Maoistische "Lehre von der Denkweise" oder Stalinismus-Hoxhaismus?

Zum Verrat der MLPD an Lenin, Stalin und der Oktoberrevolution

 

 

 

 Welche Bedeutung hat die Oktoberrevolution?

Die Haltung zur Oktoberrevolution ist eine wichtige Frage der Marxistisch-Leninistischen Weltbewegung. In der Frage nach der Bedeutung der Oktoberrevolution zeigt sich der völlige ideologische Bankrott der MLPD, zeigt sich, wie wenig sie mit dem Marxismus-Leninismus zu tun hat, auf den sie sich in Worten beruft. Ihre Haltung zur Oktoberrevolution bedeutet einen offenen Angriff auf den Marxismus-Leninismus, bedeutet, überhaupt die Revolution in Frage zu stellen.

Die Erfahrungen der Oktoberrevolution sind heute nach wie vor brennend aktuell und es gibt sehr viel von der Oktoberrevolution zu lernen. Wir werden uns hier auf einige zentrale Erfahrungen der Oktoberrevolution, die von der MLPD angegriffen werden, beschränken. Auf weitere wichtige Fragen wie die, dass die Oktoberrevolution gezeigt hat, dass die Bolschewistische Partei das richtige Organisierungskonzept ist oder dass die Theorie Lenins von den unterschiedlichen Etappen der Revolution (der demokratischen und der sozialistischen Revolution) sich in der Praxis bestätigt hat, werden wir im Zusammenhang mit der Polemik gegenüber der MLPD hier jetzt nicht eingehen, sondern zum 64. Todestag die entsprechenden Zitate aus Stalins Schriften direkt anführen. Nicht von ungefähr ist es daher, dass die Schrift Stalins über genau diesen Aspekt der Oktoberrevolution so betitelt ist: "Der internationale Charakter der Oktoberrevolution". Wir wollen kurz Hauptprinzipien, die Stalin in der Schrift anführt, hervorheben und damit die falschen Grundthesen der MLPD zurückweisen. Wir werden das aber nicht mit eigenen Worten machen, sondern die entsprechenden Zitate aus Stalins Schrift direkt anführen.

Die Große Sozialistische Oktoberrevolution:

Der erste Staat der Diktatur des Proletariats weltweit!

Die Oktoberrevolution hat keine geringere Bedeutung, als dass sie das bedeutendste und einschneidenste Ereignisse in der bisherigen Menschheitsgeschichte war! Die Oktoberrevolution markierte den Beginn des ersten sozialistischen Staates weltweit! Die Pariser Kommune war ein erster Versuch auf dem Weg zur Schaffung eines proletarischen Staates, der aber objektiv zum Scheitern verurteilt war.

Stalin über die Pariser Kommune:

"Unsere proletarische Revolution ist die einzige Revolution in der Welt, die in die Lage kam, dem Volke nicht nur ihre politischen Ergebnisse, sondern auch materiellen Ergebnisse zu bieten. Von allen Arbeiterrevolutionen kennen wir nur eine, die so oder so die Macht erlangte. DAS WAR DIE PARISER KOMMUNE.

Aber sie bestand nicht lange. Sie versuchte zwar, die Fesseln des Kapitalismus zu sprengen, aber sie kam nicht dazu, sie zu sprengen, und noch weniger kam sie dazu, dem Volke segensreiche materielle Ergebnisse der Revolution darzubieten. Unsere Revolution ist die einzige, die nicht nur die Fesseln des Kapitalismus gesprengt und dem Volke die Freiheit gegeben hat, sondern dem Volke auch die materiellen Bedingungen für ein wohlhabendes Leben bieten konnte. Darin liegt die Kraft und Unbesiegbarkeit unserer Revolution." (Stalin, Geschichte der KPdSU(B), Seite 425)

Die Revolution entwaffnen, ohne irgendeine Gewähr zu haben, dass die Feinde der Revolution entwaffnet werden - ist das denn nicht Torheit, ist das denn nicht ein Verbrechen an der Arbeiterklasse ?! Nein, Genossen, wir wollen nicht die Fehler der Pariser Kommunarden wiederholen. Die Pariser Kommunarden waren gegenüber den Versaillern zu milde, was ihnen Marx seinerzeit mit vollem Recht zum Vorwurf machte. Ihre Milde aber mussten sie damit bezahlen, dass, Thiers in Pris einzog, Zehntausende Arbeiter von den Versaillern niedergeschossen wurden. (Stalin - Unterredung mit ausländischen Arbeiterdelegationen)

Die Oktoberrevolution ging den Weg der Pariser Kommune weiter und schlug eine neue Seite in der Menschheitsgeschichte auf, weil sie ein wichtiger Schritt war, um eine neue Welt zu erringen. Im Zeitalter des Imperialismus, in dem sich die Alternativen nur so stellen, Untergang in der Barbarei oder vorwärts zum Sozialismus, ist die Oktoberrevolution ein für die Menschheit wegweisendes Datum, weil durch sie der Weg des Sozialismus das erste Mal beschritten wurde. Die Oktoberrevolution hat also in der Praxis gezeigt, dass ein Leben ohne Ausbeutung möglich ist, dass der Sozialismus eine Alternative zur Ausbeutung, zur Barbarei des kapitalistischen Systems ist. Die Oktoberrevolution ist ein Fanal, das den Ausbeutern die Kraft des Proletariats und der breiten werktätigen Massen entgegensetzte und den ArbeiterInnen und Werktätigen weltweit gehört. Sie ist ein Fanal, das für eine völlig neue Welt steht und das die Fähigkeiten, das Bewusstsein, die Lebensweise, die Traditionen der breiten Massen radikal veränderte und auf eine neue, höhere Grundlage stellte. Die Oktoberrevolution ist das rote Banner, unter dem wir uns vereinigen müssen, um der Barbarei des Imperialismus endgültig ein Ende zu bereiten und um eine Welt aufzubauen, die unseren Bedürfnissen entspricht!

Das war und ist die Einschätzung der Bedeutung der Oktoberrevolution durch die Marxisten-Leninisten in der Vergangenheit und heute. Dies werden wir auch in Zukunft mit den richtigen Einschätzungen Enver Hoxhas belegen.

Lenin und Stalin betonten, daß der Sozialismus in einem Land aufgebaut werden kann und muss. Dass es möglich ist, die Diktatur des Proletariats gegen innere und äußere Feinde zu verteidigen, bei gleichzeitiger unbedingter Unterstützung der Revolution in allen Ländern durch den sozialistischen Staat und umgekehrt durch Unterstützung des sozialistischen Staates durch die revolutionären proletarischen Bewegungen in allen Ländern.

aus "  Der internationale Charakter der Oktoberrevolution" :

* Die Oktoberrevolution leitet die Epoche der proletarischen Revolutionen ein:

"Die Oktoberrevolution ist vor allem dadurch bedeutsam, daß sie die Front des Weltimperialismus durchbrochen, die imperialistische Bourgeoisie in einem der größten kapitalistischen Länder gestürzt und das sozialistische Proletariat an die Macht gebracht hat.

Die Klasse der Lohnsklaven, die Klasse der Gehetzten, die Klasse der Unterdrückten und Ausgebeuteten ist zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit zur Stellung einer herrschenden Klasse emporgestiegen und ihr Beispiel wirkt ansteckend auf die Proletarier aller Länder.

Das bedeutet, daß die Oktoberrevolution eine neue Epoche eröffnet hat, die Epoche der proletarischen Revolutionen in den Ländern des Imperialismus." (S. 208)

* Die Enteignung der Grundbesitzer und Kapitalisten:

"Sie hat den Gutsbesitzern und Kapitalisten die Produktionsinstrumente und -mittel weggenommen und in gesellschaftliches Eigentum verwandelt und so dem bürgerlichen Eigentum das sozialistische Eigentum entgegengestellt. Sie hat damit die Lüge der Kapitalisten entlarvt, daß das bürgerliche Eigentum unantastbar, heilig, ewig sei". ( S. 208)

* Zerschlagung des bürgerlichen Staatsapparates / bürgerliche und proletarische Demokratie:

"Sie hat der Bourgeoisie die Macht entrissen, hat der Bourgeoisie die politischen Rechte genommen, den bürgerlichen Staatsapparat zerstört und die Macht den Sowjets übergeben und so dem bürgerlichen Parlamentarismus, der kapitalistischen Demokratie, die sozialistische Macht der Sowjets, die proletarische Demokratie, entgegengestellt". (S. 208-209)

* Das Proletariat an der Macht:

" Die unzweifelhaften Erfolge des Sozialismus in der UdSSR an der Front des Aufbaus haben anschaulich gezeigt, daß das Proletariat imstande ist, das Land erfolgreich ohne die Bourgeoisie und gegen die Bourgeoisie zu regieren, daß es imstande ist, die Industrie erfolgreich ohne die Bourgeoisie und gegen die Bourgeoisie aufzubauen, daß es imstande ist, die ganze Volkswirtschaft erfolgreich ohne die Bourgeoisie und gegen die Bourgeoisie zu leiten, daß es imstande ist, den Sozialismus trotz der kapitalistischen Umkreisung erfolgreich aufzubauen.

Die alte ‘Theorie’, daß die Ausgebeuteten nicht ohne die Ausbeuter auskommen können, ebenso wie der Kopf und die übrigen Körperteile nicht ohne den Magen auskommen können, ist nicht nur Eigentum des aus der Geschichte des Altertums bekannten römischen Senators Menenius Agrippa. Diese ‘Theorie’ bildet jetzt den Eckstein der politischen ‘Philosophie’ der Sozialdemokratie im allgemeinen und der sozialdemokratischen Politik der Koalition mit der imperialistischen Bourgeoisie im besonderen. Diese ‘Theorie’, die den Charakter eines Vorurteils angenommen hat, bildet heute eins der ernstesten Hindernisse auf dem Wege zur Revolutionierung des Proletariats der kapitalistischen Länder. Eines der wichtigsten Ergebnisse der Oktoberrevolution ist die Tatsache, daß sie dieser verlogenen ‘Theorie’ einen tödlichen Schlag versetzt hat." (S. 209-210)

* Die Oktoberrevolution leitet die Epoche der nationalen und kolonialen Revolution im Bunde mit dem Proletariat und unter Führung des Proletariats ein:

"Die Oktoberrevolution hat den Imperialismus nicht allein in den Zentren seiner Herrschaft, nicht allein in den ‘Mutterländern’ erschüttert. Sie hat auch einen Schlag gegen das Hinterland des Imperialismus, gegen seine Peripherie geführt und die Herrschaft des Imperialismus in den kolonialen und abhängigen Ländern untergraben.

Die Oktoberrevolution, die die Gutsbesitzer und Kapitalisten gestürzt hat, sprengte die Ketten der nationalen und kolonialen Unterdrückung und befreite von ihr ausnahmslos alle unterdrückten Völker eines riesigen Staates. Das Proletariat kann sich nicht befreien, ohne die unterdrückten Völker zu befreien. Einen charakteristischen Zug der Oktoberrevolution bildet die Tatsache, daß sie diese nationalen und kolonialen Revolutionen in der UdSSR nicht unter der Fahne der nationalen Feindschaft und der Zusammenstöße zwischen den Nationen durchgeführt hat, sondern unter der Fahne des gegenseitigen Vertrauens und der brüderlichen Annäherung zwischen den Arbeitern und Bauern der Völker der UdSSR, nicht im Namen des Nationalismus, sondern im Namen des Internationalismus.

Gerade weil die nationalen und kolonialen Revolutionen in unserem Lande unter der Führung des Proletariats und unter dem Banner des Internationalismus vor sich gegangen sind, gerade darum sind die Pariavölker, die Sklavenvölker zum ersten Male in der Geschichte der Menschheit zur Stellung von Völkern emporgestiegen, die wirklich frei und wirklich gleich sind, und ihr Beispiel wirkt ansteckend auf die unterdrückten Völker der ganzen Welt.

Das bedeutet, daß die Oktoberrevolution eine neue Epoche eröffnet hat, die Epoche der kolonialen Revolutionen, die in den unterdrückten Ländern der Welt im Bunde mit dem Proletariat und unter Führung des Proletariats durchgeführt werden." (S. 210-211)

* Grundlegende Wendung in der Geschichte der Menschheit:

"Sie setzt sich nicht das Ziel eine Ausbeutungsform durch eine andere Ausbeutungsform, eine Ausbeutergruppe durch eine andere Ausbeutergruppe zu ersetzen, sondern jede Ausbeutung des Menschen durch den Menschen zu beseitigen, alle und jede Ausbeutergruppen zu vernichten, die Diktatur des Proletariats aufzurichten … eine neue, klassenlose, sozialistische Gesellschaft zu organisieren .

Eben deshalb bedeutet der Sieg der Oktoberrevolution eine grundlegende Wendung in der Geschichte der Menschheit, eine grundlegende Wendung im historischen Schicksalslauf des Weltkapitalismus, eine grundlegende Wendung in den Kampfmethoden und den Organisationsformen, in der Lebensweise und den Traditionen, in der Kultur und der Ideologie der ausgebeuteten Massen der ganzen Welt.

Das ist der Grund, weshalb die Oktoberrevolution eine Revolution von internationaler, von Weltbedeutung ist. (S. 207-208, alle Zitate aus: Stalin, "Der internationale Charakter der Oktoberrevolution", Bd. 10, alle Hervorhebungen von Stalin)

Wem das als Gegenargumentation noch nicht ausreicht, der sei daran erinnert, dass als praktisches Ergebnis des internationalen Charakters der Oktoberrevolution revolutionäre Kämpfe des Proletariats der kapitalistischen Länder, wie auch der nationalen Befreiungsbewegungen der kolonialen und halbkolonialen Länder nach 1917 gewaltig anschwollen und auf der Tagesordnung standen. Wir erinnern nur an China, Indien, Türkei, Brasilien, etc. Wir erinnern an die revolutionären Kämpfe in der Weimarer Republik in den zwanziger Jahren, an die ungarische Räterepublik etc. All diese revolutionären Kämpfe der zwei Ströme der proletarischen Weltrevolution hatten sich die Prinzipien der Oktoberrevolution auf ihre Fahne geschrieben.

Bei der Ablehnung des internationalen Charakters der Oktoberrevolution für die Proletarier aller Länder steht bei der MLPD noch ein weiteres Grundprinzip zur Disposition. Es geht um den Weg der gewaltsamen Revolution, den sie auf den Müllhaufen der Geschichte werfen wollen.



Revolution oder Reform?

Die MLPD sinkt so weit herab, die Revolution selbst in Frage zu stellen, ja eigentlich ganz zu den Akten zu legen. Der Streit um die Frage "Reform oder Revolution" war immer einer, an dem sich die Geister grundsätzlich schieden und auch heute noch scheiden. Der Weg der Reformisten war, zunächst „zwei Wege“ zum Sozialismus zu propagieren, um dann den Weg "Revolution" fallen zu lassen und ganz offen im Sumpf des Reformismus und Opportunismus zu versinken. Bernstein, Kautsky, Chruschtschow und wie sie alle hießen, alle machten sich zunächst neben dem Weg der Revolution ein kleines Hintertürchen auf. Das hieß dann

"Der Kapitalismus könne friedlich ‘in den Sozialismus hineinwachsen.’" (Bernstein), "Eroberung der Staatsgewalt durch Gewinnung der Mehrheit im Parlament." (Kautsky), "In einer Reihe kapitalistischer Länder hat die Arbeiterklasse … die reale Möglichkeit … den Übergang der grundlegenden Produktionsmittel in die Hände des Volkes zu gewährleisten." (Chruschtschow), "Die Arbeiterklasse vieler Länder (kann) noch vor dem Sturz des Kapitalismus die Bourgeoisie zwingen, solche Maßnahmen zu ergreifen, die den Rahmen gewöhnlicher Reformen überschreiten." (Programm der KPdSU, 22. Parteitag).

Damit wurde die Notwendigkeit der proletarischen Revolution, die Notwendigkeit, sie gewaltsam durchzuführen, zu den Akten gelegt.

Die Debatte "Reform oder Revolution" ist untrennbar damit verbunden, ob man den friedlichen Weg, einen Weg der schrittweisen Reformen des Kapitalismus (und damit keine Beseitigung dieses Systems erreichen zu wollen oder können) oder den gewaltsamen Weg, den Weg der Zerschlagung des imperialistischen Ausbeutersystems zum Sozialismus propagiert, welches Verhältnis man zur Gewalt einnimmt. So nannte es Chruschtschow den "friedlichen und den nicht-friedlichen Übergang zum Sozialismus", wenn er von den ‘zwei’ Wegen sprach.

Im Gegensatz dazu ist die Revolution aber gar nichts anderes als ein gewaltsamer Aufstand, um die zentrale Staatsmacht der Bourgeoisie mit den Gewehren zu zerschlagen und einen neuen proletarischen Staat aufzubauen. Die Revolution ist immer gewaltsam d.h. gestützt auf die Macht der Gewalt und Gewehre.

Wir propagieren die Revolution nicht als Selbstzweck, sondern weil es keinen anderen Weg zum Sozialismus gibt: Die Weltkapitalisten werden die Macht nicht freiwillig abtreten. Dies ist ein Gesetz, das in diesem Jahrhundert mehr als einmal bestätigt wurde. Und auch wenn der Imperialismus so weiter wirtschaftet wie bisher und uns so - durch Umweltzerstörung, durch Kriege z.B.- in den Untergang zerrt, er wird trotzdem nicht von alleine zusammenbrechen. Er wird nicht freiwillig von der Weltbühne abtreten, auch dann nicht, wenn wir immer weiter und weiter im Schmutz des Weltimperialismus versinken. Das zeigt sich heute mehr denn je, denn der Weltimperialismus denkt nicht daran, abzutreten, trotz der schreienden Widersprüche weltweit, trotz der täglichen Barbarei, trotz der großen Unsicherheit, der Labilität, der Ungleichmäßigkeit, die der Weltimperialismus produziert. Wir werden nicht anders handeln können, als dem Imperialismus gewaltsam ein Ende zu bereiten. Denn es gilt nach wie vor: Weltsozialismus durch die bewaffnete sozialistische Weltrevolution oder Untergang in der Barbarei!

Die MLPD aber macht sich genau dieses besagte ‘Hintertürchen’ auf, wenn sie schreibt:

"Die historische Umbruchphase kann entstehen durch eine Revolution oder Veränderung der Produktivkräfte."(S. 219) (Hervorhebung von Komintern(SH))

Hier ist es also, das berühmte "oder". Es gibt zwei Wege, um zum Sozialismus zu kommen, Revolution oder reformistische Veränderung des Imperialismus, so dass er zum Sozialismus wird. In diesem Sinne fährt die MLPD fort:

"Man muss das Gewoge von Kämpfen, die die Existenz des Imperialismus immer schwieriger machen, untersuchen … Diese neue Produktionsweise kann auf Dauer nicht mehr durch die Imperialisten selbst aufrechterhalten werden (S. 219) … wo die Monopole und ihr Staat diese Produktivkräfte nicht mehr auf kapitalistischer Grundlage beherrschen können… Dann entsteht die Alternative des Zusammenbruchs und allgemeinen Verfalls oder aber die Aufrechterhaltung der Produktion auf veränderter Grundlage, das heißt mit Hilfe der Massen". (Der Kampf um die Denkweise… in der AS. 286) (Hervorhebung von Komintern(SH))

Hier steht nichts mehr von der Revolution. Hier hat die MLPD die Revolution kurzerhand fallengelassen und ist ganz auf die Alternative ‘Hinübergleiten des Imperialismus in den Sozialismus’ übergegangen (Kautsky). Die Produktion wird verändert; die Massen ‘helfen’ dabei auch mit. Aber wie das alles bewerkstelligt werden soll, darüber braucht die MLPD wohl kein Wort zu verlieren. Man hat bei ihr den Eindruck, als sei für sie die Veränderung eine ganz leichte Sache; der Imperialismus stirbt ab und wir gleiten einfach so in den Sozialismus, wahrscheinlich ganz ‘friedlich’ und ganz ohne ‘Blutvergießen’.

Das ist also eine weitere ‘undogmatische’ Auswertung der Erfahrung der Oktoberrevolution durch die MLPD. Das Grundprinzip des Marxismus-Leninismus, der Notwendigkeit der gewaltsamen Machtergreifung, der Zerschlagung des alten Staatsapparates, der Revolution bleibt im ‘Gewoge der Kämpfe’ auf der Strecke. Wer aber so an diese Frage herangeht, die Machtfrage nicht klar und deutlich stellt, den gewaltsamen Aufstand zu den Akten legt, der verschließt die Augen vor der Realität und streut den Massen nur Sand in die Augen:

"Der bürgerliche Staat ‘kann durch den proletarischen Staat (die Diktatur des Proletariats) nicht auf dem Wege des ,Absterbens’ abgelöst werden, sondern, als allgemeine Regel, nur durch eine gewaltsame Revolution’, sagte er (Stalin) an anderer Stelle und erklärte weiter: ‘Die Notwendigkeit, die Massen systematisch in diesen, gerade in diesen Auffassungen über die gewaltsame Revolution zu erziehen, liegt der gesamten Lehre von Marx und Engels zugrunde.…Zu glauben, daß man eine solche Revolution friedlich, im Rahmen der bürgerlichen Demokratie, die der Herrschaft der Bourgeoisie angepaßt ist, durchführen kann, bedeutet, entweder den Verstand verloren und die normalen menschlichen Begriffe eingebüßt zu haben oder sich grob und offen von der proletarischen Revolution loszusagen.’ (Stalin, A. d.V.)

Gestützt auf die marxistisch-leninistische Lehre von der gewaltsamen Revolution und auf die neuen Erfahrungen der proletarischen Revolution und der vom Proletariat geleiteten demokratischen Revolution stellte Genosse Enver Hoxha die berühmte These auf: ‘„Die Welt befindet sich in einer Phase, in der die Sache der Revolution und der nationalen Befreiung der Völker nicht nur ein Ideal und eine Perspektive ist, sondern auch ein Problem, das zur Lösung ansteht“ (Enver Hoxha, Bericht an den 7. Parteitag der PAA, dt. Ausgabe, Seite 163).

"Lenin sagte: Der Imperialismus zeichnet sich kraft seiner grundlegenden ökonomischen Eigenschaften durch ‘sehr geringe Friedfertigkeit und Freiheitsliebe und sehr große, überall wahrzunehmende Entwicklung des Militarismus’ aus. Das bei der Beurteilung der Frage: friedliche oder gewaltsame Umwälzung ‘ ,nicht bemerken’ heißt zu einem gewöhnlichen Lakaien der Bourgeoisie herabsinken.’" (ebenda, S. 420)

Daß bei der Ausgangsfragestellung der MLPD ‘Hinübergleiten in den Sozialismus durch Hilfe der Massen" gegen die Notwendigkeit der Revolution, dann natürlich auch nirgendwo die Notwendigkeit der gewaltsamen Revolution (weder theoretisch noch in der Agitation und Propaganda) vorkommt ist natürlich kein Zufall. Das ist nur der weitere Schritt im Reformismus!

Zusammenfassend lässt sich sagen:

Schon bei der LLL 2017 als erster Teil der Kritik an dem theoretischen Erguss "Der Kampf um die Denkweise …" haben wir aufgezeigt, dass die MLPD ihre wundersamen, angeblich ganz neuen Theorien damit begründet, dass die Bedingungen sich völlig verändert haben. Wir haben dort ihre faule Theorie widerlegt, dass der Weltimperialismus in eine neue Phase übergegangen ist, nämlich angeblich in das Stadium des ‘Neuorganisation der internationalen Produktionsweise’. Denn Lenin analysierte richtig, dass der Kapitalismus in sein letztes Stadium eingetreten ist, in ein Stadium, das durch die Herrschaft des Finanzkapitals gekennzeichnet ist. Letztes Stadium heißt, dass diesem Stadium des Kapitalismus kein anderes Stadium des Kapitalismus mehr folgen kann, sondern nur noch der Untergang in der Barbarei oder der Sozialismus. Diese neuen Bedingungen sind also eine Erfindung der MLPD in Anlehnung an den „Ultra-Imperialismus“ von Kautsky.

Die anderen total falschen Argumentationen der MLPD, die in den Zitaten angeführt werden, greifen nicht nur die Theorie des Marxismus-Leninismus frontal an, sondern sind auch gar keine ‘neuen’ Theorien. Die MLPD kaut im wesentlichen alte Theorien à la Kautsky oder Trotzki wieder, die schon von Lenin gründlich widerlegt wurden. Und gerade weil die völlige Entkräftung solcher Theorien durch Lenin so erfolgreich war, gerade weil die Bolschewiki andere, richtige Auffassungen in Revolutionsfragen hatten, gerade deshalb konnte die Oktoberrevolution überhaupt gelingen, gerade deswegen fand die Oktoberrevolution unter Führung der Bolschewistischen Partei Lenins und Stalins statt, gerade deswegen ist die Oktoberrevolution gerade das erfolgreichste Beispiel für die Richtigkeit des Bolschewismus, was wir als Stalinisten-Hoxhaisten verteidigen müssen.

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Stalin zu verteidigen heißt ... den Weltkommunismus zu verteidigen!

Auch in ihrem ‘Epoche machenden’ Werk: "Der Kampf um die Denkweise in der Arbeiterbewegung" verkündet die MLPD ihre Einschätzung von Stalin.

Die Haltung zu Stalin ist eine äußerst wichtige Sache. Dies erklärt sich daraus, dass die Angriffe auf Stalin fast immer -wie auch bei der MLPD- dazu benutzt werden, um das ganze System, die Politik der Bolschewiki der KPdSU in der Sowjetunion Lenins und Stalins anzugreifen. Diese ‘Kritiken’ laufen darauf hinaus, dass die Sowjetunion angeblich „gar nicht sozialistisch“ war; dass die ‘Fehler’ so krass gewesen seien, dass damit die Frage abgeleitet wird, ob nicht die ganze marxistisch-leninistische Theorie und Praxis in sich fehlerhaft und letztlich unbrauchbar, also falsch sei. Die Angriffe auf die Person Stalin -auch wieder mehr oder minder offen- sind in der Regel ein Angriff auf den Weltkommunismus. Bei der Frage nach der Person Stalins geht es sowohl darum, ihn selbst als Führer des Weltproletariats, als Weggereiter des Weltkommunismus und als 4. Klassiker des Marxismus-Leninismus zu verteidigen.

Auch die MLPD stimmt in den Chor der Revisionisten und Trotzkisten ein, indem sie einen Teil der gängigsten Anwürfe gegen Stalin stereotyp wiederholt. Wir greifen uns die heftigsten Vorwürfe aus der "Denkweise" heraus.

Vorweg möchten wir noch klarstellen: Wenn wir im Folgenden die Angriffe der MLPD zurückweisen, die sie gegen die sozialistische Sowjetunion und die KPdSU vorbringt, so heißt das nicht, daß wir bereits im Besitz einer umfassenden vollständigen und tiefgehenden Analyse des Entartungsprozesses der sozialistischen Sowjetunion in einen verbürokratisierten , restaurierten kapitalistischen Staat verfügen. Wir sind natürlich auch keineswegs der Meinung, dass die Marxisten-Leninisten, die KPdSU, bis zum Tod des Genossen Stalin keine Fehler gemacht haben. Ihre Machtübernahme hatten die modernen Revisionisten bereits zu Lebzeiten von Stalin vorbereitet. Das tiefgehende Verständnis der Entartung ist nur mit Hilfe des dialektischen und historischen Materialismus möglich. Der Kampf gegen die Restauration des Kapitalismus begannen Lenin und Stalin bereits seit dem Sieg der Oktoberrevolution zu führen. Diesen Kampf, den Genosse Enver Hoxha auch in Albanien korrekt und erfolgreich führte, gilt es zu studieren, um den komplizierten Entwicklungsprozess der Restauration des Kapitalismus zu verstehen und Lehren zu ziehen, damit sich dies im zukünftigen Weltsozialismus nicht wiederholt.

Wir gehen stalinistisch-hoxhaistisch an die Ursachen der Entartung des Sozialismus heran und haben die notwendigen Schlussfolgerungen im Weltmaßstab gezogen. Die MLPD ist eine anti-stalinistisch-hoxhaistische Partei und vertritt daher eine neo-revisionistische Auffassung von der Entartung des Sozialismus. Die MLPD gibt dem Stalinismus die Schuld an der Entartung und macht damit den modernen Revisionismus wieder Hof fähig und sich selbst zum Lakaien der Bourgeoisie.

Der Machtantritt des modernen Revisionismus in der Sowjetunion fand 1953 mit dem Mord an Stalin statt. Aber erst 1956 traute sich die Chruschtschow-Clique auf dem XX.Parteitag, Stalin und den Stalinismus offen anzugreifen. Mit einem Generalangriff auf das politische Programm der KPdSU unter der Flagge der "neuen Bedingungen" wurde ein neues, durch und durch revisionistisches Programm verabschiedet. Sofort nach dem Tode Stalins 1953 wurden die Vorbereitungen seitens der Revisionisten getroffen, die auf diesen Kurswechsel hinsteuerten. Die Linie des Verrates wurde seit 1956 ganz offen in Partei und Staat durchgesetzt und der Widerstand der Stalinisten systematisch gebrochen. Gekoppelt war das alles mit einer gigantischen Verleumdungskampagne gegen Stalin, der angeblich eine persönliche Diktatur und Terrorherrschaft in der Partei ausgeübt hätte. Die Sowjetunion entartete in einen restaurierten kapitalistischen , sozialimperialistischen Staat. Was nun die Frage der Verantwortung der Kommunisten an dieser Entwicklung angeht, hierbei konzentrieren Opportunisten wie die MLPD nun ihre ganze Aufmerksamkeit auf eine Verteufelung von Stalin, auf ein Auflisten seiner angeblichen Fehler, die angeblich zur Entartung geführt haben sollen. Wie wir im Weiteren nachweisen, schrecken sie in keinster Weise davor zurück, selbst die abenteuerlichsten bürgerlichen Theorien von der "Terrorherrschaft" Stalins nachzuplappern. Das alles hat aber mit einer ernsthaften Analyse nichts zu tun. In dieser Frage ist für uns als Ausgangspunkt klar: selbstverständlich gab es für die Entartung subjektive wie auch objektive Bedingungen. Unter objektiven Bedingungen verstehen wir z.B. die Situation nach dem 2.Weltkrieg, wo die Sowjetunion als Sieger aus dem Entscheidungskampf mit dem deutschen Faschismus hervorging. Darüber hinaus errichtete Stalin das sozialistische Weltlager. Der Menschheit fehlten nur noch ein paar Schritte zum Weltsozialismus … und das, obwohl Millionen von Kommunisten der Sowjetunion, an vorderster Front im Kampf gegen den Faschismus gefallen waren. Zigtausende erprobte, hingebungsvolle kommunistische Kader gaben ihr Leben und ihr Tod riss empfindliche Lücken in die Reihen der KPdSU (B) .. und trotzdem begann sich der Kommunismus auf der ganzen Welt vom Zentrum der Sowjetunion Stalins auszudehnen.

Stalin lehrte, dass sich der Widerstand der Bourgeoisie zwangsläufig mit jedem Erstarken des Sozialismus erhöht. Diese stalinsche Lehre gilt auch im Weltmaßstab. In dem Moment, wo sich der Kommunismus weltweit auszubreiten begann, da wuchs auch der konterrevolutionäre Widerstand der Weltbourgeoisie, bzw. das was von ihr noch nach dem 2. Weltkrieg übrig geblieben war (das Häuflein Westalliierte). Der Weltimperialismus kämpfte ums nackte Überleben und war gezwungen, in dieser existentiellen Not sein anti-kommunistisches Feuerwerk in kaum vorstellbarem Ausmaß auf die Sowjetunion abzufeuern, angefangen mit Angriffen auf das sozialistische Weltlager, um die Isolierung der Sowjetunion herbeizuführen und sie schließlich zu degenerieren und zu zerschlagen. Aber mit dem Sieg des Sozialismus in Albanien erlitt die kapitalistisch-revisionistische Welt eine empfindliche Niederlage. Albanien verteidigte als einziges Land die Sowjetunion Lenins und Stalins und wird deswegen von der MLPD verurteilt. Wer also den treuesten Schüler Stalins, den Genossen Enver Hoxha angreift, der greift damit auch Stalin und den Marxismus-Leninismus an. Was den Interventionisten nicht gelang, das vollbrachten die revisionistischen Verräter von innen. Dass es dazu kam, lag an der mangelnden Wachsamkeit der Kommunisten gegenüber dem wachsenden Einfluss der Revisionisten. Wir empfehlen das Studium der Werke des Genosen Enver Hoxha, der in Theorie und Praxis die richtigen Schlussfolgerungen aus der revisionistischen Entartung der Sowjetunion gezogen hatte.

Unserer Meinung nach kann man nach dem Studium der Schriften Stalins und auch auf den Parteitagen der KPdSU (B), sowie der uns vorliegenden Dokumente über die Theorie und Praxis der KPdSU (B), ganz klar feststellen, dass die Bolschewiki mit Lenin und Stalin an der Spitze sehr wohl die Gefahren von Bürokratismus, von Vetternwirtschaft, von der Notwendigkeit des ideologischen Klassenkampfes bekämpft hatten. Hierzu empfehlen wir das Studium unseres Buches: „Über die Grundlagen und zu den Fragen des Stalinismus“. Stalin betonte immer wieder, dass der Sozialismus nicht garantiert werden kann, solange er nicht im Weltmaßstab gesiegt hat. Die KPdSU (B) hat vor der Unterschätzung der Gefahr der Restauration des Kapitalismus gewarnt und Stalin hat stets die Anstrengungen im Klassenkampf gegen die absterbenden Klassen erhöht. Bis zum Schluss hat Stalin für die Stärkung der Diktatur des Proletariats gekämpft, auch und ganz besonders kurz vor seinem Tod als sich die Machtübernahme der modernen Revisionisten bereits deutlich abzeichnete. Die MLPD nennt Stalin als Ersten für den Verrat am Sozialismus. Wir Stalinisten-Hoxhaisten nennen die modernen Revisionisten als die Ersten verantwortlichen. Klarer kann man keine Demarkationslinie ziehen.

Stalin prophezeite:

Was wäre die Folge, wenn es dem Kapital gelänge, die Republik der Sowjets zu zerschlagen? Eine Epoche der schwärzesten Reaktion würde über alle kapitalistischen und kolonialen Länder hereinbrechen, man würde die Arbeiterklasse und die unterdrückten Völker vollends knebeln, die Positionen des internationalen Kommunismus würden liquidiert.“ (Werke Band 9, S. 29, Noch einmal über die sozialdemokratischen Abweichungen in unserer Partei, III. Die Meinungsverschiedenheiten in der KPdSU, Rede am 7. Dezember 1926 auf dem VII. erweiterten Plenum des Exekutivkomitees der Kommunistischen Internationale)

Eine weitere Ursache liegt sicherlich darin, dass der Glaube an die Unfehlbarkeit der Partei, dem Stalin und führende Kommunisten immer wieder rigoros entgegengetreten waren, von den Revisionisten unter den Massen bewusst geschürt wurde. Die Chruschtschow-Revisionisten versuchten, die Massen einzuschläfern und damit zu entwaffnen und wehrlos zu machen. Es war schließlich der Genosse Enver Hoxha, der daraus die richtigen Schlussfolgerungen zog und die Massen systematisch zum anti-revisionistischen Kampf erzog. Der Hoxhaismus lehrt, dass die sozialistische Revolution vom Charakter her nichts Anderes sein kann, als eine anti-revisionistische Revolution.

Nun konkret zu der Pseudoanalyse der MLPD:

Das Argument Stalin habe "geheimdienstlich und ohne wirkliche Kontrolle" regiert:

Die demagogischste Art der Angriffe ist die, wo Stalin als eine Person gezeichnet wird, die willkürliche, ja brutale Unterdrückung von unschuldigen Menschen nicht nur zugelassen, sondern sogar befürwortet bzw. veranlasst hat. Demagogisch deshalb, weil diese Anschuldigung meistens völlig ohne Beweise oder Quellenangaben, also in Form von Verleumdungen, vorgebracht werden. Dies ist auch ganz logisch, denn dafür gibt es keine ernstzunehmenden Quellen. Eine der wichtigsten ‘Quellen’ solcher Anschuldigungen ist z.B. der ‘Geheimbericht’ des Revisionisten Chruschtschows (Gehalten auf dem 20. Parteitag der KPdSU 1956). Demagogisch deshalb, weil Anschuldigungen gerade dieser Art -werden sie geglaubt- Genossen, Revolutionären, die wirklich eine neue, bessere Welt wollen und dafür kämpfen, dazu bringen sollen Stalin zu verabscheuen.

Leider begibt sich die MLPD bei ihrer Polemik gegen Stalin gerade auf dieses Niveau. So schreibt die MLPD auf Seite 99 der "Denkweise":

"Der von Stalin...eingesetzte Staatssicherheitsdienst arbeitete im Auftrag des ZK von oben nach unten, er arbeitete geheimdienstlich und somit ohne wirkliche Kontrolle, er überzeugte nicht, sondern hatte zu "säubern". Mit der Verbürokratisierung des Staatssicherheitsdienstes nahm auch … die Willkürlichkeit der Methoden und Urteile des Staatssicherheitsdienstes zu. ‘Dieser Apparat’, schreibt Willi Dickhut, ‘war selber verbürokratisiert...

Administrative Maßnahmen und schematische Anwendung - statt ideologisch-politische Erziehungsarbeit, • Gleichmacherei, alle über einen Kamm scheren - statt Differenzierung zwischen aufrichtigen Menschen und Heuchlern, zwischen ehrlichen Revolutionären und verbrecherischen Konterrevolutionären, • keine Unterscheidung zwischen Widersprüchen im Volk und Widersprüchen zwischen uns und dem Feind, • Geständnisse durch Einschüchterung am laufenden Band - statt offene, ehrliche Selbstkritik durch Überzeugung.’(Willi Dickhut, ‘Die dialektische Einheit …’)

All das förderte geradezu, daß die kleinbürgerlich denkenden Bürokraten ihren Kopf einzogen und sich angepaßt verhielten. Die Diktatur des Proletariats wurde ausgehöhlt und der Sozialismus langsam, aber sicher untergraben."(S. 99-100)

Wie schon oben erwähnt, ist es auch hier so, dass diese schwerwiegenden Vorwürfe nicht mal mit einer einzigen ernstzunehmenden Quelle und mit Tatsachen belegt und bewiesen werden. Aber neben dieser völlig falschen Methode, nämlich mit Behauptungen zu arbeiten und nicht mit Beweisen, muss man sich doch folgende Fragen vor Augen führen: Was soll ein fortschrittlicher Mensch zu einem ‘Sozialismus’ sagen, in dem der ‘Regierungschef’, "Geständnisse durch Einschüchterung am laufendem Band" nicht nur zulässt, sondern sogar selbst den dafür notwendigen Apparat einsetzt? Was soll ein Kommunist heute zum Kommunist-Sein Stalins sagen, wenn er angeblich selbst Bürokraten züchtete, also selber der oberste aller Bürokraten ist? Zu welchem Urteil muss ein ehrlicher Revolutionär kommen, wenn in einem ‘sozialistischen Land’ "offene, ehrliche Selbstkritik", "ideologisch-politische Erziehungsarbeit", also das Mittel der Überzeugung, mit Füßen getreten werden, wenn aber "administrative Maßnahmen", "Willkürlichkeit", also blindes Bestrafen und brutales "alle über einen Kamm scheren" an der Tagesordnung waren, wenn die Bürokraten, Karrieristen oben saßen und ehrliche, kritische Menschen einfach "weggesäubert" werden? Was soll man dazu sagen? Dass das wohl kaum Sozialismus gewesen sein kann, wohl kaum ein politisches System, für das man/frau kämpfen würde. Das Entscheidende aber ist, dass Stalin angelastet wird, bewusst als Methode des Aufbaus des Sozialismus bürokratische Strukturen, den Staatssicherheitsdienst, die Unterdrückung von jeglicher Kritik, ja die Diktatur gegen das Proletariat und die werktätigen Massen geschaffen habe. Stalin hat laut MLPD, einen Apparat eingesetzt, der den Sozialismus untergraben hat. Und dann stellt sich die MLPD an anderer Stelle hin und beteuert, die Sowjetunion unter Stalin wäre sozialistisch gewesen und sie stellt Stalin als großen Marxisten-Leninisten hin. Ein fortschrittlicher, revolutionärer oder kommunistischer Mensch, -nimmt er die Vorwürfe gegen Stalin ernst- muß doch zu dem Schluß kommen, Stalin für einen Verbrecher und die Sowjetunion für eine Gesellschaft, die die ArbeiterInnen und Werktätigen unterdrückte zu halten. Damit gießt die MLPD Wasser auf die Mühlen der bürgerlichen Antikommunisten.

Stalin war der größte Feind des Bürokratismus!

Noch etwas anderes wird an dem obigen Zitat sichtbar: Folgt man der MLPD, so befürwortete Stalin angeblich einen Staatssicherheitsdienst, der "selber verbürokratisiert" gewesen sei. Stalin ließ angeblich tatenlos- zu, dass "kleinbürgerlich denkende Bürokraten" eine riesige Machtfülle innehatten, so dass sie z. B. ‘am laufenden Band’ ehrliche Revolutionäre terrorisieren konnten, so dass dadurch sogar "der Sozialismus langsam, aber sicher untergraben" worden wäre. Und genau diese Gefahr, dass ein Anwachsen des Bürokratismus auch zum Untergang des Sozialismus führen kann, habe laut MLPD Stalin auch sowieso nie gesehen.

Wir wollen der ganzen Flut von unbewiesenen Anschuldigungen der MLPD entgegentreten, indem wir uns auf ihre zentralsten konzentrieren. Dass Stalin angeblich die Gefahr, die von Bürokraten ausging, nicht als Gefahr für die Existenz des Sozialismus sah und nicht gegen sie ankämpfte, ist ein zentrales Argument der MLPD gegenüber Stalin, das sie an ganz vielen Stellen immer wieder einbringen. Weiter unten werden wir aufzeigen, dass dieses Argument eine entscheidende Begründung dafür ist, dass nach der MLPD sogar "der Sozialismus zugrunde gehen (musste)." ( S. 105) (Hervorhebung von TA)

Bezüglich des Kampfes gegen den Bürokratismus empfehlen wir das Studium unseres Buches: „Über die Grundlagen und zu den Fragen des Stalinismus“.

Zunächst wollen wir an Hand von einigen Beispielen Stalins Einstellung und Kampf gegen den Bürokratismus darlegen:

"Daß die Elemente des Bürokratismus bekämpft werden müssen und daß wir so lange vor dieser Aufgabe stehen werden, als wir eine Staatsmacht haben, als ein Staat existiert - das ist ebenfalls eine Tatsache."(Stalin, Werke Bd. 10, S. 277)

"Es handelt sich darum, daß innerhalb unserer Partei-, Staats-, Gewerkschafts-, Genossenschafts- und aller Art anderer Organisationen bürokratische Elemente vorhanden sind. Es handelt sich um die bürokratischen Elemente, die von unseren Schwächen und Fehlern leben, die die Kritik der Massen, die Kontrolle der Massen wie das Feuer fürchten und die uns hindern, die Selbstkritik zu entfalten, uns hindern, uns von unseren Schwächen, von unseren Fehlern zu befreien. Der Bürokratismus in unseren Organisationen ist nicht einfach als Amtsschimmel und Kanzleiwirtschaft zu betrachten. Der Bürokratismus ist eine Äußerung des bürgerlichen Einflusses auf unsere Organisationen (...)

Mit umso größerer Beharrlichkeit muß der Kampf gegen den Bürokratismus unserer Organisationen geführt werden, wenn wir die Selbstkritik wirklich entfalten und uns von den Gebrechen unseres Aufbaus befreien wollen.

Mit umso größerer Beharrlichkeit müssen wir die Millionenmassen der Arbeiter und Bauern zur Kritik von unten, zur Kontrolle von unten mobilisieren, die das wichtigste Gegengift gegen den Bürokratismus sind."(Stalin, Werke Bd. 11 S. 116-117, Hervorhebung von Stalin)

* Über das Problem des Kampfes gegen den Bürokratismus:

"Der Bürokratismus ist vor allem dadurch gefährlich, daß er die kolossalen Reserven, die im Schoß unserer Gesellschaftsordnung enthalten sind, ungenutzt läßt, ihre Verwertung verhindert, die schöpferische Initiative der Massen lahmzulegen sucht, sie in einem Papierwust erstickt und darauf aus ist, jedes neue Beginnen der Partei in eine flache und unnütze Kleinigkeitskrämerei zu verwandeln. Zweitens ist der Bürokratismus dadurch gefährlich, daß er keine Kontrolle der Durchführung duldet und versucht, die grundlegenden Weisungen der leitenden Organisationen zu einem leeren Wisch zu machen, der mit dem pulsierenden Leben nichts gemein hat. Gefährlich sind nicht nur und nicht so sehr die alten Bürokraten, die in unseren Institutionen steckengeblieben sind, sondern auch -und besonders- die neuen Bürokraten, sowjetische Bürokraten, unter denen die ‘kommunistischen’ Bürokraten bei weitem nicht die letzte Rolle spielen. Ich denke dabei an diejenigen ‘Kommunisten’, die versuchen, durch Kanzleibefehle und ‘Dekrete’, an die sie wie an einen Fetisch glauben, die schöpferische Initiative und Selbsttätigkeit der Millionenmassen der Arbeiterklasse und der Bauernschaft zu ersetzen."(Stalin, Werke Bd. 12 S. 287, Hervorhebung von Stalin)

* Über die Vorgehensweise dieser Bürokraten sagte Stalin:

"Meistens sucht man sich sogenannte Bekannte, Freunde, Landsleute, persönlich ergebene Leute, Meister in der Lobpreisung ihrer Vorgesetzten aus... Es ist klar, daß auf diese Weise statt einer führenden Gruppe verantwortlicher Funktionäre eine Sippschaft einander nahestehender Leute, eine Innung herauskommt, deren Mitglieder darauf bedacht sind, in Frieden zu leben, einander nicht weh zu tun, nicht aus der Schule zu plaudern, einander lobzupreisen und der Zentrale von Zeit zu Zeit völlig nichtssagende und Übelkeit erregende Berichte über Erfolge einzusenden.

Es ist nicht schwer, zu begreifen, daß es bei einer solchen Sippenwirtschaft weder für Kritik an den Mängeln der Arbeit noch für Selbstkritik der Leiter der Arbeit Platz geben kann.

Es ist klar, daß eine solche Sippenwirtschaft einen günstigen Boden abgibt für die Züchtung von Speichelleckern, von Leuten, die jeglichen Gefühls eigener Würde bar sind und deshalb mit dem Bolschewismus nichts gemein haben."(Stalin, Werke, Bd. 14 S. 147-148)

* Stalin zur Kontrolle von oben und von unten:

"Manche Genossen meinen, die Kontrolle der Funktionäre könne nur von oben erfolgen, wenn die Führer die von ihnen Geführten aufgrund der Ergebnisse ihrer Arbeit überprüfen. Das ist falsch. Kontrolle von oben ist natürlich nötig als eine der wirksamen Maßnahmen zur Überprüfung der Menschen und zur Überprüfung der Durchführung der Aufträge. Aber mit der Kontrolle von oben ist bei weitem nicht die ganze Kontrolle erschöpft. Es gibt noch eine andere Art der Kontrolle, die Kontrolle von unten, wenn die Massen, wenn die Geführten die Führer überprüfen, ihre Fehler aufdecken und ihnen die Wege zu ihrer Behebung zeigen. Eine solche Kontrolle ist eins der wirksamsten Mittel zur Überprüfung der Menschen." (Stalin, Werke Bd. 14, S. 149)

* Stalin zur Entartungsgefahr der Partei:

"Es besteht zum Beispiel die Gefahr, daß diese Erfolge manchen unserer Genossen zu Kopfe steigen. Solche Fälle hat es bekanntlich bei uns gegeben. … Es gibt nichts Gefährlicheres als solche Stimmungen, denn sie entwaffnen die Partei und demobilisieren ihre Reihen. Wenn solche Stimmungen in unserer Partei überhandnehmen, so können wir der Gefahr gegenüberstehen, daß alle unsere Erfolge zunichte gemacht werden."(Stalin, Werke, Bd. 13, S. 333)

Das sind einige Dokumente des Kampfes der KPdSU und Stalins gegen bürokratische Entwicklungen und Fehler. Der Kampf gegen den Bürokratismus war viel mehr, als gegen "Amtsschimmel und Kanzleiwirtschaft" anzugehen. Stalin hat den Bürokratismus ganz klar als Gefahr für den Sozialismus erkannt und die Ursachen, die Auswüchse, den ganzen Klassencharakter des Bürokratismus sehr tiefgründig und treffend analysiert und den Kampf dagegen aufgenommen.

Wir wollen in diesem Zusammenhang Folgendes herausstreichen: Wenn Stalin sagt, dass "der Bürokratismus… nicht einfach als Amtsschimmel und Kanzleiwirtschaft zu betrachten" ist, sondern "eine Äußerung des bürgerlichen Einflusses auf unsere Organisationen" darstellt, wenn es sagt, dass der "Kampf gegen den Bürokratismus notwendig ist solange es den Staatsapparat gibt", dann heißt das kurz gesagt, dass der Kampf gegen den Bürokratismus eine fundamentale Aufgabe beim Aufbau des Sozialismus und der Stärkung der Diktatur des Proletariats, insbesondere der proletarischen Demokratie, ist. Wenn das Proletariat mit der Revolution die Macht ergreift, so muss es die Staatsmacht ergreifen, schützen und verteidigen. Mit der Existenz des Staates ist neben anderen Ursachen (wie z. B. die massenhafte Existenz der kleinbürgerlichen Elemente am Anfang des Sozialismus) auch die Gefahr des Bürokratismus unvermeidlich, die während des gesamten Sozialismus -sowohl am Anfang als auch in seinem ganzen Verlauf- nicht versiegen kann. Daraus leitet sich ab, dass der Aufbau des Sozialismus nur erfolgreich sein kann, wenn der Kampf gegen den Bürokratismus siegreich geführt wird. Diese beiden Aufgaben sind untrennbar miteinander verwoben.

Sozialismus in der Sowjetunion bedeutete, dass das bolschewistische Prinzip der Kritik und Selbstkritik angewandt wurde. In diesem Zusammenhang ist insbesondere der Aspekt ‘Kritik von unten, Kritik der Massen an den Führern’ hervorzuheben. Sozialismus hieß, die Selbsttätigkeit, die Initiative der Massen, der Millionenmassen -wie Stalin betont- zu fördern, zu mobilisieren. Der Kampf gegen die Gefahr der Verbürokratisierung der führenden Kräfte des proletarischen Staates auf der einen Seite und auf der anderen Seite die Kritik von unten sowie die Initiative der werktätigen Massen sind zwei Seiten einer Medaille! Diese Medaille ist aber nichts anderes als der Faustpfand dafür, das Fundament dafür, den Sozialismus überhaupt aufbauen zu können. Der Vorwurf der MLPD an Stalin, dass er den Bürokratismus nicht gesehen bzw. dass er den Bürokratismus aktiv mitgefördert und durchgeführt habe, zeigt, dass sie damit den Weg zu einer Analyse der wirklichen Ursachen der Entartung verbaut.

Gibt es Klassenkampf im Sozialismus?

Es gibt noch eine weitere Kritik der MLPD an Stalin in ihrem "Der Kampf um die Denkweise …", die die Theorie des Marxismus-Leninismus über den Haufen wirft.

"Stalin erkannte nicht, dass der ideologische Kampf gegen die Tendenz zur kleinbürgerlichen Entartung der Bürokratie eine fundamentale Aufgabe des Klassenkampfes im Sozialismus ist." (S. 102)

"Mao Tse-tung lernte aus den Erfahrungen der Sowjetunion. Gegen die Verleumdungen der Revisionisten verteidigte er Stalin, indem er zugleich aus seinen Fehlern lernte. Während sich in der alten kommunistischen Bewegung vor 1956 eine Tendenz zur Vernachlässigung des ideologischen Kampfes um die Denkweise breitgemacht hatte, verhalf Mao Tse-tung der proletarischen Weltanschauung wieder zu ihrem festen Platz in der Theorie und Praxis des revolutionären Proletariats. Er knüpfte an Lenins Auffassung von der Fortsetzung des proletarischen Klassenkampfes im Sozialismus an ... Die Fortsetzung des Klassenkampfes im Sozialismus ist das entscheidende Hauptkettenglied." (S. 105)

Die MLPD wirft Stalin vor, er hätte die Aufgabe der Fortführung des Klassenkampfes im Sozialismus nicht begriffen, er hätte die Notwendigkeit des Klassenkampfes im Sozialismus nicht beachtet.

Gegen diese Vorwürfe lassen wir als erstes Stalin selbst sprechen, der im Schlusswort auf dem Plenum des Zentralkomitees der KPdSU 1937 betonte:

"Es ist notwendig, die faule Theorie zu zerschlagen und beiseite zu werfen, dass der Klassenkampf bei uns mit jedem Schritt unseres Vormarsches mehr und mehr erlöschen müsse, dass der Klassenfeind in dem Maße, wie wir Erfolge erzielen, immer zahmer werde.

Das ist nicht nur eine faule Theorie, sondern auch eine gefährliche Theorie, denn sie schläfert unsere Leute ein, lockt sie in die Falle, während sie dem Klassenfeind die Möglichkeit gibt, für den Kampf gegen die Sowjetmacht Kräfte zu sammeln.

Im Gegenteil, je weiter wir vorwärtsschreiten, je mehr Erfolge wir erzielen werden, um so größer wird die Wut der Überreste der zerschlagenen Ausbeuterklassen werden, um so eher werden sie zu schärferen Kampfformen übergehen, um so mehr Niederträchtigkeiten werden sie gegen den Sowjetstaat begehen, um so mehr werden sie zu den verzweifeltsten Kampfmitteln greifen, als den letzten Mitteln zum Untergang Verurteilter.

Man muß im Auge behalten, daß die Reste der zerschlagenen Klassen in der UdSSR nicht allein dastehen. Sie genießen die direkte Unterstützung unserer Feinde jenseits der Grenzen der UdSSR. Es wäre ein Irrtum anzunehmen, daß die Sphäre des Klassenkampfes sich auf das Gebiet der UdSSR beschränke. Spielt sich der Klassenkampf mit einem Ende innerhalb der UdSSR ab, so reicht das andere Ende in das Gebiet der uns umgebenden bürgerlichen Staaten. Das kann den Resten der zerschlagenen Klassen nicht unbekannt sein. Und eben weil sie es wissen, werden sie auch künftighin ihre verzweifelten Vorstöße fortsetzen. Das lehrt uns die Geschichte. Das lehrt uns der Leninismus. Man muß das alles im Auge haben und auf der Hut sein." (Stalin, Werke, Bd. 14, S. 136—137)

"Der endgültige Sieg des Sozialismus ist die volle Garantie gegen die Interventionsversuche und folglich auch gegen die Restaurierung; denn ein einigermaßen ernst zu nehmender Versuch der Restaurierung kann nur mit einer Unterstützung von außen, nur mit Unterstützung des internationalen Kapitals stattfinden. Infolgedessen ist die Unterstützung unserer Revolution seitens der Arbeiter aller Länder, und noch mehr der Sieg dieser Arbeiter zumindest in einigen Ländern die unerläßliche Vorbedingung für die volle Sicherung des ersten siegreichen Landes gegen die Interventionsversuche und die Restaurierung, die unerläßliche Vorbedingung für den endgültigen Sieg des Sozialismus." (Stalin, Werke, Bd. 14, S. 171-172)

Weitere Zitate Stalins, in denen er von der Notwendigkeit des Kampfes gegen den Bürokratismus spricht, haben wir ja schon im vorherigen Punkt abgedruckt, deswegen beschränken wir uns auf dieses, wo Stalin eindeutig darlegt, dass der Klassenkampf sich im Sozialismus auf eine Art sogar noch mehr zuspitzt.

Was bei dem Zitat der MLPD zum Ausdruck kommt, ist, dass sie ein ganz falsches, verengtes Verständnis vom Klassenkampf im Sozialismus besitzt. Sie reduzieren in ihrem Buch den Klassenkampf im Sozialismus ausschließlich auf den ideologischen Kampf um die Denkweise( Darunter verstehen sie natürlich -wie wir später noch sehen werden auch nur den kleinbürgerlichen Kampf um die Denkweise im Dickhut-Engel’schen Sinne.) und lassen die anderen Aufgaben des Klassenkampfes im Sozialismus einfach wegfallen.

Was aber heißt Klassenkampf im Sozialismus eigentlich? Der Klassenkampf im Sozialismus ist nicht irgendeine Aufgabe bei der Errichtung der Diktatur des Proletariats, sondern ist von der ersten Stunde des Sozialismus an entscheidend. Denn Klassenkampf heißt doch als erstes einmal, dass die Kommunisten im Gegensatz zu den Anarchisten z..B. propagieren, dass die Kräfte der alten Gesellschaft nach der Revolution unterdrückt werden müssen. Das bedeutet, wie Lenin und Stalin darlegten, dass das Proletariat die alte Staatsmacht zerschlagen, die Macht ergreifen muss und nach der Revolution nicht die Waffen niederlegen kann sondern sich gegen die Konterrevolution verteidigen muss. Das heißt, dass wir schon die ersten Tage des Sozialismus nicht überstehen können, wenn wir nicht den Klassenkampf nach der Revolution anerkennen.

Aber Klassenkampf im Sozialismus geht darüber weit hinaus. Er schließt nicht nur den Kampf gegen die Überreste der alten liquidierten Ausbeuterklassen ein, dessen ehemalige Vertreter die bürgerliche Ideologie zu einem großen Teil bewahren und weitertragen. Er beinhaltet auch den Kampf gegen die gerade am Anfang des Sozialismus immer wieder entstehende bürgerliche Ideologie. Denn direkt nach der Revolution kann nicht die ganze Wirtschaft, sondern nur ein Teil der Wirtschaft in Gesellschaftseigentum umgewandelt werden. In anderen Teilen der Wirtschaft wird also noch Privateigentum an Produktionsmitteln zugelassen, was eine ständige Quelle bürgerlicher Ideologie im Sozialismus ist. Die Geschichte der KPdSU (B) zeigt, dass der Klassenkampf in der UdSSR nicht etwa abgenommen, sondern sich verschärft hat. Die Machtübernahme der modernen Revisionisten vollzog sich schließlich zu einem Zeitpunkt als der Sozialismus nicht nur längst ausgereift war, sondern unter der Leitung von Stalin sogar der Übergang zum Kommunismus in der Sowjetunion vollzogen wurde. Wir empfehlen hierzu das Studium der anti-revisionistischen Kampfschrift, die Stalin kurz vor seinem Tod verfasste: „Die ökonomischen Probleme des Sozialismus in der UdSSR“ (1952).

Wie Stalin lehrt, war die kapitalistische Umkreisung der Sowjetunion eine ständige und mächtige Quelle des Einflusses der bürgerlichen Ideologie, gegen die das sozialistische Land einen immer schärferen Klassenkampf führen musste. Der Klassenkampf in einem sozialistischen Land ist aber kein Selbstzweck, sondern Bestandteil des internationalen Klassenkampfes, der mit der Beseitigung der kapitalistischen Umkreisung beginnt und erst mit der Abschaffung der Klassen im Weltmaßstab endet.

"Auch -und besonders- die neuen Bürokraten, sowjetische Bürokraten, unter denen die ‘kommunistischen’ Bürokraten bei weitem nicht die letzte Rolle spielen", tragen schädliche bürgerliche Ideologie in die ArbeiterInnenklasse. Das heißt es heißt zu erkennen, daß im Staatsapparat, ja in der Kommunistischen Partei selbst eine neue Bourgeoisie entstehen kann.

Und nicht zuletzt muß ein Kampf geführt werden um die Köpfe der Massen, um das Bewußtsein von Millionen. Denn der Sozialismus ist eine Übergangsform, die noch die Muttermale der alten Gesellschaft trägt. Die Werktätigen, die ArbeiterInnen und auch die KommunistInnen selbst haben nach der Revolution Einflüsse der bürgerlichen Ideologie wie z. B. fehlende Initiative oder Männerchauvinismus nicht einfach abgelegt wie einen alten Hut. Stalin hebt dies in seinem Werk "Über die Grundlagen des Leninismus" anhand eines Zitates Lenins hervor:

"‘Unter der Diktatur des Proletariats wird man Millionen Bauern und Kleinproduzenten, Hundertausende Angestellte, Beamte, bürgerliche Intellektuelle umerziehen und sie alle dem proletarischen Staat und der proletarischen Führung unterstellen, in ihnen die bürgerlichen Gewohnheiten und Traditionen besiegen müssen’, ebenso wie es notwendig sein wird, ‘in langwierigen Kämpfen auf dem Boden der Diktatur des Proletariats, auch die Proletarier selbst umzuerziehen, die sich von ihren eigenen kleinbürgerlichen Vorurteilen nicht auf einmal, nicht durch ein Wunder, nicht auf Geheiß der Mutter Gottes, nicht auf Geheiß einer Losung, einer Resolution, eines Dekrets befreien, sondern nur in langwierigen und schweren Massenkämpfen gegen den Masseneinfluß des Kleinbürgertums.’" (Lenin, zitiert nach Stalin, Bd.6, S. 99-100)

Wie kann die MLPD auf der einen Seite sagen, dass die Sowjetunion sozialistisch war, aber auf der anderen Seite, dass der Klassenkampf in der Zeit Stalins nicht fortgesetzt wurde? Die Sowjetunion konnte während mehreren Jahrzehnten nur deswegen sozialistisch sein, weil ein Klassenkampf geführt und richtig geführt wurde. Dies ist eine Tatsache. Stalin hat in vielen Schriften und in vielen Taten bewiesen, dass er der große Führer dieses Klassenkampfes war. Die maßgebliche Rolle Stalins bei der ideologischen Zertrümmerung von anti-bolschewistischen Strömungen wie z.B. der des Trotzkismus, wird einfach überhaupt nicht in die Diskussion einbezogen.

Gibt es im Sozialismus antagonistische Klassen? Nein. Der Sozialismus ist eine Gesellschaft ohne Ausbeuter und Unterdrücker und damit eine nicht-antagonistische Klassengesellschaft. Im Sozialismus herrscht die Arbeiterklasse im Bündnis mit den Bauern. Der Maoismus predigt - im Gegensatz zu den Lehren des Marxismus-Leninismus - die Unvermeidbarkeit der Existenz der Ausbeuterklassen im Sozialismus.

Daneben, dass Stalin angeblich den Klassenkampf nicht richtig geführt hat, behauptet die MLPD, dass Mao Tse-tung es angeblich war, der aus den Fehlern Stalins lernte, und an Lenins Auffassung von der Fortsetzung des proletarischen Klassenkampfes im Sozialismus anknüpfte. Diese Position kann man eigentlich nur verstehen, wenn man die richtige Haltung Stalins in der Frage von Klassen und Klassenkampf im Sozialismus und die fehlerhafte Haltung Mao Tse-tungs in dieser Frage sowie die Diskussionen, die sich aus diesen unterschiedlichen Haltungen ergeben, kennt. Daher eine kurze Darstellung davon.

Die Haltung Lenins und Stalins ist die, dass die Ausbeuterklassen im Sozialismus liquidiert sind. Das Privateigentum an den Produktionsmitteln wird abgeschafft. Die Aubeuterklassen sind im Sozialismus also ihrer ökonomischen Ausbeuterinstrumente beraubt. In der Diktatur des Proletariats gibt es keine Lohnsklaverei mehr, weil sich die Produktionsmittel in den Händen der Arbeiter befinden. Hierzu empfehlen wir das Studium der Schrift Stalins „Über die Verfassung der UdSSR“ (1936) . Ist im Sozialismus die antagonistische Klassengesellschaft abgeschafft, so bedeutet dies noch lange nicht, dass auch die ideologischen Überreste der alten kapitalistischen Gesellschaft beseitigt sind. Der Sozialismus kann bekanntlich aus nichts Anderem hervorgehen als aus dem Kapitalismus. Deswegen können die Muttermale des Kapitalismus nicht von heut' auf morgen vernichtet werden. Hierfür ist ein langwieriger Kampf erforderlich, der die gesamte Periode des Sozialismus umfasst, also der Periode zwischen Kapitalismus und Kommunismus. Das haben die 5 Klassiker des Marxismus-Leninismus stets gelehrt. Und das wissen wir aus den leidvollen Erfahrungen der Geschichte des Sozialismus.

Mao Tse-tung hingegen behauptete fälschlicherweise, dass es im Sozialismus -sogar noch sehr lange- Ausbeuterklassen gäbe. Ja, er hielt die Bourgeoisie sogar für unentbehrlich und räumte ihr einen Platz in der sozialistischen Gesellschaft ein, also im gewissen Umfang das Recht auf private Ausbeutung! Man sieht spätesten heute, was aus Chinas angeblichen „Sozialismus“ geworden ist, also wenn man die Aubeuterklassen nicht beseitigt – eine imperialistische Supermacht ! Und was tut die MLPD ? Sie verteidigt Mao gegen Stalin, verteidigt einen „Sozialismus“, in dem die Bourgeoisie Platz hat ! Lenin und Stalin krönten ihren Klassenkampf nicht nur mit der Vernichtung der Ausbeuterklassen, sondern führten in der nichtantagonistischen Klassengesellschaft den Klassenkampf gegen die Herausbildung einer neuen Ausbeuterklasse. Aber unter Mao waren die Ausbeuterklassen ja gar nicht erst beseitigt worden. Und das war ja auch gar nicht Maos Absicht. Im Gegenteil, der Maoismus förderte und unterstützte die Bourgeoisie gegen die Arbeiterklasse. Deswegen hat es in China auch nie Sozialismus gegeben. Wir empfehlen hierzu das Studium unseres Buches „Kriegserklärung gegen den Maoismus.“

Solange Ausbeuterklassen geduldet werden, handelt es sich um eine antagonistische Klassengesellschaft, eine kapitalistische Gesellschaft, in der Ausbeutung der Arbeiter herrscht. In dieser Hinsicht hat sich in China bis heute nichts geändert. Lenin und Stalin hingegen lehrten, dass der Klassenkampf der antagonistischen Klassengesellschaft auch unbedingt in der nicht-antagonistischen Klassengesellschaft verschärft fortgesetzt werden muss, und zwar so lange auf der Welt noch die Gefahr besteht, dass sich wieder Ausbeuterklassen herausbilden können, also bis hin zur klassenlosen kommunistischen Weltgesellschaft.

Mao hat erstens Unrecht, wenn er behauptet, dass es in der Sowjetunion Lenins und Stalins angeblich noch Ausbeuterklassen gegeben habe. Und Mao hat zweitens Unrecht, wenn er behauptet, dass Stalin angeblich keinen Klassenkampf geführt habe. Es gab keinen Geringeren als Stalin, der in der Sowjetunion den Klassenkampf in Theorie und Praxis vorbildlich geführt hat – und zwar siegreich bis zum letzten Atemzug. Mehr noch: Stalin war der Führer des internationalen Klassenkampfes des gesamten Weltproletariats, der nur durch seine Ermordung durch die Revisionisten daran gehindert wurde, den Erdball vom Kapitalismus zu befreien. Lenin und Stalin lehrten, dass es im Sozialismus nach Liquidierung der Ausbeuterklassen noch gewisse Überreste, gewisse bürgerliche Elemente der ehemals unterdrückten Klassen gibt. Das waren nicht die Kapitalisten mit dem Zylinderhut, sondern feindliche Elemente, die sich als wachechte „Kommunisten“ ausgaben und versuchten, sich in Partei und Staat einzuschleichen, um von den so eroberten Posten aus ihre Schädlingsarbeit zu betreiben. Auch im Sozialismus verändern sich die Klassenverhältnisse. Stalin hat insbesondere deren Veränderung in der Periode von 1924-1936 genau beschrieben in „Über den Verfassungentwurf“:

Wovon zeugen diese Veränderungen ? Sie zeugen erstens davon, dass die Grenzlinien zwischen der Arbeiterklasse und der Bauernschaft, ebenso wie diejenigen zwischen diesen Klassen und der Intelligenz sich verwischen, dass die alte Klassengeschlossenheit verschwindet. Das bedeutet, dass der Abstand zwischen diesen sozialen Gruppen sich immer mehr verringert. Sie zeugen zweitens davon, dass die ökonomischen Gegensätze zwischen diesen sozialen Gruppen dahin schwinden, sich verwischen. Sie zeugen schließlich davon, dass auch die politischen Gegensätze zwischen ihnen dahin schwinden.“ (Stalin)

Nirgends hat Stalin jemals den Standpunkt vertreten, dass die sozialistische Gesellschaft auf dem Weg zu klassenlosen Gesellschaft den Klassenkampf abzuschwächen oder gar auf ihn zu verzichten habe. Das haben die modernen Revisionisten vertreten, aber nicht etwa Stalin. Stalin hielt sich vielmehr treu an der marxistischen Lehre, dass die Diktatur des Proletariats bis zum Übergang in den Kommunismus unverzichtbar ist. Und eine Diktatur des Proletariats ohne Klassenkampf gibt es nicht und kann es nicht geben. Wer auf den Klassenkampf verzichtet, verzichtet auch auf die Diktatur des Proletariats, für deren Stärkung Stalin vorbildlich gekämpft hat.

Wenn man den marxistisch-leninistischen Standpunkt sich zum Ausgangspunkt nimmt, ist es klar, dass in der Frage der Klassen und des Klassenkampfes im Sozialismus Mao Tse-tung eine revisionistische Haltung eingenommen hat. Die MLPD dokumentiert mit ihrer Kritik an Stalin deutlich ihre maoistische Position in der Frage Klassen und Klassenkampf.

Also anstatt – wie es die PAA und die Komintern (SH) getan haben - zu analysieren und konkret zu untersuchen, wie sich die neue Bourgeoisie aus der sozialistischen Gesellschaft herausgebildet hat, wie sie mitten in der kommunistischen Partei und im sozialistischen Staat entstehen konnte, und wie dies in Zukunft vermieden werden kann, bietet die MLPD nur platteste Angriffe auf den Marxismus-Leninismus.



***

Der Untergang des Sozialismus in der ehemaligen Sowjetunion

Die Ansichten der MLPD über den Untergang des Sozialismus in der Sowjetunion lassen sich in den folgenden Zitaten zusammenfassen:

"Die Restauration des Kapitalismus nahm aber nicht in der sozialistischen Ökonomie ihren Ausgang, sondern im Überbau der sozialistischen Gesellschaft...." (S. 96)

Und: "Die MLPD anerkennt die großen Leistungen des sozialistischen Aufbaus in der Sowjetunion. Gegen den erbitterten Widerstand der inneren und äußeren Feinde hat Stalin, nach dem frühen Tod des genialen Lenin 1924, die Sowjetunion entschlossen auf den sozialistischen Weg geführt. Ihre Verdienste bei der Zerschlagung des Hitlerfaschismus sind unvergänglich. Die Tragik der sowjetischen Kommunisten und Stalins liegt woanders.

Stalin erkannte nicht die ausschlaggebende Rolle der Denkweise für die Entwicklungsrichtung der sozialistischen Gesellschaft. Dadurch fehlte der KPdSU und den revolutionären Massen eine entscheidende theoretische Waffe im Kampf gegen die entarteten Vertreter der Bürokratie und ihrer kleinbürgerlichen Linie. So konnten sich diese nach Stalins Tod auf den modernen Revisionismus vereinheitlichen und auf dem XX. Parteitag der KPdSU unter Führung Chruschtschows die Macht ergreifen.

Willi Dickhut hat in dem Buch ‘Sozialismus am Ende?’ die Kritik der MLPD an Stalin folgendermaßen zusammengefasst:

Der notwendige ideologisch-politische Kampf gegen die Träger der kleinbürgerlichen Denkweise wurde vernachlässigt. Das war der erste Hauptfehler der KPdSU unter Führung Stalins ... Der Verzicht auf die Mobilisierung der breiten Volksmassen gegen die entarteten Vertreter der Bürokratie war der zweite Hauptfehler Stalins.’ (‘Sozialismus am Ende?’, Essen 1992, S. 22)

Der Sozialismus mußte zugrunde gehen, weil das Problem der Denkweise nicht beachtet und gelöst wurde." (S. 104, Hervorhebungen durch die MLPD)

zum angeblichen ‘Hauptfehler’ Stalins…

Die Behauptung, dass Stalin den "ideologisch - politischen Kampf gegen die Träger der kleinbürgerlichen Denkweise" vernachlässigte und damit der Partei und den Massen eine wesentliche Waffe im Kampf gegen die Restaurierung des Kapitalismus fehlte, ist eine plumpe Unterstellung. Wie bereits in den vorhergehenden Kapiteln aufgezeigt, sah Stalin von Anfang an die Gefahr der kapitalistischen Entartung, die Gefahren der Bürokratisierung und betrachtete es als eine Frage des Überlebens der Diktatur des Proletariats, auf allen Ebenen dagegen anzukämpfen.

In seinen Schriften, seinen Reden auf den Parteitagen oder auch in den Schlußfolgerungen der Geschichte der KPdSU(B), wo die "grundlegenden Ergebnisse des von der bolschewistischen Partei zurückgelegten historischen Weges" gezogen werden. (Kurzer Lehrgang, S.439) legt Stalin die Grundaufgaben im Kampf gegen die "Träger der kleinbürgerlichen Denkweise". (Wir gehen hier nicht noch einmal darauf ein, dass die MLPD natürlich mit dieser Formulierung ihr falsches Verständnis vom ideologischen Klassenkampf gegen bürgerliche und kleinbügerliche, opportunistische und revisionistische Positionen meint, was mit den Klassikern des Marxismus-Leninismus nicht das Geringste zu tun hat. So engt sie eben den Kampf gegen den Oppportunismus auch völlig einseitig auf den ideologisch-politischen Kampf ein und unterlässt es an irgendeiner Stelle darauf zu verweisen, daß das auch ein organisatorischer Kampf sein kann und muss. Ja, zu bestimmten Zeiten kann dieser sogar in den Vordergrund treten. So betont z.b. Lenin "In Russland hat es oftmals schwierige Situationen gegeben, wo das Sowjetregime ganz sicher gestürzt worden wäre, wenn die Menschewiki, Reformisten, kleinbürgerlichen Demokraten innerhalb unserer Partei verblieben wären". (Kurzer Lehrgang, Geschichte der KPdSU, S. 448).)

Die ganze Schwäche und Hohlheit der Kritik der MLPD tritt zu Tage, wenn man konkret anhand der vorliegenden Dokumente der KPdSU (B) den innerparteilichen Kampf von Stalin und der KPdSU (B), darlegt.

Was sagt ihr zu dieser oder jener massenmobilisierenden ideologisch-politischen Kampagne, die gegen "die Träger der kleinbürgerlichen Denkweise" geführt wurden, wie z.B. der Stachanowbewegung?

Es ist klar, daß die MLPD einer konkreten an den Tatsachen und Fakten orientierten Debatte ausweicht, weil sie da natürlich in Beweisnöte geraten würde. Sie müsste ihre allgemeinen unbewiesenen Vorwürfe zurückziehen.

Der zweite angebliche ‘Hauptfehler’ Stalins...

"Der Verzicht auf die Mobilisierung der breiten Volksmassen gegen die entarteten Vertreter der Bürokratie" war angeblich der "zweite Hauptfehler" Stalins. Dies ist die nächste Verleumdung Stalins. Stalin hat zu Lebzeiten immer die Notwendigkeit des Kampfes der breiten Massen gegen Bürokratie, und andere opportunistische und revisionistische Abweichungen eingefordert, die Massen dazu ermutigt und mobilisiert. Wir haben schon ein Zitat angeführt, indem Stalin die Kontrolle der Funktionäre, der Führer durch die Massen fordert. Er sagt, dass eine solche Kontrolle eins der wirksamsten Mittel zur Überprüfung der Menschen ist. Wir werden hier mehrere Zitate anführen, die zeigen, dass Stalin einer der konsequentesten Verteidiger des Klassenkampfes von unten war. In der Schrift "Gegen die Vulgarisierung der Losung der Selbstkritik" von 1928 führt er aus:

"Lenin hatte recht als er sagte:

‘…es ist notwendig, daß wir begreifen, daß der Kampf gegen den Bürokratismus ein absolut notwendiger Kampf ist, und daß er ebenso kompliziert ist wie der Kampf gegen das kleinbürgerliche Element. Der Bürokratismus ist in unserer Staatsordnung so sehr zum wunden Punkt geworden, daß in unserem Parteiprogramm von ihm die Rede ist, und zwar deshalb, weil er mit diesem kleinbürgerlichen Element und seiner Zersplitterung im Zusammenhang steht.’

Mit um so größerer Beharrlichkeit müssen wir die Millionenmassen der Arbeiter und Bauern zur Kritik von unten, zur Kontrolle von unten mobilisieren, die das wichtigste Gegengift gegen den Bürokratismus sind.

Lenin hatte recht, als er sagte:

Wenn wir den Kampf gegen den Bürokratismus führen wollen, so müssen wir die breiten Massen heranziehen’, …denn ‘kann man den Bürokratismus etwa auf andere Weise beseitigen als durch Heranziehung der Arbeiter und Bauern?’

Um jedoch die Millionenmassen ‘heranzuziehen’, gilt es in allen Massenorganisationen der Arbeiterklasse und vor allem in der Partei selbst die proletarische Demokratie zu entfalten. Ohne diese Bedingung ist die Selbstkritik eine Null, ein Nichts, eine Phrase." (Hervorhebung von Stalin.) (Stalin, Werke, Bd. 11, S. 117)

Im Jahr 1927 geht er im Rechenschaftsbericht an den XV. Parteitag konkret an Hand von Beispielen auf Schwächen im Staatsapparat ein. Er betont gegen den Bürokratismus die Notwendigkeit der Kontrolle von unten. Dabei verfällt er aber nicht wie die MLPD in Nachtrabpolitik, sondern zeigt auf, dass dazu auch die Volksmassen befähigt werden müssen:

"Das sicherste Mittel gegen den Bürokratismus ist die Hebung des Kulturniveaus der Arbeiter und Bauern. Man kann den Bürokratismus im Staatsapparat schelten und heruntermachen, so viel man will, man kann den Bürokratismus in unserer Praxis brandmarken und an den Schandpfahl nageln, aber wenn es den breiten Arbeitermassen an einem bestimmten Kulturniveau fehlt, das die Möglichkeit, den Wunsch, die Fähigkeit schafft, den Staatsapparat von unten her, durch die Arbeitermassen selbst zu kontrollieren, dann wird der Bürokratismus trotz allem bestehen bleiben. Deshalb ist die kulturelle Entwicklung der Arbeiterklasse und der werktätigen Massen der Bauernschaft, nicht nur im Sinne weiterer Entwicklung der Schulbildung, wenn auch die Schulbildung die Grundlage einer jeden Kultiviertheit ist, sondern vor allem im Sinne der Erlangung von Fertigkeiten und der Fähigkeit, sich in die Verwaltung des Landes einzuarbeiten, den Haupthebel zur Verbesserung des staatlichen und jeden anderen Apparats. Darin besteht der Sinn und die Bedeutung der Leninschen Losung von der Kulturrevolution." (Hervorhebung von Komintern(SH)) (Stalin, Werke, Bd. 10, S. 280)

In der Schrift "Über die Mängel der Parteiarbeit" (1937) führt Stalin aus, wie die Kontrolle von unten erfolgt:

"Die Parteimassen überprüfen die führenden Funktionäre in Aktivtagungen, in Konferenzen, auf Parteitagen durch Entgegennahme ihrer Rechenschaftsberichte, durch Kritik an den Mängeln, schließlich durch Wahl beziehungsweise Nichtwahl dieser oder jener führenden Genossen in die leitenden Organe. Strikte Durchführung des demokratischen Zentralismus in der Partei, wie dies vom Statut unserer Partei gefordert wird, unbedingte Wählbarkeit der Parteiorgane, das Recht, Kandidaten aufzustellen und abzulehnen, geheime Wahl, Freiheit der Kritik und Selbstkritik -- all diese und ähnliche Maßnahmen müssen unter anderem auch deshalb durchgeführt werden, um die Überprüfung und Kontrolle der Führer der Partei durch die Parteimassen zu erleichtern.

Die parteilosen Massen überprüfen die führenden Wirtschafts-, Gewerkschafts- und übrigen Funktionäre in Aktivversammlungen der Parteilosen, in Massenberatungen jeder Art, wo sie die Rechenschaftsberichte der führenden Funktionäre entgegennehmen, Mängel kritisieren und Wege zu ihrer Behebung aufzeigen.

Schließlich überprüft das Volk die Führer des Landes bei den Wahlen zu den Machtorganen der Sowjetunion durch die allgemeine, gleiche, direkte und geheime Abstimmung." (Stalin, Werke, Bd. 14, S. 149-150).

In der gleichen Schrift betont er des Weiteren, die Notwendigkeit der

"gewissenhaften Aufdeckung der Fehler der Partei, die Untersuchung der Ursachen, die diese Fehler hervorgerufen haben, und die Festlegung der Wege zur Behebung dieser Fehler."(ebenda , S. 150)

Er hebt hervor, dass Führer sich davor hüten müssen überheblich zu werden, dass ihre Erfahrungen alleine nicht ausreichen, um richtig führen zu können, sondern dafür ihre Erfahrung durch die

"Erfahrungen der Mitgliedermassen der Partei, durch die Erfahrungen der Arbeiterklasse durch die Erfahrungen des Volkes ergänzt werden müssen." (ebenda S. 153)

Er schlussfolgert:

"Das bedeutet, dass wir unsere Verbindungen mit den Massen keine Minute lang lockern, geschweige denn abbrechen dürfen.

Das bedeutet schließlich, dass wir auf die Stimme der Massen, auf die Stimme der einfachen Parteimitglieder, auf die Stimme der sogenannten ‘kleinen Leute’, auf die Stimme des Volkes lauschen müssen. (S. 153-154) … Die Verbindung mit den Massen, die Festigung dieser Verbindung, die Bereitwilligkeit, auf die Stimme der Massen zu lauschen -- darin liegt die Stärke und die Unbesiegbarkeit der bolschewistischen Führung."(ebenda S. 156)

Diese Zitate sprechen eine klare Sprache, die Verbindung mit den Massen, die Bereitschaft sie nicht nur zu lehren, sondern vielmehr auch von ihnen zu lernen, die Kontrolle aller leitenden Funktionäre nicht nur von oben, sondern auch von unten, von den breiten Massen, offenes gewissenhaftes Aufdecken der eigenen Fehler, als Grundlage für ihre Überwindung, das war die Politik für die Stalin stets eingetreten, und für die er gekämpft hat. Seine Linie war eine richtige marxistisch-leninistische Massenlinie. Er vertraute den Massen, verfiel aber nie in Nachtrabpolitik.

Wir denken, dass auch den Führern der MLPD diese und andere Artikel Stalins, in denen er seine marxistisch-leninistische Haltung in dieser Frage darlegt, sehr wohl bekannt sind. Darum ist es nicht Unwissen, sondern eine bewusste Verleumdung Stalins, wenn er beschuldigt wird, auf die ‘Mobilisierung der breiten Volksmassen gegen die entarteten Vertreter der Bürokratie verzichtet zu haben’. Wir rufen alle von der Politik der MLPD beeinflussten ehrlichen Menschen dazu auf, nicht diese Verleumdungen als bare Münze zu nehmen, sondern selbstständig Stalins Schriften zu studieren und sich ein eigenes Bild davon zu machen.

Die MLPD in der Pose des großen Mannes

Wenn die MLPD sich also hinstellt und sagt, dass sie "die großen Leistungen des sozialistischen Aufbaus in der Sowjetunion" anerkennt, aber dann im nächsten Atemzug ihre unqualifizierten ‘Kritiken’ gegenüber der Sowjetunion vorbringt, so macht sie die erste Aussage faktisch wieder zunichte. „Für die Sowjetunion Lenins und Stalins in Worten und gegen sie in Taten“ - das ist die neo-revisionistische Physiognomie der Auffassungen der MLPD. Wenn die MLPD behauptet, dass fundamentale Aufgaben des Sozialismus in der ehemaligen Sowjetunion "vernachlässigt", ja sogar überhaupt nicht "beachtet" und gar nicht "gelöst" wurden, so stellt sie die Existenz des Sozialismus selbst in der ehemaligen Sowjetunion in Frage. Denn Sozialismus ist kein Abzeichen, das man sich an die Jacke heftet, sondern Inhalt. Das heißt z. B., dass Sozialismus das Vorhandensein breitester Demokratie für die werktätigen Massen voraussetzt. Wer die proletarische Demokratie der Sowjetunion Lenins und Stalins verneint, der verneint damit die Existenz der sozialistische Sowjetunion Lenins und Stalins, der entpuppt sich als Feind der Sowjetunion Lenins und Stalins. Hierzu gehört auch die MLPD, die behauptet, dass es in der ehemaligen Sowjetunion einen Apparat gegeben haben soll, der sich im Säubern erschöpft oder dass damals "Geständnisse durch Einschüchterung am laufenden Band" an der Tagesordnung waren (S. 100). Was hat die MLPD gegen „Säuberungen“. Das sind Instrumente der Diktatur des Proletariats, das sind Instrumente der kommunistischen Partei. Was wäre wohl aus unser KPD/ML geworden, wenn wir nicht Dickhut rausgeworfen hätten ? Genauso kann sich die MLPD auch nicht hinstellen und sagen, dass in der Sowjetunion Stalins kein Klassenkampf geführt worden sei – aber gleichzeitig sagen, dass die Sowjetunion sozialistisch war. Wie soll das gehen? Ja, mit Mao geht das. Wenn Mao sagt, „60 % guter Stalin- 40 % schlechter Stalin“, dann kann eine MLPD auch sagen „“60 % gute Sowjetunion- 40 % schlechte Sowjetunion. Wenn in der Sowjetunion nach Auffassung der MLPD die Bürokratisierung angeblich die Oberhand gehabt haben soll, wie verlogen ist dann die MLPD , wenn sie trotzdem von der sozialistischen Sowjetunion spricht. Entweder oder ? Ein Zwischending gibt es nicht, auch wenn der Maoismus dies behauptet mit seiner „neuen Demokratie“.Ohne die Initiative der Massen, ohne die Führung der Arbeiterklasse, ohne Führung der kommunistischen Partei, ohne einen sozialistischen Staat kann man weder den Sozialismus in einem Land noch im Weltmaßstab aufbauen.

Wenn die MLPD regelrecht gönnerhaft sagt, dass die Verdienste der Sowjetunion "bei der Zerschlagung des Hitlerfaschismus unvergänglich" sind und danach von der "Tragik" der sowjetischen Kommunisten und Stalins redet (wobei auch dieses den großartigen Kampf der Werktätigen in der Sowjetunion um den Aufbau des Sozialismus reduziert auf ‘Das war Schicksal, das konnte ja nicht gutgehen...’), so leugnet die MLPD die umfassende Bedeutung der ehemaligen Sowjetunion, sie leugnet das Wesentliche der damaligen Sowjetunion: Dass es möglich ist, den Sozialismus und schließlich den Kommunismus aufzubauen. Sie leugnet die ungeheuren Erfolge, die in dieser kurzen Zeitspanne von 30-35 Jahren erreicht wurden. Sie leugnet, dass die damalige Sowjetunion als erster Staat der werktätigen Massen weltweit wegweisend war und ist, sie leugnet, was möglich sein kann, wenn wir den Weg des Sozialismus einschlagen und uns nicht mit der Barbarei des Imperialismus zufrieden geben.

Sie leugnet all das, in dem sie die Erfolge herunterspielt und sogar so weit geht, zu sagen, dass der "Sozialismus zugrunde gehen musste“ (wegen Stalin). Können das die Lehren aus der Sowjetunion sein? Nein. Das ist einfach eine kleinbürgerliche überhebliche, schulmeisterhafte Verleugnung des großartigen Werkes der sowjetischen Werktätigen. Die Verdienste der Sowjetvölker und ihrer Führer sind von niemandem angreifbar, auch nicht von der „proletarischen Denkweise“ der MLPD.

Ja, die sozialistische Sowjetunion ist untergegangen, es wurden Fehler gemacht, nämlich die Lehren des Stalinismus zu missachten und durch den modernen Revisionismus zu ersetzen. Die Weg zur Restauration des Kapitalismus sind also nicht Stalins Werk, sondern das Werk der Chruschtschow-Revisionisten. Deswegen müssen wir wachsam gegenüber der MLPD sein, die sich in Worten anti-revisionistisch gibt, aber in Taten ist sie ein Feind des Stalinismus-Hoxhaismus. Der Kampf gegen die MLPD ist ein unverzichtbarer Kampf zur Verteidigung der 5 Klassiker des Marxismus-Leninismus, denn ohne den weltweiten Neo-Revisionismus zu schlagen, wird es keinen Sieg des Weltsozialismus geben. Die modernen Revisionisten waren die Feinde der Arbeiterklasse, weil sie den Kapitalismus restauriert haben. Die MLPD ist ein Feind der Arbeiterklasse, weil sie diese vom weltrevolutionären Weg der Restauration des Sozialismus abhalten.

Die Erfolge aber, die in der kurzen Zeit des Sozialismus in der Sowjetunion unter Führung von Lenin und Stalin errungen wurden, gerade in einem solch rückständigen Land, wie die Sowjetunion es war, sind eine geschichtliche Tatsache. Auch wenn die Kapitalisten noch so laut schreien, die Sowjetunion hat mit der alten Legende der Herrschenden aufgeräumt, die sie uns jetzt schon seit Jahrtausenden einhämmert: Dass die Unterdrückten ohne ihre Unterdrücker nicht leben könnten. Dies ist mit die wichtigste Erfahrung des ersten Sowjetstaates weltweit. Nicht nur, dass wir ohne unsere Unterdrücker auskommen, nicht nur, dass die unterdrückten, angeblich so ‘dummen’ Volksmassen das Land nicht ins ‘finsterste Chaos und in Barbarei’ stürzen, wie die Herren Professoren, bürgerlichen Wissenschaftler und Apologeten des Imperialismus tagtäglich wiederholen. Nein, die ungeheuren Erfolge der Sowjetunion, nicht nur wirtschaftlich, nicht nur politisch sondern auch im Bereich der Bildung, der Gleichberechtigung der Nationen, der Gleichberechtigung der Frauen, die Umwälzung der zwischenmenschlichen Beziehungen, die Praktizierung des proletarischen Internationalismus, dies sind Tatsachen, die beweisen, dass wir ohne Ausbeuter leben können.

"Wir haben dieses Werk begonnen. Wann, in welcher Frist, die Proletarier welcher Nation dieses Werk zu Ende führen werden, das ist unwesentlich. Wesentlich ist, dass das Eis gebrochen, dass die Bahn frei gemacht, dass der Weg gewiesen ist." (Lenin, "Zum vierten Jahrestag der Oktoberrevolution", Bd. 33, S. 37)

Das heißt natürlich nicht, dass wir nun fatalistisch die Hände in den Schoß legen sollen, nach dem Motto ‘Irgendwann schaffen wir es schon’. Das heißt zu begreifen, dass die sozialistische Sowjetunion ein Anfang war, dass durch die Existenz der Sowjetunion das Eis der Alleinherrschaft des Kapitalsimus gebrochen wurde. Die sozialistische Sowjetunion ist der Vorbote der sowjetischen Weltunion, mit der der Weg zum Weltkommunismus frei wird und die Jahrtausende lange Geschichte der Menschen von Ausbeutung, Unterdrückung und Knechtung der Menschen durch den Menschen für immer beendet sein wird. Die wichtigsten Lehren wird der Weltsozialismus aus den Erfahrungen der Sowjetunion Lenins und Stalins und den Erfahrungen des sozialistischen Albanien des Genossen Enver Hoxha ziehen.

deutsche Sektion der Komintern (SH)