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Frage 5

3 / 06 / 2011

 

 

Kann es einen Weltkriegskommunismus geben?

 

On Sun, 7/3/11, Konrad Klinger <Konrad.Klinger@gmx.net> wrote:


From: Konrad Klinger <Konrad.Klinger@gmx.net>
Subject: Re: Das neue Gedicht
To: "johan stone" <comintern2001@yahoo.com>
Date: Sunday, July 3, 2011, 9:15 PM

Gruß


Frage : Was hat es mit dem Kriegskommunismus auf sich?  Es bezeichnet ja die Wirtschaftspolitik der SU von 1918 -1921 , also während des Bürgerkrieges. Aber ist der Kommunismus nicht eine klassenlose Gesellschaft in dem Kriege egal ob imperialistische oder gerechtfertigte Befreiungskämpfe überflüssig geworden sind weil es keine Widersprüche und Klassengegensätze mehr gibt? Kann es einen Weltkriegskommunismus geben?Also ich finde das Thema intresant.

weltkriegskommunistische Grüße

Konrad

 

 


Grüß dich, Konrad, danke für deine Post.


Ja, ich stimme dir zu. Was sich in Russland zwischen 1918 und 1921 abgespielt hatte, können wir Kommunisten als mögliche Wiederholung - diesmal im globalen Maßstab - nicht ausschließen.

Ob imperialistischer Krieg oder revolutionärer Befreiungskrieg, ob Bürgerkrieg oder jegliche Kriege - die Globalisierung des Weltkapitalismus bringt auch die Globalisierung der militärischen Mittel des Weltklassenkrieges mit sich, d.h. diesmal wird der Krieg nicht auf einen bestimmten historischen Schauplatz wie Russland beschränkt bleiben, sondern er wird ausnahmslos alle Länder, die ganze Welt erfassen. 

Wir sprechen hier vom militärischen Widerstand der Weltborgeoisie gegen die bereits siegreich erfolgte sozialistische Weltrevolution des Proletariats, also die militärische Verteidigung und Absicherung der Weltdiktatur des Proletariats.

Wir sprechen von der Roten Weltarmee der weltproletarischen Staaten, bzw. des proletarischen Weltstaates.


Wie du richtig schreibst, ging es beim Kriegskommunismus in Russland aber nicht nur um militärische Fragen, sondern vor allem um die wirtschaftlichen Fragen. Wir du weißt, schrieb Stalin damals:

"Die Versorgung ist nicht das 'Wichtigste', wie Trotzki irrtümlich glaubt."

Hier haben wir uns auf ein sehr ernsthaftes Problem einzustellen. Die Versorgung Russlands in der Periode des Kriegskommunismus ist eine Sache, die Versorgung der ganzen Welt in der Periode des Weltkriegskommunismus eine ganz andere.

Der Fehler, den die Weltbourgeoisie damals gegenüber der jungen Sowjetrepublik gemacht hatte, das war, dass sie ihr nicht allzu lange Überlebenschancen gab. Das Gegenteil war der Fall. Diesmal wird die Weltbourgeoisie diesen fatalen Fehler nicht wiederholen, wenn der erste sozialistische Weltstaat das Licht der Welt erblickt hat. Es ist also sehr wahrscheinlich damit zu rechnen, dass wir die Lehren des Kriegskommunismus in der jungen Sowjetrepublik äußerst gewissenhaft studieren müssen und uns auf den Weltkriegskommunismus einstellen, der vielleicht noch grausamer, opferreicher und langwieriger werden kann als er es damals schon war. Wir können zwar Vermeidlichkeit oder Unvermeidlichkeit eines Weltkriegskommunismus nicht voraussehen, aber was wir heute mit Sicherheit sagen können – und dabei stützen wir uns auf die historischen Lehren jeder Revolution und vor allem der Oktoberrevolution -, dass die Entwaffung der Weltbourgeoisie nicht friedlich ablaufen wird, dass die Weltbourgeoisie über viel mehr Erfahrung und Mittel verfügt, um ihre Weltmacht zurückzuerobern, als damals, als ihr erstes, einzelnes Stück aus dem kapitalistischen Weltreich verloren ging. Und deswegen müssen wir auf diese zu erwartende Situation vorbereitet sein, müssen wir auf jede Weise gewisse Vorsorge treffen.

Weltkriegskommunismus bedeutet nicht nur äußerste Anstrengung zur Verteidigung der ersten Weltdiktatur des Proletariats, sondern auch eiserne militärische Disziplin nicht nur in der proletarischen Weltarmee, sondern das bedeutet Kriegszustand im gesamten gesellschaftlichen Leben der Welt. Das ist eine enorme Herausforderung für die gesamte Welt"zivil"bevölkerung, von der man so nicht mehr sprechen kann, weil sie als solche im Kriegszustand nicht mehr existiert. Im Weltkriegskommunismus ist alles und jeder in die kriegerische Auseinandersetzung unweigerlich einbezogen, da gibt es keine Trennung zwischen Militär und Zivil. Die ganze soziale und wirtschaftliche Welt befindet sich dann im Kriegszustand, um den Sieg über die Weltherrschaft der Bourgeoisie und allen anderen ausbeutenden Klassen zu verteidigen - (nicht zuletzt gegenüber dem Kleinbürgertum, das als Zünglein an der Waage über Sieg oder Niederlage des Kriegskommunismus entscheiden kann - siehe Trotzkismus als 5. Kolonne des Kampfes gegen den Weltkriegskommunismus).

Dass der Begriff "Weltkriegskommunismus" seine ursprüngliche Bedeutung in der historischen Epoche des Weltkommunismus verloren haben wird, versteht sich von selbst, darüber brauchen wir uns dann keinen Kopf mehr zerbrechen.

Entscheidend ist die Analyse der gegenwärtigen und zukünftigen Entwicklung des so genannten Kampfes (Krieges) der Weltbourgeoisie "gegen den Terrorismus". Davon wird im Wesentlichen abhängen, ob wir den Weltkriegskommunismus anwenden müssen oder nicht.

Wir Kommunisten sind nicht darauf versessen, Krieg zu spielen, aber wenn er uns aufgezwungen wird - und davon ist auszugehen -, dann stellen wir uns dieser Herausforderung und werden sie meistern.

mit weltkriegskommunistischen Grüßen

Wolfgang

 


Zweiter Brief vom Genossen Konrad:

 

From: Konrad Klinger <Konrad.Klinger@gmx.net>
To: johan stone <comintern2001@yahoo.com>
Sent: Thursday, July 7, 2011 10:22 PM

Gruß

Was ich nicht begreife  warum im Wort Kriegskommunismus das Wort Kommunismus drinne steckt mit der Begründung siehe meine letzte mail. Stellt euch mal vor genauso könnte ich "Kriegssozialismus " oder " Kriegsbolschewismus" sagen. Bzw. wie ist man auf den Namen Kriegskommunismus gekommen?


Wenn wir von der Weltbourgoisie und ihrer weltkapitalistischen Weltarmee für die Weltkonterevolution reden , so gibt es sie schon lange. Die UNO mit ihren bewaffneten Arm die Blauhelme als konterevolutionäre antoproletarische Weltarmee schweißt die kapitalistischen Staaten zum Weltkapitalismus zuisam,men indem sie immer mehr Kapital expandiert und nach Absazumärkte anstrebt ( siehe aktuell China). 

 

 

 

ANTWORT AN DEN GENOSSEN KONRAD:



Warum heißen wir Kommunisten ? 
Weil wir uns so nennen. 
Und warum nennen wir uns so ?
Weil wir Kommunisten es verschmähen, unsere Ansichten und Absichten zu verheimlichen.
Was sind denn überhaupt unsere kommunistischen Ansichten und Absichten ?
Unsere kommunistischen Ansichten und Absichten sind nachzulesen im "Kommunistischen Manifest"  von Marx und Engels.
Und wie setzen wir Kommunisten unsere Ansichten und Absichten um ? 
Durch den "gewaltsamen Umsturz aller bisherigen Gesellschaftsordnung" - genauso, wie es im Kommunistischen Manifes steht.

Aber trifft das heute noch zu ?  "aller" (?)  "bisherigen Gesellschaftsordnung" ? 

Wirklich aller ?  Was ist mit der sozialistischen Gesellschaftsordnung, wo wir Kommunisten sogar bereits praktisch dazu übergegangen waren, den Kommunismus aufzubauen ? 

 Also. Den gewaltsamen Umsturz der sozialistischen Gesellschaftsordnung in der Sowjetunion Lenins und Stalins ?  Oder des Albanien des Genossen Enver Hoxha ? Natürlich nicht, denn: 

  1848, als Marx und Engels das "Kommunistische Manifest" verfassten, da gab es ja noch gar keinen Sozialismus, also konnte er auch noch nicht "gewaltsam umgestürzt" werden,  wie es die modernen Revisionisten dann in der Sowjetunion und Albanien taten ( und sich dabei übrigens auf das Kommunistische Manifest beriefen !!).

Es war  also DAMALS  vollkommen korrekt, was Marx und Engels in ihrem Manifest niedergeschrieben hatten:

"Sie [die Kommunisten] erklären es offen, dass ihre Zwecke nur erreicht werden können durch den gewaltsamen Sturz aller bisherigen Gesellschaftsordnung" 

- also auch mit militärischen, kriegerischen Mitteln, wenn sich die herrschenden Klassen sich nicht einfach umstürzen lassen wollen und ihre ganze militärische Unterdrückungsmaschinerie gegen die Revolution richten, um ihre Macht aufrechtzuerhalten oder zurückzugewinnen. Die bewaffnete Konterrevolution kann sich zu einem kürzeren oder  sogar langwierigen Krieg hinziehen, den Bürgerkrieg, in Sowjetrussland die Periode des Kriegskommunismus bezeichnend.  Nicht nur, dass die WELT-Kapitalisten ( die Interventen) die Oktoberrevolution in den Wogen des anschließenden Bürgerkriegs "ersäufen" wollten, wie Stalin sagte, sondern sie schoben den Kommunisten diesen Krieg auch in die Schuhe, machten uns Kommunisten dafür verantwortlich, den der Weltimperialismus vom Zaun gebrochen hatte.







Hier einpaar nützliche Stalinzitate zum Kriegskommunismus:


Stalin bezeichnete die Oktoberrevolution 1917 als "eine Wende der Weltgeschichte - die Diktatur des Proletariats "als Durchbruch der internationalen sozialen Front gegen den Weltimperialismus, der eine Wendung in Richtung auf die Liquidierung des Kapitalismus und auf die Errichtung der sozialistischen Ordnung im Weltmaßstab statuiert, und als ära, die den B+ürgerkrieg einleitete, der an die Stelle des imperialistischen Krieges trat. Notwendig ist eine allseitige Analyse des Unterschieds zwischen der Stzrategie und Taktik des Kommunismus, der nicht an der Macht, sondern in Opposition steht, und der Strategie und Taktik des Kommunismus, der an der Macht steht." 
(Stalin, Band 5, Seite 59 und 60, ).

 


Stalin schrieb weiter:
"Das alles bedingt die Wendung von dem begonnenen, friedlichen Aufbau zu militärischen Operationen, zur Verteidigung des Herdes der Weltrevolution gegen Überfälle innerer und äußerer Feinde... Das ist die kriegsperiode, die dem ganzen inneren und äußeren Leben Russlands den Stempel aufgedrückt hat."

Stalin schreibt: "Die Kommunistische Partei [ ist ] eine Art Schwertträgerorden innerhalb des Sowjetstaates, der die Organe des Letzteren lenkt und ihre Tätigkeit beseelt." (Stalin, Band 5, Seite61 ).

"Die Kriegsperiode [hat uns] den Typus von Kommunismus geliefert, die auf militärischem Gebiet, auf dem Gebiet der versorgung, der Truppenformierung und der operastiven Arbeit erfahren sind" (Stalin, Band 5, Seite 77 ).

 


Stalin bezeichnete die Partei in der Periode des Kriegskommunismus als eine Partei des Umsturzes, die sich in eine Partei des Aufbaus verwandelt, von einer Partei, die die alte Armee zertrümmert und die neue Armee der Arbeiter und Bauernmacht aufbaut, die Rote Armee zu festigen.
"Früher, während des Krieges, hatten wir es mit einem vorwiegend militärisch-politischen Bündnis [ zwischen Arbeitern und Bauern ] zu tun, das heißt, wir verjagten die Gutsbesitzer aus Russland und übergaben den Bauern den Boden zur Nutzung; als die Gutsbesitzer uns aber mit Krieg überzogen, um ihr 'Hab und Gut' wiederzuerlangen, kämpften wir gegen sie und behaupteten die Errungenschaften der Revolution; dafür gab uns der Bauer Lebensmittel für die Arbeiter und Menschen für die Armee. Dies war die Form des Bündnisses"  (Stalin, Band 5, Seite 107 ).

I

In: "Unterredung mit Teilehmern einer Beratung der Agitpropabteilungen"  antwortete Stalin auf die Frage: "Worin besteht die grundlegende Methode unserer Parteiarbeit unter den breiten Massen ?"

"Stalin - Antwort:
"In der Liquidierung der Überreste des kriegskommunismus in der Pasrteiarbeit und im Übergang zur Methode der Überzeugung. In Bezug auf die Ausbeuterelemente unseres Landes haben wir eine alte, erprobte Methode - die Methode des Zwanges. ... Es kommt darauf an, dass die Massen selbst sich auf Grund ihrer eigenen Erfahrungen von der Richtigkeit der Direktiven und Weisungen der Partei überzeugen. Das erfordert eine große und komplizierte, elastische und geduldige Arbeit der Partei. Aber das ist unter den gegenwärtigen Verhältnissen [1925] des Wachsens der Aktivität der werktätigen Massen die einzig richtige Arbeitsmethode"  (Stalin, Band 7, Seite 205-206 ).

 


Stalin: "Der XIV. Parteitag der KPdSU (B)":
""Es handelt sich eben darum, dass Sokolnikow die zwiespältige Natur der NÖP, die zwiespältige Natur des Handels unter den gegenwärtigen Bedingungen des Kampfes der sozialistischen Elemente gegen die kapitalistischen nicht begreift, dass er die Dialektijk der Entwicklung unter den Verhältnissen der Diktatur des Proletariats, unter den Verhältnissen der Übergangsperiode nicht begreift, wo die sozialistischen Elemente sich der Methode und der Waffen der Bourgeoisie bedienen, um die kapitalistischen Elemente zu überwinden und zu liquidieren. ... Es handelt sich darum, dass die sozialistischen Elemente unserer Wirtschaft im Kampf gegen die kapitalistischen sich diese Methoden und Waffen der Bourgeoisie aneignen und sie zur Überwindung der kapitalistischen Elemente ausnutzen, und zwar mit Erfolg ausnutzen gegen den Kapitalismus, sie mit Erfolg ausnutzen zur Errichtung der sozialistischen Fundamente unserer Wirtschaft. ..."Lenin schlug den Staatskapitalismus als ein Mittel vor, mit dessen Hilfe er die bäuerliche Wirtschaft mit der Industrie zu verbinden gedachte. Er schlug den Weg  der Herstellung des Zusammenschlusses mit Hilfe des Staatskapitalismus ein, weil wir keine entwickelte sozialistische Industrie hatten"  (Stalin, Band 7, Seite 320 - 321 und 322 ). siehe Lenin: "Je rückständiger das Land ist, das, infolge der Zickzackbewegungen der Geschichte, die sozialistische Revolution beginnen musste, desto schwieriger ist für dieses Land der Übergang von den alten kapitalistischen Verhältnissen zu sozialistischen" (Lenin, Seite 67 ,Band 27, russ.)

 

Stalin: "Zu den Fragen des Leninismus" Band  8, Seite 28,):

"Die Diktatur des Proletariats weist verschiedene Perioden auf, hat ihre besonderen Formen, ihre verschiedenartigen Arbeitsmethoden. In der Periode des Bürgerkriegs ist das Merkmal der Gewalt in der Diktatur des Proletariats besonders augenfällig. Aber daraus folgt keineswegs, dass in der Periode des Bürgerkriegs keine Aufbauarbeit geleistet wird. Ohne Aufbauarbeit ist es unmöglich, den Bürgerkrieg zu führen.


 

Auf dem VII. Erweiterten Plenum des EKKI machte Stalin in der Auseinandersetzung mit dem Trotzkismus folgende interessante Bemerkung, die hier vollständig widergegeben wird:


"Trotzki sagte in seiner Rede:
'Stalin sagt, dass wir den Aufbau des Sozialismus durchführen, das heißt, dass wir die Klassen und den Staat aufzuheben suchen, das heißtm, dass wir unsere Bourgeoisie überwinden. Ja, Genossen, aber der Staat braucht doch eine Armee gegen die äußeren Feinde'.

Was bedeutet das ? Was ist der Sinn dieses Zitats ? Aus diesem Zitat kann man nur eine Schlussfolgerung ziehen: Da die Errichtung der ökonomischen Basis des Sozialismus die Aufhebung der Klassen und des Staates bedeutet und wir die Armee immerhin für die Verteidigung des sozialistischen Vaterlandes brauchen, während eine Armee ohne Staat unmöglich ist ( wie Trotzki annimmt ) -  so ergibt sich, dass wir die ökonomische Basis des Sozialismus so lange nicht errichten können, wie die Notwendigkeit der bewaffneten Verteidigung des sozialistischen Vaterlandes noch besteht.
Genossen, das ist eine völlige Begriffsverwirrung. Entweder versteht man hier unter Staat einfach den Apparat der bewaffneten Verteidigung der sozialistischen Gesellschaft, was absurd ist, denn der Staat ist vor allen Dingen das Werkzeug einer Klasse gegen andere Klassen, wobei es selbstverständlich, sobald es keine Klassen mehr gibt, auch keinen Staat geben kann. Oder hier ist gemeint, dass die Armee zur Verteidigung der sozialistischen Gesellschaft ohne Vorhandensein des Staates unmöglich ist, was wiederum absurd ist, denn theoretisch ist sehr wohl ein Zustand der Gesellschaft denkbar, in dem es keine Klassen und keinen Staat gibt, wohl aber ein bewaffnetes Volk, das seine klassenlose Gesellschaft gegen äußere Feinde verteidigt. Die Soziologie liefert uns nicht wenige Beispiele dafür, dass es in der Menschheitsgeschichte Gesellschaften gegeben hat, die keine Klassen, keinen Staat hatten, sich aber in der einen oder anderen Weise gegen äußere Feinde verteidigten. Dasselbe ist von der künftigen klassenlosen Gesellschaft zu sagen, die, obwohl ohne Klassen und ohne Staat, doch eine sozialistische Miliz haben kann, die für die Verteidigung gegen äußere Feinde notwendig ist. Ich halte es für wenig wahrscheinlich, dass es bei uns dazu kommen könnte, denn es unterliegt keinem Zweifel, dass die Erfolge des sozialistischen Aufbaus in unserem Lande und um so mehr der Sieg des Sozialismus und die Aufhebung der Klassen - dass dies Tatsachen von welthistorischer Bedeutung sind, die einen gewaltigen Drang der Proletarier der kapitalistischen Länder hervorrufen müssen. Theoretisch aber ist ein Zustand der Gesellschaft durchaus denkbar, in dem das Bestehen einer sozialistischen Miliz ohne das Vorhandensein von Klassen und Staaten vorstellbvar ist.
Übrigens ist diese Frage bis zu einem gewissen Grade im Programm unserer Partei beleuchtet worden. Dort heißt es:
'Die Rote Armee muss als Werkzeug der proletarischen Diktatur notwendigerweise einen offenen Klassencharakter tragen, das heißt, sich ausschließlich aus dem Proletariat und den ihm nahestehenden halb-proletarischen Schichten der Bauernschaft formieren. Erst mit der Aufhebung der Klassen wird sich eine solche Klassenarmee in eine sozialistische Miliz des ganzen Volkes verwandeln.'
Trotzki hat offenbar diesen Punkt unseres Programms vergessen. Trotzki sprach in seiner Rede von der Abhängigkeit unserer Volkswirtschaft von der kapitalistischen Weltwirtschaft und versicherte, dass 
' wir von dem isolierten Kriegskommunismus immer mehr und mehr zu einem Verwachsen mit der Weltwirtschaft kommen.'

Worauf laufen die 'neuen' Argumente Trotzkis im Grunde genommen hinaus ? Sie laufen darauf hinaus, dass wir infolge unserer ökonomischen Rückständigkeit für den Sozialismus nicht reif sind, dass wir die objektiven Voraussetzungen für die Errichtung der sozialistischen Wirtschaft nicht besitzen, dass sich unsere Volkswirtschaft infolgedessen in ein Anhängsel der kapitalistischen Weltwirtschaft, in eine vom Weltkapitalismus kontrollierte wirtschaftliche Einheit verwandelt und verwandeln muss" 

(Stalin, Band 8, Seite 113 -115 und 121)


Das ist der Weg der modernen Revisionisten in der Sowjetunion gewesen, den Kapitalismus mit Hilfe des Weltkapitalismus zu errichten, nicht aber der Weg Stalins, den Sozialismus im Bunde mit dem Weltproletariat aufzubauen, was Trotzki für unmöglich hielt.

 

 

 


Stalins Unterredung mit ausländischen Arbeiterdelegationen (Stalin, Band 10, Seite 197)
Dritte Frage: Was waren die Hauptschwierigkeiten im Kriegskommunismus, als man das Geld abzuschaffen versuchte ?

 

Antwort. Schwierigkeiten gab es viele, sowohl auf der Linie der inneren Entwicklung als auch auf der Linie der auswärtigen Beziehungen.

Nimmt man die inneren Beziehungen wirtschaftlicher Art, so könnte man drei Hauptschwierigkeiten anführen.

Erstens. Eine Schwierigkeit bestand darin, dass unsere Industrie zerrüttet und gelähmt war, abgesehen von der Kriegsindustrie, die während der Intervention unseren Bürgerkriegsfronten Munition lieferte. Zwei Drittel unserer Werke und Fabriken standen still, das Verkehrswesen hinkte, Waren gab es nicht oder fast nicht.

Zweitens. Die Landwirtschaft hinkte auf beiden Beinen, die Arbeitskräfte der Bauernwirtschaften waren an die Fronten abgezogen worden. Es mangelte an Rohstoffen, es mangelte an Brot für die städtische Bevölkerung und vor allem für die Arbeiter. Wir gaben an die Arbeiter damals ein halbes Pfund Brot aus, manchmal aber nur ein Achtelpfund pro Tag.

Drittens. Es gab keinen oder fast keinen richtig funktionierenden, den Austausch zwischen Stadt und Land vermittelnden sowjetischen Handelsapparat, der imstande gewesen wäre, das Dorf mit städtischen Erzeugnissen und die Stadt mit landwirtschaftlichen Produkten zu versorgen. Genossenschaften und staatliche Handelsorgane bestanden nur im Keim.

Nach Beendigung des Bürgerkriegs und nach Einführung der „Neuen Ökonomischen Politik“ hat sich jedoch die wirtschaftliche Lage des Landes grundlegend geändert.

Die Industrie hat sich entwickelt, ist erstarkt und hat die Kommandostellung in der ganzen Volkswirtschaft eingenommen. Am charakteristischsten in dieser Beziehung ist die Tatsache, dass es uns in den letzten zwei Jahren gelungen ist, über zwei Milliarden Rubel aus eigenen Akkumulationsmitteln, ohne Hilfe von außen, ohne irgendwelche Anleihen von außen in der Industrie zu investieren. Jetzt kann man schon nicht mehr sagen, dass es für die Bauernschaft überhaupt keine Waren gebe.

Die Landwirtschaft ist auf die Beine gekommen und hat ihre Produktion auf den Stand der Vorkriegszeit gebracht. Jetzt kann man schon nicht mehr sagen, dass es für die Arbeiter überhaupt kein Getreide und keine anderen landwirtschaftlichen Produkte gebe.

Die Genossenschaften und die staatlichen Handelsorgane haben sich derart entwickelt, dass sie die Kommandostellung im Warenumsatz des Landes eingenommen haben. Jetzt kann man schon nicht mehr sagen, dass es bei uns keinen Verteilungsapparat gebe, der den Austausch zwischen Stadt und Land, zwischen Industrie und bäuerlicher Wirtschaft vermittelt.

All dies genügt natürlich nicht, um die sozialistische Wirtschaft sofort zu errichten. Aber das ist durchaus hinreichend, um auf dem Wege des erfolgreichen sozialistischen Aufbaus weiter voranzuschreiten.

Wir müssen jetzt unsere Industrie neu ausrüsten und neue Werke auf einer neuen technischen Basis errichten.

Wir müssen die landwirtschaftliche Kultur heben, die Bauernschaft maximal mit landwirtschaftlichen Maschinen versorgen, die Mehrheit der werktätigen Bauernschaft genossenschaftlich zusammenschließen und die individuellen Bauernwirtschaften so umorganisieren, dass sie ein umfassendes Netz landwirtschaftlicher Kollektivgenossenschaften bilden.

Wir müssen einen solchen, den Austausch zwischen Stadt und Land vermittelnden Verteilungsapparat aufbauen, der imstande ist, die Bedürfnisse von Stadt und Land im ganzen Land zu berechnen und zu befriedigen, so, wie jedermann für sich in seinem Haushalt seine Ausgaben und Einnahmen berechnet.

Und wenn wir all dies erreicht haben, wird - so ist anzunehmen - die Zeit eintreten, da man kein Geld mehr brauchen wird.

Doch bis dahin ist es noch weit.

 

 



 Stalin, Band 11, Seite 128 ff.:

Die Frage der NÖP und des Kriegskommunismus.


 Die NÖP ist die Politik der proletarischen Diktatur, die gerichtet ist auf die Überwindung der kapitalistischen Elemente und den Aufbau der sozialistischen Wirtschaft durch Ausnutzung des Marktes, vermittels des Marktes, nicht aber durch direkten Produktenaustausch, ohne Markt, unter Ausschluss des Marktes. Können die kapitalistischen Länder, zumindest die entwickeltesten von ihnen, beim Übergang vom Kapitalismus zum Sozialismus ohne die NÖP auskommen? Ich denke, sie können das nicht. In diesem oder jenem Grade ist die Neue Ökonomische Politik mit ihren Marktbeziehungen und der Ausnutzung dieser Marktbeziehungen in der Periode der Diktatur des Proletariats für jedes kapitalistische Land absolut unerlässlich.

Bei uns gibt es Genossen, die diese These in Abrede stellen. Was bedeutet es aber, diese These in Abrede zu stellen?

Das bedeutet erstens, davon auszugehen, dass wir unmittelbar nach Machtantritt des Proletariats bereits über hundertprozentig fertige, den Austausch zwischen Stadt und Land, zwischen Industrie und Kleinproduktion vermittelnde Verteilungs- und Versorgungsapparate verfügen würden, die es ermöglichen, sofort einen direkten Produktenaustausch ohne Markt, ohne Warenumsatz, ohne Geldwirtschaft herzustellen. Man braucht diese Frage nur zu stellen, um zu begreifen, wie absurd eine solche Annahme wäre.

Das bedeutet zweitens, davon auszugehen, dass die proletarische Revolution nach der Machtergreifung durch das Proletariat den Weg der Expropriation der mittleren und kleinen Bourgeoisie beschreiten und sich die ungeheuerliche Last aufbürden müsse, den künstlich geschaffenen Millionen neuer Arbeitslosen Arbeit zu beschaffen und für ihren Lebensunterhalt zu sorgen. Man braucht diese Frage nur zu stellen, um zu begreifen, wie unsinnig und töricht eine solche Politik der proletarischen Diktatur wäre. Ein Vorzug der NÖP ist es unter anderem gerade, dass sie die proletarische Diktatur von diesen und ähnlichen Schwierigkeiten befreit.

Hieraus aber folgt, dass die NÖP in allen Ländern eine unvermeidliche Phase der sozialistischen Revolution bildet.

Gilt dasselbe auch für den Kriegskommunismus? Kann man sagen, dass der Kriegskommunismus eine unvermeidliche Phase der proletarischen Revolution bilde? Nein, das kann man nicht. Der Kriegskommunismus ist eine durch Kriegssituation und Intervention diktierte Politik der proletarischen Diktatur, darauf berechnet, nicht vermittels des Markten, sondern unter Ausschluss des Marktes, durch Maßnahmen hauptsächlich außerökonomischen und teilweise militärischen Charakters den direkten Produktenaustausch zwischen Stadt und Land herzustellen, mit dem Ziel, die Verteilung der Produkte so zu organisieren, dass die Versorgung der revolutionären Armeen an der Front sowie der Arbeiter im Hinterland gewährleistet ist. Wenn nicht die Kriegssituation und die Intervention gewesen wären, so ist klar, dass es auch keinen Kriegskommunismus gegeben hätte. Daher darf man nicht behaupten, der Kriegskommunismus bilde eine ökonomisch unvermeidliche Entwicklungsphase der proletarischen Revolution.

Es wäre falsch, wollte man glauben, die proletarische Diktatur in der UdSSR habe ihre wirtschaftliche Tätigkeit mit dem Kriegskommunismus begonnen. Auf diesen Standpunkt gleiten einige Genossen ab. Dieser Standpunkt aber ist falsch. Im Gegenteil, die proletarische Diktatur begann bei uns ihre Aufbauarbeit nicht mit dem Kriegskommunismus, sondern mit der Verkündung der Grundlagen der so genannten Neuen Ökonomischen Politik. Alle kennen die Anfang 1918 erschienene Broschüre Lenins über „Die nächsten Aufgaben der Sowjetmacht“, in der Lenin zum erstenmal die Prinzipien der Neuen Ökonomischen Politik begründete. Diese Politik wurde zwar durch die Interventionsverhältnisse zeitweilig unterbrochen, und erst drei Jahre später, nach Beendigung des Krieges und der Intervention, konnten wir zu ihr zurückkehren. Die Tatsache aber, dass die proletarische Diktatur in der UdSSR zu den schon Anfang 1918 verkündeten Prinzipien der Neuen Ökonomischen Politik zurückkehren musste, diese Tatsache zeigt ganz deutlich, womit die proletarische Diktatur ihre Aufbauarbeit am Tage nach der Revolution beginnen und worauf sie ihre Aufbauarbeit begründen muss, wenn man natürlich von wirtschaftlichen Erwägungen ausgeht.

Mitunter wird der Kriegskommunismus mit dem Bürgerkrieg verwechselt, wird der erste mit dem zweiten identifiziert. Das ist natürlich falsch. Die Machtergreifung durch das Proletariat im Oktober 1917 war unbedingt eine Form des Bürgerkriegs. Es wäre aber falsch, zu sagen, wir hätten gleich im Oktober 1917 mit der Einführung des Kriegskommunismus begonnen. Man kann sich durchaus vorstellen, dass der Zustand eines Bürgerkriegs besteht, ohne dass Methoden des Kriegskommunismus angewandt werden, ohne dass auf die Grundlagen der Neuen Ökonomischen Politik verzichtet wird, wie das bei uns Anfang 1918, bis zur Intervention der Fall war.

Man sagt, die proletarischen Revolutionen würden isoliert verlaufen und deshalb könne keine einzige proletarische Revolution ohne Intervention, also auch ohne Kriegskommunismus auskommen. Das ist falsch. Nachdem wir die Festigung der Sowjetmacht in der UdSSR, ein Anwachsen der kommunistischen Parteien in den ausschlaggebenden Ländern des Kapitalismus und eine Stärkung der Komintern erreicht haben, kann und darf es schon keine isolierten proletarischen Revolutionen mehr geben. Man darf solche Faktoren wie die sich verschärfende Krise des Weltkapitalismus, wie die Existenz der Sowjetunion und das Anwachsen des Kommunismus in allen Ländern nicht außer acht lassen. (Zwischenruf: „In Ungarn war aber die Revolution isoliert.“) Das war im Jahre 1919. Jetzt aber schreiben wir 1928. Es genügt, sich an die Revolution in Deutschland im Jahre 1923 zu erinnern, als die proletarische Diktatur in der UdSSR sich auf eine direkte Unterstützung der deutschen Revolution vorbereitete, um die ganze Relativität und Bedingtheit der Argumentation einiger Genossen zu begreifen. (Zwischenruf: „Isolierte Revolution in Deutschland, Isoliertheit zwischen Frankreich und Deutschland.“) Sie verwechseln die räumliche Entfernung mit der politischen Isoliertheit. Natürlich ist die räumliche Entfernung von Bedeutung. Trotzdem aber darf man sie nicht mit der politischen Isoliertheit verwechseln.

Und die Arbeiter in den Ländern der Interventen - glauben Sie, dass diese bei einer Intervention zum Beispiel gegen die deutsche Revolution schweigen und den Interventen nicht in den Rücken fallen werden?

Und die UdSSR und ihr Proletariat - glauben Sie, dass die proletarische Revolution in der UdSSR dem Treiben der Interventen ruhig zusehen wird?

Um den Interventen zu schaden, ist es keineswegs erforderlich, dass man mit dem Lande der Revolution unbedingt räumlich verbunden ist. Hierzu genügt es, die Interventen an den verwundbarsten Punkten ihres eigenen Territoriums zu treffen, damit sie die Gefahr spüren und die ganze Realität der proletarischen Solidarität begreifen. Angenommen. wir würden dem bürgerlichen England im Gebiet von Leningrad zu nahe treten und ihm erheblichen Schaden zufügen. Folgt daraus, dass sich England dafür unbedingt in Leningrad an uns rächen muss? Nein, das folgt nicht daraus. Es könnte sich dafür irgendwo in Batum, in Odessa, in Baku oder, sagen wir, in Wladiwostok an uns rächen. Dasselbe gilt für die Formen der Hilfe und Unterstützung, die die proletarische Diktatur der proletarischen Revolution in einem der Länder, sagen wir, Europas gegen die imperialistischen Interventen zuteil werden lässt.

Wenn man aber nicht gelten lassen kann, dass die Intervention und also auch der Kriegskommunismus eine für alle Länder unerlässliche Erscheinung sind, so kann und muss man dennoch gelten lassen, dass sie mehr oder weniger wahrscheinlich sind. Daher bin ich, ohne der Argumentation dieser Genossen zuzustimmen, einverstanden mit ihrer Schlussfolgerung, dass man im Programmentwurf die Formel, dass der Kriegskommunismus für die Länder der proletarischen Revolution bei einer bestimmten internationalen Situation möglich ist, durch die Formel ersetzen könnte, dass die Intervention und der Kriegskommunismus mehr oder weniger wahrscheinlich sind."

 

 

mit kommunistischem Gruß

 

Wolfgang


 

 

 

 

copyright:

Kommunistische Internationale (Stalinisten - Hoxhaisten)

LETZTE BEARBEITUNG: 26. 02. 2011