Programme en français



Annotation of the Comintern-ML

After 75 years of its decision and just to the 50th Death Day of the leader of the programme-commission - comrade Stalin - the Comintern-ML herewith publishes not alone the programme of the Comintern at the first time (which got dusty in the revisionist drawer since 1943!), but moreover puts it in front of the struggle for the worldrevolution, which accelerates actively the ongoing breakdown of worldimperialism. With this programme the world-proletariat continues to write a new chapter of the history of its own liberation. By the practical realization of this programme the Comintern-ML proves to be the true follower of the old honourable Comintern. All the Sections of the Comintern-ML are called for the translation of this programme in their mother-tongue-language, for the propagation and for the struggle of its practical realization.




Anmerkung der Komintern-ML

Nach 75 Jahren seiner Verabschiedung und zum 50. Todestag des Leiters der Programmkommission - Genossen Stalin - veröffentlicht die Komintern_ML nicht nur zum ersten Mal das Programm der Komintern ( welches seit 1943 in den Schubladen der Revisionisten vermoderte!), sondern stellt es dem großen Kampf für die Weltrevolution voran, der sich jetzt an der Schwelle des Zusammenbruch des Weltimperialismus in der ganzen Welt entfaltet. Mit diesem Programm wird das Weltproletariat ein stolzes Kapitel seiner eigenen Befreiungsgeschichte schreiben. Im Kampf für die Verwirklichung dieses Programm macht sich die Komintern-ML zur wahrhaften Nachfolgerin der ruhmreichen Komintern. Alle Sektionen der Komintern-ML sind aufgefordert, dieses Programm nicht nur in ihre Landessprache zu übersetzen und zu propagieren, sondern auch für seine praktische Verwirklichung zu kämpfen.



Das

Programm

der

Kommunistischen Internationale

entworfen unter der Federführung des Genossen Stalin

und angenommen vom VI. Weltkongress am 1. September 1928 in Moskau

(Deutsche Ausgabe - Internationale Presse-Korrespondenz; 8. Jahrgang, Nr. 133, 30. November 1928- Sondernummer 39)

(hier veröffentlicht in drei Fortsetzungs-Teilen - I, II, III - verbunden durch Hyperlinks)

Dieses Programm ist durch die Gründung der Komintern-ML vom 31. 12. 2000 reaktiviert worden.

Es ist somit verbindlich gültig für den internationalen Klassenkampf - soweit noch keine weiterführenden Änderungen und Aktualisierungen von den Sektionen gemeinsam beschlossen sind.



Einführung

Die Epoche des Imperialismus ist die Epoche des sterbenden Kapitalismus. Der Weltkrieg 1914 bis 1918 und die allgemeine Krise des Kapitalismus, die er entfesselte, beweisen als unmittelbare Folgen des tiefen Widerspruchs, in den die wachsenden Produktivkräfte der Weltwirtschaft mit den staatlichen Schranken geraten, dass im Schoße der kapitalistischen Gesellschaft die materiellen Voraussetzungen für den Sozialismus herangereift sind;

sie beweisen, dass die kapitalistische Hülle zu einer unerträglichen Fessel für die weitere Entwicklung der Menschheit geworden ist und dass die Geschichte den Sturz des kapitalistischen Joches durch die Revolution auf die Tagesordnung stellt.

Von den Zentren der kapitalistischen Macht bis in die entferntesten Winkel der kolonialen Welt unterwirft der Imperialismus die gewaltige Masse der Proletarier aller Länder der Diktatur der finanzkapitalistischen Plutokratie (Geldherrschaft; Staatsform, in der allein das Privateigentum politische Macht garantiert - Red.).

Mit elementarer Gewalt enthüllt und vertieft der Imperialismus alle Widersprüche der kapitalistischen Gesellschaft, steigert die Unterdrückung der ausgebeuteten Klassen bis zum Äußersten und treibt den Kampf der kapitalistischen Staaten auf die Spitze. Dadurch verursacht er unabwendbar weltumspannende imperialistische Kriege, die das gesamte herrschende Regime aufs tiefste erschüttern und führt mit eherner Notwendigkeit zur

proletarischen Weltrevolution.

Der Imperialismus schlägt die ganze Welt in die Fesseln des Finanzkapitals, zwingt die Proletarier aller Länder, Völker und Rassen mit Hunger, Blut und Eisen unter sein Joch und steigert die Ausbeutung, Unterdrückung und Knechtung des Proletariats ins Maßlose. Damit stellt der Imperialismus dem Proletariat unmittelbar die Aufgabe, die Macht zu erobern, und nötigt die Arbeiter, sich aufs Engste zur einheitlichen internationalen Armee der Proletarier aller Länder zusammenzuschließen über alle Grenzpfähle, über alle Unterschiede von Nation, Kultur, Sprache, Rasse, Geschlecht und Beruf hinweg.

So führt der Imperialismus den Prozess der Schaffung der materiellen Voraussetzungen des Sozialismus zu Ende und erzeugt zugleich damit das Heer seiner Totengräber, indem er das Proletariat vor die Notwendigkeit stellt, sich zu einer internationalen Kampfassoziation der Arbeiter zusammenszuschließen.

Andererseits spaltet der Imperialismus von der großen Masse der Arbeiterklasse den Teil ab, dessen materielle Existenz die gesicherteste ist. Diese vom Imperialismus gekaufte und bestochene Oberschicht der Arbeiterklasse, die führenden Kader der sozialdemokratischen Parteien stellt, ist an der imperialistischen Ausbeutung der Kolonien interessiert, ist <ihrer> Bourgeoisie und <ihrem> imperialistischen Staate treu ergeben und war in Zeiten entscheidender Klassenkämpfe im Lager der Klassenfeinde des Proletariats zu finden.

Die durch diesen Verrat verursachte Spaltung der sozialistischen Bewegung im Jahre 1914 und der weitere Verrat der sozialdemokratischen Parteien, die zu bürgerlichen Arbeiterparteien wurden, zeigten klar:

das internationale Proletariat kann seine historische Mission - die Zerschmetterung des imperialistischen Joches und die Errichtung der Diktatur des Proletariats - nur im unerbittlichen Kampfe gegen die Sozialdemokratie erfüllen. Die Organisierung der Kräfte der Weltrevolution ist deshalb nur auf der Plattform des Kommunismus möglich. Der opportunistischen Zweiten Internationale der Sozialdemokratie, die zur Agentur des Imperialismus innerhalb der Arbeiterklasse geworden ist, tritt unausbleiblich die Dritte, die Kommunistische Internationale, entgegen - die internationale Organisation der Arbeiterklasse, die allein die wahre Einheit der revolutionären Arbeiter der ganzen Welt verkörpert.

Der Krieg von 1914 bis 1918 rief die ersten Versuche zur Gründung einer neuen, einer revolutionären Internationale als Gegengewicht gegen die Zweite, sozialchauvinistische Internationale und als Waffe des Widerstandes gegen den kriegerischen Imperialismus hervor (Zimmerwald, Kienthal). Der Sieg der proletarischen Revolution in Russland gab den Anstoß zur Bildung kommunistischer Parteien in den Zentren des Kapitalismus und in den Kolonien.. Im Jahre 1919 wurde die Kommunistische Internationale gegründet, die zum ersten Male in der Weltgeschichte in der Praxis des revolutionären Kampfes die Vorhut des europäischen und amerikanischen Proletariats mit den Proletariern Chinas und Indiens und den farbigen Arbeitssklaven Afrikas und Amerikas fest vereint.

Die Kommunistische Internationale, die einheitliche und zentralisierte internationale Partei des Proletariats, setzt als einzige die Prinzipien der Ersten Internationale auf dem neuen Boden der revolutionären proletarischen Massenbewegung fort. Die Erfahrungen des ersten imperialistischen Krieges und der folgenden Periode der revolutionären Krise des Kapitalismus

- der Kette von Revolutionen in Europa und in den kolonialen Ländern, die Erfahrungen der Diktatur des Proletariats und des Aufbaus des Sozialismus in der Sowjetunion: die Erfahrungen aller Sektionen der Kommunistischen Internationale, die in den Beschlüssen ihrer Kongresse festgelegt sind: schließlich die zunehmende Internationalisierung des Kampfes zwischen der imperialistischen Bourgeoisie und dem Proletariat -

das alles macht ein einheitliches, allen ihren Sektionen gemeinsames Programm der Kommunistischen Internationale notwendig.

Als die umfassendste kritische Verallgemeinerung der gesamten historischen Erfahrung der revolutionären Bewegung des internationalen Proletariats ist das Programm der Kommunistischen Internationale das Programm des Kampfes für die proletarische Weltdiktatur, das Programm des Kampfes für den Weltkommunismus.

Die Kommunistische Internationale schart um ihr Banner die revolutionären Arbeiter, die die Millionen der Geknecheten und Ausgebeuteten gegen die Bourgeoisie und ihre <sozialistischen> Agenten führen.

Sie betrachtet sich als die Vollstreckerin des historischen Vermächtnisses der von Marx geleiteten Organisationen des <Bundes der Kommunisten> und der Ersten Internationale, und als Erbin der besten Überlieferungen der Zweiten Internationale aus der Vorkriegszeit.

Die Erste Internationale schuf die geistigen Voraussetzungen des internationalen Kampfes des Proletariats für den Sozialismus. Die Zweite Internationale bereitete in ihren besten Tagen unter den Massen den Boden für die breite Entfaltung der Arbeiterbewegung. Die Dritte, die Kommunistische Internationale erntete die Früchte der Arbeit der Zweiten Internationale, verwarf aber entschieden ihren Opportunismus und Sozialchauvinismus sowie die bürgerliche Verfälschung des Sozialismus und hat die Verwirklichung der proletarischen Diktatur begonnen. Die Kommunistische Internationale setzt alle glorreichen, heroischen Traditionen der englischen Chartisten und der französischen Aufständischen von 1831; der revolutionären Arbeiter Deutschlands und Frankreichs von 1848; der unsterblichen Kämpfer und Märtyrer der Pariser Kommune: der tapferen Soldaten der deutschen, ungarischen und finnischen Revolution; der Arbeiter der einstigen Zarendispotie und siegreichen Träger der proletarischen Diktatur: die Traditionen der chinesischen Proletarier - der Helden von Kanton und Schanghai.

Gestützt auf die historischen Erfahrungen der revolutionären Arbeiterbewegung aller Kontinente und aller Völker steht die Kommunistische Internationale in ihrem theoretischen und praktischen Wirken ohne jeden Vorbehalt auf dem Boden des revolutionären Marxismus und seiner weiteren Ausgestaltung, des Leninismus, der nichts anderes ist, als der Marxismus der Epoche des Imperialismus und der proletarischen Revolution.

Die Kommunistische Internationale verficht und propagiert den dialektischen Materialismus von Marx und Engels und wendet ihn als revolutionäre Methode der Erkenntnis der Wirklichkeit zu ihrer revolutionären Umgestaltung an: sie kämpft aktiv gegen die Spielarten der bürgerlichen Weltanschauung sowie des theoretischen und praktischen Opportunismus. Auf dem Boden des konsequenten proletarischen Klassenkampfes ordnet sie die vorübergehenden, die Gruppen-, nationalen und Teilinteressen des Proletariats den dauernden, allgemeinen, internationalen Interessen unter. Sie entlarvt schonungslos die von der Bourgeoisie entlehnte Lehre der Reformisten vom <Klassenfrieden> in allen ihren Formen.

Als Erfüllung des historischen Erfordernisses nach einer internationalen Organisation der revolutionären Proletarier, der Totengräber des kapitalistischen Systems, ist die Kommunistische Internationale die einzige internationale Macht, deren Programm die Diktatur des Proletariats und der Kommunismus ist, und die offen als Organisator der internationalen proletarischen Revolution auftritt.



I.

Das Weltsystem

des Kapitalismus,

seine Entwicklung und sein notwendiger Untergang

1. Die allgemeinen Bewegungsgesetze des Kapitalismus und die Epoche des Industriekapitals

Auf der Grundlage der Entwicklung der Warenproduktion entstanden, ist die kapitalistische Gesellschaft gekennzeichnet durch das Monopol der Klasse der Kapitalisten und der Großgrundbesitzer an den wichtigsten und entscheidenden Produktionsmitteln, durch die Ausbeutung der Lohnarbeit der Klasse der Proletarier, die - der Produktionsmittel beraubt - genötigt sind, ihre Arbeitskraft zu verkaufen; sie ist gekennzeichnet durch die Warenproduktion um des Profites willen und die mit all dem verbundene Planlosigkeit und Anarchie des Produktionsprozesses in seiner Gesamtheit. Das Ausbeutungsverhältnis und die ökonomische Herrschaft der Bourgeoisie finden ihren politischen Ausdruck in der staatlichen Organisation des Kapitals als Instrument zur Unterdrückung des Proletariats.

Die Geschichte des Kapitalismus hat die Marxsche Lehre von den Gesetzen der Entwicklung der kapitalistischen Gesellschaft und ihren zum Untergang des ganzen kapitalistischen Systems führenden Widersprüchen vollauf bestätigt.

Die Jagd nach dem Profit nötigte die Bourgeoisie, die Produktivkräfte in ständig wachsendem Maße zu entfalten und die Herrschaft der kapitalistischen Produktionsverhältnisse zu befestigen und auszudehnen. Damit reproduzierte die Entwicklung des Kapitalismus ständig auf erhöhter Stufenleiter alle inneren Widersprüche des kapitalistischen Sytems, vor allem den Grundwiderspruch zwischen dem gesellschaftlichen Charakter der Arbeit und dem privaten Charakter der Aneignung, zwischen dem Wachstum der Produktivkräfte und den Eigentumsverhältnissen des Kapitalismus. Die Herrschaft des Privateigentums an den Produktionsmitteln, der anarchisch-elementare Gang dieser Produktion führten im Zusammenhang mit der Entwicklung des Gegensatzes zwischen der Tendenz zur schrankenlosen Erweiterung der Produktion und der beschränkten Konsumtion der proletarischen Massen (allgemeine Überproduktion), zur Störung des ökonomischen Gleichgewichts zwischen den verschiedenen Produktionszweigen; das zog periodisch wiederkehrende, verheerende Krisen und Massenarbeitslosigkeit nach sich. Die Herrschaft des Privateigentums fand weiter ihren Ausdruck in der Konkurrenz innerhalb der einzelnen kapitalistischen Länder, wie auch auf dem sich ständig erweiternden Weltmarkt. Diese Form der Rivalität zwischen den Kapitalisten hatte eine Reihe von Kriegen als untrennbare Begleiterscheinungen der kapitalistischen Entwicklung zur Folge.

Die technische und ökonomische Überlegenheit des Großbetriebs führte im Konkurrenzkampf zur Verdrängung und zur Vernichtung der vorkapitalistischen Wirtschaftsformen und zur wachsenden Konzentration und Zentralisation des Kapitals. In der Industrie fand das Gesetz der Konzentration und Zentralisation vor allem seinen Ausdruck im direkten Untergang der Kleinbetriebe und zum Teil in ihrer Degradierung zu Hilfsorganen der Großbetriebe. In der Landwirtschaft, die infolge des Bestehens des Bodenmonopols und der absoluten Rente zwangsläufig hinter dem Tempo der allgemeinen Entwicklung zurückblieb, drückte sich das Gesetz der Konzentration und Zentralisation nicht nur in der Differenzierung des Bauerntums und in der Proletarisierung breiter bäuerlicher Schichten aus, sondern vor allem auch in offenen und verhüllten Formen der Unterwerfung der kleinen Bauernwirtschaften unter die Diktatur des Großkapitals; dabei konnte der Kleinbetrieb den Schein seiner Unabhängigkeit nur um den Preis höchster Anspannung seiner Arbeitsleistung und systematischer Unterkonsumtion aufrechterhalten.

Die zunehmende Anwendung von Maschinen, die fortschreitende Vervollkommnung der Technik und die dauernde Erhöhung der organischen Zusammensetzung des Kapitals auf dieser Grundlage waren begleitet von einer weiteren Teilung der Arbeit, der Steigerung ihrer Produktivität und Intensität. Dies hatte die steigende Anwendung der Frauen- und Kinderarbeit zur Folge und schuf gewaltige industrielle Reservearmeen, die ständig durch proletarisierte und aus den Dörfern verdrängte Bauern sowie durch die verarmende Klein- und Mittelbourgeoisie der Städte vermehrt werden. Die Scheidung der Gesellschaft in zwei Lager ; ein kleines Häuflein von Kapitalmagnaten an dem einen und Riesenmassen von Proletariern an dem anderen Pol; die ununterbrochene Steigerung der Ausbeutungsrate der Arbeiterklasse; die Reproduktion der grundlegenden Widersprüche des Kapitalismus auf erhöhter Stufenleiter und ihre Folgen (Krisen, Kriege usw.); die ständig zunehmende soziale Ungleichheit; die wachsende Empörung des Proletariats, das der Mechanismus der kapitalistischen Produktion selbst zusammenschließt und schult - das alles unterhöhlte die Grundpfeiler des Kapitalismus und rückte die Stunde seines Zusammenbruchs näher.

Gleichzeitig vollzog sich ein tiefgehender Umschwung im sozialen und kulturellen Leben der kapitalistischen Gesellschaft: die parasitäre Entartung der bürgerlichen Rentnerschichten: der allgemeine Verfall der Familie infolge des wachsenden Widerspruchs zwischen der massenhaften Einbeziehung der Frau in die gesellschaftliche Produktion und den Formen des in hohem Maße aus früheren Wirtschaftsepochen übernommenen häuslichen und Familienlebens; die auf der Grundlage der Spezialisierung der Arbeit bis ins Kleinste fortschreitende Verkümmerung des Stadtlebens und die Enge des Landlebens; die Verflachung und Entartung des geistigen und kulturellen Lebens; die Unfähigkeit der Bourgeoisie, trotz der gewaltigen Fortschritte der Naturwissenschaften, zur Synthese einer wissenschaftlichen Weltanschuung zu gelangen; das Wachsen des idealistischen, mystischen und religiösen Aberglaubens - all diese Erscheinungen kündeten das nahende historische Ende des kapitalistischen Systems an.



2. Die Epoche des Finanzkapitals (des Imperialismus)

Die Herrschaftsperiode des Indurstriekapitals war im wesentlichen eine Periode der <freien Konkurrenz>, der verhältnismäßig stetigen Entwicklung und Ausbreitung des Kapitalismus über den ganzen Erdball durch die Aufteilung der noch freien Kolonien und ihre bewaffnete Besetzung. Dabei wuchsen ununterbrochen die inneren Widersprüche des Kapitalismus, deren Druck vor allem auf der systematischen ausgeplünderten, eingeschüchterten und geknechteten kolonialen Peripherie lastete.

Dieser Periode folgte zu Beginn des 20. Jahrhunderts der Imperialismus, eine Periode der sprunghaften, konfliktreichen Entwicklung des Kapitalismus, in der die freie Konkurrenz dem der die früher <freien> Kolonien bereits aufgeteilt sind, nahmen die Auseinandersetzungen um die Neuverteilung der Kolonien und der Einflusssphären mehr und mehr den Charakter des bewaffneten Kampfes an.

So fanden die weltumspannenden Widersprüche des Kapitalismus ihren klarsten Ausdruck in der Epoche des Imperialismus (der Herrschaft des Finanzkapitals). Der Imperialismus ist eine geschichtlich neue Form des Kapitalismus, ein neues Verhältnis zwischen den verschiedenen Gliedern der kapitalistischen Weltwirtschaft und ein Formenwandel in den Beziehungen zwischen den Grundklassen der kapitalistischen Gesellschaft.

Diese neue geschichtliche Periode entwickelte sich auf der Grundlage der wichtigsten Bewegungsgesetze der kapitalistischen Gesellschaft. Sie wuchs aus der Entwicklung des Industriekapitalismus als seine historische Fortsetzung hervor. Der Imperialismus ließ die Grundtendenzen und Bewegungsgesetze des Kapitalismus, alle seine Grundwidersprüche und Antagonismen schärfer hervortreten. Das Gesetz der Konzentration und Zentralisation des Kapitals führte zur Bildung mächtiger monopolistischer Verbände (Kartelle, Syndikate, Trusts), zu einer neuen Form kombinierter, durch die Banken zusammengefasster Riesenunternehmungen. Das Verwachsen des Industriekapitals mit dem Bankkapital, die Einbeziehung des Großgrundbesitzes in das Gesamtsystem der kapitalistischen Organisation und der monopolistische Charakter dieser Form des Kapitalismus verwandelte die Epoche des Finanzkapitals. Die <freie Konkurrenz> der Periode des Industriekapitals, die an die Stelle des feudalen Monopols und des Monopols des Handelskapitals getreten war, verwandelte sich nun in das Monopol des Finanzkapitals. Die kapitalistischen Monopole beseitigen jedoch nicht die freie Konkurrenz aus der sie hervorgegangen sind, sondern bestehen über und neben ihr, wodurch eine Reihe besonders schwerer und tiefgehender Widersprüche, Reibungen und Konflikte entsteht.

Die zunehmende Anwendung komplizierter Maschinen, chemischer Prozesse und elektrischer Kraft, die Erhöhung der organischen Zusammensetzung des Kapitals auf dieser Grundlage und das daraus folgende Sinken der Profitrate, das nur zeitweilig durch die Politik hoher Kartellpreise zugunsten der größten monopolistischen Vereinigungen aufgehalten wird, rufen eine verschärfte Jagd nach kolonialen Extraprofiten und einen Kampf um die Neuaufteilung der Welt hervor. Die standardisierte Massenproduktion erfordert neue äußere Absatzmärkte. Die steigende Nachfrage nach Roh- und Brennstoffen ruft eine fieberhafte Jagd nach deren Quellen hervor. Die Kapitalausfuhr erhielt weiteren Antrieb durch das System der Hochschutzzölle, das die Warenausfuhr erschwert und dem ausgeführten Kapital einen Extraprofit sichert. Daher wird die Kapitalausfuhr zur wesentlichen, spezifischen Form der wirtschaftlichen Verbindung zwischen den einzelnen Gliedern der kapitalistischen Weltwirtschaft. Schließlich verstärkt die monopolistische Beherrschung der kolonialen Absatzmärkte, der Rohstoffquellen und Sphären für die Kapitalanlage die allgemeine Ungleichmäßigkeit der kapitalistischen Entwicklung aufs Äußerste und spitzt die Konflikte zu, in die die <Großmächte> des Finanzkapitals um die Neuaufteilung der Kolonien und Einflusssphären geraten.

Das Wachstum der Produktivkräfte der Weltwirtschaft führt so zu einer weiteren Internationalisierung des Wirtschaftslebens, gleichzeitig aber auch zum Kampf um die Neuaufteilung der unter den mächtigsten finanzkapitalistischen Staaten bereits aufgeteilten Welt. Die Methoden des Ringens zwischen diesen ändern und verschärfen sich, indem an die Stelle der Schleuderpreise mehr und mehr die Methoden des gewaltsamen Drucks (Boykott, Politik der Hochschutzzölle, Zollkriege, Kriege im eigentlichen Sinne des Wortes, usw.) treten. Daher begleiten die monopolistische Form des Kapitalismus notwendigerweise imperialistische Kriege, die an Ausmaß und zerstörender Wirkung ihrer Technik beispiellos in der Geschichte dastehen.



3. Die Kräfte des Imperialismus und die Kräfte der Revolutionen

Die imperialistische Form des Kapitalismus hat die Tendenz, die verschiedenen Fraktionen der herrschenden Klasse zusammenzuschließen und die breite Masse des Proletariats nicht dem einzelnen Unternehmer, sondern mehr und mehr der gesamten Klasse der Kapitalisten und ihrer Staatsgewalt gegenüber zu stellen. Diese Form des Kapitalismus sprengt die zu eng gewordenen Schranken des nationalen Staates und dehnt den staatlichen Machtbereich der herrschenden Nation der kapitalistischen Großstaaten aus. Sie stellt diesem Staate die Millionenmassen der national unterdrückten Völker, der sogenannten kleinen Nationen und der Kolonialvölker aufs Äußerste die Gegensätze zwischen den imperialistischen Staaten.

Die Staatsmacht, die zur Diktatur der finanzkapitalistischen Oligarchie und zum Ausdruck ihrer konzentrierten Macht wird, erlangt auf diese Weise für die Bourgeoisie besondere Bedeutung. Die Funktionen dieses imperialistischen Nationalitätenstaates breiten sich nach allen Richtungen aus. Es entwickeln sich staatskapitalistische Formen, die den Kampf auf dem Außenmarkt (militärische Mobilisierung der Wirtschaft), wie auch den Kampf gegen die Arbeiterklasse erleichtern; der Militarismus (Heer, See- und Luftflotte, Anwendung von Chemie und Bakteriologie) wächst ins Riesenhafte; der Druck des imperialistischen Staates auf die Arbeiterklasse (Anwachsen der Ausbeutung und direkter Druck zusammen mit der systematischen Politik der Bestechung der bürokratisch-reformistischen Oberschichten) wird gesteigert; all das ist der Ausdruck des gewaltigen Anwachsens des spezifischen Gewichtes der Staatsmacht. Unter diesen Bedingungen wird jede mehr oder weniger bedeutende Aktion des Proletariats zu einer Aktion gegen die Staatsgewalt, d.h., zu einer politischen Aktion.

Auf diese Weise reproduziert die Entwicklung des Kapitalismus, und vor allem ihre imperialistische Epoche, die fundamentalen Widersprüche des Kapitalismus in immer größerem Ausmaße. Die Konkurrenz zwischen den kleinen Kapitalisten hört nur auf, um die Konkurrenz zwischen den Großkapitalisten Platz zu machen, dort, wo die Konkurrenz zwischen den Großkapitalisten abflaut, entbrennt sie zwischen den gewaltigen Verbänden der Kapitalmagnaten und ihren Staaten; die Krisen werden aus lokalen und nationalen zu Krisen, die mehrere Länder ergreifen, und schließlich zu Weltkrisen; die Kriege lokalen Charakters werden von Koalitionskriegen und Weltkriegen abgelöst; der Klassenkampf streift die Form des isolierten Vorgehens einzelner Arbeitsgruppen ab, wird zum nationalen Klassenkampf und schließlich zum internationalen Kampf des Weltproletariats gegen die Weltbourgeoisie. Gegen die machtvoll zusammengefassten Kräfte des Finanzkapitals sammeln sich schließlich die zwei revolutionären Hauptkräfte: die Arbeiter der kapitalistischen Länder und die vom ausländischen Kapital geknebelten Volksmassen der Kolonien, die unter der Führung und Hegemonie der internationalen revolutionären proletarischen Bewegung marschieren.

Diese revolutionäre Grundtendenz wird jedoch zeitweilig gelähmt durch die Bestechung gewisser Teile des europäischen, nordamerikanischen und japanischen Proletariats von seiten der imperialistischen Bourgeoisie und durch den Verrat der nationalen Bourgeoisie der kolonialen und halbkolonialen Länder, der die revolutionäre Bewegung Angst einjagt. Der Bourgeoisie der imperialistischen Mächte bringt ihre Stellung auf dem Weltmarkt im Allgemeinen (entwickeltere Technik, Kapitalexport nach Ländern mit höheren Profitrate usw.) wie auch die Ausplünderung der Kolonien und Halbkolonien Extraprofite ein. Diese verwendet sie zur Erhöhung des Arbeitslohnes eines Teils <ihrer> Arbeiter, die sie auf diese Weise an der Entwicklung des Kapitalismus, <ihres> Vaterlandes, an der Ausplünderung der Kolonien und an der Ergebenheit gegenüber dem imperialistischen Staate interessiert. Diese sytematische Bestechung wurde und wird insbesondere in großem Maße in den stärksten imperialistischen Ländern betrieben; sie kommt am krassesten zum Ausdruck in der Ideologie und Praxis der Arbeiteraristokratie und der bürokratischen Schichten der Arbeiterklasse, d.h., der leitenden Kader der Sozialdemokratie und der Gewerkschaften, die sich als direkte Träger des bürgerlichen Einflusses im Proletariat und als beste Stützen der kapitalistischen Ordnung erwiesen haben.

Aber wenn auch der Imperialismus das Wachsen einer bestochenen Oberschicht der Arbeiterklasse hervorruft, so untergräbt er doch letzten Endes den Einfluss dieser Oberschicht auf die Arbeiterklasse. Denn die Verschärfung der Widersprüche des Imperialismus, die Verschlechterung der Lage breiter Arbeitermassen und die Massenarbeitslosigkeit des Proletariats, der riesigen Kosten der kriegerischen Zusammenstöße, der Verlust der Monopolstellung gewisser Mächte auf dem Weltmarkt, schließlich der Abfall von Kolonien usw., untergraben das Fundament des Sozialimperialismus in den Massen. Gleichermaßen lähmt die systematische Bestechung verschiedener Schichten der Bourgeoisie in den Kolonien und Halbkolonien, ihr Verrat an der nationalrevolutionären Bewegung und ihre Annäherung an die imperialistischen Großmächte die Entwicklung der revolutionären Krise nur zeitweilig. Letzten Endes bewirkt diese Entwicklung eine Steigerung der imperialistischen Unterdrückung, den Rückgang des Einflusses der nationalen Bourgeoisie auf die Volksmassen, die Verschärfung der revolutionären Krise, die Entfesselung der Aggrarevolution breitester Bauernmassen und schafft so günstige Vorbedingungen für die Hegemonie des Proletariats im Kampfe um die Unabhängigkeit und die völlige nationale Befreiung in den Kolonien und abhängigen Ländern.



4. Der Imperialismus und der Sturz des Kapitalismus

Der Imperialismus hat die Produktivkräfte des Weltkapitalismus in hohem Maße entfaltet. Er hat die Schaffung aller materiellen Vorbedingungen für die sozialistische Organisierung der Gesellschaft vollendet. Die impeialistischen Kriege beweisen, dass die Produktivkräfte der Weltwirtschaft über die Schranken der imperialistischen Staaten hinausgewachsen sind, und eine internationale, weltumfassende Organisierung der Wirtschaft erheischen. Der Imperialismus versucht diesen Widerspruch zu lösen, indem er mit Feuer und Schwert einem einheitlichen staatskapitalistischen Welttrust den Weg bahnt, der die ganze Weltwirtschaft organisieren soll. Die sozialdemokratischen Ideologen verherrlichen diese blutige Utopie als eine friedliche Methode des neuen organisierten Kapitalismus. In Wirklichkeit stößt aber diese Utopie auf so große, unüberwindliche objektive Hindernisse, dass der Kapitalismus unter der Last seiner eigenen Widersprüche mit eiserner Notwendigkeit zusammenbrechen muss. Das Gesetz der ungleichmäßigen Entwicklung des Kapitalismus, das durch die imperialistische Epoche noch verschärft wird, macht dauerhafte und feste internationale Vereinigungen imperialistischer Mächte unmöglich. Die zu Weltkriegen werdenden imperialistischen Kriege, die den Weg der Zentralisation des Kapitals zu ihrer Grenze - dem Welttrust - bezeichnen, werden von derartigen Verheerungen begleitet, bürden der Arbeiterklasse und Millionen von Proletariern und Bauern der Kolonien derartige Lasten auf, dass der Kapitalismus unter den Schlägen der proletarischen Revolution unvermeidlich und viel früher zusammenbrechen muss.

Der Imperialismus, die höchste Phase der kapitalistischen Entwicklung, steigert die Produktivkräfte der Weltwirtschaft ins Riesenhafte, gestaltet die ganze Welt nach seinem Ebenbilde und reißt alle Kolonien, alle Rassen, alle Völker, in den Strom der Ausbeutung durch das Finanzkapital. Zugleich entwickelt die monopolistische Form des Kapitals in steigendem Maße Elemente der parasitären Entartung, der Verwesung und des Niedergangs des Kapitalismus. Das monopolistische Kapital schaltet bis zu einem gewissen Grade die Triebfeder der Konkurrenz aus, verfolgt die Politik hoher Kartellpreise und verfügt unumschränkt über die Märkte; wobei es die Tendenz hat, die weitere Entfaltung der Produktivkräfte zu hemmen. Der Imperialismus häuft unermessliche Reichtümer aus den rieseigen Extraprofiten auf, die er den Millionen von Arbeitern und Bauern der Kolonien abpresst. Er schafft dadurch den Typus verwesender, parasitärer, entartender Rentnerstaaten und ganze Schichten von Schmarotzern, die vom Kuponschneiden leben. Die Epoche des Imperialismus, die den Prozess der Schaffung der materiellen Vorbedingungen des Sozialismus vollendet (Konzentration der Produktionsmittel, gigantische Vergesellschaftung der Arbeit, Erstarken der Arbeiterorganisationen), verschärft zugleich die Widersprüche zwischen den <Großmächten> und ruft Kriege hervor, die den Zerfall der einheitlichen Weltwirtschaft herbeiführen. Der Imperialismus ist daher der verwesende, sterbende Kapitalismus. Er ist die letzte Etappe der Entwicklung des Kapitalismus überhaupt, er ist der Anbruch der sozialistischen Weltrevolution.

Die internationale proletarische Revolution entspringt so den Entwicklungsbedingungen des Kapitalismus im Allgemeinen und seiner imperialistischen Phase im Besonderen. Das kapitalistische System als Ganzes nähert sich seinem endgültigen Zusammenbruch. Die Diktatur des Finanzkapitals bricht zusammen und weicht der Diktatur des Proletariats.



II.

Die allgemeine Krise des Kapitalismus

und die erste Phase der

Weltrevolution



1. Der Weltkrieg und der Gang der revolutionären Krise

Der imperialistische Kampf der größten kapitalistischen Staaten um die Neuaufteilung der Welt führte zum ersten imperialistischen Weltkrieg (1914 –1918). Dieser Krieg erschütterte das gesamteSystem des Weltkapitalismus und leitete damit die Periode seiner allgemeinen Krise ein. Der Krieg zwang die ganze Volkswirtschaft der kriegführenden Länder in seinen Dienst, schuf sich die gepanzerte Faust des Staatskapitalismus, trieb die unproduktiven Ausgaben zu schwindelnder Höhe, vernichtete die ungeheuren Mengen von Produktionsmittel und lebendiger Arbeitskraft, ruinierte breite Schichten der Bevölkerung und bürdete Industriearbeitern, Bauern und Kolonialvölkern unermessliche Lasten auf. Er verschärfte den Klassenkampf, der in offen revolutionäre Massenaktionen und in den Bürgerkrieg umschlug. Die imperialistische Front wurde an ihrem schwächsten Punkte durchbrochen, dem zaristischen Russland. Die Februarrevolution des Jahres 1917 stürzte den feudalen Absolutismus, die Oktoberrevolution stürzte die Bourgeoisie. Diese siegreiche proletarische Revolution expropriierte die Expropriateure, entriss der Bourgeoisie und den Großgrundbesitzern die Produktionsmittel; zum ersten Male in der Geschichte der Menschheit errichtete und verankerte sie die proletarische Diktatur in einem Riesenlande, schuf einen neuen Staatstypus, den Räte- (Sowjet-) staat. Und leitete damit die internationale proletarische Revolution ein.

Die gewaltige Erschütterung des gesamten Weltkapitalismus, die Verschärfung des Klassenkampfes und der unmittelbare Einfluss der proletarischen Oktoberrevolution riefen in Europa, wie in den kolonialen und halbkolonialen Ländern eine Reihe von Revolutionen und revolutionären Aktionen hervor: Januar 1918 - Arbeiterrevolution in Finnland; - August 1918 <Reisaufstände> in Japan; - November 1918 Rvolutionen in Österreich und Deutschland, die die halbfeudalen Monarchien stürzten; März 1919 proletarische Revolution in Ungarn; Aufstand in Korea; April 1919 - Rätemacht in Bayern; Januar 1920 - bürgerlich-nationale Revolution in der Türkei; September 1920 - Besetzung der Betriebe durch die Arbeiter in Italien; März 1921 - Aufstand der proletarischen Vorhut in Deutschland; September 1923 - Aufstand in Bulgarien; Herbst 1923 revolutionäre Krise in Deutschland; Dezmber 1924 - Aufstand in Estland; April 1925 - Aufstand in Marokko; August 1925 –Aufstand in Marokko; August 1925 - Aufstand in Syrien; Mai 1926 - Generalstreik in England; Juli 1927 - Arbeiteraufstand in Wien. All das zusammen mit Ereignissen, wie dem Aufstand in Indonesien, der tiefen Gärung in Indien, der machtvollen chinesischen Revolution, die ganz Asien erschütterte, sind Glieder der Kette der internationalen Revolution, sind Bestandteile der tief aufwühlenden allgemeinen Krise des Kapitalismus. Dieser internationale revolutionäre Prozess umfasst den Kampf für die Diktatur des Proletariats, wie auch die nationalen Befreiungskriege und die kolonialen Aufstände gegen den Imperialismus, die wiederum untrennbar verbunden sind mit der Agrarrevolution der Millionen zählenden Bauernmasse. So wurden gewaltige Menschenmassen in den Strom der Revolution hineingerissen. Die Weltgeschichte ist in eine neue Phase ihrer Entwicklung eingetreten: in die Phase einer langwierigen allgemeinen Krise des kapitalistischen Systems. Die Einheit der Weltwirtschaft fand dabei ihren Ausdruck in dem internationalen Charakter der Revolution, - die Ungleichmäßigkeit der Entwicklung der einzelnen Teile der Weltwirtschaft - in der Ungleichzeitigkeit der Revolution in den einzelnen Ländern.

Die ersten Versuche zu einem revolutionären Umsturz, die aus der akuten Krise des Kapitalismus (1918-1921) hervorwuchsen, endeten mit dem Siege und der Befestigung der Diktatur des Proletariats in der Sowjetunion, aber mit Niederlagen des Proletariats in einer ganzen Reihe anderer Länder. Diese Niederlagen sind in erster Linie das Ergebnis der Verrätertaktik der sozialdemokratischen Führer und der reformistischen Spitzen der Gewerkschaftsbewegung, aber auch die Folge des Umstandes, dass hinter den Kommunisten noch nicht die Mehrheit der Arbeiterklasse stand und in einer Reihe von wichtigen Staaten überhaupt noch keine kommunistischen Parteien vorhanden waren. Diese Niederlagen ermöglichten der Bourgeoisie eine teilweise Stabilisierung des Kapitalismus durch die verstärkte Ausbeutung der proletarischen Massen und der Kolonialvölker und die weitere Herabdrückung ihrer Lebenshaltung.

2. Die revolutionäre Krise und die konterrevolutionäre Sozialdemokratie

Als stärkste Kraft der Konterrevolution bewährten sich im Verlauf der internationalen Revolution durch ihre aktive Bekämpfung und die Förderung der teilweisen Stabilisierung des Kapitalismus die führenden Kader der soziakldemokratischen Parteien und reformistischen Gewerkschaften sowie auch die kapitalistischen Kampfverbände faschistischer Art.

Die Kriegskrise von 1914 bis 1918 war von dem schmählichen Zusammenbruch der sozialdemokratischen Zweiten Internationale begleitet. Im strikten Gegensatz zur These des <Kommunistischen Manifestes> von Marx und Engels, dass die Proletarier unter dem Kapitalismus kein Vaterland haben, im strikten Gegensatz zu den Beschlüssen der Kongresse von Stuttgart und Basel gegen den Krieg, haben die Führer der sozialdemokratischen Parteien bis auf vereinzelte Ausnahmen für die Kriegskredite gestimmt und sich entschieden für die Verteidigung der imperialistischen <Vaterländer>( , d.h., der Staatsorganisationen der imperialistischen Bourgeoisie) ausgesprochen; anstatt gegen den imperialistischen Krieg zu kämpfen, wurden sie zu seinen treuen Soldaten, Predigern und Lobsängern (der Sozialpatriotismus entwickelte sich zum Sozialimperialismus). In der folgenden Etappe unterstützte die Sozialdemokratie die räuberischen Friedensverträge (Brest, Versailles); Schulter an Schulter mit den Generälen war sie eine aktive Kraft bei der blutigen Niederwerfung proletarischer Aufstände (Noske); sie kämpfte mit der Waffe in der Hand gegen die erste proletarische Republik (Sowjetrussland); sie verriet das zur Macht gelangte Proletariat und lieferte es dem Feinde aus (Ungarn); sie trat in den imperialistischen Völkerbund ein (Thomas Paul Boncour, Vandervelde); sie stellte sich offen auf die Seite der imperialistischen Sklavenhalter gegen die Kolonialsklaven (englische Arbeiterpartei); sie unterstützte aktiv die reaktionärsten Henker der Arbeiterklasse (Bulgarien, Polen); sie gab den Anstoß zur Schaffung imperialistischer Wehrgesetze (Frankreich); sie half den Streik der Bergarbeiter in England abzuwürgen; sie half und hilft bei der Knebelung Chinas und Indiens (MacDonald-Regierung); sie ist der Marktschreier des imperialistischen Völkerbundes, der Heerrufer des Kapitals und die organisierte Kraft im Kampfe gegen die Diktatur des Proletariats in der Sowjetunion (Kautskx, Hilferding).

Zur systematischen Durhführung dieser konterrevolutionären Politik bedient sich die Sozialdemokratie ihrer beiden Flügel: der rechte, offen konterrevolutionäre Flügel ist unentbehrlich für Verhandlungen und die unmittelbare Verbindung mit der Bourgeoisie, während der <linke> Flügel besonders feingesponnene Betrugsmanöver an der Arbeiterschaft durchzuführen hat. Die <linke> Sozialdemokratie, die mit pazifistischen und manchmal selbst mit revolutionären Phrasen spielt, wendet sich besonders in kritischen Augenblicken gegen die Arbeiter ( die englische <Unabhängige Arbeiterpartei> und die <linken> Führer des Generalrates der englischen Gewerkschaften während des Generalstreiks von 1926, Otto Bauer und Konsorten während des Aufstandes in Wien u.a.); sie ist daher die gefährlichste Fraktion der sozialdemokratischen Parteien. Wenn auch die Sozialdemokratie als Dienerin der Interessen der Bourgeoisie in der Arbeiterklasse vollständig auf dem Boden der Klassengemeinschaft und der Koalition mit der Bourgeoisie steht, wird sie doch in gewissen Perioden genötigt, die Stellung einer oppositionellen Partei zu beziehen.; sie spiegelt die Verteidgung der Klasseninteressen des Proletariats in seinem wirtschaftlichen Kampfe vor, um sich so das Vertrauen eines Teiles der Arbeiterklasse zu erschleichen und dann die dauernden Interessen der Arbeiterklasse, vor allem in Zeiten entscheidender Klassenkämpfe um so schmählicher zu verraten.

Die Hauptrolle der Sozialdemokratie ist heute die Untergrabung der im Kampfe gegen den Imperialismus notwendigen Einheit des Proletariats. Durch die Spaltung und Zerschlagung der Einheitsfront des proletarischen Kampfes gegen das Kapital wird die Sozialdemokratie zur Hauptstütze des Imperialismus in der Arbeiterklasse. Die internationale Sozialdemokratie aller Schattierungen, die Zweite Internationale, und ihre gewerkschaftliche Filiale, der Amsterdamer Internationale Gewerkschaftsbund, sind so zu Reserven der bürgerlichen Gesellschaft geworden, zu ihren sichersten Stützen in der Arbeiterklasse.



3. Die Krise des Kapitalismus und der Faschismus

Neben die Sozialdemokratie, die der Bourgeoisie die Arbeiterklasse unterdrücken und die Wachsamkeit der Proletarier einschläfern hilft, tritt der Faschismus.

In der Epoche des Imperialismus führte die Verschärfung des Klassenkampfes und die Zunahme der Elemente des Bürgerkrieges - besonders nach dem imperialistischen Weltkrieg - zum Bankrott des Parlamentarismus. Daher die <neuen> Methoden und Formen des Regierens (z.B. das System der <kleinen Kabinette>, das Wirken oligarchischer Gruppen hinter den Kulissen, der Verfall und die Verfälschung der Rolle der <Volksvertretung> , die Beschneidung und Beseitigung der <demokratischen Freiheiten> usw.). Unter besonderen historischen Bedingungen nimmt dieser Prozess der Offensive der bürgerlich-imperialistischen Reaktion die Form des Faschismus an. Solche Bedingungen sind: Labilität der kapitalistischen Beziehungen; das Vorhandensein sozial deklassierter Elemente in beträchtlicher Zahl; die Verarmung breiter Schichten des städtischen Kleinbürgertums und der Intelligenz; die Unzufriedenheit der ländlichen Kleinbourgeoisie; schließlich die ständige Gefahr proletarischer Massenaktionen. Um ihrer Macht größere Stetigkeit und Festigkeit zu sichern, ist die Bourgeoisie in steigendem Maße gezwungen, vom parlamentarischen System zu der faschistischen Methode überzugehen, die von Beziehungen und Kombinationen zwischen den Parteien unabhängig ist. Der Faschismus ist eine Methode der unmittelbaren Diktatur der Bourgeoisie, ideologisch verkleidet, mit der Idee der <Volksgemeinschaft> und der Vertretung nach <Berufsständen> (d.h., eigentlich der Vertretung verschiedener Gruppen der herrschenden Klasse). Es ist eine Methode, die durch eine besondere soziale Demagogie (Antisemitismus, gelegentliche Ausfälle gegen das Wucherkapital, Entrüstung über die parlamentarische <Schwatzbude>) planmäßig die Unzufriedenheit der Massen des Kleinbürgertums, der Intellektuellen und anderer ausnützt. Es ist eine Methode der Korruption, durch den Aufbau einer geschlossenen, besoldeten Hierarchie der faschistischen Kampfverbände, des faschistischen Parteiapparates und der faschistischen Bürokratie. Dabei versucht der Faschismus durch die Gewinnung ihrer rückständigsten Schichten auch in die Reihen der Arbeiterschaft einzudringen, deren Unzufriedenheit mit der Passivität der Sozialdemokratie er ausnützt. Die Hauptaufgabe des Faschismus ist die Vernichtung der revolutionären Vorhut der Arbeiterklasse, d.h. Der kommunistischen Schichten des Proletariats und ihrer führenden Kader. Die Verquickung von sozialer Demagogie und Korruption mit dem aktiven weißen Terror, sowie die zum Äußersten gesteigerte imperialistische Aggressivität der Außenpolitik sind charakteristische Züge des Faschismus. In Zeiten, die für die Bourgeoisie besonders kritisch sind, bedient sich der Faschismus einer antikapitalistischen Phraseologie; solbald er aber seine Macht gesichert sieht, erweist er sich immer mehr als terroristische Diktatur des Großkapitals und wirft den antikapitalistischen Plunder von sich.

Je nach politischer Konjunktur bedient sich die Bourgeosie der faschistischen Methoden oder der Methoden der Koalition mit der Sozialdemokratie, die nicht selten, besonders in für den Kapitalismus kritischen Zeiten, eine offen faschistische Rolle spielt. Die Sozialdemokratie zeigt im Laufe der Entwicklung faschistische Tendenzen, was sie jedoch nicht hindert, im Falle einer Änderung der politischen Konjunktur gegen die bürgerliche Regierung als oppositionelle Partei aufzutreten. Faschismus und Koalition mit der Sozialdemokratie sind beide für den normalen Kapitalismus ungewöhnliche Methoden. Sie sind Anzeichen für das Bestehen einer allgemeinen Krise des Kapitalismus und werden von der Bourgeoisie benützt, um den Vormarsch der Revolution zu hemmen.





4. Die Widersprüche der kapitalistischen Stabilisierung und die Notwendigkeit des revolutionären Zusammenbruchs des Kapitalismus

Die Erfahrung der ganzen Nachkriegszeit beweist, dass die Stabilisierung des Kapitalismus, die durch die Niederschlagung der Arbeiterklasse und die systematische Herabdrückung ihrer Lebenshaltung erzielt wurde, nur eine teilweise, vorübergehende, morsche Stabilisierung sein kann.

Die sprunghafte, fieberhafte Entwicklung der Technik, die in einigen Ländern an eine neue technische Umwälzung grenzt, der beschleunigte Prozess der Konzentration und Zentralisation des Kapitals, die Bildung riesiger Trusts -<nationaler> und <internationaler> Monopole, das Verwachsen des Trusts mit der Staatsmacht, das Wachsen der kapitalistischen Weltwirtschaft - all das kann die allgemeine Krise des kapitalistischen Systems nicht überwinden. Der Zerfall der Weltwirtschaft in einen kapitalistischen und einen sozialistischen Teil, die Einengung der Märkte, die anti-imperialistische Bewegung in den Kolonien, verschärfen aufs Äußerste alle Widersprüche des Kapitalismus, der sich auf der neuen, nach dem Kriege entstandenen Grundlage entwickelt. Die Kehrseite des technischen Fortschritts und der Rationalisierung der Industrie sind die Schließung und die Liquidierung einer Reihe von Betrieben, die Einschränkung der Produktion, der rücksichtlose Raubbau an der Arbeitskraft, was alles zu einer gewaltigen, bisher noch nicht da gewesenen Dauererwerbslosigkeit führt. Die absolute Verschlechterung der Lage der Arbeiterklasse wird selbst in einer Reihe entwickelter kapitalistischer Länder zur Tatsache. Die Steigerung der Konkurrenz zwischen den imperialistischen Staaten und die ständige Kriegsgefahr, die immer schärfer werdende Spannung der Klassenkonflikte schaffen die Voraussetzungen für eine neue, höhere Entwicklungsstufe der allgemeinen Krise des Kapitalismus und der proletarischen Weltrevolution.

Das Ergebnis der ersten Folge imperialistischer Kriege (Weltkrieg von 1914 bis 1918) und des Oktobersieges der Arbeiterklasse im einstigen Zarenreich, war die Spaltung der Welt in zwei einander grundsätzlich feindliche Lager: das Lager der imperialistischen Staaten und jenes der Diktatur des Proletariats in der Sowjetunion. Die Unterschiede in der Klassenstruktur der Staatsmacht, der prinzipielle Unterschied in den Zielen der Innen- und Außenpoltik, der Wirtschafts- und Kulturpolitik, die grundsätzlich verschiedene Entwicklungsrichtung - all das bringt die kapitalistische Welt in schroffen Gegensatz zum Staate des siegreichen Proletariats. Im Rahmen der einst einheitlichen Weltwirtschaft bekämpfen sich gegenwärtig zwei antagonistische Systeme: Kapitalismus und Sozialismus. Der Klassenkampf, dessen Formen bisher dadurch bestimmt waren, dass das Proletariat noch nirgends die Staatsmacht in Händen hatte, reproduziert sich jetzt, da die Arbeiterklasse der ganzen Welt bereits ihren Staat, das einzige Vaterland des internationalen Proletariats besitzt, in gewaltigem, wirklich weltumfassendem Ausmaße. Das Bestehen der Sowjetunion mit ihrem Einfluss auf die werktätigen und unterdrückten Massen der ganzen Welt ist schon an und für sich der deutlichste Ausdruck der tiefgehenden Krise des Systems des Weltkapitalismus und einer in der Geschichte noch nie dagewesenen Ausdehnung und Verschärfung des Klasenkampfes.

Unfähig, ihre inneren Widersprüche zu überwinden, sucht die kapitalistische Welt einen Ausweg in der Gründung einer Internationalen Vereinigung (des Völkerbundes), deren Hauptzweck es ist, das unaufhaltsame Wachsen der revolutionären Krise zum Stillstand zu bringen und die Union Proletarischer Republiken durch Blockade oder Krieg zu erdrosseln. Um die Sowjetunion scharen sich indes alle Kräfte des revolutionären Proletariats und der unterdrückten Massen der Kolonien; der unbeständigen innerlich morschen, doch bis an die Zähne bewaffneten Weltkoalition des Kapitals steht eine einheitliche und geschlossene Weltkoalition der Arbeit gegenüber. So erwuchs aus der ersten Folge imperialistischer Kriege ein neuer Grundwiderspruch, weltgeschichtlich nach Ausmaß und Bedeutung: der Widerspruch zwischen der Sowjetunion und der kapitalistischen Welt.

Auch die inneren Widersprüche des kapitalistischen Teils der Weltwirtschaft erfuhren eine Verschärfung. Die Verlegung des wirtschaftlichen Schwerpunkts der Welt nach den Vereinigten Staaten Amrikas und die Verwandlung der <Dollarrepublik> in einen Weltausbeuter vergrößerten die Spannung zwischen den Vereinigten Staaten und dem europäischen Kapitalismus, vor allem dem englischen. Der Konflikt zwischen dem mächtigsten der alten konservativen, imperialistischen Länder -England- und den Vereinigten Staaten, dem stärksten Lande des jungen Imperialismus, das bereits die Welthegemonie an sich gerissen hat, wird zur Achse der weltumspannenden Konflikte zwischen den finanzkapitalistischen Staaten. Deutschland, das nach seiner Ausplünderung durch den Versailler Friedensvertrag wirtschaftlich wieder erstarkt ist und von neuem den Weg der imperialistischen Politik beschreitet, wird zu einem ernstlichen Konkurrenten auf dem Weltmarkt. Im Stillen Ozean verwickeln sich die Gegensätze, unter denen der Konflikt zwischen den vereinigten Staaten und Japan im Mittelpunkt steht. Neben diesen Hauptgegensätzen entwickelt sich der Widerstreit zwischen den Interessen der sich ändernden unbeständigen Mächtegruppierungn, wobei die Staaten zweiten Ranges die Rolle von Werkzeugen der imperialistischen Giganten und ihrer Bündnisse spielen.

Infolge der Einengung der europäischen Innenmärkte durch den Krieg, infolge des Ausscheidens der Sowjetunion aus dem rein kapitalistischen Kreislauf und infolge der weitgehenden Monopolisierung der wichtigsten Roh- und Brennstoffquellen, führt die Steigerung der Produktionskapazität des industriellen Apparats des Weltkapitalismus zur Entfesselung der Konflikte zwischen den kapitalistischen Staaten. Der <friedliche> Kampf um Erdöl, Kautschuk, Kohle, Erz, um die Neuaufteilung der Märkte und der Kapitalanlagensphären treibt unvermeidlich zu einem neuen Weltkrieg, der um so verheerender sein wird, je größer die Fortschritte der sich fieberhaft entwickelnden Kriegstechnik sind.

Zu gleicher Zeit wachsen die Gegensätze zwischen den Mutterländern und den kolonialen und halbkolonialen Ländern. Die teilweise Schwächung der Macht des europäischen Imperialismus durch den Krieg, die Entwicklung des Kapitalismus in den Kolonien, der Einfluss der russischen Revolution, die zentrifugalen Tendenzen innerhalb der ersten Kolonial- und Seemacht der Welt, des britischen Weltreichs (Kanada, Australien, Südafrika), erleichtert die Auslösung von Aufständen in den Kolonien und halbkolonialen Ländern. Die große chinesische Revolution, die Hunderte von Millionen des chinesischen Volkes aufgerüttelt hat, schlägt eine gewaltige Bresche in den ganzen Bau des Imperialismus. Die anhaltende revolutionäre Gärung unter den Millionen und aber Millionen indischer Arbeiter und Bauern droht die Herrschaft Englands, der Hochburg des Weltimperialismus, zu brechen. Das Wachsen der Strömungen gegen den mächtigen Imperialismus der Vereinigten Staaten in den Ländern Lateinamerikas ist eine Kraft, die die Expansion des nordamerikanischen Kapitals untergräbt. So erweist sich auch der revolutionäre Prozess in den Kolonien, welcher die der finanzkapitalistischen Oligarchie einiger <Großmächte> unterworfene überwältigende Mehrheit der Bevölkerung der Erde in den Kampf gegen den Imperialismus einbezieht, als ein Ergebnis der tiefgehenden allgemeinen Krise des Kapitalismus. Auch in Europa, wo der Imperialismus eine ganze Reihe kleiner Nationen unter sein drückendes Joch gebeugt hat, ist die nationale Frage ein Faktor, der die inneren Widersprüche des Kapitalismus verschärft.

Endlich reift die revolutionäre Krise mit zwingender Notwendigkeit auch in den Zentren des Imperialismus selbst heran. Die Offensive der Bourgeoisie gegen die Arbeiterklasse, gegen ihre Lebenshaltung, ihre Organisationen und ihre politischen Rechte, sowie der zunehmende weiße Terror rufen den wachsenden Widerstand breiter Massen des Proletariats hervor und verschärfen den Klassenkampf zwischen der Arbeiterklasse und dem Trustkapital. Die Riesenkämpfe zwischen Kapital und Arbeit, der fortschreitende Radikalisierungsprozess der Massen, das Steigen des Einflusses und des Ansehens der kommunistischen Parteien, die riesige Zunahme der Sympathien breitester Arbeitermassen für das Land der proletarischen Diktatur - all das sind deutliche Anzeichen des Herannahens eines neuen revolutionären Aufschwungs in den imperialistischen Zentren.

So wird der Bau des Weltimperialismus und mit ihm die teilweise Stabilisierung des Kapitalismus von verschiedenen Seiten her unterwühlt; durch die Gegensätze und Konflikte zwischen den imperialistischen Mächten, durch die Erhebung der Millionen in den Kolonien, durch den Kampf des revolutionären Proletariats der Mutterländer, schließlich durch die führende Macht der revolutionären Weltbewegung, die proletarische Diktatur in der Sowjetunion. Die internationale Revolution schreitet vorwärts.

Gegen sie gerichtet sammelt der Imperialismus alle seine Kräfte; Expeditionen gegen die Kolonien, einen neuen Weltkrieg und den Feldzug gegen die Sowjetunion setzt der Imperialismus auf die Tagesordnung. Das führt zur Auslösung aller Kräfte der internationalen Revolution und mit eherner Notwendigkeit zum Sturze des Kapitalismus.



III.

Das Endziel der Kommunistischen Internationale:

der Weltkommunismus

Das Endziel, das die Kommunistische Internationale erstrebt, ist die Ersetzung der kapitalistischen Weltwirtschaft durch das Weltsystem des Kommunismus. Die kommunistische Gesellschaftsordnung, die durch den ganzen Ablauf der geschichtlichen Entwicklung vorbereitet wird, ist der einzige Ausweg für die Menschheit, denn nur diese Gesellschaft vermag die fundamentalen Widersprüche des kapitalistischen Systems aufzuheben, die die Menschheit mit Entartung und Untergang bedrohen.

Die kommunistische Ordnung beseitigt die Spaltung der Gesellschaft in Klassen, das heisst, sie beseitigt mit der Anarchie der Produktion alle Arten unf Formen der Unterdrückung und Ausbeutung von Menschen durch Menschen. An die Stelle der kämpfenden Klassen treten die Glieder der einheitlichen Weltassoziation der Arbeit. Zum ersten Mal in der Geschichte nimmt die Menschheit ihr Schicksal in die eigenen Hände. Anstatt in Klassen - Völkerkriegen ungezählte Menschenleben und unschätzbare Reichtümer zu vernichten, verwendet die Menschheit ihre ganze Energie auf den Kampf mit den Naturkräften, auf die Entwicklung und Hebung ihrer eigenen kollektiven Macht.

Sobald das Weltsystem des Kommunismus das Privateigentum verwandelt hat, tritt an die Stelle der elementaren Kräfte des Weltmarktes und des planlosen Waltens der Konkurrenz, des blinden Gangs der gesellschaftlichen Produktion ihre gesellschaftlich-planmäßige Regelung entsprechend den rasch wachsenden Bedürfnissen der Gesamtheit. Mit der Vernichtung der Anarchie der Produktion und der Konkurrenz verschwinden auch die verheerenden Krisen und die noch verheerenderen Kriege. An die Stelle der gigantischen Vergeudung von Produktivkräften und der krampfhaften Entwicklung der Gesellschaft tritt die geordnete Verfügung über alle materiellen Reichtümer und eine reibungslose Entwicklung der Wirtschaft durch die unbegrenzte, harmonische rasche Entfaltung der Produktivkräfte.

Die Aufhebung des Privateigentums, das Absterben der Klassen, beseitigen die Ausbeutung von Menschen durch Menschen. Die Arbeit hört auf, ein Schaffen für den Klassenfeind zu sein. Aus einem bloßen Mittel zum Leben wird sie zum ersten Lebendbedürfnis. Die Armut verschwindet, es verschwindet die wirtschaftliche Ungleichheit der Menschen, das Elend der geknechteten Klassen, die Armseligkeit ihres materiellen Daseins überhaupt; es verschwindet die Hierarchie der Menschen in der Arbeitsteilung und damit der Gegensatz von Kopf- und Handarbeit; es verschwinden schließlich alle Spuren der sozialen Ungleichheit der Geschlechter. Zu gleicher Zeit verschwinden auch die Organe der Klassenherrschaft, vor allem die Staatsgewalt; als Verkörperung der Klassenherrschaft stirbt sie in dem Maße ab, wie die Klassen verschwinden. Damit stirbt allmählich jede Zwangsnorm ab.

Das Verschwinden der Klassen besetigt jede Art des Bildungsmonopols. Die Kultur wird zum Gemeingut aller und an Stelle der Klassenideologie der Vergangenheit tritt die wissenschaftlich-materialistische Weltbetrachtung. Damit wird jedwede Herrschaft von Menschen über Menschen unmöglich, und es eröffnen sich ungeahnte Möglichkeiten der sozialen Auslese und der harmonischen Entwicklung aller Fähigkeiten, die in der Menschheit schlummern.

Die Entfaltung der Produktivkräfte wird durch keinerlei Schranken gesellschaftlichen Charakters gehemmt. Die kommunistische Gesellschaft kennt kein Privateigentum an den Produktionsmitteln, kein eigennütziges Streben nach Profit, sie kennt weder die künstlich genährte Unwissenheit, noch die Armut der Massen, die in der kapitalistischen Gesellschaft den technischen Fortschritt hemmt, noch die riesenhaften unprroduktiven Ausgaben. Die zweckmäßigste Ausnutzung der Naturkräfte und der natürlichen Produktionsbedingungen der einzelnen Weltteile; die Beseitigung des Gegensatzes von Stadt und Land, der die Folge des steten Zurückbleibens der Landwirtschaft und ihres technischen Tiefstandes ist; die weitestgehende Vereinigung von Wissenschaft und Technik, von Forschungsarbeit und umfassender Anwendung ihrer Ergebnisse für die Gesellschaft; die planmäßige Organisierung der wissenschaftlichen Arbeit; die Einführung vervollkommneter Methoden statistischer Erfassung und plangemäßer Regelung der Wirtschaft; schließlich das rasche Anwachsen der gesellschaftlichen Bedürfnisse, des stärksten Antriebs des gesamten Systems; all das sichert der gesellschaftlichen Arbeit ein Höchstmaß an Produktivität und setzt unermessliche menschliche Energien für eine machtvolle Entfaltung von Kunst und Wissenschaft frei.

Die Entwicklung der Produktivkräfte der kommunistischen Weltgesellschaft macht die Hebung des Wohlstandes der ganzen Menschheit und die stärkste Verkürzung der der materiellen Produktion gewidmeten Zeit möglich und und eröffnet damit eine in der Geschichte unerhörte Blütezeit der Kultur. Diese neue Kultur der zum ersten Mal geeinten Menschheit, die alle Staatsgrenzen zerstört hat, wird auf klaren und durchsichtigen Beziehungen der Menschen zueinander beruhen. Sie wird daher Mystik und Religion, Vorurteile und Aberglaube für alle Zeiten begraben und damit der Entwicklung siegreicher wissenschaftlicher Erkenntnis einen mächtigen Anstoß geben.

Diese höchste Stufe des Kommunismus, in der die kommunistische Gesellschaft sich bereits auf ihrer eigenen Grundlage entwickelt hat, in der Hand in Hand mit der allseitigen Entwicklung der Menschen auch die gesellschaftlichen Produktivkräfte einen gewaltigen Aufschwung nehmen und die Gesellschaft bereits auf ihr Banner die Losung geschrieben hat: „Jeder nach seinen Fähigkeiten, jeder nach seinen Bedürfnissen“, hat als ihre Vorstufe den Sozialismus zur geschichtlichen Voraussetzung. Hier beginnt die kommunistische Gesellschaft die kapitalistische Hülle erst abzuwerfen, sie ist noch in jeder Beziehung - wirtschaftlich, moralisch und geistig - mit den Muttermalen der alten Gesellschaft behaftet, deren Schoß sie entsprungen ist.

Die Produktivkräfte des Sozialismus sind noch nicht in dem Maße entwickelt, dass eine Verteilung der Erzeugnisse der Arbeit entsprechend den Bedürfnissen eines jeden möglich wäre . Die Verteilung erfolgt vielmehr nach der Leistung. Die Arbeitsteilung, das heisst, die Zuweisung bestimmter Arbeitsfunktionen an bestimmte Gruppen von Menschen, ist hier noch nicht überwunden, so dass der Gegensatz von Hand- und Kopfarbeit in der Hauptsache noch weiter besteht. Trotz der Aufhebung der Klassen sind noch Überreste der alten Klassenteilung in der Gesellschaft vorhanden, folglich auch Überreste der proletarischen Staatsgewalt, des Zwanges, des Rechts. Es bleiben somit noch gewisse Reste der Ungleichheit bestehen, die noch nicht absterben konnten.. Unbeseitigt und unüberwunden bleibt auch noch der Gegensatz zwischen Stadt und Land. Allein alle diese Überreste der alten Gesellschaft werden von keiner gesellschaftlichen Kraft mehr geschützt und verteidigt. Da sie an eine bestimmte Entwicklungsstufe der Produktivkräfte gebunden sind, verschwinden sie in dem Maße, wie die von der Fessel der kapitalistischen Ordnung befreite Menschheit sich die Naturkräfte unterwirft, sich selbst im Geiste des Kommunismus neu erzieht und vom Sozialismus zum vollendeten Kommunismus fortschreitet.

Zu Teil II des Programms der Komintern von 1928



Zu Teil III des Programms der Komintern von 1928