5. Weltkongress

der

Roten Gewerkschaftsinternationale

August 1930

 

Treiben wir die Internationalisierung der revolutionären Gewerkschaftsbewegung voran !

Lernt vom 5. Weltkongress der RGI !

August 1930

RGI

5. Weltkongress

 

16. August 1930

vor 90 Jahren - 5. Weltkongress der RGI

erstmalige Wiederveröffentlichung durch die im Jahre 2003 wieder gegründete RGI:

 

 

[ aus "Rote Fahne" vom 16. August 1930 ]

Aus dem Eröffnungsartikel des Genossen Losowski in der "Prawda"

Die Rote Gewerkschaftsinternationale

- Generalstab der roten Gewerkschafter aller Länder

Losowski

Vom IV. zum V. Kongress

der RGI

Anlässlich der Eröffnung des Kongresses der RGI schreibt der Genosse Losowski unter Anderem:

Der Profinternkongress ist ein Kongress der Selbstkritik und der Aktionen. Der Kongress wird zu einem äußerst komplizierten und kritischen Zeitpunkt eröffnet. In der Weltwirtschaft und der Weltpolitik reifen Ereignisse heran, welche die Komintern sowie die Profintern und ihre Sektionen in der allernächsten Zeit vor ernste Kampfaufgaben stellen können. Die Wirtschaftskrise fährt fort, mit unaufhaltsamer Gewalt weiter zu wachsen, Millionen von Arbeitslosen werden aus den Betrieben aufs Pflaster geworfen. Der Kampf um die Märkte nimmt immer erbittertere Formen an, die Rüstungen nehmen zu, in den wichtigsten Kolonien China und Indien [heute inzwischen selber zu imperialistischen Großmächten heran gewachsen ! - Anmerkung der Redaktion] erhebt sich eine neue mächtige Revolutionswelle, die Arbeiterklasse der kapitalistischen Länder geht zum Gegenangriff über, in den allerschwächsten Gliedern des kapitalistischen Organismus (Polen und Rumänien) verwandelt sich die Wirtschaftskrise in eine politische Krise - die ganze Welt wird in ihren Grundfesten erschüttert. Gleichzeitig setzt die Sowjetunion trotz aller Prophezeiungen über das Gegenteil ihren siegreichen Vormarsch fort und erweckt Neid und Zähneknirschen in der gesamten kapitalistischen und sozialfaschistischen Welt.

Unter solchen Verhältnissen wird sich der Profintern-Kongress damit befassen, den subjektiven Faktor dem Niveau der günstigsten objektiven Verhältnisse möglichst nahe zu bringen. Wir sind keine Amsterdamer Internationale und sprechen darum alles so aus, wie es ist. Im Juli dieses Jahres brachten es die versammelten Amsterdamer fertig, an der Wirtschaftskrise, der Erwerbslosigkeit und dem Rüstungsfieber, der Kolonialrevolution vorüber zu gehen. Die in Stockholm versammelten Lakaien des Kapitals durften nicht zugeben, was ist. Die kapitalistische Gegenwart ist so wenig einem organisierten Kapitalismus ähnlich, die sich verschärfende Krise steht in solchem schreienden Gegensatz zu allen Prognosen und Versprechungen, dass es besser ist, über dieses Thema zu schweigen. Der Kongress der Amsterdamer Internationale ging auch an den wichtigsten Fragen schweigend vorüber und konztrierte seine Aufmerksamkeit auf die Frage des Sitzes seines internationalen Vorstandes. Hier nun zeigten sich die imperialistischen Widersprüche im Schoße Amsterdams, hier traten die Gegensätze zwischen den Besiegten und den Siegern des Weltkrieges zu Tage.

Wir werden keine imperialistischen Gegensätze haben, wir werden nicht über den Sitz unserer Internationale kämpfen, - wir sind bereit, diesen nach Paris, London oder New York zu verlegen. Wegen des Ortes wollen wir nicht zanken, das überlassen wir den Herren Amsterdamern. Wir werden auf unserem Kongress für die richtige Politik in der Massenbewegung, für die Taktik der Einheitsfront von unten, für bessere Mittel und Methoden zur Eroberung der Mehrheit der Arbeiterklasse, für selbständige Leitung der Wirtschaftskämpfe streiten und diskutieren. Alle wichtigen Fragen werden auf unserem Kongress offen erörtert. Wir haben nichts zu verheimlichen. Wir kränkeln nicht an de r Amsterdamer Selbstzufriedenheit und Beschränktheit. Darum werden wir die Tätigkeit der Profintern und ihrer Sektionen einer scharfen Selbstkritik unterziehen. Wir werden Streik um Streik, Kampagne um Kampagne prüfen und furchtlos unsere Schwächen, unsere Eiterbeulen aufdecken. Dazu versammelt sich ja der Kongress, um das Fazit der Vergangenheit zu ziehen und die Gegenwart richtig einzuschätzen und um für die Zukunft die Kampfmethoden und Kampfarten auszuarbeiten. Wenn dies in der Amsterdamer Internationale nicht gebräuchlich ist, um so schlimmer für sie.

Unser Kongress wird nicht mit dem Völkerbund und seinem internationalen Büro verbunden sein. Und darum werden wir alles über die Kriegsgefahr und die Revolution in den kolonialen Ländern, sowie über die Umzingelungsversuche der kapitalistischen Länder gegen die Sowjetunion sagen. Unser Kongress wird nicht Versteck spielen. Er wird alles sagen, was er über die "Arbeiterregierungen" und ihre Streikbrecherrolle bei der Sprengung der wirtschaftlichen und politischen Kämpfe des Proletariats denkt.

Der Profintern-Kongress wird auch seiner Zusammensetzung nach dem Amsterdamer Kongress nicht ähnlich sein. Dort war ein Teil Europas, bei uns sind sämtliche Kontinente, sämtliche Länder und Rassen vertreten. Bereits jetzt sind die Delegierten aus Australien, China, Japan, aus den Philippinen, Korea, Indochina, Indien, Ägypten, England, den Vereinigten Staaten, Argentinien, Brasilien, Uruguay, Paraguay, Chile, Peru, Equador, Mexiko, Guatemala, Honduras, Salvador, Kuba, Neuseeland, Südafrika, Nigeria, Kamerun, Gambia usw. eingetroffen. Delegierte sämtlicher Länder Europas - ihr werdet sehen, dass es sich um eine wirkliche Internationale handelt und nicht um einen Europatrust zur Verteidigung des Kapitalismus, zur Bekämpfung der wachsenden Revolution. Für jeden Delegierten, egal aus welchem Erdenwinkel er auch kommen möge, ist es klar, dass die Arbeiterklasse erbitterten Klassenkämpfen entgegen geht und unter diesem Gesichtswinkel werden wir sämtliche Fragen betrachten und erörtern.

Näher zu den Massen mittels Einheitsfront von unten, Bekämpfung des Rechtsopportunismus und des Linkssektierertums, tatsächliche Leitung der wirtschaftlichen Massenkämpfe des Proletariats, Unterstützung der schwächsten Gruppen des Weltproletariats, enger Zusammenschluss der Kolonialsklaven mit der Arbeiterschaft der kapitalistischen Länder und mit dem Proletariat der Sowjetunion, das sind die Aufgaben des 5. Kongresses der RGI. Der 10-jährige Kampf der Profintern und seine Arbeitserfahrungen bürgen dafür, dass der Kongress diese Aufgaben erfüllt und bei der Eroberung der Mehrheit der Arbeiterklasse, der Niederwerfung des Kapitals und der Errichtung der Diktatur des Proletariats der tatsächliche Wegweiser sein wird.

 

 

[ aus "Rote Fahne" vom 17. August 1930 ]

Aus: Die Eröffnungsrede des Genossen Losowski

 

Der 5. Weltkongress der Roten Gewerkschaftsinternationale eröffnet

 

Inprekor, Moskau, 16. August 1930.

Die Eröffnung des 5. Weltkongresses der RGI fand im großen Saale des Gewerkschaftshauses in Anwesenheit von Vetretern aus 55 Ländern statt. Der Generalsekretär der RGI, Genosse Losowski, hielt die Eröffnungsrede. Danach wurde ein Präsidium aus 41 Personen und ein Sekretariat aus 10 Personen gewählt.

Den 5. Kongress der RGI begrüßten:

Genosse Kuusinen als Vertreter des EKKI, Genosse Clares für Lateinamerika, Genosse Gardi vom Pazifik-Sekretariat und Genosse Rossow im Namen der Moskauer Gewerkschaften. Der Kongress wurde ferner durch verschiedene Arbeiterdelegierte der Sowjetunion begrüßt. In der morgigen Sitzung wird Genosse Losowski den Bericht des Generalsekretariats erstatten. In seiner Eröffnungsrede führte Genosse Losowski Folgendes aus:

Die RGI tritt heute unter schwierigen internationalen Verhältnissen zusammen. Vor 10 Jahren, als der Grundstein der RGI gelegt wurde, begann für die kapitalistische Welt nach einer künstlichen Nachkriegsblütezeit eine Periode der schwersten wirtschaftlichen Krisen. Während eines ganzen Jahrzehnts bemühte sich der Kapitalismus, diese Krisen zu überwinden, mobilisierte dazu alle sein Kräfte einschließlich der internationalen Sozialdemokratie. Wenn wir aber jetzt das Fazit des vergangenen Jahrzehnts ziehen, sehen wir die kapitalistische Welt wiederum von scharfen wirtschaftlichen Krisen durchschüttelt. Alle Bemühungen der Bourgeoisie und der Sozialdemokratie und ihr Gerede über den "organisierten Kapitalismus" und die "amerikanische Blütezeit" haben nicht geholfen.

Die vor einem Jahrzehnt von uns gestellte Prognose erwies sich als richtig. Der Kapitalismus entwickelt sich in absteigender Kurve.

Als die RGI entstand, nahm der internationale Reformismus eine ziemlich starke Position innerhalb der Arbeiterklasse in den kapitalistischen Ländern ein. Was sehen wir aber heute ? Der internationale Reformismus ist genötigt, eine starke Lichtung seiner Reihen zu konstatieren.

Nach ihren eigenen offiziellen Angaben hatten damals die Amsterdamer 24 Millionen Mitglieder, von denen sie jetzt nur 13 Millionen übrig haben, und auch unter diesen machen die Anhänger der RGI - die Revolutionäre Gewerkschaftsopposition in den reformistischen Verbänden - einen bedeutenden Teil aus. Gleichzeitig ist die Rote Gewerkschaftsinternationale trotz des Abfalls der italienischen und spanischen Arbeiterkonföderationen während des vergangenen Jahrzehnts zu einer machtvollen Weltorganisation heran gewachsen, welche Millionen unterdrückter, enteigneter Proletarier aus allen Teilen der Erde in ihren Reihen vereinigt.

Während dieses Jahrzehnts wuchs und erstarkte gleichzeitig mit der RGI das erste Land der proletarischen Diktatur, in dem die RGI entstand - die Sowjetunion. Um ihen Verrat zu rechtfertigen, wies die internationale Sozialdemokratie schadenfroh die Arbeiter der kapitalistischen Länder auf alle jene Schwierigkeiten hin, welche der erste Proletarierstaat überwinden musste und sagte dabei: "Seht die Folgen der proletarischen Diktatur, Bürgerkrieg, Hungersnot und ein ungeheures Elend unter den Arbeitermassen!" Sie warnte die Arbeiterschaft der ganzen Welt vor einer Wiederholung des Versuchs des russischen Proletariats. Aber ein Jahrzehnt verging, und das Sowjetland bewies der ganzen Welt, wozu das Proletariat imstande ist, wenn es seine schöpferische Energie und seine Schöpfungskraft entwickelt.

Dies geschah zur gleichen Zeit, wo die Sozialdemokratie in vielen Ländern Europas die Macht in ihren Händen hatte, und die Arbeiterschaft dieser Länder in ungeheure Niederlagen führte und die faschistische Diktatur dadurch vorbereitete. Im Verlauf dieser Jahre festigte der internationale Reformismus den Kapitalismus, den wir erschütterten.

Wer hatte nun den größten Erfolg zu verzeichnen ? Gelang es den Amsterdamern, den Kapitalismus zu festigen ? Die Antwort darauf erteilt die gegenwärtige wirtschaftliche Krise.

Was haben WIR dagegen erreicht? Wir stellten uns die Aufgabe, die Entwicklung der proletarischen Revolution in der ganzen Welt zu fördern, und wir erfüllten diese Aufgabe mehr ioder weniger erfolgreich. Wir erlitten viele Niederlagen. Trotzdem viele Tausend unserer Brüder in den Kerkern des Kapitalismus, in Verbannung und Zuchthaus schmachten, geht die revolutionäre Arbeiterbewegung vorwärts. Und keine Macht der Einheitsfront der Unternehmer und der Sozialfaschisten kann dieses Wachstum aufhalten. Viele Mängel und Schwäöchen haften noch unserer Bewegung an. Auf unserem Kongress werden wir diese Mängel und Schwächen einer strengen Selbstkritik unterwerfen. Mit Hilfe der Selbstkritik können wir eine mächtige Waffe zur Bekämpfung des Kapitalismus schmieden.

Die zentrale Frage unseres Kongresses ist zweifellos die Organisierung von wirtschaftlichen Kämpfen des Proletariats. Diese Frage wurde bereits auf dem IV. Kongress der RGI erhoben, als wir die Losung der selbständigen Führung der Wirtschaftskämpfe aufstellten.

Aber es muss gesagt werden, dass wir noch sehr wenig in dieser Richtung vorgerückt sind. Wir müssen auf dem gegenwärtigen Kongress die Ursachen dieser Schwächen studieren und uns ernstlich mit der Frage befassen, wie die Gegenoffensive der Arbeiterklasse organisiert werden kann.

Die Amsterdamer Internationale betrachtet den Umstand, dass ihre Kongresse jedes Mal in einem anderen Land stattfinden, als ein Zeichen der Internationalität. Wir haben eine andere Auffassung über den Internationalismus. Wohl ist es wahr, dass unsere Kongresse bisher immer in Moskau statt fanden, aber ich glaube, dass die Freunde Amsterdams - die bürgerlichen und sozialdemokratischen Regierungen - uns schwerlich in ihren Ländern so freudig begrüßt hätten, wie sie die Amsterdamer begrüßen. Wir treten auf dem Territorium der siegreichen proletarischen Revolution zusammen und senden von hier aus unseren flammenden Gruß an alle Gefangenen des Kapitals, an alle Unterdrückten und Enterbten, die unter der eisernen Ferse des Imperialismus stöhnen (Beifall). Jeder Arbeiter und Bauer, wo er auch kämpfen möge - in China, Indien oder auf den Philippinen, und von welcher Hautfarbe er auch sei, er ist unser Verbündeter und Bruder. Mit ihm und für seine Interessen werden wir kämpfen. (Stürmischer Beifall)

 

 

 

 

[ aus "Rote Fahne" vom 19. August 1930 ]

 

Die Aufgaben der Roten Gewerkschaftsinternationale

"Gigant" und "Elektrosawod" begrüßen den 5. Weltkongress der RGI

Moskau. 17. August.

Der zweite Sitzungstag des 5. Weltkongresses der Roten Gewerkschaftsinternationale begann mit den Begrüßungsansprachen zahlreicher Arbeiterdelegierter aus den verschiedensten Teilen der Sowjetunion. Große Begeisterung weckten die Ansprachen des Vertreters der Arbeiter des Sowjetgutes "Gigant" und des Moskauer Werkes "Elektrosawod". Im Namen der Arbeiter und Arbeiterinnen des "Gigant" berichtete der Genosse Sapponow, wiederholt von enthusiastischem Beifall unterbrochen, über die gewaltigen Erfolge des "Gigant". Über die Erfolge des "Elektrosowod" berichtete Genosse Fedorow unter stürmischen Beifallsrufen.

Der Kongress beschloss dann einstimmig zwei Begrüßungsaufrufe: an die Arbeiter und Rote Armee Chinas, sowie an die Arbeiterschaft Indiens.

Zum 1. Punkt der Tagesordnung:

"Bericht des Vollzugsbüros und Aufgaben der internationalen revolutionären Gewerkschaftsbewegung" hielt Genosse Losowski das Referat, das in der Morgensitzung des 17. August fortgesetzt und beendet wurde.

In der Abendsitzung des 5. Kongresses der RGI, am 17. August, sprachen Genosse Heckert über die Aufgaben der Gewerkschaft in der Periode der anwachsenden revolutionären Revolution, Genossin Tormossowa über die Einbeziehung der Frauen in die revolutionären Gewerkschaftsorganisationen und in den revolutionären Kampf, Genosse Rschai über die Arbeit unter der Jugend und Genosse Ford über die Lage der Neger in den verschiedenen Weltteilen.

Genosse Losowski gab in seinem Referat zunächst eine Analyse der Krise des kapitalistischen Systems und der Rolle des internationalen Reformismus und ging dann zu den wichtigsten aktuellen Fragen der revolutionären Gewerkschaftsbewegung über.

Zunächst sprach er über die Wirtschaftskämpfe des Proletariats. In der Periode nach dem 4. Kongress der RGI fand die Arbeiterklasse während aller Streiks und Wirtschaftskämpfe einer geschlossenen Front der Bourgeoisie gegenüber. Eines der wichtigsten Kampfmittel gegen das Proletariat war die Errichtung von "Arbeiter-Regierungen". Die Weltkrise hat eine neue Kampfsituation geschaffen, die den Wirtschaftskämpfen auf beiden Seiten einen besonders erbitterten Charakter verleiht und allen Streikkämpfen ein ausgesprochen politisches Gepräge aufdrückt. Zwar haben die Sektionen der RGI rechtzeitig ihre Organisationen der Leitung der Wirtschaftskämpfe zugewandt und häufig die Führung der Bewegung gewonnen, zwar decken sie die Streikbrecherrolle der Sozialdemokraten auf usw., doch sind noch verschiedene Mängel auf diesem Gebiet festzustellen.

Der Wirtschaftskampf verschmilzt mit dem politischen. Unter den gegenwärtigen Verhältnissen gibt es keine rein wirtschaftlichen Streiks. Die Streikbewegung revolutionieren bedeutet, den Streikenden den Zusammenhang zwischen ihren Wirtschaftsforderungen und dem gesamten System der bürgerlichen Diktatur klar machen, die Rolle des Sozialfaschismus aufdecken, aus jedem Proletarier einen klassenbewussten Kämpfer für die Lebensinteressen der Arbeiterklasse machen.

Genosse Losowski analysiert sodann die rechte Abweichung und die "linken" Fehler in den Sektionen der RGI und zählt folgende Aufgaben auf, die vor der revolutionären Gewerkschaftsbewegung stehen:

Die größte Aufmerksamkeit unserer Organisationen muss auf die Tagesbedürfnisse der Arbeiter, auf ihrem Kampf auf Lohnerhöhung und Kürzung der Arbeitszeit und Sozialversicherung usw. gerichtet sein. Nie und nimmer hinter den Massen zurück bleiben, ihnen hinterher hinken, sondern sich die Stimmung der Arbeiter klar machen und in ihrer Bewegung die Führung übernehmen !

Die Organe der Wirtschaftskämpfe müssen von den breiten Arbeitermassen gewählt werden. Selbst wenn wir in der Minderheit sind, darf man vor der Wahl nicht zurück scheuen. Die Massen werden den revolutionären Flügel im Verlaufe des Kampfes unterstützen.

Die Organisierung der Arbeitslosen muss nicht bloß auf dem Papier, sondern in der Praxis durchgeführt werden. Unterlassen wir dies, werden die Faschisten die Erwerbslosen gegen uns ausspielen.

Den Abschluss der Kollektivverträge müssen WIR in die Hand nehmen. Gegen das Eindringen des Faschismus im Betrieb müssen wir kämpfen.

Gegen den Sozialfaschismus ist ein unerbittlicher Kampf zu führen durch Schaffung der Einheitsfront mit den Arbeitern, die unter sozialfaschistischem Einfluss stehen.

Notwendig ist die Organisierung eines Selbstschutzes, in dem parteilose, sozialdemokratische und katholische Arbeiter mit einbezogen werden müssen.

Um diese Aufgaben zu erfüllen, muss die Einheitsfront geschickt durchgeführt werden. Die Einheitsfront ist die Methode unserer Arbeit, die Methode der Einbeziehung der rückständigen Arbeiter in den Klassenkampf. Die Einheitsfront ist gleichzeitig der schonungslose Kampf gegen Sozialdemokraten, gegen die Kompromisse mit den reformistischen Führern. Die deutsche Revolutionäre Gewerkschaftsopposition (RGO) hat den richtigen Beschluss gefasst, revolutionäre Gewerkschaftsoppositionsgruppen in den Betrieben zu organisieren. Diese Anregung der deutschen Genossen muss auch in anderen Ländern ausgenutzt werden.

Für die Interessen der Unorganisierten müssen wir energisch eintreten. Dort, wo es keine revolutionären Gewerkschaften gibt, müssen die Unorganisierten in die reformistischen Gewerkschaftsverbände zwecks Festigung der revolutionären Gewerkschaftsopposition einbezogen werden.

Das Hinauswachsen des Klassenkampfes über den nationalen Rahmen regt die Frage der Festigung der internationalen Solidarität an. Es müssen Grenzausschüsse und Brüderschaften gegründet werden, es muss die aktive Unterstützung streikender Arbeiter anderer Länder organisiert werden. Die Arbeiter der Kolonialländer müssen in ihrem Kampf unterstützt werden. Das gilt besonders für die Arbeiter der Mutterländer.

Die Sektionen der RGI müssen unablässig den Zusammenhang zwischen dem Kampf der Bauern in den Kolonien und den Kampf in den Mutterländern erläutern. Die Losung "Unabhängigkeit der Kolonien!" muss eine unserer wichtigsten Kampflosungen sein.

Angesichts der wachsenden Kriegsgefahr und der Kriegsvorbereitungen gegen die Sowjetunion steht das Proletariat vor der Aufgabe, den Kampf gegen die Kriegsgefahr zu organisieren.

Im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit der Arbeiterklasse steht die Verteidigung der Sowjetunion. Davon, wie wir den Kampf gegen den Krieg organisieren werden, hängt es ab, ob es den Imperialisten gelingen wird, ihr Ziel zu erreichen, die Arbeiterrevolution abzuwürgen.

 

 

 

 

 

 

[ aus "Rote Fahne" vom 20. August 1930 ]

Arbeiterinnen in der roten Klassenfront

Referat der Genossin Tormossowa

Moskau, 18. August, Inprekorr. In der Abendsitzung des 5. Kongresses der RGI, am 17. August, erstattete Genossin Tormossowa das Korreferat über die Rolle der Arbeiterinnen in der revolutionären Bewegung. Genossin Tormossowa führte u.a. aus:

Für die Streikbewegung der letzten Jahre ist es bezeichnend, dass an ihnen die Arbeiterfrauen mit außerordentlicher Aktivität und Heldenhaftigkeit teilnehmen. Dies ist hervor gerufen erstens durch die Einbeziehung neuer Millionen Frauen als billige Arbeitskraft in den Produktionsprozess, zweitens durch die kapitalistische Rationalisierung und die Krise, von der das Heer der Arbeiterinnen ganz besonders betroffen wird.

Die mangelhafte Organisation der Frauen steht im krassen Widerspruch zur Rolle, die sie in der Produktion spielen, und zu ihrer Aktivität in der Streikbewegung.

Es gilt, die breiten Arbeiterinnenmassen in die revolutionäre Bewegung einzubeziehen, sie zu organisieren und die besten Arbeiterinnen zur leitenden Arbeit heranzuziehen. Mit aller Schärfe muss die Frage der Heranbildung von Kadern für die Organisationsarbeit unter den Frauen gestellt werden. Der Mittelpunkt der Arbeit unter den Frauen müssen die Betriebe sein. In den Betrieben muss man Arbeiterinnen-Ausschüsse bilden, um die sich die Arbeiterinnen zusammen schließen. Die Millionen werktätigen Frauen in Stadt und Land müssen für unseren Kampf gewonnen werden.

Ohne die Frauen kann es keine wahre Massenbewegung geben. Diese Worte Lenins muss man besonders jetzt, da entscheidende Kämpfe des Proletariats nahen, sich in Erinnerung bringen.

 

 

Negerarbeiter im revolutionären Kampf

On the fifth congress of RILU

Im Namen der internationalen Gewerkschaftsausschüsse der Neger berichtete Genosse Ford über die Lage und Kämpfe der Negerarbeiter in allen Weltteilen.

* * *

Die Betriebsversammlung der AEG-Turbine hat an das Präsidium des 5. RGI-Kongresses das folgende Telegramm gerichtet:

"RGO-Betriebsversammlung AEG-Turbine Berlin sendet revolutionäre Kampfesgrüße zur Eröffmnung des 5. Kongresses. Gelobt, mit ganzer Kraft Kampf um revolutionären Ausweg mit RGO unter KPD-Führung vorzubereiten und zu führen."

 

 

 

[ aus "Rote Fahne" vom 21. August 1930 ]

 

Fritz Heckert

Die Lehren der Wirtschaftskämpfe

Referat auf dem 5. Kongress der Roten Gewerkschaftsinternationale

 

 

[ aus "Rote Fahne" vom 23. August 1930 ]

5. Kongress der RGI

Lehren der Streikkämpfe in Deutschland

Erfolge und Mängel der RGO

Moskau, 20. August.

Die Sitzungen des 5. Kongresses der Roten Gewerkschaftsinternationale, am 19. August, standen vor Allem im Zeichen und Lehren der Streikkämpfe und der revolutionären Gewerkschaftsarbeit in Deutschland. Eine Anzahl der deutschen Delegierten, darunter die Genossen Galinat (Ruhrgebiet), Dahlem, Emrich und Auer berichteten in der Diskussion zu den Referaten der Genossen Losowski und Heckert über die deutschen Erfahrungen.

Was lehrt der Nordwestkampf ?

In der Fortsetzung der Debatten zu den Reden der Genossen Losowski und Heckert führte Genosse Galinat (Bergarbeiter aus dem Ruhrgebiet):

Die Kämpfe in Mansfeld und an der Ruhr beweisen schlagend, dass die Methode der Kampfführung und Organisierung von Kampfausschüssen auf Grundlage einer breiten Einheitsfront von untern das einzig Richtige ist. In Mansfeld wurden solche Vorarbeiten getroffen worden und die dortigen Kampfausschüsse waren auch ihren Aufgaben gewachsen. In Duisburg dagegen, wo solche Vorarbeiten nicht getroffen waren, waren diese Kampfausschüsse in den meisten Fällen tot geboren. Gegenwärtig stehen die größten Kämpfe bei den Bergarbeitern des Ruhrreviers bevor. Eine der Vorbedingungen für den Sieg bei solchen Kämpfen ist eine sorgfältige und umsichtige Vorbereitung, des, Genossen, ist es notwendig, an die Vorbereitung und Organisierung der bevor stehenden Kämpfe unverzüglich heranzutreten.

 

Erfolge und Mängel unserer Gewerkschaftsarbeit

Genosse Fritz Emrich(Deutschland):

Die Brandlerianer haben in Deutschland gegen die Beschlüsse des 4. Kongresses eine scharfe Attacke geritten. Besonders heftig wurden von ihnen die Thesen über die Faschisierung des reformistischen Gewerkschaftsapparates angegriffen. Aber gerade diese Thesen haben sich in der Periode nach dem 4. Kongress voll und ganz bestätigt. Die Liquidatoren, die uns liquidieren wollten, haben sich selbst liquidiert. Sie sind jetzt eine vollkommen bankrotte Gruppe, Generäle ohne Soldaten.

Welches sind die hemmenden Faktoren bei unserer revolutionären Gewerkschaftsarbeit in Deutschland ? Im Wesentlichen sind es die folgenden Hauptmomente:

Erstens glauben viele Arbeiter infolge der Faschisierung und der arbeiterfeindlichen Politik des reformistischen Gewerkschaftsapparates, dass es keinen Zeck mehr hat, in den reformistischen Organisationen zu arbeiten.

Zweitens hat unsere revolutionäre Fraktionsarbeit einen nur ungenügenden politischen Inhalt.

Drittens ist in unseren Reihen noch ein starker Gewerkschaftslegalismus vorzufinden. Viertens sind es "linke" sektiererische Abweichungen.

Fünftens müssen wir eine ungenügende organisatorische Zusammenfassung aller Anhänger der Revolutionären Gewerkschaftsopposition in den Betrieben feststellen. Es fehlt eine wirklich feste Leitung der revolutionären Gewerkschaftsopposition.

 

Betriebsgruppen der RGO

Wir verbessern wir unsere Gewerkschaftsarbeit ? Die Stärke des Reformismus liegt nicht in den Ortsverwaltungen und Zentralstellen der reformistischen Gewerkschaften. Das Fundament, auf welches sich der Reformismus stützt, liegt in den Betrieben. Dieses Fundament müssen wir vernichten. Voraussetzung für den konsequenten Kampf gegen die Amsterdamer Gewerkschaftsbürokratie und für die Eroberung der Massen ist die feste organisatorische Zusammenfassung aller Anhänger der Revolutionären Gewerkschaftsopposition in den Betrieben. Wir müssen in den Betrieben starke Betriebsgruppen der Revolutionären Gewerkschaftsopposition schaffen. Aber außer den Betrieben gibt es infolge der verschiedenartigen Struktur der reformistischen Gewerkschaften noch viele Möglichkeiten, in den reformistischen Organisationen zu arbeiten, und diese müssen wir ebenfalls ausnutzen.

Genosse Fritz Emrich führt eine Reihe von Tatsachen an, aus denen ersichtlich ist, dass die Arbeiter der RGO in den reformistischen Gewerkschaften unzulänglich war.

Mit leninistischer Härte werden wir auf Grund der Bschlüsse des 5. Kongresses der RGI alle Abweichungen opportunistischer und sektiererischer Natur rücksichtslos bekämpfen.

Trotz aller Fehler und Mängel können wir aber feststellen, dass wir im letzten Jahr in politischer und organisatorischer Beziehung Erfolge zu verzeichnen hatten. Die Bilanz des Wettbewerbes, den die Revolutionäre Gewerkschaftsopposition mit dem Zentralrat der russischen Gewerkschaften abgeschlossen hat, ist ein Beweis dafür. Der Wettbewerb wurde von uns zu 75 % erfüllt. Wir sind mit dem Ergebnis noch nicht zufrieden und werden mit aller Energie daran arbeiten, das gesteckte Ziel in kürzester Frist zu erreichen und zu überschreiten.

Amsterdam ist ein Bollwerk der Konterrevolution. Aller Wahrscheinlichkeit nach wird die Entscheidungsschlacht zwischen Amsterdam und der RGI in Deutschland ausgetragen.

 

 

 

[ aus "Rote Fahne" vom 24. August 1930 ]

Genosse Dahlem über die Erfahrungen und Aufgaben der revolutionären Gewerkschaftsarbeit in Deutschland

[Anmerkung der Redaktion: Franz Dahlem war maßgeblich beteiligt am revisionistischen Volksfront-Kurs der Dimitroff-Komintern, am Verrat an der Thälmann-KPD und später einer der Führer der sozialfachistischen DDR)

Moskau, 21. August. In der Vormittagssitzung des 5. RGI-Kongresses, am 18. August, erklärte Genosse Dahlem (Deutschland) zum Bericht des Genossen Losowski:

Die Politik der deutschen Bourgeoisie, die darauf ausgeht, die mit der Krise und der Durchführung des Young-Planes verbundenen Lasten auf die Schultern der Arbeiterklasse abzuwälzen, stößt auf den wachsenden aktiven Widerstand der Arbeiterschaft. Die letzten Streikkämpfe in Deutschland trugen einen politischen Charakter und bezeugten die Richtigkeit der Losung:

"Klasse gegen Klasse!"

Gegen den geschlossenen Block der Unternehmer, der Regierung, der Sozialfaschisten und Faschisten bildet sich die revolutionäre Einheitsfront von unten.

Der Kampf um die Tageslosungen ist in der Etappe der Krise zugleich ein Kampf gegen die bestehende kapitalistische Ordnung. Der IV. Kongress der RGI warf die Frage der selbständigen Leitung der Wirtschafskämpfe auf, was unsere frühere Taktik in der Gewerkschaftsbewegung von Grund auf änderte. Im Ruhrkampf 1928 wurde diese Wendung zum ersten Mal in der Praxis verwirklicht. Es wurden Kampfleitungen auf breiter Grundlage der Einheitsfront von Organisierten und Unorganisierten gewählt. Die Streiks in Hennigsdorf, der Rohrlegerstreik, in Mansfeld und Nordwest bedeuten den Übergang auf einer hören Stufe. Diese Kämpfe zerstörten bei großen Massen den Glauben an ein Monopol der Reformisten auf Führung von Streikkämpfen und auf den Abschluss von Tarifvrträgen. Sie bewiesen, dass der Kampfwille und die Kampfkraft stärker sind, als ein großer Teil er alten Kaders der Opposition glaubte.

In Deutschland müssen wir auf Grund der Erfahrungen dieser Kämpfe die Organisation der Revolutionären Gewerkschaftsopposition auf der Basis von Oppoisitionsgruppen in den Betrieben straff und stabil aufbauen. Wir müssen offen sagen, dass unsere innergewerkschaftliche Arbeit stagniert, hauptsächlich in Folge sektiererischer Theorien und Abweichungen, deren Representant in Deutschland Genosse Merker war. Die Gewerkschaftsopposition muss diese Fehler korrigieren.

Das Mansfelder Beispiel

Dabei bestehen große Möglichkeiten für erfolgreiche Arbeit in den Gewerkschaften. Das beweist auch der Streik in Mansfeld. In der Resolution zum Bericht des Genossen Losowskis heißt es, dass in Deutschland die Losung: "Hinein in die Gewerkschaften" aufgegeben werden muss. Tatsächlich existiert in unserer Praxis eine solche Losung nicht mehr seit zweieinhalb Jahren. Würde eine solche Formulierung in der Resolution beibehalten werden, so könnte das angesichts der bestehenden starken gewerkschaftsfeindlichen Tendenzen bei vielen Arbeitern den Eindruck hervorrufen, dass auch sie nicht mehr den reformistischen Gewerkschaften anzugehören brauchen. Wir müssen positive Losungen aufstellen, wie etwa: "Arbeiter, tretet in die Reihen der Revolutionären Gewerkschaftsopposition ein !"

Hinsichtlich der Fraktionsarbeit in den reformistischen Gewerkschaften müssen wir sagen: Hineinführen der oppositionellen Arbeiter zur Verstärkung der revolutionären Arbeit der RGO-Fraktionen ! Zugleich müssen wir den rücksichtslosesten Kampf gegen die sozialfaschistischen, rechten, opportunistischen und versöhnlerischen Tendenzen sowie auch gegen sektiererische Abweichungen führen. Die arbeitslosen Massen stehen zweifellos zur Revolutionären Gewerkschaftsopposition. Das beweist besonders der Mansfelder Streik, wo die Arbeitslosen Schulter an Schulter mit den Betriebsarbeitern kämpften. Die Arbeiterfrauen und Jungarbeiter stellten in diesem Kampf die besten Kampftruppen.

Genosse Dahlem begrüßt ferner die Rede des Genossen Anzelowitsch (Sowjetunion), der darauf verwies, dass unter der Leitung Lenins die Bolschewiki auch in den Subatowschen Polizeigewerkschaften tätig waren, um die Arbeitermassen zu erobern. Die Erfahrungen der Gewerkschaften müssen sich auch die anderen Sektionen der RGI zu Nutze machen, um zu lernen, gute revolutionäre Arbeit in den reaktionären Gewerkschaften zu leisten.

Zum Schluss betonte Genosse Dahlem die Notwendigkeit der Internationalisierung der Arbeit der RGI. Je mehr Internationalismus in unseren Reihen ist, desto schneller wird die Arbeiterklasse siegen.

"Wilde" Streiks

Genosse Auer spricht über den Umfang und die Bedeutung des Monopols der reformistischen Gewerkschaften auf den Abschluss von Lohn - und Arbeitszeitverträgen.

Das Monopol der Reformisten auf Abschluss von Tarifen im Interesse der Unternehmer wurde mit Hilfe der betrügerischen Ideologie der "Tariftreue" und mit Hilfe der Infamierung von Streiks, die von ihnen nicht sanktioniert wurden, als "wilde" Streiks aufgebaut. Die Kapitalisten und Unternehmer durchbrechen täglich hundertfach die Tarife und erreichen eine Senkung der Reallöhne durch Steuererhöhung, Abbau der Akkordlöhne, Einführung neuer Zölle usw. Die Tariftreue ist ein besonders raffiniertes Mittel zur Fesselung und Niederhaltung der Kampfkraft der Arbeiter.

Nur stumpfsinnige Agenten der Bourgeoisie können "wilde" Streiks verächtlich machen. Alle revolutionären Arbeiter, insbesondere die Anhänger der RGI, werden alles tun, um, wo es möglich ist, zum Streik zu greifen. Wir fordern die Arbeiter auf, hunderte und tausende solcher "wilden" Streiks für die Interessen der Arbeiter zu organisieren. Die bankrotte reformistische Tarifpolitik und Ideologie muss restlos zertrümmert und durch Klassenkampfideologie und revolutionäre Streikstrategie ersetzt werden.

In den Reihen der RGI sind unrichtige Auffassungen über die reformistische Tarif- und Lohnpolitik und über die Stellung der Revolutionären Gewerkschaftsopposition aufgetaucht. Wir dürfen unsere Forderungen keineswegs auf den Tariflöhnen der Arbeiter aufbauen, wie es manche Genossen verlangt haben. Unsere Forderungen können nur auf dem Effektivlohn aufgebaut werden. Die Demagogie der Reformisten - Erhöhung der Tariflöhne bei faktischer Senkung der Effektivlöhne - muss entlarvt werden.

 

[ aus "Rote Fahne" vom 22. August 1930 ]

"Unsere Fahne ist das Symbol der Einigkeit!"

Delegierte aus allen Ländern und allen Kontinenten berichten über die Heldenkämpfe des Proletariats

Moskau, 21. August. Seit 3 Tagen befindet sich der 5. Kongress der Roten Gewerkschaftsinternationale mitten in der Diskussion zu den Referaten der Genossen Losowski und Heckert. Delegierte aus allen Ländern, von allen Kontinenten treten in bunter Reihenfolge auf. Die Vertreter der unterdrückten Massen der ganzen Welt berichten über die Kämpfe und beraten über die Richtlinien für die künftigen Kämpfe.

 

Der Heldenkampf des indischen Proletariats

Die Diskussion wurde eröffnet vom Genossen Mirzah (Indien):

Genossen, in Indien vollzioeht sich jetzt eine erhebliche Belebung der revolutionären Bewegung. Diese Bewegung entstand auf wirtschaftlicher Basis und gestaltete sich zu einer mächtigen Streikwelle. Dieser Streikkampf trägt bereits ein ausgesprochen politisches Gepräge. Trotz der Sabotage und des Verrats der Nationalreformisten schreiten die indischen revolutionären Arbeiter auf dem Wege des revolutionären Klassenkampfes vorwärts.

Der indische Textilarbeiterverband hat durch sein Beispiel den übrigen Arbeitern Indiens gezeigt, wie man für die Arbeiterinteressen kämpfen muss. Den Polizeiterror beantworteten die Arbeiter mit der Organisierung roter Selbstschutzgarden.

Wir haben viele Fehler gemacht, doch sind sie größtenteils darauf zurück zu führen, dass die sozialpolitische Lage in Indien unserem Kampf nicht immer günstig ist. In Indien gibt es keine kommunistische Partei, die die revolutionäre Arbeiterbewegung leiten könnte. Die revolutionäre Bewegung steht oft unter der Leitung kleinbürgerlicher Elemente, die im entscheidenden Augenblick die Arbeiter verraten. Schließlich sind unsere Fehler auch darauf zurück zu führen, dass wir von der internationalen Abeiterbewegung, insbesondere von der RGI, nicht genug unterstützt wurden. Hätte uns die RGI früher ernste Aufmerksamkeit gewidmet, so hätten wir vielleicht viele Fehler vermieden. Die RGI und die revolutionäre Gewerkschaftsbewegung der kapitalistischen Länder müssen uns helfen.

Die englischen Tradeunionisten unterstützen die indischen Nationalreformisten. Wir bedürfen der aktiven Unterstützung unserer Genossen in den imperialistischen Ländern. Die indischen Arbeiter brauchen eine revolutionäre Presse und die maßgebende Anleitung durch erfahrene revolutionäre Arbeiter, die in ihrem Kampfe bereits Erfolge errungen haben. Mit ihrer Hilfe werden wir siegen !" (Stürmischer Beifall)

 

Sowjetchinas Junge Garde

Der Vertreter der chinesischen Jugend führte aus: In der chinesischen Leichtindustrie sind 64 % der gesamten Arbeiterschaft Jugendliche. Die Jungarbeiter erhalten ungleich niedrigere Löhne und ihr Arbeitstag ist ebenso lang, wie der der Erwachsenen, was auf die chinesischen Jugendlichen stark revolutionierend wirkt. Bei vielen Streikkämpfen war die Jugend die treibende Kraft, ungeachtet der grausamen Abrechnung, die die Polizei und das Unternehmertum mit ihnen hielt.

Die Arbeiter- und Bauernjugend spielt im Gebiete der chinesischen Sowjets eine noch größere Rolle. Hier beträgt die Gesamtzahl der organisierten Pioniere und Mitglieder der "Jungen Garde" über 500 000. Diese Pioniere und Junggardisten erweisen der Roten Armee Chinas eine sehr bedeutende Unterstützung. Es können viele Fälle angeführt werden, wo die Jugend im Kampfe gegen die Militaristen eine entscheidende Rolle gespielt hat. Die Pioniere haben in den schwierigsten Situationen Kundschafterdienste geleistet. Strengste Disziplin herrscht in ihren Reihen. Sie sind die neue Armee, die Sowjetchina schaffen wird.

 

Japans Arbeiterinnen im Kampf

Eine japanische Delegiertin führte aus:

Die japanischen Arbeiterinnen sind zahlenmäßig noch sehr schwach organisiert. Dieser geringe Grad der Organisiertheit der japanischen Arbeiterinnen erleichtert den Kapitalisten besonders ihre besonders scharfe Ausbeutung der Frauen. Die Frauen machen zum Beispiel in der Textilindustrie 80% der Belegschaften aus, das heißt, etwa die Hälfte des Lohnes der Arbeiter, der gleichfalls recht gering ist. Diese schrecklichen Bedingungen stoßen die Arbeiterinnen auf den Weg des revolutionären Kampfes. Im April dieses Jahres erklärten 40 000 Arbeiterinnen der Fabrik Kaleputi gegen eine Lohnkürzung von 40% den Streik. Selsbt nachdem die rechten Gewerkschaftsbonzen den Streik abriefen, setzten die Arbeiterinnen den Kampf fort.

"Das Blut ist überall rot"

Genosse Marenmarsch (Nigeria):

Die Heimat der Neger ist Afrika, doch sind die Neger über die ganze Welt zerstreut. Die weißen und schwarzen Proletarier sind gleichsam die schwarzen und weißen Klaviertasten, die zusammen harmonisch wirken. Nur die Einigkeit kann uns den Sieg über den Kapitalismus bringen.

Der Negerkongress in London wurde von MacDonald verboten. Die weißen Arbeiter nahmen das gleichgültig hin, ohne durch Kundgebungen zu protestieren.

Hier, indiesem Saale, sehen wir Vertreter aller Länder, aller Nationen, aller Rassen, Weiße, Schwarze, Gelbe und andere. Doch das Blut ist überall rot. Unsere Fahne ist das Emblem unserer Einigkeit. Die Kapitalisten haben die Bibel in hunderten von Sprachen übersetzt und verbreiten sie in Millionen Exemplaren unter den Negern. Wir müssen von den Kapitalisten lernen. Unsere Bibel sind die Werke Lenins und die müsen wir unter den Massen verbreiten. (Stürmischer Beifall)

 

 

 

[ aus "Rote Fahne" vom 26. August 1930 ]

Der 5. RGI-Kongress - ein Wendepunkt

Moskau, 25. August. In der Fortsetzung der Diskussion zu den Referaten der Genossen Losowski und Heckert ergriff Genosse Smolianski (Sowjetunion) das Wort:

In der Geschichte der Arbeiterbewegung wird der 5. Kongress der RGI als ein Wendepunkt un d als ein Übergang von der Agitation und Propaganda in der revolutionären Gewerkschaftsbewegung zur Organisierung revolutionärer Kämpfe betrachtet. Es genügt aber nicht, die Losung der Organisierung auszugeben. Man muss auch sagen WIE mnan dies tun soll, und wie man den Kampf um die Eroberung der Mehrheit der Arbeiterklasse organisieren soll.

Smolianski hebt hervor,

dass die große Lücke in der Diskussion darin besteht, dass die Delegierten, die das Wort ergriffen, mehr von der Vergangenheit und über die begangenen Fehler und die erzielten Errungenschaften gesprochen haben, wobei sie außer Acht ließen, über die Aussichten unserer Bewegung für die nächste Zukunft zu sprechen. Sie sprachen auch nicht davon, welche Taktik sie nach dem 5. Kongress nach ihrer Rückkehr in die Heimat anzuwenden gedenken.

Wir müssen feststellen, dass die revolutionäre Bewegung gegenwärtig hinter den durch die Krise geschaffenen Möglichkeiten zurückbleibt. Einstweilen hinken wir den Massen hinterdrein. Der Aufstieg der revolutionären Bewegung unter der Arbeiterklasse, und die neue Streikwelle, die in vielen Ländern ausgebrochen ist, zeigt uns den Weg, den wir zu gehen haben.

Welche charakteristischen Züge finden wir an den letzten Arbeitskämpfen ?

Erstens eine Zunahme der Bewegung gerade in denjenigen Industriezweigen, die jetzt von der Krise erfasst sind. Wenn früher hauptsächlich die Textilarbeiter streikten, so sind es gegenwärtig auch die Metallarbeiter, die am Kampf beteiligt sind.

Zweitens tragen die Streiks heute einenb prinzipiellen Charakter. Die Arbeiter gehen von der Verteidigung zum Angriff über. In der nächsten ZUkunft werden wir Zeugen einer ganzen Reihe solcher Streiks sein.

Drittens ist die Bewegung unter den Arbeitern vorläufig spontan. Sobald der Kampf ausgebrochen ist, beginnen wir denselben zu führen und reißen häufig die Massen durch unsere Losungen mit in den Kampf. Diese Arbeitskämpfe waren jedoch nur selten von uns vorbereitet, die Aktionen der Arbeiter kamen häufig für uns als eine Überraschung.

Viertens bewirkten die Krise und die Rationalisierung konstruktive Veränderungen in der Lag der Arbeiterklasse. Ein Teil der qualifizierten Arbeiter wurden dequalifiziert, ein Teil von ihnen auf die Straße geworfen. Die Offensive der Unternehmer beeinflusst die Lage des größeren Teils der Arbeiterklasse, mit Ausnahme einer sehr dünnen Oberschicht, der Arbeiteraristokratie.

Der Vorstoß der Unternehmer gegen die soziale Gesetzgebung und gegen die Arbeitslöhne muss den Gegenstoß der Arbeiter in breiter Front hervor rufen. Nicht nur die ungelernten Arbeiter werden in die Bewegung einbezogen. Wenn unsere dringende Aufgabe früher darin bestand, die Unorganisierten zu erfassen, so müssen wir jetzt auch den organisierten und gelernten Arbeitern die ernsteste Beachtung zuwenden. Die Bourgeoisie und die Reformisten versuchen, die Arbeiterbewegung zu spalten. Wir müssen die Einheitsfront des Proletariats von unten heraus herbeiführen.

Innerhalb der reformistischen Gewerkschaften sind wir immer noch sehr schwach. Unsere Arbeit innerhlab der Gewerkschaften hat in der letzten Zeit nachgelassen. Die Vernachlässigung hat sehr traurige Folgen gehabt. Wäre unser Einfluss innerhalb der Gewerkschaftsbewegung stärker, könnten wir für uns die Elemente gewinnen, die den Reformisten Gefolgschaft leisten, so wäre unser Kampf viel erfolgreicher. Einige Genossen unterschätzen die große Bedeutung der Arbeit innerhalb der reformistischen Gewerkschaften. Sie halten es für notwendig, sofort und überall selbständige Verbände zu gründen, als ob wir durch Schaffung neuer Verbände automatisch die Möglichkeit bekämen, größere Massen zu beeinflussen. Diese Haltung gründet sich auf einen Organisationsfeteschismus, den wir bekämpfen müssen..

 

Aus Mussolinis "Drittem Reich"

Der Vertreter der italienischen Jugend schildert die ungeheuerliche Ausbeutung der jugendlichen Arbeiter im faschistischen Italien.

Trotz der zahlreichen Maßregelungen und trotz der Bemühungen der Faschisten, die Arbeiterjugend für sich zu gewinnen, werden die italienischen Jungarbeiter immer mehr in den Klassenkampf einbezogen. Sie beteiligen sich an den Streiks. Sie schaffen bewaffnete Schutzkolonnen. Sie betätigen sich in den Streikleitungen und in den illegalen Verbandsorganisationen. Die Arbeiterjugend Italiens ist der Stoßtrupp des kämpfenden italienischen Proletariats.

 

Rote Garden in Australien

Genosse Sharkey (Australien):

Die Weltkrise hat nun auch Australien erfasst. wo es 300 000 Erwerbslose gibt. Wir haben in Australien eine "Arbeiter-Regierung", die eine Offensive auf die Lebenslage der Arbeiterklasse führt. Diese Regierung führt mit der größten Rücksichtslosigkeit die Rationalisierung zu Gunsten des Kapitalismus und der Ausbeuter durch. Sie hat im Staate Victoria die Arbeiter nieder schießen lassen, sie verhaftete am 1. Mai zahlreiche Demonstranten, sie organisierte eine besondere faschistische Miliz zur Unterdrückung der Arbeiterbewegung und sie rüstet sich jetzt eifrig für den zukünftigen Krieg.

Hand in Hand mit dieser "Arbeiter-Regierung" gehen die Bürokraten der australischen Gewerkschaften vor. Sie haben die Beziehungen des australischen Gewerkschaftsbundes zum Pazifik-Sekretariat abgebrochen. Die Minderheitsbewegung in den australischen Gewerkschaften ist noch ziemlich schwach, doch bleibt ihre Tätigkeit nicht ohne Wirkung. Davon zeigen besonders die großen Kundgebungen am 6. März [Arbeitslosenkampftag], am 1. Mai und am 1. August [Antikriegstag]. Unsere Seeleute, Holzarbeiter und Bergarbeiter haben in der letzten Zeit große Streiks durchgeführt. Es kam dabei zu Zusammenstößen zwischen Streikenden und Polizei, wobei seitens der Regierung auch Soldaten gegen die kämpfenden Arbeiter eingesetzt wurden. Bei dieser Gelegenheit haben die Arbeiter eine Rote Garde organisiert, um ihre Versammlungen und Demonstrationen zu schützen.

 

 

Moskau: Im Haus der Gewerkschaft fand der 5. RGI-Kongress im August 1930 statt.

 

 

[ aus "Rote Fahne" vom 27. August 1930 ]

Die Aufgaben der revolutionären Gewerkschaftsbewegung in den Kolonien

Vertreter der Kolonialsklaven auf dem 5. RGI-Kongress

Moskau, 26. August.

Auf dem RGI-Kongress erstattete der chinesische Genosse Huanping einen ausführlichen Bericht über die Aufgaben der revolutionären Gewerkschaftsbewegung in den Kolonial- und Halbkolonialländern.

Die Weltwirtschaftskrise hat einen gewaltigen Einfluss auf die Kolonien und Halbkolonien ausgeübt und die Ausbeutung der Arbeitermassen weiter verstärkt. Das hat wiederum das Anwachsen revolutionärer Stimmungen in den proletarischen Massen und unter den Millionen von Bauern in den Kolonien hervor gerufen. Der Aufstieg der Arbeiterbewegung hat in zahlreichen politischen und wirtschaftlichen Kämpfen ihren Ausdruck gefunden, deren Schauplatz die Länder des schwarzen Erdteils, Indien China, Indonesien und andere waren.

 

Vor gewaltigen Kämpfen in Indien

Im Rahmen der Diskussionen zum Bericht Huapings führte Genosse Midrá (Indien) aus:

Die Konsolidierung der revolutionären Kräfte der Arbeiterklasse in unserem Land ist dadurch gehemmt, dass es bei uns noch keine kommunistische Partei gibt. Die einheimische Bourgeoisie übt noch einen recht starken Einfluss auf die Massen aus und täuscht sie durch ihre anti-britische Phraseologie und "revolutionäre" Gesten. Die Logik der Geschehnisse und unsere Aufklärungsarbeit tun aber allmählich das Ihre. Die Arbeiter rücken von der Politik des Nationalkongresses und der Politik der reformistischen Gewerkschaften ab. In Indien ziehen große revolutionäre Ereignisse auf. Wir müssen für sie gerüstet sein. Wir müssen unsere Arbeit zum Zusammenschluss der revolutionären Kräfte, zur Organisierung der Unorganisierten und zur Schaffung von Arbeiterselbstschutzgruppen - Keimzellen der Roten Armee verstärken.

 

Ägyptische Arbeiter durchschauen die Reformisten

Ein Delegierter, ein ägyptischer Arbeiter betonte, die Feinde des ägyptischen Proletariats seien der englische Imperialismus und die nationale Bourgeoisie. Letztere suche die Arbeiter für ihre Zwecke auszunutzen und schaffe Pseudo-Arbeiterorganisationen, während sie aber gleichzeitig in brutaler Weise die revolutionären proletarischen Organisationen unterdrücke. In Ägypten gibt es noch keine roten Gewerkschaftsverbände. Das ist in erster Linie auf den Terror und auf das vom Imperialismus, von der Bourgeoisie und von den reformistischen Führern weitgehend gehandhabte Spionagesystem zurückzuführen. Die Arbeiter aber durchschauen die verräterische Politik der Gewerkschaftsbürokraten und treten aus ihren Verbänden aus. Unserer Arbeit sind günstige Voraussetzungen gegeben.

 

Indonesien in der revolutionären Weltfront

Ein Vertreter Indonesiens führte aus:

Der gegenwärtige Kongress ist ein beredter Beweis, dass die revolutionäre Bewegung des Proletariats wirklich international ist. Die Delegierten unseres Kongresses sind wahre Vertreter der breiten Massen der unterdrückten und ausgebeuteten Arbeiter.

Die wichtige Frage ist die weitaus unzureichende Verbindung zwischen der revolutionären Gewerkschaftsbewegung zwischen den europäischen und kolonialen Länder. In den kolonialen und halbkolonialen Ländern hat sich die revolutionäre Gewerkschaftsbewegung breiter entfaltet als in vielen europäischen Ländern. Es gilt, Mittel und Wege zu finden, um die europäische und koloniale revolutionäre Gewerkschaftsbewegung enger zu verknüpfen.

 

 

Saal des Gewerkschaftshauses in Moskau

 

 

[ aus "Rote Fahne" vom 28. August 1930 ]

Die RGI - Organisator revolutionärer Kämpfe

Resolution des 5. RGI-Kongresses

zum Bericht des Zentralrats

Wir veröffentlichen nachstehend den Wortlaut der Resolution, die vom 5. Kongress der Roten Gewerkschaftsinternationale zum Bericht des Zentralrats der RGI einstimmig angenommen wurde:

Der 5. Weltkongress der RGI hat den Bericht über die Tätigkeit des Zentralrates der RGI zwischen dem IV. und V. Kongress entgegen genommen und billigt voll und ganz die politische Linie und Tätigkeit des Zentralrates.

Der V. Weltkongress stellt mit Befriedigung die erhebliche organisatorische Festigung der RGI in der Berichtsperiode und die Verstärkung der internationalen Verbindungen der revolutionären Gewerkschaftsbewegung fest.

Gleichzeitig hält der Kongress es für notwendig festzustellen, dass die wichtigste internationale Aufgabe der revolutionären Gewerkschaftsbewegung - die Aufgabe der Internationalisierung der großen Streikkämpfe - nicht die nötige Verwirklichung gefunden hat. In den internationalen Unterstützungsaktionen für Streikende (englischer Wollarbeiterstreik und andere) ist es dem Zentralrat nicht gelungen, eine ernste finanzielle und moralische Unterstützung der im Kampf stehenden Truppen des Proletariats durch die RGI-Sektionen zu erzielen.

Der Kongress stellt fest, dass trotz widerholter Beschlüsse über die Beschaffung eines internationalen Kampfsolidaritätsfonds ein solcher bis jetzt noch nicht geschaffen wurde. Der Kongress misst dieser Frage besondere Bedeutung bei und fordert den Zentralrat auf, alle Maßnahmen zur baldigsten Schaffung eines internationalen Kampfsolidaritätsfonds zu treffen und verlangt von allen Sektionen die Entfaltung der größten Aktivität zur Erfüllung dieses Beschlusses.

Der Kongress glaubt, dass angesichts des Aufstieges des revolutionären Aufschwungs und der wachsenden Aktivität der Massen eine viel engere Verbindung des Zentralrates mit allen RGI-Sektionen notwendig ist. Der Kongress fordert, dass diese Verbindung durch reguläre Instruktionen der Sektionen verstärkt wird. Der Kongress hält auch eine regelmäßige Einberufung der Tagungen des Zentralrats auf Grund der geltenden Statuten der RGI für notwendig.

Der Kongress beauftragt den Zentralrat, Vertretungen der Ländergruppen in Europa und Amerika zu schaffen zu dem Zweck der unmittelbaren Annäherung der Leitung an die Schauplätze der Klassenkämpfe und Maßnahmen zur besseren Kontrolle der Arbeit der internationalen Propagaganda-Komitees und zur Verstärkung des europäischen Sekretariats der RGI zu treffen.

Der Kongress hält es für zweckdienlich, auf den Tagungen des Zentralrats und auf den Sitzungen des Vollzugsbüros der RGI regelmäßig politische und organisatorische Berichte der größten Sektionen und der internationalen Propgaganda-Komitees anzuberaumen, wobei leitende und untere Funktionäre der betreffenden Länder und Betriebe eingeladen werden müssen.

Der Kongress beauftragt den Zentralrat, eine systematische Kontrolle über die Verwirklichung der Beschlüsse des Kongresses und der leitenden RGI-Organe zu organisieren.

Der Kongress hält eine ernste Verstärkung des organisatorischen Aufbaus der revolutionären Gewerkschaftsbewegung für notwendig.

Der Kongress fordert auf, die Unterstützung und Verbindung brüderlicher revolutionärer Gewerkschaftsorganisationen - des Pazifik-Sekretariats und der latainamerikanischen Gewerkschaftsföderation - zu verstärken.

Der Kongress stellt die wachsende Rolle der Jugend und der Frauen im revolutionären Kampfe fest und fordert den Zentralrat auf, Maßnahmen zu treffen, sowowohl zur Entfaltung dieser Arbeit sowohl in den nationalen Sektionen als auch zur Verstärkung der Leitung dieser Arbeit seitens des Zentralrates und des Vollzugsbüros der RGI durch die Festigung des internationalen Gewerkschafts-Komitees für die Arbeiterinnen und des Jugendsekretariats.

Der Kongress misst der Einbeziehung der Negerarbeiter in die klassenbewusste Gewerkschaftsbewegung eine enorme Bedeutung bei und beauftragt den Zentralrat, systematisch eine politische und organisatorische Arbeit in Afrika, in Nord- und Lateinamerika und in Westindien unter den Negerarbeitern zu führen und auch die geringsten Äußerungen des weißen Chauvinismus aufs Entschiedenste zu bekämpfen. Der Kongress beauftragt den Zentralrat, das Internationale Negerarbeiter-Komitee zu festigen und seine Tätigkeit breit zu entfalten.

Der Kongress glaubt, dass eine der wichtigsten Aufgaben der revolutionären Gewerkschaftsbewegung die Schaffung und Erziehung neuer Kader ist. Der Kongress begrüßt den Beschluss des Zentralrates der Sowjetgewerkschaften über die Schaffung einer internationalen Schule der Gewerkschaftsbewegung und beauftragt den Zentralrat, gemeinsam mit dem Zentralrat der Sowjetgewerkschaften die Verwirklichung dieses großen Beschlusses zu beshleunigen.

Der Kongress hält den weiteren Ausbau und die Verbesserung der revolutionären Gewerkschaftspresse für äußerst wichtig, wobei die ernsteste Aufmerksamkeit der Sektionen auf die Herausgabe einer Massengewerkschaftspresse und auf die Betriebszeitungen und die Entwicklung der Gewerkschaftskorrespondenten-Bewegung zu richten. Die Presse der RGI muss den Anforderungen des internationalen revolutionären Gewerkschaftsaktivs weit mehr als bisher angepasst werden und muss die Ausnutzung der Erfahrungen der Streikkämpfe besondere Aufmerksamkeit zuwenden.

Der Kongress hält es für notwendig, die leitenden Organe und den Zentralapparat der RGI durch Aktivisten aus den verschiedenen Ländern zu verstärken und für die wichtigsten Fragen internationale Besprechungen und Konferenzen unmittelbar in kapitalistischen Ländern zu organisieren, wobei diese Konferenzen möglichst ein Massencharakter verliehen werden muss.

Der Kongress legt den führenden Organen der RGI als eine der wichtigsten Aufgaben die Organisierung einer energischen und systematischen Werbung neuer Mitglieder für die revolutionären Gewerkschaftsorganisationen auf und fordert eine strenge Kontrolle der Durchführung dieser Arbeit durch die RGI-Sektionen.

Der Kongress fordert die gesamte internationale revolutionäre Gewerkschaftsbewegung auf, die wachsende Aktivität der Massen zur Festigung der Verbindungen zwischen sämtlichen Sektionen zur Organisierung gemeinsamer Aktionen und zur Entfaltung der Arbeit der Roten Gewerkschaftsinternationale im Sinne der auf dem gegenwärtigen Kongress gefassten Beschlüsse auszunutzen.

 

 

 

 

 

[ aus "Rote Fahne" vom 28. August 1930 ]

Die siegreiche sozialistische Offensive

Genosse Schwernik über die Rolle der Sowjetgewerkschaften beim sozialistischen Aufbau

Moskau, 27. August. Auf der Tagung des RGI-Kongresses erstattete Genosse Schwernik, der von den Delegierten mit stürmischem Beifall empfangen wurde, einen ausführlichen Bericht über die Rolle der Sowjetgewerkschaften beim sozialistischen Aufbau.

Seine Ausführungen bekräftigte er durch zahlreiche Tatsachen und ein reiches Zahlenmaterial über das Wachstum des Proletariats, über den enormen Rückgang der Arbeitslosigkeit, den Mangel an qualifizierten Arbeitern, die Steigerung des Arbeitslohnes, den Bau von Arbeiterwohnhäusern sowie von Farmen und Meiereien vor den Toren der Städte, über die Entwicklung des öffentlichen Ernährungswesens, die Entsklavung der Frau, die Liquidierung des Analphabetentums, über die Stoßbrigaden-Bewegung, den sozialistischen Wettbewerb und die Errungenschaften, die das Proletariat unter der Führung der Kommunistischen Partei und der Gewerkschaften erzielt hat.

Genosse Schwernik empfiehlt den Delegierten, sich die Ziffern einzuprägen und sie bei ihrer Reise durch die Sowjetunion an den Tatsachen nachzuprüfen.

Mit diesen Ziffern und Tatsachen müssen wir die Sozialdemokraten und die anderen Reformisten sclagen und ihre Lügen und Verleumdungen widerlegen.

Der Bericht wurde wiederholt durch Begeisterungsausbrüche der Delegierten durchbrochen.

Es folgte eine ununterbrochene Kette von Solidaritätskundgebungen der internationalen revolutionären Gewerkschaftsbewegung für die siegreiche sozialistische Offensive des sowjetrussischen Proletariats.

 

 

"Internationale Arbeiterbewegung"

Wöchentliches Bulletin der Roten Gewerkschaftsinternationale

(in russischer Sprache)

 

 

 

[ aus "Rote Fahne" vom 29. August 1930 ]

Ruhrkumpels auf dem RGI-Kongress

"Unsere ganze Kraft für die Vollendung des sozialistischen Aufbaues"

Beifallssturm der Delegierten aller Länder

Moskau, 28. August.

Die Beratungen des 5. RGI-Kongresses wurden durch das Auftreten einer Delegation deutscher Bergarbeiter, die sich zur Arbeit im Ural-Gebiet begeben, unterbrochen. Die Anwesenden brachen in "Rot-Front!" und Hochrufe aus.

Ein deutscher Bergarbeiter führte aus:

Wir sind hergekommen, um euch bei der Vollendung des sozialistischen Aufbaus zu helfen. Die Unternehmen im Ruhrrevier haben uns auf die Straße geworfen, die Sowjetgenossen haben uns wie Brüder aufgenommen. Wir werden unsere ganze Kraft einsetzen, um euch bei der Erreichung eures Zieles - Sieg der befreiten Arbeit - zu helfen.

Nach dem Gesang der Internationale ergriff Genosse Losowski das Wort:

Die Gefühle, die diese Bergarbeiterbrigade beseelen, sind zweifelsohne ein Widerhall der Empfindungen, von denen jeder klassenbewusste Proletarier, in welchem Winkel der Erde er auch sein möge, erfüllt ist. Wir alle zusammen, in Asien, Australien, Amerika und Europa, in jedem Werk, in jeder Grube, in jeder Fabrik der Sowjetunion schmieden die gewaltige internationale Armee, die den Weltimperialismus endgültig stürzen soll.

Nach Beendigung der Diskussion nahm der Kongress zum Bericht des Genossen Schwernik über die Rolle der Sowjetgewerkschaften einstimmig eine Entschließung an.

Alle Reden der Delegierten sind begeisterte Kundgebungen für die Sowjetunion, sind getragen von dem Gefühl der Bereitschaft, mit Gut und Blut den sozialistischen Aufbau gegen die Anschläge der Weltbourgeoisie zu schützen.

Genosse Maddalena (Deutschland) zieht einen Vergleich zwischen der Lage der Sowjetarbeiter und derjenigen der deutschen Arbeiter:

Wir haben in Deutschland 3 Millionen Erwerbslose, und wenn man ihre Angehörigen dazu rechnet, so sind es etwa zehn Millionen. Dieses hungernde Erwerbslosenheer bezieht nur ganz geringe Unterstützungen, die jetzt noch mehr gekürzt werden sollen. 80% der deutschen Arbeiterschaft werden weit unter den Lebenshaltungskosten entlohnt. Im vergangenen Jahr wurde der Arbeitslohn durchschnittlich um 15 - 20% herab gesetzt. Hinzu kommen noch die neuen Steuern, die 70% der Staatseinnahmen, das sind 14 Milliarden Mark, ergeben sollen. In Deutschland herrscht fortwährend eine große Wohnungsnot. Über eine Millionen Arbeiter sind ohne Wohnung und dabei baut man noch Kirchen, Gefängnisse und Luxuswohnungen für die Bourgeoisie. Allk das zeigt den Arbeitern den Unterschied zwischen dem kapitalistischen System und dem Sowjetsystem.

 

 

Organ der Roten Gewerkschaftsinternationale

 

 

[ aus "Rote Fahne" vom 31. August 1930 ]

Der 5. Kongress der RGI

Die Arbeit der IRH in China

 

Moskau, 28. August. (Inprekorr)

Am 26. und 27. August vormittags fanden keine Plenarversammlungen des RGI-Kongresses statt. Die Sitzung des Ausschusses für Fragen der Beteiligung der revolutionären Gewerkschaftsbewegung am Kampfe gegen den Weißen Terror, Faschismus, bürgerliche Justiz und Unterstützung der Gefangenen des Kapitalismus, an der über 100 Kongressdelegierte teilnahmen, gestaltete sich zu einer internationalen Konferenz für Fragen der ROTEN HILFE. Etwa 60 Redner ergriffen das Wort.

Mit größtem Interesse hörten die Anwesenden die Ausführungen des Vertreters der ROTEN HILFE Chinas an. In den Rätegebieten Chinas zählt die IRH 700 000, in den Provinzen, die von der Kuomintang regiert werden, 100 000 Mitglieder.

Furchtbare Verluste haben die Werktätigen Chinas unter dem Terror der Kuomintangleute und der Imperialisten erlitten. Seit 1927 wurden in China über 2 Millionen revolutionäre Arbeiter und Bauern getötet.

Nach Reden von Negerdelegierten und Delegierten aus den Vereinigten Staaten, aus Lateinamerika und europäischen Ländern, billigte der Ausschuss den Entwurf einer Entschließung über die Unterstützung der Arbeit der IRH durch die Sektionen der RGI. Die Entschließung wird im Plenum des Kongresses eingebracht werden.

In der Abendsitzung des 27. August erstatteten die Genossen Monmosseau und Niederkirchner die Berichte zur Organisationsfrage.

Die stärkste Beteiligung wiesen die Sitzungen der erweiterten Kommission für Organisationsfragen auf. In diesen Sitzungen wurden die Thesen zu den Referaten der Genossen Monmosseau und Niederkirchner eingehend erörtert. Mittelpunkz der Debatten standen die Fragen der Arbeitsformen der Gewerkschaften der einzelnen Länder, die Methoden und Arbeitsformen der Komitees, welche die Massenkampagne leiten (Aktionskomitees und Streikkomitees).

 

 

 

 

[ aus "Rote Fahne" vom 02. September 1930 ]

 

Der V. RGI-Kongress beendet

"Nieder mit Amsterdam !

Es lebe Moskau !"

Grandiose Massenkundgebung der Moskauer zum Abschluss

Moskau, 1. September.

Aus allen Teilen Moskaus strömten gestern die Werktätigen zu einer grandiosen Kundgebung anlässlich der Beendigung des 5. RGI-Kongresses zusammen. Vor dem Gewerkschaftshaus war eine Tribüne errichtet, auf der die Kongressteilnehmer Aufstellung nahmen. Über der Tribüne stand die Losung: "Nieder mit Amsterdam! Es lebe Moskau!"

Der ganze Platz war mit roten Fahnen dekoriert. In gewaltigen Strömen, mit Fahnen, Plakaten und Musikkapellen zogen die Arbeiter am Gewerkschafshaus vorbei. Die Kongressmitglieder begrüßten die Werktätigen Moskaus. Es ertönten schallende "Rot-Front!"-Rufe. Mehr als zwei Stunden dauerte der Vorbeimarsch der Arbeiter, Arbeiterinnen, Angestellten, Studenten und Schüler. Bis spät in die Nacht hinein tönten die Klänge der "Internationale" in den verschiedensten Sprachen.

 

Die Schlusssitzung des Kongresses

Die Schlusssitzung des RGI-Kongresses wurde von der Mandatsprüfungskommission eingeleitet. Die trockenen Ziffern der Mandatsprüfungskommission zeugen von einer gewaltigen Entwicklung der internationalen revolutionären Gewerkschaftsbewegung. An dem 5. Kongress der RGI nahmen 538 Delegierte teil. 299 mit beschließender und 239 mit beratender Stimme. Es waren auf dem Kongress 60 Länder vertreten.

Dem IV. Kongress wohnten seinerzeit 421 Delegierte von 49 Ländern bei.

469 Delegierte sind Arbeiter. 81 Delegierte waren früher Mitglieder der sozialdemokratischen Partei. 235 Delegierte waren Repressalien seitens der Reaktion ausgesetzt.

Von stürmischen Ovationen begrüßt, überbringt eine Delegation der bulgarischen Tabakarbeiterinnen dem Kongress eine rote Fahne. Es wurde ein internationales Frauenkomitee, ein internationales Jugendkomitee u nd ein internationales Negerkomitee gewählt.

Sodann wurde die Entschließung einstimmig angenommen.

 

Das neue Vollzugsbüro

Moskau, 1. September.

Der Zentralrat der RGI wählte den Genossen Losowski zum Generalsekretär. Das Vollzugsbüro besteht aus 27 Personen, darunter:

die Genossen Losowski, Pjatnitzki, Schwernik, Abolin, Jusefowitsch von der Sowjetunion; Heckert, Niederkirchner, Galinat aus Deutschland; Monmousseau, Meuvais aus Frankreich; Fuhrmann aus Polen; Schwerma aus der Tschechoslowakei; Foster und Ford aus den USA; Germanetto aus Italien, Cornes aus Großbritannien; Kaneko aus Japan; Martinez aus Lateinamerika.

 

 

Schafft eine Kampforganisation !

Was der 5. Kongress der Roten Gewerkschaftsinternationale beschlossen hat.

Fritz Heckert

 

Der 5. Kongress der Roten Gewerkschaftsinternationale, der vom 15. August bis zum 30. August 1930 in Moskau tagte, war ein Kongress der Selbstkritik und der praktischen Arbeit der revolutionären Gewerkschafter. Je größer die Schwierigkeiten der kapitalistischen Wirtschaft auf Grund der sich immer mehr entfaltenden weltökonomischen Krise werden, um so brutaler und rücksichtsloser werden die Mittel der Unternehmeroffensive. Es gibt kein kapitalistisches Land, in dem nicht die Unternehmeroffensive auf die breitesten Schichten der Arbeiterklasse in vollem Gange ist. Die Angriffe, die die deutschen Arbeiter erleben, sind also keine Ausnahmen, sondern sie sind dasselbe, was ihre Klassengenossen in anderen Ländern erfahren.

Die kapitalistische Klasse ist um die Erhaltung ihres Systems willen gezwungen, täglich neue Methoden der Niederwerfung und Fesselung der Arbeiterklasse zu finden. Ihr steht der Machtapparat des kapitalistischen Staates voll zur Verfügung. Aber nicht nur dieser Machtapparat, sondern auch der Sozialfaschismus mit seinen Partei- und Gewerkschaftsorganen. Um die kapitalistische Gesellschaft vor dem Untergang zu retten, ja auch nur um den einheimischen Kapitalisten auf dem Weltmarkt gegenüber den ausländischen Kapitalisten konkurrenzfähiger zu machen, sind die Gewerkschaftsführer bereit und mit ihnen die sozialdemokratischen Parteibeamten und Parlamentarier, die Arbeitsbedingungen der Arbeiter zu verschlechtern. Die Zusammenarbeit mit der Kapitalistenklasse ist die Regel der gewerkschaftlichen Betätigung der Sozialdemokraten geworden. Nicht Entfaltung der Arbeitermacht, sondern Verhinderung des Klassenkampfes durch Arbeitsgemeinschaft, Industriefrieden, Schlichtungswesen ist i h r Ziel. Die Resultate einer solchen Politik sind besonders verhängnisvoll für die Arbeiterklasse in der Periode einer solchen Krise, wie sie das kapitalistische System gegenwärtig durchmacht.

 

Wie sieht es in Deutschland aus ?

Die Arbeiter stehen also bei der Verteidigung ihrer Klasseninteressen und ihrer Proletenexistenz nicht nur dem Unternehmer gegenüber, sondern der ganzen im kapitalistischen Staat vereinigten Macht der Bourgeoisie und des mit ihr verbundenen Sozialfaschismus. Die deutschen Arbeiter haben es erst in dieser Reichstagswahlkampagne erlebt, dass die

Sozialdemokraten zur Verteidigung ihrer Klassenzusammenarbeit mit dem Unternehmertum eine Million aus den zentralen Kassen der Gewerkschaften genommen haben, und aus den lokalen Kassen der Gewerkschaften eine noch größere Summe, um die unternehmerfreundliche Politik der sozialdemokratischen Bonzokratie zu unterstützen.

Wir haben es erlebt, in dem großen Streik von Mansfeld, und in den Kämpfen der Hüttenarbeiter an der Ruhr, wie die sozialdemokratischen Gewerkschaftsbürokraten gemeinsam mit den Beauftragten der kapitalistischen Regierung Brüning, die Arbeiterkämpfe gemeuchelt haben, wie sie den Streikbruch organisierten, damit der Lohnabbau, den die Unternehmer für das ganze arbeitende Deutschland planen, mit Erfolg durchgeführt werden kann.

Die Arbeiter werden in den kommenden Monaten, in denen sich der Unternehmerangriff verbreiten, vertiefen und an Wucht zunehmen wird, erfahren, dass die sozialdemokratischen Bonzen das freche Spiel von Mansfeld und von Nordwest wiederholen. Der Arbeiter, der auch nur die leiseste Hoffnung in sich trägt, dass die sozialdemokratischen Gewerkschaftsführer oder die sozialdemokratischen Parlamentarier den Kampf der Arbeiter auslösen und führen werden, um den Angriff auf die Lebensexistenz der Arbeiter zurückzuschlagen, der wäre ein großer Tor und es ist unsere Aufgabe, durch eine Aufklärungsarbeit diese Arbeiter von ihrem Irrtum zu heilen, damit sie nicht passiv oder gar auf der anderen Seite der Barrikaden bei den unvermeidlichen großen Klassenkämpfen stehen werden.

Die Arbeitermassen werden begreifen, dass es nur eine organisierte Kraft gibt, die die Kämpfe der Arbeiter gegen ihre Unterdrücker vorbereitet, organisiert und durchführt. Das ist in Deutschland die Revolutionäre Gewerkschaftsopposition - RGO - , geführt von der kommunistischen Partei.

Der 5. Kongress der Roten Gewerkschaftsinternationale hat mit größter Klarheit und an vielen Beispielen aufgezeigt, dass die Arbeiter in allen kapitalistischen Ländern keine anderen Verteidiger ihrer Interessen haben, als die kommunistischen Parteien, als die revolutionären Gewerkschaften, als die revolutionären Gewerkschaftsoppositionen. Es genügt aber nicht, nur eine solche Feststellung vor den Arbeitern zu machen. Wenn wir den Klassenkampf der Arbeiter erfolgreich organisieren und durchführen wollen, ist es notwendig, dass wir nicht nur den Arbeitern sagen, dass wir Herz und Willen zu den Kämpfen haben. Wir müssen das den Arbeitern täglich beweisen, indem wir im Betrieb, im Verband und auf den Stempelstellen und an allen Plätzen, wo Arbeiter ihren Unterdrückern gegenüber stehen, die Arbeiter über ihre Lage aufklären und ihnen zeigen, wie man mit Erfolg kämpfen kann.

Die Revolutionäre Gewerkschaftsopposition in Deutschland, und die roten Gewerkschaften in anderen Ländern, sie haben noch nicht genügend der Arbeiterklasse durch ihre Taten bewiesen, dass sie die einzige Kraft sind, die erfolgreich die Arbeiterkämpfe führt.

Der Verrat der Sozialfaschisten ist so offenkundig und die Not der Arbeiterklasse ist so groß, dass die Arbeiter in Massen zu uns kommen würden, wenn bei ihnen das Gefühl wäre, sie könnten sich in ihren täglichen Kämpfen unserer Führung anvertrauen, weil unsere Führung geeignet ist, ihre Kämpfe mit Erfolg vorzubereiten und durchzuführen. Wir dürfen uns nicht bescheiden, dass wir in einer Anzahl von Ländern und auch in Deutschland schon erfolgreiche Kämpfe durch die revolutionären Gewerkschafter organisiert und geführt haben.

Nur wenn das auf breiter Basis geschieht, werden die Arbeitermassen mit uns gehen,

werden sie die Hemmungen, die sie jetzt noch haben, und die uns täglich vor die Augen treten, wenn wir die Brutalität des Unternehmerangriffs und den reformistischen Verrat sehen, überwinden. Deswegen ist es notwendig, dass wir aus allen unseren Fehlern und Mängeln, die bei der Vorbereitung und Durchführung von Arbeitskämpfen zu Tage getreten sind, vor dem ganzen Proletariat die Lehren ziehen, damit diese Fehler und Mängel nicht wieder gemacht werden, damit jeder einzelne Arbeiter merkt, die Kommunisten führen deshalb eine Selbstkritik, um die Massen besser zu mobilisieren, um den Kampf besser vorzubereiten, um die Streiks mit einer größeren Aussicht auf Erfolg durchführen zu können.

Vorbereitung und Führung der Kämpfe.

Was sind die hervorstechendsten Fehler und Mängel unserer bisherigen Arbeit ? Sie sind eine nicht genügende ideologische und organisatorische Vorbereitung und Führung der Kämpfe. Die meisten unserer revolutionären Genossen haben die Bedeutung der Organisierung des Kampfes der Arbeiter noch nicht genügend erkannt. Sie setzen noch ihre Hoffnung auf die Spontaneität der Massen, weil sie die Hemmnisse, die Schwierigkeiten, die ihnen bei der Vorbereitung eines Kampfes im Betrieb, in der Gewerkschaft oder sonstwo entgegen treten, als "unüberwindlich" erachten. Darum hoffen sie, dass so zu sagen ein "kleines Wunder" geschieht, dass die Massen plötzlich von sich heraus, auf unseren einfachen Ruf hin, kommen werden, um unter unserer Führung zu kämpfen. Diese Hoffnung ist eine trügerische.

Unser Klassenfeind und seine sozialdemokratischen Helfer sind sich vollkommen der Gefährlichkeit der Klassenkämpfe in der gegenwärtigen Krise für den kapitalistischen Staat und für das kapitalistische System bewusst. Darum haben sie einen ausgezeichneten Apparat geschaffen, um die Kämpfe der Arbeiter unmöglich zu machen, um die Spontaneität der Massen zu zersetzen, und um ausgebrochene Kämpfe auf ein totes Gleis zu schieben, damit sie schnell zusammen brechen. Sie wissen ganz gut, dass, wenn sie wieder einmal einen Kampf der Arbeiter vermasselt haben, dass dadurch gewisse Depressionsstimmungen in der Arbeiterschaft auftreten und der Unternehmer Gelegenheit bekommt, die "revolutionären Hetzer" aus den Betrieben zu verjagen, um so die gewünschte Ruhe und Ordnung unter den Arbeitssklaven wieder eintreten zu lassen.

Die Unternehmer wissen, was sie an ihren sozialdemokratischen Gewerkschaftsführern für Helfer haben. Sie sehen die sozialdemokratische Partei mit ihren Millionen Stimmen, soweit die Frage des Klassenkampfes der Arbeiter in Betracht kommt, als eine große Null an. Diese, ihre Einschätzung der Sozialdemokratie und der reformistischen Gewerkschaften zeigt sich deutlich jetzt im Wahlkampf.

Während es sonst üblich ist, dass die bourgeoisien Parteien die Wählermassen das Paradies versprechen, um sich ihre Stimmen zu ergaunern, kündigten in der Wahlperiode die Kohlenbarone Rheinland-Westfalens und die Metallindustriellen Berlins die Tarifverträge und erklären, dass sie den Arbeitern den Lohn kürzen werden, dass sie Mehrarbeit von ihnen verlangen, dass die Unterstützung für die Arbeitslosen unbedingt herab gesetzt werden muss.

Die Borsig und Klöckner wissen ganz genau, dass bei dieser Aktion die Severing und Graßmann helfen werden, auch wenn die Sozialdemokratie wiederum 9 Millionen Stimmen erhalten würde.

Die Unternehmer wagen diesen Schritt, weil sie glauben, die Kommunistische Partei und die Revolutionäre Gewerkschafsopposition haben noch nicht genügend Kraft, um trotz dieser verräterischen Erbärmlichkeit der sozialdemokratischen Bonzen die Arbeitermassen in den Kampf zu führen.

Sie hoffen, wenn es trotzdem gelingt, dass der sozialdemokratische Streikbruch und die Zörgiebeleien der Polizei so sicher wie das Amen in der Kirche folgen werden.

Können wir, die wir das alles wissen, die wir das den Arbeitern mit absoluter Sicherheit, dass es eintreffen wird, prophezeien können, deswegen beruhigt sein, weil wir doch die Hoffnung haben, es werde uns gelingen, so wie wir jetzt organisiert sind, die Kämpfe der Arbeiter erfolgreich durchzuführen ?

Wir glauben nicht.

Und der 5. Kongress der RGI hat uns gesagt, dass wir nicht einen solchen Glauben hegen dürfen. Die Lage in einer Fabrik wird noch nicht von dem Tage an eine fundamental andere sein, wenn die Arbeiter einen roten Betriebsrat gewählt haben. Und wir haben noch keine Organisation für die erfolgreiche Durchführung unserer Kämpfe, wenn in einer Belegschaftsversammlung die Arbeiter sich damit einverstanden erklären, dass man revolutionäre Vertrauensleute wählen muss.

Die selbständigen Organe der RGO

Ein roter Betriebsrat kann seine Arbeit als Massenmobilisator und Führer nur erfüllen, wenn die Belegschaft kampfentschlossen hinter ihm steht. Der rote Betriebsrat kann nur das Gefühl dieser Sicherheit haben, revolutionärer Funktionär der Massen zu sein, wenn ein revolutionärer Betriebsvertrauensleutekörper wirklich existiert, wenn jede Abteilung, wenn jede 10 Mann ihren Vertrauensmann haben, auf dessen Ruf die anderen Arbeiter hören.

Heute ist das leider noch nicht so in den Betrieben. Noch haben die sozialdemokratischen Funktionäre viele Positionen inne, die sie zur Zersetzung der Kampfkraft der Arbeiter anwenden, wodurch es dem Unternehmer erleichtert wird, die besten revolutionären Kämpfer aus den Betrieben zu verjagen.

Diesen Zustand zu ändern, das ist unsere fundamentale Aufgabe, wenn wir den Kampf der Unternehmer gegen die Arbeiterklasse in einer Konteroffensive der Arbeiter umwandeln wollen. Wir, die Revolutionäre Gewerkschaftsopposition, müssen uns einen Apparat schaffen, der fähig ist, den Einfluss der streikbrecherischen Sozialfaschisten und Reformisten in den Betrieben zu brechen.

Ohne eine wirkliche organisatorische Arbeit auf diesem Gebiet werden wir weder uns noch der Arbeitermasse die notwendige Sicherheit für die Führung der Kämpfe schaffen. Wir können vollkommen beruhigt darüber sein, dass die Arbeiter einen solchen Schritt der Revolutionären Gewerkschaftsopposition nicht nur begreiflich finden, sondern ihn gut heißen und mithelfen werden, ihn durchzuführen.

Angesichts der ungeheuren Aufgaben, die vor der Revolutionären Gewerkschaftsopposition in Deutschland stehen, hat der RGI-Kongress beschlossen, dass die revolutionären Gewerkschafter in Deutschland den Kurs nehmen müssen auf die Schaffung von oben bis unten selbständiger Organe der revolutionären Gewerkschaftsbewegung, und dass sie ihre ganze Gewerkschaftsarbeit - insbesondere den raschen Aufbau der Betriebsgruppen der RGO, die Schaffung der Oppositionsfraktionen in den reformistischen Verbänden - diesem Ziel unterordnen müssen.

Wir revolutionären Gewerkschafter und Kommunisten müssen begreifen, dass das ein Schritt ist, der Erfolg verheißt, dann, wenn wir ohne Schwanken und ohne Zögern gehen. Es ist sicher: die gewerkschafstsspalterische, sozialfaschistische Bonzokratie wird Zeter und Mordio schreien, dass wir es wagen, die organisatorischen Voraussetzungen zu schaffen und zu festigen, die es uns erlauben, selbständig die Massenkämpfe der Arbeiter vorzubereiten und erfolgreich zu führen. Es werden viele Unken auftreten und schreien: "Ein neues Manöver der Moskauer, das zum Scheitern verurteilt ist." Sie werden uns höhnen, dass wir nicht imstande sind, die Kämpfe der Arbeiter zu organisieren, die Schwachen und Feigen werden an den Fingern und Zehen uns die Widerstände aufzählen, die "unüberwindlich" sind.

Wir antworten ihnen:

Die Proletarier, die gelernt haben, 1918 gegen den Willen der Sozialdemokratie und des ganzen Klüngels der reformistischen Bürokraten, gegen Zuchthaus und Todesdrohungen, den Januarstreik 1918 zu organisieren, die werden auch lernen, die Gegenoffensive der Arbeitermassen gegen das angreifende Kapital, seinen Staat und seine sozialdemokratischen Helfer zu organisieren.

Unsere roten Betriebsräte, unsere revolutionären Vertrauensleute in den Betrieben und auf den Nachweisen, sie werden in den kommenden Monaten fest zusammen geschweißt werden zu einem Organ, dass den Widerstand der Arbeiter in jedem einzelnen Betrieb oirganisiert und das die Arbeitermassen in ihren großen Kämpfen gegen die Unternehmer siegreich führen wird.