„Hoch die Faust

- für Ernst Aust !“




DRITTER TEIL



Am 19. 9. 1974 steht Ernst wieder vor Gericht. Diesmal wird er konfrontiert mit der Renger - immerhin die Präsidentin des Bundestages, die persönlich Anzeige erstattet wegen des ROTER MORGEN - Artikels: „Bonner Parlamentarier - korrupt bis auf die Knochen“. Heute würde sich das kein einziger Parlamentarier mehr trauen, denn dass man heute die Korruption nicht mehr verstecken kann hinter einer weißen Weste, das hat sich in der Republik inzwischen herumgesprochen. Damals war es die KPD/ML, die diesen Kampf gegen die Korruption der Parlementarier anführte und zwar mit der Perspektive, mit der Korruption gleich den Parlamentarismus durch die gewaltsame sozialistische Revolution abzuschaffen und durch die Rätedemokratie zu ersetzen. Diese historische Bedeutung wird allzu oft vergessen. Dass wir heute - also für eine begrenzte Zeit - nicht wegen jedes kommunistischen Wortes in der Öffentlichkeit verhaftet werden, das haben wir nicht zuletzt dem mutigen Kampf des Genossen Ernst Aust zu vedanken. Der Genosse Ernst Aust ist der Vorkämpfer gegen die Pressezensur der Bourgeoisie in der BRD. Verteidigen wir sein Erbe, indem wir niemals verschmähen, unsere kommunistischen Ansichten offen zu vertreten, solange uns das möglich ist.

Die Schwatzbude zu entlarven, das schadete natürlich auch den Revisionisten, die das Volk über das Parlament auf friedlichem Wege zum Sozialismus locken und damit an das kapitalistische System fesseln wollten. Es waren also die Revisionisten, die am lautesten Zeter und Mordio schrien. 7 Nummern des ROTEN MORGEN waren bereits beschlagnahmt und die KPD/ML entschloss sich eine breite Kampagne zu machen zur Stärkung der kommunistischen Agitation und Propaganda, insbesondere zur Verbreitung des ROTEN MORGEN. Es erschien ein Extrablatt im September 1974 mit dem Titel: „Sie fürchten den Marxismus-Leninismus“. Daran wird auch ein „Interview mit dem Vorsitzenden der KPD/ML, Genossen Ernst Aust“ abgedruckt:

RM: Genosse Ernst, das Münchener Amtgericht hat den ROTEN MORGEN Nr. 35 beschlagnahmt (...) wegen deiner Rede zum 30. Todestag von Ernst Thälmann.

Genosse Ernst: “Dieser Angriff auf die programmatische Grundsatzerklärung unserer Partei richtet sich gegen die Propagierung der Prinzipien des Marxismus-Leninismus. Welche Taktik die Bourgeoisie und ihre Justizcamarilla dabei verfolgt, erkennt man, wenn man weiß, das allein das Zitieren der Beschlagnahmebegründung im ROTEN MORGEN bei diesem Interview schon wieder einen Grund für die nächste Beschlagnahme darstellt. Was sie will, ist, mittels des Justiz- und Beschlagnahmeterrors (...) die legale kommunistische Agitation und Propaganda unmöglich zu machen.

Wie in faschistischen Staaten übt sie eine Pressezensur aus, nur mit dem Unterschied, dass in diesen Staaten die Zensur vorher, während sie bei uns im Nachhinein durch die Verurteilung der Presseverantwortlichen erfolgt.

Was die Frage des Faschismus betrifft, so dürfen wir nicht warten, bis er zu einer offenen, terroristischen Form gelangt, sondern wir müssen alle Kräfte aufbieten, und uns mit allen, die dazu bereit sind, verbünden, um die Errichtung einer faschistischen Diktatur DURCH die Revolution, die Diktatur des Proletariats zu verhindern.“

Am 21. und 22. 11. 1974 der nächste Prozess wegen des „Schwatzbuden“- Vorwurfes, und dass das Parlament nichts anderes verdiene, als von den revolutionären Massen auseinandergejagt zu werden. Ernst weist mit Leninzitaten nach, dass das Parlament ein Herrschaftsinstrument der Ausbeuter ist und dass der Staat nicht über den Klassen steht, sondern zur Unterdrückung und Aufrechterhaltung der Herrschaft der Bourgeoisie dient, und dass es erst Demokratie für das Volk geben kann, wenn die Arbeiterklasse in der sozialistischen Revolution alle Machtinstrumente der Herrschaft der Bourgeoisie gewaltsam zerstört hat. Im Juli des darauffolgenden Jahres wird Genosse Ernst Aust zu einer Geldstrafe von 7 000 DM verurteilt. In seiner Rede: „Nieder mit der Diktatur der Bourgeoisie“ im ROTEN MORGEN Nr. 47/74 entwickelt der Genosse Ernst die klare marxistisch-leninistische Linie der KPD/ML zur Frage des Parlamentarismus. Die Rede endet mit der Feststellung:

„Was die Errichtung ihrer faschistischen Herrschaft betrifft, steht die Frage so: Entweder wird die Revolution die Errichtung des Faschismus verhindern, oder der Faschismus und Krieg werden die Revolution auslösen.“

Im Herbst 1974 macht die KPD/ML eine Bauernkampgane und verbreitet ein Extrablatt des ROTEN MORGEN, das aus der Feder des Genossen Ernst Aust stammen dürfte: „Bauer- dein Feind ist der Kapitalismus! - Arbeiter und Bauern - eine Kampffront!“ Es war dem Genossen Ernst Aust zu verdanken, dass die KPD/ML diese gemeinsame Front als unbedingte Voraussetzung für den Sieg der sozialistischen Revolution aufbaute. Daraus zog die KPD/ML Konsequenzen aus den Fehlern der Novemberrevolution 1918/19 und beschritt den revolutionären Weg des Genossen Ernst Thälmann. Der Prolet kann keine Diktatur des Proletariats aufbauen, in der ihn der Bauer verhungern lässt. Wer für die sozialistische Revolution kämpft, muss auch was zu futtern haben. Arbeiter und Bauern sind Brüder, weil sie ihr gleiches Schicksal teilen, von der Bourgeoisie ausgebeutet und unterdrückt zu werden. Die KPD/ML nutzte die Bauerndemonstration in Schleswig - Holstein, wo am 18. 7. 1974 6000 Bauern mit 1500 Treckern, Schleppern, Landmaschinen und Hängern den Verkehr bockierten, und ebenso die Demonstration der Nussdorfer und Frankweiler Weinbauern im Süden am 4. 7. 1974 gegen die Lieferung von 320 000 Litern italienischer Wein. Auf dem Tanklastzug, den sie mit Treckern umstellten, hissten die Bauern eine Bundschuhfahne, das Feldzeichen der revolutionären Bauernbünde, die sich im Großen Deutschen Bauernkrieg von 1525 gegen ihre Lehnsherren erhoben. Das Extrablatt widmete sich den Themen „Lewwer duad üs Slaav!“, „Sie wollen euch die Höfe wegnehmen!“, „Nur der Sozialismus befreit euch von kapitalistischer Sklaverei!“, Einigkeit macht stark!“, „Freier Bauer in einem freien Deutschland!“, „Nur gemeinsam werden wir siegen!“, „Nur im revolutionären Kampf werden wir siegen!“ Ernst schließt mit den Worten:

„Werktätige Bauern der Bundesrepulik! Die KPD/ML entbietet euch in eurem gerechten Kampf die heißesten und brüderlichsten Kampfesgrüße! Wir stehen voll auf eurer Seite! Der Marxismus-Leninismus lehrt uns,dass die Arbeiterklasse nicht nur für ihre eigene Befreiung, sondern für die Abschaffung jeder Ausbeutung und Ausplünderung des Volkes - vor allem der werktätigen Bauernschaft - kämpft. Natürlich werden wir uns schon heute und jetzt für jede eurer berechtigten Forderungen einsetzen. Endgültig aber kann der Kampf nur gewonnen werden, wenn wir gemeinsam der konterrevolutionären Gewalt der Arbeiterklasse und der werktätigen Bauernschaft entgegensetzen. Wenn wir in der sozialistischen Revolution den ganzen bürgerlichen Staatsapparat zerschlagen und an seiner Stelle die Herrschaft der Arbeiterklasse im Bündnis mit den werktätigen Bauern errichten. Kämpft mit uns für ein vereintes, unabhängiges, sozialistisches Deutschland!“


Im Oktober geben die KPD/ML und die MLPN, die Marxistisch-Leninistische Partei der Niederlande, eine „Gemeinsame Erklärung“ heraus, die vom ZK i.a. Ernst Aust und vom ZK i. C.de Hoog unterzeichnet ist.

Abschließend heißt es darin: „Beide Parteien erklären, dass sie unablässig die Zerstörung der kapitalistischen Gesellschaftsform anstreben werden und sich dabei gegenseitig unterstützen werden. Diese Unterstützung soll ein Schritt auf dem Weg zum weiteren Wachsen der internationalen Verbundenheit aller Marxisten-Leninisten und ihrer Parteien in der ganzen Welt bilden.“

„Zum 30. Jahrestag der Befreiung und des Triumphs der Volksrevolution in Albanien“sendet Ernst eine Grußadresse des ZK der KPD/ML an den Genossen Enver Hoxha:

„Während die gesamte kapitalistische und revisionistische Welt von heftigen wirtschaftlichen und politischen Krisen geschüttelt wird, blickt das albanische Volk am 30. Jahrestag seiner Befreiung voller Stolz auf die großartigen Erfolge, die es unter der Führung seiner ruhmreichen marxistisch-leninistischen Partei der Arbeit mit Genossen Enver Hoxha an der Spitze beim Aufbau des Sozialismus, bei der Verteidigung der sozialistischen Errungenschaften und der Freiheit und Unabhängigkeit des Vaterlandes errungen hat. (...) Die Partei der Arbeit hat konsequent den Marxismus-Leninismus verteidigt und ist in der Bekämpfung des modernen Revisionismus und aller anderen anti-marxistischen Strömungen immer an vorderster Front gestanden.

(...) Auch unter den Bedingungen der Diktatur des Proletariats halten sich die albanischen Werktätigen an die große Lehre des Marxismus-Leninismus, an die Weisung der Partei und des Genossen Enver Hoxha, dass die Fortführung und weitere Entfaltung des Klassenkampfes an allen Fronten das wichtigste Mittel ist, um die Diktatur des Proletariats gegen alle inneren und äußeren Feinde zu verteidigen und zu festigen.

Im Kampf für die Befreiung des Vaterlandes und für den Aufbau des Sozialismus folgt das albanische Volk unter der Führung seiner Partei der Arbeit stets dem Prinzip, auf die eigene Kraft zu vertrauen und setzte Politik und Ideologie stets an die erste Stelle.

(...) Die Volksrepublik Albanien ist ein unbeugsamer Sprecher der Völker der Welt im Kampf gegen den Imperialismus, besonders gegen die beiden Supermächte, den US-Imperialismus und den sowjetischen Sozialimperialismus. (...) `Wir suchen die Freundschaft der Völker und nicht die ihrer Unterdrücker.

(...) Die Volksrepublik Albaniens war es, die als einziger Staat Europas ihre Stimme gegen die sogenannte KSZE erhob, die nichts anderes ist als eine Konferenz, auf der die beiden Supermächte versuchen, ihre Herrschaft über Europa zu festigen und auszubauen.

Der deutsche Imperialismus hat schwere Verbrechen gegen das albanische Volk begangen und er schuldet der Volksrepublik Albanien immer noch Reparationen in Milliardenhöhe. Die VR Albanien dagegen betreibt gegenüber dem deutschen Volk eine zutiefst gerechte Politik. Sie unterstützt die gerechten nationalen Interessen unseres Volkes gegen die beiden Supermächte, die unser Land besetzt halten, und sie entlarvt schonungslos den aggressiven Charakter der westdeutschen Imperialisten, die die Werktätigen unseres Landes ausbeuten und unterdrücken.

Die Volksrepublik Albanien leistet eine große internationalistische Hilfe für den Fortschritt der sozialistischen Revolution in unserem Land. Täglich hören viele Tausende in beiden deutschen Staaten und Westberlin das deutschsprachige Programm von Radio Tirana und schöpfen daraus Klarheit und Mut für den Kampf. Das Gleiche gilt für die deutschsprachigen Zeitschriften und Bücher, durch die das albanische Volk den Kampf des deutschen Volkes für seine soziale und nationale Befreiung unterstützt. Für diese großartige Unterstützung sagen wir der Partei der Arbeit und dem albanischen Volk an diesem großen Festtag Dank. (...)

Es lebe die ruhmreiche Partei der Arbeit Albaniens mit dem Genossen Enver Hoxha an der Spitze!

Es lebe die Volksrepublik Albanien, das Leuchtfeuer des Sozialismus in Europa!

Es lebe das heroische albanische Volk!

Es lebe der Marxismus-Leninismus und der proletarische Internationalismus!

Es lebe die deutsch-albanische Freundschaft! Mit kommunistischen Grüßen ZK der KPD/ML, Vorsitzender Ernst Aust.“

Auf Einladung der albanischen Genossen nahm die Delegation der KPD/ML unter der Führung des Genossen Ernst Aust an den Feierlichkeiten zum 30. Jahrestages teil. Wie Genosse Ernst Aust auch in einem Interview im deutschsprachigen Programm Radio Tiranas unterstrich, war dieser Besuch ein Ausdruck der engen und sich vertiefenden Verbundenheit des deutschen und des albanischen Volkes, der Partei der Arbeit Albaniens und der KPD/ML. Auf einer Veranstaltung in Dortmund berichtete Genosse Ernst Aust vor 600 - 700 Freunden und Genossen über die Eindrücke unserer Parteidelegation bei ihrem 10tägigen Aufenthalt in der Volksrepublik Albanien. Genosse Ernst Aust überbrachte der deutschen Arbeiterklasse und der Partei die brüderlichen Kampfesgrüße des Genossen Enver Hoxha, des 1. Sekretärs des Zentralkomitees der Partei der Arbeit Albaniens. In seiner Dortmunder Rede schildert der Genosse Ernst lebendig seine Erlebnisse mit Genossen Enver Hoxha, mit dem er sprach:

„(...) was auch wir tief empfunden haben: die große Liebe des albanischen Volkes zum Genossen Enver. Wo Enver auch hinkommt, in die Fabriken oder zu den Bauern hoch droben in den Bergen, überall schlägt ihm die Liebe seines Volkes entgegen. Er ist der Führer der Arbeiterklasse und des ganzen Volkes. Und Enver ist der größte Marxist-Leninist hier in Europa. Enver hat unbeugsamen Mut bewiesen, er hat den Marxismus-Leninismus nicht nur propagiert, er hat nicht nur gesagt, was gemacht werden muss, er ist selbst vorangegangen, hat selbst die Waffe in die Hand genommen. Gegen jeden Widerstand hat er an den Prinzipien des Marxismus-Leninismus festgehalten, sie konkret auf die Bedingungen Albaniens angewandt, er hat die Erfahrungen des Kampfes in Albanien zusammengefasst und verallgemeinert, und das ist heute für den Kampf in der Welt von großer Bedeutung. Er ist aufgestanden und hat dem Chruschtschow die Maske vom Gesicht gerissen, ihm und natürlich dem Genossen Mao Tsetung ( der Bruch mit Mao war zu dieser Zeit noch nicht vollzogen - Verf.) gebührt ein großes Verdienst an der Tatsache, dass heute auf der ganzen Welt marxistisch-leninistische Parteien existieren, die der moderne Revisionismus nicht zerschlagen konnte.“ Enver Hoxha sagte zu Ernst Aust, dass „das deutsche Volk ein fleißiges und diszipliniertes Volk“ sei, und Ernst berichtete: „Er wies auf die großen Verdienste unseres Volks hin, auf die große Tradition unserer Arbeiterklasse, auf Marx, Engels, Bebel, Liebknecht, Luxemburg und Ernst Thälmann. Er bat uns, der deutschen Arbeiterklasse, den Sympathisanten und Genossen unserer Partei, Euch allen, seine brüderlichen Kampfesgrüße auszurichten.

Freunde und Genossen, dieses Vertrauen, dass die PAA in uns setzt, ist für uns eine hohe Verpflichtung, heißt für uns, unsere Anstrengungen im Kampf zu steigern, zu verdoppeln.

Tief beeindruckt hat uns die stählerne Verbundenheit der Partei der Arbeit unter der Führung des Genossen Enver mit dem albanischen Volk, wie sie sich in der Demonstration am 29. ausdrückte. Dieses Bild der Begeisterung und des Kampfeswillens. Dort marschierten sie, die Veteranen, die als Partisanen mitgekämpft haben, heute 60 - 70 Jahre alt und älter, die Kampfgruppen der Betriebe, der Jugend und die Volksarmee. Und jeder spürte, die dort marschieren, werden es niemals zulassen, dass ihre Heimat wieder das Opfer einer faschistischen oder sozialfaschistischen Aggression wird. Und dann kamen die Volksmassen und der Jubel für die Partei und für Enver klang auf...

(...) Aber das Entscheidende und Wichtigste für uns sind nicht die wirtschaftlichen Erfolge des albanischen Volkes beim Aufbau des Sozialismus, sondern die Tatsache, dass in Albanien die Arbeiterklasse an der Macht ist, dass hier die Diktatur des Proletariats im Bündnis mit den anderen werktätigen Schichten des Volkes verwirklicht ist. Das macht Albanien zum Vorbild für die Völker der Welt.

„In Albanien Kommunist sein, das heißt, die schwerste Arbeit zu machen, heißt bei der Lösung aller gesellschaftlichen Aufgaben voranzugehen, heißt sich Tag für Tag bewähren. Dort ist es eine schwere Aufgabe, aber auch eine große Ehre, in der kommunistischen Partei zu sein. (...)

Wenn beispielsweise ein Arbeiter in die Partei aufgenommen werden soll, dann berät vorher das Kollektiv darüber. Dann fragt die Partei die anderen Kollegen im Betrieb nach ihrer Meinung, ob der Kollege reif ist, Mitglied der Partei zu werden. Und dann werden die guten Eigenschaften, aber auch die Schwächen der Genossen diskutiert. (...) In den revisionistischen Ländern sind es ja die Intellektuellen, die die sogenannte `Parteibuchkarriere` machen. Wenn in Albanien ein Intellektueller in die Partei möchte, dann ist das für die keine leichte Sache. Für den heißt es erst einmal, drei Jahre in den Betrieb zu gehen. Der steht dann aber auch wirklich drei Jahre an der Drehbank für den normalen Arbeitslohn, und dann entscheiden die Kollegen, ob das wirklich ein guter Genosse ist und in die Partei gehört, (...) Auch hier zeigt sich also, hier bestimmt die Arbeiterklasse, hier hat sie die Macht.

Ich möchte noch einmal darauf zurückkommen, wie die Parade am 29. die militärische Abwehrbereitschaft des albanischen Volkes gezeigt hat. Hier steht ein ganzes Volk unter Waffen. Wo ihr auch hinkommt, in die Fabriken, in die Schulen, in die LPG`s - überall haben die Massen Waffen. Wer es auch immer wagen sollte, Albanien anzugreifen, seien es die Imperialisten oder die Sozialimperialisten, innerhalb einer Stunde würde das ganze albanische Volk ihm mit Waffen gegenüberstehen... Das müssen wir auch allen Kollegen sagen, das leuchtet ihnen ein: Eine Regierung, die dem ganzen Volk Waffen und Munition gibt, muss ungeheures Vertrauen in dieses Volk haben und umgekehrt muss das Volk großes Vertrauen in seine Regierung haben. Überlegt euch doch einmal, wir hätten bei Opel oder bei Hoesch die Gewehre im Spind - das würde die Probleme doch sehr vereinfachen, Kollegen...“

Zum Schluß ging Ernst auf drei Dinge ein, die wir am meisten von den Albanern lernen müssen:

„Erstens: Das unbedingte Festhalten an den Prinzipien des Marxismus-Leninismus.

Zweitens: Wir müssen uns auf die eigenen Kräfte stützen.

Drittens: Wir müssen an der Linie des bewaffneten Kampfes festhalten.“

Und warum das Ganze? Das formuliert Ernst so:

„Die Partei ist verpflichtet, die Massen politisch, organisatorisch und militärisch auf die Revolution vorzubereiten, ohne die die Arbeiterklasse sich nicht befreien kann. (...) Wir müssen den Kollegen klar sagen: Streik schön und gut, wir lassen uns nicht die Butter vom Brot nehmen, und mit jedem Streik wächst die Kampferfahrung der Arbeiterklasse. Aber für uns ist wichtig, dass jeder Streik, jede Demonstration, alles was wir machen und unterstützen, nur dann einen wirklichen Fortschritt für die Arbeiterklasse auf dem Weg zur Entscheidungsschlacht ist, zu der wir eines Tages antreten werden, der Entscheidungsschlacht in der sozialistischen Revolution, für ein vereintes, unabhängiges, sozialistisches Deutschland!“







1975



Dieses Jahr bringt den Sieg des Befreiungskampfes der Völker Indochinas. Ernst hat schon in den ersten Roten MORGEN (1967-69) immer wieder diesen Befreiungskampf unterstützt, so in den Artikeln von 1968: „Ho Tschi Min wies Lenin-Orden zurück!“, „Waffen für den Vietkong!“,“Großoffensive in Südvietnam“, Solidarltät mit dem Volk Vietnams!“, „Zwei, drei, viele Vietnams“ (Thailand), „Kampfaktionen für Vietnam in Europa“, „Thailand- zur Lage im Land“, „Fahne der südvietnamesischen Befreiungsfront unerwünscht“, „Ständig neue Siege der Befreiungsfront- US-Truppen auf dem Rückzug in Vietnam“, „Auch eine sowjetische `Hilfe` für Vietnam“, und in den Artikeln 1969: „ Trauer um Genossen Thakin Tahn Tun, Vorsitzender des ZK der KP Burmas“, „Zum Ableben des Präsidenten Ho Chi Minh“, „Zerschlagt die imperialistischen Blitzkriegpläne!“.

Am 1. Februar gibt der ROTE MORGEN ein Extrablatt heraus, indem er zur „Solidarität mit dem Kampf des vietnamesischen Volkes“ aufruft. „Niemals“, schreibt der Genosse Ernst Aust, „haben die USA-Imperialisten daran gedacht, , sich aus Südvietnam zurückzuziehen und ihre Aggressionen gegen das vietnamesische Volk zu beenden... Die Imperialisten werden niemals `friedlich` und `vernünftig` . Sie sind Räuber und werden ihre Natur, solange sie existieren, niemals ändern.“ „Die sowjetischen Sozialimperialisten sind geschworene Feinde des Befreiungskampfes der Völker Vientnams, Kambodschas, und ganz Südostasien. (...) Solange die Völker der Welt den Imperialismus und vor allem die beiden Supermächte nicht endgültig vertrieben haben, gibt es keinen Frieden auf der Welt. Werden sie Aggressionen gegen die Völker verüben, werden sie sich unvermeidlich gegenseitig an die Gurgel gehen, in der Hoffnung, die Welt neu aufzuteilen und die Weltherrschaft zu erringen.

(...) Es war das vietnamesische Volk, das im revolutionären Volkskrieg den Mythos von der Unbesiegbarkeit des amerikanischen Imperialismus zerstörte und vor der ganzen Welt bewies, dass eine schwache Nation eine starke, dass eine kleine Nation eine große, eine imperialistische Supermacht beiegen kann. Das vietnamesische Volk siegte, weil es den Mut hatte, die Waffen gegen einen scheinbar übermächtigen Feind zu erheben, weil es entschlossen war. Im Kampf gegen diesen Feind bis zum Sieg auszuharren und keine Opfer zu scheuen, weil es für eine gerechte Sache kämpft, die in der ganzen Welt breite Unterstützung findet.“

Am 19.4. lautet die Schlagzeile in einem weiteren Extrablatt des ROTEN MORGEN: „Sieg im Volkskrieg! Phnom Penh befreit!“Im Mai erscheint das Extrablatt des ROTEN MORGEN: „Es lebe der Sieg des vietnamesischen Volkes!“Am Vorabend des 1. Mai haben die Kämpfer der südvietnamesischen Befreiungsbewegung in Saigon - dem letzten Schlupfwinkel des USA-Imperialismus - die rote Fahne gehisst. Die Amis wurden mit Schimpf und Schande aus dem Land gejagt. Ernst stellt die Verbindung zum Kampf gegen den USA-Imperialismus in Deutschland her mit der Losung: „Ami go home! Fremde Besatzungstruppen - raus aus ganz Deutschland!“

Am 10. 5. heisst die Überschrift: „Die Völker der Welt feiern die Befreiung Vietnams!“

Strauss wurde von Mao Tsetung empfangen und Ernst hielt seine „Kieler Rede“. Hierin spiegeln sich in manchen Fragen Einflüsse des chinesischen Revisionismus wider bzw. ließen Missdeutungen zu. Eindeutig wird hier über die äußerste Grenze des „diplomatisch Vertretbaren“ der Freundschaft zu China hinausgegangen und löste eine heilsame Diskussion in der Partei aus, die die Partei stärkte. Die chinesischen Revisionisten versuchen, die Marxisten-Leninisten in der ganzen Welt zu jener Zeit zu zwingen, sich dem revisionistischen Diktat Chinas immer weiter zu unterwerfen. Die Partei bemerkt, dass die freundschaftliche Haltung gegenüber dem US-Imperialismus und solchen reaktionären Vertretern des westdeutschen Imperialismus - wie Strauss - seitens der chinesischen Revisionisten nicht mehr mit der KPD/ML-Linie übereinstimmt, aber zögert, Konsquenzen daraus zu ziehen bedingt durch den starken Einfluss, den die chinesischen Revisionisten schon vor der KPD/ML Gründung auf die Marxisten-Leninisten in Deutschland hatten. Es wird von Gernot Schubert in der ideologischen Auseinandersetzung mit der GRF die 3 Weltentheorie in die Partei geschmuggelt, es wird die sozialimperialistische sowjetische Supermacht als Hauptfeind Nr. 1 propagiert, revisionistische Fehler in der „Generallinie“ der Chinesen werden noch nicht erkannt usw. usf. Alles dies hatte die Partei 1975 und auch vorher nicht durchschaut als heuchlerische Taktik der Chinesen. Die KP Chinas strebte von Anfang an danach, eine eigene sozialimperialistische Supermacht zu werden, die Vormachtstellung der Chruschtschow-Revisionisten durch ihre eigene zu ersetzen und aus dem Widerspruch zwischen den beiden Supermächten Profit für sich zu schlagen und die marxistisch-leninistische Weltbewegung vor ihren Karren zu spannen und zu spalten. Da kam den Chinesen ein Zarenreich als Weltfeind Nr. 1 gerade recht. Mit einer Selbstkritik des ZK der KPD/ML hat Genosse Ernst Aust gemeinsam mit uns Genossen damit begonnen, die Partei vom revisionistischen Einfluss zu befreien. Da hatte es auch im Gebälk mächtig geknirscht, was die Reihen der Partei etwas lichtete, insbesondere was die kleinbürgerlichen Intellektuellen betraf. Das war ein wichtiger Schritt, wenn auch noch viele weitere Schritte folgen mussten, um sich vollkommen vom Neo-Revisionismus ( den modernen Revisionismus in Worten kritisieren - nur zu dem einzigen Zweck, den eigenen Revisionismus besser zu tarnen) Mao Tsetungs zu befreien. Der endgültige Bruch wurde dann auf dem IV. Parteitag der KPD/ML vollzogen. Wohlgemerkt war die Linie der Partei nie eine maoistische Linie, sondern eine marxistisch-leninistische Linie, wobei zu untersuchen ist, wie weit der Einfluss der Chinesen es uns erschwert hat, die marxistisch-leninistische Linie zu festigen und in die Praxis umzusetzen. Diese Auseinandersetzung mit den Mao Tsetung Ideen und der revisionistischen Linie der KP Chinas war objektiv vorhanden, ob wir das nun damals subjektiv begriffen hatten oder nicht. Das war historischer Bestandteil der Entwicklung unserer ersten 10 Parteijahre und darf nicht einfach unter den Tisch gekehrt, aber auch nicht überbewertet werden. Das lag daran, dass wir ja auch Marx, Engels, Lenin und Stalin zu folgen versuchten und Mao nicht blind hinterherliefen. Wann hat die KPD/ML jemals Maos revisionistische Haltung zu Stalin als Linie der Partei betrachtet? Wenn dies versucht wurde ( Hugo Lanz in Müchen zB.), dann hat Ernst mit uns das zu verhindern gewusst, indem wir die Bo Gustavson-Broschüre auf den Müll geworfen haben. So sahen das aber nicht die meisten kleinbürgerlichen Intellektuellen zur damaligen Studentenzeit: Sie mochten Stalin nicht so gern, wollten aber „nicht als Anti-Stalinisten“ da stehen - also: lieber 1000 Blumen als eine Waffe aus Stahl. Da kam ihnen der „30:70 Stalin“ von Mao gerade recht. Bei Enver war man schon vorsichtiger, der „ging zwar mit Mao mit“, aber war ein „eingefleischter Stalinist“, der sich „nicht von Mao einwickeln“ ließ. Bei Mao war man als Student besser aufgehoben, denn er wollte, dass die Studenten voranschreiten. Stalin hätte ihnen nicht so einen Teppich ausgerollt, also da passte Mao schon eher zur Studentenbewegung.

Der Kampf gegen den chinesischen Revisionismus Mao Tsetungs hat die Partei gestärkt, hat sie vorwärts gebracht, hat sie mehr und mehr auf die korrekte Linie der Albaner geführt und umgekehrt haben die Albaner unserer Partei ungemein geholfen, uns vom Einfluss Maos zu befreien. Die Freundschaft zwischen Ernst und Enver beruhte auf ihrer Treue zu den Prinzipien des Marxismus-Leninismus und war deswegen der Garant für die marxistisch-leninistische Entwicklung unserer Partei. Es gab einen Satz von Enver Hoxha, auf den sich der Genosse Ernst Aust sein ganzes Leben lang immer wieder stützte und der die Geschichte der ruhmreichen KPD/ML wie einen roten Faden durchzog :

„Der Kampf Auge um Auge, Zahn um Zahn, die Isolierung und schonungslose Enthüllung der revisionistischen Cliquen sind der einzige Weg, um die modernen Revisionisten zu zerschlagen und zu erledigen und den Sieg des Marxismus-Leninismus zu sichern. Dieser Weg ist auch der einzige Weg, um neue marxistisch-leninistische Parteien zu gründen und zu festigen, welche der wahren Ideologie der Arbeiterklasse und dem proletarischen Internationalismus ergeben sind; er ist auch der einzige Weg, welcher zum Sieg der Revolution über die Konterrevolution führt“ („Am Vorabend der revisionistischen Posse in Moskau, Artikel aus „Zeri i Popullit“, 28. Mai 1969, Tirana).

Das gilt heute genauso für den Kampf gegen den Neo-Revisionismus! Vor ihm werden wir niemals kapitulieren! Deswegen:

Es lebe die Freundschaft zwischen Enver und Ernst! Hoch die Faust für Ernst Aust! Es lebe die KPD/ML des Genossen Ernst Aust! Von dieser Freundschaft lernen, heißt siegen lernen! Das war immer unser Weg, ist es bis heute geblieben, und wird es auch in Zukunft bleiben. Da braucht man nicht lange drüber zu diskutieren, Genossen. Das ist das Wesen der Sache, darauf bauen wir auf, und daran scheiden wir die Geister. Wer mit uns an der Seite von Ernst und Enver kämpfen will, der gehört zu uns, der ist in unserer Partei willkommen. Wer versucht, uns von der Seite des Genossen Ernst und Enver wegzudrängeln oder zwischen Ernst und Enver einen Keil reinzutreiben versucht, wird - wie gehabt - unsere Faust zu spüren bekommen - auch unsere ideologische Faust.

Das war auch bei den anderen Bruderparteien so, und so kann man sagen, dass unter der Führung des Genossen Enver Hoxha, die ganze marxistisch-leninistische Weltbewegung im Kampf gegen den chinesischen Revisionismus einen großen Sieg errungen hatte, wodurch sie sich stärkte und auf festen Beinen vorwärtsschritt. Unbestritten machte die Partei Fehler, aber sie zeigte sich als marxistisch-leninistische Partei fähig, diese Fehler, wenn auch nicht in einem Schritt so doch allmählich, zu korrigieren und zu überwinden. Das ist nicht zuletzt dem Genossen Ernst Aust zu verdanken, dass er den Mut aufbrachte, Selbstkritik zu leisten. Zweifellos schöpften wir aus der Polemik Chinas gegen den sowjetischen modernen Revisionismus Mut und Vertrauen im Kampf gegen den modernen Revisionismus. Wir setzten uns aber gleichzeitig der Gefahr aus, falsche, revisionistische Positionen der KP Chinas zu übernehmen, weil wir im Kampf gegen den Revisionismus noch zu unerfahren waren und die wahren Gründe und Motive nicht durchschauten, mit der die Chinesen ihre Polemik verfolgten. Im Grunde hatte die Partei von Anfang an mit dem revisionistischen Maokopf im Klassikeremblem diesen revisionistischen Keim in sich getragen, weil wir den chinesischen Revisionismus unbewusst als Marxismus-Leninismus verteidigten, ohne von den fatalen Folgen, die das haben musste, eine Ahnung zu haben. Wir waren aufrechte Marxisten-Leninisten, aber noch nicht reif, den revisionistischen Einfluss der Chinesen zu durchschauen. Ein Großteil der Anfangsschwierigkeiten hatte hierin seine Ursachen: die Fraktionskämpfe, die Schwankungen die Spaltungen, der erbitterte Kampf um die Behauptung der proletarischen Linie der bolschewistischen Partei, die Auseinandersetzung mit den intellektuellen Kleinbürgern in der Partei und vieles mehr. Das war erst alles in logischen Zusammenhängen zu begreifen, als wir die Gefahr der Mao Tsetungideen immer besser erkannten. Die Korrektur dieser Fehler wirkte sich enorm positiv auf die Umsetzung der Stalischen 12 Thesen zur Bolschewisierung der KPD/ML aus. Das zeigte sich zB. im Stalinaufgebot 1979. Wenn man die Lehren zieht, dann darf man sich nicht damit zufrieden geben mit der richtigen Feststellung: „in der Hauptseite waren wir auf richtigem Kurs“. Es reicht eben nicht, nur in der Hauptseite einen richtigen Kurs zu haben, sondern für das Ziel eines 100%igen revolutionären bolschewistischen Kurses muss man permanent kämpfen. Atempausen sind dabei erlaubt und auch notwendig, um Kraft zu schöpfen, aber sich getrost und selbstzufrieden nach einem errungenen bolschewistischen Sieg in den Lehnstuhl zu setzen, dass nun alles zum Besten bestellt und die Gefahr gebannt sei, das ist eine Dummheit und eine tödliche Naivität, denn die Gefahr ist grundsätzlich nie gebannt. Ist der Feind in einer Schlacht von uns geschlagen worden, rüstet er sich bereits zur nächsten Schlacht gegen uns. Das ist der Grund, warum wir ständig wachsam sein müssen. Fehler soll man einkalkulieren. Okay. Es gibt keine Partei ohne Fehler, aber man darf nicht den Fehler machen, und sagen: Hauptsache, wir hatten eine „hauptseitig richtige“ Parteilinie, die Nebenseite ist sozusagen „verschmerzbar“. Eine Nebenseite darf man niemals so einkalkulieren, ebensowenig wie einen Kampf zweier Linien als Entwicklungsgesetz der Partei, was Mao propagierte und praktizierte. Das ist also revisionistisch gedacht, denn wie schnell sich eine Nebenseite zur Hauptseite entwickeln kann, wenn man sie nicht vernichtet, das ist schon ganz anderen Parteien so passiert. Man durfte den Kampf gegen den sowjetischen Revisionismus - gerade weil er die Hauptgefahr in der marxistisch-leninistischen Weltbewegung darstellte - nicht sektiererisch führen, das heisst andere revisionistische, neue revisionistische Strömungen übersehen oder geringschätzen. Der Revisionismus ist ja gerade deswegen so gefährlich, weil er - frontal angegriffen - sich gleichzeitig von unserer Seite aus in den anti-revisionistischen Kampf unmerklich mit einschleust, um sich unbemerkt häuten zu können, das heißt wieder ein neues revisionistisches Zentrum zu schaffen, wenn das alte von uns zerstört wurde. Genau das war die Funktion des chinesischen Revisionismus in der Frage der marxistisch-leninistischen Weltbewegung, und dieser Einfluss hat ja nicht aufgehört, er existiert ja immer noch . Diese Gefahr wurde nicht allein von der KPD/ML unterschätzt, sondern von allen anderen marxistisch-leninistischen Parteien auch. Der Prinzipientreue des Genossen Enver Hoxha ist es aber hauptsächlich zu verdanken, dass der Marxismus-Leninismus über den Maoismus siegen konnte, was nicht heißt, dass dieser Kampf schon zu Ende ist. Der Neo-Maoismus, das heißt die Häutung des chinesischen Revisionismus ( Kampf gegen den Maoismus in Worten, Maoismus in Taten) darf nicht unterschätzt werden mit dem ihm innewohnenden gefährlichen Einfluss auf die marxistisch-leninistische Weltbewegung. Der Kampf gegen den Neo- Revisionimus aller Schattierungen muss die Partei in aller Härte, Entschlossenheit und kompromisslos fortsetzen, um die marxistisch-leninistische Weltbewegung, um die KPD/ML, wieder zu dem zu machen, was sie unter der Führung des Genossen Enver Hoxha, unter der Führung des Genossen Ernst Aust war, ein festes Bollwerk des Marxismus-Leninismus gegen den Revisionismus. Wer heute nicht erkennt, dass nicht Mao, sondern Enver Hoxha der 5. Klassiker ist; wer meint, es reiche aus, die neuen Häutungen des Revisionimsus mit den alten Methoden zu bekämpfen; wer versäumt, den Marxismus-Leninismus ständig auf die Höhe der Zeit zu heben; wer die anti-revisionistische Waffe des Genossen Enver Hoxha NICHT ständig schärft, der hat fast 25 Jahre verschlafen und begibt sich, ob er will oder nicht, ins Lager des Neo-Revisionismus. Der Revisionismus aber schläft nicht. Er sucht immer wieder neue Wege, um uns Marxisten-Leninisten in die Irre zu führen. Deswegen kann man nur Lehren aus der Geschichte der KPD/ML ziehen, wenn man heute den Kampf gegen den Neo-Revisionismus auf solider marxistisch-leninistischer Basis führt. Es ist ja u.a. die Taktik des Neo-Revisionismus, den Kampf gegen ihn in die Irre zu führen. Wer den Kampf zur „Verteidigung“ Enver Hoxhas genauso führt, wie ihn Mao zur „Verteidigung“ gegen Stalin geführt hat, der wird dem Neo-Revisionismus wieder auf den Leim gehen. Wir müssen klar erkennen, dass die Hauptgefahr des Neo-Revisionismus heute darin besteht, dass dieser sich hinter den Lehren des Genossen Enver Hoxhas zu häuten versucht, dass der gefährlichste Revisionismus derjenige ist, der unter der Fahne des Genossen Enver Hoxha gegen uns Marxisten-Leninisten antritt. Das Gleiche versuchen die Neo-Revisionisten in Deutschland, wenn sie uns die Fahne des Genossen Ernst Aust dadurch aus der Hand zu reißen versuchen, indem sie sich selbst als „Verteidiger“ des Genossen Ernst Aust ausgeben, und uns als die „Unrechtmäßigen“ bekämpfen (Ernst Aust in Worten verteidigen, um die Taten gegen Ernst Aust besser zu tarnen). Diesen Versuch niederzuschlagen, darin beweist sich heute, wer die anti-revisionistische Linie des Genossen Ernst Aust und der KPD/ML verteidigt. Alles andere führt in den Sumpf. Wir sind die KPD/ML des Genossen Ernst Aust, alle anderen Organisationen sind Spalterorganisationen, was uns nicht hindert, einen kameradschaftlichen Kampf für die Einheit der Marxisten-Leninisten zu führen, wer immer mit uns die Einheit anstrebt. Das ist ja sogar unsere Pflicht. Und man wird unsere Organisation zu Recht daran messen wie wir den Kampf für die Einheit der Marxisten - Leninisten führen. Die Einheit der Marxisten-Leninisten vollzieht sich weder auf sektiererischem Wege, noch auf der Basis des Rechtsopportunismus, und noch weniger versöhnlerisch oder auf wechselnden Positionen hin-und her taktierend oder schwankend.

Die wahre Einheit erreicht die KPD/ML nur auf dem festen Boden der Prinzipien des Marxismus-Leninismus. Auf diesem Wege hat die KPD/ML im Laufe ihrer Geschichte viele ehrliche Genossen gewonnen bzw. zurückgewonnen, sie hat aber auch Lehrgeld bezahlt, wenn sie im Kampf um die Einheit der Marxisten-Leninisten Fehler gemacht hat. Vor der Einheit kommt die Abgrenzung hat Lenin gesagt, denn wir streben die Einheit mit den Marxisten-Leninisten an und nicht mit solchen, die sich als „Marxisten-Leninisten“ ausgeben um uns zu täuschen. Die Frage der Einheit war historisch für viele Kommunistische Parteien ein Segen, aber für genauso viele Kommunistische Parteien auch ein Fluch. Daraus muss man Lehren ziehen und vor allem viele, viele Erfahrungen sammeln, um mit Fingerspitzengefühl, sowohl die Gefahren leichfertiger Vereinigungen als auch sektiererischer Alleingänge und Spaltungen zu vermeiden. Garantien gibt es nicht und ohne Vertrauen ohne Risiko geht nichts. Entscheidend ist der ehrliche Wunsch zur Einheit, weil dies beide Seiten im Interesse der Revolution stärkt und der Einheit der Arbeiterklasse dient. In diesem Sinne hat Genosse Ernst Aust stets vorbildlich für die Einheit gekämpft, aber er war ehrlich und mutig genug, einzugestehen: „Jetzt reicht`s!“ „Das Geschwätz hören wir uns nicht länger an!“ Ernst hatte ein Gespür dafür, wann es Zeit war, die Verhandlungen abzubrechen und sich nicht länger sinnlos von den eigenen revolutionären Aufgaben aufhalten zu lassen, wenn ihm das für die Partei nötig zu sein schien.

In seiner Westberliner Rede zum Thema „Vorwärts zur Einheit der Marxisten-Leninisten !“, in der er ausführlich auf die außerordentliche Bedeutung des Kampfes um die Einheit der Marxisten-Leninisten einging, stellte er klar, dass die Widersprüche zwischen unserer Partei und den anderen Organisationen der revolutionären Bewegung Widersprüche im Volk sind und dementsprechend gelöst werden müssen. Dabei übte der genosse Ernst Aust auch bolschewistische Selbstkritik zu den Fehlern unserer Partei in dieser Frage. Und er forderte dazu auf, sich zusammenzusetzen mit dem Ziel, die politischen und ideologischen Differenzen in einem scharfen, sachlichen und prinzipienfesten Kampf zu klären:

„Und zwar nicht als Gegner, sondern als Genossen, die das gemeinsame Ziel der Schaffung eines vereinten, unabhängigen, sozialistischen Deutschlands verbindet.“Und er fügte hinzu:

„Um nicht missverstanden zu werden, es geht nicht darum, irgendwelche Fehler der Vergangenheit unter den Tisch kehren zu wollen. Wir haben in unserem theoretischen Organ Nr. 3 die Fehler und den Werdegang der GRF(KPD) gründlich analysiert. Aber nicht, um daraus den Schluss zu ziehen, mit diesen Genossen kann man nicht sprechen, sondern um ihnen zu helfen, aus Fehlern zu lernen, um künftige zu vermeiden. Umgekehrt erwarten wir auch, dass man uns kritisiert. Wir sind nicht so überheblich, um anzunehmen, dass wir keine Fehler gemacht hätten. Außerdem bestreiten wir nicht, dass auch objektive Bedingungen - z.B. Die damalige relative Schwäche unserer Partei - die Gründung der GRF(KPD) begünstigt haben. Doch eines, Genossen der GRF(KPD): Eure Partei ist nicht 1970, sie ist zur Jahreswende 1968/69 gegründet worden, und steht in der ruhnreichen Tradition Karl Liebknechts, Rosa Luxemburgs und Ernst Thälmanns.“

In den ersten 10 Jahren betrachtete die KPD/ML Albaniens als „Leuchtfeuer des Sozialismus in Europa“ und den Genossen Enver Hoxha als „größten Marxisten-Leninisten in Europa“ (Dass man Mao und Enver nicht nur geographisch zu unterscheiden hat, wäre uns damals noch nicht in den Sinn gekommen). Dies wurde schon in der Grußbotschaft des Gründungsparteitages der KPD/ML an das Zentralkomitee der Partei der Arbeit Albaniens sinngemäß hervorgehoben. Dabei muss selbstkritisch festgestellt werden, dass die Partei der Arbeit Albaniens mit Genossen Enver Hoxha an der Spitze in der Programmatischen Erklärung (Grundsatzerklärung) mit keinem einzigen Wort erwähnt wurde, während wir darin die Mao Tsetungideen als den „Marxismus-Leninismus in der Epoche des endgültigen Untergangs des Imperialismus“ darstellten und seinen Kopf neben Marx, Engels, Lenin und Stalin in unseren Parteiemblemen führten, anstatt ihn durch Envers Kopf zu ersetzen. Das hat ja denn immerhin noch gut weitere 20 Jahre gedauert, nachdem der Maokopf raus war. Die „Generallinie“ der Chinesen galt für die KPD/ML als verbindlich für alle marxistisch-leninistischen Parteien der Welt. Diesen falschen Kurs korrigierten wir 1978 auf dem IV. Parteitag, wo der Genosse Ernst in seinem Rechenschaftsbericht des ZK die völlige Solidarität unserer Partei mit dem sozialistischen Albanien und der Partei der Arbeit Albaniens unter der Führung des Genossen Enver Hoxha bekundete, die an der vordersten Front der marxistisch-leninistischen Weltbewegung im Kampf für die Verteidigung des Marxismus-Leninismus und der Prinzipien des proletarischen Internationalismus steht und immer gestanden hat. Unseres Wissens hat sich Enver Hoxha nie auf die Generallinie der Chinesen festhageln lassen ( siehe „Betrachtungen über China“). Seit dem 31.12. 2003 hat die KPD/ML als einzige marxistisch-leninistische Partei in Übereinstimmung mit der am gleichen Tag gegründeten Komintern/ML den Genossen Enver Hoxha zum 5. Klassiker des Marxismus-Leninismus erklärt und damit Marx, Engels, Lenin und Stalin verstärkt in ihrem Kampf gegen den Revisionismus. Mit dieser Demarkationslinie wird die marxistisch-leninistischen Weltbewegung sich in die richtige Richtung weiterentwickeln.

Die KPD/ML hat alle Bemühungen der Versöhnler und Zentristen, Mao mit Enver auf die eine oder andere Weise zu versöhnen, und die „guten alten Zeiten“ heraufzubeschwören, wo beide „vereint“ gegen den modernen Revisionismus aufgetreten waren, zurückgewiesen und bekämpft, so wie der Genosse Enver Hoxha das auch in seinen „Betrachtungen über China“ getan hat. Genausowenig wie man den modernen Revisionismus mit dem Marxismus-Leninismus versöhnen kann, wird es auch dem Neo-Revisionismus aller Schattierungen niemals gelingen, sich mit dem Marxismus-Leninismus zu versöhnen.

Wir haben den schädlichen Einfluss des Maoismus aus unserer Partei verbannt und wir wären ja wohl verrückt, wenn wir ihm erlauben würden, unsere Hintertür zu benutzen unter dem Deckmantel des Anti-Neo-Revisionismus.

In dem Bildband der Partei „60 Jahre KPD-10 Jahre KPD/ML - 10 Jahre Kampf für ein vereintes, unabhängiges, sozialistisches Deutschland“heißt es auf Seite 171:

„Damals erkennt die Partei noch nicht, dass diese Politik sich nahtlos einreiht in die unter anderem von Mao Tsetung vertretene revisionistische „Theorie der 3 Welten“. Leichtfertig und unkontrolliert werden chinesische Positionen übernommen. So wird zwar in der Rede zur Kriegsgefahr nicht die chinesische These vertreten, dass es zulässig sei, sich im Kampf gegen die eine Supermacht auf die andere zu stützen, doch wird in Bezug auf die Kriegsgefahr gesagt, dass „der sowjetische Sozialimperialismus“ der „Hauptfeind der Völker“ sei, auch wenn es dann abschwächend heißt: „was nicht heißt, dass der USA-Imperialismus auch nur ein Minimum seines aggressiven, menschen - und völkerverachtenden Wesens eingebüßt hätte“. Auch in der später, im August, veröffentlichten Erklärung des Präsidiums der Partei wird noch der russische Sozialimperialismus fälschlicherweise als `Hauptfeind des deutschen Volkes` bezeichnet. Gleichzeitig wird aber scharf zurückgewiesen, dass es deshalb zulässig sei, den Kampf gegen den USA-Imperialismus in Westdeutschland zu vernachlässigen oder sich gar `im Kampf gegen die eine Supermacht auf die andere zu stützen`.“

Am 26. 1. wird in Dortmund aufgrund des sich verschärfenden faschistischen Staatsterrors auf die Partei und alle revolutionären Kräfte in der BRD die „Rote Hilfe Deutschlands“ für Westdeutschland und Westberlin gegründet. Zur Zeit der Gründung wussten die Genossen noch nicht, dass sich der faschistische Staatsterror der BRD gerade auf die RHD selber gestürzt hatte, nicht nur um die Solidarität zu zerschlagen, sondern um ihre faschistische Fratze hinter der „demokratischen“ Maske zu verbergen. Doch je mehr die Bourgeoisie mit Terrorurteilen, wie Gefängnisstrafen, Geldstrafen , nackter Polizeigewalt, Beschlagnahmungen und Überfällen gegen die RHD vorging - wie zB. gegen ihre Organisierung der Solidarität mit dem von der Polizei ermordeten Genossen Günter Routhier -, desto mehr sorgte sie selber dafür, das Erscheinungsbild, das sie verbergen versuchte, immer offener zu zeigen. Es gibt keinen Agenblick in der Geschichte der RHD, wo die Unterdrückungsmaßnahmen des Staates , die Idee ihrer Gewalt gesiegt hätte gegenüber dem Freiheitskampf des Volkes. Dieser revolutionäre Kampf hat in der Geschichte immer gesiegt - selbst über den schlimmsten Hitlerfaschismus.

Die Partei begrüßt die erfolgreiche Gründung, die an die ruhmreiche Tradition der 1924 gegründeten RHD anknüpft, als einen wichtigen Sieg im Kampf gegen die politische Unterdrückung. Ernst machte dabei klar Front gegen alle kleinbürgerlichen Versuche, die RHD gegen die Partei auf die eine oder andere „linke Tour“ zu instrumentalisieren. Nach einer Demonstration durch Hamburg-Harburg, an der 600 Menschen teilnehmen, findet dort am 22. 3. die Gründungsveranstaltung der RHD statt. Zum 15. Jahrestag der Gründung der RHD veröffentlichten wir im ROTEN MORGEN Nr. 3/1990 zum zweiten Mal die Gründungsrede des Genossen Ernst Aust, die er am 22. 3. 1975 in Hamburg hielt, weil er darin den proletarischen Klassenstandpunkt gegenüber dem kleinbürgerlichen Standpunkt korrekt abgrenzt ( das ins Stammbuch derjenigen geschrieben, die Ernst für den Einfluss der Studentenschwemme verantwortlich zu machen glauben):

„Liebe Freunde der Roten Hilfe Deutschlands, liebe Genossen! Ich danke euch, recht herzlich, dass ihr mir die Gelegenheit gebt, anlässlich eines so wichtigen Ereignisses wie der öffentlichen Wiedergründung der Roten Hilfe Deutschlands das Wort zu ergreifen. Ich spreche hier praktisch in doppelter Eigenschaft. Einmal als Voristzender der KPD/ML, also als Gast unserer Veranstaltung, zum anderen aber auch als Mitglied der RHD. Das heißt natürlich nicht, dass ich mich irgendwie zweiteilen könnte, dass mein Standpunkt als Mitglied der KPD/ML im Widerspruch stünde mit meiner Mitgliedschaft in der RHD. Im Gegenteil, als Kommunist ist es meine proletarische Pflicht, Mitglied der RHD zu sein, um mit ihr am Kampf gegen die zunehmende politische Unterdrückung des werktätigen Volkes durch seine Peiniger und Ausbeuter, der sich verzweifelt gegen ihren unausweichlichen Untergang wehrenden Kapitalistenklasse, teilzunehmen...

Wir haben in diesem Kampf die Auffassung jener bürgerlichen und kleinbürgerlichen Elemente zurückgewiesen, die die ROTE HILFE sozusagen als eine „Knastologen-Hilfsorganisation“ betrachteten, die mit ihrer Forderung „Freiheit für alle Gefangenen“ keinen Unterschied machten zwischen politischen Gefangenen und lumpenproletarischen Elementen... Warum Freunde und Genossen, ist diese Unterscheidung zwischen Proletariat und Lumpenproletariat für uns heute so äußerst wichtig? Weil auch in unserer Organisation in dieser Frage noch keine völlige Klarheit herrscht. Sicher, die Auffassung, die ROTE HILFE als eine caritative Organisation zur Betreung von Strafgefangenen zu betrachten, wurde zurückgewiesen. Doch immer noch herrscht, vor allem unter unseren intellektuellen Freunden und Genossen, eine Tendenz zur Unterschätzung der Gefährlichkeit der lumpenproletarischen Schichten der kapitalistischen Gesellschaft...

Wie wir wissen, fand im Kampf um die richtige Linie der RHD eine Zurückweisung weiterer falscher Ansichten statt, z.B. der falschen Ansicht derjenigen, die die ROTE HILFE zu einer Art Ersatzpartei machen wollten, die sich um alle möglichen Probleme, wie um die Führung von Mietstreiks, der Hausbesetzungen usw. kümmern sollte... Dies war eine Verkennung des Charakters der ROTEN HILFE DEUTSCHLANDS als Massenorganisation mit einer konkreten Zielsetzung, nämlich DER SCHAFFUNG EINER BREITEN FRONT DER SOLIDARITÄT MIT ALLEN IM KAMPF GEGEN DAS KAPITALISTISCHE AUSBEUTERSYSTEM STEHENDEN UND POLITISCH VERFOLGTEN KLASSENBEWUSSTEN ARBEITER UND REVOLUTIONÄREN. Nicht dass die ROTE HILFE sich nicht um Probleme wie Mietstreiks... kümmern soll. Der Unterschied ist nur, dass sie es vom Standpunkt der SOLIDARITÄT, DES SCHUTZES DER IN DIESEM UND ANDEREN KÄMPFEN VERFOLGTEN TUT. Ein weiteres Problem,eine weitere Realität ist die, dass die breite Masse der Bevölkerung der Bundesrepublik über das ganze Ausmaß der zur Zeit schon herrschenden politischen Verfolgung und des Terrors sowie den Grad der Faschisierung nur wenig informiert ist. Der gesamte in dieser Frage völlig gleichgeschaltete Presse - und Informationsapparata steht unserem Kampf um die Verbreitung der Wahrheit gegenüber. Deswegen müssen wir wieder und wieder möglichst am konkreten nachprüfbaren Einzelbeispiel die bürgerliche Terrorherrschaft, den ständigen Aubbau der demokratischen Rechte des Volkes entlarven.

Inzwischen wurden Programm und Statut der RHD im Kampf gegen falsche sektiererische Auffassungen von der Rolle einer Massenorganisation verabschiedet. Dennoch gibt es einige Rote-Hilfe-Mitglieder, die damit nicht zufrieden sind. Sie kritisieren, dass im Programm die KPD/ML erwähnt ist und zwar so, dass man daraus schließen könne, dass sie die Nachfolgeorganisation der revolutionären KPD und die kommunistische Partei der westdeutschen Arbeiterklasse sei. Das aber, so meinen sie, sei eine `Liquidierung des überparteilichen Charakters der RHD` . Auf dieser Grundlage könne die RHD bestenfalls die `breitesten Sympathisantenkreise der KPD/ML organisieren`. Damit würde `die RHD in der Konsequenz zu einer Massenorganisation der KPD/ML` . Ich möchte vorausschicken, dass es den RHD-Mitgliedern natürlich unbenommen bleibt, in der einen oder anderen Frage anderer Meinung zu sein, solange sie sich an die Mehrheitsbeschlüsse, solange sie sich an die Beschlüsse ihrer übergeordneten Organe halten... Was den `überparteilichen Charakter` der ROTEN HILFE betrifft, so heißt es im Programm klar und deutlich: `Jedermann kann unabhängig von seiner Parteizugehörigkeit und über die Grenzen verschiedener Anschauungen hinweg Mitglied der RHD sein, wenn er sich in die aktive, revolutionäre Solidaritätsfront einreiht`.... Eine andere Frage ist jedoch, ob die RHD als parteilose Organisation `unabhängig` und `neutral` sein soll. Wenn sie das sein sollte, bräuchten wir keine RHD. Dann könnten wir ja gleich in die Amnesty International eintreten. Wer das erreichen wollte, müsste schon alle Marxisten-Leninisten aus der RHD ausschließen... Es handelt sich nur darum, dass die Parteimitglieder, die der RHD angehören, als zweifellos einflussreiche Menschen alle Mittel der Überzeugung anwenden, damit die parteilosen Organisationen in ihrer Tätigkeit der Partei des Proletariats möglichst nahegebracht werden und freiwillig ihre politische Führung anerkennen. Deshalb sagte Lenin, dass die Partei die höchste Form der Klassenvereinigung der Proletarier ist, `deren politische Führung sich auf alle anderen Formen der Organisation des Proletariats zu erstrecken hat. Deshalb sagte Stalin, `ist die opportunistische Theorie von der `Unabhängigkeit` und `Neutralität` der parteilosen Organisationen... völlig unvereinbar mit der Theorie und Praxis des Leninismus` .

Oder eine andere Frage. Was meint ihr, was für die Massen das Wort `rot` im Namen der ROTEN HILFE bedeutet? Wer heute für `rot` ist, der stößt sich auch nicht ander KPD/ML im Programm. Wer die KPD/ML im Programm streichen will, müsste auch logischerweise das Wort `rot` im Namen der ROTEN HILFE streichen. Ihr seht, worauf das hinausläuft... Es lebe die internationale Solidarität! Vorwärts beim Aufbau der ROTEN HILFE DEUTSCHLANDS.“

Wir haben den Genossen Ernst Aust bis auf den heutigen Tag in dieser Haltung unterstützt und verteidigt, was man von allen anderen Leuten, die sich auf Ernst Aust berufen haben oder immer noch berufen, nicht gerade behaupten kann. Im Gegenteil: Was Genosse Ernst hier an opportunistischen Abweichungen der Entwicklung der RHD befürchtete, ist ja denn auch später eingetreten- mit proletarischer, revolutionärer Solidaritätsorganisation hatte das wirklich nichts mehr zu tun, hatte sich die RHD völlig vom Kommunismus entfremdet und vertrat antimarxistisch-leninistische Positionen. Als die KPD/ML 1990 diese Rede noch einmal in Auszügen abdruckte, da war das zu einer Zeit, als die KPD/Stuttgart mit der RHD seit langem gegen unser angebliches „Sektierertum“ vorging und damit immer wieder aufs Neue bewies, wie feindlich sie sich gegenüber den Argumenten des Genossen Ernst Aust und unserer Partei verhielt, nach allem was Ernst seit 1973 für den Aufbau der RHD getan hatte. Die RHD hatte völlig vergessen, dass es gerade der Genosse Ernst Aust, dass es gerade die KPD/ML war, die am meisten und härtesten von der Bourgeoisie angegriffen wurden und sich die Solidarität auf unseren Vorsitzenden hätte konzentrieren müssen. Sich gegen die Partei des Genossen Ernst Aust zu stellen, das war die traurige Entwicklung der RHD. Das werden wir ändern! Die RHD ist eine solche Klassenorganisation, wie Genosse Ernst Aust sie in seiner Rede definiert hatte, und keine Organisation, die über den Klassen steht und solchen Kräften unter die Arme greift, die sich gegen die KPD/ML richten. Wie kann denn sowas überhaupt möglich sein, dass man seinen Gegner solidarisch hilft uns Kommunisten zu bekämpfen? Was daran sektiererisch sein soll, mögen uns die Opportunisten mal erklären, die diesen Unsinn ausgeheckt haben. Zugegebenermaßen gab es tatsächlich sektiererische Fehler, und wir wollen sie hier nicht beschönigen, aber das gefährliche an der Sache war und ist die, dass die Rechten in der Partei darin einen willkommenen Anlass sahen, nicht das tatsächliche Sektierertum anzugreifen, sondern stattdessen griffen sie die korrekte Linie des Genossen Ernst Aust als „sektiererisch“ an - darauf bedacht, ihre gemeinen Absichten geschickt hinter den Prinzipien des Marxismus-Leninismus zu verbergen. Man sehe sich doch um in der Welt, wie das schon seit über hundert Jahren nach dem gleichen Muster abläuft: die Revisionisten haben nie aufgehört, den Marxismus-Leninismus als „Sektierertum“ anzuprangern und sich selbst dabei in die Position des Marxismus-Leninismus hineinzudrängeln, um uns Marxisten-Leninisten ins Jenseits bzw. ins Abseits zu befördern - vorausgesetzt wir ließen dies sträflicherweise widerstandslos zu. Es stehen große Klassenkämpfe bevor und eine revolutionäre Situation kann jeden Moment eintreten, sodass eine wahrhaft revolutionäre proletarische, kommunistische RHD wieder aufzubauen ist. Das gilt es jetzt schon rechtzeitig vorzubereiten. Keine sozialistische Revolution ohne eine starke RHD! Und es wird eine ihrer wichtigsten Aufgaben sein, sich gegen Opportunismus und Revisionimus zu behaupten, denn ohne dem - wie man gesehen hat - kann man keine kommunistische Solidarität organisieren, wird sie sabotiert und unterdrückt, bevor sie ihre unverzichtbare Aufgabe bis hin zum Sturz der Bourgeoisie und bis hin zum Sieg über die Konterrevolution erfüllen kann. Es ist doch gerade die konterrevolutionäre Aufgabe der Bourgeoisie, jegliche Unterstützung und Solidarität für unsere Genossen zu verhindern, von innen wie von außen... sonst würden ihre Terrormaßnahmen gegen die Arbeiterklasse doch ins Leere laufen. Deswegen MUSS sie Bourgeoisie die RHD vermittels ihrer Agenten innerhalb der revolutionären Solidaritätsbewegung angreifen und zersetzen. Das hat sie bisher auch mehr oder weniger erfolgreich in der Geschichte der RHD gemacht - daran kann es gar keinen Zweifel geben! Da müssen wir zukünftig wachsamer und konsquenter handeln. Es sind nun mal die Kommunisten, die an vorderster Front stehen und an vorderster Front auch die Unterstützung und Solidarität im Kampf gegen den Klassenfeind brauchen! Deswegen wird sich die KPD/ML nicht wieder die RHD aus der Handschlagen lassen und zu verhindern wissen, dass die RHD ein zweites Mal gegen die KPD/ML gerichtet wird! Die verantwortlichen Verräter an der RHD und an der KPD/ML und an dem Genossen Ernst Aust werden wir bei kommender Gelegenheit zu Rechenschaft ziehen oder meint ihr, dass wir das vergessen haben und euch mit Samthandschuhen anfassen ?! Solidarität tut Not!

Im Juni 1975 erhält der Genosse Ernst Aust eine Anzeige wegen seines Wahlbriefes kurz nach der Beteiligung der KPD/ML an den Landtagswahlen in Nordrhein-Westfalen wegen `Verunglimpfung des Staates` und `Beleidigung`. Der Wahlbrief des 1. Vorsitzenden beginnt mit seinen typisch volksnahen Worten:

„Ein amerikanischer Werbefachmann behauptete einmal, wenn man ihm das nötige Geld gebe, könnte er jeden x-beliebigen Trottel zum Präsidenten der Vereinigten Staaten machen“. Darüber regte sich die Bourgeoisie nicht auf, aber über den folgenden Passus:

„...Weder der Schmidt noch der Strauß, weder der Kühn noch der Kohl als beamtete Lakaien des Monopolkapitals haben die Krise gemacht, noch können sie sie verhindern. Krisen und Kriege gehören zum Kapitalismus wie der Deckel zum Topf. Und der lässt sich nicht abwählen, den muss man stürzen!“

In seinem Brief wandte sich Ernst an die Bürger Duisburgs. Gegen das Geschwätz und die Versprechungen der bürgerlichen Parteien aller Schattierungen hat er geschrieben, dass die Krisen erst dann ein Ende haben, wenn das kapitalistische System in der sozialistischen Revolution zerschlagen ist. Stimmen für die KPD/ML sind Stimmen für die sozialistische Revolution!“

Der ROTE MORGEN Nr. 29/ 17. Juli 1976 berichtete also ein Jahr später von einer Geldstrafe über 2 400 DM oder 60 Tage Haft. Das Gericht entsprach dem Antrag des Staatsanwalts. Doch schon während des Prozesses gab Ernst folgende Erklärung ab:

„Kein Terror - auch dieses Urteil nicht - wird die kommunistische Agitation und Propaganda zum Schweigen bringen, wird die Kommunistische Partei vom Kampf abhalten.“

Im November rief die KPD/ML alle Arbeiter, Werktätigen in Stadt und Land zum Kampf gegen das 13. Strafrechtsänderungsgesetz auf mit der Losung „Ein Gesetz gegen dich!“. Dazu erschien ein Extrablatt des ROTEN MORGEN. Klar das dieses Gesetz auch speziell gegen die KPD/ML gerichtet war, was sich anhand der Beschlagnahme des ROTEN MORGEN, von Parteimaterialien und vielen Prozesse gegen den Genossen Ernst Aust und andere Genossen der Partei beweisen lässt. Dieses Gesetz „Gegen Befürwortung von Gewalttaten“ soll verbieten,

- dass ein Arbeiter nicht laut denken darf, wenn er für einen `wilden ` Streik ist;

- dass die Verkehrsmittelbenutzer nicht mehr sagen dürfen, dass Schienenblockaden gegen Fahrpreiserhöhungen notwendig sind;

- dass Bauern nicht mehr von militanten Aktionen sprechen dürfen, mit denen sie gegen Bauerlegen und Manöverterror protestiert haben;

- dass man nicht mehr die revolutionären Befreiungskämpfe in der Welt öffentlich unterstützen darf, wenn sie sich mit der Waffe verteidigen;

- dass die Medien nicht mehr über die militanten Aktionen des Volkes positiv berichten dürfen, sondern nur Kommentaren und Berichten GEGEN sie veröffentlichen dürfen;

- dass alles, was unter „Verbreitung von Kommunismus“ fällt, strafbar ist (bis zu 3 Jahren Gefängnis).

Dieses Gesetz wurde klammheimlich hinter verschlossenen Türen beschlossen! Seit den Notstandsgesetzen eines der schärfsten Einschnitte in die demokratischen Rechte des Volkes, Presserecht usw. All diese Gesetze hebeln die Grundrechte der Bürger im Grundgesetz völlig aus. Die Partei organisierte bundesweit Protestversammlungen und Demonstrationen und Klebeaktionen.

Unter der Führung des Genossen Ernst Aust macht die Partei im Frühjahr 1975 einen großen Schritt vorwärts bei der Entfaltung der Betriebs- und Gewerkschaftskampffront und erteilt dem DGB einen empfindlichen Schlag bei den Betriebsratswahlen in großen Industriebetrieben Westdeutschlands. Die KPD/ML stellte rote Betriebsratskandidaten auf, die auch alle - bis auf wenige Ausnahmen - große Erfolge verbuchen konnten. Diese neuen roten Betriebsräte haben einen großen Einsatz geleistet, der unvergessen bleibt. Sie waren unter den fortschrittlichen Arbeiter wegen ihres Mutes und ihres konsquenten Auftretens gegenüber den Arbeiterverrätern hoch geschätzt. Sie waren Stachel im Fleisch von DGB und Kapital und verkörperten das, was die Partei immer unter der Heranbildung von Arbeiterkadern, der Verankerung der Partei in der Arbeiterklasse, der Eroberung von Betrieb und Gewerkschaft usw. verstanden hatte. Die Linie des Genossen Ernst Aust: „Jeder Betrieb muss unsere Festung sein!“ wurde konsquent mit revolutionärem Elan umgesetzt und zeigte in seinen Ergebnissen, dass diese Linie richtig war. Diesen positiven Eindruck hatten wir jedenfalls damals noch alle gehabt. Aber in Wirklichkeit war nicht alles so, wie wir glaubten. Dafür brauchten wir zehn Jahre, um das zu erkennen - als es schon fast zu spät war: Um nur ein exemplarisches Beispiel zu nennen: die Rote Betriebsrätin 1975 bei Siemens Witten - Annette Schnoor - war diejenige Parteigenossin, die im Auftrag des rechten trotzkistisch - liquidatorischen Koch-ZK`s mit der Siemens-Witten- Zelle (- also taktisch von der „Basis der Partei“ aus - nachdem man schon im ZK die Zügel in der Hand hielt) offen den Kampf gegen die Person des Genossen Ernst Aust eröffnete, was ein unglaublicher Vorgang war und sich bisher in der Partei niemand erlaubt hätte, ohne rausgeflogen zu sein. Die Parteibasis aber schwieg, und das schien Koch wohl auch schon vorher richtig eingeschätzt zu haben, sonst würde er diesen offenen Angriff auf die Person des Genossen Ernst Aust und damit auf die Partei niemals riskieren. In der ganzen Partei aber waren nur wir es, die den Genossen Ernst Aust verteidigten und den Gegenangriff auf das Koch-ZK starteten - natürlich gemeinsam mit Ernst, der aber noch im ZK war und insofern nicht so offen agieren konnte wie wir. Diese Situation war sehr deprimierend für uns. Wir hatten die Partei schon öfter aus solchen gefährlichen Situationen herausgeboxt, und glaubten, „diese Phase der Partei“ endgültig überwunden zu haben. Das war ein fataler Irrtum und da liegt auch unsere Selbstkritik: Wir ließen in unserer revolutionären Wachsamkeit im Laufe der Jahre nach, weil wir fest davon überzeugt waren, dass die Parteifeinde einst dermaßen gnadenlos bekämpft worden wären, dass wir sie nicht mehr fürchten müssten, wie das in der Anfangsphase so häufig der Fall war. Die Linie schien klar, die soziale Zusammensetzung des ZK schien klar, Ernst an der Spitze schien klar, und unsere Parteiposten an unserer Front vor Ort schien klar - die Entwicklung in die Breite und in die Tiefe schien klar, die Partei der Arbeit Albaniens mit Enver Hoxha an der Spitze schien klar, die Stärkung und Festigung der marxistisch-leninistischen Weltbewegung schien klar, alles schien klar und wir machten nichtsahnend unsere tägliche Parteiarbeit, so klar wie es sich für einen Parteigenossen gehörte. Aber nichts war in Wirklichkeit klar, all das war ein Trugschluss, war ein großer Irrglaube. Der Klassenfeind schlief nicht und arbeitete schon lange am Zusammenbruch der KPD/ML von innen heraus. Die Taktik war nicht wie am Anfang : Hauen und Stechen, sondern süßliches Gift, das über Jahre an zu wirken fängt, und einen umhaut, becor man überhaupt begreift, was geschehen ist. Das war eine wichtige Lehre für uns. Nur durch unsere eigene Blindheit haben wir es zu dieser Entwicklung überhaupt kommen lassen. Das Schlimme daran war also, dass wir alles hätten verhindern können, wenn wir wachsam geblieben wären - ausgerechnet wir, die wir am treuesten zu Ernst standen, hatten ihn in solch einer Situation vorgefunden, wo er faktisch schon entmachtet war. Diese Schmach kann sich kein Genosse wirklich vorstellen, der das nicht mit durchgemacht hat.

Was zeigt dieses Beispiel? Es zeigt, dass das intellektuelle Kleinbürgertum ausgerechnet über die Betriebs - und Gewerkschaftsarbeit in die Führungsspitze der Partei vordringen konnte und an die Macht gekommen war, weil wir deren schädlichen Einfluss überall vermuteten, nur nicht in der Betriebs- und Gewerkschaftsarbeit. Wir gingen da sehr unkritisch ran und setzten zu großes Vertrauen in diese Genossen Ja wir haben ihnen sogar noch den Teppich ausgerollt. So wurden sie immer frecher, ließen die Partei verkommen, ersetzten Parteidisziplin durch Zuckerbrot und Peitsche. Das war nicht mehr die Partei wie vor 10 Jahren. Das war für die Partei eine harte Zeit des Besinnens und Aufbruchs, um den Staub abzuschütteln, der sich unmerklich auf unsere Gehirne gesetzt hatte. Wir hatten uns selber in diese schwierige Lage gebracht und die Opportunisten hatten leichtes Spiel von allen Seiten auf uns einzuschlagen, als wir uns erhoben! Wir haben gelernt, dass sich an der empfindlichsten Stelle des kapitalistischen Systems - die kommunistische Festung in jedem Betrieb - auch eine neue konterrevolutionäre Kraft aufgebaut hatte, die der Bourgeoisie das Leben rettete : Sie schuf sich eine konterrevolutionäre Einheit zwischen intellektuellem Kleinbürgertum und Arbeiteraristokratie. Die revolutionäre Betriebs- und Gewerkschaftsarbeit ist ein verdammt hartes Brot. Da wird einem alles um die Ohren gehauen, dass die Fetzen fliegen. Die Gewerkschaftsbonzen haben jahrhundertealte Tricks auf Lager, um mit revolutionären Arbeitern fertig zu werden, sie zu hetzen, sie zu isolieren, sie zu moppen, sie beim Chef anzuschwärzen, ihnen Arbeitsgerichtsprozesse anzuhängen und und und. Da braucht man ein enormes Standvermögen und starke Nerven. Es zeigte sich nach den ersten Erfolgen im Betrieb aber schnell, dass intellektuelle Genossen dem harten Klassenkampf dort nicht gewachsen waren und nicht nur in ihrem Elan nachließen, sondern sich nicht nur von ihren Kollegen entfernten, sondern auch von ihren prinzipiellen kommunistischen und revolutionären Positionen. Sie neigten allmählich immer häufiger zu klassenversöhnlerischen Positionen, die sie aber mit revolutionären Phrasen gegenüber der Partei gut überdecken konnten. Auf jeden Fall gelang es der Arbeiteraristikratie , immer mehr Einfluss auf solche Betriebsgenosssen auszuüben, so dass die Bedeutung der Partei immer mehr in den Hintergrund geriet und man immer weniger als Kommunist auftrat und im Räderwerk der Gewerkschaftsarbeit und Betriebsarbeit weichgeklopft wurde. Einige entwickelten sich sogar zu echten Arbeiteraristokraten. Von der KPD/ML ehemals geschulte Leute konnten die Gewerkschaftsbonzen am besten für ihren Verrat gebrauchen.

Bisher hatte die Partei einerseits gegen die Studierstuben-Intellektuellen gesiegt. Sie hat auch andererseits Siege errungen über die Revisionisten und Neo-Revisionisten und zwar an vorderster Klassenkampffront in Betrieb und Gewerkschaft. An beiden Fronten waren wir erfolgreich. Nun aber entstand für die Partei eine neue Situation, denn es vereinigten sich intellektuelles Kleinbürgertum und Arbeiteraristokratie gegen die Partei zu einer qualitativ neuen, geballten Kraft und nur im allerletzten Moment waren wir uns als treue Anhänger des Genossen Ernst Aust über diese drohende Gefahr bewusst geworden, nahmen die neue Herausforderung an und verhinderten in einem erbitterten Kampf das Schlimmste - die Liquidierung der Partei ! Das war der größte Sieg über die Liquidierungsversuche der Bourgeoisie in der Geschichte der Partei, aber auch der Verlustreichste. Er hat Narben hinterlassen und wir haben Federn verloren, was man uns immer noch ansieht. Sie stammten von Wunden, die wir uns durch eigenes Verschulden, durch Nachlassen revolutionärer Wachsamkeit selber zugezogen hatten!

Was hätte uns Stalin über den jahrelangen Befall der trotzkistisch-rechtsopportunistischen Koch-Würmer und ihrem „linken“ Möllerwurmfortsatz gelehrt, der dann schnell selber ein Wurm wurde, wenn er sich auch mit der Größe eines Koch-Wurmes nicht messen konnte, aber immerhin einen neuen „Roten“ Oktober-Wurmfortsatz schuf, um seinen gescheiterten „langen Möllermarsch“ gegen die KPD/ML abzulösen?

„Die Hauptgefahr stellt diejenige dar, gegen die die zu kämpfen man aufgehört hat und zu einer (...) gefärhrlichen Erscheinung hat anwachsen lassen.“

Die Hauptgefahr war die rechte Gefahr, die sich gesetzmäßig gar nicht anders als schleichend und unmerklich vollziehen KONNTE, eben weil die Partei eine viel zu solide und starke bolschewistische Linie im Kampf gegen die Liquidatoren entwickelt hatte und eben weil KEINER den Genossen Ernst offen anzugreifen wagte, womit man es hinter seinem Rücken also um so mehr mit Intrigantentum versuchte und eine Schicht liberalistischer, arroganter Parteiaristokraten heranwuchs, die das Ziel verfolgte, den revolutionären Geist der Partei zu untergraben und die Parteidisziplin bewusst sträflich zu vernachlässigen. An einen Putsch oder an einen schnellen Sieg über die Partei - oder gar über den Vorsitzenden Genossen Ernst Aust , daran war überhaupt nicht zu denken, weswegen wir unserer Sache ja leider viel zu sicher waren: „Wir sind mit Genossen Ernst Aust an der Spitze so stark, uns kann keiner was!“ Wir haben die beste Partei und das beste deutsche bolschewistische Programm, und vor allem den besten kommunistischen Führer. Also blieb den Parteifeinden nichts anderes übrig, als „den langen Marsch“ anzutreten. Formal bewegten sie sich dabei sicher auf dem Parkett der KPD/ML - jedenfalls so lange sie noch in der Minderheit waren und achteten darauf, alles so erscheinen zu lassen, als folgten sie dem Weg des Genossen Ernst Aust. In Worten waren sie also zwar „treue Gefolgsleute“ der marxistisch-leninistischen Linie der KPD/ML unter der Führung des Genossen Ernst Aust, aber unter diesem Deckmantel bereiteten sie sich vorsichtig, Jahr um Jahr auf den Entscheidungskampf GEGEN die KPD/ML und den Genossen Ernst Aust vor. Erst 7 Jahre später gelang es Koch etwas auf dem V. Parteitag eine Wende herbeizuführen und das Programm von Ernst zur „Diskussion zu stellen“, was ja nichts anderes bedeutete, als die Prinzipien des Marxismus-Leninismus, wie sie Ernst auf deutsche Bedingungen angewandt und entwickelt hatte, zu revidieren mit Hilfe der Ausarbeitung eines genau darauf zugeschnittenen Neo-Revisionismus. Das verkauften sie natürlich nicht als „Revision“, sondern das versahen sie mit dem Etikett der „Weiterentwicklung des Programms und der Partei“ . Das ist in ihren Veröffentlichungen - insbesondere im Theoretischen Organ der Partei zu jener Zeit nachlesbar. Genauso lange, 7 Jahre hatten die Liquidatoren vergeblich versucht, die Schaffung des Programms von Ernst zu vereiteln. Und Koch ist diesen „langen Marsch in den Sumpf“ gegangen und zog die Mehrheit der Partei mit hinein, über deren Wert man nicht streiten muss. Wir kämpften trotzdem um diese Mehrheit, um jeden einzelnen Genossen, und zwar mit den größten Anstrengungen unserer Überzeugungskraft, aber schließlich nicht mit dem erwarteten Erfolg. Wir konnten die Mehrheit nicht mehr aus dem Sumpf retten, in den sie Koch geführt hatte. Er fügte der Partei somit einen großen Schaden zu, indem er den Parteimitgliedern Schritt um Schritt auf dem Weg in den Sumpf den festen Boden des Marxismus-Leninismus unmerklich aufweichte, bis auf diesem Weg jene gefährliche Stelle erreicht worden war, wo die Partei schon tief im Sumpf steckt und eine Rückkehr nur noch unter größten Anstrengungen möglich war. Einigen Genossen konnten wir die Hand reichen und sie im letzten Moment aus dem Sumpf ziehen, aber die Mehrheit hatten wir hoffnungslos verloren. Das war die neue Taktik der Bourgeoisie, um schließlich doch noch den offenen Angriff zu wagen zur Vernichtung der Partei, den wir damals so nicht für möglich gehalten hatten. Aber die Partei durchschaute im letzten Moment diese Taktik und bewies heldenmütig, dass sie auch „nach einem langen Marsch in den Sumpf“ nicht zu besiegen war, dass sie wachsam blieb, wenn sie auch ihre bolschewistische Wachsamkeit sträflichst vernachlässigt hatte. Die „linken“ Liquidatoren aber waren währenddessen nicht untätig, auch sie brachten ihre „Kritik“ an Koch in ihren Anträgen an den V. Parteitag vor, in denen sie ausgerechnet dem Genossen Ernst Aust die Schuld für die Koch-Misere in die Schuld schieben wollten, also die marxistisch-leninistische Linie angriffen unter dem Tarnschild des Schein-Angriffes auf Koch. Das war IHR Weg, die Partei für den Fall zu erledigen, falls sich bei uns nach Koch wieder etwas reorganisieren würde. Dann wollten sie diejenigen sein, die sich als „Marxisten-Leninisten“ rühmend die Partei von Koch „befreit“ und sich als „wahre Retter“ der Partei des Genossen Ernst Aust präsentieren könnten. Wir aber waren ja auch noch da, und so ließ sich der Verrat Kochs an der Partei nur durch den Verrat Möllers an der Partei fortsetzen, indem man uns in die „sektiererische Ecke“ abschieben wollte. Da sie aber in Worten und Taten immer offensichtlicher die alte KPD/ML unter dem Genossen Ernst Aust in die „sektiererische Ecke“ schoben, war klar, dass Möller den Koch auf dem Weg in den rechten Sumpf folgte, um die Genossen dort früher oder später absaufen zu lassen. Dies haben wir schon vor 17 Jahren dokumentiert. Was zeigt das? Das zeigt, dass wir nach jahrelangem Kampf ein weiterer wichtiger Sieg der Partei über alle diejenigen Parteifeinde errangen, die sich uns in den Weg stellten, als wir die KPD/ML nach dem Tode des Genossen Ernst Aust und nach der Überwindung des Koch-Verrats wieder kampffähig machten.

In Worten kritisierten sie Koch, aber in Taten unterstützten sie ihn indirekt, weil sie uns damit schwächen wollten und glaubten, uns auf unserem Weg Knüppel zwischen die Beine werfen zu können. Sie hielten nur solange still, bis Koch sein großes Ding durchzog. Erst als sie das Auftauchen der Bolschewiki und unseren Widerstand gegen Koch Gewahr wurden, nahmen sie aktiv teil, natürlich im Gewand der Marxisten-Leninisten, um uns zu täuschen. Warum konnten sie dies vorher nicht riskieren und Koch schon früher zum Schein angreifen? Nicht weil sie etwa zu schwach oder zu feige waren, nein, aus dem einfachen Grund, weil sie nicht schlafende Hunde wecken wollten und sie damit den „langen Marsch“ von Koch gefährdet hätten. So konnten sie die Zeit nicht nutzen, um uns Marxisten-Leninisten, die wir uns unter Führung des Genossen Ernst Aust zu formieren und zu organisieren begannen, auf die schiefe Bahn zu lenken. Erstens waren sie dazu zu schwach und zweitens befanden wir uns bereits durch Kochs Frechheiten in höchster Alarmbereitschaft versetzt, stützten wir uns auf unsere eigenen Kräfte in einem Tempo, dass für sie zu schnell war. So sind sie uns bis heute immer nur hinterhergehinkt, bis wir sie nun zunächst ideologisch weit abge(henkt)hängt haben. Wir waren für sie bereits zu stark, um uns noch ernsthaft aufzuhalten. So blitzten die offenen „linken“ Liquidatoren als erste ab und kapitulierten, während Möller über das Koordinationskomitee glaubte, uns von unserem Tun abhalten zu können. Er ärgerte sich immer mehr darüber, je mehr er sich in die Studierstuben zurückzog und die Partei sich frech „über seinen Kopf hinweg“ reorganisierte. Schuld daran war natürlich der Genosse Wolfgang Eggers, den er als Konkurrenten auszuschalten versuchte. Es lief alles nicht so, wie er sich das vorgestellt hatte. Er hatte sich einfach überschätzt. Unser alter bolschewistischer Kampfgeist und unsere Entschlossenheit zur Verteidigung unserer Partei, zur Verteidigung unseres Genossen Ernst Aust, das flößte ihm Angst ein, und so bastelte er fieberhaft nach Ernsts Tod an der Spaltung der Partei, die er dann ja auch auf dem Spalterparteitag in Stuttgart im Dezember 1985 provozierte. Und wir gingen aus der Verteidigung in die Offensive über, so dass die Parteifeinde, die als „Koch-Gegner“ den Dirigentenstab an sich reißen wollten, damit von uns eins kräftig auf die Finger bekamen.

Und welche Schlussfolgerung zog Stalin daraus?

„Man darf also die Partei nicht einlullen lassen, sondern muss in ihr die Wachsamkeit ENTWICKELN, darf sie nicht einschläfern, sondern muss sie im Zustand der Kampfbereitschaft HALTEN, darf sie nicht entwaffnen, sondern muss sie BEWAFFNEN, darf sie nicht demobilisieren, sondern muss sie im Zustand der Mobilisierung (...) HALTEN.“

Was hat Stalin dagegen unternommen?

„ Sie des Postens entheben ohne Rücksicht auf ihre Verdienste in der Vergangenheit.“ „Die Partei reinigt sich und entwickelt sich weiter, indem sie sich von den Opportunisten befreit und diese aus der Partei hinaussäubert.“- das taten wir denn auch. Wir jagten Koch und seine Bande zum Teufel, aber dass wir von Null anfangen mussten , daran war nicht Koch sondern - wie gesagt - unsere Unerfahrenheit Schuld. Koch zeigte, dass es in der Partei Siege über die Liquidatoren gibt, aber keine Garantien. „Die Partei ist stärker als alle Liquidatoren!“ - das ist schon richtig, aber das schreckt die Liquidatoren nicht auf Dauer ab. Die Partei darf nicht davor zurückschrecken, hart zuzuschlagen, sowie sich die Liquidatorenköpfe wieder aus ihren Löchern wagen. Je länger man zögert, desto schwieriger wird es, sie loszuwerden, ja desto mehr gefährdet man die Existenz der Partei. Gerade nach einem kräftigen Schlag auf den Kopf des Liquidatorentums, darf man nicht sorglos werden.

Das zeigt die Erfahrung, und wir machen diese Erfahrung deswegen zum Bestandteil der Geschichte der KPD/ML, weil wir die neu heranwachsende, zukünftige Generation von neuen Parteigenossen vor der Wiederholung unserer Fehler bewahren möchten, und wir haben nun schon ja bald ein ganzes Leben für die KPD/ML gekämpft. Die Liquidatoren kommen und gehen - aber die KPD/ML bleibt bestehen. Das ist die Lehre aus der 35 Jahre langen Geschichte der KPD/ML in ihrem Kampf gegen das Liquidatorentum - eine stolze Geschichte, wie sie nicht jede marxistisch-leninistische Partei auf dieser Welt erleben durfte. Diese Feststellung zum 80. Geburtstag des Genossen Ernst Aust machen zu dürfen erfüllt uns mit Glück und Kraft, um die Partei im Geiste des Genossen Ernst Aust in die kommenden Schlachten zu führen, bis das große Ziel erreicht ist, das vereinte, unabhänguge, sozialistische Deutschland!


Geleitet vom Vorsitzenden Genosse Ernst Aust reist eine Delegation der KPD/ML am 11. 5. 1975 nach China, während sich Deng Hsiao-ping bei seinen westlichen Freunden in Paris aufhält, um mit denjenigen „Shake Hands“ zu machen, denen wir ins Gesicht spuckten - den europäischen Imperialisten. Dem Genossen Yao Wen-yüan, Mitglied des Polibüros der KP Chinas wurden unsere Standpunkte unterbreitet, eine Diskussion fand nicht statt. In seinen „Betrachtungen über China“ notiert Genosse Enver Hoxha in sein Tagebuch am 23. 4. 1975 : „In den hohen Sphären (...) ist eine gewisse reservierte, um nicht zu sagen, kühle Haltung zu spüren.“ das drückt aus, was Ernst auch in China fühlte: Von den Chinesen wurden wir ganz anders behandelt wie von den Albanern.

In der Nr. 52 vom 27. 12. 1975 erscheint im ROTEN MORGEN eine Todesanzeige des Genossen Kang Schen: Darin heißt es:

„Genosse Kang Scheng war ein hervorragender Revolutionär, dem Marxismus-Leninismus treu ergebener Revolutionär, der sich insbesondere bei der Verteidigung des Marxismus-Leninismus gegen die reaktionären Angriffe der Chruschtschow-Revisionisten große Verdienste erwarb.“ Genosse Enver Hoxhaschrieb am gleichen Tag in sein Tagebuch „Betrachtungen über China“:

„Ich kannte ihn gut. Er war 1966 bei uns. Auch war er 1960 auf der Moskauer Beratung, wo wir das Feuer auf Chruschtschow und die Chruschtschowianer eröffneten. Er war ein hervorragender und ein sehr entschiedener Marxist-Leninist. Mit ihm waren wir nicht nur in den großen Prinzipien einer Meinung, er billigte und bejahte auch unsere Taktik in allen Punkten. Er war ein Genosse, der den Prinzipien die Treue hielt, ein Schüler der Schule Lenins, Stalins und der Komintern. Kang Scheng liebte das sozialistische Albanien sehr, er hegte eine große und aufrichtige Liebe für unsere Partei und verteidigte uns in jeder Situation. Für uns war er einer der besten Genossen in der Führung der Kommunistischen Partei Chinas. Wir haben einen guten Freund und Genossen verloren, die Kommunistische Partei Chinas verlor einen hervorragenden Theoretiker, einen würdigen Führer, die Weltrevolution einen treuen Kämpfer für die Sache des Kommunismus und einen proletarischen Internationalisten.“

Ein Höhepunkt in der politischen Arbeit der Partei, vor allem aber der Roten Garde, wird der Rote Antikriegstag und in diesem Zusammenhang der Jugendkongress der Roten Garde am 30. und 31. August in Offenbach - 5000 Teilnehmer (!) auf der eindrucksvollen Demonstration durch die Frankfurter Innenstadt in einem Meer von Roten Fahnen und Transparenten, Spielmannszug und die Delegationen der ausländischen Bruderorganisationen. Nach der Demonstration beginnt der Kongress an dem über 2000 Jugendliche teilnehmen. Ein Höhepunkt der Veranstaltung ist die Rede „Die Jugend wird den Kampf entscheiden!“des Genossen Ernst Aust (als Broschüre erwschienen), die dem Kongress die entscheidenden Impulse gibt. Darin heißt es u.a.:

„Schon früh, spätestens am Roten Antikriegstag 1972 in München, merkte die Bourgeoisie: das hier ist keine Jugend, deren Protest sich auf Bitten, Eingaben und papiernen Resolutionen beschränkt, der man mit einigen hundert Polizisten den Schneid abkaufen kann. Diese Jugend lässt sich ihre demokratischen Rechte nicht kampflos rauben, sie lässt sich ihr Recht auf die Straße nicht durch die willkürliche Errichtung von Bannmeilen nehmen. Und wenn man ihr mit Terror begegnet, schlägt sie zurück!

... Wie ist denn die Lage der lernenden und studierenden Jugend? Sie ist in der gleichen elenden Lage wie ihre Väter und Vorväter. Ohne Recht auf gleiche Bildungschancen, Zigtausende nach dem Schulabschluss ohne Arbeit... Davon besonders betroffen sind alle berufsschulpflichtigen Jugendlichen ohne anerkanntes Ausbildungsverhältnis, ungelernter Arbeiter, Jungangestellte, usw. Können sie je eine Familie gründen? Sich einen bescheidenen Wohlstand schaffen? Was ist denn ihre `freiheitliche, demokratische Perspektive` ? Der Strick? Nein, die Revolution!

Und wie sieht es mit denen aus, die das Glück haben, eine Lehrstelle, einen Studienplatz zu erhalten? Im Betrieb, in der Schule und Universität von reaktionären Ausbildern, Lehrern und Fachidioten auf Vordermann gebracht, soll die Jugend sich in den kapitalistischen Arbeitsprozess einordnen. Soll sie als Ausbeutungsobjekt der herrschenden Klasse dienen, soll sie entsprechend der Wolfsmoral des Kapitalismus nach Mark und Pfennig jagen, soll sie im täglichen Arbeitsprozess nach oben buckeln, nach unten treten lernen, während man ihnen wie den Hunden einige Brosamen vom Tisch der Herrschenden zuwirft. Bestenfalls gestattet man ihr, in imperialistischen Kriegen für die Interessen der Monopole zu sterben oder im Bürgerkrieg in Polizei-, Grenzschutz - oder Bundeswehruniform auf Bruder, Schwester, Vater und Mutter zu schießen.

Das ist es, was der Kapitalismus ihnen zu bieten hat: ein Sklavendasein in Not und Elend, Arbeitslosigkeit und Erniedrigung, Unterdrückung und Ausbeutung. Wer aber - wie die Revisionisten, die Pfaffen - den Sklaven tröstet, statt ihn zur Rebellion gegen die Sklaverei aufzurütteln, der unterstützt die Sklavenhalter. Lieber auf den Barrikaden der Revolution sein Leben geben, als ein Leben lang auf Knien leben!“

Im Oktober 1975 startete die Partei eine Solidaritätskampagne gegen die Todesurteile gegen Genossen unserer spanischen Bruderpartei PCE/ML. In Spanien wurden 5 spanische Freiheitskämpfer, darunter drei Mitglieder der Kommunistischen Partei Spaniens / Marxisten-Leninisten ermordet von der Franco-faschistischen Polizei. Darauf richtete die FRAP ( Kommandos der Revolutionären, Antifaschistischen und Patriotischen Front) drei der verhassten Polizisten hin, während einer in Lebensgefahr schwebte. Dafür sollte die PCE/ML nun büßen. Zu einem gemeinsamen Gespräch treffen sich kurz darauf eine Delegation des ZK der PCE/ML unter der Leitung ihres Vorsitzenden Raoul Marco, und eine Delegation der KPD/ML unter der Leitung des Genossen Ernst Aust. Nach dem Gespräch, das in einer sehr herzlichen Atmosphäre und in vollständiger Übereinstimmung stattfindet, überreicht Genosse Ernst Aust dem Genossen Raoul Marco eine Grußbotschaft des ZK an das Exekutivkomitee der spanischen Bruderpartei, in der es u.a. heißt:

„Genossen, ihr könnt jederzeit unserer vollen Unterstützung gewiss sein. Die aktive Unterstützung eures Kampfes ist für unser Volk und die KPD/ML ein besonderes Anliegen. Denn neben den US-imperialistischen Oberherren des Francismus sind es gestern wie heute dieselben Ausbeuter, die dem spanischen und einem Teil des deutschen Volkes im Nacken sitzen - die deutschen Monopole und Banken -, die westdeutschen Imperialisten, die in Spanien mitmorden, um weiterhin an der Ausplünderung der spanischen Werktätigen teilzuhaben ... Wir antworten allen diesen Blusaugern mit den gemeinsamen Kampfrufen der spanischen Freiheitskämpfer und der Bataillone `Thälmann` und `Edgar André ` : `No passarán! Sie werden nicht durchkommen! - `Pasaremos!` - Wir werden durchkommen!“

Im Herbst 1975 fand ein Gespräch zwischen Delegationen des ZK der AKP/ML (Norwegen) und der KPD/ML statt. Die gemeinsame Erklärung unterschrieb der Genosse Ernst Aust. In der Erklärung heißt es u.a.:

„Die KPD/ML und die AKP/ML stellen fest, dass im Falle des Kriegsausbruchs das Proletariat und die werktätigen Massen mit dem Ziel kämpfen müssen, den Kapitalismus zu stürzen und die Diktatur des Proletariats und den Sozialismus zu errichten. (...) In beiden Ländern, Norwegen und Deutschland ist (...) die nationale Frage ein äußerst wichtiger Hebel der sozialistischen Revolution. In beiden Ländern kann die sozialistische Revolution nicht siegen, wenn nicht zugleich ein entschlossener Kampf gegen beide Supermächte geführt wird. (...) Es herrscht völlige Übereinstimmung darüber, dass der moderne Revisionismus als Hauptfeind in der Arbeiterbewegung bekämpft werden muss. Ziel des modernen Revisionismus - wie auch der klassischen Sozialdemokratie - ist es, die Arbeiterklasse und die werktätigen Massen der Konterrevolution auszuliefern. (...) Der Marxismus-Leninismus muss im prinzipienfesten Kampf gegen alle opportunistischen Strömungen verteidigt werden.. Das betrachten beide Parteien als entscheidende Aufgabe. (...) Um die Einheit zwischen den Völkern zu erreichen, ist es notwendig, die Einheit zwischen den wirklichen Kommunisten zu stärken(...) Unsere beiden Parteien versprechen, dass sie ihre gegenseitige Kampfgemeinschaft, die Gemeinschaft zwischen den Marxisten-Leninisten in Europa und in allen Ländern der Welt stärken werden.“

Als bedeutsamer Beitrag zur Einheit der marxistisch-leninistischen Parteien in Europas ist die gemeinsame Konferenz der nordischen Marxisten-Leninisten zu werten. Die KPD/ML veröffentlichte in Norwegen gedruckten Dokumente in deutscher Sprache im Januar 1975. Auf dieser ersten wichtigen Konferenz vertreten waren:

Kommunistischer Bund (M-L) Dänemarks, Marxistisch-Leninistische Gruppen Finnlands, Oyggjaframi (M-L) der Faröer Inseln, Kommunistischer Einheitsbund (M-L) Islands, Kommunistische Arbeiterpartei Norwegens (M-L) und die Kommunistische Partei Schwedens.





1976

Das Jahr, in dem die KPD/ML in der DDR gegründet wird, und somit zu diesem Zeitpunkt die erste und einzige Partei heranwächst, die auf dem gesamten Boden der deutschen Nation für die revolutionäre Befreiung des ganzen deutschen Volkes kämpft ! = Grundlage für den revolutionären Sturz des sozialfaschistischen DDR-System, = Meilenstein für die nationale und soziale Befreiung des deutschen Volkes, = wichtiger Vorstoß zur Einheit des gespalteten deutschen Proletariats zur Vorbereitung der sozialistischen Revolution und der Errichtung der Diktatur des Proletariats in ganz Deutschland = Schaffung eines vereinten, unabhängigen sozialistischen Deutschlands, wofür die KPD/ML mit dem Genossen Ernst Aust an der Spitze seit ihrer Gründung durch ihn im Jahre 1968/69 ununterbrochen gekämpft hatte. Diese historische Rolle der KPD/ML unter der Führung des Genossen Ernst Aust wurde von der Bourgeoisie bewusst verschwiegen bzw. heruntergespielt, obwohl es Dokumente gibt, die beweisen, welche Rolle die KPD/ML in den Augen der Bourgeoisie tatsächlich gespielt hatte - eine größere als wir damals selber als Genossen im Kampf vermutet hatten ! ! Wir, die wir an diesem Kampf aktiv teilgenommen haben, werden die Bedeutung dieses historischen Ereignisses stets unvergessen machen, indem wir den Kampf der Partei, insbesondere den der heldenhaften illegalen Sektion in der DDR, zum endgültigen Sieg verhelfen werden.

In dieser Zeit war die Parteidelegation unter der Leitung des Genossen Ernst Aust in Albanien, was deutlich macht, wie wichtig die Haltung und die Unterstützung durch Enver Hoxha war, die Sektion der KPD/ML in der DDR zu gründen. Diese hatte ja nicht nur für die deutsche Arbeiterklasse eine große Bedeutung, sondern auch für die Strategie der marxistisch-leninistischen Weltbewegung in der Frage der Zurückeroberung der Diktatur des Proletariats in den revisionistischen Ländern der ganzen Welt. Enver Hoxha schrieb in dem Artikel „Die Arbeiterklasse der revisionistischen Länder muss den Kampf aufnehmen, um die Diktatur des Proletariats wieder herzustellen“ am 24. März 1968 - also kurz vor der Gründung der KPD/ML:

„Später fand in diesen Parteien, wie z.B. in der (...) deutschen (...) der organisatorische, politische und ideologische Zusammenschluss der Kommunistischen Partei ( die ja zudem durch Ulbricht revisionistisch verseucht war! - der Verf.) mit der (...) sozialdemokratischen Partei statt. Dadurch kam es, dass der sozialdemokratische Wurm nicht draußen blieb, SONDERN IN DIE PARTEI EINDRANG! Der Wein wird verwässert und jetzt wird er zu Essig. Diese sozialdemokratischen Parteien eines (...) Otto Grotewohl (...) blieben still, solange Stalin lebte, aber sie arbeiteten, wühlten, korrumpierten weiter und besetzten wichtige Posten im Innern, wo sie nur konnten. (...) Eine proletarische Revolution ohne Arbeiterklasse und ohne die Führung der marxistisch-leninistischen Partei gibt es nicht und kann es nicht geben. Die Studenten und Intellektuellen ( Enver Hoxha schreibt dies genau zum Zeitpunkt und unter dem Eindruck der 68`er Studentenbewegung - der Verf.) müssen sich zur Revolution erheben und müssen sich dabei VON DER ARBEITERKLASSE UND DER MARXISTISCH-LENINISTISCHEN PARTEI FÜHREN L A S S E N . Wenn man sie aber in der Revolution NICHT auf ihren Platz verweist und sie NICHT revolutionär erzieht, dann kann das GEGENTEIL geschehen. Niemals ist die Jugend imstande, die Aufgabe zu erfüllen und die Rolle zu spielen, die die Geschichte der Arbeiterklasse zugewiesen hat. Überall und bei allem müssen die Arbeiterklasse und die Partei an der SPITZE stehen, müssen sie die ABSOLUTE Führung haben. Die Bauernschaft und die verschiedenen sozialen Schichten müssen den Weg der Arbeiterklasse im Bündnis mit ihr gehen, müssen mit ihren Gesetzen und ihrer Ideologie erzogen werden. WER ABER DIESEN WEG NICHT GEHT UND IN DAS RAD GREIFT, DER MUSS W E G , FREIWILLIG ODER MIT GEWALT, JE NACH DEN UMSTÄNDEN“ (Hervorhebungen vom Verf.).

Das sind deutliche Worte, der Partei waren sie aber erst 1974 zugänglich veröffentlicht. Wir hätten davon schon früher erfahren müssen, dann wäre uns Vieles erspart geblieben. Nicht immer hat unsere Partei diese Worte KONSEQUENT beherzigt, auch nicht immer der Genosse Ernst Aust, was er selbstkritisch erkannt hatte. Die kleinbürgerlichen Intellektuellen, die den Arbeitergenossen die Führung aus der Hand rissen, hätten mit Gewalt aus der Partei entfernt werden müssen. Dieses Versäumnis war verhängnisvoll und hatte nur ein einziges Gutes, nämlich die Lehre daraus zu ziehen, dass das nie wieder passieren darf! Was die revolutionäre proletarische Führung anbelangt, darf sie sich nicht nur scheuen, ihre Macht zu gebrauchen, sie ist sogar dazu verpflichtet.

Mit der Gründung der KPD/ML Sektion DDR gab es in der Welt von nun an die einzige marxistisch-leninistische Partei, die auf dem Boden einer Nation sowohl gegen den westlichen Kapitalismus als auch gleichzeitig gegen den östlichen, restaurierten Kapitalismus in zwei Staaten kämpfte. Keine andere Partei der Welt hatte eine größere Möglichkeit und schwerere Verantwortung, das zusammengeknüpft in einer einzigen Partei ideologisch, politisch und organisatorisch umzusetzen und zu verwirklichen, was der Genosse Enver Hoxha forderte:

„In dieser bedeutenden Zeit für das Schicksal der Revolution können alle Marxisten-Leninisten und das Weltproletariat nicht über das schweigen, was sich in den revisionistischen Ländern abspielt, und untätig zusehen. Der proletarische Internationalismus verlangt von allen Revolutionären, dass sie ihre Stimme erheben und konsequent einen prinzipienfesten Kampf für die Zerschlagung der herrschenden revisionistischen Cliquen führen und der Arbeiterklasse und den Völkern, die heute von den Revisionisten beherrscht werden, jede erdenkliche Hilfe geben, damit diese verräterische Cliquen gestürzt werden und die Fahne der Revolution und des Sozialismus wieder gehisst wird.“

Die KPD/ML war die einzige marxistisch-leninistische Partei der ganzen Welt, die in ihrer, der deutschen Nation, sowohl gegen die eigene westliche imperialistische Bourgeoisie und der gesamten Allianz der Supermacht der USA-Imperialisten zu kämpfen hatte, als auch GLEICHZEITIG gegen die eigene östliche sozialfaschistische Bourgeoisie und der gesamten Allianz der Supermacht der sowjetischen Sozialimperialisten, wobei sie sich auch noch gegen den chinesischen Revisionismus zur Wehr zu setzen hatte, der sowohl mit den Chruschtschow-Revisionisten als auch mit den US-Imperialisten kollaborierte gegen unsere Partei, gegen unsere Arbeiterklasse, gegen das deutsche Volk. In diesem Kampf, im Zentrum des Kampfes zwischen den größten Herrschern der Welt, hat sich die KPD/ML trotz ihrer Niederlagen gegenüber dem Bündnis von Arbeiteraristokratie und intellektuellem Kleinbürgertum hervorragend geschlagen und der Welt ein glänzendes Beispiel gegeben. Hoch die Faust für Ernst Aust !

Doch bevor wir auf dieses wichtigste Ereignis des Jahres 1976 eingehen, beginnen wir mit der Neujahrsgrußadresse des ZK der KPD/ML anlässlich des 57. Jahrestages der Gründung der KPD und zum 7. Jahrestag der Gründung der KPD/ML. Aus dieser Grußadresse des Genossen Ernst Aust wollen wir einige Auszüge zitieren. Zunächst wird die internationale Lage des vergangenen Jahres analysiert:

„In vielen Ländern, in denen der revolutionäre Kampf auf das Schärfste entbrannt ist, besteht für die Zukunft der Revolution folgende große Gefahr: Während der US-Imperialismus und die innere Reaktion klar von den kämpfenden Massen als Feinde erkannt werden, besteht über dem aggressiven Charakter des russischen Sozialimperialismus nach wie vor große Illusionen (diese Illusionen hatte die Partei damals auch noch gegenüber dem chinesischen Sozialimperialismus - der Verf.). Während die Völker kämpfen, um den einen Wolf, den US-Imperialismus, zu vertreiben, schleicht sich durch die Hintertür der andere Wolf, der russische Sozialimperialismus, ins Land. Es ist für die Völker nicht leicht, diese Gefahr rechtzeitig zu erkennen; denn dieser russische Wolf hat sich den Schafspelz des `Sozialismus` und des `anti-imperialistischen Kampfes` umgehängt. (...) Die Revolution und der siegreiche Vormarsch des Sozialismus stellen nach wie vor die Haupttendenz der internationalen Entwicklung dar. Aber auch die Faktoren des Krieges sind angewachsen. Auf allen Kontinenten hat sich die Rivalität der beiden Supermächte verschärft. Ihr Ringen um die Weltherrschaft ist die Hauptquelle für die Gefahr eines neuen imperialistischen Weltkrieges. Die russischen Sozialimperialisten haben die Tatsache, dass der US-Imperialismus jahrelang in Indochina gebunden war, ausgenutzt, um ihre Positionen in Europa zu stärken. Jetzt verstärkt der US-Imperialismus ebenfalls seine Stellung in Westeuropa. Angesichts der wachsenden Kriegsgefahr aber wäre es völlig falsch, in Fatalismus zu verfallen, einseitig das Anwachsen der Faktoren des Krieges zu betonen und nicht zu sehen, dass ja auch die Kräfte der Revolution einen gewaltigen Aufschwung nehmen. Die Zukunft der Völker ist glänzend und der Sturz des Imperialismus unaufhaltsam (...).“

Diese Einschätzung stimmt völlig überein mit der Einschätzung des Genossen Enver Hoxha. Im Jahre 1975 bestätigte sich erneut die von Genossen Enver Hoxha auf dem 6. Parteitag der Partei der Arbeit Albaniens gezogene Schlussfolgerung: `Die historische Initiative ist endgültig in die Hände der Arbeiterklasse und der Völker übergegangen, den Entwicklungsweg der heutigen menschlichen Gesellschaft erschließt und bestimmt die Revolution.` Die `goldene Epoche ` der imperialistischen und sozialimperialistischen Aggressoren und der Reaktion aller Schattierungen ist zu Ende. Die Zeit arbeitet heute für die Völker, für die Revolution, die unausbleiblich ist. Die Zukunft gehört dem Sozialismus. Den im Morast der allgemeinen Krise, in der Zange des Kampfes der Völker und der revolutionären Kräfte steckende Imperialismus und Sozialimperialismus erwartet dagegen die sichere Niederlage“ („Zeri i Popullit“, dieser Artikel erschien zum Neujahr 1976 siehe „Albanien heute“ Nr. 1/76).

Die Lage in Deutschland schätzt der Genossen Ernst so ein:

„ Weil gerade in der Krise die Unversöhnlichkeit des Klassenwiderspruchs zwischen der Arbeiterklasse und der Kapitalistenklasse zum Ausdruck kommt, versuchen die Kapitalistenklasse, ihre Regierung und ihre Agenten in der Arbeiterbewegung massiv die Ideologie der Klassenversöhnung und der Klassenzusammenarbeit in die Arbeiterklasse zu tragen. (...) Und so wird die Wirklichkeit auch jene reaktionäre Propaganda widerlegen, die behauptet, in der Krise könne die Arbeiterklasse nicht kämpfen. Stillhalten oder kämpfen? - Auf diese Frage kann es nur eine Antwort geben: Kampf! Kampf gegen die wachsende Verelendung und Kampf für den Sturz der kapitalistischen Ausbeuterordnung durch die gewaltsame sozialistische Revolution. Das ist der Weg, den wir der Arbeiterklasse und den werktätigen Massen weisen müssen. Es ist der einzige Weg, der aus dem kapitalistischen Elend führt, und die Arbeiterklasse und die werktätigen Massen werden unter der Führung der Partei diesen Weg beschreiten. (...) Die Bourgeoisie treibt die Faschisierung voran.“ Genosse Ernst Aust betont, „dass die faschistische Gefahr in Westdeutschland gegenwärtig hauptsächlich unmittelbar vom imperialistischen Staatsapparat und den herrschenden Parteien der Monopolbourgeoisie aus(geht). (...) Die Verfolgungsmaßnahmen der Bourgeoisie konzentrieren sich hauptsächlich auf die Kommunistische Partei und andere Revolutionäre. (...) über 60 Jahre Gefängnis gegen Revolutionäre und Kommunisten, davon ungefähr 10 Jahre gegen Genossen und Sympatisanten der Partei und der Roten Garde.(...) die laufenden Verfahren mitgerechnet kommt man auf eine Gesamtsumme von Geldstrafen in Höhe von 500 000 DM. Klar zeigt sich die Tendenz, dass die bürgerliche Klassenjustiz von Geldstrafen zu Gefängnisstrafen übergeht. (...) Für die Kapitalistenklasse gibt es keinen anderen Weg, um zu versuchen, ihre Herrschaft vor dem Ansturm der proletarischen Revolution zu retten, als die Errichtung der faschistischen Diktatur.

Die Partei hat sich ideologisch, politisch und organisatorisch gefestigt und weiterentwickelt.(...) Unsere Partei hat deshalb stets betont, dass es gegenwärtig die Hauptaufgabe der Kommunisten ist, die Kommunistische Partei aufzubauen, die Vorhut der Arbeiterklasse für den Kommunismus zu gewinnen. Diese Phase ist nach wie vor nicht beendet, aber bei der Lösung dieser Aufgabe hat die Partei große Fortschritte gemacht.

Das wird deutlich, wenn wir auf die ersten Jahre des Bestehens unserer Partei zurückblicken. Damals stand die Verteidigung und Erhaltung der Existenz der Partei im Mittelpunkt des Kampfes. Im Kampf gegen die ZB-Fraktion oder die Liquidatoren ging es nicht nur darum, eine dem Proletariat feindliche Linie zurückzuschlagen, sondern es ging auch darum, die `nackte ` Existenz der Partei zu erhalten und zu verteidigen. Dieses Stadium hat die Partei inzwischen überwunden. Sie ist nicht nur quantitativ gewachsen, sie hat sich vor allem ideologisch, politisch und organisatorisch gefestigt und weiterentwickelt.(...) Insgesamt können wir sagen, dass die Einheit und Geschlossenheit der Partei um ihr Zentralkomitee heute fester denn je ist. Das ist ein Ergebnis der prinzipienfesten ideologischen Kampfes, den unsere Partei geführt hat, ein Ergebnis der Tatsache, dass sie es abgelehnt hat, die Einheit auf brüchiger, fauler, zentristischer Grundlage herzustellen, sondern im ideologischen Kampf stets die Verteidigung und Reinhaltung der marxistisch-leninistischen Prinzipien an die erste Stelle setzte.

(...) Im Mittelpunkt dieser Diskussion (Ausrichtung der Betriebsparteizellen, Betriebsratswahlen usw. - der Verf.) stand die Frage, wie der Kampf für die sozialistische Revolution mit dem Eingreifen in die Tageskämpfe verbunden werden muss. (...) Sie ( die Partei - der Verf.) hat die reformistischen Anschauungen bekämpft, man müsse nur die offenkundig korrumpierten Leute aus den Betriebsräten hinauswerfen, um diese zu Kampfinstrumenten der Arbeiterklasse zu machen. (...) Diese revolutionäre Einheit der Arbeiterklasse kann nur im schonungslosen Kampf gegen die Feinde in den eigenen Reihen bekämpft werden. Der Aufbau der Revolutionären Gewerkschafttsopposition ist das WICHTIGSTE Instrument, um diese revolutionäre Einheit der Arbeiterklasse zu schmieden. (...) Die Verbindung der Partei mit den täglichen Kämpfen der Arbeiterklasse muss weiter gefestigt werden; das ist der einzige Weg, um die modernen Revisionisten und den DGB-Apparat innerhalb der Arbeiterklasse zu isolieren und die Arbeiterklasse auf den Weg des revolutionären Kampfes zu führen. Das ist der Weg, auf dem wir die Vorhut der Arbeiterklasse für den Kommunismus gewinnen werden.“

Auf den demokratischen Kampf gegen Reaktion und Faschismus eingehend, hob der Genosse Ernst Aust hervor:

„Im erfolgreichen Kampf für die Einbürgerung des Genossen Sascha und gegen das 13. Strafrechtsänderungsgesetz hat die Partei richtige Schritte eingeleitet. (...) Natürlich darf man dabei nicht die Hauptaufgabe aus den Augen verlieren: auch im Kampf gegen die Faschisierung ist das Proletariat die Hauptkraft, und es ist die Aufgabe der Kommunistischen Partei, in erster Linie unter den Arbeitern zu arbeiten. (...) Wenn sich der bürgerliche Staatsapparat gezwungen sieht, verstärkt gegen unsere Partei vorzugehen, zeigt das, dass die Ausbeuter ihre Herrschaft in wachsendem Maß durch den Kampf der Partei bedroht sehen. (...) Wir müssen stärker als bisher darauf achten, unnötige Opfer im Kampf zu vermeiden. Es ist falsch. Legeale Kampfpositionen aufzugeben. Aber es ist auch falsch, dort, wo diese legalen Möglichkeiten nicht mehr existieren, dem nicht Rechnung zu tragen und dem Feind ins offene Messer zu laufen.. Wo offene und legale Kampfformen nicht mehr möglich sind, müssen wir eben verstärkt zu verdeckten Formen des Kampfes übergehen. Wir müssen immer daran denken, dass die Legalität, wie Lenin es formuliert hat, eine Falle ist und wir müssen Vorkehrungen treffen, nicht in diese Falle hineinzutappen. (...) Den modernen Revisionisten nützt es, wenn die marxistisch-leninistische und revolutionäre Propaganda verboten wird. Sie hoffen, dass sie sich den Massen dann ungehinderter als die `Kommunistische Partei` präsentieren können, um sie zu betrügen. Die modernen Revisionisten sind Todfeinde der sozialistischen Revolution, Wegbereiter des Faschismus. Im Kampf gegen die Faschisierung, für die Verteidigung demokratischer Rechte kann es mit ihnen keine Einheit geben.“

Dann geht Ernst auf die Frage des Hauptfeindes ein und grenzt sich hierbei klar von den Opportunisten ab, die in dieser Frage Verwirrung betreiben:

„ Im Verlauf der Auseinandersetzung hat unsere Partei sowohl den Fehler bekämpft, den Kampf gegen die beiden Supermächte nicht zu führen, als auch den Fehler, den Kampf gegen den westdeutschen Imperialismus und den US-Imperialismus einzustellen. Richtig haben wir die Auffassung verteidigt, dass der Hauptwiderspruch in beiden deutschen Staaten der zwischen Proletariat und Bourgeoisie ist., dass das strategische Ziel in beiden deutschen Staaten die Errichtung der Diktatur des Proletariats durch die sozialistische Revolution ist. Richtig haben wir alle Versuche zurückgewiesen, im imperialistischen Deutschland eine Etappe des Kampfes für nationale Unabhängigkeit einzuführen und vom strategischen Ziel der sozialistischen Revolution abzulenken. Richtig ist die Partei gegen die opportunistische Strömung aufgetreten, unter der Fahne des Kampfes gegen die beiden Supermächte ein Bündnis mit dem wesrdeutschen Imperialismus anzustreben. Dabei ist die Haltung zur imperialistischen Bundeswehr von besonderer Bedeutung. Es ist absolut notwendig, alle Auffassungen zurückzuweisen, die darauf hinauslaufen, man müsse im Interesse des Kampfes gegen die beiden Supermächte für eine Stärkung der Bundeswehr und der anderen imperialistischen Armeen Westeuropas eintreten. Diese Ansicht ist nicht nur vollständig unmarxistisch, sondern auch ein Angriff auf die Interessen der Arbeiterklasse und die sozialistische Revolution. Als imperialistische Armee ist die Bundeswehr ein Instrument zu gewaltsamen Niederhaltung der Arbeiterklasse und des werktätigen Volkes und zur Aggression gegen andere Völker. Niemals wird diese Armee eine reine `Verteidigungsarmee` sein. ( ...) Dagegen tritt die Kommunistische Partei für die Bewaffnung des Volkes ein. Nur das bewaffnete Volk kann sich gegen den Überfall einer oder beider Supermächte verteidigen, nur das bewaffnete Volk kann den imperialistischen Krieg in einen revolutionären Krieg zum Sturz des Imperialismus, zur Erringung eines vereinten, unabhängigen, sozialistischen Deutschlands verwandeln.“

Auf die Losung „Krieg dem imperialistischen Krieg“eingehend, sagte der Genosse Ernst Aust:

„Unsere Partei hat richtig festgestellt, dass man sich im Kampf gegen den russischen Sozialimperialismus in keiner Weise auf den US-Imperialismus stützen kann, sondern dass beide Supermächte in der gleichen Weise bekämpft werden müssen. (...) In einer Frage allerdings wurde in verschiedenen Dokumenten der Partei eine falsche bzw. unklare und missverständliche Auffassung vertreten. Es handelt sich um die Frage des Hauptfeindes der sozialistischen Revolution in Westdeutschland. So findet sich zB. im Artikel des Präsidiums der KPD/ML: `Wie muss der Kampf gegen die beiden Supermächte geführt werden?` und in unserem Diskussionsbeitrag zu den Gesprächen mit der GRF (KPD) sinngemäß die Feststellung, dass ausgehend von ganz Deutschland in erster Linie die beiden Supermächte, in zweiter Linie der westdeutsche Imperialismus und die neue Bourgeoisie in der DDR bekämpft werden müssen. Nun ist es zwar richtig, dass die sozialistische Revolution strategisch in ganz Deutschland auf der Tagesordnung steht, trotzdem herrschen in der BRD und in Westberlin einerseits und der DDR andererseits verschiedene Monopolbourgeoisien, und man muss die Frage nach dem Hauptfeind darum konkret für beide Teile unseres Vaterlandes stellen und beantworten. In beiden Dokumenten wird die Frage wird die Frage des Hauptfeindes in Westdeutschland nicht direkt angesprochen. Faktisch wurde aber in verschiedenen Dokumenten von uns die Auffassung vertreten. Auch in Westdeutschland müsse der Kampf in erster Linie gegen die beiden Supermächte und erst in zweiter Linie gegen den westdeutschen Imperialismus geführt werden.(...)“

Das ZK stellt selbstkritisch fest: „Das November-Plenum des ZK unserer Partei ist einstimmig zu der Auffassung gekommen, dass diese Einschätzung falsch ist. (...) Gegenwärtig wird die Arbeiterklasse in Westdeutschland in erster Linie vom westdeutschen Imperialismus ausgebeutet und unterdrückt, in zweiter Linie vom US-Imperialismus.“

Ernst verglich den westdeutschen Imperialismus und den US-Imperialismus mit zwei Frontlinien. Die Arbeiterklasse sieht sich demjenigen als Hauptfeind gegenüber, der sie unmittelbar und am meisten ausbeutet, unterdrückt und sich ihrer sozialistischen Revolution an vorderster Front entgegenstellt. Sie sagt ja nicht zur ersten Angriffsreihe: „Nun nimmt mal schön euren Kopf runter, damit wir den Hauptfeind in der zweiten Reihe ins Vesier nehmen können! Geschossen wird zuerst auf denjenigen, der sich als erstes der Revolution in den Weg stellt!“

Ernst fährt fort:

„Die Frage des Hauptfeindes der sozialistischen Revolution eines Landes darf man nicht mit der Frage der Hauptkriegstreiber verwechseln. Im Kampf gegen die imperialistische Kriegsgefahr müssen natürlich in erster Linie die beiden Supermächte bekämpft werden. (...) Wer gegenwärtig den westdeutschen Imperialismus als Hauptkriegstreiber bekämpft, lenkt damit von der Notwendigkeit des Kampfes gegen die tatsächlichen Kriegstreiber ab. Auf der anderen Seite darf man nicht in den Fehler verfallen, den westdeutschen Imperialismus als friedlich hinzustellen. Wenn er auch gegenwärtig nicht in der Lage ist, seine aggressiven Ziele auf eigene Faust durch einen imperialistischen Krieg zu verwirklichen, so hat er diese doch nicht aufgegeben.“

Anschließend beurteilt der Genosse Ernst Aust rückblickend die Erfolge des Kampfes für die Einheit der Marxisten-Leninisten:

„Mit der Westberliner Rede des Genossen Ernst Aust ergriff unsere Partei in dieser Frage die Initiative (...) wurden auf zentraler Ebene Aktionseinheiten mit der GRF (KPD) (... ) im Großen und Ganzen erfolgreich durchgeführt.(...) Es muss anerkannt werden, dass die Gründung der Kommunistischen Partei nur auf marxistisch-leninistischen Grundlagen erfolgen kann. Bei objektiver und selbstkritischer Untersuchung dieser Frage kann man nur zu dem Ergebnis kommen, die marxistisch-leninistischen Grundlagen der Gründung der KPD/ML anzuerkennen und die in der Hauptseite opportunistischen Grundlagen der Gründung der GRF zurückzuweisen. (...) Mit einer Einheit auf opportunistischen Grundlagen wäre nichts gewonnen.“

Ernst schreibt zum Schluss:

„ Das ZK dankt allen Genossen für ihren unermüdlichen und unerschrockenen Einsatz. (...) Unser besonderer Gruß gilt unseren Genossen im Gefängnis. Wir grüßen unsere Bruderparteien in der ganzen Welt. Es ist für unsere Partei von großer Bedeutung, dass im vergangenen Jahr die Beziehungen zu einer Reihe von Bruderparteien durch gemeinsame Gespräche und Erklärungen vertieft und gefestigt werden konnten. (...) Vorwärts mit der KPD/ML!“

Sowohl der Genosse Ernst als auch der Genosse Enver schicken zum Tod von Tschou En-lai Beileidstelegramme. Die prinzipiellen Differenzen zu Tschou En-lai waren seit langem vorhanden, ohne sie jedoch in die Öffentlichkeit zu tragen - jedenfall noch nicht...

Enver Hoxhanotierte in seinen „Betrachtungen über China“ u.a. :

„Wir waren und sind weitherzig, doch die Prinzipien unserer Partei verletzen wir nicht und machen sie auch nicht zum Spielball der opportunistischen Politik. Ich habe viel und, ich glaube, unvoreingenommen über Tschou En-lai geschrieben, doch habe ich auch keine mildernden Worte gebraucht.“

In der Nummer 3/76 vom 17. Januar veröffentlichte der ROTE MORGEN ein Interview von Radion Tirana mit dem Genossen Ernst Aust anlässlich des Besuchs einer Delegation der KPD/ML unter der Führung des Genossen Ernst Aust in Albanien - im Dezember letzten Jahres. In dem Interview fasst Ernst die wichtigsten Informationen über die Partei knapp und bündig zusammen:

„Beständig bemüht sich die Partei, ihre Verbindung zu den Volksmassen zu vertiefen und zu festigen, wobei ihre besondere Aufmerksamkeit darauf gerichtet ist, die Vorhut des Proletariats für den Kommunismus zu gewinnen. Der Schwerpunkt der Parteiarbeit liegt in den Betrieben. Neben ihrem Zentralorgan, dem ROTEN MORGEN, gibt die Partei über 100 Betriebszeitungen heraus. Sie greift entsprechend ihrer Möglichkeiten in die Kämpfe der Arbeiterklasse ein und organisiert eine Revolutionäre Gewerkschaftsopposition mit dem Ziel, die reaktionäre Gewerkschaftsführung zu isolieren, um die Tageskämpfe zu einer Schule des Revolution zu machen. Mit der Massenorganisation der RHD hat sie eine Organisation geschaffen, die durch ihre aktive Solidarität die von der Bourgeoisie verfolgten Arbeiter und Genossen unterstützt. Die besondere Aufmerksamkeit der Partei richtet sich auf die werktätige und lernende Jugend. Über ihre Jugendorganisation, Rote Garde, unterstützt sie die Kämpfe der Jugend in den Betrieben, Kasernen und Schulen und versucht sie im Geiste der revolutionären Kampftradition der deutschen Arbeiterklasse zu erziehen. Obwohl die Zahl der Bauern in Westdeutschland nur noch 9 % der Bevölkerung ist, bleiben sie jedoch nach wie vor der engste und wichtigste Bündnispartner des Proletariats. So wie die Partei neben den Betriebszeitungen, Stadtteilzeitungen, Zeitungen für die Jugend, die Soldaten hat, erscheinen auch Zeitungen für die werktätigen Bauern, greift sie mit ihren Flugblättern in ihre Kämpfe ein, wenn es auf diesem Gebiet auch noch große Mängel gibt. Aus der Schwerpunktarbeit in den Betrieben ergibt sich,, dass der Anteil der Arbeiter und auch der unteren Angestellten ständig wächst. Er beträgt schon heute über 70%. Ständig bemüht sich die Partei, den Anteil der Arbeiter zu verbessern. Besonderen Wert legt die Partei auf kontinuierliche Heranbildung proletarischer Kader. Die Leitung der Partei auf allen Ebenen besteht heute überwiegend aus Proletariern.“

Zum 30. Jahrestag, dem 11. Januar 1976, sendet der Genosse Ernst Aust im Namen des ZK der KPD/ML eine Grußadresse an das ZK der PAA, an das Präsidium der Volksversammlung der VR Albanien und an den Ministerrat der VR Albanien: „Blühender denn je steht die Volksrepublik Albanien heute in den revolutionären Stürmen unserer Zeiten, ein weithin strahlendes Leichtfeuer der Revolution und des Vormarsches des Sozialismus“, heißt es abschließend schön und treffend.


Ende des Dritten Teils