Nachträglicher

selbstkritischer Kommentar

zu unserem IV. Parteitag



von Wolfgang Eggers

Vorsitzender der KPD/ML seit 1986

( 15. 3. 2007 )





Welchen Weg schlug die Partei mit und nach ihrem IV. Parteitag ein und welche Lehren müssen wir aus unseren Fehlern ziehen ?
Der IV. Parteitag hatte Maßstäbe des Parteiaufbaus in Richtung Verankerung in den Massen gesetzt. Er war ein wichtiger Schritt in der Parteigeschichte zur Verbesserung ihrer marxistisch-leninistischen Parteinormen, der Verbesserung ihrer proletarischen Zusammensetzung, ein siegreicher Parteitag gegenüber dem Linkssektierertum, vor allem aber ein wichtiger Schritt zu ihrer Intensivierung der Betriebs- und Gewerkschaftsarbeit. Der IV. Parteitag begann, mit den anti-marxistisch-leninistischen Mao Tse- tung-Ideen abzurechnen und wies den chinesischen Revisionismus zurück. Insbesondere die Sektion DDR der KPD/ML entwickelte sich seit dem IV. Parteitag immer besser, und es wurden (zum Teil) Verbesserungen am Parteiprogramm vorgenommen und die Erarbeitung des Aktionsprogramms in Angriff genommen. Es gibt viele weitere Erfolge, die der IV. Parteitag zu verzeichnen hatte, die nicht selbstverständlich waren, die das Ergebnis des großen revolutionären Einsatzes, der Initiative und des Schwungs aller Mitglieder der KPD/ML und ihrer Sympathisanten war. Vor allem aber war es ein großes Verdienst des Genossen Ernst Aust, beruhten die Erfolge des IV. Parteitags nicht zuletzt gerade auf seinen persönlichen Einsatz. Mit dem IV. Parteitag erreichte die KPD/ML aus heutiger Sicht ihre größten Erfolge an allen Fronten ihres Klassenkampfes, symbolisierte die KPD/ML mit ihrem IV. Parteitag die „besten Zeiten“ in ihrer ganzen bisherigen Geschichte, wurde ihr höchster Bekanntheitsgrades als revolutionäre Kampfpartei der Arbeiterklasse in den Massen erreicht.. Eine Wiederveröffentlichung dieses Rechenschaftsberichts des Genossen Ernst Aust ist allein aus diesem Grund heute längst überfällig, finden wir in diesem Rechenschaftsbericht den Schlüssel zum Wiederaufbau unserer bolschewistischen Kampfpartei.
Es gab allerdings nicht nur Stärken, es gab auch Schwächen. Deswegen können wir uns mit einer kommentarlosen Wiederveröffentlichung nicht zufrieden geben. Es gab Fehler, die man nicht wiederholen darf. Man darf nicht nur seine Stärken herausstellen, sondern muss auch seine Schwächen selbstkritisch eingestehen. Wenn ich hier ausschließlich auf die Schwächen des IV. Parteitags zu sprechen komme, dann möchte ich damit nicht seine Stärken in Frage stellen. Ich will den Parteifeinden nicht Nahrung geben, dass ich ihnen sozusagen „frei Haus“ Selbstkritik serviere, um damit die „Richtigkeit“ ihrer offenen oder versteckten Angriffe auf die KPD/ML „amtlich zu bestätigen“. Ich äußere hier meine persönliche Meinung, eine Selbstkritik, nicht nur als Vorsitzender der Partei, sondern auch als einfacher Genosse, der schließlich die ganze Entwicklung der Partei mit durchgemacht, mit getragen hat, und insofern für die Fehler mit verantwortlich war. Entscheiden aber wird und kann nur ein kommender 8. Parteitag. Dieser wird etwaige Beschlüsse zur selbstkritischen Betrachtung der Parteigeschichte fassen und nur dieser legt die möglichen Direktiven fest, die zur Überwindung der gemachten Fehler notwendig werden sollten. Was die Parteifeinde mit meiner Selbstkritik machen, das haben sie vor der Arbeiterklasse zu verantworten. Ich werde doch nicht auf meine Selbstkritik verzichten, nur weil ich befürchten muss, dass mir dieser Kommentar um die Ohren gehauen wird. Als Vorsitzender der Partei habe ich als erster meine Pflicht zur Selbstkritik zu erfüllen, habe ich mit gutem Beispiel voranzugehen. Ich habe keine Angst vor Selbstkritik. Wird auf dem Boden des Marxismus-Leninismus darüber diskutiert, dann würde ich es selbstverständlich begrüßen, denn Meinungsverschiedenheiten müssen nun einmal durch offene, ideologische Auseinandersetzungen, durch einen kameradschaftlichen ideologischen Klärungsprozess überwunden werden. Anders ist Einheit nicht zu erringen, und um die geht es, um Parteieinheit auf dem Boden des Marxismus-Leninismus. Anders ist an einen ideologischen Wiederaufbau der Partei des Genossen Ernst Aust nicht zu denken.
Mit der vereinfachten Formel: „Ideologisch ist die KPD/ML auf der Höhe, sie müsse ihre richtige Theorie nur richtig in die Praxis umsetzen“ kommen wir nicht weiter. Allein die ideologischen Schwächen des IV. Parteitags werden beweisen, dass die Partei zum damaligen Zeitpunkt ideologisch noch nicht auf sicheren Beinen stand. Die Erkenntnis des Marxismus-Leninismus setzt nicht nur jahrzehntelanges, eifrigstes, gewissenhaftestes und streng wissenschaftliches Studium der Klassiker voraus, so zu sagen das Erlernen bis hin zur Meisterung unseres ideologischen Handwerkszeugs. Die KPD/ML muss dieses Handwerkszeug auch richtig zu gebrauchen verstehen und in unermüdlicher, wissenschaftlicher Arbeit den Marxismus-Leninismus schöpferisch weiterentwickeln, indem sie ihren ideologischen Aufbau ununterbrochen vervollkommnet, indem sie ständig ihre gesammelten Erfahrungen in ihrem Klassenkampf mit den gesamten Erfahrungen des Klassenkampfes des Proletariats verallgemeinernd in Übereinstimmung bringt, und zwar in Übereinstimmung aller historischen und aktuellen Erfahrungen. Das ist ein langwieriger Erkenntnisprozess, der niemals ohne Fehler und Schwächen verlaufen kann. Wir hatten dank unseres Genossen Ernst Aust bereits einen relativ hohen ideologischen Stand erreicht, aber wir sind darauf stehen geblieben oder besser gesagt, sind wir weit hinter diesen Stand zurückgefallen, was sogar so weit führte, dass wir der soliden ideologischen Weiterarbeit den Stubenhockergeruch des Intellektualismus anhefteten, nachdem wir uns in die Massen stürzten. Das ist uns im Nachhinein natürlich schlecht bekommen und wir kranken immer noch daran, sind ideologisch noch viel zu ungefestigt. Daher meine Selbstkritik, daher mein Schwerpunkt-Bemühen in den vergangenen 15 Jahren, die ideologischen Versäumnisse in mühevoller Kleinarbeit wieder aufzuholen, die ideologischen Kinderkrankheiten von damals gründlich aufzuarbeiten, den Wiederaufbau der KPD/ML in erster Linie durch ihren ideologischen Wiederaufbau vorzubereiten und voranzutreiben. Die Wiederveröffentlichung der Parteidokumente ist dafür ein Anfang, aber das allein reicht natürlich nicht. Wir müssen uns damit auch kritisch und selbstkritisch auseinandersetzen, auch wenn alles Jahre zurückliegt. Wer ist denn außer uns noch übrig, wer außer uns kann diese Aufarbeitung der Vergangenheit leisten ? Das geht nicht ohne Schrammen und Reibungsverluste ab. Wir können nicht verhindern, dass dabei alte Wunden wieder aufplatzen, im Gegenteil, dies ist unvermeidbar, wenn wir uns unserer Fehler wirklich bewusst werden und wirklich ernsthaft daraus lernen wollen. Mit Leichtsinnigkeit, Oberflächlichkeiten, mit Halbheiten, mit „Augen zu und durch“, mit Schönreden und Selbstbetrug im Umgang mit unseren Fehlern setzen wir uns unwillkürlich der Gefahr der Wiederholung oder gar Vertiefung unserer Fehler aus, ebenso aber auch umgekehrt, wenn wir uns selbst zerfleischen, uns auspeitschen, alles dramatisieren, uns durch unsere Fehler verunsichern lassen , also unsere Fehler zu überschätzen beginnen. Wenn man vor lauter Fehler nicht mehr den richtigen Kurs sieht, wenn man vor lauter Kurskorrekturen ins Schwanken gerät, wenn man aus einem Berg von falschen Fehlerbestimmungen und -korrekturen nicht mehr herauskommt, wenn man sich in seinen Fehlern verrannt oder festgefahren hat, dann steht es schon ziemlich schlecht um die Partei. Stets eine Überschätzung und eine Unterschätzung unserer Fehler marxistisch-leninistisch exakt auseinanderzuhalten und zu vermeiden, ist nie leicht, das muss man jahrelang erlernen. Beides birgt in jedem Augenblick immer die Gefahr von Fehleinschätzungen in sich, mal eine Haupt- und mal eine Nebengefahr. Und gerade die Fehleinschätzung unserer Fehler war immer eine negative (und dadurch natürlich auch eine positiv-korrigierbare) Begleiterscheinung unserer ganzen Parteigeschichte. Man kann also durch Kurskorrekturen sowohl alles besser, als auch alles schlechter machen – das hängt ganz von der richtigen oder falschen Kurskorrektur ab und manchmal wäre es sogar besser gewesen, den einmal eingeschlagenen richtigen Kurs mutig fortzusetzen, anstatt sich mit einer vermeintlichen „Korrektur“ ins Bockshorn jagen zu lassen. Die Behandlung der Fehler einer bolschewistischen Partei ist eine ernst zu nehmende und sehr komplizierte Klassenkampffrage, eine Frage, die man nur durch richtige Anwendung des Marxismus-Leninismus lösen kann, eine Frage, an die man wissenschaftlich herangehen muss usw. usf. Den Marxismus-Leninismus lernen, heißt auch zu lernen, wie die Klassiker mit Fehlern umgegangen sind.
Wir dürfen ja niemals vergessen, dass der Klassengegner, dass seine Agenturen in unserer Partei, dass die Opportunisten, die Revisionisten ein besonders großes Interesse an der Beeinflussung unserer Fehlerbestimmung und – korrektur haben, dass sie darauf ihr besonderes Augenmerk lenken, dass sie versuchen, darauf Einfluss zu nehmen, um die Partei im Großen wie im Kleinen ins Stolpern, ins Schwanken, ins Rutschen, zu Fall zu bringen usw. usf. Ja, sie schrecken nicht einmal davor zurück, dort Fehler „auszumachen“, wo gar keine sind, sie setzen ihre Leute darauf an, in der Partei Fehler zu provozieren, die Partei zu animieren, Fehler zu machen, sie in Fehler zu verwickeln. Sie gehen sogar so weit, dass sie mit einer vermeintlichen Fehlerdiskussion die ganze Partei lahmzulegen versuchen bzw. eine beendete Fehlerdiskussion unendlich auszuweiten, Fehler die an einer einzelnen Kampffront passiert sind,auf die ganze Partei zu übertragen, so wie man jemanden mit Viren impft, die sich im Körper ausbreiten. Es ist eine Gesetzmäßigkeit der Parteientwicklung, dass der Klassenkampf um die Fehler der Partei in dem Maße zunimmt wie der Klassenkampf gegen den Kapitalismus verschärft wird. Der Kampf um die richtige Fehlerbewältigung der Partei ist ein wesentlicher Bestandteil des inneren wie äußeren Zweifrontenkrieges der Partei gegen den Revisionismus, ein Kampf um Leben und Tod der Partei. Die Parteigeschichte ist also nicht zuletzt eine Geschichte des Kampfes gegen die Liquidatoren in der Frage der Fehler. Der Umgang mit ihren Fehlern ist ein Gradmesser der Reife einer bolschewistischen Partei. Sag mir, wie die Partei mit ihren Fehlern umgeht, und ich sage dir wie bolschewistisch sie in Wirklichkeit ist.
Mit der unverzichtbaren Methode von Kritik und Selbstkritik ist in der Partei nicht wenig Missbrauch betrieben worden. Es gibt genug Beispiele, die beweisen, wie sehr die Bourgeoisie darin geschult ist, diese Waffe gegen uns selbst zu lenken . Wir dürfen uns durch falsche „Kritik und Selbstkritik“ nicht täuschen lassen, sondern müssen sie sorgfältig prüfen, indem wir sie ausschließlich mit dem Messgerät des Marxismus-Leninismus überprüfen, damit wir nicht zu falschen Schlussfolgerungen und Handlungen kommen. Und ich muss demzufolge darauf bestehen, bei mir keine Ausnahme zu machen.
Der falsche Umgang mit unseren Fehlern hatte zum Teil schwere Folgen für die Partei und das betrifft also nicht nur den IV. Parteitag, mit dem wir uns hier zu beschäftigen haben. Und als bolschewistische Revolutionäre müssen wir unsere Fehleinschätzungen korrigieren, wenn der Wiederaufbau nicht von vorn herein zum Scheitern verurteilt sein soll. Unsere Erfolge des ideologischen Aufbaus der Partei haben wir auf dem IV. Parteitag maßlos überschätzt, dementsprechend auch den damaligen tatsächlichen Bewusstseinsstand der Arbeiterklasse und folglich auch die Größenordnung der Kampfaufgaben, die wir uns damals stellten. Die vom III. und vom IV. Parteitag gestellten Kampfaufgaben waren nicht nur eine Nummer, sondern mehrere Nummern zu groß für den damals tatsächlich vorhandenen Entwicklungsstand der Partei und ihrer Mitglieder. Mehr Realitätsnähe, mehr Bescheidenheit und Besonnenheit, mehr Studium der Klassiker hätte uns damals sicherlich mehr geholfen, als unsere Kräfte durch Selbstüberschätzung aufzupeitschen und zu verzetteln. Damals schien diese Kinderkrankheit der Überschätzung der Kräfte der Partei unvermeidbar zu sein, denn wir waren meistens alles noch sehr junge, unerfahrene Genossen und hätten auf Ernst besser hören sollen. So hätten wir uns später eine Menge Fehler, eine Menge Ärger, Enttäuschungen und Niederlagen ersparen können. Die Entwicklung in Richtung Liquidierung der Partei durch die Koch-Leute haben wir uns selbst zuzuschreiben, sie wären – zumindest in jenem verheerenden Ausmaß – vermeidbar, vor allem wenn wir ideologisch reifer gewesen wären, als wir das von uns dachten. So weit so gut. Kommen wir selbstkritisch zum „Eingemachten“:
Wie sind wir mit der Einschätzung unserer Fehlern auf dem IV. Parteitag umgegangen ?
In seinem Schlusswort behauptete Ernst recht kühn: „Den Großteil der Fehler haben wir schon überwunden, mit einigen schlagen wir uns noch herum, doch sie sind deutlich im Abklingen, und dieser Parteitag wird sie uns endgültig vom Halse schaffen“ (Rechenschaftsbericht Seite 90) und weiter sagte Ernst: „(...) ist die KPD/ML (...) vom Rest ihrer Kinderkrankheiten befreit“ (Rechenschaftsbericht, Seite 91). Stalin würde sinngemäß vielleicht Folgendes darauf geantwortet haben: Wenn ein Parteitag die waghalsige Auffassung vertritt, die Partei habe ihre Fehler nun endgültig vom Halse geschafft, dann hat dieser Parteitag den bolschewistischen Charakter der Partei nicht verstanden. Es ist doch naiv und selbstmörderisch zu glauben, dass die Liquidatoren für immer geschlagen seien. Die Partei muss sich ihre Freiheit, im Klassenkampf mit praktischen Aktionen endlich eingreifen zu können, permanent im Zweifrontenkampf gegen den Opportunismus erobern und verteidigen, denn der Opportunismus hat objektive Ursachen, die im Klassenkampf selbst, also in der kapitalistischen Gesellschaft begründet sind. Der Opportunismus, das Liquidatorentum, ist erst beseitigt, wenn die Klassengesellschaft beseitigt ist. Erst dann werden auch unsere Fehler im Kampf gegen den Opportunismus endgültig beseitigt sein. Wer da einen anderen Parteistandpunkt vertritt, der kann sich unmöglich von seinen Kinderkrankheiten befreit haben und noch weniger von ihren Überresten. Man muss die Partei stets wie seinen Augapfel hüten usw. usf.
Sicherlich, das würde Stalin uns zu Recht hinter die Ohren geschrieben haben, aber man muss auch die damalige Stimmung der Genossinnen und Genossen in der Partei sehen, ohne sich hinterher damit rausreden zu wollen. Zehn Jahre standen wir mit dem Feuerlöscher in der Hand, um die permanenten liquidatorischen Brandanschläge auf die Partei – sowohl von „links“ als auch von rechts (wohlbemerkt) - zu löschen. Wir waren mit dem Schutz, mit der Existenz der Partei mehr beschäftigt als mit allem Anderen. Ja, darin bestand - gezwungenermaßen – unsere Haupttätigkeit. Wir sehnten uns danach, den Feuerlöscher mit unseren klassenkämpferischen Fäusten gegen die Kapitalisten und ihre Regierung auszutauschen. Dahinter steckte, dass wir es allmählich Leid waren, uns immer nur mit den Liquidatoren herumprügeln zu müssen. Wir wollten, dass sich die Partei sichtbar vorwärts entwickelt, endlich unter den Massen kämpft. Im Kampf gegen das Liquidatorentum machten sich bei uns ganz offensichtlich Ermüdungserscheinungen bemerkbar, und die ließen sich auch im Rechenschaftsbericht nicht ganz verbergen. Ernst wollte uns mit diesem Befreiungsschlag gegen das Linkssektierertum Mut machen, dass nun freie Bahn für die Beteiligung der KPD/ML am praktischen Klassenkampf besteht, dass sie ihre Massenorganisationen aufzubauen beginnt usw. usf.. Natürlich möchten alle Parteimitglieder gerne hören, dass man im Kampf gegen das Liquidatorentum reifer geworden sei, dass nicht mehr alles gleich drunter und drüber gehen müsse, dass man sich mehr den praktischen Kämpfen unter den Massen widmen könne, ohne dass die Existenz der Partei wieder gleich in akute Gefahr gerät. Das war für uns junge Genossinnen und Genossen verständlich und nachvollziehbar. Ideologisch hatten wir im Kampf gegen die Liquidatoren inzwischen „Einiges drauf“ ( hier möchte ich eine kleine Zwischenbemerkung machen: gefährlich wird`s wirklich gerade dann, wenn man gegen das Liquidatorentum stark genug ist, um sorglos und dann schwach zu werden; nach fast 10 Jahren Kampf gegen die Liquidatoren schwach werden, das hieß: die Partei mal vom permanenten Alarmzustand aufatmen und freien Lauf zu lassen. Heute fast 40 Jahre Kampf gegen die Liquidatoren – da weiß ich 100%ig: im Kampf gegen die Liquidatoren gibt es keinerlei Atempause, kann man in keinem Moment die Zügel gegen das Liquidatorentum auch nur einen Millimeter lockern; einmal nicht aufgepasst, und schon hast du sie wieder an der Backe. Man muss die Liquidatoren ständig in Schach halten, darf ihnen gegenüber nicht nachgeben, muss sie aus der Partei rausreinigen oder die Partei notfalls vor ihrem Zugriff fernhalten, bis man wieder stark genug ist, um gegen sie den Hammer zu heben. Der Kampf gegen die rechten Liquidatoren 1985 war der härteste Kampf von allen, weil wir zu spät mit ihrer Reinigung begannen ( im Grunde waren es die Trotzkisten, die mit dem V. Parteitag die Macht bereits übernommen hatten und natürlich ihrerseits versuchten, die Partei von uns Marxisten-Leninisten zu reinigen! Da war dann die Reinigung der Partei vom trotzkistischen Unrat nur noch auf dem Wege einer Spaltung möglich) . Sie wagten sich angesichts unseres Programms nicht mehr so offen, aus ihren Löchern zu kriechen, aber das barg auch eine Gefahr, nämlich in der Wachsamkeit nachzulassen und sich in trügerischer Sicherheit zu wiegen. Wenn der Feind sich von der Oberfläche zurückzieht, heißt das nicht, dass er sich überhaupt zurückgezogen hat. Er geht nur versteckt weiter gegen die Partei vor. Das muss man im Auge haben. Da wo der Feind sich verbergen kann, wird er gefährlicher. Deswegen müssen wir sie ans Licht zerren, wenn wir sie schlagen wollen. Wir hatten uns im Kampf gegen das Liquidatorentum überschätzt (Zweckoptimismus), wollten der Partei „etwas Gutes tun“ und genau das sollte sich 1985 rächen. In den zehn Jahren unseres Bestehens hatten wir uns hauptsächlich mit den Liquidatoren herumschlagen müssen, mal tauchten sie in einigen Landesverbänden auf, ein anderes Mal im ZK oder Politbüro, dann wiederum in dieser oder jener Zelle oder dieser oder jener Ortsleitung. Der ganze Ärger mit den unzähligen Spaltereien ging natürlich an den Genossinnen und Genossen nicht spurlos vorüber. Für die Konzentration auf die eigentliche Aufgabe, die Avantgarde des Proletariats durch die Teilnahme der Partei am täglichen Klassenkampf zu gewinnen, blieb dabei nur wenig Zeit. Man musste sich diese Zeit regelrecht abknapsen durch zusätzliche, große Anstrengungen, durch zusätzliche persönliche Opfer. Tatsächlich hatten wir Genossinnen und Genossen ein Gefühl, dass wir nun, nachdem die (akute) liquidatorische Gefahr „überwunden“schien, eine bolschewistische Kampfpartei aufbauen könnten, nachdem wir glaubten, die ideologischen Grabenkämpfe überwunden zu haben, nachdem wir daraus gestärkt hervorgegangen waren. Wir glaubten daran, dass wir nun endlich die Kinderkrankheiten, die nervenaufreibende „Herum-Eierei“ mit den intellektualistischen Schwätzern überwunden hätten und die Partei nicht mehr eine sich selbst genügende Kraft sei, wie Stalin es einmal formuliert hatte, sondern „nunmehr für Größeres geschaffen“ sei. Wir wollten die Partei ihren eigentlichen Zwecken zuführen, sie zu einer Klassenkampfpartei machen. Wenn die Partei nach innen endlich gefestigter sei, so könne man sie nunmehr nach außen festigen usw. usf.. Danach richteten wir uns mit dem IV. Parteitag aus. Die nachlassende Wachsamkeit nach innen musste jedoch unvermeidlich auch zum Nachlassen der Wachsamkeit nach außen führen. Trotz aller von uns geführten ideologischen Kämpfe darf man Lenins Worte nicht vergessen, dass der Parteiaufbau mit ihrem ideologischen Aufbau beginnt. Und wie sich zeigte, war diese Phase noch längst nicht abgeschlossen, obwohl wir sie uns herbeigesehnt hatten. Dass wir unsere Fehler in Wirklichkeit nicht endgültig vom Halse geschafft hatten, und das objektiv illusorisch, also sowieso nicht möglich war, und dass wir längst noch nicht so erwachsen waren, wie wir von uns dachten, bekamen wir spätestens 1985 zu spüren. Es ist natürlich völlig klar, dass ein Parteitag unmöglich Fehler, Kinderkrankheiten, „endgültig vom Halse schaffen“ kann. Man kann das durchaus als Vorschubleistung des Nachlassens der Wachsamkeit gegenüber den eigenen Fehlern auffassen, wenn man sich schon als Partei wie ein Erwachsener vorkommt, obwohl man es noch nicht tatsächlich ist. Die Koch—Parteifeinde haben es schließlich verstanden, sich diese tückische Hoch-Stimmung in der Partei zu Nutze zu machen. 1985 hatten die Kochleute, hatte diese Agentur der Bourgeoisie in der KPD/ML, dem Genossen Ernst die Worte im Mund umgedreht:: „Den Großteil des Marxismus-Leninismus hat die KPD/ML schon überwunden, mit einigen Marxisten-Leninisten schlagen wir uns noch herum, doch ihr Widerstand ist deutlich am Abklingen, und die Vereinigung mit der GIM zur VSP wird uns die KPD/ML endgültig vom Halse schaffen.“ . Unsere Selbstkritik lässt sich in verkürzter Form in einem weiteren Wortspiel ausdrücken, was seinem Inhalt nach wahrlich kein Spiel war und in der Realität fast tödlich endete:
Mit unserem
Oh - Koch – o.k. !“
schlug
Koch & Co
die Partei
k.o. !
Gab es Dinge auf dem IV. Parteitag, die die spätere Machteroberung der Koch-Clique begünstigten ? Das ist eine wichtige Frage. Wenn das stimmt, ist eine Selbstkritik logischerweise überfällig. Wir haben in vielen Parteidokumenten diese Parteifeinde entlarvt und kritisiert, aber bislang haben wir die Ursachen der parteifeindlichen Entwicklung nicht bis zum IV. Parteitag zurückverfolgt. Es sind also kritische Bemerkungen unvermeidlich – und das nicht um die Erfolge des IV. Parteitags etwa zu schmälern (die kann keiner schmälern!), sondern um vielmehr nach Antworten auf die Frage zu suchen, warum der V. Parteitag zu einem negativen Wendepunkt in der Parteigeschichte werden konnte und ob es für die Liquidierung der Partei durch die trotzkistische Koch-Clique schon vorher auf dem IV. Parteitag irgendwelche Anzeichen gegeben hat. Und auf diesem Hintergrund habe ich versucht, den Rechenschaftsbericht an den IV. Parteitag - mit der parteifeindlichen Linie Kochs im Hinterkopf - durchzuscannen und auf etwaige Hinweise abzuklopfen , die das bestätigen könnten. Eine gewisse Einseitigkeit und Einengung der Beurteilung des IV. Parteitags, nämlich durch das „Fehlersuchen- Fehlerfinden“, ist bei der speziellen Fragestellung kaum vermeidbar gewesen und ich bitte, meinen hierfür notwendigen „Scheuklappen“- Blickwinkel wohlwollend zu verzeihen. Nur dieser ganz speziellen Fragestellung soll hiermit also nachgegangen werden, wenn auch erst fast 30 Jahre danach. Auch das ist Ausdruck von Schwäche (Ernst lässt sich nun mal nicht ersetzen!), aber eine viel zu späte Selbstkritik ist immer noch besser als gar keine. Um aus eigenen Fehlern zu lernen, ist es bekanntlich nie zu spät. Und eben deswegen ist dieser Kommentar entstanden, nämlich erstens der Partei bei ihrer historischen Fehlerbewältigung zu helfen und zweitens den Geschichtsfälschern der KPD/ML einen Schlag zu versetzen.
Als ich mich nochmals in Ruhe mit dem IV. Parteitag beschäftigte, wurde mir immer klarer, dass man einen Parteitag nicht nur an den vorangegangenen Parteitagen zu messen hat, sondern auch an den Parteitagen, die ihm folgten, insbesondere wenn sie nicht eine Vorwärtsentwicklung, sondern Rückwärtsentwicklung in der Parteientwicklung widerspiegeln. Und dabei fiellen mir eine ganze Reihe von Ungereimtheiten und Widersprüchen auf, die auf erste Anzeichen für die Herausbildung des parteifeindliche Kochkurses hinzudeuten schienen, aber die mir 1978 noch nicht bewusst waren. Sozusagen wurde mir klar, dass der IV. Parteitag einen Höhepunkt in der positiven Entwicklung der Partei, aber gleichzeitig auch den Ausgangspunkt für ihre krisenhafte Entwicklung bis hin zu ihrer fast völligen Liquidierung durch die Koch-Clique bildete. Ich muss heute im Nachhinein sagen, das wir auf dem IV. Parteitag leider nicht alles so richtig gemacht hatten wie es damals den Anschein hatte und Ernst hat dazu selbstkritisch verschiedentlich Stellung genommen, unter anderem in seinem Politischen Bericht auf dem V. Parteitag.. Wir selber haben nicht wenig dazu beigetragen, dass sich schon – wenn auch erst im Ansatz - auf dem IV. Parteitag abzuzeichnen begann, wohin die Reise gehen sollte: - die schleichende Ansteckung mit und schließliche Vergiftung durch das rechte Liquidatorentum, welches den revolutionären Schwung und Geist der Partei zunächst in einen aufgepeitschten Zustand des „Hinein in die Massen!“ versetzte, um dann als Fährmann die Partei - im Zustand völliger Erschöpfung, sich häufender Resignation und ideologischem Stillstand vieler Genossinnen und Genossen – ins Totenreich der Bourgeoisie hinüberzuführen. Kaum hatte der IV. Parteitag dem linkssektiererischen Geschwätz der kleinbürgerlichen Intellektuellen endlich den Wind aus den Segeln genommen, da blies der Partei mit dieser Kursänderung - der Ausrichtung auf die Gewinnung der Avantgarde des Proletariats, nämlich sich zu diesem Zweck genau dort zu orientieren und zu konzentrieren, wo die fortschrittlichsten Elemente des Proletariats kämpften, also im Betrieb und in der Gewerkschaft - der bürgerliche Wind der Arbeiteraristokratie entgegen. Dieser rechte Wind brachte die Partei nicht nur vom Kurs ab, sondern trieb ihr auch den revolutionären Geist aus, trieb sie – sich selbst immer mehr von den eigenen marxistisch-leninistischen Positionen entfremdend – an den Rand ihres Untergangs, denn die parteifeindlichen Elemente der kleinbürgerlichen Intelligenz hatten sich mit ihrem liquidatorischen Einfluss zu einer unheilvollen Allianz mit den inzwischen herangewachsenen arbeiteraristokratischen Elementen in der Partei vereinigt, um die Marxisten-Leninisten des Genossen Ernst Aust in die Zange zu nehmen und sie endlich doch noch zur Kapitulation zu zwingen. Wenn Ernst noch auf dem IV. Parteitag sagte: „Genauso klar ist auch, dass Genossen, die sich in irgendeiner Form bestechen, korrumpieren lassen, zu Arbeiteraristokraten werden, rücksichtslos aus der Partei ausgeschlossen werden.“ , so muss man leider feststellen, dass dies bei den rechten Liquidatoren der Koch-Clique versäumt wurde. Die Arbeiteraristokraten sind eben nicht ausgeschlossen worden, sondern haben sich stattdessen die Parteiführung unter den Nagel gerissen! Doch - dadurch wachgerüttelt - wurden unter größten Anstrengungen sowohl das rechte als auch das „linke“ Liquidatorentum von den Marxisten-Leninisten unter der Führung des Genossen Ernst Aust geschlagen, wenn die Partei sich auch bis heute nicht von dieser Identitätskrise erholt hat, denn es ist uns immer noch nicht gelungen, wieder an die „großen Zeiten“ des III. und IV. Parteitags anzuknüpfen. Das ist aber nach wie vor unser Ziel. Daher verteidigen wir die Linie des Genossen Ernst Aust, die Linie des IV. Parteitags, die Linie der KPD/ML, und dass seit ihrer Gründung, also von Anfang an, aber wir verteidigen sie nicht blind, wir scheuen uns nicht, dabei gemachte Fehler einzugestehen, unsere Schwächen aufzudecken.
Der damalige Kampf gegen das Linkssektierertum war notwendig und gerechtfertigt, aber er wurde zum Teil auch überschätzt gegenüber der Gefahr von rechts: genauer: der Rechte Opportunismus formierte sich unter dem Deckmantel des „Kampfes gegen das Linkssektierertums“. Die Unterschätzung der rechten Gefahr rührte also nicht zuletzt aus der Tendenz, die durchaus vorhandenen und zum Teil sehr massiven linkssektiererischen Abweichungen im Kampf gegen den modernen Revisionismus fälschlicherweise auf die Stufe einer „linken“ Hauptgefahr zu erheben. Das war meines Erachtens eine wesentliche Schwäche des IV. Parteitags, die die spätere rechte Abweichung und die damit vorbereitete Machtübernahme durch den Rechtsopportunismus begünstigte. Diese Unterschätzung der rechten Hauptgefahr durch den IV. Parteitag, die sich konkret darin ausdrückte, den korrekten Beschluss des III. Parteitags „Hauptgefahr = rechts“ nach zwei Jahren schon wieder aufzuheben und in einen Beschluss „Hauptgefahr = links“ zu verwandeln, wurde insbesondere durch die tatsächlichen Erfahrungen der Partei im Kampf gegen das rechte Koch-ZK erhärtet und allgemein durch die Parteigeschichte - spätestens 1985 - vollständig bewiesen. Möge der Gegner hier versuchen, Keile hineinzutreiben; dies war ihm nie gelungen, und es wird ihm nicht gelingen. Wir stehen nicht nur zu unseren Stärken, sondern auch zu unseren Fehlern und Schwächen. Kritik und Selbstkritik ist für uns ein Entwicklungsgesetz der Partei. Es gibt keine Parteien ohne Fehler, wohl aber Parteien, die aus ihren Fehlern lernen und andere, die nicht aus ihren Fehlern lernen. Die KPD/ML gehört zu jenen Parteien, die aus ihren Fehlern lernt, die bereit ist, aus ihren Fehlern zu lernen, um sie zu korrigieren, auch wenn diese schon 30 Jahre zurückliegen: Man darf die durch eine Abweichung hervorgerufene Gefahr - selbst wenn sie noch so massiv ist - nicht gleichsetzen mit einer Hauptgefahr, selbst wenn diese Abweichung tatsächlich zu einer Hauptgefahr führen würde, was ja durchaus nicht auszuschließen ist. Aber die Partei hatte in diesem Falle die Abweichung korrigieren können, BEVOR sie überhaupt zu einer Hauptgefahr werden konnte. Das war gut so. Aber weil die Partei diese Abweichung TROTZDEM hinterher noch zur Hauptgefahr erklärte, brachte sie sich damit selbst in eine noch größere rechte Gefahr. Und das war nicht gut so.
Stalin zitiert Lenin über die Abweichung: „Lenin erklärte auf dem X. Parteitag, dass eine Abweichung etwas noch nicht Abgeschlossenes, nicht endgültig Geformtes ist. Wenn Sie, Genossen von der Opposition, auf dieser kleinbürgerlichen Abweichung, auf diesen Fehlern, die keine großen Fehler sind, nicht beharren, dann wird alles behoben werden, und die Arbeit der Partei wird vorangehen. Wenn Sie aber darauf beharren, so kann sich die kleinbürgerliche Abweichung zu einer kleinbürgerlichen Politik entwickeln“ (Stalin, Band 6, Seite 208). Wir denken, dass wir es in der KPD/ML im Wesentlichen nicht mit einer kleinbürgerlichen, sondern mit einer proletarischen Politik zu tun hatten. Warum das so war, dafür stand der III. Parteitag, dafür stand der Genosse Ernst Aust an der Spitze, dafür garantierte die Parteibasis und auch das Zentralkomitee, dafür stand das marxistisch-leninistische Parteiprogramm, während es hauptsächlich im Politbüro zu einem scharfen Kampf zwischen der kleinbürgerlichen und der proletarischen Politik gekommen war. Alles das deutet im Nachhinein daraufhin, dass es sich eher um Abweichungen und nicht um eine Hauptgefahr gehandelt haben muss, wenn es sich dabei auch um solche Abweichungen in der Zentrale handelte, die negative Auswirkungen auf die Gesamtpartei hatten und entsprechend ernst zu nehmen waren. Auch Ernst selbst war in seinem Rechenschaftsbericht auf dem IV. Parteitag davon überzeugt, dass die Gremien der Partei in ihren gemeinsamen Anstrengungen mit der Parteibasis durchaus in der Lage gewesen waren, die linkssektiererischen Abweichungen also durch die Mobilisierung und Ausrichtung der ganzen Partei in den Griff zu kriegen (man kann das im Rechenschaftsbericht von Ernst nachlesen).


Bemerkungen zu den vom IV. Parteitag vorgenommenen
Änderungen des Programms der KPD/ML,
welches vom III. Parteitag verabschiedet worden war.


Ernst berichtete auf Seite 13: „Was nun die vom Zentralkomitee vorgeschlagenen Programmänderungen betrifft, so handelt es sich dabei neben der Streichung der China und Mao Tse-tung betreffenden Passagen und der Überreste ihrer revisionistischen Theorien, einmal um eine rigorose Kürzung der breiten historischen Darstellungen – sie gehören nicht ins Programm und können von der Partei auch in anderer Form veröffentlicht werden – und zum anderen um eine Umstellung und Straffung anderer Kapitel.“ Zunächst scheinbar alles in Ordnung. Doch prüfen wir das einmal genau nach. Richtig ist: Es gab eine Reihe von Verbesserungen, allein schon durch die Zurückweisung der Mao-Tse-tung-Ideen und die Ausrichtung gegen den chinesischen Revisionismus. Dies war dringend überfällig und selbstverständlich unbedingt zu begrüßen. Es wurde allerlei aus dem Programm gestrichen. Bei einigen Wiederholungen oder Ausführungen und pathetisch-stilistischen Redewendungen, die nicht unbedingt ins Programm (Wissenschaftlichkeit muss sich auch im Stil ausdrücken) gehört hatten, wurden vom IV. Parteitag Streichungen vorgenommen, die durchaus in Ordnung gehen. Nach mehrmaligem Vergleich des Programms des III. und des Programms des IV. Parteitags, kann man durchaus zu dem Schluss kommen, dass die Fassung des III. Parteitags in vielerlei Hinsicht das Wesen des Marxismus-Leninismus viel besser widerspiegelt (natürlich nicht nur, was die Wiedererkennbarkeit der Handschrift des Genossen Ernst Aust anbelangt, sondern auch was den proletarischen Internationalismus, die sozialistische Weltrevolution betrifft, was die geistige Nähe zum Komintern-Programm von 1928, die Prinzipien des Marxismus-Leninismus, die ideologische Klarheit, angeht. In dieser Hinsicht ist sogar das Programm in der Fassung des III. Parteitags noch verbesserungswürdig. Um nur ein Beispiel zu nennen: Bei der Klassenanalyse fehlt mir die Hervorhebung des internationalistischen Charakters des Proletariats, also die deutsche Arbeiterklasse als Teil, als Abteilung des Weltproletariats und insbesondere des europäischen Proletariatsund alles was daraus folgt). Durch die Streichungen seitens des IV. Parteitags ist ein guter Teil dem Rotstift zum Opfer gefallen. Damals trösteten wir uns mit der kürzeren, „massenfreundlicheren“ Fassung, wobei man dies auch als einen Schritt zur „Massenfreundlichkeit“ des trotzkistischen Programms der Koch-Clique interpretieren könnte, denn die „Programmänderungen“ standen stets im Mittelpunkt der Angriffe aller Liquidatoren auf die Partei. Auf jeden Fall war der Schritt zum Trotzkistischen Programm der Koch-Clique vom Programm des IV. Parteitags kürzer ( nicht nur in zeitlicher, sondern auch in politische-ideologischer Hinsicht) als der Schritt weg vom Programm des III. Parteitags. Auffallend ist doch, dass die Koch-Leute in der Tendenz mit der gleichen Methode und Argumentationen das Programm des IV. Parteitags „überarbeiteten“ wie das Programm des III. Parteitags vom IV. Parteitag überarbeitet wurde ( „sektiererisches Parteichinesisch, das kein Arbeiter versteht“). Wissenschaftlicher Sozialismus heißt so, weil der Sozialismus wissenschaftlich und nicht vulgär ist. Für seinen wissenschaftlichen Charakter kann man das Programm nicht verantwortlich machen. Man kann nur die Partei verantwortlich machen, wenn sie nicht willens oder in der Lage ist, das Programm in den Worten der Arbeiter verständlich zu erklären, zu erläuern und zu kommentieren. Niemals aber darf man die Wissenschaftlichkeit ersetzen oder gar verleugnen. Sie als Ausgeburt des linkssektiererischen, dogmatischen, kleinbürgerlichen Intellektualismus zu verleumden, ist ein Verbrechen an der Arbeiterklasse. – Wissenschaftlichkeit muss streng eingehalten werden, daraus schöpfen wir doch die Grundpfeiler der Partei, die unstreichbar sind und bleiben müssen, da sie die Anleitung, die Grundlage unseres revolutionären Handelns sind! Es gab bereits inhaltliche Abstriche, aber auch unzulässige Streichungen im Programm, die von einschneidender Konsequenz für die spätere rechte Liquidatorenlinie in der Partei werden sollten. Das sind dann schon nicht mehr Fragen des persönlichen Geschmacks, über die sich diskutieren oder streiten lässt, nicht irgendwelche Schnitzer, sondern Grundsatzänderungen, die man unbedingt kritisieren muss. Hierauf will ich mich beschränken. Die Verbesserung der Form des Programms darf niemals herhalten für eine Verschlechterung des wissenschaftlichen Charakters und Inhalts des Programms, denn es dient ja in erster Linie der Orientierung bei der Gewinnung der Avantgarde des Proletariats also einer bestimmten Stufe des Parteiaufbaus. Es ist doch klar, dass ein Programm, das Richtschnur bei der Führung der Millionenmassen zu sozialistischen Revolution, also auf einer weiter fortgeschrittenen Stufe des Parteiaufbaus, ganz andere Schwerpunkte beinhalten und für eine millionenbreite Leserschaft geschrieben sein muss. Wozu hat die bolschewistische Partei denn im Laufe der grundsätzlichen Veränderungen im Klassenkampf nicht nur Programmänderungen vorgenommen, sondern sogar völlig neue Programme beschlossen ? Ich denke, es kann auf keinen Fall etwas schaden, wenn man zum Vergleich auch noch mal das Programm des III. Parteitags veröffentlicht, um dem Leser die Möglichkeit zu geben, sich selber ein Bild über die Änderungen zu machen. Hier ist nicht der Ort, um alle durch den IV. Parteitag vorgenommenen Programmänderungen einer wissenschaftlichen Analyse und Kritik zu unterziehen. Das würde diesen Kommentar sprengen. Ich will mich auf den ersten Satz des geänderten Programms beschränken, um exemplarisch daran alles Andere zu beweisen, was der IV. Parteitag zur Entstehung des späteren trotzkistischen Programms der Koch-Leute wahrscheinlich beigetragen hatte, nämlich Abstriche von den marxistisch-leninistischen Grundpfeilern der Partei unter dem Deckmantel des „Kampfes gegen das Linkssektierertum“, des „Kampfes gegen den Dogmatismus“, des „Kampfes gegen die `Propaganda`partei“, des „Kampfes gegen die Mao-Tse-tung-Ideen“ usw. usf..
Beginnen wir also mit dem ersten Satz des Programms und damit auch mit meiner wichtigsten Kritik am IV. Parteitag. Ich stelle die alte der neuen Fassung hier einmal einfach gegenüber (alle Hervorhebungen von mir, damit man diese Gegenüberstellung nicht unbedingt zweimal lesen muss): :
„Das Programm unserer Partei, der KPD/ML, hat den wissenschaftlichen Sozialismus, den Marxismus-Leninismus, die unvergänglichen Lehren von Marx, Engels, Lenin und Stalin zur Grundlage“ (erster Satz im Programm des IV. Parteitages)
„Das Programm unserer Partei hat den wissenschaftlichen Sozialismus, den Marxismus-Leninismus, die unvergänglichen Lehren von Marx, Engels, Lenin, Stalin, Mao Tse-tung und Enver Hoxha (!!!) zu Grundlage“ (erster Satz im Programm des III. Parteitages ).
Hat`s geklickt ? Wie man sieht, geht es um die Verankerung der Ideen und Lehren der Klassiker, auf die sich das Programm stützt und von denen es sich leiten lässt. Ich denke, dass so ein Satz grundsätzlich nicht aus einem Programm gestrichen werden kann, dass im Programm der KPD/ML hierüber absolute Klarheit, Einheit und Geschlossenheit über die Klassiker des Marxismus-Leninismus herrschen muss. Allein darin ist abzulesen, wie wenig konsequent die Zurückweisung Mao Tse-tungs im Programm verankert worden war . Wenn man also die Ursachen der rechten Abweichungen und späteren rechtsopportunistischen Machtübernahme durch das liquidatorische Koch-ZK analysieren will, muss man bis zu den Wurzeln des IV. Parteitags zurückgehen, muss man selbstkritisch herausarbeiten, was wir selber zu dieser rechten Entwicklung der Partei durch fatale Änderungen im Programm beigetragen hatten. Kommen wir zur Sache. Wem hatte denn eigentlich die KPD/ML den konsequentesten Kampf gegen Mao Tse-tung zu verdanken? Durch wen war die Einberufung des IV. Parteitags dringend notwendig geworden ? Wer hat am schärfsten den chinesischen Revisionismus entlarvt, wer den Maoismus als anti-marxistisch-leninistisch zurückgewiesen ? War das ausschließlich ein Ergebnis unserer eigenen „Entfaltung der innerparteilichen Demokratie“ ? Wenn man den Rechenschaftsbericht daraufhin durchliest, muss dieser Eindruck unbedingt entstehen. Von welchen Grundlagen geht die Partei aus bei der Zurückweisung der Mao-Tse-tung-Ideen? Natürlich von den marxistisch-leninistischen Grundlagen. Was aber sind die marxistisch-leninistischen Grundlagen, mit denen die revisionistischen Mao-Tse-tung-Ideen zurückgewiesen wurden ? Waren es die Lehren von Marx und Engels ? Waren es die Lehren von Lenin und Stalin ? Durchaus, aber es waren nicht allein die Lehren von Marx, Engels, Lenin und Stalin, die uns halfen, den chinesischen Revisionismus zu entlarven, und sie konnten es auch gar nicht alleine sein. Zu welchem Zeitpunkt wurden die Mao-Tse-tung-Ideen als moderner Revisionismus, als chinesischer Revisionismus bekämpft ? Zur Zeit von Marx und Engels? Oder zur Zeit von Lenin und Stalin ? Wer aber hat denn nun die marxistisch-leninistischen Grundlagen zum Kampf gegen den modernen Revisionismus, einschließlich des chinesischen Revisionismus erarbeitet, geschaffen, geliefert ? War das die KPD/ML ? Zumindest doch wohl nicht allein, oder ? Das war doch vor allem die Partei der Arbeit Albaniens mit Genossen Enver Hoxha an der Spitze !!! Hatte der III. Parteitag im von ihm verabschiedeten Programm gleich im ersten entscheidenden Satz noch die Lehren von Enver Hoxha als Grundlage des Marxismus-Leninismus, als Grundlage des wissenschaftlichen Sozialismus korrekt definiert, so wurde dies vom IV. Parteitag kommentarlos gestrichen ! Der ganze IV. Parteitag hat hierüber kein einziges Wörtchen verloren. Das muss man sich mal vorstellen !! Schlimm ist, dass so etwas klamm und heimlich geschah – noch schlimmer aber ist, dass die ganze Partei dieses klamm-heimliche Geschehen duldete und widerstandslos hinnahm. Was sagt mehr aus über den wirklichen Zustand der Partei zu jenem Zeitpunkt als dieser ungeheuerliche Vorgang auf dem IV. Parteitag ! Wer die Streichung der Lehren Enver Hoxhas widerstandslos mit sich machen lässt, der lässt auch die Streichung von Marx, Engels, Lenin und Stalin widerstandslos mit sich machen, der geht widerstandslos mit den Koch-Liquidatoren in den Tod. Und die Mehrheit der Parteibasis folgte Koch dann ja auch tatsächlich widerstandslos in den Tod. Kochs Rechnung schien aufzugehen. Was zeigt uns anschaulicher, auf welche Weise der IV. Parteitag als Sprungbrett in den Trotzkismus missbraucht wurde, als eben die Streichung der Lehren des Genossen Enver Hoxha aus dem Programm unserer Partei ?
Wie kommt der IV. Parteitag dazu, Enver Hoxhas Lehren als unverzichtbaren Bestandteil der Grundlagen des Marxismus-Leninismus kommentarlos aus dem Programm zu streichen, also ausgerechnet auf einem Parteitag, der mit den Mao-Tse-tung-Ideen abrechnet, deren erbittertster Gegner der Genosse Enver Hoxha war ? Wir erfahren im Rechenschaftsbericht leider nichts darüber. Also als was sollte man dieses Vorgehen nun bezeichnen, wenn man hieran den gleichen Maßstab anlegen würde, mit dem der IV. Parteitag seine Kritik am Linkssektierertum vorgetragen hatte, vor allem wenn man dabei seiner ausdrücklichen Argumentation des Verstoßes gegen die „innerparteilichen Demokratie“ folgt ? Was die Streichung der Lehren Enver Hoxhas aus dem Programm – insbesondere als deren Garant für den siegreichen Kampf gegen die Mao-Tse-tung-Ideen – anbelangt, wo blieb da die gepriesene innerparteiliche Demokratie des IV. Parteitags im Kampf gegen die Streichung von Enver Hoxha aus dem Programm – das war rechts, das war revisionistisch, das war reaktionär. Nichts auf der Welt, auch nicht die Mao-Tse-tung-Ideen, berechtigt eine wahrhaft bolschewistische Partei, auch nur einen Millimeter der Lehren des Marxismus-Leninismus preiszugeben.Also: gegenüber der Streichung der Mao Tse-tung-Ideen = große innerparteiliche Demokratie, und gegenüber der Streichung der Lehren Enver Hoxhas, die gleiche große innerparteiliche Demokratie ? Das reimt sich doch nicht zusammen ?! Da wird doch mit zwei verschiedenen Ellen gemessen ! Wenn die Partei also Mao Tse-tung zurückweist und gleichzeitig die Lehren Enver Hoxhas, unter den Tisch fallen lässt, dann ist das nicht nur ein schwerwiegender Fehler, sondern konsequenterweise schon eigentlich nicht mehr die Grundlage des Marxismus-Leninismus auf der Höhe der Zeit des Kampfes gegen den modernen Revisionismus, dann ist das indirekt ein Zugeständnis des IV. Parteitags an die Mao-Tse-tung-Ideen. kurz:: auf dem III. Parteitag war ein Kopf zu viel, auf dem IV. Parteitag einer zu wenig. Welche Folgen hatte das gehabt ? Streichung der Lehren Enver Hoxhas aus unserem Programm – das war – ob nun beabsichtigt oder nicht - Wasser auf die Mühlen jenes berühmt-berüchtigten Kampfes gegen angebliches „Linkssektierertum“ und „Dogmatismus“, wie ihn die modernen Revisionisten zum gleichen Zeitpunkt (man beachte dies !) gegen die marxistisch-leninistische Weltbewegung führten, gegen die PAA und Enver Hoxha führten, wie ihn Koch später gegen die KPD/ML offen führte. Allein an der Streichung der Lehren Enver Hoxhas hätte man erkennen müssen, dass es sich nicht um eine Hauptgefahr des Linksopportunismus, sondern um die Hauptgefahr des Rechtsopportunismus handelte. Der Kampf gegen das Linkssektierertum diente dem Rechtopportunismus nur als Tarnung, und der IV. Parteitag ebnete ihm dafür den Weg vom verhüllten, “linken“ zum unverhüllten, rechten Revisionismus. Anders kann ich mir das Verschwinden der Lehren des Genossen Enver Hoxha aus dem Parteiprogramm nicht erklären, denn es blieb ja nicht dabei. Die Liquidatoren gaben sich damit ja nicht zufrieden. Das war ja nur der Anfang. Das Zurückweisen der Mao-Tse-tung-Ideen ist ja nicht mit der Zurückweisung des Linkssektierertums gleichzusetzen, nicht identisch. Wer ausschließlich die „linke“ Seite der Mao-Tse-tung-Ideen angreift, der greift nur die Hülle, ihre revolutionären Phrasen an, nicht aber deren rechten, revisionistischen Kern. Solche „Zurückweisung“ ist im Grunde genommen eine indirekte Verteidigung des revisionistischen Wesens der Mao-Tse-tung-Ideen, eine Zurückweisung, die die Mao-Tse-tung-Ideen konserviert , die ihnen ausreichend Gelegenheit bietet, sich erneut zu häuten. Man kann also nicht die linkssektiererische Phrase bekämpfen, wenn man nicht ihren rechten, reaktionären Inhalt bloßstellt. Eine Ausrichtung gegen die Mao-Tse-tung-Ideen und gegen das Linkssektierertum ist nicht identisch. Der Parteitag hatte zwar die Streichungen der Mao-Tse-tung-Ideen im Programm beschlossen, aber im Rechenschaftsbericht des IV. Parteitags wurde darauf ausdrücklich hingewiesen, dass von einer vollständigen Analyse und damit von einer abschließenden Beurteilung noch keine Rede sein könne, dass „dies nicht die Aufgabe des IV. Parteitags sei“. Die Streichungen im Programm sollten dazu lediglich den Weg frei machen.
Jene Reduzierung auf 4 Klassiker des Marxismus-Leninismus war also in Wirklichkeit nur der Ausdruck eines Zurückweichens vor dem modernen Revisionismus, denn den kann man nur unter Zusatz und nicht etwa durch Verzicht der Lehren des Genossen Enver Hoxha besiegen. Und was bedeutete das für die modernen Revisionisten ? Sie begaben sich allmählich auf den formalen Boden der Lehren Stalins, um ihren Revisionismus dahinter zu verbergen und voranzutreiben. Wir selber haben ihnen dieses Schlupfloch gebaut, in das sie dann auch dankbar hineingeschlüpft sind. Sie sind wieder hervorgekrochen - gehäutet mit den Lehren von Marx, Engels, Lenin UND Stalin -, um uns mit diesem noch gefährlicheren Gift zu töten ! So wie die modernen Revisionisten, zum Beispiel die der DKP, damals zur Zeit des IV. Parteitags lediglich Marx, Engels und Lenin, also drei Köpfe „anerkannten“ und Stalin bekämpften, so dient heute die „Anerkennung“ von 4 Köpfen den gehäuteten Revisionisten dem gleichem Zweck, nämlich den Marxismus-Leninismus mit 4 Klassikern zu schlagen. Die Nichtanerkennung des Genossen Enver Hoxha als 5. Klassiker des Marxismus-Leninismus dient der Restauration des modernen Revisionismus mittels Bekämpfung des Marxismus-Leninismus auf dem formalen Boden der 4 Klassiker. Was ist gefährlicher ? Wenn sich die Revisionisten nur auf den formalen Boden der Lehren von Marx, Engels, Lenin beschränken müssen oder wenn wir es ihnen erlauben, sich auch noch auf dem formalen Boden der Lehren Stalins breit machen zu können ? Die Antwort ist doch wohl offensichtlich, aber das war uns zur Zeit des IV. Parteitags noch nicht bewusst. Mit der Streichung der Lehren Enver Hoxhas aus dem Parteiprogramm haben wir den Revisionisten dabei geholfen, sich formal der Lehren Stalins zu bedienen, um uns Hoxhaisten mittels Stalin des „Dogmatismus“ und „Sektierertums“ zu bezichtigen, so wie sie sich vorher vermittels der formalen Anerkennung der Lehren von Marx, Engels und Lenin gegen den angeblichen „Dogmatismus“ und das „Sektierertum“ Stalins richteten. Die formale Anerkennung der 4 Klassiker erleichterte es den Revisionisten, sich zu häuten. Gehäuteter Revisionismus aber ist nicht nur hundert Mal gefährlicher als der alte „moderne“ Revisionismus, sondern hat auch eine höhere Qualität dadurch erreicht, denn die Revisionisten versuchen damit Enver Hoxha, die PAA, die marxistisch-leninistische Weltbewegung und nicht zuletzt unsere KPD/ML anzugreifen und zu liquidieren. Einheitsfront auf dem Boden der 4 Klassiker ist Einheitsfront nicht nur gegen den 5. Klassiker, sondern auch insgesamt gegen alle Klassiker. Das ist heute die Einheitsfront der Revisionisten gegen den Marxismus-Leninismus. Und zu dieser Einheitsfront gehörte auch Koch und seine Leute, was ihn natürlich nicht davon abhielt, weitere Schritte seines Verrats zu unternehmen, um die KPD/ML zu liquidieren, nämlich den Marxismus-Leninismus vollständig durch den Trotzkismus zu ersetzen. Auch für unsere Partei trifft die Lehre Stalins zu: „Denn was ist der Trotzkismus anderes als der rechte Flügel im Kommunismus, als die Gefahr von rechts?“ (Stalin, Band 7, Seite 53).
Es sei hier angemerkt, dass es sich nicht nur um eine Schwäche von unserer Partei allein handelte, sondern diese zeigte sich auch bei vielen anderen Bruderparteien, in der einen oder anderen Ausformung, in diesem oder jenen Umfang , war (und ist!) eine Strömung innerhalb der marxistisch-leninistischen Bewegung, die bis heute nachwirkt und noch nicht korrigiert und beseitigt ist. Die Reduzierung der Klassiker auf Marx, Engels, Lenin und Stalin ist ein Zugeständnis an den modernen Revisionismus, ist Ausdruck des Zurückweichens im Kampf gegen den Weltimperialismus. Den modernen Revisionismus nur mit den 4 Klassikern zu bekämpfen – das ist Anti-Revisionismus in Worten und Revisionismus in Taten. Man kann den modernen Revisionismus nicht ohne die Lehren Enver Hoxhas besiegen, man kann heute die 4 Klassiker nicht ohne den 5. Klassiker verteidigen, ohne im Sumpf des Revisionismus zu landen. Darüber war sich der IV. Parteitag nicht klar. Das hat sich bis heute in der marxistisch-leninistischen Weltbewegung leider noch nicht herumgesprochen, beharrt man immer noch auf diesen Fehler und hilft dem modernen Revisionismus weiterhin, sich zu restaurieren, sich zu häuten. Deswegen müssen wir von den Neo-Revisionisten auch von den Wegbereitern des gehäuteten modernen Revisionismus sprechen, die auf dem formalen Boden des Anti-Revisionismus stehen und dabei um so größere Schwierigkeiten haben, ihr Versinken im Sumpf des Revisionismus zu verbergen, je mehr wir ihren Verrat entlarven und bekämpfen. Die ideologische Entwicklung der Partei auf ihrem heutigen Stand ist eine Entwicklung, in der es die Partei nach vielen, vielen Jahren immer besser verstanden hat, die Fehler des IV. Parteitags zu korrigieren und damit die richtigen Beschlüsse um so besser zu verteidigen. Die Geschichte der KPD/ML, insbesondere in ihrem Kampf gegen den modernen Revisionismus, ist ein Teil der Geschichte der marxistisch-leninistischen Weltbewegung. Darauf habe ich immer wieder hingewiesen und ich spare mir hierzu nähere Ausführungen.
In meiner Schulungstext: „ 50 Jahre Kommunismus im Kampf gegen den modernen Revisionismus“ habe ich auch darauf hingewiesen, dass die Häutungen eine notwendige Anpassung des Revisionismus auf dem weiter entwickelten Boden des Marxismus-Leninismus ist. Die Häutung des modernen Revisionismus - nämlich sich auf dem Boden der Lehren des Genossen Stalin gegen uns breit zu machen - ist ja in erster Linie eine Waffe, die gegen uns Marxisten-Leninisten gerichtet ist, aus dem einzigen Grund, weil wir sie mit unserer schöpferischen Weiterentwicklung des Marxismus-Leninismus dazu gezwungen haben. Das muss man als unseren Sieg auf einer bestimmten Stufe des Kampfes gegen den modernen Revisionismus sehen. Das zeigt, wie langwierig der Prozess des Kampfes gegen den Revisionismus ist und dass er von uns auf eine immer höhere Stufe fortentwickelt werden muss. So verteidigen wir die Lehren Stalins auf dem Boden der Lehren des Genossen Enver Hoxha, und wir werden dabei auch diesmal wieder den Sieg davon tragen, wenn wir es nicht versäumen, dabei selber den Marxismus-Leninismus schöpferisch weiter zu entwickeln. Die Qualität der Häutung des Revisionismus ist Gradmesser für die Qualität der schöpferischen Weiterentwicklung des Marxismus-Leninismus. Wir befinden uns bereits auf der Stufe des Kampfes gegen den Weltrevisionismus und der Neo-Revisionismus ist sein Wegbereiter. Was den IV. Parteitag als Wegbereiter anbelangt, nur so viel: Der IV. Parteitag wurde von den späteren offenen Liquidatoren bereits als Instrument des Neo-Revisionismus missbraucht, denn mit der Streichung des Revisionisten Mao Tse-tungs begann die Streichung aller Klassiker des Marxismus-Leninismus, wie das im Programmentwurf der Koch-Revisionisten 1984/85 zum Ausdruck kam. Das war ein einziger, geschlossener und systematisch betriebener Prozess des Kampfes der Revisionisten gegen die KPD/ML, gegen den Marxismus-Leninismus sowohl in Deutschland als auch im Weltmaßstab. Dahinter steckte die internationale Strategie des Weltimperialismus gegen die Lehren des Marxismus-Leninismus. Was auf dem IV. Parteitag geschah, war der Versuch der Revisionisten in der Partei, mit der Demontage der marxistisch-leninistischen Grundpfeiler der KPD/ML indirekt zu beginnen, nachdem sie die Errichtung dieser Grundpfeiler in 10 Jahren nicht direkt verhindern konnten. Erst einmal Enver Hoxha aus dem Programm verbannt, wurde Stalin konsequenterweise dann der Nächste, den das trotzkistische Koch-ZK verbannte. Im neuen Programmentwurf der Koch-Trotzkisten waren die Klassiker des Marxismus-Leninismus dann konsequenterweise bereits allesamt verschwunden. Die Verbannung der Lehren Enver Hoxhas aus dem Programm durch den IV. Parteitag steht also zweifellos im unmittelbaren, unzertrennlichen Zusammenhang mit der späteren Verbannung Stalins durch die Trotzkisten in der Partei usw. usf.. Und die Beseitigung und Ausschaltung der Parteiführung des Genossen Ernst Aust, die Machtübernahme des Parteivorsitz durch Koch mit dem V. Parteitag, diese Verbannung des größten Marxisten-Leninisten in der Geschichte der Bundesrepublik, diente ebenfalls den gleichen Zwecken der trotzkistischen Liquidatoren. Würde man Ernst beseitigt haben, so wäre es ein Leichtes, die ganze Partei zu beseitigen. Müssen wir da nicht Selbstkritik üben ? Ja, unbedingt müssen wir hier schonungslos Selbstkritik üben, müssen wir unseren Fehler offen zugeben, dürfen ihn nicht schön reden, müssen bei der Wahrheit bleiben. Wir dürfen uns nicht wundern, wenn wir die entscheidende Waffe im Kampf gegen den modernen Revisionismus, also die Lehren des Genossen Enver Hoxha als Grundlage des Marxismus-Leninismus, aus dem Programm entfernten. Zwar wird ganz zum Schluss des Rechenschaftsberichts in einer allgemeinen Nebenfloskel gesagt: „In vielen Fragen haben uns gerade die Beratungen mit den albanischen Genossen geholfen, Fehler zu erkennen und neue Entwicklungen richtig einzuschätzen“ (Seite 89). Dass es aber gerade ein herausragender, aktuell ungemein wichtiger Beitrag des proletarischen Internationalismus Enver Hoxhas war, dass er mit seiner Kritik am chinesischen Revisionismus, an den Mao Tse-tung-Ideen, für die prinzipienfeste Einheit der ganzen marxistisch-leninistische Weltbewegung, die Überwindung ihrer Spaltung durch die chinesischen Revisionisten, also auch für uns nicht nur eine große Hilfe zur Einheit, sondern unser internationalistischer Leitstern war, davon wird überhaupt nichts im Rechenschaftsbericht erwähnt. Dabei lagen der Partei bereits lange vor der Einberufung des IV. Parteitags die albanischen Dokumente über ihren Kampf gegen die Mao-Tse-tung-Ideen nicht nur in deutscher Übersetzung vor, sondern befanden sich auch Genossen (wie Ernst) in Albanien,, so zum Beispiel auf dem 7. Parteitag der PAA, so zum Beispiel während des Bruchs Albaniens mit China (infolge der verbrecherischen Haltung der chinesischen Führer gegenüber dem albanischen Volk im Frühjahr/Sommere 1978), aber auch auf anderen PAA-Veranstaltungen, wie zum Beispiel auf der wissenschaftlichen Tagung über „einige Probleme der Entwicklung der heutigen Welt“ – vom 2. - 4. Oktober 1978, wo der Kampf gegen den chinesischen Revisionismus und die Mao Tse-tung-Ideen brandheiß zur Sprache gekommen waren und zwar nicht nur in Referaten der PAA, sondern auch ihrer Bruderparteien (übrigens ausgerechnet nichtvon der KPD/ML !! - auch im Rechenschaftsbericht an den IV. Parteitag keine einzige Silbe zu diesem ungeheuerlichen Vorgang.). Nicht mal eine einzige Silbe Solidarität der KPD/ML mit Albanien in seinem Kampf gegen die verbrecherische chinesische Führung kamen dem Koch auf der benannten internationalen Tagung über seine Verräter-Lippen. Von der KPD/ML war nämlich der Trotzkist Koch auf dieser Tagung anwesend und zwar mit seinem trotzkistischen Referat über die „revolutionäre Linie in der Gewerkschaftsfrage“, das gar nicht so revolutionär war, wie der Titel vermuten ließe. Er verhüllte seine rechte Gewerkschaftslinie damals noch mit revolutionären Phrasen (Die Notwendigkeit des Aufbaus einer revolutionären Klassengewerkschaft verurteilte Koch in seinem Referat als einen „verhängnisvollen Fehler“ als „sektiererisch“ - später – 1985 - schaffte er konsequenterweise die RGO, die er in Albanien noch so lauthals gepriesen hatte, kurzerhand ab = ebenfalls mit der Begründung: „sektiererisch“. Von seiner Verurteilung des revisionistischen Kurses der chinesischen Führer - eben auch in der Gewerkschaftsfrage -, was ja wohl thematisch aktuell naheliegend gewesen wäre - war natürlich kein Sterbenswörtchen von Herrn Koch in Albanien zu vermelden - doch das nur nebenbei (Radio Tirana, 12. 10. 1978, Seite 8). Und auf Seite 89 heißt es im Rechenschaftsbericht zu dieser Tagung lediglich: „Die wichtige wissenschaftliche Tagung in Tirana über Probleme der heutigen Weltentwicklung war auch eine neue Form des Zusammentreffens und des Meinungsaustausches zwischen den Bruderparteien und war für die kommunistische Weltbewegung ganz zweifellos von großer Bedeutung“. Die Form dieser Tagung war es wert, erwähnt zu werden, dass es jedoch inhaltlich im Wesentlichen um die Verurteilung und Zurückweisung des chinesischen Revisionismus und die Mao-Tse-tung-Ideen ging, diese weltpolitisch-ideologische Bedeutung der Tagung, dieser ideologisch-internationalistische Schulterschluss der marxistisch-leninistischen Weltbewegung mit dem letzten sozialistischen Land auf der Welt bei der Bekämpfung der chinesisch-revisionistischen Umkreisung ist nicht erwähnenswert gewesen im Rechenschaftsbericht. Dazu auch nichts im Abschnitt zur Beurteilung der internationalen Lage ! Wenn Ernst in seinem Rechenschaftsbericht über die internationale Lage berichtet, hätte er wenigsten ein paar Worte über die Lage der sozialistischen Welt, über die SVR Albanien verlieren können, die gehört schließlich auch zur Weltlage, oder ? Das ist eine unverzeihliche Unterlassungssünde, vor allem wenn man das Jahr 1990 als das Jahr des Sturzes der letzten Diktatur des Proletariats auf der Welt in Rechnung stellt. Das ganze Jahr 1978 stand jedenfalls im Zeichen des Kampfes der PAA und der ganzen marxistisch-leninistischen Weltbewegung gegen den chinesischen Revisionismus und gegen die Mao-Tse-tung-Ideen. Es war im Gesamtinteresse des Weltproletariats, sich mit dem albanischen Proletariat gegen die frechen Angriffe der chinesischen Revisionisten solidarisch zu vereinigen. Es wäre also auch die Aufgabe eines Parteitags gewesen, entsprechende Beschlüsse zur fassen, um den proletarischen Internationalismus umzusetzen und ins deutsche Proletariat zu tragen. Es ist rechts und mit dem proletarischen Internationalismus unvereinbar, wenn man auf einem Parteitag die Interessen des eigenen Proletariats über die Interessen des Weltproletariats stellt. Das schien nicht zu harmonisieren mit der Losung „´Propaganda`- oder Kampfpartei“, damit würde man ja wieder nur „Propagandapartei“ sein, da sind die Teilforderungen nach Reformen im nationalen Rahmen natürlich viel wichtiger als die Verteidigung der Gesamtinteressen des Weltproletariats, wichtiger als der Schutz des sozialistischen Proletariats in Albanien vor den Angriffen der chinesischen Revisionisten. Der Angriff des chinesischen Revisionismus auf Albanien im Jahre 1978, dem Jahr des IV. Parteitags, war ein Angriff auf die sozialistische Weltrevolution, war ein Angriff auf die Basis und den Hebel der sozialistischen Weltrevolution, war ein Angriff auf die marxistisch-leninistische Weltbewegung, auf die PAA, auf die Bruderparteien, auf die KPD/ML und damit natürlich auch auf die revolutionären, internationalen Interessen der Arbeiterklasse in Westdeutschland und Westberlin.. Mir wäre es unbegreiflich geblieben, dass der IV. Parteitag 1978 auf die höchst bedrohliche Situation in Albanien - hervorgerufen durch die chinesischen Führer – überhaupt nicht reagiert hatte, wenn ich nicht das Jahr 1985 miterlebt hätte. Der Sieg des IV. Parteitags über die Linkssektierer im Kampf ums Klopapier der Arbeiter (man möge mir diese Überspitzung verzeihen) ist wichtig, keine Frage. Aber als das sozialistische Albanien gerade in jenem Augenblick die Unterstützung des deutschen Proletariats gegen die chinesischen Verbrecher brauchte, da wird doch so ein lächerlicher Streit ums Klopapier peinlich – entschuldigt meine Entrüstung - . In so einer Ausnahmesituation, da kann der IV. Parteitag das Klopapier doch nicht mehr zum Hauptgegenstand der Diskussion über „`Propaganda`- oder Kampfpartei“ machen, kann man sich doch nicht auf so eine Weise hinter seine parteiinternen Angelegenheiten verstecken. Da ging es um nicht weniger als um die Mobilisierung aller fortschrittlichen Weltkräfte zum Schutze des letzten sozialistischen Landes auf der Welt gegen den modernen Revisionismus, gegen den chinesischen Revisionismus. „Hände weg von Albanien, Hände weg vom Sozialismus! Nieder mit dem chinesischen Sozialimperialismus!“ Das war 1978 die zentrale Losung zur Verteidigung des einzigen sozialistischen Landes der Welt! Das war die Losung des proletarischen Internationalismus im Jahre 1978 ! Die KPD/ML, sowie ihre Massenorganisationen hatten im Sommer/Herbst 1978 Solidaritätserklärungen an das ZK der PAA, an Genossen Enver Hoxha, an Radio Tirana geschickt, das war gut und wichtig und zu begrüßen, aber warum hüllte sich im Dezember 1978 der IV. Parteitag in dieser wichtigen Frage vollkommen in Schweigen ? Kann es dafür irgendeine Entschuldigung geben ? Ich glaube nicht. Der IV. Parteitag hätte ganz einfach internationalistisch handeln und eingreifen, die Partei entsprechend mobilisieren, müssen. Wir Kommunisten sind Internationalisten und nichts anderes , und der Parteitag hat dies konkret zum Ausdruck zu bringen. „Hinein in die Massen!“ – diese Losung hätte dazu dienen müssen, die Arbeiterklasse zur Solidarität mit den albanischen Klassenbrüdern aufzurufen und sie somit ganz konkret über die verbrecherischen Mao-Tse-tung-Ideen aufzuklären und damit einen aktuellen internationalistischen Beitrag zum Kampf gegen den modernen Revisionismus zu leisten. Der Kampf ums eigene Klopapier ist wichtig, aber kann er wichtiger sein, als der Kampf, die fortschrittlichen Arbeiter in Deutschland dafür zu gewinnen, ihren sozialistischen Klassenbrüdern in einer solch kritischen Situation solidarisch beizustehen ? Ich bin der Meinung, dass der IV. Parteitag sich hiermit am proletarischen Internationalismus versündigt hat, und dass dies dem Koch damit den Weg ebnete, bereits 5 - 6 Jahre später eben dieses einzige sozialistische Land in der Welt im Namen der KPD/ML und vor den Augen der revolutionären Arbeiter in Deutschland mit trotzkistischen Dreckkübeln zu überschütten. Es ist unverzeihlich, dass wir selber all das so weit haben kommen lassen.
Ernst berichtet auf Seite 87: „Es waren die chinesischen Revisionisten, die verhinderten, dass die marxistisch-leninistische Weltbewegung wirklich einheitlich und geschlossen aus dem Kampf gegen den Chruschtschow-Revisionismus hervorgegangen ist.“ Stimmt das so ohne Weiteres ? Genauer betrachtet haben die chinesischen Revisionisten dies letztendlich doch überhaupt nicht verhindern können, eben auf Grund der Lehren des Genossen Enver Hoxhas.. Die marxistisch-leninistische Weltbewegung mit Genossen Enver Hoxha an der Spitze ist nicht nur einheitlich und geschlossen aus dem Kampf gegen den Chruschtschow-Revisionismus hervorgegangen, sondern aus dem Kampf gegen den modernen Revisionismus überhaupt, einschließlich seiner chinesischen Variante. Man darf sich im Kampf gegen den modernen Revisionismus nicht einseitig auf den Kampf gegen den Chruschtschow-Revisionismus beschränken, sondern muss seinen allseitigen Kampf gegen den modernen Revisionismus überhaupt anwenden, also ausnahmslos alle revisionistischen Strömungen betreffend, so auch die des jugoslawischen Revisionismus, aus dem dann ja später die Koch-Trotzkisten „schöpften“. Die PAA mit Enver Hoxha an der Spitze war die einzige Partei in der Welt, die den jugoslawischen Revisionismus in Theorie und Praxis jahrzehntelang konsequent entlarvt und bekämpft hatte. Wenn die Lehren Enver Hoxhas, insbesondere was den Kampf gegen den jugoslawischen modernen Revisionismus anbelangt, vom IV. Parteitag im Programm gestrichen wurde, so lässt sich nicht leugnen, dass dies den Koch-Trotzkisten dabei geholfen hat, sich im Kampf gegen die KPD/ML auf Tito zu stützen. Und das war auch eine Kriegserklärung gegen die PAA und die ganze marxistisch-leninistische Weltbewegung. Die Albaner haben bekanntlich schon gegen die jugoslawische Strömung des modernen Revisionismus gekämpft als es noch gar keinen Chruschtschow-Revisionismus auf der Welt (1956 an der Macht) gab. Übrigens hatten die chinesischen Revisionisten im Kampf der Albaner gegen Tito anfangs noch nicht ihre Hand im Spiel. Erst im Kampf gegen den Chruschtschow-Revisionismus versuchten die chinesischen Revisionisten, auf den albanischen anti-revisionistischen Zug zu springen, um alle Waggons von der albanischen Lok während der Fahrt abzukoppeln und sie hinter die Lok des chinesischen Revisionismus zu koppeln! Die Einheit und Geschlossenheit der marxistisch-leninistischen Weltbewegung hat dies jedoch noch verhindert. Die Einheit der marxistisch-leninistischen Weltbewegung, die Einheit der KPD/ML (im Kampf gegen den modernen Revisionismus - und nicht nur im Kampf gegen den Chruschtschow-Revisionismus) beruht nicht zuletzt auf den Lehren des Genossen Enver Hoxha.Das galt insbesondere für das Jahr 1978. Auch davon auf dem 1978 stattgefunden IV. Parteitag kein einziges Wort.
Und auf Seite 89: „Die gemeinsame Erklärung mit den Bruderparteien Griechenlands, Italiens, Portugals und Spaniens, mehrere Beratungen zwischen unseren Parteien wird von uns als ein wichtiger und richtiger Schritt hinsichtlich der Stärkung und Festigung der Einheit zwischen unseren Bruderparteien und im Kampf gegen den modernen Revisionismus angesehen.“ Allerdings heißt es auch darin auf Seite 33: „ehren die Bruderparteien das Andenken des Genossen Mao Tse-tung“. Das macht nun wirklich dem Andenken an den Anti-Revisionismus wirklich keine Ehre. Die „Drei- Welten - Theorie“ wird darin schon verurteilt, aber Mao Tse-tung als ihr geistiger Urheber noch geehrt, also nicht direkt die Mao-Tse-tung-Ideen und der chinesische Revisionismus entlarvt und verurteilt. Ich denke, es hätte nichts geschadet, wenn der IV. Parteitag hierauf selbstkritisch hingewiesen hätte, zumal diese Gemeinsame Erklärung auch nach dem IV. Parteitag von der Partei unverändert weiter verbreitet wurde. Gemeinsame Erklärungen der KPD/ML mit einer Anzahl mehrerer Bruderparteien– ähnlich wie die hier im Rechenschaftsbericht an den IV. Parteitag erwähnte -, in denen ausdrücklich der chinesische Revisionismus, die Mao-Tse-tung-Ideen verurteilt worden wären, sind auch nach dem IV. Parteitag nicht zustande gekommen, jedenfalls sind mir solche Erklärungen nicht bekannt. An Hand unserer negativen Erfahrungen mit der Koch-Clique müssen wir die Lehren ziehen, dass der Kampf gegen die Mao-Tse-tung-Ideen noch längst nicht abgeschlossen ist, dass dieser Kampf mit unverminderter Schärfe und Konsequenz fortzusetzen ist, insbesondere der Kampf gegen den Neo-Maoismus, also die neo-revisionistische Häutung des Maoismus (Anti-Maoismus in Worten – Maoismus in Taten)..
Ernst entlarvte in seinem Rechenschaftsbericht ausführlich die Ideologie des Kleinbürgertums, die den Mao-Tse-tung-Ideen zu Grunde liegt. Ich bin bereits auf den Fehler des IV. Parteitags eingegangen, die Lehren des Genossen Enver Hoxhas aus dem Programm zu streichen. Welche Auswirkungen das hatte, sieht man erst später in aller Deutlichkeit. So sprachen die Koch-Trotzkisten in ihrem neuen Programmentwurf nicht mehr vom revisionistischen China und von den revisionistischen Mao-Tse-tung-Ideen, die durch die Lehren Enver Hoxhas entlarvt worden waren, sondern nur noch von den revisionistischen Staaten des Warschauer Pakts. (siehe Koch-Programmentwurf, Seite 1). Wenn man Enver wegnimmt, erlaubt man dem Maoismus unvermeidlich, wieder in die Partei einzuschleichen, was denn auch geschah. Wenn man sich die pluralistischen Positionen des trotzkistischen Koch-ZK anguckt, so verlieren sie über Mao zwar kein Wort, aber in der Tat, dem Wesen nach, deckt sich das mit den Grundlagen ihrer kleinbürgerlichen Ideologie, dann trifft das, was Ernst in seinem Rechenschaftsbericht darüber vortrug, genau auf die Koch-Trotzkisten zu. Der IV. Parteitag hat also nicht konsequent genug die Mao Tse-tung Ideen zurückgewiesen, vor allem aber hat man sich auf dem V. Parteitag und insbesondere danach nicht mehr auf den Rechenschaftsbericht von Ernst auf dem IV. Parteitag „erinnert“, hat man den Kampf gegen den Maoismus vernachlässigt, sich von ihm entfernt, sich von ihm verabschiedet, ja ihn völlig begraben. Vieles, was der IV. Parteitag korrekterweise am kleinbürgerlichen Wesen der Mao-Tse-tung-Ideen kritisierte, tauchte dem Wesen nach insbesondere nach dem V. Parteitag wieder auf und zwar in Theorie und in Praxis. Bislang hatten wir hier nur den trotzkistischen Kurs der Koch-Clique kritisiert. Wie sich herausstellt, wurden in verdeckter Form die alten Relikte der maoistischen Studentenbewegung wiederbelebt, half der Trotzkismus dabei, die Mao-Tse-tung-Ideen wieder unbemerkt also ohne sie als solche zu benennen und zu definieren in die Partei von hinten einzuschleusen. Genauso wie die Koch -Clique uns Marxisten-Leninisten als letztes „Angebot“ allen Ernstes „freistellte“, eine Stalinfraktion in der Partei zu bilden, hätten sie auch sicherlich nichts gegen eine Mao-Fraktion in der Partei gehabt – jede Fraktion war ihnen Recht, war erwünscht, passte in ihr trotzkistisches Konzept von der Partei, in der alle Fraktionen friedlich miteinander „wetteifern“, so wie es Mao im Grunde gelehrt und praktiziert hatte !
Wir dürfen uns nicht wundern, wenn der Revisionismus von der Partei Besitz ergreift, wenn wir uns selber unserer schärfsten ideologischen Waffe gegen den Revisionismus, nämlich der Lehren Enver Hoxhas als Grundlage des Marxismus-Leninismus, beraubten, indem wir sie aus dem Programm entfernten. Wir entfernten Mao als 5. Kopf, aber wir versäumten es, diesen 5. Kopf zu ersetzen, wodurch Maos Kopf zwar beseitigt, aber sein Schatten im Hintergrund allmählich wieder deutlicher sichtbar werden konnte, insbesondere mit der Machtergreifung der Koch-Clique. Die KPD/ML hat diesen Fehler viel zu spät, erst viele Jahre nach dem Tod des Genossen Enver Hoxha, korrigiert. Erst mit der Gründung der Komintern / ML im Jahre 2000, deren Sektion die KPD/ML ist, wurden die Lehren des Genossen Enver Hoxha offiziell in einer Reihe mit den Lehren von Marx, Engels, Lenin und Stalin gestellt, wurde offiziell von den 5 Klassikern des Marxismus-Leninismus gesprochen, wurde der Marxismus-Leninismus als Lehren der 5 Klassiker definiert und wissenschaftlich begründet. Die Begründung hierfür lieferte u.a. der grundlegende Artikel: „Die Gründung der Komintern / ML und der Genosse Enver Hoxha als 5. Klassiker des Marxismus-Leninismus“, weswegen wir dies hier nicht näher erläutern müssen. Aber es sei angemerkt, dass schon vorher, nämlich in den 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts, die 5 Köpfe im Emblem der KPD/ML ihren festen Platz erhalten hatten, und nicht zu vergessen der III. Parteitag mit seinem Programm. Das Programm des Genossen Ernst Aust, dessen Änderungen vom IV. Parteitag beschlossen wurden, hatte die KPD/ML aber aus bekannten Gründen auch heute noch absichtlich im Original als historisches Dokument, stehen lassen, weil es mittlerweile viele parteifeindliche Absplitterungen versucht hatten, das Programm anzugreifen, zu entstellen, seinen revolutionären Geist zu begraben usw. usf. (und also nicht etwa wegen der darin vorgenommenen Streichung der Lehren Enver Hoxhas). Da sind wir selber drauf gestoßen. Es kann kein Zweifel daran bestehen, dass die Genossinnen und Genossen der KPD/ML die 5 Klassiker des Marxismus-Leninismus durch ihren kommenden, zukünftigen 8. Parteitag umgehend bestätigen und damit auch wieder im Programm verankern werden. Heute kann man nur dann von einer wahrhaft bolschewistischen Partei sprechen, wenn sie sich in Übereinstimmung von Wort und Tat von den Lehren der 5 Klassiker leiten lässt. Alles andere sind folglich anti-bolschewistische Parteien. Ohne die Lehren des Genossen Enver Hoxha lassen sich die Mao Tse-tung-Ideen nun einmal unmöglich auf korrekten marxistisch-leninistischen Grundlagen zurückweisen. Der IV. Parteitag aber hatte diese tiefe Wahrheit einfach „übersehen“. Welche feindliche Haltung die Koch-Clique später schließlich gegenüber der SVR Albanien, gegenüber der PAA und gegenüber den Genossen Enver Hoxha eingenommen hatte, ist allen Genossinnen und Genossen noch leidlich in Erinnerung. Entscheidend dafür aber war, dass wir dem Treiben des Koch-ZK`s jahrelang tatenlos zugeschaut haben. Fehler breiten sich nur bis zu einer Liquidierung der Partei aus, wenn die Marxisten-Leninisten dies zulassen – und wir haben es zugelassen, darin bestand unsere Schuld.
Was nun die Physiognomie der Mao-Tse-tung-Ideen betrifft, so ist sie besonders deswegen gegenüber dem marxistisch-leninistischen Zweifrontenkampf gefährlich, weil sich in ihnen die linkssektiererischen und rechtsopportunistischen Strömungen vermischen, dass sie sich als Verteidigung der „proletarischen Linie“ sowohl gegen das Linkssektierertum als auch gegen den Rechtsopportunismus ausgegeben haben, um es der Partei somit zu erschweren, sich als eine wahrhaft bolschewistische Partei mit einer wahrhaft proletarischen Linie zu entwickeln. Linkssektierertum wurde mit Rechtsopportunismus bekämpft bzw. versöhnt und Rechtsopportunismus umgekehrt mit Linkssektierertum – natürlich stets unter dem Deckmantel des Marxismus-Leninismus. Indem sich Mao beider Strömungen mittels seiner Ping-Pong-Methode bediente, verhinderte er es, dass sich die Kommunistische Partei Chinas überhaupt jemals zur bolschewistischen Partei entwickeln konnte. Mit seinen „marxistisch-leninistischen“ Phrasen über den „Kampf zweier Linien“ verhinderte er, dass die chinesische Partei jemals auf den Grundlagen des Marxismus-Leninismus stand. Auch die Trotzkisten griffen die proletarische Linie von „links“ an - also versteckt als „Vertreterin der leninistischen Linie“ gegen den „Rechtsopportunismus“ (womit die Trotzkisten natürlich die proletarische, leninistische Linie treffen wollten) , um danach die Partei umgekehrt, ganz offen von rechts anzugreifen, indem der proletarischen, leninistischen Linie „Dogmatismus und Linkssektierertum“ vorgeworfen wurde, natürlich immer auf dem formalen Boden des Leninismus vorgetragen. So versuchte Trotzki dann ja auch später auf dem formalen Boden des Leninismus, den angeblichen „Anti-Leninismus“ des Genossen Stalin „nachzuweisen“, um dahinter in Wirklichkeit seine bürgerliche Revision (= Liquidierung) des Leninismus zu verbergen, also den Leninismus durch den Trotzkismus zu ersetzen. Im Gegensatz zu Mao war Trotzki aber zeitweilig gezwungen, eine scheinheilige bolschewistische Haltung einzunehmen, um sich damit das verlorene Vertrauen bei den Bolschewiki wieder zu erschleichen und seinen Fraktionismus unter den Bolschewiki zu verbreiten. Lenin kennzeichnete Trotzki ( ich kann das hier leider nur sinngemäß wiedergeben, weil ich mich nicht mehr genau daran erinnere, wann und wo Lenin das gesagt hatte – Entschuldigung) sowohl als einen „am meisten zum Menschewismus hinneigenden Genossen im Lager der Bolschewiki als auch einen am meisten zum Bolschewismus hinneigenden Genossen im Lager der Menschewiki.“ Zeitweilig gelang es den Bolschewiki also durchaus erfolgreich, Trotzki zur Schwächung der Menschewiki und zur eigenen Stärkung einzubauen im Zweifrontenkrieg. Da, wo das nicht gelang, wo es um die Behauptung der Macht, um die Wahrung der Prinzipien der Leninisten ging, da wurde Trotzki erbarmungslos in seine Schranken gewiesen und das ohne zu zögern, ihn aus der Partei auszuschließen usw. usf.. So wie die Bolschewiki mit der NÖP die Kapitalisten unter der Diktatur des Proletariats zwangen, sich am Wiederaufbau der durch den Krieg zerschundenen Wirtschaft zu beteiligen, so zwang die bolschewistische Partei in ihrem Zweifrontenkrieg jene opportunistischen Elemente, die im gegebenen Augenblick eine Nebengefahr darstellten, sich auf Seite der Bolschewiki zu stellen und sich der Partei im Kampf gegen die opportunistische Hauptgefahr unterzuordnen. Wohlgemerkt ist hier nicht etwa die Anwendung der parteifeindlichen Versöhnungstaktik gemeint, mit der die Prinzipien an die „Nebenopportunisten“ verschachert worden wären, um sich auf diese Weise den Besitz der Führungspositionen in der Partei zu erkaufen bzw. zurückzukaufen. Genauso wenig wie man sich unter die schwächere imperialistische Macht stellt, um eine stärkere zu bekämpfen, kann man sich auch nicht unter das Banner der „Nebenopportunisten“ stellen, um die „Hauptopportunisten“ zu schlagen. Im ideologischen Zweifrontenkrieg muss das marxistisch-leninistische Banner der Partei immer die prinzipienfeste Führung, die proletarische Oberhand behalten. In jenem Fall, wo die Marxisten-Leninisten in die Minderheit geraten waren, bemühten sie sich um die Einbeziehung dieser oder jener Nebenströmung im Kampf gegen die Usurpierung der Macht durch die opportunistische Hauptströmung. Aber eine andere Alternative als die Einheit durch Unterordnung unter der marxistisch-leninistischen Linie gab es dabei nicht und konnte es dabei nicht geben. Und ebenso wenig kann dabei eine sektiererische Verurteilung oder Ablehnung dieser Einheitstaktik des ideologischen Zweifrontenkrieges in der Partei akzeptiert werden, da sie diesen nur schwächen oder gar unmöglich machen kann. Die Einheitsfronttaktik der Partei nach außen ist bedingt durch die Einheitsfronttaktik nach innen, setzt diese voraus. Die Einheitsfronttaktik nach außen ist so zu sagen der verlängerte Arm der inneren Einheitsfronttaktik der Partei. Das Aufeinander-Einwirken, das Aufeinander-Abstimmen - bis zur schließlichen Übereinstimmung - der Einheitsfronttaktik beider Zweifrontenkriege der bolschewistischen Partei - nach innen und außen - beruht auf den Prinzipien des Marxismus-Leninismus.
So bedienten wir Marxisten- Leninisten uns zunächst der Unterstützung durch die „linken“ Liquidatoren gegen das Koch-ZK, um sie danach, also nach Erreichen dieses Zieles, zu zwingen, sich entweder der Mehrheit der Marxisten-Leninisten unterzuordnen oder sich von der Partei zu trennen. Das Letztere war der Fall. Als die Möllerleute insgeheim versuchten, die Rolle vom Koch-ZK zu übernehmen und die Marxisten-Leninisten einzusacken, wurde auch die Spaltung mit den Möllerleuten unvermeidlich. Zwar brachten die Möllerleute ein neues opportunistisches Programm heraus, aber damit gelang es ihnen nicht, unser Programm zu ersetzen. Wir hatten das Programm des Genossen Ernst Aust tapfer verteidigt, und so ist es bis heute im Wesentlichen die Richtschnur für unsere grundlegenden revolutionären Aufgaben geblieben, hilft es uns weiter im Kampf gegen alle Liquidatoren. Wie lange wir Marxisten-Leninisten auch immer die Minderheitssituation ertragen müssen, so tun wir das diszipliniert, geduldig und prinzipienfest, würden wir uns nicht mit opportunistischen Mehrheiten oder Organisationen versöhnen, denn das bedeutete, freiwillig in den Tod zu gehen. Wir führen mit allen einen kameradschaftlichen Kampf, wenn es um die Einheit auf der Grundlage des Programms des Genossen Ernst Aust geht. Das heißt aber, zur Zeit nicht zuzulassen, dass sich die Liquidatoren auf den formalen Boden des Programms stellen können, nur um uns leichter aus der Welt zu schaffen.
Indem Trotzki im Hintergrund seine fraktionistischen, spalterischen und intriganten Fäden zog, ähnelte er wiederum Mao Te-tung, aber im Gegensatz zu Mao hatte es Trotzki eben mit Lenin und Stalin zu tun, während es in China niemals solche Genossen wie Lenin und Stalin, niemals eine bolschewistische Partei gab, mit denen sich Mao hätte gezwungenermaßen auseinandersetzen müssen. Als Mao in der KP China die Macht übernahm, war er zu keinem einzigen Zeitpunkt gezwungen, sich auf den formalen Boden des Bolschewismus zu stellen, da die KP Chinas zu Maos Zeiten niemals auf dem Boden des Bolschewismus stand. Somit war er der von allen opportunistischen Fraktionen unangefochtene „Steuermann“, um darüber zu wachen, dass sich die KP Chinas niemals zur bolschewistischen Partei entwickelt und dass das chinesische Proletariat seine politische Macht niemals erobern konnte. Innerhalb der kommunistischen Weltbewegung konnte Mao allerdings nicht so vorgehen wie im eigenen Land, weil es in ihr schließlich eine PAA und einen Enver Hoxha gab. Deswegen musste Mao Tse-tung hier gezwungener Maßen - also für ihn unumgänglich -, den formalen Boden des Kampfes gegen den modernen Revisionismus betreten, um dahinter nicht nur den modernen Revisionismus in China zu verbergen, sondern auch seine spalterische Tätigkeit innerhalb der marxistisch-leninistischen Weltbewegung, die von Enver Hoxha angeführt wurde. Damit wurde er nicht nur zum Vertreter der Interessen der chinesischen Bourgeoisie im eigenen Land, sondern auch zu deren Vertreter im Weltmaßstab, zu einem Vertreter des Strebens der chinesischen Bourgeoisie nach einer Supermacht, nach der Weltherrschaft.
Was die KPD/ML anbelangte, so war der Genosse Ernst Aust derjenige Genosse, der uns Marxisten-Leninisten im Kampf gegen das „linke“ und rechte Liquidatorentum führte, um die proletarische Linie zu verteidigen, weiter zu entwickeln und zu festigen, war es der Genosse Ernst Aust, der das Programm der Partei unter Einbeziehung der Mithilfe aller Parteigenossen ausgearbeitet hatte, und damit jegliche parteifeindliche Plattformbildung erschwerte. Es ist vor allem dem stählernen Programm des Genossen Ernst Aut zu verdanken, dass sich die Liquidatoren weder von rechts noch von „links“ für eine lange Zeit nicht an seine vollständige bürgerliche Revision heranwagten, dass sie gezwungen waren, sich formal auf den Boden des Programms zu stellen und die marxistisch-leninistische Geschlossenheit der Parteibasis zumindest nicht offen anzugreifen. Damit hat der Genosse Ernst Aust der KPD/ML einen ungeheuer wertvollen Dienst erwiesen. In dieser Zeit machte die Partei einen gewaltigen Schritt nach vorn, was die Gefahr des Liquidatorentums aber nicht verminderte, sondern im Gegenteil erhöhte, gesetzmäßig erhöhen musste. Auf Grund der Streichung der großen Lehren des Genossen Enver Hoxha aus dem Programm setzten gerade an diesem schwachen Punkt die rechten Liquidatoren mit Abschluss des IV. Parteitag alles daran, die KPD/ML allmählich (erst verdeckt und dann offen) von Albanien, von der PAA, von der marxistisch-leninistischen Weltbewegung und den Bruderparteien abzuspalten. Erst als dies vollzogen war, begannen sie, sich als nächstes an Stalin heranzumachen. Es war der Genosse Ernst Aust, der die Basis der Partei in den Zweifrontenkrieg gegen das Liquidatorentum einband und mobiliserte, wenn es im ZK um die Verteidigung der proletarischen Linie ging. Fraktionismus innerhalb des ZK, insbesondere die Cliquenbildung und Vetternwirtschaft der Linkssektierer wurde durch die Entfaltung der innerparteilichen Demokratie, mit Hilfe des Parteitags überwunden. Das änderte sich nach dem V. Parteitag. Hier war es die marxistisch-leninistische Minderheitsbasis der Partei, die dem Genossen Ernst Aust die nötige Unterstützung und Rückendeckung gewährte, um seinen titanischen Einzelkampf im total trotzkistisch verseuchten Koch-ZK zu Ende zu führen. Da dieser Schulterschluss reichlich spät zustande kam, wurde der Kampf gegen die Koch-Clique besonders schmerzhaft, kostete er uns unnötig große Opfer, konnte nicht mehr die ganze Parteibasis gegen das Koch-ZK mobilisert werden, obwohl wir dafür enorme Anstrengungen unternommen hatten ( zum Beispiel unsere Forderung nach einem Sonderparteitag, den das Koch-ZK aber vereiteln konnte, weil die erforderliche Stimmenanzahl für seine Einberufung durch die Parteibasis statutsmäßig nicht mehr zustande kam und die Spaltung unvermeidlich wurde ).




„´Propaganda` - oder Kampfpartei ?“ - Eine richtige oder falsche Losung ?
Was bedeutet es, wenn mit der Losung. „Hauptgefahr = Linkssektierertum“ die Partei von rechts, also durch den Rechtsopportunismus, liquidiert wurde ?
Was bedeutet es, wenn die Losung: „`Propaganda` - oder Kampfpartei?“ in eine Losung: „Propaganda – oder `Kampf `partei?“ verwandelt wird ?
Was bedeutet es, wenn der IV. Parteitag den Beschluss fasst, gegen die Hauptgefahr des Linkssektierertums zu kämpfen und die von den Rechten majorisierte Partei auf dem V. Parteitag Beschlüsse fassen kann, die ihre rechte Entartung/Liquidierung besiegelten ? Wir kämpften gegen das Linkssektierertum und ernteten Rechtsopportunismus. Wir kämpften auf dem IV. Parteitag gegen eine liquidatorische Minderheit und standen mit dem V. Parteitag bereits einer liquidatorischen Mehrheit gegenüber. Wir bauten die Massenorganisationen im Kampf gegen das Linkssektierertum auf und eben mit diesen Massenorganisationen wurde der Rechtsopportunismus in die Partei gestärkt. Wir kämpften gegen das „linke“ Kommandieren und landeten im Liberalismus. Wir kämpften für die Einhaltung der eisernen proletarischen Disziplin und standen schließlich einer disziplinlosen Parteiführung gegenüber. Wir bekämpften auf dem IV. Parteitag den Fraktionismus und wurden auf (und nach) dem V. Parteitag durch ihn fast liquidiert. Ernst sagte in seinem Rechenschaftsbericht auf dem IV. Parteitag: „Wir hatten zur Genüge die Außerkraftsetzung des demokratischen Zentralismus in der Partei, das Aufkommen anti-marxistisch-leninistischer Ideen und Vorstellungen erlebt, als dass wir jetzt darauf brannten zu erleben, wie zwei oder drei Linien oder Fraktionen in der Partei miteinander kämpften, wie unter der Losung „Lasst hundert Blumen blühen“ und „hundert Schulen miteinander wetteifern“ auch in der KPD/ML das Gift des Anti-Marxismus, des Anti-Leninismus aufblühen würde“. Was also 1978 von Ernst bekämpft wurde, das wurde 1985 Wirklichkeit. Das sind die Fakten, das sind die Tatsachen und alles ist – oberflächlich betrachtet - kaum zu glauben und schwer zu erklären. Bei näherer Betrachtung löst sich diese Nebelwand aber schnell auf, erkennt man die Gesetzmäßigkeit dieser Entwicklung und lernt dadurch auch, in Zukunft solch eine „überraschende“ Wende der Entwicklung vorauszusehen und rechtzeitig zu vermeiden. Man kann zwei Ursachen dafür verantwortlich machen. 1. Die richtigen Beschlüsse des IV. Parteitags wurden nicht korrekt in die Praxis umgesetzt und 2. auf dem IV. Parteitag wurden falsche Beschlüsse gefasst, die die rechte Entwicklung der Partei bis zum Jahre 1985 begünstigten, bzw. ihr den Weg ebneten. Beides zusammengenommen bereitete der Koch-Clique einen Nährboden zur Liquidierung der Partei., wobei der Punkt 2 bis jetzt noch nicht kritisch genug unter die Lupe genommen worden war.
Eine Schwäche der Partei war es, dass die Hauptgefahr des Linkssektierertum nicht rechtzeitig, ja überhaupt nicht revidiert und die Hauptgefahr Rechtsopportunismus nicht rechtzeitig erkannt wurde, also erst als es bereits zu spät war, um diese Gefahr noch abwenden zu können. Das bedeutet, dass wir die dialektische Einheit des Kampfes gegen das Linkssektierertum und den Rechtsopportunismus damals noch nicht richtig meistern konnten, dass wir die Doppelgefahr des Revisionismus unterschätzt haben, dass der Revisionismus sowohl von rechts als auch von „links“ in die Partei einzudringen versuchte, bzw. versuchte, seine Position dort insgesamt nicht zu verlieren, sondern zu behaupten, eben mit Hilfe der Verlagerung seiner „linken“ auf seine rechte Taktik. Ergebnis: die Partei wurde eben nicht von der Hauptgefahr „links“, sondern von der Hauptgefahr rechts fast liquidiert – siehe V. Parteitag, wo zu dieser wichtigen Frage bezüglich der Beschlüsse des IV. Parteitags nichts mehr zu verlauten war. Die Frage der Hauptgefahr fiel nun nach dem V. Parteitag gänzlich unter den Tisch. Dass die Partei von rechts liquidiert wurde, beweist zunächst einmal, dass die Partei die Veränderung der Hauptgefahr des Linkssektierertums (zumindest) nicht rechtzeitig, also nicht korrekt nachvollzogen hatte, also die Bedienung der Schalthebel im Grunde genommen „verschlafen“ hatte, um es einmal salopp auszudrücken. Warum konnte das geschehen ?
Wie das Wort „Hauptgefahr“ besagt, ist daran die Nebengefahr logischerweise nie unbeteiligt, tritt die Gefahr des Opportunismus als Einheit von Haupt- und Nebengefahr also als Gesamtgefahr auf, und eben dieser dialektischen Einheit aller opportunistischen Gefahren als Gesamtgefahr muss dem Kampf gegen den Revisionismus sowohl nach innen als auch nach außen Rechnung getragen werden. So ist eben die „linke“ Gefahr nicht isoliert für sich zu bekämpfen und dann wird man danach auch mit der rechten Gegentendenz also der „Nebengefahr“ noch „nebenbei“ fertig , sondern als Teil der Gesamtgefahr zu sehen, die dadurch ja nicht geringer wird. Die größte Gefahr ist immer jene, die falsch - das heißt nicht korrekt auf dem Boden des Marxismus-Leninismus - eingeschätzt und behandelt wurde. Und die noch zu geringe Erkenntnis, die noch zu geringe Erfahrung im Umgang mit der dialektischen Einheit des Linkssektierertums mit dem Opportunismus insgesamt innerhalb der Partei – das war für den IV. Parteitag die größte Gefahr, die sie nicht erkannt - und damit auch das Jahr 1985 nicht vorausgesehen - hat. Haben wir die „linke“ Gefahr gebannt, nimmt dadurch nicht die Gesamtgefahr etwa ab, sondern im Gegenteil, sie wird größer und muss gesetzmäßig sogar größer werden, weil wir den Klassengegner dazu gezwungen haben, sich erbitterter als vorher seiner Haut zu erwehren. Der revisionistische Einfluss, sowohl im „linken“ als auch im rechten Gewand ist eine objektive ( nicht zu verwechseln mit der subjektiven) Erscheinung in der Partei, die solange existiert, wie Klassen und ihre Parteien in einer Gesellschaft existieren. Der Widerstand der Opportunisten entwickelt sich mit der Stärke des Marxismus-Leninismus, die Stärke der Partei entwickelt sich im Kampf gegen den Widerstand der Opportunisten. Im Grunde genommen lässt sich weder die Hauptgefahr noch die Nebengefahr vollständig beseitigen, sondern nur ihre gefährlichen Ausmaße zurückdrängen bzw. eindämmen und zwar auf jenes notwendige Maß, dass - trotz aller Stolpersteine und Knüppel zwischen den Beinen - die Erfüllung der revolutionären Aufgaben der Partei optimal gewährleistet werden bzw. gewährleistet bleiben.
Es gibt also keine bolschewistische Partei, die nicht ununterbrochen und unvermeidlich einer Haupt – und Nebengefahr des Revisionismus ausgesetzt ist, denn zum Einen versucht der Revisionismus, den Marxismus-Leninismus auf dem formalen Boden des Marxismus-Leninismus einer bürgerlichen Revision zu unterziehen (rechter Opportunismus) und zum Anderen versucht er nicht minder, die marxistisch-leninistische Revision des Marxismus-Leninismus auf dem formalen Boden des Marxismus-Leninismus zu erschweren und zu unterbinden („linker“ Opportunismus, Dogmatismus, Sektierertum). Die Taktik des Revisionismus besteht vor allem darin, diese beiden Vorgehensweisen bei der Revision miteinander zu verbinden und mal als Haupt- und Nebenwaffe, mal als Neben- und Hauptwaffe einzusetzen, also miteinander so zu kombinieren, dass sie stets zu einer sich erneuernden Übereinstimmung führen (auf immer höherer Stufenleiter ist diese revisionistische Taktik stets und gesetzmäßig die jeweilige Antwort auf die Anwendung des Gesetzes des marxistisch-leninistischen Zweifrontenkriegs durch die Partei), den für die Bourgeoisie gefährlichen Inhalt des Marxismus-Leninismus zu liquidieren, um ihn mit bürgerlichem Inhalt zu füllen, um dann schließlich auch die Hülle des Marxismus-Leninismus abzustreifen. Das ist das Gesetz von der zweigleisigen Taktik der Übereinstimmung von revisionistischem Haupt- und Nebeneinfluss innerhalb der proletarischen Partei, aber auch innerhalb der proletarischen Klasse, innerhalb der Arbeiterbewegung usw. usf. Das ist das Wesentliche an der Taktik der Bourgeoisie, den Marxismus-Leninismus in den Revisionismus zu verwandeln. Angewandt auf den IV. Parteitag und in Hinblick auf den V. Parteitag ( bzw. danach) kam der Revisionismus mit dieser Taktik zu folgendem Ergebnis:
a) ideologisch:
Die liquidatorische Hauptwaffe des Linkssektierertums wurde stumpf, insbesondere mit dem dahinschwindenden Einfluss der Mao-Tse-tung-Ideen. Die Nebenwaffe, also der offene Revisionismus, wurde zur Hauptwaffe entwickelt und zwar in folgenden Abstufungen: sozusagen in einem Handstreich mit der Verbannung Mao-Tse-tungs aus dem Programm = Streichung der Lehren des Klassikers Enver Hoxha aus dem Programm durch den IV. Parteitag, daraufhin – nachdem man angesichts des Stalin-Aufgebots unbedingt eine gewisse Zeit verstreichen lassen musste – folgte der Angriff auf Stalin ( was bei ihm viel schwerer zu erreichen war als noch bei Enver Hoxha) , um dann schließlich auch Marx, Engels und Lenin, die Oktoberrevolution usw. usf., also restlos alle marxistisch-leninistischen Grundpfeiler der KPD/ML aufs Korn zu nehmen und zum Einsturz zu bringen ( V. Parteitag und seine Folgen: Abschaffung des Programms und Ersetzung durch ein trotzkistisches Programm, Vereinigung mit den GIM-Trotzkisten, Gründung der VSP usw. usf.).
b) propagandistisch:
Mit der Losung: „`Propaganda`- oder Kampfpartei“ , die gegen das Linkssektierertum gerichtet war, schwand der Einfluss der revolutionären Phrasendrescherei der kleinbürgerlichen Intellektuellen in der Partei dahin, mit der man uns vom Kampf zur Gewinnung revolutionärer Arbeiter abzuhalten versuchte. Um also das Hineintragen des Kommunismus in die Arbeiterbewegung zu verhindern, waren die kleinbürgerlichen Intellektuellen gezwungen, sich formal auf den Boden der Ausrichtung auf die Betriebs- und Gewerkschaftsarbeit, auf die Unterstützung der Forderungen der Massen, auf den Standpunkt der Propaganda der „Kampfpartei“ zu stellen. Nach dem Motto,“Parteichinesisch= sektiererisch“ verzichtete man bis zum Zeitraum 1985 von Jahr zu Jahr immer mehr auf kommunistische Propaganda. Den Kommunismus arbeiternah, also für den Arbeiter verständlich zu propagieren, benutzten die rechten dazu, den Kommunismus zu vulgarisieren und immer mehr zu verstümmeln, seiner Wissenschaftlichkeit zu berauben. Was der Arbeiter nicht versteht, wird halt gestrichen und damit basta. Schließlich führte das so weit, dass man die eigentliche richtige Ausrichtung gegen das Linkssektierertum dazu missbrauchte, sie nicht etwa gegen die Linkssektierer, sondern gegen die Marxisten-Leninisten selbst zu richten, das heißt, den Genossen, der die kommunistische Lehre unter den Arbeitern verbreitete, in die Ecke des „Sektierertums“ und des „Dogmatismus“ zu drängen, ganz nach Art und Weise der modernen Revisionisten.. Auf diese Weise verlor der Rote Morgen immer mehr seine rote Farbe, seinen roten Inhalt, wurde der Kommunismus vor den Massen und bei der Parteiarbeit unter den Massen, ganz verschämt zurückgehalten, wurde er schließlich unbrauchbarfür diesen Zweck. Kommunistische Propaganda auf den Parteiveranstaltungen, die gab`s schon noch, aber im Kontakt mit den Massen wurde damit zunehmend hinterm Berg gehalten. In dieses Vakuum wurden dann immer mehr trotzkistische, revisionistische, reformistische, also bürgerliche Inhalte gefüllt, bis der Rote Morgen zu einem trotzkistischen Zentralorgan verkam, die kommunistische Propaganda liquidiert und durch trotzkistische Propaganda ersetzt wurde . So wurde die propagandistische Nebenwaffe, also des offenen Revisionismus, zur Hauptwaffe entwickelt. Die Propagierung des Parteiprogramms wurde in den Hintergrund gedrängt, die des Aktionsprogramms in den Vordergrund gestellt, um dann das marxistisch-leninistische Parteiprogramm in ein trotzkistisches, revisionistisch-bürgerliches Parteiprogramm zu verwandeln. Die Kampfpartei verkam zu einer „Kampf“partei ohne kommunistische Propaganda, um dann im nächsten Schritt eine Kampfpartei der offen trotzkistisch-revisionistischen Propaganda zu werden. Ernst warnte vor folgender Gefahr: „Da ist vor allem die Gefahr der so genannten Schwanzpolitik, des Hinterherlaufens hinter der Bewegung der Massen, des Anhängens an den Schwanz der spontanen Bewegung. Manche Genossen verstehen unter „tiefer Verankerung der Partei in den Massen“, dass sie sich auf das Niveau der breiten Massen zu begeben hätten. Sie argumentieren so: „Die Massen wollen von Revolution nichts wissen, also darf man ihnen von Revolution auch nichts erzählen; die Massen sind gegen Stalin, also darf man Stalin auch nicht verteidigen; die Massen sind gegen die Diktatur, sie verstehen darunter das Hitler-Regime, also darf man ihnen auch nichts von der Notwendigkeit der Errichtung der Diktatur des Proletariats sagen; die Massen lesen den „Roten Morgen“ nicht, also brauchen wir auch kein Zentralorgan, sondern eine Zeitung mit sex und crime, um ihnen entgegenzukommen.“ Und dann sind wir genau da, wo wir nicht hin wollen, im Sumpf des Revisionismus.“ So geschehen durch Koch & Co.
c) organisatorisch:
Die liquidatorische Hauptwaffe der reinen `Propaganda`partei (also in der negativen Bedeutung ihrer Isolierung von der Arbeiterklasse) wurde stumpf, als die Partei begann, unter den Arbeitern, in der Arbeiterbewegung zu kämpfen. Der Kampf zur Liquidierung der Partei musste also auf dem formalen Boden der Beschlüsse des IV. Parteitags verlagert werden, musste in die Massenorganisationen verlagert werden. Die Bedeutung der Partei verschwand in dem Maße, wie die Bedeutung der Massenorganisationen zunahm. Beim Aufbau der Massenorganisationen blieb der organisatorische Aufbau der Partei selbst immer mehr auf der Strecke. Je mehr der organisatorische Aufbau der Partei aber auf der Strecke blieb, also je schwächer der Antriebsmotor für die Massenorganisationen wurde, desto leichter gelang es der trotzkistischen Parteiführung, die RGO usw. schließlich aufzulösen. Ernst betonte in seinem Rechenschaftsbericht zu Recht: „Falsch und ein Zurückweichen vor der Hetze der Bourgeoisie und ihrer Agenten ist auch die Tendenz, sich in der RGO von der Partei zu distanzieren oder gar eine Distanzierung der RGO von der Partei zu verlangen.“ Doch auch dies wurde in der Praxis nach dem IV. und insbesondere nach dem V. Parteitag missachtet, wurde dagegen verstoßen.


Mit der Ausrichtung des IV. Parteitags war der Opportunismus also gezwungen, seine alte („linke“) Taktik umzustellen in eine Stütze der neuen (rechten) Taktik, die zunächst verdeckt und später offen angewandt wurde. Eine bolschewistische Partei, die sich im Klassenkampf entwickelt, die dabei unweigerlich mit allen Klassenkräften der Gesellschaft in Berührung kommt, die sich unvermeidlich mit klassenfremden Elementen auseinanderzusetzen hat, kann grundsätzlich unmöglich das Eindringen parteifeindlicher Elemente verhindern. Nur eine Sekte fast völlig Gleichgesinnter kann bis zu einem gewissen Grade davon sprechen, rein von jeglichen revisionistischen Einflüssen zu sein. In einer ähnlichen Lage befinden wir uns heute unfreiwillig, nicht aus Prinzip. Eine Partei aber, die in der Gesellschaft politisch tätig ist, kann das Eindringen revisionistischer Einflüsse nicht ausschließen. Sie muss sich dieser Tatsache stellen, muss sich diesen gefährlichen Einflüssen stellen, muss sie verarbeiten, verdauen, um sie wieder auszuscheiden. Die Gefahr des modernen Revisionismus ist immer allgegenwärtig, egal, ob er seinen Hauptangriff über „links“ oder rechts führt. Stets versucht er entweder die Partei von rechts zu liquidieren mit Unterstützung von „links“ oder umgekehrt von „links“ zu liquidieren mit Unterstützung von rechts.


War die Bestimmung der Hauptgefahr= „links“ wirklich korrekt vorgenommen ?
Im Rechenschaftsbericht heißt es ganz am Anfang: „Wenn das Zentralkomitee nun diesen Parteitag außer der Regel schon für heute einberufen hat, so nicht etwa, weil in der Partei eine außergewöhnliche Situation herrscht, die die Einberufung eines außerordentlichen Parteitags nötig gemacht hätte (...).
Die Änderung des Beschlusses des III. Parteitags, „Hauptgefahr = rechts“ in den gegenteiligen Beschluss des IV. Parteitags, „Hauptgefahr „links“ wäre meiner Meinung nach unbedingt eine außergewöhnliche Situation, die die Einberufung eines außerordentlichen Parteitags sehr wohl wünschenswert gemacht hätte. Da es sich jedoch tatsächlich „nur“ um vorgefallene linkssektiererische Fehler, um eine linkssektiererische Abweichung handelte, teile ich natürlich die Auffassung von Ernst. Die Aufdeckung der linkssektiererischen Fehler war unabdingbar unter dem Gesichtswinkel der Erfordernisse der beschlossenen Kampfaufgaben, die sich sowohl der III. als auch der IV. Parteitag gestellt hatte – Ausrichtung auf die Arbeiterklasse zur Gewinnung der Avantgarde des Proletariats. Meiner Meinung nach liegt die Schwäche des IV. Parteitags jedoch darin, dass dieser – wie gesagt - nicht klar genug zwischen einer Abweichung und einer Hauptgefahr unterscheidet, dass er diese Begriffe durcheinander bringt, mal den einen, und mal den anderen Begriff für den gleichen Sachverhalt verwendet. Das wäre vom formalen Standpunkt aus nicht so tragisch gewesen, es ging um die Beseitigung der linkssektiererischen Abweichung, aber diese Aufgabe war ja mit dem IV. Parteitag im Wesentlichen bereits erfüllt worden. Der Widerstand der Linkssektierer war längst gebrochen , nicht einmal mehr als Gruppe waren die Linkssektierer auf dem IV. Parteitag aufgetreten. Die Hunde bellten nicht mehr, die Karawane war längst weitergezogen. Auf dem V. Parteitag stellte Ernst in seinem Politischen Bericht auf Seite 30 fest: “(...) wir waren froh, dass wir die übelsten Auswüchse des ultralinken Sektierertums, die Missachtung des demokratischen Zentralismus in der Partei überwunden hatten [hervorgehoben von mir]. Zur Zeit des IV. Parteitags bestand also gar keine aktuelle Veranlassung mehr für einen Schwenk zur Änderung des Beschlusses des III. Parteitags (Hauptgefahr = rechts). In Hinblick auf die spätere Liquidierung der Partei von rechts sollte dies natürlich entsprechend negative Auswirkungen haben. Mit der Beibehaltung der Beschlüsse des III. Parteitags hätte es Koch sicherlich viel schwerer gehabt, seinen rechten Liquidationskurs zum Erfolg zu führen, so konnte er unter der Losung: „Hauptgefahr= „links“ seelenruhig sein rechtes Liquidatorentum hinter dem „Kampf gegen das Linkssektierertum“ verbergen. Daran hätten wir ihn hindern müssen. Ernst hatte auf dem 5. Plenum des ZK einen Riesenschritt unternommen, um mit der linkssektiererischen Abweichung fertig zu werden. Die ganze Partei stand hinter ihm, hat in ihrer Geschlossenheit bewiesen, dass sie mit dieser Gefahr in Wort und Tat fertig geworden ist. Eine ernsthafte Gefährdung durch die Ultralinken hat es in jenem aktuellen Augenblick des IV. Parteitags schon nicht mehr gegeben. Die Erfolge nach dem IV. Parteitag haben das bestätigt. So führte Ernst im Rechenschaftsbericht zum IV. Parteitag auf Seite 14 auch richtig aus: „Wegen der Ausrichtung der Partei zur Überwindung der schweren linkssektiererischen Fehler wäre der Parteitag allein nicht notwendig gewesen, denn Zentralkomitee und Politbüro sind in vollem Umfang arbeitsfähig.“ Auf Grund dieser richtigen Feststellung drängt sich aber doch folgende logische Frage auf: Wenn das ZK und Politbüro sich für genug „arbeitsfähig“ hielt (und sie waren das ja auch zweifelsohne), die schweren linkssektiererischen Fehler auch ohne Parteitag in den Griff zu kriegen, warum sah sich dann aber der IV. Parteitag trotz alledem doch noch gezwungen, die korrekte Bestimmung der Hauptgefahr = Revisionismus durch den III. Parteitag aufzugeben und sie durch die Hauptgefahr = Linkssektierertum zu ersetzen, obwohl die ganze Partei bereits große Erfolge bei der Umsetzung ihrer beschlossenen Kampfaufgaben vorweisen konnte? Gibt es einen Unterschied zwischen „schwerwiegenden Fehlern“ und „Hauptgefahr“ ? Sicher gibt es diesen. Aber hat der IV. Parteitag diesen Unterschied erkannt, ist er mit diesem Unterschied richtig umgegangen ? Zwischen „schweren linkssektiererischen Fehlern“ ( und Fehler, auch schwerwiegende, können und müssen vom ZK sehr wohl korrigiert werden, also durchaus auch ohne Parteitag – womit Ernst vollkommen Recht hatte!) und der „Hauptgefahr = Linkssektierertum“ besteht nicht etwa ein verschwindend geringfügiger Unterschied, sondern ein gravierender, ja ein prinzipieller Unterschied, den man nicht hätte übersehen dürfen! Dies muss man erklären.
Warum ist es normalerweise notwendig (zumindest besser), einen neuen Parteitag einzuberufen, wenn sich die Hauptgefahr für die Partei ändert ? Als Regel gilt hierbei ( und das ist aus der Geschichte einer jeden bolschewistischen Partei belegbar): sollte die Bestimmung , einschließlich der Änderung der Hauptgefahr grundsätzlich (Ausnahmen bestätigen die Regel) von einem Parteitag beschlossen werden. Der III. Parteitag hatte eindeutig „Hauptgefahr = Rechtsopportunismus“ beschlossen und das zu Recht. Dann ist dieser Beschluss bindend und von der ganzen Partei diszipliniert einzuhalten, auch vom ZK und gerade vom ZK. Mit einem gegenteiligen Beschluss würde das ZK seine Disziplin brechen und gegen die Beschlüsse des III. Parteitags verstoßen, die Rolle des III. Parteitags herabmindern, was Ernst auf dem IV. Parteitag ja gerade zu Recht kritisiert hatte. So war es mindestens statutmäßig, also formal, unbedingt erforderlich, dass ein IV. Parteitag „Hauptgefahr = Linkssektierertum“ beschließt, dass sich das ZK seine Beschlüsse zumindest bestätigen, „absegnen“, lässt vom Parteitag. Ob das aber auch politisch-ideologisch richtig – also inhaltlich gerechtfertigt -war, ist eine ganz andere, wenn auch viel wichtigere Frage. Die Frage der Hauptgefahr ist ja nicht irgendeine Kompetenzfrage oder eine Potenzfrage, keine Frage der Arbeitsfähigkeit irgendeines Gremiums zwischen den Parteitagen, sondern eine prinzipielle, politisch-ideologische, grundlegende Frage der Berücksichtigung einer Richtungsänderung der Taktik des Klassengegners, eine Frage der Generallinie der Partei, die über Leben und Tod der Partei entscheidet, eine Frage, die die ganze Partei angeht und auch nur von der ganzen Partei entschieden werden kann, also vor allem vom Parteitag als höchstes Gremium . Die Generallinie der Partei lautete seit ihrer Gründung = Kampf gegen die Hauptgefahr des Revisionismus. Das muss man sich immer wieder vergegenwärtigen als anti-revisionistische Partei. Wird die Hauptgefahr falsch bestimmt, bzw. wird einer Änderung der Hauptgefahr nicht rechtzeitig Rechnung getragen durch Beschlüsse des Parteitags, hat das schwerwiegende Folgen für eine bolschewistische Partei, hatte das schwerwiegende Folgen für die KPD/ML. In der Tat handelte es sich wirklich „nur“ um schwerwiegende linkssektiererische Fehler, aber eben nicht um die vermeintliche Hauptgefahr des Linkssektierertums. Es kann durchaus schwerwiegende linkssektiererische Fehler geben im Kampf gegen die Hauptgefahr des Revisionismus ( und es gab sie ja auch!). So kann es auch schwerwiegende rechte Fehler geben im Kampf gegen die Hauptgefahr des Linkssektierertums. Aber die korrekten Beschlüsse des III. Parteitags bezüglich der Bestimmung der rechten Hauptgefahr hätte nur allein wegen schwerwiegender linkssektiererischer Fehler nicht revidiert werden dürfen. Ernst führte in seinem Rechenschaftsbericht aus: „Es ging bei den Auseinandersetzungen im Politbüro und Zentralkomitee praktisch darum, dass sich bestimmte Genossen, insbesondere eine bestimmte Genossin des Politbüros, mit allen Mitteln, selbst der Intrige und persönlichen Verleumdung, dagegen wehrten, dass ihre schwerwiegenden Verstöße gegen den demokratischen Zentralismus, ihre Cliquen – und Vetternwirtschaft, ihr ultralinker Kurs zur Sprache kämen.“ (Seite 44). Wie kann der IV. Parteitag daraufhin die Hauptgefahr des Rechtsopportunismus in eine Hauptgefahr des Linkssektierertums verwandeln ? Die Partei verfügte eigentlich bereits über genug Erfahrungen im Kampf gegen das Liquidatorentum, um zu wissen, dass die Liquidatoren es verstehen, sich den Anstrich von „Kämpfern gegen das Linkssektierertum“ zu geben, um von ihrem Rechtsopportunismus abzulenken, nur um die proletarische Linie des Genossen Ernst Aust um so mehr zu schwächen und um so leichter zu stürzen. Die „schwerwiegenden Fehler“ und die „Hauptgefahr“ zu verwechseln, dies gleichzusetzen, diesen Unterschied nicht zu begreifen, diesem Unterschied nicht Rechnung zu tragen durch differenziertes Handeln, verursachte langfristig einen viel schwerwiegenderen, gravierenden Schaden für die Partei, wie es sich ja schließlich tatsächlich mit ihrer RECHTEN Liquidierung herausstellen sollte: Aus dem Kampf gegen eine linkssektiererische Genossin auf dem IV. Parteitag wurde schließlich ein Kampf eines marxistisch-leninistischen Genossen (nämlich Genosse Ernst Aust) gegen ein durch und durch verdorbenes trotzkistisch- liquidatorisches, rechtsopportunistisches Zentralkomitee ! Der IV. Parteitag stand noch nicht einmal mehr einer linkssektiererischen Minderheit, jedenfalls nicht mehr nennenswerten Minderheit), während die Partei insbesondere nach dem V. Parteitag einer rechten Mehrheit gegenüberstand. Ernst führte in seinem Rechenschaftsbericht aus: „Wenn dieser Parteitag die Einschätzung, dass der Linksopportunismus gegenwärtig die Hauptgefahr in der Partei ist, noch einmal unterstreicht, so übersieht er dabei keineswegs, dass sich auch gewisse rechte Tendenzen bemerkbar machen, gegenüber denen wir ebenfalls wachsam sein und die bekämpft werden müssen.“ Die Partei hatte die schwerwiegenden „linken“ Fehler zwar auf dem IV. Parteitag erkannt, aber sie fälschlicherweise in den Rang einer Hauptgefahr erhoben. Zwar hatte der IV. Parteitag gewisse rechte (rückwirkende) Gegen-Gefahren im Kampf gegen das Linkssektierertum richtig ausgemacht und benannt, aber eben nicht als Hauptgefahr des Revisionismus, was ein großer Unterschied ist! Denn: Die Hauptgefahr war und ist nach wie vor der Revisionismus, was sich dann ja auch in der Parteigeschichte ( nicht nur in unserer Partei, sondern auch in allen anderen Bruderparteien) bestätigte. Es waren und sind die modernen Revisionisten, die den Kampf gegen das Linkssektierertum mit Vorliebe auf die Marxisten-Leninisten richten (in der Sowjetunion gegen Stalin nach seinem Tod), so auch auf die albanischen Genossen, die sich vom revisionistischen Lager abspalteten und diesem einen harten Schlag aufs Haupt versetzten.. So kam es dazu, dass Anfang der 60er Jahre die Sowjetrevisionisten auf ihrem Parteitag das „Linkssektierertum und den Dogmatismus“ als Hauptgefahr zwecks Schadensbegrenzung definierten, um einen weiteren Abfall von abtrünnigen Parteien zuvorzukommen.
Der Kampf gegen das jahrelange Liquidatorentum war nicht mit den Beschlüssen des IV. Parteitags gegen die „Hauptgefahr = Linkssektierertum“ erschöpft. Das Liquidatorentum segelte von da an nur unter der „anti-linkssektiererischen“ Flagge der Partei, um auf deren formalen Boden die Liquidierung der Partei (versteckt) fortzusetzen. Die RGO wurde von den Rechten aufgelöst und liquidiert, also von jenen Kräften, die auf dem IV. Parteitag noch die RGO gestärkt hatten. Koch klammerte sich an den „Kampf gegen das Sektierertum“, um den Kampf gegen den Genossen Ernst, gegen den Marxismus-Leninismus zu führen. Mit Hilfe der RGO wurde von den Liquidatoren zuerst die Betriebs- und Gewerkschaftsarbeit der Partei liquidiert (ersetzt), um dann schließlich die RGO selbst zu liquidieren. Es waren die Liquidatoren, die vor dem IV. Parteitag OFFEN und nach dem IV. Parteitag VERDECKT dagegen auftraten, dass die marxistisch-leninistische Partei sich in den Massen verankert und sich die proletarische (= marxistisch-leninistische!) Linie des Genossen Ernst Aust weiter durchsetzt und konsolidiert (oder mit anderen Worten: vorher=Marxismus-Leninismus ohne Arbeiterbewegung (offenes Liquidatorentum) – nachher: Arbeiterbewegung ohne/gegen Marxismus-Leninismus (verdecktes, verhülltes Liquidatorentum zwecks Restauration des offenen Liquidatorentums). Wurde die Partei vor dem IV. Parteitag direkt von den Liquidatoren aufs Korn genommen, so bediente man sich nach dem IV. Parteitag des Umwegs über die Massenorganisationen, indem man diese verselbständigte und von der Partei entfremdete, d.h. dem führenden (politisch-ideologischen) Einfluss der Partei entzog und damit die Partei zu schwächen, zu entwaffnen, zu entarten, zu liquidieren.
Hinein in die Massen, Aktionen, Betriebs-und Gewerkschaftsarbeit verbessern, den proletarischen Klassenstandpunkt auch in der praktischen Tätigkeit unter den Massen einnehmen – all das war ein wichtiger Schritt nach vorn – Hinwendung zum Proletariat, Stärkung der proletarischen Linie gegen „linkes“ Kleinbürgertum – das machte die besondere Bedeutung des IV. Parteitags aus und war ein großer historischer Sieg gegenüber dem Sektierertum, welches die Entwicklung der Partei bislang behindert hatte, ja das Linkssektierertum war Ausdruck der ganzen schädlichen, zurückzerrenden Politik der Liquidatoren. Jedoch: Mit der Losung: „Hinein in die Massen !“ , mit der Erweiterung und Vertiefung der Verankerung der Partei unter den Massen allein war das Liquidatorentum jedoch noch lange nicht geschlagen wie sich herausstellte. In Fragen der Tagespolitik, in Fragen des praktischen Eingreifens in die Klassenkämpfe lassen und müssen sich Kompromisse finden. Den einen Genossen ging das zu schnell, den anderen zu langsam. Da kann und muss man sich zusammenraufen. Aber was prinzipielle Fragen anbelangt, kann es keine Kompromisse geben, das führt zur Entartung, zum ideologischen Tod der Partei. Man darf bei der Umsetzung der Kampfaufgaben, die der III. und IV. Parteitag stellte, nicht Quantität vor Qualität setzen und schon gar nicht diese ersetzen, sonst läuft die Qualität allmählich Gefahr, der Quantität zum Opfer fallen. Unvermeidlich mischten sich die Liquidatoren weiterhin ein in jede Frage wie in den Massen erweitert und vertieft werden soll, drängten sie sich in die neuen Kampfaufgaben der Partei ein, denn das Liquidatorentum ist eine aus den sozialen Verhältnissen hervorgebrachte Dauer-Strömung, mit der sich die Partei ununterbrochen in ihrer gesamten Geschichte auseinanderzusetzen hat. Kriegt das Liquidatorentum eins zwischen die Hörner, zieht es den Kopf auf der einen opportunistischen Seite nur ein, um ihn an anderer opportunistischer Stelle um so frecher wieder herauszustrecken. Der Kampf gegen das Liquidatorentum ist nie zu Ende, im Gegenteil er verschärft sich mit jeder Entwicklung, die die Partei nach vorne macht. Bei der Fortsetzung des Kampfes gegen das Liquidatorentum zeigten sich nach dem IV. Parteitag Schwächen, ließen wir uns von den Erfolgen in der Betriebs – und Gewerkschaftsarbeit blenden, sahen wir diesen Leuten nicht genau genug auf die Finger, schlichen sich immer mehr rechte Einflüsse ein, die wir als Tribut an die erfolgreiche Massenarbeit zollten. Die Partei vernachlässigte ihren Kampf gegen das Liquidatorentum und verließ sich auf die Heilungskräfte der Arbeit ihrer Massenorganisationen. Natürlich kann man sich bis zu einem gewissen Grade durchaus auf die Selbstheilungskräfte der Partei stützen und muss man das auch, aber das darf nicht unkontrolliert, nicht spontaneistisch passieren. Dabei müssen die Mitglieder stets ein wachsames Auge bewahren. Die Überwindung der linkssektiererischen Abweichung DURCH Erweiterung der Massenarbeit der Partei hat keinen Sinn, genauso wie die Überwindung der rechten Abweichung DURCH Erweiterung der kommunistischen Propagandatätigkeit keinen Sinn hat. Die Partei muss dem Liquidatorentum ideologisch dort entgegentreten, wo es seine Fühler gegen die Partei auszustrecken versucht, also bereits dort, wo es in den Massenorganisationen aufzutreten begann. Man durfte die Überwindung des Linkssektierertums niemals als Erweiterung und Vertiefung der Massenarbeit (oder überhaupt jeder anderen Parteiarbeit) verstehen, darin zeigte sich bereits der Keim der späteren trotzkistischen Abweichung und das zunehmende Zurückweichen der Partei ihr gegenüber. Die Partei hat den Kampf gegen das Liquidatorentum stets als ideologischen Kampf an zwei Fronten zu führen, sowohl gegen rechts als auch gegen „links“, darf diesem Kampf nicht ausweichen, darf dieses Kampffeld niemals verlassen. Im Kampf gegen die Abweichungen darf die Partei nicht von ihren richtigen Positionen abweichen, darf sich der anderen Seite nicht öffnen oder sie gar preisgeben, wenn es gerade die eine Seite verteidigt. Die Partei darf nicht im Kampf an zwei Fronten ins Schwanken geraten, sondern muss fest an ihrer proletarischen Linie festhalten und notfalls gegensteuern. Da die Hauptgefahr in der marxistisch-leninistischen Weltbewegung im Wesentlichen rechts war und auch noch ist, konnte es sich bei der Hauptgefahr „links“ höchstens um eine vorübergehende Hauptgefahr handeln ( = Stalin: Partei als eine sich selbst genügende Kraft in der Anfangsphase mit gewissen unvermeidbaren sektiererischen Zügen, Abweichungen, Schwächen, Fehlern usw.), hätten die Schalthebel rechtzeitig wieder auf die rechte Hauptgefahr umgestellt werden müssen Das ist bis 1985 sträflich versäumt worden mit den bekannten Folgen. Wenn schon Hauptgefahr „links“, so wurde an ihr auf jeden Fall unzulässigerweise viel zu lange festgehalten, insbesondere noch in der kritischen Phase als die Partei schon schwer rechtslastig geworden war, also in der tiefsten Krise der Parteigeschichte. Die Partei hätte die marxistisch-leninistische Theorie, die kommunistische Schulung, die Frage der Agitation und Propaganda, den ideologischen Zweifrontenkrieg nicht vernachlässigen dürfen. Mit der Stoßrichtung: „Hinein in die Massen!“ darf man nicht die Schwächung der ideologischen, theoretischen und propagandistischen Positionen in Kauf nehmen, sondern hätte sie mit der praktischen Umsetzung weiter stärken müssen. Mit dem Programm hatten wir einen großen Sprung vorgenommen, aber darauf hätte man aufbauen müssen, hätte nicht nur an der praktischen, sondern auch an der theoretischen, propagandistischen Front voranschreiten müssen, hätte das Programm viel mehr in die Kampfaufgaben einbeziehen müssen, die der III. Und IV. Parteitag gestellt hatte. Eines der wesentlichen Mängel der Zeit nach dem IV. Parteitag war die zunehmende theoretisch-ideologische Schwäche, wenn nicht Sorglosigkeit. Stalin wies darauf hin: „Ein gefährlicher Mangel unserer Partei besteht in dem Sinken des theoretischen Niveaus ihrer Mitglieder. Der Grund ist die Unmasse praktischer Arbeit, die die Lust zum theoretischen Studium vertreibt und einer gewissen gefährlichen Sorglosigkeit – um nicht mehr zu sagen – gegenüber Fragen der Theorie Vorschub leistet“ (Stalin, Band 6, Seite 230)..Die alte Parteigarde des Genosen Ernst Aust geriet unter Koch in eine Minderheit, durch Koch wurde die Autorität des Genossen Ernst Aust systematisch immer weiter untergraben. In der gelockerten Aufnahmepolitik wurde sträflich versäumt, das Niveau der neuen Parteimitglieder auf das Niveau der alten Parteigarde zu heben. Die alte Parteigarde weigerte sich, sich der allgemeinen Verflachung des Koch`schen Niveaus der Partei anzupassen und protestierte dagegen, begehrte dagegen auf, als es schon fast zu spät dazu war. Da es versäumt wurde, das Niveau der Parteimitglieder zu heben, konnte die Mehrheit der Mitglieder auch nicht mehr im entscheidenden Augenblick des Angriffs auf das Koch-ZK mobilisiert werden. Die Partei ging ganz allmählich und kaum merklich über den Zeitraum einiger Jahre in der Bewegung unter, indem man immer mehr auf kommunistische Propaganda verzichtete und die Parteifahne hinter den Massenorganisationen verbarg. Auf den Zellensitzungen fielen so viele praktischen Aufgaben an, dass die Schulung ans Ende gesetzt, vertagt oder gar unter den Tisch fiel. Das nahm Anfang der 80er Jahre erschreckende Formen an und so konnten die Trotzkisten mit ihrer ideologischen Zersetzungsarbeit immer offener und zügiger vorangehen. Selbstkritisch endete Ernst seinen politischen Bericht an den V. Parteitag mit den eindringlichen Worten in Hinblick auf die rechte Entwicklung der Partei: „ (...) wenn wir als Kommunisten nicht auftreten und argumentieren, unsere Agitation und Propaganda ständig verbessern (...) wenn wir nicht kurz gesagt: „Flagge zeigen!“ [Hervorhebungen von mir]. Man darf Lenin nicht vergessen. Wir befanden uns trotz aller Erfolge immer noch in der ersten Etappe des Parteiaufbaus ! Sprich: Hauptseite ideologisch-theoretischer Aufbau, Propaganda, praktische Tätigkeit auf die Gewinnung der Avantgarde des Proletariats begrenzt. Man darf das Kind nicht mit dem Bade ausschütten, darf im Kampf gegen das Linkssektierertum nicht vergessen, dass wir trotz alledem also immer noch in dieser ersten Parteiaufbauphase waren. Solange die Avantgarde des Proletariats noch nicht gewonnen ist, kann sich die Partei mit „Hinein in die Massen!“ auf den Kopf stellen, aber sie wird die Massen ohne die Schmiedung der Avantgarde noch nicht gewinnen, geschweige denn führen können. Man kann den Übergang in eine neue Phase der Parteientwicklung nicht mit Parteitagsbeschlüssen und auch nicht mit dem Hervorzaubern einer Menge von Massenorganisationen erzwingen, sondern die Parteientwicklung ist nun einmal abhängig von der tatsächlichen Entwicklung der Arbeiterbewegung, vom tatsächlichen Bewusstsein der Klassenkräfte in der gegebenen Situation, unter den gegebenen Bedingungen und nicht zuletzt von der Stärke und Kraft der zu gewinnenden Arbeiter für die Avantgarde. Wie Ernst in seinem politischen Bericht an den V. Parteitag später korrekt und selbstkritisch zugab, war die sich verschärfende Entwicklung der Klassenkämpfe zur Zeit des IV. Parteitags und danach überschätzt worden. Auf Seite 32 seines politischen Berichtes auf dem V. Parteitag zitierte er aus seinem Rechenschaftsbericht an den IV. Parteitag: „`die Klassenkämpfe haben sich in den letzten Jahren deutlich verstärkt, und es kann keinen Zweifel daran geben, dass sie sich in den kommenden Jahren erheblich weiter verschärfen werden` [dort Seite 70]. Sie verschärften sich nicht. Solch eine Fehleinschätzung hat natürlich Folgen für die Direktive und Beschlüsse der Partei.“ ( Seite 32] . „So etwas kann nur, wie die Vergangenheit gezeigt hat, zu Enttäuschungen und Resignation führen, wenn die getroffenen Voraussagen nicht eintreffen (Seite 33). Und welche Folgen das hatte, haben wir 1985 gesehen, und vor allem hatte Ernst dies selbstkritisch gesehen, hatte er den Mut, seinen Finger auf diese Wunde zu legen. Diese Überschätzung der Entwicklung der Klassenkämpfe durch den IV. Parteitag, die Überhäufung der Partei mit Kampfaufgaben, entsprang noch aus einem Überrest des linkssektiererischen Einflusses auf die Partei. Und gerade hieran zeigt sich anschaulich, dass gerade diese Überreste des linkssektiererischen Einflusses die Entwicklung des rechten Opportunismus beflügeln konnten. Denn: nicht das Sektierertum, sondern schließlich der Rechtsopportunismus hat die Partei tatsächlich von ihren revolutionären Positionen verdrängt und die Macht in der Partei erobert. Das darf man niemals vergessen. Nun ging es Ernst nicht nur um die Frage der Verschärfung des Klassenkampfes, sondern auch um die zunehmende Bedeutung der Verlagerung des Klassenkampfes auf die Frage der Arbeitslosigkeit. Ernst war der Einzige, der sich in der Parteiführung hierfür in Wort und Tat vehement eingesetzt hatte, woran die Rechten überhaupt kein Interesse hatten, der Gewerkschaftsbürokratie in der Geringschätzung der Arbeitslosigkeit folgten und Ernst und die ganze Parteibasis damit allein gelassen hatten. Mit dem Kampf gegen die Arbeitslosigkeit wurden die Marxisten-Leninisten mit Ernst an der Spitze auf „untergeordnete“ Positionen des Klassenkampfes gedrängt. In der Partei galt der Kampf gegen die Arbeitslosigkeit in der Betriebs- und Gewerkschaftsarbeit als „Randthema“. Das ist typisch für die arfbeiteraristokratische Gewerkschaftsführung und bezeichnend für deren fortschreitenden Einfluss auf das rechte Koch-ZK. Das erinnert mich auch an die Vorwürfe der Rechten, die Ernst Thälmann einst vorwarfen, die KPD in eine „Partei der Erwerbslosen“ verwandeln zu wollen. Es zeigte sich aber nicht nur in der Geschichte der KPD, sondern auch in der Geschichte der KPD/ML, dass sowohl die Vertreter in der Partei als auch die Vertreter in den Massenkämpfen in vielerlei Hinsicht revolutionäreres Bewusstsein, revolutionäreres Verhalten im Klassenkampf an den Tag legen als die Genossen, die in Betrieb und Gewerkschaft arbeiteten und dort sichere Posten einnahmen. Auch die Klassiker haben auf diese unwiderlegbare Tatsache hingewiesen, insbesondere Genosse Stalin.
Fazit: Grundsätzlich ist die Zuwendung zum Proletariat, die Teilnahme an der Arbeiterbewegung, die proletarische Aktion, die Betriebs-und Gewerkschaftsarbeit, kurz: die praktische Beteiligung am Klassenkampf wesentlicher Bestandteil, ja Charaktereigenschaft jeder bolschewistischen Partei (denn es dient der Gewinnung der Avantgarde des Proletariats, ohne die die Partei weder Klasse noch Masse führen kann!), aber unter den jeweiligen objektiven und subjektiven Bedingungen und Phasen des Parteiaufbaus muss man unbedingt differenzieren. In der ersten Phase des Parteiaufbaus, wo die ideologisch-propagandistische Arbeit die Hauptseite (siehe Lenin) darstellt, hat die Teilnahme am praktischen Klassenkampf eine andere Bedeutung und einen anderen Stellenwert (Gewinnung der Avantgarde des Proletariats) als in der Phase des Massenkampfes der Partei (als MASSENPARTEI Gewinnung der Millionenmassen für die sozialistische Revolution). Dieses Vorauseilen als „Massenpartei“ ist nicht rechts, sondern im Grunde genommen ein „linker“ Fehler, hinter dem Aktionismus - „Hinein in die Massen!“- steckt die kleinbürgerliche Ungeduld, die proletarische Propagandapartei nicht diszipliniert und konsequent weiter an erster Stelle auszubauen. Ich komme zum wichtigsten Leninzitat in der Frage der Beurteilung der Losung „´Propoaganda` - oder Kampfpartei“. Wir dürfen niemals vergessen, was Lenin in seiner Schrift „Der ´linke Radikalismus` , die Kinderkrankheit im Kommunismus“ gelehrt hat:
Solange es sich darum handelt (und insoweit es sich noch darum handelt), die Avantgarde des Proletariats für den Kommunismus zu gewinnen, solange und insoweit tritt die Propaganda an die erste Stelle“ (Lenin, Band 31, Seite 81).
Diesem hammerharten Satz Lenins ist wohl nichts hinzuzufügen oder entgegenzusetzen, denn auf dem IV. Parteitag ging es ja wohl um nichts Wichtigeres, als eben gerade darum, die Avantgarde des Proletariats für den Kommunismus zu gewinnen („Stalin-Aufgebot“ usw. usf.) und nicht die Gewinnung der Millionenmassen, hätte die Propaganda also gemäß der Lehren des Leninismus an erster Stelle unbedingt stehen bleiben müssen und hätte nicht die gegenteilige Losung herausgegeben werden dürfen: „`Propaganda`- oder Kampfpartei?“ In seinem gesamten Referat, das Ernst auf dem 5. Plenum des ZK der KPD/ML im Juli 1978 gehalten hatte, findet sich nirgends diese für die KPD/ML so wichtige, hilfreiche und richtungsweisende Lehre des Genossen Lenin, die auf den Aufbau der KPD/ML zum damaligen Zeitpunkt zugeschnitten ist. Ernst hatte eine Reihe verschiedener Leninzitate gegen das Linkssektierertum verwendet, selbst aus der gleichen Schrift „Der ´linke Radikalismus`, die Kinderkrankheit im Kommunismus“. Wie konnte er dieses für die KPD/ML so entscheidende Zitat nur übersehen oder übergehen ? Es wäre ganz einfach gewesen, das Linkssektierertum gerade an Hand dieses Satzes von Lenin zu entlarven. Es wäre vollkommen korrekt gewesen, den Gegensatz zwischen der marxistisch-leninistischen Propaganda an erster Stelle und der linkssektiererischen Propaganda an erster Stelle wie folgt zu definieren: Während die marxistisch-leninistische Propaganda an erster Stelle steht, um die Avantgarde des Proletariats für den Kommunismus zu gewinnen, steht bei den Linkssektierern die Propaganda nur deswegen an erster Stelle, weil sie ihren führenden Einfluss auf die Arbeiter nur mit ihrer höheren Schulbildung erreichen können, dass sie die Gewinnung der proletarischen Genossen nur als Beiwerk, als Modeschmuck betrachten, den sie sich umhängen, um ihre eigene, kleinbürgerliche Eitelkeit zu befriedigen, dass die kleinbürgerlichen Intellektuellen ihr kommunistisches Wissen als Macht- und Druckmittel gegen die Arbeiter einsetzen, um damit ihre kleinbürgerliche Hegemonie über dem Proletariat zu rechtfertigen, führende Positionen in der proletarischen Partei zu erobern bzw. zu verteidigen, dass sie sich als unentbehrliche Schulmeister aufspielen, um die Arbeiter zu bevormunden, herumzukommandieren und einzuschüchtern usw. usf., was die Linkssektierer natürlich mit revolutionären Phrasen bemänteln. Kurz: für die kleinbürgerlichen Intellektuellen, für die Linkssektierer, geht es in erster Linie nur darum, mit kommunistischer Propaganda die Avantgarde des Proletariats zu täuschen, um sie in die Arme der Bourgeoisie zu treiben. In der ganzen Geschichte der kommunistischen und Arbeiterbewegung entpuppte sich der „linke“ Opportunismus im Verlauf des Klassenkampfes stets und gesetzmäßig als offen reaktionäre, kleinbürgerliche Strömung. Die Rolle der Linkssektierer muss die bolschewistische Partei als solche durchschauen, die sie in Wirklichkeit spielen, eine klassenmäßig-konterrevolutionäre Rolle: Die Linkssektierer spielen den geistigen Hirten der Partei, der die Arbeiterklasse wie eine Schafherde in den gelobten kommunistischen Himmel geleitet. Was sie dabei verschweigen ist jedoch, dass sie hierfür den Umweg über die Schlachtbank des Kapitalismus nehmen – eben das ist die nackte Wahrheit, die sie hinter ihrer kommunistischen Scheinheiligkeit verbergen. Eben diese Maske der kommunistischen Scheinheiligkeit muss man den Linkssektierern herunterreißen, denn letztendlich überlassen sie die Arbeiterklasse dem Kleinbürgertum. Es ist daher nicht die kommunistische Propaganda, die die fortschrittlichsten Elemente des Proletariats abstößt und abschreckt, sondern die ihnen klassenfremd gegenüberstehende, fanatische Phraseologie des intellektuellen Kleinbürgertums.
Es wäre ja wohl ein starkes Stück, anzunehmen, dass es etwa an der kommunistischen Propaganda selbst läge, wenn sie von den fortschrittlichsten proletarischen Elementen abgestoßen und nicht verstanden wird. Die angeblich „abschreckende“ Wirkung des Kommunismus unter den Massen und der „deswegen notwendige“ Verzicht auf kommunistische Propaganda – das predigen bekanntlich die Rechtsopportunisten.
Wenn also wir Kommunisten es noch nicht richtig verstehen, die Avantgarde des Proletariats mit unserer kommunistischen Propaganda zu gewinnen, dann ist das kein Grund, - weder unter dem Druck der Linkssektierer, noch unter dem Druck der Rechtsopportunisten - Lenins kommunistische Propaganda von der ersten Stelle zu entfernen. Dann ist das vielmehr ein Grund, unsere Propagandatätigkeit auf eine höhere Stufe zu heben, ein Grund, unsere Unerfahrenheit, unsere Ungeschicklichkeit, unsere sektiererischen Fehler durch um so größere Anstrengungen schnellstens und gründlichst zu überwinden, also nicht nur von Lenin, nicht nur von allen 5 Klassikern des Marxismus-Leninismus, sondern auch von unserem Genossen Ernst Aust das Handwerk eines guten Propagandisten zu erlernen. Anfangsschwächen, sektiererische Fehler, sind ganz natürlich und unvermeidlich, denn kein Propagandist fällt fertig vom Himmel. Wenn wir also von der Hauptgefahr des Linkssektierertums sprechen als eine Gefahr des kleinbürgerlich-intellektualistischen Einflusses auf die Partei, auf die Avantgarde des Proletariats, müssen wir davon unbedingt die sektiererischen Kinderkrankheiten, die Anfangsschwierigkeiten der Parteipropagandisten trennen, dürfen wir beides nicht in einen Topf werfen, weil das zwei grundverschiedenen Dinge sind. Während wir das parteifeindliche Erstere kompromisslos und prinzipienfest bekämpfen und aus unserer Partei hinaussäubern, müssen wir das Zweite geduldig und solidarisch korrigieren, weiterentwickeln, verbessern und schließlich meistern. Nicht umsonst spricht Lenin von der propagandistischen Gewandtheit“ und von der notwendigen „Wiederholung der Wahrheiten des ´reinen` Kommunismus“ (Lenin, Band 31, Seite 81). Lenin wandte sich also gar nicht gegen die Wiederholung der Wahrheiten des ´reinen`Kommunismus. Er hob dabei die propagandistische Gewandtheit hervor. Er war für alles, was die Gewandtheit, die Qualifizierung der Propagandisten verbesserte und gegen alles, was dem im Wege stand, also gegen all die propagandistischen Mängel, Ungeschicklichkeiten, sektiererischen Methoden usw. usf.. Lenin war allerdings gegen solche Wiederholungen, die nicht zur Gewinnung der Avantgarde des Proletariats führen konnten, die ihre Gewinnung erschwerten oder gar verhinderten, wie zum Beispiel gegen die gebetsmühlenartigen sektiererischen Methoden von Wiederholungen. Man studiere die Propaganda Lenins und man begreift es schnell: Es kommt bei der Wiederholung auf die unendlich große Vielfalt (nicht mit Vervielfältigung im Sinne des Kopierens zu verwechseln!) an, auf die Variation und Kombination der unterschiedlichsten Formen von Propaganda, unter unterschiedlichsten Bedingungen von Zeit, Raum, Personen, Gruppen, Schichten, Klassen, Nationalitäten, Nationen, Weltpropaganda usw, usf. Dem Wesen nach ist die Propagierung des Kommunismus natürlich eine schöpferische Tätigkeit, aber das schließt mit ein, dass man erstens die Verbreitung des Kommunismus massenhaft, also immer neuen Kräften der Gesellschaft zugänglich macht (wiederholt=vervielfältigt) – organisert ! und zweitens, dass man niemals aufhören darf, die Wahrheiten des ´reinen` Kommunismus immer wieder ins Bewusstsein zu rufen (Wiederholung zur Revolutionierung des Bewusstseins), besonders wenn man sich nämlich allmählich von den Wahrheiten des ´reinen` Kommunismus entfernt hat, aber obendrein noch zu glauben scheint, die Wiederholung der Wahrheiten des `reinen` Kommunismus nicht mehr „nötig“ zu haben. Man kann sich nicht damit begnügen, die Klassiker der Marxismus-Leninismus nur ein einziges Mal zu studieren – und schon habe man etwa die Wahrheit mit Löffeln gefressen.. In jeder neuen Situation, für jedes neu entstehende Problem, müssen wir das Studium des Marxismus-Leninismus wiederholen, müssen wir die Klassikertexte erneut zu Rate ziehen, um immer wieder neue Wahrheiten daraus zu entdecken und zu schöpfen. Die Restauration des Kapitalismus basiert eben auf dieser verhängnisvollen Tatsache, dass man die Wiederholung der Wahrheiten des `reinen` Kommunismus sträflich vernachlässigte, zu vulgarisieren, so dass man begann, sie allmählich zu vergessen. Und haben denn die Revisionisten nicht alles daran gesetzt, die Wahrheiten des ´reinen` Kommunismus vergessen zu machen ? Die Wiederholung der Wahrheiten des ´reinen`Kommunismus darf man also weder in der Phase der Gewinnung der Avantgarde des Proletariats, noch in der Phase der Gewinnung der Millionenmassen für die sozialistische Revolution, weder beim Aufbau des Sozialismus, noch im Kampf gegen die Restauration des Kapitalismus vernachlässigen – und schon gar nicht in der kommunistischen Gesellschaft selbst – die Verbreitung, die Wiederholung der Wahrheiten des ´reinen Kommunismus steht immer an erster Stelle, was denn sonst ? Was, wenn wir Kommunisten anfangen, sie auf einen hinteren Rang zu stellen, um statt der Wahrheiten des Kommunismus ganz andere „Wahrheiten“ an die erste Stelle zu setzen ? Ich denke, dass der IV. Parteitag die Bedeutung der kommunistischen Propaganda der Partei unterschätzt hat, von einer unverzeihlichen, sträflichen Geringschätzung will ich gar nicht sprechen. Egal mit welcher Begründung man die Propaganda von der ersten Stelle verdrängt – so weit darf man sich im Kampf gegen das Linkssektierertum nicht provozieren lassen! Aber dass Koch nun mal die Wahrheiten des ´reinen` Kommunismus später über Bord geworfen hatte, dass die Bücher der Klassiker statt in die Hände der Arbeiter im Müllcontainer landeten, ist und bleibt eine unwiderlegbare Tatsache. Ich denke, das ist wohl Grund genug, die Partei vor der Wiederholung der Unwahrheiten des ´reinen` Trotzkismus - nicht zuletzt durch unsere propagandistische Gewandtheit - zu bewahren.
Und obwohl bereits entlarvt, waren die Linkssektierer nach dem IV. Parteitag dennoch zufrieden, weil es ihnen gelungen war, den Rechtsopportunisten einen Bärendienst erwiesen zu haben. Warum Bärendienst ? Ganz einfach deshalb: Die Marxisten-Leninisten in der Partei sind zwar die einzigen, die einen korrekten Kampf gegen das Linkssektierertum führen, aber auf dem formalen Boden ihres Kampfes gegen das Linkssektierertum traten auch die Rechtsopportunisten auf, weil ihnen dieser Kampf gegen das Linkssektierertum den besten Schutz liefert, zukünftig viel weniger als Rechtsopportunisten erkannt und entlarvt zu werden. Und eben dieser Methode bediente sich auch der Verräter Horst Dieter Koch mit seiner Bande. War es der Bourgeoisie nicht gelungen, die Partei mit dem „linken“ Liquidatorentum im ersten Schritt direkt zu vernichten, so tauschte sie dieses Opfer notgedrungen ein, um dem rechten Liquidatorentum noch als letzten Wegbereiter für die Vernichtung der Partei zu dienen. Linkssektierer und Rechtsopportunisten arbeiten für die Bourgeoisie in der Partei Hand in Hand gegen sie – auch wenn beide Strömungen ein noch so großes Theater darüber machen, wie „weit sie auseinander“, wie „gegensätzlich“, Wie „spinnefeind“ sie angeblich seien. Zwar hatte das rechte Liquidatorentum die Partei schon fast so weit gehabt, dass nichts mehr von ihr übrig geblieben wäre, aber die Marxisten-Leninisten haben die Partei trotz der größten Niederlage in ihrer Geschichte wieder auf marxistisch-leninistischen Kurs gebracht, weswegen die Bourgeoisie wiederum zu einer Fortsetzung ihres liquidatorischen Kurses gezwungen war, gezwungen war, neben der Partei noch „linke“ und rechte Spalterorganisationen aufzubauen, denn sie hat es bis heute nicht geschafft, in die KPD/ML einzudringen, um sie zur Kapitulation des revolutionären Kurses des Genossen Ernst Aust zu zwingen.
Propaganda an erster Stelle für die Gewinnung der Avantgarde des Proletariats heißt: (vorausgesetzt ist hierbei natürlich die nicht-revolutionäre Situation als gegebene Bedingung. Und von dieser Situation musste die KPD/ML in ihrer ganzen Geschichte bis heute ausgehen) An erster Stelle erarbeiten die Marxisten-Leninisten ihre Propaganda erst einmal, um sie vor allem in die Arbeiterbewegung zu tragen - vermittels ihrer aktiven Teilnahme in ihr, wenngleich diese Teilnahme auch nicht so groß sein kann (um die Bewegung im nennenswerten Umfang zu beeinflussen oder gar zu führen) – eben auf Grund der noch relativ schwachen Kräfte in der ersten Entwicklungsphase der Partei. Dabei unterstützen sie tatkräftig die konkreten Forderungen der Arbeiter, so gut sie das können. Mittels ihrer kommunistischen Propaganda sind die Marxisten-Leninisten bemüht, - anknüpfend an das vorhandene Niveau - das Bewusstsein der Arbeiter auf eine höhere Stufe zu heben- also über die Tagesinteressen hinaus auch ihre grundsätzlichen Klasseninteressen zu erläutern. Dabei muss sich die Partei allerdings darüber vollkommen im Klaren sein, dass sie damit unmöglich(!) - also objektiv, d.h., unabhängig von all ihren subjektiven Möglichkeiten - bereits die Minderheit, geschweige denn die ganze Klasse erreicht und ansprechen kann, sondern nur jene klassenbewusstesten Elemente, die die spontane Arbeiterbewegung überhaupt in einer bestimmten Phase ihrer Entwicklung hervorzubringen vermag und die für die kommunistische Propaganda am empfänglichsten sind. Wir müssen begreifen - angesichts der allgemein unter den Arbeitern vorherrschenden bürgerlichen Kultursklaverei, insbesondere dem vorherrschenden Antikommunismus -, dass es eben (zunächst) nur diese wirklich verschwindend geringe Zahl der fortschrittlichsten proletarischen Elemente ist, die wir in dieser Parteiaufbauphase als Avantgarde des Proletariats gewinnen können, was ja im Grunde genommen nichts anderes heißt, sie als Mitglieder unserer Partei zu gewinnen. Um es noch einmal ganz krass hervorzuheben. Um die Avantgarde des Proletariats zu gewinnen, dürfen wir nicht zulassen, müssen wir es unbedingt vermeiden, dass wir sie mit der Wiederholung der Wahrheiten des ´reinen“ Kommunismus abschrecken und abstoßen, können wir gleichzeitig dabei aber objektiv nicht vermeiden oder gar verhindern, dass wir die Massen noch nicht mit kommunistischer Propaganda erreichen und gar nicht verhindern können, die proletarische Klasse insgesamt, ja selbst ihre Mehrheit damit (noch) eine gewisse Zeit abzuschrecken und abzustoßen ( und zwar um so mehr und so länger, als das bürgerliche, anti-kommunistische Bewusstsein im Arbeiter vorherrscht!). Erst wenn wir die Avantgarde des Proletariats gewonnen haben, wird es uns - und auch das nur Schritt für Schritt, in mühevoller Arbeit – gelingen, das kommunistische Bewusstsein in dem Maße und in dem Umfang in der Arbeiterklasse zu verankern, wie wir es fertig gebracht haben, dass der Arbeiter das klassenfremde, bürgerliche Bewusstsein abstößt, dass die Massen nicht mehr von der kommunistischen Propaganda, sondern in erster Linie von der bürgerlichen Propaganda abgeschreckt werden ! Wir dürfen die Qualität des anti-kommunistischen Bewusstseins nicht nur in der Arbeiterklasse, sondern in der kapitalistischen Gesellschaft insgesamt, nicht mit deren Qualität zur Zeit der aufkommenden revolutionären Arbeiterbewegung in Russland, zur Zeit Lenins, gleichsetzen.
Lenin lehrte, dass die Gesamtinteressen einer Gesellschaft höher sind als die Interessen der Arbeiterklasse in dieser Gesellschaft, dass sich die Partei also nicht darauf beschränken darf, ihre Propaganda ausschließlich ins Proletariat zu richten. Die Avantgarde des Proletariats sollte in Etwa im Verhältnis 8:2 (Lenin) aus Proletariern bestehen, also nicht nur „rein“ aus Proletariern (selbst dann nicht, wenn wir 100 % Proletarier zur Verfügung hätten, weil genau das Linkssektierertum wäre und dem Marxismus-Leninismus, den revolutionären Interessen des Proletariats widerspricht! - bitte bei Lenin nachlesen, falls hierüber Zweifel bestehen sollten), sondern auch aus revolutionären Kräften aller anderen Klassen. Wenn wir gegen das Linkssektiertum (vor allem gegen die linkssektiererischen kleinbürgerlichen Intellektuellen) kämpfen, dann stützen wir uns dabei nicht zuletzt auf jene Intellektuellen, die die proletarische Linie der KPD/ML gegen das Linkssektierertum konsequent und prinzipienfest vertreten. Es waren schließlich nicht die proletarischen Genossen allein, die das Linkssektierertum in der KPD/ML bekämpft hatten, das waren auch intellektuelle Genossen, und sie haben ihre Sache durchaus nicht schlechter gemacht als die proletarischen Genossen! Es ist ein linkssektiererischer Fehler, wollte man den Unsinn vertreten, dass ausschließlich nur Proletarier gegen das Linkssektierertum kämpfen könnten oder sollten, wenn sie auch zweifellos diejenigen Genossen sind, die den Kampf gegen das Linkssektierertum FÜHREN, führen MÜSSEN (Verteidigung der Hegemonie des Proletariats auch und vor allem in der kommunistischen Partei, nicht zuletzt in der kommunistischen Propaganda)!. Mehr von der „Massenarbeit“ der Partei in dieser Entwicklungsphase der Gewinnung der Avantgarde des Proletariats zu erwarten, als eben “lediglich“ die Gewinnung der Avantgarde oder gar darüber hinaus irgendetwas zu verlangen oder zu erzwingen, ist eine linkssektiererische Illusionen, eine Kinderkrankeit des Kommunismus – wie Lenin es ausdrückte. Was nun unter linkssektiererischer Propaganda zu verstehen ist, muss hier nichts wiederholt werden, denn kein anderer als Ernst hätte das treffender und anschaulicher auf den Punkt bringen können. Die KPD/ML hatte das Referat Anfang der 90er Jahre wieder als nachgedruckte Broschüre veröffentlicht. Und wir werden dieses wichtige Werk aus der Schatzkammer des Genossen Ernst Aust natürlich demnächst ins Internet auf unsere homepage setzen. Wir fordern alle Genossinnen und Genossen auf, daraus für die Zukunft unserer Partei zu lernen.
Das Liquidatorentum hatte den Linksopportunismus also nur hinter der Losung „Hinein in die Massen!“ besser verborgen halten können, so zu sagen rübergerettet, hat den Linksopportunismus zwar nicht mehr offen, da entlarvt, sondern gezwungenermaßen verdeckt, also auf der formalen Basis des Kampfes gegen das Linkssektierertum fortgesetzt. Wir hatten die kleinbürgerlichen Intellektuellen in die Betrieb und in die Gewerkschaft geschickt, wurden sie damit aber nicht los, erzogen sie damit nicht um, sondern ließen sie sich bürgerlich entwickeln und zwar bis zu einem Grade, dass diese sich stark genug fühlten, ihrerseits die Partei „umzuerziehen“ ! Natürlich ist es richtig, wenn intellektuelle Genossen in der Arbeiterklasse, im Betrieb von den Kolleginnen und Kollegen erzogen werden, aber damit allein kann man man der Gefahr des Linkssektierertums nicht beikommen. Die ideologische Erziehung durch die Partei kann dadurch nicht ersetzt werden. Wenn die Partei dies unterschätzt, hat das Folgen: Von der Hauptfestung der Partei, von der Betriebs- und Gewerkschaftsarbeit aus, also wo eigentlich die besten proletarischen Genossen die Partei im Betrieb verankern sollten, eroberten die Liquidatoren ihre Macht in der Partei; sozusagen fiel ihnen die Partei durch ihre „Betriebsbasis“ von ganz alleine in den Schoß, um sie auf diese Art und Weise in die Entartung, in den Untergang zu treiben, zu liquidieren.. Weder zur Zeit des IV. Parteitags, noch irgendwann später war die Partei eine Massenpartei, sondern war sie dem Wesen nach eine Propagandapartei, die natürlich auch (von Anfang an) eine Kampfpartei war. Das eine schließt doch das andere nicht etwa aus. Und nun vervollständigen wir das wichtigste Leninzitat in diesem Zusammenhang:
Wenn es sich um die praktische Aktion der Massen, um die Verteilung – wenn man sich so ausdrücken darf – von Millionenarmeen, um die Gruppierung aller Klassenkräfte einer gegebenen Gesellschaft zum letzten und entscheidenden Kampf handelt, so kann man allein mit propagandistischer Gewandtheit, allein mit der Wiederholung der Wahrheiten des ´reinen` Kommunismus nichts mehr ausrichten“ (ebenda).
Lenin hat hier das Wort „reinen“ in Anführungsstriche gesetzt, denn Kommunismus ist nicht abstrakt, sondern immer konkret, was eben auch nicht anders sein kann mit den Anführungsstrichen der „reinen“ Propaganda bzw. der „reinen“ Propagandapartei. Ernst hatte in seiner Losung das Wort „Propagandapartei“ ebenfalls in Anführungsstriche gesetzt. Koch hat das „übersehen“. Wenn man die negative Bedeutung der `Propaganda`partei herausstellt, dann darf man die positive Bedeutung der Propaganda, die Propaganda an erster Stelle des Parteiaufbaus nicht unterschätzen, nicht stiefmütterlich behandeln, sondern ist als Leninist verpflichtet, ihre Bedeutung für die Partei unbedingt herausstellen und sowohl gegen rechts als auch gegen „links“ zu verteidigen..´Propaganda`- oder Kampfpartei = Erste Etappe des Parteiaufbaus oder zweite Etappe des Parteiaufbaus ? So ist die Frage gestellt: Wir befinden uns bis auf den heutigen Tag in der ersten Etappe und haben uns seit Gründung der Partei nie anderswo befunden. Das hängt nicht ausschließlich von der Partei ab, sondern von vielen anderen Bedingungen, auch vom konkreten Stand der Arbeiterbewegung selbst. Das ist keine Frage, die man nicht mit einem Parteitag lösen kann ! Das sind die objektiven Bedingungen des erreichten Standes der Klassenkämpfe !
Die Konstruktion eines „Entweder-oder“-Gegensatzes zwischen `Propaganda`partei oder Kampfpartei führt auf die falsche Fährte, ist streng genommen anti-marxistisch-leninistisch - denn die Partei ist in erster Linie Träger des Marxismus-Leninismus in der Arbeiterbewegung -, das wurde von den Klassikern des Marxismus-Leninismus zu keinem Zeitpunkt und in keiner Phase des bolschewistischen Parteiaufbaus jemals vertreten (ich lasse mich gerne vom Gegenteil überzeugen!), sie war zumindest in der damaligen Phase des Parteiaufbaus „unglücklich“ gewählt, insofern richtige Inhalte unter dieser Losung gegen das Linkssektierertums transportiert wurden, die wir natürlich verteidigen – und auf die Inhalte des Kampfes kommt es schließlich an und nicht auf die Form ihrer Losung, mit der dieser Kampf geführt wurde. Wir dürfen Ernst nicht unterstellen, dass die unglücklich gewählte Losung etwa ein Beweis für einen unkorrekten Inhalt wäre. Der Kampf gegen das Linkssektierertum unter der Führung des Genossen Ernst Aust war richtig, notwendig und gerechtfertigt. Darüber darf kein Zweifel bestehen. Wie dem auch sei, sicherlich besteht Einigkeit darüber, dass diese Losung zumindest in jenem Augenblick problematisch wurde als die Rechten ans Ruder kamen, als diese die kommunistische Propaganda nicht nur eingestellt, sondern durch anti-kommunistische Propaganda ersetzt hatten. Nicht als die kommunistische Propaganda in der Partei allmählich verkümmerte, griffen wir ein, was notwendig gewesen wäre, sondern wir begannen die kommunistische Propaganda, ja die marxistisch-leninistischen Grundpfeiler der KPD/ML erst in dem Augenblick zu verteidigen, als sie durch die anti-kommunistische Propaganda, durch antimarxistisch-leninistische Positionen des trotzkistischen Koch-ZK`s schon fast gänzlich in Frage gestellt und ersetzt worden waren. Das zeugte davon, dass die Partei ihre wirkliche Position noch nicht richtig einschätzen konnte, dass sie im Kampf gegen die „linke“ Abweichung Fortschritte, aber gegenüber der rechten Abweichungen schwerwiegende Mängel zeigte, was sich schon auf dem IV. Parteitag abzuzeichnen begann. Eine junge Partei läuft häufig Gefahr, sich selbst , das heißt ihre Kräfte zu überschätzen, über ihre Verhältnisse zu agieren, ihre Kräfte übermäßig zu verausgaben, übers Ziel hinauszuschießen, nicht zuletzt im Kampf gegen die Abweichungen, gegen die revisionistische Gefahr in den eigenen Reihen. Die Partei über ihre Kräfte hinaus zu strapazieren, im Kampf gegen die Abweichungen übers Ziel hinauszuschießen, der entgegengesetzten Abweichung Freiraum für ihre Entfaltung zu geben, ist ein sektiererischer Fehler. Die Partei läuft Gefahr, ihre Kräfte zu verzetteln, die Propaganda von der ersten Stelle auf die zweite Stelle zu setzen., was die parteifeindlichen Elemente dazu ermunterte, an dieser schwachen Stelle den Hebel zur rechten Liquidierung der Partei einzusetzen. Propagandapartei und Kampfpartei, das ist für eine bolschewistische Partei – nicht nur in ihrer Aufbauphase immer eine unzertrennliche Einheit. Es ist ein Wesensmerkmal sowohl der rechten als auch der „linken“ Abweichung, gerade diese Einheit von Propaganda- und Kampfpartei zu schwächen, ja die Partei auf diesem Wege zu liquidieren. Bei aller Aufopferung im täglichen praktischen Kampf darf man die ideologische Wachsamkeit nicht vernachlässigen, muss man die marxistisch-leninistische Schulung und Erziehung der Parteigenossen immer auf der Höhe halten, darf man nicht vergessen, die Arbeiter vom Kommunismus zu überzeugen, sie kommunistisch zu erziehen– selbstverständlich im Kampf und nicht außerhalb des Kampfes.der Massen. Das Hineintragen des Kommunismus von außen heißt doch nicht außerhalb der Arbeiterbewegung, nicht am Straßenrand der Arbeiterbewegung, sondern im Zentrum der Arbeiterbewegung, auf ihren Barrikaden, in den Betrieben, in den Gewerkschaften. Und umgekehrt hissen wir nicht nur unsere Fahne auf den Parteiveranstaltungen, sondern eben auf den Barrikaden der Arbeiterbewegung, ziehen wir sie dort nicht etwa ein, (weil sie vielleicht die Meisten abstoßen könnte sondern entrollen sie dort, damit sie von den fortschrittlichsten Elementen gesehen wird, die wir für die Partei gewinnen wollen.. Koch hat sie dort eingerollt, das war sein Verrat. Wenn man unter den Massen kämpft und dabei keine Zeit mehr für das Studium des Marxismus-Leninismus hat, wenn man den ideologischen Parteiaufbau dabei vernachlässigt, dann beginnt etwas beim bolschewistischen Parteiaufbau falsch zu laufen. Wie sollen die neu gewonnenen proletarischen Genossen die Partei führen, wenn sie nicht dazu in die Lage versetzt werden? Entscheidender Grund für die Entartung der Partei war nicht zuletzt gerade diese wachsende ideologisch-theoretische Schwäche der Parteigenossen. Massenverbundenheit, die Aktion (nicht zu verwechseln mit Aktionismus!), ist in jeder Phase des bolschewistischen Parteiaufbaus ein wesentliches Merkmal der revolutionären proletarischen Kampfpartei ( die sie bereits mit ihrer Gründung geworden ist!), aber sie verzichtet deswegen nicht auf ihre (kommunistische!) Agitation und Propaganda.. Nur in der ersten Aufbauphase hat die Massenverbundenheit eben eine andere, eine besondere Qualität, die sich von der Qualität der Massenverbundenheit einer Massenpartei wesentlich unterscheidet. Massenverbundenheit ist nicht in jeder Aufbauphase der Partei dieselbe. Das darf man nicht gleichsetzen oder verwechseln. Generell kann die Partei in ihrer Anfangsphase die Massen eben noch nicht führen, weil sie dazu noch zu schwach ist, was aber keineswegs heißt, dass sie sich deswegen noch nicht in den Massen verankern soll, nicht von Anfang an Kampfpartei sein soll. Die Verankerung in den Massen ist ja geradezu eine Voraussetzung, um die Massen führen zu können. Aber die Massen in der Aufbauphase der Partei wirklich führen zu können, das ist höchstens in besonderen revolutionären (Ausnahme-)Situationen der Fall. Dass die Partei anfangs noch nicht die Massen führen kann, liegt also in der Natur der Sache, ist kein Manko, kann mit einem Zweifrontenkampf nicht aus der Welt geschafft werden, sondern entspricht nun einmal dem gesetzmäßigen Verlauf der Entwicklung einer jeden bolschewistischen Partei, die sich nur solche Aufgaben stellen soll, die sie bereits gewissenhaft und sorgfältig erfüllen kann.
Wenn der IV. Parteitag die Erfolge der RGO bei den Betriebsratswahlen hervorhob, ist das vollkommen korrekt, zeigt das, dass die Partei auf dem richtigen Kurs war, aber wenn der IV. Parteitag sie direkt mit den Ergebnissen der RGO Ernst Thälmanns vergleicht, darf man nicht den Fehler machen, die Stufe des Parteiaufbaus der KPD/ML mit der Aufbaustufe der KPD Ernst Thälmanns gleichzusetzen. Der entscheidende Unterschied ist der, dass es sich bei der Phase KPD/ML immer noch um die Gewinnung der Avantgarde des Proletariats handelte, während es bei der KPD Ernst Thälmanns bereits um die Phase der Eroberung der Millionenmassen ging, „Klasse gegen Klasse“, und eben das darf nicht einfach „übersehen“ werden. Dieser Fehler hat sich für die KPD/ML verhängnisvoll ausgewirkt, musste ihr revolutionärer Schwung allmählich versiegen, musste die Aufbruchstimmung des IV. Parteitags bald erlahmen und mit Enttäuschungen enden, die der Partei insbesondere unter den proletarischen Genossen erhebliche Mitgliederverluste bescherte. Man darf die Phase der Gewinnung der Avantgarde des Proletariats nicht mit der Phase der Gewinnung der Millionenmassen in einen Topf werfen, ebenso wenig wie man in der Phase der Gewinnung der Avantgarde des Proletariats nicht auf die Unterstützung des Kampfes der Massen verzichten darf, denn nur in diesem Kampf können wir die Avantgarde gewinnen und schmieden. Das Überspringen oder Vorauseilen der gesetzmäßigen Entwicklungsphasen einer Partei, die unreife Partei auf die Stufe einer reifen Partei zu heben, das eben ist Linkssektierertum. Das Hinterherhinken des Parteiaufbaus hinter der Arbeiterbewegung, - die Partei daran zu hindern, auf eine höhere Stufe ihrer Entwicklungsphase zu steigen, wenn sie denn dazu reif genug ist, das Eingreifen der Partei in die Arbeiterbewegung unter Verzicht oder Herabminderung ihrer kommunistischen Agitation und Propaganda, der Verzicht auf die Eroberung der politischen Macht, wo dies möglich und notwendig ist usw. usf., das Zurückweichen im Klassenkampf, die revisionistische Klassenversöhnung, das Nachgeben des Drucks der Bourgeoisie – all das und vieles mehr ist Rechtsopportunismus.
Weniger, aber gründlicher wäre besser, solider gewesen, hätte uns vor Verzettelung unserer noch begrenzten Kräfte bewahrt: Um ein Beispiel zu nennen: Anstatt nur in 2-3 Großbetrieben wirklich proletarische Genossen aus diesen Betrieben für die Partei zu gewinnen, wurden Intellektuelle fieberhaft in 30 Großbetriebe geschickt ( so wie Mao die Studenten, die kleinbürgerlichen Intellektuellen in der Kulturrevolution in die Betriebe und auf die Felder schickte), ohne dass überhaupt nennenswerte proletarische Genossen (also die schon lange in diesen Betrieben gearbeitet hatten) gewonnen wurden. Gerade in der Betriebs – und Gewerkschaftsarbeit muss man revolutionäre Ungeduld bekämpfen. Die Partei litt ja nicht unter einem Mangel an Arbeit unter den Massen, sondern umgekehrt, brach sie unter der Last der Arbeit unter den Massen zusammen, versäumte sie ihre Aufgabe, den ideologischen Parteiaufbau solide voranzutreiben und den Kommunismus in die Massen zu tragen, gewissenhaft zu erfüllen. Der Aufbau von `zig Massenorganisationen wurde mit heißer Nadel gestrickt, wobei die Partei selber auf der Strecke blieb und somit nicht etwa dadurch wuchs und erstarkte, sondern im Gegenteil, immer mehr Mitglieder verlor. Das hätte uns stutzig machen müssen. Die ganze Massenorganisationshysterie war ein Überrest des Linkssektierertums, den Koch ausnutzen konnte, um der Partei letztendlich das Genick zu brechen. Er ließ die Partei in den Massenorganisationen aufgehen, stellte sie auf verlorenen Posten. Im Endergebnis bestimmten in Wirklichkeit die Massenorganisationen über die Partei, nicht mehr die Partei über die Massenorganisationen. Die Partei wurde nicht befähigt, die Arbeiterklasse vom Weg des Trade-Unionismus abzubringen und sie, die Arbeiterklasse, in eine selbständige politische Kraft zu verwandeln, sondern die Koch-Leute führten die Partei – umgekehrt – zurück auf den Weg des Trade-Unionismus, eben um zu verhindern, dass die Arbeiterklasse sich in eine selbstständige politische Kraft verwandeln kann. Statt zu einer Kampfpartei zu werden, die das Proletariat eines Tages an die revolutionäre Macht führt, verwandelten die Koch-Leute die KPD/ML in einen politischen Apparat, in ein Anhängsel, in ein dienstbares Element ihrer trotzkistischen Betriebs- und Gewerkschaftsarbeit, der zur Vorbereitung des Proletariats auf die sozialistische Revolution völlig untauglich war. Und eben der Partei den Weg zu einer Kampfpartei für die sozialistische Revolution zu verbauen, das war das liquidatorische Ziel der Koch-Trotzkisten.
Genosse Stalin hatte den eigentlichen Begriff „Kampfpartei“ auf eine bestimmte Periode, auf die neue Periode bezogen, nämlich „die Periode offener Zusammenstöße der Klassen, die Periode revolutionärer Aktionen des Proletariats, die Periode der proletarischen Revolution, die Periode der direkten Vorbereitung der Kräfte zum Sturz des Imperialismus, zur Ergreifung der Macht durch das Proletariat“ (Grundlagen des Leninismus, Kapitel VIII: Die Partei). Diese Kampfpartei, wie sie von Stalin definiert wurde, konnte die KPD/ML zum Zeitpunkt des IV. Parteitags noch nicht sein. Kampfpartei, das ist die bolschewistische Partei in ihrer zweiten Parteiaufbauphase, in der Phase des Kampfes um die Macht., wenn die revolutionäre Situation dafür herangereift ist. Zur Zeit des IV. Parteitags war aber noch keine revolutionäre Situation herangereift, die ist bis heute, also selbst nach 30 Jahre, noch nicht herangereift. Stalin definierte die neuen Aufgaben der Partei in der revolutionären Situation wie folgt:
Diese Periode stellt dem Proletariat neue Aufgaben: die gesamte Parteiarbeit auf neue, auf revolutionäre Art umzubauen, die Arbeiter im Geiste des revolutionären Kampfes um die Macht zu erziehen, Reserven auszubilden und heranzuziehen, das Bündnis mit den Proletariern der benachbarten Länder herzustellen, feste Verbindungen mit den Befreiungsbewegungen der Kolonien und abhängigen Länder zu schaffen usw. usf. (...) Daraus folgt die Notwendigkeit einer neuen Partei, einer Kampfpartei [unterstrichen von der Redaktion], einer revolutionärenPartei, die kühn genug ist, die Proletarier in den Kampf um die Macht zu führen, die genügend Erfahrungen hat, um sich in den komplizierten Verhältnissen der revolutionären Situation zurechtzufinden (...).“ (ebenda)
Es erübrigt sich wohl nachzuweisen, dass unsere Partei zum Zeitpunkt ihres IV. Parteitags überhaupt noch nicht „genügend Erfahrung hat, um sich in den komplizierten Verhältnissen der revolutionären Situation zurechtzufinden.“ Der Beschluss über die Beendigung der ersten Parteiaufbauphase zeigte vielmehr, dass wir noch nicht einmal genügend Erfahrung hatten, um uns in den viel einfacheren, „ruhigeren“ Verhältnissen der nicht-revolutionären Situation zurechtzufinden. Die Kampfpartei im Sinne Stalins setzt also nicht nur subjektive, sondern auch objektive Bedingungen voraus. Im strengsten Sinne von Lenin und Stalin kann man die Entwicklung des Parteiaufbaus, also die zwei Parteiaufbauphasen dahingehend unterscheiden, dass die Partei in ihrer ersten Aufbauphase ihrem Charakter nach eher eine Propagandapartei und in der zweiten Aufbauphase eher einer Kampfpartei ist, wobei man eben nicht den Fehler machen darf, dieses Verhältnis als unvereinbaren Gegensatz zu betrachten, beides gegeneinander zu setzen, denn Beides bildet in der gesamten Parteientwicklung eine unzertrennliche, dialektische Einheit, eins entwickelt sich nicht ohne das andere – und zwar von Anfang an in der gesamten Parteientwicklung..
Dementsprechend gibt es objektive und subjektive Schwächen der Partei, die man nicht gleichsetzen oder verwechseln darf. So kam es denn auch zu der Ausrichtung:: „´Propaganda´partei ODER Kampfpartei“. Das Wort „oder“ verführt zur Einseitigkeit. Eine Übertreibung einer Seite der Parteiarbeit führt zum Nachteil der anderen, und das hatte schädliche Folgen für die Partei. Man kann weder die Kampfpartei gegen die Propagandapartei verteidigen genauso wenig wie man umgekehrt die Propagandapartei gegen die Kampfpartei verteidigen kann. Das eine führt zur rechten, das ander zur „linken“ Abweichung der Partei. Die bolschewistische Partei ist sowohl eine Kampf- als auch eine Propagandapartei. Es ist nun einmal die Aufgabe der bolschewistischen Partei, den Kommunismus in die Massen zu tragen, in die kämpfenden Massen versteht sich – nicht nur mit Flugblättern, sondern auch mit Fäusten, um es einmal plastisch auszudrücken. Im Grunde war es das ja auch, was Genosse Ernst Aust meinte und forderte, wenn er von „`Propaganda`- oder Kampfpartei ?“ sprach! Und in dieser Richtung des Genossen Ernst Aust haben wir Marxisten-Leninisten in der Partei auch den Kampf gegen das Linkssektierertum verstanden. Die liquidatorischen Parteifeinde haben das aber natürlich „ganz anders“ verstanden und ausgelegt.
Verzichtet die Partei auf ihre (marxistisch-leninistische!) Propaganda, dann ist sie keine bolschewistische Partei mehr ( und das war ja auch das Ziel der liquidatorischen Koch-Clique). Das Banner der revolutionären Klassenbewegung der Arbeiter ist nun mal der Marxismus-Leninismus und die KPD/ML muss für die Weiterentwicklung der revolutionären Theorie und ihre Anwendung in der Praxis sorgen und muss sie zugleich vor Entstellung und Verflachung schützen. Sie ist aber auch die Avantgarde und ein Teil der Arbeiterklasse und damit Führerin und zumindest Teilnehmerin am täglichen Klassenkampf, ein Teil, ein führender Teil der Arbeiterbewegung und somit eine praktisch tätige Kampfpartei gegen die Kapitalisten und ihren Staat. Eine Partei, die nicht konsequent ihre Verankerung in den Massen betreibt, kann keine Kampfpartei, kann keine bolschewistische Partei werden. Aber wenn diese Kampfpartei nicht für den Sozialismus kämpft, wenn sie die revolutionäre Theorie nicht vorher ausgearbeitet hat, wofür soll sie dann kämpfen ohne Anleitung zum revolutionären Handeln ? Das Wesen einer bolschewistischen Partei besteht ja gerade darin, die revolutionären Eigenschaften einer Kampfpartei und einer Propagandapartei in sich zu vereinigen, sonst könnte sie unmöglich die Verbindung von Arbeiterbewegung und wissenschaftlichem Sozialismus herstellen, was schließlich das eigentliche Wesen der Partei ausmacht. Und weder als reine Kampfpartei, noch als reine Propagandapartei kann sie diese Verbindung herstellen. Von alleine kommt der Kommunismus nicht unter die Massen, dazu brauchen die Kommunisten eine Organisation, die kommunistische Partei, die am Klassenkampf teilnimmt. Denn: Die Massen lassen sich allerdings vom Kommunismus nur überzeugen, wenn sie sehen, dass die Kommunisten eine Organisation haben, die in der Arbeiterbewegung, im Klassenkampf sichtbar in Erscheinung tritt (und zwar nicht plakativ sondern auch inhaltlich, wie es Ernst lehrte). Das heißt nichts anderes, als dass die Kommunistische Partei in Theorie und Praxis, in Wort und Tat übereinstimmt, dass ihre Identität in der Verbindung von revolutionärer Theorie und revolutionärer Praxis liegt (und damit auch ihre Identifizierung DURCH die Massen, VON den Massen [= Allgegenwärtigkeit, Erkennbarkeit, Überzeugungskraft der Partei, Auftreten der Genossen als personifizierte, öffentlich sichtbare Träger der Partei in der Arbeiterbewegung usw. usf.] ). Also: anders als im täglichen Klassenkampf kann man keine kommunistische Propagandaarbeit leisten, ohne ins sektiererische Fahrwasser zu geraten. Eben das hat Genosse Ernst Aust auf dem IV. Parteitag gelehrt. Die bolschewistische Partei ist die Partei der Arbeiterklasse, die beides, sowohl Arbeiterbewegung als auch wissenschaftlichen Sozialismus zur revolutionären Bewegung verschmilzt, das heißt, die sozialistische Arbeiterbewegung in jeder Hinsicht fördert und stärkt. Die Partei organisiert die Verbindung von Arbeiterbewegung und wissenschaftlichem Sozialismus. Ohne Propagandapartei ist die kommunistische Partei nur eine Kampfpartei, die die spontane Arbeiterbewegung anbetet und keine bewusste, revolutionäre Partei des Marxismus-Leninismus. Wenn man also die Kampfpartei gegen die Propagandapartei verteidigt, dann läuft die Losung: „Hinein in die Massen!“ Gefahr, die Partei in der Massenbewegung zu versenken und quasi in ihr aufzulösen ( =Liquidierung!), läuft sie Gefahr, ins rechte Fahrwasser zu geraten, beschleunigt die Schaffung von Massenorganisationen gerade diese gefährliche Entwicklung, macht man die Massenorganisationen geradezu zu Triebfedern, zu Hebeln der rechten Entwicklung in der Partei.. Und genau in diese Richtung ist dann ja auch die Partei vom marxistisch-leninistischen Kurs abgewichen. Alles wurde auf den Kopf gestellt: Die Marxisten-Leninisten mit Genossen Ernst Aust an der Spitze wurden schließlich als „Linkssektierer“ (!) bekämpft. Unter der Losung: „Hauptgefahr = „links“ wurden wir also von den Rechten mit unseren eigenen, anti-linkssektiererischen Waffen geschlagen! Die Losung : „Hauptgefahr ist das Linkssektierertum!“ wurde also letztendlich gegen die Marxisten-Leninisten selbst gerichtet, so wie es die Revisionisten seit Jahrzehnten gegen die Marxisten-Leninisten mit Erfolg praktiziert hatten ! Die Partei hat den Kampf gegen das Linkssektierertum also in eine Richtung geführt ( Linkssektierertum mit Linkssektierertum bekämpfen = Rechtsopportunismus!), die dem Rechtsopportunismus zwangsläufig Auftrieb geben musste. Wenn die Linkssektierer einseitig die Linie der reinen Propagandapartei verfolgten, um sich vor dem Kampf unter den Massen zu drücken, also die Kampfpartei ablehnten, so wäre die einzig richtige Losung der Partei als Antwort auf das Linkssektierertum gewesen: Kampf für die Einheit von Propaganda- und Kampfpartei – also weder einseitig Kampfpartei – noch einseitig Propagandapartei. Einheit und `Einheit`ist dabei noch lange nicht dasselbe. Wenn man die einseitige (negative) Position der Propagandapartei mit der einseitigen (negativen) Position der Kampfpartei eklektizistisch in einem Topf verrührt, dann ist das keine Einheit, sondern Versöhnlertum gegenüber den rechten und „linken“ Abweichungen in der Partei, dann ist diese Art von ´Einheit` = Spaltung der proletarischen Einheit von marxistisch-leninistischer Propaganda- und Kampfpartei = Liquidierung !
Die Losung: „`Propaganda`- oder Kampfpartei“ war also zunächst irreführend, und dann später, wo die rechte Hauptgefahr bereits existierte, zeigte sich auch, dass dies für die weitere Entwicklung der Partei verhängnisvoll war, ja das wurde schließlich geradezu eine Einladung zur rechten Abweichung der Partei, erleichterte den kleinbürgerlichen Elementen, die Liquidierungs- und Zersetzungsarbeit gegen die Partei von der entgegengesetzten Seite her einfach nur weiter fortzusetzen. Der Genosse Ernst Aust hat diese Folgen am eigenen Leib zu spüren bekommen und wir alle marxistisch-leninistischen Genossen mit ihm , die ihm und der Partei treu ergeben waren. Wir haben viel Lehrgeld bezahlen müssen in Hinsicht des korrekten Kampfes der Partei gegen das „linke“ und rechte Liquidatorentum. Der IV. Parteitag hatte zwar sehr gut erreicht, dass das Linkssektierertum nicht mehr so offen auftreten konnte wie bisher, dass es sich der korrekten Ausrichtung auf den praktischen Klassenkampf des Proletariats zu beugen hatte, aber mit der Ausrichtung „Hauptgefahr = Linkssektierertum“ hat die Partei den rechten Abweichlern ( eben den nunmehr unter der Fahne der „Kampfpartei“ versteckt agierenden Linsksektierern!) erleichtert, die marxistisch-leninistischen Positionen im Massenkampf auf dem Schleichwege „auf dem langen Marsch“ allmählich (unmerklich, lebendig) zu begraben. Hinein in die Massen darf nicht dazu führen: weg vom Marxismus-Leninismus, denn das ist rechts = Anbetung der Spontaneität der Arbeiterbewegung ist eine Geringschätzung der Notwendigkeit des Hineintragens des wissenschaftlichen Sozialismus in die Arbeiterbewegung. So kam es denn auch, dass zunächst immer weniger im „Roten Morgen“ über die kommunistischen Positionen der Partei zu lesen war, und dann später – wie kann es einen wundern – stattdessen anti-kommunistische Positionen eingenommen wurden. Der „Rote Morgen“ entwickelte sich vom Zentralorgan einer bolschewistischen Partei zu einem Zentralorgan einer trotzkistischen, anti-marxistisch-leninistischen Partei. Massenarbeit darf nicht heißen, aufzuhören, den Marxismus-Leninismus in die Massen zu tragen, eben kommunistische PROPAGANDA zu betreiben. Wenn eine Partei aufhört, kommunistische Propaganda zu betreiben, dann hört sie auf, eine bolschewistische Partei zu sein. Schaut man diesbezüglich auf die Geschichte unserer Partei zurück, so wird die ganze Tragweite der Losung: „`Propaganda`partei oder Kampfpartei ?“ bis auf den heutigen Tag deutlich. Mit dem Kampf gegen das Linkssektierertum wollten wir auf dem IV. Parteitag die trotzkistische Form des bürokratischen Zentralismus, des Kommandierens, sowie die trotzkistische Form der Demokratie, des intellektuellen Diskutierklubs, beseitigen – und genau in den Händen der Trotzkisten, die eben diese von uns bekämpften Methoden gegen uns Marxisten-Leninisten anwandten, landete die Partei schließlich 1985.
Auf Seite 85 berichtete Ernst: „Nie dürfen wir vergessen, dass die Bewegung nur dann vor falschen Schritten und Fehlern bewahrt werden kann, „wenn man“, wie Lenin sagte, „das ´Endziel` stets im Auge behält, wenn man jeden Schritt der ´Bewegung` und jede einzelne Reform vom Standpunkt des allgemeinen revolutionären Kampfes beurteilt“ (Lenin, Band 5, Seite 66). „Keinesfalls ist es zulässig, wie in letzter Zeit des Öfteren zu beobachten, dass die Partei und die Rote Garde nicht mehr eigenständig auftreten. Keinesfalls ist es zulässig, beim Aufbau der Revolutionären Gewerkschafts-Opposition die Parteiarbeit im Betrieb, zum Beispiel die Herausgabe der Parteibetriebszeitungen zu vernachlässigen“. (Seite 86). Es ist richtig, dass sich Partei und Rote Garde – in welcher Form auch immer – an Massendemonstrationen im ökonomischen und politischen Kampf beteiligen.“ „Doch müssen sie auch hier mittels Flugblätter oder Zeitungsverkauf für sich und ihre Ziele werben.“ Doch hatten wir diese wichtige Mahnung des Genossen Ernst Aust in der Praxis konsequent befolgt ? Wer ging denn in den 80er Jahren noch den Roten Morgen verkaufen, so wie das in den ersten zehn Jahren der Partei noch der Fall war ? Die Parteigenossen - bis oben hin voll mit anderen praktischen Aufgaben -, hatten dafür gar nicht mehr die Zeit und so verlor sich auch ihr Interesse am Zeitungsverkauf, wurde das nicht mehr kontrolliert. Was Lenin in seiner Schrift „Was tun?“ über die Rolle des Zentralorgans beim Aufbau der Partei lehrte, wurde nicht mehr Ernst genommen. Ja auch das Studium des Zentralorgans wurde immer oberflächlicher. Man überflog, was einen interessierte, und legte danach die Zeitung beiseite, benutzte sie kaum noch im praktischen Klassenkampf, sondern stapelte sie im Keller. Für die eine oder andere Massenorganisation interessante Artikel wurden herauskopiert, wurden bestimmte Inhalte in die Masse getragen, aber dafür brauchte man ein Zentralorgan nicht mehr, da die Partei selbst, als Träger des Kommunismus, im Massenkampf eine immer geringere Rolle zu spielen begann. Und umgekehrt wurden die Seiten des Roten Morgen mit Berichten aus den Massenorganisationen gefüllt, wogegen natürlich nichts einzuwenden wäre, wenn die ureigenen kommunistischen Parteiinteressen nicht dadurch vernachlässigt worden wären. Viele parteiinterne Dokumente wiesen immer wieder auf die stiefmütterliche Behandlung des RM-Verkaufs hin, nur geändert hatte sich nichts, im Gegenteil. In den 80er Jahren wurden immer weniger „Rote Morgen“ verkauft, ging die Auflage zurück, kam die Propaganda der Partei fast völlig zum Erliegen, wurde die wöchentliche Erscheinungsweise auf 14 Tage verlängert, während andere Bruderparteien, wie die der Dänen, ihr Zentralorgan als Tageszeitung herausbrachten. Das leninsche Zentralorgan (= Nr. 1 der kommunistischen Propaganda) als revolutionärer, kollektiver Propagandist, Agitator und Organisator der Partei, wurde seiner Rolle als Hauptinstrument zur Gewinnung der Avantgarde des Proletariats immer weniger gerecht, bis es schließlich als Diskutierforum des Trotzkismus verkam, also als Instrument gegen den Marxismus-Leninismus, gegen die Marxisten-Leninisten in der Partei, um dann schließlich eingestellt zu werden. Für diese trotzkistische Liquidierung des wichtigsten Instruments der Parteipropaganda zur Gewinnung der Avantgarde des Proletariats wurden bereits auf dem IV. Parteitag die Weichen gestellt als dort gegen die „´Propaganda`partei“ zu Felde gezogen wurde. Erst nach der Spaltung der Möllerleute gelang es der KPD/ML, den „Roten Morgen“ als das wiederherzustellen, was er einst war, als kollektiven Propagandist, Agitator und Organisator der Partei. Ernst hatte auf diese Gefahr deutlich hingewiesen: “Keinesfalls darf aus der Ablehnung des negativen Begriffs von der „Propagandapartei“ geschlossen werden, dass nun die Partei ihre eigene Agitation und Propaganda einstellen oder auch nur einschränken dürfe. Im Gegenteil, sie muss besser werden. Weg von der Phrase, hin zur konkreten Enthüllung, zum Anknüpfen am Bewusstsein der Massen. Wozu schaffen wir ein Aktionsprogramm, wozu legen wir die Broschüre „Was will die KPD/ML?“ wieder neu auf ? Doch um die Partei, ihre Anschauungen und Ziele zu propagieren, um Menschen für die Partei, für ihren Kampf zu gewinnen. Nach wie vor wird die Partei eigenständige politische Veranstaltungen zu den verschiedensten Themen durchführen, wird sie mit Flugblättern, Klebern, Losungen und Parolen in Erscheinung treten als die Kommunistische Partei Deutschlands/ Marxisten-Leninisten.“ (Seite 87). In der breit geführten Kampagne gegen den negativen Begriff der „Propagandapartei“ ist dieser enorm wichtige Absatz, nämlich die Verteidigung des positiven Begriffs der Propagandapartei am Ende des Rechenschaftsberichtes des Genossen Ernst Aust, leider völlig untergegangen. Es hätte umgekehrt sein müssen: 100 Prozent Verteidigung des positiven Begriffs der Propagandapartei in Abgrenzung zum negativen Begriff der „´Propaganda`partei“. Diese richtigere Stoßrichtung wurde jedoch nicht verfolgt. Es wäre besser gewesen, diese zentrale Bedeutung des „Roten Morgen“ für den Parteiaufbau herauszustellen, zu betonen, zu verteidigen, aber auch hierzu, zur Kampfaufgabe, den Roten Morgen als kollektiven Propagandist, Agitator und Organisator für die neue Ausrichtung der Partei entsprechend auszunutzen, kein Wort im Rechenschaftsbericht an den IV. Parteitag.
Eine nicht unherhebliche marxistisch-leninistische Lehre über die richtige Bestimmung der Hauptgefahr
Abschließend müssen wir aus bei der Bestimmung der Hauptgefahr aufgetretenen Unsicherheiten eine weitere wichtige Lehre aus unserer Parteigeschichte ziehen, also ob es sich bei der jeweiligen Hauptgefahr um eine rechte Hauptgefahr oder um eine „linke“ Hauptgefahr handelt.
Die KPD/ML ist eine antirevisionistische Partei. Sie erstarkt insbesondere im Kampf gegen den modernen Revisionismus, indem sie die Demarkationslinie zwischen Marxismus-Leninismus und Revisionismus aller Schattierungen kompromisslos immer schärfer zieht. Das versteht sich von selbst. Aber eben weil sie aus diesem Kampf ihre Stärke zieht, zwingt sie die Revisionisten dazu, sich immer weiter auf dem formalen Boden des Marxismus-Leninismus fortzubewegen. Es ist also ganz logisch, dass die Revisionisten unter solchen Bedingungen, wo ihnen die Partei die revisionistischen Zähne zieht, zur Waffe des Linkssektierertums greifen müssen, das heißt ihren Revisionismus unter dem Deckmantel des Anti-Revisionismus fortzusetzen versuchen.
Wir sind in der Vergangenheit zu oberflächlich mit der sehr differenzierten Taktik der Agenturen der Bourgeoisie umgegangen. Wir haben bislang zwar von der Agentur der Bourgeoisie in der kommunistischen und Arbeiterbewegung gesprochen, aber meistens nie bewusst darüber nachgedacht, dass die Bourgeoisie ihre Taktik der Agentur in der Arbeiterbewegung und in der Kommunistischen Partei durchaus unterschiedlich handhabt, dass sie vorher genau analysiert, welche Taktik wo und in welchem Augenblick am besten passt.
Die Hauptgefahr in der Arbeiterbewegung und die Hauptgefahr in der Partei hängt dialektisch miteinander zusammen, aber sie sind deswegen noch lange nicht automatisch identisch, darf man nicht beides gleichsetzen und auch nicht gegeneinander stellen, voneinander trennen. Diesen Unterschied unberücksichtigt zu lassen, birgt eine neue Gefahr für die Partei. Die Agentur der Bourgeoisie arbeitet in der Arbeiterbewegung zwar dem Wesen nach nicht anders als in der Partei, in der kommunistischen Bewegung, aber nicht unbedingt der Form nach gleich. Es kann also durchaus sein, dass sie aus taktischen Gründen in der Arbeiterbewegung als Hauptwaffe den Reformismus und Revisionismus einsetzt und in der Partei, in der kommunistischen Bewegung den „linken“ Opportunismus, das Sektierertum , den Dogmatismus. Sie kann auch sowohl in der einen als auch in der anderen Bewegung, denselben Opportunismus als Hauptwaffe einsetzen, womit die Hauptgefahr die Gleiche wäre. Es war ja zur Zeit vor dem IV. Parteitag wirklich so, dass den Revisionisten – wie gesagt - gar nichts anderes übrig blieb, als sich hinter dem Linkssektierertum zu verbergen, weil sie sonst mit ihrem offenen Revisionismus sofort erkannt und rausgeflogen wären. Mit dem Linkssektierertum konnten sie also der Partei viel mehr schaden als mit dem rechten Opportunismus, obwohl sie auf den rechten Opportunismus deswegen noch lange nicht verzichteten, denn mit seiner Hilfe konnten uns die Revisionisten das Linkssektierertum viel glaubhafter unterjubeln, uns damit leichter infizieren. Das Linkssektierertum ( wie umgekehrt auch der Rechtsopportunismus) wird viel gefährlicher, wenn sich dabei der rechte und der „linke“ Opportunismus gegenseitig die Bälle zuspielen können. Mit Hilfe des Rechtsopprtunismus erhöht der Linksopportunismus also seine Effektivität und Wirksamkeit in der marxistisch-leninistischen Partei ( umgekehrt gilt logischerweise das Gleiche!). Wenn also in der Partei die Linkssektierer auftraten, so beschränkte sich dies eben nur auf die Partei. In der Arbeiterbewegung hingegen war nicht nur zur Zeit des IV. Parteitags, sondern ist von der Gründung der Partei bis zum heutigen Tag unverändert und ohne Unterbrechung stets das reformistische und weniger das revisionistische Bewusstsein vorherrschend. Das kann auch gar nicht anders sein, denn wir haben seit Jahrzehnten in Deutschland keine revolutionäre Situation mehr erlebt, wo das aufgewühlte, politisierte Bewusstsein der Massen durchaus für das Linkssektierertum empfänglich werden könnte und damit als Waffe der Bourgeoisie zur Erdrosselung der sozialistischen Revolution, zur Erdrosselung der Diktatur des Proletariats, zur Diskreditierung der kommunistischen Partei in Frage käme. Um also in der Arbeiterbewegung die Hauptgefahr des Reformismus und des Revisionismus tatsächlich bekämpfen zu können, war es vorher unbedingt notwendig, die Abweichungen des Linkssektierertums in der Partei auszuräumen, musste diese Hürde in dem Augenblick genommen werden, wo die Partei in die Arbeiterbewegung hineinzugehen begann. Wir haben also nicht nur einen Zweifrontenkrieg in der Partei, sondern auch in der Arbeiterbewegung zu führen, der taktisch nicht automatisch der Gleiche ist, sondern unterschiedliche, ja sogar gegenteilige Formen annehmen kann.
Wir haben es in der gesamten Geschichte der Bundesrepublik mit einer bürgerlichen Arbeiterbewegung und nicht mit einer kommunistischen Arbeiterbewegung zu tun, also mit einer Arbeiterbewegung, in der – um es mit Stalin zu sagen – das bürgerliche, sozialdemokratische, reformistische, revisionistische (usw. usf.) Bewusstsein vorherrscht (der Anti-Kommunismus vorherrscht- also eine ganz andere Situation wie zur Zeit Lenins in Russland). Wenn also die Partei mit der Losung : „Hinein in die Massen!“ das kommunistische Bewusstsein in die Massen trägt, dann muss sie das eben nicht nur in ihrer Propaganda methodisch richtig berücksichtigen, sie muss auch damit rechnen, dass umgekehrt auch dieses bürgerliche Bewusstsein in der Arbeiterbewegung auf die Partei zurückwirkt , also unvermeidlich in die Partei eindringt und das um so mehr als sie in die Massen eintaucht. Das ist ein Problem, das man erkennen, das uns bewusst sein muss, wenn wir die Avantgarde des Proletariats gewinnen und schmieden wollen. Das Problem löst sich nicht von alleine, löst sich nicht durch die Losung: „Hinein in die Massen!“ Das kann zu rechten (aber natürlich auch zu „linken“) Fehlern führen, wenn man nicht aufpasst oder dieses Problem unterschätzt. Vor dem Eindringen des vorherrschenden bürgerlichen Bewusstseins der Arbeiterbewegung in die Partei darf man nicht zurückschrecken, dem darf man nicht ausweichen, dem muss man sich stellen, dem muss man begegnen, darf weder in eine Nachtrabpolitik noch in Sektierertum verfallen. Genosse Ernst ist darauf eingegangen in seinem Politischen Bericht an den V. Parteitag (Seite 38): „Mag der Kapitalismus seine Macken haben, aber dafür habe ich ja meine Organisation, die Gewerkschaft. Sozialismus? Ich glaube dir ja, dass du es ehrlich meinst, und finde es gut, wenn du dich im Betrieb für meine Interessen einsetzt. Deswegen wähle ich dich ja auch, als Betriebsrat. Aber deine Partei ? Kein Bedarf. Das ist es doch, was wir so ungefähr jahrelang, praktisch solange unsere Partei besteht, zu hören bekommen.“ Und Seite 30 heißt es: „Wie steht es mit dem Streben der Arbeiterklasse zum Sozialismus, ihrer Kampfkraft, ihrem Klassenbewusstsein ? Alles Fragen, denen wir meines Erachtens auf dem letzten Parteitag zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt haben. Sicher, wir waren froh, dass wir die übelsten Auswüchse des ultralinken Sektierertums, die Missachtung des demokratischen Zentralismus in der Partei überwunden hatten. Doch beschäftigte sich der Parteitag hauptsächlich mit innerparteilichen Fragen. Keine Einschätzung des Klassenbewusstseins der Arbeiterklasse, des Standes der Arbeiterbewegung, dessen, was die Massen fühlen und denken, dafür um so mehr Fragen der Parteientwicklung, der Ideologie.“ Allerdings hatte Ernst durchaus schon auf besagten IV. Parteitag richtig darauf hingewiesen: „Es ist richtig, dass wir die reale, die tatsächliche Arbeiterbewegung analysieren, einschätzen müssen. Wir dürfen uns keine Illusionen über den Stand, den Grad der Klassenkämpfe machen. Wir müssen am Bewusstsein der Massen anknüpfen, wenn wir ihnen etwas sagen, erklären, sie zum Handeln bewegen wollen. Aber es ist falsch, wenn wir hinter der spontanen Bewegung einhertrotten, wenn wir den Massen nur das sagen, was sie hören wollen oder was sie längst schon wissen.“ Im Politischen Bericht an den V. Parteitag heißt es dann weiter: „Das Klassenbewusstsein der Arbeiter ist ja keine konstante Größe, es misst sich am Stand der Klassenkämpfe. Das Klassenbewusstsein der Arbeiter, das heißt die Erkenntnis, dass das einzige Mittel zur Verbesserung ihrer Lage und zu ihrer Befreiung der Kampf gegen die Klasse der Kapitalisten ist, dass sie als eigene Klasse einheitlich und solidarisch handeln, dass sie Einfluss auf die Staatsgeschäfte gewinnen müssen, drängt sich den Arbeitern ja nicht von selbst auf. Damit sich die Arbeiterklasse auf eine hohe Stufe des Klassenbewusstseins erheben kann, ist es notwendig, dass sie sich die Weltanschauung aneignet, die ihr den Weg zu ihrer endgültigen Befreiung weist, den wissenschaftlichen Sozialismus, den Marxismus-Leninismus. Damit diese aber von den Massen der Arbeiter Besitz ergreifen kann, muss sie von außen her, das heißt von einem Bereich außerhalb des ökonomischen Kampfes, außerhalb der Sphäre der Beziehungen zwischen Arbeitern und Unternehmern, in die Arbeiterbewegung hineingetragen werden. Diese Aufgabe löst die kommunistische Partei, die nach Lenin: die Vereinigung der Idee des Sozialismus mit der Massenbewegung der Arbeiter ist“ (Seite 35). Ernst führt historische Faktoren bürgerlicher Einflüsse auf, die das Klassenbewusstsein der westdeutschen Arbeiter seit den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts veränderten. Danach berichtete er auf Seite 36/37) „(...) Die Entwicklung der Arbeiterklasse von einer „Klasse an sich“ zu einer „Klasse für sich“, wie Marx es nannte, ist kein automatischer, sondern ein historischer Prozess, bei dem es Fortschritte aber auch Rückschritte geben kann. Bis zur Herausbildung eines Lohnarbeiterbewusstseins, der Grundlage der gewerkschaftlichen Organisation, und sozialistischen Klassenbewusstseins, der Grundlage sozialistischer, kommunistischer politischer Gruppierungen ist ein langer Weg.“ Vergleichen wir diese Aussage von Ernst mit seinen Aussagen auf dem IV. Parteitag, so kann man feststellen, dass er die Entwicklung des Klassenbewusstseins der Arbeiter, gemessen an der Entwicklung der Klassenkämpfe in Westdeutschland wesentlich realistischer einzuschätzen in der Lage war. Man muss also die objektiven Bedingungen, die für die subjektiven Bedingungen nun mal Voraussetzungen sind, berücksichtigen. Der bürgerliche Einfluss auf die Arbeiterklasse ist ja nicht weniger geworden, sondern gestiegen. Da sich aber die Lebensbedingungen der Arbeiterklasse seit dem IV. Und V. Parteitag drastisch verschlechtert haben, wird sich die Arbeiterklasse auch um so schneller und gründlicher über die vorherrschenden bürgerlichen Einflüsse bewusst, geraten sie damit immer mehr in Widerspruch und in Gegensatz. Und genau hier müssen wir den Hebel unserer Propaganda ansetzen, müssen wir mit den politischen Enthüllungen diese Widersprüche vertiefen und damit den Weg erst einmal frei machen, damit der (zunächst nur der fortschrittliche) Arbeiter für die Aufnahme des kommunistischen Klassenbewusstseins bereit wird. Das müssen wir lernen. Unter den heutigen Bedingungen ist an eine (massenwirksame) Verbreitung des Kommunismus in den Massen noch nicht zu denken, selbst wenn wir dafür selber die subjektiven Partei-Voraussetzung hätten (und Millionen Flugblätter verteilen würden oder in 100envon Betrieben arbeiten würden, denn das allein reicht nicht), eben weil der Herausbildungsprozess des kommunistischen Bewusstseins ein historischer, langwieriger Prozess ist, ein langer Weg – abhängig von der objektiven Entwicklung der Klassenkämpfe, abhängig nicht zuletzt von unseren Klassengegnern, die ja ständig ihre anti-kommunistische Propaganda verschärfen. Dem kann man weder einseitig mit Beschlüssen und Direktiven, noch ihren 180 Grad-Änderungen auf einem nächsten Parteitag beikommen, mit Kurswechseln, Kopfstand oder mit der Zauberkiste begegnen, sondern nur mit eiserner Disziplin, mit Durchhaltevermögen, mit nicht nachlassenden revolutionären Anstrengungen, mit festem Willen und Zuversicht, mit der Überzeugung von der Richtigkeit unseres kommunistischen Denkens und Handelns, mit unserem guten Beispiel, mit unserer vorbehaltlosen Unterstützung der Kämpfe der Arbeiter zur Verbesserung ihrer Lebenslage und egal auf welchem Entwicklungsstand sie sich befinden mögen.
Damit die Partei ihre kommunistische Propaganda in die gewünschte, einheitlich geschlossene Richtung lenken, das heißt auf die ganze Klasse und auf die ganzen Massen ausdehnen kann, muss sie in ihrer Aufbauphase gegenüber der fortschrittlichsten Arbeitern einerseits und der Arbeiterklasse und den Massen andererseits unterschiedlich vorgehen, eben weil das Klassenbewusstsein innerhalb der Arbeiterbewegung nicht gleich, sondern sehr unterschiedlich entwickelt ist. Deswegen neben unserem Parteiprogramm auch das Aktionsprogramm. Man kann nicht ins Leere Propaganda betreiben, mit der Gießkanne überall rumgehen, wo Aktionen sind und warten, bis irgendwo etwas hervorsprießt. Man muss die Parteiarbeit in der Arbeiterbewegung gezielt differenzieren und entsprechend der unterschiedlichen und widersprüchlichen Entwicklungen in ihr auch dementsprechend unterschiedlich vorgehen. Das Bewusstsein in der Arbeiterbewegung ist nicht gleich, sondern unendlich facettenreich. Man muss in die Arbeiterbewegung eintauchen, um die Massen zu verstehen und man muss wissenschaftliche Schlussfolgerungen daraus ziehen, um mit der optimalsten Differenzierung das optimalste Ergebnis herauszuholen. Zunächst müssen wir uns auf das Wesentliche beschränken, die Gewinnung der fortschrittlichsten Arbeiter. Das sind diejenigen Arbeiter, die bereits am weitesten im Widerspruch stehen mit der bürgerlichen Arbeiterbewegung, mit dem bürgerlichen Staat, mit der bürgerlichen Gesellschaft, die in ihrem Klassenbewusstsein am weitesten fortgeschritten sind, die die konsequentesten Kämpfer sind. Wir müssen sie solide aufbauen, sie behutsam zum Kommunismus erziehen und dürfen sie weder im Massenkampf noch in der Parteiarbeit verheizen. Die Gewinnung der Avantgarde des Proletariats, das ist – wie gesagt – ein geduldiger, langwieriger Prozess, für den wir uns entsprechend Zeit nehmen müssen, auf den wir uns konzentrieren müssen. Alles andere muss warten. Man darf sich nicht verzetteln und etwa gleich 10 Massenorganisationen aus dem Hut zaubern, wenn man 5 Proletarier für die Partei gewonnen hat. Erst mit den für den Kommunismus gewonnenen, geschulten, fortschrittlichsten Arbeitern schaffen wir uns Schritt für Schritt und nochmal Schritt für Schritt die Voraussetzungen, uns intensiver an die Massen heranwagen zu können. Wir müssen die Brechstange aus unserem Kopf nehmen.
RGO
Es ist eine nicht zu leugnende Tatsache in der Geschichte der RGO unserer Partei, dass ausgerechnet diejenigen „proletarischen“ Genossen, die auf Grund der Beschlüsse des IV. Parteitags mit dem Aufbau der RGO betraut wurden, schließlich die gleichen „proletarischen“ Genossen waren, die die RGO und dann sogar die Partei liquidiert hatten, voran der Oberliquidator Koch und sein trotzkistisches Zentralkomitee (Dass dieser dabei die Schützenhilfe der ihm folgenden Möllerleute hatte, deren Abspaltungen bis heute der RGO des Genossen Ernst Aust ÜBERHAUPT und GRUNDSÄTZLICH feindlich gegenüberstehen und deswegen, wenn auch unter Verwendung revolutionärer Phrasen, den gewerkschaftlichen Kurs der Koch-Trotzkisten prinzipiell fortsetzten und weiter fortsetzen!– steht auf einem anderen Blatt). Das erklärt im Nachhinein, dass die Linie der RGO nicht korrekt herausgearbeitet und noch weniger korrekt umgesetzt worden ist, vor allem, dass die RGO nicht auf die erste Entwicklungsphase einer bolschewistischen Partei ausgerichtet wurde (Gewinnung der Avantgarde und eben NOCH nicht die Gewinnung der Millionenmassen, Gewinnung „nur“ der fortschrittlichsten Gewerkschafter und noch nicht die ganze Gewerkschaftsbasis), sondern in eine neo-revisionistische ( mit revolutionären, anti-revisionistischen Phrasen getarnte „oppositionelle“) Gewerkschaftsbewegung abdriftete, die zur Anpassung an eine revisionistisch -“oppositionelle“ Gewerkschaftslinie führte und damit unvermeidlich den Weg zu ihrer Auflösung durch die monopolkapitalistische Arbeiteraristokratie nehmen musste, also eine RGO, die von der Bourgeoisie verdaut wurde.. Stalin machte darauf aufmerksam, dass eine Gefahr der Überschätzung der Teilforderungen und der Unterschätzung der Grundforderungen, die Überschätzung der Gewerkschaftsarbeit, eine rechte Gefahr darstellt, die zur Anpassung an den Revisionismus, zur Anpassung an die Bourgeoisie führt (siehe bei Stalin, Band 7, Seite 51).. Die RGO-Politik von Koch war ein kleinbürgerliches Zurückweichen vor dem Reformismus, vor dem Revisionismus, war ein Verrat am Proletariat, war ein Verrat am Kommunismus. Sein Geschwätz vom Linkssektierertum war ein gelungener Versuch, die Partei als treibende Kraft der RGO, als treibende Kraft im Klassenkampf, von rechts lahmzulegen.
Was lehrten uns Lenin und Stalin in der Gewerkschaftsfrage ? Sie lehrten uns, dass die Gewerkschaftsfrage nur so gelöst werden kann, dass sie der Vorbereitung der sozialistischen Revolution, der Kommunistischen Partei, dem Kommunismus dient, dass die Gewerkschaftsfrage nur und ausschließlich auf dem ( eben nicht nur formalen, sondern vor allem auf dem inhaltlichen) Boden des Marxismus-Leninismus gelöst werden kann.
Größte Annäherung der Gewerkschaft an die Partei – das ist das einzig richtige Prinzip“ (Lenin, Band 13, Seite 100 – [Unterstreichung von mir]). Und nicht umgekehrt größte Annäherung der Partei an die Gewerkschaft ! Über die Gewerkschaft ist die Partei, ist der Kommunismus, mit der Klasse und den Massen immer enger zu verbinden. Die Kommunistische Partei darf nicht die Aufgabe aus dem Auge verlieren, die kommunistische Idee auch und gerade in die Gewerkschaften zu tragen, die Gewerkschafter kommunistisch zu erziehen, die Gewinnung und Schmiedung der Avatgarde des Proletariats gerade durch die Betriebs- und Gewerkschaftsarbeit der Partei zu erreichen usw. usf.. Lenin war gegen „blitzsaubere Gewerkschaften“, aber das hieß für ihn noch lange nicht, überhaupt auf die Arbeit in den Gewerkschaften zur Schaffung und Festigung reiner Klassenorganisationen zu verzichten. (Lenin, Band 13, Seite 163). Zwischen beidem besteht ein Riesenunterschied ! Die Gewerkschaft als Klassenorganisation des Proletariats ist eine Sache, die man nicht ohne die Massen schafft, während die Befürworter der „blitzsauberen Gewerkschaft“ dies eben über die Köpfe der Massen, über die Köpfe der Gewerkschaftsbasis fertigzubringen hofften. Wer aber auf die Schaffung der reinen Klassengewerkschaft von vornherein verzichtet, der hat kein Vertrauen zur revolutionären Kraft der Massen, der treibt sie, ob er es nun will oder nicht - in die Arme der gelben Gewerkschaft !
Stalin lehrte: Eroberung der Gewerkschaft heißt Eroberung der Gewerkschaftsbasis, der Gewerkschaftsmassen für die Positionen des Kommunismus und nicht Eroberung des Gewerkschaftsapparates.. Stalin verteidigte grundsätzlich das Recht der Kommunisten auf eigenständige kommunistische Organisationen, auf die Schaffung eigenständiger kommunistischer Gewerkschaftsorganisationen ( wenn er dabei auch auf die Anwendung einer elastischen Taktik- auf die Berücksichtigung einer in jedem Land differenzierten Methode – hingewiesen hatte und er sich durchaus Zwischenstufen vorstellte, die ja auch erfolgreich praktiziert worden waren); Stalin war strikt und unerbittlich gegen die Auflösung der eigenen kommunistischen Organisationen , hielt an den Beschlüssen des VI. Weltkongresses fest und verteidigte sie.
– Die Gewerkschaft ist eine Kriegsschule des Kommunismus (Engels). Aus der gelben Gewerkschaft kann man keine Kriegsschule des Kommunismus machen, denn es ist eine Kriegsschule gegen den Kommunismus, es ist eine bürgerliche Organisation zur Fesselung der Gewerkschaftsmitglieder an die Ketten des Kapitalismus, es ist ein Staatsorgan des Monopolkapitalismus, ist eine Schule des internationalen Finanzkapitals, ist eine Schule, die Gewerkschaftsmitglieder für den imperialistischen Krieg zu gewinnen, ist eine reaktionäre und sozialfaschistische Kriegsschule usw. usf..
Nur eine klassenkämpferische Gewerkschaft kann eine Kriegsschule des Kommunismus sein. Man kann die gelbe Gewerkschaft schon allein deswegen nicht in eine Kriegsschule des Kommunismus verwandeln, weil diese ein Instrument, ein integrierter Bestandteil des monopolkapitalistischen Staates, ein Handlanger des Weltkapitals, eine kapitalistische Organisation. Die gelbe Gewerkschaft ist doch nicht deswegen fortschrittlich, weil ihre Basis proletarisch ist. Es kommt doch ganz allein darauf an, wer darin die Macht über wen ausübt. Das muss man unbedingt auseinanderhalten, sonst geraten wir schnell auf revisionistischen Kurs. Man muss also den monopolkapitalistischen Staat stürzen und mit ihm die gewerkschaftliche Kriegsschule gegen den Kommunismus, die gewerkschaftlich organisierte soziale Stütze des Imperialismus. Man kann aber unmöglich eine Kriegsschule gegen den Kommunismus revolutionär beseitigen, ohne dafür seine eigene Kriegsschule des Kommunismus zur Verfügung zu haben, vor allem im betrieblichen und gewerkschaftlichen Klassenkampf. Die Partei kann nicht ohne ihre revolutionäre gewerkschaftliche Organisation die Gewerkschaftsbasis erobern, kann ihre Einheitsfrontpolitik nicht ohne Schaffung ihrer eigenen gewerkschaftlichen Organisationsformen verwirklichen. Um den Aufbau Roter Gewerkschaften kommen wir nicht herum. Ihr Aufbau ist keine prinzipielle, sondern eine taktische Frage, deren Lösung von den konkreten Bedingungen abhängt. Auch das darf man nicht verwechseln. Die Taktik dient unseren strategischen, kommunistischen Zielen und umgekehrt darf man die Taktik der Gewerkschaftsfrage nicht über unsere kommunistischen, strategischen Aufgaben und Zielsetzungen stellen. Hier sind solche deutlichen Worte unvermeidlich, weil trotz der negativen Erfahrungen mit der RGO-Politik eines Horst Dieter Koch in dieser Frage immer noch geschwankt wird, weil die gelbe Gewerkschaft immer noch wie ein goldenes Kalb fetischisiert wird, das man nicht schlachten darf, sondern retten müsse, was von den tiefen Wurzeln des Reformismus zeugt, die radikal auszureißen manche Genossen nicht den Mut aufbringen oder dies einfach nicht begreifen wollen und lieber mit ihrem linken Schwänzchen der bürgerlichen Gewerkschaftsbewegung hinterherlaufen. Da wird dann voreilig zum Vorwurf des „Sektierertums“ gegriffen. Nicht dass überhaupt eine RGO notwendig ist, sondern welcher Zielsetzung sie dient, wie sie arbeiten muss,um dieses Ziel zu erreichen, ist ausschlaggebend. Nicht die Form der RGO, sondern ihr (politischer!) Inhalt ist entscheidend. Entscheidend ist, dass man nicht nur die sektiererischen Fehler vermeidet, sondern auch die ökonomistischen Fehler der Anbetung der Spontaneität der Arbeiterbewegung, und dass man die Kommunistische Partei nicht der Bourgeoisie auf dem gewerkschaftlichen Silbertablett serviert, so wie es Koch und Co vorexerziert hatten. Wir unterstützen die selbständige Führung der Wirtschaftskämpfe des Proletariats gegen die Spaltungsversuche der Arbeiteraristokratie nicht nur in der gelben gewerkschaft. Dafür braucht das Proletariat auch seine eigenen Organisationen, ist die RGO hierfür unverzichtbar. Es ist dabei klar, dass die neue Organisationsform der RGO nicht am grünen Schreibtisch entsteht, sondern sie im selbständigen Wirtschaftskampf des Proletariats aus der schöpferischen Kraft der Massen geboren wird. Entscheidend für den notwendigen Wiederaufbau der RGO ist heute nicht die Offensive des Weltkapitals, sondern die Art und Weise, wie das Weltproletariat auf diese Offensive antworten wird.
Stalin: Schaffung von klassenkämpferischen Gewerkschaften, von Roten Gewerkschaften = Zielsetzung= Perspektive; RGO als Übergangsorganisation, als Keimzelle der späteren Roten Gewerkschaft (taktischer Zwischenschritt, solange die Mehrheit der Gewerkschafter in der gelben Gewerkschaft organisiert sind – hinein in die gelbe Gewerkschaft zur Eroberung der Basis für die RGO, für die Rote Gewerkschaft, für die KPD/ML, für den Kommunismus. Die RGO löst sich nicht mit der gelben Gewerkschaft auf, sondern ist bereits im Kampf gegen die gelbe Gewerkschaft eine Vorstufe der Roten Gewerkschaft. Die RGO bereitet die Schaffung der Roten Gewerkschaft vor, wenn dafür die nötige Basis nicht nur aus der gelben Gewerkschaft gewonnen worden ist. Ohne diese Perspektive ist die RGO zum „linken“ Feigenblatt der gelben Gewerkschaft verurteilt, wird sie von der gelben Gewerkschaft assimiliert. Nur in Hinblick auf die Zielsetzung der Schaffung der roten Gewerkschaft ist die RGO eine wirklich revolutionäre Gewerkschaftsopposition: Losung: Die wirklich revolutionäre Zersetzung des gelben Gewerkschaftsapparates ja, aber nicht unter Verzicht auf das Recht, die Freiheit einer eigenständigen roten Gewerkschaft. Eine RGO, die sich nicht klipp und klar für die Schaffung der Roten Gewerkschaft, nicht für den Kommunismus engagiert, die nicht herausstellt, dass das sozialistische System besser für die Arbeiter ist als das kapitalistische System, die auf die Organisierung der kommunistischen Propaganda verzichtet, die nicht offen die sozialistische Revolution propagiert, ist für den Kommunismus nichts wert, kann der sozialistischen Revolution nicht dienlich, sondern für diese nur hinderlich sein.
Wir verteidigen grundsätzlich die Sozialfaschismusthese der Komintern, so wie wir insbesondere die Linie der Komintern in der so genannten „Dritten Periode“ (Klasse gegen Klasse) unversöhnlich verteidigen, wenn wir auch ihre linkssektiererischen Überspitzungen verurteilen. Das von Ernst in seinem Rechenschaftsbericht verwendete Zitat aus der EKKI, „sozialfaschistische“ Gewerkschaftsführung, war damals wie heute also völlig korrekt ( und wurde übrigens insbesondere vom Genossen Ernst Thälmann, also von unserer Partei vehement vertreten!)! Ernst spricht hingegen in seinem Rechenschaftsbericht von „ falsche Bezeichnung der Gewerkschaftsbürokratie als „sozialfaschistisch“.
Die heutige Weltoffensive des Kapitalismus gegen das Weltproletariat setzt die Faschisierung der Weltherrschaft voraus, setzt die Unterstützung des Weltfaschismus durch die sozialfaschistischen Gewerkschaften voraus. Es ist die weltkapitalistische Offensive, die die Faschisierung der Gewerkschaften bedingt, um die Front des Weltproletariats zu spalten.Wenn die Gewerkschaftsführung Mitglieder ausschließt, ihren Arbeitsplatz und ihre Existenzgrundlage raubt, Kommunisten verfolgt, ihnen Gewalt antut, sie mit Schlägertrupps aus den DGB-Demonstrationen rauszuprügeln versucht, Hetzkampganen gegen sie verbreitet, sie in der Arbeiterbewegung als Kriminelle und Verbrecher diffamiert usw. usf. , nur weil sie eine andere Meinung als die Gewerkschaftsführung vertreten, wenn sie den faschistischen Kurs der Bourgeoisie gegen das Proletariat unterstützt, wenn sie mit der Faschisierung des Staates unzertrennlich verschmolzen ist, dann ist das sozialfaschistisch, was soll das sonst sein ? Was bedeutet das aber ? Das bedeutet, wenn man sozialfaschistischen Charakter der Gewerkschaftsbürokratie nicht sieht, oder ihn sogar leugnet, kann man ihn auch nicht bekämpfen. Und wer den Sozialfaschismus der Gewerkschaften nicht revolutionär bekämpft, nicht revolutionär organisiert, die RGO nicht in den Kampf gegen den Sozialfaschismus führt, der lässt es zu, dass der Sozialfaschismus sich weiter der Hirne des Proletariats bemächtigt, insbesondere in der Gewerkschaft. Die KPD/ML darf ihrem Kampf gegen den Sozialfaschismus innerhalb und außerhalb der Gewerkschaften nicht ausweichen. Das EKKI Zitat - von Ernst auf dem IV. Parteitag zitiert -, war insofern unvollständig, weil daraus nur eine Seite zitiert wurde. Das Zitat beginnt mit dem Wort „gleichzeitig“. Was war der Inhalt von „gleichzeitig“, was ging dem halbierten Zitat voraus ? Worauf bezog sich das Zitat außerdem ? Das erfahren wir nicht. So darf man nicht rangehen, weil man damit nur die halbe Linie der EKKI widergibt. Das ist einseitig, weil ein wesentlicher Bestandteil weggelassen wurde. Dies Zitat des EKKI muss hier also nachträglich vollständig veröffentlicht werden, müssen die Dokumente der Komintern bezüglich ihrer (vollständigen) Gewerkschaftslinie sorgfältig studiert und analysiert werden, darf man sich nicht das rauspicken, was einem in den Kram passt, um das andere unter den Tisch zu kehren. Was den Sozialfaschismus anbelangt, sagte Ernst Thälmann auf dem X. EKKI Plenum:
Eroberung der Gewerkschaften heißt in allererster Linie Eroberung der Gewerkschaftsmassen für die Aufgaben der revolutionären Gewerkschaftsopposition gegen die sozialfaschistische Gewerkschaftsbürokratie und ihre Staats- und Streikbruchpolitik. Wir sind im Gegensatz zu den Rechten der festen Meinung: Indem wir die unorganisierten Massen selbstständig im Kampf mitreißen, benutzen wir sie – auch die ehrlich klassenbewussten Arbeiter, die noch im Lager des Reformismus stehen – als Hebel der Revolution.“ (Ernst Thälmann, Band II, Seite 235/236, KPD/ML 1971).
Diesem Zitat ist nichts hinzuzufügen. Es ist und bleibt fester Bestandteil der Linie der KPD/ML. Wer den Genossen Ernst Aust kannte, der wird ihn nicht an diesem EKKI-Zitat-Kommentar messen, sondern daran, dass er die Linie Ernst Thälmanns, die Linie der Komintern in Taten am besten umgesetzt hat, dass gerade er den Hebel des Kampfes der Arbeitslosen als Hebel der Revolution anzuwenden verstand und zwar besser als jeder andere Genosse in der Partei. Nichtsdestoweniger bleibt festzustellen, dass die Partei auf ihrem IV. Parteitag – und vor allem in der späteren Entwicklung der RGO – dem Kurs der Komintern, den Kurs Ernst Thälmanns, den Kurs der berühmten „dritten Periode“ nicht konsequent genug eingenommen und verfolgt hatte, dass es Zugeständnisse an die Rechten gab, als wir die linkssektiererischen Abweichungen bekämpften. Vergessen wir nicht die Folgen, nämlich dass die RGO vom Koch-ZK von rechts aufgelöst wurde und dass wir gerade deswegen unvermeidlich auf den IV. Parteitag zu sprechen kommen mussten. Die RGO ist für die Revolution verloren, wenn sie nicht ausschließlich auf den marxistisch-leninistischen Positionen der Komintern aufgebaut wird. Ich kann mich noch gut an diese damaligen heißen Auseinandersetzungen in der Partei erinnern. Ich hatte mit all meinen Kräften versucht, den Komintern-Kurs in der Betriebs- und Gewerkschaftsfrage konsequent sowohl gegen „links“ als auch gegen rechts zu verteidigen, wobei ich im Nachhinein selbstkritisch zugeben muss, dass ich die historisch verfälschten Darstellungen der Betriebs – und Gewerkschaftsarbeit durch die Revisionisten in der Thälmann-KPD damals noch nicht so kritisch einschätzen konnte wie heute. Abschließend noch eine kurze Anmerkung zur Resolution des IV. Parteitags:
Sieht man sich übrigens die Resolution „Über die nächsten Aufgaben der Partei“ durch, die vom IV. Parteitag verabschiedet wurde, dann bestätigt sich wiederum der Eindruck, dass darin viel vom Kampf gegen das Linkssektierertum geschrieben steht, aber vom Kampf gegen den Revisionismus, vom Kampf gegen die Hauptgefahr des modernen Revisionismus, ist überhaupt NICHT mehr die Rede. Später kam es zu versöhnlerischen Tönen, wurde der Kampf gegen den modernen Revisionismus von Koch fast völlig eingestellt, nicht aber die Bekämpfung des Genossen Ernst Aust und der Marxisten-Leninisten durch „Sektierertum- und Dogmatismus“-Vorwürfe.
Genossinnen und Genossen, ich komme zum Schluss. Lassen wir uns den Koch-Verrat eine Lehre sein. Lassen wir nicht zu, dass unsere Partei wieder auf den Weg des Revisionismus geführt wird. Halten wir unsere Partei vom Opportunismus sauber! Kämpfen wir weiter gegen das Liquidatorentum ! Setzen wir die bolschewistische Tradition der KPD Ernst Thälmanns, die bolschewistische Tradition der Komintern, der KPdSU Lenins und Stalins und der PAA des Genossen Enver Hoxha in Übereinstimmung von Theorie und Praxis um ! Stärken wir unsere Partei, die KPD/ML, stützen wir uns auf den Genossen Ernst Aust. Vergessen wir nicht die Kampfaufgaben, die wir uns insbesondere auf dem III. Und IV. Parteitag gestellt haben, denn sie weisen uns in die richtige Richtung. Üben wir Kritik und Selbstkritik, damit wir uns unsere Fehler nicht wiederholen ! Stützen wir uns im Kampf gegen den Revisionismus, im Kampf gegen den „linken“ und rechten Opportunismus auf die Klassiker des Marxismus-Leninismus, also auch auf die Lehren des Genossen Enver Hoxha ! Wenn wir das tun, dann werden wir diesen entscheidenden Fehler des IV. Parteitags in der Entwicklung unserer Partei bestimmt überwinden. Ich grüße euch herzlich und drücke euch fest die Hand !
Es lebe die KPD/ML des Genossen Ernst Aust ! Rot Front !
Es lebe Marx, Engels, Lenin, Stalin und Enver Hoxha !
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