Der "Rote Morgen", wir, die KPD/ML, stehen und kämpfen, was immer auch kommen mag, unverbrüchlich an der Seite unserer albanischen Bruderpartei, der prinzipienfesten Stoßbrigade der Weltrevolution!" (Ernst Aust)


 

 

"Hast du deine Waffe schon erkannt ?"

Ernst Aust

 

Rede zum 10 jährigen Bestehen des

"ROTEN MORGEN"

11. Juni 1977 - DORTMUND

 

 

Anmerkung der Redaktion:

In dieser Rede aus dem Jahre 1977 wurde von uns noch der Maoismus verteidigt.

Wie in allen Dokumenten bis zum Jahr 1978, haben wir unsere Leser stets darauf aufmerksam gemacht, dass sich Genosse Ernst Aust und unsere Partei erst zehn Jahre nach der Gründung der KPD/ML vom Einfluss des Maoismus befreit hatten, vor Allem dank der PAA mit Genossen Enver Hoxha an der Spitze.

 

Freunde, Kollegen, Genossen !

Wir begehen, oder besser feiern, heute das zehnjährige Bestehen des "Roten Morgen". Aus diesem Anlass sage ich im Namen des Zentralkomitees allen Mitarbeitern des "Roten Morgen", seinen Redakteuren, seinen Setzern, seinen Lay-outern, den Genossen im Vertrieb und den vielen Genossen, die ihn verkaufen, die dafür sorgen, dass der "Rote Morgen" in die Hände der deutschen Arbeiterklasse gelangt, recht herzlichen Dank. Unser ganz besonderer Gruß gilt an dieser Stelle den Genossen der Sektion DDR der KPD/ML, die seit einem Jahr unter den schwierigen Bedingungen der sozialfaschistischen Diktatur ebenfalls efolgreich den "Roten Morgen" - Ausgabe DDR - verbreiten.

Genossen,

vor 10 Jahren haben wir in Hamburg zusammen gesessen und überlegt, welchen Namen wir der Zeitung geben sollten, die wir damals planten. Zunächst wurde erwogen, die Zeitung aus Traditionsgründen "Rote Fahne" zu nennen. Denn die "Rote Fahne", das war ja das ruhmreiche Zentralorgan unserer alten Partei, der revolutionären KPD Ernst Thälmanns. Da aber zu jener Zeit unsere österreichischen Genossen regelmäßig ihre "Rote Fahne" - monatlich, zeitweilig sogar wöchentlich - herausgaben und einen Großteil der Auflage nach Westdeutschland versandten, verzichteten wir, um keine Verwirrung zu stiften, auf diesen Namen. Ich schlug dann den Namen "Roter Morgen" vor. Warum ? Die Nacht des revisionistischen Verrats war durch die Gründung des "Roten Morgen" beendet. Ein neuer Tag in der ruhmreichen Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung brach an. Dieses historische Ereignis findet im Namen "Roter Morgen" seinen symbolischen Ausdruck.

Rückblickend gesehen, war es ganz gut, dass wir diese Entscheidung getroffen haben. Denn in der Folgezeit erlebten wir einen wahren Ausverkauf an "Roten Fahnen". Zeitweilig gab es hier in Westdeutschland außer der österreichischen "Roten Fahne" drei andere. Eine davon ist inzwischen eingegangen. Und die anderen flattern auch sehr müde, und manche sind leicht verblichen. Unser "Roter Mogen" hat seine Farbe seit damals nicht gewechselt, er ist nach wie vor strahlend rot!

Und Genossen, kommt es denn so sehr auf den Namen an ? Namen sind, wie man sagt, Schall und Rauch. Nehmen wir das Beispiel der Gruppe Rote Fahne, die sich "KPD" nennt. Man kann der GRF nicht verbieten, sich KPD zu nennen. Man kann auch einer bürgerliche Firma nicht den Namen verbieten. Aber der Name ist eben nicht das Entscheidende, es kommt auf den Inhalt an. Vertrauen wir auf die Massen ! Sie erkennen heute bereits und werden in Zukunft noch besser erkennen, was hinter dem Namen steckt und diejenigen, die für diesen opportunistischen Inhalt verantwortlich sind, zur Rechenschaft ziehen.

Zehn Jahre "Roter Morgen". - Was sind zehn Jahre in der Geschichte der Menschheit ? Zehn Jahre können kurz, aber auch sehr lang sein. Anlässlich des 10 jährigen Bestehens der "Prawda schrieb Lenin:

"Zehnjähriges Jubiläum einer in Russland erscheinenden bolschewistischen Tageszeitung ... Erst zehn Jahre sind seitdem vergangen! Dem Inhalt des Kampfes und der Bewegung nach aber kommt diese Zeit hundert Jahren gleich!"

Wir wissen, was in der Zeit von 1912 bis 1922 geschah: Der 1. imperialistische Weltkrieg brauch aus; die Parteien der II. Internationale erwiesen sich als Verräter; als Ergebnis der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution entstand der erste sozialistische Staat der Welt; es folgten Revolutionen in anderen Ländern; 1919 wurde die III. Internationale gegründet. "Zehn Tage, die die Welt erschütterten", ist der Titel eines Buches über jene Zeit. Tatsächlich können zehn Tage manchmal eine größere Bedeutung in der Geschichte der Menschheit erlangen als 100 Jahre.

 

Was geschah in den letzten 10 Jahren?

Genossen,

was geschah nun in den zehn Jahren von 1967-1977, auf die wir heute zurück blicken? Diese Zeit war außenpolitisch sehr bewegt, innenpolitisch relativ ruhig.

Das hervorragendste Ereignis dieser zehn Jahre war die Große Proletarische Kulturrevolution, die die kapitalistische Entartung in China verhinderte, revisionistische Machthaber wie Liu Schao-tschi und Deng Hsiao-ping stürzte. Ihr wisst, dass der Klassenkampf auch unter der Diktatur des Proletariats weiter geht. Mit dem Machtantritt der Arbeiterklasse ist die Bourgeoisie noch lange nicht besiegt und niedergeschlagen. Nicht nur, weil sie in einem großen Teil der Welt existiert. Die negativen Erfahrungen der damals sozialistischen Sowjetunion und anderer Länder haben gezeigt, wie groß die Gefahr der Entartung auf Grund der inneren Bedingungen ist.

Es ist notwendig, gegen Erscheinungen des Bürokratismus, gegen das Entstehen bürgerlicher Elemente in den Reihen der Partei zu kämpfen. Deshalb ist die Verteidigung der Diktatur des Proletariats in den sozialistischen Ländern eine vorrangige Aufgabe.

Bekanntlich hat die Sowjetunion in ihrer neuen Verfassung festgelegt, dass der sowjetische Staat ein "Staat des ganzen Volkes" sei. Die Revisionisten behaupten, dies sei eine "Weiterentwicklung" des Marxismus. Aber wir wissen, was wir davon zu halten haben. Es gab schon mehrere "Staaten des ganzen Volkes". Auch die Nazis nannten den Staat eine "Volksgemeinschaft". Im Westen spricht man davon, dass wir "alle in einem Boot sitzen". Dieser "Staat des ganzen Volkes" hat mit dem Sozialismus, hat mit den Lehren von Lenin, Stalin und Mao Tsetung nichts gemein. Es gibt heute Versuche, die Bedeutung der Kulturrevolution herabzumindern, ja es gibt sogar Versuche sie anzugreifen. Dagegen haben wir sie, von der ersten Nummer des "Roten Morgen" an, der eine Grußbotschaft an eben diese Große Proletarische Kulturrevolution enthielt, bis heute immer verteidigt und werden auch in Zukunft immer zu ihr stehen.

Es gab auch negative Ereignisse in diesen zehn Jahren. Zu ihnen zählt der Überfall der Sowjetunion auf die CSSR. Der "Rote Morgen" schrieb damals im September 1968:

"Natürlich befand sich die CSSR unter der Führung der Dubcek-Clique auf dem Weg des Revisionismus. Natürlich eilte sie ihrem sowjetischen Vorbild mit Riesenschritten voran ... Wer aber gab den Konterrevolutionären, den schamlosen Verrätern am Sozialismus im Kreml das Recht, die Konterrevolutionäre, die Verräter im Hradschin, Verräter und Konterrevolutionäre zu nennen? Wer gab den Herren in Moskau das Recht, mit Waffengewalt über das tschechische Volk herzufallen, um es auf den 'allein seligmachenden Weg des sowjetischen Revisionismus' zu zwingen?"

Eine solche Stellungnahme fand sich damals nur in einer Zeitung, und diese Zeitung war der "Rote Morgen". Er allein griff den Überfall auf die CSSR durch die russischen Sozialimperialisten an und entlarvte zugleich den Verrat der Dubcik-Clique.

Eine der bedeutendsten positiven Ereignisse in diesen zehn Jahren war der Sieg der indochinesischen Völker. Er bewies, dass ein kleines Volk, wenn es sich auf seine eigenen Kräfte stützt und im Volkskrieg ausharrt, auch den stärksten Gegner besiegen kann. Er war eine historische Schlappe für den US-Imperialismus.

Noch ein weiteres Ereignis in diesen zehn Jahren hat sehr große Bedeutung: die Verabschiedung der Verfassung der Sozialistischen Volksrepublik Albanien. Warum ? Weil sie heute die fortschrittlichste Verfassung der Welt ist. Lesen wir den Artikel 2. Dort heißt es:

"Die Sozialistische Volksrepublik Albanien ist ein Staat der Diktatur des Proletariats, der die Interessen der Werktätigen wahrnimmt und verteidigt."

Ihr wisst, wie die bürgerliche Presse gehetzt hat: Die nennen sich jetzt sogar Diktatur. Ja, Genossen, die Bourgeoisie ist natürlich zu feige, den Massen offen zu sagen, dass ihr Staat eine Diktatur ist, eine Diktatur des Kapitals nämlich. Der sozialistische Staat dagegen kann offen zu seinem Klassencharakter stehen. Und wir meinen, dass er auch offen und ehrlich in seine Verfassung hinein schreiben sollte, dass er die Diktatur des Proletariats ist, d.h., die Herrschaft des Proletariats im Bündnis mit den werktätigen Schichten.

Der "Rote Morgen" hat immer an der Seite Albaniens gestanden. Im März 1968 erschien ein Grundsatzartikel mit der Überschrift: "Albanien, Leuchtfeuer des Sozialismus in Europa". Dort schrieben wir, dass Albanien neben der Volksrepublik China die Stoßbrigade der Weltrevolution ist. Und wir zitieren Genossen Mao Tsetung, der in einer Adresse an den V. Parteitag der Partei der Arbeit Albaniens schrieb:

"Das heroische Volkalbanien ist ein großes sozialistisches leuchtendes Wahrzeichen Europas geworden. Mit euch verglichen sind die revisionistischen Führungscliquen der Sowjetunion, die jugoslawische Tito-Clique, Renegaten- und Arbeiterverräterklüngel aller Schattierungen nichts Anderes als ein Häuflein Löss. Ihr dagegen seid bis zum Himmel emporragende Berge."

Daran hat sich bis heute nichts geändert. Der "Rote Morgen", wir, die KPD/ML, stehen und kämpfen, was immer auch kommen mag, unverbrüchlich an der Seite unserer albanischen Bruderpartei, der prinzipienfesten Stoßbrigade der Weltrevolution! Lasst doch die Astrologen der Bourgeoisie spekulieren! Früher nannten sie uns "China-hörig", heute "Albanien-hörig". Weder das Eine, noch das Andere stimmt. Wir sind weder "China-hörig noch "Albanien-hörig". Wir sind allein dem Marxismus-Leninismus hörig! Und das sind wir gern und werden es auch bleiben!

Wie sah es innenpolitisch in den letzten zehn Jahren aus ?

Mit der Krise 1966/67 erlebten wir das sichtbare Ende des so genannten "Wirtschaftswunders". Damit wurden aber auch Illusionen über die angeblich bestehende "Sozialpartnerschaft" in ihren Grundfesten erschüttert. Bekanntlich sagten und sagen die Kapitalisten: "Wir sitzen alle in einem Boot". Stimmt. Aber während wir am Ruder sitzen und schwer arbeiten müssen, sitzen die Kapitalisten am Steuer und profitieren von unserer Arbeit!

Im Mai 1968 wurden dann die Notstandsgesetze verabschiedet. Damals schrieb der "Rote Morgen":

"Unter dem Vorwand des 'Staatsnotstands' ist die herrschende Clique jetzt jeder Zeit in der Lage, die Rede- und Versammlungsfreiheit, die Freizügigkeit einzuschränken und Bundeswehr gegen streikende Arbeiter aufmarschieren zu lassen: kurz, wie das Hitlerregime, zur offenen, faschistischen Terrorherrschaft überzugehen."

Gleichzeitig betonten wir, dass man die Notstandsgesetze weder unter- noch überschätzen darf:

"Ob die Monopolbourgeoisie die Bundeswehr mit oder ohne Rechtsgrundlage auf streikende Arbeiter schießen lässt, kommt schließlich auf Dasselbe heraus."

Im Herbst 1968 traten die modernen Revisionisten mit der neuen revisionistischen Partei, der D"K"P, auf den Plan. Ohne ihre Mitglieder zu fragen, zogen sie diese Neugründung schnell über die Bühne, Und zwar, nachdem sie im Innenministerium mit Heinemann abgesprochen hatten. Sie haben damit genau wie ihre Vorgänger, die Verräter der II. Internationale "für das Linsengericht der nach den heutigen Polizeigesetzen erlaubten Organisationen ... das Recht des Proletariats auf Revolution verkauft." (Lenin)

Unsere Antwort stand schon lange fest und folgte prompt. Ein Vierteljahr später, zur Jahreswende 1968/69, erfolgte die Gründung unserer Partei, der Kommunistischen Parti Deutschlands/Marxisten-Leninisten. Als Marxisten-Leninisten fragten wir natürlich vorher nicht die Bourgeoisie um Erlaubnis. Dagegen schrieben wir klipp und klar in der ersten Nummer des "Roten Morgen" als Zentralorgan der KPD/ML, in der Januar-Nummer 1969:

"Die KPD/ML weiß, dass die herrschende Klasse ihre Machtpositionen nicht widerstandslos räumt. Sie zu zerbrechen kann nicht über das Parlament geschehen, sondern nur durch den revolutionären Akt der Zerschlagung des bürgerlichen Staatsapparates und die Errichtung der proletarischen Diktatur."

Das sagte damals einzig und allein die KPD/ML, das schrieb allein der "Rote Morgen", ihr Zentralorgan.

Im August 1970 wurde dann der Moskauer Vertrag abgeschlossen. In der Folge der Warschauer Vertrag, der Vertrag mit Ostberlin usw. Es war die Periode der "neuen Ostpolitik", in der der westdeutsche Imperialismus, politisch durch den sowjetischen Sozialimperialismus aufgewertet, im Windschatten der beiden Supermächte einerseits mit ihnen bzw. einer von ihnen kollaborierte, andererseits mit ihnen rivalisierte. Es war die Zeit, in der der westdeutsche Imperialismus zunehmend seinen Einfluss als selbständige politische Macht vergrößerte, in der er die Vorherrschaft in der EG anzustreben und weiter auszubauen begann. Andererseits hatte natürlich diese "neue Ostpolitik" große Bedeutung für die Verstärkung des Einflusses der russischen Sozialimperialisten auf Westeuropa.

Von Ende des Jahres 1974 bis heute erleben wir eine Wirtschaftskrise mit großen Arbeitslosenzahlen. Wir haben damals schon im "Roten Morgen" geschrieben, dass die Zahl von 1 Millionen Arbeitslosen nicht sinken wird. Und auch in Zukunft werden diese Zahlen im Durchschnitt nicht niedriger werden. Im Gegenteil.

Wie sah es in diesen zehn Jahren in der DDR aus ?

1971 trat Ulbricht zurück, bzw. wurde zurückgetreten. Nicht, weil er etwa kein Revisionist war, er war ein Erzrevisionist, sondern weil Breschnew einen konzilianteren Lakaien brauchte. Deshalb holte man Honecker. Und dieser Verräter, der sich "Kommunist" nennt, schloss dann im Oktober 1975 den so genannten "Freundschaftsvertrag" mit Moskau ab, der nichts Anderes ist als ein Kolonialvertrag, in dem die Herren in Pankow wie auch in der neuen Verfassung ihren Verrat an der deutschen Nation schwarz auf weiß besiegelten.

Die Gründung der Sektion DDR der KPD/ML zur Jahreswnde 1975/1976 ist der entscheidende Schritt gewesen, damit eines Tages in der DDR das sozialfaschistische Regime gestürzt und die Diktatur des Proletariats wieder errichtet wird.

 

Pressefreiheit im Kapitalismus ?

Genossen,

wenn wir heute über das zehnjährige Bestehen des "Roten Morgen" sprechen, dann müssen wir uns in diesem Zusammenhang auch kurz mit der Pressefreiheit beschäftigen. Was hat es damit auf sich?

Jede bürgerliche Verfassung, die auf sich hält, hat einen entsprechenden Paragraphen. So auch das Grundgesetz, in dem es im Artikel 5, Absatz 1 heißt:

"Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten . Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt."

"Jeder hat das Recht..." Sicher. Jeder hat auch das Recht, Millionär zu werden, aber hat er auch die Möglichkeit dazu? Wer hat denn das Geld, die Millionen, die man braucht, um eine Tageszeitung, eine Illustrierte zu gründen ? Oder gar einen Fernseh- oder Rundfunksender zu betreiben? Habt Ihr die Millionen?

Wir Arbeiter haben sie nicht. Auch heute gilt, was Lenin vor Jahrzehnten sagte:

"Die jetzige Versammlungs- und Pressefreiheit in der 'demokratischen' (bürgerlich-demokratischen) deutschen Republik ist Lug und Trug, denn in Wirklichkeit bedeutet sie die Freiheit für die Reichen, die Presse zu kaufen und zu korrumpieren, die Freiheit für die Reichen, das Volk mit dem Fusel der bürgerlichen Zeitungslüge betrunken zu machen ..."

Oder:

"Die 'Pressefreiheit' der bürgerlichen Gesellschaft besteht in der Freiheit für die Reichen, systematisch und unentwegt, täglich in Millionen von Zeitungsexemplaren die ausgebeuteten und unterdrückten Volksmassen, die Armen zu betrügen, zu demoralisieren und zum Narren zu halten."

Oder:

"Pressefreiheit bedeutet in der ganzen Welt, wo es Kapitalisten gibt, die Freiheit, Zeitungen zu kaufen, die 'öffentliche Meinung' im Interesse der Bourgeoisie zu bestechen, zu kaufen und zu fabrizieren."

Heute ist diese Macht des Finanzkapitals noch mehr ausgeweitet. Einmal durch die Existenz von Rundfunk und Fernsehen, wo der kapitalistische Staat das "Meinungsmonopol" in Händen hält, zum Anderen durch die ungeheure Konzentration im Pressewesen - Springer, Bauer, Pabel, Bertelsmann usw. - und die Verquickung der Pressekonzerne mit dem kapitalistischen Staatsapparat. Gerade jetzt konnte man in der Zeitung lesen, dass Axel Caesar Springer diese moderne und vornehmste hanseatische Julius Streicher-Ausgabe "in Anerkennung der um Staat und Volk erworbenen Verdienste" von Scheel das große Verdienstkreuz mit Stern und Schulterband bekommen hat.

Genossen,

in der Nazi-Zeit war die Presse völlig gleichgeschaltet. Mancher wird vielleicht sagen: Aber zwischen dem "Bayernkurier" und dem "Stern", da gibt's doch einen Unterschied. Sicher gibt es den - das Papier. Es gibt natürlich auch sonst Unterschiede - im Rahmen der bürgerlichen Ordnung. In diesem Rahmen lassen die Kapitalisten zeitweilig mehrere Blumen blühen. Aber nur Blumen auf ihrem Boden. Niemals solche "Blumen", die die Beseitigung der herrschenden Gesellschaftsordnung anstreben. Abgesehen davon ist es uns natürlich nicht gleichgültig, ob es fortschrittliche bürgerliche Journalisten gibt. Über solche Journalisten freuen wir uns. Wir sollten solche Journalisten nach einer relativ fortschrittlichen Sendung im Fernsehen oder Rundfunk auch beispielsweise durch einen Anruf bei den Rundfunk- und Fernsehanstalten unterstützen. Von dieser Seite lässt sich manchmal ein kleiner Druck ausüben. Aber man darf sich keinen Illusionen hingeben. Die Grenze ist da, wo es um den Bestand der kapitalistischen Ordnung geht. Es gibt keine objektive Presse. Es steht immer die Klassenfrage. Die bürgerliche Presse dient den Klasseninteressen der Bourgeoisie.

Manche bürgerliche Journalisten haben Illusionen über diesen Klassencharakter der Massenmedien. Als die Partei gegründet werden sollte, kam ein Journalist vom Zweiten Deutschen Fernsehen, vom ZDF-Magazin. Er hatte den Auftrag bekommen, eine Story über die KPD/ML zu drehen. Er machte das auch - in Zusammenarbeit mit uns. Nahm einen Stand auf, nahm die erste Betriebszeitung der Partei "Frischer Wind" auf usw. Abschließend versprach er, in der nächsten Sendung käme der Film. Aber er kam nicht. Er kam auch in der darauf folgenden Sendung nicht. Schließlich, in der dritten Woche, rief ich den Journalisten an. Er war sehr enttäuscht und sagte, er könne sich das gar nicht erklären. Ich habe es ihm dann erklärt. Positive Sendungen über die Partei gibt es grundsätzlich nicht. Die Partei erscheint dann, wenn man hofft, ihr eins auswischen zu können.

Weil das so ist, weil der Klassenfeind die Kommunisten grundsätzlich bekämpft, ist Vorsicht am Platze, wenn er sie lobt. Habt ihr in der "Welt" schon einmal eine Serie über Albanien gelesen, in der man die verbrecherischen Tätigkeiten der Pacrami-Balluku u.a. anprangern würde, die den Versuch unternahmen, die Diktatur des Proletariats zu stürzen ? Solche Serien werdet ihr dort nie finden, denn für Zeitungen des Finanzkapitals wie die "Welt" ist das sozialistische Albanien der Weltfeind Nr. 1, weil dort die Diktatur des Proletariats herrscht, weil dort erfolgreich der Sozialismus aufgebaut wird. Nun, uns hat Springer auch nie gelobt. "Aber beweist nicht", könnte man fragen, "die Existenz des 'Roten Morgen', die Existenz der kommunistischen Presse, dass Pressefreiheit im Kapitalismus doch existiert ?"

Dazu muss man zunächst einmal feststellen, dass die Auflage des "Roten Morgen", die gesamte Auflage unserer Betriebszeitungen und Flugblätter minimal sind, im Vergleich zur Millionenflut der bürgerlichen Meinungsmedien, mit denen die Menschen mittags, abends und nachts bearbeitet werden.

Dazu kommen die Verfolgungen, des "Roten Morgen", zig-tausende DM Geldstrafen, Gefängnisstrafen, Beschlagnahmungen usw. Jeder der als Redakteur im Impressum des "Roten Morgen" stand, wurde auch verurteilt. Erst ich, dann Genosse Gernot Schubert, Genosse Dieter Stoll, Genossin Karin Wagner und inzwischen auch die Genossin Renate Schneider. Und der Grund ? Weil wir - nach Ansicht der Klassenjustiz - das "erlaubte Maß an Kritik" überschritten haben. Wer setzt aber das Maß für diese "erlaubte" Kritik fest ? Die Bourgeoisie und ihre Gerichte.

Wir haben vorhin gehört, dass es im Grundgesetz heißt: "Eine Zensur findet nicht statt". Ein Hohn! Ihr wisst, in faschistischen Diktaturen gibt es eine Methode der Zensur, bei der der Zensor die Zeitungen vor ihrer Herausgabe zensiert und das schwärzt, was nicht erscheinen soll.

In der Bundesrepublik findet diese Zensur genauso statt, nur auf umgekehrte Weise: Man hat erst die "Freiheit" zu schreiben, was man will. Und kommt dann dafür ins Gefängnis, weil man sich etwa die "Freiheit" genommen hat zu schreiben, dass dieser Staat ein Ausbeuterstaat ist.

Das heißt: Pressefreiheit für die kommunistische, die revolutionäre Presse gibt es im Kapitalismus nicht und wird es auch nie geben. Aber das ist kein Grund zur Resignation. Genosse Mao Tsetung sagt:

"Wenn der Feind uns bekämpft, ist das gut und nicht schlecht. Wenn er uns in den schwärzesten Farben malt und gar nichts bei uns gelten lässt, so zeigt das nur, dass wir zwischen uns und dem Feind einen klaren Trennungsstrich gezogen haben."

Ihr wisst, dass der "Rote Morgen" die meist verfolgte Zeitung in der Bundesrepublik ist. In der DDR darf er sowieso nur illegal erscheinen. Revolutionäre, kommunistische Zeitungen wurden von der Bourgeoisie immer verfolgt. Wenn eine kommunistische Zeitung nie verfolgt wird, dann ist sie auch keine kommunistische Zeitung. Oder habt ihr schon gehört, das die "UZ", die Zeitung der D"K"P, oder "Elan", die Zeitung der SDAJ, in den letzten Jahren jemals beschlagnahmt oder verboten wurden?

Dagegen steht der "Rote Morgen" auch in dieser Beziehung in der Tradition der kommunistischen Presse in Deutschland. Die "Rote Fahne" wurde vor 1933 zig-mal verboten. Ab 1933 war sie völlig illegal. Nach 1945 ging die Verfolgung weiter. Zuerst gab es kein Papier für die kommunistischen Zeitungen, dann griff man wieder zum Verbot. Solche periodischen Verbote habe ich selbst als Mitarbeiter der "Hamburger Volkszeitung" noch erlebt.

 

Wie sah die kommunistische Presse hier in Westdeutschland vor dem Verbot der KPD 1956 aus ?

Es gab das Zentralorgan der Partei das "Freie Volk", das theoretische Organ "Wissen und Tat" und daneben viele lokale Zeitungen. Zum größten Teil waren diese Zeitungen Tageszeitungen. Sie alle wurden 1956 verboten. Nach dem Verbot erschien das "Freie Volk" zunächst kaum mehr, später unregelmäßig. Auch Betriebszeitungen stellten ihr Erscheinen erstmal ein. Erst langsam, auf Initiative der Genossen, entstanden wieder Betriebs- und Stadtteilzeitungen. Das heißt, die Partei war auf die Illegalität überhaupt nicht vorbereitet. Erst hatte man sich in der Illusion gewiegt, die Partei könne überhaupt nicht verboten werden. Man hatte ja auch bereits Korrekturen am Programm von 1952, dem letzten revolutionären Programm der KPD, vorgenommen und glaubte, nun könne nichts mehr passieren. Als dann das Verbot doch kam, fiel man in Panik, meinte, es käme jetzt eine Zeit wie nach 1933 und wollte alles aufgeben.

Auch das "Blinkfüer". "Blinkfüer" war damals eine Zeitung der Nationalen Front, deren Untertitel lautete: "Norichten för de Küst" - (Nachrichten für die Küste). Mehr nicht. Aber kurz nach dem Verbot kamen Genossen der Partei zu mir und sagten: "Hör mal zu, jetzt müssen wir das 'Blinkfüer' einstellen." Ich sagte: "Ihr spinnt, warum sollen wir das 'Blinkfüer' einstellen?" Und drei Tage nach dem Verbot erschien das "Blinkfüer" dann mit einem Leitartikel "Die Ratten", in dem die Adenauerregierung wegen des KPD-Verbots angegriffen wurde. Die Fischer, für die diese Zeitung erschien, freuten sich und sagten: "Mensch, ihr seid ja noch da."

Man muss also auch unter illegalen Bedingungen um jeden Fußbreit Legalität kämpfen. Natürlich mussten wir in den legal erscheinenden Zeitungen, wie Lenin es einmal nannte, die "Sklavensprache" sprechen. Auch das schützte uns zwar nicht davor, wegen Verstoßes gegen das KPD-Verbot vor Gericht gezerrt zu werden, aber es war eine Möglichkeit, legal die Arbeiter zu erreichen. Dabei ist allerdings eines zu beachten: So notwendig diese legalen Zeitungen sind, so darf eine marxistisch-leninistische Partei doch niemals auf ihr Zentralorgan verzichten. Wenn wir den "Roten Morgen" nicht mehr legal herausgeben können, dann geben wir ihn illegal heraus. Aber - legal oder illegal - wir werden niemals darauf verzichten, die Massen im Geist der gewaltsamen Revolution zu erziehen.

 

Es gab keine marxistisch-leninistische Partei mehr

Was aber tun, wenn das illegale Zentralorgan zwar existiert, aber freiwillig auf die Erziehung der Massen zur Revolution verzichtet, wenn es revisionistisch entartet? Denn die revisionistische Entartung der KPD drückte sich natürlich auch in ihren Organen aus. Im "Freien Volk" vom Oktober 1966 hieß es:

"Stabilität der Wirtschaft und des Geldes kann es nur geben, wenn die Ausgabenflut für die Rüstung, für Notstandsgesetze und den Krieg in Vietnam gestoppt und das Volksvermögen nicht weiter verschleudert wird."

Wer hätte das gedacht? Stabilität im Kapitalismus kann es nur geben, wenn man nicht so viel Geld für Kanonen ausgibt und das Volksvermögen nicht verschleudert. Armer Marx, armer Lenin, kann man da nur sagen. Wozu habt ihr eigentlich geschrieben ? Die Kommunisten waren immer der Meinung, dass es im Kapitalismus keine Stabilität der Wirtschaft geben kann, dass die Krise zum Kapitalismus gehört wie der Deckel zum Topf. Die Monopolherren brauchen nur die Revisionisten ranzulassen, die zeigen ihnen, wie man das kapitalistische Gesellschaftssystem rettet ! Und so etwas im Zentralorgan der Partei ! In der gleichen Ausgabe des "Freien Volk" heißt es zur Wahl in Hessen:

"Mit dem Aufruf an unsere Genossen und Freunde, diesmal die Liste der SPD zu wählen, ist es allein nicht getan . Nur mit einem klaren Alternativprogramm zur diskreditierten und verfahrenen CDU-Politik wird die Bevölkerung zu einer richtigen Entscheidung geführt. Hoffnungsvolle Ansätze einer solchen Alternative enthalten zahlreiche Anträge ... sowie auch Beschlüsse des Parteitags der SPD Hessen Süd".

Was muss das für eine SPD gewesen sein ! Bereits 1957 hatte die Partei aufgerufen, SPD zu wählen, die gleiche SPD, die dann 1968 in der Großen Koalition die Notstandsgesetze durchpeitschte. Vielleicht waren das die fortschrittlichen Anträge, die hoffnungvollen Beschlüsse !

Oder nehmen wir das "Freie Volk" vom August 1966, eine Sonderausgabe zum zehnjährigen Parteiverbot. Dort ist die Rede von Herrn Reimann zu lesen, die er auf der 8. ZK-Tagung gehalten hat. In dieser Rede heißt es wörtlich:

"3. Die Zeit ist gekommen, da Sozialdemokraten, Kommunisten und Gewerkschaftler sich zusammenfinden und beraten, wie den Auswirkungen der Alleinherrschaft der Monopole und der verfehlten Wirtschaftspolitik der Erhard-Regierung entgegengetreten werden kann. Die Arbeiterklasse muss den Monopolen und der Regierung eine eigene Wirtschaftspolitik entgegen setzen, Vollbeschäftigung, Währungsstabilität zu sichern, die Aufgaben der technischen Revolution zu meistern, das erfordert, die Alleinherrschaft der Monopole einzuschränken und den Gewerkschaften jede Unterstützung zu gewähren in ihrem Kampf um die Erweiterung des Mitbestimmungsrechts."

So viele Sätze, so viele Lügen. Wie setzt die Arbeiterklasse den Monopolen und ihrer Regierung eine eigene Wirtschaftspolitik entgegen ohne sie zu stürzen ? Wie sichert man Vollbeschäftigung und Währungsstabilität ohne den Kapitalismus zu Grabe zu tragen ? Und was soll das denn heißen, wenn die KPD fordert: die Einschränkung der Alleinherrschaft der Monopole. Lasst uns mittels der Mitbestimmung ran an die Futterkrippen des Kapitals. Wir wollen auch unseren Teil. Das hieß es praktisch. Diese Partei war vollkommen entartet.

Es gab einmal Leute, die sagten, die SPD ist heute die beste CDU, die es je gab. In der Tat unterscheiden sich diese Parteien grundsätzlich nicht mehr. Aber wenn das richtig ist, dann ist es auch richtig zu sagen: Die KPD (bzw. heute die D"K"P) ist heute die beste SPD, die es je gab. Sie spricht zwar manchmal noch von Sozialismus. Aber wie stellt sie sich den Sozialismus vor ? Im Programmentwurf der KPD von 1968 heißt es dazu:

"In einer sozialistischen Ordnung der Bundesrepublik wird das Parlament zu einem wirklichen Organ des Volkswillens werden, das auf dem Mehrparteiensystem beruht ... Eine parlamentarische Minderheit, die die Verfassung und die vom Parlament beschlossenen Gesetze einhält, wird ihre Rechte wahrnehmen können."

Genossen, eine solche Haltung zum Sozialismus ist Verrat, ist die praktische Aufgabe der Diktatur des Proletariats, läuft auf die Propagierung des "Staats des ganzen Volkes" hinaus.

Das war die Situation in der Bundesrepublik damals. Es gab keine marxistisch-leninistische Partei mehr.

 

Was tun ?

Was tun? Die Differenzen in der kommunistischen Weltbewegung waren damals in der Partei weitgehend unbekannt. Erst am 15. 2. 1963 erschien die erste Peking-Rundschau in deutscher Sprache. In dieser Ausgabe war eine Rede des Genossen Wu Hsiu-tschuan abgedruckt, die er auf dem VI. SED-Parteitag gehalten hatte. Auf diesem Parteitag war es zu Provokationen gegen die KP Chinas gekommen, von denen wir gerüchteweise über die Delegation der KPD auf diesem Parteitag erfuhren. Auf diesem Parteitag hatte der chinesische Genosse unter Anderem gesagt:

"Wir sind erstaunt, über des Genossen Ulbrichts Standpunkt ... Genossen, es ist heute für uns Kommunisten notwendiger denn je, dafür Sorge zu tragen, die Einheit des sozialistischen Lagers und der kommunistischen Weltbewegung zu wahren und zu stärken. Im vereinten Kampf gegen den Feind liegt das höchste Interesse der Kommunisten und der Völker aller Länder ... Die Moskauer Deklaration und Erklärung sind das gemeinsame Programm der kommunistischen und Arbeiterparteien aller Länder in ihrem vereinten Kampf gegen den Feind ... Die KP Chinas ist bereit, zusammen mit allen marxistisch-leninistischen Parteien im Interesse der internationalen kommunistischen Bewegung und des gemeinsamen Kampfes gegen den Feind weiterhin unablässige Anstrengungen zu unternehmen, um die Meinungsverschiedenheiten zu beseitigen und die Einheit zu stärken ..."

Genossen, das war die Haltung der KP Chinas noch 1963, Erst als klar war, dass diese Parteien unwiderruflich entartet waren, vollzog sie den notwendigen Bruch. Man darf mit der Einheit der marxistisch-leninistischen Weltbewegung nicht leichtfertig umgehen. Man muss um diese Einheit kämpfen.

Die Generallinie, für die damals die KP Chinas kämpfte, ist nach wie vor eine verbindliche Grundlage für alle Marxisten-Leninisten: die Gültigkeit des Prinzips der gewaltsamen Revolution, der Notwendigkeit der Diktatur des Proletariats, des schonungslosen Kampfes gegen den modernen Revisionismus. Wie gesagt, für die Einheit auf dieser Grundlage muss man kämpfen, muss man möglichst viele Genossen gewinnen.

Die KPD schwieg sich zu den Auseinandersetzungen zunächst aus, um in der Partei keine Unruhe aufkommen zu lassen. Die Illegalität kam ihr dabei zur Hilfe. Denn anders als in Italien oder Frankreich war in Westdeutschland keine öffentliche Diskussion in der Presse über diese Fragen möglich. Erst im Oktober 1966 mit Beginn der Großen Proletarischen Kulturrevolution in der VR China brach das "Freie Volk" sein Schweigen. Unter der Überschrift "Spalter" hieß es dort:

"Zu diesem Zeitpunkt erleben wir, wie die unheilvolle Spaltertätigkeit der Führung der KP Chinas zunimmt. Da hören wir, dass in China ein 'Kulturrevolution' inszeniert wird, die sich in kleinbürgerlichen Auswüchsen, in anarchistischer Bilderstürmerei ergeht..."

Und in einer Stellungnahme des Politbüros in der gleichen Ausgabe:

"In China hat eine neue Welle des Antisowjetismus begonnen ... Die Kommunistische Partei Deutschlands verurteilt die Ausfälle, die gegen die KPdSU, die Sowjetunion, aber auch gegen andere sozialistische Länder entfacht werden ... Die KPD war und ist stets bemüht, ihren Beitrag zur Einheit und Geschlossenheit der kommunistischen Weltbewegung zu leisten und hat daher auch auf die öffentliche Polemik gegen die Haltung der Führer der KP Chinas verzichtet. Unsere Partei wird auch weiterhin..." usw. usf. Das war die erste Stellungnahme der Führer der damaligen revisionistischen KPD.

Von uns dagegen wurde die Große Proletarische Kulturrevolution begrüßt. Sie trieb die marxistisch-leninistische Bewegung voran. Ende 1966 erschien in NRW die erste marxistisch-leninistische Zeitung, "Spartakus", in sechs Ausgaben. Diese Zeitung wurde damals von den österreichischen Genossen unterstützt.

Im Juli 1967 gab dann die Gruppe Hamburger Marxisten-Leninisten auf Initiative von mir die erste Nummer des "Roten Morgen" heraus. Die Überlegung dabei war, dass es nicht genügen würde, die revisionistische Entartung der Partei zu bekämpfen, die Prinzipien des Marxismus-Leninismus hochzuhalten und auf ihrer Basis die revolutionären Genossen zu gewinnen, also als kollektiver Propagandist und kollektiver Agitator tätig zu sein, sondern auch, ihn als kollektiven Organisator einzusetzen, als Organ zur Sammlung und Organisierung der bestehenden marxistisch-leninistischen Gruppen und Genossen.

 

Der erste „Rote Morgen" schlug ein wie eine Bombe.


Diese erste Ausgabe des „Roten Morgen“ schlug ein wie eine Bombe. Wir hatten damals gute Arbeit geleistet. Als meine Frau und ich aus der Redaktion und aus dem Verlag „Blinkfuer“ ausschieden, da waren wir natürlich nicht gegangen, ohne die ca. 5.000 Adressen mitzunehmen. Das haben uns die Revisionisten damals schwer übelgenommen
und „Unterschlagung“ genannt. Aber ich bin der Meinung, was der Revolution nützt, kann niemals eine Unterschlagung sein. Jedenfalls war es gut, daß wir damals diese 5.000 Adressen hatten. Als Reaktion auf die erste Ausgabe des „Roten Morgen“ herrschte beim ZK der Partei helle Aufregung. Es wurde ein Beschluß gefaßt, daß alle
Genossen, die den „Roten Morgen“ zugeschickt erhielten, ihn sofort bei der Parteileitung abzuliefern hätten. Mancher von euch, der den Sammelband mit den alten „Roten Morgen“ hat, wird vielleicht die Nr. 2 des „Roten Morgen“ vermißt haben. Der Grund dafür ist eben dieser Beschluß der Revisionisten. Wir haben uns nämlich gesagt: Wir geben als nächstes die Nr. 3/4 heraus. Wenn sie diese nach der Nummer l abgeliefert bekommen, dann müssen sie annehmen, die Nr. 2 wäre nicht abgegeben worden... Deshalb also ist die Nummer 2 nie erschienen.
Worin lag die Bedeutung der Herausgabe des „Roten Morgen“? Sie lag darin, daß seit Jahren endlich wieder eine marxistisch-leninistische Zeitung in Westdeutschland erschien, darin, daß das KPD-Verbot in der Praxis durch die Propagierung der marxistisch-leninistischen Prinzipien der Diktatur des Proletariats, der sozialistischen Revolution durchbrochen wurde. Sie lag darin, daß die Voraussetzungen für die Gründung einer neuen marxistisch-leninistischen Partei geschaffen wurden.
Der „Rote Morgen“ erschien zunächst illegal, als Zeitschrift der KPD Marxisten-Leninisten, also innerhalb der Partei.
Um diese Frage der illegalen Herausgabe gab es einen Kampf. Denn natürlich konnte der „Rote Morgen“ als illegales Organ nur beschränkt seine Rolle als kollektiver Organisator erfüllen. Es war damals ein Agent in der Partei, der zu erreichen versuchte, daß der „Rote Morgen“ auch weiterhin illegal erschien. Wir haben dagegen gekämpft, ich drängte darauf, den Bruch mit der Partei offen zu vollziehen und den „Roten Morgen“ legal erscheinen zu lassen, was dann auch von November 1967 an geschah. Bis zur Gründung der Partei hieß der „Rote Morgen“ dann marxistisch-leninistische Monatszeitschrift. Die legale Herausgabe des „Roten Morgen“ war, wie vorher sein erstes Erscheinen, ein voller Erfolg. Wir bekamen zahlreiche Zuschriften.
In der Januar-Ausgabe 1968 erschien eine Analyse der damaligen Bewegung. Zu der Zeit gab es
1. sogenannte „unabhängige“ freischwebende Sozialisten, den Sozialistischen Bund, DFU, Demokratische Linke usw.;
2. gab es die KPD, die mit den oben genannten Organisationen in enger Verbindung stand;
3. existierte die studentische Opposition um den SDS, die teilweise mutig gegen den Staat kämpfte, aber von Ziellosigkeit und Verwirrtheit geprägt war;
4. gab es — einzeln oder in Gruppen — die Marxisten-Leninisten.
Wir veröffentlichten damals den Aufruf „Marxisten-Leninisten vereinigt euch.“
Der Erfolg stellte sich schon wenige Monate später, im Mai, ein. Zu jener Zeit wurde die Siegener Erklärung verabschiedet, in der zur Gründung einer „deutschen, revolutionären, marxistisch-leninistischen Partei“ aufgerufen wurde.
In dieser Zeit führte der „Rote Morgen“ einen scharfen Kampf gegen den modernen Revisionismus, zu einer Zeit also, als andere überhaupt noch nicht daran dachten und gemeinsam mit den modernen Revisionisten marschierten.
Die Bedingungen für die Herausgabe des „Roten Morgen“ waren damals schwierig. Die erste Ausgabe erschien hektographiert. Die Abzugsmaschine, die leider verlorengegangen ist, kostete 280 DM. Nicht verlorengegangen aber ist der Stempel, mit dem wir in Rot „Roter Morgen“ auf die Zeitung druckten. Ab Oktober 1968 erschien der „Rote Morgen“ im Offsetdruck. Die Maschine kostete damals zusammen mit dem Ablichtungsapparat rund 6.000 DM. Ich mußte drucken lernen. Was ich mittels der Gebrauchsanweisung und telephonischen Nachfragen bei der Firma auch in einem Monat schaffte. Anderthalb Jahre lang erfolgte dann alles, was mit dem „Roten Morgen“ zu tun hatte, Redaktion, Druck, Vertrieb, in unserer Zwei-Zimmer-Wohnung im 7. Stock im Carl-Bremer-Ring.

 

Zentralorgan der KPD/ML

 

Von der Jahreswende 1968/69, von der Gründung der Partei an, erschien der "Rote Morgen" dann als Zentralorgan der KPD/ML.

Die Geschichte des "Roten Morgen" ist nicht zu trennen von der Entwicklung des Klassenkampfes hier in Deutschland. Dabei hat der "Rote Morgen" immer den Standpunkt der Arbeiterklasse vertreten. Ein kurzer Überblick über die Ereignisse muss hier genügen:

Der "Rote Morgen" begrüßte die Große Proletarische Kulturrevolution, kämpfte gegen den Einmarsch der Sozialimperialisten in die CSSR; unterstützte den Kampf der indo-chinesischen Völker, führte den Kampf gegen die Faschisierung, verteidigte die revolutionäre Gewalt damals bei den Bombenanschlägen in Heidelberg und Frankfurt und konterte die Hetze der bürgerlichen Presse mit dem Extrablatt: "Die Mörder sitzen in Bonn"; kämpfte gegen den Besuch Breschnews in Dortmund; gegen die Spaltung der deutschen Nation; entlarvte die Feinde der Arbeiterklasse in ihren eigenen Reihen, die modernen Revisionisten, den DGB-Apparat und alle opportunistischen Strömungen usw. usf.

In der ersten Zeit der Herausgabe des "Roten Morgen" als Zentralorgn versuchte eine kleinbürgerlich-opportunistische Strömung den Aufbau einer korrekten Vorhutpartei des Proletariats zu sabotieren. Wir verteidigten damals die korrekte Linie der Partei gegen die liquidatorische Strömung, die vorübergehend relativ starken Einfluss gewann.

Ich war zu der Zeit verantwortlich für den "Roten Morgen", arbeitete aber ganztägig in einem Chemiebetrieb. Vorübergehend kam die Redaktion dann nach Westberlin, wo es der Reto-Clique gelang, einen Artikel "Bauen wir eine starke bolschewistische Partei auf" in den "Roten Morgen" zu bringen, der die Hegemonie des Proletariats zu Gunsten der Intellektuellen angriff.

Ab 1970 erschien der "Rote Morgen" monatlich im Berliner Format. In dieser Zeit verschärfte sich der Kampf. Von welchem Schlag diese Liquidatoren waren, sollen zwei kleine Beispiele zeigen: Im "Roten Morgen" sollte damals ein Artikel gegen den §218 erscheinen. Die Linie der Partei zu dieser Frage war längst klar. Aber einer dieser Liquidatoren, Bernd Fritz aus Worms, erklärte: Ein Artikel gegen den §218 kommt nicht in Frage. Das ist ja Propaganda für die Vernichtung werdenden Lebens. - Ein anderes Mal sollte im "Roten Morgen", anlässlich eines schweren Eisenbahnunglücks mit vielen Toten, ein Artikel zur Ausbeutung bei der Bundesbahn erscheinen. Eine klare Sache, sollte man meinen. Aber ein Vertreter der Liquidatoren, der diesen Artikel schreiben sollte, weigerte sich und erklärte: Lokführer schaffen keinen Mehrwert, folglich werden sie auch nicht ausgebeutet, also kann man auch keinen Artikel gegen ihre Ausbeutung schreiben.

Die Liquidatoren, die die Interessen des Proletariats und seine Hegemonie angriffen, versuchten natürlich auch, die Rolle des "Roten Morgen" als Zentralorgan der Partei anzugreifen. Sie waren dagegen, dass der "Rote Morgen" einer einheitlichen Führung durch das Zentralkomitee unterstand und hielten es stattdessen für richtig, dass die einzelnen Landesleitungen ihre Vertreter als Redakteure schickten, die sie auch prompt wieder abzogen, wenn sie nicht ihre Meinung vertraten. Sie wollten den "Roten Morgen" in ein Diskussionsorgan verwandeln, in dem verschiedene Linien nebeneinander existieren sollten. Ein solches opportunistisches Konzept vom Zentralorgan hat aber notwendigerweise die Desorientierung der Arbeiterklasse zur Folge. Der "Rote Morgen" muss eine einzige Linie vertreten und der Arbeiterklasse eine klare Orientierung für den Kampf geben. Eine Zeitung, in der 100 Blumen blühen, revisionistische und bürgerliche neben marxistisch-leninistischen, kann niemals das Zentralorgan einer marxistisch-leninistischen Partei sein. Als Zentralorgan muss eine Zeitung vielmehr alle diese opportunistischen Auffassungen und Strömungen bekämpfen. Wir führten damals den Kampf gegen diese liquidatorischen Vorstellungen. Etwa mit dem Artikel "Dem Klassengegner die Faust ins Gesicht" oder dem Artikel "Schluss mit dem intellektuellen Geschwätz."

Ab September 1971 erschien der "Rote Morgen" 14-tägig. Die Widersprüche spitzten sich zu, auch in der Redaktion des "Roten Morgen". Aber die Partei trug auf dem außerordentlichen Parteitag, der dann einberufen wurde, den Sieg über die Liquidatoren davon. Der "Rote Morgen" erschien mit seiner Nummer: "Die bolschewistische Partei ist stärker als alle Liquidatoren." Und das ist sie bis heute auch geblieben.

Doch mit dem Sieg über die Liquidatoren waren noch nicht alle Schwierigkeiten beseitigt. Nach dem II. Parteitag gab es vorübergehend eine Phase, in der die Rechten einen starken Einfluss auf den "Roten Morgen" ausübten. Wenn man sich die Ausgaben des "Roten Morgen" aus jener Zeit noch einmal ansieht, merkt man sofort: Hier wird einerseits verbal-revolutionär getönt, andererseits werden die Massen für dumm verkauft. Danach, nach der Hinaussäuberung der Rechten, ging es mit dem "Roten Morgen" aufwärts. Von dieser Zeit an hat sich der "Rote Morgen" ständig verbessert, ist die Zahl seiner Leser und Korrespondenten gewachsen. Wenn ihr den "Roten Morgen" von heute mit früheren Ausgaben vergleicht, dann seht ihr, wie die Partei auch auf dem Gebiet der Presse voran geschritten ist und sich gefestigt hat.

 

Eure scharfe Waffe - Roter Morgen

Ein Beispiel für die Qualität der Zuschriften an den "Roten Morgen" ist der Artikelwettbewerb. Es war nicht leicht, unter den Einsendungen die Gewinner festzulegen. Es wurde zwar jetzt eine Auswahl getroffen. Aber es gibt über diese sechs Artikel hinaus noch viele, die eigentlich hätten prämiert werden müssen. Artikel über die Erfahrungen und Kämpfe bei der Umschulung, über die räuberische Beitragspolitik des IGM-Apparates, über die Firma Essig-Kühne in Hamburg, darüber, was ein Student über die Wissenschaftlichkeit lernt, über die Jugendarbeitslosigkeit, über den Kampf um ein Jugend-Freizeitheim, über die Verhaftung eines Genossen, über einen Betriebsunfall bei Hoesch, über Akkordarbeit, über die Verlogenheit der angeblichen Gleichheit vor dem Gesetz, über die Arbeit als Kranfahrerin, über die Krankenversorgung, über die Ausbeutung ausländischer Arbeiter, usw. usf. Es ist unmöglich, alle zu nennen. Aber alle hätten Preise verdient.

Genossen, der "Rote Morgen" ist eure scharfe Waffe, setzt ihn ein. Wenn ihr ein Problem habt, sei es im Betrieb oder in der Berufsschule, schreibt es an den "Roten Morgen". Und dann arbeitet mit dem "Roten Morgen" - verbreitet ihn verstärkt dort, wo die Kollegen das Ereignis von dem einer der Artikel berichtet, selbst erlebt haben. Helft auch durch Kritik, den "Roten Morgen" zu verbessern. Neulich, auf einer kleinen Versammlung in Lübeck sagte mir ein Arbeiter: Es sind zu lange Artikel im "Roten Morgen", die sind für die Kollegen und auch für mich schwierig zu lesen. Was er meinte, waren die langen theoretischen Artikel. Ich bin der Meinung, dass an dieser Kritik etwas Richtiges dran ist. Warum sollten wir nicht Artikel, wie beispielsweise den über die "Theorie der drei Welten", in das theoretische Organ verlagern? Das werden wir auch tun. Dazu ist es natürlich notwendig, dass das TO öfter, zwei- oder dreimonatlich erscheint. Das wird auch geschehen. Solche Kritiken, Genossen, sind gut und helfen uns.

Wichtig ist, dass wir im "Roten Morgen" und bei Allem, was wir schreiben, eine einfache und verständliche Sprache benutzen. Genosse Mao Tsetung sagt:

"Wir aber sind eine revolutionäre Partei und arbeiten für die Volksmassen; wir werden keine gute Arbeit leisten, wenn wir nicht die Sprache des Volkes lernen ... Der Wortschatz des Volkes ist sehr reich und lebendig, er bringt das reale Leben zum Ausdruck".

"Wenn du schreibst und sprichst, so musst du stets an den einfachen Arbeiter denken, der dich verstehen, deinem Rufe glauben und dir mit Bereitschaft folgen soll. Du musst daran denken, für wen du schreibst und für wen du sprichst."

Dabei müssen wir allerdings aufpassen, dass wir nicht in Proletkult verfallen. "Scheiße" kann man sagen, aber nicht schreiben.

 

An wen wendet sich der "Rote Morgen"?

Er wendet sich an die fortschrittlichen Arbeiter. Wobei der Kreis der fortschrittlichen Arbeiter natürlich größer ist als die gegenwärtige Auflage des "Roten Morgen". Unsere Aufgabe ist es, die fortschrittlichen Arbeiter als Leser für den "Roten Morgen" zu gewinnen. Dabei gibt es natürlich eine Grenze. Das haben die Genossen erkannt, die zum III. Parteitag den Vorschlag machten, eine AIZ herauszugeben, eine Arbeiter-Illustrierte-Zeitung. Vor 1933 besaß die Partei eine solche Zeitung, und wir würden auch heute liebend gerne eine solche Zeitung herausgeben - mit vielen Bildern, kurzen Kommentaren. Aber es geht nicht. Denn um eine solche Illustrierte herauszugeben, brauchen wir den Kiosk-Verkauf. An diesen Vertriebsweg lässt uns aber der Klassengegner nicht heran.

Noch einmal zum "Roten Morgen". Lenin sagt:

"Ihr seid verpflichtet nicht auf das Niveau der Massen, nicht auf das Niveau der rückständigen Schichten der Klasse hinabzusinken. Das ist unbestreitbar. Ihr seid verpflichtet, ihnen die bittere Wahrheit zu sagen. Ihr seid verpflichtet, ihre bürgerlich-demokratischen Vorurteile beim richtigen Namen zu nennen. Aber zugleich seid ihr verpflichtet, den tatsächlichen Reife- und Bewusstseinsgrad eben der ganzen Klasse (und nicht nur ihrer kommunistischen Avantgarde) eben der ganzen werktätigen Masse (und nicht nur ihrer fortgeschrittensten Vertreter) nüchtern zu prüfen."

Und diese Aufgab, Genossen, erfüllt der "Rote Morgen" immer besser. Außerdem haben wir ja nicht nur den "Roten Morgen". Wir haben auch unsere Betriebs- und Stadtteilzeitungen, unsere Flugblätter. In ihnen, die ja keine verkleinerten "Zentralorgane" sein sollen, haben wir die Möglichkeit, uns an noch breitere Schichten der Werktätigen zu wenden, noch konkreter ihre Probleme aufzugreifen.

 

Wenn der Feind uns bekämpft ...

Mancher Genosse verzweifelt angesichts der Millionenauflagen der bürgerlichen Zeitungen, angesichts von Rundfunk, Fernsehen und Film und denkt: Dagegen kommen wir doch nie an. Genossen, das ist ein Irrtum. Wir können den bürgerlichen Propagandamitteln trotz unserer vergleichsweise minimalen Auflagen Paroli bieten. Denn auf unserer Seite steht die Wahrheit. Und wer die Wahrheit sagt, der wird in der Perspektive die Massen gewinnen, weil die Massen im täglichen Kampf überprüfen können, dass unsere Partei ihre Erfahrungen bestätigt. Wenn wir ihnen heute sagen: Wir werden auch in drei, vier Jahren noch über 1 Millionen Arbeitslose haben und die Wirklichkeit das bestätigt, dann werden sie sagen: Der "Rote Morgen" hat Recht gehabt. Wenn wir dem Kollegen vor einem Kampf sagen: Die modernen Revisionisten hauen euch in die Pfanne, die verraten euch - und sich dies beim Streik bestätigt, dann werden die Kollegen sagen: Die haben Recht gehabt. Das heißt, durch ihre Erfahrungen werden die Massen die Erkenntnis gewinnen, dass es in Deutschland nur eine Wochenzeitung gibt, die ihnen die Wahrheit sagt. Das ist der "Rote Morgen", das Zentralorgan der Kommunistischen Partei Deutschlands/Marxisten-Leninisten.

Nicht umsonst ist die Bourgeosie so sauer auf den "Roten Morgen". Auf Grund unserer zahlenmäßigen Stärke hätte sie das nicht nötig. Warum betreiben Springer und Löwenthal eine Progromhetze gegen uns? Warum will Filbinger, wie einem Artikel in der "Welt" zu entnehmen war, uns verbieten? Filbinger fordert ein differenziertes Verbot. Erst sollen wir für verfassungswidrig erklärt, aber noch nicht verboten werden. Erst wenn wir "gewalttätig" werden, soll das Verbot folgen. Genossen, was die Verfassungswidrigkeit angeht, habe ich dazu bereits gesagt, was dazu zu sagen ist. Die Mühe, sie festzustellen, können sie sich sparen. Das geben wir ihnen schriftlich. Und was die Gewalt betrifft, wer übt denn hier Gewalt aus ? Das ist doch die Bourgeoisie ! Das ist doch ihr bürgerlicher Staat, der täglich Gewalt gegen die Arbeiterklasse, gegen das Volk ausübt.

Springer und Löwenthal hetzen gegen die "Chaoten", "Extremisten", "Terroristen"... Was ist denn in ihren Augen ein Terrorist ? Jeder, der sagt, dass man diese Gesellschaftsordnung nicht beseitigen kann, ohne Gewalt anzuwenden. Dazu sagt Lenin:

"Ohne Anwendung von Gewalt gegen die Gewalttäter, in deren Händen sich die Waffen und Machtorgane befinden, kann das Volk nicht von den Gealttätern befreit werden."

Was Springer und Löwenthal und ihre Soldschreiber angeht, so sollen sie einmal an ihre Vorgänger denken, an Julius Streicher und andere und daran, wie sie endeten: am Galgen.

Genossen, wir müssen darauf vorbereitet sein, jederzeit eine Kampfform mit der anderen zu vertauschen. Wenn man uns daran hindert, die Wahrheit legal zu sagen, dann werden wir sie eben illegal sagen. Niemand ist und wird jemals in der Lage sein, die Stimme der Partei, den "Roten Morgen" zum Schweigen zu bringen. Es ist kaum damit zu rechnen, dass die Bourgeoisie den "Roten Morgen" jemals als legal erscheinende Tageszeitung zulassen wird. Das wird ihr nichts nützen. Kämpfen wir für ein vereintes, unabhängiges, sozialistisches Deutschland, wo der "Rote Morgen" täglich an jedem Kiosk zu haben ist !