Interview

 

von E. Kasakow

 

mit dem Genossen

 

Wolfgang Eggers

 

Mi., 28. Oktober 2009

Thema:

Frage zur Aust & Geschichte der KPD/ML

 

 

Mein Name ist Ewgeniy Kasakow, ich bin Historiker und beschäftige mich mit der Geschichte der westdeutschen "ML-Bewegung"("Antirevisionismus").

Wäre es möglich, Ihnnen einige Fragen über den historischen Werdegang Ihrer Organisation zu stellen?

Mich interessiert vor allem die Schicksal der " Marxisten-Leninisten in der KPD[ML]" , die die Vereinigung mit der GIM zur VSP nicht mitgemacht haben.

Wie viele KPD/ML-Nachfolgeorganisationen gab es danach?

In welcher Partei war E. Aust am Ende seines Lebens Mitglied?

Was sind Euere inhaltliche Unterschiede zur Parteien um Möller und Pöschl?

Und wissen Sie was aus H.D. Koch nach der Vereinigung zur VSP geworden ist?

Wie viele Organe mit dem Titel "Roter Morgen" gab es insgesamt?

Die "albanische" Strömung wird in der Fachliteratur im Gegensatz zum "chinesischen" kaum behandelt. Bin Ihnen für jeden Hinweis im Voraus sehr dankbar.

Mit freundlichen Grüßen

Ewgeniy Kasakow

 

 


Frage:

1) Welche Parteien beriefen sich auf E.Aust nach der Gründung der VSP?

Antwort:

Dies ist für uns in erster Linie eine politische und keine rein historische Frage. Wir antworten als Betroffene, nicht als Außenstehende. Entsprechend fällt unsere Antwort auch politisch aus. Ich hoffe, dass Sie damit einverstanden sind:

Es haben sich verschiedene Organisationen auf Ernst Aust berufen nach der Gründung der VSP, aber für die Partei von Ernst Aust ist ausschlaggebend, welche Organisation sich nicht nur “berufen” haben, sondern auch tatsächlich die Parteilinie von Ernst Aust verteidigt, fortsetzt (weiter entwickelt!) und in die Praxis umsetzt haben. Daher der erbitterte Kampf um die “Rechtmäßigkeit” der wahren Fortsetzerin der Partei von Ernst Aust.

So wie es nur ein Proletariat gibt, so gibt es auch nur eine Avantgarde des Proletariats – die KPD/ML von Ernst Aust. Die KPD/ML von Ernst Aust ist unteilbar, aber unter den herrschenden Klassenbedingungen ist es für sie unvermeidbar, sich mit anderen Organisationen auseinandersetzen zu müssen, die sich als “Nachfolgeorganisation” ausgeben. Man muss die Taten zu Grunde legen und nicht die “Absichtserklärungen”, um als Außenstehender einscheiden zu können WER die KPD/ML ist und WER nicht. Hierzu haben wir eine große Anzahl von Dokumenten und Materialien auf unsere Homepage gesetzt, die man zur Erleichterung der Wahrheitsfindung studieren kann. Das Urteil fällt letztendlich die Geschichte, wenn es auch im Verlaufe der Geschichte zu unterschiedlichen Beurteilungen kommen kann und unvermeidlich wird, denn auch die Geschichte ist ein Prozess, den die Gegenwart vorwärts treibt oder zurückzerrt, je nachdem aus welchem Blickwinkel man die Geschichte betrachtet. Dafür ist aber nicht die Geschichte, sondern sind die Historiker verantwortlich, denn sie sind der Wahrheitsfindung verpflichtet. Letztendlich entscheidet die Arbeiterklasse, entscheiden die Massen darüber, was in der Geschichte richtig und was falsch ist. Sie werden auch Ihre Fragen letztendlich beantworten und nicht nur die KPD/ML.

Der Kampf um das rechtmäßige Erbe Ernst Austs ist also seit 1985 ein andauernder, heftiger, schwieriger und komplizierter Prozess, der den Klassenkampf zwischen der KPD/ML und ihren Feinden ausdrückt. Um die höchste Form der Klassenorganisation des Proletariats führt der Klassengegner seine höchsten Kampfformen: “die Waffe der Scheinorganisationen”!

Wie Sie vielleicht wissen, ist die Bourgeoisie gezwungen, sich im Gewand des Kommunismus zu präsentieren, um ihren Gegner mit seinen eigenen Waffen zu schlagen. Darum schafft sie sich Organisationen mit dem Namen “KPD/ML” oder ähnlichen Namen, um systematisch Verwirrung zu stiften und der KPD/ML damit bewusst zu schaden. Das ist heute ein globales Phänomen angesichts der tausenden von Organisationen, die zu 99 % von der Bourgeoisie geschaffen wurden ( bzw. erobert und übernommen wurden).

Ihre Frage hat also einen tiefen politischen Kern von welthistorischer Bedeutung, die in dem gleichen Maße zu nimmt, als der Weltkapitalismus seinem Ende entgegengeht. Wer weiß das besser, als die Weltbourgeoise selbst, die alleinherrschende ( und historisch abtretende) Klasse auf dieser Welt.

Ihre Frage hat also, was die KPD/ML anbelangt, eine entscheidende Bedeutung für den überwiegenden Teil der gesamten Geschichte unserer Partei, ist eine existentielle Frage für uns – wie auch gleichermaßen eine existentielle Frage unseres Gegners, denn Ihre Frage entscheidet über den Sieg der Einen und die Niederlage der Anderen. Die Arbeiter müssen die Macht der Kapitalisten stürzen – die Kapitalisten müssen die Macht der Arbeiter verhindern – beides zusammen kann auf Dauer nicht existieren – so ist die Frage der KPD/ML im Kampf gegen die Scheinorganisationen nach Gründung der VSP gestellt.

Es kann genauso wenig eine dauernde friedliche Koexistenz zwischen Sozialismus und Kapitalismus geben wie zwischen der KPD/ML und den sie umgebenden, sie einkreisenden Scheinorganisationen.

Etwas zu meiner Person, damit Sie diese Informationen leichter in ihrer Seriosität und Vertrauenswürdigkeit überprüfen können.

Seit 1971 bin ich Mitglied dieser Partei, wurde als Kandidat 1970 direkt in der Parteizelle von Ernst Aust sozusagen “kommunistisch erzogen”.

So lange Ernst Aust noch lebte, wurde ich in alle meine Parteiämter auf persönlichen Vorschlag von Ernst Aust gewählt. 2 Monate bevor Ernst Aust am 25. 8. 1985 starb, erhielt ich (wiederum auf Wahlempfehlung von Ernst Aust), die meisten Stimmen auf der Parteikonferenz, die das Fortbestehen der KPD/ML und den Ausschluss der VSP-Anhänger beschloss. Bis heute habe ich Ernst Aust die Treue gehalten und alles in meinen Kräften Stehende unternommen, um die KPD/ML im Sinne Ernst Austs vorwärts zu bringen. Diesen Eid habe ich an seinem Grab öffentlich abgelegt und mich bis heute daran gehalten. Mittlererweile ist die KPD/ML genauso alt wie ihre Vorgängerorganisation, die KPD – Ernst Thälmanns, worauf wir natürlich sehr stolz sind, auch wenn wir uns keineswegs mit der Stärke und Bedeutung der alten KPD vergleichen können.

Das Studium der Parteidokumente des Jahres 1985 / 86 sind unverzichtbar, wenn man Ihre Frage nach den Organisationen beantworten will, die sich auf die KPD/ML berufen seit Gründung der VSP. Selbst auf der letzten Parteikonferenz, an der Ernst Aust teilnahm (Juli 1985), ging es um den Kampf gegen Gruppierungen des linken Liquidatorentums, die die alte KPD/ML GENAUSO abschaffen wollten wie die VSP, nur unter “revolutionärem” Deckmantel verborgen (Kiel, Berlin, Mannheim usw. usf.). Diese Organisationen haben auf der Parteikonferenz ihren Schwanz eingezogen und diese verlassen.

Nebenbei bemerkt ist Ihre Frage zeitlich nicht auf die Gründung der VSP beschränkt, denn bis es dazu kam, hat die KPD/ML seit ihrer Gründung ununterbrochen gegen “Scheinorganisationen” kämpfen müssen – das ist so zusagen ein “Teil” unserer Parteigeschichte. Ich weiß nicht, wie tief Sie in die Materie einzudringen gedenken, aber als Hinweis beschränke ich mich auf die Gründungsphase der KPD/ML, in der wir einen erbitterten Kampf gegen den Gründungsopportunismus geführt hatten, der einerseits zur Auflösung der Scheinorganisationen andererseits zur “Übernahme” dieser Organisationen geführt hatte, bzw. zum Beitritt von deren fortschrittlichsten Mitgliedern in unserer Partei. Einige opportunistische Überreste aus dieser “Gründungszeit” der KPD/ML sind heute noch in verschiedenen Scheinorganisationen aktiv, so auch D. Möller.

Kurz: alle Organisationen außerhalb unserer Partei, deren Vorsitz ich führe, sind NICHT die KPD/ML, auch wenn sie sich so oder ähnlich bezeichnen - oder sich, wie Sie in Ihrer Frage formuliert haben, auf sie “berufen”.


Frage:

 

2) Was waren Ihre Differenzen mit der Gruppe um D.Möller?

Antwort:

Diese Frage ist zum Teil schon in der ersten Antwort angesprochen worden, hängt also mit Ihrer ersten Frage zusammen.

Wie Sie aus unseren Parteidokumenten erfahren können, hat es einen harten inneren Parteikampf gegen die an der Führung stehende Koch-Fraktion gegeben, den ich persönlich im Jahre 1983 offen einleitete ( vorher bereits im Rahmen der Parteinormen also legale Möglichkeiten des demokratischen Zentralismus).

Die Frage von Ihnen lässt sich wie folgt beantworten:

Nicht alle, die die fraktionistisch-trotzkistische Linie Kochs angriffen, taten dies auf dem Boden der Parteilinie von Ernst Aust !

Das entspricht dem Gesetz des inneren Parteikampfes. Niemals wurde der innerparteiliche Kampf nur von einer Seite gegen die Parteilinie Ernst Austs geführt, das sind immer mindestens zwei, um sich ergänzen und die Parteilinie in die Zange nehmen zu können – in diesem Falle mehrere Seiten, zu denen auch die Linie von D. Möller gehörte. Diese Möller- “Linie” (bis dahin konnte man sie noch nicht wirklich als solche erkennen) tauchte erst vor Einberufung des 5. Parteitags auf (Möller hatte sich mit seinen Anträgen an den 5. Parteitag KRITISCH gegen Ernst Aust geäußert – also wohlgemerkt schon zu Zeiten als dieser noch am Leben war !!!!), wo schon die Weichen in Richtung VSP gestellt wurden, aber Ernst Aust noch nicht ganz aus dem Weg geräumt werden konnte auf Grund seiner treuen Anhängerschaft, zu der ich mich zähle.

Es ist also kein Zufall, dass in dem gleichen Augenblick, als wir das Feuer auf das Koch-ZK eröffneten ( wir, darunter waren Ernst und ich, die im persönlichen Kontakt Absprachen über die laufende Vorgehensweise trafen), auch Möller zum ersten Mal an der Oberfläche erschien ! Warum ? Ganz einfach:

Sollte die Kochfraktion geschlagen sein, hätte sie ersetzt werden müssen und dazu wäre es dann zu spät gewesen. Also musste Möller in unserem Fahrwasser gegen das Koch-ZK schwimmen, um den opportunistischen Einfluss in der Partei (verdeckt) weiter fortsetzen zu können. Beweisen lässt sich dies an Hand von VSP-Leuten, die später ZK-Mitglied bei D. Möller wurden, Beispiel Kafka !

Daran möchte ich Ihnen auch deutlich machen, dass es hier nicht um irgendwelche Flügelkämpfe ging, die durch persönliche Karrieremotive umzudeuteln wären. Kafka war ein Spitzel im Auftrage des StaSi. Solche Leute beherbergte D. Möller in seiner Organisation, so zum Beispiel auch den StaSi-Spitzel Herbert Polifka, der sich um die Zerschlagung unserer Sektion in der DDR “verdient” gemacht hatte.

Die nationale Frage Ernst Austs war nicht zufällig einer der Hauptdifferenzen zu D. Möller, denn da ging es um die REVOLUTIONÄRE Zerschlagung des sozialfaschistischen Staates der DDR (!!), deren Staatsfeind Nr. 1 wir erklärter Maßen (Mielke-Befehl) waren. So hatte D. Möller die nationale Frage von Ernst Aust 1986 aus dem Programm gestrichen ( aus seinem Programm, denn wir haben das Programm., so wie es Ernst Aust verfasst hatte, verteidigt – ohne irgendwelche Abstriche zu machen. Übrigens hatte Möller auch den Beschluss des ZK aus dem Jahre 1974” für nichtig erklärt und die Broschüre von Ernst Aust: “Deutschland dem deutschen Volk!” - eingestampft). Alles spricht heute von 20 Jahren Mauerfall – über den heldenhaften Kampf der KPD/ML zum Sturz des Honecker-Regimes spricht keiner – diese Lorbeeren hängen sich diejenigen um, die das alles politisch zu verantworten haben. Die KPD/ML- Mitglieder bevölkerten die Gefängnisse diesseits und jenseits des Stacheldrahtes – ein einmaliges, und sehr interessantes Phänomen in der gesamten Geschichte Deutschlands, in der Geschichte der kommunistischen Weltbewegung ! Doch das nur nebenbei.

Es gibt eine Reihe von Dokumenten, in denen Sie den politisch-ideologischen Kampf gegen die D. Möller-Organisation eingehend studieren können. Ich kann Ihnen hier nicht die Differenzen in ihrem ganzen Umfang darstellen. Dafür werden Sie sicherlich Verständnis haben.

Zuverlässige Anhaltspunkte für Ihre Recherchen sind stets die Fragen des Parteiprogramms. Darin kommt die Linie Ernst Austs am besten zum Ausdruck, denn er hat dieses Programm geschrieben. Die Entstehung verschiedener Abspaltungs-Organisationen aus der KPD/ML haben alle ihren Ursprung in der Abweichung vom Parteiprogramm !!!

Und in der Tat lassen sich die Differenzen zu D. Möller am besten in seinem abweichenden Parteiprogramm erkennen. Ich empfehle Ihnen also unser Programm mit dem von D. Möller zu vergleichen. Unser Programm (Ernst Aust) ist das Programm für die Revolution in Deutschland. Jeder Satz spiegelt seinen revolutionären Geist wider. Suchen Sie den mal im Möllerprogramm – da können Sie lange suchen ! Verstehen Sie, was ich meine ? Da wird viel vom Kapitalismus geredet, aber über die Diktatur des Proletariats, über den bewaffneten Aufstand, über die Weltrevolution usw. steht überhaupt nichts drin, und – wenn, dann nur ganz bescheiden im hintersten Eckchen versteckt - nach Art der modernen Revisionisten.

D. Möller ist für uns Revolutionäre ein Fremdkörper, der in unsere Reihen gar nicht hineinpasst. Bei diesem Psychologen schwingen die ganzen Intellektuellenprobleme mit rein, die wir seit der 68er- Bewegung wie ein Klotz am Bein loszuwerden versuchen. Wie Sie sehen, ist dies Problem bis heute nicht vom Tisch. Mit der Parteigründung sind viel zu viel Intellektuelle reingekommen. Das war für die Arbeitergenossen ein schwerer Brocken, denn die meisten Intellektuellen brachten immer Zank und Streit in die Partei, Zersplitterungen und Spaltungen waren an der Tagesordnung. Ohne Ernst Aust wären wir schon lange durch diesen spalterischen Kräften auseinandergefallen. D. Möller war damals in Kiel Student (Psychologie !!!) und ein Sympathisant, als ich in der Landesleitung Wasserkante arbeitete. Von 100 Kieler Studenten (Sympathisanten der Partei) hatten wir nur einen einzigen Genossen in die Partei aufgenommen ! Oder nehmen Sie die Hamburger Hafen-Betriebszelle der Partei. Wir waren 5 Arbeiter in der Zelle) – 20 Studenten jedoch waren in der “Unterstützerzelle” der Hafenzelle usw. usf. Das war schon ein großes Problem, mit den Studentenmassen richtig umzugehen.... was D. Möller anbelangt, waren wir damals naiv. Wir hätten ihn nicht hochkommen lassen dürfen, wenn wir damals gewusst hätten, was für eine Sorte “Genosse” er geworden ist.

Typisch für die Bourgeoisie war und ist, dass sie diese politischen Differenzen gezielt auf eine persönliche Ebene verschiebt. Das hat System, denn dadurch lenkt man von der eigentlich politischen Sache ab. D. Möller hat indirekt politisch gegen mich gekämpft, indem er mich vordergründig persönlich angriff. So brauchte er nicht auf die ideologischen Differenzen einzugehen, denn dazu war er nicht nur nicht kompetent, sondern auch ganz einfach zu feige. Bitte überprüfen Sie meine Aussage, indem Sie die von uns aufgeführten Differenzen mit denen von D. Möller aufmerksam vergleichen. Politische Argumentation bei uns- und persönliche Anmache seitens unserer Gegner.

Vielleicht mag Ihnen diese Antwort nicht ausreichen. Es bleibt Ihnen unbenommen, weitere Fragen zu stellen.


Frage:

3) Wie hießen die Organe von Ihre Organisation und von Möller-Gruppe in die 1980er Jahre?

Antwort:

Organe der Möllergruppe gab es erst nach unserer Spaltung am 31. Dezember 1985 auf dem umstrittenen 6. Parteitag in Stuttgart. Zwischen Juli und Dezember 1985 erschien kein öffentliches Organ, beziehungsweise ein Organ des im Juli auf der Parteikonferenz in Hamburg ( Ernst Aust anwesend und von ihm persönlich vorgeschlagen) gewählten Koordinationskomitees, dem u.a. auch Möller und ich angehörten. Damals erschienen Artikel von Ernst, Möller, mir und anderen Genossen in dem provisorischen Organ “Weg der Partei”. Darin ging es im Wesentlichen um die ideologische Auseinandersetzung mit der Kochfraktion und späteren VSP. Dieses Organ sollte bis zum 6. Parteitag (Dezember 1985) erscheinen, um dort auf Beschluss durch den “Roten Morgen” abgelöst zu werden mit einer eigenen ZO-Abteilung. Und was machte Möller ? Er tat im Koordinationskomitee schon so, als wenn er der "Herausgeber" des neuen Roten Morgen sei, ohne auf die Beschlüsse des 6. Parteitags zu warten. Wir anderen machten praktisch die Parteiarbeit und Herr Möller schrieb Artikelchen ! Wie Sie vielleicht wissen, kam es auf dem 6. Parteitag zu großen Tumulten – Möller provozierte dort die Spaltung. Wir verließen dieses Spalterschauspiel und führten im Frühjahr 1986 den 6. Parteitag ordentlich und erfolgreich zu Ende. So erschien von Möller der “Aktuelle Weg der Partei”, den er dann im Mai 1986 in “Roter Morgen” umtaufte. So gab es dann ab 1. Mai 1986 zwei “Rote Morgen” in Deutschland. Hinzu kamen die beiden parallelen theoretischen Organe “Der Weg der Partei”.

Nach der Spaltung der Möller-Organisation Anfang der 2000er Jahre bringt Möller bis heute “Arbeit Zukunft” heraus. Aber das ist Ihnen sicherlich bekannt. Die Seite finden Sie im Internet.

 

 

Frage:

4) Was sind die Ursprünge von KPD/ML(Roter Stern)?

Antwort:

Der “Roter Stern” (Pöschl) und unser “Roter Morgen” entstanden aus der Spaltung unseres Organs “Roter Blitz” Ende der 90er Jahre.

Der Rote Stern entstand Ende der 90er Jahre, nach der erneuten Spaltung der Partei in zwei Fraktionen. Nach dem 6. Parteitag war dies die zweite und vorerst letzte Spaltung der Partei, denn wir sind jetzt schon all zu sehr dezimiert zum "Spalten". Wir sind nur noch die Überreste der Partei – sehr zum Wohlgefallen der intensiven Spaltertätigkeit des Geheimdienstes, der von den Überresten des Stasi kompetenten Zuwachs im Umgang mit der KPD/ML erhalten hat.

Es wurde ab Fall der Mauer ( genauer erst am 1. Mai 1990) unser Rote Morgen in “Roter Blitz” umbenannt, der Name einer ehemaligen illegalen Zeitung der Parteisektion DDR (zu Ehren der zerschlagenen DDR-Sektion der KPD/ML). Also ein Symbol der Vereinigung des Ost- und West-Teils der KPD/ML. Der “Rote Blitz” erschien bis Ende der 90er Jahre. Herstellung, Vertrieb und Redaktionen lagen damals schon ziemlich allein auf meinen persönlichen Schultern. Die monatliche Erscheinungsweise konnte nur mit großen Anstrengungen gesichert werden. Als Minipartei konzentrierten sich alle Parteiaufgaben auf den Schultern von nur noch wenigen Genossen. Es wurde der KPD/ML bewusst, dass es sich nicht um eine kurzfristige Überwindung der Spaltungen ging, nach denen sich wieder die alte Größe der Partei herstellen ließe, sondern dass es um eine längere Durststrecke ging, die nur nach Jahrzehnten wieder durch einen revolutionären Aufschwung der Massen auf die Höhe ihrer Entwicklung getragen wird. Das war eine Zeit der permanenten Herausforderung zu Höchstleistungen. In dieser angespannten Lage wurden Meinungsverschiedenheiten sorgsamst vermieden und "weggesteckt", damit die Parteiarbeit darunter nicht leiden würde. Jede kleine Dissonanz hätte die Frage der reinen Existenz auf die Tagesordnung gesetzt.

Bei manchen Genossen stellte sich eine gewisse Müdigkeit ein. Der revolutionäre Geist ließ nach, die Parteinormen wurden nicht mehr korrekt eingehalten, der Arbeitsstil ließ zu wünschen übrig, Enttäuschungen machten sich breit, weil es “nicht mehr so geschmiert lief” wie früher. Und so kam es dann auch. Im ZK sammelte sich Unmut bis die Meinungsverschiedenheiten zum Platzen kamen. Die ZK-Mehrheit richtete sich gegen den Parteivorsitzenden und weigerte sich, seine Artikel im “Roter Blitz” zu veröffentlichten. Die Partei, damals noch KPD genannt, drohte, in der ML Szene aufzugehen und war dabei, ihre führende Position einzubüßen. Die alte revolutionäre Parteilinie Ernst Austs verblasste. Im “Roter Blitz” war von Kommunismus, Revolution, Sozialismus usw. kaum noch etwas zu erkennen. Kurz: Die Trennung von Genossen, die sich vom Kommunismus und von der revolutionären Linie unseres Genossen Ernst Aust immer weiter entfernt hatten, wurde unvermeidlich.

Nehmen Sie sich bitte den “Roten Blitz” einmal nach unserer Trennung vor und blättern Sie darin. Das ist einfach traurig anzusehen. Das hatte mit dem “Roten Morgen” von Ernst Aust nicht mehr viel zu tun. Alles plättscherte an der Oberfläche hin, von jedem etwas nach dem Motto: “Was ihr wollt” - ähnlich wie bei Koch. Aber keine REVOLUTIONÄRE Linie mehr, kein REVOLUTIONÄRER Geist, keine weitblickende Zuklunfstperspektive. So entstand also neben der weiteren Herausgabe des verblassten “Roter Blitz” von uns wieder der alte “Roter Morgen” und damit auch der alte Name “KPD/ML”.

Mit der Umbennung ihres “Roten BLITZ” in “Roter Stern”, benannten diese Genossen dann auch ihre KPD in “KPD/ML” um. Jetzt nennen sie sich “KPD/ML” und bringen ihren “Roten Morgen” heraus. Damit übernahm man auch die 5 Köpfe der Klassiker von uns und auch unser Emblem der 5 Köpfe, dass wir 2000 geschaffen hatten.

Wie Sie sehen, alles Nachahmereien, zu denen wir sie schließlich durch unsere Trennung von ihnen gezwungen haben. Immer , wenn sich die KPD/ML weiter entwickelt, vollziehen die Opportunisten diesen Schritt mit, um am Ball bleiben und mitmischen zu können. Das ist nicht ein Zeichen ihrer Stärke, sondern ein Zeichen ihrer Einfallslosigkeit.

Ich muss Ihnen ehrlich sagen, dass ich bei meinen ehemaligen Genossen vom “Roter Stern” kaum noch die Hoffnung habe, dass sie aus ihren Fehlern lernen. Die Bourgeoisie tut alles, um den Parteivorsitzenden zu isolieren, Gerüchte über ihn zu streuen und ihn persönlich lächerlich zu machen. Zu ideologisch-inhaltlichen Auseinandersetzungen sind sie zu feige.

Für die KPD/ML steht fest, sie verlässt eher Genossen als ihre revolutionäre Parteilinie von Ernst Aust.


Frage:

5) Wie bewerten Sie die Gründung von "Volksfont gegen Faschismus und Reaktion" 1979?

Antwort:

Die “Volksfront gegen Faschismus und Reaktion” wurde von Ernst Aust ins Leben gerufen und hat einer sehr erfolgreiche Arbeit geleistet, die historisch all zu wenig Beachtung gefunden hat.

Sie wissen sicherlich, dass unser “Roter Morgen” die meist verbotenste Zeitung Deutschlands war. Man zwang unsere Zeitung zu harten Prozessstrafen, aber sie ließ sich bis heute nicht zensieren. “Der Kommunismus lässt sich nicht verbieten”.

Reaktion und Faschismus richtet sich aber nicht nur gegen unsere Partei, sondern gegen die revolutionäre Arbeiterklasse insgesamt.

Wir brauchen also Massenorganisationen als Transmissionsriehmen, um den Kampf der Partei massenwirksam zu machen. Die Volksfront diente uns auch dazu, aus den Massen neue Kräfte für den Kommunismus zu schöpfen. Deswegen die Gründung der Volksfront. Vergessen Sie aber auch bitte nicht, dass es in Deutschland immer noch das KPD-Verbot von 1956 gibt. Insofern war die Gründung der Volksfront ein notweniges, und sehr brauchbares Mittel im Kampf gegen die Illegalisierung (“linksextremistischer Terrorismus”) der KPD/ML. Die Volksfront diente dem Kampf für die Legalität des Kommunismus unmter kapitalistischen Herrschaftsbedingungen.

Die KPD/ML Ernst Austs kämpft an drei Fronten:

1) ökonomischer Kampf zur Verbesserung der materiellen Lage der Massen.

2) politischer Kampf gegen alle anderen Parteien der ausbeutenden und unterdrückenden Klassen

3)theoretischer Kampf zur weiteren Entwicklung des wissenschaftlichen Sozialismus

(alles zusammen = Hebel für die Vorbereitung der sozialistischen Revolution!)

Der Punkt zwei, politischer Kampf, teilt sich

a) in den Kampf gegen Reaktion und Faschismus und

b) den Anti-Kriegskampf

Wie der Name “Volksfront gegen Reaktion und Faschismus” sagt, hat Ernst Aust diese Kampffront der KPD/ML von der alten KPD Ernst Thälmanns übernommen.

Der Linie Lenins folgend, kann der Kampf für den Sozialismus nicht siegreich sein, wenn er den demokratischen Kampf vernachlässigt oder ausklammert. Der demokratische Kampf ist ein Kampf, der dem Kampf für den Sozialismus untergeordnet ist, aber sein wichtiger Bestandteil darstellt. Man kann nicht für die Demokratie im Sozialismus kämpfen wollen, wenn man nicht gegen Reaktion und Faschismus des Kapitalismus kämpft. Wie Ernst wir es im Sozialismus mit der Demokratie meinen, können die Massen nur an Hand ihrer Erfahrungen überprüfen, wie wir gegen Reaktion und Faschismus im Kapitalismus kämpfen.

Wenn Sie mich also nach meiner Meinung fragen, so möchte ich Ihnen antworten:

Die Volksfront gegen Reaktion und Faschismus ist ein unverzichtbarer Hebel für die sozialistische Revolution in Deutschland.

Zum damaligen Gründungszeitpunkt trugen aktuelle Ereignisse bei:

der Polizeiterror richtete sich nicht nur gegen die RAF, sondern auch gegen die KPD/ML (1 Genosse wurde von der Polizei ermordet, Günther Rothier), gegen alles Progressive, gegen die Demokratie drohte die Gefahr von Reaktion und Faschismus – einhergehend mit der zunehmenden Krise des Kapitalismus.

Damals griff Franz Josef Strauß zur Macht. Mit der Volksfront führte die KPD/ML damals ihren Bundestagswahlkampf Anfang der 80er Jahre usw. usf. Nicht zuletzt ist es der Volksfront zu verdanken, dass Strauß bei der Bundestagswahl eine Niederlage erlitt, von der er sich nicht wieder erholte. Die Volksfront gab auch ihre eigenen Organe und Publikationen heraus.

Wenn man die Partei liquidieren will, fängt man bei den Massenorganisationen an:

Stichwort: Versuche, die Volksfront der KPD/ML-Linie (revolutionärer Hebel) zu entfremden, ihren revolutionären Charakter zu nehmen. Es waren vorwiegend die intellektuellen Genossen, die hier verstärkt in der Volksfront tätig waren, die Arbeitergenossen hingegn in der Betriebs- und Gewerkschaftsarbeit. Deswegen brachte Koch die Volksfront auch eher zu Fall als die RGO.

Ich habe mich mit der Konzeption der Volksfront sehr intensiv beschäftigt. Sollten Sie an meiner Kritik an der Volksfrontpolitik Dimitroffs auf dem VII. Weltkongress der Komintern besonderes Interesse haben, so stelle ich Ihnen dazu einpaar Schriften zur Verfügung.

Meine These: Die Volksfrontpolitik der Komintern arbeitete der Sozialdemokratie ( also der Bourgeoisie !) in die Arme und war revisionistisch – also nicht revolutionär !!! Mit der “Einheitsfront” wollte man die Kommunisten zwingen, ihre eigenen kommunistischen Organisationen aufzugeben und in der Volksfront unterzugehen – Versöhnung und Anpassung an die herrschende Bourgeoisie – nicht mehr ihren Sturz, sondern nur etwas mehr “Demokratie” statt Faschismus. Der demokratische Kampf kann die Arbeiterklasse nicht befreien, das kann nur der sozialistische Kampf.


Frage:

6) Wann stieß H.D. Koch zur KPD/ML dazu?

Antwort:

ich verstehe Ihre Frage nicht ganz ? Ich befürchte, dass ich Ihnen hierzu keine befriedigende Antwort geben kann, weil ich das selber nicht weiß – und auch nicht wissen durfte:

In der KPD/ML erfährt ein Genosse über andere Genossen nur so viel, wie er zur Erledigung seines Parteiauftrags unbedingt wissen muss.

So wenig wie möglich wissen. So viel wie nötig wissen. Die KPD/ML ist illegal aufgebaut. Das heißt zum Schutz ihrer eigenen Parteimitglieder erfährt keiner etwas Genaueres über den Anderen.

Das hat Vorteile aber auch Nachteile. Unter “normalen” Kampfbedingungen hätten wir viel eher erfahren, dass es sich um einen trotzkistischen Verräter handeln würde. Der Mann wäre längst rausgeflogen aus der Partei. Wie Sie sehen, ziehen unsere Feinde innerhalb der Partei ihren Nutzen aus der illegalen Situation der Partei. Das liegt in der Natur des Klassenkampfes und das war zur Zeit Lenins und Stalins nicht anders.

In der Partei zollt man den Genossen Respekt und Vertrauen, so auch gegenüber Koch, dem ich einige seltene Male in Hamburg begegnete. Ich war damals nicht in der Parteizentrale von Dortmund und war daher mit Koch nur wenig in Kontakt. Richtig kennengelernt habe nicht ich ihn, sondern er mich, als ich auf einer ZK-Sitzung einen offenen Kampf gegen ihn führte ( neben mir saß der “Genosse” Möller).

Über unsere Auseinandersetzungen mit Koch können Sie auf unserer homepage eine Menge Dokumente studieren.

 

 

Frage:

 

"Linkes Liquidatorentum" - könnten Sie den näher Begriff erläutern?

Denn "Liquidatorentum" war ja ursprünglich eine RECHTE Strömung in der rus. Sozialdemokratie, die für Liquidirung der illegalen Strukturen auftratt. Was wollten den die "linken Liquidatoren" eigentlich liquidieren?

Antwort:

Was ist “linkes” Liquidatorentum ?

Sie haben die Frage eigentlich schon selber richtig beantwortet. Es handelt sich tatsächlich dem Inhalt nach um eine rechte Strömung, Tendenz, bzw. Fraktion ( je nach organisatorischer Ausprägung), die in verkappter Form auftritt, sich also “links” gebärdet. Links ohne Anführungsstriche ist die korrekte bolschewistische Parteilinie. “Links” in Anführungsstriche ist also jene Strömung, die vorgibt, vom Boden des Bolschewismus aus gegen das rechte Liquidatorentum vorzugehen. Sie gibt dem rechten Liquidatorentum also eine Art Schützenhilfe, um die Parteilinie von der “entgegengesetzten” Seite anzugreifen.

Ich nenne Ihnen aus unserer Parteigeschichte zwei Beispiele:

Das erste Beispiel bezieht sich auf Ihre Frage zum “linken” Liquidatorentum, das der rechten Koch-Fraktion dabei half, die Partei zerstören zu wollen. Hinter der “Kritik” an Koch verbargen die “linken” Liquidatoren ihren Angriff auf die Partei. Mit welchem Argument taten sie das ? Die Partei wollte die Kochleute raus haben aus der Partei und ansonsten an der alten Parteilinie des Genossen Ernst Aust festhalten, an seinem Parteiprogramm, an seiner Parteilinie, an den Massenorganisationen, an der Parteigeschichte usw. usf.

Wir wollten einen Reorganisationsprozess einleiten auf der alten KPD/ML-Linie, von der Koch abgewichen war. Ernst Aust: “Das ZK führt die Partei zwischen den Parteitagen, aber es hat damit noch lange nicht das Recht, die Partei von ihrer korrekten Linie wegzuführen und ihr eine falsche Linie aufzuzwingen”.

Anstatt die Partei im Kampf gegen Koch zu unterstützen, griffen die “linken” Liquidatoren uns, die Partei, an. Sie gaben Ernst Aust und uns Genossen die Schuld für die Koch-Misere. Sie argumentierten so: Dass Koch der Partei auf der Nase herum tanzen konnte, läge an der KPD/ML, läge an ihrer “Schwäche”, läge an ihrer “falschen” Linie. Damit begründeten sie die “Notwendigkeit” einer neuen “blitzsauberen”, 200 % ig “bolschewistischen” Partei und damit meinten sie natürlich die Beerdigung der KPD/ML. Diese “Argumente” kamen von den “Studierten”, den kleinbürgerlichen Intellektuellen. Während in Hamburg der Genosse Pauli (vom Betrieb Beiersdorf) in seiner Broschüre offen von der “Lebenslüge” der KPD/ML sprach und damit direkt die Auflösung der KPD/ML forderte (rechtes Liquidatorentum), forderten die “Linken” die Auflösung zu Gunsten einer zweiten Partei, während Koch die Auflösung auf dem Wege der Vereinigung mit der GIM erreichen wollte (Zentrismus). So spielten alle feindlichen Strömungen also einander in die Hände, um die Partei zu liquidieren.

Auf dem außerordentlichen Parteitag ( zwischen dem I. und II. Parteitag) prägte ich den Slogan: “Die bolschewistische Partei ist stärker als alle Liquidatoren!” Damals führten wir einen erbitterten Krieg gegen alle Liquidatoren mit dem Ergebnis, dass unsere Partei bis auf zwei (Bayern und Wasserkante), alle übrigen Landesverbände verloren hatte. Das könnte man noch als zusätzliches Beispiel erwähnen.

 

 

Das zweite Beispiel ereignete sich zwischen dem III. und IV. Parteitag. Und hier hatte Koch bereits seine Hände im Spiel (ich habe hierüber ausführlich Stellung genommen. Artikel hierzu finden Sie auf unserer homepage. Da können Sie die inhaltlichen Punkte meiner kritik an Koch genau nachlesen).

Der Genosse Ernst Aust sah in der mittlererweile stark gewachsenen Partei die Notwendigkeit, die Kräfte in der Massenarbeit zu konzentrieren. Hierzu war es notwendig, sektiererische Strömungen zu überwinden. Damals schrieb Ernst Aust seine Broschüre gegen das Linkssektierertum. Das betraf zum Beispiel konkret die Überwindung des Maoismus, der zwar in der Partei nie vorgeherrscht, aber nicht geringen Einfluss hatte. Koch nutzte diese Gelegenheit, um seine rechte Linie als “Parteilinie” auszugeben, und so wurden wichtige Prinzipien der Partei als “Sektierertum” deklariert, die es zu “überwinden” galt. Das Kind wurde sozusagen mit dem Bade ausgekippt. So wurden unter dem Vorwand des “Kampfes gegen das Sektierertum” wichtige Passagen aus dem Parteiprogramm gestrichen. Man hätte nur die Erwähnung von Mao Tsetung aus dem Programm rausnehmen müssen und dann wäre es gut damit gewesen.

Stattdessen hat man sich in die Massen gestürzt und dabei die Parteifahne zusammengerollt. Verstehen Sie was ich meine ? Vom Kommunismus nicht mehr die Rede, mit der Bewegung schwimmen und die Avantgarde-Rolle der KPD/ML, wie sie Ernst Aust forderte, an den Nagel hängen. In diese Richtung ging auch meine Kritik am Roten Stern. Hier wurden bereits erfeuliche Korrekturen gemacht und ich habe immer noch nicht die Hoffnung aufgegeben, dass sich die Genossen in ehrlicher und selbskritischer Weise an die Revolution heranarbeiten und davon wegkommen, nur in der Bewegung mitzuschwimmen. Aber dann müssen sie auch die Linie des Vorsitzenden unterstützen, müssen sie die Zusammenarbeit wollen und nicht gegeneinander kämpfen.

 

 

Frage:

 

Die auf der Seite 2. erwähnten Gruppen in Kiel, Berlin, Mannheim - bildeten sie den zukünftigen KPD-Möller?

 

Antwort:
 

Diese Frage kann ich Ihnen nicht genau beantworten, weil wir über die Interna der Möller-KPD nicht so gut informiert waren. Wir waren mit dem Wiederaufbau unserer eigenen Reihen beschäftigt. Wir hatten Möller des Öfteren die Hand zu reichen versucht – er hat sie jedes Mal hochnäsig abgewiesen. Möller kann Ihnen diese Frage viel besser beantworten als wir. Inzwischen hat sich der große Graben weiter vertieft. Sie brauchen nur einmal auf die Titelseite von Möller zu schauen und Sie sehen den Unterschied SOFORT. Die KPD/ML Ernst Austs ist die Partei der Revolution !!!

Mit Sicherheit hat es aber gegen unsere Partei Zusammenarbeit mit Möller gegeben und teilweise sind diese “linken” Liquidatoren zu Möller übergelaufen (Jünke – Berlin, erst bei uns, dann bei Möller). Die Mannheimer “Avantgarde”-Genossen hatten, so weit ich mich erinnere, einen Informationsstand auf einer Möllerveranstaltung. Von den Kielern gingen nicht alle zu Möller, so weit ich weiß – obwohl Möller ja aus Kiel kommt. Kiel war ja ein großes Zentrum “linker” Studenten (“Rote Garde Kiel” und der “Thälmann-Kampfbund”, um nur zwei Studentenorganisationen zu nennen, die unsere Partei zu überschwemmen drohten. Von Kiel aus wurde auch der Hamburger KSB/ML liquidiert und als Hebel gegen die KPD/ML eingesetzt. Das war 1970/71, wo ich mich auf die Seite von Ernst gestellt hatte im Kampf gegen die Liquidatoren. Damals standen Möller und ich schon in zwei feindlichen Lagern, obwohl wir uns erst viel, viel später “kennenlernten” !!

Die “linken” Liquidatoren waren ja nicht einheitlich. Sie waren untereinander selber zerstritten in der Frage, wie weit man sich von der alten Parteilinie entfernen könne, sollte, müsste.... Das ist eine ganze Bandbreite von Intellektuellenpositionen, die sich nicht so einfach unter einen Hut bringen lassen.

Jedenfalls übten die Kieler schon auf der “Kieler Konferenz der Marxisten-Leninisten in der KPD” heftige Kritik an Ernst Aust (Ernst und ich waren dort anwesend) und ganz besonders gegen mich ( ich würde einen “versöhnlerischen” Kurs betreiben). Sie wollten natürlich nicht, dass wir als Partei weiter bestehen und warfen uns “Halbherzigkeit” unserer Kritik an Koch vor. Ich hatte damals die Kieler Erklärung in der Nacht vom ersten zum zweiten Sitzungstag entworfen ( übrigens unter Mitarbeit von Möller, der meinem Entwurf zugestimmt hatte, man staune !), die dann von der Konferenz gebilligt und beschlossen wurde. Es hat mit den Kielern bei Ernst zu Hause hinterher noch ein bis zwei gemeinsame Sitzungen gegeben, die damit endeten, dass sich die Kieler von uns verabschiedeten.

Frage:

 

Ab wann hieß die Möller-Gruppe eigentlich den Namen "KPD" (ohne ML-Zusatz)?


Antwort:

Die Möllergruppe ist nie mit dem Zusatz “ML” aufgetreten. Diese Spalterorganisation nannte sich von dem Zeitpunkt an “KPD”, als sie Ende 85/Anfang86 den 6. Parteitag sprengte. Alle Parteitage zur Zeit Ernst Austs sind in römischen Zahlen aufgeführt. Alle Parteitage danach in arabischen Zahlen. Unsere Partei hat nach Ernsts Tod nur zwei Parteitage durchgeführt: den 6. Parteitag in Bremen Anfang 1986 und den 7. Parteitag in Sehnde (nähe Hannover) Silvester 1988/89. Vom ehemaligen Roten Stern gibt es nur noch einen Genossen, der an diesem 7.Parteitag teilgenommen hatte, auf dem ich ordentlich zum Vorsitzenden wiedergewählt wurde. Der 8. Parteitag wurde von mir vorgeschlagen, sobald es wieder 30 Mitglieder gibt. Bis heute haben wir diese Zahl nicht zusammen, so dass nicht nur die organisatorische Struktur der Partei gehandicapt ist , sondern das ganze Parteileben unter äußerst schwierigen Bedingungen stattfindet. Der 8. Parteitag ist längst überfällig. Hinzu kommen die Probleme zwischen uns und dem ehemaligen Roten Stern, die bis heute leider noch nicht gelöst werden konnten und wohl auch nicht gelöst werden auf Gru8nd der poltisch-ideologischen Abgründe zwischen ihnen und uns.



Frage:

 

Könnten Sie den Begriff "Gründungsopportunismus" (S. 2) erläutern?


Antwort:

Dieser Begriff ist der Gründungsgeschichte der russischen bolschewistischen Partei entlehnt. Sie kennen sicherlich das Buch von Lenin “Was tun?”

Dort rechnete er mit der Handwerkelei und dem Zirkelwesen ab. Ihnen ist auch sicherlich bekannt die Auseinandersetzung mit Martow und den Menschewiki über den Paragraph 1 des Parteistatuts usw. usf.... Gründungsopportunismus ist die Politik und Ideologie der Opportunisten, die auf verschiedene Art und Weise “begründet”, die Schaffung einer bolschewistischen Partei zu verhindern, hinauszuziehen, übers Knie zu brechen, usw. usf.....

Im Grunde ging es in der KPD/ML um die gleiche Frage: Aufbau der bolschewistischen Partei nach Leninschen Parteinormen. Sowas lässt sich nicht aus dem Boden stampfen – das ist ein schwieriger Prozess, der sich im Kampf gegen den Gründungsopportunisten entwickelt. Wie Sie wissen, haben die Bolschewiki einen 10 jährigen Kampf führen müssen, bis sich die bolschewistische Partei vom Gründungsopportunismus befreien konnte.

Damals wollte jeder Studentenzirkel die “bolschewistische” Partei aufbauen. Es kam zu zahlreichen “Parteigründungen”, die der 68-er Studentenbewegung zuzurechnen sind. Die erfüllten natürlich alle nicht die Bedingungen, die an die Gründung einer bolschewistischen Partei geknüpft sind.

Die KPD/ML ist aber nicht von Studentenführern, sondern von alten KPD-Genossen gegründet worden, weil die alte KPD revisionistisch entartet war und die Probleme der Partei nicht mehr auf dem Wege der Parteinormen mit dem alten KPD-Vorstand gelöst werden konnten.

Einige Genossen waren der Meinung, man müsse die alte KPD “bolschewisieren”. Später gab es auch Genossen, die das mit der DKP ausprobieren wollten. Klar ist, dass man eine revisionistisch entartete Partei nicht “bolschewisieren”, sondern nur bekämpfen kann. Dies ist eine der Varianten des Gründungsopportunismus.

Die intellektuelle Variante des Gründungsopportunismus ist die, dass man am Zirkelwesen festhält, obwohl die Bedingungen für die Parteigründung bereits gegeben sind. Diese Intellektuellen wollten erst einmal eine “fertige Partei” am Reißbrett entwerfen, wie aus dem Ei gepellt, mit fertigem Programm, fertigen Organisationsstrukturen usw. usf.

Ihnen ist bekannt, dass die albanische Partei nicht einmal ein Programm hatte als sie sich gründete. Die Gründung war notwendig durch die Kriegssituation. Die kommunistische Bewegung befand sich bereits im Befreiungskampf, für den sie die Partei dringend benötigte.

Hier bei uns in Deutschland war es der Verrat der Revisionisten, der uns zur möglichst schnellen Parteigründung drängte, weil die Verhältnisse in der revisionistischen alten KPD nicht mehr zum Aushalten waren und gesprengt werden mussten durch die Neugründung der KPD/ML. Damals spielten China und Albanien eine wichtige Rolle. Auch die Chinesen stellten sich als Gründungsopportunisten heraus. Wie Ihnen aus chinesischen Quellen sicherlich bekannt ist, wurden chinesische Agenten nach Europa geschickt, um “Parteien gegen den sowjetischen Revisionismus” aufzubauen. Dies sollten Werkzeuge der chinesischen Revisionisten in Europa werden.




Frage:

 

Verstehe ich es richtig? - KPD/ML (Roter Stern) ist von der damahligen ZK-Mehrheit von KPD (Rote Blitz/RoterMorgen) gegründet worden? Wann genau war das? Gab es dazu irgendwelche Parteitagbeschlüsse?

Die KPD/ML (Roter Stern) ist jetzt offline, ich könnte die leider nicht erreichen.

 

Antwort:

Bei den Genossen vom Roten Stern handelt es sich teilweise um Genossen die noch nicht am 6. Parteitag, aber mit einem Genossen bereits am 7. Parteitag dabei waren. Also damals waren wir noch alle zusammen als es um den Wiederaufbau der Partei nach dem Tod Ernst Austs ging. Wir alle waren die Genossen der Partei Ernst Austs, die die Partei gegen die Spalterorganisation von Möller verteidigten. Zu erreichen ist der Roter Stern unter: rotermorgen.info. Wie Sie sehen, geben sie wieder einen “Roter Morgen” heraus, nachdem sich der Rote Stern in zwei Rote Sterne gespalten hatte ( Polifka-Stern; Pöschl-Stern=rotermorgen.info).

Ende der 90er Jahre ist die ZK-Mehrheit der KPD/ML (Roter Blitz) gegen den Parteivorsitzenden aufgetreten. Es kam zum Bruch. Wie ich Ihnen schon schrieb, hatte wir den “Roten Blitz” verlassen und wieder den “Roten Morgen” der KPD/ML herausgegeben, um die alte Parteilinie des Genossen Ernst Austs zu verteidigen, was wir bis heute tun. Als wir weg war, wurde der “Rote Blitz” von der ZK-Mehrheit fallen gelassen und es wurde der Rote Stern herausgegeben als “KPD”. Später nannten sie sich dann auch "KPD/ML". Und jetzt, wie Sie sehen, geben sie seit Kurzem als “KPD/ML” einen “Roter Morgen” heraus. Dabei übernahmen sie auch noch unsere “5 Köpfe” von Marx, Engels, Lenin, Stalin und Enver Hoxha. Enver Hoxha als 5. Klassiker des Marxismus-Leninismushaben sie nie anerkannt.

Heute schimpfen sie, dass wir uns inzwischen auf den Stalinismus-Hoxhaismus berufen. Es wird nicht lange dauern, dann werden sie diese Ideologie auch von uns übernehmen. Sie hinken halt immer hinter der Bewegung her. Einerseits hat der Vorsitzende die Aufgabe, weit vorauszuschauen, die Parteilinie und Programmatik weiter zu entwickeln und die Parteigenossen in Theorie und Praxis weiter nach vorne zu bringen, andererseits aber das Hinterherhinken nicht zu ignorieren und in der Partei geduldige Überzeugungsarbeit zu leisten. Das ist eine Spaghataufgabe. Die KPD/ML wird sich an ihrem 41. Jahrestag, also am 31. 12. 2009 in KPD/SH umbenennen. Die Gründe für diese Umbenennung finden Sie in der weltprogrammatischen Erklärung der Komintern.

So wie es aussieht, werden die ehemaligen Roter Stern – Genossen dem nicht folgen. Sie haben es noch nicht einmal für nötig gehalten, sich darüber politisch sachlich zu äußern. Sie handeln nach Art der alten Liquidatoren. Sie haben sich auf Beschimpfungen und Verunglimpfungen der Partei spezialisiert.

Mir fällt die Umbenennung als Genosse, der seit 1970 für die KPD/ML kämpft, auch nicht leicht, aber sie ist unumgänglich, denn es gibt schon zu viel “marxistisch-leninistische” (so genannte) Organisationen, von denen auf der ganzen Welt 99% NICHT marxistisch-leninistisch sind. Die Kommunistische Weltbewegung befindet sich seit der Demarkationslinie zum 20. Parteitag der KPdSU wieder an einem neuen Scheideweg. Die Komintern (SH) wird sich von nun an von allen “marxistisch-leninistischen” Organisationen abgrenzen. Sie können davon ausgehen, dass diese Namensänderung in SH welthistorische Bedeutung für den zukünftigen Kommunismus haben wird. Im Mittelpunkt der neuen stalinistisch-hoxhaistischen Weltbewegung steht das Weltproletariat, das sich zur Weltrevolution erhebt. Es dürfte Ihnen einleuchten, dass damit der alte Rahmen der marxistisch-leninistischen Weltbewegung vollkommen gesprengt wird, dass die KPD/ML Ernst Austs also eine neue Stellung in der Weltrevolution einnehmen wird. Sie ist die erste Kommunistische Partei, die die Komintern bei der Organisierung der Weltrevolution von Anfang an unterstützt hat. Genauso, wie die alte Thälmann-KPD die größte Sektion der Komintern (außerhalb der Sowjetunion) war. Diese Tradition setzt die KPD/ML Ernst Austs fort. Wir werden die Geschichte des Kommunismus neu schreiben, haben den Kommunismus neu definiert. Uns steht eine großartige Zeit bevor ! Und es ist so wie in den alten 70er Jahren: eine tiefe revolutionäre Kraft, die uns vorantreibt.

Die Zeiten haben sich geändert, und die Partei versteht es nicht immer richtig, sich den neuen Herausforderungen zu stellen. Die Welt befindet sich in einer tiefen Krise und das ist eine großen Bewährungsprobe, aber auch eine Riesenchance für uns Kommunisten. Wir können nicht so weiter machen, wie in den 70er Jahren. Wie Sie der weltprogrammatischen Plattform der Komintern entnehmen können, wird dort ein völlig neues Selbstverständnis der Kommunistischen Weltbewegung entworfen, mit völlig neuen Zielsetzungen und Aufgaben. Das braucht seine Zeit, bis das auch beim letzten Genossen angekommen ist. Vorwürfe sind da fehl am Platze. Hier hilft nur geduldige Überzeugungsarbeit. . Die Parteilinie der KPD/ML Ernst Austs voranzubringen, das ist gegenwärtig das Hauptanliegen der KPD/ML . Wenn die neue politische Zielrichtung (KPD/ML als Sektion der Komintern) sich als richtig erweist, wird die Partei dadurch gestärkt werden. Davon bin ich fest überzeugt.

Frage:

Nochmal zur Umbennenungen: KPD/ML wurde nach der Auflösung der ehemaligen KPD/AO in KPD umbennant. Wann kam die Name KPD/ML wieder?

 

Antwort:

Ja, das ist richtig. Die Umbenennung in KPD hing mit der Auflösung der KPD/AO zusammen. Die ursprüngliche Bezeichnung KPD/ML kam erst 1998 von uns, nachdem wir ins vom “Roten Blitz” (KPD) getrennt hatte, dessen Namen (“Roter Blitz”) ich schließlich selber der Partei vorgeschlagen hatte. Mit der Namensänderung KPD/ML und Roter Morgen wollten wir wieder zurück zur Partei - als Ernst Aust noch lebte und wirkte.



Frage:

 

Chronologie: Vor langer Zeit habe ich in Wikipedia-Artikel über die KPD/ML von mir rescheachierte Chronologie der Parteitage eingebaut, seitdem wurde am Artikel viel rumgebastelt von anderen Nutzern, aber stimmt die Chronologie so? Von Parteitagen der Pöschl-Gruppe ist mir nichts bekannt, daher sind nur Ihre Partei und die Möller-Gruppe präsent.


Antwort:

Die Frage habe ich bereits beantwortet. Zum 6. und 7. Parteitag finden Sie die Parteitagsdokumente auf unserer homepage (ebenso zu allen anderen Parteitagen – hierzu werden noch weitere Parteidokumente veröffentlicht, je nach dem wie es die Zeit zulässt).

 



Mir sind außerdem noch einige zusätzliche Fragen eingefallen:

a) "KPD/ML-Jünke" wird hier und da erwähnt, aber wieder könnte ich seinen Vornamen, noch etwas über seine weitere Schicksal rausfinden. Falls es Ihnnen bekannt ist und keinen politischen Geheimnis darstellt, wäre ich Ihnnen dafür sehr dankbar. Er leitete KPD/ML in West-Berlin, war erst in Ihre organisation und dann in Möllers - aber ab wann war er bei Möller?

Antwort:

Hieran kann ich mich nicht mehr so genau erinnern. Manfred Jünke wurde auf meinem Vorschlag nach der Spaltung mit Möller in unser ZK gewählt und wurde sodann Politbüro-Mitglied. Er war Arbeiter, Rohrleger, so weit ich mich erinnere, und hatte einen proletarischen Klassenstandpunkt. Wir hatten anfangs auch sehr freundschaftliche Beziehungen. Leider war Manfred Jünke Alkoholiker und politisch unberechenbar. Auf der 20. Jahresfeier des Roten Morgen in Berlin war er so betrunken, dass er sogar mit dem Messer auf mich losgegangen war. Ich hatte mich sehr um ihn bemüht, aber auch er muss zu der großen Anzahl derjenigen Genossen gehört haben, die einer nach dem anderen von Agenten innerhalb unserer Reihen gegen mich aufgehetzt wurden. Manfred Jünke verschwand in der Versenkung und tauchte erst später bei Möller auf, den er noch zuvor, als er bei uns war, von korrektem Parteistandpunkt aus offen als Spalter und Opportunisten angegriffen hatte. So weit ich mich entsinne, war Manfred Jünke, bevor er bei Möller landete, auch mit der ehemaligen ROTEN-GARDE-Berlin verbunden, dieauch einen „Roten Stern“ herausgaben ( nicht zu verwechseln mit dem Pöschl-“Roter Stern“. Diese beiden „Roten Sterne“ aus Köln und Berlin hatten nichts miteinander zu tun.



b) Könnten Sie vielleicht irgendwas über die Schicksal von Waltraud Austs agen? Ich wurde gerne Familienangehörige von Ernst Aust befragen, aber ich weiß nicht, wer von denen noch lebt.

 

 

Antwort:

 

Von Ernsts Familie lebt keiner mehr. Schon zu seinen Lebzeiten gab es nur fern-Verwandte in Müden-Aller, wo er das Haus geerbt hatte, in dem er gestorben war. Ich hatte ihn damals als letzten Genossen gesehen und ihn von der Couch gehoben, auf der er entschlafen war.

Waltraud Aust hatte mich damals angerufen als es passierte, und ich war sofort gekommen. Wir haben uns um alles Notwendige gekümmert und die Trauerfeier organisiert.

Waltraud Aust soll kurze Zeit später an Brustkrebs gestorben sein. Ich habe nie erfahren, was aus ihr geworden ist. Ich hatte alle Friedhofsverwaltungen der Umgebung – einschließlich Celle - befragt – sie war spurlos verschwunden … ihre Wohnung aufgelöst.. wie vom Erdboden verschluckt....

Ich habe da so meine eigenen Vermutungen, die ich hier nicht ausprechen möchte. Ich kannte Waltraud Aust seit 1970 und hatte viele Jahre mit ihr zusammengearbeitet und auch familliäre, freundschaftliche Beziehungen gepflegt, aber ihr Verhältnis zu mir war sehr zwiespältig und hat eine Menge Fragen aufgeworfen, die ich mir auch heute nur schwer beantworten kann. An der ganzen Sache sind zu viele Ungereimtheiten, die mit ihrer Person, ihrer Rolle in der Partei und ihren politischen Anischten zusammenhängen. Sie war stramme FDJ-lerin als sie Ernst bei den Jugendfestspielen Anfang der 50er Jahre in Ostberlin kennen lernte. Ich schließe nicht aus, dass sie mit dem Stasi zusammengearbeitet hatte, aber das wären reine Spekulationen.



c) In RM-Nachruf über E. Aust las ich, daß auch FAU-Anarchisten bei seiner Beerdigung anwesend waren. Stimmt das? Wenn ja - wie kam es dazu? War es die Fraktion von denen, die später "FAU/AP" gründeten (Heidelberg) oder die, die später mit BWK zusammengearbeitet hat?

 

 

Antwort:

 

Das waren die Heidelberger Anarchisten. Das hängt noch mit der Zeit zusammen, als sich unter Führung des Genossen Ernst Aust (sein Artikel:„In welche Richtung soll sich die Partei weiter entwickeln?“) die Partei um ein Bündnis mit den westdeutschen „Sozialisten“ bemühte, wo wir eine Einheitsfront anstrebten. Das hatten wir in den 80er Jahren bis in die 90er Jahre fortgesetzt. Mit Achim (aus Heidelberg) pflegten wir anfangs gute Zusammenarbeit (ihre Zeitung erschien als Beilage des „Roten Blitz“), so weit uns das als Marxisten-Leninisten gegenüber den Anarchisten (die Stalin "verehrten") überhaupt möglich war. Mit der Zeit stellte sich heraus, dass die ideologischen Standpunkte doch zu weit auseinander lagen und die Zusammenarbeit wurde zwischen uns beendet. Später habe ich dann gelesen, wie sie sich über uns vom „Roten Blitz“ lustig gemacht hatten. Immerhin haben wir unsere Erfahrungen gesammelt und unsere Lehren gezogen. Von unserer Linie des Kampfes gegen den Anarchismus auf marxistisch-leninistischen Grundlagen sind wir nie abgewichen.


d) "Auflösung zu Gunsten einer zweiten Partei" - das haben die "linken" Liquidatoren gefordert - welche Fraktion war das und wohin sind die dann gegangen? Sollte die "zweite Partei" eine neue KPD/ML werden?

 

Antwort:

 

Ja, so genau wussten die das wohl selber nicht. Auf jeden Fall gingen die Meinungen bei den „linken“ Liquidatoren sehr weit auseinander: Sie waren sich zwar alle einig, dass die KPD/ML „keine“ bolschewistische Partei sei, aber eine neue, blitzsaubere „bolschewistische“ Partei waren sie nicht Imstande aufzubauen. Das scheint ein allgemeines Problem in der gesamten Geschichte des „linken“ Liquidatorentums zu sein. Sie haben „tolle Ideen“, aber sind nicht in der Lage, die Partei, geschweige denn den Klassenkampf zu organisieren – das ist nämlich mit Arbeit verbunden, die die Studierstuben-Gelehrten scheuen wie der Teufel das Weihwasser.



e) Hat außer H. Polifka noch jemand von der DDR-Sektion nach der Wende die aktivitäten fortgesetzt? Auf was basieren die Vorwürfe gegen Polifka (die werden von mehreren Organisationen erhoben)?

 

 

Antwort:

 

Nach der Wende hatte der Stasi, und was von ihm in den Verfassungschutz übergegangen ist, Herbert Polifka auf Möller angesetzt und den Günter Niehüser auf uns. Ein wirklich ehrlicher Genosse der ehemaligen Sektion – DDR war der Genosse Heinz Reiche aus Weißwasser, der schon der alten Thälmann-Garde angehörte und im KZ Buchenwald den Widerstand organisiert hatte – insbesondere gegen den Nazi-KAPO Erich Honecker ! Ich hatte herzliche Beziehungen zu ihm und ihn öfters im Krankenhaus in Weißwasser besucht. Er war auch bei meiner Familie zu Hause. Er ist Ende der 90er Jahre in hohem Alter gestorben.

Weitere illegale DDR-Genossen haben wir nach der Wende nie kennengelernt. Wir hatten damals zu Wauer und der Ost-KPD Kontakt gehabt, um überhaupt rauszukriegen, wie dort die politischen Verhältnisse in der „kommunistischen“ Bewegung waren. Insgesamt eine riesengroße Enttäuschung !! Das war kein Ansporn, sondern Ballast !! Dort herrschte ein unerträglicher Vermoderungsgeruch des Revisionismus, was uns Revolutionäre unwillkürlich in Abstandhaltung brachte. Das war eine Welt, die uns fremd war und in die wir nicht hinein gehörten. Wauer war zum 5. Todestag des Genossen Ernst Aust mit uns auf dem Müdener Friedhof. Wir waren fast jede Woche in Ostberlin. Als dann dort das Solidaritätskomitee „Erich Honecker“ gegründet wurde, war der Ofen aus !! Alles Revisionistische, was damals vom Osten kam, hatten wir tunlichst gemieden und wir sind damit bis heute gut gefahren !! Der alte Modergeruch der sozialfaschistischen DDR wird man drüben nicht so schnell los !! Mit Revolution haben die nichts am Hut !!!



Übrigens: Link, den Sie mir schickten war von "neuen" KPD/ML (Roter Morgen) aus Köln (Pöschl?) , aber es gibt jetzt wieder www.kpd-ml.org von KPD/ML (Roter Stern) aus zwei Mitgliedern in Köln meldet. Und die Vorwürfe sind schon recht Magdeburg (Polifka?)?, die den Ausschluß von heftig. Somit gibt es jetzt drei "Rote Morgen"-Zeitungen in der BRD:

Ihres, die von Pöschl aus Köln und die von KPD ohne ML und Möller. Vorbei die jetzt den Ausschluß von Möller bereuen (12. Parteitag!). Auf Website von Pöschl könnte ich noch keine Angaben zur Partei finden, die von Polifka und die von KPD(RM) geben Hinweise auf möglichen Dialog, als wenn die KPD(RM) und "Arbeit-Zukunft" sich wieder vertragen und den Dialog mit "Roten Stern" fortsetzen - aber ich verstehe nicht ob mit Polifka-Roter Stern (den hat die KPD/RM aber ausgeschlossen!) oder mit Pöschl- Roter Morgen. Aber alle berufen sich auf Aust und Hoxha (außer "ArbeitZukunft" die nur auf Hoxha? Dieses Spektrum spaltet sich schneller, als ich schreiben kann!


Antwort:

Daran können Sie die politische Bedeutung der KPD/ML des Genossen Ernst Aust ablesen. Die Bourgeoisie weiß, warum sie uns weiter bekämpfen muss: wir sind eine revolutionäre Kampfpartei. Man kann uns spalten und dezimieren, aber nicht die KPD/ML vernichten, denn sie gründet sich auf revolutionären Lehren der 5 Klassiker des Marxismus-Leninismus und ist entschlossen, das imperialistische Herrschaftssystem in Deutschland zu zerschlagen ! Egal, wie oft man uns zu spalten versucht. Die KPD/ML ist aus der Geschichte Deutschlands nicht wegzuradieren.

Die KPD/ML wird sich am 31. 12. 2009 – also an ihrem 41. Jahrestag umbenennen in KPD/SH, aber den Namen „Roter Morgen“ beibehalten, aber das schrieb ich Ihnen ja bereits. Damit folgen wir der Namensänderung der Komintern/ML.

8) Haben Sie den Konflikt zwischen E. Aust und W.Dickhut persönlich miterlebt? ich meine ob Ihnen den Verlauf und die Positionen der beiden kontrahenten gut in Erinnerung sei? Da ging es unter anderem auch um die - von Ihnen angerissene Frage - von Umgang mit Studenten? Und die Spaltung zwischen ZK- und ZB-Fraktionen, wie bewerten Sie es heute, wie erlebten Sie es damals?

 

 

Antwort:

 

Ja, aber nur am Rande, denn als ich 1970 zur Partei kam, war dieser Konflikt mit Willi Dickhut schon auf dem Höhepunkt. Ich habe Willi Dickhut nicht persönlich kennengelernt. Mit Stefan Engel hatte ich Kontaktgespräche vor vielen Jahren. Damals hatte ich in Hamburg Knut Mellenthin kennengelernt. Der Gründung der MLPD ging ja auch die Gruppe Rote Fahne Tübingen voraus.

Willi Dickut war in der alten KPD für die Kaderabteilung tätig und hat der Bourgeoisie die persönlichen Daten der Kader ausgeliefert. Das waren also nicht nur rein „ideologische“ Differenzen !! Ich muss Willi Dickhut heute Recht geben, wenn er vor der Studentenflut gewarnt hatte und entsprechende Parteibeschlüsse forderte, um der Intellektualisierung der Partei einen Riegel vorzuschieben. Auch Genosse Ernst Aust hat dies später zugegeben, aber hier muss man zwei Dinge auseinander halten: Man muss diese Frage vom revolutionären Standpunkt aus betrachten und lösen. Das hat der Genosse Ernst stets getan – siehe vor 30 Jahren das Stalinaufgebot der KPD/ML – Stärkung der Partei durch Kader aus der Arbeiterklasse. Zu keinem Zeitpunkt der Parteigeschichte hat Genosse Ernst Aust - weder in der Theorie, noch in der Praxis – das Leninsche Prinzip von 8 Arbeitern und 2 Intellektuellen außer Acht gelassen. In der KPD/ML herrschten von Anfang an die Arbeiter in der Parteispitze !!! Das ist eine Tatsache, die ausschließlich auf die KPD/ML zutraf – auf keine andere Organisation. Willi Dickhut war ein Opportunist. Er kritisierte die Partei zwar wegen der Intellektuellen, aber er selber bediente sich der Intellektuellen als "Mehrheitsbeschaffer", wenn es GEGEN den Genossen Ernst ging.

Willi Dickhut hat diese Frage jedoch vom Standpunkt des rechten Opportunismus aus betrachtet: Die Herkunft der Klasse ist noch keine Garantie für revolutionäres Handeln und Bewusstsein ! Was nützt einem ein Willi Dickhut, wenn er die Mauer damals als „Schutzwall gegen den Faschismus“ propagierte. Willi Dickhut hat in der Frage des Revisionismus stets einen rechtesopportunistischen Standpunkt vertreten. Da finden Sie nichts von Sozialfaschismus-Kritik wie sie von Ernst Aust in aller Schärfe geführt wurde. Sie brauchen sich doch heute nur die ideologische Schlafmützigkeit der MLPD ansehen – das rührt alles vom rechten Einfluss Willi Dickhuts her. Die MLPD ist die beste DKP, die es jemals gab.

Damals hatten wir einen erfolgreichen Kampf um die Einheit der Marxisten-Leninisten in der KPD/ML geführt und einen großen Teil von ZB-Mitgliedern gewonnen, die insbesondere in der Betriebs- und Gewerkschaftsarbeit hervorragende Arbeit leisteten und in der RGO große Erfolge bei den Betriebsrats- und Vertrauensleutewahlen verbuchen konnten.



9) Gab es einen genaueren Zeitpunkt, wo "Volksfront" sich von KPD[/ML] getrennt hat, oder war das ein schleichender Übergang?


Antwort:

Das war ein schleichender Übergang. Mit jedem Zentimeter, mit dem die Trotzkisten die Volksfront von der Partei trennten, schlief auch deren Aktivität ein. Ohne KPD/ML wurde die Volksfront zu einer liberalen Organisation gegen Reaktion und Faschismus, die sich nicht mehr wesentlich von all den anderen unterschied. Mit dem schwindenden Einfluss der Partei verlor die Volksfront ihren revolutionären Charakter, ihren revolutionären Geist und damit war auch ihr Schicksal besiegelt und nicht mehr zu retten.



10) Wie kam es überhaut zu der Idee mit GIM zusammenzuarbeiten? Ich kenne die Version, E.Aust hätte einen Brief an diverse linke Organisationen initiiert und GIM antwortete als einzige?

 

 

Antwort:

 

Wie schon erwähnt, rührt dies aus der Zeit, wo die KPD/ML sich um die Einheitsfront bemühte. Die GIM war nur eine der vielen Organisationen und nicht einmal die „bedeutendste“ für die Partei. Das war der BWK, mit dem es übrigens in der Volksfront eine Jahre lange gute Zusammenarbeit gab. Die Beziehungen zur GIM wurden vom Koch-ZK aufgebaut, an der Parteibasis vorbei. Welche verheerenden Auswirkungen das auf die Partei einmal haben sollte, haben wir erst viel zu spät bemerkt. Die GIM ist eigentlich nie irgendwie in der Partei oder mit der Partei aufgetreten. Das war eher eine Geheimnisbündelei des ZK über die Köpfe der Parteibasis hinweg. Wir haben gelernt: Wenn man eine korrekte Einheitsfrontpolitik betreiben will, darf man als kommunistische Partei nicht in der Einheitsfront untergehen, sondern für die Stärkung ihres revolutionären Einflusses sorgen. Mit dem Slogan der "Einheit" kann man eine kommunistische Partei auch liquidieren, wenn man sich auf den Opportunismus einlässt.



11) Wie hat E. Aust die KBW-Abspaltung BWK betrachtet? Gab es Annäherungsversuche?

 

 

Antwort:

 

Wir hatten von Anfang an einen konsequenten politisch-ideologischen Kampf gegen den KBW geführt. Das war die „ML“-Organisation, die gegenüber dem Revisionismus am versöhnlerischsten auftrat. Das war für uns also leicht, den KBW zu entlarven – worauf nicht zuletzt auch die Abspaltung zurückzuführen war. Mit dem fortschrittlicheren Teil haben wir dann versucht zusammenzuarbeiten und Genossen für uns zu gewinnen. Es sind fast 100 Mitglieder bei uns organisiert worden nach der KBW-Abspaltung.

Alles in allem muss man diese Einheitsfronttaktik von zwei Seiten betrachten: auf der einen Seite haben wir dadurch viele gute Genossen für die Partei gewonnen ( leider nicht nur gute!), aber auf der anderen Seite haben wir uns damit auch dem alten, opportunistischen Einfluss dieser Organisationen ausgesetzt. Sozusagen haben wir gut geschluckt, aber mit viel Unverdautem unseren Magen überfordert. Der Drang, neue Mitglieder zu gewinnen, ist manchmal größer als die Vorsicht, beim Parteiaufbau auf Prinzipienfestigkeit der Genossen zu achten. Insgesamt hatte Genosse Ernst Aust Recht, wenn er sagte, dass es ein Fehler ist, uns zu sehr mit den anderen Organisationen auseinanderzusetzen. Wir hätten uns mehr auf unsere eigenen Ziele und Aufgaben konzentrieren müssen. Diese Auseinandersetzungen innerhalb der „marxistisch-leninistischen“ Bewegung in Deutschland haben der Partei nicht nur Erfolge beschert, sondern auch große Probleme bereitet. Im Endeffekt denke ich, dass wir uns damit keinen großen Gefallen getan haben. Wir hätten einfach „unser Ding“ weiter machen sollen, ohne zu sehr darauf zu schielen, was die Anderen machen und denken....



12) Ich verstehe, wenn es Ihnen nicht möglich erscheint, die folgende Frage zu beantworten, aber vielleicht können Sie mir knapp Ihren Weg zur KPD/ML schildern: Wann und wo sind Sie geboren, waren Sie davor politisch engagiert und, vor allem, wie haben Sie die Studentenproteste und die APO damals wahrgenommen? Mich interessiert Verhältnis von ML-Bewegung zur SDS. Einige Parteiegründungen gingen auf die SDS-Kader zurück, Ihre scheint da eine Außnahme darzustellen, aber wie war das Verhältnis von Generationen untereinander? Die biographische Hintergrunde unterscheiden sich doch sehr stark.

 

 

Antwort:

 

Ich hatte Ihnen bereits geschrieben, dass meine Person nicht historisch betrachtet werden darf, weil sie weiterhin eine politische Aufgabe zu erfüllen hat. Meine Biographie ist für die Revolution völlig unerheblich. Ich bin ein Schüler des Genossen Ernst Aust, er hat mich gelehrt zu kämpfen und Kommunist zu werden. Ich bin stolz, in seiner Parteizelle herangebildet worden zu sein, und bis zu seinem Tod war ich sein treuer Kampfgefährte. Für mich ist es eine große Ehre und Verpflichtung, die KPD/ML in seinem Geiste zu verteidigen und voranzubringen. Alles Andere an meiner Person ist unwichtig.

Was die Generationsfrage anbelangt, so war der Genosse Ernst Aust 3 Jahre älter als mein eigener Vater. Vom Altersunterschied her kann man also durchaus von einem „Vater-Sohn“-Verhältnis sprechen. Ich gehöre somit jener Generation von Kommunisten an, die noch direkt Kontakt zu den Genossen der Thälmanngeneration und das Glück hatte, von diesen alten Genossen zu lernen und sie persönlich als Vorbild haben zu dürfen.

Die APO und die Studentenproteste waren damals natürlich breiter bekannt als die KPD/ML zu jenem Zeitpunkt. Ich habe diese Bewegung nicht nur „wahrgenommen“, sondern darin auch aktiv teilgenommen, bevor ich im Sommer 1970 durch einen reinen Zufall auf den ersten Roten Morgen im großen Zeitungsformat aufmerksam wurde. Ich brauchte nicht lange zu lesen, um davon vollkommen überzeugt zu sein, dass die KPD/ML meine Partei ist. Einpaar Wochen später lernte ich den Genossen Ernst Aust kennen !

„SDS-Kader“ stießen beispielsweise in München auf die Partei (im Zusammenhang mit den so genannten Münchener „Arbeiterbasisgruppen“). Karin und Gernot Schubert gehörten dem SDS an, die ich natürlich noch in lebendiger Erinnerung habe, insbesondere zur damaligen Zeit des Kampfes gegen die Liquidatoren. Karin Schubert war Orgleiterin der Partei und Gernot Schubert Redakteur des Roten Morgen. Ich hatte engen Kontakt zu ihnen, insbesondere als wir den Roten Morgen von Hamburg nach Würzburg verlagerten. Wegen parteischädigenden Verhaltens wurden beide später irgendwann ausgeschlossen – zu recht, wie ich heute noch meine.



ich glaube (beim schnellen durchlesen) Sie haben fast alle Fragen beantwortet! Ich wollte noch fragen, ob es stimmt, das E.Aust Theaterwissenschaften studiert hat, wenn ja - wo? Und hat er irgendwas über seine Swing-Jugend-Zeit erzählt? Und wer war dieser Pauli, von dem Hamburger Pauli-Papier stammte?

 



Antwort:
tut mir Leid, Ihnen nicht mehr mit solchen Einzelheiten von Ernsts Biographie weiter helfen zu können. 
Heute bedaure ich es, dass ich mich damals nicht so sehr dafür interessiert hatte. Wir waren halt politische Menschen und die persönlichen Dinge spielten so gut wie keine Rolle - es sei denn, dass sie die politische Arbeit förderten bzw. ihr schadeten - das ging dann um die moralisch-politische Erziehung der einzelnen Genossen durch das Kollektiv.... 
Ich entsinne mich an eins meiner ersten Gespräche mit Ernst - 1970 - in seiner Wohnung am Car-Bremer-Ring [2. Stock] (links, wenn man aus dem Haus kam, war in 70m Entfernung die Eckkneipe, wo die Partei gegründet wurde): 
 
Ernst: "Wir brauchen uns heute keine Gedanken um die Rente machen, dafür wird gesorgt, wenn wir die Revolution erkämpft haben!" 
 

Wir haben alles für die Partei getan, tun alles für die Partei und werden alles für die Partei tun - bis zu unserem letzten Atemzug !
 

Ernst war damals sehr aktiv bei den "Naturfreunden" ( es gab Instruktionen der alten Hamburger KPD hierzu). Die Aktion "Helgoland" des Genossen Ernst Aust ist Ihnen sicherlich ein Begriff, oder ? 


Ernst hat glaube ich nicht Theaterwissenschaft studiert, aber er war in Hamburg auf einer Schauspielschule und hatte auch Bühnenerfahrung. 
 
Im Weg der Partei Nr. 6 / 1977 hielt Genosse Ernst Aust auf der Zentralen Agitations- und Propaganda-Konferenz ein Referat (Dortmund, 1977) mit dem Titel: 
"Eröffnet die revolutionäre Kulturkampffront! Die Agitation und Propaganda vereinheitlichen!" 
 
Genosse Ernst Aust war nicht nur gelernter, sondern auch talentierter Redner, der es verstand, unsere Herzen zu erobern. Über seine Redekunst hinaus hat er für den Aufbau der Agitations- und Propaganda-Arbeit hervorragende Arbeit geleistet. So enstanden mit seiner Initiative und unter seiner Anleitung Spielmannszüge, Theatergruppen, Chöre, Agit-Prop-Trupps und auch später die Zeitschrift "Linkskurve" (Gewinnung von fortschrittlichen Künstlern).

 

Pauli war Arbeiter in Hamburg und bei Beiersdorf beschäftigt. Ich hatte von ihm immer einen ehrlichen Eindruck. 

 

 
 
Lieber Herr Eggers, irgendwie kann ich den Artikel mit der Stalin-Dokumentation nicht mehr auf der website finden, dabei hatte ich dazu noch paar Fragen. Eins davon: da wird eine Jugendorganisation erwähnt - anfang der 80er – ist damit KJVD der KPD/ML (ehemals Rote Garde) gemeint? Und den Artikel von diesem Reinhard Stranz könnte ich auf der rotemorgen-website auch nicht finden - war der nur in Papierausgabe?

 

 


Ich danke Ihnnen, Herr Eggers! Die Passage, die ich meinte ist:
*
Der Roter Morgen-Ausgabe ist eine Beilage des* „*Roten Rebell“* *, dem Organ der Kommunistischen Jugend Deutschlands (KJD) beigefügt, in der der Genosse Stalin abgebildet und verteidigt wurde.* Ist KJD hier nur abgekürzte Variante von KJVD?


Und was ist mit Hugo Lanz (über diesen Münchener Vorfall habe ich gelesen) nach seinem Parteiauschluß passiert? War er noch politisch aktiv? War Stranz auch zur Austs Zeit in der KPD/ML?

 



Antwort:

Laut Beschluss des 6. Parteitags hatte die Partei beschlossen, den Jungendverband wieder aufzubauen. Dieser Beschluss wurde auf dem 7. Parteitag erneuert, weil wir keine Jugendlichen organisieren konnten. Die Beilage "Roter Rebell" war ein einmaliger Versuch, um mit einer Jugendzeitung als Propagandist, Agitator und Organisator den Aufbau einer Jugendaorganisation zu erleichtern, was uns nicht gelungen ist. 
KJD war der geplante Name für die neu Jugendorganisation. 
 
Von Hugo Lanz habe ich nie wieder gehört. 
 
Reinhard Stranz "lief immer so nebenbei". seit 1972 (!!)..Stets hat er die Führung kritisiert, ob nun die opportunistische oder die proletarische von Ernst. Ernst hat er nur als jemanden "geschätzt", weil dieser "Selbstkritik" geübt habe. Reinhard Stranz hat sich nie der Partei zugehörig oder als Parteimitglied gefühlt und war bis heute nie Mitglied, hielt sich aber immer in "Parteikreisen" auf, besser gesagt, suchte er immer Kontakt zu bestimmten Parteimitgliedern. Er nahm sporadisch auch vereinzelt zu Ernst Aust Kontakt auf. Ernst und ich hatten ihn mal zu unserer Zellensitzung eingeladen, auf der er verspätet ankam und vorzeitig (ohne Nennen irgendeines Grundes) wieder ging. Das war 1985 - kurz vor Ernsts Tod. Man kann Reinhard Stranz als jemanden bezeichnen, der es vorzog, "ein und aus" zu gehen, ohne sich jemals um die Partei, ihre Organisation und Statuten zu scheren und die Partei zu verteidigen.
Seit 2003 habe ich seine sporadischen Kontaktversuche ins Leere laufen lassen. Er ist auch in anderen linken Organisationen bekannt, so zum Beispiel in Kreisen der "Linken" bzw. PDS.... 
... seit einpaar Monaten schreibt er die Leitartikel von rotermorgen-info und hetzt fleißig gegen uns, insbesondere gegen den Parteivorsitzenden.




Danke für schnelles Antworten, der Konflikt den Sie beschreiben, war es 1970 oder 1971 zuende? Was war die Unterschied zwischen Rote Garde und KJVD? Wie viele Jugendstrukturen hatte die KPD/ML in ihrer Geschichte überhaupt? Soweit ich es überblicke hat keine der aktuellen Nachfolgerorganisationen einen eigenen Jugendverband?

 



Antwort:

Das ist richtig - die KPD/ML hat seit dem Tod von ernst keine eigene Jugendorganisation mehr gehabt.
Der Konflikt ereignete sich 1970. Offen konnte das Kleinbürgertum von dieser Zeit an nicht mehr die proletarische Linie des Genossen Ernst Aust angreifen, weswegen sie dazu überging, sich hinter der proletarischen Linie zu verbergen und nun ihrerseits sich als Vertreter der proletarischen Linie aufzuspielen und die KPD/ML der "Abweichung von der proletarischen Linie" zu bezichtigen. Das war ein natürlicher und ganz gesetzmäßiger Vorgang des notgedrungenen Methodenwandels des Liquidatorentums zu jener Zeit. Ab 1971 habe ich mit Ernst Aust einen aktiven Kampf gegen das damalige Liquidatorentum geführt, wie ich es bereits geschildert hatte. In diesem Kampf gegen das Liquidatorentum hatte ich damals meine "Feuertaufe" bestanden.
Der KJVD wurde com ZB in Abgrenzung zur Roten Garde gegründet. Erst als die KPD/ML den Namen KPD annahm (nach der KPD/AO-Auflösung), wurde die Rote Garde in KJVD umbenannt. Damit sollte auch das "Mao-Image" bekämpft und die Tradition der KPD Ernst Thälmanns in den Vordergrund gerückt werden.
Die Rote Garde hatte bei der Rekrutierung von neuen Kadern der KPD/ML eine wichtige Rolle. Viele Rotgardisten entwickelten sich zu wertvollen Parteimitgliedern.
Die Entwicklung der Roten Garde hatte eine positive und eine negative Seite. Positiv war, dass es der Roten Garde immer besser gelang, sich vom Image einer "Hilfsorganisation" der Partei zu befreien und sich als selbständige Jugendorganisation zu profilieren. Dies kommt sehr gut in dem Jugendorgan "Roter Rebell" zum Ausdruck, das von der Aufmachung sogar noch viel aufwendiger war als der Rote Morgen. Hier wurden die echten Probleme der Jugend im Kapitalismus aufgegriffen und sehr gut propagandistisch aufgearbeitet. Davon kann sich heute noch so manche Jugendzeitung etwas abschneiden.

Allerdings war die organisatorische "Ausbeute" aus dieser aufwendigen Arbeit nicht so groß wie wir es uns erhofften. So hat der genosse Ernst Aust immer wieder große Anstrengungen unternommen, um die Jugend mitzureißen.

Auch organisatorisch wurde Einiges verbessert. Auf allen Leitungsebenen der Partei war stets ein entsprechender leitender Vertreter der Jugendorganisation anwesend, um an den Fragen aus Sicht der Jugend teilzunehmen. Sogar in jeder Parteizelle war es Pflicht, an der Unterstützung der Jugendarbeit teilzunehmen.
Veranstaltungen, Demonstrationen und Aktivitäten wurden gegenseitig unterstützt usw. usf.

Die Rote Garde (später KJVD) war auch eigenständig verbunden mit der albanischen  Jugendorganisation. Hervorragend waren die internationalen Jugendlager, die von den Bruderparteien rotationsmäßig organisiert worden waren usw. usf.
Schwerpunkt war natürlich die Jugendarbeit in der Arbeiterbewegung, Lehrlingsbewegung usw. usf.
 Der KSB/ML hat später nur eine untergeordnete Rolle gespielt. Mit dem Ende der 68-Bewegung verschwanden auch die Aktivitäten der KPD/ML auf dem Campus. Damals hatte der KSB/ML in Hamburg von heute auf morgen 1000nde von Studenten mobilisieren können. Das Audimax war 1970 gerammelt voll, als chinesische Spielfilme und Bilder- Ausstellungen vom KSB/ML organisiert wurden. 2 Jahre später war dort so gut wie keine Aktivität mehr vorhanden....Die Partei hatte sich vollkommen auf die Arbeiterklasse konzentriert und dort ihre Aktivitäten entfaltet. 

Es gab eine Unmenge von Ausrichtungspapieren zur Überwindung der Fehler der Beziehungen zwischen Partei und Jugendorganisation. Dies war ein Dauerproblem der Partei und es ist ihr bis heute nicht gelungen, die Erwartungen zu erfüllen. Ich will hier über die Gründe nicht spekulieren.



Noch eine Frage ist mir eingefallen: Wissen Sie etwas über die Arbeit in der KPD/ML von Hamburger Dieter Schütt, der angeblich noch bei der verbotenen KPD Mitglied war und später die "Funke" rausgab?

Stimmt das eigentlich, das er noch bei der Nachkriegs-KPD war? Laut meinen Reschearchen war Dieter Schütt bei KPD/ML-ZB-Fraktion! Jetzt hat er sich angeblich den Rechten angeschlossen. Vlt. haben sie noch Mail oder Postadresse von ihm. Ich wurde ihn gerne befragen.

 

Antwort:

Ja, ich kenne Dieter Schütt persönlich noch sehr gut. Er hat in der allerersten Gründungszeit Kontakt zu uns gehabt. Ob er überhaupt mal Parteimitglied war, weiß ich nicht mehr so genau. Wenn ja, dann nur für kurze Zeit. Er war voll auf dem Mao-Trip. Die KPD/ML lehnte er ab, insbesondere nachdem wir den Maoismus ihn oft all die vielen Jahre auf Hamburger Demos getroffen und bekämpften. Hatte eigentlich persönlich nichts gegen ihn, trotz seines Lebenswandels, der in Parteikreisen abgelehnt wurde. Ich weiß gar nicht, ob er den "Funken" noch rausbringt ? Mit Kommunismus hat der nicht viel zu tun! Dieter Schütt müsste jetzt auch schon auf die 70 zu gehen !

Ich sehe gerade die alten Ausgaben des Roten Blitz durch. In einer Ausgabe von 1993 finde ich einen Artikel, den ich zum 70. Geburttag des Genossen Ernst Aust geschrieben hatte:

"... wird immer noch über den Genossen Ernst Aust her gezogen. Da wird der Genosse Ernst Aust im "Funken" des Dieter Schütt mit seinem Portrait abgebildet und in der Bilduntertschrift steht "Stasi-Agent".

Ja, Dieter Schütt hatte damals Kontakt zu alten Hamburger KPD-Genossen ( so auch zu Ernst - mehr in Richtung persönlichen Anschluss zu suchen), aber Dieter Schütt war ein Individualist und Eigenbrödler. Er hat sich nie irgendwo fest organisiert...



Können Sie über den politischen Werdegang von Ezra Gerhard, dem Sohn des Schriftstellers Rainer Maria Gerhardt, sagen? Der war doch vor KPD/ML in der Schülerbewegung sehr aktiv. Und dann auf der Seite von E.Aust Kampf gegen ZB-Fraktion.

 

Antwort:

 

Ezra war aus Berlin,
er hat schließlich gegen Ernst gearbeitet (Hauptseite Theorie). Damals ging es um die Auseinandersetzung um die proletarische Linie.
Roter Morgen Ausgabe Januar/ Februar 1970 :
"Bauen wir eine starke bolschewistische Partei auf"
und
Roter Morgen-Ausgabe
März/April 1970:
"Plattform des ZK der KPD/ML" (Zur Auseinandersetzung um die proletarische Linie beim Aufbau der Partei und der Roten Garden.

Ezra trat als Vertreter der Intelligenz auf, deren Weltanschauung der "dialektische und historische Materialismus". Für Ezra war das Proletariat "die Kraft, auf die sich die Intelligenz stützt, um ihre Ziele zu verwirklichen" ( siehe: "Bauen wir eine starke ....").

Dieser Artikel über den Aufbau der bolschewistischen Partei schuf einigermaßen Verwirrung, denn damit meinte Ezra nicht das, was sich die russischen Bolschewiki darunter vorstellten. Ezra missbrauchte den Begriff der bolschewistischen Partei als eine "Partei der revolutionären Intelligenz". Ezra schrieb: "Das gegenseitige Interesse der fortschrittlichen, marxistischen Intelligenz einerseits und des Proletariats andererseits drängt also nach einer Vereinigung, die für beide Notwendigkeit wird."

Ezra verstand also unter einer "bolschewistischen" Partei, eine Partei der fortschrittlichen Intelligenz, die sich auf das Proletariat stützen solle. Für  Ernst Aust war die bolschewistische Partei hingegen, die Partei der revolutionären Arbeiterklasse, in der die Intelligenz sich bedingungslos den Interessen des Proletariats UNTERZUORDNEN habe, anstatt "gleichberechtigter Partner gemeinsamer Interessen" zu sein.
Ezra benutzte damals Lenins und Stalins Lehren von der "Arbeiterbewegung hier - und der Bewegung des wissenschaftlichen Sozialismus dort" und baute daraus das Klassenbündnis von Intelligenz und Proletariat in einer Partei. Dies war die kleinbürgerliche Linie, die der genosse Ernst Aust damals bekämpfte. Das war genau der zeitpunkt, wo ich damals Kontakt zu Ernst Aust aufnahm. oder genauer, diese strittige Frage war von ernst schon ausgefochten. Ich weiß nicht ob Ezra damals die Partei verließ oder ob er ausgeschlossen wurde.

 

Das ZK vertrat die Linie, dass zuerst die Kaderpartei ordentlich aufgebaut werden müsse und erst dann die Massenorganisationen (Rote Garde). "Bombardiert das Hauptquartier!" konnte also nicht die Linie der Roten Grade gegen das ZK der KPD/ML sein. Die Frage der "Unabhängigkeit" der Roten Garde zog sich durch die gesamte Geschichte der Frage der Jugendorganisation hindurch. Ernst hat in dieser Frage eine korrekte Linie vertreten: Eigenständigkeit der Jugendorganisation, die unter der Führung der Partei ihren selbständigen Kampf unter der Jugend führt. Jugend war damals hauptsächlich Studenten in der Mehrheit und Schüler- und Lehrlinge auf der anderen Seite ( also eher kleinbürgerlicher Einfluss), während die Kader der KPD/ML eher aus der Arbeiterschaft kamen und alle schon ein bisschen älter waren. Also auch ein generationspöroblem der neuen revolutionären Jugendbewegung der 68er und der kommunistischen Kader aus der alten Arbeiterbewegung. Mehrheitlich waren es Jugendliche genossen, in der Minderheit die älteren. So entstand dann dieses Mehrheitsgerangel um die politische Führung der Partei, wo Ernst immer den proletarischen Kern der Kader vertrat und förderte., auch wenn das seine Gegner immer noch bestreiten. Ich war damals dabei und kann das selber bezeugen. Es wurde damals von außen versucht, die Kaderpartei zu liquidieren durch Unterwanderung der Roten Garde.

In der abschließenden Bemerkung der "Plattform-Nummer" des Roten Morgen heißt es richtig:

"Die KPD/ML ist eine junge Partei. Es ist unvermeidlich, dass sie in der Anfangsphase noch häufig unklare Vorstellungen entwickelte, schwankende haltungen einnahm und Fehler beging. Dennoch war sie imstande, auf Grund des bereits verwirklichten, demokratischen Zentralismus ihren Kurs zu korrigieren und langsam zu klären. Dadurch wurde sie bereits zu einem entscheidenden Faktor in der revolutionären Bewegung unseres Landes. Es konnte also nicht ausbleiben, dass in dem gleichen Maße, in dem die marxistisch-leninistische Linie sich konkretisierte, auch abweichende Linien immer deutlicher zum Vorschein kamen. In dieser Situation musste es die Aufgabe des ZK sein, die marxistisch-leninistische Linie auf Grund der bisherigen Erfahrungen systematisch zusammenzufassen und in der vorliegenden Plattform niederzulegen.
Diese Plattform ist das entscheidende Instrument, um die Einheit der Partei in der jetzigen Phase zu verwirklichen.
Die Existenz der Plattform soll allen Genossen helfen, abweichlerische Lienien als solche zu erkennen, eventuelle Unklarheiten zu überwinden sowie vom Willen zu einer wirklich prinzipienfesten Einheit zu gelangen. Gegenüber der marxistisch-leninistischen Linie dieser Plattform kann es keine "Neutralität" geben. Alle Organe der Partei und der RG sind aufgerufen, diese Plattform gründlich zu studieren und sich auf ihren Boden zu stellen.
An ihr werden sich die Geister scheiden. Es geht jetzt um die Linie ! Persönliche Sympathien und Antipathien sowie persönliche Empfindlichkeiten dürfen jetzt keine Rolle mehr spielen. Die Frage kann nicht mehr heißen:
Sympathisch oder nicht, sondern nur: richtig oder falsch. Die Einheit der marxistisch-leninistischen Partei ist es wert, dass man mit allen Kräften um sie kämpft, aber eine prinzipienlose Einheit kann es nicht geben."

Soweit zur Auseinandersetzung mit Ezra Gerhardt.

 

Danke für die Beantwortung meiner Fragen.