ROTER MORGEN - ARCHIV

1988

 

 


 

 

Die KPD feiert ROTEN OKTOBER in Gelsenkirchen

zum 70. Jahrestag
am 7. November 1987

 

aus: Roter Morgen Nr. 1, Januar-Februar 1988

 

 

 

 

 

Am 7. November 1987 wurde vom Landesverband NRW unserer Partei zu Ehren des 70. Jahrestages der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution eine festliche Veranstaltung in der Gaststätte "Haus Ishorst" in Gelsenkirchn-Rotthausen durchgeführt. Trotz starker Bedenken des Inhabers konnten uns die geeigneten Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt werden. Die Genossen mussten dem Wirt erläutern, dass wir der KPD und nicht der DKP angehören, also nichts mit den Leuteschindern von drüben zu tun haben.

Bereits schon Tage vorher traten die Genossen bereitwillig in Erscheinung, um Flugblätter zu verteilen und Plakate an gut sichtbaren Stellen anzubringen. Ein bekannter Gelsenkirchener Künstler wurde mit der Gestaltung und Dekoration des Festsaales betraut. Durch seine eigenwillige Umsetzung sozialistischer Motive (als Beispiel sei hier nur die Erstellung zweier handbemalter Fahnen erwähnt, welche sehr dekorativ an den Wänden des Saales angebracht wurden) wurde große Aufmerksamkeit auch der Nicht-Parteimitglieder erregt. Es ist ein Paradebeispiel, wie ein sozialistisches Fest auch mit einfachsten Mitteln verwirklicht werden kann, und trotz oder gerade deswegen auch Gefallen bei Nichtgenossen findet. Weiterhin war ein Bestandteil des Festtages eine große Tombola. Bezeichnend waren die hervorragenden Sachpreise, welche nicht nur von Parteimitgliedern zur Verfügung gestellt wurden. Aus diesem Grunde sprechen wir an dieser Stelle unseren Dank an Gelsenkirchener Arbeiter für ihre spontane Mitwirkung aus. Für das leibliche Wohl wurde für 60 Personen Abendbrot geordert, etwa die Hälfte kam.

Zu der Festveranstaltung wurden auch mehrere andere Orgnisationen eingeladen, allein die MLPD war als einzig deutsche Organisation durch eine Genossin vertreten. Ein wahrlich trauriges Bild! Andererseits freuten wir uns sehr darüber, dass Genossen der Partei der Arbeit Irans - Toufan uns besuchten und mitfeierten.

Während die Genossen bei der Vorbereitung waren, standen draußen vor der Tür 2 MLPD-Mitglieder und wollten ihre Zeitung an unsere Genossen verkaufen. Wir baten sie, doch ruhig einzutreten, da sie ja sowieso von uns eingeladen wären. Sie beschwerten sich dann, dass die KPD ihren Sitz von Westberlin ins Ruhrgebiet verlegt habe. Das würde die Arbeiter verwirren; denn der Name KPD habe bei den Arbeitern hier im Ruhrgebiet noch einen sehr guten Klang. Wir entgegneten ihnen, dass das richtig sei und dass das daher kommt, weil unsere Partei schon fast 70 Jahre besteht, während die MLPD eine ziemlich neue Organisation ist. Unsere Gelsenkirchener Genossen sind waschechte Gelsenkirchener, deren Väter und Großväter teilweise Mitglieder unserer Partei waren, während die Mehrzahl der Gelsenkirchener MLPDler eigentlich Stuttgarter sind.

Genosse K. aus Gelsenkirchen begrüßte die Teilnehmer und eröffnete um 14.30 Uhr das Fest. K., ein seit Jahren arbeitsloser Bergmann, übernahm die Rolle als Conferencier und stellte den Programmablauf vor. Danach las er Gedichte von Erich Weinert abwechselnd mit gemeinsam gesungenen sozialistischen Liedern. Ausdrucksvoll in Gestik und Mimik und engagiert konnte Genosse K. die Anwesenden mit seinem Vortrag fesseln. Im Anschluss an diese gelungene Vorstellung folgte die Rede des 1. Sekretär des Zentralkomitees der KPD, Genosse Wolfgang Eggers. Er erklärte zunächst:

"Wir haben uns versammelt, um das bedeutendste Ereignis in der Geschichte der Menschheit zu feiern - die Große Sozialistische Oktoberrevolution von 1917. Kein andereres Ereignis hat auf der Welt ein so großes Echo hervorgerufen und einen solchen nachhaltigen Einfluss auf das Denken der Menschen und auf die weltweiten revolutionären Entwicklungen unserer Epoche gehabt wie die Große Sozialistische Oktoberrevolution.

Der Klang der Geschütze der "Aurora" verkündete der ganzen Welt den Beginn der Epoche der proletarischen Revolutionen, den Untergang der letzten Ausbeuter- und Unterdrückerordnung - des Kapitalismus und des Aufbaus einer neuen Welt, der Welt des Sozialismus und des Kommunismus. Der Geschützdonner des Oktober war der Sturmbote, mit dem das Weltproletariat damit begann, sich zur Revolution zu erheben!

Die Große Sozialistische Oktoberrevolution verkörperte zum ersten Mal in der Praxis die Richtigkeit unserer marxistischen Lehre; sie bestätigte, dass die proletarische Revolution und der Sturz des Kapitalismus nicht nur ein Wunschtraum aller Unterdrückten und Ausgebeuteten ist, sondern Realität und Wahrheit wurde."

Dann stelle der Referent die großartige persönliche Rolle der Genossen LENIN und STALIN bei den revolutionären Ereignissen dar und ging überhaupt auf diese historischen Ereignisse ein, unter Heranziehung von Artikeln, aus der "Geschichte der KPdSU (B) - Kurzer Lehrgang" und Auszügen aus den Werken des Genossen STALIN zu diesem Thema wie folgt:

"Die Oktoberrevolution ist vor allem dadurch bedeutsam, dass sie die Front des Weltimperialismus durchbrochen, die imperialistische Bourgeoisie in einem der größten kapitalistischen Länder gestürzt und das sozialistische Proletariat an die Macht gebracht hat.

Die Oktoberrevolution hat den Imperialismus nicht allein in den Zentren seiner Herrschaft, nicht allein in den 'Mutterländern' erschüttert. Sie hat auch einen Schlag gegen das Hinterland des Imperialismus, gegen seine Peripherie geführt und die Herrschaft des Imperialismus in den kolonialen und abhängigen Ländern untergraben.

Die Oktoberrevolution, die die Saat der Revolution sowohl in den Zentren des Imperialismus als auch in seinem Hinterland ausstreute, die Macht des Imperialismus in den 'Mutterländern' schwächte und seine Herrschaft in den Kolonien erschütterte, hat dadurch die Existenz des Weltkapitalismus als G a n z e s in Frage gestellt.

Die Oktoberrevolution darf nicht nur als eine Revolution auf dem Gebiet der ökonomischen und gesellschaftlich-politischen Beziehungen betrachtet werden. Sie ist zugleich eine Revolution in den Köpfen, eine Revolution in der Ideologie der Arbeiterklasse. Die Oktoberrevolution wurde geboren und erstarkte unter dem Banner des Marxismus, unter dem Banner des Leninismus, der der Marxismus der Epoche des Imperialismus und der proletarischen Revolutionen ist. Sie bedeutet daher den Sieg des Marxismus über den Reformismus, den Sieg des Leninismus über den Sozialdemokratismus, den Sieg der III. Internationale über die II. Internationale."

Genosse Eggers führte dann weiter aus:

"Heute werden die Ideen der Oktoberrevolution im Kampf gegen den modernen Revisionismus verteidigt und voran geführt. Heute kann sich nur derjenige als Revolutionär bezeichnen, der die Oktoberrevolution gegen den Sowjetrevisionismus verteidigt ! Nach Stalins Tod wurden in der Sowjetunion unter der chruschtschow-revisionistischen Führung die Ideen des großen Oktober verraten ! Die revisionistischen Führer - tarnen sich mit der Oktoberrevolution, sind aber in Wirklichkeit mit die größten Konterrevolutionäre dieser Welt ...

So sehr sich Gorbatschow auch bemüht, die Oktoberrevolution zu vergewaltigen, kann er die strahlenden Lehren von Marx, Engels, Lenin und Stalin über die unbedingte Notwendigkeit der bewaffneten Revolution, der Anwendung der revolutionären Gewalt zum Sturz der volksfeindlichen Regimes und zur Errichtung der Diktatur des Proletariats nicht verdunkeln. Gorbatschows Politik ist der lebendigste Beweis dafür, was für katastrophale Folgen es hat, wenn das Banner der Oktoberrevolution in den Schmutz getreten wird, wenn von den Prinzipien des Marxismus-Leninismus abgewichen wird, und wenn man sich den anti-leninistischen, opportunistischen Theorien hingibt. 70 Jahre sind seit dem Roten Oktober vergangen und der Sowjetunion geht es wieder so schlecht, dass sie Getreide importieren muss, weil sie nicht mehr in der Lage ist, aus eigener Kraft die sowjetischen Völker zu ernähren ! Gorbatschow steckt in der größten Krise des Revisionismus. Er kann sich nicht selbst aus dem Sumpf herausziehen, auch nicht, wenn er die Fahne der Oktoberrevolution dabei schwenkt. Es gibt nur einen Weg aus der Krise des Revisionismus - die Wiedererrichtung der Diktatur des Proletariats und den Sturz der neuen sowjetischen Bourgeoisie ...

Als Marxisten-Leninisten sind wir der festen Überzeugung, dass die Sowjetvölker die Kraft finden werden, erneut in die Schlacht zu ziehen, um die verräterische Bande der neuen Kremlzaren zu stürzen und das heute in der revisionistischen Sowjetunion herrschende sozialfaschistische System mit der machtvollen Waffe der Revolution hinwegzufegen. Und die Tatsachen bestätigen das. Genosse Ludwig aus Westberlin hat mir heute auf der Herfahrt wiederum ein kleines Beispiel hierzu mitgeteilt: Das 'Stern-Magazin' schreibt über die heutigen Ereignisse in Leningrad, der Stadt des Roten Oktober u.a.: Die Idee, in Leningrads ehrwürdigem Museum eine Modeaustellung des Pariser Couturiers Saint Laurent zu zeigen, stieß bei den Bürgern der zweitgrößten sowjetischen Stadt auf Unmut. Viele schrieben ihren Unmut ins Besucherbuch der Erimitrage - bis dies entfernt wurde. Vor diesem Gebäude protestierte mehrmals der Stahlarbeiter Alexander Bogdanow und seine Kollegen mit handgemalten Plakaten, auf denen zu lesen stand: Die Kitschmode der westlichen Bourgeoisie wird bei uns geehrt, oder: Heute ein französisches Modehaus in der Erimitrage - morgen eine Diskothek im Leninmuseum. Viermal wurde er mit seinen Kollegen festgenommen und zu saftigen Geldstrafen wegen angeblichen "Rowdytums" verurteilt. Doch seine kleine Schar ließ sich nicht entmutigen und hat inzwischen fast 1000 Unterschriften gesammelt, und zwar wie es Bogdanow ausdrückt, 'gegen Entartung und gegen die neue Bourgeoisie im eigenen Land'.

Solche Beispiele gibt es viele und sie werden mehr werden. Der Gipfel des Verrats der modenen Revisionisten ist heute der Beginn der indirekten und direkten Rehabilitierung von Trotzki, Kamenew, Sinowjew, Bucharin und andere Verräter durch die offiziellen sowjetischen Regierungsstellen

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Wir betrachten es als unsere erstrangige revolutionäre Aufgabe, den Marxismus-Leninismus gegen alle Entstellungen der Oktoberrevolution durch den modernen Revisionismus, seien es die Gorbatschowschen, die maoistischen oder die titoistischen Revisionisten, die Euro"kommunisten" oder die anderen Opportunisten jeder Schattierung, zu verteidigen. Dieser Kampf ist für die Sache der Revolution heute genauso unumgänglich wie zu Zeiten Lenins und Stalins.

Liebe Genossinnen und Genossen, liebe Freunde !

Unser Gegner, gegen den wir bei uns die Revolution vorbereiten müssen, ist der westdeutsche Imperialismus ! Die Kapitalisten werden ihre Herrschaft nicht freiwillig an uns abtreten. Sie werden ihre Herrschaft mit brutaler Gewalt verteidigen. Deswegen ist es heute die entscheidende Aufgabe der KPD, unter den Massen die Notwendigkeit und Unvermeidlichkeit der heran reifenden Revolution zu propagieren. Das ist der einzige Weg, um sich aus der Krise des Kapitalismus zu befreien. Aber die Revolution lässt sich nicht einfach aus dem Ärmel schütteln. Wenn wir heute zu den Waffen aufrufen würden, würde jeder zu Recht zu uns sagen: Ihr seid Spinner! Auch einpaar Bombenwürfe bringen's nicht, auch nicht, wenn heute Polizisten umgelegt werden. Die Kapitalisten treten nicht ab, wenn man ihnen einen Schrecken einjagt. Sie nutzen solche Ereignisse, um ihren Ausbeuter- und Unterdrückungsapparat weiter auszubauen und die Kämpfe der Massen umso brutaler zu unterdrücken.

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Damit auch bei uns die Revolution ausbricht und siegt, müssen - wie der Marxismus-Leninismus lehrt und die Erfahrungen der Oktoberrevolution beweisen - objektive UND subjektive Bedingungen erfüllt sein.

Von der Krise allein fällt die Regierung nicht um, mag die Krise auch noch so tief sein. Es muss Menschen geben, die die Regierung stürzen. An dieser Wahrheit hat sich seit der Oktoberrevolution nichts geändert. Ohne eine bolschewistische Partei kann die Arbeiterklasse die Massen nicht führen, erziehen und mobilisieren. Deswegen ist es heute unsere vordringliche Aufgabe, die KPD richtig aufzubauen, die Avantgarde des Proletariats zu schmieden und das Vertrauen der Massen zu erobern, indem wir für ihre berechtigten Forderungen kämpfen. Nur die Massen machen die Revolution. Sie sind die Kraft des revolutionären Umsturzes.

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Wir werden eines Tages den westdeutschen Imperialismus stürzen und die Diktatur des Proletariats errichten, wenn wir die Lehren des Marxismus-Leninismus richtig anwenden, wenn wir dem Weg der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution folgen.

Es lebe die Große Sozialistische Oktoberrevolution!

Vorwärts mit der KPD im Geiste des Genossen Ernst Aust !

Hoch lebe die Sozialistische Volksrepublik Albanien, die heute die Fahne der Oktoberrevolution hochhält und voranträgt!

Für ein vereintes, unabhängiges, sozialistisches Deutschland!

Rot Front !

 

Genosse Eggers bekam starken Beifall für seine Rede. Störend wirkten sich die unqualifizierten Zwischenfragen und Anmerkungen eines intellektuellen Sympathisanten aus, die letztendlich jedoch unserem 1. Sekretär Gelegenheit gaben, näher auf diese intellektuellen Wirren einzugehen. Es wurde außerdem darauf hingewiesen, dass die Rede an alle gerichtet und susätzlich Zeit zur Diskussion vorgesehen sei. Wir hoffen, dass die Undiszipliniertheit dieses Mannes ein Einzelfall bleibt.

 

Im Anschluss an die Rede des Genossen 1. Sekretärs wurde auf allgemeinem Wunsch eine Kaffeepause eingelegt, danach fand die allgemeine Diskussion statt. Das Programm wurde mit dem Beginn des Losverkaufs für die Tombola fortgesetzt. Im Anschluss nahmen alle Genossen gemeinschaftlich das Abendessen zu sich. Der nächste Programmpunkt war der Videofilmvortrag über das Leben und Schaffen des Genossen Ernst Thälmann während des Hamburger Aufstandes. Der Film fand großen Zuspruch, da er für einige Genossen und mehrere Noch-nicht-Parteimitglieder völlig unbekannt war.

Beifallsovationen rief die künstlerische Darbietung des durch Funk und Fernsehen bekannten Gelsenkirchener Originals "Onkel Erhard" hervor. Dieser Arbeiter, der bereits unter dem Künstlernamen "Toscari" Erfolge mit anderen namhaften Künstlern erzielte, begeisterte mit seiner Show alle Anwesenden. Seine Illusionsshow sowie seine Zaubertricks verblüfften das Publikum. Perfekte Stimmenimitationen bekannter Persönlichkeiten aus Show und Politik sowie erstklassige Musikeinlagen begeisterten alle. Ein Genosse, der von dem Fest so begeistert war, stellte spontan mit den Worten: "Bei euch gefällt es mir", den Aufnahmeantrag in die Partei. Herrliche und witzige Rundgesänge von Onkel Erhard und von unserem 1. Sekretär, Genossen Wolfgang Eggers, zogen die übrigen Gäste im Lokal einschließlich Wirt in ihren Bann. Alle feierten und sangen spontan mit - unter der Bemerkung: "Endlich wieder ein Parteivorsitzender zum Anfassen!"

Zum Schluss spielte unser neues Parteimitglied auf seiner Mundharmonika das Lied von Hans Beimler und alle sangen mit. Nachts gegen 1. 30 Uhr wurde unsere Zusammenkunft beendet.

 

Am Sonntag ( 8. 11. ) legten die Genossen am Fritz-Rahkofer-Platz einen Kranz zu Ehren und Gedenken der im Widerstand gegen den Faschismus gefallenen und ermordeten Genossen nieder. Ein Genosse aus Gelsenkirchen hielt eine Ansprache zur Würdigung der ermordeten Genossen und rief dazu auf, im Geist dieser Helden der Arbeiterklasse weiterzukämpfen bis auch die Wurzel des Faschismus, nämlich der Kapitalismus, beseitigt ist. Während der Kranzniederlegung wehte die Fahne der KPD mit Hammer, Sichel und Gewehr als Zeichen der revolutionären Arbeiter, Bauern und Soldaten.

Danach fand noch ein Besuch bei der Arbeitersportgemeinschaft Ückendorf e.V. statt. Die Sportler zeigten einen Querschnitt aus der koreanischen Selbstverteidigungskunst Taekwon-Do.

Die Genossen verabschiedeten sich schließlich mit revolutionären Kampfesgrüßen.