Ernst Aust

 

"Wer sind die Hitler von heute?"

 

Leitartikel des Jugend-Organs der Roten Garde

Nr. 2 - Mai 1975

(Beilage "Roter Morgen", Nr. 18 vom 3. Mai 1975)

 

 

8. Mai 1945

30. Jahrestag de Befreiung vom Hitlerfaschismus

 

Wir kennen die Hitlerzeit und den 2. Weltkrieg aus Filmen oder Büchern. Aber was 12 Jahre Faschismus und 6 Jahre Krieg wirklich waren, können wir uns kaum richtig vorstellen. Grauenvolle Bombennächte - Greise, Kinder und Frauen unter den Trümmern, begraben und verbrannt. Einfache Soldaten, ja 16/17-Jährige, in den Schützengräben verblutet. Millionen von unseren Vätern kamen als Krüppel nach Hause. Im Hinterland mordet und wütet die SS. Verfolgung und KZ für Arbeiter, Antifaschisten, Kommunisten, Christen und Juden. Hunderttausende Franzosen, Russen, Polen, Tschechen als Fremdarbeiter verschleppt und in Lager gesperrt. Noch am Tag der Kapitulation von Hamburg wurden über 100 Kinder von den Nazis erhängt - in einem Kinder-KZ. 60 Millionen Tote hat der Nazi-Krieg die Völker Europas gekostet. Die Städte lagen in Schutt und Asche. Überall, wo die Hitlerarmee auf ihrem Rückzug die Taktik der verbrannten Erde angewandt hat - ganze Landstriche verwürstet.

War Hitler eigentlich wahnsinnig ?

Heute erscheint eine Flut von Lebensbeschreibungen von Adolf Hitler. Viele von den Filmen und Broschüren beschönigen und verharmlosen die Barbarei des Faschismus sogar wieder. Alle aber sind sich einig, die Schuld an dem ganzen Elend hat der Verbrecher Hitler. Manche schreiben sogar, Hitler sei ein Irrer gewesen, der bei Wutanfällen in den Teppich gebissen habe. Das alles sind Geschichten, die von den wirklichen Schuldigen an Faschismus und Krieg ablenken sollen.

Denn hinter Hitler stand niemand Anderes als die ganze deutsche Kapitalistenklasse, die damals tief in der Krise steckte. Ein Millionenheer von Arbeitslosen, zügellose Inflation, ständige Verelendung der Arbeiterklasse. Die Kapitalistenklasse hatte Sorge um ihre Macht, denn die KPD war stark, und das Proletariat erhob sich unter ihrer Führung zum Ansturm auf die Bastionen des Kapitals. Um ihrer endgültigen Niederlage zuvorzukommen, errichtete sie die offene faschistische Diktatur über das deutsche Volk.

Am 30. Januar 1933 hatten sie es geschafft. In ihrem Auftrag richteten sich die ersten Maßnahmen Hitlers gegen die deutsche Arbeiterbewegung; Verbot und Verfolgung der KPD, Zerschlagung der Gewerkschaften. Die Vertreter der Deutschen Bank saßen in den Kanzleien und Ministerien. Sie haben den Krieg vorbereitet, weil der Krieg ihr größtes Geschäft ist. An der Aufrüstung haben sie sich dumm und dämlich verdient. Sie haben die Pläne ausgearbeitet für die Aufteilung der wichtigsten Industriebetriebe und Bodenschätze der besetzten Länder an die führenden deutschen Konzerne.

Sie wollten den Krieg, weil sie das Öl von Baku und Tiflis, weil sie die Kohle von Elsaß-Lothringen - weil sie die Weltherrschaft wollten.

Sicher, Hitler war ein Verbrecher, aber seine Auftraggeber und Hintermänner, die Krupp, Thyssen und Co. noch viel mehr. Ihr Gott ist der Profit. Für ihn gehen sie über Berge von Leichen. Was interessiert diese Herren denn der Tod von 60 Millionen Arbeitern und einfachen Soldaten, Frauen und Kindern ? Sie sitzen in sicheren Bunkern im Hinterland. Was ist für sie ein Arbeiterleben gegen 200 oder 300 % Profit?

Alles längst vergessen ?

Nun mal langsam. Klar, das ist alles 30 Jahre her, und der "wahnsinnige" Hitler hat sich durch Selbstmord der Verantwortung entzogen, aber Leute von der Sorte Hitlers und ihre Hintermänner, die leben noch.

Wer hat denn heute hier das Sagen ? Genau wie damals - die Kapitalisten, die Bankmagnaten und Konzernchefs. Die Amis haben dieses Pack doch nach dem Krieg völlig ungeschoren gelassen - ja sogar wieder in hohe und höchste Posten gehievt. Diese Herren träumen auch heute noch von einem "Platz an der Sonne". Aber der westdeutsche Imperialismus ist heute nicht mehr die Großmacht von vor 1939.

Heute sind andere Mächte in die Fußstapfen Hitlers getreten: die beiden imperialistischen Supermächte USA und Sowjetunion.

Da ist kein Unterschied zwischen der Politik von Rockefeller und Ford und der Hitlers. Napalm haben sie auf das um seine Freiheit und Unabhängigkeit kämpfende vietnamesische Volk geworfen. Die "Tigerkäfige" von Vietnam waren das Gleiche wie die deutschen KZ's. Überall auf der Welt haben die US-Imperialisten ihre Truppen und Flotten stationiert. In vielen Ländern haben sie - durch CIA-Putsche - abhängige, faschistische Regimes errichtet.

Der Hitler von heute heißt Breschnew

Genauso gefährlich für den Weltfrieden ist heute die andere Supermacht, die Sowjetunion. Seit nach dem Tode Stalins die Chruschtschow-Clique die Macht an sich gerissen hat, ist aus dem ersten sozialistischen Staat ein faschistischer Staat geworden. Eine neue Kapitalistenklasse aus Parteibonzen, Betriebsdirektoren, Bürokraten, presst das sowjetische Volk bis aufs Blut aus.

Worin unterscheiden sich diese Herren mit ihren Datschen am Schwarzen Meer denn von den Finanzhaien? Ihre Söhne leben nicht schlechter als Gunter Sachs und Konsorten.

Ihre Methoden des Terrors gegen das Volk haben sie von Hitler abgeguckt. Sie sperren ihre Gegner in KZ's und Irrenhäuser, und das nicht nur im eigenen Land, sondern überall, wo sie ihren Militärstiefel hingesetzt haben.

Als die Rote Armee der damals sozialistischen Sowjetunion 1945 in Prag, Warschau und Budapest einmarschierte, da wurde sie von den Völkern als Befreier bejubelt. Ganz anders heute: Wenn du Verwandte in der DDR hast oder im Urlaub in der CSSR warst, dann weißt du, dass die sowjetische Armee heute vom polnischen, vom tschechischen und vom deutschen Volk in der DDR gehasst wird - gehasst wie die Hitlerwehrmacht, als sie über die Völker Osteuropas herfiel. Das ist auch kein Wunder, denn Breschnew steht dort mit seinen russischen Truppen als Besatzer und hat diese Länder zu Halbkolonien versklavt.

Will er einen neuen Weltkrieg vom Zaun brechen?

Viele wollen das nicht so recht glauben. Ist das nicht westliche Hetze und Panikmache? Immerhin liegen 36 Jahre zwischen heute und dem letzten Weltkrieg. Selbst die letzten Bunker werden abgerissen.

Und wir wissen doch alle, dass unser Volk wie alle Völker nichts sehnlicher wünscht als den Frieden. Von den Älteren haben wir's oft genug gehört: "Nur das nicht mehr!", und uns reicht's vom Hörensagen.

Die Regierungen tun so, als wollten sie das Gleiche, und überall hört man, dass alles getan wird, um einen neuen Weltkrieg zu verhindern oder dass er ganz unmöglich ist. Die Einen sagen: Die haben doch voreinander Angst, das Gleichgewicht des Schreckens hält doch heute jeden davon ab, einen Krieg anzuzetteln. Andere sagen: Es hätte ja sowieso keiner was davon, denn die Atombombe würde alles dem Erdboden gleichmachen.

Eine Konferenz jagt die andere: Friedenskonferenzen, Abrüstungskonferenzen, Schlichtungsreisen von Kissinger und Gromyko und schließlich Verträge. Zum Beispiel die Ostverträge, wo von Aussöhnung die Rede ist, wofür Brandt sogar den "Friedensnobelpreis" bekommen hat. Und bei all diesem Friedensrummel die Herren aus Moskau immer an vorderster Front.

In Wirklichkeit aber reden diese Herren desto mehr von Frieden, je mehr sie auf den Krieg lossteuern.

 

Wer ist denn Herr Breschnew ?

Er ist der Vertreter der sowjetischen Sozialimperialisten. Und die sind wie alle Imperialisten. Ihr einziges Streben ist Höchstprofit. Im eigenen Land stecken sie in der Krise und haben nichts Anderes im Auge als neue Märkte, Rohstoffe, Kapitalanlageplätze in anderen Ländern. Und schließlich ist Weltherrschaft ihr ersehntes Ziel. Aber sie stehen dabei vor dem Problem, dass die Welt aufgeteilt ist. Was sie an sich reißen wollen, müssen sie einem Anderen wegreißen. Ihre größten Rivalen sind dabei die USA-Imperialisten, die dasselbe wollen. Ob sie wollen oder nicht, dieses Rivalisieren muss zum Krieg führen. Lenin drückte das so aus: Imperialismus bedeutet Krieg !

Und wir ?

- Sind wir dem allem hilflos ausgeliefert?

- Nein, auf uns kommt es mit an, ob das Kriegführen ewig weitergeht oder ob die Völker auf der Welt endlich freundschaftlich zusammenleben können. Heute kommt es darauf an, dass alle Völker zusammen helfen, um v.a. den beiden Supermächten die Waffen aus den Händen zu schlagen. Endgültig wird der Krieg erst ausgerottet sein, wenn alle Imperialisten durch die Revolution der Völker gestürzt sind, auch die westdeutschen Imperialisten. Das ist unser Kampf und Ziel. Aber wo stehen heutet unsere Feinde?

EUROPA IN GEFAHR !

Den sowjetischen Sozialimperialisten reichen die Länder, die sie unter ihrer Knute haben noch nicht. Wie wahnsinnig rüsten sie auf, um ihren Hauptrivalen, die USA zu übertreffen.

Hier in Europa, hier in Deutschland, wo sie sich waffenstarrend gegenüber stehen, soll ihr Schlachtfeld sein. 3. Millionen Mann haben die russischen Imperialisten in der westlichen Sowjetunion und den Ländern Osteuropas zusammengezogen. Im letzten Jahr wurden 2 neue Divisionen in die CSSR und DDR verlegt. Auf dem Boden der DDR, mit Unterstützung des Lakaien Honecker, halten sie jährlich große Manöver ab, in denen sie Panzerangriffe in der norddeutschen Tiefebene proben. Bis hinein in die Lübecker Bucht haben die sowjetischen Sozialimperialisten ihre Flotte geschickt - eine offene Drohung gegen die Völker Westeuropas.

Westeuropa wäre für die sowjetischen Sozialimperialisten ein gefundenes Fressen: modernste Industrie, ausgebaute Verkehrswege und eine gut ausgebildete Arbeiterklasse. Diesen Bissen wollen sich die USA nicht so einfach wegschnappen lassen. Sie verstärken ihrerseits ihre Besatzertruppen, 2 neue Brigaden werden gerade zusätzlich in die norddeutsche Tiefebene verlegt.

So wird durch den Kampf der beiden Supermächte gerade um Westeuropa die Gefahr eines neuen imperialistischen Weltkriegs immer größer.

Und machen wir uns nichts vor! Wenn die Russen hier einmarschieren, stellen sie jeden Revolutionär, jeden Kommunisten, jeden klassenbewussten und patriotischen Arbeiter an die Wand. An Grausamkeit stehen sie Hitler in Nichts nach. Das haben sie in Polen bewiesen:

Alle Streikführer des großen Hafenarbeiterstreiks 1970 in Gdansk und Szeccin wurden meuchlings ermordet.

 

Ihre Helfershelfer sind die "S"DAJ und D"K"P - Revisionisten

Und für diese Hitlers von heute macht die "S"DAJ Werbung und bejubelt sie als Bollwerk und Garant des Weltfriedens. Sie nutzen dabei unseren Hass auf den Krieg aus und behaupten, auf der Welt sei heute die Entspannung, die friedliche Entwicklung die Hauptsache. Deswegen müssten alle Völker abrüsten. Bildung statt Rüstung - Schulen statt Panzer - ein Starfigjhter gleich zwei Krankenhäuser - so rechnen sie uns hinterhältig vor !

Abgesehen mal davon, dass es im Kapitalismus keine Bildung für uns gibt, was heißt denn Bildung statt Rüstung im Ernstfall? Während sie unserem Volk diese Vorschläge machen, rüsten die Sozialimperialisten ununterbrochen weiter auf und bereiten ihren Einmarsch vor. Wir sollen also ohne Waffen in der Hand dastehen, wenn diese russischen Faschisten unser Land überfallen, unser Volk versklaven. Das Abrüstungsgeschrei der "S"DAJ bei uns dient doch nichts Anderem, als unser Land sturmreif zu machen, unsere Wachsamkeit gegenüber dieser aggressiven Supermacht einzuschläfern.

 

Können wir gegen die doch nichts ausrichten ?

Schaut euch doch mal Westdeutschland an. Ist unser Land auf einen Angriff der einen oder anderen Supermacht, auf einen Krieg auf unserem Boden vorbereitet? Tun unsere Herren etwas gegen die wachsende Kriegsgefahr? Ja, sie bauen sich Bunker in der Eiffel - das Volk aber in den Städten und auf dem Land ist völlig schutzlos, wenn es losgehen sollte. Sie kaufen zwar Starfighter und MRCA. Mal abgesehen davon, dass die Dinger dauernd runterkommen, kann man damit unser Land verteidigen? Niemals! Das sind strategische Angriffswaffen. Sie zeigen, dass die westdeutschen Imperialisten unser Land gar nicht verteidigen wollen. Sie hoffen, sich mit ihrer Bundeswehr und Liebedienerei bei der einen oder anderen Supermacht einen kleinen Anteil an der möglichen Beute zu sichern. Sie werden sich notfalls lieber mit der Rolle eines Statthalters von Moskaus Gnaden in Deutschland zufrieden geben als zur Verteidigung unseres Landes das Volk zu bewaffnen, weil sie vor uns viel zu viel Angst haben, weil sie Angst haben, dass wir dann die Waffen in der Revolution gegen sie erheben.

 

Wir haben keine Angst

Wir sind kein Volk von Stiefelleckern. Wir werden unser Vaterland verteidigen. Statt Starfighter, Maschinengewehre für das Volk. Das brauchen wir. Sie werden sie uns natürlich nicht geben, aber wir werden sie uns holen. So, wie die Völker Europas nach 6 Jahren dem Hitlerfaschismus den Garaus gemacht haben, indem sie zu den Waffen griffen und gegen die faschistischen Besatzer den Volkskrieg führten, so werden wir die sowjetischen Besatzer vertreiben und mit denselben Waffen dann unsere kapitalistischen Unterdrücker zum Teufel jagen.

Schon heute wird den Besatzern in Deutschland der Boden unter den Füßen heiß. Das NATO-Hauptquartier in Heidelberg wurde in die Luft gejagt. Als der Vertreter der sowjetischen Sozialimperialisten, Herr Breschnew, sich nach Deutschland traute, musste er von einem riesigen Polizeiaufgebot geschützt werden. Während die D"K"P und "S"DAJ ihn Fähnchen schwingend begrüßte, verhinderten wir durch Demonstrationen, durch unseren Kampf, dass der Oberzar aus dem Kreml nach Dortmund kam. In Nordhorn Range kämpfte die Bevölkerung mit Straßensperren, Besetzungen und Molotow-Cocktails gegen den NATO-Bombenabwurfplatz.

 

D"K"P und "S"DAJ

- in Worten kommunistisch, in der Tat faschistisch

In "Elan", der Zeitung der "S"DAJ, wird zum 30. Jahrestag der Befreiung vom Hitlerfaschismus zu einer Kundgebung in Frankfurt aufgerufen unter der Hauptlosung: "Für die Fortführung der Politik der Entspannung und Friedenssicherung".

Was die "S"DAJ damit meint, hat ihre Mutterpartei, die "SEW" in Westberlin, mal wieder deutlich gezeigt. Unter frecher Berufung auf die Rote Armee, die Hitler geschlagen hat, haben sie die heutigen "Oberentspanner", zwei sowjetische Generäle, in ihr "SEW"-Büro eingeladen. Mit D"K"P-Friedensgedudel umgeben, wollen sie, dass die heutigen Hitlers und ihre Generäle von der Bevölkerung freundlich empfangen werden und später ohne Widerstand einmarschieren können. Aber die KPD/ML, die Rote Garde und die Bevölkerung haben den "S"EW-Revisionisten und ihren Generalsbrüdern einen Strich durch die Rechnung gemacht. Jeder konnte an der Mauer beim "S"EW-Büro lesen:

"Sowjetische Generäle - Raus aus Westberlin!"

Flugblätter wurden verteilt und die Genossen bildeten eine Kette vor dem Eingang des Büros. Die "S"EW-ler holten natürlich gleich die Polizei. Aber selbst als sie noch drei weitere Mannschaftswagen zur Hilfe riefen, die mit Knüppeln gegen unsere Genossen vorgingen, nutzte das nichts. Dann holten die "S"EW-ler und Polizei GEMEINSAM die alliierte Militärpolizei der französischen Besatzer zur Hilfe, unter deren Schutz dann, Stunden später als vorgesehen, die Generäle ins Büro "einmarschieren" konnten.

Unsere Genossen zogen sich geordnet in die Reihen der Bevölkerung zurück, die empört war über das wahre faschistische Gesicht dieser "Friedensengel" unter ihrem kommunistischen Deckmäntelchen.

 

 

 

TOD DEM SOZIAL-FASCHISMUS !