Zum 100. Todestag

unseres Genossen Paul Singer

Paul Singer war Marxist und stellte sich bis zu seinem Tod in den Dienst der revolutionären Befreiung der Arbeiterklasse.

Er war ein herausragender revolutionärer Führer sowohl der deutschen Arbeiterklasse im Besonderen als auch der internationalen Arbeiterklasse im Allgemeinen. Er war ein Führer der deutschen Sozialdemokratie und der II. Sozialistischen Internationale.

Er kämpfte an der Seite von Marx, Engels, Bebel und mit Lenin gegen Revisionismus und Reformismus

Paul Singer gehört der revolutionären Arbeiterklasse, gehört der Komintern (SH) !

Paul Singer gehört nicht den Reformisten und Revisionisten !



Die Komintern (SH) dokumentiert hier zum ersten Mal im Internet -

Engels über Paul Singer

Lenin über Paul Singer

* * *

Franz Mehring über

Paul Singer

10. Februar 1911

* * *

Hier noch eine kurze Anmerkung zum Begriff „Sozialdemokrat“:

Kritik von Engels und Lenin am falschen Begriff „Sozialdemokrat“

(aus Lenin: „Staat und Revolution“)

Ferner veröffentlichen wir hier zum ersten Mal die Schriften von Enver Hoxha und der Partei der Arbeit Albaniens über die verräterische Rolle und Zusammenarbeit von Sozialdemokratismus und Revisionismus gegen den Marxismus-Leninismus:

Enver Hoxha: „Die modernen Revisionisten degenerieren zu Sozialdemokraten, verschmelzen mit der Sozialdemokratie“ë

Zeri i Popullit vom 7. April 1964

ri i Popullit vom 7. A

Partei der Arbeit Albaniens: Gegen die reformistischen sozialdemokratischen Illusionen

vom 14. Juli 1963

 

Über die sozialdemokratisch-menschewistischen Wurzeln des modernen Revisionismus

(Auszug aus dem Buch: „Über die Grundlagen und zu den Fragen des Stalinismus“)



100. Todestag

von Paul Singer

und 100 Jahre Verrat der SPD an der Arbeiterklasse !

Und was macht heute die SPD, diese imperialistische Partei des Verrats an der revolutionären Sozialdemokratie des 19. Jahrhunderts ?

In Worten gebt ihr euch als „Verteidiger“ des Genossen Paul Singer aus, heftet ihn euch als einen „eurer“ „Ur-Väter“an, in Worten, ja … und in Taten ? Sollen wir euch daran erinnern ?

100 Jahre SPD - Betrug sind genug !

In Wirklichkeit habt ihr ...

der Bourgeoisie die Arbeiterklasse, uns Kommunisten 100 Jahre lang ans Messer geliefert mit eurem Anti-Kommunismus, angefangen mit eurem Kampf gegen den Marxismus, dann mit eurem Kampf gegen den Leninismus und danach ganz besonders gegen den Stalinismus und Hoxhaismus –

Ihr habt stets auf der Seite der Konterrevolution gestanden, habt den Kapitalismus stets gegen den Sozialismus verteidigt, deswegen loben euch die Kapitalisten und deswegen hassen euch die Arbeiter !

habt ihr SPD-Führer die II. Internationale und damit das Weltproletariat in den opportunistischen Sumpf geführt,

... habt ihr die Gewerkschaften in Instrumente der Kapitalisten gegen die Arbeiterklasse verwandelt,

habt ihr dem Kaiser 1914 die Kriegskredite für den imperialistischen Weltkrieg bewilligt, damit sich die Arbeiter der Krieg führenden Länder gegenseitig erschießen für den Profit der Imperialisten,

habt ihr die Novemberrevolution im Blut ertränkt und ihre Führer 1919 ermordet,

habt ihr der Bourgeoise bei der Niederschlagung der Arbeiteraufstände Anfang der 20er Jahr geholfen und die Arbeiterklasse entwaffnet,

habt ihr In Berlin die Arbeiter am Blutsonntag von 1929 am 1. Mai niedergeschossen,

habt ihr den Steigbügel der Faschisten gehalten, und sie an die Macht gebracht – wie Stalin richtig feststellte, - der 100. Todestag von Paul Singer mahnt uns auch an den 31. Januar 1931 ! In der Arbeiterbewegung ist es bis heute der Kampftag gegen Krieg und Faschismus !

habt ihr versucht, die Komintern in ein Instrument des Verrats an der Weltrevolution zu verwandeln und sie mit eurer „Volksfrontpolitik“vor den Karren der Bourgeoisie zu spannen,

seid ihr den westlichen Alliierten nach dem Zweiten Weltkrieg in den Hintern gekrochen und habt ihnen mit eurem Anti-Kommunismus geholfen, nicht nur die deutsche Arbeiterklasse, sondern auch die deutsche Nation zu spalten,

habt ihr euch mit den Revisionisten in einer Partei vereinigt und die SED zu einer sozialfaschistischen Partei zur Unterdrückung der Arbeiter und Bauern gemacht, damit habt ihr die Arbeiter und Bauern zusammen mit den Revisionisten um den Sozialismus betrogen,

habt ihr euch für den westdeutschen Revanchismus ins Zeug gelegt,

habt ihr das KPD-Verbot unterstützt und kommunistische Gewerkschafter aus den Gewerkschaften ausgeschlossen,

habt ihr alles getan, das kapitalistische Westdeutschland zu einer aggressiven, imperialistischen Macht zu machen und das sozialistische Lager bekämpft, unterwandert, und dem Westen in den Rachen geworfen, habt ihr dem westdeutschen Imperialismus geholfen, sich die DDR einzuverleiben und die Völker des Ostens an den Westen zu verkaufen,

habt ihr die Konterrevolution gegen die Befreiungskämpfe der von Deutschland unterdrückten und ausgebeuteten Völker unterstützt,

habt ihr die Notstandsgesetze und andere Gesetze durchgepeitscht, die 68-er Bewegung bekämpft, die Fachisierung von Staat und Gesellschaft betrieben,

habt ihr den deutschen Militarismus, die NATO, habt ihr den Krieg in Afghanistan unterstützt,

habt ihr die Anti-Atom-Bewegung niedergeknüppelt,

ihr habt euch in Vorständen und Aufsichtsraten der Großkonzerne eine goldene Nase verdient, habt euch eine Arbeiteraristokratie herangezüchtet, die ihr auf die revolutionäre Arbeiterbewegung gehetzt habt, ihr habt euch als Streikbrecher betätigt,

Ihr habt „gekämpft“ ? , Ja, ihr habt gekämpft für die Demoralisierung der Arbeiterklasse, dass sie schön still hält und sich willig weiter ausbeuten und unterdrücken lässt, ihr habt die Arbeiterklasse an die Kette des Kapitalismus gelegt.

Was habt ihr denn überhaupt für die deutsche Arbeiterklasse , für das deutsche Volk getan ? NICHTS habt ihr getan ! Ihr habt die Arbeiter nach Strich und Faden belogen und betrogen, habt uns in den Bankrott getrieben, uns mit Hartz IV an den Bettelstab gebracht, uns arbeitslos gemacht und uns ins Elend getrieben,

und für all das habt ihr nun endlich eure Quittung gekriegt … ihr pfeift aus dem letzten Loch !!! – Das geschieht euch recht !!!

Ihr habt euch selber das Grab geschaufelt ! Begraben werden euch die Arbeiter. Sie sind nicht nur die Totengräber des Kapitalismus, sondern auch die Totengräber des Sozialdemokratismus !

Denkt nicht, dass eure Verbrechen an der Arbeiterklasse jemals vergessen werden können, dafür wird nicht nur die KPD (SH) sorgen, dafür sorgt die Arbeiterklasse selbst ! 100 Jahre Betrug der SPD lassen sich nicht wegwischen !

Und unser Genosse Paul Singer soll etwa einer von euch, auch so ein Verbrecher an der Arbeiterklasse gewesen sein, wie ihr es nun schon seit hundert Jahren seid ?

Paul Singer war nicht wie ihr - ein treuer Diener des Kapitals. Er war ein Revolutionär, der vorbildlich für die revolutionäre Umwandlung des Kapitalismus in den Sozialismus kämpfte.

Paul Singer verteidigte als deutscher Sozialdemokrat die II. Internationale, die zunächst noch den Geist Friedrich Engels atmete. Als Paul Singer, dieser hervorragende Führer der II. Internationale starb, da starb mit ihm die II. Internationale – durch wen ? Durch euren Verrat, verehrte Führer der heutigen SPD !!

Ihr legt einen Kranz nieder, so als ob Paul Singer „einer von euch“ gewesen sei :

Er hat der Sache des demokratischen Sozialismus mit voller Hingabe gedient.“

Nein, ganz bestimmt nicht, ihr Herren Sozialfaschisten und Anti-Kommunisten !

Der Marxist Paul Singer hat solche Verbrecher am Proletariat, solche Mörder an den Kommunisten, wie ihr es seid - die ersten Agenten der Bourgeoisie in den Reihen der Arbeiterklasse - entlarvt und bekämpft !

Ihr SPD-Führer, ihr seid „lebendige Leichname“ wie Rosa Luxemburg treffend sagte, aber die revolutionäre Sozialdemokratie, mit August Bebel und Paul Singer an der Spitze, wird ewig weiterleben in den Herzen des Weltproletariats !

Paul Singer mit eurem so genannten „demokratischer Sozialismus“ in Verbindung zu bringen, ist eine bodenlose Frechheit. Die KPD (SH) ist heute die einzige revolutionäre Organisation in Deutschland, die Paul Singer verteidigt gegen euch Reformisten und gegen die Revisionisten von der DKP, gegen die „Linken“, die MLPD und wie sie alle heißen...

Niemals hat Paul Singer sich an den bürgerlichen Sozialismus verkauft. Im Gegenteil, Paul Singer hat euren so genannten“ „demokratischen Sozialismus“ als das entlarvt und bekämpft, was er ist – bürgerlicher Sozialismus – reformierter Kapitalismus !

Umgekehrt wird ein Schuh draus, sehr verehrte SPD-Führer, genau umgekehrt !!

Paul Singer hat nicht etwa eurem „demokratischen Sozialismus“ gedient, sondern er hat im Gegenteil, der sozialistischen Demokratie der Arbeiterklasse gedient. Und darunter hat Paul Singer – wie alle Marxisten – niemals irgendetwas anderes verstanden als die

Diktatur des Proletariats !

Wer hat uns verraten ? Sozialdemokraten ! Wer verrät uns Kommunisten ? Die Revisionisten !

Sozialdemokratismus und Revisionismus – Hand in Hand gegen den Kommunismus !

 

 

Lebensdaten von Paul Singer:

1844
16. Januar: Paul Singer wird als neuntes Kind eines jüdischen Kaufmanns und dessen Ehefrau in Berlin geboren.
1868
Nach Kontakten mit August Bebel und Wilhelm Liebknecht tritt Singer dem "Berliner Arbeiterverein" bei.
26. Oktober: Mitbegründer des "Demokratischen Arbeitervereins".
1869
Singer gründet in Berlin mit seinem ältesten Bruder die Damenmäntelfabrik "Gebr. Singer".
Er wird Mitglied der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei (SDAP).
1871
Eine schwere Tuberkuloseerkrankung zwingt ihn zu einem längeren Kuraufenthalt.
1875
Singer übernimmt die Leitung eines Berliner Asyl-Vereins für Obdachlose.
1878
Nach Erlaß der „Sozialistengesetze" organisiert Singer Solidaritätsaktionen und hält die Verbindung zwischen der Parteiführung in Deutschland und Karl Marx sowie Friedrich Engels in London.
1879
16. März: Die preußische Polizei durchsucht erfolglos Singers Geschäfts- und Privaträume. Er wird unter ständige Überwachung der politischen Polizei gestellt.
Singer initiiert die Gründung der Zeitschrift "Sozialdemokrat" in Zürich und leitet deren illegalen Vertrieb.
1883
Oktober: Trotz antisemitischer Verleumdungen wird Singer als eines der fünf sozialdemokratischen Mitglieder in die Berliner Stadtverordnetenversammlung gewählt.
1884-1911
Stadtverordneter von Berlin. Er nimmt den Vorsitz der sozialdemokratischen Fraktion wahr und profiliert sich als Verwaltungsfachmann.
1884
Genosse Paul Singer gründet das formell keiner Partei gehörige "Berliner Volksblatt. Organ für die Interessen der Arbeiter", einen Vorläufer des "Vorwärts".
1884-1911
Mitglied des Reichstags.
Als Vorsitzender der Geschäftsordnungskommission und Fraktionsvorsitzender betreut er zahlreiche Parlamentarier zu Beginn ihrer politischen Laufbahn.
1886
29. Juni: Genosse Paul Singer wird aus Berlin ausgewiesen. Zuvor hatte er im Reichstag über einen als Sozialdemokrat getarnten Polizeiagenten berichtet, der plante, die organisierten Arbeiter zu terroristischen Anschlägen zu verleiten. Paul Singers Ausweisung gestaltet sich zu einer Protestkundgebung der Berliner Arbeiterbewegung gegen die "Sozialistengesetze".
Paul Singer lässt sich in Dresden nieder. Er übernimmt anstelle des verhafteten Bebel das Schatzmeisteramt in der illegalen Partei.
1887
Genosse Paul Singer scheidet formell aus der Firmenleitung aus und widmet sich als Privatier gänzlich der politischen Arbeit.
1890
Nachdem die "Sozialistengesetze" nicht mehr verlängert wurden, erfolgt die Umbenennung der SDAP in SPD. Singer und Bebel werden zum Vorsitzenden gewählt.
1890-1909
Gemeinsam mit August Bebel nimmt Paul Singer den Vorsitz in der Partei wahr und leitet mit Ausnahme von 1901 sämtliche Parteitage der SPD.
1891
Er protestiert nicht nur im Reichstag gegen die angekündigte Erhöhung der Getreidezölle, sondern spricht auch auf Protestversammlungen. Diese für Singer charakteristische Verknüpfung von parlamentarischer Tätigkeit und politischer Basisarbeit macht ihn äußerst populär.
1898
Genosse Paul Singer stellte sich gegen den Revisionisten Bernstein.
ab 1900
Seit Gründung des Internationalen Sozialistischen Büros ist Genosse Paul Singer ständiges Mitglied dieses Exekutivorgans der Internationale, in dem auch Lenin als Vertreter der SDAPR mitarbeitet.
1905
Genosse Paul Singer organisiert Veranstaltungen, auf denen gegen die Verfolgung politischer russischer Emigranten in Deutschland protestiert wird.
1911
31. Januar: Nach kurzer schwerer Krankheit stirbt Genosse Paul Singer in Berlin.
5. Februar: Bei seiner Beisetzung geben ihm Hunderttausende das letzte Geleit (siehe Veröffentlichung unten: Gedenkschrift von Lenin)




Paul Singer (1844 – 1911)
Paul Singer übernahm nach einer kaufmännischen Lehre die elterliche Textilfabrik. In den 60er Jahren des 19. Jahrhunderts bewegte er sich im Umfeld radikaler bürgerlicher Demokraten um Johann Jacoby. Während des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71 schloss er sich dem von der Sozialdemokratie angeführten Protest gegen die Bismarcksche Raubpolitik nach außen (Annexion Elsass-Lothringens) und der Unterdrückungspolitik nach innen an. Er war einer jener 101 Berliner radikaldemokratischen Unterzeichner einer Resolution Johann Jacobys, die gegen den chauvinistischen Taumel im konterrevolutionären Raubkrieg gegen Frankreich auftraten. Singer blieb von 1890 bis zu seinem Tod am 31. Januar 1911 Vorstandsmitglied der Sozialdemokratie und Abgeordneter im Reichstag. In seiner revolutionären Tätigkeit nahm der Kampf gegen den erstarkenden deutschen Militarismus einen wichtigen Platz ein. In einer Rede auf dem Parteitag der Sozialdemokratie 1892 in Berlin prägte er die später von Karl Liebknecht aufgegriffene Parole: „Dem Militarismus, dem herrschenden Militärsystem keinen Mann und keinen Groschen!“ In den Folgejahren setzte er sich gegen die imperialistischen Raubzüge des deutschen Imperialismus in China und Afrika ein.

Angesichts der zunehmenden Judenfeindschaft stellte die damals noch revolutionäre Sozialdemokratie 1883 unter den Bedingungen des „Sozialistengesetzes“ bewusst und demonstrativ Paul Singer als Kandidaten für die Berliner Stadtverordnetenwahl auf. Seit 1868 verband Singer mit Bebel und Liebknecht eine enge Freundschaft. Berufliche Reisen ins Ausland waren eine gute Tarnung, um mit Genossen im Exil Verbindung zu halten, Gelder zu sammeln usw. Ende November 1878 besuchte Singer Marx und Engels in London, um sie über die Lage in der Partei zu unterrichten und ihren Rat einzuholen.[39] Im Juni 1879 fuhr er erneut nach London, um mit Marx und Engels die Herausgabe eines neuen Parteiorgans nach dem Verbot des „Vorwärts“ zu besprechen.[40] Wenige Wochen später erschien dann in Zürich die erste Nummer des „Sozialdemokrat“. Seine Aufstellung als Kandidat zur Berliner Stadtverordnetenwahl 1883 war ein bewusstes und demonstratives Statement der Sozialdemokratie gegen Judenfeindschaft. Die Berliner Bauern und Arbeiter unterstützten dieses Statement, indem sie Singer im ersten Wahlgang mit absoluter Mehrheit wählten. 1884 wurde Singer erstmals in den Reichstag gewählt. Er gewann das Mandat mit absoluter Mehrheit und sollte es 27 Jahre lang bis zu seinem Tod verteidigen. Dies war nicht nur eine Demonstration der Sozialdemokratie gegen die Judenfeindschaft, es wurde zunehmend eine machtvolle Demonstration der Bauern und Arbeiter in Berlin, die gegen die reaktionäre Judenhetze ihren Paul Singer feierten. Ein vor den Nazifaschos geflohener Augenzeuge berichtete viele Jahrzehnte später 1944: „Und da geschah das, weswegen ich hier davon erzähle. Vom obersten Rang herab nämlich klang es plötzlich in den Raum, mit einer unendlich zärtlichen Stimme ,Judenpaule! Judenpaule!‘ Die Massen horchten auf. ,Bravo Judenpaule! Hoch, Judenpaule!‘ tönte es noch von oben. Und wie eine Flamme sauste der Ruf durch den Saal. Einzelne nahmen ihn auf. Jetzt mehrere. Jetzt ganze Scharen. Und bald schwoll es zu einem Orkan. Das Wort war völlig aus der Art der Berliner Arbeitersprache geboren. So würde man auch sonst etwa einen Berufsgenossen jüdischen Glaubens angeredet haben, mit einer spielenden Charakteristik seiner Besonderheit, ohne eine Spur von unerfreulichem Nebengeräusch. Auch hier benutzte man diese Titulierung völlig harmlos. Sie war lediglich ein Ausdruck noch gesteigerter Vertrautheit. Das verstanden alle. Hunderte, Tausende wiederholten: ,Judenpaule! Judenpaule!‘ Es umbrauste die mächtige Gestalt des Gefeierten, der noch am Rednerpult stand und, zuerst erstaunt und sprachlos, dann bis ins Innerste ergriffen, die eigenartige Huldigung entgegennahm. Diese Arbeiter konnten sich gar nicht beruhigen. Sie stürmten auf das Podium und holten Singer herunter. Sie hoben ihn hoch und trugen ihn im Triumph aus dem Gebäude auf die Straße …. So etwas begab sich einmal in Deutschland. Es ist freilich fast zwei Menschenalter her …“[41] Als Singer im Juli 1886 unter dem „Sozialistengesetz“ wegen seiner revolutionären Tätigkeit aus Berlin ausgewiesen wurde, gelang es rund 50 sozialdemokratischen Genossen und Vertretern der Jüdischen Gemeinde trotz massivem Bullenaufgebot, Singer am Bahnhof zu verabschieden.[42] Tausende Bauern und Arbeiter solidarisierten sich und besetzten die Stadtbahnzüge, um Singers Verabschiedung gegen die Bullen durchzusetzen.[43] Sein Abschiedsgruß an die Berliner Arbeiterinnen und Arbeiter wurde in 20.000 Exemplaren in Berlin verteilt.
Für Singer selbst hat das religiöse Judentum keine wichtige Rolle gespielt. Seit seiner Jugend war er aber Mitglied der Berliner jüdischen Gemeinde und blieb es auch zumindest bis Ende der 1880er Jahre. Ein Austritt wäre für ihn ein Akt der Feigheit gewesen, der Entsolidarisierung mit denjenigen, die mit ihm als Juden verleumdet, entrechtet und selbst verfolgt wurden[45], wie Richard Fischer in seiner Grabrede bei der Beerdigung von Singer mitteilte.[46] Mehrmals, so wird in der Literatur berichtet, sei Singer in den 1880er Jahren von Sozialdemokraten wegen seiner Mitgliedschaft in der jüdischen Gemeinde als inkonsequent kritisiert worden. Über die Motive solcher Kritiken ist nichts bekannt, wobei dies aber nichts Gutes vermuten lässt.

Von den Reaktionären wurde Singer als Jude angegriffen. Nachdem er 1887 erneut in den Reichstag gewählt worden war, starteten sie im Berliner Stadtverordnetenparlament, im Reichstag, aber auch in der Lügenpresse und in Flugblättern eine judenfeindliche Kampagne gegen Singer den „Juden“ und „blutsaugerischen Ausbeuter“. Eduard Bernstein schildert dies rückblickend 1907 wie folgt: „… Wir haben gesehen, dass im November 1887 die Wahlbeteiligung der Sozialisten im 37. Kommunal-Wahlbezirk den Durchfall des antisemitischkonservativen Häuptlings Dopp zur Folge hatte. In der Wut darüber gaben die Antisemiten zwei Flugblätter heraus, worin behauptet wurde, der ,Jude‘ und ,blutsaugerische Ausbeuter‘ Singer habe im Gegensatz zu den Beschlüssen von St. Gallen durch den Einfluss seines Geldes, ebenso, wie seinerzeit das Eintreten Virchows gegen Stoecker, so auch diesmal den hinters Licht geführten Berliner Arbeitern die Wahlbeteiligung aufnötigen lassen. Singer trat dieser durchaus unwahren oder vielmehr grundverlogenen Verdächtigung in einer scharfgefassten längeren Erklärung entgegen, die im ,Volksblatt‘ und in der ,Volkstribüne‘ vom 26. November 1887 abgedruckt ist. Es wurde ihm ein Leichtes, an der Hand der Tatsachen die verschiedenen Behauptungen der Antisemiten über sein angebliches Eintreten für Unterstützung der Freisinnigen zurückzuweisen; faktisch war Singer 1884 ursprünglich für Wahlenthaltung zwischen Virchow und Stoecker gewesen. Erst auf Drängen von Bebel, Hasenclever und Liebknecht hatte er in die Stichwahl zwischen den genannten eingegriffen, wobei er jedoch Sorge trug, seinen eigenen Standpunkt dadurch zu kennzeichnen, dass er die Parole so formulierte: ,Nicht für Virchow, sondern gegen Stoecker!‘ Desgleichen hatte er im Herbst 1887 zwar, solange die Debatte im Vorstadium ruhiger Erörterung stand, sich für Beteiligung an den Kommunalwahlen ausgesprochen, dann aber, als der Streit sich zuspitzte, jede Einmischung entschieden abgelehnt, während Bebel, Hasenclever und Liebknecht den Berlinern, die sie um ihre Meinung angingen, rückhaltlos anrieten, an der Wahlbeteiligung festzuhalten. All das wusste man in Berlin, und so fielen in dieser Hinsicht die Verleumdungen der Antisemiten platt zu Boden. In einem anderen Punkt blieb indes der Verleumdungsfeldzug nicht ganz ohne Erfolg, in dem echt antisemitischen Manöver, aus einer von einem Geschäftsteilhaber der Firma Gebrü der Singer angeblich getanen Äußerung über Lohnerhöhung verlangende Arbeiterinnen gegen Singer Kapital zu schlagen, diesen bewog, aus der Firma, die er gegründet und zu hoher Blüte gebracht hatte, auszuscheiden. Was die Wirkung auf die Partei anbetrifft, so bewiesen die Antisemiten sich freilich auch nur wieder als ein Stück von ,jener Kraft, die wohl das Böse will, jedoch das Gute schafft‘. Denn wenn der Schritt Singers auch für ihn persönlich materielle Schädigung bedeutete, so hatte die Sozialdemokratie den Vorteil, dass Singer ihr von nun ab seine ganze Kraft widmen konnte. Ein Prozess gegen die ,StaatsbürgerZeitung‘, die alle jene Verleumdungen gebracht hatte, endete mit einer Verurteilung des Redakteurs Bachler und einem vollen Triumph Singers. Nicht eine der gegen diesen gerichteten Beschuldigungen hatte vor Gericht die Probe bestanden …“[47] Singer selbst gab Ende November 1887 eine als Beilage des „Berliner Volksblatts“ vom 26. November 1887 abgedruckte Erklärung „Arbeiter Berlins! Parteigenossen“ ab, in der es hieß: „Zum zweiten Male seit wenigen Wochen ist Euch ein Flugblatt zugegangen, welches in bekannten ‚christlichsozialen‘ Ausführungen sich mit meiner Person beschäftigt. Wenn es mich auch mit Ekel erfüllt, mich mit diesem von frechen Lügen und elenden Verleumdungen strotzenden Machwerk abgeben zu müssen, so zwingt mir doch der Umstand, dass in mir meine Partei – die deutsche Sozialdemokratie – beschimpft wird, die Feder in die Hand … Von mir im Verein mit einem Parteigenossen ging der Vorschlag aus, in allgemeiner öffentlicher Versammlung die Frage, ob Beteiligung (an den Kommunalwahlen, A. d .V.) oder Nichtbeteiligung zu entscheiden und danach zu handeln. Dieser Tatsache gegenüber wagt das neueste Produkt christlich-sozialen Hasses die Behauptung aufzustellen, ‚der Jude befiehlt, dass die Arbeiter für den Fortschritt (für die Fortschrittspartei, A. d .V.) antreten, und sie müssen tanzen, wie der Jude pfeift‘. Wie paart sich hier Gemeinheit und Wahnsinn.“[48] In einer Rede gegen die judenfeindlichen Aufmärsche angeblich „arbeitsloser Arbeiter“ im März 1892 erklärte Singer im Reichstag: „Der ganze Kampf der Antisemiten ist im Wesentlichen nichts anderes als der Wunsch, die Juden, die sie totschlagen, zu beerben.“[49] Bei seiner Beisetzung 1911 begleiteten eine Million Bauern und Arbeiter auf einer siebenstündigen Kampfdemonstration den Sarg in einem Trauerzug. Das damals drei Millionen Einwohner zählende Berlin hatte noch nie zuvor eine solche Massendemonstration gesehen.[50]
Lenin berichtete wie folgt über Singers Beerdigung:
„Am 5. Februar dieses Jahres trug die deutsche Sozialdemokratie einen ihrer ältesten Führer, Paul Singer, zu Grabe. Die gesamte Arbeiterbevölkerung Berlins, viele Hunderttausende waren dem Ruf der Partei gefolgt und zur Trauerdemonstration erschienen, waren gekommen, um das Andenken eines Mannes zu ehren, der seine ganze Kraft, sein ganzes Leben in den Dienst der Befreiung der Arbeiterklasse gestellt hatte. Niemals hat die Dreimillionenstadt Berlin solche Massen gesehen: Nicht weniger als eine Million Menschen nahmen an dem Zug teil oder säumten die Straßen.“[51]
***
Diese sicherlich nicht vollständige Darstellung des praktischen Kampfs der Sozialdemokratie soll unterstreichen, warum wir – trotz alledem – mit der damaligen noch revolutionären, arbeiteroffensiven  sozialdemokratischen Partei solidarisch sind und uns als in dieser Tradition stehend verstehen. Es gilt auch aus diesem Blickwinkel die praktischen Kämpfe der nachfolgenden kommunistischen Bewegung einzuschätzen und zu analysieren und zu prüfen, inwieweit an dieser positiven Tradition festgehalten wurde. Positiv war auf jeden Fall die Festellung: „Über die Leiche des Antisemitismus, über die zuckenden Kadaver der alten Parteien geht der Weg zum Siege.“ (1892)[52]
[39] Siehe Gemkow, Heinrich: Paul Singer, ein bedeutender Führer der deutschen Arbeiterbewegung, Berlin 1957, S. 19 [40] Ebenda, S. 21 [41] Massing a. a. O., S. 183 [42] Siehe Gemkow a.a.O., S. 43 [43] Siehe ebenda, S. 43 [44] Karl Kautsky: Der Antisemitismus, in: Österreichischer Arbeiter-Kalender, Brünn 1885, S.  101 [45] Siehe ebenda, S. 43 [46] Rede Richard Fischers am Grabe Paul Singers, siehe Vorwärts, 28. Jahrgang, Nr. 32, 7. Februar 1911 [47] Zitiert nach: Heid, Ludger (Hrsg.): Eduard Bernstein, Ich bin der Letzte, der dazu schweigt. Texte in jüdischen Angelegenheiten, Berlin 2004, S. 155 f. [48] Zitiert nach: Gemkow, a. a. O., S. 73 f. [49] Paul Singer, Reichstagsrede. Zitiert nach: AZJ, Nr. 14/2891, Berlin, 28. März, S. 158 [50] Siehe Gemkow a. a. O., S. 5 [51] Lenin, W. I.: Paul Singer, 1911, Lenin Werke Band 17, S. 76[52] Kurt Falk: Antisemitismus und Sozialdemokratie, Elberfeld 1892, S. 3

GEDICHT

Paul Singer, Arbeiter-Bauern- u. Soldatenräte mit Gewehr in der Hand

so kämpften sie gegen Bismarck, antikommunistische Sozialistengesetze u. für ihr Land
Versuchen auch Reformisten Paul Singer mit antikommunistischen Lügen zu verpesten
Doch Paul Singer war einer der besten

Am Grabe unseres Kampfgefährten Paul Singer haben wir geschworen
Am Grabe unseres Kampfgefährten Paul Singer haben wir militant die Faust erhoben
Am Gabe unseres Kampfgefährten Paul Singer haben wir geschworen
Am Grabe unseres Klassenbruders Paul Singer militant die Faust erhoben

Doch auch eines Tages werden wir die Rätemacht wieder sehen
Werden gemeinsam in der Weltdiktatur des Weltproletariats stehen
Denn auch Paul Singer hat den roten Fahneneid geschworen
Der weltproletarische Internationalismus muß überleben, sonst haben wir verloren

Am Grabe unseres Kampfgefährten Paul Singer haben wir geschworen
Am Grabe unseres Kampfgefährten Paul Singer haben wir militant die Faust erhoben
Am Gabe unseres Kampfgefährten Paul Singer haben wir geschworen
Am Grabe unseres Klassenbruders Paul Singer militant die Faust erhoben

In der Pariser Kommune für ihr Land u. ihre Klasse Arbeiter ihr Leben gegeben
Paul Singer hatte Klasse, kämpfte auch deinetwegen
Doch heute erzählt die antikommunistische Lügenpresse nur Scheiße und lügt widerlich
Doch Bauer und Prolet vergesse nie, Paul Singer lebte und starb auch für dich

Am Grabe unseres Kampfgefährten Paul Singer haben wir geschworen
Am Grabe unseres Kampfgefährten Paul Singer haben wir militant die Faust erhoben
Am Gabe unseres Kampfgefährten Paul Singer haben wir geschworen
Am Grabe unseres Klassenbruders Paul Singer militant die Faust erhoben

In der Pariser Kommune Arbeiter u. Bauern für ihr Land u. ihre Klasse ihr Leben gegeben
Oh Bauer und Prolet, Paul Singer lebte und starb auch deinetwegen
Doch heute hetzt die antikommunistische Lügenpresse nur Scheiße und lügt widerlich
Doch Bauer und Prolet vergesse nie, Paul Singer lebte und starb auch für dich

 

 

Paul Singer ist nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen amerikanischen hedge fonds manager.

2020 Singer rangiert auf der Forbes 400-Liste der reichsten Amerikaner auf Platz 222, unter den Milliardären der Welt auf Platz 538 und ist der 19. bestverdienende Hedgefonds-Manager.

e-m@il Kontakt

com.2000@protonmail.com

 

Kommunistische Internationale (Stalinisten-Hoxhaisten)

SEKTION DEUTSCHLAND

 

last revision: 15. Februar 2021

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