Am 24. Mai 1932, überfiel im Reichstag die Fraktion der NSDAP die Abgeordneten der KPD, was diese zum Anlaß nahmen, öffentlich die Antifaschistische Aktion auszurufen:

»Die Antifaschistische Aktion muß durch den organisierten roten Massenselbstschutz in breitester Einheitsfront den Mordterror des Hitlerfaschismus brechen.«

und an anderer Stelle wurde erklärt:

»Nehmt in allen Betrieben, auf allen Stempelstellen, in allen Gewerkschaften und Massenorganisationen, nehmt in Stadt und Land unverzüglich Stellung zu den neuesten Ereignissen. Entschiedet euch für die Teilnahme an der Antifaschistischen Aktion der kämpfenden roten Einheitsfront.«

 

 

MANIFEST DER ANTIFASCHISTISCHEN AKTION

BESCHLOSSEN AM 10. JULI 1932

vom Berlin-Brandenburger Einheitskongress gegen den Faschismus

(Original aus "Rote Fahne" vom 12. Juli 1932, im JPG-Format)

 

Clara Zetkin eröffnete diesen Kongreß mit einem Begrüßungsschreiben, indem sie erklärte:

»Diese Einheitsfront muss über die Gesamtheit des Proletariats hinausreichen und auch die Angestellten, Handwerker, Kleingewerbetreibenden, kleinen Bauern und nicht zuletzt auch die Intelektuellen aller Schichten erfassen.«

 

ANTIFA - MANIFEST

10. Juli 1932

Arbeiter und Arbeiterinnen !

Werktätige in Stadt und Land !

Der am Sonntag statt gefundene Einheitskongress gegen Faschismus für Berlin-Brandenburg gestaltete sich zu einer grandiosen Manifestation der roten Einheitsfront in der Antifaschistischen Aktion. Fast 1500 Delegierte, davon 954 parteilos, 132 der SPD, dem Reichsbanner und anderen Organisationen angehörend, waren vertreten. Der Kongress wurde zu einem Höhepunkt der Kriegserklärung an die herrschende Klasse und ihre faschistischen Trabanten, als der Führer der Kommunistischen Partei, Genosse Thälmann das Kampfgelöbnis der Antifaschistischen Aktion verlas und die Delegierten ohne Unterschied der Parteizugehörigkeit sich feierlich verpflichteten, ihn zum Trutzschwur der roten antifaschistischen Massenbewegung zu machen und in die Tat umzusetzen.

Mit dem nachstehenden Manifest wendet sich der Einheitskongress an die gesamte deutsche Arbeiterklasse, an alle Werktätigen zur Einreihung in die Antifaschistische Aktion, zur Niederwerfung des Faschismus, zum Kampf gegen die kapitalistische Notverordnungsdiktatur.

Die herrschende Klasse und ihre faschistischen Banden sollen erzittern !

Das ganze kapitalistische Deutschland soll es erfahren, dass die Antifaschistische Aktion unter dem roten Banner des revolutionären Klassenkampfes und des Internationalismus zum Angriff übergegangen ist. Das Manifest lautet:

 

Hunger der Millionen Erwerbslosen, Verarmung und Not aller Werktätigen, Ruin von zahllosen Existenzen - maßloses Elend hat das kapitalistische System über die arbeitende Menschheit gebracht. In Deutschland werden die Werktätigen von den doppelten Schlägen der Wirtschaftskrise und der Knechtschaft durch das Versailler System getroffen. Die herrschende Klasse versucht, die Werktätigen durch eine Welle nationalistischer Verhetzung irre zu führen und vom Kampf gegen die kapitalistische Misswirtschaft abzulenken.

Gestützt auf die chauvinistische Verhetzung breiter Millionenmassen durch die skrupellose Demagogie des Hitlerfaschismus, ist die deutsche Bourgeoisie dabei, unmittelbar die faschistische Diktatur in Deutschland aufzurichten.

Die Freiheit der Arbeiterklasse wird von den Kapitalisten mit Füßen getreten. Mit Säbeln und Bajonetten und Maschinengewehren, mit Zerschlagung der Arbeiterorganisationen, mit brutalem Raum aller Rechte und Errungenschaften des Proletariats soll der Widerstand der Werktätigen gegen den Faschismus und die kapitalistische Ausplünderung zerschmettert werden. Wüster Terror nationalsozialistischer Mörderkolonnen wird von den Ausbeutern und Unterdrückern des arbeitenden Volkes entfesselt. Während die Papen-Regierung mit Hitlers Hilfe in Lausanne den neuen Tributpakt abschließt und das Versailler System erneuert, verschärft sich zugleich mit der faschistischen Entwicklung die imperialistische Kriegspolitik der Bourgeoisie.

Galgen und Zuchthäuser des Faschismus bedrohen das deutsche Proletariat und die Werktätigen in Stadt und Land, wenn nicht der antifaschistische Freiheitskampf die verbrecherischen Anschläge aller Volksfeinde zunichte macht.

In der Stunde der höchsten Gefahr ruft die antifaschistische Aktion die arbeitenden Massen in Stadt und Land zum gemeinsamen brüderlichen Freiheitskampf gegen die faschistischen Todfeinde des werktätigen Volkes und ihrer Handlanger.

* * *

Die Antifaschistische Aktion ist die lebendige Millionenbewegung aller antifaschistischen Freiheitskämpfer in ganz Deutschland !

Die Antifaschistische Aktion sammelt in ihren Reihen die Kampf entschlossenen Belegschaften der Betriebe, die zum antifaschistischen Massenkampf bereiten Erwerbslosen, der Stempelstellen, der Mitglieder der Organisationen, die den wirklichen Kampf gegen den Faschismus führen wollen, die Freiheitskämpfer in Stadt und Land aus den Reihen des Proletariats, der Angestellten, der Beamten und der Intelligenz, des Not leidenden Mittelstandes und des schaffenden Landvolkes zum gemeinsamen Kampf.

Die Antifaschistische Aktion verwirklicht den gemeinsamen Kampf der Arbeitermassen durch Wahl von Einheitsausschüssen der Antifaschistischen Aktion und Schaffung roter Massenschutzformationen im Betrieb, an der Stempelstelle, in allen Wohngebieten.

 

WAS WILL DIE ANTIFASCHISTISCHE AKTION ?

Die Antifaschistische Aktion will nicht dulden, dass über Deutschland die faschistische Diktatur errichtet wird, dass die Klassenorganisationen des Proletariats zertrümmert und verboten, dass alle Rechte der Arbeiterklasse mit Füßen getreten, dass die Sozialversicherung und alle Errungenschaften der Arbeiterbewegung ausgerottet werden.

Die Antifaschistische Aktion organisiert in breitester Einheitsfront den geschlossenen roten Massenselbstschutz der Arbeiter, Erwerbslosen und Werktätigen in ganz Deutschland.

Die Antifaschistische Aktion will den Massenkampf aller klassenbewussten Arbeiter, aller antifaschistischen Freiheitskämpfer für die vernichtende Niederlage des Hitler-Faschismus, für die Zurückeroberung vom Millionen von den Nationalsozialisten betrogener Werktätigen.

Die Antifaschistische Aktion wird nicht dulden, dass die kämpfende rote Einheitsfront von den Wegbereitern des Faschismus gestört und sabotiert wird, von denen, die die Arbeiter für Hindenburg und Brüning missbrauchten und dadurch die Papen und Schleicher in den Sattel hoben.

Die Antifaschistische Aktion will den ehrlichen Zusammenschluss aller Klassengenossen und Werktätigen, die bereit und gewillt sind, gegen die diktatorischen Notverordnungen, gegen den nationalsozialistischen Terror und gegen die Aufrichtung der faschistischen Diktatur durh die Papen-Regierung zu führen.

Die Antifaschistische Aktion will verhindern, dass die Papen-Regierung der Industriellen, Junker und Generale das Volk unterdrücken, die nationale Knechtung durch das Versailler System verlängert und ihre faschistischen Pläne gegen die Werktätigen durchführt.

Die Antifaschistische Aktion will die Beseitigung aller kapitalistischen Regierungen und die Sammlung aller antifaschistischen Freiheitskämpfer zum gemeinsamen Ringen für eine Arbeiter- und Bauernregierung in einem freien, sozialistischen Deutschland.

Die Antifaschistische Aktion will den Kriegshetzern und den faschistischen Kriegsprovokateuren, allen zu einem neuen Völkermord treibenden Mächten Deutschlands, die sich durch aktive Unterstützung der Kriegsverbrecher oder durch pazifistische Phrasen in den Dienst der Imperialisten gestellt haben, die breite Front der antifaschistischen Einheit entgegen stellen.

Für diese Ziele kämpft die Antifaschistische Aktion

Für diese Ziele ruft die Antifaschistische Aktion die Massen auf, den Kampf in den Betrieben, auf den Stempelstellen, in den Arbeitervierteln, in Stadt und Land in breiter roter Einheitsfront zu entfalten, alle Formen des Massenwiderstandes gegen die Faschisten einzuschlagen

vor allem den politischen Massenstreik gegen die faschistische Unterdrückung zu organisieren

Die Millionenmassen aller Kampf bereiten, antifaschistischen Streiter in Stadt und Land müssen sich im Zeichen des Kampfgelöbnisses der Antifaschistischen Aktion zu einer unüberwindlichen Armee des Freiheitskampfes vereinigen.

In jeder Arbeiterversammlung, in jedem Betrieb, auf jeder Stempelstelle, in jeder Organisation gilt es, millionenfach das Kampfgelöbnis der Antifaschistischen Aktion abzulegen.

 

Gegen kapitalistische Ausbeutung und Knechtschaft !

Für Arbeit, Brot und Freiheit !

Gegen Arbeiterverrat und Hindenburgpolitik !

Für rote Einheitsfront mit den sozialdemokratischen und allen Arbeitern !

Gegen die Regierung der Industriellen, Junker und Generale!

Für die Arbeiter- und Bauernregierung !

Gegen Faschismus - für Sozialismus !

 

 

Allein der 10. Juli 1932 (Beginn der Antifaschistischen Kampfwoche) forderte 17 tote Antifaschisten, 10 tödlich Verletzte und 181 zum Teil Schwerverletzte.

 

* * *

 

Ein Feind, eine Front, ein Kampf!

Das Kampfgelöbnis der Antifaschistischen Aktion

Der Kampfkongress gegen Faschismus beschloss auf seiner Tagung das nachfolgende Gelöbnis zum Kampfesschwur der Antifaschistischen Aktion zu erheben:

Wir geloben mit Leib und Leben, mit unserer ganzen Kraft, einzustehen für den antifaschistischen Massenkampf:

gegen die faschistischen Todfeinde des werktätigen Volkes,
gegen die Aufrichtung der faschistischen Diktatur.
gegen den faschistischen Mordterror,
gegen Notverordnungen, Verbote, Unterdrückungsmaßnahmen,
gegen Lohnraub, Gehaltsraub, Unterstützungsraub,
gegen Tributsklaverei und imperialistische Kriegspolitik,
gegen das kapitalistische System von Hunger und Knechtschaft!
Mit aller Kraft gegen den Faschismus!
Es lebe die Antifaschistische Aktion!

Wir geloben nicht zu ruhen und zu rasten, sondern in Betrieb und Stempelstellen, in Stadt und Land alle Kraft einzusetzen:
für die gemeinsame rote Einheitsfront,
für die Freiheit der Arbeiterklasse,
für die Verteidigung der Kommunistischen Partei und aller proletarischen Organisationen,
für die Verteidigung der Sowjetunion,
für den roten Massenselbstschutz,
für Streiks und Kampfaktionen,
für den politischen Massenstreik gegen die faschistischen Machthaber.
für eine Arbeiter- und Bauernregierung,
für ein freies, sozialistisches Deutschland!
Alles für den Sozialismus!
Es lebe die Antifaschistische Aktion!
Ein Feind – eine Front – ein Kampf!
Her zu uns! Wir sind die Antifaschisten der Tat!
Wir geloben es mit unserem Kampfruf:

„Rot Front“!

 

 

Roter Massenselbstschutz

 

„Der Rote Massenselbstschutz ist Teil der Antifaschistischen Aktion der Millionenbewegung der kämpfenden roten Einheitsfront.

Der Rote Massenselbstschutz ist keine Organisation, auch kein Verein, sondern eine überparteiliche Zusammenfassung aller antifaschistischen Arbeiter und Werktätigen.

…Er kämpft für die Reinigung der Betriebe von Nazizellen, sowie für den Aufbau von Selbstschutzstaffeln aller Arbeiter in allen Betrieben und auf allen Stempelstellen.

Der Rote Massenselbstschutz kämpft gegen den faschistischen Terror auf der Straße, gegen SA.-Lokale, SA.-Heime, SA.-Stützpunkte, für den Schutz der Wohnungen und Lokale der Arbeiter, des Arbeitereigentums, der Arbeiterpresse und der Konsumgenossenschaften.

Der Rote Massenselbstschutz organisiert einen ständige Aufklärungsarbeit unter den Angestellten und dem werktätigen Mittelstand, vor allem unter den kleinen Geschäftsleuten: er führt aber einen rücksichtslosen Kampf gegen diejenigen faschistsichen Geschäftsleute, die Träger und Stützpunkte der Naziagitation sind.

Wie wird der Rote Massenselbstschutz mobilisiert?

Die Massenselbstschutzstaffeln werden durch die Staffelleitungen alarmiert und unterstellen sich während der Durchführung der ihnen gestellten Aufgaben in freier Disziplin den Anweisungen des Führers, der vom Vorsitzenden der Staffelleitung für die Durchführung der betreffenden Arbeit bestimmt worden ist.“ (Richtlinien für den RMSS, Hamburg 11. Juli 1932)

 

 

Nationalsozialismus - Todfeind der Arbeiterklasse!

"Rote Fahne" - 8. Juli 1932

 

Die Papen-Regierung verfügte am 9. August 1932 die Notverordnung gegen „politische Gewalttaten“, mit der Antifaschisten abgeurteilt wurden. So gab es zwischen dem 17. August 1932 und dem 30. Januar 1933 2297 Verfahren, die oft mit langjährigen Haftstrafen endeten. Gegen diese Sondergerichtsverfahren gab es keinerlei Rechtsmittel. In diesen Verfahren Verurteilte waren die ersten, die später in den nationalsozialistischen Konzentrationslager umgebracht wurden.

 

1932

Für Sozialismus und Kommunismus !

 

 

Gegen Faschismus und Sozialfaschismus !

 

Leitfaden der antifaschistischen Aktion

29. Juli 2019