"Hast du deine Waffe schon erkannt ?"

Ernst Aust über die Gründung des "Roter Morgen"

 

aus Anlass des Erscheines der allerersten Nummer des "Roter Morgen" vom Juli 1967

 

Erklärung der Marxisten-Leninisten der Kommunistischen Partei Deutschlands

 

Angesichts des 50. Jahrestages der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution, angesichts der ruhmreichen Verdienste Lenins um die Befreiung der Menschheit, angesichts unserer Liebe zum Sowjetvolk, verurteilen wir aufs Schärfste den schamlosen, ungeheuerlichen Verrat, den die Kossygin-Breschnew-Clique an den Völkern der Sowjetunion, an dem gesamten internationalen Proletariat und den um ihre Befreiung von Kolonialismus und Imperialismus kämpfenden Völkern der Welt, begeht.

[ Dies ist der historisch erste Satz, mit denen die Marxisten-Leninisten in Deutschland ihre Stimme erhoben. Zum ersten Mal wurde im Juli 1967 die Oktoberrevolution gegen die modernen Revisionisten verteidigt. - Anmerkung von Wolfgang Eggers]

 

 

 

 

Der folgende Text ist dem RM Nr. 23 , 1977 entnommen:

 

 

„Hast Du Deine Waffe schon erkannt?“


„Genossinnen und Genossen! Ihr haltet die erste Ausgabe der Zeitschrift ,Roter Morgen' in den Händen. Wer schon jetzt, nachdem er unsere Erklärung, die Erklärung einer nicht unbedeutenden Gruppe Marxisten-Leninisten der Wasserkante, gelesen hat, erschreckt davoneilt, um das Blatt in den nächsten Ofen zu werfen, dem ist schwerlich zu helfen. Er ist das Dümmste, was man sich denken kann: ein Mensch ohne eigene Meinung.“
Nun, die Gefahr, daß diese erste Ausgabe des „Roten Morgen“ ungelesen in der Versenkung verschwand, bestand nicht. Der „Rote Morgen“ mit der Erklärung der Marxisten-Leninisten der Wasserkante, in dem dem US-Imperialismus, dem westdeutschen Imperialismus, den Sowjetrevisionisten und ihren sklavischen Nachbetern der Kampf angesagt und die Große Proletarische Kulturrevolution begeistert begrüßt wurde, schlug ein wie ein reinigendes Gewitter. Selten dürften drei Blätter Papier so viel Aufregung ausgelöst haben wie diese erste Ausgabe des „Roten Morgen“, die, getippt und hektographiert, am 1. Juli 1967 rund 5.000 Mitgliedern, und Anhängern der KPD, aber auch revolutionär gesinnten Menschen außerhalb der Reihen der KPD ins Haus flatterte.
Während die aufrechten Revolutionäre in Deutschland die neue marxistisch-leninistische Zeitschrift mit Begeisterung aufnahmen, sie mit Spenden unterstützten und weiter verbreiteten, tobte der Klassenfeind. Die Revisionisten spuckten Gift und Galle. Die Klassenjustiz beeilte sich, die dreijährige „Bewährungs“ frist für eine Gefängnisstrafe, die gegen Ernst Aust, den Herausgeber des „Roten Morgen“ noch von seiner früheren Redakteurstätigkeit her bestand, um ein Jahr zu verlängern. Und die Kapitalisten der Ruberoidwerke, bei denen Ernst Aust beschäftigt war, leiteten seine Entlassung in die Wege, weil — wie sie dem Arbeitsgericht zu verstehen gaben — „die Beklagte die Werbung für ihre Produkte nicht Personen anzuvertrauen pflegt, die sich von ihr ausgebeutet fühlen und alles in ihren Kräften Stehende tun, den Anbruch eines Roten Morgens herbeizuführen, in dessen Licht mit Sicherheit für die Beklagte sich nicht der geringste Platz an der Sonne finden würde.“ (Was der „Rote Morgen“ damals übrigens mit der Bemerkung kommentierte: „Sehr richtig — die Redaktion“).
So verschieden die Reaktion der Leser des „Roten Morgen“ damals — je nach ihren Klasseninteressen — war, so hatten doch der Haß auf der einen und die Begeisterung auf der anderen Seite eine gemeinsame Ursache: Jeder, der den „Roten Morgen“ in die Hand nahm, spürte, daß es in Deutschland wieder eine wahrhaft kommunistische Zeitung gab, eine Zeitung, die, wie es Ernst Thälmann von einer kommunistischen Zeitung verlangte, ein „scharfes Schwert der proletarischen Revolution“ war. Keines dieser bürgerlichen oder revisionistischen Blätter, das seine Parteinahme für die Interessen der Bourgeoisie hinter dem Etikett „unabhängig“ zu verbergen suchte, sondern eine Zeitung, die immer — als Organ der Marxisten-Leninisten der Wasserkante und später als Zentralorgan der KPD/ML — offen und kämpferisch Partei ergriff: für die Sache der Arbeiterklasse und des Kommunismus, für den Sieg der proletarischen Revolution in beiden Teilen Deutschlands, für die Verwirklichung eines vereinten, unabhängigen, sozialistischen Deutschland.
Das erforderte zunächst die Entfaltung einer breiten und tiefgehenden Kritik am modernen Revisionismus — wie sie besonders gründlich in der Auseinandersetzung mit dem revisonistischen Programm der KPD, beim faschistischen Überfall der Sozialimperialisten auf die CSSR, bei der Gründung der D„K“P geschah. Das erforderte den Kampf um die Einheit der Marxisten-Leninisten auf einer prinzipienfesten marxistisch-leninistischen Grundlage mit dem Ziel, eine geschlossene, kampfstarke Vorhutpartei des Proletariats aufzubauen, die den Kampf der Arbeiter zum Sieg über den Imperialismus führen kann. Diese Partei, die KPD/ML, entstand an der Jahreswende 1968/69. Seitdem ist der „Rote Morgen“ das Zentralorgan der Partei, das vom Zentralkomitee herausgegeben wird. Kollektiver Agitator, Propagandist und Organisator, dessen Aufgabe es ist, die Partei politisch zu stärken, die Linie der Partei in die Massen zu tragen, die Verbindung der Partei mit den Massen auszuweiten und zu festigen. Und zwar seit über einem Jahr nicht nur in Westdeutschland und Westberlin, sondern auch in Ostdeutschland, wo der „Rote Morgen — Ausgabe DDR“ in strengster Illegalität vertrieben werden muß.
Ein Rückblick auf die 10jährige Geschichte des „Roten Morgen“ ist nicht zu trennen von der Entwicklung des Klassenkampfes in dieser Zeit. Es ist an dieser Stelle nicht möglich, auch nur auf die wichtigsten Ereignisse einzugehen, zu denen der „Rote Morgen“, oft als einzige Zeitung, nicht in den Chor bürgerlich-revisionistischer Hetze einfallend, vom Standpunkt der Arbeiterklasse aus Stellung nahm. Hier sei nur erinnert an die Begrüßung der Großen Proletarischen Kulturrevolution, an die Verurteilung des Einmarsches in die CSSR, an die Unterstützung des Kampfes der indochinesischen Völker und die Propagierung des Klassenkampfs im eigenen Land, an die Verteidigung der revolutionären Gewalt in Zeiten wie den Anschlägen auf die NATO-Hauptquartiere in Heidelberg und Frankfurt, wo der gesamte bürgerliche Pressewald Zeter und Mordio schrie, an den Kampf anläßlich des Besuchs Breschnews in der Bundesrepublik, an den beharrlichen Kampf gegen die Mauer in Berlin und gegen die Spaltung Deutschlands in zwei Staaten, an die stetige Unterstützung der Kämpfe der Arbeiter und der anderen Werktätigen und die Entlarvung der Feinde in ihren eigenen Reihen, des reaktionären DGB-Apparats und der D„K“P-Revisionisten, an den Kampf gegen die fortschreitende Faschisierung usw.
Für den „Roten Morgen“ als Zentralorgan der Partei kann es nur einen Standpunkt geben, von dem aus er in die Klassenkämpfe eingreift. Das ist der Standpunkt des Marxismus-Leninismus und der Partei. Niemals könnte der „Rote Morgen“ seine Aufgabe erfüllen, wenn er — wie es etwa die Liquidatoren forderten — ein „Diskussionsorgan“ wäre, in dem verschiedene politische Standpunkte und Linien „friedlich“ nebeneinander bestehen würden. Die einzigen, die sich darüber freuen würden, wären die Feinde der Arbeiterklasse, denn die so entstehende politische Führungslosigkeit der Arbeiter käme ja ihnen zunutze. Deshalb ist es im Gegenteil die Aufgabe des „Roten Morgen“, alle opportunistischen, dem Marxismus-Leninismus und den Interessen der Arbeiterklasse fremden und feindlichen politischen Anschauungen und Linien schonungslos zu bekämpfen und zu entlarven. Auf diesem Weg, den der „Rote Morgen“ auch beschritten hat, hat er sich die Sympathie vieler Werktätiger erworben und auch einen großen Beitragdazu geleistet, ehrliche Revolutionäre, die von opportunistischen Zirkelführern verwirrt worden waren, für die Partei zu gewinnen.
Auf diese konsequente Parteinahme des „Roten Morgen“ für die Interessen der Arbeiterklasse hat die Bourgeoisie mit der Verfolgung des „Roten Morgen“ reagiert. Mit Prozessen gegen Redakteure, Verleger und Verkäufer. Allein die Gefängnisstrafen gegen Redakteure des „Roten Morgen“ belaufen sich inzwischen auf zwei Jahre. Sieben Ausgaben des „Roten Morgen“ wurden beschlagnahmt. Das „Verbrechen“, dessen die Staatsanwälte den „Roten Morgen“ anklagten, war immer das gleiche, das „Überschreiten des erlaubten Maßes der Kritik“. Natürlich, der Klassenjustiz wäre es am liebsten, der „Rote Morgen“ würde nur noch so viel Kritik üben, wie die Bourgeoisie „erlaubt“, würde ihre Gesetze und ihre Herrschaft als Maß aller Dinge akzeptieren. Das fällt uns natürlich im Traum nicht ein.
Dieses Ziel wird die Bourgeoisie auch mit noch härteren Verfolgungsmaßnahmen niemals erreichen. Unsere Meinung dazu ist: Wir sind dagegen (und kämpfen dagegen), aber wir fürchten uns nicht. Wir halten es mit dem Genossen Mao Tsetung, der sagte: „Wenn der Feind uns bekämpft, ist das gut und nicht schlecht. Wenn er uns in den schwärzesten Farben malt und gar nichts bei uns gelten läßt, so zeigt das nur, daß wir zwischen uns und dem Feind einen klaren Trennungsstrich gezogen haben.“ Der beste Beweis dafür ist, daß so mancher Werktätiger den „Roten Morgen“ gerade deshalb zum ersten Mal in die Hand nahm, weil er die meistverfolgte Zeitung ist; daß der „Rote Morgen“ sich von Jahr zu Jahr auf die Solidarität und Sympathie einer wachsenden Zahl von Freunden stützen konnte; daß ihn immer mehr Werktätige als ihre Waffe im Klassenkampf erkannten und einsetzten und den „Roten Morgen“ als ihre Zeitung betrachteten.
Diese Entwicklung des „Roten Morgen“ von der monatlich erscheinenden hektographierten DIN A 4-Ausgabe zu unserem heutigen „Roten Morgen“, zu einer Zeitung, die immer aktueller, lebendiger und konkreter in die Klassenkämpfe eingreift, die heute eine vervielfachte Zahl von Abonnenten und Lesern besitzt, wäre nicht möglich ohne die Unterstützung von zahllosen Genossen und Freunden. Deshalb gilt ihnen allen anläßlich des 10jährigen Bestehens des „Roten Morgen“ der ausdrückliche Dank der Partei.


DAS KOHLEPAPIER
Bereits frühzeitig im Jahre 1966 hatten wir, Hamburger Genossen der KPD, uns Gedanken um die notwendige Herausgabe einer marxistisch-leninistischen Zeitschrift gemacht, um dem revisionistischen Verrat entgegenzutreten.
Nicht umsonst in Vorahnung des kommenden „Unheils“ hatten die Parteibonzen, als ihnen der Genosse Ernst den auf seinen Namen eingetragenen Verlag des „Blinkfüer“ vor die Füße warf, in ihrem „Kauf- und Übernahmevertrag“ die Klausel verankert: „(10) Der Verkäufer verpflichtet sich, innerhalb der nächsten drei Jahre keine den unter (1) Blinkfüer etc. angeführten Objekten ähnliche Publikationen im bisherigen Vertriebsgebiet herauszugeben.“
Nun, niemand wird behaupten wollen, daß der anderthalb Jahre später erscheinende „Rote Morgen“ den revisionistischen Gazetten ähnlich war.
Im Frühjahr 1967 begannen die Pläne um die Herausgabe der Zeitschrift „Roter Morgen“ konkretere Gestalt anzunehmen. Das A und O war dabei, das Besorgen der Adressen von Genossen und Sympathisanten der Partei. Die rund 5.000 Adressen von „Blinkfüer“-Abonnenten hatten wir bereits im Kasten. Doch je mehr, so dachten wir, desto besser.
Zu jener Zeit jedoch war, infolge unseres offenen Eintretens innerhalb der Partei für die revolutionäre Politik der KP Chinas parteiintern schon eine Warnung erfolgt. Schließlich waren ja Ernst und ich schon länger als „Chinesen“ verschrien. Bereits auf einer Julklapp-Feier 1964 hatten uns die Zellengenossen in deutlicher Anspielung ein
chinesisches Teeservice geschenkt. Was damals noch Flax, war inzwischen bitterer Ernst geworden. Unsere Zellensekretärin hatte offensichtlich höhererseits die Anweisung erhalten, uns gegenüber besonders vorsichtig zu sein.
Noch wagte man allerdings nicht, — Ernst war ja noch Funktionär der Partei — offen gegen uns vorzugehen. So kam es, daß unsere Zellensekretärin mich eines Tages bat, für sie die 300tue Anschriften von Bezieherinnen der „Aktuellen Frauenpost“, einer Zeitschrift der Friedenstantenbewegung, auf neue Adressfelder zu schreiben, mit mehreren Kopien.
Natürlich wollte sie die Kartei, für die sie verantwortlich war, dabei nicht aus der Hand geben. So mußte ich zu ihr in die Wohnung kommen. Beim Schreiben schwänzelte sie dauernd um mich herum, paßte auf wie ein Luchs, daß ich ja keine Adresse in meinen Besitz brächte. Was also tun?
Vorsichtshalber hatte ich einen Karton Kohlepapier mitgebracht, da ich wußte, es sollten vier Durchschläge gemacht werden. Während ich nun das Kohlepapier einlegte, überlegte ich: Machst du fünf Durchschläge, kommt sie dahinter.
Die Karteikarten verschwinden lassen, ging auch nicht. Also kam ich auf folgenden Trick. Für die vier Durchschläge brauchte ich vier Kohlebögen. Jedes Mal, wenn ich nun neu einspannte, wechselte ich einen Kohlebogen aus und nahm einen neuen. Den nur einmal gebrauchten legte ich unauffällig beiseite. Die Zellensekretärin bemerkte nichts. Für sie waren die zur Seite gelegten Kohlebögen schwarz, Abfall, zum Wegwerfen. So fiel es ihr auch nicht auf, daß ich diese Bögen, als die Arbeit beendet war, in meiner Tasche verschwinden ließ. Denn für mich waren die Kohlebögen keinesfalls nur schwarz. Zu Hause angekommen, brauchte ich sie nur zu beleuchten und die Anschriften abzuschreiben.
Abschreiben für den Versand des ersten „Roten Morgen“. Und beileibe nicht alle Frauen erwiesen sich als folgsame Lämmlein ihrer revisionistischen Frauensfriedenstanten. Wenn sie auch noch nicht den Schritt an unsere Seite machten,so erkannten sie doch den Verrat. Und der Verrat der modernen Revisionisten an den Interessen der Arbeiterklasse, des werktätigen Volkes erkennen, ist der erste Schritt an die Seite der revolutionären Vorhutpartei des deutschen Proletariats, der KPD/ML.

Waltraud Aust

( unter redaktioneller Anleitung von Ernst Aust)


 

ERNST AUST

Der erste „Rote Morgen" schlug ein wie eine Bombe.


Diese erste Ausgabe des „Roten Morgen“ schlug ein wie eine Bombe. Wir hatten damals gute Arbeit geleistet. Als meine Frau und ich aus der Redaktion und aus dem Verlag „Blinkfuer“ ausschieden, da waren wir natürlich nicht gegangen, ohne die ca. 5.000 Adressen mitzunehmen. Das haben uns die Revisionisten damals schwer übelgenommen
und „Unterschlagung“ genannt. Aber ich bin der Meinung, was der Revolution nützt, kann niemals eine Unterschlagung sein. Jedenfalls war es gut, daß wir damals diese 5.000 Adressen hatten. Als Reaktion auf die erste Ausgabe des „Roten Morgen“ herrschte beim ZK der Partei helle Aufregung. Es wurde ein Beschluß gefaßt, daß alle
Genossen, die den „Roten Morgen“ zugeschickt erhielten, ihn sofort bei der Parteileitung abzuliefern hätten. Mancher von euch, der den Sammelband mit den alten „Roten Morgen“ hat, wird vielleicht die Nr. 2 des „Roten Morgen“ vermißt haben. Der Grund dafür ist eben dieser Beschluß der Revisionisten. Wir haben uns nämlich gesagt: Wir geben als nächstes die Nr. 3/4 heraus. Wenn sie diese nach der Nummer l abgeliefert bekommen, dann müssen sie annehmen, die Nr. 2 wäre nicht abgegeben worden... Deshalb also ist die Nummer 2 nie erschienen.
Worin lag die Bedeutung der Herausgabe des „Roten Morgen“? Sie lag darin, daß seit Jahren endlich wieder eine marxistisch-leninistische Zeitung in Westdeutschland erschien, darin, daß das KPD-Verbot in der Praxis durch die Propagierung der marxistisch-leninistischen Prinzipien der Diktatur des Proletariats, der sozialistischen Revolution durchbrochen wurde. Sie lag darin, daß die Voraussetzungen für die Gründung einer neuen marxistisch-leninistischen Partei geschaffen wurden.
Der „Rote Morgen“ erschien zunächst illegal, als Zeitschrift der KPD Marxisten-Leninisten, also innerhalb der Partei.
Um diese Frage der illegalen Herausgabe gab es einen Kampf. Denn natürlich konnte der „Rote Morgen“ als illegales Organ nur beschränkt seine Rolle als kollektiver Organisator erfüllen. Es war damals ein Agent in der Partei, der zu erreichen versuchte, daß der „Rote Morgen“ auch weiterhin illegal erschien. Wir haben dagegen gekämpft, ich drängte darauf, den Bruch mit der Partei offen zu vollziehen und den „Roten Morgen“ legal erscheinen zu lassen, was dann auch von November 1967 an geschah. Bis zur Gründung der Partei hieß der „Rote Morgen“ dann marxistisch-leninistische Monatszeitschrift. Die legale Herausgabe des „Roten Morgen“ war, wie vorher sein erstes Erscheinen, ein voller Erfolg. Wir bekamen zahlreiche Zuschriften.
In der Januar-Ausgabe 1968 erschien eine Analyse der damaligen Bewegung. Zu der Zeit gab es
1. sogenannte „unabhängige“ freischwebende Sozialisten, den Sozialistischen Bund, DFU, Demokratische Linke usw.;
2. gab es die KPD, die mit den oben genannten Organisationen in enger Verbindung stand;
3. existierte die studentische Opposition um den SDS, die teilweise mutig gegen den Staat kämpfte, aber von Ziellosigkeit und Verwirrtheit geprägt war;
4. gab es — einzeln oder in Gruppen — die Marxisten-Leninisten.
Wir veröffentlichten damals den Aufruf „Marxisten-Leninisten vereinigt euch.“
Der Erfolg stellte sich schon wenige Monate später, im Mai, ein. Zu jener Zeit wurde die Siegener Erklärung verabschiedet, in der zur Gründung einer „deutschen, revolutionären, marxistisch-leninistischen Partei“ aufgerufen wurde.
In dieser Zeit führte der „Rote Morgen“ einen scharfen Kampf gegen den modernen Revisionismus, zu einer Zeit also, als andere überhaupt noch nicht daran dachten und gemeinsam mit den modernen Revisionisten marschierten.
Die Bedingungen für die Herausgabe des „Roten Morgen“ waren damals schwierig. Die erste Ausgabe erschien hektographiert. Die Abzugsmaschine, die leider verlorengegangen ist, kostete 280 DM. Nicht verlorengegangen aber ist der Stempel, mit dem wir in Rot „Roter Morgen“ auf die Zeitung druckten. Ab Oktober 1968 erschien der „Rote Morgen“ im Offsetdruck. Die Maschine kostete damals zusammen mit dem Ablichtungsapparat rund 6.000 DM. Ich mußte drucken lernen. Was ich mittels der Gebrauchsanweisung und telephonischen Nachfragen bei der Firma auch in einem Monat schaffte. Anderthalb Jahre lang erfolgte dann alles, was mit dem „Roten Morgen“ zu tun hatte, Redaktion, Druck, Vertrieb, in unserer Zwei-Zimmer-Wohnung im 7. Stock im Carl-Bremer-Ring.