1934

 

 

 

ERNST THÄLMANN

hinter Kerkermauern

 

 

 

 

John Schehr und Ernst Thälmann bei einem Aufmarsch der KPD und des Roten Frontkämpferbundes (RFB) in Hamburg-Altona am 4. Mai 1928 anlässlich der Reichstagswahl

 

Nach Thälmanns Verhaftung im März 1933 übertrug die Kommunistische Internationale dem Genossen John Schehr die politische Leitung der KPD.

 

Letzte große Kundgebung der KPD am 25.Januar 1933 am Bülowplatz - John Schehr und Ernst Thälmann auf der Tribüne

 

In einer machtvollen Demonstration hatten die Berliner Arbeiter am 25.Januar 1933 den Provokationen der Nazis eine Abfuhr erteilt. So zogen die Kolonnen der schlecht gekleideten und ungenügend ernährten Arbeiter zum Karl-Liebknecht-Haus, wo Ernst Thälmann, und John Schehr mit zum Gruß erhobener Faust auf einer Tribüne standen.

 

 

am 2. Februar 1934

von den Faschisten heimtückisch ermordet:

John Schehr

Erich Steinfurth,

Eugen Schönhaar,

Rudolf Schwarz

 

Am 20. Februar 1934

Bekanntgabe des Meuchelmords

durch das Präsidium des EKKI

der Komintern

 

Nachruf auf Genossen

John Schehr


"Kommunistische Internationale"

Jahrgang 1934, Heft 4, S. 295/296.

 

John Schehr

(9. Februar 1896 - 1. Februar 1934)


Schlosser, geboren am 9. Februar 1896 in Altona, trat 1912 der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands bei. Die Bewilligung der Kriegskredite durch die Mehrheit der sozialdemokratischen Parteiführer veranlasste ihn, sich der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei anzuschließen. Über die USPD ging John Schehr zur Kommunistischen Partei Deutschlands. Beim Aufbau der Parteiorganisationen in Hamburg, im Ruhrgebiet und in Hannover bewahrte sich John Schehr als ein unermüdlicher, selbstloser Arbeiterfunktionär, der über große politische und organisatorische Fähigkeiten verfügte. Im Jahre 1929 wurde er auf dem XII. Parteitag der KPD in das Zentralkomitee gewählt. 1932 wurde er Sekretär und Mitglied des Politbüros des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei.
An der Seite Ernst Thälmanns kämpfte John Schehr mit unversöhnlichem Hass gegen die Feinde der deutschen Arbeiterklasse. In der Stunde der höchsten Gefahr für das deutsche Volk rief er die deutschen Werktätigen zum Sturz der Hitlerdiktatur auf. Er wandte sich besonders an die sozialdemokratischen Arbeiter, den Faschismus durch gemeinsame Aktionen zu zerschlagen.
Nach der Verhaftung Ernst Thälmanns im März 1933 übernahm John Schehr und anderen bewährten Arbeiterführern die Leitung der illegalen KPD. Unter den schweren Bedingungen der faschistischen Diktatur sahen sie ihre Aufgabe darin, die Einheitsfront mit den sozialdemokratischen Arbeitern herzustellen.

Bis zum November 1933 gelang es John Schehr, sich seinen Verfolgern zu entziehen. Nach seiner Festnahme wurde er von Gestapobeamten unmenschlich gefoltert; er verweigerte dennoch jede Aussage über die illegale KPD und wurde schließlich mit seinen Mitarbeitern Eugen Schönhaar, Erich Steinfurth und Rudolf Schwarz in die berüchtigte Gestapozentrale Columbia-Haus eingeliefert. John Schehr und seine Kampfgenossen bewahrten auch dort ihre unbeugsame Haltung. Unter einem Vorwand wurden John Schehr, Eugen Schonhaar, Erich Steinfurth und Rudolf Schwarz verschleppt und am 2. Februar 1934 „auf der Flucht erschossen”.”

Seit 1929 ZK-Mitglied, wurde er 1930 politischer Sekretär der KPD-Bezirksleitung Niedersachsen. 1932 wurde er in den Preußischen Landtag und in den Reichstag gewählt. Im selben Jahr wurde er Sekretär des ZK und Politbüro-Mitglied. Nach Thälmanns Verhaftung im März 1933 übertrug die Kommunistische Internationale Schehr die politische Leitung der KPD. Bereits im November wurde er durch Verrat verhaftet und am 1. Februar 1934 von der Gestapo ermordet. Dies versuchten seine Mörder mit der Behauptung zu vertuschen, John Schehr sei mit drei seiner Genossen auf der Flucht erschossen worden.

 

 

 

John Schehr und Genossen


(Von den Faschisten am 2. Februar 1934 ermordet)

 

Es geht durch die Nacht. Die Nacht ist kalt.
Der Fahrer bremst. Sie halten im Wald.
Zehn Mann geheime Staatspolizei.
Vier Kommunisten sitzen dabei,
John Schehr und Genossen.

Der Transportführer sagt:
"Kein Mensch zu sehn."
John Schehr fragt: "Warum bleiben wir stehn?"
Der Fahrer flüstert: "Die Sache geht glatt!"
Nun wissen sie, was es geschlagen hat,
John Schehr und Genossen.

Sie sehn, wie die ihre Pistolen ziehn.
John Schehr fragt: "Nicht wahr, jetzt müssen wir fliehn?"
Die Kerle lachen. "Na, wird es bald?"
Runter vom Wagen und 'rein in den Wald,
John Schehr und Genossen!"

John Schehr sagt: "So habt ihr es immer gemacht!"
So habt ihr Karl Liebknecht umgebracht!"
Der Führer brüllt: "Schmeißt die Bande 'raus!"
Und schweigend steigen die viere aus,
John Schehr und Genossen.

Sie schleppen sie in den dunklen Wald.
Und zwölfmal knallt es und widerhallt.
Da liegen sie mit erloschenem Blick,
Jeder drei Nahschüsse im Genick,
John Schehr und Genossen.

Der Wagen saust nach Berlin zurück.
Das Schauhaus quittiert: "Geliefert vier Stück."
Der Transportführer schreibt ins Lieferbuch:
"Vier Kommunisten, beim Fluchtversuch,
John Schehr und Genossen."

Dann begibt er sich in den Marmorsaal
Zum General, der den Mord befahl.
Er stellt ihn, mitten im brausenden Ball.
"Zu Befehl, Exzellenz! Erledigt der Fall
John Schehr und Genossen."

Erledigt der Fall? Bis zu einem Tag!
Da kracht seine Türe vom Kolbenschlag.
Er springt aus dem Bett. "Was wollt ihr von mir ?"
"Komm mit, Exzellenz! Die Abrechnung für
John Schehr und Genossen!"

 

 

 

 

 

 

 

Eugen Schönhaar


Der gelernte Former Eugen Schönhaar wurde bereits als 14-jähriger in der sozialistischen Arbeiterjugendbewegung aktiv. Politisiert durch das sozialistische Elternhaus und den Widerstand gegen den Ersten Weltkrieg trat er 1919 der KPD bei. Schönhaar übernahm eine zentrale Rolle bei der neu gegründeten Roten Hilfe, für die er auch international tätig war. Später ging er mit der KPD in den Untergrund, wo er für den Druck antifaschistischer Schriften zuständig war. Am 1. Februar 1934 wurde er nach kurzer Haft von der Gestapo erschossen.

 


10 von den vieltausend Blutopfern des Faschismus

aus: AIZ - Arbeiter-Illustrierte-Zeitung Nr. 30, 1934

(pdf-Format)

 

 

 

 

 

 

August Lütgens

 

Ein Roter Frontkämpfer

1934