Genosse Ernst Aust spricht zu 2000 Genossinnen und Genossen

 

 

 

"Die Jugend

 

wird den Kampf entscheiden!"

 

Rede des Genossen Ernst Aust

gehalten am 30. und 31. August 1975 in Offenbach

auf dem Ersten Jugendkongress

der Roten Garde

(Jugendorganisation der KPD/ML)

Verlag Roter Morgen, 1. Auflage, März 1977






Genossinnen, Genossen Rotgardisten,



gestattet mir, daß ich Euch im Namen des Zentralkomitees unserer Partei herzlich begrüße.

Daß ich Euch für den Verlauf Eures ersten zentralen Jugendkongresses, für die vor Euch stehenden Kampfaufgaben weitere große Erfolge wünsche.



Warum ist es gerade eine der zentralen, der wichtigsten Aufgaben, besonders der Jugend, ihre Stimme gegen den imperialistischen Krieg zu erheben, den Protest, den Kampf gegen diesen millionenfachen Massenmord auf die Straße, in die Betriebe, Kasernen, Häuser zu tragen?

Weil sie persönlich betroffen ist, weil es gerade die Jugend ist, die in den Kriegen die höchsten Blutopfer zu entrichten hat.




So hat der erste Weltkrieg dem deutschen Volk l Million 760 tausend Tote gekostet. Im zweiten Weltkrieg kamen neben den 2 Millionen Opfern unter der Zivilbevölkerung über 4 Millionen deutsche Soldaten und Offiziere ums Leben. Davon gehört der größte Teil, nämlich 2 Millionen 565 tausend den Jahrgängen 1917 bis 1926, also den bei Kriegsbeginn 13- bis 22jährigen, an. Allein der Jahrgang 1923, dem ich angehöre, hatte wie der Jahrgang 1920 mit 45 Prozent den anteilmäßig und absolut höchsten Prozentsatz an Gefallenen. Das heißt, von einer Schulklasse des Jahrgangs 1923 mit 22 Schülern, kamen 10 nicht mehr zurück, und von dem Rest wurde über die Hälfte mehr oder minder schwer verwundet.

Wenn all diese jungen deutschen Soldaten, die da so opferbereit, tapfer und mutig auf den Schlachtfeldern von Langemark, Verdun, in den Vogesen, unter der brennenden Sonne Afrikas, in den schneebedeckten Weiten Rußlands, auf Kreta und all den anderen Kriegsschauplätzen gegen ihren angeblichen Feind, ihre sowjetischen, französischen, britischen, amerikanischen, kanadischen, skandinavischen, serbischen, albanischen u. a. Klassenbrüder, kämpften, gewußt hätten, wer ihr wirklicher Feind war, gäbe es heute keinen deutschen Imperialismus mehr.

Gefallen für Volk und Vaterland? Ein Hohn! Verreckt, verblutet, verbrannt für Krupp und Thyssen. Für den Profit der Herren von Kohle und Stahl, der Bosse von Monopolen und Banken.

Und während nach Kriegsende in Nürnberg ihre Handlanger, die Rosenberg, Streicher, Keitl und Jodl, zu Recht gehängt wurden, blieben die Galgen für die, die Urheber dieser Kriege sind, leer. Sie wurden wieder gebraucht.



Während für die Sowjetunion, für die vom Faschismus überfallenen und bedrohten Völker der zweite Weltkrieg ein gerechter, antifaschistischer Befreiungskrieg war, ging es den USA-Imperialisten einzig und allein darum, ihren Schnitt zu machen, ihre Militärmacht zu stärken, um nach dem Krieg das Erbe der geschwächten britischen und französischen Imperialisten anzutreten. Dem geschlagenen deutschen Imperialismus fiel eine besondere Aufgabe zu.



Bereits während des Krieges hatten die USA-Imperialisten mit den deutschen Imperialisten über die neutrale Schweiz ihre Geschäfte gemacht. So verdienten die deutschen Imperialisten

an jedem Liter Flugbenzin, den die anglo-amerikanischen Bomber bei ihren Terrorangriffen auf die Arbeiterviertel unserer Städte flogen. Wobei sie bei ihren Bombenangriffen, die

Wohnviertel der Bourgeoisie und Werke, Fabriken, die ihnen gehörten oder an denen sie mit Kapital beteiligt waren - obwohl diese Rüstungsgüter produzierten - wohlweislich verschonten. Andererseits verdienten die USA-Imperialisten an jedem Panzer, der aus deutschen Fabriken gegen ihre eigenen Soldaten rollte.



Nur durch den Druck der Völker waren die USA-Imperialisten zum Eintritt in die Antihitlerkoalition gezwungen worden. Um der Sowjetunion die Hauptlast des Krieges zu überlassen, warteten sie mit der Eröffnung der zweiten Front im Westen bis zum Es-geht-geht-nicht-mehr. Erst als sich der vollkommene Sieg der Roten Armee abzuzeichnen begann, griffen sie ein, um sich einen Anteil an der Beute zu sichern. Kaum aber war der Krieg vorüber, die Tinte unter dem Potsdamer Abkommen noch nicht trocken, zerrissen sie alle Abkommen, alle Verträge

und richteten ihren Angriff gegen das damals infolge des Krieges entstandene sozialistische Lager. Der Vertreter des britischen Imperialismus, Churchill, war es, der damals das zynische Wort prägte: „Wir haben das verkehrte Schwein geschlachtet.“



„DIE KLEINEN HÄNGT MAN, DIE GROSSEN LÄSST MAN LAUFEN!“




Dem deutschen Volk gegenüber erfand man die Kollektivschuld-These ungeachtet der Tatsache, daß Zigtausende deutscher Antifaschisten den Widerstand gegen das Hitlerregime

organisierten und dafür in den KZ's inhaftiert und ermordet wurden, ungeachtet der Tatsache, daß sie selbst, die britischen und französischen Imperialisten es waren, die Hitler international erst hoffähig machten. So marschierte z. B. die französische Sportmannschaft anläßlich der Olympiade von 1936 in Berlin mit dem Hitlergruß ins Stadion ein. Die sogenannte

Entnazifizierung geriet in den Westzonen nach dem Motto „Die Kleinen hängt man, die Großen läßt man laufen“ zu einer Farce. Während zigtausend kleine Nazis ihre Stellung verloren, stiegen die Verantwortlichen, die mittlere und höhere Führungsgarnitur recht bald wieder zu Amt und Würden auf, besetzten

Schlüsselpositionen in Wirtschaft und Staatsapparat, bis hin zum Amt des Bundespräsidenten, wie durch den KZ-Baumeister Lübke, und des Bundeskanzlers, wie durch Exnazi Kiesinger.



Sie, die Wehrwirtschaftsführer des III, Reiches, die Blitzkriegsstrategen mit Rußlanderfahrung, die Polizei- und Militärexperten, geübt in der Unterdrückung des Volkes,wurden wieder gebraucht. Nach dem Motto „the Germans to the front“ wurde von den USA-Imperialisten, entgegen den Bestimmungen des Potsdamer Abkommens, der deutsche Imperialismus wieder aufgepäppelt, um seinen aggressiven Part als Speerspitze gegen das sozialistische Lager, gegen die ruhmreiche Sowjetunion Lenins und Stalins zu übernehmen.

Und westdeutsche Minister, Staatssekretäre wie Hallstein sprachen damals offen von der Notwendigkeit der (kapitalistischen) Neuordnung Europas bis hin zum Ural.



Es war die Zeit der durch die Westmächte hervorgerufenen Berlinkrise von 1949, des Überfalls der USA-Imperialisten auf die Volksrepublik Korea, der beginnenden Wiederaufrüstung der Bundesrepublik. Die Kriegsgefahr, ausgehend vom

Weltherrschaftsstreben des USA-Imperialismus, wuchs. „Hei, hei, hei Korea, der Krieg kommt immer näher", sang man damals in den Kneipen. Und es waren die Kommunisten, unsere Partei, die KPD, allen voran die Jugendorganisation, die Freie Deutsche Jugend, die FDJ, die damals in Westdeutschland unter der Losung des Genossen Stalin „Der Frieden wird erhalten und gefestigt werden, wenn die Völker die Sache der Erhaltung des Friedens in ihre Hände nehmen und ihn bis zum äußersten verteidigen“ das Banner des Kampfes gegen die Wiederaufrüstung, Militarisierung, wachsende Kriegsgefahr, für den Abschluß eines Friedensvertrages und die Wiedervereinigung Deutschlands ergriffen.





FREIE DEUTSCHE JUGEND KÄMPFT GEGEN WIEDERAUFRÜSTUNG UND KRIEG

Am ersten Deutschlandtreffen der Jugend, Ende Mai 1950 in Berlin, nehmen neben den rund 700.000 Teilnehmern aus der DDR rund 30.000 Jugendliche aus Westdeutschland teil. Etwa

10.000 von ihnen werden bei ihrer Rückkehr bei Herrenburg von der Polizei tagelang auf freiem Feld festgehalten und registriert.

- Am 1. Oktober 1950 findet der Tag der 100.000 Friedenskämpfer Westdeutschlands statt.

Trotz Verbot und Terror der Polizei finden in 29 Städten 48 Kundgebungen und 35 Demonstrationen statt.

- Am 8. 10. 1950 treffen sich l. 500 junge Friedenskämpfer in Dinslaken und verurteilen die amerikanische Einmischung in die inneren Angelegenheiten Koreas und sprechen sich einmütig für das Verbot der Atombombe aus.

- In der Nacht zum 23. 2. 1951 legen Kutter aus nordfriesischen Fischereihäfen ab, FDJler, Arbeiterjugendliche, Studenten, Jungfischer, zur Besetzung Helgolands, das der britischen

Luftwaffe als Bombenziel dient.

Die Bombardierung muß unterbrochen werden. Polizei und britische Militärpolizei verhaften die Jugendlichen. Noch vor ihrer Verurteilung landet der nächste Trupp, ein dritter, ein

vierter, bis die britische Besatzungsmacht nachgibt

-Helgoland ist frei.

- Vom 3. bis 5. 6. wird trotz Polizeiverfolgung von der Partei und der FDJ eine Volksbefragung gegen Remilitarisierung und für den Abschluß eines Friedensvertrages noch im Jahre 1951 durchgeführt.

Trotz Verbot durch die Adenauerregierung geben im Jahre 1951 9 Millionen westdeutsche Bürger ihre Stimme ab.

90 Prozent davon sind für einen Friedensvertrag und gegen die Remilitarisierung.

- Die III. Weltfestspiele der Jugend und Studenten im August 1951 in Berlin mit 2 Millionen Jugendlichen aus der DDR und rund 26.000 Gästen aus 104 Ländern werden zu einem

Höhepunkt im Kampf um die Erhaltung des Friedens. Rund 35.000 Jugendliche aus der Bundesrepublik überschreiten illegal, verfolgt von den Kommandos der westdeutschen Polizei, die Grenze zur DDR.

All dies versetzt die westdeutsche Monopolbourgeoisie, die ihre Wiederaufrüstungspläne gefährdet sieht, in hektische Aufregung. Sie reagiert mit Terror. Bereits am 19. 9. 1950 wird

durch die Regierung eine Ausnahmeverordnung erlassen, die Angehörigen des öffentlichen Dienstes, Angestellten, Beamten jede politische Tätigkeit in der KPD, FDJ, VVN und anderen

demokratischen Organisationen in Westdeutschland verbietet. Am 26. Juni 1951 wird die FDJ in der Bundesrepublik verboten. Am 11. 7. 1951 werden nach Nazivorbild politische

Sonderstrafkammern errichtet, wird ein politisches Sonderstrafgesetz, das sogenannte „Blitzgesetz“, im Bundestag durchgepeitscht und beschlossen, politische Sonderstrafkammern und -gesetze, mit denen die herrschende Klasse heute wieder unsere Genossen verfolgt.

Am 22. 11. 1951 stellt die Bundesregierung beim Bundesverfassungsgericht den Antrag auf Verbot der KPD.

Doch auch das Verbot der FDJ kann die revolutionäre Jugend Westdeutschlands nicht einschüchtern. Überall tauchen Losungen auf: ,,Ami go home!“ u. a.



Am 11. Mai 1952 führt die FDJ eine „Friedenskaravane“ nach Essen. Eine Demonstration gegen Wiederaufrüstung und imperialistischen Krieg, an der sich rund 40.000 Jugendliche

beteiligen. Die Polizei schießt in die Menge und ermordet den 21jährigen kommunistischen Arbeiter Philipp Müller. Am 2. November 1952 beschließt der Parteivorstand der KPD in

Düsseldorf sein letztes korrektes revolutionäres Programm. Das „Programm der nationalen Wiedervereinigung Deutschlands“, in dem es unter anderem hieß:

„Es wäre ein Trugschluß zu meinen, westdeutsche Pseudowahlen . . . der Täuschung und Unterdrückung des Volkes oder Teilreformen, welche die Grundlagen der in Westdeutschland bestehenden Ordnung unangetastet lassen, könnten ... zur Vereinigung Deutschlands führen.

Die Unterdrücker werden alle ihnen zur Verfügung stehenden Machtmittel benutzen, um eine grundlegende Änderung der bestehenden Lage und die nationale Vereinigung Deutschlands

zu verhindern . . . Unzweifelhaft wird unser Kampf Opfer fordern. Aber für jeden im Kampf Gefallenen werden Tausende aufstehen. Auch Mißerfolge und Rückzüge wird es geben, und

dann werden die Imperialisten triumphieren. Wir erwidern ihnen schon heute: der Sieg der nationalen Befreiungsbewegung ist sicher, denn ihre Sache ist gerecht.“

(...)



Von der FDJ zur ROTEN GARDE



Schon früh, spätestens am Roten Antikriegstag 1972 in München, merkte die Bourgeoisie, das hier ist keine Jugend, deren Protest sich auf Bitten, Eingaben und papierene Resolutionen beschränkt, der man mit einigen hundert Polizisten den Schneid abkaufen kann. Diese Jugend läßt sich ihrer demokratischen Rechte nicht kampflos berauben, sie läßt sich ihr Recht auf die Straße nicht durch die willkürliche Errichtung von Bannmeilen nehmen. Und wenn man ihr mit Terror begegnet, schlägt sie zurück! So wie in München 1972.

Mögen die Herren ihre über 50 verletzten Polizisten bejammern, haben wir ihnen befohlen „Knüppel frei“? Mögen sie sich an den Roten Antikriegstagskämpfern mit Terrorurteilen rächen, das wird den Mut dieser jungen Genossen nicht brechen. Mögen sie die Genossen unserer Partei und der ROTEN GARDE mit Gefängnis und Geldstrafen belegen, die inzwischen die 400 000-Mark-Grenze erreicht haben. Mögen sie mich wie in einem

Gerichtsverfahren letzte Woche zu einer Geldstrafe von 7 500 Mark oder entsprechender Haft verurteilen, weil ich gesagt habe:

„Natürlich ist die Bundesrepublik ein kapitalistischer Staat. Natürlich ist ein solcher Staat der `Achtung der Staatsbürger nicht wert'. Er ist nur wert, durch die proletarische Revolution

zerschlagen und auf den Misthaufen der Geschichte gekehrt zu werden!“

Mögen sie das alles tun, das wird an ihrem unausbleiblichen Ende nichts ändern, denn: Die Haupttendenz in der heutigen Welt ist die Revolution und der Sieg des Sozialismus!

Die Partei wird Möglichkeiten und Wege finden, die Genossen den Schlägen des Klassengegners zu entziehen, doch wird sie sich auch nicht eine Sekunde davon abbringen lassen, den Weg ihres Kampfes weiter zu verfolgen.



(...)



DIE JUGEND HAT GROSSE IDEALE . . .




In diesem Kampf ist die Jugend eine besondere Kraft. Was ist nun besonders typisch für die Jugend? Was unterscheidet z. B. den Jungkommunisten, nun, sagen wir, von mir? Äußerlich

unterscheide ich mich von Euch, dadurch, daß ich mehr Falten habe, daß ich die 100 Meter wohl nie mehr in 11,5 Sekunden schaffe und daß ich beim Weitsprung, gegenüber Euch, kläglich versage. Aber das ist nur ein äußerer Unterschied. Gäbe es nur diesen äußeren Unterschied, so brauchten wir keine besondere Organisation der Jungkommunisten. Doch die Jungkommunisten, überhaupt die Jugend, zeichnen sich noch durch ganz spezifische geistige Eigenschaften aus.

Ganz allgemein zeichnet sich die Jugend durch eine ganz besondere, außergewöhnliche Empfänglichkeit aus. Für die Jugend aller Zeiten und Generationen ist kennzeichnend, daß sie sich Träumen und verschiedenen Phantasien hingibt. Das ist kein Nachteil, sondern etwas positiv Wertvolles. Kein einziger aktiver und gesund denkender Mensch kann ohne Phantasie

auskommen. Aber bei der Jugend ist diese Neigung meist viel stärker entwickelt als bei älteren Leuten. Besonders bei jungen Menschen im Alter von 13 bis 18 Jahren eilen diese Träume stets der Wirklichkeit voraus.

Die Jugend hat stets den Wunsch, sich selbst aufzuopfern, große Taten zu vollbringen, ein sagenhafter Pionier, ein Held zu werden, die ganze Welt zu durchstreifen, Pilot zu werden

oder, noch besser, mit einem Raumschiff ins Weltall zu fliegen.

Eine Besonderheit der Jugend besteht in einem gewaltigen inneren Streben nach idealen Erlebnissen.

Hinzu kommt, daß die Jugend in ihrer Masse außergewöhnlich aufrichtig und gradsinnig ist.

Wie aufrichtig und gradsinnig ein Mensch im reifen Alter auch sein mag, die Lebenserfahrungen, die herben Schläge, die Enttäuschungen, die er vom Leben erhält, treiben ihm dieses stürmische jugendliche Streben nach Wahrheit, nach Aufrichtigkeit oftmals recht gründlich aus.



. . . DAS MISSBRAUCHT DIE BOURGEOISIE





All diese positiven Eigenschaften, ihr Enthusiasmus, ihre Opferbereitschaft, ihre Empfänglichkeit unterscheiden die Jugend von den erwachsenen Menschen. Und immer hat

auch die Bourgeoisie, die herrschende Klasse, versucht, diese Errungenschaften der Jugend für ihre Zwecke auszunutzen. Leider ist es ihr auch allzuoft gelungen. Wie anders wäre es

sonst möglich gewesen, daß die Masse der deutschen Jungen in zwei Weltkriegen gegen ihre eigenen Interessen, für den Profit der Kriegsgewinnler und Bonzen ihr Leben opferten?



Dies war möglich, weil es in der Klassengesellschaft niemals eine außerhalb oder über den Klassen stehende Erziehung gibt. In der bürgerlichen Gesellschaft ist die Erziehung eine einzige Heuchelei. Sie wird bestimmt durch die egoistischen Interessen der herrschenden kapitalistischen Klasse. Diese führt einen verzweifelten Kampf um die Beeinflussung der Volksmassen, in dem sie sich aller Mittel- von der offenen Gewaltanwendung bis zum raffinierten Betrug — bedient. Der Werktätige befindet sich in der bürgerliche Gesellschaft

von der Geburt bis zum Tode unter der ununterbrochenen Einwirkung von Gedanken, Gefühlen und Gewohnheiten, die für die herrschende Klasse vorteilhaft sind. Diese Einwirkung erfolgt durch unzählige Kanäle und nimmt manchmal kaum spürbare Formen an.

Schule, Kirche, Presse, Film, Funk, Fernsehen, Kunst, Theater, die verschiedenen Organisationen und Parteien — all dies sind Werkzeuge, um die bürgerliche Weltanschauung, Moral, Lebensweise usw. in das Bewußtsein der Massen einzuhämmern.

Ihr wißt sicher von Euren Vätern und Müttern, welch raffinierter Methoden sich die Nazis zur Beeinflussung der Jugend bedienten. Demagogisch sprachen sie die echten patriotischen

Gefühle der Jugend an, die den Versailler Vertrag, der das deutsche Volk der doppelten Ausbeutung durch in- und ausländische Monopole unterwarf und den imperialistischen

Siegermächten territoriale und ökonomische Vorrechte sicherte, ablehnte, indem sie das „Versailler Schanddiktat“ in den Mittelpunkt ihrer Agitation und Propaganda stellten. Nicht

umsonst nannten sie sich National-„Sozialisten“. Sie sprachen die revolutionären Gefühle der Jugend an. Klauten frechweg alle Arbeiterlieder und dichteten sie um. Z. B. das Lied der

Roten-Luft-Armee in dessen Endzeile es heißt: „. . . und höher, und höher, wir steigen trotz Haß und Tod. Ein jeder Propeller singt surrend Rot Front, wir schützen die Sowjetunion.“ Bei

ihnen hieß das dann so: ,,. . . ihr Spießer, ihr Bonzen, wir sind auf der Wacht, wir sind die alten noch heut. Wir haben gekämpft und geblutet, gelacht, für Deuschland, doch niemals für Euch.“ Und als sie dann an die Macht gelangt waren, schotteten sie Deutschland ab, schalteten alles gleich und sperrten die, die sich nicht gleichschalten ließen, die Kommunisten, in die KZs. Für die Jugend aber schufen sie eine Art Ersatzreligion von germanischen Göttern und Göttersagen, von Odin, Thor und Loki, den Nibelungen, von Helden und Herrenmenschen.

Sogar an den großen deutschen Bauernkrieg, die Seeräuber, die Likedeeler knüpften sie an.

Und macht Euch nichts vor, der „Schrumpfgermane“ Goebbels verstand sein Handwerk. Er hatte, wie er selbst zugab, von der Agitation und Propaganda der Kommunisten gelernt. So war es denn auch kein Wunder, daß man mit Begriffen wie Solidarität, Volksgemeinschaft, Gemeinnutz geht vor Eigennutz operierte. Der Pferdefuß war eben nur der, daß dies alles der

Aufrechterhaltung der Herrschaft des Finanzkapitals, der Vorbereitung auf einen neuen Krieg diente.

Und doch gelang es den Hitlerfaschisten nicht, bei Ausbruch des II. Weltkrieges die gleiche „Begeisterung“ zu erzeugen, wie sie bei der deutschen Jugend, beim deutschen Volk noch bei

Ausbruch des I. Weltkrieges vorhanden war. Die Ursache? Nun, die Völker, die Werktätigen lernen. Zwar kann man ein Volk zeitweilig, nicht aber auf die Dauer betrügen. Das deutsche

Volk wurde und es ließ sich betrügen. Darin liegt eine Mitschuld jedes einzelnen, vor allem derer, die 1933 schon erwachsen waren. Für Hitler gilt, wie der Genosse Stalin feststellte:

„Die Hitlers kommen und gehen, aber das deutsche Volk bleibt!“ Er war nur eine vorübergehende Erscheinung. Er wollte die Welt erobern und scheiterte...



Nach dem FDJ-Verbot 1951 in der BRD wurde die politische

Arbeit in der Illegalität weitergeführt





DIE KINDER DER ARBEITER UND BAUERN LASSEN SICH NICHT ZU

GEHORSAMEN SKLAVEN ERZIEHEN



Die Erziehung in der bürgerlichen Gesellschaft besitzt einen zutiefst widerspruchsvollen Charakter, der den Antagonismus der kapitalistischen Gesellschaft widerspiegelt. Das Ideal der Kapitalisten ist es, die Arbeiter und Bauern, ihre Kinder, zu gehorsamen Sklaven zu erziehen, die widerspruchslos das Joch der kapitalistischen Ausbeutung tragen. Davon ausgehend, möchten sie die Arbeiter und Bauern natürlich nicht zu kühnen und tapferen Menschen erziehen, möchten sie ihnen am liebsten jede Art Bildung vorenthalten. Denn mit unwissenden und getretenen Menschen wird man leichter fertig. Das Dilemma der

Kapitalisten ist nur, daß man mit solchen Menschen in imperialistischen Raubkriegen nicht siegen kann, daß die Arbeiter ohne Elementarkenntnisse außerstande sind, moderne

Maschinen und Werkbänke zu bedienen. Der Konkurrenzkampf unter den Bedingungen des technischen Fortschritts, der modernen Aufrüstung usw. einerseits, der Kampf der Arbeiter-

und Bauernjugend um ihr Recht auf Bildung andererseits, nötigen die Bourgeoisie, den Werktätigen wenigstens Stückwissen zu vermitteln, während die Vorbereitungen auf

imperialistische Kriege sie zwingen, in den Werktätigen Standhaftigkeit, Tapferkeit und andere für die Bourgeoisie höchst gefährliche Eigenschaften zu entwickeln. Von diesen

Widersprüchen kann sich kein einziges bürgerliches Erziehungssystem freimachen. Das ist es, was Bert Brecht in einem Gedicht folgendermaßen ausdrückte:

General, dein Tank ist ein starker Wagen.

Er bricht einen Wald nieder und zermalmt hundert Menschen.

 

Aber er hat einen Fehler:


Er braucht einen Fahrer.


General, dein Bombenflugzeug ist stark.


Es fliegt schneller als ein Sturm und trägt mehr als ein Elefant.


Aber es hat einen Fehler:


Es braucht einen Monteur.


General, der Mensch ist sehr brauchbar.


Er kann fliegen und er kann töten.


Aber er hat einen Fehler: Er kann denken.




Vor diesem Dilemma steht die Bourgeoisie auch heute. Zwar war es ihr nach dem Verbot der FDJ und später der KPD, der Verurteilung und Inhaftierung vieler Tausender Friedens- und

Klassenkämpfer vorübergehend gelungen, „Ruhe an der Heimatfront“ zu schaffen. Begünstigt wurde diese Entwicklung durch die relative Stabilisierung des Kapitalismus in der deutschen Bundesrepublik, dem sogenannten „Wirtschaftswunder“ in den Jahren 1955 bis 1966 und dem

Verrat der modernen Revisionisten, die sich eifrig bemühten, die Jugend von allen revolutionären Kämpfen abzuhalten und ihre Aktivitäten in pazifistische Bahnen zu lenken.

Doch schon in der ersten wieder stärker in Erscheinung tretenden zyklischen Krise von 1966/67 platzte die Blase vom ewig währenden „Wirtschaftswunder“. Viele Hunderttausende

Werktätige begriffen, daß sich an ihrer Lage in Wirklichkeit nichts geändert hatte. Daß sie den Kapitalisten nur als Lohnsklaven dienten, die man — genau wie heute — rücksichtslos auf die Straße wirft, wenn man ihrer nicht mehr bedarf. Hinzu kam, daß infolge des zunehmenden Konkurrenzkampfes auf dem Weltmarkt sich die Kapitalisten gezwungen sahen, den technisch-wissenschaftlichen Stand ihrer Produktion zu erhöhen. Neue Techniken wurden eingeführt, denkt nur an die Datenverarbeitung, neue komplizierte Maschinen gebaut.

Dafür aber brauchte man wieder Menschen, die alle diese Dinge bauten, instand hielten, bedienten, Menschen mit einer hohen Qualifikation, und wieder andere, die für die Ausbildung, die Erhaltung der Arbeitskraft dieser Menschen sorgten usw. So sah sich die Bourgeoisie gezwungen, einen immer größeren Anteil von Jugendlichen aus kleinbürgerlichen Kreisen, Kinder von Angestellten, kleinen Beamten, Bauern, Handwerkern usw. und, wenn auch in geringerem Maße, proletarischer Herkunft zum Studium an den Hochschulen und Universitäten zuzulassen.



„STUDENTEN DEMONSTRIEREN STÜRMISCH GEGEN DIE

KAPITALISTISCHE MACHT!“



Die aber taten nicht, was die Bourgeoisie von ihnen erwartet hatte, sich willig unterzuordnen, sich dem „Mief von tausend Jahren“ anzupassen. Je mehr sich ihr Gesichtskreis erweiterte, je mehr sie die ganze Verfaultheit der kapitalistischen

Gesellschaft, ihre Ungerechtigkeit, ihre Verbrechen wie in Vietnam und anderen Ländern der Dritten Welt, von denen ihnen ihre ausländischen Kommilitonen erzählten, erkannten, desto aufsässiger wurden sie. Die Ursachen hatten verschiedene, schulische, wirtschaftliche, politische und ideologische Gründe. Und dann war es soweit. Der Funke sprang von Universität zu Universität, von Land zu Land. Die Front des Klassenkampfes brach für die Bourgeoisie völlig überraschend an einer Nebenseite aus.



Die Jahre 1968/69 wurden zum Höhepunkt des Kampfes der Studenten. Sie gingen auf die Straße, demonstrierten gegen die Aggression der USA-Imperialisten in Vietnam, das

Terrorregime des Schahs, sie stürmten die Springerhäuser, diese Brutstätten faschistischer Reaktion, verhinderten die Auslieferung der „Bild“zeitung, besetzten die Universitäten usw. usf. Der Genosse Enver Hoxha schätzte diese Bewegung der Studenten folgendermaßen ein:

„Die Demonstrationen der Studenten in den kapitalistischen Ländern . . . sind revolutionär. Die Studenten demonstrierten stürmisch gegen die kapitalistische Macht in ihren Ländern. Sie

setzten sich handgreiflich mit der Polizei auseinander, errichteten Barrikaden, griffen an, wurden verwundet und getötet. Auch sie verwundeten und töteten Polizisten. In Frankreich lösten sie den größten Arbeiterstreik aus, solidarisierten sich mit den Arbeitern und erschütterten die Regierung dieses Landes, die als so stark bezeichnet worden war, in den Grundfesten. Truppen wurden um Paris zusammengezogen, einige Minister entlassen, neue Wahlen ausgeschrieben usw.“

Soweit der Genosse Enver Hoxha, und ich möchte hinzufügen, die Lage war damals, im Mai 1968, so kritisch für die französische Bourgeoisie, daß de Gaulle zu seinen Eliteeinheiten in der Bundesrepublik eilte, weil er sich nicht sicher war, ob er sich auf die um Paris stationierten Truppen würde verlassen können.

Trotz der verschiedenartigen Ideen und politischen Standpunkte, die in der Studentenbewegung herrschten, war eines klar: All ihre Demonstrationen und Kämpfe richteten sich gegen die kapitalistische Staatsgewalt. Sie waren erste Versuche, der bürgerlich faschistischen Gewalt die revolutionäre Gewalt entgegenzusetzen. Es war selbstverständlich, daß die marxistisch-leninistischen Gruppen vor und die Partei und die ROTE GARDE nach ihrer Gründung an diesen Kämpfen aktiv teilnahmen, auch wenn sie noch nicht, wie es notwendig gewesen wäre, in der Lage waren, der Bewegung Ziel und Richtung zu verleihen.

Die westdeutsche Bourgeoisie war durch die Kämpfe wie auch durch die ersten großen spontanen Streiks der Arbeiterklasse im Herbst 1969, die sich nicht nur gegen das Kapital, sondern auch gegen die ihm hörige Gewerkschaftsführung richteten, schwer geschockt. Vor nichts hatte und hat sie mehr Angst, als daß sich die revolutionären Kämpfe der studierenden und lernenden Jugend mit denen der Arbeiterklasse vereinen könnten. So setzte sie Himmel und Hölle in Bewegung, um solch eine Entwicklung zu verhindern und jeglichen revolutionären Kampf zu unterdrücken.

Dabei bediente sie sich - wie auch in Frankreich ihrer revisionistischen Handlanger von der D„K“P und ihrem studentischen Spartakusbund. Diese trugen Verwirrung in die Reihen der Studentenbewegung, wiegelten ab, versuchten, den Kampf in die Bahn der Teilreformen zu leiten und diffamierten alle als Chaoten, die auf der Fortführung der revolutionären Kämpfe bestanden. Parallel dazu verstärkte die Bourgeoisie in bisher nie dagewesenem Ausmaß ihren staatlichen Unterdrückungsapparat, Polizei, Grenzschutz, Verfassungsschutz, Geheimpolizei.

So stellten sie ihre berüchtigten MEKs, ihre sogenannten Mord-Einsatz-Kommandos, auf, verschärften ihre politischen Strafgesetze und errichteten ein zentrales Computersystem, in

dem sie die Daten aller sammeln, die ihnen bei Demonstrationen, Hausbesetzungen, Streiks, durch oppositionelle Agitation und Propaganda, regierungsfeindliche Reden usw. unangenehm aufgefallen sind, um sie bei entsprechender Gelegenheit, bei einer Gefährdung ihrer Macht, in Schutzhaft zu nehmen, sprich in Konzentrationslager einzuliefern.

Gleichzeitig versucht sie über ihre Massenmedien, in allen Spalten, auf allen Kanälen, die Jugend in ihrem Sinne zu beeinflussen. Sex und Porno, Beat- und Moderummel sollen die

Jugend vom Kampf für ihre Interessen ablenken: Raucht lieber Hasch, macht einen Trip, aber werdet um Gottes willen nicht revolutionär. Geht lieber aufs Land zu Ochs und Kuh, folgt

dem lieben Jesulein oder Buddha, schlagt ruhig mal einen Arbeiter zusammen und klaut einer Rentnerin die Geldbörse, macht nichts, Jugendsünde, wir drücken beide Augen zu, aber geht ja nicht zu den Linken, den Radikalen, den Extremisten, den Maoisten.

Da sind wir empfindlich. Dann schon lieber zur „S“DAJ, da bleibt ihr wenigstens auf unserem Dampfer.

Mit ihrer Konsumideologie versucht die Bourgeoisie, die Jugend zu vergiften: Kauf dir ein Fahrrad, ein Moped, ein Auto, ein Häuschen, da hast du was, und wir verdienen daran. Was
kümmert dich dein Kollege, dein Nachbar, ob er arbeitslos ist, was kümmert dich der Hunger in der dritten Welt, ihre Kämpfe, schließlich bist du dir selbst der Nächste, sieh zu, wie du mit

dem Hintern an die Wand kommst, kümmere dich nicht um die Politik, laß uns das man machen.




DER KAMPF DER JUGEND WIRD WIEDER AUFFLAMMEN



Wie wir wissen, ist es der Bourgeoisie vorübergehend gelungen, die Flamme der revolutionären Studentenbewegung zu unterdrücken. Neben den genannten Fakten hat dies seine Ursachen mit in dem kleinbürgerlichen Charakter dieser Bewegung, ihrer mangelnden Beharrlichkeit und Durchhaltevermögen. Ein Teil der Studenten, die damals auf die Straße gingen, ist inzwischen wieder ins bürgerliche Leben, an die Fleischtöpfe der Bourgeoisie zurückgekehrt. Nicht daß wir etwas dagegen hätten, daß die Studenten einen ihrer Ausbildung entsprechenden Beruf ergreifen, doch nur seinen Kindern zu sagen „Pappi war auch mal dabei“ ist denn doch wohl zu wenig. Ein anderer Teil der Studenten ging den modernen Revisionisten auf den Leim, die sie als die künftigen Kader hofierten, die berufen seien, die Arbeiterklasse, Staat und Gesellschaft zu führen. Ein anderer Teil aber blieb der

revolutionären Sache treu, schloß sich der revolutionären Bewegung an, verbündete sich mit der Arbeiterklasse und ihrer revolutionären Partei, der KPD/ML.

Doch können wir, weil es der Bourgeoisie vorübergehend gelungen ist, die Flamme der Studentenbewegung zu unterdrücken, sagen, daß sie erloschen ist? Nein, das können wir nicht. Wie auch die Kämpfe der Arbeiterklasse nicht gradlinig, in gleicher Stärke, in gleicher Höhe, mit gleicher Intensität verlaufen, sondern mal anschwellen, auflodern, einem Höhepunkt zustreben und dann wieder abflauen, um Zeiten relativer Ruhe Platz zu machen, so ist es auch mit den revolutionären Kämpfen der Jugend und Studenten. Wobei allerdings heute, angesichts der sich ständig verschärfenden allgemeinen Krise des Kapitalismus, der Verschärfung aller Arten von Widersprüchen, das Aufflammen von Mal zu Mal stärker und kräftiger wird, eine neue Qualität erhält, bis es früher oder später in die Flamme der Revolution oder des Volkskrieges umschlägt, die allerdings nur siegen, erfolgreich sein können, unter der korrekten Führung einer marxistisch-leninistischen Partei.



Daß sich der Widerstand der Jugend gegen die kapitalistische Staatsmacht in den kommenden Jahren verstärken, wieder aufflammen wird, ist sicher, weil die Sache, die ihn entflammt,

politisch ist. Die Jugend, die studentische wie die Arbeiterjugend, kämpft gegen die kapitalistische Staatsmacht, die sie unterdrückt, ausbeutet, weil der Kapitalismus der Jugend keine Perspektive bietet.

Wie ist denn die Lage der lernenden und Studierendenjugend?





EIN LEBEN LANG AUF KNIEN LEBEN?



Sie ist in der gleichen elenden Lage, wie ihre Väter und Vorväter. Ohne Recht auf gleiche Bildungschancen. Zigtausende nach dem Schulabschluß ohne Arbeit. Betrug der Anteil der

Arbeitslosen unter 20 Jahren 1967 noch 5,6%, so beträgt er 1974 schon 12,5%, und der der 20-bis 25 jährigen stieg im gleichen Zeitraum von 7,1% auf 15,5%. Zigtausende erhalten

schon heute keine Lehrstelle mehr. Und das Angebot an Ausbildungsplätzen wird weiter sinken. Für das nächste Jahr rechnet man mit einer Verminderung bis zu 48 000

Ausbildungsstellen. Für Hunderttausende Jugendliche entwickelt sich die angeblich vorübergehende zu einer Dauerarbeitslosigkeit. Davon besonders betroffen sind alle

berufsschulpflichtigen Jugendlichen ohne anerkanntes Ausbildungsverhältnis, ungelernte Arbeiterjungangestellte usw. Können sie je eine Familie gründen? Sich einen bescheidenen

Wohlstand schaffen? Was ist denn ihre „freiheitliche, demokratische Perspektive“? Der Strick? Nein, die Revolution!



Und wie sieht es mit denen aus, die das Glück haben, eine Lehrstelle, einen Studienplatz zu erhalten? Im Betrieb, in der Schule und Universität von reaktionären Ausbildern, Lehrern und Fachidioten auf Vordermann gebracht, soll die Jugend sich in den kapitalistischen Arbeitsprozeß einordnen. Soll sie als Ausbeutungsobjekt der herrschenden Klasse dienen. Soll

sie entsprechend der Wolfsmoral des Kapitalismus nach Mark und Pfennig jagen, soll sie im täglichen Arbeitsprozeß nach oben buckeln, nach unten treten lernen, während man ihr wie

Hunden einige Brosamen vom Tisch der Herrschenden zuwirft. Bestenfalls gestattet man ihr, in imperialistischen Kriegen für die Interessen der Monopole zu sterben oder im Bürgerkrieg

in Polizei-Grenzschutz- oder Bundeswehruniform auf Bruder, Schwester, Vater und Mutter zu schießen.

Das ist es, was der Kapitalismus ihnen zu bieten hat: Ein Sklavendasein in Not und Elend, Arbeitslosigkeit und Erniedrigung, Unterdrückung und Ausbeutung. Wer aber, wie die Revisionisten, die Pfaffen, den Sklaven tröstet, statt ihn zur Rebellion gegen die Sklaverei aufzurütteln, der unterstützt die Sklavenhalter.

Lieber auf den Barrikaden der Revolution sein Leben geben, als ein Leben lang auf Knien leben!

Für die Jugend der kapitalistischen Länder, Jungarbeiter, Lehrlinge, Schüler, Studenten, kann es nur eine lohnende Perspektive geben: Die Zerschlagung des kapitalistischen Staates in der proletarischen Revolution, die Errichtung des Sozialismus unter der Diktatur des Proletariats, der Herrschaft der Arbeiterklasse im Bündnis mit allen werktätigen Schichten des Volkes.



IM SOZIALISMUS - EIN LEBEN OHNE AUSBEUTUNG UND UNTERDRÜCKUNG



Erst der Sozialismus bringt der Jugend die Freiheit, ein Leben ohne Ausbeutung und Unterdrückung, Aberglauben und Kulturbarbarei, Arbeitslosigkeit und eine ungesicherte Zukunft zu führen.

Erst im Sozialismus stehen der Jugend, den Söhnen und Töchtern der Arbeiter und Angestellten, der Bauern und der Volksintelligenz, die Türen aller Schulen bis zu den

Universitäten offen, ist ihnen die Arbeit garantiert, die ihren Kenntnissen und Fähigkeiten entspricht, kann sie auf allen Gebieten des gesellschaftlichen Lebens ihre schöpferischen

Fähigkeiten voll entfalten.

Erst der Sozialismus gibt ihnen die Möglichkeit, ihr eigenes Geschick, ihre eigene Zukunft — unter Einsicht in die sozialistischen Notwendigkeiten selbst zu gestalten.

Nicht aus der Sorge heraus, wie man sich einen Job sichern kann, um die Familie recht und schlecht über die Runden zu bringen, lernt die Jugend im Sozialismus. Nicht der „run“ nach

einer privilegierten Stellung, des Nach-oben-Kommens um jeden Preis, sind die Leitmotive.

Nicht um sich persönlich zu bereichern oder als wissenschaftliche Leuchte unter anderen herauszuragen, qualifiziert sie sich. Sie lernt und arbeitet, um die Wirtschaft ihres Landes auf eine höhere Stufe zu heben, die Felder noch fruchtbarer zu machen, die Kultur bis in die entferntesten Ecken und Winkel ihres Vaterlandes zu tragen.

Wer einmal von Euch in Albanien war, kennt das reiche und schöne Leben, das die Jugend dort führt. Wie sie nach Abschluß der Schule freiwillig und voller Enthusiasmus fast ohne

Ausnahme dorthin geht, wo das Land sie benötigt. Wie sie unter Führung der Partei und ihres Jugendverbandes große Projekte verwirklicht, neue Eisenbahnen baut, riesige Terrassen, Apfelsinenplantagen, Olivenhaine errichtet, Projekte, die dem ganzen Lande zugute kommen.

Der Marxismus-Leninismus lehrt sie auf die eigene Kraft zu vertrauen, mutig und entschlossen alle Schwierigkeiten zu überwinden. (...)



IMPERIALISMUS IST VERFAULENDER KAPITALISMUS!

Wie Ihr wißt, leben wir in der Epoche des Imperialismus als höchstem und letztem Stadium des Kapitalismus, des monopolistischen, parasitären, verfaulenden, sterbenden Kapitalismus, des Vorabends der sozialistischen Revolution. Schaut Euch um und Ihr seht den Verfall auf allen Gebieten, riecht den Gestank der Fäulnis zehn Meilen gegen den Wind. Und ich meine das nicht nur symbolisch, sondern auch ganz konkret. Denkt nur an die Flüsse und Seen, die sie aus reiner Profitsucht in stinkende Kloaken verwandeln, die Luft, die sie verpesten, die Katastrophenpläne für einen Smogalarm in den Industriegebieten sprechen für sich.

Rücksichtslos räubern sie die Fischbestände der Weltmeere, wobei sich die Fischereiflotten der russischen Sozialimperialisten besonders hervortun.

Denkt an die Korruptheit, die Bestechlichkeit ihrer Politiker, für die der Watergate-Skandal nur ein Beispiel ist. An den Verfall ihrer Kultur, wobei das abstrakte Gekleckse ihrer Malerei

allerdings kongenial das Chaos ihres Untergangs dokumentiert. Den Verfall ihrer Wirtschaft, ihr fruchtloses Mühen, sich aus der sich ständig vertiefenden allgemeinen Krise des Kapitalismus zu retten. Die Flucht in den Krieg, den sie, die zwei imperialistischen Supermächte, nicht nur militärisch, sondern auch psychologisch vorbereiten.

Z.B. durch ihre Theorie von der Übervölkerung der Erde. Kaum ein Tag vergeht, an dem wir nicht in Presse, Rundfunk, Fernsehen auf diese uns angeblich drohende Gefahr hingewiesen werden. Ich habe hier einen Artikel der Zeitung „Die Welt“ vom 4.8.75, in dem die wahre Absicht der Vertreter dieser Theorie besonders zynisch zum Ausdruck kommt. Da heißt es z.B.: „Die Menschheit wächst nicht länger, sie explodiert. Die umfassendste Gefahr, die der Menschheit seit ihrem Entstehen droht, ist nicht der Atomkrieg. Es ist die

Bevölkerungsexplosion.“

Man weiß natürlich auch, wer schuld daran ist, nicht etwa die Imperialisten, die die Länder, die Völker der Dritten Welt schamlos ausplündern, sie in Not, Armut und Abhängigkeit

halten, sondern diese Länder selbst.

„Ihr Bevölkerungszuwachs produziert immer neue Armut,— und diese Armut macht es unmöglich, den Bevölkerungszuwachs zu bremsen.“

Aber es gibt ja, wie der Artikel feststellt, einen Ausweg: „Nur zwei Methoden führen zum Ziel, Geburt und Tod wieder in Einklang zu bringen. Entweder werden weniger Menschen

geboren, oder es müssen mehr sterben. Entweder die Geburtenrate wird gesenkt, oder die Todesrate erhöht.“ — Da es nun aber nach Ansicht des Autors „unmöglich“ ist, „den

Bevölkerungszuwachs zu bremsen“, bleibt nur die zweite Möglichkeit, die Todesrate zu erhöhen. Und wodurch? Nun, mittels eines Atomkrieges. Daß man da aber schon kräftig

hinlangen muß, nicht nur so ein paar Millionen Tote, sondern mindestens ein, zwei Milliarden, wird deutlich, da es im gleichen Artikel heißt: “Selbst das größte Blutbad der

Geschichte, der zweite Weltkrieg mit 50 Millionen Toten, hat die Entwicklung kaum verlangsamen können; an seinem Ende lebten mehr Menschen als bei seinem Ausbruch.“

Was hier die Imperialisten den Menschen suggerieren möchten, ist: Macht euch nichts draus, bevor ihr euch auf unserem Planeten gegenseitig tottretet, (Weltbankpräsident Robert

McNamara rechnet damit, daß dies in absehbarer Zeit der Fall ist, da dann „ein Mensch auf jedem Quadratmeter Fußboden der Erde“ stünde) ist es schon besser, wir reduzieren euch um

ein paar Milliarden, und im Himmel ist es ja auch ganz schön. Daß wir als die Weltelite in unserem Atombunker überleben müssen, ist natürlich klar, wer soll denn die Restmenschheit

führen.

Nun ist, was die Imperialisten planen, eine Sache, was die Völker tun, eine andere. Mögen sie noch so große Töne schwingen, strategisch sind sie Papiertiger. Was die Frage eines Weltkrieges betrifft, so sind wir dagegen, mobilisieren wir unsere Kräfte, so wie in der heutigen Demonstration der 6 000 Friedenskämpfer unter der Losung „Kampf den zwei imperialistischen Supermächten, Krieg den imperialistischen Kriegen“ organisieren wir den Widerstand. Ansonsten ist unsere Losung: „Wir fürchten uns nicht!“ Sollten sie einen

Weltkrieg vom Zaune brechen, so wird das ihr Ende nur noch beschleunigen.

Was die angebliche Überbevölkerung der Erde betrifft, so ist sie ein abgestandener Schmarren, den schon der englische Pfaffe Malthus Anfang des vergangenen Jahrhunderts im Interesse der Herrschenden kreierte. Heute leben auf der Erde 4 Milliarden Menschen. Erst in etwa 35 Jahren wird bei gleichbleibender Geburten- und Todesrate die Bevölkerung der Erde rund 8 Milliarden Menschen betragen. Abgesehen davon, daß dort, wo es notwendig erscheint, es durchaus möglich ist, durch Aufklärung und Planung freiwillig die Geburtenrate zu beschränken, wie das Beispiel der Volksrepublik China beweist, kann die Erde schon heute bei entsprechender Ausnutzung ihrer derzeitigen Möglichkeiten gut und gerne 25 Milliarden Menschen ernähren. Aber eben, und da liegt der Hase im Pfeffer, nicht unter kapitalistischen Verhältnissen. Wer wollte dem indischen Bauern, dessen einziges Kapital eine reiche mitarbeitende Kinderschar ist, einreden, auf sie zu verzichten, er müßte im Alter verhungern.

Wer könnte die Kapitalisten, die Imperialisten, dazu bewegen, freiwillig auf die Unterdrückung und Ausplünderung anderer Völker, die Ausbeutung der Menschen, auf ihren Profit zu verzichten und ihn zum Nutzen der Menschheit zu verwenden? Niemand. Man muß sie, die Imperialisten, vernichten, zu Grabe tragen.



PROLETARIER ALLER LÄNDER UND UNTERDRÜCKTE VÖLKER, VEREINIGT EUCH!



Welch eine großartige Perspektive böte dagegen eine sozialistische Welt. Welch ungeheure Reserven würden da frei und könnten zur Wohlfahrt der ganzen Menschheit verwandt

werden. Man braucht dabei nicht nur an die Hunderte Milliarden Rüstungsausgaben zu denken, die Jahr für Jahr gespart würden, auch auf anderen Gebieten würden riesige Mittel frei. Z. B. würden die Ausgaben für den Unterdrückungsapparat der Bourgeoisie, Polizei, Geheimdienst etc.,den aufgeblähten bürokratischen Verwaltungsapparat in Staat und Wirtschaft, die Kosten für die Werbung allein in der Bundesrepublik ca. 30 Milliarden jährlich entfallen; die parasitäre Schicht der Kuponabschneider, der Playboys und ihrer hochbezahlten Lakaien verschwinden; neue Erfindungen, Techniken, die heute, weil den Kapitalisten die Umstellung ihrer Produktion nicht profitabel erscheint, unterdrückt werden, könnten zum Nutzen der Menschheit angewandt werden; Produkte, in die heute bewußt Verschleißteile eingebaut werden, um den Umsatz zu steigern, könnten drei-, vier-, fünfmal so lange halten; vor allem aber, alle Schätze dieser Welt gehörten nicht mehr einzelnen, aller Reichtum, alle Werte, die Milliarden fleißiger Hände in Werken, Fabriken, Werften, in Landwirtschaft und Bergbau usw. schaffen, kämen den Völkern, den Werktätigen aller Länder selbst zugute. Welch eine großartige Zukunft für die Jugend der Welt! Welche Projekte könnte sie in Angriff nehmen. So wie heute die Jugend Albaniens oder Chinas

zusammenkommt, um in konzentrierten Schlägen durch große Bewässerungsprojekte, den Bau von Kanälen und Dämmen, Eisenbahnen, Riesenplantagen usw. den Reichtum ihrer

Länder erhöhen, so könnte die Jugend der Völker der Welt gemeinsame Projekte, wie den eines Dammes durch die Straße von Gibraltar, verwirklichen, um den Mittelmeerspiegel zu senken, neues Land zu gewinnen, Strom zu erzeugen, den man einsetzen könnte, um die Sahara zu bewässern. Ich möchte mich hier nicht auf die technische Zweckmäßigkeit eines solchen Projektes festlegen, ich möchte es nur als Beispiel dafür bringen, daß die kollektive Kraft der Weltjugend, der gesamten Menschheit sehr wohl imstande ist, Wüsten zu

bewässern, Berge zu versetzen, neue Energiequellen zu erschließen, unseren Planeten in einen blühenden Garten zu verwandeln. Und wenn er das ist, aber erst dann, können wir auch zur Erforschung des Weltraums aufbrechen.

Genossinnen, Genossen, wir leben in einer großen Zeit. Die Menschheit ist aufgebrochen aus dem Reich der Notwendigkeit in das Reich der Freiheit. Sie beginnt, erwachsen zu werden.

Hat es je in der Geschichte der Menschheit eine so an Ereignissen und Erschütterungen reiche Zeit gegeben? Begonnen hat es vor 125 Jahren mit dem Aufruf, dem „Manifest der

Kommunistischen Partei“: „Proletarier aller Länder, vereinigt Euch!“ Ihr habt nichts zu verlieren als Eure Ketten, Ihr habt eine Welt zu gewinnen! Die Tage der Pariser Kommune waren der erste heroische Versuch des Proletariats, die Macht zu erobern. Dann aber schossen die Kanonen des Panzerkreuzers Aurora das Signal zum Sturm auf das Winterpalais und damit ein neues Zeitalter ein: Die Weltrevolution hatte begonnen. Der Kampf des Weltproletariats verband sich mit dem der vom Imperialismus unterdrückten Völker, und die Losung lautete: „Proletarier aller Länder und unterdrückte Völker, vereinigt Euch!“

Neue Siege, das Entstehen des sozialistischen Lagers nach dem zweiten Weltkrieg, der Sieg der Revolution in China, die Befreiung vieler ehemals kolonialer Länder folgten. Aber auch

Niederlagen wie die Entartung der Sowjetunion und anderer ehemals sozialistischer Länder zu kapitalistischen Staaten, vieler ehemals kommunistischer in revisionistische Parteien gab es. Niederlagen, aus denen wir lernten.

(...)



„IHR WERDET DIE GROSSEN VERÄNDERUNGEN MITERLEBEN!“



Wie Ihr wißt, wie Ihr es tagtäglich in den Nachrichten hört, im Fernsehen seht, herrscht eine große Unruhe in der Welt. Immer mehr Menschen beginnen sich ihrer Ausbeuter und Unterdrücker zu erwehren. Protestieren, streiken, demonstrieren, organisieren sich, greifen zu den Waffen. Die gegenwärtige internationale Lage ist gekennzeichnet durch einen Aufschwung der revolutionären Bewegung: Staaten wollen Unabhängigkeit, Nationen wollen Befreiung, Völker wollen Revolution!



Dabei gibt es, wie in der revolutionären Studentenbewegung Ende der sechziger Jahre, noch viele Strömungen und Richtungen, verschiedenartige Ideen und politische Standpunkte. Eines aber ist all diesen Kämpfen gemeinsam, sie sind gegen die alte Welt der Ausbeutung und Unterdrückung gerichtet. Oftmals gelingt es den Kapitalisten und ihren revisionistischen und trotzkistischen Handlangern und Agenten noch, den Kämpfen eine falsche Richtung zu geben, so daß sie scheitern. Umso notwendiger ist es, daß das Weltproletariat unter der Führung seiner, mit der Siegeswaffe des Marxismus-Leninismus ausgerüsteten Parteien die Führung in diesen Kämpfen übernimmt, ihnen Ziel und Richtung im Rahmen der Weltrevolution verleiht.



In all diesen Kämpfen spielt Ihr, Genossinnen und Genossen Rotgardisten, eine wichtige, eine entscheidende Rolle. „Die Jugend ist die reinste Flamme der Revolution“, sagte Karl

Liebknecht, und Lenin: „Die Jugend wird den Kampf entscheiden, sowohl die Schüler- und Studentenjugend als auch — noch viel mehr - die Arbeiterjugend.“

Ihr seid hineingeboren in diese weltbewegende Zeit. Ihr habt das rote Banner der Revolution aus den Händen unserer ruhmreichen Helden wie Karl Liebknecht, Rosa Luxemburg, Edgar Andre, Fiete Schulze, Hans Beimler, Ernst Thälmann und all der vielen anderen genommen, um es weiter voran zum Siege zu tragen.

Wir älteren Genossen wissen nicht, wie so viele Hunderttausende vor uns, ob wir den Tag des Sieges in Deutschland noch miterleben. Doch das ist gar nicht entscheidend. Ein Revolutionär ist nur der, der vom Tag der Erkenntnis der Wahrheit des Marxismus-Leninismus, sein ganzes Leben lang, alle Schwierigkeiten und Rückschläge überwindend, das Banner des Kampfes aufrecht hält und in seinem Herzen die reine Flamme der Revolution bis an sein Lebensende bewahrt.

Ihr aber, Genossinnen und Genossen, werdet die großen Veränderungen unserer Zeit, ihres Gesellschaftssystems noch miterleben, und ich bin sicher, daß Ihr vorangehen werdet, ohne

Opfer zu scheuen, auf dem Weg des Kampfes.



 

 

 



Ein kämpferisch-revolutionäres Jugendleben



Liebe Rotgardistinnen, liebe Rotgardisten, nach meiner gestrigen Rede an Euch möchte ich mich heute einigen Problemen Eures Jugendverbandes zuwenden. Nach den Worten des Genossen Stalin ist der kommunistische Jugend verband, also bei uns die ROTE GARDE, die Reserve aus der die Partei ihre Reihen auffüllt. Diese Auffüllung erfolgt natürlich nicht

formal, nach Altersstufen, denn bereits Lenin hat unter Berufung auf Engels geschrieben:

„Ist es nicht natürlich, daß bei uns, in der Partei der Revolution, die Jugend überwiegt? Wir sind die Partei der Zukunft, die Zukunft aber gehört der Jugend. Wir sind die Partei der Neuerer, den Neuerern aber leistet die Jugend immer gern Gefolgschaft. Wir sind die Partei des aufopfernden Kampfes gegen die alte Fäulnis, zum aufopferungsvollen Kampf aber wird

stets die Jugend als erste bereit sein.“

So ist es denn auch kein Wunder, daß unsere Partei, die KPD/ML, eine junge Partei nicht nur an Jahren, sondern auch im Alter ihrer Mitglieder ist. Daß in ihr das jugendlich revolutionäre Element überwiegt. Z.B. beträgt das Durchschnittsalter unseres Zentralkomitees 33 Jahre.

Was jedoch nicht heißt, daß wir nicht auch alte Genossen in unseren Reihen hätten, solche, die von der revisionistischen Entartung der KPD/D„K“P enttäuscht, sich uns, ihrer alten

revolutionären KPD anschlössen. Daß wir zunehmend, mit der Weiterentwicklung, Vertiefung und Propagierung unserer politischen Linie, auch die mittleren Jahrgänge ansprechen.

Wie ihr wisst, ist unsere Partei eine bolschewistische Partei, eine Partei „neuen Typus“, wie man früher in Abgrenzung zu den alten sozialdemokratischen, dem parlamentarischen

Kretinismus, dem Revisionismus verfallenen Parteien sagte. In diese Partei kann man nicht wie z.B. in die SPD, die D„K“P nach Belieben ein- und austreten. Die Bedingungen für den Eintritt in eine bolschewistische Partei, wie die KPD/ML es ist, schilderte der Genosse Kalinin, dessen Reden und Artikel ich Euch zu lesen empfehle, da er viele lehrreiche Dinge über die Jugend und ihre Probleme gesagt und geschrieben hat, folgendermaßen:

„In die Partei werden Leute aufgenommen, die fähig sind, in den Reihen der Partei und unter ihrem Banner selbstlos für den Kommunismus zu kämpfen. Der Eintritt in die Partei zieht

sowohl politisch als auch moralisch besondere Verpflichtungen nach sich. Deshalb werden die in die Partei Eintretenden sorgfältig sondiert und geprüft, inwieweit sie zur Erfüllung

dieser Pflichten vorbereitet und ob sie überhaupt würdig sind, Parteimitglieder zu sein. Die Bewertung aller Angaben und persönlichen Eigenschaften der in die Partei Eintretenden

erfolgt auf allgemeinen Versammlungen der unteren Parteiorganisationen (bei uns auf der Parteizellensitzung bzw. -Versammlung). Jeder, der in die Partei einzutreten wünscht,

übernimmt damit nicht nur die Verpflichtung, das Programm und das Statut der Partei zu kennen und gewissenhaft einzuhalten, er leistet gewissermaßen auch einen ungeschriebenen Eid, der Partei durch sein Verhalten keine Schande zu bereiten, alle Parteibeschlüsse bewusst

und ehrlich auszuführen, für die Parteilinie und ihre orthodoxe Einhaltung mit aller Energie, ohne Schonung seiner Kräfte und seines Lebens zu kämpfen, der Partei und ihren Organen

gegenüber niemals zu heucheln, die Parteidisziplin zu beachten und am Parteileben aktiv teilzunehmen, seine Qualifikation als Parteimitglied unermüdlich zu erhöhen, sich den Marxismus-Leninismus anzueignen, ein Vorbild zu sein, was die Einhaltung der Arbeits- und Staatsdisziplin betrifft, und danach zu streben, die Technik seines Faches und die ihm übertragene Arbeit restlos zu meistern.“





DIE GENOSSEN MÜSSEN VORBILDER SEIN



Soweit der Genosse Kalinin (M. I. Kalinin „Über kommunistische Erziehung“ — Aus dem Artikel „Der ruhmreiche Weg des Kommunistischen Jugendverbandes“), wobei die letzten Sätze nach „Vorbild . . .“ sich auf die Verhältnisse im Sozialismus beziehen. Doch Vorbild müssen auch unsere Genossen sein, sowohl im Betrieb als auch dort, wo sie wohnen. Was würden die Kollegen im Betrieb wohl sagen, wenn wir von unserer Arbeit nichts verstehen, sie nachlässig und schlampig machen, bummeln, ständig zu spät kommen? Sie würden sagen: „Schaut Euch den an, der will Kommunist sein, der soll erst einmal arbeiten lernen, bevor er uns etwas über Politik erzählt.“



Es ist eine alte Erfahrung, verhalten wir uns im Betrieb vorbildlich, d. h. verrichten wir unsere Arbeit normal, wie unsere Kollegen, setzen wir uns für ihre Interessen ein, helfen

ihnen kameradschaftlich bei der Lösung auch ihrer privaten Probleme, so werden wir ihr Vertrauen gewinnen. Sie werden sagen: „Der Karl, Erich oder Peter ist ein dufter Kumpel, der

versteht seine Arbeit, der ist kein Schwätzer und wenn der uns was von Politik erzählt, dann muß das schon Hand und Fuß haben.“

Aber, so könnte nun jemand auf die Idee kommen zu sagen: „Wenn wir gut arbeiten, hilft das nicht den Kapitalisten?“ Sicher, jede Arbeit, die wir als Lohnarbeiter oder Gehaltsempfänger verrichten, nützt den Kapitalisten. Konsequenter Weise, müßte man, wenn man so argumentiert, aufhören überhaupt zu arbeiten. Die Folge: wir würden uns von unseren Kollegen, mit denen zusammen wir ja die Gesellschaft verändern wollen, isolieren, wir würden verkommen, wenn nicht verhungern. Unsere Arbeit normal verrichten heißt ja nicht, sich beim Vorarbeiter, beim Meister anzubiedern. Im Gegenteil: Als Kommunisten müssen wir gegen jede Antreiberei, jede Akkord- und Überstundenschinderei konsequent auftreten, müssen wir, ausgehend vom Bewusstsein unserer Kollegen, Aktionen, Kämpfe gegen jede Art Ausbeutung und Unterdrückung entfalten. Daß man in bestimmten Phasen des Klassenkampfes, z. B. bei der Errichtung des offenen Faschismus durch die Bourgeoisie, auch zu dem Mittel der Sabotage der Produktion greifen kann, ist eine andere Frage und muß aus der konkreten Situation heraus entschieden werden.

Ich weiß, daß es für Euch, als Lehrlinge und Jungarbeiter im Betrieb, nicht gerade leicht ist, das Vertrauen Eurer älteren Kollegen zu gewinnen. Die Lehrlinge sind für viele ältere

Kollegen halt immer noch die Stifte, die zu gehorchen, zu parieren haben. Und wie oft hört man noch den reaktionären Satz: „Lehrjahre sind keine Herrenjahre“. Wenn Euch so ein

Kollege kommt, dann fragt ihn doch mal: Ob er denn jetzt „ein Herr“ geworden sei und wieviel Arbeiter und Angestellte er denn beschäftigt? Nein Genossen, laßt Euch nicht die Butter vom Brot nehmen. Als Kommunisten sind wir für das Prinzip: gleicher Lohn für gleiche Arbeit. Das gilt auch für Lehrlinge und Jungarbeiter. Ihr sollt lernen und kein Bier holen. Kämpft für Eure qualifizierte Ausbildung, gegen die doppelte Ausbeutung und Unterdrückung der Jugend im Betrieb.

Apropos Bier holen. Damit meine ich natürlich nicht, daß, wenn Euch ein älterer Kollege freundlich bittet, wenn ihr in die Kantine geht, ihm ein Bier mitzubringen, ihr sagt: Du kannst mich mal. Der Ton macht die Musik. Die Kapitalisten haben ein ständiges Interesse daran, die Arbeiterklasse zu spalten. Z.B. Jung gegen Alt und Alt gegen Jung auszuspielen.

Laßt Euch darauf nicht ein. Die Trennungslinie verläuft nicht zwischen Jung und Alt, sie verläuft zwischen Ausgebeuteten und Ausbeutern, zwischen Euch, Euren Kollegen und den

Kapitalisten, ihren Lakaien wie Gewerkschafts-, SPD- und D„K“P-Bonzen. Und was die Frage Alt und Jung betrifft, so gibt es alte, aber auch junge Esel, alte, aber auch junge Spießer, und alte und junge Revolutionäre, wobei die Jugend insgesamt revolutionärer ist als das Alter.

Doch nicht nur am Arbeitsplatz, im Betrieb müssen die Genossen Vorbild sein, dürfen sie der Partei keine Schande bereiten, sondern auch dort wo sie wohnen. Es ist z.B. völlig unmöglich, daß ein Genosse ständig betrunken nach Hause kommt und seine Frau und Kinder verprügelt.

Solche Menschen gehören nicht in die Partei. Auch seinen Nachbarn gegenüber sollte man sich, soweit es sich nicht um üble Reaktionäre und Faschisten handelt, aufmerksam und

hilfsbereit verhalten.




REVOLUTIONÄRE SIND KEINE CHAOTEN!



Die Bourgeoisie, die herrschende Klasse hasst die Revolutionäre, die Kommunisten wie die Pest und versucht alles, sie in den Augen der Bevölkerung zu diffamieren. Dabei bedient sie sich der übelsten Lügen und Verleumdungen. Ich erinnere mich, als wir 1951 kurz nach dem Verbot der FDJ eine illegale Demo veranstalteten und dabei durch die Wandelhalle des Hamburger Hauptbahnhofs zogen, erschien die „Hamburger Morgenpost“ am nächsten Tag mit einer Schlagzeile „FDJ plündert Oststände im Hauptbahnhof“. Alles erstunken, erlogen.

Wer aber von den 1,8 Millionen Hamburgern war schon dabei? Höchstens ein oder zweihundert, die die Wahrheit kannten. Oder anläßlich einer Studentendemonstration Ende der sechziger Jahre in Westberlin schrieb die ,,Bild“-Zeitung einen Artikel, in dem sie wie üblich hetzte, aber dann als Höhepunkt ihres Berichtes log sie, die revolutionären Studenten seien, als sie über den Kuhdamm zogen in ein Cafe eingedrungen und hätten den dort anwesenden Frauen die Sahnetorte vom Teller gefressen.

Goebbels würde vor Neid erblassen. Wie war doch die Nazipropaganda plump gegenüber den modernen Methoden der Volksverhetzung, des Ansprechens unterschwelliger Gefühle und Strebungen. Wer Sahnetorte klaut, der bringt auch kleine Kinder um und wirft Bomben. Was der herrschenden Klasse im III. Reich ihre Juden und bolschewistischen Untermenschen

waren, sind ihr heute die Radikalen, Linksextremisten, Chaoten und Maoisten. Sie versucht in der Bevölkerung ein Feindbild gegen uns, vor allem aber die jungen Revolutionäre und

Kommunisten aufzubauen, in dem sie diese - das natürliche, positive Gefühl des Volkes für Sauberkeit, Ordnung und Disziplin ausnutzend — als dreckige, speckige, vergammelte, langhaarige, arbeitsscheue Typen hinzustellen versucht. Leider hat sie noch recht oft Erfolg damit.

An uns liegt es, dieses Feindbild in der Öffentlichkeit durch unser diszipliniertes Auftreten zu zerstören. Ein Beispiel dafür: Anläßlich des Wahlkampfes in Hamburg war ich mit unserem

Agitprop-Trupp unterwegs, um auf den Wochenmärkten Kurzkundgebungen zu veranstalten.

Nachdem ich gesprochen hatte, trat unser Trupp mit seinen Liedern auf, da sagte eine Frau so um die fünfzig ganz spontan: „Das sind dscha gar keine Rockers, das sind dscha ganz

anständige Dschungs und Mädchens“. Und sie war sicher nicht die einzige, deren Vorurteil durch das vorbildliche Auftreten unserer jungen Genossen und Rotgardisten korrigiert wurde.

Leider wird dieser positive Eindruck, den die Bevölkerung zunehmend durch das saubere, disziplinierte Auftreten unserer Genossen und Rotgardisten z.B. anläßlich von Demonstrationen hat, oftmals wieder in Aktionseinheiten zerstört, wo Genossen anderer Organisationen oftmals umherlaufen, als seien sie tatsächlich einer Müllkippe entsprungen.



 

WER GEHÖRT IN DIE ROTE GARDE?



Aber zurück zur Aufgabe der ROTEN GARDE als Reserve, als Kaderreserve der Partei. Wie ich sagte, stellt die Partei besondere Aufnahmebedingungen. Deshalb werden alle in die Partei eintretenden sorgfältig geprüft. Unter der Führung der Partei erzieht die ROTE GARDE die Jugendlichen, bildet sie neue Parteimitglieder heran, Kämpfer für die Sache der

Arbeiterklasse, die bereit sind zum Sturm auf den Kapitalismus anzutreten.

Das heißt aber auch, daß für die ROTE GARDE als Massenorganisation der Partei nicht die gleichen Aufnahmebedingungen (z.B. Anerkennung des Statuts der Partei) gelten, wie für Eintretende in die Partei, daß von Rotgardisten nicht die gleichen Pflichten verlangt werden

können, wie von einem Parteimitglied. Wäre es anders, brauchten wir keine Jugendorganisation. Für den Eintritt in die ROTE GARDE gilt:

Bist Du gegen die Kapitalisten?

Bist Du bereit, sie auf revolutionärem Wege zu stürzen?

Bist Du gegen das Weltherrschaftsstreben der zwei imperialistischen Supermächte und siehst Du in allen Unterdrückten und Ausgebeuteten dieser Welt Deine Brüder ?

Ja? Dann komm! Dieses sind die entscheidenden Fragen für den Eintritt in die ROTE GARDE und nicht, ob jemand noch lange Haare hat, Beat-Musik liebt oder abstrakte Malerei, ob er schon das „Kommunistische Manifest“ gelesen hat oder weiß, was Ökonomismus ist.

All dies sind Dinge, die sich durch die Arbeit, das Lernen, den Kampf in der ROTEN GARDE verändern. (...)




„S“DAJ: FRIEDEN MIT PORNO UND POP



Denn die ROTE GARDE ist nicht nur Reserve, Kaderreservoir, um die Reihen der Partei aufzufüllen, sie ist auch ein Instrument der Partei. Ein Hilfswerkzeug in dem Sinne, daß der

aktive Mitgliederbestand der ROTEN GARDE das Instrument ist, mit dem die Partei auf außerhalb des Verbandes stehende Jugendliche einwirkt. Die ROTE GARDE ist ein kommunistischer Jugendverband, eine freiwillige Organisation, der revolutionären Elemente der werktätigen und lernenden Jugend, wobei man darauf achten muß, daß im Verband das

proletarische Element die führende Rolle ausübt. Die ROTE GARDE muß alle Jugendlichen, die revolutionäre Initiative haben, zusammenfassen und einsetzen. Denn wenn wir es nicht

verstehen sie zu organisieren, werden andere sie organisieren.

Dazu muß aber die ROTE GARDE für die Masse der Jugendlichen attraktiv sein, muß sie jene Bestrebungen und Ideale, die für die Jugend besonders charakteristisch sind, im großen

entwickeln und entfalten.

Attraktiv, was heißt das? Das heißt, die Jugendlichen müssen sagen, wenn sie das Wort ROTE GARDE hören: ROTE GARDE? Mensch komm mit, da gehen wir hin, da ist immer was los.

Das heißt, die RG darf kein Sektiererverein sein, der sich vom Leben der Jugend isoliert. Sie muß den besonderen Strebungen und Bedürfnissen der Jugend entgegenkommen.

Wie aber macht man „was los“? Ihr wißt, wie es die Bourgeoisie macht. Wie sie durch ihre Jugendzeitschriften, das Fernsehen und Rundfunk versucht, die Jugend vom revolutionären Kampf für ihre Interessen abzulenken, sie zu entpolitisieren, so daß sie sich nur noch für Beat, Pop, Mode, Filmstars, wie komme ich zu einem „heißen Ofen“, zu einem Auto etc.

interessiert. Ihr wißt aber auch, wie es die modernen Revisionisten der D,,K"P, ihre Jugendorganisation, die ,,S“DAJ, machen, um die Jugend vor ihren reaktionären Karren zu

spannen: Rock-Gruppen-Festival, Jazz etc. Zur Not noch Folklore, um Gottes willen aber keine revolutionären Arbeiterlieder. (...)





UNSERE STÄRKE BESTEHT IN DER ZAHL UNSERER VERBINDUNGEN




Doch machen wir uns nichts vor, die Masche ist nicht ungefährlich, sie zieht. Wo ist denn die Masse der Jugendlichen? Ist sie bei uns? Das kann man wohl nicht sagen. Im Verhältnis zu

anderen Jugendorganisationen z.B. der „S“DAJ, den Jusos, den Falken, Naturfreunden, Pfadfindern, dem CVJM etc. mit ihren hunderttausend organisierten Jugendlichen, ist die ROTE GARDE doch relativ klein, auch wenn sie der beste, der revolutionärste Teil der deutschen Jugend ist. Aber es ist ja nicht so, daß es nicht auch in all diesen anderen Jugendorganisationen revolutionäre Jugendliche gibt, die nach Wahrheit streben, die diese Gesellschaft, in der wir leben, zutiefst ablehnen, die eine Veränderung wollen. Nur über den Weg sind sie sich nicht im klaren. Wer aber anders als wir können ihn ihnen zeigen?

Ich weiß, daß es in der RG wie in der Partei eine ganze Reihe Genossen gibt, die früher einmal in anderen Organisationen, Jugendorganisationen wie z. B. dem CVJM u. a. organisiert waren. Heute sind sie bei uns, und das ist gut. Schade ist nur, daß die Genossen, die aus anderen Organisationen zu uns kommen, zumeist einen Fehler machen: Sie brechen alle Brücken hinter sich ab, anstatt die Verbindungen zu ihren alten Freunden und Bekannten aufrecht zu erhalten. Die Stärke einer revolutionären Organisation besteht in der Zahl ihrer

Verbindungen. So ist es absolut zulässig und in bestimmten Fällen sogar wünschenswert, daß Jugendliche, die aus anderen Organisationen zu uns kommen, nicht einfach aus ihren

Organisationen austreten oder daß man gute Kader in solche Organisationen schickt, um dort in unserem Sinne zu wirken.

Der Genosse Lenin hat in Bezug auf die Studenten einmal folgendes gesagt: „Ein Kommunist, der sich die Arbeit in der Studentenschaft zur Aufgabe gestellt hat, wird sich unbedingt

bemühen, selbst oder durch Vermittlung seiner Vertrauensleute in die wichtigsten Studentenzirkel einzudringen, sich bemühen, ihren Gesichtskreis zu erweitern und sie Schritt für Schritt der Partei näher zu bringen.“

Das was hier Lenin in Bezug auf die Studenten sagt, gilt ganz allgemein für die ROTE GARDE, wie für die Partei. Für die ROTE GARDE, indem sie versucht, in andere Jugendorganisationen einzudringen. In welche, das muß man unter dem Gesichtspunkt des größtmöglichsten Nutzens bestimmen. Für die Partei, indem die Genossen nicht nur in den Gewerkschaften sondern auch z.B. in Mietervereinen, Umweltschutz u.a. Verbänden, in

denen werktätige, proletarische und halbproletarische Menschen vereinigt sind, sich für deren Interessen einsetzen und sie durch ihr Vorbild, ihre Einsatzbereitschaft für die Partei, für den Kommunismus gewinnen.





EIN SAUBERES, FRÖHLICHES, KÄMPFERISCH REVOLUTIONÄRES

JUGENDLEBEN




Wenn ich sagte, in der ROTEN GARDE muß „was los sein“, so meine ich das natürlich nicht in dem Sinne, daß wir nun anfangen wie die Revis mit Rock- und Beat-Festivalen oder

Zeitschriften wie „das da“ u. a. mit Porno die Jugendlichen zu ködern. Nein, wer jemanden retten, ihn auf den Weg des revolutionären Kampfes führen will, der wird ihm nicht gerade

das Gift der bürgerlichen Dekadenz verabreichen. Aber, man muß sich doch den Jugendlichen anpassen, sagen manche, wenn ich mir die Haare kürzer schneide, isoliere ich mich doch von

ihnen. Das heißt doch nichts anderes, als zu sagen: Wenn ich Jugendliche aus einer Haschkommune gewinnen will, muß ich selber haschen, oder wenn ich Jugendliche vom Trinken abhalten will, muß ich selber saufen.

Nein, nicht indem wir den Jugendlichen das Gift der bürgerlichen Subkultur verabreichen, gewinnen wir sie für uns, sondern indem wir ihnen als Alternative ein sauberes, fröhliches, kämpferisch-revolutionäres Jugendleben bieten. Natürlich gehören auch Tanz dazu, Spiele, Fahrten. Die Liebe spielt in diesem Alter eine große Rolle. Lernt Euch kennen. Auch ich bin als junger Kommunist mit meinem Mädchen nicht in den Wald gegangen, um über den historischen und dialektischen Materialismus zu diskutieren. Wenn den Jugendlichen die Diskotheken so langsam zum Halse raushängen, so holt sie raus, ladet sie ein zu eigenen

Veranstaltungen. Zeigt ihnen, was proletarische, revolutionäre Kultur ist. Mischt das Programm: Arbeiter und Kampflieder mit Volksliedern, Rezitationen von Gedichten unserer revolutionären Schriftsteller mit Spielen, Agit-Prop-Theater, Volkstänze mit Tänzen wie Walzer, Foxtrott, Tango usw. Laßt Euch was einfallen, um die Abende für die Jugendlichen

interessant zu machen. „Tanzt“ ruhig „in die Sommernacht“, um anschließend Plakate zu kleben oder, macht es etwa keinen Spaß, einen Fabrikschornstein zu entern und von oben nach unten eine Parole zu malen?

Aber das ist nur eine Möglichkeit, die Jugend für den revolutionären Kampf der ROTEN GARDE zu gewinnen. Die andere noch wichtigere Methode ist, daß ihr aktiv in die Kämpfe

der Jugend eingreift mit dem Ziel, sie zu führen. Denn es sind ja Eure eigenen Probleme, die die Jugend betreffen. Jugendarbeitslosigkeit, zu wenige Lehrstellen, mangelnde

Bildungschancen. Entwickelt Aktionen, Kämpfe. Rückt denen, die Euch benachteiligen, unterdrücken, zu billigen Lohnsklaven machen möchten, auf den Pelz. Ich habe mich gefreut, als ich in einem Artikel vom Kampf der Hamburger Lehrlingsgenossen für einen regelmäßigen Sportunterricht an der Gewerbeschule las. Wie sie den Kampf organisierten, die „Sparmaßnahmen“ des Hamburger Senats, sein Kriechen vor den Konzernherren entlarvten, wie sie im Kampf die größtmöglichste Einheit herstellten und schließlich zum Streik aufriefen.

Genossen, dies ist — und sicher gibt es auch noch andere — ein gutes Beispiel dafür, wie man es machen muß. Möglichkeiten für die Entfaltung von Kämpfen gibt es mehr als genug.

Wie schrieben die jungen Hamburger Genossen in ihrem Bericht? „Die Aktion hat bei vielen das Gefühl hinterlassen: Gemeinsam sind wir stark. Nur so können wir etwas erreichen.“

Gemeinsam sind wir stark, das ist es, was die Arbeiterklasse, was auch die Jugend in erfolgreichen Aktionen und Kämpfen lernt, gemeinsam können wir siegen und jeglicher Ausbeutung und Unterdrückung ein Ende setzen.

Und zum Schluss eine Bitte:

Legt doch die Schweine einmal um.

Schönen Dank auch.



DIE REVOLUTIONÄRSTE SCHICHT DER ARBEITERKLASSE GEWINNEN



Schwerpunkt der bolschewistischen Taktik unserer Partei ist es z. Zt. die Vorhut des Proletariats und dort, wo wir dazu in der Lage sind, auch schon größere Teile der Arbeiterklasse für den Kommunismus, für die proletarische Diktatur, für die Revolution zu gewinnen. Diese Aufgabe aber können wir nicht erfüllen, wenn wir nicht gerade die am meisten ausgebeutete, kampffähigste, revolutionärste Schicht der Arbeiterklasse gewinnen: die proletarische Jugend!

Deshalb liegt der Schwerpunkt der Jugendarbeit der ROTEN GARDE auch bei den Lehrlingen und Jungarbeitern im Betrieb, an den Berufs- und Gewerbeschulen. Aber auch der Landjugend und ihren besonderen Problemen müssen wir Aufmerksamkeit schenken.

Zumeist vom Lande, wo die politischen Bildungsmöglichkeiten gering sind, die Jugendlichen schon früh mitarbeiten müssen, holt sich die herrschende Klasse ihren Nachwuchs für Polizei, Grenzschutz und Bund. Den väterlichen Hof kann schließlich nur

einer übernehmen, und für die anderen sind die Möglichkeiten eine Lehrstelle zu erhalten noch geringer als in der Stadt. Daß wir an den Schulen, Volksschulen, Oberschulen und Universitäten arbeiten müssen, ist klar. Nicht umsonst versuchen die Bourgeoisie und ihre Lakaien im Schülerbereich an Einfluß zu gewinnen.

Gerade in dem Alter von 10 bis 16 Jahren ist die Jugend noch sehr empfänglich und für neue Ideen aufgeschlossen, sehnt sie sich nach Abenteuern, möchte sie was erleben. Nicht umsonst

haben die modernen Revisionisten der D,,K“P ihre Organisation der Jungen Pioniere geschaffen. Daß wir bei all dieser Arbeit im Jugendbereich nicht nur die Jungens, sondern auch die Mädchen ansprechen mit dem Ziel, sie zu organisieren, dürfte ebenso klar sein.

Werden die männlichen Jugendlichen schon verstärkt ausgebeutet, so werden es die Mädchen, deren Berufsmöglichkeiten nach wie vor beschränkt sind, erst recht. Ihr seht, Aufgaben gibt es mehr als genug, und natürlich kann man nicht alle auf einmal lösen. Man muß Schwerpunkte schaffen, untersuchen, wo sind hier am Ort die besten Ansatzmöglichkeiten für uns.



BEWAFFNUNG DES PROLETARIATS UM DIE BOURGEOISIE ZU BESIEGEN

Zwei Dinge sind beim Aufbau der ROTEN GARDE, bei der Ausbildung der Rotgardisten zu bewährten Kämpfern für die sozialistische Revolution besonders wichtig und unbedingt zu

beachten. Die Ausbildung von Körper und Geist. Sie sind voneinander gar nicht zu trennen.

Ein Kämpfer, der nicht weiß, in welche Richtung er das Gewehr zu richten hat, wer der Feind ist, ist genau so unbrauchbar wie der, dem das Gewehr zu schwer ist, der beim Zielen wackelt

und dem nach einem 100 Meter-Lauf schon die Puste ausgeht.

Rotgardistinnen in Sport und Spiel läßt sich sehr gut mit ihrem Streben nach revolutionärer Romantik, nach dem

Gemeinschaftserlebnis verbinden. Veranstaltet Zeltlager, geht auf Fahrt, singt abends beim Lagerfeuer unsere Arbeiter-, Kampf- und Volkslieder. Doch Rotgardisten sind keine

„Edellatscher“, keine Typen, die sich beim Klampfenklang ins Nirwana flüchten und ihren Bauchnabel betrachten, sie sind Kämpfer und Realisten. Ertüchtigt, wo es geht, Euren Körper.

Lernt Karate, macht Geländespiele, lernt Euch tarnen etc. Mögen andere lästern und hetzen, die ROTE GARDE sei eine militante Jugendorganisation und betreibe vormilitärische

Ausbildung. Ja, das ist sie!

Wir wissen, was auf uns zukommt, was von uns eines Tages an Zähigkeit, Wendigkeit und körperlicher Ausdauer verlangt werden wird. Und ich möchte Euch in diesem Zusammenhang, ohne konkret zu werden, an ein Wort Lenins erinnern, der sagte:

„Eine unterdrückte Klasse, die nicht danach strebt, die Waffen handhaben zu lernen und Waffen zu besitzen, ist nur wert, als Sklave behandelt zu werden, . . Unsere Losung muß lauten: Bewaffnung des Proletariats, um die Bourgeoisie zu besiegen, zu expropriieren und zu entwaffnen. Das ist die einzig mögliche Taktik der revolutionären Klasse . . ."

In diesem Zusammenhang ein paar Sätze zur Notwendigkeit des Kampfes der ROTEN GARDE in der Bundeswehr. Ich werde demnächst, vielleicht auf einer Versammlung vor jungen Soldaten, auf dieses Thema noch näher eingehen. Soviel nur für heute: Bekanntlich sind Kommunisten keine Pazifisten. Deshalb sind wir dafür, daß jeder jugendliche Revolutionär das Waffenhandwerk erlernt. Wo aber könnte er das besser als beim Bund, wobei er dort noch eine ausgezeichnete Möglichkeit hat, seine Kameraden im Sinne des Kommunismus zu agitieren. Auf den Charakter der Bundeswehr, das Ziel des Kampfes in

ihren Reihen, bin ich vor kurzem anläßlich einer Anklagerede vor Gericht eingegangen. Lest sie durch, sie wurde im ROTEN MORGEN veröffentlicht.

Allerdings bestimmt sie nicht die Taktik unseres Kampfes, dazu noch später.





WISSEN IST MACHT



Nun ist die körperliche Ertüchtigung der Jugend nur eine Seite der Aufgabe der ROTEN GARDE. Die Frage ist immer: körperliche Ertüchtigung wofür? Auch die Nazis legten großen

Wert auf die körperliche Ertüchtigung der Jugend. Hitler wollte die Jugend „flink wie die Windhunde, hart wie Kruppstahl und zäh wie Leder“ haben, um sie umso besser für seine

imperialistischen Ziele auf den Schlachtfeldern einsetzen und verheizen zu können. Es nützt also nichts, einen gesunden, trainierten Körper zu haben, wenn der Kopf leer ist. Wenn man

sich seiner Klassenlage nicht bewußt ist, wenn man nicht zwischen Freund und Feind unterscheiden kann. Deshalb prägte Lenin das an die Jugend gerichtete Wort:

„Lernen, lernen und nochmals lernen!“ Was und warum müssen wir lernen? Nun, um gute Marxisten-Leninisten zu werden, um uns in allen Situationen des Klassenkampfes zurechtzufinden und erfolgreich kämpfen zu können. Den Marxismus-Leninismus studieren heißt nicht, die Werke (der Klassiker) ... zu büffeln. Ihr könnt ihre Werke vom ersten bis zum letzten Buchstaben auswendig lernen, ihr werdet dann diese oder jene Gedanken wortgetreu wiedergeben können ...

Abgesehen davon, daß bei der Anwendung einer solchen Methode des Lernens uns die Jugendlichen wieder davonlaufen würden. Nein, den Marxismus studieren, das heißt, die

marxistische Methode meistern, es verstehen, auch an alle übrigen, mit Eurer Arbeit zuzusammenhängenden Fragen richtig heranzugehen. Ein Marxist-Leninist sein, daß heißt, eine richtige Linie beziehen können.

Den Kommunismus studieren, heißt nicht, die bloße buchstabenmäßige Aneignung dessen, was in den Büchern über den Kommunismus gesagt ist. Man muß das Studium des

Kommunismus mit der tagtäglichcn Praxis des Klassenkampfes verbinden. Ohne Arbeit, ohne Kampf ist das aus den kommunistischen Broschüren und Werken geschöpfte Buchwissen über den Kommunismus keinen Pfifferling wert, es würde nur eine Kluft zwischen Theorie und Praxis aufreißen,und wir würden allzuleicht statt Kommunisten, kommunistische

Schriftgelehrte oder Prahlhänse erhalten.

Wie wir wissen, ist das Ziel der Erziehung in unseren Schulen, für die Bourgeoisie brauchbare Diener herauszubilden, die ihr Profit bringen, zugleich aber ihre Ruhe und Müßiggang nicht

stören. Diese Schule zwingt die jungen Menschen, sich eine Menge unnützer, überflüssiger, lebloser Kenntnisse anzueignen, die ihre Hirne verkleistern. Doch würden wir einen großen

Fehler machen, wollten wir daraus den Schluß ziehen, daß man Kommunist werden kann, ohne sich das von der Menschheit angehäufte Wissen anzueignen. Es wäre irrig, zu glauben,

daß es genüge, sich die kommunistischen Losungen, die Schlußfolgerungen der kommunistischen Wissenschaft anzueignen, ohne sich jene Summe von Kenntnissen

anzueignen, deren Ergebnis der Kommunismus selbst ist.

„Wenn ich weiß, daß ich wenig weiß, dann werde ich danach trachten, mehr zu wissen“, sagte der Genosse Lenin, um fortzufahren: „wenn aber jemand erklärt, daß er ein Kommunist ist und kein solides Wissen zu haben braucht, dann wird aus ihm alles andere werden denn ein Kommunist.“

Das heißt für die ROTE GARDE also einmal, nicht durch ein trockenes, langweiliges Pauken, durch stures Auswendiglernen die Jugendlichen von der Meisterung des wissenschaftlichen

Sozialismus abzuschrecken, sondern durch eine lebendige, praxisnahe Schulung ihnen den Marxismus-Leninismus, seine Methode und Anwendung in der Praxis nahezubringen.

Zieht zur Schulung proletarische Romane, Schauspiele, Gedichte, Erzählungen usw. heran.

Das heißt zum andern aber auch, Wissenslücken auszufüllen. Was wissen die Jugendlichen, vor allem die Haupt-Schüler, die bei uns die Schule verlassen, schon von der Geschichte der

Arbeiterklasse, unseres Volkes, der Menschheit; was von der Urgemeinschaft, der Sklavenhalterordnung, dem Feudalismus; was von der Kultur der einzelnen Epochen, der Schöpferkraft des Volkes, was von der Materie, der Entstehung des Lebens auf unserem Planeten. Was sie lernen sind Bruchstücke, was ihnen fehlt ist ein geschlossenes materialistisches Geschichtsbild. Auch hierzu gibt es gutes, anschauliches Lehrmaterial, wie z. B. das Anfang der fünfziger Jahre in der DDR erschienene Buch: „Weltall, Erde, Mensch“.

 



LIEBE ZUR HEIMAT - ACHTUNG VOR DEN VÖLKERN



Eine wichtige Aufgabe ist es auch, unsere Jugend nicht nur im Geiste des proletarischen Internationalismus, der selbstlosen Unterstützung der Freiheitskämpfe der Völker der Welt gegen imperialistische Ausbeutung und Unterdrückung, zu erziehen, sondern auch im Geiste des Patriotismus. Nicht des reaktionären, chauvinistischen „Hurra-Patriotismus“, des

„Deutschland, Deutschland über alles“, sondern in der tiefen Liebe zur Heimat, zum eigenen Volk, die immer verbunden ist mit der Achtung vor den anderen Völkern, vor ihrer Freiheit

und Unabhängigkeit. Die Vaterlandsliebe, die Liebe und Hingabe an die Heimat sind, wie Lenin sagte, „eines der tiefsten Gefühle, die durch Jahrhunderte und Jahrtausende gefestigt

worden sind“, sie sind schon seit alter Zeit eine Eigenschaft der Volksmassen. Von diesem Gefühl bewegt, erhoben sich die werktätigen Massen immer wieder zum Kampf gegen das

nationale und Klassenjoch, gegen ausländische Eroberer und Unterdrücker.





MIT REVOLUTIONÄRER GEDULD ZUM ZIEL



Nun laßt mich zum Schluß noch ein Wort zu einem Thema, zu einer Eigenschaft der Jugend sagen, mit der auch ich in meiner Jugend zu tun hatte und die man als „revolutionäre Ungeduld“ bezeichnen könnte. Natürlich möchte man, wenn man jung ist, wenn man erst einmal die Notwendigkeit des revolutionären Sturzes der herrschenden Klasse in der bewaffneten Revolution oder im Volkskrieg erkannt hat, daß dies so schnell wie möglich, möglichst schon morgen geschieht. Welcher Revolutionär möchte das nicht. Nur ist der Wunsch eine Sache, die Realität eine andere. Jede Revolution, auch der Volkskrieg setzt das Vorhandensein einer revolutionären Situation voraus. Ist diese nicht gegeben, bleibt alles Mühen hoffnungslos. Und die Avantgarde, die Partei und ihren revolutionären

Jugendverband, allein in den entscheidenden Kampf werfen, ohne daß die ganze Klasse, die breiten Massen sie direkt oder indirekt unterstützen oder ihr gegenüber zumindest

wohlwollende Neutralität üben und dem Klassengegner jederlei Unterstützung versagen, wäre nicht nur eine Dummheit, sondern ein Verbrechen.

Nun haben wir aber noch keine revolutionäre Situation, auch wenn wir alle Vorbereitungen dafür treffen müssen, um nicht von den Ereignissen überrascht zu werden. Noch heißt die

Parol« langwierige, geduldige Kleinarbeit, um, wie wir sagen, den wissenschaftlichen Sozialismus mit der Arbeiterbewegung zu verbinden. Das aber erfordert Geduld, revolutionäre Geduld. Das war das erste, was mich ein alter Genosse, Albert O., mit dem ich vor 20 Jahren zusammenarbeitete, lehrte. Nicht drauflos rasen. Dies anpacken, jenes Ruhe bewahren. Schwerpunkt schaffen. Bevor Du eine Sache anpackst, überlege, analysiere sie, betrachte sie von allen Seiten, verschaff Dir ein Bild und erst dann nimm sie in Angriff. Wenn man Dir 10 Aufgaben überträgt, jede für sich mag wichtig sein, Du aber siehst, daß Du sie nicht erfüllen kannst, so lehne sie ab. Suche Dir eine, zwei oder drei Aufgaben raus, wie es in Deinen Kräften steht, und die erfülle gut. Laßt Euch nicht einschüchtern. Was nützt es uns, der ROTEN GARDE, der Partei, der Revolution, wenn Genossen krank werden, abschlaffen, resignieren, nur weil sie überfordert sind. Nicht immer taugt ein Kommandeur, der alle seine Kräfte sofort in den Kampf wirft. Ein guter Befehlshaber ist, wer es versteht, die Energie seiner Kämpfer bis zur Entscheidungsschlacht maximal zu bewahren.

Der Grund für die Hektik, wie sie zur Zeit noch oft in der Partei aber auch der ROTEN GARDE herrscht, ist revolutionäre Ungeduld und ein nicht richtiges Einschätzen der eigenen

Kräfte. Diese Ungeduld kann man oft auch in der Diskussion unserer jungen Genossen mit Kollegen beobachten. Sie versuchen ihr eigenes Wissen ihnen mit einem Schlag zu vermitteln und berücksichtigen nicht die Erfahrungen, z.B. die ihrer älteren Kollegen. Die sind zumeist skeptisch und lassen sich nicht so leicht überzeugen. Sie gehen in den Diskussionen oftmals falsch vor, denn wenn mir ein Kollege acht falsche Sachen sagt und zwei richtige, dann versuche ich nicht, ihm sofort die acht falschen zu widerlegen, sondern knüpfe an den

zwei richtigen an, vertiefe sie und nehme mir dann, eine nach der anderen, die falschen Sachen vor.

Also Geduld haben, revolutionäre Geduld. Rom wurde auch nicht an einem Tag erbaut. Und den Sieg der proletarischen Revolution in der ganzen Welt werdet Ihr, wenn überhaupt,

frühestens in gestandenen Jahren oder als Opa erleben. Viel schwerer als in einer revolutionären Situation, ist es in einer nichtrevolutionären Situation ein Revolutionär zu sein.

Wenn ihr das schafft, und ich bin sicher, daß ihr es schafft, dann wird unsere rote Fahne mit Hammer, Sichel und Gewehr eines Tages über ganz Deutschland wehen!


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