Dokumente der Geschichte der KPD/ML des Genossen Ernst Aust

 

 
 


Gegendarstellung

Am 25.1. 1986 antwortete der 6. Parteitag der KPD in Bremen mit folgender Gegendarstellung auf die

„Erklärung“ der Möllergruppe vom 1. 1. 1986 ,

in der diese den liquidatorischen „Beschluss“ verkündete, die Partei noch tiefer zu spalten.

Wie zu erwarten war, hat die Möllergruppe unsere Gegendarstellung in ihrer Zeitung nicht veröffentlicht, denn es war ja nicht ihre Absicht, unsere Meinungsverschiedenheiten mit dem Ziel der Einheit zu überwinden und alle Parteigenossen in die Diskussion mit einzubeziehen, sondern die Partei, so schnell es nur irgend ging, zu liquidieren und ihr den Atem zur Reorganisation und Regeneration zu rauben. Auf unsere Gegendarstellung kam von der Spalter-KPD/Stuttgart („Roter Morgen“) nie eine Antwort – warum auch ?! Wir gehen nach wie vor davon aus, dass die Führer den Mitgliedern der Stuttgarter Spalterorganisation unsere Gegendarstellung verheimlicht haben.

Diese Gegendarstellung wurde also in unserem Theoretischen Organ „Der Weg der Partei“ Nr. 1/86 veröffentlicht und nun auch hier im Internet am 10. 2. 2004.





Gegendarstellung:

 

An den Herausgeber der Zeitung „Weg der Partei – aktuell“

Hiermit fordern wir euch auf, eure verleumderische „Erklärung zum 6. Parteitag“ und euren „Bericht zum 6. Parteitag“ zurückzunehmen.

Darin habt ihr alle Genossen, die den Parteitag verließen, „für ausgeschlossen erklärt“ und sie als „sektiererische, fraktionistische Gruppierung um Wolfgang Eggers und Waltraud Aust“ beschimpft. Euer putschistisches Vorgehen gegen unsere Genossen stellt einen schweren Angriff auf die KPD dar, den wir in aller Schärfe zurückweisen und verurteilen.

Wir machen hiermit von unserem Recht Gebrauch, den Abdruck einer Gegendarstellung in eurer Zeitung „Weg der Partei – aktuell“ zu verlangen.

Wir gehen davon aus, dass ihr die Gegendarstellung ungekürzt und unzensiert veröffentlicht. Die trotzkistisch-revisionistische Kochfraktion hat vor noch nicht all zu langer Zeit unsere Leserbriefe und Gegendarstellungeen im „Roten Morgen“ mit den Worten unterdrückt: „So liberal wie ihr denkt, sind wir nun auch wieder nicht!“

Wer vorgibt, gegen Koch zu sein, aber seine Zensurpraktiken übernimmt, ist in unseren Augen zumindest genauso schlimm wie Koch selbst.

Von den vielen Falschaussagen in eurer „Erklärung“ greifen wir folgende heraus:



1.

Ihr schreibt:

„Der 6. Parteitag schließt die parteifeindliche Gruppierung um Wolfgang Eggers und Waltraud Aust aus der KPD aus.“

Wahr ist:

Alle auf dem sogenannten „6. Parteitag“ gefassten Beschlüsse sind ungültig. Laut Protokoll wurde er für aufgelöst erklärt. Wir sprechen daher jedem das Recht ab, in Stuttgart „Parteiausschlüsse“ zu verhängen. Es genügt nicht, unsere Parteigenossen als Parteifeinde zu erklären, man muss dies auch beweisen können. Solange ihr den Vorwurf der Parteifeindlichkeit nicht nachweist, greift ihr damit nicht nur unsere Genossen an, sondern auch die ganze Partei. Eure politische Haltung zur Genossin Waltraud Aust, die Lebens- und Kampfgefährtin des Genossen Ernst Aust, macht allen ehrlich denkenden Genossen und Freunden der KPD deutlich, dass eure „Hochschätzung“ gegenüber dem Genossen Ernst Aust – wie ihr sie in eurer Erklärung betont – nur Heuchelei und Doppelzüngelei ist. Damit habt ihr allen Menschen gegenüber zum Ausdruck gebracht, dass ihr euch von der Partei losgelöst habt. In einem Atemzug den Genossen Ernst Aust „hochschätzen“ und die Genossin Waltraud Aust als Parteifeind zu beschimpfen und auszuschließen, wenn der kürzliche Tod des Genossen Ernst Aust uns in unserem Herzen tief schmerzt – das können wir mit Worten nur schwer beschreiben.



2.

Ihr schreibt:

„Erklärtes Ziel dieser Fraktion war es, eine selbstkritische Analyse der Fehler der Partei und die darauf aufbauende Reorganisierung der Partei zu verhindern.“

Wahr ist:

Dieses „Ziel“ wurde nirgends erklärt, weder in den Beiträgen auf dem sogenannten „Parteitag“ ( siehe Protokoll), noch in irgendwelchen anderen Dokumenten. Wir sind für die selbstkritische Analyse unserer Fehler, wenn diese bolschewistisch ist. Wir sind gegen die „selbstkritische Analyse“ in eurem „Rechenschaftsbericht“, weil wir sie für falsch und gefährlich halten. Wir haben dies in Stuttgart vorgetragen ( siehe Protokoll) und werden dies auch noch konkreter nachzuweisen versuchen. Laut Statut ist es nicht verboten, unsere Meinung zu sagen, und man kann doch ernsthaft nicht Genossen als „Parteifeinde“ ausschließen, weil sie eine andere Meinung vertreten.

In eurem „Rechenschaftsbericht“ stellt ihr die Geschichte der Partei als ein Schwanken von links nach rechts und von rechts nach links dar: Es habe nur Fehler gegeben, keiner sei überwunden worden, korrekte kommunistische Politik hat eurer Meinung nach die Partei nie gemacht. Ein solches Herangehen an die Parteigeschichte ist kleinbürgerlich und subjektivistisch und hat Ähnlichkeit mit der maoistischen Manier. Die Position, die dabei herauskommt, trägt liquidatorische Züge. Von einer solchen Position aus wird es keine Reorganisierung der Partei geben. Die Partei hat eine korrekte Grundlage, und von dort aus werden wir sie reorganisieren.



3.

Ihr schreibt:

„Jede Kritik an den Fehlern des Genossen Ernst Aust lehnen sie als `parteifeindlich` ab.“

Wahr ist:

Nirgends haben wir dies jemals behauptet. Genosse Ernst Aust hat selber auf der Hamburger Konferenz der Marxisten-Leninisten im Mai 1985 gesagt:

„Nur wer kämpft macht Fehler. Wichtig ist, dass man sie nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch korrigiert.“ Wir halten es für falsch, die Kritik an Ernst Fehlern in den Mittelpunkt der Parteidiskussion zu stellen. Wir finden es viel wichtiger, den Genossen Ernst und die Partei vor den Angriffen der Liquidatoren und Opportunisten zu verteidigen, seine Lehren zu propagieren und zu beherzigen und die Partei in seinem Geist weiter zu führen.



4.

Ihr schreibt:

„berechtigte Kritik an einzelnen Fehlern des Genossen Ernst Aust“ -(siehe Zitat aus eurem „Rechenschaftsbericht“ auf Seite 16) ...“ sogar ein Genosse wie Ernst Aust erklärte, die SPD sein nach dem Regierungswechsel keine Partei des Monopolkapitals mehr.“

Wahr ist:

Ernsts Auffassung, die er im politischen Bericht auf dem 5. Parteitag vertreten hat, könnt ihr nicht als „Zurückweichen vorm kranken Geist der Kochfraktion“ ( so zu lesen in eurem „Rechenschaftsbericht“ auf Seite 16) kritisieren. Das ist keine berechtigte Kritik, sondern eine unberechtigte Kritik. Ernst sagte nämlich :

„Sie (die SPD) wurde vom Monopolkapital als unfähig für die Durchführung der Wende abserviert. Das ändert nichts an unserer grundsätzlichen Haltung. Die SPD ist eine bürgerliche Partei.“

Was Ernst zum Ausdruck bringen wollte, ist die notwendige Änderung unserer revolutionären Taktik gegenüber der SPD, die nicht mehr die Regierungsgeschäfte des Monopolkapitals führt, sondern sich in Opposition gegenüber der CDU/CSU-Regierung befinde. Diese wichtige Aussage des Genossen Ernst Aust zu kritisieren, halten wir für sektiererisch und dogmatisch, weil sie die veränderte konkrete Situation des Klassenkampfes ignoriert.



5.

Ihr schreibt:

„Genosse Ernst Aust hat vor seinem Tod an einer gründlichen Selbstkritik gearbeitet“

Wahr ist:

Der Genosse Ernst Aust hat eine Stellungnahme zur Arbeit der Partei der letzten Jahre begonnen, was auch unter anderem Selbstkritik enthalten sollte. Im Gegensatz zu vielen anderen Genossen hielt der Genosse Ernst Aust Selbstkritik stets für ein wichtiges Mittel der Parteientwicklung. Wir lehnen es allerdings ab, wenn man Ernsts ehrliches Bemühen, aus eigenen Fehlern und Erfahrungen zu lernen, dazu missbraucht, an der korrekten Linie zu zweifeln, die er stets vertreten hat. Wir werden allen Opportunisten die Maske vom Gesicht reißen, die es wagen, Genossen Ernst Aust für ihre Zwecke zu missbrauchen.



6.

Ihr schreibt:

„Politisches Ziel der Fraktion war es, den Rechtsopportunismus der Koch-Fraktion durch den Rückfall in das Sektierertum und die `ultra-linke“ Politik der 70er Jahre abzulösen“ ... „Hauptgefahr=Sektierertum“ (aus eurer Parteitagsvorlage).

Wahr ist:

Politisches Ziel der KPD ist es von Anfang an gewesen – und daran wird sich in Zukunft auch nichts ändern - , den Rechtsopportunismus und den „Links“Opportunismus zu bekämpfen und die marxistisch-leninistische Linie zu verteidigen und weiterzuentwickeln. Die Parteigeschichte hat bewiesen, dass wir dieses Ziel bis heute, wenn auch unter großen Anstrengungen, stets erreicht haben. Es ist falsch, vom Sektierertum DER 70er Jahre zu sprechen. Das ist Geschichtsfälschung.

Die erste Hälfte der 80er Jahre hat uns gezeigt, dass wir die Gefahr des Rechtsopportunismus nicht wachsam genug bekämpft haben. Heute ist der Rechtsopportunismus die Hauptgefahr, was nicht heißt, gleichzeitig im Kampf gegen den „Links“Opportunismus nachzulassen. Ihr aber unterscheidet euch im Wesen durch nichts von den Revisionisten, die schon immer den Marxismus-Leninismus mit „Sektierertumvorwürfen“, „Dogmatismuskritik“ usw. angegriffen haben, sich selber aber als die „wahren Marxisten-Leninisten“ bezeichnen.

Auch vom „Rückfall“ kann nicht die Rede sein. Die Genossen Wolfgang Eggers und Waltraud Aust haben an der Seite des Genossen Ernst Aust gegen das Sektierertum der Liquidatoren Anfang der 70er Jahre gekämpft und die marxistisch-leninistische Linie verteidigt und behauptet.



7.

Ihr schreibt:

dass wir die Partei „auf eine phrasenhafte Agitation und Propaganda beschränken“ wollten.

Wahr ist:

Ihr habt euch auf eine phrasenhafte Kritik an unserer revolutionären Agitation und Propaganda beschränkt, anstatt uns bei der Arbeit unter den Massen zu unterstützen. Ihr wolltet uns daran hindern, den Massen den revolutionären Ausweg aus der Krise, der Kriegsgefahr und der Reaktion aufzuzeigen, weil man sich erstmal damit beschäftigen müsse, den Massen die Kritik am Kapitalismus nahezubringen. Unsere Partei war von Anfang an eine Partei der Revolution, und sie wird es auch stets bleiben.



8.

Ihr schreibt:

„Sie weigerten sich sowohl vor als auch auf dem Parteitag, ihre politische Position sachlich und mit dem Willen zur Einheit darzulegen.“

Wahr ist:

Das Protokoll beweist, dass wir trotz massiver Behinderungen unsere politischen Positionen dargelegt haben. Aus den Rundbriefen ist ersichtlich, dass wir unsere politische Position auch vorher dargelegt haben (Umsetzung der Kieler Erklärung vom 3.3. 1985 sowie der Beschlüsse der Hamburger und Frankfurter Konferenz der Marxisten-Leninisten in der KPD – es war übrigens der Genosse Wolfgang Eggers, der den Entwurf zur Kieler Erklärung vom 3.3. 1985 ausgearbeitet hatte. Es war ebenfalls der Genosse Wolfgang Eggers, der sowohl die Hamburger Konferenz als auch die Frankfurter Konferenz leitete – Anmerkung zur Wiederveröffentlichung dieses Parteidokuments). Wir müssen allerdings auch selbstkritisch feststellen, dass wir die Parteibasis nicht rechtzeitig und umfassend über die Hintergründe der politischen Differenzen im Koordinationskomitee informiert haben, erstens weil sie erst sehr spät offen zu Tage traten, zweitens weil wir ihre politische Bedeutung nicht klar genug erkannten und drittens weil wir die Einheit der Marxisten-Leninisten in der geschwächten Situation der Partei nicht unnötig aufs Spiel setzen und die Differenzen nicht überbewerten wollten. Wir hatten bis kurz vor Stuttgart die Hoffnung, dass sich die Probleme mit allen Genossen gemeinsam solidarisch lösen ließen. Dieser Fehler hat dazu beigetragen, dass die ahnungslosen Parteigenossen verwirrt und überrumpelt werden konnten. Wir haben nicht den Willen zur Einheit vereigert, sondern die Unterordnung unter eine „Mehrheit“, die uns und die Partei auf üble Art angegriffen hat. Wir haben außerdem berechtigte Zweifel, ob es sich überhaupt um Parteimitglieder gehandelt hat, die in Stuttgart teilgenommen haben ( siehe Protokoll und unsere Erklärung vom 1. 1. 1986). [Als Leiter der Mandatsprüfungskommission hatten unsere Genossen die Gültigkeit des einwandfreien Status eines Parteimitglieds bei vielen Anwesenden überhaupt nicht überprüfen, und damit auch nicht bestätigen oder anerkennen können – die Möllergruppe hatte sich selber „Stimmen-Mehrheitsbeschaffer“ eingeladen, die gar keine Mitglieder der Partei waren – Diese misteriösen „Parteimitglieder“ waren der Org-Abteilung des KoKo vorher gar nicht angegeben worden. Diese ganzen Suttgarter Schauspieltheater war eine einzige Schmierenkomödie, war widerlich, schändlich, verachtenswert und charakterlos, verwandelte den Parteitag in eine Farce, und stellte eine Verhöhnung der Partei des Genossen Ernst Aust dar. Das ganze war ein plumper und dreister Putsch zur Spaltung und Liquidierung der Partei - Anmerkung zur Wiederveröffentlichung dieses Parteidokuments].



9.

Ihr schreibt:

„... versuchten sie, mit Proletkult die marxistisch-leninistischen Positionen der Partei als Position von `Karrieristen` und `Intellektuellen` zu verleumden, die `schlimmer als Koch seien`.“

Wahr ist:

Es gibt zu denken, dass diejenigen, die uns „Proletkult“ vorwerfen, größtenteils kleinbürgerliche Genossen sind, während unsere proletarischen Genossen als „Edelproletarier“ beschimpft werden. Wir sind nach wie vor der Meinung, dass Karrieristen und Intellektuelle, die schlimmer als Koch sind, nicht gleichzeitig marxistisch-leninistische Positionen vertreten können. Der Vorwurf des Proletkults ist auf unsere Überzeugung gemünzt, dass proletarische Genossen, die dem Marxismus-Leninismus treu ergeben sind, unbedingt die Führung der Partei innehaben müssen. Wir richten uns nicht gegen revolutionäre Intellektuelle, sondern gegen den kleinbürgerlichen Führungsanspruch, der die Gefahr in sich birgt, zu zögern oder zu schwanken, bzw. die Disziplin zu verletzen.



10.

Ihr schreibt:

„... verließen die Spalter ohne jede inhaltliche Stellungnahme den Parteitag.“

Wahr ist:

Unsere inhaltliche Stellungnahme kann jeder Genosse im Protokoll nachlesen. Der Vorwurf „Spalter“ steht außerdem im Widerspruch zu einem Satz, den ihr ziemlich am Ende eurer „Erklärung“ geschrieben habt, nämlich: „Die Partei geht davon aus, dass nicht alle Genossen, die den Parteitag verlassen haben, Feinde der Partei sind und eine wirkliche Reorganisierung nicht wollen.“ Sind Spalter Feinde der Partei oder nicht? Entweder oder !



11.

Ihr schreibt:

„die Fraktion um Wolfgang Eggers und Waltraud Aust hat die gesamten Finanzmittel der Partei an sich gerissen.“

Wahr ist:

Die Finanzmittel der Partei wurden von Anfang an einvernehmlich und korrekt aufgeteilt und abgerechnet.



12.

Ihr schreibt:

einerseits von „notwendigsten Änderungen am geltenden Programm“ andererseits von eurem neuen „Programmentwurf“

Wahr ist:

Dies widerspricht der Grundlage der Partei, auf die sich alle Marxisten-Leninisten stützen, nämlich das geltende Programm zu verteidigen und endlich Abstand zu nehmen von Diskussionen über „neue Programmentwürfe“, die man uns aufzwingt, um Abstriche von unserer korrekten revolutionären Linie durchzusetzen. [Das Programm des Genossen Ernst Aust bleibt auf Beschluss der Partei nach wie vor revolutionäre Grundlage für die KPD/ML – Anmerkung zur Wiederveröffentlichung dieses Parteidokuments]



 

 

 zurück zur homepage

Mit kommunist