1970

 

Maiausgabe des 'Roten Morgens' der KPD/ML mit der Titelüberschrift

 

"Es lebe der 1.Mai - Kampftag der Arbeiterklasse".



Nach einem Abriß über die Geschichte des 1. Mai und der nationalen Entwicklung Deutschlands nach 1945 wird auch aktuell auf die derzeitige politische und ökonomische Situation in Westdeutschland eingegangen:


“Seit der Wirtschaftskrise von 1966/67 beraten Vertreter der Kapitalisten, deren Regierung und Gewerkschaftsführer gemeinsam in der 'konzertierten Aktion', wie das Proletariat noch mehr ausgebeutet werden kann. Als Erfüllungsgehilfen des Monopolkapitals ließen sich die Gewerkschaftsführer von Unternehmern Lohnleitlinien diktieren, damit sie trotz der Wirtschaftsflaute die Profite steigern konnten. Durch Regierungsaufträge an die Konzerne aus Steuergeldern der Werktätigen, durch Rationalisierung und verschärfte Arbeitshetze in der Produktion schien selbst im Krisentunnel für die Reichen die Sonne.

Der nachfolgende Wirtschaftsaufschwung 1968/69 ließ den Profit in die Räuberhöhlen der Konzernherren und Großaktionäre nur so strömen. Für die arbeitende Klasse veränderte sich nicht viel. Angesichts der Akkordhetze und Feiertagsschichten hatten die Industriearbeiter im Herbst 1969 die Nase voll, sich von der Gewerkschaftsbürokratie noch länger hinhalten zu lassen. Gegen deren Willen setzten sie selbständig ihre eigenen Lohnforderungen durch. In den Septemberstreiks zeigten über 100 000 Eisen- und Stahlarbeiter den Konzernbossen und Gewerkschaftsbürokraten die Kampfkraft und Entschlossenheit der Arbeiterklasse. … Den Arbeitern und allen übrigen Werktätigen sagen wir damit, daß sie durch die Kapitalistenklasse und ihre Handlanger in Staat und Gewerkschaftsführung ausgebeutet und unterdrückt werden, bestimmt nichts Neues.

Die für die Arbeiterklasse entscheidende Frage ist: Wie kann sie sich von Ausbeutung und Unterdrückung befreien? Für einen erfolgreichen Kampf gegen Ausbeutung und Unterdrückung - d.h. eben Kampf für den Sozialismus, muß die Einheit der Arbeiterklasse und ihr festes Bündnis mit den anderen werktätigen Massen hergestellt werden. Diese Einheit wird nicht von selbst entstehen. Sie kann nur unter Führung des fortschrittlichsten, klassenbewußtesten und deshalb revolutionärsten Teils der Arbeiterklasse im Klassenkampf hergestellt werden. Diese fortschrittlichsten Kräfte der Gesellschaft organisieren sich in der Kommunistischen Partei und bereiten das Proletariat unermüdlich auf die entscheidenden Kämpfe vor. … Die Erfahrungen der internationalen Arbeiterbewegung zeigen, daß ohne die Kommunistische Partei die Errichtung der proletarischen Macht des Proletariats und deren Festigung nicht möglich ist. Die Führung des Kampfes der Arbeiterklasse für den Sozialismus durch ihre organisierte Vorhut, die Kommunistische Partei, das bedeutet für die Arbeiterklasse genau den Kompaß zu haben, der sicherstellt, daß sie auf dem schnellsten Weg und dem geringsten Aufwand an Opfern die sozialistische Macht errichtet. Sich gegen den korrekten Aufbau dieser Partei auszusprechen und zum Beispiel zu sagen: 'Das ist noch viel zu früh, ist dasselbe, als ob man sagt: 'Lassen wir das Schiff ruhig noch ziellos treiben, wählen wir den längsten Weg, sollen die Arbeiter doch noch viele Opfer tragen usw.' Das eine derartige Haltung ein Verrat an den Interessen des Proletariats ist, brauchen wir nicht weiter auszuführen. … Die DKP und die SEW haben die Prinzipien des Marxismus-Leninismus verraten, erfüllen nicht mehr die Aufgaben kommunistischer Parteien und sind zu neuen sozialdemokratischen Parteien entartet. Statt die Arbeiterklasse im ökonomischen und politischen Kampf zu führen, hängen sie sich an die Forderungen der Gewerkschaften an. … Diese revisionistischen Parteien haben den Kampf für den Sozialismus aufgegeben und hängen sich an die Politik der Gewerkschaftsbonzen an. Dieser Verrat an den Grundinteressen der Arbeiterklasse ist die Ursache für unsere Trennung von diesen Parteien. Damit wurde der Neuaufbau einer wahrhaft kommunistischen Partei, der Kommunistischen Partei Deutschlands/Marxisten-Leninisten notwendig. Der Aufbau dieser Partei haben wir in Angriff genommen. Wir stehen vor folgenden Aufgaben: Vorrangig ist die Gewinnung der Vorhut der Arbeiterklasse für den Kommunismus, Kader heranzubilden und das Programm sowie die Grundlagen der Taktik für den Kampf der Arbeiterklasse auszuarbeiten. Je besser wir diese Aufgabe erfüllen, desto leichter wird es uns möglich sein, die breiten Massen der Arbeiter und übrigen Werktätigen für den revolutionären Kampf zu gewinnen. An der Spitze des Kampfes wird die KPD/ML als Vorhut die Arbeiterklasse und ihren Verbündeten in die entscheidenden Klassenschlachten führen. Das Proletariat ist noch unentschlossen, zersplittert und sich über seine eigentlichen Interessen noch nicht im Klaren. Deshalb ist es notwendig, daß alle fortschrittlichen Kräfte den Aufbau der KPD/ML unterstützen. Der Aufbau der KPD/ML muß entschieden in Angriff genommen werden, damit das Proletariat seine historischen Aufgaben wahrnehmen kann."

 

[ ANMERKUNG: Bis 1978 waren wir noch beeinflusst vom Maoismus. Unseren Kampf gegen den Maoismus begannen wir erst nach 1978 - entsprechend der korrekten Linie des Genossen Enver Hoxha und der Partei der Arbeit Albaniens ]