Dokumente der Geschichte der KPD/ML des Genossen Ernst Aust

 

 
 

Parteikonferenz in Frankfurt

7./8. September 1985

(unmittelbar nach dem Tode des Genossen Ernst Aust)

Rede

des Genossen

Wolfgang Eggers,

Leiter Parteikonferenz in Frankfurt



Liebe Genossinnen und Genossen !

Diese Konferenz kann unser Genosse Ernst nicht mehr miterleben. Viel zu früh wurde er aus unseren Reihen gerissen. Der Verlust ist nicht mit Worten zu beschreiben. Unsere Partei wird er nie wieder führen können. Bis zu seinem Tod stand Genosse Ernst treu in der Mitte der Marxisten-Leninisten und führte mit uns den Kampf für die Reorganisierung der KPD gegen das Liquidatorentum. Er half uns, auf unserem prinzipienfesten Weg mutig und unbeirrbar gegen den Sumpf der Prinzipienlosigkeit vorwärtszuschreiten. Das war sein letztes und großes Verdienst in seinem kampferfüllten Leben.

Genossinnen und Genossen, das ist gar nicht hoch genug einzuschätzen. Ernst hat dazu beigetragen, dass sich erstmals die marxistisch-leninistischen Genossen auf einer fraktionellen Parteikonferenz sammelen konnten [Kiel 2./3. März 1985 – Anmerkung der Redaktion].

[Er hatte sich maßgeblich an der Vorberereitung der 1. Parteikonferenz beteiligt, aber schickte uns Genossen dort hin, weil er es aus taktischen Gründen vorzog, daran nicht teilzunehmen, um dem Koch-ZK keinen Vorwand zu geben. Aus dem Koch ZK ist der Genosse Ernst Aust dann kurze Zeit später ausgetreten – Anmerkung der Redaktion]

Wir haben es ihm zu verdanken, dass er die Absichten der Kieler Liquidatoren durchschaute, die die Partei fallen lassen und stattdessen eine „linke“ Spalterorganisation gründen wollten.

Auf der 2. Parteikonferenz der Marxisten-Leninisten in der KPD ( Hamburg) war Ernst anwesend. Auch hier führte er den Kampf gegen das linke Liquidatorentum. Er wies Beppos [Berliner linker Liquidator- Anmerkung der Redaktion] Kritik an den Lüneburger Genossen [Parteizelle des Genossen Wolfgang Eggers – Anmerkung der Redaktion] zurück:

„Wenn wir darin einig sind, dass die Gründung unserer Partei korrekt war, dann ist klar, dass wir die Partei reorganisieren und dafür alle Möglichkeiten ausschöpfen müssen.“

Das waren Ernsts Worte. Ernst sprach über unsere zukünftigen Ziele und Aufgaben:

„1. Auf allen Gebieten ist der Verrat zu entlarven mit Hilfe klarer Analysen.

2. Wir müssen was Positives entgegensetzen. Das Programm überarbeiten, auch das Statut und eine programmatische Erklärung machen.

3. Die bisherige Gewerkschaftspolitik muss aufgearbeitet und eine Perspektive auf korrekter Grundlage entwickelt werden.

4. Bei zukünftigen Konferenzen muss der „Weg der Partei“ vorher bekannt sein, müssen die Papiere vorher verschickt sein, damit es zu fruchtbaren Diskussionen kommen kann.“

Genossinnen und Genossen !

Erinnert euch an die vielen Mitgliederversammlungen, in Bremen, in Frankfurt, in Hannover, in Stuttgart usw., auf denen Ernst mit glühender Stimme das Feuer auf den trotzkistischen Verrat eröffnete und wie die ZK-Vertreter dagegen klein und hässlich erschienen. Sie waren nicht einmal in der Lage, halbwegs ihren eigenen Standpunkt zu vertreten. Ernst hat uns alle in unserem Kampf angespornt, und es sind viele schwankende Genossen gewesen, die Ernst von der trotzkistischen Kochfraktion losriss. Er zeigte den Weg aus der Krise der Partei. Ihm kam es darauf an, nicht nur die Horst Dieter Koch-Clique zu entlarven, sondern gerade die Aufgaben aufzuzeigen, die vor uns liegen. So hatte sich Ernst vorgenommen, Programm und Statut zu verbessern. Ihm kam es darauf an, dass das Programm als kurzgefasste, wissenschaftlich formulierte Darlegung der Ziele und Aufgaben der Arbeiterklasse abgefasst werden müsse – nach Lenins Vorbild. Ernst legte Wert darauf, dass es ökonomisch genau formuliert werden müsse, ohne Überflüssiges, Wiederholendes oder zu Agitatorisches. Ernst wies darauf hin, die Verabschiedung des Programms nicht zu überstürzen. Er würdigte auch die kritik der VTK am Programmentwurf der trotzkistischen Kochfraktion. Um das Programm unter den Arbeitern verständlich zu machen, stellte er sich eine programmatische Erklärung vor, in der auch die Strategie und Taktik der Partei im heutigen Klassenkampf leicht verständlich zusammengefasst sein sollte. Ernst wollte diese programmatische Erklärung selber schreiben. In populärer Form wollte er auch unsere Ziele in einer Broschüre darlegen mit dem Titel: „Sozialismus oder Barbarei“. Außerdem hatte er vor, ein Flugblatt zur Arbeitslosigkeit zu schreiben. Die Arbeit des KoKo war ohne die Beratung mit Ernst nicht denkbar. Er selber lehnte es ab, ins Koko gewählt zu werden, weil er eine selbstkritische Stellungnahme schreiben wollte. Dies ist ihm alles nun leider nicht mehr möglich gewesen. Zu den KoKo-Sitzungen trafen wir uns bei Ernst. Er zeigte uns den Weg, er machte uns Mut. Ernst wollte sich an der Redaktion der neuen Zeitung beteiligen, eigene Beiträge schreiben. Er wies uns immer wieder darauf hin, wie wichtig die Zeitung für die Reorganisierung ist – als kollektiver Agitator, Propagandist und Organisator.

Der Verrat der trotzkistischen Kochfraktion an der Partei war auch ein Verrat an Genossen Ernst Aust. Um die Partei zu verraten, mussten sie auch den Genossen Ernst verraten. Nur waren sie zu feige dazu, dies offen zu tun, griffen sie Ernst hinter dem Rücken der Partei an, um ihn in der Parteiöffentlichkeit zu „loben“. Will man die Partei liquidieren, fängt man beim Vorsitzenden an. Alle parteifeindlichen Richtungen versuchten – offen oder versteckt - Ernst Aust als Sündenbock zu verurteilen, wurde die Partei runtergemacht, um den neuen Mist dadurch noch mehr im „Glanz“ erscheinen zu lassen. Erinnert euch, mit welchem Dreck Anette Schnoor mit ihrer Siemens-Witten-Zelle unseren Genossen Ernst bewarf.

Wie musste sich Ernst wohl gefühlt haben, als er nicht mehr als Vorsitzender kandidieren wollte. Wie demütigend und gemein war es, wenn das gesamte ZK auf seinen Sitzungen Ernst links liegen ließ und Ernst bei allen Beschlüssen „einmütig“ überstimmt wurde. Wer den Briefwechsel zwischen Ernst und dem ZK studiert, wird erkennen, wie man mit Verdrehungen und Vorwürfen gegen Ernst vor ging. Es war für Ernst schließlich nur konsequent, das ZK zu verlassen. Wir empfinden unendlich tiefen Hass gegenüber all dem, was die Koch-Clique dem Genossen Ernst Aust persönlich angetan hat. Wenn wir unseren Genossen Ernst Aust so früh verloren haben, so sage ich euch Genossinnen und Genossen: Diese Feinde von Ernst hatten ihren Anteil daran! Ja, sie haben selbst nach Ernsts Tod nicht aufgehört, mit ihren dreisten Abgeschmacktheiten fortzufahren. Unsere verbitterte Wut, sie wird auf die Verräter niedersausen und sie unter sich begraben ! Krieg gegen alle Verräter an Ernst und unsere Partei !

Verankern wir die Partei fest in der Arbeiterklasse, bilden wir neue Arbeiterkader heran, die zukünftig besser auf unseren Genossen Ernst und auf unsere Partei aufpassen als wir es getan haben. Erheben wir das Banner des revolutionären Klassenkampfes, das Banner des Genossen Ernst Aust. In allem was wir tun – auch auf dieser Konferenz - müssen wir uns besser denn je vom Genossen Ernst Aust leiten lassen. Wenn wir das wirklich begriffen haben, wenn wir uns daran halten, danach handeln, dann werden wir auch den Kampf des Genossen Ernst Aust siegreich zu Ende führen, wird die Arbeiterklasse in ganz Deutschland ihre Macht erringen !

Liebe Genossinnen und Genossen!

Auf der Trauerfeier haben wir unsen Genossen Ernst nur noch fester in unsere Herzen geschlossen. Auf der Trauerfeier haben wir unser aller Schmerz miteinander geteilt, haben wir uns Trost und Hoffnung gegeben, haben wir in diesen schweren Stunden unsern Zusammenhalt gespürt. Ernst ist gestorben, aber er lebt weiter in uns, hält uns zusammen, vereint uns auch nach seinem Tod. Trotz alledem!

Lasst uns nunmehr auf den Schwur besinnen, den wir am Grab des Genossen Ernst Aust gemeinsam abgelegt haben:

„Ernst, wir schwören dir, dass wir dich in Ehren halten werden.

Ernst, dein Kampf für die Einheit der Marxisten-Leninisten in einer deutschen bolschewistischen Partei ist von historischer Bedeutung. Wir schwören dir, solange am Aufbau der Partei und für die Einheit der Marxisten-Leninisten zu kämpfen, bis unser Ziel erreicht ist.

Ernst, dein Kampf gegen den Revisionismus und Opportunismus ist von historischer Bedeutung. Wir schwören dir, so lange den Revisionismus zu schlagen, bis er für immer besiegt ist.

Ernst, dein Kampf für ein vereintes, unbhängiges, sozialistisches Deutschland ist von historischer Bedeutung. Wir schwören dir, in diesem Kampf niemals nachzulassen, bis Deutschland wieder vereint ist.

Ernst, deine internationalistische Kampfverbundenheit mit der Partei der Arbeit Albaniens und den anderen marxistisch-leninistischen Parteien ist von historischer Bedeutung. Wir schwören dir, treu am proletarischen Internationalismus festzuhalten und gemeinsam mit unseren Bruderparteien den Sieg der Weltrevolution des Proletariats zu erkämpfen.“

Liebe Genossinnen und Genossen!

Die letzte Parteikonferenz in Hamburg war die letzte Parteikonferenz, an der Genosse Ernst noch unter uns weilte. Mit ihm zusammen hatten wir uns zu einer Gedenkminute erhoben, als der Genosse Enver Hoxha gestorben war. Wer hätte da ahnen können, dass wir uns nun zum zweiten Mal erheben, um unserem Genossen Ernst Aust zu gedenken...

[alle Teilnehmer der Parteikonferenz in Frankfurt erheben sich von ihren Plätzen...]



 

 

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