Über den 2. Parteitag der

Ernst Aust

DEUTSCHLAND DEM DEUTSCHEN VOLK!

Erklärung des ZK der KPD/ML

zur nationalen Frage

1974

 

Das ZK der KPD/ML geht bei seiner auf dem Dezemberplenum 1973 verabschiedeten Erklärung zur nationalen Frage davon aus,
daß ihre Lösung untrennbar verbunden ist mit der allgemeinen Frage der sozialistischen Revolution, daß ihre konkrete Besonderheit
zu sehen ist im historischen Rahmen unserer Epoche. Unsere Epoche ist die des Imperialismus als höchstem und letztem Stadium des
Kapitalismus, des monopolistischen, parasitären, verfaulenden, sterbenden Kapitalismus, des Vorabends der sozialistischen
Revolution des Proletariats. Ist die Epoche, deren Haupttendenz die Revolution und der Sieg des Sozialismus ist.

Die gegenwärtige internationale Lage ist gekennzeichnet durch einen Aufschwung der revolutionären Bewegung: Staaten wollen
Unabhängigkeit, Nationen wollen Befreiung,  Völker wollen Revolution. Ihre Hauptfeinde sind heute dabei die beiden nuklearen
Supermächte, die USA und die Sowjetunion, die miteinander um Hegemonie ringen. Ihr Ziel ist die Weltherrschaft, wobei der
strategische Schwerpunkt ihres Ringens z.Z. in Europa liegt. Einerseits rivalisieren sie miteinander, andererseits machen sie
gemeinsame Sache, wobei die Rivalität absolut und langdauernd ist, während die Kollaboration relativ und vorübergehend ist.
Während der Westen stets darauf bedacht ist, den Sowjetrevisionismus nach Osten, auf die Volksrepublik China, abzulenken, sind
die Sowjetrevisionisten da China zu einem unbezwingbaren Bollwerk des Sozialismus geworden ist gegenwärtig dabei, ein
Scheinmanöver im Osten zu vollführen, den Angriff aber im Westen zu unternehmen. Zu diesem Zweck haben die imperialistischen
Führer in Moskau die Anzahl ihrer Nuklearraketen, die auf Westeuropa gerichtet sind, auf 700, haben sie die Zahl ihrer Panzer, die in
der DDR stationiert sind, um 1 000 erhöht, so daß heute den 28 000 Panzern des Warschauer Paktes in Europa 6 600 der NATO
gegenüberstehen, haben sie ihre Flotte im Mittelmeer beträchtlich verstärkt.

In der gegenwärtigen internationalen Lage, die von der stürmischen Entfaltung der Kämpfe der Länder um Unabhängigkeit, der
Nationen für Befreiung und der Völker für Revolution gekennzeichnet ist, ist es Aufgabe der deutschen Arbeiterklasse, des deutschen
Volkes, sich aktiv einzureihen in die Front der gegen das Hegemoniestreben der zwei Supermächte kämpfenden Völker der Welt,
wobei es gilt, die Widersprüche im imperialistischen Lager auszunutzen und zu verschärfen.



Am Vorabend der sozialistischen Revolution

  Während der historische Rahmen, «die Haupttendenz in der heutigen Welt ist Revolution«, von allgemeiner Gültigkeit ist, bestehen
doch von Land zu Land Unterschiede. Während z.B. in Ländern Asiens, Afrikas und Lateinamerikas das Proletariat im Bündnis mit
den anderen werktätigen Schichten und zeitweilig auch mit der nationalen Bourgeoisie im Kampf gegen den Imperialismus und
dessen einheimische Lakaien steht, mit dem Ziel der Durchführung der neudemokratischen und der sozialistischen Revolution
(wobei der Übergang von der einen zur anderen Etappe als zusammenhängender Prozeß länger dauern oder fast gleichzeitig
geschehen kann), steht das Proletariat der Länder, in denen der Kapitalismus schon lange zur herrschenden Produktionsweise
geworden ist, in denen alle wesentlichen Spuren vorkapitalistischer Produktionsverhältnisse beseitigt sind, in denen die Monopole im
Wirtschaftsleben die entscheidende Rolle spielen und das Bankkapital mit dem Industriekapital zum Finanzkapital verschmolzen ist,
unmittelbar vor der Aufgabe der Vorbereitung und Durchführung der proletarischen, der sozialistischen Revolution.

  Das gilt für Länder wie z.B. die USA, Frankreich, Italien, die Bundesrepublik, England, Japan u.a., aber auch für Länder, in denen
durch die revisionistische Entartung der Kapitalismus in neuer Form restauriert wurde, wie z.B. die Sowjetunion, die DDR, die
Tschechoslowakei u.a. In allen steht die Vorbereitung und Durchführung dieser Revolution, die Errichtung bzw. Wiedererrichtung
der Diktatur des Proletariats auf der Tagesordnung. Wobei es natürlich in allen diesen Ländern - abgesehen vom unterschiedlichen
Stand der Klassenkämpfe und dem Bewußtsein der werktätigen Massen - konkrete Besonderheiten gibt.. 


Die konkrete deutsche Besonderheit

Die Besonderheit, die die Deutsche Bundesrepublik, die DBR, wie auch die Deutsche Demokratische Republik, die DDR,
gemeinsam haben, die sie aber von all diesen Ländern unterscheidet, ist die willkürlich herbeigeführte Teilung Deutschlands in zwei
Staaten einer Nation; ist die Besetzung dieser beiden Staaten durch die Truppen ausländischer imperialistischer Mächte und ihre
Bindung an verschiedene, aggressive, militärische Bündnissysteme, die unter der Oberhoheit der US-Imperialisten stehende NATO
und den von dem sowjetischen Sozialimperialismus beherrschten Warschauer Pakt; ist die ungelöste Frage unserer, der deutschen
Nation.
Wie im Weltmaßstab, so rivalisieren und kollaborieren die USA-Imperialisten und die sowjetischen Sozialimperialisten auch in der
deutschen Frage gegen- und miteinander, wobei sie sich der jeweiligen deutschen Regierung in ihrem Bereich als Komplize und
Handlanger (DBR) oder Vasallen (DDR) bedienen. Während sie einerseits die Teilung Deutschlands am liebsten bis auf den St.
Nimmerleinstag aufrechterhalten möchten nichts fürchten sie mehr als ein einiges, unabhängiges, vor allem sozialistisches
Deutschland versuchen sie andererseits, den jeweils anderen Teil Deutschlands in ihren Machtbereich einzubeziehen. Ist heute
Europa ein wichtiges Objekt im Kampf zwischen den beiden Supermächten, so trifft dies auf Deutschland erst recht zu.

Die USA setzen ihre lastenden Besteuerungen ihrer »Verbündeten« fort. Acht Milliarden D-Mark soll die Bundesrepublik für die
nächsten zwei Jahre, 38 Milliarden Mark mußte sie seit 1961 für die Stationierung der US-Truppen bezahlen. Sie versuchen den
europäischen Ländern ihr Wirtschaftsdiktat aufzuzwingen und ihre eigene große Wirtschaftskrise auf sie abzuwälzen. Rund 22 % der
westdeutschen Wirtschaft, Schlüsselindustrien wie die Erdöl verarbeitende, die Elektronische Daten Verarbeitung (EDV) u.a.
befinden sich im direkten Besitz der US-Monopole.

 Während andere europäische Regierungen, wie beispielsweise die französische, sich zunehmend gegen das Diktat der Supermächte
zur Wehr setzen, bemüht sich die Bundesregierung einerseits, liebedienerisch im Windschatten der Supermächte segelnd, an der
Ausbeutung fremder Völker teilzunehmen und abzusahnen, was ihr die zwei Großen übriglassen. Andererseits versucht sie in
Ausnutzung der Rivalität der Supermächte ihre wirtschaftliche und politische Vormachtstellung in Europa zu festigen, ihren
imperialistischen Einfluß auf die Länder der Dritten Welt auszudehnen, ihre Militarisierung voranzutreiben, um eines Tages selbst zu
einer Supermacht zu werden.

 

 

Der nationale Verrat der deutschen Monopolbourgeoisie

Schon immer hat die deutsche Monopolbourgeoisie die nationalen Interessen des deutschen Volkes verraten. Um ihre verlorene
Macht so schnell wie möglich wieder zu errichten, war sie nach dem II. Weltkrieg zu jedem Zugeständnis bereit. Da sie sich nicht
mehr imstande sah, ganz Deutschland ihrer kapitalistischen Herrschaft zu unterwerfen, sabotierte sie mit Hilfe des
USA-Imperialismus das Potsdamer Abkommen, sprengte sie die Einheit der Nation, löste sie Westdeutschland aus dem
Nationalverband der Deutschen heraus und unterwarf es den Interessen des amerikanischen Imperialismus.
In ihrem Verrat an den Interessen des deutschen Volkes ging die deutsche Monopolbourgeoisie soweit, in den Pariser Verträgen der
Besetzung Westdeutschlands durch Truppen der Westmächte bis zum Jahre 2005 zuzustimmen. Der Anschluß an das imperialistische
NATO-Militärbündnis sollte es ihr ermöglichen, unter neuen Bedingungen ihre alte, der deutschen Nation so verderbliche Politik der
Aggression, des Krieges fortzusetzen. Gleichzeitig dient die Stationierung fremder imperialistischer Truppen auf westdeutschem
Boden diesen als Aufmarschgebiet gegen andere Völker, der deutschen Monopolbourgeoisie aber als Schutz, als letzte Rettung für
den Fall, daß ihre Herrschaft durch den bewaffneten Aufstand des Volkes, durch die proletarische Revolution gefährdet wird.

Die Arbeiterklasse der früheren SBZ und späteren DDR führte unter der Führung ihrer damals noch revolutionären Partei im
Bündnis mit den anderen werktätigen Klassen und Schichten des Volkes einen konsequenten Kampf für die Einheit der deutschen
Nation. Zahlreich waren die Vorschläge der DDR-Regierung für die Wiedervereinigung Deutschlands durch freie gesamtdeutsche
Wahlen und den Abschluß eines Friedensvertrages auf der Grundlage des Potsdamer Abkommens. Entschieden unterstützte sie den
Kampf der westdeutschen und Westberliner Werktätigen für die Verwirklichung des Potsdamer Abkommens und gegen das
Wiedererstarken des deutschen Imperialismus.

Gleich nach 1945 wurden in der sowjetisch besetzten Zone die Forderungen des Potsdamer Abkommens erfüllt: Die aktiven Nazis
wurden bestraft, die Kriegsverbrecher, die Junker, Konzern- und Monopolherren enteignet, die Schulen und Ämter vom braunen
Ungeist gesäubert.


1949 entstand auf deutschem Boden der erste sozialistische Arbeiter- und Bauernstaat, auf den sich zum Zeitpunkt seiner Gründung
die hoffnungsvollen Blicke des westdeutschen und internationalen Proletariats richteten. Der Übergang zum Sozialismus in der DDR
erfolgte keineswegs friedlich. Er erfolgte im harten Klassenkampf gestützt auf die bewaffneten Streitkräfte der Arbeiterklasse und der
Roten Armee. Voller Elan gingen die Werktätigen der DDR an den Aufbau ihrer sozialistischen Heimat.

Im Jahre 1954 erhielt die DDR im Staatsvertrag mit der Sowjetunion ihre Souveränität. Kaum aber hatte die revisionistische
Chruschtschow-Clique im Jahre 1956 in Moskau die Macht an sich gerissen, kaum hatte sie ihren Kuhhandel mit dem
USA-Imperialismus zwecks Aufteilung der Welt in Interessensphären begonnen, schränkte sie die Souveränität der DDR ein und
befahl über ihre Handlanger in der SED und KPD die Einstellung des Kampfes gegen den USA-Imperialismus in der Bundesrepublik.

 

 

DDR: Verrat am Sozialismus und der Nation

Ende der fünfziger Jahre schritt die schon vorher begonnene revisionistische Entartung in der DDR weiter voran. Statt Festigung
des Sozialismus Ökonomismus, statt ideologischer Revolutionierung der Massen Bürokratismus und Förderung bürgerlichen
Denkens, statt Fortführung des Kampfes um die Einheit der Nation Betteln bei der westdeutschen Monopolbourgeoisie um staatliche
Anerkennung. Mit der Einführung ihres «Neuen ökonomischen Systems« untermauerte die SED-Führungsclique die allgemeinen
Bedingungen für die rasche Entwicklung einer Bourgeoisie neuen Typus. Damit wurde der Kapitalismus restauriert, damit vollendete
sie ihren Verrat am Sozialismus!

Heute erweist sich die DDR-Regierung als treuer Lakai ihrer Herren in Moskau. Stillschweigend nahm sie es hin, als die neuen
Zaren im Kreml beim Abschluß ihres Moskauer Vertrages mit dem westdeutschen Imperialismus die Forderung auf völkerrechtliche
Anerkennung der DDR durch die Bonner Regierung unter den Tisch fallen ließen und sich beim Abschluß des
»Viermächteabkommens über Berlin« 1971 kolonialherrlich anmaßten, über die Souveränitätsrechte der DDR zu bestimmen.
Während sie früher das Bestehen einer deutschen Nation nicht leugneten und von der DDR als von einem »Sozialistischen Staat
deutscher Nation« sprachen, leugnen sie heute deren Existenz und sprechen von einer »sozialistischen Nation in der DDR« und einer
»kapitalistischen Nation in der BRD«, was nicht ausschließt, sollten es ihre sozialimperialistischen Herren in Moskau befehlen, daß sie
eines Tages wieder von einer deutschen Nation sprechen. Die Ostberliner Stiefellecker der neuen Zaren im Kreml zittern vor dem
Zorn der Werktätigen der DDR und stützen sich auf die sowjetischen Bajonette. Sie sind die Statthalter der Herren in Moskau, auch
wenn die neue Bourgeoisie der DDR versucht, im Schlepptau des Sozialimperialismus an der Unterdrückung und Ausbeutung
fremder Völker teilzunehmen und nach mehr Unabhängigkeit strebt.

Heute verraten die Regierungen beider deutscher Staaten die nationalen Interessen des deutschen Volkes und treten sein
Selbstbestimmungsrecht mit Füßen. Beide haben sie die nationale Einheit Deutschlands den Interessen ihrer Komplizen in
Washington bzw. ihrer Herren im Kreml zum Opfer gebracht.

 

 

Erhöhung der Kriegsgefahr

  Gleichzeitig erhöht die fortbestehende Teilung Deutschlands, die Bindung an die NATO und den Warschauer Pakt, die Gefahr für
unser Volk und Land, in einen militärischen Konflikt der Supermächte hineingezogen und zum Schlachtfeld eines Krieges zu
werden. Die USA-Imperialisten benutzen Westdeutschland als Nachschubdepot für ihre Aggressionshandlungen in Asien und im
Nahen Osten. Die sowjetischen Sozialimperialisten benutzten Ostdeutschland als Aufmarschgebiet für ihren Überfall auf  die
Tschechoslowakei und setzten dabei sogar deutsche Truppen ein. Auch der westdeutsche Imperialismus hat nichts von seinem
aggressiven Charakter verloren, auch wenn von ihm zur Zeit nicht die Hauptgefahr für den Frieden, die Unruhe in der Welt ausgeht,
deren Ursache das Ringen der USA und der Sowjetunion um Weltherrschaft ist. Ständig schreitet er auf dem Weg der Militarisierung
und Aufrüstung, der Kriegsvorbereitung, dem Weg militärischer Drohung und Erpressung nach außen wie nach innen voran. Die
westdeutschen Imperialisten sprechen zwar von der Nation und der Notwendigkeit der Wiedervereinigung Deutschlands, die sie
unter ihrer Herrschaft auf die eine oder andere Art zu erreichen trachten. Entweder im Schacher mit den sowjetischen
Sozialimperialisten, der Erpressung, wenn sich diese in verstärkten inneren und äußeren Schwierigkeiten befinden, oder auch
militärisch mit dem USA-Imperialismus im Rücken in Ausnutzung einer entsprechenden Situation in der DDR. Deshalb halten sie
auch an ihrem Alleinvertretungsanspruch für ganz Deutschland fest. Deshalb weigern sie sich auch, die DDR voll völkerrechtlich
anzuerkennen.

Wie vor dem II. Weltkrieg die britischen und französischen Imperialisten mit Hitlerdeutschland allerlei Abkommen schlossen, um
die Aggressivität des deutschen Imperialismus gen Osten, gegen die damals sozialistische Sowjetunion zu lenken, so schlossen die
westdeutschen Imperialisten ihr Moskauer Abkommen mit den sowjetischen Sozialimperialisten einerseits, um sich die nötigen
Rohstoffe zu sichern, ihren Kapitalexport zu intensivieren, sich politischen Einfluß zu sichern, und andererseits, um die Aggressivität,
das Expansionsstreben der sowjetischen Supermacht nach Osten, gegen das sozialistische China zu lenken. Bekanntlich aber griff
Hitler, bevor er die sozialistische Sowjetunion überfiel, die imperialistischen Westmächte an. Wie Hitler ständig vom Frieden und
seiner Bereitschaft zur Abrüstung redete, während er wie wahnsinnig aufrüstete, um andere Länder, wie beispielsweise die
Tschechoslowakei, zu überfallen, erheben die sowjetischen Imperialisten ein großes Geschrei um Frieden und «europäische
Sicherheit«, während sie gleichzeitig ihre atomare Rüstung vorantreiben, eine faschistische Diktatur in ihrem Lande errichten, die
sowjetischen Nationalitäten unterjochen und andere Länder, wie beispielsweise die Tschechoslowakei, überfielen. Sie werden dabei
unterstützt von den revisionistischen Führern, wie denen der D«K«P, die das aggressive, imperialistische Wesen dieser Supermacht
verschleiern, indem sie ihr,um die Volksmassen zu täuschen, Attribute wie sozialistisch und friedliebend anhängen; indem sie
behaupten, durch die Stärke des «sozialistischen«, sprich revisionistischen Lagers sei es gelungen, die «friedlichen, vernünftigen
Kräfte« des US-Imperialismus gegenüber den aggressiven zu stärken, indem sie davon schwätzen, die Welt sei durch die
vorübergehende Kollaboration der Supermächte in das Zeitalter des Friedens eingetreten. Damit dienen sie den Interessen der beiden
Supermächte, besonders den sowjetischen Sozialimperialisten, indem sie versuchen, unser Volk einzuschläfern und unser Land zu
einer leichten Beute werden zu lassen.

  Die Imperialisten teilen die Welt nicht etwa aus besonderer Bosheit unter sich auf, sie streben in Konkurrenz zueinander nicht nach
Hegemonie, nach Weltherrschaft, weil sie unvernünftig und bösartig sind, sondern weil die erreichte Stufe der Kapitalkonzentration
sie zwingt, diesen Weg zu beschreiten, um Profite zu erzielen.

 

 

Das Proletariat muss seine Bewaffnung betreiben !

Die KPD/ML wendet sich entschieden gegen diese konterrevolutionäre, den Interessen der Supermächte dienende Politik der
modernen Revisionisten. Sowenig wie ein Kamel durch ein Nadelöhr geht, sowenig werden die imperialistischen Großmächte ihr
Streben nach Hegemonie aufgeben, werden sie zu einer echten internationalen Entspannung und Abrüstung bereit sein. Wenn die
zwei Supermächte von Abrüstung sprechen, so meinen sie nur, daß die kleinen und mittleren Staaten abrüsten sollen, während sie
selbst im Verhältnis ihre absolute militärische Überlegenheit behalten. Durch Forderung nach «Abrüstung« und durch «Pazifismus«
werden die Arbeiterklasse und anderen Werktätigen weder den Militarismus beseitigen, noch ihre eigene Freiheit erkämpfen. Das
Proletariat muß daher seine Bewaffnung und allseitige militärische Ausbildung betreiben. Das ist eine Grundvoraussetzung für die
sozialistische Revolution und die Verwandlung eines etwaigen imperialistischen Krieges in einen Bürgerkrieg gegen die eigene
Bourgeoisie. Deshalb strebt die KPD/ML die allgemeine Volksbewaffnung an.


Genauso entschieden wie den marktschreierischen Pazifismus einer gewissen »Linken« und die abstrakten anti-militaristischen
Thesen ohne Prinzip gewisser trotzkistischer Gruppen weist die KPD/ML die Auffassung zurück, der notwendige Kampf gegen die
Vorherrschaft der Supermächte erfordere ein zeitweiliges Bündnis der westdeutschen  Arbeiterklasse mit dem westdeutschen
Imperialismus und daraus folgernd die zeitweilige Einstellung des Klassenkampfes durch das Proletariat und seine  revolutionäre
Partei. Abgesehen davon, daß man den Klassenkampf nicht einstellen kann, gleicht diese Forderung den sozialchauvinistischen
Auffassungen der sozialdemokratischen Verräter der II. Internationale, die im 1. imperialistischen Weltkrieg unter dem Vorwand, der
Verteidigung der Heimat z.B. gegen das reaktionäre Zaristische Regime die deutsche Arbeiterklasse zum Kampf an der Seite der
deutschen Imperialisten aufriefen. Sollte es zu einem Krieg zwischen den Supermächten kommen und der westdeutsche
Imperialismus sich daran beteiligen, wäre dies ein imperialistischer Krieg, den das Proletariat in einen Bürgerkrieg gegen die eigene
Bourgeoisie verwandeln müßte.

 

 

Einreihen in die weltweite Kampffront gegen die Supermächte !

Der entscheidende Weg für das deutsche Proletariat, sich einzureihen in die weltweite Front der gegen das Diktat der Supermächte
kämpfende Völker, ist, den Feind dort anzugreifen, wo er steht, auf dem Boden unserer Heimat ! Unser, der proletarische
Internationalismus der revolutionären Bewegung bleibt eine hohle Phrase, wenn wir nicht im eigenen Land den Kampf aufnehmen
gegen die Herrschaft der Supermächte und ihrer einheimischen Bündnispartner und Lakaien, den westdeutschen Imperialismus und
die Honneckerclique. Indem wir für die Befreiung der deutschen Nation kämpfen, nutzen und verschärfen wir die Widersprüche im
imperialistischen Lager.

Das deutsche Volk wünscht die nationale Einheit. Es wünscht ein unabhängiges Deutschland, ein Deutschland, in dem keine
amerikanischen und keine sowjetischen Panzer rasseln, in dem kein Dollar die Inflation treibt, in dem keine amerikanischen
Konzerne und keine sowjetischen »Kooperationsverträge« die Arbeiter zusätzlich ausbeuten. Das deutsche Volk wünscht ein
vereintes und friedliches Deutschland, von dessen Boden aus nie wieder Kriegsbrandstifter vom Schlage der Krupp, Thyssen, Flick
und Konsorten einen imperialistischen Raubkrieg entfesseln können.

Tatsache ist, daß zur Zeit auf deutschem Boden zwei deutsche Staaten existieren, daß eine Grenze mitten durch Deutschland
verläuft. Fest steht, daß beide Supermächte, die USA und die UdSSR, am Fortbestand der Teilung Deutschlands, der
Aufrechterhaltung des status quo interessiert sind. Interessiert daran ist auch die herrschende Klasse der DDR, die nur so ihre Macht
gesichert sieht. Deshalb ihre Behauptung von der Nichtexistenz der deutschen Nation.

Der westdeutsche Imperialismus aber, die deutsche Monopolbourgeoisie hat schon  immer die Interessen des deutschen Volkes
verraten. Wenn sie von Nation spricht, meint sie Profit und Weltherrschaft. Während sie nach »nationalem Selbstbestimmungsrecht«
schrie, versklavte sie ganze Völker, unterjochte sie fremde Nationen. Was sie predigt, um das Volk vor ihren Kriegskarren zu
spannen, ist die Überheblichkeit gegenüber anderen Nationen. Wenn sie heute von Wiedervereinigung spricht, meint sie nur die
Ausdehnung ihres Herrschaftsbereichs auf die DDR, meint sie die Zurückgewinnung ihrer verlorengegangenen Güter, Fabriken und
Banken.



Keine Wiedervereinigung unter dem westdeutschen Imperialismus !

Die Werktätigen, die Arbeiterklasse der DDR haben kein Interesse daran, die Herrschaft ihrer revisionistischen neuen Bourgeoisie
durch die Wiedereroberung der Macht durch die alte imperialistische Bourgeoisie einzutauschen. Sie verteidigen die noch
bestehenden, im Sozialismus erreichten Errungenschaften gegen die Angriffe der neuen Bourgeoisie. Sie erkennen, wie die
Werktätigen der anderen revisionistischen Länder Osteuropas, mehr und mehr, daß nur der Kampf gegen die sowjetische
sozialimperialistische Besatzungsmacht, und der Kampf für die Wiedererrichtung der Diktatur des Proletariats in einer zweiten
proletarischen Revolution ihre Lage entscheidend ändern und den Sozialismus wiedererrichten kann.

Die westdeutsche und Westberliner Arbeiterklasse und ihre revolutionäre Partei, die KPD/ML, stehen in diesem Kampf fest an der
Seite ihrer Klassenbrüder in der DDR, ihrer marxistisch- leninistischen Vorhut und wird sie im Kampf um die Erhaltung der im
Sozialismus erreichten Errungenschaften und die Wiedererrichtung der Macht der Arbeiterklasse, der proletarischen Diktatur voll
unterstützen.

Wenn wir Marxisten -Leninisten von der Nation sprechen, gehen wir von folgender Bestimmung aus: Eine Nation ist eine historisch
entstandene stabile Gemeinschaft von Menschen, entstanden auf der Grundlage der Gemeinschaft der Sprache, des Territoriums, des
Wirtschaftslebens und der sich in der Gemeinschaft der Kultur offenbarenden psychischen Wesensart.



Die deutsche Nation existiert

Wer heute davon spricht, daß die deutsche Nation nicht mehr existiert, daß es heute zwei deutsche Nationen gibt, unterschätzt die
Stabilität der Nation. Auch 25 Jahre nach der Teilung sprechen die Deutschen in Ost und West noch immer dieselbe Sprache,
nämlich die deutsche. Dasselbe gilt für das zweite Merkmal, die Gemeinschaft des Territoriums. Dadurch, daß man gewaltsam eine
Grenze mitten durch Deutschland gezogen hat, hat sich nichts daran geändert, daß das deutsche Volk auf einem kompakten
Territorium im Zentrum Europas lebt. Zwar wurde die Gemeinschaft des Wirtschaftslebens weitgehend unterbrochen, die DBR in
den Wirtschaftsblock der EWG, die DDR in das COMECON eingegliedert, doch ändert dies nichts daran, daß
dies eben zum Schaden des deutschen Volkes geschah. So leidet die DDR immer noch an einem Mangel an Rohstoffen, z. B. Kohle,
die sie aus Polen einführen muß, während im Ruhrgebiet Zeche auf Zeche stillgelegt wird. All diese und andere Schwierigkeiten, die
sich aus der Spaltung Deutschlands ergeben haben, sind nichts anderes als ein Ausdruck der Tatsache, daß die heute getrennten
Gebiete Deutschlands die Teile eines zusammengehörenden Wirtschaftskörpers darstellen. Auch an der psychischen Wesensart der
Deutschen, mit all den Vorteilen und guten Eigenschaften wie auch ihren Schwächen und Fehlern, die ihnen eigen sind, hat sich
hüben wie drüben wenig geändert. Die Geschichte hat bewiesen, daß Nationen nicht so rasch verschwinden. Jahrhundertelang war
Polen in zwei, drei Teile zerrissen, ohne daß die Polen ihren Charakter als Nation verloren hätten.

Wer heute behauptet, daß die deutsche Nation nicht mehr existiert, unterstellt der Nation ein fünftes Merkmal, das eines
einheitlichen, abgesonderten Nationalstaates. Das aber führt in der Praxis unvermeidlich zur Rechtfertigung der nationalen,
imperialistischen Unterdrückung. Diese Theorie führt dazu, die unterdrückten und nicht vollberechtigten Nationen, die keine eigene
abgesonderten Nationalstaaten besitzen, glattweg als wirkliche Nationen zu verleugnen, und das Recht daraus abzuleiten, diese
Nationen zu unterjochen.

Das heißt, indem die Machthaber der DDR von zwei abgesonderten deutschen Nationalstaaten sprechen, haben sie auch hier ganz
klar die Prinzipien des Marxismus-Leninismus verraten und sich auf die Position der imperialistischen Unterdrücker gestellt. Die
ganze Schamlosigkeit ihres Verrats an der Nation kommt auch darin zum Ausdruck, daß sie z.B. bemüht sind, aus ihrer
Nationalhymne die Worte »Deutschland einig Vaterland« verschwinden zu lassen, indem sie das Singen dieser Textzeilen
unterbinden. Wie die imperialistische Bourgeoisie Westdeutschlands, verschachert die neue Bourgeoisie Ostdeutschlands zwecks
Aufrechterhaltung ihrer Klassenherrschaft die nationalen Interessen des deutschen Volkes.



Charakter der bürgerlichen Nation

Wenn wir Marxisten-Leninisten die Frage der Nation aufwerfen, die Frage des Kampfes um die Existenz der deutschen Nation, so
können wir sie nur sehen und lösen im Rahmen unserer historischen Epoche. Wenn wir von Nation und Nationalismus sprechen,
müssen wir einen Unterschied machen zwischen dem Nationalismus, dem Chauvinismus, der andere Völker unterdrückt, und dem
Nationalismus, dem Patriotismus der unterdrückten Völker, die gegen die nationale Unterdrückung kämpfen. Die Nationen, die in der
Frühepoche des Kapitalismus entstanden sind, sind bürgerliche Nationen. Ihre spezifischen Merkmale sind:


1.)daß sie keine soziale Einheit darstellen, sondern durch Klassenantagonismen zerrissen sind, daß eigentlich, wie Lenin vor dem
ersten Weltkrieg sagte, jede Nation aus »zwei Nationen« besteht, nämlich der Bourgeoisie und dem Proletariat, und daß die Losung
von der Einheit der Nation in diesem Rahmen nur dazu dient, die Klassengegensätze zu vertuschen, die Arbeiterklasse von der
Erkenntnis ihrer eigenen Klassenlage abzulenken;

2.) daß ihre Ideologie der Nationalismus, die Feindschaft gegen andere Nationen ist, die der Bourgeoisie als Mittel zur Durchsetzung
ihrer ökonomischen Interessen dient, der Nationalismus, der in der Erweiterung des Territoriums der eigenen Nation durch Annexion
fremder nationaler Territorien, im Mißtrauen und Haß gegen fremde Nationen, der Unterdrückung nationaler Minderheiten und der
Einheitsfront mit dem Imperialismus seinen Ausdruck findet;

3.) daß die nationale Kultur, Bildung, Wissenschaft, Kunst nicht Angelegenheit der ganzen Nation, der Volksmassen werden kann,
sondern sich im wesentlichen auf die herrschenden Schichten beschränkt;

4.) daß das Schicksal der bürgerlichen Nation untrennbar mit dem Schicksal des Kapitalismus verbunden ist.

 

 

Charakter der sozialistischen Nation

Das heißt, wo der Kapitalismus gestürzt wird, wo das Proletariat die politische Macht erobert und im Aufbau des Sozialismus die
Überreste des Kapitalismus liquidiert, dort verschwindet auch die bürgerliche und entsteht die sozialistische Nation. Die Merkmale
der sozialistischen Nation sind:

1.) Das Proletariat unter der Führung seiner kommunistischen Partei wird zur leitenden Hauptkraft der neuen, sozialistischen
Nation, die Nation wird zur größtmöglichen Einheit. In dieser Periode ist die zwar besiegte, aber noch nicht vernichtete Bourgeoisie
der erbittertste Feind der Nation und jederzeit zum Verrat an ausländische Imperialisten bereit. Immer behält sie noch die Hoffnung
auf Restauration ihrer Herrschaft und diese Hoffnung verwandelt sich in Versuche der Restauration.

2.) Die Freundschaft der Völker untereinander, die sich durch die Beseitigung der nationalen Unterdrückung und all ihrer Reste,
durch die freie Entwicklung aller, auch der kleinsten Nationen herausbildet. Die Ideologie der sozialistischen Nation ist der
Proletarische Internationalismus.
3.) Daß die nationale Kultur, und nicht nur die neugeschaffene sozialistische Kultur, sondern auch das fortschrittliche klassische
Kulturerbe zum Gemeingut der ganzen Nation, des ganzen Volkes werden. Zum erstenmal wird die Kunst wirklich eine
Angelegenheit des ganzen Volkes.

Das setzt natürlich die Liquidierung des Analphabetentums, das gerade bei den unterdrückten Nationen noch weit verbreitet ist,
voraus. Erst sie ist die Voraussetzung, Wissenschaft und Kunst und das ganze kulturelle Gut der Nation den Massen nahezubringen.
Dazu ist weiter notwendig, daß die Menschen, angefangen beim Schulkind bis über die Erwachsenenbildung, lernen, die Geschichte
ihres Landes, die Ergebnisse kulturellen Schaffens zu verstehen und zu überblicken. Die vielen Genossen und Kollegen, die einmal in
Albanien weilten, die zahlreichen Museen sahen, Konzerte und Theateraufführungen, die ständige Pflege des nationalen Kulturgutes,
die sozialistischen Filme und Ballettaufführungen erlebten, denen zeigte sich das besondere Merkmal der sozialistischen Nation, daß
die nationale Kultur Gemeingut des ganzen Volkes wird.


4.) Das Schicksal der sozialistischen Nation ist mit dem Schicksal des Sozialismus verbunden. Das heißt einerseits, so wie der
Sozialismus nicht auf einer Stelle stehen bleibt,  sondern sich entwickelt, so entwickelt sich in entsprechender Weise auch die
sozialistische Nation, bis sie schließlich als Einzelnation verschwinden wird. Dieses Verschwinden wird aber frühestens in der
Periode des Sieges des Sozialismus im Weltmaßstab beginnen und auch dann noch infolge der Stabilität der Nationen eine ganze
Weile dauern. Das heißt andererseits, wenn es wie in der Sowjetunion zu einer Restauration des Kapitalismus kommt, wird die
sozialistische Nation beseitigt und es entsteht eine bürgerliche Nation.


Wie wir sehen, unterdrückt heute - wie im alten Zarenreich - die russische Nation die  anderen Nationen und Nationalitäten der
Sowjetunion und verwandelte ihren Staat in ein Völkergefängnis, übt sie ihre Terrorherrschaft auch über die anderen Nationen
Osteuropas wie Polen, Ungarn, Bulgarien, die Tschechoslowakei und einen Teil der deutschen Nation aus. Die modernen Nationen
stellen das Produkt einer bestimmten Epoche dar, der Epoche des aufsteigenden Kapitalismus. Die Epoche 1789 bis 1871 war die des
fortschrittlichen Kapitalismus, als auf der Tagesordnung der Geschichte die Niederringung des Feudalismus, des Absolutismus, die
Abschüttelung des fremden Jochs stand. Nur in ihrer Jugend, ihrer Aufstiegsperiode ist die Bourgeoisie eine nationformende Kraft.



Die Entstehung des deutschen Nationalstaates

Anders der deutsche Nationalstaat. Er tritt mit der Annexion Elsaß-Lothringens und der schmachvollen Unterdrückung von
Millionen Polen in den östlichen Provinzen Preußens ins Leben. 1871 war die preußisch-deutsche Bourgeoisie weder jung noch
unschuldig.  Als die deutsche Nation ihre staatliche Hülle anlegte, da war dies schon kein Nationalstaat mehr, sondern ein
Nationalitätenstaat, dessen Herren sich von Anfang an mit der Unterdrückung nationaler Minderheiten im eigenen Land befleckten.
Gesättigt und gestärkt durch den Milliardenstrom der französischen Kriegsentschädigung, eröffnete die deutsche Bourgeoisie Anfang
der achtziger Jahre des vorigen Jahrhunderts  mit ihrer Kolonialpolitik ein neues, dunkles Kapitel der Völkerunterdrückung.

Hier liegen auch die Wurzeln des unechten und pervertierten Nationalbewußtseins, das zeitweilig breite deutsche Volksmassen bis in
die Reihen der Arbeiterklasse hinein erfaßte und auch heute noch nicht restlos überwunden ist. Statt eines echten Nationalstolzes, der
seine Legitimation von den großen schöpferischen Leistungen des deutschen Volkes, seiner Künstler, Philosophen, Wissenschaftler,
seiner großen Volksbewegungen und -kämpfe der Vergangenheit herleitet, entstand jener widerwärtige Hurra-Patriotismus der
Bourgeoisie, der die militärischen Erfolge der letzten Jahre zu Kopf gestiegen waren. Der Bourgeoisie, die nicht nur mit der
absolutistischen Willkür Bismarcks ihren Frieden gemacht hatte, sondern ihm und dem Kaiser nun siegestrunken und servil nachlief.
Als Gegenstück zu dieser innerpolitischen Bauchrutscherei entwickelte sie einen unverschämten Hochmut gegenüber anderen
Völkern, in denen man nur die geschichtsgewollten Adjutanten des Deutschen sah, die der germanischen Herrenrasse zu dienen
hätten. Diese Ideologie brauchte später von Hitler nur aufgegriffen und weiterentwickelt zu werden. Heute tritt uns dieser entartete
bürgerliche Nationalismus in der nach wie vor imperialistischen Großmachtpolitik der deutschen Monopolbourgeoisie entgegen, die
die Länder und Völker der dritten Welt lediglich als Ausbeutungsobjekte, als billige  Arbeitssklaven betrachtet. Er tritt uns entgegen
in der bürgerlichen Presse, ihrer Hetze z. B. gegen die arabischen Völker, »wir sind fleißig, alle anderen sind faul«. In der Methode,
Feindschaft zwischen deutschen und ausländischen Arbeitern zu säen, in der Bezeichnung von ausländischen Kollegen als
»Kanaker«, »Itakern«, »Kümmeltürken«  usw. In den diffamierenden Ausländergesetzen, in der Verweigerung der gleichen Rechte für
ausländische Kollegen, des Wahlrechts, des Rechts sich politisch zu organisieren, des Wohnrechts usw, wie auch der Verweigerung
des Zutritts in Lokalen besonders für Farbige.

 

 

Die nationale Frage in der Phase des Imperialismus

Mit dem Ende des Deutsch-Französischen Krieges von 18 70/71 ist die Schwelle erreicht, in der durch den Beginn der
imperialistischen Phase des Kapitalismus die nationale Frage in einem ganz neuen Licht erscheint. Mit der gemeinsamen
Niederschlagung des Pariser Proletariats durch die preußischen und französischen Armeen endet die Epoche, in der der Feudalismus
zu Grabe getragen wird, in der alle antifeudalen Klassen an der Erringung der nationalen Unabhängigkeit teilnehmen. Es beginnt eine
neue Epoche, eine Zeit, in der die unerhört rasche Konzentration der Produktion und Zentralisation des Kapitals einsetzt,
kapitalistische Großbetriebe zu Konzernen und Trusten zusammenwachsen, die Welt zwischen einigen Großmächten aufgeteilt wird
und diese Aufteilung schließlich, so um die Jahrhundertwende, vollendet ist.
In dieser Phase führt die Bourgeoisie der Großmächte nicht mehr Kriege, um ihren nationalen staatlichen Zusammenschluß zu
erreichen oder zu verteidigen, sondern im Gegenteil, um die Unabhängigkeit anderer Nationen, anderer Völker zu vernichten. Die
Serie von Kolonialkriegen, die der deutsche Imperialismus in den achtziger, der amerikanische in den neunziger Jahren des vorigen
Jahrhunderts beginnt, die Kolonialpolitik des britischen und französischen Imperialismus, die gemeinsame Aktion der Großmächte
zur Aufteilung Chinas-all dies sind nackte imperialistische Aktionen und Raubkriege.

Mit dem Eintritt des Kapitalismus in sein imperialistisches Stadium hat sich innerhalb der führenden Klasse, der Bourgeoisie, eine
Wandlung vollzogen. Die Macht ist endgültig an eine kleine Gruppe größter Kapitalisten, der sogenannten Finanzoligarchie,
übergegangen, die die ganze übrige Gesellschaft beherrscht, dieser ihren Willen diktiert und endgültig reaktionär geworden ist. Das
heißt, daß diese Bourgeoisie nicht mehr in der Lage ist, die führende Rolle innerhalb der Nation zu spielen. Das heißt allerdings nicht,
daß die Bourgeoisie tatsächlich die Führung in der nationalen Frage abgibt. Nur ist sie nicht mehr fähig die Nation zu führen, das
heißt, es kann unter der Herrschaft der Bourgeoisie keine Vorwärtsentwicklung der Nation mehr geben. Die Bourgeoisie hört auf,
selbst die nationalen Interessen der bürgerlichen Nation zu vertreten, sie predigt den Kosmopolitismus, sie geht zum nationalen
Verrat über, um ihre Klasseninteressen zu schützen. Dafür gibt es zahlreiche Beispiele: Die Rolle der französischen Bourgeoisie, die
1871 ganz offen die Interessen der Nation verriet, um die Pariser Kommunarden niederzuschlagen; die Rolle der russischen
Bourgeoisie, die nach der Oktoberrevolution die Interventen ins Land rief, um ihre Privilegien und Profite zu retten; die Rolle der
deutschen Bourgeoisie 1918, die sich im Bündnis mit den Sozialdemokraten den westlichen Imperialisten in die Arme warf, um der
sozialistischen Revolution im eigenen Lande zu entgehen, die nach 1945 in Westdeutschland ein gleiches tat, um die Durchsetzung
des Potsdamer Abkommens zu verhindern, das dem deutschen Volk eine günstige Voraussetzung für die Errichtung des Sozialismus
geboten hätte.
Das sehen wir auch in Ländern der 3. Welt wie z. B. Indonesien, Indien, Brasilien, Chile u. a., wo im Gegensatz zur nationalen die
Kompradorenbourgeoisie die nationalen Interessen ihrer Länder verraten, indem sie zum Eindringen ausländischer Kapitalien in die
Wirtschaft dieser Länder und zur Abdrosselung ihrer einheimischen Industrien beitragen und sich zur Aufrechterhaltung ihrer
reaktionären Klassenherrschaft jederzeit auf die Geheimdienste und Bajonette ausländischer Imperialisten stützen.

 

 

Die Bourgeoisie kann die Nation nicht mehr führen

Die Bourgeoisie im imperialistischen Stadium des Kapitalismus ist nicht mehr in der Lage, der Nation ein wirtschaftliches
Aufblühen zu sichern. Der Imperialismus ist parasitärer, verfaulender Kapitalismus, der nicht mehr in der Lage ist, die
Produktivkräfte voll zu entfalten. Das heißt, daß sich die Produktivkräfte der Nation nicht mehr so entfalten, wie es möglich wäre,
wenn sie sich frei entwickeln könnten. Die Bourgeoisie ist immer weniger in der Lage, die Arbeiterklasse voll zu beschäftigen, immer
mehr treten neue Perioden der Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit auf. Sie ist nicht mehr in der Lage, einen langfristigen
wirtschaftlichen Aufschwung zu erzielen, ständig verschlechtert sich die Lage der Werktätigen infolge von Teuerung und Inflation,
durch Arbeitshetze und gesteigerte Ausbeutung in den Betrieben. Ständig wächst auf Kosten des Werte schaffenden Proletariats ein
riesiger unproduktiver bürokratischer Betriebs- und Verwaltungsapparat, wachsen die Ausgaben für den Unterdrückungsapparat der
Bourgeoisie wie Heer, Polizei, Justiz. In ihrem Streben nach höchsten Profiten sind die Kapitalisten dazu übergegangen,
rücksichtslos die Natur unserer Heimat, die Luft, das Land, Flüsse und Meer zu verseuchen, nehmen sie den vorzeitigen Tod von
Millionen Menschen in Kauf.

Aber die Bourgeoisie ist nicht nur nicht in der Lage, ein wirtschaftliches Aufblühen zu sichern, sie vermag auch nicht mehr die
nationale Kultur zu entwickeln, sondern sie ist nicht einmal in der Lage und gewillt, das nationale Kulturerbe zu bewahren, sie wird
kosmopolitisch. Der Kosmopolitismus ist eine Ideologie der imperialistischen Bourgeoisie, die das Recht der Nationen auf
Selbständigkeit und staatliche Unabhängigkeit ablehnt, die den Verzicht auf die nationalen, patriotischen Traditionen und auf die
Nationalkultur predigt. Damit versucht sie die Völker, die ihre unabhängige staatliche Existenz und ihre Nationalkultur verteidigen,
ideologisch wehrlos zu machen.

 

 

Die Ideologie des Kosmopolitismus

Als der moderne Kapitalismus in die imperialistische Periode hineinwuchs, als die Geldausfuhr immer mehr zunahm, als die Truste
die Weltmärkte unter sich verteilten, als die Erde unter den Großmächten aufgeteilt war, da mußte der kosmopolitische Gedanke
Verbreitung finden, daß es nicht auf den Respekt vor der Nation, sondern auf die Herrschaft der Besten über alle Nationen
ankomme. Geht man den Dingen auf den Grund, so entdeckt man das Geschäft als Basis des Kosmopolitismus. Im Sinne des Geldes
war die Bourgeoisie immer international.

Besondere Verbreitung findet der Kosmopolitismus in der mit dem Ende des zweiten Weltkriegs beginnenden neuen Phase der
allgemeinen Krise des Kapitalismus. Jetzt wird er zur speziellen ideologischen Waffe des USA-Imperialismus, der die These aufstellt,
daß die Zeit der nationalen Begrenzung vorüber sei, daß man Schluß machen müsse mit der nationalen Abschließung des einen Staats
vom anderen, daß Europa die Aufgabe habe, sich zusammenzuschließen. So steht an der Wiege der EWG, der angestrebten
vereinigten Staaten von Europa, der USA-Imperialismus, weil der Bestand von vielen souveränen Staaten ebensoviel mögliche
Zollbarrieren gegen den Absatz der amerikanischen Waren bedeutet, weil die Aufgabe der Souveränität das Eindringen des
amerikanischen Kapitals erleichtert.

Von Anfang an wird die Ideologie des Kosmopolitismus von dem im Windschatten des USA-Imperialismus wiedererstarkenden
deutschen Imperialismus nachhaltig unterstützt, verspricht er sich doch durch ihn die Erringung der Vormachtstellung in der EG.
Besonders die Sozialdemokratie und neuerdings auch die modernen Revisionisten versuchen diese imperialistische Ware als eine Art
Ersatz für den proletarischen Internationalismus in die Arbeiterbewegung einzuschmuggeln. Dabei ist der Kosmopolitismus das
genaue Gegenteil des proletarischen Internationalismus. Wo dieser das Bündnis freier Völker unter Entfaltung ihrer nationalen
Kulturen erstrebt, basiert der Kosmopolitismus auf der Pariastellung der größten Klasse der Nation, des Proletariats, auf der
vernichtenden Unterdrückung der Länder der Dritten Welt und der Auslöschung ihrer nationalen Eigenarten.
Diese Ziele verfolgen auch die Monopole des gemeinsamen europäischen Marktes, der  EWG, dieses gegen das europäische
Proletariat, die europäischen Werktätigen und die Völker vor allem Afrikas und Vorderasiens gerichteten Zusammenschlusses. Die
Arbeiterbewegung in den größeren kapitalistischen Ländern Westeuropas, ihre Kampfbereitschaft nimmt quantitativ und qualitativ so
mächtig zu, daß die Bourgeoisie des jeweiligen Staates mit ihr allein nicht mehr fertig zu werden vermeint und sich durch den
Zusammenschluß die Hilfe der anderen Bourgeoisien zu sichern sucht. Schon Lenin stellte fest, daß »Vom Standpunkt der
ökonomischen Bedingungen des Imperialismus, d.h. des Kapitalexports und der Aufteilung der Welt ...die Vereinigten Staaten von
Europa unter kapitalistischen Verhältnissen entweder unmöglich oder reaktionär« sind. »Natürlich«, so stellt er weiter fest, »sind
zeitweilige Abkommen zwischen den Kapitalisten und zwischen den Mächten möglich. In diesem Sinne sind auch die Vereinigten
Staaten von Europa möglich als Ubereinkommen der europäischen Kapitalisten ...darüber, wie man mit vereinten Kräften den
Sozialismus in Europa unterdrücken, mit vereinten Kräften die geraubten Kolonien... verteidigen könnte«. Besitzen die großen
europäischen Mächte heute (außer Portugal und Spanien) keine Kolonien im alten Sinne mehr, so verfolgen sie doch die Politik, im
Konkurrenzkampf zu den zwei Supermächten, ihren neokolonialistischen Einfluß auf die Länder der dritten Welt auszudehnen. Für
das europäische Proletariat und seine marxistisch-leninistischen Vorhutparteien aber bedeutet dieser Zusammenschluß, die absolute
Notwendigkeit der  engsten Koordinierung ihres revolutionären Kampfes zum Sturz der herrschenden Klasse, für den Sieg des
Sozialismus in Europa.

 

 

Der Kampf des USA- Imperialismus gegen die deutsche Nationalkultur

In seinem Streben nach Hegemonie führte und führt der USA-Imperialismus einen systematischen Kampf gegen die deutsche
Nationalkultur und die Nationalkulturen der anderen europäischen Völker. Er wurde und wird dabei unterstützt von den
westdeutschen Regierungen von Adenauer bis Brandt. Er möchte sie vernichten, damit die Deutschen vergessen, daß sie Deutsche
sind, und daß sie eine große Vergangenheit als selbständige und begabte Nation besitzen. Er, wie heute auch die andere, die
sozialimperialistische Supermacht, möchten das deutsche Volk dazu erziehen, auf einen einheitlichen deutschen Nationalstaat und auf
die deutsche Nationalkultur zu verzichten.

Der sogenannte »american way of life«, die von den USA-Imperialisten propagierte »amerikanische Lebenweise« mit ihrer
kulturellen Verflachung und Primitivität, ihrem Konsumdenken, ihrem Rassenhaß, ihrer Korruptheit soll den Völkern aufgezwungen
werden, um deren nationale Eigenart zu verdrängen, um das wirtschaftliche, politische und militärische Eindringen des USA-
Imperialismus zu erleichtern. Sie ist nicht nur gegen das nationale, das fortschrittliche Kulturerbe anderer Völker gerichtet, sie richtet
sich auch gegen das eigene, das amerikanische Volk, gegen das fortschrittlich bürgerliche Erbe, wie es in der Politik amerikanischer
Präsidenten wie Lincoln und Jefferson zum Ausdruck kam, gegen seine gesellschaftskritische Literatur von Mark Twain bis
Hemingway, gegen den sozial anklagenden Blues der amerikanischen Negerfolklore, gegen den aus den Arbeits- und Tanzliedern der
Neger der Südstaaten hervorgegangenem ursprünglichen Jazz. Es kommerzialisiert, verflacht ihn,  macht ihn zu einer reinen
Angelegenheit des Geldverdienens, des Showbusiness, wie er in den sweets und commercials, dem Heulen und Kreischen der Bands
zum Ausdruck kommt.

  Wie in seiner ökonomischen Basis, zeigt sich im Imperialismus als letztem und höchstem Stadium des Kapitalismus, auch in allen
Bereichen seines Überbaus der parasitäre, faulende, sterbende Charakter dieser Gesellschaft. Sei es in den von ständigen
Korruptionsskandalen erschütterten Bereichen von Parlament, Justiz und Polizei. Sei es in der Flucht in religiösen Sektenwahn. Sei
es in den künstlerisch und politisch gleich erbärmlichen, perversen Phantasien eines Henry Miller. Sei es in der Trivialliteratur der
Schund- und Groschenhefte. Sei es in der dekadenten Læart pour læart, den Obszönitäten eines Salvadore Dali, dem abstrakten
Gekleckse und verbogenen Drähten von ihren von kapitalistischen Gönnern geförderten Scharlatanen. Sei es im Hasch- und
Drogenkult, dem Porno-, Mode- und Reklamerummel, den vor Rassenhaß strotzenden, bestialische Mordinstinkte verherrlichenden
Filmen und comic stripes. All diese, von der herrschenden Klasse  auch noch als fortschrittlich und modern ausgegebene, niveaulose
Gleichmacherei des Kapitalismus mit dem Ersticken aller geistigen Ansprüche, sollen das deutsche Volk,  vor allem die deutsche
Jugend vom Kampf um ihre berechtigten Klasseninteressen ablenken und reif machen, für die Interessen der  Supermächte oder des
deutschen Imperialismus auf den Schlachtfeldern neuer Kriege zu verbluten.

In den ersten 10 Jahren ihres Bestehens war die DDR ein Bollwerk in der Verteidigung der fortschrittlichen deutschen
Nationalkultur gegen den Amerikanismus, schuf sie vor allem auf dem Filmsektor zahlreiche sozialistische Kunstwerke, erzog sie die
Jugend im Geiste der Völkerfreundschaft und des proletarischen Internationalismus. Mit zunehmender revisionistischer Entartung
aber erlosch der Widerstand gegen die kapitalistischen Einflüsse. Das, was sie vorher am Kapitalismus als Ablenkung der Massen
vom Kampf um ihre Interessen zu recht kritisiert hatte, z. B. das Zahlenlotto und Fußballtoto, führte sie jetzt selbst ein. Statt das
kämpferische, sozialistische Kulturerbe des Volkes, vor allem der Arbeiterklasse weiterzuentwickeln und zu fördern, unterdrückte sie
es. Arbeiterlieder und -theater wurden aus den Film-  und Fernsehprogrammen zugunsten eines revisionistischen, dem Westen
nachempfundenen Showbusiness und der montaglichen UFA-Film- Schnulzen verdrängt. Mit dem sich festigenden Komplott der
Supermächte gegen die Völker erlosch der letzte Widerstand, so daß die DDR, wie die revisionistischen Staaten insgesamt in
zunehmenden Maße ihre Pforten der kapitalistischen Kulturbarbarei öffneten und bereitwillig aufnahmen, was dieser an Western,
Bob-Hope-Klamauk, Pop- und Moderummel u.a. zu bieten hatte.


Der Grossmachtchauvinismus der sowjetischen Sozialimperialisten

Ist der Kosmopolitismus eine Ideologie, eine Waffe mit dem das Finanzkapital, vor allem der USA-Imperialismus das Recht der
Nationen auf Selbständigkeit und staatliche Unabhängigkeit zu zerschmettern versucht, so heißt die Waffe, die sich die sowjetischen
Sozialimpenalisten zu gleichem Zwecke zugelegt haben, die Theorie von der »begrenzten Souveränität«, der »internationalen
Diktatur«. Diese Theorie, von dem sowjetrevisionistischen Oberbonzen Breschnew verkündet, vertritt die Auffassung, daß die
»Interessen« der von den sowjetischen Imperialisten kontrollierten sogenannten »sozialistischen Gemeinschaft« die »höchste
Souveränität« repräsentiere  und der begrenzten Souveränität der einzelnen Staaten vorangestellt werden müßte. Daß bei einer Gefahr
für die »Gemeinschaft« der Sowjetrevisionismus zu militärischem Vorgehen gegen ein bestimmtes Mitglied der  »Gemeinschaft«
berechtigt sei. Ein anderer Bonze der sowjetrevisionistischen Renegatenclique erklärte offen, daß die Aufgabe, die »nationale
Diktatur« in eine  »internationale Diktatur« umzuwandeln, durch die »historische Entwicklung« gestellt  sei.

Diese Theorie ist nichts weiter als die ideologische Abdekkung des Eroberungsstrebens der sowjetischen Sozialimperialisten, sie
widerspricht völlig den unabdingbaren Prinzipien der marxistisch-leninistischen Parteien in der nationalen Frage. Diese Prinzipien
sind:

1.) Die Lösung der nationalen Frage für die marxistisch- leninistische Partei ist der proletarische Internationalismus. Marxismus ist
unvereinbar mit bürgerlichem Nationalismus, denn dieser Nationalismus bedeutet Feindschaft zwischen Nationen. Der
Internationalismus hingegen bedeutet in keiner Weise Gleichgültigkeit gegenüber der nationalen Frage, sondern prole tarischer
Internationalismus bedeutet Lösung der nationalen Frage auf der Grundlage der Freundschaft und der friedlichen Beziehungen zu
anderen Nationen.

2.) Das Prinzip des Rechts aller Nationen auf Selbstbestimmung bis zur staatlichen Lostrennung.

3.) Die völlige Gleichberechtigung aller Nationen, der kleinen wie der großen. Die inneren Angelegenheiten jedes Landes müssen
durch sein Volk selbst geregelt werden. Alle Staaten und kommunistischen Parteien, ob groß oder klein, müssen ihre gegenseitigen
Beziehungen auf den Prinzipien der Gleichberechtigung und der gegenseitigen Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten
aufbauen.
Entgegen dieser marxistisch-leninistischen Prinzipien ist die Politik der neuen Zaren im Kreml die des Großmachtchauvinismus. So
gebrauchen sie den »Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe« als Mittel ihrer sozialimperialistischen Politik, mit dem sie die ihm
angehörenden Länder über die Theorie der sogenannten Arbeitsteilung in Rohstofflieferanten, Absatzmärkte für die eigenen Waren
und abhängige Verarbeitungsbetriebe verwandelt, um sie aussaugen zu können. Der »Warschauer Pakt«, einst als
Verteidigungsbündnis gegen die aggressive NATO gegründet, ist heute zu einem Werkzeug der Sowjetrevisionisten  zur
Unterdrückung seiner Mitgliedstaaten geworden, in denen der sowjetische Militärstiefel regiert. Sein aggressiver Charakter richtet sich
gegen die anderen Völker. Während die Sowjetrevisionisten rücksichtslos mit der Souveränität ihrer Satelliten, wie der DDR beim
Bonn-Moskauer-Pakt und dem Berliner Vier-Mächte-Abkommen, umspringen und sich willkürlich in deren innere Angelegenheiten
einmischen, besitzen sie noch die Frechheit, vom »proletarischen Internationalismus« zu sprechen. Ihr »Internationalismus« ist nichts
anderes als imperialistisches Weltbürgertum, Kosmopolitismus und Großmachtchauvinismus, dessen Ziel die Bezwingung und
Versklavung anderer Nationen und die Errichtung der Hegemonie in der Welt ist.


Die Arbeiterklasse muss die Führung der Nation übernehmen!

Stellen wir fest: die Bourgeoisie in der imperialistischen Phase des Kapitalismus, sowohl die alte im Westen, als auch die neue im
Osten, ist nicht mehr in der Lage, die Führung der Nation zu übernehmen. Diese Aufgabe fällt heute - bereits vor der Periode des
Sozialismus - der Arbeiterklasse und ihrer revolutionären Vorhutpartei zu. Diese Aufgabe steht durchaus nicht im Widerspruch zu
den besonderen Klasseninteressen und Klassenaufgaben des Proletariats; im Gegenteil, die Erfüllung ihrer nationalen Aufgabe
erleichtert ihr die Lösung der Klassenaufgabe, die Zerschlagung des bürgerlichen Staatsapparates in der sozialistischen Revolution.
So ist denn der Kampf um die Einheit Deutschlands ein untrennbarer Bestandteil der sozialistischen Revolution.

Die nationale Frage in Deutschland wurde durch den Bruch des Potsdamer Abkommens durch die amerikanischen, englischen und
französischen Imperialisten auf die Tagesordnung gesetzt. Sie wurde vertieft durch den Verrat der modernen Revisionisten am
Sozialismus und der Nation, durch die Entwicklung der Sowjetunion zu einer imperialistischen Macht. Die historische Besonderheit
der nationalen Frage in Deutschland besteht heute darin:

1.) daß durch die fortbestehende Spaltung Deutschlands in zwei Staaten die Existenz der einheitlichen deutschen Nation gefährdet
ist;

2.) daß durch die Stationierung von Truppen insbesondere der zwei Supermächte auf deutschem Territorium die nationale
Unabhängigkeit und Selbständigkeit beider deutscher Staaten erheblich eingeschränkt ist;

3.) daß durch die direkte Konfrontation sowjetischer und amerikanischer Truppen auf deutschem Boden im Falle eines Konfliktes
zwischen diesen, die physische Existenz des deutschen Volkes bedroht ist;

4.) daß der Kampf um die Einheit der Nation untrennbarer Bestandteil der sozialistischen Revolution, der Errichtung bzw.
Wiedererrichtung  der Diktatur des Proletariats in Deutschland ist.

Für ein vereintes, unabhängiges, sozialistisches Deutschland!

Es kann heute, da die Voraussetzungen des Potsdamer Abkommens fehlen, da der deutsche Imperialismus wiedererstarkt ist, nicht
mehr um die Wiedervereinigung Deutschlands als einheitlicher, demokratischer, friedliebender, unabhängiger Staat gehen. Denn
weder ein Deutschland unter der Diktatur des Finanzkapitals, des westdeutschen Imperialismus, noch ein Deutschland
sozialfaschistischer, sozialimpenalistischer Prägung wäre ein friedliebender, demokratischer, unabhängiger Staat. Weder das
deutsche, noch die anderen Völker Europas könnten und würden sich mit solch einem einheitlichen Deutschland abfinden. Dann
kann die Wiedervereinigung Deutschlands heute nur in einem vereinten, unabhängigen und sozialistischen Staat
erfolgen.

Ein solches Deutschland, geführt von seiner Arbeiterklasse und ihrer kommunistischen Partei, wird die beste Tradition des
deutschen Volkes verkörpern.
Ein solches friedliebendes Deutschland wird nie seine Nachbarn bedrohen. Es wird die Sympathien der Werktätigen aller Länder
genießen. Ein solches Deutschland wird, gestützt auf seine eigenen Kräfte und im Bündnis mit den sozialistischen Bruderländern
jeder Aggression imperialistischer Mächte trotzen. Ein solches Deutschland wird den endgültigen Sieg der Weltrevolution
entscheidend vorantreiben.

Es ist die Tragik der deutschen Arbeiterklasse, daß sie in der Vergangenheit, infolge des widerlichen Verrats der deutschen
Sozialdemokratie, die sich im 1. Weltkrieg der eigenen imperialistischen Bourgeoisie an den Hals warf, aber auch infolge der
Unterschätzung der Bedeutung der nationalen Frage dieser nur ungenügende Aufmerksamkeit schenkte und nicht rechtzeitig (obwohl
die KPD im Jahre 1930 und 1952 entsprechende Initiativen ergriff) ihre Aufgabe gegenüber der Nation erkannte. Dadurch überließ
sie es der Bourgeoisie, dem deutschen Imperialismus zu gegebener Zeit sich dieser Frage zu bemächtigen und sie für seine
revanchistischen, chauvinistischen Ziele zu mißbrauchen.

Auch heute gibt es in dieser Frage in der Arbeiterklasse, bei den revolutionären Kräften unseres Landes noch große Unklarheit und
Verwirrung. Nicht wenige sonst fortschrittliche Menschen reagieren mit Abscheu oder befremdet, wenn sie Worte wie »Nation«,
»Patriotismus«, »Nationalstolz«, »Liebe zum Vaterland« usw. hören. Sie vergessen dabei, daß ein und dieselben Begriffe
verschiedenen Klasseninhalt haben können. Daß es bürgerliche und sozialistische Nationen gibt. Daß es neben dem
»Hurra-Patriotismus« des Bürger- und Kleinbürgertums den proletarischen Patriotismus gibt.

Hätte das tapfere vietnamesische Volk so lange Jahre im Volkskrieg ausharren können, wenn es nicht von tiefer Liebe zu seiner
Heimat, seinem Vaterland beseelt wäre. Nur wer seine Heimat, sein Vaterland liebt wird in der Lage sein, den notwendigen Haß gegen
seine Unterdrücker, einheimische und ausländische, gegen jeden Aggressoren zu entwickeln. Wie tief unterscheidet sich der
proletarische Patriotismus des Genossen Ho Tschi-minh, der sagte: »Solange mein Volk geteilt ist, kann ich nicht ruhig essen oder
schlafen«, von der Haltung der modernen Revisionisten, die die Sache der deutschen Nation, die Wiedervereinigung Deutschlands
schamlos verraten haben.

Viele fortschrittliche, revolutionäre Menschen unseres Volkes sind heute durchaus bereit durch Flugblätter, Demonstrationen,
Kundgebungen und Sammlungen den nationalen Befreiungskampf der Völker zu unterstützen. Aber auf den naheliegenden
Gedanken, das eigene Land einzureihen in die Front der kämpfenden Völker, den Hauptfeind im Weltmaßstab, die in Rivalität und
im Komplott gegen die Völker handelnden Supermächte, den USA- und den sowjetischen Sozialimperialismus dort zu bekämpfen,
wo er steht- auf dem Boden unserer Heimat, kommen sie nicht.


Der Kampf um die Existenz der deutschen Nation ist die Aufgabe des gesamten deutschen Volkes

Der Kampf um Frieden, Befreiung und die Herstellung der Einheit Deutschlands muß in engster Kampfgemeinschaft aller
friedliebenden und patriotischen Deutschen im Osten und Westen unseres Vaterlandes als einheitlicher nationaler Widerstandskampf
des gesamten deutschen Volkes organisiert und geführt werden. Die deutsche Nation bildet eine Einheit. Es gibt weder eine
westdeutsche noch eine ostdeutsche Nation. Das heißt, der Kampf um die Existenz der deutschen Nation ist nicht Sache nur der
Westdeutschen oder der Ostdeutschen, sondern ist Sache aller Deutschen, der gesamten Nation.

Als Kommunisten sind wir Internationalisten. Können wir auch gleichzeitig Patrioten sein? Das können wir nicht nur, das müssen
wir sogar. Der konkrete Inhalt des Patriotismus wird durch die historischen Bedingungen bestimmt. So gab es im letzten Weltkrieg
einen »Patriotismus« der deutschen und der japanischen Aggressoren, und es gab den Patriotismus des chinesischen Volkes im
revolutionären Befreiungskrieg gegen den japanischen Imperialismus und den der sowjetischen Völker im Großen Vaterländischen
Verteidigungskrieg gegen den Hitlerfaschismus. Den sogenannten »Patriotismus« der japanischen Aggressoren und Hitlers mußten
die Kommunisten entschieden bekämpfen. So waren damals echte deutsche Patrioten nicht die deutschen Soldaten, die in fremde
Länder einfielen, sondern die kommunistischen Widerstandskämpfer gegen Hitler, die Studenten der »Weißen Rose« bis hin zu
einzelnen Männern des 20. Juni, wie dem Grafen Stauffenberg. Sie handelten im Interesse des deutschen wie der vom
Hitlerfaschismus überfallenen Völker. Patrioten waren die albanischen Genossen und Werktätigen, die ihr Land mit der Waffe in der
Hand gegen die faschistischen italienischen und deutschen Eindringlinge verteidigten, Verräter dagegen die, die sich mit diesen
Eindringlingen verbündeten. Deshalb handelten die Bauern der Lüneburger Heide, als sie die britischen Panzer, die Jahr für Jahr ihre
Felder verwüsten, stürmten und deren Sehschlitze mit Lehm verschmierten; deshalb handelt die Bevölkerung der süddeutschen
Städte, die sich gegen die amerikanische Besatzerwillkür, die Überfälle und Verbrechen wehrt; deshalb handelten jene, die in
militanten Aktionen die USA- Hauptquartiere in Frankfurt und Heidelberg angriffen; deshalb handeln die Arbeiter und Bürger von
Nordhorn, Klausheide und Umgebung, die in Aktionen für die Beseitigung und ersatzlose Aufhebung des
NATO-Bombenabwurfplatzes Nordhorn-Range kämpften als echte Patrioten. Patrioten, deren Kampf zu unterstützen, voranzutreiben
und zu führen unsere Pflicht als Kommunisten und Patrioten ist.

Um diesen Kampf führen zu können, ergibt sich für uns die Aufgabe, das Nationalbewußtsein des deutschen Volkes im
unmittelbaren Kampf um die Existenz der Nation zu entwickeln. Wir können dieses deutsche Nationalbewußtsein, diesen deutschen
Patriotismus nur auf der Grundlage des proletarischen Internationalismus entwickeln. Wir können dieses Nationalbewußtsein nur
entwickeln, indem wir das deutsche Volk zu gleicher Zeit in dem Geist der Achtung vor den anderen Völkern, der Freundschaft mit
anderen Völkern erziehen.

Gewisse Historiker in Deutschland und außerhalb seiner Grenzen pflegen den deutschen Militarismus, das Großmachtstreben des
deutschen Imperialismus mit dem deutschen Volk zu identifizieren. Das ist völlig falsch. Der Ruhm Deutschlands wurde nicht von
jämmerlichen Herzögen und Königen begründet, unter denen, wie Karl Marx gesagt hat, Feldwebel,  Dummköpfe und Komödianten
einander ablösten. Er wurde auch nicht begründet von der Raffgier, dem Profitstreben einiger Bank- und Industriebosse. Den Ruhm
Deutschlands hat die deutsche Nation begründet, die, wie Ernst Thälmann mit Recht feststellte, «eine ritterliche, stolze und harte
Nation« ist und bleibt.



Das Nationalbewusstsein des deutschen Volkes entwickeln!

Wenn wir das Nationalbewußtsein des deutschen Volkes entwickeln wollen, so können wir nur schöpfen aus eben den Quellen,
denen die Existenz, die Gemeinschaft unserer Nation entspringt. Aus jenen Quellen, die die vier Merkmale der Nation darstellen, der
Gemeinschaft der deutschen Sprache, der so viel unvergängliche Werke entstammen, der Gemeinschaft des Territoriums, auf dem
seit alters her die Deutschen leben, des Wirtschaftslebens, wie es in hundertjähriger Entwicklung entstand, der Gemeinschaft der
psychischen Eigenart, wie sie sich in der Kultur, in der Geschichte unseres Volkes ausdrückt.

Dabei müssen wir bei der Einschätzung der Kultur, der Geschichte und ihrer Träger vom marxistischen Standpunkt ausgehen,
müssen wir vor allem die Klassenwidersprüche und den Klassenkampf zu jener Zeit analysieren und dann untersuchen, oh, unter den
gegebenen historischen Bedingungen, diese oder jene Person bzw. ihre Werke auf der Seite der fortschrittlichen Klassen stand und
die Reform bzw. Revolution befürwortete oder auf der Seite der Reaktion und demzufolge konservative Ideen hatte. Die Aufgabe der
Marxisten liegt darin, die Geschichte stets voranzutreiben. Das gilt auch in der nationalen Frage. Wir bejahen nur das, was in der
Geschichte eine fortschrittliche Rolle gespielt hat; das Reaktionäre und Konservative wird von uns entschlossen kritisiert und
abgelehnt.

Schöpfen wir also aus unserer schönen deutschen Sprache, so schöpfen wir z. B. aus der Sprache, den Werken des bedeutendsten
Vertreters der deutschen Aufklärung, G. E. Lessing, seinem, den Kampf gegen den menschen feindlichen fürstlichen Despotismus
führenden Trauerspiel »Emilia Galotti«, das den Feudalabsolutismus als Ganzes scharf  verurteilt; schöpfen wir aus Schillers von
Tyrannenhaß durchglühten Erstlingsdrama »Die Räuber«, seinem, den Kampf des Volkes gegen Fremdherrschaft und für nationale
Selbstbefreiung und Einigung darstellenden Volksstück »Wilhelm Tell«; schöpfen wir aus den die Revolution - «Darstellung der
Revolution in Mainz« und «Parisischen Umrissen« - preisenden Werken des deutschen Jakobiners J. G. Forster, den Engels zu den
größten Patrioten zählte, aus dem genialen Schaffen J. W. Goethes, des bedeutendsten Repräsentanten der bürgerlich-humanistischen
Klassik, den Karl Marx, den «größten Deutschen« nannte; schöpfen wir aus der Dichtung des künstlerisch bedeutenden
revolutionären bürgerlichen Dichters, J. C. Hölderlin, seiner, die Liebe zur Heimat » Der Neckar«, «Heidelberg«, die Opferbereitschaft
für das Vaterland «An die Deutschen«, «Der Tod fürs Vaterland« preisenden Lyrik, seinem Bekenntnisroman «Hyperion oder Der
Eremit in Griechenland«, der den Aufstand der Griechen gegen die türkische Fremdherrschaft schildert;, schöpfen wir aus dem
realistischen Meisterwerk «Der zerbrochene Krug«  eines H. v. Kleist, in dem dieser die verrottete patriarchalische Gerichtsbarkeit in
Preußen vor dem Zusammenbruch 1806 geißelt, dem «Woyzeck« und «Dantons Tod« des revolutionär-demokratischen Schriftstellers
G. Büchner, in seiner Parteinahme für das Volk einer der bedeutendsten realistischen Dramatiker seiner Zeit; schöpfen wir aus der
flammenden Sprache EM. Arndts, mit der er die deutschen Soldaten aufrief, der Fahne der napoleonischen Knechtschaft zu fliehen,
den mitreißenden Kampfgesängen «Protest«, «Der Freiheit eine Gasse«, «Der letzte Krieg« u.a. des Revolutionärs G. Herwegh, «Die
Kommunisten« in denen er die Kraft der organisierten Arbeiterklasse prophetisch vorausahnte; schöpfen wir aus den Werken des
Dichters des revolutionären demokratischen Deutschlands, H. Heine, der aus der Einsicht, daß «alle Menschen das Recht haben zu
essen« unbeirrt die Konsequenz zog, daß es allein der Kommunismus ist, der der alten Welt den Gnadenstoß versetzt und eine
gerechte Ordnung schafft.

 

 

Schöpfen wir aus unserem reichen, fortschrittlichen Kulturerbe

Doch schöpfen wir nicht nur aus der Klassik des so reichen fortschrittlichen deutschen Kulturerbes, schöpfen wir auch aus der
Sprache der sozialkritischen, die bürgerliche Gesellschaftsordnung anklagenden Werken bürgerlich-humanistischer, oppositio neller,
teils kämpferischer Schriftsteller wie G. Hauptmann, C. Sternheim, W. Mehring, H. Mann, K. Tucholsky, E. Kästner, E. Mühsam
usw.; schöpfen wir auch aus der Sprache der deutschen Musik, wie sie uns aus den tausenden schönen Liedern unseres Volkes, den
revolutionären Arbeiter- und Bauernliedem entgegenklingt; schöpfen wir erst recht aus den Werken, der Sprache, in der Marx und
Engels der Menschheit den Weg wiesen aus dem Reich der Notwendigkeit in das Reich der Freiheit; der Sprache, in der Bebel,
Liebknecht , Thälmann das Proletariat schulten und organisierten; der Sprache aller Kämpfer, die sich nicht nur in ihrer Werken,
sondern auch in der Tat offen auf die Seite des Proletariats, der Revolution, des Sozialismus stellten, der B. Brecht, F. Wolf, E.
Weinert, W. Bredel, E. Toller und anderen. Schöpfen wir nicht nur aus diesem sprachlichen Erbe unserer Nation, entwickeln wir es
weiter im täglichen Klassenkampf, im Kampf für den Sozialismus und für die Einheit der deutschen Nation.

Wir schöpfen aus dem gemeinsamen Territorium, auf dem das deutsche Volk, die deutsche Nation lebt. Unserer schönen deutschen
Heimat mit ihren Wäldern und Weiden, Bergen und Tälern, Flüssen und Seen, von der wir nicht wollen, daß sie von profitgierigen
Kapitalisten weiter verseucht und verpestet wird. Unseren in Jahrhunderten gewachsenen Städten, deren historischen Charakter die
Kapitalisten zerstören, aus denen Bau- und Bodenspekulanten die Werktätigen in die Betonklötze der Stadtrandsiedlungen und
Wohnghettos vertreiben.



Schöpfen wir aus dem Fleiß, der Erfindungsgabe unseres Volkes

Wir schöpfen aus dem gemeinsamen deutschen Wirtschaftsleben, das in einer hundertjährigen Entwicklung entstanden ist. Den
Hütten und Schächten, Stahl- und Walzwerken an Rhein und Ruhr, den Werften und Häfen von Hamburg, Rostock, Kiel und
Bremen, den Chemiegiganten Höchst und Leuna, den Textilkombinaten von Sachsen und Automobilwerken von Wolfsburg, Köln,
Stuttgart, kurz all den Werken und Fabriken, die die deutsche Arbeiterklasse in Generationen geschaffen hat, und von denen wir
wollen, daß sie nicht im privaten Besitz einer Handvoll von Industrie- und Finanzgewaltigen, Kuponschneidern und Playboys
bleiben, sondern in die Hände des Volkes, die sie geschaffen haben, überführt werden. Wir schöpfen aus der psychischen Wesensart
des deutschen Volkes. Wir schöpfen aus seinem Arbeitsfleiß und seinem Ordnungssinn, aus seinem wissenschaftlichen und
künstlerischen Genie, das unser Volk in der Geschichte so oft bewiesen hat und das den Ruhm der deutschen Nation begründet.
Begründet von den deutschen Arbeitern, deren Hände von Generation zu Generation Erzeugnisse höchster Qualität herstellten, von
gigantischen Ozeandampfern und gewaltigen Werkzeugmaschinen bis zu den feinsten optischen und Meßgeräten. Begründet von den
deutschen Bauern, die es in Generationen gelernt haben, auf magerem Boden reiche Ernten zu erzielen, immer besseres Vieh zu
züchten, und die heute zu Hunderttausenden durch die internationalen Kapitalinteressen der Konzerne, durch Agrarkapitalisten ihrer
bäuerlichen Arbeit beraubt bzw. von Haus und Hof vertrieben werden. Begründet von den deutschen Wissenschaftlern und
Ingenieuren, die große technische Erfindungen machten und den Ruf Deutschlands als eines Industrielandes mit hohem technischen
Niveau schufen.
Wir schöpfen aus den unvergänglichen Denkmälern, die von der Größe der deutschen Kultur künden, den hochaufstrebenden, in
ihrer Schönheit und Linienstrenge unvergleichlichen Domen von Köln und Meißen, der Backsteingotik der nordischen Städte, den
Bauwerken der großen deutschen Baukünstler des Klassizismus, den Schöpfungen Schlüters und Schinkels, den Bildern der großen
Meister der deutschen Renaissance, den unsterblichen Werken Holbeins, Dürers, Riemenschneiders, die im großen deutschen
Bauernkrieg fest auf der Seite der Bauern standen, der Maler und Grafiker wie K. Kollwitz und G. Grozs, die sich in ihren Werken an
die Seite der unterdrückten Völker, der kämpfenden Proletarier stellten.



Schöpfen wir aus den revolutionären Kämpfen unseres Volkes

Das Gewissen des deutschen Volkes wird vor der Weltgeschichte von den unzählbaren Massen der deutschen Bauern und
Handwerksgesellen verkörpert, die sich Anfang des 16. Jahrhunderts zum Kampf gegen Fürsten und Feudalherren erhoben. Von
Männern wie Joß Fritz, dem Führer des Bundschuh zu Lehen, dem revolutionären Agitator Hans Böheim, dem »Pfeifenhänslein« von
Niklashausen, dessen Auftreten den großen Bauernkrieg ankündigte, Thomas Münzer, auf dessen Ruf sich die Bauern zum Sturm
erhoben und der im sogenannten Artikelbrief von 1525 die Beseitigung des Feudalsystems forderte, Florian Geyer, dem Ritter, der
sich selbstlos auf die Seite der Bauern schlug. Es wird verkörpert von den Legionen einfacher Streiter, die Anfang des 19.
Jahrhunderts mit ihren Leibern das Vaterland gegen die napoleonischen Eindringlinge verteidigten, ihnen schwere Schläge versetzten
und sie vom heimatlichen Boden vertrieben. Von Männern wie dem Freiherrn von Stein, der gegen den Widerstand des preußischen
Königs und seiner Kamarilla, für die Bauern persönliche Freiheit und Eigentum und für die Stadtbewohner das gleiche und geheime
Wahlrecht forderte, dem Obersten von Schill, der mit dem Ausbruch seines Regiments aus Berlin den nationalen Aufstand gegen
Napoleon zu entzünden hoffte, Clausewitz, dem berühmtesten Militärtheoretikers seines Jahrhunderts, der den Widerstand
organisierte. Es wird verkörpert von all den Revolutionären und Barrikadenkämpfern des Jahres 1848.

Es wird verkörpert von den Millionen einfacher Arbeitsmenschen, die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts unter Führung von
Marx und Engels, Bebel und Liebknecht  die Arbeiterpartei begründeten, welche für Jahrzehnte das Vorbild für die Arbeiterparteien
aller Länder war. Es wird verkörpert von dem Heer der Arbeiter, Bauern und Intellektuellen, die im 20. Jahrhundert unter der
Führung von Karl Liebknecht, Rosa Luxemburg und Ernst Thälmann furchtlos gegen den revisionistischen, reformistischen Verrat
zu Felde zogen und mutig den Kampf gegen den Faschismus um eine glückliche Zukunft in einem sozialistischen Deutschland
aufnahmen.


Kühn entschlossen den Kampf aufnehmen für die Einheit der Nation!

Es gibt keine Kraft in der Welt, die auf die Dauer imstande wäre, diese ruhmreichen Traditionen aus dem Bewußtsein unseres
Volkes zu tilgen.
Schlechte Traditionen kommen und gehen, ebenso wie die Menschen, die Klassenkräfte, die sie hervorgebracht haben. Sie werden
mit Unkraut und Disteln bedeckt und niemand erinnert sich ihrer. Diese ruhmreichen Traditionen aber werden ewig leben, ebenso
wie das Volk, das sie hervorgebracht hat. Es ist vor allem die Pflicht der Mitglieder der Kommunistischen Partei Deutschlands/
Marxisten-Leninisten, diese ruhmreiche Tradition des deutschen Volkes fortzusetzen. Es ist ihre Pflicht, getreu dem Vorbild Karl
Liebknechts und Ernst Thälmanns, kühn und entschlossen den Kampf aufzunehmen gegen das Kapital und seine Handlanger, für die
Einheit der deutschen Nation.

  Wenn wir in der Förderung dieses Nationalbewußtseins, dieses Nationalgefühls, dieses wahren deutschen Patriotismus besonders
auf dem großen fortschrittlichen Erbe unseres eigenen Volkes weiterbauen, so heißt das nicht, daß wir das deutsche Volk wieder als
privilegiertes Volk herausheben, sondern es soll seine Würde als gleichberechtigte Nation neben den anderen Nationen wahren. Das
heißt, unser Nationalbewußtsein, unser Patriotismus muß sich auf der Basis des proletarischen Internationalismus entwickeln. So gilt
unser Kampf gegen den westdeutschen Imperialismus, gegen die Herrschaft der Supermächte, gegen die Stationierung ihrer Truppen
auf deutschem Boden, auch nicht dem amerikanischen Volk, den Völkern der Sowjetunion. Nicht »die Amerikaner«, »die Russen«
sind schuld, sondern der amerikanische Imperialismus, die sowjetischen Sozialimperialisten, die nicht nur die  nationale Existenz
unseres Volkes bedrohen, sondern die neben den anderen auch ihr eigenes Volk knechten, um es im Interesse ihrer imperialistischen
Kriegsziele zu mißbrauchen.

Niemand kann das deutsche Volk daran hindern, in freier Selbstbestimmung den Weg zur Wiederherstellung seiner nationalen
Einheit zu beschreiten. Deutschland gehört dem deutschen Volk und sonst niemandem auf der Welt. Weder den amerikanischen
Imperialisten und den von ihnen hochgepäppelten westdeutschen Militaristen, noch der sozialimperialistischen Führungsclique der
Sowjetunion und ihren Lakaien, der ostdeutschen revisionistischen Führungsgruppe. Die Zeit wird kommen, da das deutsche Volk
sich erheben und Herr seines Landes werden wird. Die deutsche Frage kann nur vom deutschen Volk gelöst werden.

 

 

Vertreibt die Besatzungsmächte und ihre Lakaien von deutschem Boden!

Es wäre ein Trugschluß, zu glauben, die Wiedervereinigung unseres Vaterlandes in einem einigen, unabhängigen, sozialistischen
Deutschland könne herbeigeführt werden durch Wahlen, durch die Verhandlung beider deutscher Regierungen miteinander, durch
die Großmut der Supermächte. Unsere einheimischen und ausländischen Unterdrücker in Ost und West werden alle ihnen zur
Verfügung stehenden Machtmittel benutzen, um eine grundlegende Änderung der bestehenden Lage und die nationale Vereinigung
Deutschlands zu verhindern. Deshalb kann der Weg zur nationalen Einheit nur über die Vertreibung aller Besatzungsmächte von
deutschem Boden und den revolutionären Sturz ihrer Lakaien und Bündnispartner in Ost.. und Westdeutschland erfolgen.

Erheben wir uns! Nehmen wir den revolutionären Kampf auf gegen das, sich gegen die sozialen und nationalen Interessen des
deutschen Volkes, gegen seine Freiheit, Unabhängigkeit und physische Existenz richtende Komplott der zwei Supermächte und ihrer
westdeutschen Bündnispartner und ostdeutschen Lakaien! Kämpfen wir für den Abzug aller fremden Truppen aus Deutschland, für
den Austritt der zwei deutschen Staaten einerseits aus der NATO, der EG, andererseits aus dem Warschauer Pakt und dem RGW
(Comecon).

 

 

Vereinigen wir uns im revolutionären Kampf mit allen deutschen Patrioten !

Unzweifelhaft wird unser Kampf Opfer fordern. Aber für jeden im Kampf gefallenen oder aus dem Kampf herausgerissenen
Patrioten werden Tausende neue aufstehen. Auch Mißerfolge und Rückzüge wird es geben, und dann werden die Imperialisten mit
ihren vermeintlichen Erfolgen triumphieren. Wir erwidern ihnen schon heute: der Sieg der nationalen und sozialen
Befreiungsbewegung ist sicher, denn ihre Sache ist gerecht.
Vereinigen wir uns mit allen Kräften des deutschen Volkes in Ost und West, die bereit sind, diesen Kampf aufzunehmen, unabhängig
von ihrem religiösen oder weltanschaulichen Bekenntnis, ihrer Organisations- oder Parteizugehörigkeit in einer nationalen,
revolutionären Front

 

für ein Vereinigtes und unabhängiges, sozialistisches Deutschland!

 

 

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