Rote

Gewerkschafts-Internationale

 

 

 

 

 

2019

Es lebe der

16 Jahrestag der Wiedergründung

der Roten Gewerkschaftsinternationale!

1. Mai 2003 - 1. Mai 2019




Am 1. Mai begrüßen wir alle Sektionen der Roten Internationale der Gewerkschaften, alle revolutionären Gewerkschafter und alle militanten Arbeiter der Welt, die gegen das globale Bündnis der Ausbeutung der Kapitalisten, den Verrat der gelben Gewerkschaften und die Unterdrückung bürgerlicher Staaten kämpfen.

16 Jahre sind seit der Neugründung der RILU am 1. Mai 2003 vergangen.

Im Zusammenhang mit dem 100. Gründungstag der Komintern nutzen wir die Gelegenheit, historische Lehren aus der Gründung der Roten Gewerkschaftsinternationale zu ziehen.

 

Wie ist die Rote Gewerkschaftsinternationale entstanden ?


Gewerkschaftliche Lehren aus der Oktoberrevolution für die sozialistische Weltrevolution


Mit dem Zusammenbruch der II. Internationale brachen auch die internationalen Beziehungen der Gewerkschaften zusammen, die es bereits seit Anfang des 20. Jahrhunderts gab. Im Krieg stellten sich dann die meisten Gewerkschaften als Sozialpatrioten ("Vaterlandsverteidiger") fast ohne Ausnahme auf die Seite ihres Krieg führenden imperialistischen Landes. Die internationale Solidarität der Gewerkschaften im gemeinsamen Kampf gegen den Kapitalismus endete somit in den Schützengräben, in denen sich die Gewerkschafter feindlich gegenüberstanden und von wo aus sie sich gegenseitig abschlachten ließen unter dem Schlachtruf der sozialimperialistischen Gewerkschaftsführer, diesen Lakaien der Imperialisten.

Im Januar 1918 fasste der erste Gewerkschaftskongress Sowjetrusslands den Beschluss, nach dem ersten Weltkrieg wieder einen internationalen Gewerkschaftsverband aufzubauen. Das war bereits eineinhalb Jahre vor der Gründung der gelben Amsterdamer Internationale (!).

Durch den Bürgerkrieg waren jedoch die Kräfte der roten Gewerkschaften in Russland gebunden, so dass dieser Beschluss nicht sofort umgesetzt werden konnte. Während des Bürgerkriegs waren jegliche Verbindungen zu den ausländischen Gewerkschaften von den Imperialisten blockiert worden. Die weltkapitalistische Einkreisung der Sowjetunion wurde auch auf dem Gebiet der Gewerkschaften vollzogen. Die Welt war in zwei Lager gespalten - in das kapitalistische und sozialistische Weltlager. Und das bedeutete auch unvermeidlich die Spaltung der Weltgewerkschaftsbewegung, insbesondere der Einkreisung und internationalen Isolierung der sowjetischen Gewerkschaften, was nicht nur den Protest gegen die gelben Gewerkschaften, sondern auch die Solidarität mit den sowjetischen Gewerkschaften hervorrief. Als den Arbeitern in den Gewerkschaften der kapitalistischen Länder bewusst wurde, dass die Oktoberrevolution den Interessen des gesamten Weltproletariats dienten, wuchs schnell die Sympathie für Sowjetrussland, für die sowjetischen Gewerkschaften.

Anfangs waren die linken Kräfte in den ausländischen Gewerkschaften durch den Ersten Weltkrieg noch zu sehr geschwächt, um den gelben Gewerkschaftsführern gefährlich werden zu können. Aber nach dem Kriege nahm die Weltgewerkschaftsbewegung schnell Fahrt auf.

Es wurde der Ruf laut, eine gemeinsame Weltgewerkschaftsinternationale zu gründen, in der alle Gewerkschafter der Welt vereinigt sind, unabhängig von Ideologie, Parteien, Rasse, Religion usw.

Eine Weltgewerkschaft, die die gewerkschaftlichen Interessen der Arbeiter aller Länder gegen die Kapitalisteninteressen vertritt - dafür hatten sich die sowjetischen Gewerkschaften von Anfang an eingesetzt.

Das scheiterte an den gelben Gewerkschaftsführern, die sich von Beginn an in den Dienst des Weltimperialismus gestellt hatten - nicht Klassenkampf, sondern Klassenversöhnung, nicht Revolution, sondern Klassenfrieden, nicht Sozialismus, sondern Kapitalismus.

Diese Vertreter der gekauften Arbeiteraristokratie setzten alles daran, um das revolutionäre Proletariat Sowjetrusslands von den Arbeitern Europas und Amerikas zu isolieren.

Bis heute haben die bürgerlichen Gewerkschaftsführer ihre sozialimperialistische, sozialchauvinistische und sozialfaschistische Handlungsweise niemals aufgegeben. Man muss nicht nur in die USA schauen, wo die Gewerkschaften Trumps Slogan "America first!" blindlings folgen. Das ist in keinem Land anders.

Statt internationale Solidarität, Spaltung der Weltgewerkschaftsbewegung, Verrat an den Arbeitern.

Worin sich die gelben Gewerkschaftsführer von Anfang an allerdings alle einig waren, das war und ist nicht etwa ihr Kampf gegen die Kapitalisten, sondern ihr Kampf gegen die Kommunisten.

Sie haben von Anfang an die kommunistischen Gewerkschafter in den kapitalistischen und kolonialen Ländern ausgeschlossen oder sogar faschistischen Henkern ausgeliefert. An den Händen der sozialfaschistischen Gewerkschaften klebt das Blut des revolutionären Proletariats. Heute sind die gelben Gewerkschaften fest integriert in das weltimperialistische Ausbeuter- und Unterdrückersystem. Jeder Versuch von revolutionären Gewerkschaftern, in der Weltgewerkschaftsbewegung Fuß zu fassen, wird mit allen Mitteln verhindert und möglichst im Keim erstickt.

Die heute herrschenden antikommunistischen Gewerkschaftsverbände haben in ihrer ganzen Geschichte bislang jede Einheitsfront im Kampf gegen den Weltkapitalismus abgelehnt. Sie sind die bürgerlichen Agenturen in der Weltgewerkschaftsbewegung, damit niemand an den Türen des Weltkapitalismus rüttelt.

Jeder Antrag auf Aufnahme der damals größten Gewerkschaft der Welt, die sowjetischen Gewerkschaften, wurden von den bürgerlichen Gewerkschaften abgelehnt.

Bis heute erweisen sich die antikommunistischen Gewerkschaften als Spalter der internationalen Gewerkschaftsbewegung.

All das hat den gelben Gewerkschaften nichts genützt. Die revolutionäre Weltgewerkshaftsbewegung haben sie niemals auslöschen können, sie lebt, wie die Tätigkeit der RGI dies zeigt.

Zum 100. Jahrestag der Komintern wollen wir auch die Gründung der Roten Gewerkschaftsinternationale nicht in Vergessenheit geraten lassen.

Wie kam es damals zur Gründung der Roten Gewerkschaftsinternationale ?

Die Vertreter des Allrussischen Zentralrates der Gewerkschaftsverbände wurden nicht zu dem im Juni 1919 durchgeführten Amsterdamer Kongress eingeladen, auf dem die gelben westlichen Gewerkschaftsführer die Amsterdamer Gewerkschaftsinternationale gründeten.

Die führende Rolle in der gelben Amsterdamer Internationale spielten der britische Imperialismus. Da saßen wieder all die alten Führer der II. Internationale, die nach dem Krieg im Februar 1919 wieder hergestellt worden war.

Und die Gewerkschaftsvertreter in Osteuropa ? Und die in den Kolonialländern ? Sie alle waren ebenfalls von der Gründung der Amsterdamer Internationale ausgeschlossen.

Also der größte Teil aller Gewerkschafter der Welt war gar nicht von der Amsterdamer Internationale vertreten, vertreten waren nur Gewerkschaften aus dem Westen.

Ganze Gewerkschaftsverbände, die der Amsterdamer Internationale beigetreten waren, wurden zudem von dieser wieder ausgeschlossen. Abgesehen von der reaktionären Zielsetzung verdient die Amsterdamer Internationale allein deswegen nicht den Namen einer Internationale, weil sie faktisch gar nicht alle Gewerkschaften der Welt vertrat. Und das ist ja noch nicht alles. Die Amsterdamer Internationale bekämpfte alle Gewerkschaften, die nicht von ihr aufgenommen wurden. Und sowas kann man nicht anders bezeichnen als eine Spalterorganisation in der Weltgewerkschaftsbewegung. Und die internationale Solidarität mit den Streiks in den einzelnen Ländern? Nichts hat die Amsterdamer Internationale dafür getan. Eine Gewerkschaftsinternationale, die in einer verschärften Kampfsituation wie den Streik in einem Land keine internationale Solidarität organisiert, ist keine Internationale.

Gegen die Amsterdamer Internation ale bildeten sich nicht nur oppositionelle Gruppen heraus, sondern wurden sogar neue Klassengewerkschaften gegründet. Das waren Gewerkschaften, die nicht den Kapitalismus "reformieren", sondern ihn stürzen wollten. Dazu ghörten auch die neuen Gewerkschaften in den Kolonialländern. Mit der Oktoberrevolution begann die revolutionäre Gewerkschaftsbewegung in den kolonialen Ländern. Bis zur Liquidierung der RGI im Jahre 1937 gab es kein Land in der Welt, in der die RGI keinen Einfluss hatte.

* * *

Es war vorgesehen, im Februar 1918 in Petrograd eine Internationale Gewerkschaftskonferenz einzuberufen. Das wurde durch die ausländische Intervention und den Bürgerkrieg verhindert.

Erst nach dem siegreichen Bürgerkrieg begannen die freundschaftlichen Beziehungen der sowjetischen Gewerkschaften zu ausländischen Gewerkschaftsvertretern. Das war die Zeit, in der ausländische Gewerkschaftsdelegationen trotz aller Einreiseschwierigkeiten in die Sowjetunion kamen, um sich selber ein Bild vom Land der siegreichen Oktoberrevolution zu machen. Darunter befanden sich auch solche Delegierte, die wegen ihres revolutionären Kampfes aus ihren Gewerkschaften ausgeschlossen waren.

Die sowjetische Gewerkschaft unternahm erneute Versuche zur Gründung einer Gewerkschaftsinternationale. Im September 1920 nahm eine Delegation unter Führung von Losowsky in Berlin an einem Treffen mit dem ADGB teil. Losowsky überbrachte die Grüße der sowjetischen Gewerkschaften an die deutschen Betriebsräte. Losowsky nahm ferner am Parteitag der USPD teil, um die Teilnehmer von der Gründung einer neuen Gewerkschaftsinternationale zu überzeugen. Für ähnliche Besuche in Frankreich, England und Italien wurde von den bürgerlichen Regierungen kein Einreisevisum genehmigt, so dass es bei schriftlichen Grußadressen blieb. Auch später, auf der Haager Friedenkonferenz, wurden die Vorschläge der sowjetischen Gewerkschaften abgelehnt.

Im Jahre 1920 wurde dann die Gründung der RGI vorbereitet.

Die RGI ist nicht vor, sondern nach der Komintern gegründet worden, obwohl diese Idee schon auf der III. Allrussischen Gewerkschaftskonferenz im Juni 1917 formuliert worden war.

1917 nahm Lenin die Gründung der Komintern in seinen Aprilthesen auf, aber nicht die RGI.

Die RGI war ein Kind der Oktoberrevolution.

In der Resolution des I. Allrussischen Gewerkschaftskongresses vom Januar 1918 hieß es:

"Der Kongress betrachtet es als seine Aufgabe, nach Kräften zur Wiedergeburt der Weltgewerkshaftsbewegung beizutragen und stellt die Einberufung eines Internationalen Gesamtgewerkschaftskongresses und einer Reihe internationaler Fachkongresse für die einzelnen Produktionszweige auf die Tagesordnung."

Zwischen 1919 und 1920 wurde mit ausländischen Gewerkschaftsdelegationen über die Gründung einer Weltgewerkschaft beraten.

1920 fanden in Moskau Konferenzen statt mit Teilnehmern aus England, Italien, Spanien, Frankreich, Bulgarien, Deutschland, USA, Jugoslawien und Australien. Die dort vertretenen verschiedenen Vorstellungen über eine Weltgewerkschaft gingen weit auseinander (Anarcho-Syndikalisten). Die Meinungsverschiedenheiten führten nicht zu einer Einigung. Lenin hatte sich daraufhin eingeschaltet und schlug vor, sich zumindest auf den Grundstein einer revolutionären Weltgewerkschaft zu einigen. Dem Rat Lenins folgend unterzeichneten die Vertreter der Gewerkschaften Sowjetrusslands, Italiens, Spaniens, Frankreichs, Bulgariens, Jugoslawiens und Grusiniens die Deklaration über die Bildung eines Provisorischen Internationalen Rates der Gewerkschaften zur Vorbereitung der Gründung der RGI.

Das Manifest dieses Provisorischen Rates, gerichtet an die Gewerkschaften aller Länder zur Vereinigung im Klassenkampf, rief im April 1920 dazu auf...

"... mit denen zu brechen, die die verbrecherische Politik der Zusammenarbeit mit der Bourgeoisie betreiben, und sich stattdessen unter die Fahne des unerbittlichen Klassenkampfes zu stellen zur Befreiung der geknechteten Menschheit."

"Die alten Gewerkschaftsführer werden wieder versuchen, die Gewerkschaften auf den bürgerlichen Weg zu drängen ...
Was hat in den alten Gewerkschaften dazu geführt, dass sie vor der Bourgeoisie kapitulierten? Ihr engstirniger Gildengeist, um sich Vorteile gegenüber der Masse der Arbeiter zu verschaffen. Ein übertriebener Respekt vor der bürgerlichen Legalität. Beschränkung auf die Interessenvertretung der Arbeiteraristokratie und
Missachtung der Masse ungelernter Arbeiter außerhalb der Gewerkschaft. Hohe Mitgliedsbeiträge, die sich ein gewöhnlicher Arbeiter nicht leisten konnte.
Es bildete sich ein bürokratischer Beamtenapparat heraus, mit dem die Gewerkschaftsdemokratie manipuliert wurde. Die Befürwortung einer angeblich 'neutralen' Haltung gegenüber politischen Fragen, die tatsächlich eine Unterstützung für die bürgerliche Politik darstellte. "

Auf dem ersten Weltkongress der RGI wurde diese Theorie von der „Neutralität“ und „Unabhängigkeit“ der Gewerkschaften von politischen Parteien abgelehnt. Es gibt keinen neutralen Klassenstandpunkt in einer Klassengesellschaft. Man kan keine sozialistische Weltrevolution machen mit einer unabhängigen Gewerkschaft, sondern nur mit Gewerkschaften, die die kommunistishe Weltpartei unterstützen. Der rein ökonomische Kampf des Weltproletariats wird immer auf die Grenze der politischen Weltherrschaft der Bourgeoisie stoßen. Politik ist konzentrierter Ausdruck der Ökonomie.

* * *

Einige Delegierte schlugen vor, die revolutionären Gewerkschaften einfach direkt in die Komintern einzugliedern. Das aber würde eine RGI überflüssig machen. Lenin war daher gegen diese "linken" Vorschläge und sprach sich für eine selbständige Gewerkschaftsorganisation aus, die sich der Komintern anschließt, aber sich nicht nur aus Kommunisten, sondern auch aus Parteilosen zusammensetzt, die für den Klassenkampf sind. Von Richtung gebender Bedeutung war Lenins Buch: "Der 'linke Radikalismus' - Kinderkrankheit im Kommunismus", das genau zu diesem Zeitpunkt im Juni 1920 erschien. Was die Gewerkschaften anbelangt, so hatte Lenin darin die 'linke' Losung vom Austreten aus den reaktionären Gewerkschaftem strikt abgelehnt und die Kommunisten aufgefordert, dort zu kämpfen, wo die Massen sind. Man muss um die Massen kämpfen dort, wo sie sind, und darf sie nicht hilflos dem Einfluss der gelben Gewerkschaftsführer überlassen. Jede Entfernung von den Massen ist gleichbedeutend mit der Entfernung von der sozialistischen Weltrevolution.

Es ging nicht darum, eine zweite Internationale Gewerkschaftsorganisation zu gründen in Konkurrenz zur bestehenden. Es ging darum, die revolutionären Kräfte in den Gewerkschaten zusammenzufassen und zu vereinigen, um in den reformistischen Gewerkschaften kommunistischen Einfluss auf die Masse der Gewerksachaftsmitglieder zu bekommen.

Lenins taktische Leitlinie in der Gewerkschaftsfrage lautete also :

"Nicht aus den Gewerkschaften austreten, sondern dort in der Aktion die Gewerkschaftsmassen erobern !"

Bevor also die RGI gegründet wurde, hatte Lenin mit der Komintern bereits alle wichtigen theoretisch-strategischen Hauptprinzipien der revolutionären Gewerkschaftsbewegung ausgearbeitet und festgelegt mit dem Ziel der Erringung des Sieges des Kommunismus in den Gewerkschaften.

So wurde die RGI am 3. Juli 1921 in Moskau auf den festen Grundlagen des Marxismus-Leninismus gegründet. In Lenins Begrüßungsschreiben an die RGI hieß es:

"Die Gewinnung der Gewerkschaftsmitglieder für die Ideen des Kommunismus geht überall unaufhaltsam vorwärts, in allen Ländern, in der ganzen Welt. Sie geht nicht geradlinig, nicht regelmäßig, nicht gleichmäßig vor sich und hat Tausende Hindernisse zu überwinden, aber sie schreiten unaufhaltsam vorwärts. Der Internationale Gewerkschaftskongress wird diese Bewegung beschleunigen. Der Sieg des Kommunismus ist unausbleiblich."

Welche Rolle spielt die RGI vor, während und nach der sozialistischen Weltrevolution ?

Zuerst ist die RGI Verteidigerin des Weltproletariats gegen Ausbeutung durch die Weltbourgeoisie.

Dann ein Kampfinstrument zum Sturz der Weltbourgeoisie.

Und schließlich Instrument zum Aufbau des Weltsozialismus.

Auf dem ersten Weltkongress 1921, wurde die RGI gegründet, wurden Programm und taktische Linie festgelegt, sowie die wichtigsten Losungen der revolutionären Gewerkschaftsbewegung fixiert.

Die Anerkennung der Komintern als Weltpartei war Grundbedingung für die Gewerkschaftspolitik de RGI.

Der Gründungskongress der RGI setzte sich zum internationalen Ziel den Sturz der Bourgeoisie, die Errichtung der Diktatur des Proletariats und die Abschaffung der Lohnsklaverei.

Zur Errichtung der Diktatur des Proletariats braucht die Arbeiterklasse nicht nur die führende Rolle der bolschewistischen Partei in der sozialistischen Revolution, ihre Revolutionsgarden, Rote Armee und andere Exekutivorgane, um die Konterrevolution niederzuschlagen, den bürgerlichen Staat zu zertrümmern und die Bourgeoisie zu entmachten.

Das gilt auch für die Errichtung der Weltdiktatur des Proletariats.

Die Aufgabe der Arbeiterklasse in der sozialistischen Revolution besteht nicht allein darin, ihre politische Macht zu erobern. Die Arbeiterklasse muss auch die ökonomische Macht übernehmen, d.h., die Kapitalisten enteignen, ihre Fabriken besetzen, die Kontrolle über die Produktion übernehmen und die Produktionsmittel zu vergesellschaften.

Auch das trifft auf die sozialistische Weltrevolution zu.

Die Vergesellschaftung der Produktionsmittel ist nicht identisch mit der Arbeiterkontrolle. Die Arbeiterkontrolle ist nur ein erster Schritt zur Vergesellschaftung. Die Vergesellschaftung der Produktionsmittel setzt die Arbeiterkontrolle voraus.

Bevor man über die Vergesellschaftung der Produktivekräfte spricht, müssen die Fabriken besetzt und enteignet werden. Sonst kommt das raus, was in der Novemberrevolution in Deutschland 1918/19 herausgekommen ist, nämlich gar nichts. Arbeiterkontrolle kommt zuerst, und zwar nur durch den Sturz der Bourgeoisie und durch die Errichtung der Diktatur des Proletariats – alles Andere endet früher oder später im Kapitalismus.

Am 27. November 1917 wurde zum ersten Mal in der Geschichte ein Dekret über die Arbeiterkontrolle verabschiedet mit folgendem Wortlaut:

Die Organe der Arbeiterkontrolle haben das Recht, die Produktion zu überwachen, das Minimum der Produktionsleistung sicher zu stellen und Maßnahmen zur Festlegung der Produktionskosten zu ergreifen.
Die Organe der Arbeiterkontrolle haben das Recht, die gesamte Geschäftskorrespondenz des Unternehmens zu kontrollieren; das Verschleiern der Geschäftsbücher ist strafbar. Betriebsgeheimnisse sind abgeschafft. Die Eigentümer sind verpflichtet, ihre Bücher und Konten für das aktuell Jahr sowie für die vorangegangenen Jahre an die Kontrollgremien auszuhändigen. Die Entscheidungen der Organe der Arbeiterkontrolle sind für die Besitzer verbindlich und kann nur durch eine Anordnung der höheren Organe der Arbeiterkontrolle geändert werden.“

Das war nur der erste und natürlich nicht der letzte Schritt zur vollständigen Verwirklichung der Arbeiterkontrolle. Entscheidend aber war, dass dieses Dekret ein Dekret der Diktatur des Proletariats war. Die Tatsache darf nicht außer Acht gelassen werden, dass bei der NÖP die Arbeiter schon die Macht hatten und nicht mehr die Kapitalisten. Die sozialistische Weltproduktion kann nicht am ersten Tag nach dem Sieg der Weltrevolution auf vollen Touren laufen.

Was das Dekret betrifft, so war es ein Dekret der bewaffneten Arbeitermacht. Die Konfiskation der Betriebe wurde nicht durch einen Vertrag mit dem Kapitalisten vollzogen, der seine Fabrik quasi per Unterschrift den Arbeitern freiwillig , aus reiner Menschenfreundlichkeit, übereignet. Die Konfiskation der Produktionsmittel ist ein gewaltsamer Akt der Diktatur des Proletariats. Hierfür setzt das revolutionäre Proletariat bewaffnete Organe der sozialistischen Revolution ein, die zur Besetzung, zum äußeren Schutz der Fabriken eingesetzt werden.

Aber die entscheidende Rolle bei der Enteignung der Betriebe spielen die Arbeiter der Betriebe selbst.

Für den Sieg der sozialistischen Weltrevolution ist das Betriebsrätesystem unverzichtbar bei der Umwandlung der kapitalistischen in die sozialistische Weltproduktion. Ohne rote Betriebsräte keine Vergesellschaftung der Produktionsmittel. Das legale Betriebsrätesystem muss von uns instrumentalisiert werden, muss der sozialistischen Weltrevolution dienen.

Der Eroberung der Betriebe durch die Revolution folgt die Kontrolle der Produktion durch die Arbeiter, folgt die Umwandlung der kapitalistischen Privatbetriebe in sozialistische Staatsbetriebe, die Einbindung der Betriebe in die politische Ökonomie des sozialistischen Staates usw.

Ohne die Diktatur des Proletariats, die in der sozialistischen Revolution erobert wird, können weder die kapitalistischen Produktionsverhältnisse beseitigt, noch die Produktivkräfte vergesellschaftet werden.

Die roten Gewerkschaften und ihre Fabrikkomitees (Vertreter des Industrieproletariats) organisierten eigene bewaffnete Einheiten nicht nur als Vollzugsorgane der Oktoberrevolution, nicht nur zum Schutz der Fabriken, sondern auch gegen solche Gewerkschaften wie die der Büro- und Bankangestellten, die zwar nur eine gewerkschaftliche Minderheit darstellten, sich aber auf die Seite der Kapitalisten, auf die Seite der Konterrevolution gestellt hatten und Widerstand leisteten. Die einzige Industriegewerkschaft, die gegen die Oktoberrevolution war, war die Druckergewerkschaft. Sie wollte die „Pressefreiheit“ gegen die Oktoberrevolution „verteidigen“.

Auf dem Höhepunkt der Oktoberrevolution, als das Proletariat gerade seine Macht eroberte, reagierte daraufhin die Konterrevolution in den Betrieben. Die Kapitalisten riefen zum Streik auf, aber sie konnten damit nicht die Oktoberrevolution aufhalten. Die roten Gewerkschaften standen hinter Lenin und der bolschewistischen Partei: Streik gegen Kapitalisten – ja. Streik gegen die eigene Arbeiterregierung – nein. Klassenkampf gegen den Kapitalismus - ja. Klassenkampf gegen den Sozialismus - nein.

Der von den Kapitalisten angeordnete Produktionsstop war ein Kampfmittel gegen die Oktoberrevolution. Aber die Maschinen in den Fabriken wurden von den Gewerkschaften wieder eingeschaltet. Die Arbeiter in den von den Kapitalisten stillgelegten Betriebe brachten die Produktion wieder in Gang unter der roten Gewerkschaftsführung und ihren Betriebskomitees. Arbeiterkontrolle – das war eine der wichtigsten Forderungen der Oktoberrevolution, die nur mit heftigstem Klassenkampf in den Betrieben errungen wurde.

Wir ziehen daraus die wichtige Lehre, dass wir von Anfang an die Maschinen für den Aufbau des Weltsozialismuswieder in Gang setzen werden, um die Versorgung der Weltbevölkerung zu sichern.

Die Fabriken der ganzen Welt werden dem Weltproletariat als Ganzes gehören und somit auch den Arbeitern jeder einzelnen Fabrik, denn die Arbeiter aller Produktionsstätten der Welt bilden zusammen das Weltproletariat.

Die Kapitalisten, die sich mit ihrer misslichen Lage nicht abfinden wollten, gingen entweder ins Gefängnis oder waren gezwungen, sich in den Dienst der Arbeiter zu stellen.

Die meisten ehemaligen Fabrikbesitzer aber flüchteten ins Ausland, um von dort aus – unterstützt vom Weltkapital – ihre Fabriken wieder irgendwann in ihren Privatbesitz zu bringen. In der sozialistischen Weltrevolution wird es jedoch kein Land auf der Erde mehr geben, wo sich die Kapitalisten verkriechen können, um von dort aus den Kapitalismus zu restaurieren. Das ist der Unterschied zwischen Weltrevolution und Oktoberrevolution.

Die Gewerkschaften, die bisher unter kapitalistischen Verhältnissen als
Kampforgane der Arbeiterklasse dienten, verwandelten sich mit der Oktoberrevolution zum ersten Mal in der Geschichte in Organe der Diktatur des Proletariats [Beschlüsse des 9. Parteitags der KPR (B)].

Der erste russische Gewerkschaftskongress vom Januar 1918 vertrat die Ansicht, dass der Oktobersieg der Arbeiter und der armen Bauern
gleichzeitig den Anfang des Internationalen sozialistische Revolution bedeutet, den Sieg über das kapitalistische System der Weltproduktion.

All das, was sich in der Oktoberrevolution bei den russischen Gewerkschaften ereignet hatte, wird sich innerhalb der Weltgewerkschaftsbewegung in der einen oder anderen Form unvermeidlich wiederholen. Das wird eine der wichtigsten Lehren für die sozialistische Weltrevolution sein. Darauf werden wir uns vorbereiten. Wozu die Arbeiter in der Oktoberrevolution gezwungen waren, nämlich alle Probleme spontan zu lösen, das wird in der sozialistischen Weltrevolution von Anfang an systematisch und planmäßig vorbereitet und durchgeführt – eine Arbeiterkontrolle des globalisierten Weltproletariats unter der Führung der Komintern (SH) vermittels ihrer RGI.

Und all das, was sich in Russland ereignet hatte, beeinflusste damals die ganze Weltgewerkschaftsbewegung, in der die Widersprüche zwischen dem reformistischen und revolutionären Weg der Gewerkschaften auch ihren organisatorischen Ausdruck finden mussten. Die RGI entstand erst nach der Gründung der bolschewistishen Gewerkschaftsorganisationen in der Sowjetunion (Januar 1918), welche der RGI als Vorbild dienten. Auf diesem ersten Kongress der russischen Gewerkschaften wurde in einer Resolution die Schaffung einer linken internationalen Gewerkschaft als Punkt erwähnt - als Gegengewicht zur Amsterdamer Internationale. Im April 1920 wurden die russischen Gewerkschaftsvertreter in der Komintern aufgenommen.

Mit der Oktoberrevolution stand die Lösung der Frage "Reform oder Revolution?" auf der Tagesordnung – auch auf der Tagesordnung der Weltgewerkschaftsbewegung. Mit der Gründung der RGI gibt es eine revolutionäre und eine reformistische Weltgewerkschaftsbewegung.

Die Gründung der RGI wurde vor allem von der Komintern unterstützt. Von Anfang an betrachtete die Komintern die Gewinnung der Gewerkschaftsmassen für die Weltrevolution als eine ihrer wichtigsten Aufgaben. Die Komintern wirkte über die RGI hinein in die Weltgewerkschaftsbewegung. Die RGI war der wichtigste und bedeutendste Transmissionsriemen der Komintern.

Wenn das alles wahr ist, und die Unverzichtbarkeit einer RGI bis heute unanfechtbar auf der Hand liegt, warum konnte es dann 1937 überhaupt zur Auflösung der RGI kommen ? Bei der Beantwortung dieser Frage haben wir stets auf den revisionistischen Kurs Dimitrovs verwiesen, auf den VII. Weltkongress, mit der die Liquidierung der internationalen Kampforgane des Weltkommunismus begann, einschließlich Auflösung der RGI.

Reicht das als Begründung ? Nein. Damit kann sich das Weltproletariat nicht zufrieden geben. Die Arbeiter werden uns Kommunisten zu Recht fragen: Warum konntet ihr die Auflösung überhaupt zulassen ? Warum habt ihr nichts dagegen unternommen ? Wart ihr etwa selber nicht mehr richtig überzeugt von der Notwendigkeit des Weiterbestehens der RGI ?

Wir wären keine Kommunisten, wenn wir unsere eigenen Fehler und Schwächen bequem den Opportunisten in die Schuhe schieben würden. Das wäre nicht nur Selbstbetrug, sondern auch Betrug am Weltproletariat, Betrug an der Weltrevolution. Solcher bürgerlich-revisionistischer Täuschungsmanöver haben sich die Chruschtschowianer bedient, als sie ihren eigenen Verrat am Kommunismus einem Beria oder der "Anti-Partei"-Gruppe von Molotow, Kaganowitsch, usw. in die Schuhe schoben.

Revolutionäre Selbstkritik unterscheidet sich von jeder anderen Selbstkritik dadurch, dass man den Mut aufbringt, seine bisherigen Auffassungen von der RGI in Frage zu stellen, um ihre Richtigkeit wirklich von Grund auf zu überprüfen. Es geht nicht um die Frage, ob die RGI notwendig ist oder nicht. Daran zweifelt kein wahrer Kommunist und kein revolutionärer Gewerkschafter. Worum es stattdessen geht, ist vielmehr die Frage, wie weit die RGI ihre Aufgabe tatsächlich erfüllen oder nicht erfüllen konnte. Wenn wir diese Fragen nicht korrekt beantworten, wie sollen wir dann unsere im Jahre 2003 wieder gegründete RGI vor möglichen alten Fehlern und Schwächen schützen und bewahren können ?

Die Frage, die sich uns am meisten aufdrängt, ist die, warum eine RGI gegründet wurde ohne rote Gewerkschaften in jedem Land aufzubauen, so wie das in der Komintern mit ihren Sektionen der Fall war. Mit der Entscheidung, keine nationalen roten Gewerkschaften aufzubauen, stellte sich die RGI dem damals stark vorhandenen "linken" Trend entgegen, alle Gewerkschafter zum Austritt aus der gelben Gewerkschaft aufzurufen, und sie stattdessen in "blitzsauberen" revolutionären Gewerkschaften zu organisieren. Das hätten die Arbeiter als Angriff auf "ihre" Gewerkschaft aufgefasst. Deswegen war das natürlich eine richtige Entscheidung der RGI, was ja auch der bolschewistischen Massenlinie entspricht, nämlich sich dort in den Massen zu verankern, wo sie sind, also in den gelben Gewerkschaften, und sich nicht von ihnen loszulösen.

So weit so gut. Aber wir fragen weiter: Kann das etwa ein Argument dafür sein, auf die Schaffung eigener kommunistischer Gewerkschaftsorganisationen zu verzichten ? Wir haben ja auch nicht auf die RGI verzichtet, um stattdessen (ohne sie) in der Amsterdamer Internationale kommunistische oppositionelle Arbeit zu leisten. Die RGI hat innerhalb der Amsterdamer Internationale übrigens viel erfolgreicher illegal gearbeitet als umgekehrt die Ansterdamer Internationale in der Roten Gewerkschatsinternationale, sprich: die RGI hatte in der Amsterdamer Internationale mehr rote Gewerkschaftsmitglieder als umgekehrt...

Unbestritten hat die RGI auf internationaler Ebene eine sehr erfolgreiche Arbeit geleistet. Das bestritt nur ein Dimitrov, der in der RGI einmal sehr aktiv war, bevor er die Führung der Komintern übernahm.

Warum sollte nicht genauso auf nationaler Ebene erfolgreiche Arbeit von roten Gewerkschaften geleistet werden können? Wenn die RGI auf internationaler Ebene gegen die Amsterdamer Internationale gekämpft hat, warum hätten dann nicht genauso auf nationaler Ebene die Sektionen der RGI gegen die gelben Gewerkschaften kämpfen können ?

Wenn sich also jeder Gewerkschafter entweder für die RGI oder die Amsterdamer Internationale entscheiden konnte, warum dann nicht auch auf nationaler Ebene zwischen gelber und roter Gewerkschaft?

Unserer Meinung nach kann man mit Hilfe roter Gewerkschaften wesentlich effektiver in den gelben Gewerkschaften illegale Arbeit leisten, als ohne sie. Das klingt logisch und überzeugend.

Wer auf nationaler Ebene auf die Gründung von roten Gewerkschaften verzichtet, aus welchen Grund auch immer, der bereitet damit unvermeidlich den Opportunisten einen Boden für deren opportunistische Einheitsfronttaktik, in der eine RGI nur ein Hindernis sein muss, welches es aus dem Weg zu räumen gilt. Und genauso ist es denn ja auch 1937 tatsächlich gekommen. Um das zu verhindern, wären starke rote Gewerkschaften auf nationaler Ebene sicherlich eher von Vorteil gewesen, als keine.

Weiter. Die Frage der rote Gewerkschaften kann nicht mit der Frage der Illegalität und Legalität aus der Welt geschafft werden. Schließlich mussten die meisten Sektionen der Komintern auch unter illegalen Bedingungen kämpfen. Illegalität ist kein Grund zur Auflösung kommunistischer Organisationen. Im Gegenteil. Es entspricht dem Grundprinzip des bolschewistischen Parteiaufbaus, dass der legale Kampf mit dem illegalen Kampf verbinden werden muss. Auch die Gründung der Komintern konnte nicht von illegalen Bedingungen abhängig gemacht werden. Dieses bolschewistische Prinzip der Notwendigkeit des illegalen Parteiaufbaus gilt für alle kommunistischen Organisation, alo auch für rote Gewerkschaften. Ausnahme bilden nur die Gewerkschaften unter der Diktatur des Proletariats und die Tätigkeit der RGI in Moskau, wobei ihre Tätigkeit in den vom Kapitalismus beherrschten Ländern natürlich auch nur illegal möglich war.

Schließlich das Argument der "Zerschlagung der Gewerkschaften".

Ohne Hilfe der Gewerkschaften gelangt die Menschheit nicht zum Weltkommunismus. Es gibt also keinen Grund für uns Kommunisten, die Gewerkschaften zerschlagen zu wollen. Das zum Einen.

Man muss jedoch fragen, welche Gewerkschaften gemeint sind. Welche Gewerkschaften welcher Klasse sollen zerschlagen werden ? Diejenigen, die den Interessen der Arbeiterklasse dienen, oder diejenigen, die ihre Interessen verraten ? Die bürgerlichen oder die proletarischen Gewerkschaften?

Seit 1921 bis heute geht es nicht um die Zerschlagung der Gewerkschaften an sich, sondern um die Zerschlagung des vorherrschenden bürgerlichen Einflusses der gelben Gewerkschaften in der Weltgewerkschaftsbewegung.

Die Zerschlagung der Gewerkschaft ist also eine Frage des Klassenstandpunktes.

Ist es denn nicht die Bourgeoisie, die ihre gelben Gewerkschaften geschaffen hat, um die Arbeiterklasse ungestört ausbeuten und disziplinieren zu können. Gelbe Gewerkschaften halten die Arbeiter in den Ketten der Lohnsklaverei. Will irgend jemand etwa bezweifeln, dass die gelben Gewerkschaften die Zerschlagung der Ketten der Lohnsklaverei grundsätzlich ablehnen? Seit wann haben sich Sklaven jemals auf "friedliche Weise" von ihren Ketten befreien können ? Dies hat es in der Geschichte nicht gegeben und kann es nicht geben. Wer also die Ketten der Lohnsklaverei zerschlagen will, kann das nicht etwa zusammen mit den gelben Gewerkschaften, sondern nur gegen die gelben Gewerkschaften tun.

Wenn überhaupt, so kann es sich bei der Zerschlagung nur um jene gewerkschaftlichen Elemente handeln, die sich gegen die Interessen der Arbeiterklasse richten, einschließlich aller jener Mittel, mit denen die sozialfaschistischen Gewerkschaftsführer Verrat an den Arbeitern üben. Das Argument, "die Kommunisten wollen die Gewerkschaft zerschlagen", kommt schließlich nur von den gelben Gewerkschaftsführern, diesen Agenten der Bourgeoisie innerhalb der Weltgewerkschaftsbewegung. Das gehört zu ihrem Arsenal des Antikommunismus. Sie malen das Schreckgespenst des Kommunismus an die Wand, mit dem das Kommunistische Manifest von Marx und Engels im erstern Satz eingeleitet wird.

Alles, was sich der sozialistischen Weltrevolution in den Weg stellt, wird von ihr hinweg gefegt werden. Sie wird um die gelben Gewerkschaften gewiss keinen Bogen machen.

Es dürfte jedem Kommunisten einleuchten, dass man mit gelben Gewerkschaften keinen Weltsozialismus aufbauen kann. Das kann man nur mit roten Gewerkschaften. Soll man aber mit dem Aufbau roter Gewerkschaften warten, bis die sozialistische Weltrevolution gesiegt hat? Natürlich nicht. Das würde allen Erfahrungen der Oktoberrevolution widersprechen, deren Sieg ohne rote Gewerkschaften völlig unmöglich gewesen wäre. Also brauchen wir zweifellos rote Gewerkschaften für den Sieg der sozialistischen Weltrevolution möglichst in jedem Land der Welt, und das lieber gestern als morgen.

Was aber geschieht mit den gelben Gewerkschaften ? Die gelben Gewerkschaften haben sich bekanntlich in der Oktoberrevolution auf die Seite der Konterrevolution gestellt. Auf welcher Seite der Barrikade dürften denn die gelben Gewerkschaften in der sozialistischen Weltrevolution stehen - würden sie sich etwa der sozialistischen Weltrevolution anschließen oder diese bekämpfen wollen? Die Antwort dürfte klar sein. Sie würden natürlich alles versuchen, um ihre Gewerkschaftsmitglieder auf die Seite der Konterrevolution zu ziehen, um so ihren antikommunistischen Auftrag der Aufrechterhaltung des Kapitalismus zu erfüllen. Die Frage muss lauten: "Wer - Wen ?"

Entweder gelbe oder rote Gewerkschaften. Anders kann die sozialistische Weltrevolution diese Frage nicht stellen, wenn sie siegen will. Alles Andere ist opportunistisches Geschwätz.

* * *

Genauso, wie die Komintern die RGI gründete, hat auch die Komintern (SH) die RGI wieder gegründet.

Bei der Wiedergründung der RGI im Jahre 2003 ging es um die Reorganisierung der revolutionären Weltgewerkschaftsbewegung, die von den Revisionisten zerschlagen worden war.

Wir halten die RGI-Politik grundsätzlich für richtig, folgen ihr und bauen die wieder gegründete RGI auf ihren alten Grundlagen wieder auf. Im Grunde tat die Komintern (SH) nichts Anderes, als die Auflösung von 1937 für falsch und ungültig zu erklären und dort weiter zu machen, wo die RGO aufgehört hat zu existieren.

Dabei war uns von Anfang an klar, dass wir die RGI nicht unmodifiziert fortsetzen konnten, dass die alte RGI-Politik nicht mehr den heutigen Bedingungen gerecht werden konnte.

Die Richtigkeit der Wiedergründung der RGI wird erst dadurch gerechtfertigt, dass ihre Politik den veränderten objektiven Bedingungen des globalen Klassenkampfes angepasst wird, den veränderten Bedingungen in der Weltgewerkschaftsbewegung.

Nach 100 Jahren haben sich die Bedingungen für eine RGI nun einmal genauso verändert wie die Bedingungen der Weltrevolution selbst. Und es ist nach 100 Jahren nicht nur erlaubt, sondern auch zwingend notwendig, Theorie und Praxis der RGI grundsätzlich zu hinterfragen mit Hilfe des historischen und dialektischen Materialismus. Und da muss man ganz von vorn anfangen, mit der Gründungsgeschichte der RGI.

Die heutige Organisationsstruktur der gelben Gewerkschaften ist genau den Bedürfnissen der Globalisierung des Weltkapitals angepasst. Die Weltbourgeoisie zieht jene Organisationsstruktur ihrer Gewerkschaften vor, die am effektivsten gegen die Globalisierung des Klassenkampfes des Weltproletariats eingesetzt werden kann.

In dieser Hinsicht hinkt die Organisationsstruktur der alten RGI hinterher – ein wichtiger Grund, uns über ihre neuen Organisationsstrukturen Gedanken zu machen.

Wir brauchen eine gewerkschaftliche Organisationsstruktur, die der sozialistischen Weltrevolution heute am effektivsten dient:

globalisierte Vereinigung aller Industriegewerkschaften zum Sturz der Weltbourgeoisie, um die Mittel der gesamten kapitalistischen Weltproduktion in staatlichen Besitz des Weltproletariats zu bringen.

Wir brauchen eine gewerkschaftliche Organisationsstruktur für die Zukunft, d.h., eine Organisationsstruktur, die dem Weltproletariat hilft, die globalisierte Weltproduktion auf sozialistische Weise in die Hand zu nehmen. Im Weltsozialismus muss die Weltproduktion besser organisiert werden als im Kapitalismus, nämlich so, dass sich dabei die Bedürfnisse der Weltbevölkerung deutlich besser als im Kapitalismus befriedigen lassen. Und dazu brauchen wir die Gewerkschaften.

Wenn wir also neue globalisierte Organisationsformen der Industriegewerkschaften schaffen wollen, was wird dann mit dem Aufbau roter Gewerkschaften auf nationaler Ebene ? Soll man auf sie verzichten zu Gunsten der globalisierten Organisationsformen ? Die Frage ist falsch gestellt. Die Frage muss stattdessen lauten: Können wir die neuen globalisierten Organisationsformen der RGI mit oder ohne nationale rote Gewerkschaften schaffen ?

Die Frage ist nur korrekt zu beantworten, wenn wir die Rolle der nationalen Produktion im System der globalisierten Weltproduktion betrachten.

Was wir mit Sicherheit jetzt schon sagen können, so wird die nationale Produktion im Weltsozialismus eng eingebunden sein in ein globales System der sozialistischen Weltproduktion (globalisierte Arbeitsteilung). Hierfür brauchen wir auch ein globalisiertes System der sozialistischen Gewerkschaftsorganisationen, in dem die nationalen Gewerkschaften eine ebenso unverzichtbare Rolle spielen werden wie im globalisierten Weltkapitalismus.

Wie wir wissen, lehrt uns der Marxismus, dass die weltsozialistischen Produktivkräfte und die ihnen entsprechenden Produktionsverhältnisse nicht losgelöst von der alten weltkapitalistischen Gesellschaftsordnung entstehen. Sie entstehen nicht nach dem Verschwinden der alten Weltordnung, sondern bereits im Schoße der kapitalistischen Weltgesellschaft.

So verhält es sich auch mit den Gewerkschaften. Wir brauchen die roten Gewerkschaften auf nationaler Ebene erstens, um dort die Interessen der Arbeiter gegen die Kapitalisten zu vertreten, zweitens zur Mobilisierung der Massen für die sozialistische Revolution, drittens zur Abschaffung der kapitalistischen Produktionsverhältnisse, für die Vergesellschaftung der Produktionsmittel, schließlich für den Aufbau des Sozialismus in jedem Land der Welt und dessen Beitrag zum gemeinsamen Aufbau des Weltsozialismus.

Wir brauchen die roten Gewerkschaften in jedem Land der Welt für den Aufbau der RGI in den globalisierten Industriezweigen. Ohne die roten Gewerkschaften auf nationaler Ebene können wir keine roten Gewerkschaften auf internationaler Ebene aufbauen. Das sind die Bedingungen, an die wir heute unsere RGI-Politik orientieren müssen.

Vom zukünftigen globalisierten Organisationsprinzip der RGI müssen wir den horizontalen Aufbau mit dem vertikalen Aufbau verbinden. Was heißt das ?

Erstens. Wir müssen von jedem Land aus die globalisierte Kampfkraft des Industrieproletariats in jedem einzelnen Industriezweig stärken durch Unterstützung von Seiten der nationalen roten Gewerkschaften. Das Aufgabengebiet der roten Gewerkschaften beschränkt sich also nicht auf den eigenen nationalen Rahmen, sondern ist eingebunden in eine internationale Aufgabenstellung, nämlich der Weltarmee des industriellen Proletariats die eigenen Kräfte zuzuführen. Erst dann werden wir diese Weltarmee gegen den Weltkapitalismus in Marsch setzen können.

Hierzu müssen wir, zweitens, das gesamte Industrieproletariat für gemeinsame, übergreifende Aktionen aller Industriezweige gewinnen, um das gesamte Industrieproletariat der Welt für die entscheidende Schlacht zu schulen.

Wir beginnen hierfür zuerst mit der Propagandaarbeit, um dann später, zum herangereiften Zeitpunkt, auch Organisationsarbeit und schließlich Aktionsarbeit leisten zu können.

Wir müssen von zentraler Stelle aus Internationale Propagandakomitees für jeden einzelnen Industriezweig bilden.

 

Welche Organisationsformen stehen der RGI heute zur Verfügung ?

1. Rote Gewerkschaften in einzelnen Ländern, die der RGI angeschlossen sind, aber illegal arbeiten.

2. von den gelben Gewerkschaften ausgeschlossene Gewerkschaftsmitglieder oder Gruppen.

3. revolutionäre Gewerkschaftsoppositionen innerhalb der gelben Gewerkschaften (kommunistische Fraktionen)

4. linke Aktionskomitees (Solidaritätskomitees) , in denen verschiedene Richtungen gemeinsam die gerechten Kämpfe der Gewerkschafter von außen unterstützen gegen das Streikbrechertum der reformistischen Gewerkschaften.

5. Organisationen der Arbeitslosen und Leiharbeiter.

Diese und andere Organisationsformen der RGI ergeben sich aus den derzeit objektiven Bedingungen des Klassenkampfes, der innerhalb und außerhalb von Betrieb und Gewerkschaft geführt wird und miteinander verknüpft werden muss. Es handelt sich anfangs um eine Sammelbewegung aller revolutionären Gewerkschafter, die auf die eine oder andere Weise mit den gelben Gewerkschaften in Konflikt geraten sind.

Die RGI kann zur Zeit nur unter schwierigsten Bedingungen legal arbeiten. Alles was sich in den einzelnen Ländern um die RGI herum organisiert, ist dem Polizeiterror und den sozialfaschistischen Gewerkschaftsführern ausgesetzt, die der Polizei in die Hand arbeiten.

Deswegen ist für die RGI die Gründung Internationaler Antifaschistischer Aktionskomitees, Gründung von Selbstverteidigungsorganisationen, antifaschistische Agitation und Propaganda in Betrieb und Gewerkschaft unverzichtbar.

Wir können das Weltproletariat nicht für den Kampf gegen Krieg und Faschismus gewinnen, wenn wir um Betrieb und Gewerkschaft einen großen Bogen machen.

Einheitsfront aller Betriebe und Gewerkschaften gegen Kapitalismus, Krieg und Faschismus bedeutet für die RGI Einheitsfront nicht mit, sondern gegen die Weltbourgeoisie, wobei das Hauptinstrument gegen Kapitalismus, Krieg und Faschismus stets die sozialistische Weltrevolution sein muss.

Internationale Einheitsfront in der Weltgewerkschaftsbewegung setzt die Einheitsfront in allen nationalen Gewerkschaftsbewegungen voraus.

Wenn die Tausende von Gewerkschaften der ganzen Welt heute nicht reformistisch, sondern revolutionär wären, dann wäre der Sturz der Weltbourgeoisie nicht eine Sache von Jahren und Jahrzehnten, sondern von Wochen, Tagen, Stunden.

Mit dem Zerfall des Weltimperialismus werden auch die gelben Gewerkschaften zerfallen. Es wird dann nur noch eine Gewerkschaftsinternationale geben – die RGI.

Wir haben also keinen Grund zum Pessimismus. Unsere hartnäckige und aufopferungsvolle kommunistische Arbeit in Betrieb und Gewerkschaft wird eines Tages mit dem Sieg belohnt werden.

Wir kommen daher zu dem Schluss, dass alle Formen der Arbeiterbewegung, die sich im Verlauf der Weltrevolution entwickeln werden, sich ihrerseits auf die Revolutionierung der breiten Massen mobilisierend auswirken und diese zum Sieg führen werden.

Mit jeder Stärkung des gewerkschaftlichen und betrieblichen Kampfes des Weltproletariats gegen den Weltimperialismus nähern wir uns der kommunistischen Weltgesellschaft.

Es lebe der 16. Jahrestag der Roten Gewerkschaftsinternationale !

Wolfgang Eggers

1. Mai 2019