Ernst Aust

 

Stellungnahme der KPD/ML - 1974

geschrieben vom Genossen Ernst Aust

ROTER MORGEN

Nr. 31; 3. August 1974

1. August 1914:

Beginn des 1. Weltkrieges - Verrat der 2. Internationale

 

"Die proletarische Internationale ist nicht untergegangen und wird nicht untergehen."

(Lenin)

 

 

Am 1. August vor sechzig Jahren, erklärte das imperialistische Deutsche Kaiserreich dem zaristischen Russland den Krieg. Zwei Tage später folgte die kriegserklärung an Frankreich. Am 4. August überfielen die Deutschen Truppen das neutrale Belgien, besetzten das Land und unterdrückten die Bevölkerung grausam.

Der 1. Weltkrieg hatte begonnen.

Ganze Landstrecken, die dicht bevölkert waren wie wenige auf der Erde, wurden in Asche gelegt, gewaltige Werke der Kunst und Technik zerstört, Millionen Menschen erschossen, in die Luft gesprengt, vergiftet, verbrannt, ertränkt und ausgehungert.

Dieser Krieg war reaktionär ubnd imperialistisch.

Eine Handvoll Großmächte, England, Frankreich und Russland auf der einen Seite, Deutschland und Österreich auf der anderen Seite, fielen übereinander her, um die Welt neu aufzuteilen, die Macht der anderen zu brechen, die kleinen Nationen zu unterdrücken und möglichst viele Kolonien an sich zu reißen.

 

In diesem Krieg konnte die Arbeiterklasse nicht die eine oder andere Bourgeoisie unterstützen. Die Niederlage der "eigenen" Bourgeoisie herbeizuführen, mit aller Kraft daran arbeiten, die Bourgeoisie zu stürzen, die sozialistische Gesellschaftsordnung zu errichten, das musste der Weg der Arbeiter eines jeden Landes sein.

"Krieg dem imperialistischen Krieg!"

Das war die Losung der revolutionären Sozialdemokratie.

Als sich die Vertreter der Parteien der 2. Internationale 1907 in Stuttgart und 1912 in Basel trafen, beschlossen sie:

 

"Fall der Krieg dennoch ausbrechen sollte, sind sie (die sozialdemokratischen Parteien) verpflichtet, für dessen rasche Beendigung einzutreten und mit allen Kräften dahin zu streben, um die durch den Krieg herbei geführte wirtschaftliche und politische Krise zur politischen Aufrüttelung der Volksschichten und zur Beschleunigung des Sturzes der kapitalistischen Klassenherrschaft auszunutzen."

 

Aber die Führer der Parteien der 2. Internationale waren das nur leere Worte. Als der Krieg ausbrach, stellten sie sich alle auf die Seite ihrer "eigenen" Bourgeoisie, schlossen einen Burgfrieden mit ihr und unterstützten ihre räuberischen Ziele. Ihre Parole war jetzt: "Vaterlandsveteidigung". Die größte, die einflussreichste Partei der 2. Internationale, die deutsche Sozialdemokratie, fiel am tiefsten. Ihre Führer benahmen sich wie "Herolde des Imperialismus". Einer von ihnen, Stampfer, sagte:

"Wenn die verhängnisvolle Stunde schlägt, werden die Arbeiter das Wort einlösen, das von ihren Vertretern für sie abgegeben ist, die vaterlandslosen Gesellen werden ihre Pflicht erfüllen und sich darin von den Patrioten in keiner Weise übertreffen lassen."

Am 4. August stimmt die Reichstagsfraktion der Partei für die Bewilligung der Kriegskredite. Von diesem Tag an nannte Rosa Luxemburg die deutsche Sozialdemokratie einen "stinkenden Leichnam."

In allen Ländern riefen die Oberhäupter der 2. Internationale die Arbeiter zu den Waffen, aber nicht, damit sie sie gegen die eigene Bourgeoisie kehren, sondern damit sie aufeinander schießen.

Sie waren Sozialchauvinisten - "Sozialisten" in Worten und Chauvinisten in Taten geworden.

"Die Einheit mit den Opportunisten ist zu einer einzigen Heucheli geworden (...) das Fortbestehen dieser bürgerlichen Eiterbeule innerhalb der sozialistischen Parteien ist unerträglich geworden." (Lenin)

 

 

 

 

 

Karl Liebknecht, Rosa Luxemburg, Lenin und die russischen Bolschewiki - diese Namen sind für Millionen zum Symbol des revolutionären Kampfes gegen den imperialistischen Krieg, für die Revolution geworden. Am 2. Dezember 1914 stimmt Karl Liebknecht im Reichstag als einziger offen gegen die Bewilligung der Kriegskredite. Er erklärte:

 

"Dieser Krieg, den keines der beteiligten Völker selsbt gewollt hat, ist nicht für die Wohlfahrt des deutschen oder eines anderen Volkes entbrannt. Es handelt sich um einen imperialistischen Krieg, einen Krieg um die kapitalistische Beherrschung des Weltmarktes (...) Es handelt sich um ein bonapartistisches Unternehmen zur Demoralisation und Zertrümmerung der anschwellenden Arbeiterbewegung."

 

 

Über Deutschland war der Belagerungszustand verhängt. Die Polizei wütete gegen die klassenbewussten Arbeiter. Die Pressezensur verbot jede revolutionäre Propaganda gegen den Krieg, während die "offiziellen" sozialdemokratischen Blätter Papier in Hülle und Fülle erhielten, um die Arbeiter zu den Waffen zu rufen. Der Krieg dauerte an, die Leiden, der Hunger, das Elend wurde unerträglich. In den Schützengräben, in den Munitionsfabriken, unter den Soldaten der Marine, in der Jugend begann es zu gären. Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg begannen sich von den Sozialchauvinisten und Opportunisten zu trennen.

 

"Abrechnung, unerbittliche Abrechnung mit den Fahnenflüchtigen und Überläufern der Internationale in Deutschland, Frankreich und anderwärts."

 

Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg begannen illegale Flugblätter und Zeitungen herauszugeben. Schon im Dezember 1914 erschien der erste Spartakusbrief.

 

Spartakus - dieser Name wurde fortan zum Schreckgespenst der Bourgeoisie und der Opportunisten. Für die Arbeiter aber wurde er zum Symbol der Befreiung und der Revolution.

"Der Hauptfeind steht im eigenen Land ! Der Hauptfeind des deutschen Volkes steht in Deutschland: der deutsche Imperialismus, die deutsche Kriegspartei, die deutsche Geheimdiplomatie !"

 

Dieser Feind konnte nicht geschlagen werden, solange die Arbeiter noch unter dem Einfluss der größten Autorität der II. Internationale, Kautsky, standen. Kautsky behauptete, dass der Krieg zu einer Verständigung der Nationen, zur Abrüstung, zu dauerndem Frieden führen könnte, dass eine Ära neuer Hoffnungen und Erwartungen möglich sei. Er predigte den Arbeitern, dass der Krieg auch für die Imperialisten selbst ungünstig sei, dass sie vernünftig werden könnten, wenn, ja wenn die Arbeiter auf revolutionäre Aktionen verzichten würden.

Aber Imperialismus bedeutet Krieg.

Solange sich eine Handvoll imperialistischer Großmächte eiander gegenüberstehen, gibt es für sie letzten Endes kein anderes Mittel ihre Kräfte zu messen, als den Krieg - wenn ihnen die Revolution nicht vorher das Handwerk legt.

Lenin zweifelte keinen Augenblick daran, dass sie sich erheben würden. Um sie zum Sieg zu führen, war der vollständige Bruch mit den Verrätern notwendig, musste eine neue Internationale geschaffen werden.

 

"Die proletarische Internationale ist nicht untergegangen", schrieb Lenin, "und wird nicht untergehen. Die Arbeitermassen werden trotz aller Hindernisse eine neue Internationale schaffen."

Und aus dem Schützengraben schrieb Karl Liebknecht:

"Die neue Internationale wird erstehen, auf den Trümmern der alten kann sie erstehen, auf neuen, festeren Fundamenten."

Nach vier Jahren Krieg fegte die Oktoberrevolution in Russland die kapitalistische Regierung hinweg, der alte Staat wurde zertrümmert, die Arbeiter und Bauern nahmen die Macht in ihre Hände. Das russische Proletariat siegte, weil es von einer Partei neuen Typs geführt wurde, den Bolschewiki. Mit der Schmiedung der bolschewistischen Partei zog Lenin für das internationale Proletariat die Lehren aus dem Zusammenbruch der 2. Internationale. Stalin schreibt dazu in seiner Schrift "Über die Grundlagen des Leninismus":

 

"Das bedeutet, dass die Parteien der II. Internationale untauglich sind für den revolutionären Kampf des Proletariats, dass sie keine Kampfparteien des Proletariats sind, die die Arbeiter zur Macht führen, sondern ein Wahlapparat, der für Parlamentswahlen und den parlamentarischen Kampf eingerichtet ist. Daraus erklärt sich eigentlich auch die Tatsache, dass in der Periode der Herrschaft der Opportunisten der II. Internationale nicht die Partei, sondern die Parlamentsfraktion die maßgebende politische Organisation des Proletariats war. Es ist bekannt, dass die Partei in dieser Periode in Wirklichkeit ein Anhängsel und dienstbares Element der Parlamentsfraktion war. Es erübrigt sich wohl nachzuweisen, dass unter solchen Bedingungen und mit einer solchen Partei an der Spitze von einer Vorbereitung des Proletariats auf die Revolution nicht einmal die Rede sein konnte."

Die neue Periode ist die Periode offener Zusammenstöße der Klassen, die Periode revolutionärer Aktionen des Proletariats, die Periode der proletarischen Revolution, die Periode der direkten Vorbereitung der Kräfte zum Sturz des Imperialismus, zur Ergreifung der Macht durch das Proletariat. Diese Periode stellt dem Proletariat neue Aufgaben: die gesamte Parteiarbeit auf neue, auf revolutionäre Art umzubauen, die Arbeiter im Geiste des revolutionären Kampfes um die Macht zu erziehen, Reserven auszubilden und heranzuziehen, das Bündnis mit den Proletariern der benachbarten Länder herzustellen, feste Verbindungen mit der Befreiungsbewegung der Kolonien und der abhängigen Länder zu schaffen usw. usf. Zu glauben, dass diese neuen Aufgaben mit den Kräften der alten sozialdemokratischen Parteien, die in den friedlichen Verhältnissen des Parlamentarismus erzogen wurden, gelöst werden können - heißt sich zu hoffnungsloser Verzweiflung, zu einer unausbleiblichen Niederlage verurteilen. Die alten Parteien weiter an der Spitze zu belassen, wo man solche Aufgaben zu bewältigen hat, heißt völlig ungerüstet dastehen. Es erübrigt sich wohl nachzuweisen, dass das Proletariat sich mit einer solchen Sachlage nicht abfinden konnte.

Daraus folgt die Notwendigkeit einer neuen Partei, einer Kampfpartei, einer revolutionären Partei, die kühn genug ist, die Proletarier in den Kampf um die Macht zu führen, die genügend Erfahrung hat, um sich in den komplizierten Verhältnissen der revolutionären Situation zurechtzufinden, und genügend Elastizität besitzt, um Klippen jeder Art auf dem Wege zum Ziel zu umgehen.

Ohne eine solche Partei ist an einen Sturz des Imperialismus, an die Eroberung der Diktatur des Proletariats gar nicht zu denken. Diese neue Partei ist die Partei des Leninismus."

 

Und auch in Deutschland drehte das Proletariat gegen Ende des Krieges die Gewehre um. Die Matrosen von Kiel hissten die rote Fahne. In Berlin marschierten die Arbeiter unter der Führung des Spartakusbundes zu den Kasernen, entwaffneten das Militär und verbrüderten sich mit den Soldaten.

Auch die deutsche Arbeiterbewegung beschritt den Weg, den Lenin und die russische Oktoberrevolution ihr gewiesen hatte: sie schuf sich die bolschewistische Kampfpartei.

Silvester 1918 gründeten die revolutionären Sozialdemokraten unter der Führung Karl Liebknechts und Rosa Luxemburgs die KPD. Die Vorhut des deutschen Proletariats zog die Lehre aus dem Verrat der SPD.

In Deutschland siegte 1918 die Revolution nicht. Die sozialdemokratischen Führer, die das deutsche Proletariat im Auftrag der Imperialisten in den Krieg gehetzt hatten, richteten nun selbst die Gewehre gegen die Arbeiterklasse. Sie retteten jetzt die Bourgeoisie vor dem Ansturm der proletarischen Revolution.

Karl und Rosa wurden ermordet !

Aber ihr Vermächtnis lebt weiter. Es erfüllte die KPD Ernst Thälmanns und es lebt fort in unserer Partei, die im schonungslosen Kampf gegen den revisionistischen Verrat das Erbe der revolutionären KPD Karl Liebknechts, Rosa Luxemburgs und Ernst Thälmanns fortführt.

 

Krieg dem imperialistischen Krieg !

Es lebe der proletarische Internationalismus !

Es lebe die sozialistische Revolution !