"WEG DER WELTPARTEI"

Theoretisches Organ

 

der

 

KOMINTERN (SH)

Sektion Deutschland

 


 


Rosa Luxemburg gehört zu uns, gehört zur Kommunistischen Internationale und zur KPD, an deren Gründung sie mitgewirkt hat“

(Ernst Thälmann)

 

Das revolutionäre Proletariat und wir Marxisten-Leninisten haben das revolutionäre Erbe der Genossin Rosa Luxemburg als Führerin des europäischen, insbesondere des deutschen und polnischen Proletariats und als Mitgründerin unserer Partei – die KPD - stets verteidigt und geehrt . Wir werden ihre heldenmütige aufofperungsvolle Arbeit für die große Sache der proletarischen, sozialistische Revolution niemals vergessen und unsere Trauer um ihr Leid hinter Kerkermauern und bestialischen Tod in Hass gegen die Konterrevolution verwandeln, die sie meuchlings zu einem Zeitpunkt ermordete, als das Berliner Proletariat im Januar 1919 mit der Waffe in der Hand auf den Barrikaden der Revolution kämpfte, dem Ruf der russischen Oktoberrevolution folgend.

Rosa Luxemburg war die Ehrenretterin des deutschen Proletariats und stand mit an der Spitze der Novemberrevolution 1919. In Nummer 7 vom 7. Januar 1919 schrieb Rosa Luxemburg in der „ROTEN FAHNE“:

Handeln! Handeln! Mutig, entschlossen, konsequent, - das ist die verdammte Pflicht und Schuldigkeit der revolutionären Obleute und der ehrlich-sozialistischen Parteiführer. Die Gegenrevolution entwaffnen, die Massen bewaffnen, alle Machtpositionen besetzen. Rasch handeln! Die Revolution verpflichtet. Ihre Stunde zählen in der Weltgeschichte für Monate und ihre Tage für Jahre. Mögen sich die Organe der Revolution ihren hohen Pflichten bewusst sein!“

(Rote Fahne, 7. Januar 1919).

So spricht eine Revolutionärin!

In den Tagen seit der Novemberrevolution, in den Januarkämpfen bis hin zu ihrer Ermordung wurde ihr Widerspruch zu Lenin und den Bolschewiki geringer als je zuvor in ihrem gesamten Leben, näherte sie sich durch die Revolutionstage und an Hand ihrer eigenen Erfahrungen bei ihrer führenden Teilnahme an der Revolution rasch dem Marxismus-Leninismus. Am 18. November 1918 schreibt Rosa Luxemburg über Ziel und Weg der Revolution in der „Roten Fahne“:

Die Abschaffung der Kapitalherrschaft, die Verwirklichung der sozialistischen Gesellschaftsordnung: dies und nichts Geringeres ist das geschichtliche Thema der gegenwärtigen Revolution... Aus dem Ziel der Revolution ergibt sich klar ihr Weg, aus der Aufgabe ergibt sich die Methode. Die ganze Macht in die Hände der arbeitenden Masse, in die Hände der Arbeiter- und Soldatenräte, Sicherung des Revolutionswerks vor ihren lauernden Feinden: dies ist die Richtlinie für alle Maßnahmen der revolutionären Regierung“. Zwei Tage später schreibt Rosa Luxemburg (Rote Fahne, 20. November 1918):

Wer heute zur Nationalversammlung greift, schraubt die Revolution bewusst oder unbewusst auf das Stadium der bürgerlichen Revolutionen zurück; er ist ein verkappter Agent der Bourgeoisie oder ein unbewusster Ideologe des Kleinbürgertums. Unter dem Feldgeschrei - Demokratie oder Diktatur - wird der Kampf um die Nationaversammlung geführt. Auch diese Parole der konterrevolutionären Demagogie übernehmen gehorsam sozialistische Führer, ohne zu merken, dass die Alternative eine demagogische Fälschung ist. Nicht darum handelt es sich heute, ob Demokratie oder Diktatur. Die von der Geschichte auf die Tagesordnung gestellte Frage lautet: bürgerliche oder sozialistische Demokratie. Denn Diktatur des Proletariats, das ist die Demokratie im sozialistischen Sinne. Diktatur des Proletariats, das ist der Gebrauch aller politischen Machtmittel zur Verwirklichung des Sozialismus, zur Expropriation der Kapitalistenklasse – im Sinne und durch den Willen der revolutionären Mehrheit des Proletariats, also im Geiste sozialistischer Demokratie.“

Rosa und Karl waren nicht nur von der reaktionären Konterrevolution die verhasstesten proletarischen Führer – sie waren es auch in den Reihen der Sozialdemokratie. Gegen sie richteten darum die Ebert-Scheidemann-Noske- Regierung nicht nur ihre abgefeimte Mordhetze, sondern diese beiden selbstlosen sozialistischen Kämpfer fielen durch die Mörderhand der SPD-Führung. Niemals wird die deutsche Arbeiterklasse die leidvolle Lehre vergessen:

„Wer hat uns verraten? – die Sozialdemokraten! Wer macht uns frei? Die Kommunistische Partei!“

Dieser Ruf begleitet die deutsche Arbeiterklasse mahnend bis auf den heutigen Tag auf dem Weg zur sozialistischen Revolution. Der alljährliche Marsch zu ihren Gräbern am Tage der Ermordung legen darüber Zeugnis ab, dass die deutsche Arbeiterklasse ihr tiefes Andenken in Dankbarkeit, Trauer und Hass bewahrt hat und weiter bewahren wird. Daran haben auch die Faschisten damals nichts ändern können, als sie die Grabstätten von Rosa, Karl und den anderen Genossen schändeten und zerstörten. Und daran hat sich auch nichts geändert, nachdem die sozialfaschistische SED-Herrschaft von Ulbricht und Honecker das revolutionäre Erbe von Rosa und Karl missbrauchten und mit dem Blut der revolutionären Arbeiter und Marxisten-Leninisten in der DDR besudelten. Die Revisionisten und Sozialfaschisten stammen aus den gleichen Reihen, aus denen nicht nur Rosa und Karl, sondern auch Ernst Thälmann ermordet wurde. Das dürfen wir niemals vergessen. Rosa Luxemburg dient den Revisionisten als eine der Speerspitzen gegen den Bolschewismus.

Erst mit der Gründung der KPD/ML durch den Genossen Ernst Aust – im Jahre 1968/69 gelang es der revolutionären deutschen Arbeiterklasse, die ruhmreichen Gründer der KPD aus den Klauen der Revisionisten zu reißen. Seit nunmehr 35 Jahren hat die KPD/ML bewiesen, dass sie das Erbe von Rosa und Karl würdevoll verteidigt und fortsetzt. In unserer Parteifahne haben wir den Spartakusstern. Nicht zuletzt aus den Lehren der Novemberrevolution, aus der Unterschätzung der Bauernschaft als Bündnispartner der führenden revolutionären Arbeiterklasse, aus der Unterschätzung der Rolle ihrer führenden bolschewistischen Partei, der Unterschätzung der Notwendigkeit der Anwendung und Organisierung revolutionärer Gewalt der unterdrückten und ausgebeuteten Klassen zum Sturz der Bourgeoisie und des Kapitalismus, - ist im Spartakusstern das KPD/ML - Parteiemblem eingearbeitet: Hammer, Sichel und Gewehr – die Macht der Arbeiter-, Bauern und Soldatenräte, die Diktatur des Proletariats.

Mutig kämpfte Rosa mit Karl Liebknecht zusammen an der Spitze einer kleinen aufrechten, linken Gruppe gegen den Verrat der deutschen Sozialdemokratie. Sie stellte sich dem opportunistischen Sumpf der II. Internationale entschlossen entgegen, trotz der Verleumdungen und des Spießrutenlaufens in der eigenen Partei. Den Reformisten riss sie die heuchlerische Maske vom Gesicht. Ihre Schriften sind Zeugnis ihres unermüdlichen, schonungslosen Kampfes gegen den Reformismus, den sie insbesondere Anfang des 20. Jahrhunderts aufnahm. Sie leistete einen großen Widerstand zunächst in den Reihen der SPD gegen den bourgeoisen „Burgfrieden“ der sozialfaschistischen SPD-Führer. Sie widerlegte das Argument der „Vaterlandsverteidigung“ und prangerte den Raubkrieg der deutschen Imperialisten an, für den die SPD die Kriegskredite bewilligte. Vor allem kämpfte sie gegen das verlogene Argument, sich gegen den Zarismus „verteidigen“ zu müssen, indem sie nachwies, dass damit die Erwürgung der Revolution des russischen Proletariats beabsichtigt war. Von Rosa Luxemburg stammt der berühmte Ausspruch (also von einer deutschen (! ) Sozialdemokratin):

"Die SPD ist ein stinkender Leichnam".

Wir Marxisten-Leninisten haben stets gegen die Revisionisten gekämpft, die den „Mythos“ - Rosa Luxemburg für ihre reaktionären Zwecke missbrauchten und heute noch missbrauchen. Wir laufen nicht hinter den Revisionisten hinterher, sondern haben stets aus den Fehlern der Genossin Rosa Luxemburg marxistisch-leninistische Lehren gezogen und werden dies auch weiterhin tun. Das Verschweigen der schwachen Seiten und das Übertreiben der positiven Seiten, wie das noch heute von den Revisionisten praktiziert wird, ist schädlich, weil damit das Proletariat von seinem revolutionären Weg abgelenkt werden soll. In Worten die Genossin Rosa Luxemburg aus den Fängen des Revisionismus befreien zu wollen, aber in Taten den Revisionisten Tür und Tor zu öffnen, das ist heute das Wesen des Neo-Revisionismus. Deswegen werden wir niemals müde, die Genossin Rosa Luxemburg aus den Fängen der Revisionisten zu befreien, indem wir an der Pflicht festhalten, die Wahrheit und nichts als die Wahrheit zu verteidigen. Die Genossin Rosa Luxemburg gehört dem revolutionären Proletariat und nicht der Bourgeoisie und deren revisionistischen und neo-revisionistischen Agenten in den Reihen der Arbeiterklasse.

Stalin sagte:

Es ist in unseren Parteikreisen Sitte geworden, verstorbenen Genossen übermäßiges Lob zu spenden. Das Verschweigen der schwachen Seiten und die Übertreibung der positiven Seiten ist eine kennzeichnende Besonderheit der gegenwärtigen Nekrologe.(Nekrologe=Nachrufe – Anmerkung der Redaktion). Das ist natürlich eine unvernünftige Sitte. Wir wollen dieser Sitte nicht folgen“ (Stalin, Band 2, Seite 24, dt. Ausgabe KPD/ML, Verlag Roter Morgen, Hamburg 1971).

So groß Rosa Luxemburgs Verdienste um die deutsche Arbeiterbewegung waren, so sehr wir uns in Ehrfurcht vor ihrem kämpferischen Leben verneigen, so sehr wir Rosa wegen ihres schonungslosen Kampfes für die Sache der Arbeiter lieben, so dürfen wir nicht vergessen:

groß waren auch ihre Irrtümer und Fehler, die die deutsche Arbeiterklasse tatsächlich auf falsche Bahnen gelenkt hat, und was die Revisionisten heute mit unvermindertem Eifer betreiben, indem sie sich auf Rosa Luxemburgs Fehler „stützen“ und damit weiter Unheil anrichten. Es ist unsere Aufgabe, diese Machenschaften zu entlarven, denn die Revisionisten benutzen die falschen Ansichten der Genossin Rosa Luxemburg gegen uns Marxisten-Leninisten, gegen das revolutionäre Proletariat, ggen den Bolschewismus.

Das revolutionäre Proletariat und wir Marxisten-Leninisten in der ganzen Welt haben nie den Luxemburgismus verteidigt, das heißt jene falschen Auffassungen von Rosa Luxemburg, die mit dem Bolschewismus, mit den Lehren des Marxismus-Leninismus unvereinbar waren und sind, ja ihnen diametral entgegenstehen. Wohlgemerkt handelt es sich beim Luxemburgismus nicht um irgendwelche vereinzelten Fehler (wer ist frei von Fehlern? Niemand, außer einpaar Studierstubengelehrten. Jedenfalls ist Rosa Luxemburg die letzte, die den Anspruch auf Unfehlbarkeit erhob. Sie war ehrlich um Wahrheit bemüht.), sondern um ein ganzes System falscher Auffassungen, welche entscheidende Ursachen für die Niederlagen der KPD nach ihrer Gründung, für die Verfälschung der Rolle der Partei durch die Brandleristen, für die Unterschätzung der nationalen Frage und der Bauernfrage, die trotz der Bemühungen des Genossen Ernst Thälmann nicht richtig überwunden wurden, und bis heute nicht vollständig überwunden sind. Stets haben die Marxisten-Leninisten einen konsequenten Kampf gegen den Sozialdemokratismus geführt, und der Kampf gegen den Luxemburgismus ist auch heute noch ein notwendiger Kampf gegen die Überreste des Einflusses des Sozialdemokratismus in den revolutionären Reihen der Arbeiterklasse – nicht nur in Deutschland. Ohne den Luxemburgismus vollständig auszumerzen, kann die sozialistische Revolution weder in Deutschland noch sonstwo auf der Welt siegen.

Bei der Überwindung dieser falschen Ansichten der Genossin Rosa Luxemburg haben uns vor allem die Bolschewiki , voran die Genossen Lenin und Stalin, große solidarische, internationalistische Unterstützung und Hilfe gegeben.

Vorbildlich und an erster Stelle steht der Genosse Ernst Thälmann, der Führer der KPD und des deutschen Proletariats, der in Wort und Tat dem Weg Lenins und Stalins gefolgt ist und der mit seiner Tätigkeit in der Kommunistischen Internationale hervorragend dazu beigetragen hat, das noch nicht befreite Weltproletariats auf dem Schlachtfeld des internationalen Klasenkampfes zu führen. Sowohl die KPD Ernst Thälmanns, die KPdSU [B] Lenins und Stalins, die Komintern, als auch die KPD/ML, die PAA und die marxistisch-leninistische Weltbewegung des Genossen Enver Enver Hoxha haben stets eine prinzipienfeste Haltung zur Genossin Rosa Luxemburg eingenommen, indem sie den Luxemburgismus ablehnten.

So erkannte auch Stalin die revolutionäre Tätigkeit der Genossin Rosa Luxemburg durchaus an als er sagte:

Gewiss, die Linken in Deutschland hatten nicht nur ernste Fehler. Sie haben auch große und ernste revolutionäre Taten aufzuweisen. Ich denke dabei an eine ganze Reihe ihrer Verdienste und an ihr revolutionäres Auftreten in Fragen der inneren Politik und im Besonderen des Wahlkampfes, in Fragen des parlamentarischen und außerparlamentarischen Kampfes, des Generalstreiks, des Krieges, der Revolution von 1905 in Russland usw.“ (Stalin, „Fragen des Leninismus“, S. 431).

Ferner zitieren wir hier aus Stalins Aufzeichnungen, die er als Delegierter des Londoner Parteitags der SDAPR gemacht hat, in denen der Rosa Luxemburg wie folgt positiv beurteilt:

Besonders aufschlussreich waren die Reden der Genossin Rosa Luxemburg, die den Parteitag im Namen der deutschen Sozialdemokraten begrüßte und die Auffassung entwickelte, die unsere deutschen Genossen von unseren Meinungsverschiedenheiten haben. (Wir fassen hier die beiden Reden zusammen, die R. L. zu verschiedener Zeit gehalten hat.) In den Fragen nach der Rolle des Proletariats als des Führers der Revolution, nach der Rolle der liberalen Bourgeoisie als einer antirevolutionären. Kraft usw. usw. erklärte Rosa Luxemburg ihre volle Übereinstimmung mit den Bolschewiki, kritisierte sie die Führer des Menschewismus, Plechanow und Axelrod, die sie als Opportunisten bezeichnete und deren Haltung sie mit der der Jaurèsisten in Frankreich verglich. Ich weiß, sagte Rosa Luxemburg, dass auch die Bolschewiki manchmal danebenhauen, manchmal sonderbar und allzu felsenfest sind, aber ich verstehe und rechtfertige sie durchaus: angesichts der zerfließenden, gallertartigen Masse des menschewistischen Opportunismus muss man felsenfest sein. Bei den Guesdisten in Frankreich ist gleichfalls zu verzeichnen gewesen, dass sie allzu felsenfest sind, hat doch ihr Führer, Genosse Guesde, in dem bekannten Wahlplakat verkündet: „Kein Bourgeois wage es, für mich zu stimmen, denn ich werde im Parlament nur die Interessen der Proletarier gegen alle Bourgeois vertreten.“ Und ungeachtet dessen, ungeachtet dieser Schroffheiten, standen wir deutschen Sozialdemokraten stets an der Seite der Guesdisten in ihrem Kampfe gegen die Verräter am Marxismus, die Jaurèsisten. Das gleiche muss hinsichtlich der Bolschewiki gesagt werden, die wir deutschen Sozialdemokraten in ihrem Kampfe gegen die Opportunisten, die Menschewiki unterstützen werden...

So ungefähr sprach Genossin Rosa Luxemburg.

Noch interessanter ist der berühmte Brief, den der Parteivorstand der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands an den Parteitag gerichtet und den Rosa Luxemburg verlesen hat. Interessant ist er deshalb, weil er durch den Rat an die Partei, gegen den Liberalismus zu kämpfen, und durch die Anerkennung der besonderen Rolle des russischen Proletariats als des Führers der russischen Revolution zugleich auch alle grundlegenden Leitsätze des Bolschewismus anerkennt.

Es ist also offenbar geworden, dass die erprobteste und revolutionärste sozialdemokratische Partei Europas, die deutsche Sozialdemokratie, offen und klar die Bolschewiki, als die wahren Marxisten, in ihrem Kampf gegen die Verräter am Marxismus, gegen die Menschewiki unterstützt“ (Stalin Werke, Band 2, Seite 57-58, KPD/ML, Verlag Roter Morgen, Hamburg 1971).

Wer Stalin also unterstellt, die deutschen Linken einseitig nur kritisiert und nicht gewürdigt zu haben, versündigt sich an Stalin. Und wer den Bolschewiki unterstellt, sie würden eine sogenannte „Revisionistin“ und „Zentristin“ unterschätzen , der versündigt sich sowohl an die Bolschewiki als auch an Rosa Luxemburg in ihrem Kampf gegen den Sozialdemokratismus, wenn sie diesen auch nicht immer prinzipienfest geführt hat!



Die Wiederbelebung der Überreste des Luxemburgismus stellen heute nichts anderes dar, als eine Neuauflage des Revisionismus

Welche Haltung hatte der Genosse Lenin und Stalin zum Luxemburgismus?

Stalin charakterisierte die Fehler Rosa Luxemburgs mit den Worten,dass die linken Sozialdemokraten trotz ihres Radikalismus sich noch nicht von dem menschewistischen Ballast befreit hatten“ (Stalin , Fragen des Leninismus, S. 431, dt. Ausgabe). Bereits im Jahre 1904 wies er auf diesen Zusammenhang hin ( sein Zweiter Brief aus Kutais):

Diese Herrschaften – Rosa, Kautsky, Plechanow, Axelrod, Wera Sassulitsch u.a. - haben offenbar als alte Bekannte irgendwelche Familientraditionen ausgearbeitet. Sie können nicht einander `untreu werden` , sie verteidigen einander so, wie die Mitglieder eines Klans patriarchalischer Stämme einander verteidigten, ohne sich auf eine Untersuchung der Schuld oder Unschuld des Verwandten einzulassen. Gerade dieses `verwandtschaftliche` Familiengefühl hat Rosa gehindert, die Parteikrise objektiv zu betrachten (natürlich gibt es auch andere Gründe, z. B. schlechte Bekanntschaft mit den Tatsachen, die Auslandsbrille usw.). Ebenso erklären sich übrigens auch einige unwürdige Handlungen Plechanows, Kautskys u.a.“ (Stalin, Werke, Band 1, Seite 52).

Lenin gab folgende Charakteristik, als er – ohne die Autorin der Junius Broschüre zu kennen, die persönlich an der Revolution von 1905 teilgenommen und außerdem alle Schriften von Lenin in russischer Sprache durchaus gelesen hatte) – schrieb:

In der Junius-Broschüre spürt man den allein Dastehenden, der keine Genossen in einer illegalen Organisation hat, die gewohnt wäre, revolutionäre Losungen bis zu Ende zu durchdenken und die Masse systematisch in deren Geiste zu erziehen. Aber dieser Mangel – und es wäre grundfalsch, das zu vergessen – ist nicht ein persönlicher Mangel Junius`, sondern das Resultat der Schwäche aller deutschen Linken, die von allen Seiten in das niederträchtige Netz der kautskyanischen Heuchelei, der Pedanterie, der `Friedfertigkeit` den Opportunismus gegenüber verstrickt sind“ (Lenin, Ausgewählte Werke, Band 5, S. 279, dt. Ausgabe).

Rosa war durchaus in der Lage, die Lehren des Bolschewismus in die deutsche Arbeiterklasse hineinzutragen, aber sie tat es nicht mit aller nötigen Konsequenz. Im Gegenteil, sie führte gegen Lenin zeitweise einen aktiven Kampf, der es dem Leninismus erschwerte, in Deutschland einzudringen und Fuß zu fassen. Das hatte schwerwiegende Folgen, was die Geschichte zeigt. Mit Hilfe des Leninismus hätte das deutsche Proletariat nicht nur der Novemberrevolution, sondern auch der Weltrevolution zum Sieg verhelfen können. Wir hätten heute vielleicht schon den Weltkommunismus. Es geht also nicht um irgendwelche Fehler, sondern um ganz entscheidende, schwerwiegende Fehler der Genossin Rosa Luxemburg. Das Fehlen einer wahrhaft revolutionären, einer bolschewistischen Partei in Deutschland ist der Kernpunkt mit dem das fehlerhafte System der Anschauungen von Rosa Luxemburg ursächlich zusammenhängt. So schrieb der Genosse Ernst Thälmann:

Nicht der revolutionäre Instinkt, nicht das unvergleichliche Heldentum der einzelnen Führer des Spartakusbundes, der hingemordeten Gründer unserer Partei, konnte den Bestand einer eisernen, im Feuer der revolutionären Erfahrung zu Stahl gehärteten Avantgarde ersetzen. Karl und Rosa wurden gerade deshalb zu Opfern der barbarischen sozialdemokratischen Konterrevolution, zu Opfern der Noske, Ebert und Scheidemann und ihren gekauften Meuchelmörder, weil sie noch nicht dem deutschen Proletariat die Waffe hatten schmieden können, die das russische Proletariat zum Siege befähigte: die bolschewistische Partei!“ (Ernst Thälmann, Band II, Seite 13; KPD/ML, Verlag Roter Morgen, Hamburg 1971).

Rosa Luxemburg war eine proletarische revolutionäre Führerin. Sie schwankte häufig zwischen bolschewistischem und menschewistischem Stanpunkt, aber sie kam nie auf eine gefestigte, klare und eindeutige marxistisch-leninistische Haltung, näherte sich aber immer mehr dem Bolschewismus, insbesondere in den Novembertagen. Die linken Sozialdemokraten waren nicht in der Lage, aus eigener Kraft aus dem Sumpf des Verrats der Sozialdemokratie herauszukommen. Dazu waren zum damaligen Zeitpunkt nur die Bolschewiki mit Lenin und später mit Stalin an der Spitze fähig. Um nur ein Beispiel ihres Spontaneismus anzuführen, in „Massenstreik, Partei und Gewerkschaften“ schrieb sie:

Wenn uns also die russische Revolution etwas lehrt, so ist es vor allem, dass der Massenstreik nicht künstlich `gemacht` , nicht ins Blaue hinein `beschlossen`, nicht `propagiert` wird, sondern dass er eine historische Erscheinung ist, die sich in gewissem Moment aus den sozialen Verhältnissen mit geschichtlicher Notwendigkeit ergibt“ (Rosa Luxemburg, „Massenstreik, Partei und Gewerkschaften“, Seite 8).

Hier darf man keine künstlichen Trennungslinien zwischen Massenstreik, Partei und Gewerkschaft ziehen, sonst gleitet man in Opportunismus ab. Wenn man sich die Organisiertheit der revolutionären Praxis der Genossin Rosa Luxemburg ansieht, so hat sie in jahrelangen Kämpfen sozusagen "gegen ihre eigenen Ansichten verstoßen".

Rosa kannte den Marxismus besser als mancher andere Genosse. Sie lehrte jahrelang an der Berliner Parteischule politische Ökonomie.

Aber anstatt das von Marx entdeckte, das die kapitalistische Gesellschaft regulierende Wertgesetz anzuerkennen, vertrat sie die Maxime: Der Austausch regiert die Gesellschaft“ (Rosa Luxemburg, „Einführung in die Nationalpkonomie“, Seite 209).

Sie vergisst dabei, dass der Austausch selbst von der Produktion bestimmt wird, wie Karl Marx und Engels es dargelegt haben in „Das Kapital Band I, Seite 6 und in „Der Ursprung der Familie, des Privateigentums und des Staats“, Seite 7. Die Tauschkonzeption der menschewistischen Ökonomen wurde auch von Lenin im Übrigen als idealistisch und dem Marxismus widersprechend kritisiert und widerlegt. Spätestens mit den Darlegungen des Genossen Stalin über die Probleme der politischen Ökonomie im Sozialismus müssen wir die falschen ökonomischen Anschauungen der Genossin Rosa Luxemburg kritisieren, wenn sie schrieb: ... in den Gesetzen der kapitalistischen Anarchie selbst deckte Marx den wirklichen Ansatzpunkt für die sozialistischen Bestrebungen auf“ (Rosa Luxemburg „Einführung in die Nationalökonomie“, Seite 76).

Was die Frage der Beseitigung der kapitalistischen Krisen anbelangt, besteht bei Rosa Luxemburg der Widerspruch zwischen Produktion und Austausch anstatt bei Marx zwischen dem gesellschaftlichen Charakter der Produktion und der privaten Aneignung.

Der schwerwiegendste Fehler bei Rosa Luxemburg auf ökonomischen Gebiet aber ist die unhaltbare „Theorie von der Akkumulation des Kapitals“. Sie ist mit der marxistischen Theorie der Akkumulation nicht vereinbar und schon gar nicht die Erklärung für den Imperialismus wie ihn Lenin dargelegt hat in seiner Schrift: über den Imperialismus als höchstes Stadium des faulenden, parasitären, sterbenden Kapitalismus“.

Rosa Luxemburg definiert den Imperialismus wie folgt:

Der Imperialismus ist der politische Ausdruck des Prozesses der Kapitalakkumulation in ihrem Konkurrenzkampf um die Reste des noch nicht mit Beschlag belegten nichtkapitalistischen Weltmilieus“ (Rosa Luxemburg, „Die Akkumulation des Kapitals“, Seite 361). Und auf Seite 336 schreibt sie:

Die imperialistische Phase der Kapitalakkumulation oder die Phase der Weltkonkurrenz des Kapitals umfasst die Industrialisierung und kapitalistische Emanzipation der früheren Hinterländer des Kapitals, in denen es die Realisierung seines Mehrwerts vollzog“.

Dass Lenin im Gegensatz hierzu die Monopole als entscheidende Charaktersitik des Imperialismus hervorgehoben hat, die Konzentration und Zentralisation des Kapitals, muss hier nicht weiter ausführlich verfolgt werden:

Zur Definition des Imperialismus führt Lenin fünf grundlegende Merkmale an:

1. Konzentrations der Produktion und des Kapitals, die eine so hohe Entwicklungsstufe erreicht hat, dass sie Monopole schafft, die im Wirtschaftsleben die entscheidende Rolle spielen;

2. Verschmelzung des Bankkapitals mit dem Industriekapital und Entstehung einer Finanzoligarchie auf der Basis dieses `Finanzkapitals`;

3. der Kapitalexport, zum Unterschied vom Warenexport, gewinnt besonders wichtige Bedeutung;

4. es bilden sich internationale monopolistische Kapitalistenverbände, die die Welt unter sich teilen, und

5. die territoriale Aufteilung der Erde unter die kapitalistischen Großmächte ist beendet. Der Imperialismus ist der Kapitalismus auf jener Entwicklungsstufe, wo die Herrschaft der Monopole und des Finanzkapitals sich herausgebildet, der Kapitalexport hervorragende Bedeutung gewonnen, die Aufteilung der Welt durch die internationalen Trusts begonnen hat und die Aufteilung des gesamten Territoriums der Erde durch die größten kapitalistischen Länder abgeschlossen ist“ (Lenin, „Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, Dietz 1966, Seite 94-95).

So wird mit Lenin die Unhaltbarkeit der Definition von Rosa Luxemburg deutlich.

Der Imperialismus ist ein Produkt des hochentwickelten industriellen Kapitalismus. Er besteht in dem Drange jeder industriellen kapitalistischen Nation, sich ein immer größeres agrarisches Gebiet zu unterwerfen und anzugliedern, ohne Rücksicht darauf, von welchen Nationen es bewohnt wird“ (Kautsky, „Der Imperialismus“, Artikel in der „Neuen Zeit“, 32. Jahrgang, 1913/1914, Band II, S. 909). Es ist bekannt, dass Lenin diese Definition einer vernichtenden Kritik unterzog. Kautsky konnte diese Theorie von Rosa übernehmen, weil sie eine „halbmenschewistische Theorie“ ist (Stalin).

Auf dieser Theorie baute Rosa Luxemburg auch ihre falsche „Zusammenbruchtheorie“ auf. Während die Reformisten die Zusammenbruchtheorie des Marxismus grundsätzlich leugneten, hätte sie sich darauf beschränken können, auf Marx` `Kapital` zu verweisen, anstatt eine falsche Theorie dagegen zu entwickeln. Marx schrieb:

Mit der beständig abnehmenden Zahl der Kapitalmagnaten, welche alle Vorteile dieses Umwandlungsprozesses usurpieren und monopolisieren, wächst die Masse des Elends, des Drucks, der Knechtschaft, der Entartung, der Ausbeutung, aber auch die Empörung der stets anschwellenden und durch den Mechanismus des kapitalistischen Produktionsprozesses selbst geschulten, vereinten und organisierten Arbeiterklasse. Das Kapitalmonopol wird zur Fessel der Produktionsweise, die mit und unter ihm aufgeblüht ist. Die Zentralisation der Produktionsmittel und die Vergesellschaftung der Arbeit erreichen einen Punkt, wo sie unverträglich werden mit ihrer kapitalistischen Hülle. Sie wird gesprengt. Die Stunde des kapitalistischen Privateigentums schlägt. Die Expropriateure werden expropriiert“ (Marx, „Das Kapital“, Band I, S. 803).

Das revolutionäre Proletariat ist nicht nur Objekt sondern auch Subjekt der ökonomischen Entwicklung – etwas, was bei den Revisionisten stets auf taube Ohren gestoßen ist. Und wir Marxisten-Leninisten haben dagegen zum tausendsten Mal darauf aufmerksam gemacht, dass es ohne die gewaltsame Revolution, auf parlamentarischem Weg, nicht möglich ist, den Kapitalismus zu stürzen, und wir werden diese zum abertausendsten Mal weiter propagieren, weil dies der Wahrheit enstpricht: gewaltsame Zerschlagung des Kapitalismus und Errichtung der Diktatur des Proletariats! Der Sozialismus kann sich unmöglich aus der Anarchie des Kapitalismus ergeben, wie Rosa Luxemburg es in ihrer Schrift „Sozialreform oder Revolution?“ beschrieben hat.

Rosa kam zu einer falschen Auffassung zur Verwirklichung des sozialistischen Weges, weil sie nicht die Ungleichmäßigkeit der ökonomischen und politischen Entwicklung erkannte, woraus Lenin folgerte, dass es möglich ist, den Sozialismus in einem Land zu verwirklichen, und was Stalin im Kampf gegen den Trotzkismus historisch unleugbar unter Beweis stellte. Rosa glaubte nicht daran. Sie vertrat den Standpunkt, dass es unmöglich sei, den Sozialismus in einem Land erfolgreich aufbauen zu können. Wenn sich heute zeigt, dass der endgültige Sieg des Sozialismus erst dann garantiert werden kann, wenn er internationale gesiegt hat, so setzt das den Sieg des Sozialismus in einem Land voraus und schließt ihn nicht etwa aus. Das ist ein entscheidender Unterschied bei der strategischen Marschrichtung der sozialistischen Weltrevolution, auf den die Generallinie der Komintern (ML) aufmerksam gemacht hat und der dem Luxemburgismus diametral entgegensteht.

Wir können auch in der Frage des Klassenstaates auf eine fehlerhafte Auffassung der Genossin Rosa Luxemburg hinweisen:

Bei dem dargelegten Zwiespalt zwischen der gesellschaftlichen Entwicklung und den herrschenden Klasseninteressen stellt sich der Staat auf die Seite der letzteren. Er tritt in seiner Politik, ebenso wie die Bourgeoisie, in Gegensatz zu der gesellschaftlichen Entwicklung, er verliert somit immer mehr seinen Charakter des Vertreters der gesamten Gesellschaft“ (Rosa Luxemburg, „Sozialreform oder Revolution?“, Seite 20).

Seit wann hat es jemals einen Staat gegeben, der über den Klassen steht und die „Gesamtinteressen“ der Gesellschaft vertritt?

Rosa Luxemburg vertrat darüber hinaus die falsche Auffassung, dass der sozialistische Staat kein Klassenstaat sei, der mit militärischer Macht der Arbeiterklasse verteidigt werden müsse (Sächsische Arbeiterzeitung“ vom 14. Oktober 1898). Wir wollen der Genossin Rosa Luxemburg nicht Unrecht tun. Sie vertrat die Forderung nach der Diktatur des Proletariats, aber sie hatte darüber ganz andere Vorstellungen wie Lenin und Stalin, die die Partei als ein unverzichtbares Instrument zur Eroberung und Bewahrung der Diktatur des Proletariats begriffen. Sie hatte auch andere Vorstellungen von der Rolle der Bündnispartner des Proletariats. Sie trat daher offen gegen Lenins Formel der Diktatur des Proletariats UND der Bauernschaft:

Die Parole nun, die von den Bolschewiki herausgegeben wurde: sofortige Besitzergreifung und Aufteilung des Grund und Bodens durch die Bauern, musste geradezu nach der entgegengesetzten Richtung wirken. Sie ist nicht nur keine sozialistische Maßnahme, sondern sie schneidet den Weg zu einer solchen ab, sie türmt vor der Umgestaltung der Agrarverhältnisse im sozialistischen Sinne unüberwindliche Schwierigkeiten auf“ (Rosa Luxemburg, „Die Russische Revolution“, S. 84). Die Geschichte hat Rosa Luxemburg widerlegt.

So auch ihre falschen Auffassungen zur nationalen Frage und ihr Auftreten gegen die Unabhängigkeit Polens und das Selbstbestimmungsrecht der Völker. Lenin nahm gegen Rosa Luxemburg in seinem Artikel „Über das Recht der Nationen auf Selbstbestimmung“ ausführlich Stellung:

Vorweg sei bemerkt, dass keiner der genannten Opportunisten auch nur ein einziges selbständiges Argument vorgebracht hat: alle wiederholen sie nur, was Rosa Luxemburg in ihrem langen polnischen Aufsatz vom Jahre 1908/9: `Die nationale Frage und die Autonomie` gesagt hat" (Lenin „Über das Recht der Nationen auf Selbstbestimmung“, Dietz Verlag Berlin 1950, Seite 5).

Keine Spur einer Analyse, wie die nationale Frage in Russland in der gegebenen historischen Epoche gestellt ist und welche Besonderheiten Russland in dieser Beziehung aufzuweisen hat, ist bei ihr zu finden!“ (ebenda, Seite 10)

.In den meisten westlichen Ländern ist sie schon längst gelöst. Es ist lächerlich, in den westlichen Programmen Antwort auf die dort nicht existierenden Fragen zu suchen. Rosa Luxemburg hat hier herade die Hauptsache außer Acht gelassen: den Unterschied zwischen Ländern mit seit langem abgeschlossenen und solchen mit nicht abgeschlossenen bürgerlich-demokratischen Umgestaltungen. In diesem Unterschied liegt der Angelpunkt der ganzen nationalen Frage. Die völlige Ignorierung dieses Unterschiedes macht denn auch den überaus langen Aufsatz Rosa Luxemburgs zu einem Haufen leerer, inhaltsloser Gemeinplätze“ (ebenda , S. 18).

Rosa Luxemburg erhebt gegen das Programm der bolschewistischen Partei die Anklage, dass es nichts „Praktisches“ zu Lösung der nationalen Frage enthalte und Lenin antwortete:

Deshalb gerade stellen die Proletarier dem Praktizismus der Bourgeoisie eine prinzipielle Politik in der nationalen Frage entgegen und unterstützen die Bourgeoisie stets nur bedingt. Jede Bourgeoisie will in der nationalen Frage entweder Privilegien für ihre eigene Nation oder exklusive Vorteile für sie; das nennt man eben `praktisch`. Das Proletariat ist gegen jedes Privileg, gegen jede Exklusivität. Von ihm `Praktizismus` zu verlangen, heißt im Fahrwasse der Bourgeoisie segeln, heißt dem Opportunismus verfallen“ (ebenda S. 24).

Mit Hinweis darauf, dass Rosa Luxemburg in ihrer Darlegung die Hauptsache vergessen habe, schreibt er weiter:

Hingerissen vom Kampf gegen den Nationalismus in Polen, hat Rosa Luxemburg den Nationalismus der Großrussen vergessen, obwohl gerade dieser Nationalismus jetzt am gefährlichsten ist, denn gerade er ist weniger ein bürgerlicher, sondern mehr ein feudaler Nationalismus, denn gerade er ist das Haupthemmnis für die Demokratie und den proletarischen Kampf“ (ebenda S. 27).

Auf der Jagd nach dem `Praktizismus` hat Rosa Luxemburg die wichtigste praktische Aufgabe sowohl des großrussischen als auch des Proletariats der anderen Nationalitäten übersehen: die Aufgabe der täglichen Agitation und Propaganda gegen alle nationalen staatlichen Privilegien, für das Recht, das gleiche Recht aller Nationen auf einen eigenen Nationalstaat. Diese Aufgabe ist (gegenwärtig) unsere wichtigste Aufgabe in der nationalen Frage, denn nur auf diese Weise verfechten wir die Interessen der Demokratie und des auf Gleichberechtigung beruhenden Zusammenschlusses aller Proletarier aller Nationen“ ( ebenda S. 29).



In der Junius-Broschüre stellte Rosa Luxemburg die falsche Behauptung auf:in dem heutigen imperialistischen Milieu kann es überhaupt keine nationalen Verteidigungskriege mehr geben“ (Rosa Luxemburg, „Die Krise der Sozialdemokratie“, S. 70).

Man sehe nur, wie aus dem albanischen Verteidigungskrieg die Volksrevolution mit dem Resultat der Errichtung der Diktatur des Proletariats und des Aufbaus des Sozialismus hervorging. Enver Hoxha hat die bolschewistische „Taktik für alle“ in Albanien siegreich angewandt und die deutsche Bourgeoisie besiegt. Rosa Luxemburg hat in der Novemberrevolution die bolschewistische „Taktik für alle“ in den Wind geschlagen und die Revolution hat gegen die deutsche Bourgeoisie eine Niederlage erlitten:

Also selbst nach dem Sieg der Oktoberrevolution warnte Rosa Luxemburg noch davor, die bolschewistische Taktik als Muster anzusehen. Sie schrieb;

Das Gefährliche beginnt dort, wo sie aus der Not die Tugend machen, ihre von diesen fatalen Bedingungen aufgezwungene Taktik nunmehr theoretisch in allen Stücken fixieren und dem internationalen Proletariat als das Muster der sozialistischen Taktik zur Nachahmung empfehlen wollen“ (Rosa Luxemburg, „Die Russische Revolution“, Seite 118).

Rosa war gegenüber den Methoden der Bolschewiki beim Oktoberumsturz kritisch eingestellt. Völlig Recht hatte Lenin als er im Jahre 1920 erklärte:

Gegen Leute, die wie die deutschen Offiziere bei der Ermordung Liebknechts und Rosa Luxemburgs handeln, gegen Leute, wie Stinnes und Krupp, die die Presse kaufen, gegen solche Leute wird man wohl oder übel Gewalt und Terror anwenden müssen“ (Lenin, Werke Band 25, S. 442),

In ihrem Bericht über den Gründungsparteitag der KPD, S. 53, rang sich Rosa Luxemburg zu der völlig richtigen Formulierung durch:

Der Gewalt der bürgerlichen Gegenrevolution muss die revolutionäre Gewalt des Proletariats entgegengestellt werden.“

Das zeigt, dass Rosa Luxemburg bereit und in der Lage war, im Laufe der Zeit die gemachten Fehler zu korrigieren. Was fehlte, war vor allem die bolschewistische Partei, die Überzeugung von der unbedingten Notwendigkeit der führenden Rolle der Partei, um die bürgerliche Revolution siegreich in eine sozialistische Revolution verwandeln zu können. Darin lag die Hauptursache für das Scheitern der Novemberrevolution.

Eine wirklich revolutionäre Partei hatten die deutschen Arbeiter im Augenblick der Krise noch nicht, infolge der zu spät vorgenommenden Spaltung, infolge des Druckes der verfluchten Tradition der `Einheit` mit der korrupten ( die Scheidemann, Legien, David, und Konsorten) und charakterlosen (die Kautsky, Hilferding und Konsorten) Bande der Lakaien des Kapitals“ (Lenin, Werke, Band 26, S. 594/595).

Lenin schrieb in seiner Kritik an der Junius-Broschüre:

Der größte Mangel des gesamten revolutionären Marxismus in Deutschland ist das Fehlen einer festgefügten illegalen Organisation, die systematisch ihre Linie verfolgt und die Massen im Geiste der neuen Aufgaben erzieht: eine solche Organisation müsste sowohl dem Opportunismus als auch dem Kautskyanertum gegenüber eine klare Stellung einnehmen“ (Lenin, Ausgewählte Werke, Band 5, S. 266).

Der all zu lange Verbleib in den Reihen der Opportunisten, war Ausdruck der Unterschätzung der notwendigen Eigenständigkeit der revolutionären Partei und eine Unterschätzung des Opportunismus. Man kann nicht mit Opportunisten in den eigenen Reihen den Sieg der sozialistischen Revolution erringen. Die Opportunisten in den eigenen Reihen dulden, heißt , Selbstmord begehen, heißt, die Niederlage und den Untergang der revolutionären Partei vorprogrammieren, heißt, Verrat üben am Proletariat.

Auf bolschewistische Grundlage stellte sich die KPD/ML mit ihrer Gründung 1968/69. Den siegreichen Weg der KPD Rosa Luxemburgs, Karl Liebknechts und Ernst Thälmanns konnte die KPD/ML nur auf der Basis der Stalinschen Bolschewisierungsthesen fortsetzen in Überwindung des Luxemburgismus, mit dem der Genosse Ernst Thälmann begonnen hatte.

Es sei hier noch hinzugefügt, dass Lenin an der Junius-Broschüre von Rosa Luxemburg auch ihre Haltung gegenüber den Opportunisten in der Frage des imperialistischen Krieges und des Sozialchauvinismus kritiserte. Er schrieb:

Der Hauptmangel der Junius-Broschüre und ein direkter Rückschritt im Vergleich zur legalen (wenn auch sofort nach ihrem Erscheinen verbotenen) Zeitschrift `Die Internationale` ist das Verschweigen des Zusammenhanges zwischen dem Sozialchauvinismus (der Verfasser braucht weder diesen Terminus noch den weniger präzisen Ausdruck Sozialpatriotismus) und dem Opportunismus“ (Lenin, Ausgewählte Werke, Bd. 5, S. 265, dt. Ausgabe). Sowohl in der Junius – Broschüre als auch in den Thesen ist weder vom Opportunismus noch vom Kautskyanertum die Rede! Das ist theoretisch unrichtig, denn man kann den `Verrat` nicht erklären, ohne ihn mit dem Opportunismus als Richtung in Zusammenhang zu bringen, die schon auf eine lange Geschichte, die ganze Geschichte der II. Internationale zurückblickt. Das ist praktisch-politisch falsch, da man die `Krise der Sozialdemokratie` weder verstehen noch überwinden kann, ohne die Bedeutung und die Rolle der zwei Richtungen: der offenen opportunistischen (Legien, David usw.) und der verkappt opportunistischen (Kautsky und Konsorten) klargestellt zu habern“ (ebenda, S. 266).



In Deutschland stand der Genosse Ernst Thälmann an der Spitze des Kampfes gegen die Überreste des Luxemburgismus.

Besonders eingehend beschäftigte sich Ernst Thälmann in seiner Rede auf der Plenartagung des ZK der KPD am 19. 2. 1932 mit dieser Frage. Den Anlass dazu gaben der kurz vorher erschienene Brief des Genossen Stalin an die Redaktion der Zeitschrift „Proletarskaja Rewoluzija“ (Über einige Fragen der Geschichte des Bolschewismus, in: Werke Band 12, Seite 76 – 91, dt. Ausgabe, KPD/ML, Verlag Roter Morgen, Hamburg 1971), in dem er gegen das Einschmuggeln trotzkistischer Konterbande in die Geschichte der bolschewistischen Partei protestierte, sowie einige in Deutschland erschienene literarische Arbeiten, in denen luxemburgistische Fehler enthalten waren. Bevor wir hier auf den Genossen Ernst Thälmann eingehen, zitieren wir aus Stalins: „Über einige Fragen der Geschichte des Bolschewismus“:

Sluzki behauptet, Lenin (die Bolschewiki) habe die Gefahr des Zentrismus in der deutschen und überhaupt in der Vorkriegssozialdemokratie unterschätzt, das heißt, er habe die Gefahr des verkappten Opportunismus, die Gefahr des Versöhnlertums gegenüber dem Opportunismus, unterschätzt. Mit anderen Worten, Sluzki stellt die Dinge so hin, als ob Lenin (die Bolschewiki) keinen unversöhnlichen Kampf gegen den Opportunismus geführt habe, denn die Unterschätzung des Zentrismus ist im Grunde genommen ein Verzicht auf den vollentfalteten Kampf gegen den Opportunismus“ (ebenda Seite 76).

Stalin hat diesen Vorwurf scharf zurückgewiesen und Lenin ( die Bolschewiki) verteidigt:

Jeder Bolschewik, der wirklich Bolschewik ist, weiß, dass Lenin schon lange vor dem Kriege, etwa 1903-1904, als sich in Russland die Gruppe der Bolschewiki herausbildete und als sich die Linken in der deutschen Sozialdemokratie zum erstenmal bemerkbar machten, eine Linie verfolgt hat, die auf den Bruch, auf die Trennung von den Opportunisten sowohl bei uns, in der Sozialdemokratischen Partei Russlands, wie auch dort, in der II. Internationale, im Besonderen in der deutschen Sozialdemokratie gerichtet war“ (ebenda S. 78).

Es ist nicht die Schuld Lenins und der russischen Bolschewiki, wenn sich die linken Sozialdemokraten im Westen nicht als reif erwiesen, in die Fußtapfen der russischen Bolschewiki zu treten“ (ebenda, Seite 80).

Ist es nicht klar, dass Sluzki hier manövriert und versucht, mit seinem verlogenen Vorwurf gegen Lenin und die Bolschewiki die wirklichen Mängel in der Stellung der Linken in Deutschland zu bemänteln? Ist es nicht klar, dass die Bolschewiki die Linken in Deutschland, die immer wieder zwischen Bolschewismus und Menschewismus schwankten, nicht ohne ernste Vorbehalte, nicht ohne ernste Kritik an ihren Fehlern unterstützen konnten, wenn sie an der Arbeiterklasse und ihrer Revolution nicht Verrat üben wollten? Gaunerische Manöver muss man brandmarken, nicht aber zum Gegenstand einer Diskussion machen. Ja, die Bolschewiki haben die linken Sozialdemokraten in Deutschland nur unter bestimmten Vorbehalten unterstützt, indem sie deren halbmenschewistischen Fehler kritisierten. Dafür muss man sie jedoch loben, nicht aber ihnen Vorwürfe machen“ (ebenda Seite 80).

Stalin greift auf 3 historische Tatsachen zurück im Zusammenhang mit der Auseinandersetzung der Linken in der westlichen Sozialdemokratie, insbesondere Rosa Luxemburg.

a) „Mit der Formulierung über die Mitgliedschaft in der Partei wollten die Bolschewiki einen organisatorischen Damm gegen die Überschwemmung der Partei mit nichtproletarischen Elementen errichten. Die Gefahr einer solchen Überschwemmung war damals angesichts des bürgerlich-demokratischen Charakters der russischen Revolution überaus real. Die russischen Menschewiki vertraten den entgegengesetzten Standpunkt, der nicht nichtproletarischen Elementen die Tore der Partei sperrangelweit öffnete. Angesichts der Wichtigkeit, die die Fragen der russischen Revolution für die internationale revolutionäre Bewegung hatten, beschlossen die westeuropäischen Sozialdemokraten, in die Sache einzugreifen. Auch linke Sozialdemokraten in Deutschland, Parvus und Rosa Luxemburg, die damaligen Führer der Linken, griffen ein. Und was geschah? Beide sprachen sich für die Menschewiki, gegen die Bolschewiki aus. Dabei wurde gegen die Bolschewiki die Anklage des Ultrazentralismus und blanquistischer Tendenzen erhoben. Später wurden diese abgeschmackten Epitheta von den Menschewiki aufgegriffen und durch die ganze Welt getragen“ (ebenda, Seite 81).

Bezüglich der bolschewistischen Linie zur revolutionär-demokratischen Diktatur des Proletariats UND der Bauernschaft ( Revolution 1905) – wir haben oben dazu bereits Stellung genommen - fragt Stalin:

b) „Wie verhielten sich zu diesen Auseinandersetzungen die Linken in der deutschen Sozialdemokratie, Parvus und Rosa Luxemburg? Sie ersannen ein utopisches und halbmenschewistisches Schema, das der permanenten Revolution ( ein Zerrbild des Marxschen Revolutionsschemas), durchdrungen von einer durch und durch menschewistischen Verneinung der Politik des Bündnisses der Arbeiterklasse mit der Bauernschaft, und stellten es dem bolschewistischen Schema der revolutionär-demokratischen Diktatur des Proletariats und der Bauernschaft entgegen. Im Weiteren wurde dieses halbmenschewistische Schema der permanenten Revolution von Trotzki (teilweise von Martow) aufgegriffen und zu einem Kampfmittel gegen den Leninismus gemacht“ (ebenda, Seite 82).

Bezüglich der nationalen Frage und des Kampfes gegen den Imperialismus waren wir ebenfalls bereits eingegangen. Hierzu formuliert Stalin:

c) sie (die Bolschewiki) entwickelten das Schema der Einheitsfront zwischen der proletarischen Revolution der fortgeschrittenen Länder und der revolutionären Befreiungsbewegung der Völker der Kolonien und der unterdrückten Länder. Die Opportunisten aller Länder, die Sozialchauvinisten und Sozialimperialisten aller Länder fielen im Zusammenhang damit sofort über die Bolschewiki her. Die Bolschewiki wurden wie tolle Hunde gehetzt. Welches war damals die Stellung der linken Sozialdemokraten im Westen? Sie entwickelten eine halbmenschewistische Theorie des Imperialismus, lehnten das Prinzip der Selbstbestimmung der Nationen in seiner marxistischen Auffassung (Einschließlich der Lostrennung und der Bildung selbständiger Saaten) ab, wiesen die These von der großen revolutionären Bedeutung der Befreiungsbewegung der Kolonien und unterdrückten Länder zurück, wiesen die These von der Möglichkeit der Einheitsfront zwischen der proletarischen Revolution und der nationalen Befreiungsbewegung zurück und stellten diesen ganzen halbmenschewistischen Mischmasch, der nichts als eine Unterschätzung der nationalen und kolonialen Frage ist, dem marxistischen Schema der Bolschewiki entgegen. Es ist bekannt, dass Trotzki später diesen halbmenschewistischen Mischmasch aufgriff und als Kampfmittel gegen den Leninismus ausnutzte.

Das sind die jedermann bekannten Fehler der linken Sozialdemokratie in Deutschland (ebenda, Seite 83).

Es ist also nicht von der Hand zu weisen, dass sich später insbesondere der Trotzkismus der falschen Ansichten der linken deutschen Sozialdemokraten, insbesondere Genossin Rosa Luxemburgs zu Nutze machte, um sie als Kampfmittel gegen die Bolschewiki einzusetzen. Das hatte nicht nur schwerwiegende Folgen für die russischen Genossen, sondern auch für die deutschen. Und hier kommen wir zurück zum Genossen Ernst Thälmann. Dieser stellte richtig fest:

So einfach darf man sich die Sache bei der Behandlung der Geschichte und Vorgeschichte unserer Partei, der Vorzüge und Schwächen sowie Fehler des Luxemburgismus keinesfalls machen. Man erschwert dadurch das wirkliche Verständnis der Schwächen des Luxemburgismus, die unsere Partei im langen Ringen ihrer Bolschewisierung überwinden musste und zum Teil noch heute überwinden muss“ (Ernst Thälmann, „Der revolutionäre Ausweg und die KPD“, Berlin 1932, S.67).

Was wir brauchen ist jene bolschewistische Unversöhnlichkeit und Unduldsamkeit gegenüber allen Einflüssen der Sozialdemokratie und auch die Überwindung aller in unseren Reihen noch vorhandenen Überreste aus der sozialdemokratischen oder luxemburgischen Vergangenheit unserer Partei“ (ebenda, Seite 71).

Wir müssen also mit aller Klarheit aussprechen: in all den Fragen, in denen Rosa Luxemburg eine andere Auffassung als Lenin vertrat, war ihre Meinung irrig, so dass die ganze Gruppe der deutschen Linksradikalen in der Vorkriegs- und Kriegszeit sehr erheblich an Klarheit und revolutionärer Festigkeit hinter den Bolschewiki zurückblieb. Diese Erkenntnis gibt uns erst das Verständnis dafür, warum es in Deutschland verspätet zur Spaltung zwischen dem revolutionären Marxismus und den kleinbürgerlichen Opportunisten oder ihren zentristischen Helfershelfern innerhalb der Arbeiterbewegung kam. Rosa Luxemburgs Fehler in der Akkumulationstheorie, in der Bauernfrage, in der nationalen Frage, in der Frage des Problems der Revolution, in der Frage der proletarischen Diktatur, in der Organisationsfrage, in der Frage der Rolle der Partei beziehungsweise der Spontaneität der Massen – das alles ergibt ein System von Fehlern, die Rosa Luxemburg nicht zur vollen Klarheit eines Lenin aufsteigen ließen“ (ebenda, Seite 71/72).

Es ist unmöglich“, erklärte Ernst Thälmann auf der Plenartagung des ZK der KPD im Februar 1932, die Fehler Rosa Luxemburgs mit den objektiven Verhältnissen im Deutschland der Vorkriegszeit zu rechtfertigen“ (ebenda, Seite 94).

Das war eine harte Kritik an Rosa Luxemburg ein Jahr vor der Machtergreifung des Faschismus. Das zeigt welche außerordentlich große Bedeutung er dem Kampf gegen den Einfluss des „linken“ Flügels der Sozialdemokratie in den Reihen der KPD beimaß, welchen Kampf er gegen die rechten Abweichler und Versöhnler in der KPD führte. Ernst Thälmann folgte dabei treu der Linie Stalins, der einen prinzipienfesten Kampf gegen den Einfluss des Sozialdemokratismus führte. Wer den Faschismus wirklich bekämpfen wollte, musste auch seine Wegbereiter und Steifbügelhalter bekämpfen – den Sozialdemokratismus - und insbesondere deren „linken“ Flügel, der auf die Empfänglichkeit der Rechten in der KPD taktisch ausgerichtet war. Und tatsächlich kam es so, dass die Rechten Verrat an Ernst Thälmann übten, ihn den Faschisten ans Messer lieferten, um die Macht in der KPD zu übernehmen und die deutsche Bourgeoisie vor ihrem revolutionären Sturz, vor der Diktatur des Proletariats zu retten.

Kein anderer deutsche Genosse unterzog die Fehler Rosa Luxemburgs einer so harten bolschewistischen Kritik wie der Genosse Ernst Thälmann. Das hielt ihn aber nicht davon ab, im gleichen Atemzug zu erklären:

Wir denken nicht daran, die Bedeutung Rosa Luxemburgs, Karl Liebknechts, Franz Mehring und der übrigen Genossen, die den linksradikalen Flügel in der Vorkriegssozialdemokratie bildeten, abzuschwächen. Wir denken nicht daran, diese wahrhaft revolutionären Kämpfer und Führer und ihre guten revolutionären Traditionen zu verleugnen, oder gar den sozialdemokratischen, SAP – isten oder brandleristischen Leichenschändern zu überlassen. Rosa Luxemburg und die anderen gehören zu uns, gehören der Kommunistischen Internationale und der KPD, an deren Gründung sie mitgewirkt haben“ (ebenda, Seite 71).

Niemand hat Rosa Luxemburgs Fehler so tiefschürfend, beharrlich und scharf kritisiert wie Lenin. Als aber der Renegat Paul Levi den Versuch machte, die tote Kämpferin gegen ihre Sache auszunutzen, wählte Lenin folgenden Vergleich:

Ein Adler kann wohl manchmal auch tiefer hinabsteigen als das Huhn, aber nie kann ein Huhn in solche Höhen steigen wie ein Adler. Rosa Luxemburg irrte in der Frage der Unabhängigkeit Polens, sie irrte 1903 in der Beurteilung des Menschewismus; sie irrte in der Theorie der Akkumulation des Kapitals; sie irrte, als sie im Juli 1914 neben Plechanow, Vandervelde, Kautsky u.a. für die Vereinigung der Bolschewiki mit den Menschewiki eintrat; sie irrte in ihren Gefängnisschriften von 1918 ( wobei sie selbst beim Verlassen des Gefängnisses Ende 1918 und Anfang 1919 ihre Fehler zum großen Teil korrigierte). Aber trotz aller dieser ihrer Fehler war sie und bleibt sie ein Adler“ (Lenin , Ausgewählte Werke, Band 10, Moskau 1937, Seite 307).

 

7. 1. 2004

Wolfgang Eggers

 

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