30 Jahre

Befreiung Albaniens

29. November 1944

29. November 1974

 

 

 

 

DEUTSCH


Roter Morgen vom 21. November 1974

Zum 30. Jahrestag der Befreiung Albaniens und des Sieges der Volksrevolution

 

"Tod dem Faschismus !"

"Freiheit dem Volk !"

 

Anlässlich des 30. Jahrestags der Befreiung und des Sieges der Volksrevolution werden wir in einigen Artikeln auf den Kampf des albanischen Volkes unter der Führung der PAA eingehen.

 

Am 29. November, nach 5 1/2 jährigem Kampf, befreite die Nationale Befreiungsarmee die Stadt Shkodra von den Hitlertruppen. Als in dieser Stadt die Siegerfahne gehisst wurde, da kündete sie gleichzeitig von der vollständigen Befreiung Albaniens und vom Sieg der Volksrevolution im ganzen Land.

Dieser Kampf gegen die italienischen und deutschen Faschisten wie auch gegen die einheimische Reaktion ist der blutigste und zugleich heldenhafteste Kampf gewesen, den das Freiheit liebende albanische Volk im Lauf seiner Geschichte geführt hat.

 

Das nur 28 000 qkm große Albanien mit seiner mehr als eine Millionen Einwohner zählenden Bevölkerung wurde im Laufe des 2. Weltkriegs von etwa 700 000 faschistische Soldaten besetzt. Sie mordeten nicht nur 28 000 der besten Söhne und Töchter des albanischen Volkes, sie richteten auch einen ungeheuren materiellen und kulturellen Schaden an. Trotzdem gelang es dem albanischen Volk, dem kleinsten Land in der anti-faschistischen Weltfront, sich vollständig aus eigener Kraft zu befreien. Es band während des Krieges mehr als 15 italienische und deutsche Divisionen und setzte etwa 70 000 Feinde außer Gefecht. Ebenso wurde die politischer Macht der Feudalen und des Bürgertums gebrochen. Albanien löste sich für immer aus dem kapitalistischen Weltsystem heraus und beschritt unter der Führung seiner im Kampf hervor gebrachten und gestählten kommunistischen Partei den Weg des Aufbaus des Sozialismus, wurde zum Leuchtfeuer des Sozialismus in Europa.

 

Fragt man sich nach den Ursachen dieses heroischen Kampfes und seines Sieges, so heißt die Antwort:

 

"Der Sieg im nationalen Befreiungskampf wurde vor Allem dank der Selbstlosigkeit und der großen Tapferkeit, die das albanischen Volk während des Kampfes zeigte, errungen." (Geschichte der Partei der Arbeit Albaniens, Seite 257/258)

 

Das albanische Volk, von jeher geknechtet und unterdrückt, hat während seiner ganzen Geschichte um seine Freiheit und nationale Unabhängigkeit kämpfen müssen. Dieser Kampf, der dem albanischen Volk seinen Namen - "Volk der Bergadler" - eingetragen hat, wurde stets mit der Waffe in der Hand geführt. Der größte Patriot, den die vergangenen Kämpfe hervor gebracht hatten, ist Skanderbeg, dem das albanische Volk nicht nur im Befreiungskrieg gegen die Türken im 12. Jahrhundert folgte, sondern der in allen Zeiten und bis auf den heutigen Tag ein Nationalheld, ein Symbol für den unbeugsamen Freiheitswillen des albanischen Volkes geblieben ist.

Auch als am 7. April die Truppen der italienischen Faschisten in der Küstenstadt Durres an Land gingen; - da gelang es ihnen durch den Verrat der Feudalen und des Bürgertums und ihres Königs Zogu zwar, das Land innerhalb weniger Tage einzunehmen - aber das albanische Volk akzeptierte das faschistische Regime der Okkupanten keine Minute. Es wehrte sich gegen die ungeheure Verschärfung der Ausbeutung und durch die Einführung des 10-Stundentages und die gleichzeitigen Lohnsenkungen. Es wehrte sich gegen die unerträglichen Bedingungen auf dem Land. Es lehnte sich gleichzeitig gegen die nationale Unterdrückung auf, die die italienischen Arbeiter gegenüber den albanischen Arbeitern bevorzugte, die dem albanischen Volk seinen materiellen Reichtum raubte, die albanische Kultur in den Schmutz trat und in den Schulen sogar die albanische Sprache verbot.

 

Die albanische Arbeiterklasse, obwohl sie zahlenmäßig schwach war - es gab nur 15 000 Arbeiter im ganzen Land - erwies sich als die entschlossenste Kraft in diesem Kampf.

 

"Unter den Bedingungen der Okkupation nahm die Arbeiterbewegung einen klaren anti-faschistischen politischen Charakter an. Die Fabriken und die großen Bauplätze wurden zu Zentren des Kampfes gegen die kapitalistischen Ausbeuter und die Okkupanten."

 

An ihrer Seite stand die Schuljugend. Sie sabotierten die Verbreitung der faschistischen Kultur und zeigte sich auf Demonstrationen und anderen Aktionen als kämpferische patriotische Kraft. Den Rückhalt des anti-faschistischen und nationalen Befreiungskampfes bildeten die albanischen Bauern, die die Mehrheit des Volkes ausmachten.

 

"Die nach der Okkupation entstandene neue Lage machte die Mobilisierung des gesamten Volkes für den Kampf gegen den faschistischen Plan der Italienisierung und Ausplünderung des Landes sowie für die Befreiung Albaniens und für die Erlangung der nationalen Unabhängigkeit zur Hauptaufgabe."

 

Diese Einheit des Volkes auf einer klaren Linie gegen die ausländischen und inneren Feinde durchzuführen, bedurfte es aber einer Führung, einer politischen Partei, die die Interessen der revolutionärsten Klasse vertrat und gleichzeitig das ganze Volk zum Sieg über die Okkupanten und die einheimische Reaktion führen konnte. Diese Kraft, die dem albanischen Volk in seinen bisherigen Kämpfen gefehlt hatte, entstand durch die Gründung der Kommunistischen Partei Albaniens (heute Partei der Arbeit Albaniens) am 8. November 1941. Die KPA gründete sich im Kampf gegen den Faschismus aus verschiedenen kommunistischen Gruppen in Albanien, von denen die Korca-Gruppe, zu der unter Anderem Enver Hoxha und Qemal Stafa gehörten, diejenige war, die am klarsten die notwendigen Schritte erkannte. An der Spitze des Zentralkomitees wurde Enver Hoxha gewählt.

Die Gründung der KPA hob den Kampf des Volkes auf eine neue Stufe. Obwohl die Partei zur Zeit der Gründung noch relativ klein war und keine großen Erfahrungen besaß, griff sie entschlossen in den Kampf ein.

 

"Die KP löste mit überzeugender Meisterschaft drei Schlüsselaufgaben zur Sicherung des Sieges: den Zusammenschluss der breiten Massen in der Nationalen Befreiungsfront, die Organisierung des allgemeinen Aufstands, die Bewaffnung des Volkes und die Schaffung der regulären nationalen Befreiungsarmee; die Zerschlagung des Staates der Okkupanten, Feudalen und des Bürgertums und die Errichtung und Organisierung der volksdemokratischen Macht."

 

Für die Lösung all dieser Aufgaben wurde bereits auf dem Gründungskongress der KPA die Grundlage gelegt, wo die KPA als Hauptaufgabe den Kampf für die Erringung der nationalen Unabhängigkeit und eine volksdemokratische Regierung festgelegt und die entsprechenden Beschlüsse zur Lösung dieser Aufgabe fasste. Gleich nach dem Kongress wandte sich das ZK der KPA mit einem Aufruf an das Volk:

 

"Wir wenden uns an alle ehrlichen Albaner, die Albanien wirklich lieben, alle ihre Kräfte zu vereinigen, um sie in den Kampf für die nationale Befreiung zu werfen. Der offene Kampf ist die einzig richtige Haltung gegenüber den Okkupanten. Jeder Sohn dieses Landes soll ein Soldat im Kampf für die nationale Befreiung sein. Um den Feind niederzuringen, müssen wir den Kampf organisieren und einheitlich und kräftig führen ..

Also auf in den Kampf ZUR NATIONALEN BEFREIUNG, GEGEN DIE FASCHISTISCHEN OKKUPANTEN!"

 

Dass sich die Partei sofort an das Volk wendet, um es zum Kampf zu mobilisieren, ist immer ein Wesenszug der KPA geblieben. Denn von Anfang an war sich die Partei klar darüber, wie Enver Hoxha sagte:

 

"Die Partei kann im Kampf und in der Revolution nicht alleine gehen. Die Revolution ist das Werk der Massen. Daher ist es die Aufgabe der revolutionären Partei, die Massen mit Bewusstsein zu erfüllen, sie zusammenzuschließen, zu organisieren und zu führen."

 

Diese Aufgabe konnte die Partei nicht allein durch Flugblätter und andere Formen der Propaganda lösen. Die Massen konnten nur dann Vertrauen zur Partei gewinnen, wenn sie sahen, wenn die Kommunisten bereit waren, an der vordersten Front zu kämpfen und für die Sache des Volkes alles zu opfern - auch ihr Leben.

Für die Genossen der KPA gab es keine andere Losung als

 

"Freiheit oder Tod!"

 

Im Kampf für die Freiheit fielen bereits im ersten Jahr nach der Gründung der Partei eine Reihe der besten Genossen, unter ihnen Qemal Stafa, Mitglied des ZK und politischer Sekretär des Kommunistischen Jugendverbandes, der 10 Tage nach der Gründung der Partei geschaffen wurde. Der heldenhafte Kampf dieser fast immer noch sehr jungen Kommunisten, die sich auch bei der größten Überlegenheit der faschistischen Feinde nicht ergaben, sondern bis zum letzten Blutstropfen und zur letzten Kugel weiter kämpften, sprach sich in den Armenvierteln der Städte und in den Hütten auf den Dörfern herum, festigte das Vertrauen in die Partei und ermutigte das Volk, über Streiks, Demonstrationen und Sabotageakte hinaus zum Mittel des bewaffneten Kampfes zu greifen. Im Jahre 1942 bildeten sich die ersten Partisaneneinheiten, die spätere Hauptquelle der Nationalen Befreiungsarmee.

Wie tief die Losung der KPA das Volk ergriffen, kann man übrigens am Besten daran messen, dass die Losung

 

"Tod dem Faschismus!"

 

zu einem Bestandteil des Lebens des albanischen Volkes wurde. Betrat jemand das Haus eines Patrioten, so grüßte er

"Tod dem Faschismus!" - und der Andere antwortete ihm: "Freiheit dem Volk!"

Die logische Konsequenz aus dem Bewusstsein der Partei über die Rolle der Volksmassen war die Gründung der Nationalen Befreiungsfront. Die Nationale Befreiungskonferenz am 16. September 1942 in Peza, zu der alle national gesinnten Kräfte eingeladen worden waren, legte die Grundlagen für diese Nationale Befreiungsfront und mit dem Beschluss über die Bildung von Nationalen Befreiungsräten gleichzeitig die Grundlagen für die Volksmacht. Die Basis für die Nationale Befreiungsfront bildeten die Arbeiter und Bauern. Die einzige politische Partei in ihr war die KPA, deren Plattform für den nationalen Befreiungskampf von der Versammlung gebilligt wurde.

Die Nationalen Befreiungsräte begannen in den befreiten Gebieten sofort mit ihrer Ausübung ihrer Funktion als Organe der Volksmacht.

Zu Beginn des Jahres 1943 trat der Kampf des albanischen Volkes in eine neue Phase ein. An die Stelle einzelner Aktionen traten immer häufiger koordinierte Aktionen ganzer Partisanenverbände. Die Frage des bewaffneten Kampfes war nicht unumstritten. Von Anfang an wurde behauptet, die albanischen Patrioten, die keinerlei Waffen besaßen, die keinerlei Ausbildung hatten, könnten niemals einen bewaffneten Aufstand durchführen. Die KPA war anderer Ansicht:

 

"Die Guerillaeinheiten müssen mit Kampfmittel gut ausgerüstet sein, die sie sich selbst zu beschaffen haben", sagte Enver Hoxha schon sehr früh.

Diese Waffen konnte man natürlich nicht kaufen, man musste sie sich holen von den Einzigen, die im Lande Waffen besaßen - von den faschistischen Okkupanten. In Bezug auf die geringe Zahl der Kader war die Partei der Meinung, dass das Volk genügend mutige Kämpfer hervor brachte, dass es die Aufgabe der Partei sei, sie zu erziehen und auszubilden. Auf dieser Generallinie wurde die Nationale Befreiungsarmee geschaffen. Ihre Gründung beschloss die KPA auf der Landeskonferenz im Jahre 1943. Auf der gleichen Konferenz, die nach einer genauen Einschätzung der Lage beschloss, dass die Zeit für den allgemeinen bewaffneten Aufstand reif sei.

Die erste große Bewährungsprobe hatte die Nationale Befreiungsarmee im Winter 1943/44 zu bestehen. Mit 45 000 Mann griffen die Faschisten die Befreiungsarmee an und wüteten gleichzeitig mit einem Terrorfeldzug gegen das Volk, legten ganze Dörfer in Asche und verwandelten ganze Städte in Konzentrationslager. Aber ihr Plan scheiterte. Die nur 20 000 Mann starke Nationale Befreiungsarmee hielt dem Angriff stand. Zwar starben 1 000 Patrioten den Heldentod, aber es bildeten sich 4 neue Brigaden. Nach diesem Winter war die Initiative in der Hand der Armee des Volkes. Im Mai war bereits die Hälfte des Landes befreit. Als Ausdruck der politischen Stärke des Volkes trat der 1. Anti-faschistische Kongress der Nationalen Befreiung zusammen. Er wählte die erste albanische Volksversammlung, die wirklich die Interessen des Volkes vertrat. Das vom Kongress gebilligte Anti-faschistische Komitee war die erste volksdemokratische Regierung Albaniens. Zu ihrem Präsidenten wurde Enver Hoxha gewählt.

Bald nach diesem Kongress begann die Gegenoffensive der Nationalen Befreiungsarmee, die den Feind dauernden Angriffen aussetzte und auch der inneren Reaktion schwere Schläge versetzte. Die Armee war inzwischen auf 70 000 Mann angewachsen, 9% von ihnen Frauen, 80% Jugendliche und 90% Bauern.

 

Am 29. Oktober begann nach allseitiger Vorbereitung der Kampf zur Befreiung der Hauptstadt (...). Am 17. November wurde über Tirana die Siegesfahne gehisst. 12 Tage später war Albanien befreit. Die staatliche Macht lag jetzt vollständig in den Händen der Nationalen Befreiungsräte, die den Willen des Volkes verkörperten. Vor dem albanischen Volk stand jetzt die Aufgabe, den Keim der Diktatur des Proletariats, den die volksdemokratische Macht in sich trug, voll zur Entfaltung zu bringen und die Revolution auf allen Gebieten zu Ende zu führen, sofort zur sozialistischen Revolution überzugehen. Gewappnet mit den Lehren des Befreiungskampfes, geführt von seiner marxistisch-leninistischen Partei, hat die albanische Arbeiterklasse zusammen mit den Bauern und den anderen Teilen des Volkes diesen Weg unbeirrbar verfolgt und ist zu einem wahrhaftigen Leuchtfeuer des Sozialismus in Europa geworden.