Ernst Thälmann

Reden und Schriften

 

14./15.11.1932

Die Bedeutung des XII. Plenums für den KJVD

Rede des Genossen Thälmann auf der Plenartagung des Zentralkomitees des KJVD

 

 

 

Jugendgenossen und Jugendgenossinnen!

 

Die revolutionäre Jugendarbeit ist in diesem Stadium der Entwicklung für die kommunistische Weltbewegung von der allergrößten Bedeutung. Auf unserer heutigen Plenarsitzung stehen ernste Probleme zur Beratung, so vor allem die Beschlüsse des XII.  Plenums des EKKI, die Einschätzung der augenblicklichen Lage, die Aufgaben des Kommunistischen Jugendverbandes und nicht zuletzt eine gründliche Stellungnahme zu den innerparteilichen Problemen in Verbindung mit dem Kampf der Gesamtpartei gegen die parteischädigende Tätigkeit der Gruppe Neumann-Müller.

Das XII. Plenum des EKKI hat unserer gesamten kommunistischen Weltbewegung und auch dem KJV die Generallinie seiner Politik aufgezeigt. Diese Generallinie gilt es für den deutschen Jugendverband zu konkretisieren durch positive praktische Vorschläge und Beschlüsse. Ich bin überzeugt: der deutsche KJV wird im Prozeß der Durchführung dieser Beschlüsse und in der Überwindung seiner sektiererischen Abgeschlossenheit, wie sie durch die Politik der Genossen Neumann-Müller usw. herbeigeführt wurde, bolschewistisch wachsen, seine Kaders stärken und einen energischen und entscheidenden Schritt vorwärtsgehen auf dem Wege zur Entfaltung einer breiten bolschewistischen Massenpolitik unter dem Jungproletariat und den übrigen werktätigen Jugendmassen.

Das XII. Plenum des EKKI spricht vom Ende der kapitalistischen Stabilisierung. Im Zusammenhang damit sprechen wir auch von einem Ende der sozialen Reformen, das durch den Niedergang des Kapitalismus bedingt ist. Die Tatsachen der tiefgehenden Jugendverelendung, der gewaltigen Erwerbslosigkeit unter dem Jungproletariat, der zunehmenden Anstrengungen der Bourgeoisie im Kampfe gegen die werktätige Jugend und zur Gewinnung derselben, die Tatsache des drohenden Wahlrechtsraubes, der drohenden faschistischen Verfassungsreform und der wachsenden Aggressivität des Imperialismus zur Entfesselung eines neuen Weltkrieges, stellen vor den Kommunistischen Jugendverband eine ganze Reihe spezieller und spezifischer Aufgaben, die es durch den Übergang zu einer fest fundierten revolutionären Massenpolitik zu lösen gilt.

Die kapitalistische Krise zerfrißt das Fundament des kapitalistischen Systems. Zur gleichen Zeit sehen wir einen großartigen Fortschritt im Wachstum des Sozialismus in der Sowjetunion. Wir stellen eine höhere Reife der revolutionären Bewegung des Proletariats in allen Ländern der Erde fest, gleichzeitig vollzieht sich die Entwicklung der kommunistischen Parteien zu einer höheren bolschewistischen Klarheit, Festigkeit und Schlagkräftigkeit.

 

Der revolutionäre Aufschwung in Deutschland

Wir konstatieren besonders in Deutschland, in dem sich gerade in den letzten Wochen und Monaten die kapitalistische Krise durch Zunahme der Erwerbslosigkeit, durch die mißglückte Papensche „Ankurbelung“ und durch die neue Lohnraubwelle mit besonderer Schärfe offenbart, einen im Tempo stärker wachsenden revolutionären Aufschwung und ein immer deutlicher werdendes Hervortreten der Gegensätze und Widersprüche im Lager der Bourgeoisie.

Wir können nicht klar und scharf genug gerade das Wachstum unserer revolutionären Klassenkraft in Deutschland unterstreichen. Die proletarische Armee stürmt stärker gegen die Bemühungen der Bourgeoisie, die faschistische Diktatur auf einer höheren Grundlage zu entfalten, an. Über 600 Streiks wurden seit dem 15. September in Deutschland geführt, von ihnen über 50 Prozent siegreich. Die Streiks wurden trotz aller Drohungen des Unternehmertums mit Entlassungen usw. zum großen Teil gegen den Willen der reformistischen Gewerkschaftsbürokratie ausgelöst. Das zeigt die wachsende Kampfkraft und Kampfesfähigkeit des Proletariats.

 

Der BVG-Streik - größte Kampfaktion des Berliner Proletariats

Der Berliner Verkehrsarbeiterstreik ist die bisher größte Kampfaktion des deutschen Proletariats im Jahre 1932. Er wurde ausgelöst gegen den Willen der reformistischen Bürokratie, gegen den Willen der reformistischen Obleute, es war ein Streik gegen die bürgerliche Staatsgewalt, gegen das faschistische Diktaturregime, ein Streik unter Führung der RGO. Der Streik hat zwar keine materiellen Erfolge gezeitigt, aber er war ein großer moralischer Sieg für uns. - Wären wir tiefer in die Arbeitermassen anderer Berliner Großbetriebe eingedrungen, hätte unsere Solidaritätskampagne einen größeren Umfang angenommen, hätten wir vor allem innerhalb des Gesamtverbandes bereits vor dem Ausbruch des Streiks eine breitere Oppositionsfront geschaffen, dann wäre der Verkehrsarbeiterstreik wahrscheinlich zu einem Generalstreik der Berliner Großbetriebe geworden, dann wäre der Schlag gegen das kapitalistische System ein noch viel umfassenderer geworden!

Der Berliner Verkehrsstreik hat deutlich gezeigt, daß der Kampf der Bourgeoisie für den kapitalistischen Ausweg aus der Krise immer mehr zu einem Kampf wird um die Erhaltung der kapitalistischen Staatsmacht, als dem entscheidenden Mittel zur Aufrechterhaltung der kapitalistischen Unterdrückung. - Die wirtschaftlichen Kämpfe schlagen heute immer mehr und immer schneller in politische Kämpfe um. Heute nehmen fast alle wirtschaftlichen Kämpfe bereits einen politischen Charakter an. Je größer der Klassendruck und die Klassenkraft des Proletariats wird, je mehr der Widerstand und Angriff des Proletariats gegen die Bourgeoisie wächst, um so schärfer werden die bürgerlichen Gewaltmethoden, werden die faschistischen Terrormaßnahmen gegen die rebellierenden Millionenmassen. - Es muß uns gelingen, mit dem Wachstum unserer revolutionären Schlagfertigkeit durch unsere revolutionäre Kampfoffensive, eine solche Millionenfront der erwachsenen Arbeiterschaft und des Jungproletariats zu errichten, daß der weiteren Entfaltung der faschistischen Diktatur ein noch viel breiterer granitener Damm entgegengesetzt wird.

Die Wahlen vom 6. November standen bereits im sichtbaren Zeichen des revolutionären Aufschwungs. Durch unsere Antifaschistische Aktion, durch unsere Einheitsfrontaktion, durch unsere Offensive gegen Versailles in Verbindung mit dem Kampf gegen Notverordnungsdiktatur und Lohnraub erreichten wir eine Stimmenzahl von 6 Millionen Wählern. Ohne in Zahlenarithmetik zu verfallen, können wir heute bereits sagen, daß jede Stimme, die für uns abgegeben wurde, und daß vor allem auch die Hunderttausende von Stimmen der werktätigen Jugend für die KPD eine viel überlegtere Sympathie- und Kampferklärung für den Kommunismus war, als wir es früher zu verzeichnen hatten.

 

Klarheit über die Grundprobleme und Grundaufgaben

Wir können die uns vom XII. Plenum des EKKI gestellte Aufgabe, die Massen über Wirtschaftskämpfe, Teilaktionen usw. heranzuführen an Massenaktionen, an den Massenstreik, an den politischen Generalstreik und an die entscheidenden Positionen des Kampfes um die Macht heranzuführen, nur erfüllen, wenn in der Partei und auch im Kommunistischen Jugendverband die notwendige prinzipielle, theoretische Klarheit herrscht über die Grundprobleme und Grundaufgaben unserer Partei. - Die Erfüllung dieser Aufgaben erfordert den unversöhnlichsten Kampf gegen alle falschen Auffassungen und Stimmungen innerhalb unserer Bewegung.

 

Lernt aus dem 20. Juli

Am 20. Juli gaben wir die Losung des Generalstreiks gegen den faschistischen Staatsstreich heraus. Diese Losung war absolut richtig. Aber wir waren nicht stark genug, in der Praxis den Generalstreik zur Auslösung zu bringen. Die Überwindung unserer Schwächen in der Betriebsarbeit und an der innergewerkschaftlichen Front, die Notwendigkeit des selbständigen revolutionären Reagierens auf solche Ereignisse, sind wichtige Lehren, die wir aus dem 20.  Juli gezogen haben. Der 20. Juli zwingt uns aber auch, einen energischen Kampf zu führen gegen gewisse, in einzelnen Gliedern unserer Partei noch vorhandene defätistische und fatalistische Stimmungen. Diese Stimmungen sind im KJV stärker vorhanden als in der Partei, trotzdem die arbeitende Jugend von revolutionärem Kampfeswillen beseelt ist. Nicht zuletzt wurden diese gefährlichen Tendenzen im Kommunistischen Jugendverband verursacht durch die falsche und fehlerhafte Politik der bisherigen Führung des KJVD.

Wenn wir die Perspektive der Entwicklung des Faschismus in Deutschland betrachten, müssen wir vor allem auf die bisherige Entwicklung des Faschismus überhaupt eingehen. In Italien, Polen und Jugoslawien und \auch in Spanien hatte die Entwicklung der faschistischen Diktatur in der Periode der relativen Stabilisierung des Kapitalismus eine andere Basis, als heute der Faschismus in Deutschland.

 

Entwicklung des Faschismus in Deutschland

Die genannten faschistischen Diktaturen entwickelten sich in den meisten Ländern nach einer Niederlage des Proletariats, das zeigt besonders das italienische Beispiel. Die faschistische Diktatur in Deutschland entfaltet sich heute dagegen bei einem wachsenden revolutionären Aufschwung und unter dem ständigen revolutionären Aufstieg der Arbeiterklasse. In den genannten Ländern zeigte sich weiterhin bei der Errichtung der faschistischen Diktatur eine gewisse Konzentration der Kräfte der Konterrevolution. - In Deutschland dagegen sehen wir bei der Entfaltung der faschistischen Diktatur ernste und stärker werdende Zersetzungserscheinungen im Lager des Faschismus, hervorgerufen durch den wachsenden Klassendruck des Proletariats, durch die kapitalistische Krise, durch die Fäulnis des Monopolkapitalismus. - Alle diese Tatsachen sind für die Politik des Kommunistischen Jugendverbandes von entscheidender Bedeutung.

Das X. und XI. Plenum des EKKI haben nach dem 6. Weltkongreß die Fragen des Faschismus besonders klar und scharf umrissen und die Entwicklung des Faschismus und des Sozialismus marxistisch analysiert. Das XII. Plenum hat eine Reihe weiterer äußerst bedeutsamer Schlußfolgerungen für die praktische Aufgabenstellung gezogen.

 

SPD bleibt die soziale Hauptstütze der Bourgeoisie

 

In Deutschland zeigte sich, daß, nachdem in der Periode der kapitalistischen Stabilisierung die Sozialdemokratie stärker in den kapitalistischen Verwaltungs- und Staatsapparat einbezogen wurde, nunmehr, mit Eintritt des Endes der kapitalistischen Stabilisierung, bei Verschärfung der kapitalistischen Krise, die Bourgeoisie sich in stärkerem Maße auf die faschistischen Elemente, auf die Träger des faschistischen Terrors stützt und die Sozialdemokratie im steigenden Maße aus den Verwaltungs- und Staatspositionen verdrängt.

Diese Entwicklung bedeutet jedoch nicht, daß sich am Charakter der Sozialdemokratie als der sozialen Hauptstütze der Bourgeoisie etwas Grundlegendes geändert hat. Im Gegenteil, mit der weiteren Entwicklung der faschistischen Diktatur vollzieht sich auch eine höhere Phase der Faschisierung der deutschen Sozialdemokratie. So, wie die Bourgeoisie eine Verschärfung ihrer Herrschaftsmethoden vornimmt, um die revolutionäre Kraft des Proletariats und der arbeitenden Jugend zu unterdrücken und zu zerschlagen, so muß die SPD als eine Partei, die das kapitalistische System unterstützt und verteidigt, eine weitere verschärfte Entwicklung zu einer höheren Phase des Sozialfaschismus vollziehen.

Der 1. Mai 1929 war bereits ein sichtbarer Wendepunkt in der Politik der Sozialdemokratie. Der abgrundtiefe Streikbruchverrat der SPD anläßlich des Berliner Verkehrsarbeiterstreiks im November 1932 stellt einen weiteren, in der gleichen Linie des 20. Juli liegenden, entscheidenden Wendepunkt zu einer höheren Phase der Faschisierung der SPD-Politik dar.

Der Sozialfaschismus ist der gemäßigte Flügel des Faschismus, und Genosse Stalin sagte einmal mit Recht, daß Faschismus und Sozialfaschismus Zwillingsbrüder seien. Aber ebenso, wie sich natürliche Zwillingsbrüder nicht immer ähnlich sehen, ebenso besteht auch zwischen Faschismus und Sozialfaschismus keine absolute Ähnlichkeit. Die Struktur der Sozialdemokratie, ihre Basis und ihre Taktik sind andere wie die der Nationalsozialisten. Wir dürfen daher in unserer Taktik im Kampfe gegen Faschismus und Sozialfaschismus nicht die gleichen Methoden und Kampfesformen anwenden; wir müssen verschiedenartige Kampfesformen wählen; insbesondere der Kommunistische Jugendverband muß auf dem Gebiete klar die Unterschiede herausschälen, um die Massen aus dem gegnerischen Lager für uns zu gewinnen.

Es ist für den deutschen KJV von größter Bedeutung und zeugt von einer nicht genügend festen Fundierung der politischen Generallinie unserer Partei im Jugendverband, daß nach dem Aufschwung der Nazis in diesem Frühjahr, und daß nach dem Staatsstreich vom 20. Juli in Preußen, im KJVD Auffassungen vorhanden waren, die Sozialdemokratie sei nicht mehr die soziale Hauptstütze der Bourgeoisie. Eine Verbreitung solcher Auffassungen hätte, wenn die Partei und die KJI nicht eingegriffen hätte, natürlich eine große Verwirrung im KJVD hervorrufen können.

Wenn wir feststellen, daß sich die soziale Basis der SPD verändert und schmälert, entsteht natürlich für uns die große Aufgabe, die verstärkt von der SPD und SAJ abwandernden Massen für uns zu gewinnen im Kampfe für den revolutionären Ausweg. Das ist eine große Aufgabe, bei deren Erfüllung wir keinerlei Unklarheiten und Tempoverlust dulden dürfen.

 

Zerschlagt die linken Manöver

 

Unsere Mitgliedermassen müssen zur höchsten Wachsamkeit, zur größten prinzipiellen Festigkeit gegenüber den „linken“ Manövern des Sozialfaschismus („Einheitsfront“-Vorschlag Loebes, Rede Otto Bauers usw.) geschult werden. Wir Kommunisten sind für die kämpfende proletarische Einheitsfront, für die Einheitsfront von unten, für wirkliche Kampfaktionen gegen Kapitalismus und Faschismus, für Lohn und Brot und für die Freiheit. Aber wir sind nicht für eine Einheit auf dem Papier, nicht für eine Einheit des Luges und Betruges. Indem wir Tatsachen schaffen in der Herstellung einer wirklichen Einheitsfront der Betriebsarbeiter, der Erwerbslosen, der Angestellten usw., zerschlagen wir am besten die Manöver der SPD- und SAJ-Führer.

 

Antifaschistische Massenpolitik des KJVD

 

Für den Kommunistischen Jugendverband ist von besonders großer Bedeutung die Aufgaben der Gewinnung der vom Nationalsozialismus abströmenden Massen der Jungwerktätigen. Wir können auch dann nur die SAJ-Jugend und die jungen Mitglieder der SPD Massenorganisationen, vor allem der Jugendsektionen des ADGB, gewinnen, wenn wir als der einzige antifaschistische Faktor unter den Massen der jungen Werktätigen führend in Erscheinung treten. - Unsere Antifaschistische Aktion ist nicht eine Losung der Vergangenheit, sondern sie hat aktuelle Bedeutung im täglichen revolutionären Kampf. In solchen Fällen z.B., wie beim Felseneck-Prozeß, bei den Urteilen der Sondergerichte, wie ferner beim Todesurteil gegen den Jungarbeiter Bartl, muß kühn und entschlossen die Front der Antifaschistischen Aktion aufgerichtet werden. - Wir können heute im KJVD um so schneller und entschlossener an die Lösung dieser Kampfaufgaben herangehen, weil durch die Beseitigung wichtiger hemmender Faktoren, durch die Liquidierung der Neumann-Müller-Gruppe im KJVD, der Weg freigemacht wurde für eine umfassende revolutionäre Massenpolitik des KJVD.

Wir können diese Massenpolitik wiederum aber auch nur dann betreiben, wenn wir genau das Leben der werktätigen Jugend studieren, genau die Stimmungen der jugendlichen Anhängermassen der SVJ und der NSDAP kennen und dementsprechend die richtigen Losungen geben und die entsprechenden Probleme stellen.

 

 

 

I.

Unter Führung der Partei gewinnt die werktätige Jugend
für den Kommunismus

 

Wir haben auf der letzten Reichsparteikonferenz und auf der Plenartagung des Zentralkomitees unserer Partei mit besonderer Schärfe die große gewaltige Bedeutung dieser revolutionären Jugendpolitik betont, um die Gesamtpartei auf die Unterstützung des Jugendverbandes einzustellen. Unser Kampf um die Gewinnung der werktätigen Jugend ist ein wichtiger Teil der Eroberung der Mehrheit der Arbeiterklasse. Partei und Jugendverband müssen gemeinsam dieses gewaltige Problem meistern. Die Kaders unseres Jugendverbandes müssen sich über die Größe des Problems im vollem Umfange klar sein.

Statistische Erhebungen ergaben, daß nach dem Jahre 1910 etwa 10 bis 12 Millionen junger Menschen aufgewachsen sind, eine Generation, die eine Nachkriegsgeneration darstellt. Diese Generation hat weder den Krieg noch die Revolution mitgemacht, oder aber hat diese Ereignisse im Kindesalter erlebt. Diese Jugendgeneration ist bereits ökonomisch entwurzelt, ehe sie in das Leben eintritt. Diese Jugend geht in ihrer Majorität von der Schulbank zur Stempelstelle oder von der Lehrstelle zum Stempelamt. Diese gärende radikalisierende Jugend sucht sozialistische Ziele, sucht revolutionäre Ideale, sie ist im höchsten Grade empfänglich für die gewaltige Idee unseres sozialistischen Freiheitskampfes. Wir dürfen diese Jugendgeneration nicht der Demagogie des Nationalsozialismus überlassen!

Wir müssen aber sehen, daß es dem Nationalsozialismus gelungen ist, einen gewissen Teil dieser Jugend aufzufangen. - Wir Kommunisten müssen es fertig bringen, diese Jugendmassen für uns, für den Kommunismus zu gewinnen und für den revolutionären Ausweg aus der Krise zu mobilisieren.

Wir müssen der gärenden und suchenden werktätigen Jugend sozialistische Ziele und Ideale geben, wir müssen ihr eine Zukunft weisen, die sie sich nur im Kampf für den revolutionären Ausweg erringen kann.

Dabei haben wir auch die beste Möglichkeit, Massendiskussionen zu entfalten über den Marxismus und Leninismus, wir können dann die „sozialistische“ Demagogie der Sozialdemokratie und der NSDAP entlarven. Wir gewinnen die werktätige Jugend nur im täglichen Kampfe, durch unermüdliche Kleinarbeit, durch zähe Aufklärungsarbeit über das Wesen des Faschismus und Sozialfaschismus und unter breitester Popularisierung des sozialistischen Aufbaues in der Sowjetunion, durch die Weckung des Kampfes- und Verteidigungswillens für unser sozialistisches Vaterland, die UdSSR.

In diesem Kampf für die Eroberung der Mehrheit des Jungproletariats muß der KJVD Seite an Seite mit der Partei und unter Führung der letzteren an die Arbeit gehen! Nur so lösen wir auch die Aufgabe, bei jeder Parteizelle eine Jugendzelle zu schaffen, den Kommunistischen Jugendverband in den Großbetrieben zu verankern und unsere Jugendpositionen in den gewerkschaftlichen Organisationen zu festigen.

 

Einheitsfrontpolitik, das wichtigste Kettenglied
zur Gewinnung der Mehrheit der Arbeiterjugend

 

Viel ernster muß unser Jugendverband an die Durchführung einer wirklichen Einheitsfrontpolitik herangehen. Im Kampfe gegen den Lohnraub und für die Jugendschutzbestimmungen gilt es, wirkliche Einheitsfrontorgane zu schaffen und Jugendvertrauensleute zu wählen.

Warum haben wir so wenig Jugendkommissionen unter den Erwerbslosen? Warum ist unsere Tätigkeit in den Jugendkommissionen der Gewerkschaftsverbände noch so unbefriedigend? Weil in weiten Schichten des KJVD noch eine sektiererische Einstellung vorhanden ist, weil in manchen Schichten des KJVD noch kleinbürgerliche und sozialdemokratische Auffassungen wuchern, und weil über die Notwendigkeit der Entfaltung von Massenaktionen unter dem Jungproletariat noch eine große Unklarheit besteht.

 

 

In jedem Arbeitsdienstlager eine Zelle des KJVD

 

Wir müssen Klarheit schaffen im Jugendverband, um die Notwendigkeit und Wichtigkeit der Entfesselung von Teilkämpfen als wichtigsten Hebel, um an große Massenkämpfe heranzukommen. Darum gilt es noch stärker als bisher in den Arbeitsdienstpflichtlagern solche Forderungen zu stellen, wie: Schaffung von Küchenkommissionen, Lohnkommissionen, Jungarbeiterausschüssen, also durch Teilforderungen die Jugend mobilisieren. Wir müssen stärker in den Lagern die Fragen der tariflichen Entlohnung, der gesellschaftlichen Freiheit, des freien Sonntags und der Schaffung eines Vertrauensleutekörpers aufrollen. In jedem Arbeitsdienstlager muß eine Zelle des KJVD gegründet werden.

 

 

Kampf der politischen Entrechtung der Jugend

 

Vor dem Jugendverband steht die große Aufgabe, gemeinsam mit der Partei eine Massenkampagne gegen den drohenden Wahlrechtsraub einzuleiten! Fast 5½ Millionen Jugendlichen im Alter von 20 bis 25 Jahren will die Bourgeoisie das Wahlrecht rauben! Ein Heer von 5½ Millionen jungen Werktätigen will man entrechten und gesellschaftlich degradieren. Ähnlich, wie anläßlich der Wahlrechtsdemonstrationen in der Vorkriegszeit, muß es uns gelingen, einen Millionenkampf zu entfesseln, der unter unserer Führung steht und die Demagogie der SPD und der NSDAP zerschlägt. Sollte das Diktat des Wahlrechtsraubes durch einen Staatsstreich, durch eine Notverordnung mit Hilfe des §48, oder durch einen sonstigen faschistischen Willkürakt tatsächlich erfolgen, dann müssen wir die Massen, insbesondere die werktätige Jugend, zum Generalstreik aufrufen, - und dafür gilt es, bereits heute die Millionenmassen der Jugendlichen zu mobilisieren. Wir müssen in diesem Kampf unter allen Umständen die Führung übernehmen und jetzt bereits diese brennende Frage unter allen Schichten der jungen Werktätigen aufrollen.

Ein weiteres entscheidendes Problem für die Tätigkeit unseres Jugendverbandes bildet unser revolutionärer Antikriegskampf. Wir dürfen auf keinen Fall dem Druck der Bourgeoisie nachgeben, müssen mit unseren Losungen breitere Schichten von Jugendlichen erfassen, tiefer in den Betrieben und Jugendsektionen des ADGB, in unmittelbarer Verbindung mit den Tagesaufgaben, das Problem unseres Antikriegskampfes aufrollen. Wir müssen uns sowohl vor pazifistischen Entgleisungen hüten, als auch vor einer Verzichtleistung, die in weiten Schichten der SAJ vorhandene Antikriegsstimmung in revolutionäre Bahnen zu lenken. Gerade hier haben wir die größten Möglichkeiten, an die SAJ-Mitglieder heranzukommen.

In den Berufsschulen gilt es, stärker die Wahl von Schülerausschüssen zu propagieren, konkrete Kampfaktionen zu entfachen gegen reaktionäre Lehrer und für die materiellen Forderungen der Berufsschüler. - Für die Lehrlinge müssen wir unsere Kampagnen verstärken. Hier gilt es, unsere roten Betriebsräte zu mobilisieren, um den Jungarbeitern zu helfen. - Gerade durch die enge gemeinschaftliche Zusammenarbeit unserer erwachsenen Genossen mit den Jugendgenossen für die Interessen der Lehrlinge, Berufsschüler und alle Schichten der Jungwerktätigen, wird es uns auch möglich sein, die Eltern dieser Jugendlichen für die breite Unterstützung des Kampfes ihrer Kinder zu begeistern und sie so in unsere Kampffront einzubeziehen.

Vor dem heutigen Plenum des Jugend-ZK muß aber auch die Frage aufgerollt werden, was der KJVD unternimmt, um die jungen Landarbeiter, die noch im Stahlhelm, im Bismarckbund und bei den Nazis organisiert sind, zu gewinnen. Was tun wir weiter, um die jungen Bauernsöhne, die ein Knechtsdasein fristen und früh von Hof und Scholle verjagt werden, für den revolutionären Ausweg zu gewinnen? Wir müssen in die Jugendsektionen der Landarbeiterverbände hineingehen, und wir müssen den jungen Bauernsöhnen unsere revolutionären Losungen näherbringen.

Ich will eine andere Frage vor dem heutigen Plenum stellen, und zwar eine Frage, mit der sich der KJVD fast überhaupt noch nicht beschäftigt hat: Das ist die revolutionäre Arbeit unter den Studenten. Ich frage euch: Gehören diese jungen Studierenden, die sehr oft als Werkstudenten sich das Geld zum Studium mühsam verdienen müssen, denn ohne weiteres in die Front der Nationalsozialisten? Keineswegs! Dem Sozialismus gehört die Zukunft, und auch die studierende Jugend müssen wir für uns, für unseren Kampf gewinnen! Schon heute müssen wir uns für ihre sozialen Belange einsetzen und sie in unsere Kampffront für die soziale und nationale Befreiung einreihen.

 

Schluß mit der Vernachlässigung der Arbeit unter den Kindern

 

Unser Jugendverband hat die Tätigkeit unter den Arbeiterkindern, hat die Unterstützung unserer Pionierbewegung sträflich vernachlässigt. Das Problem der Gewinnung der Arbeiterkinder ist ein sehr ernstes! Partei und Jugendverband müssen sich gemeinsam mit der Lösung dieser Fragen beschäftigen. Wir dürfen uns nicht mit dem bloßen Vorhandensein einer Pionierbewegung begnügen! Wir müssen Kanäle und Verbindungswege zu allen Schichten der Arbeiterkinder schaffen, um unsere Pionierbewegung breiter zu entfalten. Wir haben neben der Partei besondere Massenorganisationen, wir haben neben dem KJVD Massenorganisationen; warum aber verzichten wir auf solche Transmissionsriemen zu den breiten Schichten der Arbeiterkinder? Auch der Pionierverband muß aus seiner Isolierung heraus. Es geht nicht an, daß manche Pionierleiter, die Mitglieder der Pioniergruppe dazu erziehen, sich in Aufgeblasenheit und Überheblichkeit abzukapseln und womöglich die Kinder der Roten-Falken-Gruppen und auch der Hitlerjugend anzuekeln und anzupöbeln. Viel stärker noch muß auch der Pionierverband die Frage der Einheitsfront aller Arbeiterkinder stellen. Wir müssen sehen, daß wir vielfach über den Weg der Gewinnung der Arbeiterkinder, dieser jüngsten Generation des proletarischen Klassenkampfes auch unter der erwachsenen Arbeiterschaft den Drang zur Herstellung der proletarischen Einheit mächtig fördern können.

 

Unverbrüchliches Vertrauensverhältnis zwischen Jugendverband und Partei

 

Sowohl in der Partei als auch im Jugendverband gilt es, wo noch ein gegenseitiges Unverständnis vorhanden ist, diesen Übelstand zu beseitigen, das bolschewistische Prinzip der Zusammenarbeit durchzusetzen und das Verhältnis zwischen KJVD und KPD zu einem festen, unverbrüchlichen Vertrauensverhältnis zu gestalten.

Gerade jetzt bieten sich die besten Möglichkeiten einer bolschewistischen Zusammenarbeit: - Das Reichsbanner hat zum Beispiel beschlossen, sich an dem faschistischen Hindenburg-Kuratorium zur Faschisierung und Militarisierung der werktätigen Jugend zu beteiligen. Auch die Gewerkschaftsbürokratie wird offen für eine Teilnahme an dieser Institution eintreten. Die SAJ-Führung hat dagegen beschlossen, sich angeblich nicht am Hindenburg-Kuratorium zu beteiligen. Das ganze ist ein Spiel mit verteilten Rollen und zeigt zugleich ernste Konflikte im Lager des Reformismus, die einerseits auf Grund der Faschisierung der Spitzen und andererseits vor allem auf Grund des wachsenden Massendrucks von unten entstanden sind. Wir müssen offensiv, vom revolutionären Geist des Antifaschismus und Antimilitarismus getragen, an die Auswertung dieser Tatsachen zur Gewinnung der SAJ, Reichsbanner und ADGB-Jungkameraden herangehen.

 

 

Ideologische Massenoffensive bricht Nazi-Einfluß unter der werktätigen Jugend

 

Eines der ernstesten und wichtigsten Probleme des Jugendverbandes gesteht darin, anläßlich des beginnenden und immer stärker werdenden Abbröckelns breiter Schichten der Nazijugend von der NSDAP, eine breite ideologische Massenoffensive zu entfalten, zur Gewinnung dieser vom Faschismus sich abwendenden Jugendmassen. Ich sage, diese Aufgabe zu lösen ist ein historisch bedeutsames Problem. Nicht nur durch proletarische Wehrhaftigkeit, sondern in diesem Stadium besonders durch breitesten ideologischen Massenkampf im Rahmen unserer Antifaschistischen Aktion müssen wir den Einfluß der Nazis unter den jungen Werktätigen brechen.

Die falsche Losung, die der Genosse Neumann noch sehr lange verteidigte, die Losung „Schlagt die Faschisten, wo ihr sie trefft!“ hat besonders unseren Jugendverband daran gehindert, eine wirksame und erfolgreiche Massenpolitik zur Gewinnung der jungen Nazi-Anhänger zu entfalten. Hier gilt es, die Fehler zu beseitigen und das Versäumte nachzuholen! Die Bourgeoisie erblickt in dem Maße, wie die Hitlerbewegung an Masseneinfluß verliert, wie die NSDAP zur besonderen „Verantwortung“ an der Unterdrückung breitester Volksmassen durch das Finanzkapital herangezogen wird, in unserer wachsenden Millionenbewegung des Antifaschismus und besonders in der Tätigkeit des Kommunistischen Jugendverbandes eine immer größer werdende Gefahr. Die Bourgeoisie fürchtet auch, daß die militärisch geschulten jungen Aktivisten des Nationalsozialismus, die zum Kommunismus stoßen, die sich in die Front des revolutionären Kampfes einreihen, dadurch zur größten Gefahr werden können.

Wir müssen aber untersuchen, was manchen Jugendlichen an die Nazibewegung fesselt. Wir sehen, daß der Nationalsozialismus diesen jungen Werktätigen das Ideal des „Dritten Reiches“ vorgaukelte, daß er sie durch Sport, „Disziplin“ und vorgetäuschte Kameradschaftlichkeit fesselte, und daß der Nationalsozialismus einen „Kampf gegen Versailles vortäuschte. Wir müssen aus den Arbeitsmethoden unserer Gegner ernste Lehren ziehen.

Wir müssen eine breite Kampagne für die revolutionär-sportliche Betätigung unserer Jugend entfalten! Warum organisieren wir keine Geländespiele und Ausmärsche für unsere junge Mitgliedschaft? Im Kampfe gegen Versailles, gegen Chauvinismus und Nationalismus, im Kampfe gegen die von den Nazis und der SPD-Führung erzeugten Stimmungen müssen wir die Kampfenergien der werktätigen Jugend in die Bahnen des proletarischen Internationalismus lenken.

Warum knüpfen wir nicht an an die romantisch-revolutionären Stimmungen breiter Schichten von Jungarbeitern? Warum sind wir so trocken und nüchtern in unserer Arbeit? Mehr Lebendigkeit, mehr Begeisterung, mehr Schwung, mehr Bewegung, mehr Leidenschaft gehört in unsere Arbeitsmethoden! Wir müssen Magnete schaffen, um die proletarische Jugend an den KJVD heranzuziehen!

Aber gerade im Kampf gegen den Nationalsozialismus und im Kampfe gegen die chauvinistischen und militaristischen Bestrebungen der SAJ- und Reichsbannerführung müssen wir viel stärker die Frage unseres Kampfes klassenmäßig, klassenbewußt, marxistisch stellen. Ohne diese klassenmäßige, soziale Fragestellung in den Betrieben, an den Stempelstellen, auf den Dörfern und unter den Angestellten ist keine Möglichkeit zur Schaffung einer wirklich revolutionären Einheitsfront vorhanden.

 

 

Feuert durch die Taten der Vorkämpfer des proletarischen Internationalismus die Jugend an

 

Der Nationalsozialismus hat sich auch eines Mittels bedient, seine jugendlichen Anhängermassen zu begeistern: das war die Glorifizierung bestimmter Personen, die man als Helden feierte. Ich frage euch: Warum feiern wir nicht unsere revolutionären Helden? Die Nazis haben zum Beispiel ihren Leo Schlagerer. Warum feiern wir nicht unsere revolutionären Helden, die im Kampfe für die Freiheit gefallen sind?

Warum feiern wir nicht unseren Jugendgenossen Demaré und die anderen vom französischen Imperialismus während der Rhein-Ruhrbesetzung gemeuchelten Jungproletarier? Das Vorbild dieser jungen Kämpfer, der mutige Einsatz ihres Lebens für die Sache des proletarischen Freiheitskampfes, das sind Tatsachen, die jeden Jungkommunisten und Jungproleten begeistern und entflammen können. Hier ist eine große Aufgabe für den Kommunistischen Jugendverband. Hier sind auch große Möglichkeiten vorhanden, den Geist des proletarischen Internationalismus in den Herzen und Hirnen unserer Klassenkämpfer zu verankern.

Unser Jugendverband muß unter den werktätigen Jugendmassen viel breiter die Frage unseres sozialen und nationalen Freiheitskampfes aufrollen. Glaubt ihr nicht, daß wir die jungen Werktätigen mitreißen, wenn wir ihnen sagen: Niemand anders als der Kommunismus wird Deutschland von der Schmach der inneren Knechtschaft und von den Ketten des Versailler Systems befreien? Glaubt ihr nicht, daß wir die werktätige Jugend entflammen werden für uns, wenn wir angesichts der auf Grund der deutsch-französischen und deutsch-polnischen Spannungen wachsenden Kriegsgefahr uns der chauvinistischen und nationalistischen Verhetzung entgegenwerfen und die Jugend zum Kampfe aufrufen, das Joch der Kriegsverbrecher diesseits und jenseits der Grenzen abzuschütteln?

Wir Kommunisten wollen nicht, daß sich diese Jugendgeneration für das Finanzkapital in den Stacheldrahtverhauen und im Geschützfeuer verblutet. Nur für einen Kampf wollen wir diese Jugend gewinnen: für die Befreiung der werktätigen Menschheit!

Anläßlich der zehnjährigen Wiederkehr der Ruhrbesetzung im Januar 1933 will der KJVD eine große Kampagne für die Propagierung unseres nationalen und sozialen Freiheitskampfes und für den revolutionären Antikapitalismus entfalten. In diesem Kampfe gegen die chauvinistische Verhetzung und gegen das Versailler Diktat muß mit größter Leidenschaft der proletarische Internationalismus in den Vordergrund gestellt werden. Die Kampagne des KJVD darf keine vereinsmäßige Jubiläumsangelegenheit sein, sondern muß in Verbindung mit den täglichen Kämpfen und den Massenaktionen der Arbeiterschaft zu einer lebendigen und mitreißenden Offensive gestaltet werden.

Die proletarische Verbrüderung ist ein ernster revolutionärer Faktor. Gerade in diesen Tagen erleben wir, wie in der Schweiz, in Genf, sich die Soldaten mit den Arbeitern verbrüdern und die „Internationale“ singen. Unser Auftreten gemeinsam mit der Führung der KPF in Paris, unsere gemeinsame Proklamation gegen Versailles waren keine Demonstrationen! Nein, es sind wirkliche revolutionäre Beispiele fester, unverbrüchlicher internationaler revolutionärer Zusammenarbeit im Kampfe gegen den Imperialismus, gegen Versailles.

Diese internationale Verbrüderung hat für die Machtkämpfe der deutschen Arbeiterklasse in der Zukunft die allergrößte Bedeutung. Ruft euch einige historische Tatsachen in Erinnerung:

 

 

Ohne soziale keine nationale Befreiung!

 

In den Jahren 1920/21 versuchten 27 weißgardistische Armeen die Macht der Sowjets, die russische Räterepublik zu stürzen. Wir stellen mit Stolz fest, daß sich die Imperialisten an der granitenen Mauer des Bolschewismus den Schädel einrannten und mit blutigen Köpfen heimgeschickt wurden. Aber wir sagen auch: Wären damals in den europäischen Ländern nicht die starken revolutionären Erhebungen, die wuchtigen Klassenzusammenstöße, wären in der ganzen Welt nicht die Angriffe der Unterdrückten gegen den Kapitalismus entbrannt, dann wäre die Verteidigung der Oktoberrevolution bedeutend erschwert gewesen. - Dieses Beispiel zeigt uns, welche grandiose Bedeutung der proletarische Internationalismus gerade für die Machteroberung durch das deutsche Proletariat haben wird.

Wir müssen sehen: In Ostpreußen und auch in Oberschlesien hat die chauvinistische Welle eine besondere Höhe erreicht. Der Chauvinismus und Nationalismus hat unter den dortigen Werktätigen, besonders unter der Jugend einen viel stärkeren Einfluß ausgeübt als im übrigen Deutschland. Das hat unter anderem auch der Ausgang der Wahlen vom 6. November gezeigt: Unsere dortigen Stimmergebnisse sind durchaus unbefriedigend. - Die Wahlen lehren uns, daß wir viel stärker in den Grenzgebieten mit der Waffe des proletarischen Internationalismus unseren Standpunkt zur nationalen Frage in Oberschlesien, in Danzig, am polnischen Korridor usw. aufrollen müssen. Aber immer stellen wir die Fragen in dem Sinne, wie Marx und Engels es uns lehrten: daß nur dann die nationale Befreiung zur Wirklichkeit werden kann, wenn die kapitalistische Ausbeutermacht beseitigt wird, d.h. wenn die soziale Frage durch Sturz der kapitalistischen Herrschaft gelöst wird.

Der Jugendverband muß auf diesem Gebiete unseres großen politischen Kampfes eine viel stärkere spezifische Jugendpolitik betreiben. Er soll nicht abstrakt das nationale und soziale Befreiungsprogramm wiederholen, soll nicht schematisch unsere Deklaration und unser Manifest gegen Versailles wiederholen, - unser Jugendverband muß eine eigene Initiative entwickeln, muß eigene Maßnahmen einleiten, er muß eigene Vorschläge unterbreiten, um gemeinsam mit der Partei spezielle Losungen und Methoden herauszuarbeiten zur Eroberung der Millionenmassen der jungen Werktätigen.

 

 

Revolutionäre Kameradschaftlichkeit im KJVD

 

Die Frage unserer Arbeitsmethoden ist ein entscheidendes Problem, den KJVD aus seiner Isolierung herauszuführen zu einer konkreten revolutionären Massenpolitik, - Ich frage euch: Peinigten wir nicht manchmal im KJVD unsere Jugendgenossen wochen- und monatelang mit langen Debatten über die „Wendung“ zur Massenarbeit und wer weiß sonst noch womit? Fast zwei Jahre lang wurden junge Mitglieder mit „Wendungs“-Debatten gequält. Immerzu wurde „gewendet“, aber es wurde immer verkehrt gewendet, es kam keine Wendung zu den Massen heraus, sondern der KJVD hat hauptsächlich durch die Schuld seiner bisherigen Führung den Massen den Rücken zugewendet.

Man soll nicht so viel reden von „Wendung“, sondern soll konkrete und neue Methoden in unserer Massenarbeit aufzeigen, soll durch die Praxis Tatsachen schaffen. Nur dadurch hebt man auch das politische Niveau und die revolutionäre Lebendigkeit unseres innerverbandlichen Lebens.

In unsere Verbandsarbeit gehört mehr revolutionäre Kameradschaftlichkeit! Der Kommandoton hat zu verschwinden, der KJV ist kein Kasernenhof. Die kleinsten und auch die geringsten Ansätze von Bürokratismus müssen rücksichtslos ausgerottet werden.

Genossen, habe ich recht, wenn ich zum Beispiel feststelle, daß mancher leitende Funktionär bereits großspurig und hocherhobenen Hauptes mit einer Mappe unter dem Arm in die Zellen oder Funktionärsitzungen kommt und abstrakt und kommandomäßig die Beschlüsse und Anweisungen bekanntgibt, anstatt die Psyche der Jugendgenossen und -genossinnen zu studieren, anstatt kameradschaftlich und kollektiv darüber zu diskutieren, Wo die proletarische Jugend der Schuh drückt, anstatt zu überlegen, wie wir den Jungarbeitern und  arbeiterinnen in ihrem Kampf um materielle Vorteile helfen können und wie wir sie erziehen können für den großen Revolutionären Klassenkampf, für den Sozialismus?

Die vielfach noch übliche trockene und eintönige Sprache, das unpersönliche, leidenschaftslose, weltfremde Diskutieren muß verschwinden. Jeder, der hier keine Änderung unserer Methoden anerstrebt, weil er schon an politischer Arterienverkalkung erkrankt ist, muß eben von seinen Funktionen entfernt werden. Jugendgenossen, macht es euch zur Aufgabe: Vom einfachsten Mitglied herauf bis zum höchsten Funktionär muß jeder Jungkommunist seine Tätigkeit im Kommunistischen Jugendverband auffassen als revolutionären Soldatendienst, als disziplinierte, kameradschaftliche Hilfsbereitschaft, immer bestrebt der Sache der Revolution zu dienen.

 

 

Lenin:

Die Jugend wird den Ausgang des ganzen Kampfes entscheiden

 

Die Jugend hat eine gewaltige Bedeutung für unsere revolutionäre Weltbewegung. Ich will heute an das erinnern was Lenin im Jahre 1905 bereits in einem Brief an Bogdanow schrieb:

„Man braucht junge Kräfte - - - Es gibt eine Unmenge von Leuten, man muß nur weitherziger und kühner, weitherziger und nochmal weitherziger und noch einmal kühner unter der Jugend werben, ohne sie zu fürchten. Es ist Kriegszeit. Die Jugend wird den Ausgang des ganzen Kampfes entscheiden. Laßt die alten Gewohnheiten der Schwerfälligkeit, des Respekts vor der Amtsperson. Gründet aus der Jugend hunderte Zirkel… und spornt sie an, mit aller Kraft zu arbeiten.“

„Man muß“ - so schrieb Lenin weiter - „mit ungeheurer Schnelligkeit alle Leute mit revolutionärer Initiative vereinigen und in Bewegung setzen. Habt keine Angst vor ihrem Unvorbereitetsein, zittert nicht wegen ihrer Unerfahrenheit und Unreife… Entweder überall neue, junge, frische, energische Kampforganisationen für unsere Arbeit, aller Formen, aller Arten und in allen Schichten, oder ihr werdet zugrunde gehen…“

Ihr seht, mit welchem Schwung, mit welcher Leidenschaft Lenin die große Rolle und Bedeutung der Jugend in den Vordergrund stellt. Keine Ängstlichkeit, keine Scheu vor dem Heranziehen unerfahrener, junger Genossen! Davon hängt viel für unsere gesamte Arbeit ab! Auch unsere Parteiarbeit kann nur gefördert werden, wenn frisches, junges Blut in die Adern unserer Partei hineingepumpt wird!

Außer der kommunistischen gibt es keine Bewegung, in der der Jugend ein solcher Platz eingeräumt wird. Das zeigt insbesondere der Aufbau des Sozialismus in der Sowjetunion. - „Die Jugend wird den Ausgang des ganzen Kampfes entscheiden“,sagte Lenin bereits im Jahre 1905. Hämmert das allen unseren Jungkommunisten ein! Geht mit Kühnheit und Energie an die Erfüllung eurer revolutionären Aufgaben heran! Schmiedet solche Kampfarmeen junger revolutionärer Kämpfer, daß der Freiheitskampf der proletarischen Klasse in Deutschland entschieden wird durch den heroischen Einsatz der Armeekorps der jungen Soldaten unserer revolutionären Freiheitsarmee.

 

 

 

II.

Die innerverbandlichen Probleme des KJVD

 

 

Jugendgenossinnen und Jugendgenossen! Ich gehe nun zu den Fragen unseres innerverbandlichen Lebens über. Ich glaube, wenn wir unsere heutige Plenartagung mit den vorausgegangenen Sitzungen unseres Jugend-ZK vergleichen, können wir einen gewaltigen Fortschritt feststellen. Die gesamte Fragestellung und die Diskussion über die politischen Probleme des KJVD sind viel konkreter und positiver, viel kameradschaftlicher, als es auf den früheren Tagungen der Fall war.

Warum konnten nicht früher schon die Probleme so klar und eindeutig gestellt werden? Wir sehen hier die Auswirkungen der parteischädigenden Tätigkeit jener Gruppe Neumann-Müller, die sich besonders den Jugendverband ausersehen hatte, um dort durch ihre zersetzende Tätigkeit den Versuch zu unternehmen, den Jugendverband auf einen der Generallinie der Partei, der Komintern und der Kommunistischen Jugendinternationale entgegengesetzten Weg zu führen. Die Bestrebungen der Neumann-Müller und Genossen gingen dahin, das notwendige bolschewistische Verhältnis zwischen Partei und Jugendverband in ihr Gegenteil umzukehren. Das führte zu jener Politik, an der der Jugendverband krankte, und die zu einer sektiererischen Abgeschlossenheit, zu einem Unvermögen führte, die Aufgaben des KJVD zu erfüllen.

 

 

Aus der Geschichte der kommunistischen Jugend

 

Wir müssen die Geschichte der revolutionären Jugendbewegung betrachten, welche gewaltige Rolle die revolutionäre Jugend in der Vergangenheit bereits gespielt hat.

Zur Zeit des Weltkrieges sammelte sich eine mutige, proletarische Jugendschar um Karl Liebknecht. Sie ging den später eintretenden geschichtlichen Tatsachen voran. Die Demonstration am 1. Mai 1916 in Berlin, der Munitionsarbeiterstreik 1918, die verschiedenen revolutionären Jugendkonferenzen, die heroischen Kämpfe der Braunschweiger Jugend - das alles waren äußerst bedeutsame revolutionäre Kampfaktionen, an denen das revolutionäre Jungproletariat entscheidenden Anteil hatte, und die für die Situation vom November 1918 von allergrößter Bedeutung waren.

Ein zweites Beispiel: Nach der Niederschlagung der deutschen Arbeiter im Jahre 1920 und nach der Märzaktion von 1921 hatten wir in der Partei eine tiefgehende Depression, die durch die Leviten, durch rechtsopportunistische Verzweiflungsstimmungen genährt wurden. Damals war es das junge Element in der Partei, das unsere Kaders zusammenriß, den Gedanken der Einheit stärkte und gegen die noch stark vorhandene USP-Ideologie ankämpfte. Auch im Kampfe gegen den Brandlerismus hat das junge Element in unserer revolutionären Bewegung seinen Mann gestanden.

Oder nehmen wir ein drittes Beispiel: Während der Ruth-Fischer-Periode hat der Jugendverband mutig gegen die opportunistische „Volksblock“-Theorie angekämpft. Der KJVD war der erste, der in der Linie der Komintern gegen diese Politik und gegen das ultralinke Sektierertum auftrat.

Nachdem im Jahre 1928 der KJVD beim Kampf der Rechten und Versöhnler gegen die Generallinie der Partei und gegen die Beschlüsse des 6. Weltkongresses bereits ernste Schwankungen zu verzeichnen hatte,

muß heute mit um so größerer Schärfe festgestellt werden, daß der Kommunistische Jugendverband Deutschlands in der letzten Zeit durch seine bisherige Führung in falsche Bahnen gelenkt wurde und in seiner gesamten Politik ernste Unterlassungen begangen hat.

 

 

Das bolschewistische Prinzip des Verhältnisses zwischen KJVD und Partei

 

Die Beschlüsse des 12. Plenums zwingen uns gerade, im KJVD diese Fragen mit besonderem Ernst und mit besonderer Eindringlichkeit zu stellen.

Ich sage euch: die Versäumnisse und Fehler des KJVD wären nicht entstanden, wenn das notwendige, starke, feste, revolutionäre Vertrauensverhältnis zwischen Partei und Jugendverband vorhanden gewesen wäre. Ich will in diesem Zusammenhang an das erinnern, was der Genosse Stalin über das Verhältnis zwischen Partei und Jugendverband in seiner Erwiderung an die „Komsomolskaja Prawda“ auf eine entsprechende Anfrage der Redaktion dieses Jugendblattes geschrieben hat. Es heißt dort unter anderem:

„Aber daraus folgt, daß der Kommunistische Jugendverband diese seine allgemeine Aufgabe nur in dem Falle erfüllen kann, wenn er sich bei seiner ganzen Arbeit von den Direktiven leiten läßt, die von der Kommunistischen Internationale und der Kommunistischen Partei gegeben werden.“

Hier sehen wir also, wie Genosse Stalin, der beste Schüler Lenins, die Frage des Verhältnisses von Partei und Jugend stellt. Die unverbrüchliche Einheit, die absolute Übereinstimmung zwischen Partei und Jugendverband in allen politischen und taktischen Fragen, bei absoluter Berücksichtigung und weitgehendster Förderung des Eigenlebens des Jugendverbandes - das sind die unbedingten Voraussetzungen einer erfolgreichen Massenpolitik des KJV.

Stalin fordert in seiner Antwort die Schaffung besonderer Jugendkaders im Kommunistischen Jugendverband, die durch ihre unverbrüchliche, revolutionäre Zusammenarbeit mit der Partei die Garantien geben müssen, „die Jugend im Geiste des Vertrauens zur Kommunistischen Partei zu erziehen“. (Stalin)

Diese Stellungnahme Stalins, geboren aus der tiefen leninistischen Problemstellung, muß darum vor der heutigen Plenarsitzung des Zentralkomitees des Jugendverbandes so scharf gestellt werden, weil in der letzten Entwicklung des KJVD nicht dieses bolschewistische Verhältnis des Vertrauens und der Übereinstimmung des Jugendverbandes mit der Partei vorhanden war. Es müssen gesagt werden:

 

Die unbolschewistischen Auffassungen der Gruppe Neumann-Müller

 

Das Verhältnis, das bis vor wenigen Monaten bestand, war ein anormales Verhältnis. Die Gruppe Neumann-Müller hat parteifeindliche Tendenzen und unbolschewistische Auffassungen in den Jugendverband hineingetragen. Sie waren aber zum größten Teil nur im ZK des KJVD, im zentralen Jugendbüro, aber kaum und fast überhaupt nicht in den Bezirksorganisationen vorhanden. Der gesunde Instinkt der Jungkommunisten in den unteren Organisationen verhinderte bereits zu einem großen Teil das Weiterumsichgreifen solcher schädlichen Tendenzen.

Trotzdem hat diese Politik der bisherigen Jugendführung dazu geführt, die gewaltigen revolutionären Aufgaben des KJVD in der unverantwortlichsten Weise zu vernachlässigen. - Hier liegen wichtige Ursachen für die sektiererischen Abweichungen, die man nicht korrigieren kann, wenn man statt einer helfenden Selbstkritik eine desorganisierende Kritik, eine Methode des Gegeneinanderausspielens, eine Cliquen- und Gruppenpolitik einreißen läßt.

Das Bestreben der Neumann-Müller-Gruppe ging dahin, die Parteiführung zu diskreditieren, die Linie des Jugendverbandes derjenigen der Partei gegenüberzustellen und eine Atmosphäre des Mißtrauens zu schaffen. Bei dieser grundsätzlichen Frage des Verhältnisses des Jugendverbandes zur Partei zeigte sich der ganze unbolschewistische Charakter der Gruppe Müller-Neumann!

Der Jugendverband muß lernen von der Partei, weil die Partei über viel größere Erfahrungen verfügt, und weil letztere dem KJV helfen kann bei der Durchführung seiner Generallinie und bei der Konkretisierung seiner Aufgaben. Dabei wollen wir nicht verhehlen, daß die Partei auch manchmal vom Jugendverband lernen kann.

Aber wenn man eine Kampfesstellung gegen die Partei heraufbeschwört, dann müssen die Fragen unserer Massenpolitik konsequenterweise auf das sträflichste vernachlässigt werden, dann muß jenes Zurückbleiben des KJVD hinter der Partei und hinter den objektiven revolutionären Möglichkeiten eintreten, wie es in der Vergangenheit der Fall gewesen ist.

 

 

Das Verhältnis des KJVD zur Kommunistischen Jugend-Internationale

 

Ein zweites ernstes Problem ist das Verhältnis des Kommunistischen Jugendverbandes zur Kommunistischen Jugendinternationale. Man muß es vergleichen mit dem Verhältnis der Partei zur Komintern. Ihr wißt, daß durch die geschichtliche Entwicklung unserer Parteiorganisation die KPD auf das engste verbunden ist mit der Komintern. Ihr wißt, es ist eine Selbstverständlichkeit, daß unsere russische Bruderpartei die führende Partei der Komintern darstellt, und daß die deutsche Partei als die stärkste KP unter den Parteien in den kapitalistischen Ländern auf das engste verwachsen ist und in einem unverbrüchlichen Treueverhältnis steht zur Kommunistischen Internationale, mit ihrer Generallinie und Generalpolitik auf das engste verbunden ist mit ihrer Führung, mit dem Genossen Stalin an der Spitze.

Dieses Vertrauensverhältnis, das im Laufe der historischen Entwicklung unserer Partei entstand, das der deutschen Partei in ihrer Vergangenheit half, eine Reihe von Abweichungen und Fehlern durch die Hilfe der Komintern zu überwinden, dieses Verhältnis hat zu einer besonders engen Verbundenheit zu unserer russischen Bruderpartei und zu ihrer Führung geführt.

Wie aber war das Verhältnis zwischen KJVD und Kommunistischer Jugendinternationale? Durch die Politik der Gruppe Neumann-Müller wurde eine Entfremdung und eine wachsende Differenzierung zwischen beiden geschaffen. - So, wie die Komintern die Führerin der KPD darstellt, so ist natürlich die KJI die Führerin des KJVD. Das ist für jeden jungen Kommunisten eigentlich selbstverständlich.

Wie aber stellt die Gruppe Neumann-Müller die Frage?

Diese Gruppe phantasierte über das Problem: Wer soll der Führer der KJI werden? Man formulierte, der russische Jugendverband habe keine Erfahrungen in der Massenpolitik zur Gewinnung der werktätigen Jugend in den kapitalistischen Ländern. Und darum hatten diese Leute die traurige und zugleich lächerliche Illusion, die Führung der KJI zu erobern. Sie wollten dem millionenstarken leninistischen Kommunistischen Jugendverband der Sowjetunion, der auf das engste mit der bolschewistischen Partei der UdSSR unter Führung des Genossen Stalin zusammenarbeitet, die Führung streitig machen.

Diese Bestrebungen verfolgte schon der Trotzkismus und der Brandlerismus. Beide haben schon vor Jahren, als sich diese Konterrevolutionäre und Opportunisten noch in unseren Reihen befanden, eine breite Propaganda in der Linie einer komintern- und KJI-feindlichen Politik und in der Linie einer antirussischen Einstellung entfaltet. Die gleichen Bestrebungen verfolgten die Müller u. Co. in der KJI, denen es bereits gelungen war, eine ganze Anzahl von Mitgliedern der deutschen Jugenddelegation bei der KJI und der deutschen Schüler auf der Lenin-Schule für ihre Partei-, komintern- und KJI-feindliche Politik zu gewinnen.

Der leninistische, kommunistische Jugendverband der UdSSR hat unter Führung des Genossen Tschemodanow großes und gewaltiges geleistet und sich ungeheure Verdienste für die Politik der Kommunistischen Jugendinternationale erworben. - Wir fragen euch: Habt ihr auch solche Kräfte im deutschen Jugendverband, wie den Genossen Tschemodanow, der, wenn er nicht so krank wäre, noch hervorragenderes für die Sache der Revolution leisten würde? Die Tatsache aber, daß die Müller-Gruppe im KJVD gerade gegen ihn und gegen die deutsche Parteiführung eine unerhörte Offensive eröffnete, zeigt den ganzen unbolschewistischen Charakter dieser Gruppierung.

Wir stellen gerade darum auf unserer heutigen Plenartagung diese Fragen so scharf, weil wir eine internationale Kampfgemeinschaft sind, weil die große Gefahr eines drohenden Weltkrieges die höchste revolutionäre Disziplin, die konsequente Anerkennung und Durchführung der Generallinie der KJI erfordert. Wir würden angesichts der wachsenden Gewaltmethoden der Bourgeoisie gegen die kommunistische Bewegung ungeheure Überraschungen erleben, würden wir nicht als Glieder einer internationalen revolutionären Kampfesorganisation diese Fragen so grundsätzlich und prinzipiell vor der gesamten Mitgliedschaft aufrollen.

Selbstverständlich bedeutet diese prinzipielle Fragestellung nicht, daß angesichts der Fülle der vor uns stehenden Aufgaben nicht auch taktische Meinungsverschiedenheiten auftreten können. Warum nicht? Selbstverständlich können manchmal Meinungsverschiedenheiten darüber vorhanden sein, wie die Generallinie der Komintern und KJI konkretisiert und ihre Durchführung verbessert werden kann. Darüber werden wir immer diskutieren.

Aber wer daran geht, an den Grundprinzipien des Bolschewismus zu rütteln, die Durchführung der in unseren internationalen Konferenzen festgelegten Beschlüsse zu sabotieren, wer die Entwicklung unserer Bewegung hemmt und ihr Steine in den Weg legt, der muß die ganze Strenge und Unversöhnlichkeit unserer Partei zu spüren bekommen. Wir sagen auch: Wenn die Partei nicht so stark wäre, wenn sie etwa diese Leute furchten müßte, dann hätten es die Fraktionsmacher und parteizersetzenden Gruppenpolitiker erlebt, aus der Partei ausgeschlossen zu werden. Ihr wißt, daß der Parteigenosse Bertram bereits durch den Beschluß der Polit-Kommission des EKKI und der deutschen Partei aus der Partei entfernt wurde, weil er in besonders provokatorischer Weise eine überlegte, desorganisierende, fraktionelle und gruppenmäßige Arbeit entfaltet hat. Wir haben diese Maßnahmen natürlich nicht bei allen Genossen dieser Gruppe angewandt, wir wenden eine differenzierte Taktik an und wollen solche Genossen, die ehrlich gewillt sind, ihre Fehler durch praktische Arbeit wieder gutzumachen, die geheilt sind von ihre organisationsschädigenden Gruppen- und prinzipienlosen Fraktionskämpfen assimilieren und ihnen den Weg zu einer bolschewistischen Massenarbeit nicht versperren.

 

Die politischen Differenzen der Gruppe Neumann-Müller

Welche politischen Differenzen bestanden zwischen der deutschen Parteiführung, der Komintern und KJI einerseits und der Gruppe Neumann-Miller andererseits?

Ich will vorweg bemerken, daß es sich bei diesen Differenzen um sehr ernste politische Meinungsverschiedenheiten handelt. Es ist bezeichnend, daß die Neumann-Müller-Leute bewußt vor allem im Jugendverband die Meinung verbreiteten, als handele es sich bei diesen fragen um persönliche Differenzen zwischen den Genossen Thälmann und Neumann.

Das ist eine alte Taktik, die in der Vergangenheit angewandt wurde. Jedesmal z.B., wenn in der russischen Partei irgendwelche Differenzfragen auftauchten, und eine parteifeindliche Oppositionsgruppe auf den Plan trat, behauptete diese Gruppe zunächst, es handele sich um persönliche Differenzen mit dem Genossen Stalin. Man wandte sich u.a. gegen die angebliche „persönliche Diktatur Stalins“.

Natürlich kann es Situationen geben, in denen vorübergehend Zuspitzungen zwischen einzelnen Genossen eintreten können. Wenn aber solch gravierende politische Tatsachen vorhanden sind, wie z.B. in der Auseinandersetzung mit den Genossen Neumann und Müller, wenn seitens dieser Gruppe eine unerhörte Entfremdung gegenüber der Partei, eine KJI-feindliche Linie entwickelt wurde, dann liegen die Dinge doch sehr ernst und zeigen den verwerflichen Charakter einer solchen Gruppierung.

Ich will zu einigen solcher politischen Differenzpunkte übergehen:

a) in der Einschätzung des Faschismus

Als zum ersten Male im Dezember 1930 Brüning mit seiner Notverordnung mit verschärften faschistischen Methoden gegen das Proletariat vorstieß, erklärte Genosse Neumann: „Die faschistische Diktatur ist da!“ - Das war eine absolut falsche Charakterisierung der Lage. Eine solche Einschätzung führt u.a. zur Unterschätzung von Teilkämpfen. Sie hindert uns in der Charakterisierung weiterer Stadien der verschärften Durchführung der faschistischen Diktatur. Sie führt zu einer Verkennung einer ganzen Reihe wichtiger Faktoren der Faschisierung.

Viel schlimmer noch ist die Auffassung der Genossen der Neumann-Müller-Gruppe, als gehe der Weg zum Sieg der proletarischen Revolution nur über den Weg der faschistischen Diktatur. Das ist eine Theorie, die sehr große Verwandtschaft hat mit der bereits auf dem 6.  Weltkongreß zurückgewiesenen Auffassung des Genossen Bucharin sowie der Rechten und Versöhnler, die den Standpunkt vertraten, daß die proletarische Revolution erst im Verlauf eines imperialistischen Krieges geboren würde. - Bucharin war der Meinung, daß sich nur durch den Prozeß der Verschärfung der Gegensätze der Imperialisten untereinander die Revolution entwickeln werde und siegreich sein könne. Bucharin verkannte völlig die Klassenrolle des Proletariats und die Tatsache, daß sich mit der Verschärfung der äußeren Gegensätze auch die inneren Gegensätze in den kapitalistischen Ländern entwickeln und verschärfen müssen, bei gleichzeitiger Stabilisierung und bei gleichzeitigem Wachstum des sozialistischen Aufbaues in der Sowjetunion.

Die Theorie einer Reihe von Genossen der Neumann-Müller-Gruppe, als sei die faschistische Diktatur die Geburtshelferin der proletarischen Revolution, entspringt einer gefährlichen defätistischen und fatalistischen Stimmung, die auf dem 12. Plenum besonders scharf von den Genossen Manuilski, Kuusinen und Knorin zurückgewiesen wurde. Eine solche Linie des Fatalismus, wie sie von Neumann und Müller vertreten wurde, hinderte insbesondere unseren Jugendverband an der Entfaltung einer breiten Kampfmobilisation gegen die weitere Entfaltung der faschistischen Diktatur.

Äußerst verhängnisvoll für den Jugendverband wurde auch jene Auffassung der Neumann-Müller-Gruppe, wonach der Winter 1931/32 ohne weiteres der „revolutionärste Winter seit 100 Jahren“ werden würde. Leider war dem nicht so. Die Frage wurde von der genannten Gruppe ebenfalls rein fatalistisch gestellt, d.h. ohne die Rolle der Partei und des Jugendverbandes aufzuzeigen, wurde prophetisch behauptet, der Winter würde von sich aus zu revolutionären Zusammenstößen führen. - Wie verhängnisvoll sich diese Auffassung auswirkte, zeigte sich insbesondere bei der Notverordnung im Dezember/Januar. Wir sahen dort nicht jenen Massenwiderstand, wie wir ihn z.B. bei der Papenschen Notverordnung von Mitte September 1932. Im Gegenteil: der von Brüning damals diktierte Lohnraub konnte in den meisten Fällen durchgeführt werden.

Wenn man, wie Neumann und Müller, so phlegmatisch und unverantwortlich, ohne die Frage der Teilaktionen und der breiten Massenkampfmobilisation zu stellen, an diese entscheidenden Probleme herangeht, ist es kein Wunder, daß angesichts des Nichteintretens der Prophezeihungen vom „revolutionären Winter“ gewisse Depressionsstimmungen in manchen Schichten unserer Partei und des Jugendverbandes eintreten konnten, daß fernerhin im Frühjahr 1932 gewisse Teile der Erwerbslosen eine revolutionäre Situation herbeizuführen gedachten, indem sie Hitler die Stimme gaben, um auf diesem Wege das „revolutionäre Frühjahr“ herbeizuführen.

Genosse Neumann vertrat auch die falsche Auffassung, daß die strategische Hauptlosung der Partei die der Volksrevolution sei. Das war politisch falsch und widersprach den Beschlüssen des 11. Plenums, die als strategische Hauptaufgabe der deutschen Partei und dem deutschen Jugendverband die Aufgabe der Eroberung der Mehrheit der Arbeiterklasse stellten. - Die falsche Konzeption des Genossen Neumann basierte ebenfalls auf einer irrigen Auffassung, die auch im Jugendverband durch die Politik der Genossen Müller, Hiller usw. vertreten wurde, wonach die entscheidenden Schichten des Proletariats bereits erobert seien und man bereits auf Grund dieser Tatsache als strategische Hauptaufgabe die der Volksrevolution stellen könne.

Hiermit in Verbindung steht eine falsche Einschätzung der Neumann-Müller-Gruppe, die darin ihren Ausdruck fand, daß man bereits von einer „Krise der SPD“ sprach, und die sich besonders beim Genossen Neumann in der Auffassung ausdrückte, als hätte bereits im Sommer des vergangenen Jahres die nationalsozialistische Bewegung ihren Höhepunkt überschritten. Die Präsidentschaftswahlen im März/April 1932 bewiesen besonders anschaulich die Unrichtigkeit dieser Einschätzung. Diese irrige Einschätzung führte denn auch zu falschen taktischen Maßnahmen, durch die der Jugendverband gehindert wurde, eine erfolgreiche Politik zur Eroberung der vom Faschismus beeinflußten Massen der Jungwerktätigen zu führen.

Ein besonderes Steckenpferd in dem ganzen Netz der politischen Abweichungen der Gruppe Neumann-Müller war die Frage des „Systemwechsels“. Man versteifte sich darauf, zu behaupten, die Konstituierung der Papen-Diktatur bedeute einen „Systemwechsel“. Die genannte Gruppe führte als „Beweis“ ein Zitat von Lenin an, wo vom Systemwechsel gesprochen wurde. Lenin meint in diesem Zusammenhang aber den Wechsel der Methode. - Nach unserer marxistisch-leninistischen Auffassung gibt es nur zwei Systeme in der heutigen Gesellschaft: das kapitalistische und das sozialistische System.

Ob die Bourgeoisie mit bürgerlich-demokratischen oder mit faschistischen Herrschaftsformen regiert, ob sich die Diktatur des Finanzkapitals mit „demokratischem“ Plunder umhängt, oder ob der faschistische Charakter dieser Diktatur offen zutage tritt: der Klasseninhalt einer solchen Regierung bleibt derselbe: es ist eine Diktatur des Finanzkapitals. Nur die Methoden verändern sich.

Die Genossen, die beim Sturz der Brüning-Regierung und bei der Einsetzung der Papen-Regierung vom „Systemwechsel“ sprachen, kamen mit ihrer Auffassung ganz in die Nähe der sozialdemokratischen Ideologie. Gerade die Sozialdemokratie redete anläßlich der Papen-Diktatur vom „Systemwechsel“, um ihre Tolerierungspolitik zu Gunsten der Brüning-Diktatur zu verteidigen. Und wenn in der „Jungen Garde“ der Genosse Helmuth Remmele die gleiche Konfusion vom „Systemwechsel“ vertrat, dann weiß man, von wem er befruchtet wurde, und dann sehen wir, welche gefährliche Situation besonders im Jugendverband bereits durch die schädliche Gruppenarbeit dieser Leute entstanden war.

b) in der Einschätzung der Sozialdemokratie und des sozialdemokratischen Einflusses unter der Jugend

Die Tätigkeit der sich fraktionell betätigenden Gruppe um den Genossen Kurt Müller zeichnet sich insbesondere auch durch Schematismus und Bürokratismus aus. Als die Partei sehr richtig die Frage der Liquidierung des Masseneinflusses der Sozialdemokratie stellte, fabrizierte die genannte Gruppe daraus die Losung: „Liquidierung der SAJ als Massenorganisation“.

Diese Genossen sahen also nur die 50000 Mitglieder der SAJ und nicht die großen Massen der von der Sozialdemokratie, den reformistischen Sport- und Gewerkschaftsverbänden beeinflußten Jugendlichen. Sie sahen nicht die Notwendigkeit einer ernsten breiten Oppositionsarbeit innerhalb der Jugendsektionen des ADGB. - Das führte zu einer ideologischen Abkapselung und zu einer ernsten politischen Isolierung des Jugendverbandes.

Eine außerordentlich ernste Angelegenheit ist die Tatsache des Eindringens des Trotzkismus an einigen Stellen unseres Jugendverbandes. Der Fall des Genossen Oschi ist kein Einzelfall. Oschi war eben nur der Hase, der von den anderen erlegt wurde, die eine ähnliche Politik weiter betrieben. Er mußte dran glauben, indem man ihn politisch absägte. Aber die politische Orientierung, von der Genosse Oschi ausging, war nach wie vor auch noch bei einer Reihe anderer Genossen vorhanden gewesen.

c) Diskreditierung der Führung der Partei

Daß trotzkistische Tendenzen besonders auch bei der Neumann-Müller-Gruppe auftraten, werden viele Jugendgenossen noch nicht wissen. - Wir haben nicht nur die Tatsache, daß der Genosse Müller mit seinen Leuten im Jugendverband eine KJI-feindliche Stimmung schuf, daß er die Frage der Führung der KJI im trotzkistischen Sinne stellte, daß er mit völligem Unverständnis einer bolschewistischen Selbstkritik gegenüberstand, - nein: neben einer spießerhaften Überheblichkeit und unverantwortlichen Schönfärberei sehen wir bei dieser Gruppe eine systematisch angelegte Politik der Diskreditierung des Zentralkomitees der Partei und besonders des Genossen Thälmann. Im fraktionellen Sumpf der Neumann-Müller-Gruppe wurde jede Gelegenheit zur Herabsetzung der Autorität der Parteiführung benutzt.

Mitglieder der Gruppe, vor allem Genossen der deutschen Delegation bei der KJI, waren sogar auf ein solches Niveau herabgesunken, die Zeitungen und literarischen Erzeugnisse der Trotzkisten, Brandleristen und sonstiger Renegatengrüppchen, in denen die Parteiführung beschimpft, verleumdet und diskreditiert wurde, nicht mehr mit kritischen Augen, nicht mehr mit den Augen unversöhnlicher Feinde des konterrevolutionären Trotzkismus anzusehen! Nein, diese Genossen gingen von Mann zu Mann, tuschelten sich freudig bewegt die „neuesten Neuigkeiten“ des Konterrevolutionärs Trotzki in die Ohren und führten keinen Kampf mehr gegen die schurkischen Verleumdungen der Trotzkisten, sondern standen in einer Front mit ihnen, wenn es galt, die deutsche Parteiführung herunterzureißen und die von der Generallinie der Komintern abweichende Linie ihrer Gruppe zu entwickeln.

Das alles mußte natürlich bestimmte Auswirkungen auch für die Arbeit des Jugendverbandes haben. Das mußte das Vertrauen mancher Jugendfunktionäre zur Partei hemmen und untergraben. Ihr seht, wie weit die Dinge schon gediehen waren, und daß es höchste Zeit war, zuzugreifen, um diese Gruppe unschädlich zu machen.

Es entsteht nun die berechtigte Frage: Warum unterlag fast das gesamte Jugendbüro des ZK der falschen politischen Auffassung der Gruppe Neumann-Müller? Bei uns in der Partei lag die Sache umgekehrt: dort versuchten hin und wieder einige Genossen, eine falsche Auffassung in die kollektive Führung hineinzutragen. Im Jugendverband aber war in der Führung bereits ein fester Kern vorhanden, der der Parteiführung in manchen Dingen schon nicht mehr nur fremd, sondern in vielen Punkten sogar feindlich gegenüberstand.

Das alles konnte nur eintreten, weil keine Klarheit vorhanden war über die bolschewistischen Grundprinzipien des Verhältnisses zwischen Partei und Jugendverband, weil die größte politische Unkenntnis über die Rolle des KJVD herrschte und weil allgemein das politische Niveau, gemessen an den Anforderungen noch äußerst mangelhaft war.

Die Führung der Partei und des Jugendverbandes kann nicht nur allein wachsen mit den Massen und mit der objektiven Entwicklung, sondern - und das trifft besonders für den KJV zu - es muß bei den Genossen der Führung eine gründliche Kollektiverziehung und eine gründliche bolschewistische Selbsterziehung entwickelt werden. Wer nicht versucht, die politischen Ereignisse, insbesondere die Strategie und Taktik des Klassenkampfes zu überprüfen und die gefaßten Beschlüsse der Komintern und Partei zu studieren, um der Organisation zu helfen, vorwärts zu marschieren, um sich selbst zu entwickeln und zu erziehen, - der wird mit der Entwicklung der Organisation und mit den Anforderungen, die an ihn gestellt werden, nicht Schritt halten können!

Wir müssen feststellen, daß durch den Gruppen- und Cliquenkampf, der in die Spitze des deutschen Jugendverbandes hineingetragen wurde, eine gewisse theoretische Verlotterung, eine Oberflächlichkeit und Leichtfertigkeit bei mancher politischer Problemstellung eingerissen war. Gute Funktionäre wurden verdorben. Genossen, die eine gute Tradition im Jugendverband hinter sich hatten, wurden in den Morast des prinzipiellen Gruppenkampfes hineingezerrt und in ihrer Entwicklung gehemmt.

Die hinter uns liegende Phase der Entwicklung des Jugendverbandes lehrt uns, daß wir das theoretische Monopol nicht ein oder zwei Leuten oder par einem Klub von „Kranzbindern“ überlassen dürfen, die mit dem Arbeiterleben nicht verbunden sind. Die theoretische Arbeit ist eine (Angelegenheit der gesamten Führung und der Gesamtorganisation. Jede Führung muß verstehen, die qualifiziertesten Kräfte zu entwickeln und zu Verantwortungsvollen Arbeiten heranzuziehen. Eine solche richtige Politik der Entwicklung neuer Kräfte wurde natürlich von den Genossen der Neumann-Müller-Gruppe auf das entschiedenste bekämpft.

d) Ablehnung der Selbstkritik, familienhaftes Spießertum

Bei den Genossen dieser Gruppe hatte sich ein kleinbürgerliches, familienhaftes Spießertum entwickelt. Dieses Spießertum zeigte sich bereits auf dem Februarplenum des Zentralkomitees unserer Partei. Bekanntlich erschienen in der letzten Zeit zwei Bücher, die nicht ganz einwandfrei waren und große Fehler enthielten. Das ist einmal die Broschüre des Genossen Langner über den politischen Massenstreik und zum zweiten das Buch des Genossen David über den Bankrott des Reformismus. - Wenn wir als Parteiführung bei solchen literarischen Erzeugnissen von dem bolschewistischen Standpunkt ausgehen, jede theoretische Arbeit mit dem Höchstmaß an leninistischer Kritik zu messen, wenn wir gewillt sind, der Parteimitgliedschaft einwandfreie literarische Arbeiten zu ihrer Selbstschulung zu geben, dann stellen wir nicht die Frage der menschlichen oder gesellschaftlichen Verbindungen mit den Autoren solcher Bücher, sondern wir stellen die Frage der politischbolschewistischen Verantwortung für die Gesamtpartei.

Welche Stellung aber nahm die Gruppe um den Genossen Neumann ein?

Genosse Langner wurde von ihnen verteidigt, weil man sich in familienhaftem Spießertum mit ihm verbunden fühlte. Genosse David wurde von ihnen nicht verteidigt, obwohl die Fehler des Genossen Langner ebenso zu verurteilen waren, wie die des Genossen David. In der Arbeit des Genossen Langner sahen wir stellenweise eine gefährliche ideologische Annäherung an den Trotzkismus. Solche Fragen wären es wert gewesen, im Zentralkomitee behandelt zu werden. Aber die Genossen um Neumann herum waren gegen eine Behandlung solcher Fragen. Wegen dieser und ähnlicher Fragen entstand ein regelrechter Kampf im Zentralkomitee.

Mancher Genosse stellt die Frage, warum nicht schon früher innerhalb der Partei und des Jugendverbandes vor der gesamten Mitgliedschaft mit dem Kampf gegen die Gruppe der Neumann, Müller und Co. begonnen wurde. Darauf ist zu antworten: Es kann in der Entwicklung unserer Partei Situationen geben, in denen die Einheit der Führung unter allen Umständen gewahrt bleiben muß und auch der Austragung politischer Differenzen übergeordnet sein muß. Der Zeitpunkt für den Beginn der offenen Auseinandersetzungen mit falschen politischen Auffassungen hängt vielfach davon ab, was die Bourgeoisie im Kampfe gegen unsere Partei vor hat. Wir sind nicht so dumm, der Bourgeoisie in zugespitzten Situationen die Chance eines innerparteilichen Kampfes zu bieten. Wir rollen die Fragen erst dann innerhalb der Partei oder des KJV auf, wenn wir die Garantie haben, daß die Gesamtpartei bzw. der Gesamtjugendverband diese Auseinandersetzungen ertragen kann, ohne Schaden zu erleiden. Dazu gehört natürlich bolschewistische Stärke, dazu gehört Weitblick und ein bolschewistisches Rückgrat.

Ich will nun einiges zu den „Erklärungen“ sagen, die hier von den verschiedensten Genossen der Gruppe des Genossen Müller abgegeben wurden. Im allgemeinen - mit ganz wenigen Ausnahmen - kann man dazu nur sagen, daß es sich bei all diesen Erklärungen um nichts weiter als die stille Fortsetzung der falschen Politik der Vergangenheit handelt.

Das interessante an der heutigen Sitzung des ZK des KJV ist u.a. folgende Tatsache: Es fehlt der Genosse Hiller, der bisherige Verbandsvorsitzende, es fehlt der Genosse Helmuth Remmele; es fehlt der Genosse Voß, der frühere Leiter der Berliner Organisation; es fehlt die Genossin Anni und es fehlt auch der Genosse Fischer, dieser große „Held“. Ich frage euch, Genossen: Ist es ein Zufall, daß alle diese fünf Mitglieder des bisherigen Jugendbüros, daß diese Hauptvertreter der Neumann-Müller-Gruppe heute auf dieser so außerordentlich ernsten Tagung nicht erschienen sind? Wir dürfen diese Frage nicht leicht nehmen! Ich sage ganz offen: Das Fehlen dieser fünf Genossen ist nicht nur eine Fortsetzung ihres kleinbürgerlich familienhaften Spießertums, nicht nur eine Fortsetzung der falschen Politik, sondern es ist eine Provokation des Zentralkomitees.

Besonders schlimm ist die Lage beim Genossen Hiller. Er war Generalsekretär des KJVD und müßte sich heute hier verantworten. Solche Entschuldigungen, daß er krank ist, zugleich aber auf der Straße gesehen wird, gelten nicht für uns. Er diskreditiert dadurch sogar seine eigene Gruppe. - Hier wurde von einem Genossen verlangt, man solle Hiller aus dem KJVD ausschließen. Dazu möchte ich bemerken: es besteht ein Beschluß der Komintern, wonach der Genosse Hiller als Generalsekretär des KJVD abberufen und der Partei zur Verfügung gestellt wird. Die Partei wird also über die weiteren Funktionen und die weitere Tätigkeit bzw. über seine Zugehörigkeit zur Parteiorganisation entscheiden.

Der KJVD gibt mit der Liquidierung der Gruppe Neumann-Müller-Helmuth Remmele usw. im Jugendverband ein ganzes Dutzend von Funktionären an die Partei ab. Vor ihnen ist uns nicht bange! Wir glauben aber, daß kein Jungkommunist stolz sein wird auf diese Genossen, die auf diese Art der Partei übergeben werden. Wir können natürlich dieses ganze Dutzend nicht einfach im politischen Morast versinken lassen. Wir können und dürfen nicht sofort die Frage des Ausschlusses stellen. Natürlich genügen uns solche „Erklärungen“, wie sie hier abgegeben wurden, nicht.

Hier steht die Frage der politischen Erziehung, der ehrlichen Korrektur ihrer bisherigen Auffassungen durch die in Frage kommenden Genossen. - Und bei der Erfüllung der entsprechenden Voraussetzungen werden wir die Frage der Assimilierung stellen. - Genosse Reuter, den ich bereits seinerzeit im Jugendbüro sprechen hörte, hat gegenüber seiner damaligen Rede heute bereits einen großen politischen Fortschritt gemacht! Genosse Reuter sagt, er sei gewillt, seine noch vorhandenen falschen Auffassungen in der Praxis durch die Parteiarbeit zu beseitigen und sich bedingungslos für die Durchführung der Beschlüsse der Komintern und der Reichsparteikonferenz einzusetzen. Ich glaube, wir können ihm Glauben schenken und müssen bei ihm die Frage anders stellen wie beim Genossen Hiller. - Allen Genossen aber, die sich an der gruppenmäßigen und fraktionellen Tätigkeit der Leute um Neumann, Helmuth Remmele, Müller usw. beteiligt haben, sei gesagt, daß die Partei und auch die Jugendführung bei Fortsetzung der Politik der gruppenmäßigen und der Zersetzungsarbeit irgendwelcher Genossen mit bolschewistischer Strenge und Schärfe durchgreifen wird.

Wir wollen keine Lippenbekenntnisse, wir verlangen keine demütigenden und entehrenden Erklärungen! Wir wollen nur, daß die Genossen, die Fehler begangen haben, mit wirklicher innerer Überzeugung einen Strich unter die Tätigkeit ihrer Vergangenheit setzen und sich ehrlich bemühen, durch die praktische Arbeit ihre Fehler wieder gutzumachen.

Wenn aber der Genosse Bertram z.B. vor diesem ZK sich die Bemerkung erlaubte, er sei nicht hierhergekommen, um zu Gericht zu stehen, dann sagen wir: Dieser Genosse, der sich sehr intensiv an der Gruppenarbeit der Müller, Remmele, Neumann usw. beteiligt hat, hätte alle Ursache, eine ernste selbstkritische Haltung einzunehmen! Natürlich steht er vor dem Jugendverband zu Gericht. Die Grundsätze der Partei und des KJVD verlangen von uns, daß wir wachen über die Tätigkeit unserer führenden Genossen und Funktionäre, daß wir wachen über die Durchführung der richtigen Linie der Partei und der Komintern.

Wenn wir das nicht tun würden, wären wir Feiglinge und würden durch eine versöhnlerische Haltung gegenüber den falschen Auffassungen verhängnisvolle Fehler begehen.

 

Die Liquidierung der Neumann-Müller-Gruppe in Partei und Jugend:
Ein politischer und ideologischer Sieg

 

Wenn wir die Frage des Verhältnisses zwischen Partei und Jugendverband, die Frage der Führung des KJVD durch die Partei heute viel schärfer stellen als in der Vergangenheit, dann bedeutet das zur gleichen Zeit die stärkste Entwicklung des Eigenlebens des Jugendverbandes. Wir wollen kein familienhaftes Spießertum, sondern lebendige, begeisterte Massenarbeit unserer Jungkommunisten!

Die Komintern faßte den Beschluß, den Genossen Thälmann zu verpflichten, die Arbeit des deutschen Jugendverbandes zu kontrollieren und zu unterstützen. Ich sage euch, Genossen: Wir werden unsere ganze Partei mobil machen, wir werden mit allen Polsekretären der Parteibezirke sprechen, wir werden in allen Parteizellen eine Diskussion entfachen und alles tun, den KJVD zu unterstützen, um ihn aus seiner sektiererischen Abgeschlossenheit herauszureißen und ihn zu einer breiten revolutionären Massenorganisation des Jungproletariats zu machen.

Jugendgenossinnen und Jugendgenossen! Mit der Liquidierung der Gruppe um den Genossen Müller im deutschen KJV, mit dem Ausscheiden solcher Genossen aus der Führung der Partei und des Jugendverbandes, die bewußt einen Kurs einschlugen, der Partei Schwierigkeiten zu machen und auf Niederlagen zu warten, um ihre eigenen Positionen zu verbessern, mit der Zerschlagung einer Gruppe, die in der Frage unserer Losungen gegen den ADGB, gegen den Faschismus, in der Frage des Staatskapitalismus und bei wichtigen anderen Problemen einen von der Generallinie der Partei und der KJI abweichenden Standpunkt vertrat, hat die Partei einen großen politischen und ideologischen Sieg errungen.

Die Liquidierung dieser Gruppe im Jugendverband stellt einen großen Erfolg der Komintern, der KJI, der deutschen Partei und des deutschen Jugendverbandes dar. Durch diesen erfolgreichen Abschluß einer innerparteilichen und innerverbandlichen Auseinandersetzung, der nicht zuletzt durch den gesunden Instinkt und durch die Festigkeit unserer unteren Partei- und Jugendkaders erreicht wurde, wurde vor allem die Einheit des Jugendverbandes gesichert und der KJV vor einer Krise bewahrt. Der Jugendverband muß nun alles tun, um den KJV auch wirklich zum besten Helfer der Partei zu machen! Ihr müßt es verstehen, das politisch ideologische Niveau unserer Kaders im Jugendverband zu heben, das marxistisch-leninistische Bewußtsein zu stärken und zu erhärten und den gesamten Verband zu einer höheren revolutionären Reife zu entwickeln. Schult im Feuer des Klassenkampfs neue revolutionäre Kaders der Jugend heran! Holt das in den zwei letzten Jahren Versäumte nach! Mit der Partei zusammen vorwärts für die Eroberung der Mehrheit des Jungproletariats!

 

 

 

III.

Die Hauptaufgaben des KJV

 

 

Nun einiges zu unseren Aufgaben: Das 12. Plenum hat festgestellt, daß in Deutschland im beschleunigten Tempo die Voraussetzungen zur revolutionären Krise heranreifen. Der revolutionäre Aufschwung vollzieht sich in bedeutend schnellerem Tempo als früher.

In den letzten Monaten hat die deutsche Partei drei erfolgreiche große Kampagnen durchgeführt: Die Antifaschistische Aktion, durch die es uns gelang, breite Massen von der sozialfaschistischen Front im Kampfe gegen den Faschismus loszulösen, zu stählen und zu stärken und den faschistischen Terror zurückzuschlagen. Die zweite erfolgreiche Kampagne war unsere Einheitsfrontaktion gegen Hunger, Faschismus und imperialistischen Krieg. Es gelang uns zum ersten Male bei der Papenschen Notverordnung im September d.Js., eine große Welle von Streiks zu entfesseln und zum großen Teil die Durchführung des faschistischen Papen-Programms zu verhindern. - Wir haben eine dritte erfolgreiche Kampagne geführt, die nicht etwa abgeschlossen, sondern ebenso wie der Kampf gegen den Lohnraub bedeutend gesteigert werden muß: Das ist die Aktion des proletarischen Internationalismus gegen das Schmachdiktat von Versailles.

Vor dem Jugendverband stehen heute folgende proletarische Hauptaufgaben:

 

1.

Verteidigung der Lebensrechte der jungen Werktätigen, Entfesselung von Teilkämpfen, Teilstreiks und Massenaktionen des Jungproletariats gegen Lohnraub, Arbeitsdienstpflicht, für die Forderung der Jungerwerbslosen, Entfesselung einer Massenbewegung gegen Hunger und Frost.

 

2.

Massenkampfmobilisation gegen den geplanten Wahlrechtsraub an den 5½ Millionen Jugendlichen, gegen die Durchführung der faschistischen Reichs- und Verfassungs„reform“ gegen das drohende Verbot des Jugendverbandes, der Partei und der revolutionären Massenorganisationen.

 

3.

Verstärkte Durchführung unserer Massenkampagne unter den jungen Werktätigen gegen die imperialistischen Kriegsvorbereitungen, für die Verteidigung der Sowjetunion, gegen die militaristische Aufrüstung und gegen das Versailler System.

Diese drei wichtigen Aufgaben bedürfen natürlich noch einer bestimmten Konkretisierung. Nach unserem Wahlsieg vom 6. November hat die Partei ein großes Einheitsfrontangebot an die sozialdemokratischen, freigewerkschaftlichen und christlichen Arbeiter gemacht. Auch der Jugendverband muß in der Durchführung einer verbesserten Einheitsfrontpolitik viel stärker an die breiten Schichten der gewerkschaftlichen Jugendsektionen, der reformistischen Sportverbände, der Sozialistischen Arbeiterjugend und der Massenorganisationen herankommen, um im Kampfe gegen die neuen Lohnraubangriffe, gegen die verschärfte faschistische Diktatur, gegen den drohenden Wahlrechtsraub eine breite Massenfront des Jungproletariats aufzurichten.

In viel stärkerem Maße muß es uns gelingen, das an manchen Stellen bereits beginnende Abfluten bestimmter Schichten aus dem Lager der Nazijugend zu einer breiten Kampagne für die Gewinnung entscheidender -Teile dieser Schichten auszuwerten.

Das 12. Plenum hat bereits in seinen Beschlüssen festgestellt, daß sich eine beschleunigte Verschärfung der Klassengegensätze und mit der stärkeren Zuspitzung der Gegensätze der kapitalistischen Staaten untereinander der beschleunigte, unaufhaltsame Aufstieg des Sozialismus in der Sowjetunion vollzieht. Deutschland wurde das neben der Sowjetunion die Imperialisten der ganzen Welt am meisten beunruhigende Land genannt. Dadurch, daß Deutschland zu einem Hauptbrandherd neuer imperialistischer Konflikte in Europa geworden ist, dadurch, daß sich in Deutschland weiterhin die Spanne bis zum Eintreten der revolutionären Krise verkürzt, wird der deutsche Jugendverband vor eine besonders große und historisch bedeutungsvolle Verantwortung gestellt.

In der Überwindung seiner Schwächen und seiner sektiererischen Isoliertheit muß die Führung des KJVD dem Gesamtverband vor allem das Problem der Organisierung und Durchführung von Teilkämpfen und Teilaktionen mit dem Ziel der Heranführung der Jungarbeitermassen an größere Massenkämpfe und an den politischen Generalstreik als konkrete Aufgabe stellen.

 

Der KJV an der Spitze des Kampfes für die Tagesinteressen der werktätigen Jugend

 

Den Massen des Jungproletariats muß deutlich vor Augen geführt werden, daß unsere Jungkommunisten mit ihnen und an ihrer Spitze um jeden Pfennig Lohn, um jede wirtschaftliche Verbesserung, um jedes Stück Brot kämpfen, daß sie einen heroischen Kampf führen für die Unterstützung der Jungerwerbslosen, daß sie im Kampfe gegen Hunger und Frost, für Kleidung, Schuhe, Nahrung und Obdach der Hunderttausenden auf die Landstraße gestoßenen Jungproleten ihre ganze Kraft einsetzen. Nur so wird der 'KJVD die Millionenmassen der notleidenden und verelendeten Jugend gewinnen können.

Mit der Herstellung eines engeren Verhältnisses zur Partei muß auch gleichzeitig eine breitere und gründlichere Unterstützung unserer Pionierbewegung erfolgen. Über den Weg der Gewinnung der Arbeiterkinder können wir sehr starke Erfolge erzielen auch in der Herstellung der Einheit der Arbeitereltern. Eine mutige leninistische Pioniererziehung ist von unschätzbarem Wert für unseren gesamten revolutionären Massenkampf. Auch der Pionierverband muß seine Isolierung überwinden. Partei und KJVD müssen ihm helfen, neue Methoden zu suchen und zu finden. Wir dürfen unseren jüngsten Klassengenossen nicht allein die schwere Arbeit aufbürden. Die Richtlinien unserer Pionierbewegung bedürfen einer Überprüfung.

Wenn der Jugendverband die Frage der Überholung der Partei stellt, so darf das kein leeres Gerede sein. Es gilt, diese Frage aber nicht nur zahlenmäßig zu stellen. Es handelt sich nicht nur um eine höhere Mitgliederzahl, sondern mit dem zahlenmäßigen Wachstum des Jugendverbandes muß Hand in Hand gehen die Steigerung der revolutionären Schlagfertigkeit des KJVD.

Die Beschlüsse des 12. Plenums wurden auf der Reichsparteikonferenz konkretisiert. Das Zentralkomitee des KJVD darf natürlich nicht schematisch die dort gefaßten Beschlüsse auf den Jugendverband übertragen. Es muß von dieser Grundlage ausgehend vielmehr besondere Aufgaben stellen und eine besondere Konkretisierung der Aufgaben für den KJVD vornehmen.

Die Jugendführung muß sich z.B. damit beschäftigen, ein besonderes revolutionäres Hilfsprogramm für die arbeitende Jugend auszuarbeiten. Hier soll ein revolutionärer Rettungsweg für die Millionen der jungen Werktätigen aufgezeigt werden. Hier muß neben den konkreten Tagesforderungen stark die Frage des revolutionären Ausweges, der sozialistischen Zukunft im Vordergrund stehen.

 

Schafft eine wirkliche Massenorganisation

Genossen, geht mit Mut und Tapferkeit an die Entfaltung einer breiten Massenarbeit, schafft eine wirkliche Massenorganisation, die revolutionär und kühn, zusammen mit der Partei, siegreich vorwärts stürmt zur Machtergreifung der proletarischen Klasse!

Lenin sagte am 22. Januar 1917 in einem Vortrag, den er vor der Züricher Arbeiterjugend hielt, u.a.:

„Wir, die Alten, werden vielleicht die entscheidenden Kämpfe dieser kommenden Revolution nicht erleben. Aber ich glaube mit größter Zuversicht die Hoffnung aussprechen zu dürfen, daß die Jugendlichen, die so ausgezeichnet in der sozialistischen Bewegung der Schweiz und der ganzen Welt auftreten, daß sie das Glück haben werden, nicht nur zu kämpfen, sondern auch zu siegen in der kommenden proletarischen Revolution.“

Unser großer Lehrmeister Lenin sprach damals noch in bescheidener revolutionärer Zurückhaltung, trotzdem er bereits die gewaltige revolutionäre Lawine der gesellschaftlichen Umwälzung heranrollen sah. Heute stehen die Fragen nach dem siegreichen russischen Oktober schon ganz anders:

Heute können wir weiter gehen und sagen: Nicht nur die Jugend soll die proletarische Machtergreifung erleben, sondern wir Alten wollen gemeinsam mit euch Jungen die siegreiche Macht der Arbeiter- und Bauernrepublik erleben!

 

 

Broschüre,
herausgegeben von ZK der KPD, Berlin o. J.