„Hoch die Faust

- für Ernst Aust !“

 

Die Geschichte

des Kampfes des Genossen

Ernst Aust

ist die Geschichte des Kampfes der

KPD/ML,

deren Gründer und Vorsitzender er war.




Fünfter Teil





Zu den Bundetagswahlen im Jahre 1976 ruft die KPD/ML zum Wahboykott auf. Ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt findet gegen den Genossen Ernst Aust am 3. September 1976 ein Prozess in hamburg statt. Es geht um die Berufungsverhandlung wegen des ROTEN MORGEN aus dem Jahre 1973(!!!), mit den Überschriften: „Bonner Parlamentarier - korrupt bis auf die Knochen!“; Bonner Parlament = Schwatzbude, in dem nicht die Vertreter des Volkes sitzen, sondern die Huren des Kapitals“. In erster Instanz zu 2000 DM Geldstrafe verurteilt, führt die KPD/ML mit den gleichen revolutionären Losungen zur Entlarvung des bürgerlichen Parlamentarismus den Wahlboykott durch. Nun erst recht! In einem Artikel: Warum ruft die KPD/ML bei der Bundestagswahl zum Wahlboykott auf?“ ROTER MORGEN Nr. 35 vom 28. August 1976 heißt es:

„Das Bemühen um ein rotes Wahlbündnis scheiterte am Spaltertum des KBW und des KABD (MLPD). Da das Wahlbündnis gescheitert war, beschloss unsere Partei, sich nicht an der Bundestagswahl zu beteiligen. (..) Schließlich ist die Frage, ob man sich an der Bundestagswahl beteiligt oder nicht, auch eine Frage des Parteiaufbaus. Es ist bekannt, dass die Bourgeoisie selbst der Kandidatur der Kommunisten noch alle erdenklichen Schwierigkeiten in den Weg legt. So sond zur Bundestagswahl pro Landesliste 2 000 Unterschriften vorzuweisen, dazu abermals für jeden Direktkandidaten 200. Zudem muss außer den Kandidaten ein Vielfaches ihrer Zahl an Funktionären, Teilnehmer der verschiedenen erforderlichen Delegiertenversammlungen usw. der Bourgeoisie offen gelegt werden. Letzteres würde, nachdem das Wahlbündnis nicht zustandegekommen ist, für die Beteiligung der Partei bedeuten, dass sie in breitem Maße ihre Mitglieder der Bourgeoisie preisgeben müsste.(...) Deswegen nimmt die KPD/ML nicht an der Wahl mit der Aufstellung von Kandidaten teil, sondern ruft zum Wahlboykott auf“.

Zurück zur Berufungsverhandlung vor dem Landgericht Hamburg am 3. Sepzember 1976.

Der benachbarte Gerichtssaal war vollgestopft mit bereitschaftspolizei - man hatte eine große Zuschauermenge erwartet und so war es denn auch.. Die Anträge der Verteidiger, mehr Zuschauerbänke herbeizuschaffen, wurde abgelehnt, auch in einen größeren Gerichtssaal zu wechseln, verweigerte das Gericht.

Genosse Ernst: „Ich frage das Gericht, gibt es in der Bundesrepublik politische Verfolgung und Unterdrückung oder nicht?“

Richterin: „............“.

Genosse Ernst: „Haben Sie gehört? Ich frage, ob es hier politische Verfolgung gibt?“

Richterin: „Ich habe Ihre Frage zur Kenntnis genommen, Fahren Sie fort.“

Genossen Ernst: „Ich fahre nicht fort, ich will eine Antwort von Ihnen!“

Richterin: „Die werden Sie im Urteil schon kriegen!“

Der Antrag, das Verfahren gegen den ROTEN MORGEN einzustellen, wird abgelehnt.

Dann nahm Genosse Ernst zum Urteil und der Anklage Stellung:

„Es gibt also politische Verfolgung und Unterdrückung in der Bundesrepublik. Darum stehen wir hier vor Gericht. Was ist denn angeklagt? (...) Wir sagen in aller Sachlichkeit: .. auch Sie, Frau Richterin, sind Huren des Kapitals. Damit meinen wir nicht, dass Sie auf den Strich gehen. Aber Sie werden bezahlt, kriegen Ihr Geld, um uns für unsere politische Gesinnung zu verurteilen und zu verfolgen.

(...) Nehmen wir einmal das Grundgesetz. Da heißt es in §3, Absatz 3: `Niemand darf wegebn seiner...politischen Anschauungen benachteiligt werden.` Also, 3 000 DM Geldstrafe, das empfinde ich als Benachteiligung. Aber das grundgesetz ist das Papier nicht wert, auf dem es gedruckt wurde. Sie betrachten es ja auch als einen Fetzen Papier. Sie haben eine politische Sonderjustiz aufgebaut. Auch hier, und die unterscheidet sich praktisch nicht von den faschistischen Sondergerichtshöfen. Der einzige Unterschied besteht noch in der Höhe der Strafen. Gestern waren es geldstrafen, heute spricht man schon von ein bis zwei Jahren Gefängnis. Wann wird man wieder bei den Gaskammern sein? In zehn Jahren?

Aber zurück zur Anklage. Wir sind die Nachfolgeorganisation der alten revolutionären KPD. Das erklären wir offen. Warum verbietet man uns denn nicht? Aus `Opportunitätsgründen` sagt man bei Ihnen. Sie drehen die Gesetze wie es politisch opportun ist. Deshalb versuchen Sie jetzt, unsere politischen Grundaussagen strafrechtlich zu verfolgen.“

Genosse Ernst fährt mi der Verlesung eines Abschnittes der Grundsatzerklärung fort, über die hier anschließend noch ausführlicher berichtet wird:

„`Jeder von uns weiß, dass er durch seine Hände Arbeit nicht reich werden kann. Reich werden kann man nur, indem man andere Menschen für sich arbeiten lässt, ihre Arbeitskraft ausbeutet. Das aber können eben nur jene, die die Produktionsmittel besitzen, also ihr Kapitalisten, Indem ihr euch den größten Teil des Wertes unserer Arbeit aneignet, man könnte auch sagen stehlt, macht ihr Profit, erhaltet ihr neue Mittel, um neue Maschinen anzuschaffen, neue Werke zu errichten und euer Luxusleben zu finanzieren. (...) Und es ist euer Staat, der diesen Diebstahl schützt, es ist euer Parlament, das durch den Erlass entsprechender Gesetze (z.B. Die Verfassung, das Grundgesetz) diesen Raub, diesen Diebstahl absichert. Wohin aber gehören Räuber und ihre Raubhelfer? Hinter Gittern!“

Genosse Ernst führt dann aus, dass das größte Verbrechen der imperialistischen Ausbeuterordnung der Krieg ist und fährt fort:

„Ich selber war, das haben Sie ja aus den Akten vorgelesen, Soldat, war als Fallschirmjäger in Afrika, und ich habe drei Jahre im Schützengraben gelegen. Als ich dieses sinnlose Gemetzel sah, als ich sah, wie meine Kameraden neben mir von Granaten zerfetzt wurden, da fragte ich mich: Wer ist Schuld, wer verantwortet diesen Wahnsinn? Das sind eben die Imperialisten. Ich wurde Kommunist. In unserer Grundsatzerklärung steht: `Kann es mit den imperialistischen Anstiftern dieser Kriege und ihren Kreaturen überhaupt ein Erbarmen geben? Sie, die Finanzgewaltigen, die Herren der Monopole und Banken, sind sie nicht die größten Massenmörder der Geschichte? Wohin aber gehören Massenmörder und ihre Helfershelfer? An den Galgen!`“

Die Verhandlung wurde nach Ernst`s Stellungnahme überraschend abgebrochen und auf den 8. September vertagt.



„Es spricht Genosse Ernst Aust !“ so mobilisierte die KPD/ML für ihre Großveranstaltung in Essen zur GRUNDSATZERKLÄRUNG „Für ein vereintes, unabhängiges, sozialistisches Deutschland!“ In seiner Rede erklärte der Genosse Ernst Aust:

„Auf dieser Veranstaltung wollen wir den Werktätigen Deutschlands unsere Grundsatzerklärung `Für ein vereintes, unabhängiges, sozialistisches Deutschland` unterbreiten. Ich möchte hier vor allem darauf eingehen, wie es zu dieser Grundsatzerklärung kam. Es ist jetzt fast 8 Jahre her, als wir - zum Jahreswechsel 1968/69 auf dem Gründungsparteitag die erste Grundsatzerklärung unserer Partei verabschiedet. Das war zur Zeit der revolutionären Studentenkämpfe. Ein Großteil der Studenten folgte damals noch Freud, Marcuse, Adorno und anderen Typen dieser Richtung. Auch die Arbeiterklasse war damals noch sehr verwirrt durch den Verrat der modernen Revisionisten. In dieser Situation schrieb unsere Partei in ihrer Gründungserklärung:

`Das internationale Proletariat und die internationalen revolutionären Kräfte stehen heute im Kampf gegen zwei Hauptfeinde: Den USA-Imperialismus und den Sowjetrevisionismus...die nationale lage Deutschlands ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt ein getreues Abbild der Weltlage. Während der westliche Teil Deutschlands zum Einflussgebiet des USA-Imperialismus gehört, gehört der östliche Teil zum Einflussgebiet des sowjetischen Sozialimperialismus. Die herrschende Klasse in Westdeutschland verschärft mehr und mehr ihren Terror gegen das Volk. Notstandsgesetze, Einsatz von Schusswaffen und Tränengas gegen Demonstranten sowie Schutzhaftbestimmungen sind die Mittel, mit denen die herrschende Klasse ihre angeschlagene Stellung zu retten versucht...` ...`in der DDR... ist durch die Führungsclique der SED die Weiterführung des Klassenkampfes verhindert worden. Sie hat versäumt, die alte Bourgeoisie restlos zu zerschlagen, und hat es zugelassen, dass sich eine neue Bourgeoisie etabliert... Darüberhinaus hat sie die nationalen Interessen der deutschen Arbeiterklasse in zunehmendem Maße an die sowjetischen Sozialimperialisten verkauft und schreckt nicht einmal davor zurück,sich an deren militärischen Abenteuer zu beteiligen.

Beide, die westdeutsche Monopolbourgeoisie und die in Ostdeutschland herrschenden Kreise, verraten die sozialen und nationalen Interessen des deutschen Volkes, sie haben sie dem Streben des USA-Imperialismus und Sozialimperialismus zum Opfer gebracht. Weder die Bonner noch die Ostberliner Regierung haben das Recht, im Namen des deutschen Volkes zu sprechen.`“

Der Genosse Ernst ging dann darauf ein, dass die Partei diese klaren Feststellungen traf, als opportunistische Zirkel und Organisationen den SU-Imperialismus noch gar nicht als Feinderkannten, die DDR aks sozialistisches Land mit „kleinen Fehlern“ betrachteten und Aktionseinheiten mit den modernen Revisionisten schlossen, während sich mit der D“K“P zum ersten Mal in der deutschen Geschichte eine Partei, die sich kommunistisch nannte, in Absprache mit der Bourgeoisie gründete.

Damals“, fuhr Genosse Ernst Aust in seiner Rede fort, „war es unsere Partei, die - statt zu lamentieren und bei der Regoerung um Schönwetter zu betteln - um die Aufhebung des KPD-Verbots, bzw. die Wiederzulassung der KPD zu bewirken, in ihrer Gründungserklärung klar und eindeutig sagte:

`Die KPD/ML steht fest auf dem Boden der revolutionären Theorien von Marx, Engels, Lenin, Stalin und Mao Tsetung... Die KPD/ML weiss, dass die herrschende Klasse ihre Machtpositionen nicht widerstandslos räumt. Sie zu zerbrechen, kann nicht über das Parlament geschehen, sondern nur durch den revolutionären Akt der Zerschlagung des bürgerlichen Staatsapparates und die Errichtung der Doktatur des Proletariats, der Herrschaft der großen Mehrheit des Volkes` Indem wir hiermit in aller Öffentlichkeit zum ersten Mal seit 1956 die Notwendigkeit der Errichtung der Diktatur des Proletariats, die Notwendigkeit der Zerschlagung des bürgerlichen Staatsapparates propagierten, haben wir der Bourgeoisie einen harten Schlag versetzt, haben wir in der Praxis das KPD-Verbot durchbrochen, haben wir die offene kommunistische Agitation und Propaganda wieder legalisiert. (...) Heute ist die Partei zahlenmäßig stärker geworden. (...) Heute ist sie eine disziplinierte kommunistische Partei, die in der Lage ist, in einem konzentrierten Schlag 2 Millionen Exemplare der Grundsatzerklärung des Zentralkomitees unter den Massen zu verbreiten, die Massen mit der marxistisch-leninistischen Theorie zu wappnen, ihnen die Notwendigkeit der gewaltsamen Revolution zu erklären, ihre Unvermeidbarkeit und ihren Nutzen für uns alle nachzuweisen, ihnen das Ziel und den Weg zu einem vereinten, unabhängigen sozialistischen Deutschlands zu zeigen. Die wissenschaftliche Grundlage für die Grundsatzerklärung ist das Programm, an dem die Partei arbeitet. Das Programm, das nach Zusammenfassung der Kritiken aus der Partei als Programmentwurf erscheinen und auf dem Parteitag verabschiedet werden wird, ist eine wissenschaftliche Analyse.

Im Unterschied dazu ist die Grundsatzerklärung ein agitatorisches Muttel. Sie erklärt den Arbeitern ganz einfach, wie es hier in Deutschland aussihet, welchen Weg das Proletariat einschlagen muss. Soe erklärt, was wir Kommunisten wollen. Es ist doch so, wenn wir sagen, wir sind für den Sozialismus, dann werden wir gefragt. Was stellt ihr euch denn darunter vor, wie soll denn der Sozialismus in Deutschland aussehen? Das heißt, wir müssen darauf antworten, wir müssen erklären, wie das sozialistische Deutschland aussehen soll, wie wir verhindern werden, dass jemals wieder eine herrschende bourgeoise Klasse im Sozialismus entsteht. Man kämpft nicht, wenn man nicht weiß, wofür. Deshalb müssen wir den Massen zeigen, wie das sozialistische Deutschland aussehen wird. Das tut die Grundsatzerklärung.“

Zum Schluss seiner Rede ging Genosse Ernst darauf ein, dass die Partei in Zukunft besonders Gewicht auf die verstärkte Verbindung zu den Massen legen muss. Er sagte:

„Unsere Aufgabe in den nächsten Wochen wird es sein, diese Erklärung breit in die Massen zu tragen, mit den Menschen darüber zu diskutieren. Dabei gilt aber nach wie vor der Satz, den ich anfangs aus der Grundsatzerklärung zitiert habe, dass es unsere Aufgabe ist, uns eng mit den Massen zu verbinden.

Genossen,

wir sind in der Geschichte der Partei jetzt an einen bestimmten Punkt angelangt. Wir haben das Programm unserer Partei im Großen und Ganzen formuliert. Es wird auf dem Parteitag verabschiedet werden. Wir haben unserer Grundsatzerklärung herausgegeben. Das heißt, DIE LINIE, DER WEG IST KLAR !! UND JETZT IST IHRE UMSETZUNG ALLES. Wir müssen jetzt unsere Verbindung zu den Massen verstärken. Ich habe dazu gerade gestern bei Stalin folgendes gelesen:

`Kurzum:

1. verstärkte Agitation auf dem Boden der tagtäglichen Bedürfnisse, die mit den Bedürfnissen der gesamten Klasse des Proletariats verbunden werden;

2. Organisierung und Festigung der Fabrik- und Werkkomitees als wichtige Zentren der Partei in den Bezirken;

3. `Übergabe` der wichtigsten Parteifunktionen an die fortgeschrittenen Arbeiter;

4. Organisierung von `Besprechungen` mit den fortgeschrittenen Arbeitern - das sind die Wege, mit deren Hilfe es unsere Organisationen verstehen werden, breite Massen um sich zusammenzuschließen.`

Was heißt das?

Wir müssen unter den Massen sein. Überall dort, wo proletarische Massen organisiert sind, müssen wir Kommunisten sein. Wir müssen ihre Sorgen und Nöte kennen. Wir müssen uns an die Spitze ihrer Kämpfe stellen, für ihre Interessen eintreten. Wir können nicht nur sagen: `Kämpft für die Revolution!` - und sie bei den Tageskämpfen im Stich lassen. So werden die Massen kein Vertrauen zu den Kommunisten gewinnen.

Der zweite Punkt, den Stalin nennt, ist die Organisierung und Festigung der Verbindungen in der Fabrik. Genossen, da gibt es noch große Mängel bei uns in der Partei. Was Stalin als Fabrik - und Werkkomitee bezeichnete, das ist für uns die REVOLUTIONÄRE GEWERKSCHAFTSOPPOSITION. Unsere Betriebsparteizellen haben die Aufgabe, diese Revolutionäre Gewerkschaftsopposition aufzubauen. Es gibt manche Genossen in der Partei, die haben keine Angst, die kleben nachts, verkaufen den ROTEN MORGEN. Aber im Betrieb, da verstehen sie es noch nicht, sich eng mit den Massen zu verbinden. Wir könnten noch viel mehr Betriebsräte und Vertrauensleute haben, wenn wir es besser verstehen würden, uns besser mit den Kollegen zu verbinden. Das heißt, der Betrieb ist und wird auch in Zukunft der Schwerpunkt unserer Arbeit sein.

Drittens sagt Stalin: `Übergabe` der Parteifunktionen an die fortgeschrittenen Arbeiter. Genossen, das ist ein Prinzip, das unsere Partei von Anfang an im Auge gehabt hat. Wir haben die Qualität unserer Leitungen ständig verbessern können. Die große Mehrheit unseres Zentralkomitees besteht aus Arbeitern und kleinen Angestellten. Es gibt andere Leitungen, bei denen das Verhältnis noch nicht so gut ist.“

Was Genosse Ernst hier sagt, das war wirklich ein echtes Problem. Es gab zwischen dem ZK und der Parteibasis eine mittlere Leitungsfunktion, die es dem ZK erschwerte, die richtige Linie in die Partei zu tragen und die es gleichzeitig der Parteibasis schwer machte, die Linie des ZK umzusetzen. Gerade auf dieser mittleren Ebene war ein schwacher Punkt, konnten die kleinbürgerlichen Elemente in der Partei den Hebel ansetzen, um Sand ins Getriebe zu streuen. Genosse Ernst hatte in der Partei viel mit Klagen der Arbeiter an der Parteibasis zu tun, die sich - von den mittleren Leitungen schlecht angeleitet fühlten( wenn nicht gar behindert fühlten) und direkt an ihn wandten, um ihn um Unterstützung zu bitten.

Genosse Ernst sagte weiter:

„Aber wir kämpfen darum, es zu verbessern. Wir müssen besonders die Arbeitergenossen, die zur Partei kommen fördern.

Stalin sagte viertens: Organisierung von Besprechungen mit fortgeschrittenen Arbeitern, das sind die Wege, mit deren Hilfe es unsere Organisation verstehen werden, breite Massen um sich zusammenzuschließen. Genossen, ich bin der Meinung, wir müssen uns in der Partei über die Wege der verstärkten Massenarbeit unterhalten, müssen unsere Masenarbeit verbessern. Das heißt nicht, dass wir nun plötzlich die Massen, die Millionenmassen, führen können. Dazu sind wir heute noch nicht in der Lage. Noch immer ist es unsere Aufgabe, die Vorhut des Proletariats für den Kommunismus zu gewinnen. Aber auch das können wir nur in den Kämpfen der Massen, indem wir uns an die Spitze stellen. Wie sollen wir sie sonst gewinnen? Wer sind denn die Fortgeschrittenen? Das sind unsere besten, klassenkämpferischsten Kollegen, diejenigen, zu denen die anderen auch Vertrauen haben. Das ist die Vorhut. Wenn wir von diesen Kollegen einen gewinnen, zu dem hundert andere Vertrauen haben, dann gewinnen wir nicht nur den einen, sondern die hundert anderen mit. (...) Vorwärts mit der KPD/ML!“

Damit folgte Genosse Ernst Aust klar den Lehren der Klassiker. Er ließ sich vom Genossen Enver Hoxhaleiten, der das so formulierte:

„Ohne Aktionen gibt es keine Kommunistische Partei...(...) Die Aktion und der Kampf sind es, die zum Wachstum und zur Festigung der Partei beitragen; wir können uns mit dem Volk nicht verbinden, wenn wir ihm nicht zeigen, dass wir fähig sind, es zu führen.“

Das war also noch nicht die Phase der Verankerung unter den Millionenmassen, sondern die Verschmelzung der Partei mit den Fortgeschittensten des Proletariats, die am konsequentesten den Klassenkampf in den Betrieben führten; die Gewinnung gerade dieser revolutionären Arbeiter für die Partei.

Genosse Ernst Aust sprach über die Aufgabe der Verbreitung der Grundsatzerklärung auch in den Städten Kassel, Hannover, Hamburg, Suttgart, Saarbrücken, Ludwigshafen, München, Mooriem-Nordermoor und Westberlin.

In Westberlin ging er in seiner Rede auch noch einmal in einem etwas schärferen Ton ein auf die Frage der Einheit der Marxisten-Leninisten, nach den negativen Erfahrungen, die die KPD/ML seit einem Jahr gesammelt hatte - wo Genosse Ernst Aust noch in Westberlin der GRF(KPD) die brüderliche Hand reichte.

„Liebe Freunde, Genossen. Lasst mich an dieser Stelle noch einige Worte zum Kampf um die Einheit der Marxisten-Leninisten sagen. Wie ihr wisst, ist es jetzt etwas über ein Jahr her, als ich hier in Westberlin in einer Rede sagte:

`Stellen wir als ersten Schritt die unsachliche, prinzipienlose Polemik gegeneinander ein. Beginnen wir die Diskussion um noch zu klärende Fragen mit dem Ziel der Einheit.(...) Heute steht uns die GRF(KPD) am nächsten.`

Steht sie das wirklich noch? Ich glaube nicht. (...) Anstatt in einer ernsthaften bolschewistischen Selbstkritik die Ursachen für ihre Fehler aufzudecken, flüchteten sie sich zunehmend in ihr altbekanntes kleinbürgerliches Gezänk und Gezeter, ihr Intrigantentum, ihre Arroganz, Verleumdung und Lügerei. Ich kann alle Genossen und Sympathisanten unserer Partei (...) völlig verstehen, wenn ihnen angesichts dieses Verhaltens des bürgerlichen Hauptquartiers in der GRF der kalte Kaffee hochkommt. (...) Ich kann den proletarischen Zorn aller Genossen verstehen, die erleben müssen, in welch arroganter, überheblicher Form die intellektuellen Schreier der GRF unsere Veranstaltungen, auf denen wir uns mit den Werktätigen unterhalten, ihnen unsere Ziele erklären wollen, zu stören und sogar zu sprengen versuchen. Wie sie mit Lügen und aus dem Zusammenhang gerissenen, falsch angewandten Klassikerzitaten ihre bürgerliche Linie zu verbreiten suchen. Und das ganze nennen diese Witzbolde auch noch ideologischen Kampf.“ Als die GRF(KPD) die Partei der Arbeit Albaniens vorwarf, diese würde die KPD/ML und nicht die GRF(KPD) unterstützen, wies Genosse Ernst Aust diesen beleidigenden Vorwurf mit den Worten zurück:

„Unsere Haltung in dieser Frage, in der Haltung welches in anderen Ländern, in denen die kommunistischen Parteien revisionistisch entartet sind, unsere marxistisch-leninistischen Bruderparteien sind, ist völlig klar. Es sind die Organisationen, die als erste in ihrem Land den Kampf gegen den Verrat der modernen Revisionisten aufnahmen, die in der Hauptseite eine korrekte marxistisch-leninistische Politik verfolgen, die über ein Zentralorgan verfügen und im Landesmaßstab organisiert sind und arbeiten. Sie unterstützen wir vorbehaltlos und lehnen jeden Kontakt zu anderen Organisationen in dem betreffenden Land ab, da diese keinesfalls marxistisch-leninistische Organisationen sein können, denn wären sie das, hätten sie sich der bestehenden marxistisch-leninistischen Partei angeschlossen und in ihren Reihen den Kampf für eine korrekte Politik geführt. Dazu ist natürlich notwendig, dass in diesen Parteien das Prinzip des demokratischen Zentralismus existiert. Kompliziert wird es dort, wo diese Voraussetzung nicht vorhanden ist und die Partei nur aus einem 1-2mal im Jahr erscheinenden Zentralorgan besteht. Dennoch ändert das nichts an unserer grundsätzlichen Haltung. Und auch wenn es zu unserer Bruderpartei einmal unterschiedliche Auffassungen gibt, so tragen wir das nicht an die Öffentlichkeit, sondern diskutieren dies im kameradschaftlichen Gespräch von genosse zu Genosse. Absolut unzulässig ist es, dass eine Bruderpartei sich über die andere stellt. Ob groß oder klein, sie sind gleichberechtigt. Erst dann, wenn eine Partei in ihrer Linie auf den modernen Revisionismus eingeschwenkt und bürgerlich entartet ist, würden wir die Beziehungen abbrechen. Ausgehend von diesen prinzipien sind wir der Meinung, dass es in einem Land nur eine marxistisch-leninistische, nur eine Vorhutpartei des Proletariats, keinesfalls aber zwei, drei oder auch vier geben kann. Wer aber in unserem Land die Mühe der Analyse der Gründung, Entwicklung und der politischen Linie der einzelnen sich kommunistisch oder marxistisch-leninistisch nennenden Organisationen erklärt, mit denen man sich verbünden muss, der trägt in der Praxis nicht zur Einheit der Marxisten-Leninisten, sondern zu ihrer Zersplitterung und damit zur Stärkung des modernen Revisionismus bei.“

Genosse Ernst zeigt anschaulich, „wes Geisteskind diese Leute sind, die sich in ihrer intellektuellen Überheblichkeit für den Mittelpunkt der marxistisch-leninistischen Weltbewegung, zu der sie gar nicht gehören, halten. Lebten wir in einem sozialistischen Land, wir würden sie zur Umerziehung für zehn Jahre ins Bergwerk schicken; hier aber bleibt uns nichts anderes übrig, als sie zu erdulden.“

Hier hat Genosse Ernst wieder ein Machtwort gesprochen, was uns aus dem Herzen spricht. Ernst hat immer (viel zu ??) lange Geduld gehabt mit Intellektuellen Schwätzern. Sie nutzten frech seine Gutmütigkeit aus. Auf diese Frage stieß er schon in der Auseinandersetzung mit Willi Dickhut. Die Erfahrungen mit dem Einfluss der intellektuellen Kleinbürger innerhalb der revolutionären Arbeiterbewegung, innerhalb der KPD/ML, hat Genosse Ernst Aust bis in seinen Tod durchgemacht. Ich sagte es auf der Trauerfeier und ich sage es auch hier wieder: Diese üblen Elemente sind Schuld daran, dass Ernst so früh gestorben ist. Sie haben ihm und der Partei den letzten Nerv geraubt. In der ganzen Parteigechichte tauchten immer wieder diese Schwierigkeiten auf. Kaum hatte sich die Partei von diesen Typen befreit, da machten uns schon die nächsten zu schaffen. Immer musste erst energisch die proletarische Faust auf den Tisch gehauen werden, kostete uns das unendliche Kraft, den richtig eingeschlagenen Weg zu verteidigen, zu behaupten und fortzusetzen. Werden wir daraus in Zukunft unsere Lehren ziehen? Ich hoffe es. Denn sonst setzt sich der Leidensweg fort, wird die nackte Parteiexistenz immer wieder in Frage gestellt und gefährdet. Es reicht nicht, wenn nur die Führung in proletarischer Hand ist. In einer proletarischen Partei müssen alle Proletarier der Partei die Führung in der Hand haben. Ich wiederhole a l l e ! Das Statut sollte die Partei hierzu ausdrücklich verpflichten und schon in der Aufnahmepolitik die richtigen Weichen stellen, um den proletarischen Weg auch in der Frage der sozialen Zusammensetzung der Partei abzusichern. Wir wollen nicht, dass durch irgendeine Hintertür diese prinzipielle Frage unterlaufen wird. Was wir auch nicht wollen, ist eine Intellektuellenhassorgie im Gegenextrem. Wir sind von den meisten Intellektuellen enttäuscht worden, aber es waren unter ihnen auch hervorragende Parteigenossen, die wir hoch schätzen und achten. Intellektuelle Genossen sind grundsätzlich willkommen und auch nicht von der Parteimitgliedschaft ausgeschlossen, aber für sie müssen strengere Regeln gelten. Sie müssen sich gefallen lassen, dass sie sich dem Proletariat bedingungslos unterordnen. Tun sie das nicht, fliegen sie. Das muss man nicht nur propagieren, sondern auch lernen, durchzuführen. Wir dürfen uns in unserer Gutmütigkeit nicht überrumpeln lassen und uns die Führung aus der hand nehmen lassen, weder durch einen Putsch noch durch stetiges Aufweichen und Verwässern, weder mit Zuckerbrot, noch mit Peitsche.



Die Ausgabe Nr.38 vom 18. September 1976 war dem Tod Mao Tsetungs gewidmet. Neben dem Beileidstelegramm des ZK der Partei der Arbeit Albaniens wird auch das Beileidstelegramm der KPD/ML abgedruckt, das von Ernst geschrieben wurde. KPD/ML-Trauermärsche mit Fackeln führen durch Frankfurt-Hoechst, Westberlin-Wedding, Stuttgart-Hallschlag, Hamburg-Barmbek, Hannover-Linden, München und Köln-Kalk. Im Dortmunder Parteibüro fand eine Trauerfeier statt. Trauer auch bei der Roten Garde, die ein Beileidstelegramm schickte.

Enver Hoxha schreibt in sein Tagebuch:

„Heute wurde gemeldet, dass Genosse Mao tsetung gestorben ist. Sein Tod, besonders in dieser verworrenen Situation, schmerzt und beunruhigt uns. Er ist ein großer Verlust für China. Meiner Meinung nach war Mao Tsetung ein Revolutionär, eine Persönlichkeit, deren Bedeutung nicht nur auf China beschränkt blieb, sondern sich auch auf internationaler Ebene erstreckte.

Mao Tsetung führte die Kommunistische Partei Chinas und das große chinesische Volk beim großen Sieg der Befreiung Chinas von der Knechtung durch die Besatzer und von der reaktionären Kuomintangclique. Dies war ein Erfolg von großer historischer Bedeutung, sowohl für das chinesische Volk wie für das Lager des Sozialismus und die Völker, die für die Befreiung kämpften und kämpfen. (...) Unserer Meinung nach sind die Dinge nun an einen Punkt angelangt, da sich die Frage stellt: Wer wird in China siegen, der Sozialismus oder der Kapitalismus? Deshalb ruft der Tod des Genossen Mao Tsetung bei uns auch große Besorgnis um die Zukunft des chinesischen Volkes hervor (...) Mögen wir uns irren, doch die Fortführung dieser Linie, die die Chinesen `Mao Tsetungideen` nennen, einer Linie, die nichts mit dem Marxismus-Leninismus gemein hat, wird China nichts Gutes bringen.

(...) Gerade sein philosophischer Eklektizismus ließ Mao sozusagen zum Vermittler zwischen den verschiedenen Strömungen werden, die es in China ständig gab und die er duldete, förderte und zum angeblich dialektischen „Aufeinanderprallen“ brachte. Nun konnte sich seine Vermittlertätigkeit sowohl zum Guten, als auch zum Schlechten auswirken, doch wie auch immer, dies konnte nur funktionieren, solange Mao selbst am Leben war. Nun ist er gestorben.(...)

Wir albanischen Kommunisten werden Mao Tsetungs gute Seiten in achtungsvoller Erinnerung behalten, jene positiven Gedanken und seine lange revolutionäre Tätigkeit. Was jedoch jene politischen, ideologischen und organisatorischen Anschauungen und Standpunkte anbelangt, von denen wir meinen, dass sie falsch und unmarxistisch gewesen sind, so haben wir nicht darauf verzichtet, sie aufzuzeigen und zu kritisieren, und werden auch weiter nicht darauf verzichten. Der Leninismus lehrt uns, stets gerecht und objektiv, nicht aber subjektiv und sentimental zu sein.

Auch wenn wir in vielen Urteilen mit ihm nicht einer Meinung waren, schmerzt uns der Tod des Genossen Mao Tsetung dich, denn er hat unserem sozialistischen Land und der Partei der Arbeit Albaniens stets Freundschaft und Wohlwollen entgegen gebracht. Das dürfen wir als Kommunisten und als Internationalisten nicht ignorieren. (...) Auch unsere Partei half China in diesem Geiste, stand an seiner Seite und verteidigte Mao in guten wie in schwierigen Zeiten, insbesondere gegen die Angriffe der Chruschtschowrevisionisten und während der Großen Kulturrevolution.“

Was Enver Hoxha hiermit ausdrücken wollte, das war auch unsere Meinung, war auch die Haltung von Ernst Aust und der KPD/ML gegenüber Mao Tsetung, wenn wir das auf unseren Trauerfeiern so bewusst noch gar nicht erfasst hatten. Wir druckten eine Rede des Genossen Hysni Kapo ab, die er im Jahre 1973 zum 80. Geburtstag von Mao als Mitglied des Politbüros der PAA gehalten hatte. Diese Rede wurde mit einem Foto einer Zusammenkunft Maos und Envers versehen.

Genosse Ernst sagte in Nordenham zum Tod des Genossen Mao Tsetung:

„Revolutionäre, ob ihre Taten klein oder groß, sterben nicht.“

Die revisionistischen Heuchler schickten aus aller Welt diesmal nicht ihre üblichen Dreckschleudern, sondern plötzlich „Beileidstelegramme“, weil sie sich über die Schwächung ihres gefährlichsten Konkurrenten erleichterten. Der Tod des Genossen Mao Tsetung bedeutete objektiv eine Stärkung des sowjetischen Revisionismus. Aber die KP China verzichtete auf diese Krokodilstränen und schickte sie zurück. Die Revisionistenhäuptlinge gaben sich natürlich beleidigt und schlachteten das für ihre revisionistische Propaganda wiederum postwendend aus. Warum erwähnen wir dies in der Geschichte des Genossen Ernst Aust und unserer Partei? Weil wir sekteriererische Fehler gemacht haben, die die Revisionisten ausnutzten und gegen uns einsetzen konnten. Wir müssen uns nämlich selbstkritisch fragen, ob nicht die falschen Positionen von Mao Tsetung dazu beigetragen haben, es den Revisionisten zu erleichtern, wirkliche Kommunisten unter deren Einfluss zu behalten, das heißt also konkret, ehrliche Marxisten-Leninisten z.B. aus den Reihen der D“K“P davon abzuhalten, zur KPD/ML zu kommen. Das waren eine Vielzahl von Genossen, die zur revisionistischen „D“K“P - Führung genauso Widersprüche hatten, wie zum chinesischen Revisionismus. Die waren für Stalin, aber nicht für Mao. Genossen, wie sich hinterher herausstellte, haben wir solche D“K“P Genossen ihrem Schicksal überlassen, haben wir sie nicht aus den Fängen der sowjetischen und ostdeutschen Revisionisten befreit. Von diesen vereinzelten ehrlichen D“K“P Genossen wird die KPD/ML heute unterstützt. Das sind im Ergebnis die reifen Früchte unserer damaligen Selbstkritik. Welche Lehren muss die Partei aus diesem Kapitel ihrer Geschichte ziehen?

Wir müssen den Revisionismus noch konsequenter bekämpfen. Dies ist nicht nur quantitativ, sondern vor allem qualitativ zu verstehen. Unter Anwendung des dialektischen Materialismus kommen wir zu der Erkenntnis, dass unsere eigenen Fehler im Kampf gegen den Revisionismus eiskalt von den Revisionisten gegen uns selbst eingesetzt wurden und werden. Wir Marxisten-Leninisten fördern objektiv die Häutung des Revisionismus, wenn wir uns im Kampf gegen den einen Revisionismus unter die Schirmherrschaft eines anderen begeben, d.h. in diesem Falle, dass man den sowjetischen Revisionismus nicht mit dem chinesischen Revisionismus wirkungsvoll bekämpfen kann, sondern im Gegenteil, damit das Überleben des Revisionismus INSGESAMT künstlich verlängert. Wenn also das D“K“P Präsidium zum Tod des Genossen Mao Tsetung demagogisch erklärt, dass „das chinesische Volk den Maoismus überwinden wird und China zu einer wirklich auf dem Boden, Engels und Lenin ( Stalin hat die D“K“P natürlich unter den Tisch fallen lassen!) gegründeten Politik zurückfindet“, dann deckt sich das dem Wesen nach mit der Haltung Enver Hoxhas, wenn dieser auf dem 8. Parteitag der PAA sagte:

„Ohne die Mao Tsetungideen anzuprangern und zu verwerfen, ohne ihren GANZEN Einfluss in der revolutionären Bewegung zu bekämpfen und auszumerzen, kann weder vom Kampf gegen den chinesischen Revisionismus noch vom Kampf gegen den modernen Revisionismus INSGESAMT (Hervorhebungen vom Verfasser) die Rede sein.“

Das heißt auf die Verhältnisse Deutschlands übertragen: Wir können den Revisionismus der D“K“P nur dann siegreich schlagen, wenn wir den Maoismus in Deutschland besiegen, von dem im Laufe der Jahre auch eine Reihe von D“K“P Mitgliedern beeinflusst wurden, was zur Folge hatte, dass sich diese Mitglieder z.B. der maoistischen MLPD anschlossen, und damit das revisionistische Lager nicht nur in Deutschland, sondern auch international - also insgesamt - stärken. Diese Entwicklung hätte von uns verhindert werden können und müssen. Der Revisionismus kann ausschließlich nur vom Boden des Marxismus-Leninismus aus wirkungsvoll bekämpft werden, d.h., wenn wir Marxisten-Leninisten unseren anti-revisionistischen Kampf unversöhnlich gegen ALLE revisionistischen Strömungen richten. Das gilt für den Kampf gegen jede einzelne revisionistische Strömung genauso wie für die revisionistische Strömung insgesamt. Fehler tauchen dabei immer dann auf, wenn man im Kampf gegen die Hauptströmung die Nebenströmungen außer Acht lässt, und dieser Gefahr hat sich die KPD/ML gegenüber dem chinesischen Revisionismus ausgesetzt mit den bekannten Folgen. Wir haben im Kampf gegen den modernen Revisionismus in den ersten Jahren zwischen Enver und Mao geschwankt. Das Foto, dass oben erwähnt wurde, ist dafür ein anschauliches Beispiel. Wenn wir unsere Augen offen halten, so erkennen wir, dass diese Schwäche heute noch sowohl in Deutschland als auch international ausgenutzt wird von Neo-Revisionisten, die eifrig daran basteln, die Widersprüche zwischen Enver und Mao zu verwischen und erneut zu versuchen, den Marxismus-Leninismus mit dem Maoismus zu versöhnen. Wir dürfen also niemals in unserer Wachsamkeit nachlassen, die KPD/ML vom revisionistischen Einfluss sauber zu halten. Das ist eine wichtige Lehre aus der Geschichte der KPD/ML.



Die Ausgabe Nr.38 vom 18. September 1976 war dem Tod Mao Tsetungs gewidmet. Neben dem Beileidstelegramm des ZK der Partei der Arbeit Albaniens wird auch das Beileidstelegramm der KPD/ML abgedruckt, das von Ernst geschrieben wurde. KPD/ML-Trauermärsche mit Fackeln führen durch Frankfurt-Hoechst, Westberlin-Wedding, Stuttgart-Hallschlag, Hamburg-Barmbek, Hannover-Linden, München und Köln-Kalk. Im Dortmunder Parteibüro fand eine Trauerfeier statt. Trauer auch bei der Roten Garde, die ein Beileidstelegramm schickte.

Enver Hoxha schreibt in sein Tagebuch:

„Heute wurde gemeldet, dass Genosse Mao tsetung gestorben ist. Sein Tod, besonders in dieser verworrenen Situation, schmerzt und beunruhigt uns. Er ist ein großer Verlust für China. Meiner Meinung nach war Mao Tsetung ein Revolutionär, eine Persönlichkeit, deren Bedeutung nicht nur auf China beschränkt blieb, sondern sich auch auf internationaler Ebene erstreckte.

Mao Tsetung führte die Kommunistische Partei Chinas und das große chinesische Volk beim großen Sieg der Befreiung Chinas von der Knechtung durch die Besatzer und von der reaktionären Kuomintangclique. Dies war ein Erfolg von großer historischer Bedeutung, sowohl für das chinesische Volk wie für das Lager des Sozialismus und die Völker, die für die Befreiung kämpften und kämpfen. (...) Unserer Meinung nach sind die Dinge nun an einen Punkt angelangt, da sich die Frage stellt: Wer wird in China siegen, der Sozialismus oder der Kapitalismus? Deshalb ruft der Tod des Genossen Mao Tsetung bei uns auch große Besorgnis um die Zukunft des chinesischen Volkes hervor (...) Mögen wir uns irren, doch die Fortführung dieser Linie, die die Chinesen `Mao Tsetungideen` nennen, einer Linie, die nichts mit dem Marxismus-Leninismus gemein hat, wird China nichts Gutes bringen.

(...) Gerade sein philosophischer Eklektizismus ließ Mao sozusagen zum Vermittler zwischen den verschiedenen Strömungen werden, die es in China ständig gab und die er duldete, förderte und zum angeblich dialektischen „Aufeinanderprallen“ brachte. Nun konnte sich seine Vermittlertätigkeit sowohl zum Guten, als auch zum Schlechten auswirken, doch wie auch immer, dies konnte nur funktionieren, solange Mao selbst am Leben war. Nun ist er gestorben.(...)

Wir albanischen Kommunisten werden Mao Tsetungs gute Seiten in achtungsvoller Erinnerung behalten, jene positiven Gedanken und seine lange revolutionäre Tätigkeit. Was jedoch jene politischen, ideologischen und organisatorischen Anschauungen und Standpunkte anbelangt, von denen wir meinen, dass sie falsch und unmarxistisch gewesen sind, so haben wir nicht darauf verzichtet, sie aufzuzeigen und zu kritisieren, und werden auch weiter nicht darauf verzichten. Der Leninismus lehrt uns, stets gerecht und objektiv, nicht aber subjektiv und sentimental zu sein.

Auch wenn wir in vielen Urteilen mit ihm nicht einer Meinung waren, schmerzt uns der Tod des Genossen Mao Tsetung dich, denn er hat unserem sozialistischen Land und der Partei der Arbeit Albaniens stets Freundschaft und Wohlwollen entgegen gebracht. Das dürfen wir als Kommunisten und als Internationalisten nicht ignorieren. (...) Auch unsere Partei half China in diesem Geiste, stand an seiner Seite und verteidigte Mao in guten wie in schwierigen Zeiten, insbesondere gegen die Angriffe der Chruschtschowrevisionisten und während der Großen Kulturrevolution.“

Was Enver Hoxha hiermit ausdrücken wollte, das war auch unsere Meinung, war auch die Haltung von Ernst Aust und der KPD/ML gegenüber Mao Tsetung, wenn wir das auf unseren Trauerfeiern so bewusst noch gar nicht erfasst hatten. Wir druckten eine Rede des Genossen Hysni Kapo ab, die er im Jahre 1973 zum 80. Geburtstag von Mao als Mitglied des Politbüros der PAA gehalten hatte. Diese Rede wurde mit einem Foto einer Zusammenkunft Maos und Envers versehen.

Genosse Ernst sagte in Nordenham zum Tod des Genossen Mao Tsetung:

„Revolutionäre, ob ihre Taten klein oder groß, sterben nicht.“

Die revisionistischen Heuchler schickten aus aller Welt diesmal nicht ihre üblichen Dreckschleudern, sondern plötzlich „Beileidstelegramme“, weil sie sich über die Schwächung ihres gefährlichsten Konkurrenten erleichterten. Der Tod des Genossen Mao Tsetung bedeutete objektiv eine Stärkung des sowjetischen Revisionismus. Aber die KP China verzichtete auf diese Krokodilstränen und schickte sie zurück. Die Revisionistenhäuptlinge gaben sich natürlich beleidigt und schlachteten das für ihre revisionistische Propaganda wiederum postwendend aus. Warum erwähnen wir dies in der Geschichte des Genossen Ernst Aust und unserer Partei? Weil wir sekteriererische Fehler gemacht haben, die die Revisionisten ausnutzten und gegen uns einsetzen konnten. Wir müssen uns nämlich selbstkritisch fragen, ob nicht die falschen Positionen von Mao Tsetung dazu beigetragen haben, es den Revisionisten zu erleichtern, wirkliche Kommunisten unter deren Einfluss zu behalten, das heißt also konkret, ehrliche Marxisten-Leninisten z.B. aus den Reihen der D“K“P davon abzuhalten, zur KPD/ML zu kommen. Das waren eine Vielzahl von Genossen, die zur revisionistischen „D“K“P - Führung genauso Widersprüche hatten, wie zum chinesischen Revisionismus. Die waren für Stalin, aber nicht für Mao. Genossen, wie sich hinterher herausstellte, haben wir solche D“K“P Genossen ihrem Schicksal überlassen, haben wir sie nicht aus den Fängen der sowjetischen und ostdeutschen Revisionisten befreit. Von diesen vereinzelten ehrlichen D“K“P Genossen wird die KPD/ML heute unterstützt. Das sind im Ergebnis die reifen Früchte unserer damaligen Selbstkritik. Welche Lehren muss die Partei aus diesem Kapitel ihrer Geschichte ziehen?

Wir müssen den Revisionismus noch konsequenter bekämpfen. Dies ist nicht nur quantitativ, sondern vor allem qualitativ zu verstehen. Unter Anwendung des dialektischen Materialismus kommen wir zu der Erkenntnis, dass unsere eigenen Fehler im Kampf gegen den Revisionismus eiskalt von den Revisionisten gegen uns selbst eingesetzt wurden und werden. Wir Marxisten-Leninisten fördern objektiv die Häutung des Revisionismus, wenn wir uns im Kampf gegen den einen Revisionismus unter die Schirmherrschaft eines anderen begeben, d.h. in diesem Falle, dass man den sowjetischen Revisionismus nicht mit dem chinesischen Revisionismus wirkungsvoll bekämpfen kann, sondern im Gegenteil, damit das Überleben des Revisionismus INSGESAMT künstlich verlängert. Wenn also das D“K“P Präsidium zum Tod des Genossen Mao Tsetung demagogisch erklärt, dass „das chinesische Volk den Maoismus überwinden wird und China zu einer wirklich auf dem Boden, Engels und Lenin ( Stalin hat die D“K“P natürlich unter den Tisch fallen lassen!) gegründeten Politik zurückfindet“, dann deckt sich das dem Wesen nach mit der Haltung Enver Hoxhas, wenn dieser auf dem 8. Parteitag der PAA sagte:

„Ohne die Mao Tsetungideen anzuprangern und zu verwerfen, ohne ihren GANZEN Einfluss in der revolutionären Bewegung zu bekämpfen und auszumerzen, kann weder vom Kampf gegen den chinesischen Revisionismus noch vom Kampf gegen den modernen Revisionismus INSGESAMT (Hervorhebungen vom Verfasser) die Rede sein.“

Das heißt auf die Verhältnisse Deutschlands übertragen: Wir können den Revisionismus der D“K“P nur dann siegreich schlagen, wenn wir den Maoismus in Deutschland besiegen, von dem im Laufe der Jahre auch eine Reihe von D“K“P Mitgliedern beeinflusst wurden, was zur Folge hatte, dass sich diese Mitglieder z.B. der maoistischen MLPD anschlossen, und damit das revisionistische Lager nicht nur in Deutschland, sondern auch international - also insgesamt - stärken. Diese Entwicklung hätte von uns verhindert werden können und müssen. Der Revisionismus kann ausschließlich nur vom Boden des Marxismus-Leninismus aus wirkungsvoll bekämpft werden, d.h., wenn wir Marxisten-Leninisten unseren anti-revisionistischen Kampf unversöhnlich gegen ALLE revisionistischen Strömungen richten. Das gilt für den Kampf gegen jede einzelne revisionistische Strömung genauso wie für die revisionistische Strömung insgesamt. Fehler tauchen dabei immer dann auf, wenn man im Kampf gegen die Hauptströmung die Nebenströmungen außer Acht lässt, und dieser Gefahr hat sich die KPD/ML gegenüber dem chinesischen Revisionismus ausgesetzt mit den bekannten Folgen. Wir haben im Kampf gegen den modernen Revisionismus in den ersten Jahren zwischen Enver und Mao geschwankt. Das Foto, dass oben erwähnt wurde, ist dafür ein anschauliches Beispiel. Wenn wir unsere Augen offen halten, so erkennen wir, dass diese Schwäche heute noch sowohl in Deutschland als auch international ausgenutzt wird von Neo-Revisionisten, die eifrig daran basteln, die Widersprüche zwischen Enver und Mao zu verwischen und erneut zu versuchen, den Marxismus-Leninismus mit dem Maoismus zu versöhnen. Wir dürfen also niemals in unserer Wachsamkeit nachlassen, die KPD/ML vom revisionistischen Einfluss sauber zu halten. Das ist eine wichtige Lehre aus der Geschichte der KPD/ML.



Wird fortgesetzt......