumen und auszulöschen, weil sie das globalisierte Geschäft behindern. Kosmopolitismus führt zu Weltfaschismus. Hinter dem Kampf gegen den bürgerlichen Nationalismus verbirgt sich besonders unter der radikalen »Linken«, insbesondere unter den Trotzkisten, der Kampf gegen den revolutionären Patriotismus. Alles Nationale ist überhaupt verpönt - überlässt die sogenannte »Linke« den Rechten die nationale Frage. »Unpolitisches Multikulti« als Nische der bürgerlichen Gesellschaft ist angesagt, und so hat diese »Linke« auch weder Sympathie für den nationalen Befreiungskampf der UCK im Besonderen noch für den Kampf zur nationalen Selbstbestimmung im Allgemeinen, lehnen die »Linken« ZB die sozialistische Nation, die Vereinigung und Föderation sozialistischer Nationen und die sozialistische Weltrepublik ab, weil sie die Nationen überhaupt ablehnen. Sie bezeichnen sich selbst als »a-national«. Marxisten-Leninisten sind nicht nationalfeindlich an sich, das ist eine Klassenfrage. Die internationalistischen Eigenschaften der revolutionären Arbeiter treten in national unterschiedlichen Formen auf. Die »Linken« sind nicht bereit, bürgerliche und proletarische Nationen zu unterscheiden. Marxisten-Leninisten respektieren insbesondere die nationalen Gefühle der unterdrückten Nationen - das ist der »Linken« egal. Die Marxisten-Leninisten sind in erster Linie für die internationale Kultur des Weltproletariats. Diese wächst aber nicht aus dem Himmel, sondern bildet sich im internationalen revolutionären Klassenkampf allmählich heraus, ist das Produkt der Verschmelzung des Nationalen, aber nicht das Produkt der Beseitigung des Nationalen. Erstens: Die Weltrevolution breitet sich nicht gleichzeitig auf der ganzen Welt aus, bedingt durch die unterschiedlichen Entwicklungen und Bedingungen in den einzelnen Ländern. Zweitens: ist der nationale Befreiungskampf eines jeden Landes ein unverzichtbarer Bestandteil nicht nur der sozialen Befreiung eines Landes, sondern auch der internationalen sozialen Befreiung durch die Weltrevolution. Ohne Sowjetpatriotismus hätte die Sowjetunion nicht einen Tag existiert, geschweige denn die Welt vom Hitlerfaschismus befreit. Revolutionärer Patriotismus ist eine Triebfeder jeder sozialistischen Revolution, deren Verzicht einem Selbstmord gleichkäme. Lenin lehrt:

»Als wir prinzipielle Gegner der Vaterlandsverteidigung waren, da hatten wir das Recht, diejenigen zu verspotten, die ihr Vaterland angeblich im Interesse des Sozialismus «erhalten« wollten. Als wir das Recht erlangten, proletarische Vaterlandsverteidiger zu sein, da änderte sich die ganze Fragestellung von Grund auf. Es wird unsere Pflicht, die Kräfte aufs vorsichtigste zu berechnen und aufs sorgfältigste abzuwägen, ob unser Verbündeter ( das internationale Proletariat ) rechtzeitig zur Stelle sein wird. Das Kapital ist daran interessiert, den Feind ( das revolutionäre Proletariat ) einzeln zu schlagen, noch bevor die Arbeiter aller Länder sich ( praktisch, d.h. durch den Beginn der Revolution ) zusammengeschlossen haben. Wir dagegen sind daran interessiert, alles nur mögliche zu tun, selbst die kleinste Chance auszunutzen, um den entscheidenden Kampf aufzuschieben bis zu dem Zeitpunkt ( bzw. »bis nach« dem Zeitpunkt) einer solchen Vereinigung der revolutionären Trupps der großen internationalen Armee.« (Lenin, »Über `linke` Kinderei und über Kleinbürgerlichkeit, 1918, Werke Band 27, Seite 324/325)

Die große Gefahr des Sektierertums besteht in dessen Absicht, die Vorhut von der Klasse, von der Masse, von der Nachhut zu isolieren, um die Führung, die vorgeschobene Festung, leichter angreifbar zu machen. Das ist zum Beispiel besonders in Zeiten der Illegalität gefährlich für die Existenz der Partei, denn jede Loslösen von den Massen bedeutet, schneller geschnappt zu werden, die Zerschlagung der Organisation durch den Klassenfeind zu provozieren, jegliche Kraft einzubüßen und sich in ein Nichts zu verwandeln. Die Komintern/ML und ihre Sektionen gehen zugrunde, wenn sie sich anfangs in ihrem engen Gehäuse abkapseln oder sich später mit einer bürokratischen Kruste bedecken. Sich mit den Massen verbinden, ja sogar bis zu einem gewissen Grade sich mit ihnen zu verschmelzen, wie Lenin sagt, kann man nur, wenn man den »linken« Opportunismus schlägt, sektiererische Abweichungen verhindert und »linke« Fehler vermeidet bzw. überwindet.

Eine reife, im internationalen Klassenkampf gestählte Komintern/ML wird das Vorauseilen nicht durch Nachtraben und umgekehrt das Nachtraben nicht mit Vorauseilen bekämpfen, sondern sich korrekt am Marxismus-Leninismus und an den Interessen des Weltproletariats halten.

Wir müssen uns schließlich auch vor unzulässiger Idealisierung unserer kommunistischen Idee in Acht nehmen, insbesondere, wenn wir Kommunisten Siege zu verzeichnen haben. Der Kommunismus hat keine magischen Zauberkräfte. Er versagt, wenn wir uns von den objektiven Gesetzen der Natur und der Gesellschaft entfernen.

»Der W i l l e , nicht die ökonomischen Bedingungen, ist die Grundlage s e i n e r (Bakunins) sozialen Revolution.« (MEW, Bd. 18, Seite 634, dt. Ausgabe)

Wir dürfen unsere Kräfte nicht überschätzen, sorglos und selbstgerecht werden, wenn wir den Sozialismus in der Praxis nur noch verwalten und das mit revolutionären Phrasen schön reden. Wir können und dürfen nicht die Weltrevolution herbei reden und noch viel weniger herbei bomben. Das würde das Proletariat Vertrauen in den Kommunismus belasten, sondern auch ihre revolutionäre Kraft lähmen und sie in Enttäuschung und Passivität versinken lassen. Wir Kommunisten dulden keine kleinbürgerliche Schönfärberei, Proletenkult, Personenkult, »linkes« Imponiergehabe und Revoluzzertum, Salonbolschewismus, Elitedenken usw. Damit kann man im Proletariat keinen Eindruck schinden. Das ist abstoßend. Was wir sagen und tun, muss glaubwürdig bleiben. Der Marxismus hat stets das »Anpeitschen« von Revolutionen abgelehnt, die sich in dem Maße entwickeln, wie die Klassengegensätze, die Revolutionen hervorrufen, immer größere Schärfe gewinnen. Die Kampfform des bewaffneten Aufstands kann niemals zu jeder Zeit und unter allen Umständen angewandt werden. Jede abstrakte Wahrheit wird zur revolutionären Phrase, wenn man sie auf jede beliebige konkrete Situation anwendet. Die Revolution wird weder »gemacht« noch ist sie eine »Methode« (Lenin Bd. 24 Seite 292, 293, dt. Ausgabe).

Die den Marxismus-Leninismus verunstaltenden Kommunisten, die ihre reaktionären Ansichten hinter revolutionären Phrasen verbergen, betrachten das alte Kulturgut der Völker, das geistige Erbe der bürgerlichen Nationen (ja selbst der sozialistischen Nationen!), als »wertlosen Plunder, den man abschütteln muss, um nicht den alten Modergeruch mit sich herum zu schleppen«. (Ist die Dialektik Hegels für Marx etwa nur »alter Plunder« gewesen? Und ist auch diese Generallinie deswegen alter Plunder, weil u.a. dieser Hegel bei ihrer Abfassung »zu Rate gezogen« wurde? Und auf welches Material hat Lenin seine Analyse über den Imperialismus aufgebaut? Ausgerechnet die diplomierten Lakaien des Imperialismus kritisieren uns im Namen des reinen »Marxismus-Leninismus«, das wir unsere »heilige Sache« beschmutzen, wenn wir die Erkenntnisse der bürgerliche Wissenschaft in eine Waffe des streitbaren Materialismus gegen den Weltimperialismus verwandeln. Dieser Meinung war auch Lenin:

»Es wäre der größte und schlimmste Fehler, den ein Marxist begehen kann, zu glauben, die Millionenmassen des Volkes (...), die von der ganzen modernen Gesellschaft zu geistiger Finsternis, Unwissenheit und Befangenheit in Vorurteilen verdammt sind, könnten aus dieser Finsternis nur auf dem geraden Weg rein marxistischer Aufklärung heraus kommen.« (Lenin Bd. 33, Seite 216, dt. Ausgabe, Über die Bedeutung des streitbaren Materialismus)

Wenn wir die Umwälzung der ökonomischen Basis des Weltimperialismus von der Umwälzung des weltimperialistischen Überbaus undialektisch trennen, dann wird die Weltrevolution gerade wegen dieser Trennung eine Niederlage erleiden. Wer glaubt, dass man sich mit der revolutionären Umwälzung der ökonomischen Basis begnügen kann, und der Überbau sich dann im Gefolge von alleine »mit umwälzt«, wer glaubt, dass die imperialistischen Ideen zugrunde gehen, ohne dass wir sie auf revolutionäre Weise vollständig widerlegt und erledigt haben, hat von der Ideologie der Restauration des Kapitalismus, hat von der Häutung des Revisionismus, nichts begriffen. Schwimmen und Fliegen lernen kann man nur im Wasser und in der Luft, also nur wenn man den festen Boden (der veralteten marxistisch-leninistischen Lehrsätze) verlässt und sich nicht vor Angst festklammert ( wie es die Dogmatiker tun).

 

 

Welche Lehren ziehen wir Stalinisten-Hoxhaisten aus Lenins Kampf gegen den Opportunismus, den er in der Komintern geführt hat ?

[ Handbuch gegen den Opportunismus ]

III

Lenins Zweifrontenkampf gegen die Hauptgefahr des rechten Opportunismus und gegen den "linken Radikalismus"

Warum ist der rechte Opportunismus die Hauptgefahr?

Man kann diese Frage nicht beantworten, ohne die ökonomischen Wurzeln des Opportunismus bloß zu legen. Die Weltimperialisten haben mit ihrer globalisierten Ausbeutung gigantische Summen angehäuft, mit denen sie ihre Bestechungsgelder bezahlen.

"Und diese Milliarden an Extraprofit bilden die ökonomische Grundlage des Opportunismus." (Lenin, Band 31, Seite 219)

Für den Widerstand gegen die kommunistische Weltbewegung finanziert die Weltbourgeoisie die Arbeiteraristokratie und bürgerliche Intelligenz, finanziert sie sowohl den offenen Anti-kommunismus als auch den verkappten Anti-Kommunismus - den Opportunismus.

"Der Opportunismus ist unser Hauptfeind.

Der Opportunismus in den Spitzen der Arbeiterbewegung ist kein proletarischer, sondern ein bürgerlicher Sozialismus.

Die Opportunisten sind bessere Verteidiger der Bourgeoisie, als die Bourgeoisie selbst." (Lenin, ebenda)

Lenin hat in der Komintern das Hauptfeuer gegen die rechten Elemente im Kommunismus gerichtet.Lenin kämpfte dabei stets an zwei Fronten, sowohl gegen die "linke" Abweichung im Kommunismus als auch gegen die rechte Abweichung. Der Kampf gegen den "linken" und rechten Opportunismus muss stets unter historischem Gesichtswinkel betrachtet werden, wie Lenin im Jahre 1920 schrieb:

"Natürlich ist der Fehler des linken Doktrinarismus im Kommunismus gegenwärtig tausendmal weniger gefährlich und weniger folgenschwer als der Fehler des rechten Doktrinarismus (d.h. des Sozialchauvinismus und des Kautskyanertums), aber doch nur, weil der linke Kommunismus eine ganz junge, eben erst im Entstehen begriffene Strömung ist.. Nur darum kann diese Krankheit unter gewissen Bedingungen leicht geheilt werden, und man muss sich mit maximaler Energie daran machen, sie zu heilen." (Lenin, Werke Band 31, Seite 90)

Unterschätzen wir also nicht den "linken" Doktrinarismus in der auf uns zu kommenden weltrevolutionären Situation, und um so weniger während und nach der sozialistischen Weltrevolution. Ob der "linke" oder rechte Opportunismus die größere Gefahr ist, hängt nicht zuletzt davon ab, welchen von beiden wir unterschätzt haben.

Wird der rechte Opportunismus nicht bis zum Schluß konsequent bekämpft, nicht zerschlagen, dann kann nicht verhindert werden, daß aus dem rechten Opportunismus entgegengesetzte "linke" opportunistische Strömungen und Linien entstehen.

Das gilt umgekehrt.

Wird der "linke" Opportunismus nicht bis zum Schluß konsequent bekämpft, nicht zerschlagen, dann kann nicht verhindert werden, daß aus dem "linken" Opportunismus entgegengesetzte rechte opportunistische Strömungen und Linien entstehen.

"Wer die Bewegung führen und zu gleicher Zeit die Verbindung mit den Millionenmassen bewahren will, der muss den Kampf an zwei Fronten führen – sowohl gegen die Zurückbleibenden als auch gegen die Vorauseilenden". (Stalin, Band 12, Seite 175)

Das gilt auch für den Stalinismus-Hoxhaismus:

Wer den Stalinismus-Hoxhaismus gegen den Opportunismus verteidigen will, der muss sowohl gegen diejenigen kämpfen, die ihn an seiner Weiterentwicklung hindern wollen, aks auch gegen diejenigen, die den Stalinismus-Hoxhaismus auf der "linken" Fahrbahn überholen wollen.

Was den "linken Radikalismus" betrifft, so handelt es sich dem Wesen nach um den rechten Opportunismus, nur versehen mit dem roten Etikett "linker" Phrasen.

Als Musterbeispiel ist hier der spätere Führer der Komintern, Bucharin, zu nennen, der zuerst als "linker Kommunist" gegen Lenin auftrat, um dann als rechter Opportunist mehrere Attentate gegen Stalin anzuzetteln. Solche Führer der Komintern, wie Sinowjew und Bucharin wurden zum Tode verurteilt, bevor sie ihr zerstörerisches Werk in der Komintern und in der Sowjetunion beenden konnten. Nur das Leben Dimitrovs blieb verschont, und er dankte es mit der Liquidierung der Komintern.

Die Dialektik des Kampfes gegen den Opportunismus innerhalb der Komintern war derart, dass der theoretische Sieg des Leninismus seine Feinde zwang, sich als treue Anhänger der Komintern Lenins auszugeben (nach Lenins Tod dann als treue "Stalinisten").

Es war auf Grund des völligen Bankrotts der II. Internationale und des Verrats der zweieinhalbten Internationale (Kautsky) völlig klar, dass sich der rechte Opportunismus nicht anders als durch die Hintertür Zutritt zur Komintern verschaffen konnte. Der Opportunismus war somit gezwungen, sich ein "linkes" Mäntelchen umzuhängen, um in die Komintern einzudringen.

Es waren die von den Opportunisten in die Komintern und in ihre Sektionen hinein getragenen "linken" Überspitzungen, die nicht etwa gegen den Opportunismus, sondern in Wahrheit gegen den Leninismus gerichtet waren. Dies war für viele Arbeiter damals in der Hochphase der Revolution schwer durchschaubar, weswegen Lenin die Broschüre "Der 'linke Radikalismus', die Kinderkrankheit im Kommunismus" (April-Mai 1920) verfasste, um "linke" Fehler in der noch jungen kommunistischen Weltbewegung zu vermeiden.

Mit "linken" Überspitzungen gingen die Bolschewiki bekanntlich ganz anders um, als es die Opportunisten taten. Die Bolschewiki korrigierten ihre "linken" Fehler stets durch disziplinierte Einhaltung und Weiterentwicklung ihrer bolschewistischen Linie, sich nicht von den Massen zu lösen..

Hingegen versuchten die Opportunisten stets, jede Abweichung in eine Abkehr von der bolschewistischen Linie zu verwandeln. Ersetzung der revolutionären Politik der Komintern durch eine opportunistische Politik, Anpassung der Politik der Komintern an die Politik der Bourgeoisie - darum, und um nichts Anderes ging es allen Opportunisten in der gesamten Zeit der Komintern.

Mit seiner Broschüre gegen den "linken Radikalismus" wies Lenin den einzig richtigen Ausweg: die Fehler der "ultralinken" Führer aufzudecken und auf diese Weise den ehrlichen revolutionären Arbeitern zu helfen, auf den richtigen Weg zu gelangen.

So handelte auch Genosse Enver Hoxha:

Wie Genosse Enver Hoxha sagt, "wird die Partei auch das Mittel der Aufklärung und der Überzeugung immer geduldig gegenüber all jenen anwenden, die Verrat übten und den parteifeindlichen und volksfeindlichen Weg betraten, wenn aber das Maß voll war und die Tatsachen ganz offensichtlich, hat sie sie ohne Zögern aus ihren Reihen entfernt und diejenigen, die Verschwörung angezettelt hatten, dem Gericht übergeben, das einige von ihnen auch an den Galgen brachte. Die Feinde vergossen Tränen für sie, während das Volk sich freute, daß es diese Verräter los wurde." (Enver Hoxha: Berichte und Reden, 1967-1968)

Um die Massen auf dem richtigen Weg zu führen, muss man alle die dafür notwendigen Kampfformen erlernen und meistern. Dabei lehnte Lenin sowohl die Kampfformen des rechten Opportunismus als auch die Kampfformen des "linken" Opportunismus ab, die dem Kommunismus ernsthaftesten Schaden zufügen können:

"Der rechte Dokrinarismus hat sich darauf versteift, einzig und allein die alten Formen anzuerkennen, und hat völlig Bankrott gemacht, weil er den neuen Inhalt nicht bemerkte.

Der linke Doktrinarismus versteift sich darauf, bestimmte alte Formen unbedingt abzulehnen, weil er nicht sieht, dass der neue Inhalt sich durch alle nur denkbaren Formen Bahn bricht. (Lenin, Band 31, Seite 91)

Wenn man aber auf seinen "linken" Fehlern beharrt, sie obendrein sogar zum Prinzip erhebt, dann entsteht daraus eine Linie, die gegen die Linie der Komintern gerichtet ist. Nicht umsonst hat Lenin den "linken" Opportunismus als Steigbügelhalter des rechten Opportunismus bezeichnet.

Die Sünden der "Linken"` bestanden darin, dass sie es nicht verstanden, sich auf die Mehrheit der werktätigen Massen zu konzentrieren, dass sie sich von den Massen loslösten, ihnen vorauseilten und in Sektierertum verfielen, anstatt die Massen geduldig zur Revolution zu führen, eben auch deren rückständigsten Elemente. Die Leninsche Theorie und Praxis der Komintern bestand in der Organisierung der revolutionären Massenbewegungen gegen den Weltkapitalismus.Deswegen setzte Lenin auf dem Dritten Weltkongress die Frage der Einheitsfronttaktik auf die Tagesordnung.

"Die Vertreter der II. und der zweieinhalbten Internationale brauchen die Einheitsfront, denn sie hoffen, uns durch übermäßige Zugeständnisse von unserer Seite zu schwächen; sie hoffen, in unseren, den kommunistischen Raum ohne jede Bezahlung einzudringen; sie hoffen, die Arbeiter mittels der Einheitsfronttaktik von der Richtigkeit der reformistischen und von der Unrichtigkeit der revolutionären Taktik zu überzeugen.

Wir brauchen die Einheitsfront, weil wir die Arbeiter vom Gegenteil zu überzeugen hoffen." (Lenin, Band 33, Seite 320)

Und was war die Einheitsfronttaktik von Dimitrov, war es die von Lenin oder die von der II. und zweieinhalbten Internationale ?

Seiner revisionistischen Einheitsfronttaktik hat Dimitrov zuerst die RGI, die Frauen- und Jugendinternationale, die rote Bauerninternationale - und schließlich alle Massenorganisationen der Komintern geopfert, bevor er dann die Komintern selbst liquidierte. Wie blind muss man sein, um nicht zu sehen, dass man niemals seine eigenen kommunistischen Organisationen freiwillig auflösen darf. Ohne sie können wir Kommunisten die Bourgeoisie unmöglich stürzen.

Entwaffnung des Kommunismus anstatt Entwaffnung des Kapitalismus - das war Sinn, Zweck und Resultat der revisionistischen Einheitsfronttaktik von Dimitrov.

Lenin bezeichnete den "linken Radikalismus" damals als "Kinderkrankheit im Kommunismus". Nach fast 100 Jahren kann man den "linken Radikalismus" jedoch kaum mehr als nur eine "Kinderkrankheit" auffassen.

Schon vor Auflösung der Komintern diente diese Broschüre Lenins den rechten Kominternführern dazu, die Stalinisten in der Komintern ihres angeblichen "Dogmatismus", des "Sektierertums" und eben ihres "linken Radikalismus" zu bezichtigen und sie aus der Kominterführung zu entfernen. Selbst vor Mord machten sie nicht halt und lieferten den deutschen Kominternführer, Ernst Thälmann, und seine treuesten Kampfgefährten den Nazis aus.

Seit jener Zeit haben sich die modernen Revisionisten der Broschüre Lenins stets als ideologische Waffe gegen die revolutionäre Linie der Marxisten-Leninisten bedient. Und heute sind es insbesondere die Neo-Revisionisten, die mit Lenins Broschüre uns Stalinisten-Hoxhaisten zu bekämpfen versuchen.

Als es anfangs um die Festlegung der wichtigsten Grundlagen der Komintern ging, verwandelten die Opportunisten die dafür notwendige Diskussion in ihre demagogische Losung der „Freiheit der Kritik“ (Freiheit der anti-leninistischen Propaganda in der Komintern), wagten es jedoch nicht, gegen Lenins Autorität offen zu opponieren. Stattdessen versuchten sie, die Komintern Stück für Stück von ihrer Leninistischen Linie abzubringen, wobei sie sich den Anschein gaben, sich dabei "auf den Leninismus zu stützen". Diese verbrecherische Taktik wandte später auch Dimitrov an, nur dass er seinen Opportunismus nicht hinter dem "Leninismus" verbarg, sondern hinter dem "Stalinismus".

Eine Diskussion oder Beratung, wenn sie auf der Politik und den Interessen der Partei, der Klasse, des Sozialismus beruht, ist nie schädlich, sondern im Gegenteil notwendig und nützlich, denn sie festigt den revolutionären, kämpferischen Charakter der Einheit. Die Beratung macht es möglich, dass die Fehler und die Mängel, die Verletzungen und Abweichungen von der Linie klargelegt und besser bekämpft werden und richtigere Beschlüsse gefasst werden.

Lenin war der Meinung, dass eine Beratung der Fragen notwendig, dass eine Diskussion notwendig ist, dass der Diskussion aber auch Grenzen gezogen werden muss, die die Komintern vor Ausartung in einen "linken" Diskussionsklub bewahren.

Lenin nahm sich seinerseits sowohl in der bolschewistischen Partei als auch in der Komintern die Freiheit, nicht nur gegen den opportunistischen Sumpf zu kämpfen, sondern auch gegen diejenigen, die sich diesem Sumpf zuwandten.

Dazu gehörten vor Allem die oppositionellen Grüppchen wie - Trotzkisten, "Arbeiteropposition" (Schljapnikow, Kollontai, Medwedew), "linke Kommunisten" (Preobrashenski und Bucharin - der später Sinowjew als Führer der Komintern ablöste), "demokratische Zentralisten" (Sapronow, Bugoslawski) usw. - die der bolschewistischen Partei eine parteifeindliche Diskussion aufzwangen. Der Hauptdrahtzieher war Trotzki, der ja damals noch über einen nicht unerheblichen Einfluss in der Komintern verfügte, um dort ebenfalls solche schädlichen Diskussionen anzuheizen.

Lenin nannte das Verhalten Bucharins übrigens den "Gipfel ideologischer Verkommenheit." Bald danach vereinigten sich die Bucharinleute offen mit den Trotzkisten gegen Lenin, der seinen Hauptschlag gegen die Trotzkisten gerichtet hatte. Lenin bezeichnete die Diskussion nicht nur als "unerlaubten Luxus", sondern auch als ein verbrecherisches Mittel zur inneren Zerrüttung und Liquidierung der Partei.

Verwirrung zu stiften, das ist ein Charakterzug aller Opportunisten!

Der Opportunismus entsprang stets aus dem Bestreben, sich den Interessen der Bourgeoisie zu beugen, in der Komintern den Kampf für die Weltrevolution zu sabotieren und in der Sowjetunion den Kapitalismus wieder herzustellen, um damit die Basis und den Hebel der Weltrevolution zu zerstören.

In der Epoche der Herrschaft der Weltbourgeoisie konnte die Komintern nur in dem Maße wachsen und erstarken, in dem sie den Kampf gegen die opportunistischen, anti-revolutionären Elemente in ihrer Mitte und im Weltproletariat führte. Und in dem Maße, wie sie den Kampf gegen diese anti-proletarischen Elemente am Ende vernachlässigte, degenerierte sie.

Die Lehre daraus ist für uns Verpflichtung: Wenn wir in der Komintern (SH) Gruppierungen zulassen, so werden wir die Komintern (SH) zu Grunde richten, sie aus einer festen geschlossenen Organisation, einer Organisation aus einem Guss, in einen Bund von Gruppen und Fraktionen verwandeln und die Einheit verlieren, die wir zum Sturz der Weltbourgeoisie unbedingt brauchen.

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Auf dem X. Pateitag trug Lenin den Sieg über diese ganze Fraktionsmacherei davon.

Darüber hinaus wurde seine Resolution "Über die syndikalistische und anarchistische Abweichung" angenommen (Kronstädter Meuterei). Was das Auftreten der Anarchisten anbelangt, so begründet dies Lenin wie folgt:

"Der Anarchismus war nicht selten eine Art Strafe für die opportunistischen Sünden der Arbeiterbewegung." (Lenin, Band 31, Seite 17)

Das trifft heute im Weltmaßstab immer noch zu, denn den Hass der Massen auf den Betrug der bürgerlichen Politiker machen sich die Anarchisten zu Nutze. Und wenn Lenin von der Tatsache sprach, dass der revolutionäre Kampf der Bolschewiki gegen den Opportunismus und seinen friedlichen Weg der Reformen, dazu beibeitrug, den Einfluss der Anarchisten in der Arbeiterbewegung zu untergraben, so war es zweifellos ebenso Lenins Verdienst, dass auch die Komintern im internationalen Maßstab hierzu beitragen konnte. Die Zurückdrängung des Einflusses des Syndikalismus und Anarchismus unter den Massen ist eines der großen Verdienste der Komintern.

Wenn wir heute gegen den internationalen Anarchismus kämpfen, ist uns natürlich bewusst, dass wir ihn zwar nicht allein mit unserem Kampf gegen den Opportunismus schlagen, aber zumindest eindämmen können.

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Der Stalinismus-Hoxhaismus lehrt, dass mit jeder Ebbe und Flut der Weltrevolution unvermeidlich auch eine Ebbe und Flut des Opportunismus verbunden ist.

"Der Übergang vom Aufschwung zur Stille vermehrt an und für sich schon seiner ganzen Natur nach die Chancen der Gefahr von rechts.

Wenn der Aufschwung revolutionäre Illusionen erzeugt und als Hauptgefahr die linke Gefahr hervorruft, so erzeugt die Periode der Stille im Gegenteil sozialdemokratische, reformistische Illusionen und ruft als Hauptgefahr die rechte Gefahr hervor." (Stalin, Band 7, Seite 50 - 51)

Jede Übergangsperiode, die eine neue Orientierung erforderlich macht, rief gewöhnlich diese oder jene Krise in der Komintern hervor, die dann von den Opportunisten ausgeschlachtet wurde .

Dabei wurde die Komintern immer von beiden Seiten bedroht, zuerst von "links", aber vor Allem in der dritten Periode der Komintern, als der Masseneinfluss der Komintern am größten war, auch von rechts, wie sich das nach dem stalinistischen VI. Weltkongress bis zur Auflösung der Komintern immer deutlicher zeigte.

Die Besonderheit besteht darin, dass sich die Opportunisten stets selber als "Vorkämpfer" gegen den Opportunismus aufspielen, mal gegen "links" - mal gegen rechts - je nach Erfordernissen.

Stets stellen sich die rechten Opportunisten schützend vor die "linken" Opportunisten und genauso umgekehrt, aber niemals schützend vor die Komintern. Für die Opportunisten war der Zweifrontenkampf ihrerseits ein Gegenmittel zur Erwürgung der Komintern unter dem Deckmantel ihrer "Verteidigung".

Befindet sich die Komintern im Kampf gegen den rechten Opportunismus, dann versuchen sie, die Kominternlinie durch die Linie der "linken" Opportunisten zu ersetzen. Und umgekehrt im Kampf gegen den "linken" Opportunismus versuchen die rechten Opportunisten die Macht zu übernehmen unter der betrügerischen Flagge der "Verteidigung" gegen die "linke" Abweichung. Um dieses Zusammenspiel von rechtem und "linken" Opportunismus (vermittels der Zentristen) zu zerschlagen, kann die Komintern Ebbe und Flut des Opportunismus nur in einem Zweifrontenkampf bezwingen.

Wer die Dialektik von Ebbe und Flut des Opportunismus begriffen hat, der erkennt auch an, dass die Methoden seiner Bekämpfung eben genau dieser Dialektik unbedingt entsprechen müssen. Lenin war Meister in der Beherrschung dieser dialektischen Methodik und ließ Opportunisten unter besonderen Bedingungen durchaus auch eines "natürlichen Todes sterben." Das scheint paradox zu klingen. Widerspricht dies nicht etwa dem revolutionären Prinzip, dass "nichts fällt, wenn es nicht niedergerissen wird" ? Nein, das ist die Dialektik des Kampfes gegen den Opportunismus!

Denken wir an die Lehre von Enver Hoxha, der den Opportunismus des Maoismus entlarvte, welcher die Koexistenz der bürgerlichen und der proletarischen Linie zum "Entwicklungsgesetz" der kommunistischen Partei erhob.

Wir finden die Antwort in Lenins Brief an die deutschen Kommunisten vom 14. August 1921:

"Schluss mit dem Kleinkampf gegen die Abgespaltenen von links und rechts. Genug des innerparteilichen Kampfes ! Nieder mit jedem, der ihn noch direkt oder indirekt in die Länge ziehen will. - Nieder mit den Schreihälsen!"

"Der Dritte Kongress der Kommunistischen Internationale stellte ihnen [den halbanarchistischen Elementen] ein genau befristetes Ultimatum. Wenn sie jetzt selber die Kommunistische Internationale verlassen haben, um so besser. Erstens haben sie uns der Mühe enthoben, sie auszuschließen. Zweitens ist vor allen schwankenden Arbeitern, vor allen, die aus Hass gegen den Opportunismus der alten Sozialdemokratie zum Anarchismus neigten, mit besonderer Gründlichkeit und besonderer Anschaulichkeit demonstriert worden, durch genaue Tatsachen bewiesen worden, dass die Kommunistische Internationale Geduld an den Tag gelegt hat, dass sie die Anarchisten keineswegs sofort und unbedingt hinaus gejagt hat, dass sie sie audmerksam angehört und ihnen geholfen hat, zu lernen.

Jetzt sollten wir den KAPD-isten weniger Aufmerksamkeit schenken. Mit unserer Polemik gegen sie machen wir nur für sie Reklame.

Genauso helfen wir jetzt unnötigerweise auch Paul Levi, machen unnötigerweise Reklame für ihn durch unsere Polemik gegen ihn. Er will ja nichts Anderes, als dass wir mit ihm diskutieren. Paul Levi will ja gerade, dass sich die Streitigkeiten endlos hinziehen, dass möglichst viele Leute in die Streitigkeiten hinein gezogen werden. Levi hat seine Kritik in eine unzulässige und schädliche Form gekleidet. Levin musste wegen Disziplinbruch ausgeschlossen werden.(Lenin, Band 32, Seite 539 - 541)

Lenin schlug vor, solche Leute, die in den einzelnen Sektionen "kopflos gehandelt" haben, die auf ihren opportunistischen Fehlern beharren und solche, die nur schwer belehrbar sind, auf ein paar Jahre nach Sowjetrussland zu schicken: "Wir würden für sie nützliche Arbeit finden. Wir würden sie verdauen. Und den Nutzen für die internationale und für die deutsche Bewegung läge auf der Hand." (Lenin, Band 32, Seite 544).

Und dieser Vorschlag Lenins wurde dann auch bei Einigen mit Erfolg und bei Anderen ohne Erfolg in die Praxis umgesetzt.

Lenin beschreibt Ebbe und Flut des Opportunismus anhand des richtigen Verhaltens eines Revolutionärs gegenüber den sich verändernden Bedingungen von der Legalität in die Illegalität:

"Unerfahrene Revolutionäre meinen oft, legale Kampfmittel seien opportunistisch, weil die Bourgeoisie auf diesem Gebiet die Arbeiter besonders häufig (am meisten in 'friedlichen', nicht-revolutionären Zeiten) betrogen und übertölpet hat, illegale Kampfmittel dagegen seien revolutionär.

Das ist jedoch nicht richtig. Richtig ist, daß Opportunisten und Verräter an der Arbeiterklasse diejenigen Parteien und Führer sind, die nicht fähig oder nicht gewillt sind (sage nicht: ich kann nicht, sage lieber: ich will nicht!), illegale Kampfmittel z. B. unter Verhältnissen anzuwenden, wie sie während des imperialistischen Krieges 1914—1918 bestanden, als die Bourgeoisie der freiesten demokratischen Länder die Arbeiter mit unerhörter Frechheit und Brutalität betrog und es verbot, die Wahrheit über den räuberischen Charakter des Krieges zu sagen. Aber Revolutionäre, die es nicht verstehen, die illegalen Kampfformen mit allen legalen zu verknüpfen, sind sehr schlechte Revolutionäre. Es ist nicht schwer, dann ein Revolutionär zu sein, wenn die Revolution bereits ausgebrochen und entbrannt ist, wenn sich all und jeder der Revolution anschließt, aus einfacher Schwärmerei, aus Mode, mitunter sogar aus Gründen der persönlichen Karriere. Das Proletariat hat nachher, nach seinem Sieg, die größte Mühe, man könnte sagen, seine liebe Not, sich von solchen Quasi-Revolutionären „zu befreien". Viel schwerer — und viel wertvoller — ist, daß man es versteht, ein Revolutionär zu sein, wenn die Bedingungen für einen direkten, offenen, wirklich von den Massen getragenen, wirklich revolutionären Kampf noch nicht vorhanden sind, daß man es versteht, die Interessen der Revolution (propagandistisch, agitatorisch, organisatorisch) in nicht-revolutionären, oft sogar direkt reaktionären Institutionen, in einer nicht-revolutionären Situation, unter einer Masse zu verfechten, die unfähig ist, die Notwendigkeit revolutionärer Methoden des Handelns sofort zu begreifen. Die Fähigkeit, den konkreten Weg oder den besonderen Wendepunkt der Ereignisse, der die Massen an den wirklichen, entscheidenden, letzten, großen revolutionären Kampf heranführt, herauszufinden, herauszufühlen, richtig zu bestimmen — das ist die Hauptaufgabe des heutigen Kommunismus in Westeuropa und Amerika. (Lenin, Band 31, Seite 83- 84)

"Selbst in einer nicht-revolutionären Situation kann und muss man revolutionäre Propaganda treiben. Das ist durch die ganze Geschichte der Partei der Bolschewiki bewiesen. Darin besteht eben der Unterschied zwischen den Sozialisten und den Kommunisten." (Lenin, Band 31, Seite 239)

"Der Übergang vom Wunsch, revolutionär zu sein, und von Gerede (und Resolutionen) über die Revolution zur wirklichen revolutionären Arbeit ist ein sehr schwieriger, langsamer und qualvoller Übergang." (Lenin, Band 32, Seite 539)

Das trifft nach Auffassung von Lenin besonders auf jene Länder zu, in denen es seit längerer Zeit keine Revolution mehr gegeben hat und man darüber nur noch in Büchern lesen kann. Nicht Buchwissen, sondern die revolutionäre Tätigkeit selbst ist der größte Lehrmeister der Revolution.

* * *

Der Stalinismus-Hoxhaismus lehrt, dass man weder den "linken" mit dem rechten Opportunismus, noch den rechten mit dem "linken" Opportunismus besiegen kann, sondern nur mit dem Stalinismus-Hoxhaismus. Das schließt jedoch nicht die von Lenin angewandte Taktik aus, sich den Kampf der rechten und "linken"Opportunisten zu Nutze zu machen und die opportunistischen Waffen gegen die Opportunisten selbst zu richten - bis zu einem gewissen Grade, unter bestimmten Bedingungen und zu gegebener Zeit.

Jeder weiß, dass die Opportunisten - egal ob "links", rechts oder zentristisch - Agenten der Bourgeoisie sind , aber es ist auch vorgekommen, dass sich die Bolshewiki in einzelnen Fällen geirrt haben und die Opportunisten Recht behielten. So übte Lenin beispielsweise Selbstkritik, als er den Menschewik Levi auf dem III. Kongress vor der dort anwesenden Mehrheit von "linken" Opportunisten in Schutz genommen hatte. Aber die Komintern hatte hinterher begriffen, die Fehler der "Linken", die auf dem III. Kongress begangen wurden, zu korrigieren.

"Scheuen wir uns nicht, unsere Fehler einzugestehen, scheuen wir nicht die vielfache, immer wiederholte Mühe, sie zu korrigieren - und wir werden den höchsten Gipfel erreichen." (Lenin, Band 33, Seite 196)

Wie gehen die Opportunisten mit Kritik und Selbstkritik um ?

Die Opportunisten verwandeln dieses bolschewistische Entwicklungsgesetz der Komintern ins Gegenteil - die Einen offen und die Anderen verdeckt mittels "revolutionärer" Phraseologie .

Die Opportunisten kritisieren nicht die Fehler der Komintern, sondern die Komintern selbst. Was für die Komintern richtig ist, das ist für Opportunisten "falsch".

Der Unterschied zwischen der rechtsopportunistischen und "links"opportunistischen Kritik und Selbstkritik besteht lediglich darin, dass die Einen die Komintern offen von rechts kritisieren, während die Anderen ihre Kritik mit Zitaten der Klassiker des Marxismus-Leninismus zu untermauern versuchen. Für die rechten Opportunisten ist die Komintern "dogmatisch" und "sektiererisch". Und für die "linken" Opportunisten ist die Komintern "rechtsopportunistisch". Lenin und Stalin haben immer wieder die Heuchelei der Opportunisten entlarvt, die darin besteht, in Worten Kritik und Selbstkritik zu üben, aber ihre Fehler tatsächlich nicht korrigieren.

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Der Kampf gegen den Opportunismus in der Komintern wurde von Lenin in drei Schritten vollzogen (siehe Band 32, Seite 544-545):

"Zuerst mussten die Kommunisten der ganzen Welt ihre Prinzipien verkünden. Das ist auf dem I. Kongress geschehen. Das war der erste Schritt." Das war auch der erste Schritt der Komintern (SH).

"Der zweite Schritt war der organisatorische Ausbau der Kommunistischen Internationale und die Ausarbeitung der Aufnahmebedingungen, der Bedingungen der tatsächlichen Trennung von den Zentristen, von den direkten und indirekten Agenten der Bourgeoisie innerhalb der Arbeiterbewegung. Das ist auf dem II. Kongress geschehen."

Die Komintern (SH) hat die Beschlüsse über die Aufnahmebedingungen und über den organisatorischen Aufbau in den Jahren 2015 und 2016 gefasst. Zur Trennung von den Zentristen kam es insofern nicht, weil es in der Komintern (SH) bis jetzt keine Zentristen gab. Der Kampf der Komintern (SH) konzentrierte sich daher außerhalb auf die Zentristen in der internationalen Bewegung.

"Auf dem III. Kongress musste man die sachliche, positive Arbeit aufnehmen und unter Berücksichtigung der praktischen Erfahrungen des bereits begonnenen kommunistischen Kampfes konkret bestimmen, in welcher Weise taktisch und organisatorisch weiter gearbeitet werden soll. Diesen dritten Schritt haben wir dann auch getan. In der internationalen kommunistischen Bewegung war im Sommer 1921 der 'springende Punkt', dass einige der besten und einflussreichsten Teile der Kommunistischen Internationale diese Aufgabe nicht ganz richtig begriffen hatten, ein klein wenig den 'Kampf gegen den Zentrismus" übertrieben, ein klein wenig die Grenze überschritten, jenseits welcher sich dieser Kampf in einen Sport verwandelte, jenseits welcher die Kompromitierung des revolutionären Marxismus beginnt. Das war der 'springende Punkt' auf dem III. Kongress. Eine Übertreibung aber würde, wenn man sie nicht korrigierte, die Kommunistische Internationale bestimmt zugrunde richten.

Den Kampf gegen den Zentrismus übertreiben, heißt den Zentrismus retten, seine Stellung, seinen Einfluss auf die Arbeiter festigen. Den siegreichen Kampf gegen den Zentrismus zu führen, haben wir im internationalen Maßstab in der Zeit vom II. zum III. Kongress gelernt. Das ist durch Tatsachen bewiesen. Diesen Kampf werden wir konsequent fortsetzen (Ausschluss Levis und der Partei Serratis).

Aber den Kampf gegen unrichtige Übertreibungen bei der Bekämpfung des Zentrismus zu führen, haben wir im internationalen Maßstab noch nicht gelernt. Diesen unseren Mangel haben wir jedoch erkannt, wie der Verlauf und der Ausgang des III. Kongresses gezeigt hat. Und gerade deshalb, weil wir unseren Mangel erkannt haben, werden wir uns davon frei machen."

Die Komintern (SH) hat sich die Lehren Lenins zu Herzen genommen und ab 2018 damit begonnen, sich in ihrer Propagandaarbeit viel mehr auf die Arbeiterklasse zu konzentrieren unter der Losung: "Näher heran an die Massen !" Wir befinden uns noch im ersten Stadium des Parteiaufbaus, weswegen wir noch keine Massenaktionen durchführen können. An die Eroberung der Mehrheit des Weltproletariats ist vorerst noch nicht zu denken. Aber wir sind dabei, Kampflosungen zu propagieren, die der gegenwärtigen Situation des Proletariats in verschiedenen Ländern angepasst sind, und zwar mit dem Ziel, die fortschrittlichsten Arbeiter für die Komintern (SH) zu gewinnen und sie zur Avantgarde heranzubilden.

 

 



 

 

"Die Aufhebung der Klassen ist das Werk eines langwierigen, schweren, hartnäckigen Klassenkampfes, der nach dem Sturz der Macht des Kapitals, nach der Zerstörung des bürgerlichen Staates, nach der Aufrichtung der Diktatur des Proletariats nicht verschwindet, sondern nur seine Formen ändert und in vieler Hinsicht noch erbitterter wird." (Lenin)

Das Wesen des "linken" Opportunismus besteht darin, diesen langwierigen, schweren, hartnäckigen Klassenkampf überspringen zu wollen, ihn in Wahrheit zu scheuen - verdeckt hinter "revolutionärer" Phraseologie.

 

Proletarier aller Länder - vereinigt euch im Kampf gegen den "linken" Opportunismus !

Weltproletariat - vereinige alle Länder im Kampf gegen den "linken" Opportunismus !

 


 

 

Lenins Lehren über den "linken" Opportunismus und die KPD/ML

 

Nachträglicher

selbstkritischer Kommentar zu unserem III. Parteitag

von Wolfgang Eggers

Vorsitzender der KPD/ML seit 1986

( geschrieben am 20. 4. 2007 )

 

 

 

Nachträglicher

selbstkritischer Kommentar zu unserem IV. Parteitag

von Wolfgang Eggers

Vorsitzender der KPD/ML seit 1986

( geschrieben am 15. 3. 2007 )