"Seid bereit - Immer bereit".

Ernst Thälmann

über die

kommunistische Jugend

Reden und Schriften

herausgegeben von der KJI (SH)

aus Anlass des 130. Geburtstags von

Ernst Thälmann

am 16. April 2016

 

Ernst Thälmann begrüßt den KJVD auf dem 4. Reichsjugendtag Ostern 1929 in Düsseldorf

 

Es gilt heute, unter denen Millionen jungen Proletariern die revolutionäre Glut, die revolutionäre Leidenschaft zu entfachen, um die Jugend unter unserem Banner zu sammeln im Kampfe gegen den imperialistischen Krieg und für den Sozialismus.

(Ernst Thälmann)

 

 

"Wer kämpft um eine Idee, um eine große und gewaltige Idee, der muß alle Leiden in diesem unvermeidlichen Kampf ruhig, bewußt und, wie es einem ehrlichen Revolutionär gebührt, mit einer größten Energie zu ertragen wissen."

 

* * *

Unsere strategische Hauptlosung der „Volksrevolution“ wird, in der Perspektive der Geschichte gesehen, eine Aktionslosung werden, wo wir gemeinsam und verbunden mit den Massen die morschen Stützen des kapitalistischen Systems stürzen und eine neue Welt des Sozialismus aufbauen werden. In diesem schweren Kämpfen und Ringen wird das glühende Temperament, die tiefe revolutionäre Leidenschaft und der wehrhafte Mut besonders der Jungarbeiterschaft uns treu zur Seite stehen.

 

 

 

Ein besonderes Kapitel ist das der Jugend.

 

Zur Erfassung der Jugend ist innerhalb des RFB im
Roten Jungsturm eine besondere Abteilung geschaffen worden. Auf die Jugend wirken naturgemäß das äußere Gepräge und die straff disziplinierten Aufmärsche besonders anziehend. Die Jugend im RFB ist zum größten Teil noch zuwenig zur politischen Arbeit herangezogen worden und entscheidet sich oft rein gefühlsmäßig. Der Rote Jungsturm hat im Verhältnis zur Kommunistischen Jugend einen äußerst starken Zulauf zu verzeichnen. Die Kommunistische Jugend hat - wenn sie es versteht im Roten Jungsturm gute Arbeit zu leisten - Gelegenheit, ihre Aufgabe zu erfüllen, zu einer Massenorganisation zu werden.

 

aus: Partei und Rote Frontkämpferbewegung
12. Juli 1925

 

 

 

 

Jugendbewegung

 

Dasselbe sehen wir bei der Jugend, die heute noch mehr als die Älteren vom deutschen Kapitalismus ausgebeutet wird. Auch der Jugendarbeit in den Gewerkschaften haben wir unsere größte Aufmerksamkeit zu widmen. Der Bourgeoisie ist es zum Beispiel bei der Staffelung der Löhne möglich, auf Grund der Tarifverträge mit Altersstufen, Millionen an Geldern zu sparen, da die Jugendlichen, die dieselbe Arbeit leisten müssen, sehr oft einen geringeren Lohn bekommen. Deswegen müssen wir Kommunisten dafür sorgen, daß die Staffelung der Löhne der Jugendlichen und Älteren aufhört. Noch dazu, da die Reformisten in der Gewerkschaftstarifpolitik keine Anstrengungen machen, diese Ungerechtigkeit aufzuheben. Ferner müssen die Bestrebungen der Bourgeoisie, das Arbeitsdienstpflichtgesetz für die Jugendlichen einzuführen, den schärfsten Widerstand erzeugen.

 

aus: X. PARTEITAG DER KOMMUNISTISCHEN PARTEI DEUTSCHLANDS
Berlin, 12. bis 17. Juli 1925

 

 

 

 

Die Bedeutung der Volksbewegung zur Fürstenenteignung

 

In der Zentrumspartei erweitert sich der Konflikt zwischen
den sozialen Interessen der Massen und ihrer religiösen Hörigkeit zum offenen Kampf, der die Mauern dieser so „stolzen Partei niederzureißen droht. In seiner Not appelliert der
Zentrumsparteivorstand an das bischöfliche Episkopat, das in den leitenden Spalten der „Germania” seine beschwörenden Formeln über die rebellierenden christlichen Schäflein
herabgießt. Aber vergebens! Selbst die Arbeiter im Jungzentrum, die noch kaum der Fuchtel der kirchlichen Schule entlaufen sind, antworten ihrem Vorstand:
„Die von der Reichsparteileitung vorgebrachten Gründe erscheinen demselben als nicht genügend berechtigt, denn es muß annehmen, daß man bei Herausgabe der Parole die vielen Kriegsverletzten, die Hinterbliebenen, Kleinrentner, Sparer und die Massen der Erwerbslosen vollständig vergessen hat. Deshalb ruft das Jungzentrum die gesamte Jugend auf, am 20. Juni ihre Pflicht zu tun und mit Ja zu stimmen.“
Diese Rebellion macht auch vor den Toren der extremen Rechtsparteien nicht halt. Ihre Folgen sind noch unabsehbar. Sie werden aber zweifelsohne allen politischen Kämpfen der
nächsten Zeit ihren Stempel aufdrücken. Die Bourgeoisie wird bei Andauern der wirtschaftlichen Krise, bei Verschärfung der allgemeinen Not keine Möglichkeit haben, diese Schichten wieder in die kapitalistischen Hürden zurückzujagen. Das bedeutet, daß sie immer mehr und mehr auf die demokratischen Methoden der Ausübung ihre politischen Machtverzichten und zu den Methoden der faschistischen Diktatur übergehen wird.

 

aus: Die Bedeutung der Volksbewegung zur Fürstenenteignung

„Die Rote Fahne”
vom 20. Juni 1926.

 

Rede zur Jugendarbeit der Partei

5. März 1927


Genossen!

Die Partei kann ihre Aufgaben nur erfüllen, wenn sie stets daran denkt, daß die Mehrheit der Bevölkerung aus den Frauen und der Jugend, männlichen und weiblichen

Geschlechts, besteht. Die Frage der Jugend- und der Frauenbewegung hat ja schon auf diesem Parteitag mehrfach Beachtung gefunden. Wir müssen diese beiden Faktoren besonders dort beachten, wo die Partei ihre Arbeit am schwächsten durchführt. Auf der einen Seite ist es die Frauenbewegung, auf der anderen Seite die Jugendbewegung. Deshalb ist es notwendig, das Verhältnis der Partei zur Jugendorganisation und umgekehrt das des KJVD zur Partei richtigzustellen, um die Bedeutung der Aufgaben der Jugend für das gesamte Proletariat in den Vordergrund zu rücken. Es ist unsere Pflicht diese Aufgaben nicht nur im nationalen, sondern auch im internationalen Maßstabe zu stellen. Diese sind: Erstens die Bedeutung der Jugend in der Gesamtarbeiterschaft, zweitens ihre Rolle im proletarischen Klassenkampf, drittens die Bedeutung der Jugend in der Epoche des Imperialismus in Verbindung mit der imperialistischen Kriegsgefahr, viertens die Aufgaben der Jugend vor der Aufrichtung und in den Etappen der Diktatur des Proletariats.

In Deutschland sind die Verhältnisse viel schwieriger als in anderen wichtigen kapitalistischen Ländern, zum Beispiel in England, wo, wie schon durch den englischen

kommunistischen Vertreter zum Ausdruck kam, in den letzten Jahren die Zahl der jugendlichen Mitglieder auf 2000 gestiegen ist. Die Jugend hat dort schon eine besondere

Bedeutung. Sie hat bei der Expedition der englischen Truppen56 Flugblätter verteilt und beachtenswerte Erfolge erzielt. Die sozialdemokratische Jugend ist dort noch nicht so stark, weil die Labour Party erst vor zwei Jahren dazu überging, eine Jugendorganisation zu gründen. In Frankreich ist die Kommunistische Jugend die einzige bedeutende Organisation unter der Jungarbeiterschaft, die ernsthafte Arbeit leistet. Ich erinnere nur an die Tatsache, daß bei der Besetzung des Ruhrgebiets die französischen Jugendgenossen mit der deutschen Jugend zusammenarbeiteten, um Zersetzungsarbeit unter den französischen Truppen zu leisten. Der Erfolg war, daß sogar an verschiedenen Stelen des besetzten Gebiets Soldaten bei Demonstrationen in den Gesang der „Internationale” mit einstimmten. Diese Beispiele zeigen schon die Bedeutung der Jugend auch im internationalen Maßstabe, besonders unter Berücksichtigung der Kriegsgefahr, wie sie hier schon genügend gezeigt worden ist. Als drittes Beispiel haben wir die Entwicklung der Jugend während der proletarischen Diktatur in der Sowjetunion. Die Jugendorganisation in der Sowjetunion hat über zwei Millionen Jungarbeiter in ihren Reihen. Diese Jugend hat deswegen eine so große Bedeutung, weil sie insbesondere die bäuerliche Jugend in den verschiedenen Klubs und bei den

Zusammenkünften beeinflußt, wo ihnen die Zusammenhänge des sozialistischen Aufbaus klar gezeigt werden und wo die Jugend als kommende Generation im Sinne der Revolution und nicht im Sinne einer bürgerlichen Ideologie aufgezogen wird, wie das in Deutschland und in den übrigen kapitalistischen Ländern der Fall ist.

Genossen!

Welche Aufgaben sehen wir in Deutschland bei schwierigeren Verhältnissen? Wir haben in Deutschland die Sozialistische Arbeiterjugend, wir haben die Jugendsektionen in den Gewerkschaften, wir haben die religiöse Jugend, die bürgerliche Jugend, und schließlich haben wir die im militaristischen Sinne in den „Wehrorganisationen” erzogene Jugend. Die katholischen Jugendorganisationen haben schätzungsweise eine Mitgliederzahl von 700000 bis 900000. Welch eine Vergiftung der Jungarbeiter, die als Lehrlinge in den Großbetrieben arbeiten, noch dazu, da der Kapitalismus jetzt in verschärftem Maße dazu übergeht, die (56) Es handelt sich um die Truppen, die zur Unterstützung der englischen Intervention im März 1927 nach China geschickt wurden.

jugendlichen Lehrlinge als Lohndrücker gegen die erwachsene Arbeiterschaft zu benutzen. Deshalb ist es wichtig, diese gewaltigen gegnerischen Organisationen zu sehen, die neben dem kleinen Kommunistischen Jugendverband existieren und in der Jugend ihren verderblichen Einfluß ausüben. Wir sind doch eine kleine Organisation im Verhältnis zu der großen Anzahl der deutschen Jungarbeiter. Die Verhältnisse im Stahlhelm und allen nationalsozialistischen und bürgerlich-militärischen Organisationen haben besonderen Einfluß auf die Jungarbeiterschaft in den ländlichen Gebieten. Haben wir auf dem Lande eine Position unter der Jungarbeiterschaft? Wir haben nicht nur keinen Einfluß auf die ländlichen Proletarier, sondern wir vergessen ganz einfach die Arbeit auf dem Lande. Wieviel Jungarbeiter sind auf dem Lande, die in der Ideologie des Faschismus erzogen werden? Die Kriegsbestrebungen des deutschen Imperialismus, die von der Sozialdemokratie und den Faschisten unterstützt werden, sollten uns alle veranlassen, die Jungarbeiterschaft im revolutionären Sinne zu erziehen.

Es ist weiter eine Tatsache von großer Bedeutung, daß sich die Sozialdemokratie und die Gewerkschaftsbürokratie in keinem wirtschaftlichen Kampfe mit den Forderungen der Jugendlichen beschäftigt. Es wird meistens nur um die Forderungen der älteren Kollegen gekämpft. Man bringt niemals den Kampf der erwachsenen Arbeiterschaft mit der Jugend in Verbindung. Man scheidet die Jugend aus, und das Schlimmste ist, daß unsere eigenen Genossen in der Partei vergessen, selbst Forderungen für die Jugend in den Betrieben zu stellen. So haben zum Beispiel am 1. März 150 jugendliche Arbeiter der Werft-AG Weser die Arbeit niedergelegt. Sie forderten 10 Pfennig Lohnerhöhung je Stunde. Nun stellt euch vor, wie es auf die jugendlichen Arbeiter wirken muß, wenn die älteren Arbeiter arbeiten, während die Jugend in den Streik geht. Welch ein Verhältnis ist das? Das ist die Aufgabe der Partei, die Jugend zu unterstützen, und zwar so, daß man sie mit in die wirtschaftlichen Kämpfe hineinzieht.

Eine andere Angelegenheit, die wichtig ist. Die Jugend kann, da sie zum Teil in einem Lehrverhältnis steht, sehr leicht zu Streikbrecherarbeit veranlaßt werden. Gesetzlich ist das nicht einmal zulässig. Aber wenn die Arbeiter im Betrieb nicht stark genug sind, wird sehr oft die Jugend dazu angehalten, Notstandsarbeit zu leisten, die von uns als Streikbrecherarbeit bezeichnet werden muß. Die Jugend hat die großen Wirtschaftskämpfe der letzten Jahre nicht mitgemacht. Deswegen müssen wir der Jugend auf diesem Gebiete die größte Aufmerksamkeit schenken und sie unterstützen, weil ihr die Erfahrung aus diesen Kämpfen fehlt. Zu einer zweiten Frage: Wie hat die Partei sich einzustellen, um die Jugend gegen die Offensive des Bürgerblocks zu unterstützen, die ja gegen die Gesamtarbeiterschaft gerichtet ist? Das Schund- und Schmutzgesetz, die Gesetze, die in Vorbereitung sind, zum Beispiel über das Vereins- und Versammlungsrecht, das Konkordat, das Reichsschulgesetz, alle diese

Gesetze bedeuten einen Angriff auf die grundlegenden Rechte der Jugend. In der Verteidigung dieser Rechte müssen wir die Jugend tatkräftig unterstützen, nicht nur durch

Anträge in den Parlamenten, sondern indem wir auch außerparlamentarisch, in den Betrieben und Gewerkschaften, einen ernsthaften Kampf gegen die Rechtlosmachung der Jugend führen.

Die Partei steht im Verhältnis 8:1 zum Kommunistischen Jugendverband. Das ist ein unmögliches Verhältnis. Die wenigen Genossen in der Jugend können die großen Aufgaben keineswegs erfüllen. Die Partei ist nicht nur verpflichtet, die Jugend zu unterstützen und immer neue Streiter in die Kommunistische Jugend hineinzubringen, sondern wir müssen unsere eigenen Kinder in den Jungspartakusbund bringen, um eine neue Generation für den Kommunistischen Jugendverband zu erziehen. Die Beschlüsse der erweiterten Exekutive legen uns allen diese Verpflichtung auf. Das Plenum der erweiterten Exekutive hat in den Thesen über die Bolschewisierung folgendes erklärt:


„Eine der Aufgaben der Bolschewisierung besteht darin, restlos die Arbeiterjugend der ganzen Welt zu erobern, jene Generation von Arbeitern, die unter den Verhältnissen des imperialistischen Weltkriegs und des Beginns der Weltrevolution herangewachsen ist. Wenn die Sozialdemokratie sich vorwiegend auf die am meisten verbürgerlichte Spitze der in der Friedensperiode entstandenen Arbeiteraristokratie stützt, so haben die kommunistische Parteien der ganzen Welt unter anderem die Aufgabe, die restlose Organisierung der gesamten proletarischen Jugend der neuen Epoche unter unserem Banner anzustreben.” [Erweiterte Exekutive März/April 1925, Thesen und Resolutionen”, S. 27. Die Red.]


Ich glaube, das ist klar und eindeutig.


Genossen!

Jetzt einiges zu den Fragen der kommunistischen Arbeit in der Sozialistischen Arbeiterjugend, in den Jugendsektionen der Gewerkschaften und in anderen

Jugendorganisationen. Wenn die SAJ nach den Zahlen, die uns bekannt sind, im letzten Jahre von 90000 auf 56000 zurückgegangen ist, so stelle ich die Frage, wo die 34000 Mitglieder geblieben sind. Eine Zwischenorganisation hat sich nicht entwickelt. Also, die 34000 laufen als Parteilose herum. Der Kommunistische Jugendverband und die Partei haben nicht verstanden, die 34000 aufzufangen, obwohl sie in bestimmten Fragen mit uns einig waren.

Wir können feststellen, daß dieselben Verhältnisse sich in der katholischen Jugend gezeigt haben. Anfang 1926 war eine Konferenz in Essen, auf der sich ernste

Radikalisierungserscheinungen zeigten. Ich erinnere an die Kampagne gegen die Fürstenabfindung. Die katholischen Führer kamen in ernste Differenzen mit der

Zentrumsführung. Die Front der Opposition stand gegen die Führung des Zentrums, und dies ist von der Partei und der Jugend keineswegs ausgenutzt worden.

Die Opposition in der SAJ zeigt aber bereits einen ganz anderen Charakter. Weil die Opposition einen Brief herausgegeben hatte, traten verschiedene Abteilungen in Berlin als Gesamtopposition auf.

Wir sehen die Auswirkungen dieser Rebellion innerhalb der SAJ zum Beispiel im Bezirk Brandenburg in Werder, ferner in Leipzig, wo die Opposition die Mehrheit hat. Daher ist es notwendig, daß die Partei auf diesem Gebiete alles versuchen muß, um diese Opposition auch organisatorisch zu festigen, wie das zum Beispiel schon durch die Delegationen, die auf dem Parteitag erschienen, in die Wege geleitet wurde.

Die Opposition der SAJ vor dem Krieg hatte deshalb Bedeutung, weil sie einen kämpferischen Charakter hatte, der während des Krieges einen revolutionären Charakter

annahm. Keiner kann leugnen, daß die Jugend während des Krieges, als Liebknecht sie führte, einer der revolutionärsten Faktoren war, daß die Jugend in den verschiedenen Gebieten Deutschlands gegen die Kriegskreditbewilligung und die allgemeine Linie der SPD auftrat. Es ist kein Zufall, daß die Jugend jetzt wieder kämpferisch auftritt, denn die kapitalistische Rationalisierung wirkt sich besonders auf die Jugend aus. Wir müssen die Jugend als kämpferisches Element betrachten, das wir brauchen, und sind verpflichtet, ihr die größte Aufmerksamkeit zu schenken. Ich will dabei nur darauf hinweisen, daß neben der Partei noch die Rote Jungfront besteht, die neben der Partei eine Klassenorganisation der Jungarbeiter ist und die geeignet ist, die Jungarbeiter für die Partei zu gewinnen. Die Partei muß also nicht nur mit der Kommunistischen Jugend zusammenarbeiten, sondern auch von sich aus im Kommunistischen Jugendverband die Voraussetzungen zur Heranbildung der Avantgarde des Proletariats schaffen. Die Jugend hat eine andere Mentalität als die erwachsene Arbeiterschaft. Man muß verstehen die Jugend zu behandeln, um sie zu gewinnen und für die revolutionären Aufgaben zu erziehen. Die Linken in der SPD waren diejenigen, die der Jugend die größte Aufmerksamkeit schenkten. Karl Liebknecht kam dauernd mit der Jugend

zusammen und stritt gemeinsam mit ihr.

Besonders auf dem Gebiete der antimilitaristischen Propaganda hat die Jugend Vorzügliches geleistet. Heute arbeitet die Jugend nicht nur auf diesem Gebiete, sondern stellt auch in den Wirtschaftskämpfen einen bedeutenden Faktor dar. Daher muß der XI. Parteitag die Partei verpflichten, die Reihen des Kommunistischen Jugendverbandes zu stärken. Wir müssen uns die Frage stellen, ob wir den Kampf um die politische Macht ohne die Frauen und die Jugend siegreich durchführen können. Auf diese Frage muß der XI. Parteitag mit einem Nein antworten. Wir können dessen Kampf nur im gemeinsamen revolutionären, unermüdlichen Ringen zusammen mit der Jugend und den Frauen bis zur siegreichen Befreiung der Arbeiterklasse durchführen.


„Bericht über die Verhandlungen des XI. Parteitages der Kommunistischen Partei Deutschlands (Sektion der Kommunistischen Internationale),

Essen, 2. bis 7. März 1927“,

S. 42-65, 216-219 und 332-336.

 

 



Zum Reichsjugendtag des Kommunistischen Jugendverbandes Deutschlands

„Die Rote Fahne”

vom 14. April 1927.




Die proletarische Jungarbeiterschaft rüstet zum diesjährigen Reichsjugendtag in der Arbeiterstadt Hamburg. Die Vorbereitung zum Osteraufmarsch der revolutionären Jugend erfolgt in einer Situation, die in erster Linie durch die drohende imperialistische Kriegsgefahr gekennzeichnet ist. In China donnern bereits die imperialistischen Kanonen und werfen ihre Feuerbrände unter die chinesischen Arbeiter- und Bauernhütten, Tausende von Menschenleben vernichtend. Der Krieg gegen China ist aber nur ein Auftakt. Der englische Imperialismus beschränkt sich nicht nur auf die blutige Unterdrückung der seiner „Einflußsphäre” verfallenen Völker im Osten, sondern er unterstützt gleichzeitig den amerikanischen Imperialismus im Kampf gegen die südamerikanischen Staaten und verstärkt die Vorbereitungen für die militärische Intervention gegen die Sowjetunion.

Der italienische Faschismus unterstützt mit offenem Zynismus die antisowjetische Kampagne Englands und hilft gleichzeitig bei der Niederwerfung der national-revolutionären Volksbewegung in China in der Erwartung, in seinen eigenen imperialistischen Plänen auf dem Balkan von England unterstützt zu werden.

Auch die deutsche Bourgeoisie stellt sich immer offener in eine Font mit dem englischen Imperialismus im Kampfe gegen die national-revolutionäre Bewegung in China und gegen die Sowjetunion. Sie liefert den in englischem Solde stehenden chinesischen Generalen Waffen und Munition. Sie ist bereit, Deutschland als Aufmarschgebiet für die militärische Intervention gegen die Sowjetunion freizugeben. Diese Tatsachen kennzeichnen die Situation.

Die imperialistische Welt ist derart mit Zündstoff angefüllt, daß der kleinste Funke genügt, um erneut den Weltbrand ausbrechen zu lassen.

Im nationalen Maßstabe drohen der Arbeiterschaft und insbesondere dem Jungproletariat nicht minder ernste Gefahren. Die deutsche Bourgeoisie rüstet auf der ganzen Linie zur verschärften Offensive gegen die Arbeiterklasse. Die kapitalistische Rationalisierung wird in gesteigertem Maße durchgeführt. Durch die Rationalisierungspolitik der deutschen Bourgeoisie wächst die Rolle der jugendlichen Arbeiterschaft innerhalb des Produktionsprozesses. Die Fordisierung57 und Taylorisierung (58 )der Betriebe ermöglicht den Unternehmern mehr als bisher, die billige Arbeitskraft der Jugendlichen, besonders der ungelernten Arbeiter, auszunutzen, sie als Lohndrücker gegen die gesamte Arbeiterschaft zu gebrauchen. Die Reaktion erhebt immer frecher ihr Haupt. Die Attacke der Bürgerblockregierung gegen die Arbeitszeitbedingungen, die Vorstöße der Kulturreaktion, (57) Fordisierung - die Anwendung eines brutalen Ausbeutungs- und Antreibersystems; benannt nach dem amerikanischen Monopolkapitalisten und Milliardär Henry Ford (1865—1947). Ford baute auf dem Taylorsystem auf, mechanisierte weitestgehend die Arbeitsvorgänge, führte das Fließbandverfahren ein und zwang den Arbeitern - die die Entlassung fürchteten - ein bis zum äußersten gesteigertes Arbeitstempo auf. Diese Ausbeutung zermürbte sie körperlich und geistig derartig, daß die Mehrzahl der Arbeiter bereits nach wenigen Jahren als verbraucht und untauglich entlassen wurde.

Ford hinderte die Arbeiter, die zu 95 Prozent Ungelernte und Jugendliche waren, am gewerkschaftlichen Zusammenschluß und damit am Kampf um bessere Arbeitsbedingungen, er spielte sie gegeneinander aus und ließ sie außerdem durch eine faschistische Polizei- und Spitzelgarde überwachen.

(58) Taylorisierung - die Anwendung eines raffinierten Ausbeutungssystems, das von dem nordamerikanischen Kapitalisten F. W. Taylor (1856—1915) entwickelt wurde. Taylor analysierte die einzelnen Arbeitsvorgänge und legte für alle Arbeiten übersteigerte Zeiten fest, die nach der Arbeitsleistung der stärksten und geschicktesten Arbeiter im Augenblick der höchsten Kräfteanspannung errechnet wurden. Durch die sich ständig steigernde Arbeitsintensität wurden die körperlichen und geistigen Kräfte des Arbeiters frühzeitig verbraucht und die Verelendung der Arbeiterklasse beschleunigt. Der Taylorismus verbindet ein ausgeklügeltes Lohn- und Prämiensystem mit einem brutalen Kontroll- und Antreibersystem, versucht die Mitbestimmung der Arbeiter auszuschalten und ihr Solidaritätsgefühl zu lähmen.

das provokatorische Auftreten der faschistischen Verbände, die sich häufenden Arbeitermorde der faschistischen Polizeioffiziere sind Alarmsignale.

Im Kampf gegen die imperialistische Kriegsgefahr, im Kampf gegen die verschärfte Kapitalistenoffensive und Kulturreaktion, erwächst der Arbeiterjugend eine große Aufgabe.

Mit berechtigtem Stolz hat die proletarische Jugend auf dem vorjährigen Reichsjugendtag der Osterkonferenz von 1916 gedacht, die die politische Abrechnung der oppositionellen proletarischen Jugend mit der Kriegspolitik der Kaisersozialisten brachte. Der Geist Karl Liebknechts, der die Osterkonferenz 1916 beherrschte, muß auch den diesjährigen Reichsjugendtag in Hamburg beherrschen. So wie die Ostertage 1916 die proletarische Jugend zur Sammlung um das Banner des revolutionären Sozialismus, zum Kampf gegen den völkermordenden Weltkrieg aufriefen, muß von Hamburg der Ruf an die gesamte proletarische Jugend Deutschlands ergehen:

Jungarbeiter, Jungarbeiterinnen, schließt die eiserne Kampffront gegen die imperialistische Kriegsgefahr, gegen Reaktion und Faschismus!

Die proletarische Jugend hat unter Führung des Kommunistischen Jugendverbandes nicht nur in Resolutionen ihren Willen zum Kampf betont. Sie hat immer wieder durch die Tat bewiesen, daß sie in der Atmosphäre des Kriegs- und Blutrausches ihren Mann steht. Sie hat in ihrer Agitation und Propaganda gegen den Militarismus kein Opfer gescheut. Die englische klassenbewußte Jugend hat erst in den letzten Tagen wieder ein Beispiel erfolgreicher antimilitaristischer Arbeit beim Abtransport englischer Truppen nach China gegeben. Wo immer seit 1916 in Deutschland und anderen kapitalistischen Ländern das Banner der Revolution erhoben wurde, haben die Jungproletarier kühn und entschlossen in den vordersten Reihen gestanden und im dichtesten Kugelregen nicht geschwankt. Die Zahl der Opfer, die die proletarische Jugend in diesen Kämpfen gebracht hat, ist riesengroß.

Auch heute steht wiederum die proletarische Jugend in der Organisierung des Kampfes gegen den Krieg mit an der Spitze. Die Arbeit des Kommunistischen Jugendverbandes unter dem Jungproletariat hat dazu geführt, daß ein großer Teil der proletarischen Jugend bereits erkannt hat, daß der Kampf gegen den imperialistischen Krieg nicht erst dann beginnen darf, wenn der Krieg ausgebrochen ist, sondern daß das Jungproletariat gemeinsam mit der revolutionären Arbeiterschaft schon jetzt und stets ohne Unterlaß und ohne Unterbrechung den Kampf führen muß, von der Erwägung ausgehend, daß der imperialistische Krieg unzertrennlich mit dem Imperialismus zusammenhängt.

Von dieser Erkenntnis muß auch der Kampf der proletarischen Jugend gegen die Politik der deutschen Bourgeoisie, der Kampf gegen die kapitalistische Offensive, für die Wiedereroberung des Achtstundentages und die Eroberung des Sechsstundentages für die jugendlichen Arbeiter, der Kampf gegen den reaktionären Bürgerblock und seine arbeiterfeindlichen Gesetze gegen die proletarische Jugend, der Kampf gegen die faschistischen Terrororganisationen getragen sein.

Dieser Kampf kann aber nur dann mit sicherem Erfolg geführt werden, wenn es der Kommunistischen Partei und dem Kommunistischen Jugendverband gelingt, die breitesten Massen der Arbeiterschaft und des Jungproletariats in die Kampffront einzureihen. Die Massenarbeit des Kommunistischen Jugendverbandes hat bereits erfolgreich in der sozialdemokratischen Arbeiterjugend Wurzel geschlagen. Teile der sozialdemokratischen Arbeiterjugend haben sich mit den Kampflosungen der kommunistischen Jugend solidarisiert und sind bereit, Seite an Seite mit den kommunistischen Jungarbeitern und -arbeiterinnen zu kämpfen. Diese Schichten des Jungproletariats auch organisatorisch fest in die revolutionäre Jugendfront einzureihen, die Massenarbeit unter der Arbeiterjugend noch intensiver als bisher zu betreiben, muß die Hauptaufgabe des Kommunistischen Jugendverbandes bei der Vorbereitung des diesjährigen Reichsjugendtages sein. In diesem Sinne erwächst den Jugendgenossen in der Roten Jungfront eine besondere Aufgabe.

In den Straßen Hamburgs, der Stadt der Barrikadenkämpfe von 1923, müssen Ostern 1927 Zehntausende klassenbewußter revolutionärer Jungarbeiter unter dem Banner des Kommunistischen Jugendverbandes aufmarschieren. Zehntausende von Jungarbeitern, erfüllt vom Geiste Karl Liebknechts, getragen vom eisernen Willen zum siegreichen Kampfe für die proletarische Revolution!



 

X. PLENUM DES EXEKUTIVKOMITEES DER
KOMMUNISTISCHEN INTERNATIONALE
Moskau, 3. Juli bis 19. Juli 1929

 

 

Bei den Jugendlichen sind die Löhne viel niedriger. In Polen sieht es in dieser Beziehung noch viel schlimmer aus. Dort sind die Zahlen geradezu erschreckend. Besonders schlimm sieht es mit der Bezahlung der jugendlichen Arbeiter aus. Es gibt da noch Verhältnisse, wo die Jugendlichen zum Beispiel nur 5 Prozent der Männerlöhne erhalten. Im Durchschnitt erhalten
dort die Jugendlichen 25 Prozent der Männerlöhne. Und es ist nicht von ungefähr, daß in der letzten Zeit allein in West-Weißrußland16 über 10 Streiks der Jugendlichen ausbrachen, die mit ganz wenigen Ausnahmen erfolgreich durchgeführt wurden. Greifen wir nur einige Tatsachen heraus, die von großer Wichtigkeit für die Feststellung der Bedeutung dieser
Schichten in unserem Kampf sind.
Im Textilarbeiterstreik in Nordfrankreich: Waren es da nicht die Frauen und Jugendlichen, besonders die Frauen, die nicht nur für die Forderungen auf ökonomischere Gebiet eintraten,
16 Gemeint sind die Gebiete Belorußlands, die Sowjetrußland im Interventionskrieg 1920 durch Pilsudski-Polen
entrissen wurden. Durch den Friedensvertrag von Riga (20. Oktober 1920) blieben diese Gebiete bei Polen. Sie wurden erst 1939 wieder befreit.
sondern in den politischen Kampf, in den Kampf gegen die Polizei auf die Straße gingen?
Nehmen wir den politischen Massenstreik nach den Maivorgängen in Berlin. War es ein Zufall, daß gerade die Zigarettenarbeiterinnen und die Arbeiterinnen in den Schuhfabriken unseren politischen Losungen des Massenstreiks Folge leisteten? Wir hatten vorher
Arbeiterinnendelegiertenkonferenzen durchgeführt, und es ist kein Zufall, daß es gerade die revolutionären Arbeiterinnen waren, die der Parole der Partei sofort Folge leisteten.
Besonders wichtig ist auch unsere Arbeit unter den Jugendlichen. Nicht umsonst wurde die revolutionäre Bedeutung der Jugend in der Diskussion und im Schlußwort des Genossen Kuusinen im ersten Punkt der Tagesordnung so ausführlich behandelt. Bis jetzt haben unsere Parteien noch nicht die Aufgabe verstanden, die den Jungarbeitern in den kommenden Kämpfen zufällt: Es ist notwendig, ihren Kampfenthusiasmus zu entfesseln, sie von dem bürgerlichen und reformistischen Einfluß zu befreien und sie näher an uns heranzubringen.
Viel zuwenig Aufmerksamkeit haben wir dem Kommunistischen Jugendverband zugewandt, dem neuen Tätigkeitsfeld unter den Jungarbeitern und Arbeiterinnen.

 



Zum 10. Jahrestag der

Kommunistischen Jugendinternationale

Tiefer in die Massen der Jungarbeiter!

17. November 1929

 

 

 

Rede auf dem Reichsjugendtag in Leipzig

  1. April 1930

„Die Rote Fahne”

vom 23. April 1930



Eine entscheidende Entwicklung der kommunistischen Jugendbewegung liegt seit dem IV. Reichstreffen des KJVD in Düsseldorf hinter uns. Schon damals, als wir im Herzen der Schwerindustrie aufmarschierten, zeigte sich die Verbundenheit des KJVD mit den Massen der Arbeiterjugend. Inzwischen haben Partei und Jugendverband die Losung unseres Weddinger Parteitages, die Parole einer entscheidenden Wendung zu den Massen des jugendlichen und weiblichen Proletariats ernsthaft durchzuführen begonnen. Der heutige Massenaufmarsch in der größten Stadt des sächsischen Industriegebietes, der Aufmarsch der roten Kolonnen aus den größten Betrieben Berlins, Hamburgs, des Ruhrgebiets und Sachsens, die überwältigende Beteiligung der proletarischen Jugend aus allen Gegenden Deutschlands - das alles bedeutet einen entscheidenden Schritt vorwärts auf dem Wege zur Gewinnung der Mehrheit des Proletariats.

Die mehr als 30000 Teilnehmer dieses Aufmarsches verzichteten auf die Gastfreundschaft des Rates der Stadt Leipzig, auf die Gastfreundschaft der „linken” Sozialfaschisten, die hier in ihrer Presse die Parole „Kein Stück Brot, keinen Schluck Wasser, keinen Schluck Bier für die Jungkommunisten!” ausgegeben haben. Aber wir danken der Leipziger Arbeiterschaft ohne Unterschied der Parteizugehörigkeit für ihre proletarische Solidarität, für die Aufnahme, die sie den Jungkommunisten bereitet hat.

Hier im Herzen Sachsens, an dieser Stelle, wo einst August Bebet und Wilhelm Liebknecht zum ersten Male in den Deutschen Reichstag gewählt wurden, wo Franz Mehring und Rosa Luxemburg den revolutionären Gedanken in der Arbeiterschaft propagierten, von dieser Stelle, von diesem historischen Boden aus, wo heute wieder in den Reihen der Sozialdemokratie eine proletarische Opposition gegen die Verratspolitik der sozialfaschistischen Führer entsteht, werden wir das weite Ackerfeld der proletarischen Jugendbewegung im ganzen Reich bepflügen.

Zwei Jugendtage finden an diesem Ostern statt.

In Lüneburg versammelt sich die Sozialistische Arbeiterjugend. Diese Organisation, deren Ziel es ist, die jugendlichen Arbeiter vom Klassenkampf abzuhalten, flüchtet vor den proletarischen Massen der Industriestätten in die Heide, flüchtet damit vor den entscheidenden Fragen des Klassenkampfes.

Anders die Aufmärsche der Kommunisten. Wir marschieren dort, wo die Massen der Proletarier sind, in den großen Städten, angesichts der Fabriken, dort, wo die gesammelte Kraft der revolutionären Bewegung Hunderttausende zusammenballt.

Die Kommunistische Partei weiß um die Nöte der Jugend des Proletariats, des Nachwuchses der revolutionären Bewegung.

Sie ist die einzige Partei, die wirklich den tätigen Kampf für die Tagesinteressen der Jugend des Proletariats, die von den Keulenschlägen der kapitalistischen Rationalisierung und der Ausbeutung am stärksten getroffen wird, führt.

Die Kommunistische Partei ist mit der Jugend des Proletariats im täglichen Kampf gegen Unterdrückung und Ausbeutung auf das innigste verbunden, so wie sie auf Tod und Leben mit ihr verbunden sein wird, wenn es zum Endkampf für die Befreiung der Arbeiterschaft, zum

Sturz des Kapitalismus, für die proletarische Diktatur geht. Bürgerliche Presse und sozialfaschistische Zeitungen haben gegen euren Aufmarsch gehetzt.

Die Hetze beweist nur, daß sie euch fürchten. Wenn diese Leute sich darüber empören, daß wir die Jugend und selbst die Kinder des Proletariats, wie sie sagen, vor den Wagen des Kommunismus spannen, dann erklären wir ihnen, daß wir niemals zulassen werden, daß die Jugend und die Kinder der Arbeiterklasse von der faschistischen Reaktion, von der Kirche und von den Sozialfaschisten ihren Klassenbrüdern entfremdet werden. Wir halten es für unsere vornehmste Aufgabe, diese Jugend einzureihen in die große Klassenfront zum Kampfe für die Befreiung des Proletariats, sie reif zu machen zur Ablösung der alten Garde der Revolution.

Der Augenblick, in dem dieser Aufmarsch stattfindet, ist gekennzeichnet durch den Abschluß des Youngplans, des gemeinsamen Ausbeuterpaktes der ausländischen und deutschen Kapitalisten gegen die Arbeiterklasse, des Kriegspaktes gegen die Sowjetunion. Die Bürgerblockregierung und ihr faschistischer Kurs kennzeichnen die Verschärfung des Klassenkampfes in Deutschland. Die Kriegsgefahr wächst, der bürgerliche Parlamentarismus ist bankrott, der Sozialfaschismus hat dem Faschismus auch in Deutschland den Weg bereitet.

Auf der anderen Seite aber formiert sich immer breiter die revolutionäre Kampffront des Proletariats. In ihren ersten Reihen steht die kämpfende proletarische Jugend in den Betrieben, auf dem Lande, unter den Erwerbslosen, in den Berufsschulen usw.

Der heutige Aufmarsch ist gekennzeichnet als ein Aufmarsch der kämpfenden revolutionären Einheitsfront. Zum ersten Male marschieren in unseren Reihen Delegationen der Sozialistischen Arbeiterjugend aus Berlin, Chemnitz, Kassel und Bayern, marschieren Mitglieder der sozialdemokratischen „Roten Falken”, marschiert eine Delegation christlicher junger Bergarbeiter.

Gestählt im Feuer des Kampfes, wird die Jugend zur Kerntruppe der revolutionären Bewegung. Gegen sie richtet sich der Hauptstoß der Reaktion. So wie 1908 das Reichsvereinsgesetz sich zuerst gegen die Organisation der Arbeiterjugend wandte, ist heute das Berufsausbildungsgesetz gegen die proletarische Jugend gerichtet. Unter den Jugendlichen sehen wir auch zahlreiche Opfer der Klassenjustiz, die gerade hier in Leipzig im Reichsgericht den krassesten Ausdruck findet.

Wir sagen von dieser Stelle aus den Klassenrichtern der deutschen Justiz, daß kein Terrorurteil die revolutionäre Bewegung wird aufhalten können. Wir sagen ihnen zugleich, daß der Tag kommen wird, wo wir, die Vertreter der ungeheuren Mehrheit, Gericht halten werden über die kleine Minderheit der Ausbeuter, in deren Interesse die Klassenrichter heute ihre Urteile fällen.

Wir grüßen von dieser Stelle aus die proletarischen politischen Gefangenen mit dem Gelöbnis, alles für die Befreiung unserer eingekerkerten Kämpfer einzusetzen.

Wir fühlen in diesem Augenblick, wie tief der beste Teil des Proletariats, die Blüte der deutschen Arbeiterklasse, mit uns, mit den Kommunisten, verbunden ist. Mit uns schlagen die Herzen der jugendlichen Arbeiter für den Kampf um. die Befreiung des Proletariats, für den Sieg des Sozialismus.

Angesichts eines solchen Nachwuchses kann uns nicht bange sein um das Schicksal der Kommunistischen Partei.

Elf Jahre bürgerliche Republik haben der proletarischen Jugend die Augen geöffnet. Zwölf Jahre des sozialistischen Aufbaus in der Sowjetunion haben ihre Begeisterung für die Sache der proletarischen Revolution geweckt. Wir grüßen die Millionenorganisation des Komsomol, wir grüßen die Rote Armee und die Rote Flotte.

Wir brauchen neue Methoden, um auf allen Gebieten des Kampfes die Jugend in unsere Reihen zu ziehen. Von diesem Tage an vollzieht der Kommunistische Jugendverband Deutschlands die entscheidende Wendung zu den Massen der Jungarbeiterschaft, schließt er die kämpfende Einheitsfront gegen die faschistischen Terrororganisationen und gegen den Sozialfaschismus.


Drei Hauptaufgaben hat die kämpfende Jugend des Proletariats:

1. Kampf gegen die Gefahr des imperialistischen Krieges, für die Verteidigung unseres sozialistischen Vaterlandes, der Sowjetunion.

2. Kampf gegen die Ausbeuter der jugendlichen Arbeiter und Arbeiterinnen für ihre politischen Rechte, für die Gleichberechtigung der Jugendlichen mit den Erwachsenen.

3. Kampf gegen den Nationalfaschismus und seine’ Terrororganisationen, Kämpf gegen den Sozialfaschismus, für die Gewinnung der jugendlichen Arbeiter, auch der sozialdemokratischen und der christlichen Jungarbeiter in den Betrieben und auf den Stempelstellen, für das brüderliche Kampfbündnis der proletarischen Jugend mit den erwachsenen Arbeitern, für den Sturz der kapitalistischen Herrschaft, für die Diktatur des Proletariats.

In diesem Sinne geht ihr mit dem Erlebnis dieses gewaltigen Aufmarsches zurück ins Reich.

Mobilisiert die Massen des Jungproletariats zum Kampfe gegen seine Ausbeuter unter der Losung der kämpfenden revolutionären Einheitsfront. Seid Helfer und Führer der proletarischen Jugend in allen ihren Kämpfen. Trotz Terror und Verbotsmaßnahmen weiter vorwärts zum Kampf und Sieg!

Der Kommunistische Jugendverband Deutschlands, die kommunistische Partei Deutschlands, die Kommunistische Jugendinternationale und die Kommunistische Internationale, die deutsche Revolution und die Weltrevolution sie leben hoch!

 

 

 

 

Rüstet für Erfurt!

Alle Kräfte angespannt für das Reichstreffen der roten Sportler!

 

„Die Rote Fahne“

vom 29. Mai 1930.


Zu Pfingsten versammelt sich die Avantgarde der Arbeitersportler in Erfurt. Dort tagt der I. Reichskongreß der revolutionären Arbeitersportler. Dort vereinigen sich Zehntausende von Arbeitersportlern und -sportlerinnen zum roten Reichstreffen. Dorthin richten sich die Blicke aller revolutionären Arbeiter. Zahlreiche Arbeiterdelegationen aus den Großbetrieben und Abgesandte der proletarischen Massenorganisationen werden vereint mit den Arbeitern Erfurts, mit den Proletariern aus den benachbarten Gebieten des faschistischen Thüringens ihre brüderliche und enge Gemeinschaft mit den roten Arbeitersportlernbekunden.

Aus ganz Deutschland marschieren die Bataillone der proletarischen Sportler auf. Aus den Fabriken Berlins, Sachsens und aller Industriestädte, aus den Schächten des Ruhrgebiets, Schlesiens, der Lausitz, von den Werften in Hamburg, Kiel, Stettin, aus den Gifthöllen Mitteldeutschlands, aus Ostpreußen wie aus Süddeutschland.

Sie kommen von der Drehbank, vom rollenden Band, von der Glut der Hochöfen, aus dem Kohlenstaub der Gruben. Abgearbeitet, ausgepreßt durch das Antreibersystem des Kapitalismus, lassen sie sich doch nicht niederdrücken, sondern benutzen die Körperkultur, den Arbeitersport, um sich widerstandsfähig zu machen und noch aufrechter, noch unerschütterlicher dem Klassenfeind die Stirn zu bieten. Sie marschieren in Erfurt auf, erfüllt vom flammenden Geist ihres revolutionären Wollens, ihrer Treue zur Sache der Arbeiterklasse, getragen von den aktiven Sympathien des deutschen Proletariats, um das Reichstreffen zu einem roten Kampf- und Sporttag der ganzen deutschen Arbeiterklasse zu machen!

Die proletarischen Sportverbände sind ein besonders wichtiges Glied der Arbeiterbewegung. Körperliche Ausbildung, sportliche Stählung befähigt die Proletarier, ihre physische Widerstandsfähigkeit und Wehrhaftigkeit für den Klassenkampf zu steigern. Heute, wo der Hungerkurs des kapitalistischen Systems und die Auswirkungen der Rationalisierung, der Massenerwerbslosigkeit und aller übrigen Krisenfaktoren maßloses Elend in alle Arbeiterwohnungen trägt, heute, wo immer breitere Millionenmassen durch die systematische Verelendung geschwächt und zermürbt werden, wächst erst recht die Bedeutung der Arbeitersportbewegung als eines Faktors zur Erhaltung und Erweiterung der Kampfkraft der Arbeiterklasse gegen das Kapital!

Nur in einem Lande vermag die Arbeiterklasse in uneingeschränktem Maße gewaltige Mittel in den Dienst ihrer physischen und kulturellen Ausbildung zu stellen. Unter der proletarischen Diktatur, in der Sowjetunion, dort, wo die Arbeiterklasse die Macht der Bourgeoisie zertrümmert hat, dort, wo die Arbeiterklasse regiert, ist die Körperkultur ein gewaltiges Gebiet der proletarischen Betätigung. In der Sowjetunion unterstützt die proletarische Staatsmacht alle Zweige der Arbeitersportbewegung. Millionenmassen des männlichen und weiblichen Proletariats, der Jungen und Alten, sind in der Lage, in der Körperkulturbewegung ihre Gesundheit für den Dienst am sozialistischen Aufbau und für die Verteidigung der Sowjetunion zu festigen und alle ihre Kräfte zur Entfaltung zu bringen.

Anders in Deutschland. Für soziale Zwecke hat die kapitalistische Republik kein Geld. Wie oft wurden von der Kommunistischen Partei Forderungen für Kinder- oder Schulspeisungen gestellt, die stets von den bürgerlichen Parteien und den sozial-demokratischen Führern abgelehnt wurden. Schon die eine Tatsache, daß die preußische Koalitionsregierung für den „Sportfonds” die lächerlich geringe Summe von einer Million auswirft, von der obendrein die bürgerlichen Sportverbände den Löwenanteil schlucken und die Arbeitersportvereine nur ganz geringfügige Beträge bekommen, zeigt, wie wenig es dem kapitalistischen Staat in Wahrheit um die Volksgesundheit zu tun ist. Die Steuergelder, aus der Arbeit und dem Schweiß der Werktätigen erpreßt, dienen dazu, Tausende von Millionen für Reichswehr, Schupo, Klassenjustiz und Pfaffentum auszuwerfen. Wie sollten da für die proletarische Körperkultur noch nennenswerte Summen übrigbleiben!

Turnhallen und Sportplätze - in der Sowjetunion, unter der proletarischen Diktatur, sind sie das Eigentum der Arbeiterklasse! Im kapitalistischen Deutschland, in der Republik der Sozialdemokratie, müssen sich die revolutionären Arbeitersportler die Stätten für ihre sportliche Betätigung erbetteln und werden oft genug mit erbärmlicher Brutalität abgewiesen!

Nur in einem Sinne sind die Bourgeoisie und die Sozialdemokratie für die „körperliche Ertüchtigung der Jugend” zu haben: nämlich für das Ziel, die Jugend der Werktätigen an den Staat der Bourgeoisie, an das Vaterland der Kapitalisten zu ketten und militaristisch für die Zwecke eines kommenden imperialistischen Massenmordens vorzubereiten. Diese militaristische Verseuchung breiter Schichten auch der arbeitenden Klassen wird vor allem durch die bürgerliche Sportbewegung betrieben. Hier ist für die Bourgeoisie ein breites Rekrutierungsfeld, aus dem sie die Kräfte für die faschistische Bewegung sammelt, hier machen sich vor allem in den Werksportvereinen wahre Brutstätten des Betriebsfaschismus breit.

Aber nicht nur die bürgerliche Sportbewegung stellt sich offen in den Dienst der militaristischen Verseuchung. Überall da, wo die Reformisten im Arbeitersport die Oberhand haben, sind auch sie längst dazu übergegangen, die Arbeitersportbewegung zu einem Anhängsel des bürgerlichen Sportes zu verschandeln und in den Dienst der bürgerlichen Republik, in den Dienst der Klassenfeinde des Proletariats, zu stellen.

Severing war es, der auf dem Deutschen Turnerfest zu Köln den faschistischen, militaristischen, bürgerlichen Sportlern sein Loblied sang: „Auf den Schultern der Turner ruht die deutsche Republik!” Severing war es, der später auf dem Bundesfest des Arbeiter-Turn- und Sportbundes zu Nürnberg vor den Arbeitersportlern auszusprechen wagte, man müsse den Arbeitersport und die bürgerliche Sportbewegung „unter einen Hut bringen”.

Arbeitsgemeinschaft mit der Bourgeoisie, mit dem Faschismus - die gleiche klassenverräterische Linie wie in den Gewerkschaften - vertritt die Sozialdemokratie auch in der Sportbewegung. Auch hier schlägt sie den offenen Kurs des Sozialfaschismus ein. Wie in den Gewerkschaften gingen die reformistischen Spitzen der Arbeitersportbewegung zum Terror gegen die oppositionellen Sportler, zur Spaltung und Zerschlagung der deutschen Arbeitersportbewegung über.

Durch die Massenausschlüsse revolutionärer Mitglieder aus den Sportverbänden, durch die heimtückischen Anschläge - in engstem Bündnis mit den Organen des kapitalistischen Staates, der Polizei und Klassenjustiz - gegen die roten Arbeitersportler, versuchten die sozialfaschistischen Sportbürokraten, die Verbände aus der Front des Klassenkampfes gegen die Bourgeoisie herauszureißen und als Anhängsel der SPD in den Dienst der Bourgeoisie zu stellen.

Die Massen der roten Arbeitersportler haben in zähem, unbeirrbarem Kampf die Sozialfaschisten in vielen Verbänden, in ganzen Bezirken zurückgeschlagen. Dieser Kampf ist noch in vollem Gange. Es ist der Kampf zwischen den Agenten des Klassenfeindes im Lager der Arbeiterbewegung und denen, die die revolutionären Traditionen des Arbeitersports hochhalten, die den Klassencharakter der proletarischen Körperkulturbewegung verteidigen und die Massen der roten Sportler gegen die sozialfaschistischen Spalter für die proletarische Einheitsfront mobilisieren.

Das rote Pfingsten der Arbeitersportler zu Erfurt muß, getragen von der breiten und aktiven Sympathie der Arbeiterschaft in ganz Deutschland, zu einem ernsten, bedeutungsvollen Schritt vorwärts auf dem Wege zur Herstellung der revolutionären Einheit des Arbeitersportes werden.

Das Reichstreffen der roten Sportler findet in der nächsten Nachbarschaft Thüringens, der Stätte der regierenden Faschisten, des Landes der Frick-Herrschaft, statt, wo das Verwachsen des Nationalsozialismus mit dem young-deutschen Staatsapparat den deutlichsten Ausdruck gefunden hat, wo die faschistischen Mörderhorden besonders kraß und skrupellos mit Hilfe des kapitalistischen Staatsapparates großgezüchtet und auf die Arbeiterklasse losgelassen werden. Der Aufmarsch der roten Arbeitersportler und der mit ihnen verbundenen Delegationen der Betriebe und Massenorganisationen, dieser rote Tag der aktivsten, frischesten und unverbrauchtesten Kräfte des deutschen Proletariats, wird deshalb zugleich ein Kampfaufmarsch gegen die nationalfaschistische Reaktion sein.

Die Kommunistische Partei Deutschlands unterstützt mit vollen Kräften das Wirken und die Aktionen der revolutionären Arbeitersportler. Als Führerin des deutschen Proletariats und Vertreterin seiner gesamten Klasseninteressen fühlt sich die Kommunistische Partei auch mit der Arbeitersportbewegung, ihrem Gedeihen, ihrem Vormarsch brüderlich verbunden. Nur noch eine kurze Spanne trennt uns von Erfurt. Jeder Genosse, jeder revolutionäre Arbeiter, jeder echte Klassenkämpfer muß im Betrieb, auf der Stempelstelle, in den Gewerkschaften und Massenorganisationen seine Mobilisierungsarbeit für das rote Reichstreffen in Erfurt durchführen und steigern. Rüstet für Erfurt! Stärkt den Kampf der Arbeitersportler gegen die sozialfaschistische Spaltung, für die rote Einheit des Arbeitersports!

Blickt nach Erfurt, wo die gewaltige Armee der Arbeitersportler in enger Verbundenheit mit dem internationalen Proletariat Schulter an Schulter mit den Delegationen ausländischer Arbeitersportler aufmarschieren wird. Reiht euch ein in die Klassenfront des proletarischen Sports! Arbeitersportler in ganz Deutschland, seid bereit, Mann für Mann am roten Reichstreffen in Erfurt teilzunehmen!

Nicht nur zur sportlichen Betätigung marschieren die Kolonnen des Arbeitersports auf, sondern zugleich als kämpfende Bataillone der proletarischen Klassenfront.

Nicht unter den Fahnen der Klassenversöhnung, sondern unter dem roten Banner des Sozialismus sammeln sich die Kolonnen des Arbeitersports zu Pfingsten in Erfurt. Durch die Straßen der Stadt wird der Massenschritt der Turner, der Athleten, der Fußballer, der Radfahrer, Wassersportler und Wanderer hallen, werden die Räder der proletarischen Motorradfahrer dröhnen, werden die Wimpel, die Fahnen und Banner wehen. Und aus vielen Zehntausenden Kehlen wird das Gelöbnis zum Klassenkampf, zum Kampf für den Sozialismus erschallen, der trotzige Kampfgruß der Arbeitersportler „Rot Sport!”





Rote Sporteinheit!


Begrüßungsansprache auf der Massenkundgebung

der revolutionären Arbeitersportler

Erfurt, 8. Juni 1930


„Die Rote Fahne“

vom 11. Juni 1930



Klassengenossen, Genossinnen, Sportfreunde!

Im Namen der Kommunistischen Partei Deutschlands, im Namen des nicht zu verbietenden Roten Frontkämpferbundes überbringe ich euch die revolutionärsten brüderlichen Grüße. Unsere heutige rote Heerschau, unsere gewaltige Sportdemonstration, die der proletarischen Wehrhaftmachung dient, ist getragen vom Geiste des Sozialismus, getragen von der großen Idee, für die wir alle ringen und kämpfen. Wir kommen heute in einer Stadt zusammen, in der nach dem Sozialistengesetz – als die revolutionäre Klassenfront der deutschen Arbeiter unter dem Banner der damals noch revolutionären Sozialdemokratischen Partei, die Bismarck und Puttkamer gezwungen hatte, das Sozialistengesetz aufzuheben - der erste sozialistische Kongreß stattfand. In Erfurt, der Stadt dieser Tradition, versammeln wir uns heute.

Die Sozialdemokratie von heute tritt die Klasseninteressen des Proletariats mit Füßen. Sie, die während des Weltkrieges das internationale Banner des Sozialismus fallen ließ, führt heute, zwölf Jahre nach dem Kriege, nach der Novemberrevolution, die größten Schandtaten gegen das revolutionäre Proletariat, gegen die werktätigen Massen durch. Auch in den Fragen des Arbeitersports erweist sich die SPD als treueste Helferin der Bourgeoisie.

Demgegenüber ist die heutige Demonstration der Arbeitersportler, der Turner, Fuß- und Handballer, Wanderer, Schwimmer, Athleten, Arbeitersamariter und aller anderen Sparten der Arbeitersportbewegung, ein gewaltiges Bekenntnis zur Kampfgemeinschal für die rote Sporteinheit, gegen die sozialfaschistische Sportbürokratie und ihre verbrecherische Spaltungspolitik.

Der heutige Arbeitersporttag ist eine wuchtige Demonstration für die revolutionäre Einheit des Arbeitersports in ganz Deutschland. Aus den Schächten. des Ruhrgebiets, aus den Kohlengebieten von Schlesien und der Lausitz, aus den Industriegebieten Berlins und dem übrigen Deutschland, von den Werften an der Wasserkante, aus den verschiedenen Textilgebieten, aus Ostpreußen, aus dem Süden und Norden, aus den Gifthöllen Mitteldeutschlands, und vor allem aus Thüringen habt ihr euch hier versammelt. Unser Kampftag ist ein Tag der ganzen deutschen Arbeiterklasse.

Nicht weit von hier, in Thüringen, diktiert die faschistische Regierung frech und brutal ihre Anschläge gegen die Werktätigen. Unter Berufung auf die Weimarer Verfassung und das Republikschutzgesetz verbietet die Faschistenregierung kommunistische und sozialdemokratische Zeitungen. Der nationalsozialistische Minister Frick untersagt den roten Sportlern, öffentliche Kundgebungen und Sportdemonstrationen auf dem Thüringer Gebiet abzuhalten.

Es war und ist unsere Aufgabe, den Thüringer Arbeitern unsere Solidarität zu bekunden und Thüringen mit der roten Flut zu überschwemmen. Ihr wart gestern in Weimar, Jena, Apolda, Gotha und vielen anderen Orten Thüringens und habt den Faschisten gezeigt, daß die Arbeiterklasse nicht schläft, sondern daß sie wacht und vorwärts stürmt im Geiste des Sozialismus. Wenn die roten Autokolonnen, wenn die rote Kavallerie durch die Straßen, auf den Chausseen, durch die Wälder, durch die Städte stürmten, so hat auch das den Kampfwillen und den Mut der Thüringer Arbeiterschaft gestärkt. Das Thüringer Proletariat fühlt sich eins mit der Kommunistischen Partei und ihrem aktiven Kampf gegen den Faschismus. Die Thüringer Arbeiterschaft erkennt immer stärker, daß die Kommunistische Partei die einzige antifaschistische Kraft ist.

Von dieser Stelle aus danken wir den Thüringer Arbeitern und der Erfurter Arbeiterschaft, die die große Opferbereitschaft aufgebracht haben, die Arbeitersportler aus ganz Deutschland aufzunehmen und zu beherbergen. Trotz aller Schikanen der Reichsbahn, die die Fahrpreisermäßigungen für euch ablehnte, habt ihr euren Aufmarsch durchgeführt. Wir sagen den Behörden, wir sagen den Sozialfaschisten, die euch Turnhallen, Schwimmbäder und Sportplätze entreißen wollen, die die rote Sportbewegung ganz spalten und die große einheitliche Front zertrümmern und zerschlagen wollen, daß es ihnen nicht gelingen wird, den Vormarsch des roten Arbeitersports aufzuhalten. Die heutige Kundgebung, dieser gewaltige Aufmarsch, ist der Beweis dafür, daß ihr alle Schikanen und die bürgerlichen, faschistischen und sozial-faschistischen Anschläge durchbrochen habt. Die bürgerlichen und die sozialdemokratischen Zeitungen haben gegen euer rotes Reichstreffen gehetzt. Das beweist nur, daß sie euch fürchten. Wenn diese Leute sich darüber empören, daß die Arbeitersportler besonders die arbeitende Jugend im Geist der proletarischen Wehrhaftmachung und des revolutionären Klassenkampfes erziehen, dann erklären wir ihnen, daß wir niemals zulassen werden, daß die Jugend der Arbeiterklasse von der faschistischen Reaktion, von der Kirche,

von den Sozialfaschisten ihren Klassenbrüdern entfremdet wird.

Genossen!

Wenn es unter dem größten Elend, unter der schwersten Not in Deutschland, während drei Millionen erwerbslos sind und ein großer Teil kurzarbeiten muß und nur über das Existenzminimum verfügt, trotzdem gelungen ist, heute eine so gewaltige Anzahl proletarischer Sportler hier zusammenzufassen, so zeugt das von dem Elan, von der vorwärtsstürmenden elementaren Wucht, mit der die Kampfgemeinschaft für rote Sporteinheit auf ihr Ziel zumarschiert und ihre Aufgaben in Angriff nimmt. Mancher Mutter war es nicht möglich, ihrem Sohn das Fahrgeld zu geben, damit er hier teilnehmen konnte. Aber diese Hunderttausende in allen Teilen Deutschlands, die nicht anwesend sein können, sie denken mit uns, sie fühlen mit uns, und wir fühlen und denken mit ihnen und bilden so eine große solidarische Front auf allen Kampfgebieten.

Genossen und Genossinnen! Der Generalsekretär des Deutschen Reichsausschusses für Leibesübungen, Dr. Diem, schreibt am Schluß eines Aufsatzes, „Deutscher Sport”, wörtlich folgendes:

„Heute strebt das deutsche Volk wieder zur Weltgeltung zurück. Der deutsche Sport soll seiner Jugend in diesem Streben die Muskeln straffen, Eisen ins Blut gießen und jenen frischen, natürlichen opferfreudigen Sinn erzeugen, der Grundlage aller Größe und alles Glücks einer Nation ist.”

Die Kommunistische Partei, in deren Namen ich hier spreche, erklärt: Diese Leute haben kein Recht, von Weltgeltung, von der Grundlage aller Größe und allen Glücks einer Nation zu sprechen.

Sie, die den räuberischen Sklavenpakt, den Youngplan, abgeschlossen haben und anerkennen, sie, die zulassen, daß die Sklavenpeitsche stärker denn je gegen die gewaltige Mehrheit der deutschen werktätigen Bevölkerung erhoben wird, sie, die die volksfeindliche Politik des kapitalistischen Staates bedingungslos unterstützen, haben kein Recht, von Nation zu sprechen. Sie beschmutzen die proletarischen Massen, sie verspotten die proletarischen Massen, die sich als einziges Ziel die Verwirklichung der revolutionären Aufgabe gestellt haben, durch den Sieg der proletarischen Revolution die Youngketten, mit denen Generationen der Menschheit ins Sklavenjoch getrieben werden, zu zerreißen und zu zersplittern.

Wir Kommunisten sagen von dieser Stelle: Wir kämpfen auch für eine Nation, aber nicht für eine Nation der Thyssen und Klöckner, Borsig und Siemens, Blohm & Voß und Cuno, in der die Reichsregierung mit den faschistischen und sozialfaschistischen Führern die Industriellen und Großagrarier bereichert und die Massen aus plündert.

Wir kämpfen statt dessen für eine Nation, in der die Werktätigen das Staatsruder selbst in die Hand nehmen, in der sie die Schlüsselindustrien, die Eisenbahn, die Schiffahrt, die Banken in die Hände der Allgemeinheit überführen und den Weg zum Sozialismus einschlagen.

Die bestehende kapitalistische Gesellschaft mit ihrer Lohnsklaverei, mit der wirtschaftlichen und politischen Ausbeutung, Unterdrückung und Entrechtung der großen Masse der werktätigen Bevölkerung erzeugt Lebensbedingungen, die in körperlicher und geistiger Beziehung die verheerendsten Auswirkungen haben und die insbesondere die proletarische Jugend in ihrer körperlichen Entwicklung und geistigen Entfaltung hemmen. Die gewaltige Steigerung des Arbeitstempos durch die kapitalistische Rationalisierung, die Mechanisierung der Arbeit, die große Massennot und das Massenelend hemmen die körperliche und sportliche Betätigung besonders des jungen Proletariats. So ist es kein Zufall, daß wir gerade auf das junge Element, das so frisch und elementar in den Sparten eurer Arbeitersportverbände wirkt und heute mit aufmarschiert, die größte Aufmerksamkeit bei unserer zukünftigen Arbeit lenken müssen.

Der Sozialfaschismus will die mächtige Arbeitersportbewegung zerschlagen, will jeden revolutionären Geist, jede wirkliche proletarische Wehrhaftigkeit, jeden Kampfgeist gegen Militarismus und imperialistische Kriegsgefahr, für die Verteidigung der Sowjetunion, jede Klassenerziehung im Sinne des Sozialismus ersticken und alle Anhänger und Kämpfer für den revolutionären Geist ausmerzen und aus den Reihen der Arbeitersportbewegung hinauswerfen. Wir werden mit euch gemeinsam um die Einheit der Arbeitersportbewegung weiterkämpfen. Die Kommunistische Partei wird in diesem Kampf treu und brüderlich der Kampfgemeinschaft für die rote Sporteinheit zur Seite stehen und zusammen mit euch, Sportgenossen und Sportgenossinnen, den Kurs auf die Gewinnung neuer breiter Massen für den roten Sport einschlagen.

Im Zeichen welcher Aufgaben steht unser heutiger roter Sport- und Kampftag?

Es gilt, den Kampf gegen den Youngplan mit seiner mörderischen Verelendung der Arbeitermassen zu organisieren.

Es gilt, den Kampf zu führen gegen die Kriegspolitik der deutschen Bourgeoisie und für die Verteidigung der Sowjetunion, des einzigen Landes, in dem die Arbeitersportbewegung nicht um ihre Rechte betteln muß, sondern vollste Unterstützung genießt.

Den schärfsten Kampf gegen die faschistischen Werksportvereine, gegen die reaktionären bürgerlichen Sportverbände, in denen die Faschisierung und Militarisierung der proletarischen Jugend betrieben wird.

Wir müssen alles daransetzen, die Verbürgerlichung des Arbeitersports durch die Sozialfaschisten zu verhindern.

Ein weiterer entscheidender Punkt ist die ideologische Einstellung der klassenbewußten Arbeitersportler auf die Gewinnung aller Arbeiter, die sich noch in den bürgerlichen oder unter Führung der sozialfaschistischen Sportbürokratie stehenden Vereine befinden. Wir müssen sie gewinnen für den roten Sport unter der Führung der Kampfgemeinschaft für die rote Sporteinheit.

Im Kampf gegen die Entrechtung der Arbeitersportbewegung, gegen die Entziehung von Turnhallen, Schwimmhallen und Sportplätzen muß die rote Einheit hergestellt werden.

Ihr dürft euch nicht entrechten lassen, ihr müßt die Massen gegen die Entrechtung mobilisieren. Die Massen werden mit euch unter dem roten Banner marschieren und die Willkürakte und Sabotagestreiche der Sozialfaschisten zunichte machen.

Ihr werdet mit eurem revolutionären Willen die Front der Arbeitersportler um Zehntausende erweitern. Heran an die proletarischen Elemente in allen Sportorganisationen! Zeigt ihnen, daß ihr gewillt seid, in der Praxis die Einheitsfront durchzuführen. Einheitsfront um der Idee des Sozialismus willen, Einheitsfront unter dem roten Banner! So werden unter Führung der Kampfgemeinschaft für die rote Sporteinheit aus den Kolonnen der Arbeitersportler Bataillone, aus den Bataillonen Regimenter, aus diesen Regimentern Divisionen werden, die mit der gesamten deutschen Arbeiterklasse gemeinsam einen gewaltigen Schritt weiter gehen werden. Von diesem Kongreß und von dieser Demonstration aus müssen wir diesen Vormarsch zu den neuen, höheren Aufgaben der roten Sportbewegung antreten.

In diesem Geiste begehen wir unseren roten Sport- und Kampftag. In diesem Sinne steht euch die Kommunistische Partei brüderlich zur Seite. Für diese Aufgaben gilt es die Arbeit zu erweitern und zu vertiefen. Unsere Losung ist: „Vorwärts immer, rückwärts nimmer!”

Der Roten Sportinternationale, der Kampfgemeinschaft für rote Sporteinheit, dem revolutionären Klassenkampf der Arbeitersportler, dem Kampf für die Befreiung vom Kapitalismus, der Sowjetunion, dem sozialistischen Vaterlande, ein dreifaches kräftiges „Rot Sport!”

 

 


Wir stürmen für Sowjetdeutschland!

Rede in Hamburg
8. August 1930

(Auszug)

 

In wenigen Tagen, am 11. August, sollen die Reichsbannerkameraden, die sozialdemokratischen Arbeiter marschieren, um diese „glorreiche” Weimarer Verfassung, die Verfassung der Kapitalisten, zu feiern. Wir können schon heute Widerstand - hier in Hamburg zum Beispiel in der SAJ - gegen den kapitalistischen Rummel dieser Feiern feststellen. Große Erbitterung herrscht in den Abteilungen in Barmbeck, in Elmsbüttel, in Eppendorf, wo die SAJ-Mitglieder sich geweigert haben, an diesem Verfassungsaufmarsch teilzunehmen. Ich weise auf die Tatsache hin, daß in Frankfurt am Main bei einer Sitzung des Vorstandes des Reichsbanners Demokraten und Zentrum erschienen und die Sozialdemokraten nicht kamen.

Die Frage, wird die Verfassungsfeier von der Regierung begangen oder sollte sie vom Reichsbanner durchgeführt werden, hat schon eine große Debatte in das Reichsbanner und vor allem in die SAJ hineingetragen. In Hamburg verlangte die SAJ, Inschriften mit der Losung zu tragen „Republik, das ist nicht viel, der Sozialismus ist unser Ziel!”

Löbe hat demgegenüber gesagt, weil ihm das schon zu weit ging: „Die Republik ist schon viel, der Sozialismus ist unser Ziel!” Während die SAJ-Mitglieder sagen wollten, daß die Republik nichts sei und der Sozialismus alles, schreibt Löbe: „Die Republik ist schon viel.”

Er korrigierte sofort selbst diese, unserer Ansicht nach noch sentimentale Auffassung. Es wurde strengstens verboten, eine solche Losung zu tragen. Die zweite Tatsache ist, daß hier in Harnburg am 11. August verboten wurde, im Demonstrationszuge am Verfassungstage Losungen mitzutragen, die die Bundesgenossen in der Staatspartei und besonders im Zentrum, den Reichskanzler Brüning und Arbeitsminister Stegerwald, den Einpeitscher dieser faschistischen Regierung, beleidigen könnten. Hörsing hat den Befehl herausgegeben, im Wahlkampf jeden Angriff auf Reichsbannerparteien im Reichsbanner zu unterlassen. Wie kann sich ein sozialdemokratischer Arbeiter wohl fühlen in dieser Gemeinschaft mit der Staatspartei, in der Gemeinschaft sogar mit den Jungdo-Faschisten und in der Gemeinschaft mit diesem pfäffischen Zentrum.

Genossen!

Ich glaube, man kann von dieser Stelle aus sagen, die Stunde ist gekommen, wo es uns Kommunisten und den mit uns sympathisierenden Arbeitern möglich ist, auch diese oppositionellen Arbeitermassen, besonders die Jugend, mit unseren Losungen und durch unsere unermüdliche .Arbeit an unsere revolutionäre Front heranzubringen.

Wir sagen von dieser Stelle aus: Wir freuen uns, wenn die SPD- und SAJ-Arbeiter zu denken beginnen, wenn sie den tiefen Verrat ihrer eigenen Führer sehen und wenn sie einen weiteren Schritt zur revolutionären Massenfront unter Führung der KPD gehen würden. Wir öffnen die Türen, wir reihen sie ein in unsere Partei. Mit den großen Massen des revolutionären Proletariats organisieren wir den Sieg der proletarischen Revolution.

 

 

 

 

Thälmanns Kampfgruß an die Jugend

 

„Der Jugendverband wächst im Feuer der reaktionären Anschläge“

 

Die Rote Fahne,

5.4.1931


Zu eurem 6. Reichsjugendtag euch die heißesten revolutionären Kampfgrüße!

Euer Jugendtag muß ein Tag der großen revolutionären Massenmobilisierung gegen die Durchführung der faschistischen Diktatur in Deutschland werden. Vor euch steht die Aufgabe, die Massen des Jungproletariats in der revolutionären Einheitsfront zu organisieren.

Der Jugendverband kann nur im Kampf gestählt werden. Er wächst in diesem Kampf und im Feuer der reaktionären Anschläge und Verfolgungen erst recht zur eisernen und kühnen Avantgarde des deutschen Jungproletariats heran.

Die Bourgeoisie und die Sozialdemokratische Partei wollen die Arbeiterjugend mit brutaler Macht niederhalten. Deshalb rauben sie dem Jungproletariat, genau so wie den erwachsenen Arbeitern, das Recht auf die Straße. Sie bedrohen die Organisationen des Jungproletariats und hoffen, mit Gewalt die Sammlung der Jugend, des ganzen werktätigen Volkes in Stadt und Land im Lager der proletarischen Revolution zu verhindern. Die Regierenden, als Beauftragte ihrer kapitalistischen Hintermänner, glauben, durch ihre Verbotsmaßnahmen das Jungproletariat an der Sammlung in der revolutionären Einheitsfront und am Kampf gegen die wachsende faschistische Gefahr verhindern zu können. Das Jungproletariat und seine Organisation, der Kommunistische Jugendverband, marschieren trotz alledem im Geiste Liebknechts und Lenins vorwärts.

Vor dem Jugendverband steht die Aufgabe, die Sammlung des Jungproletariats in der revolutionären Einheitsfront voranzutreiben durch die Liquidierung der SAJ als Massenorganisation. Der Jugendverband muß gleichzeitig einen breiten Einbruch in die bürgerlichen und katholischen Jugendverbände organisieren, um auch diese jugendlichen Arbeiter in die Klassenfront einzubeziehen. Der 6. Reichsjugendtag muß ein Auftakt werden für den weiteren unaufhaltsamen Vormarsch.

Jugendgenossen! Kämpft mit aller der Jugend eigenen revolutionären Leidenschaft gegen die wachsende imperialistische Kriegsgefahr! Stellt euch wie ein Mann schützend vor das sozialistische Vaterland aller Werktätigen, die Sowjetunion!

Entfaltet machtvoll das Sturmbanner des Kommunismus, das Sturmbanner der Jugend der proletarischen Revolution!


Im Namen des Zentralkomitees der KPD

Ernst Thälmann


 

 

 

Die Lage in Deutschland und die Aufgaben der KPD
Bericht auf dem 11. Plenum des EKKI

(Auszug)

 

Eine dritte Tatsache sind die ersten organisatorischen Formen von Gruppenbildungen in der Sozialdemokratischen Partei, wobei weniger die Frage der früheren „linken“ Sozialdemokraten steht. Es bilden sich vielmehr in allen Teilen Deutschlands Arbeitergruppierungen gegen alle führenden Leute in der SPD und im ADGB. Ich verweise besonders auf die Vorgänge in der SAJ, die viel kritischer und tiefer sind, als die Gärung und Rebellion in der Sozialdemokratie selbst. Bei diesen Vorgängen können wir von einer tiefen Krise und von einer gebietsweisen Liquidierung der SAJ in Deutschland sprechen. Interessant für das gesamte Plenum ist die Tatsache, daß die proletarische Jugend sich viel schneller und rebellischer gegen die konterrevolutionäre Führung entwickelt, als es in den jahrzehntelang organisierten Kreisen der Sozialdemokratischen Partei und der Gewerkschaften der Fall ist.

Ich glaube dabei, Genossen, daß die tiefe Krise in der SAJ auch ihre Wirkung auf die älteren sozialdemokratischen Arbeiter hat, die doch, ob sie Respekt vor der Jugend haben oder nicht, immerhin gezwungen sind, sich diese Denkart und die Handlungen der Jugendlichen erklären zu müssen.

 

 

 

 

 

Die Internationale, Heft 2, 1932

Einige Bemerkungen zur Arbeit des Jugendverbandes

 

 

 

Schlußwort auf dem XII. Plenum des EKKI

1932

(Auszug)

 

(...) darauf hingewiesen, daß es in der Politik unseres Jugendverbandes einige Schwierigkeiten gibt, daß es Widerstände gab gegen die vom EKKI der KJI und unserem ZK festgelegten Linie der Politik. Wir haben es hier mit gewissen Widerspiegelungen all der schon behandelten Fragen zu tun. Die Komintern ist gemeinsam mit der KJI und der deutschen Parteiführung der Meinung, daß in letzter Zeit im Kommunistischen Jugendverband Deutschlands auf dem Gebiete der Durchführung der Generallinie verschiedene Abweichungen und Unklarheiten zu verzeichnen sind. Wir müssen weiter feststellen, daß gerade in der jetzigen Zeit jede weitere Entfremdung der Jugendführung gegenüber der Partei wegen ihrer besonderen Gefährlichkeit aufs schärfste bekämpft werden muß. Diese Entfremdung war nicht in der ganzen Jugendleitung und erst recht nicht in den unteren Schichten des KJVD zu verzeichnen. Um so schneller hoffen wir das Verhältnis der Jugend zur Partei wieder auf eine solche Grundlage zu bringen, daß wir gemeinsam den Klassenfeind an den verschiedenen Fronten schlagen können.

Wir werden wohl auch nicht umhin können, um eine Verbesserung der Arbeit des Kommunistischen Jugendverbandes zu erreichen, einige organisatorische Maßnahmen einzuleiten, die die Garantie für die Durchführung der Komintern- und Parteibeschlüsse geben. Durch die scharfe Fragestellung der KJI und der Partei in bezug auf den Jugendverband, in Verbindung mit einigen Beschlüssen, die wir hier fassen, wird die volle Wiedereinordnung des Jugendverbandes in die Gesamtpolitik der Partei in kürzester Frist ermöglicht.

 

 

 

 

 

Im Kampf gegen die faschistische Diktatur

 

Rede und Schlußwort des Genossen Ernst Thälmann
auf der Parteikonferenz der KPD*


Die Ergebnisse des 12. EKKI-Plenums und unsere Aufgaben

 

(Auszug)

 

Große Verwirrung richtete Neumann in der Frage der faschistischen Diktatur an. Als im Dezember 1930, also vor ungefähr zwei Jahren, die Brüning-Regierung zu verschärften
Methoden der Notverordnungspolitik überging, stellte Genosse Neumann in der „Roten Fahne“ die überspitzte These auf, die Brüning-Regierung sei damit die faschistische Diktatur.
Die Partei habe also nicht mehr um die Verhinderung der faschistischen Diktatur, sondern nur noch um ihren Sturz zu kämpfen. In dieser überspitzten Formulierung drückt sich lediglich die vom 11. Plenum zurückgewiesene Theorie von der faschistischen Diktatur als „Sprungbrett für die Revolution“ aus. Im Frühjahr dieses Jahres traten bekanntlich bei gewissen Schichten der verzweifelten Erwerbslosen massenmäßige Stimmungen auf, man müsse Hitler an die Macht bringen, um dadurch die Revolutionäre Krise zu beschleunigen.
Das wurde durch die SPD-Führer mit ihrem Gerede vom „Ranlassen Hitlers, damit er abwirtschafte“, noch gefördert. Es ist klar, Genossen, daß die Partei durch solche falschen
Formulierungen und Theorien über den Faschismus als „Sprungbrett der Revolution“, wie sie Genosse Neumann im Dezember 1930 durch seine überspitzten Formulierungen über die Brüning-Regierung und später noch ziemlich offen im Jugendverband zum Ausdruck brachte, in ihrem Kampf zur Überwindung der gefährlichen Erwerbslosenstimmungen dieses
Frühjahrs gehemmt wurde.

 

 

die Frage des Herankommens an die
christlichen Arbeitermassen.

 

Wir kommen auf diesem Gebiet nicht vorwärts, wenn wir die
Frage der Religion in den Vordergrund rücken; wir müssen von der sozialen Frage ausgehen.
Auf dem christlichen Gewerkschaftskongreß in Düsseldorf traten die starken Gärungen, besonders unter der Jugend, sehr stark zutage. Minister Schäffer, der dort sprach, wurde
niedergeschrieen. Das zeigt den wachsenden Druck der christlichen Gewerkschaftsmitgliedermassen. Die Gärung kam auch durch besondere Losungen zum Ausdruck, wie zum Beispiel „Keine billige Arbeitskraft, sondern Tariflohn“ - „Gleiche Leistung, gleicher Lohn“ - „Not, Not, Not, das Schicksal der werktätigen Jugend“.

 

 

Einige Bemerkungen zur Jugendfrage


Wir können das Jugendproblem nicht ernst genug in unserer gesamten Partei aufrollen. Die Frage unserer Jugend ist keine Ressortfrage, sondern stellt einen wichtigen Teil des Problems
der Eroberung der Mehrheit der Arbeiterklasse dar. Hier steht nicht nur die Frage des KJVD, hier steht die Frage der Verjüngung aller unserer Kader. Erst die volle Erkenntnis der
Wichtigkeit der arbeitenden Jugend, ihre Bedeutung und Rolle im Klassenkampf des Proletariats, bei der Frage des imperialistischen Krieges wird unsere Parteigenossen auch an
die praktische Inangriffnahme einer revolutionären Jugendpolitik heranführen.
Nach statistischen Erhebungen wurde festgestellt, daß nach 1910 etwa 10 bis 12 Millionen junger Menschen aufgewachsen sind, eine Generation der Nachkriegszeit. Sie hat den Krieg
oder die Revolution nicht mitgemacht oder nur als Kinder erlebt. Diese Generation ist bereits ökonomisch entwurzelt, ehe sie ins Leben eintritt. Diese Jugend geht von der Schulbank zur Stempelstelle oder von der Lehrstelle zur Stempelstelle. Diese gärende, revolutionär gestimmte Jugend sucht sozialistische Ideale. Wir müssen sehen, daß es dem
Nationalsozialismus gelungen ist, einen gewissen Teil dieser Jugend aufzufangen. Wir müssen es fertig bringen, diese Jugendmassen für uns zu gewinnen, für den revolutionären
Ausweg aus der Krise zu mobilisieren. Wir müssen sehen, daß der Faschismus durch vorgetäuschte Kameradschaftlichkeit in der Arbeitsdienstpflicht, durch militärische Disziplin usw. diese Jugendschichten für den Kampf gegen das Proletariat und für den imperialistischen Krieg mobilisiert.
Nur durch revolutionäre Kameradschaftlichkeit, durch wirkliche Liebe zur Jugendarbeit können wir unsere jungen Kampfgenossen erziehen und für unsere großen sozialistischen
Ziele gewinnen. Hier wurde die Jugend das heiligste Gut unserer Partei genannt! Das ist richtig. Wir müssen unsere Jugend wie unsern eigenen Augapfel hüten! Wir müssen das
politische Leben unseres Jugendverbandes zur höheren Entfaltung bringen. Zu allen entscheidenden Arbeiten unserer Partei muß das junge Element stärker herangezogen werden.
Der Genösse Lenin hat 1905 in seinem Brief an Bogdanow folgendes geschrieben:
"Man braucht junge Kräfte... Es gibt eine Unmenge von Leuten, man muß nur weitherziger und kühner, weitherziger und nochmal weitherziger und noch einmal kühner unter der Jugend werben, ohne sie zu fürchten. Es ist Kriegszeit. Die Jugend wird den Ausgang des ganzen Kampfes entscheiden. Laßt die alten Gewohnheiten der Schwerfälligkeit, des Respekts vor der Amtsperson.
Gründet aus der Jugend hunderte Zirkel ... und spornt sie an, mit aller Kraft zu arbeiten."
"Man muß" - so schrieb Lenin weiter - "mit ungeheurer Schnelligkeit alle Leute mit revolutionärer Initiative vereinigen und in Bewegung setzen. Habt keine Angst vor ihrem Unvorbereitetsein, zittert nicht wegen ihrer Unerfahrenheit und Unreife... Entweder überall neue, junge, frische, energische
Kampforganisationen für unsere Arbeit, aller Formen, aller Arten und in allen Schichten, oder ihr werdet zugrunde gehen..."
Also, Genossen: Keine Ängstlichkeit, zieht die Jugend heran zur revolutionären Praxis. Die Parteiarbeit kann nur gefördert werden, wenn frisches, junges Blut in die Adern unserer Partei
hineingepumpt wird.
Genosse Florin hat in seinem Koreferat über die Probleme des sozialistischen Aufbaues in der Sowjetunion referiert. Genosse Florin hat mit Recht gesagt, daß es notwendig ist, in der
Agitation auch die Schwierigkeiten, die Wachstumsschwierigkeiten aufzuzeigen.
Er hat in einer eingehenden Analyse des sozialistischen Aufbaues nachgewiesen, ein welch eminent revolutionärer Faktor die Erfolge an der Front des sozialistischen Aufbaus
gleichzeitig auch für den Klassenkampf des internationalen Proletariats sind.

 

 

 

 

 

14./15.11.1932

Die Bedeutung des XII. Plenums für den KJVD

Rede des Genossen Thälmann auf der Plenartagung des Zentralkomitees des KJVD

 

 

 

Berlin - roter Vorposten!


Die wegweisende Kampfrede unseres Führers Ernst Thälmann
auf dem Bezirksparteitag Berlin-Brandenburg

 

1932

(Auszug)

 

 

Besonders verwerflich war die Tätigkeit der Neumann-Gruppe im Kommunistischen Jugendverband. Das Plenum des Jugend-ZK hat einmütig und geschlossen auf seiner letzten Tagung seine unverbrüchliche Verbundenheit mit der Partei und der jetzigen Führung ausgesprochen. Wir haben dem KJV die Aufgabe gestellt, eine große Massenorganisation zu werden und die Partei zu überholen. Gleichzeitig steht die Frage der Verjüngung der Gesamtkader unserer Partei. Wir gehen mit revolutionärem Optimismus, mit Mut, Begeisterung und Leidenschaft an den Kampf für die Interessen des Jungproletariats und für die Bolschewisierung des KJVD heran.


Erobert das Jungproletariat!


Wir müssen sehen, daß heute mehr als 600000 Jugendliche obdachlos und brotlos auf den Landstraßen herumwandern. Wir müssen gerade der ausgeplünderten proletarischen Jugend in
den Fabriken, in den Städten, Dörfern und auf den Landstraßen unsere revolutionären Ziele aufzeigen und ihnen sozialistische Ideale geben. Wir müssen ihnen zeigen, unter welchen
Bedingungen die Jugend im befreiten Sowjetlande lebt, wir müssen ihnen zeigen, daß unsere Partei den revolutionären Ausweg aus der Krise weist, daß die Partei bereit ist, mit der
proletarischen Jugend gemeinsam gegen Faschismus und Kapitalismus zu kämpfen und zu siegen. Mehr als einmal hat unser großer Lehrmeister Lenin auf die Rolle und Bedeutung der
Jugend hingewiesen. Denken wir doch nur daran, wie zum Beispiel während des Krieges die revolutionäre Jugend unter Führung Karl Liebknechts gemeinsam mit einer Schar älterer
Klassengenossen aus der sozialdemokratischen Bewegung an der Spitze der revolutionären Kämpfe stand und durch ihre Antikriegsaktionen während des Weltgemetzels den
revolutionären Kämpfen des Jahres 1918 voraneilte.
Erst recht gilt es heute, unter denen Millionen jungen Proletariern die revolutionäre Glut, die revolutionäre Leidenschaft zu entfachen, um die Jugend unter unserem Banner zu sammeln im Kampfe gegen den imperialistischen Krieg und für den Sozialismus.

 

 

 

 

 

Vorwärts, rote Freiheitsarmee
zur verschärften antiimperialistischen Massenoffensive
Zur 10jährigen Wiederkehr der Ruhrbesetzung durch Poincaré

Heldentum unserer Jugend


War der flammende Protest der Sowjetunion, der Protest des einzigen Staates der Erde gegen die Ruhr-Besetzung, ein weithin leuchtendes Signal der Klassenverbundenheit des Landes der Arbeiter und Bauern mit den Unterdrückten Deutschlands, so bildet der gemeinsame revolutionäre Massenkampf der deutschen, französischen und belgischen kommunistischen Parteien gegen die Vergewaltigung der Werktätigen an Rhein und Ruhr ein einziges großes
Ruhmesblatt in der Geschichte des Proletariats. Schon beim Einmarsch der interalliierten Truppen appellierten revolutionäre Plakate in zwei Sprachen an die Klassensolidarität der Proletarier im Waffenrock.
In wenigen Wochen wurden damals dank der unermüdlichen Tätigkeit des französischen Jugendverbandes, in enger Zusammenarbeit mit den deutschen Jungkommunisten, in den
wichtigsten Kasernen der Besatzungstruppen revolutionäre Soldatenzellen geschaffen. Ganze Ballen der revolutionären Soldatenzeitung „La Caserne“ flogen durch Türen, Fenster und über die Kasernenmauern in die Soldatenstuben der französisch-belgischen Besatzungsarmee. Es dauerte nicht lange - und ganze Kompagnien der Poincaréschen Armee waren an manchen
Stellen bereits vom kommunistischen „Bazillus“ infiziert. Oft erschollen bei ihrem strafweisen Abtransport von den Bahnhöfen revolutionäre Lieder. In den Wäldern des Rheins
und der Ruhr sah man immer häufiger ganze Kolonnen und Kompagnien revolutionärer Besatzungssoldaten beim Strafexerzieren.
Millionen Franken warf das französische Generalkommando aus zur Korrumpierung der Bevölkerung, um Judasse, Denunzianten, Spitzel und Achtgroschenjungen zu kaufen und um der kommunistischen Propaganda unter dem Besatzungsheere Einhalt zu gebieten. Doch vergeblich! Immer enger wurde an vielen Stellen das Verhältnis zwischen den Truppen und dem Rhein-Ruhr-Proletariat… Unbeschreiblichen Jubel löste es z.B. aus, als 1923 beim Jugendtage in Düsseldorf im Massenaufmarsch der Jungkommunisten ein Trupp von 150
Soldaten in Uniform, revolutionäre Lieder singend, mitmarschierte.
Die revolutionäre antimilitaristische Tätigkeit unseres Kommunistischen Jugendverbandes während des Ruhrkrieges ist eine seiner ruhmvollsten Epochen, einer der heroischsten
Abschnitte in seiner Entwicklung und Geschichte. - Die über 100 Jungkommunisten vom Rhein und von der Ruhr und die 27 im Mainzer Zentralgefängnis vom französischen Imperialismus eingekerkerten revolutionären Jungarbeiter im Waffenrock - sie sind junge Helden, anfeuernde Beispiele heroischer Tatkraft und kämpfenden proletarischen Internationalismus.

 

 

 

Resolution der Parteikonferenz der KPD
über das XII. Plenum des EKKI und die Aufgaben der KPD

(Auszug)

 

Angesichts der verschärften Verbotsdrohungen der faschistischen Diktatur gegen die revolutionären Klassenorganisationen des Proletariats, vor allem gegen die Kommunistische Partei und den Kommunistischen Jugendverband, verpflichtet die Parteikonferenz alle
Kommunisten zur stärksten Wachsamkeit gegenüber dem Klassenfeind. Alle Maßnahmen müssen getroffen werden, um die Partei, den KJVD und die revolutionären
Massenorganisationen zur höchsten Schlagfertigkeit zu bringen.
Es gilt, die Reichstagswahlen am 6. November durch die Auslösung und Führung von Streiks und anderen Massenaktionen im Wahlkampf zu einem Massenbekenntnis für die Politik und
die Losungen der Kommunisten zu machen.
Es gilt, die Agitation und Propaganda der gesamten kommunistischen Presse, die öffentliche Agitation und tägliche mündliche Kleinagitation [auszurichten]* auf die eine Richtung der Auslösung und Führung der wirtschaftlichen und politischen Tageskämpfe mit dem Ziel der Heranführung der Massen an den Kampf um die Macht, den Kampf für die Arbeiter- und Bauern-Republik!

 

 

 

 

 

 

"Wer kämpft um eine Idee, um eine große und gewaltige Idee, der muß alle Leiden in diesem unvermeidlichen Kampf ruhig, bewußt und, wie es einem ehrlichen Revolutionär gebührt, mit einer größten Energie zu ertragen wissen."

(Ernst Thälmann)

 

 

 

 

 

 

Ernst Thälmann

- zum 130. Geburtstag

am 16. 4. 2016 -

Sammlung von Dokumenten über Ernst Thälmann

 

 

vor 70 Jahren ...

18. 8. 1944 - 18. 8. 2014

Ermordung Ernst Thälmanns auf Befehl Hitlers

Nieder mit dem Weltfaschismus und Weltimperialismus !

Es lebe Ernst Thälmann !

Es lebe die KPD !

Es lebe die Komintern !

Es lebe die deutsche Diktatur des Proletariats !

Es lebe die Weltdiktatur des Proletariats !

Es lebe der proletarische Internationalismus und die sozialistische Weltrevolution !

Es lebe der Weltkommunismus !