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Das
Programm
der Kommunistischen Internationale
- letzter 3. Teil -
8. Der Kampf für die Weltdiktatur des Proletariats und die Haupttypen der Revolutionen.
Die internationale Revolution des Proletariats besteht aus einer Reihe ungleichzeitiger und ungleichartiger Prozesse:
rein proletarische Revolutionen; Revolutionen von bürgerlich-demokratischem Typus, die in proletarische Revolutionen umschlagen; nationale Befreiungskriege und koloniale Revolutionen. Erst am Ende seiner Entwicklung führt dieser revolutionäre Prozess zur Weltdiktatur des Proletariats.
Die in der Epoche des Imperialismus gesteigerte Ungleichmäßigkeit der Entwicklung des Kapitalismus hat eine größere Verschiedenartigkeit seiner Typen, hat Unterschiede im Reifegrad und mannigfaltige, besondere bedingungen des revolutionären Prozesses in den einzelnen Ländern erzeugt. Eine historisch notwendige Folge dieser Umstände sind, die Mannigfaltigkeit der Wege und die Unterschiede im Tempo der Machtergreifung des Proletariats wie die Unvermeidlichkeit gewisser Übergangsstadien zur proletarischen Diktatur in einer Reihe von Ländern. Infolgedessen nimmt auch der Aufbau des Sozialismus in einzelnen Ländern verschiedene Formen an.
Die mannigfaltigen Bedingungen und Wege des Überganges zur proletarischen Diktatur in den einzelnen Ländern lassen sich schematisch auf folgende drei Typen zurückführen:
Hochentwickelte kapitalistische Länder (Vereinigte Staaten, Deutschland, England, usw. ) mit mächtig entfalteten Produktivkräften - weitgehend zentralisierter Produktion, verhältnismäßig geringem spezifischen Gewicht der Kleinbetriebe und mit einem bereits seit langem bestehenden bürgerlich-demokratischen Regime. In diesen Ländern ist die politische Hauptforderung des Programms der unmittelbare Übergang zur Diktatur des Proletariats. Auf wirtschaftlichem Gebiete sind die wesentlichen Forderungen; Expropriation sämtlicher Großbetriebe, die Schaffung einer beträchtlichen Anzahl staatlicher Sowjetgüter, Übergabe nur eines relativ unerheblichen Teiles des Bodens an die Bauernschaft; verhältnismäßig geringer Umfang der elementaren Marktbeziehungen; rasche sozialistische Entwicklung im Allgemeinen und insbesondere Kollektivisierung der Bauernwirtschaft.
Länder auf mittlerer kapitalistischer Entwicklungsstufe (Spanien, Portugal, Polen, Ungarn, die Balkanländer usw.), mit erheblichen Resten halbfeudaler Verhältnisse in der Landwirtschaft; mit dem notwendigen Minimum der materiellen Voraussetzungen zum Aufbau des Sozialismus; Länder, in denen die bürgerlich-demokratische Umwälzung noch nicht abgeschlossen ist. In manchen dieser Länder ist ein mehr oder minder rasches Umschlagen der bürgerlich-demokratischen Revolution in die sozialistische, in anderen sind Typen proletarischer Revolutionen mit umfangreichen Aufgaben bürgerlich-demokratischer Natur möglich. Im ersten Falle ist es daher möglich, dass die Diktatur des Proletariats nicht unmittelbar, sondern erst im Verlaufe des Überganges von der demokratischen Diktatur des Proletariats und der Bauernschaft, zur sozialistischen Diktatur des Proletariats eintritt; im anderen Falle, wo sich die Revolution unmittelbar als proletarische entwickelt, setzt sie die Führung einer breiten Agrar- und Bauernbewegung durch das Proletariat voraus; die Agrarrevolution spielt eine ungeheure, manchmal entscheidende Rolle; im Laufe der Enteignung des großen Grundbesesitzes geht ein erheblicher Teil des enteigneten Grund und Bodens in die Hand der Bauernschaft über; das Ausmaß der Marktbeziehungen ist nach dem Siege des Proletariats bedeutend; der genossenschaftliche Zusammenschluss der Bauernschaft und ihre Zusammenfassung in großen Produktionseinheiten, gewinnen im Rahmen der verschiedenen Aufgaben des sozialistischen Aufbaus allergrößte Bedeutung. Das Tempo des Aufbaus des Sozialismus ist relativ langsam.
Koloniale und halbkoloniale Länder (China, Indien, usw.) und unabhängige Länder (Argentinien, Brasilien usw.) mit bestimmten Ansätzen, zuweilen sogar mit einer erheblichen, für einen selbständigen Aufbau des Sozialismus jedoch ungenügenden Entwicklung der Industrie, mit vorherrschend mittelalterlich feudalen Verhältnissen oder der asiatischen Produktionsweise sowohl in der Wirtschaft als auch im politischen Überbau; schließlich mit Konzentration der ausschlaggebenden Industrie-, Hanels- und Bankunternehmen, der wichtigsten Transportmittel, der Latifundien, Pflanzungen usw. In der Hand ausländischer, imperialistischer Gruppen. In diesen Ländern haben entscheidende Bedeutung der Kampf gegen den Feudalismus und die vorkapitalistischen Formen der Ausbeutung, sowie die konsequente Agrarrevolution der Bauernschaft und der Kampf gegen den ausländischen Imperialismus und für die nationale Unabhängigkeit. Der Übergang zur proletarischen Diktatur ist hier in der Regel erst über eine Reihe von Vorbereitungsstufen, erst als Ergebnis einer ganzen Periode des Umschlagens der bürgerlich-demokratischen Revolution in die sozialistische möglich. Der erfolgreiche Aufbau des Sozialismus ist in den meisten dieser Länder nur möglich bei unmittelbarer Unterstützung durch die Länder der proletarischen Diktatur.
In noch rüchständigeren Ländern (z.B. In einigen Teilen Afrikas), wo es beinahe keine oder gar keine Lohnarbeiter gibt, wo die Mehrheit der Bevölkerung in einer Stammesordnung lebt und sich noch Überreste der Urformen des Stammesteilung erhalten haben; wo es an einer nationalen Bourgeoisie fast gänzlich fehlt und der ausländische Imperialismus in erster Linie als bewaffneter Eroberer auftritt, der den Boden raubt, - in diesen Ländern ist der Kampf für die nationale Befreiung die Hauptsache. Die nationale Erhebung und ihr Sieg können in solchen Ländern den Weg zum Sozialismus mit Überspringung des kapitalistischen Stadiums eröffnen, wenn ihnen die Länder der proletarischen Diktatur tatkräftige Hilfe angedeihen lassen.
In einer Epoche, wo in den fortgeschrittenen kapitalistischen Ländern die Machteroberung durch das Proletariat auf die Tagesordnung gestellt ist und wo in der Sowjetunion bereits die proletarische Revolution besteht und einen Faktor von Weltbedeutung darstellt, können die durch das Eindringen des Weltkapitalismus in den kolonialen und halbkolonialen Ländern hervorgerufenen Freiheitsbewegungen - trotz der Unreife der sozialen Verhältnisse dieser Länder, isoliert betrachtet - mit Hilfe und Unterstützung der Diktatur des Proletariats und der internationalen Arbeiterbewegung zur Entwicklung zum Sozialismus gelangen.
9. Der Kampf für die Weltdiktatur des Proletariats und die kolonialen Revolutionen
Die eigentümlichen Bedingungen des revolutionären Kampfes in den kolonialen und halbkolonialen Ländern, die Unvermeidlichkeit lange währender Kämpfe um die demokratische Diktatur des Proletariats und der Bauernschaft und das Hinüberwachsen dieser Diktatur in die Diktatur des Proletariats; schließlich die ausschlaggebende Bedeutung nationaler Momente in diesem Ringen stellen den kommunistischen Parteien dieser Länder eine Reihe von besonderen Aufgaben, deren Lösung eine Voraussetzung für die Bewältigung der allgemeinen Aufgaben der proletarischen Diktatur bildet.
Als die wichtigsten dieser Aufgaben betrachtet die Kommunistische Internationale die folgenden:
1. Sturz des ausländischen Imperialismus, des Feudalismus und der feudalen Bürokratie;
2. Errichtung der demokratischen Diktatur des Proletariats und der Bauernschaft auf der Grundlage der Räte;
3. Völlige nationale Unabhängigkeit und staatliche Einheit;
4. Annulierung der Staatsschulden,
5. Nationalisierung der den Imperialisten gehörenden Großunternehmen ( der Industrie, des Transports, der Banken usw.);
6. Die Enteignung des Großgrundbesitzes, der Kirchen, der Klosterländereien, Nationalisierung des gesamten Grund und Bodens;
7. Einführung des Achtstundentages;
8. Schaffung einer revolutionären Arbeiter- und Bauernarmee.
Mit der fortschreitenden Entwicklung und Verschärfung des weiteren Kampfes (Sabotage der Bourgeoisie, Konfiskation der den sabotierenden Teilen der Bourgeoisie gehörenden Betriebe, die unvermeidlich zur Nationalisierung der Großindustrie wird), wird in jenen Kolonien und Halbkolonien, wo das Proletariat die Rolle des Führers und Hegemons spielt, die konsequente bürgerlich-demokratische Revolution in die proletarische hinüberwachsen. In Kolonien, in denen kein Proletariat vorhanden ist, muss der Sturz der imperialistischen Macht begleitet sein von der Organisierung der Macht der Volks- (Bauern ) Räte, von der Konfiskation der Betriebe und des Bodens der Ausländer und der Übergabe dieser Besitztümer an den Staat.
Vom Standpunkt des Kampfes gegen den Imperialismus und der Erkämpfung der Macht durch die Arbeiterklasse spielen die kolonialen Revolutionen und nationalen Freiheitsbewegungen die allergrößte Rolle. In der Übergangsperiode sind die Kolonien und Halbkolonien auch deshalb von Bedeutung, weil sie gegenüber den Industrieländern, die in der Weltwirtschaft die Rolle der Weltstadt spielen, das Weltdorf darstellen. Dabei wird die Frage der Organisierung der sozialistischen Weltwirtschaft, der richtigen Verbindung von Industrie und Landwirtschaft in hohem Maße zur Frage des Verhältnisses zu den ehemaligen Kolonien des Imperialismus. Ein brüderliches Kampfbündnis mit den werktätigen Massen der Kolonien herzustellen, ist daher eine der Hauptaufgaben des industriellen Weltproletariats, als des Hegemon und Führers im Kampfe gegen den Imperialismus.
Der Gang der Weltrevolution treibt die Arbeiter der imperialistischen Staaten in den Kampf für die proletarische Diktatur und rüttelt zugleich Hunderte von Millionen kolonialer Arbeiter und Bauern zum Kampfe gegen den ausländischen Imperialismus auf. Sobald Zentren des Sozialismus in Gestalt der sozialistischen Räte-Republiken mit ihrer zunehmenden wirtschaftlichen Macht bestehen, vollzieht sich die wirtschaftliche Annäherung und schrittweise Vereinigung der vom Imperialismus abgefallenen Kolonien mit den Industriezentren des Weltsozialismus. Damit werden sie in den Aufbau des Sozialismus hineingezogen, überspringen die Stufe der Entwicklung des Kapitalismus als herrschendes System und erhalten die Möglichkeit rascher wirtschaftlichen und kulturellen Fortschritts. Die Bauernräte der rückständigen und die Arbeiter- und Bauernräte der fortgeschritteneren ehemaligen Kolonien gruppieren sich politisch um die Zentren der proletarischen Diktatur und werden so in das allgemeine System der stets wachsenden Föderation der Räte-Republiken und damit in das System der Weltdiktatur des Proletariats einbezogen.
So erhält die Entwicklung des Sozialismus als neue Produktionsweise Weltausmaß.
V
Die Diktatur des Proletariats in der Sowjetunion und die internationale sozialistische Revolution
1. Der Aufbau des Sozialismus in der Sowjetunion und der Klassenkampf
Der klarste Ausdruck der tiefgehenden Krise des kapitalistischen Systems ist die Spaltung der Weltwirtschaft in kapitalistische Länder und in Länder des sozialistischen Aufbaus. Das innere Erstarken der proletarischen Diktatur in der Sowjetunion, die Erfolge des sozialistischen Aufbaus, der wachsende Einfluss und das steigende Ansehen der Sowjetunion bei den proletarischen Massen und den unterdrückten Kolonialvölkern, bedeuten auch das Erstarken, die Fortführung und Entfaltung der internationalen sozialistischen Revolution.
Die Arbeiter der Sowjetrepubliken verfügten in ihrem Lande über die notwendigen und hinreichenden materiellen Voraussetzungen, nicht nur für den Sturz der Großgrundbesitzer und der Bourgeoisie, sondern auch für den Aufbau des vollkommenen Sozialismus. Sie haben mit Hilfe des internationalen Proletariats den Angriff der bewaffneten Kräfte der inneren und äußeren Konterrevolution heldenmütig zurückgeschlagen. Sie haben ihr Bündnis mit der Hauptmasse der Bauernschaft gefestigt und große Erfolge auf dem Gebiete des sozialistischen Aufbaues errungen.
Der Verbindung der proletarischen sozialistischen Industrie mit der kleinbürgerlichen Wirtschaft, die der Landwirtschaft die Entwicklung ihrer Produktivkräfte, und der sozialistischen Industrie die führende Rolle sichert; das engen Bündnis der Industrie mit der Landwirtschaft und ihrer Anpassung an diese, an Stelle der kapitalistischen Befriedigung des unproduktiven Verbrauchs parasitärer Klassen, Produktion nicht um des kapitalistischen Profits willen, sondern zur Befriedigung des rasch wachsenden Massenbedarfs ein Umschwung, der letzten Endes auch in hohem Maße zur Entfaltung der gesamten Produktion antreibt; endlich die höchste Konzentration der witschaftlichen Machtposition in den Händen des proletarischen Staates, die Zunahme der Elemente planmäßiger Wirtschaftsführung und die damit verbundenen Ersparnisse und die zweckmäßigste Verteilung der Produktionsmittel - all das gibt dem Proletariat die Möglichkeit, auf dem Wege des sozialistischen Aufbaus rasch fortzuschreiten.
Durch die Hebung der Produktivkräfte der gesamten Volkswirtschaft, durch den festen Kurs auf die Industrialisierung, deren rasches Tempo von der internationalen wie von der inneren Lage diktiert wird, erhöht das Proletariat der Sowjetunion, ungeachtet aller planmäßig wiederkehrenden finanziellen und wirtschaftlichen Boykottversuche der kapitalistischen Mächte, das spezifische Gewicht des vergesellschafteten (sozialistischen) Teiles der Volkswirtschaft und erhöht so seinen Anteil an den Produktionsmitteln wie auch an der Gesamtproduktion und am Warenumsatz des ganzen Landes. Infolge der Nationalisierung des Bodens und der steigenden Industrialisierung des Landes fürhren die sozialistische Staatsindustrie, das sozialistische Verkehrs- und Bankwesen vermittels des staatlichen Handels und der rasch wachsenden Genossenschaften, die kleinen und kleinsten Bauernwirtschaften mehr und mehr hinter sich her.
In der Landiwrtschaft vollzieht sich der Aufschwung der Produktivkräfte unter Bedingungen, die der Differenzierung innerhalb der Bauernschaft Schranken ziehen (Nationalisierung des Bodens und damit Verbot des Kaufes und Verkaufes von Grund und Boden, scharf progressive Besteuerung, Finanzierung der Genossenschaften und Produktionsgemeinschaften der Masse der armen und mittleren Bauern, gesetzliche Regelung der Verwendung von Lohnarbeit, Beschränkung der politischen und sozialen Rechte der Großbauern, besondere Organisationen der Dorfarmut usw.). Insoweit jedoch die Produktivkräfte der sozialistischen Industrie noch nicht jene Entwicklungshöhe erreicht haben, die eine umfassende Reorganisierung der Landwirtschaft auf der Grundlage der neuen landwirtschaftlichen Technik und damit unmittelbar den raschen Zusammenschluss der Bauernwirtschaften zu großen Gemeinschaften (Kollektivwirtschaften) ermöglicht, entwickelt sich bis zu einem bestimmten Grade auch das Großbauerntum. Das Großbauerntum seinerseits verbindet sich wirtschaftlich, nach und nach aber auch politisch mit der sogenannten neuen Bourgeoisie.
Das Proletariat der Sowjetunion hat alle entscheidenden wirtschaftlichen Kommandohöhen inne; es verdrängt systematisch die Überreste des städtischen Privatkapitals, dessen Anteil an der Gesamtwirtschaft in der Periode der Neuen Ökonomoschen Politik sehr stark gesunken ist; es hemmt auf jede Weise das Wachstum der ländlichen Ausbeuterschichten, die aus der Entwicklung der Waren- und Geldwirtschaft entstehen; es unterstützt die bestehenden Sowjetwirtschaften auf dem Dorfe und fördert die Gründung neuer; es fügt die Hauptmasse der bäuerlichen einfachen Warenproduzenten dem Gesamtsystem seiner Wirtschaft und damit auch den sozialistischen Aufbau ein, auf dem Wege des rasch fortschreitenden genossenschaftlichen Zusammenschlusses, der unter der proletarischen Diktatur dank der führenden wirtschaftlichen Rolle der sozialistischen Industrie mit der Entwicklung des Sozialismus identisch ist. Das Proletariat stellt sich mit dem Übergang vom Prozess des Wiederaufbaus zur erweiterten Reproduktion der gesamten technischen Produktionsgrundlage des Landes neue Aufgaben, an deren Erfüllung es bereits gegangen ist; die Schaffung neuer Produktionsanlagen (Produktion von Produktionsmitteln schlechthin, Aufbau der Schwerindustrie, besonders Elektrifizierung) in der Landwirtschaft neben der weiteren Förderung der Absatz-, Einkaufs-, und Kreditgenossenschaften, die unmittelbare und immer breitere Massen erfassende Organisierung der Bauernschaft in Produktivgenossenschaften auf der Grundlage des Kollektivismus, eine Aufgabe, die umfassende, materielle Hilfe seitens des proletarischen Staates erfordert.
So schreitet der Sozialismus, der bereits in der Sowjetunion zur entscheidenden ökonomischen Macht geworden ist und der der Entwicklung ihrer Wirtschaft seinen Stempel aufdrückt, mehr und mehr seiner Vollendung entgegen, indem er systematisch die Schwierigkeiten überwindet, die dem kleinbürgerlichen Charakter des Landes entspringen und mit Perioden vorübergehender Verschärfung der Klassengegensätze verbunden sind.
Die Notwendigkeit der technischen Neueinrichtung der Industrie und großzügiger Neuanlagen rufen auf dem Wege der sozialistischen Entwicklung eine Reihe erheblicher Schwierigkeiten hervor, die letzten Endes der technischen und wirtschaftlichen Rückständigkeit des Landes, seiner Zerrüttung durch Weltkrieg und Bürgerkrieg entspringen. Dessen ungeachtet bessert sich die Lebenshaltung der Arbeiterklasse und der breiten Massen der Werktätigen fortgesetzt. Hand in hand mit der fortschreitenden sozialistischen Rationalisierung und wissenschaftlichen Organisierung der Industrie wird schrittweise der 7 stündige Arbeitstag eingeführt, der weitere Perspektiven für die Besserung der Arbeits- und Lebensbedingungen des Proletariats erschließt.
Gestützt auf die ökonomische Erstarkung der Sowjetunion, auf die ununterbrochen wachsende Bedeutung des sozialistischen Teiles der Wirtschaft, zieht die Arbeiterklasse, unter der Führung der in den revolutionären Kämpfen gestählten Kommunistischen Partei immer neue Millionenmassen der Werktätigen in ihre sozialistische Aufbauarbeit hinein. Sie stützt sich dabei im Dorfe auf die Dorfarmut und verbindet sich fest mit der Hauptmasse der Bauernwirtschaft, den Mittelbauern, ohne auch nur einen Augenblick lang den Kampf gegen den Großbauer einzustellen. Die Hauptmittel dazu sind:
Entwicklung breiter Massenorganisationen (die Partei als leitende Kraft, die Gewerkschaften als Rückgrat des ganzen Systems der Diktatur des Proletariats, der Kommunistische Jugendverband, Genossenschaften jeder Art, die Organisationen der werktätigen Frauen, Arbeiterinnen und Bäuerinnen, verschiedene Vereine, Arbeiter- und Bauernkorrespondenten, Sportorganisationen, wissenschaftliche Gesellschaften, Kultrur- und Bildungsorganisationen), und weitgehende Förderung der Initiative der Massen, Heranziehung aund Auslese immer neuer Arbeitskräfte zu leitenden Funktionen auf allen Gebieten der Wirtschaft und Verwaltung. Die dauernde Einbeziehung der Massen in die sozialistische Aufbauarbeit; die fortgesetzte Auffrischung des ganzen Staats-, Wirtschafts-, Gewerkschafts- und Parteiapparates durch neue Funktionäre aus dem Proletariat; die systematische Heranbildung neuer sozialistischer Kader aus den Reihen der Arbeiterschaft. Insbesondere der Arbeiterjugend, durch Hochschulen, Spezialkurse usw. Für alle Zweige der Aufbauarbeit - das sind die wichtigsten Garantien gegen bürokratische Verknöcherung und soziale Entartung der leitenden Kader des Proletariats.
2. Die Sowjetunion und ihre Pflichten gegenüber der internationalen Revolution
Die proletaische Diktatur in der Sowjetunion hat den russischen Imperialismus gestürzt, alle einstigen Kolonien und unterdrückten Nationen des Zarenreiches befreit und durch die Industrialisierung dieser Gebiete eine feste Grundlage für ihre kulturelle und politische Entwicklung geschaffen, sie hat die rechtliche Stellung der autonomen Gebiete, der autonomen Republiken und der Bundesrepubliken in ihrer Verfassung verankert und das Selbstbestimmungsrecht der Nationen in vollem Umfange verwirklicht. Dami sichert sie den verschiedenen Nationalitäten der Union nicht eine formale, sondern die wirkliche Gleichheit.
Als Land der proletarischen Diktatur und des sozialistischen Aufbaus, als Land gewaltigster Errungenschaften der Arbeiterklasse, als Land des Bündnisses des Proletariqats mit der Bauernschaft, als neues Land das unter dem Banner des Marxismus und der Kultur marschiert, wird die Sowjetunion notwendigerweise zur Basis der internationalen Bewegung aller unterdrückten Klassen, zum Hauptherd der internationalen Revolution, zum bedeutsamsten Faktor der Weltgeschichte. In der Sowjetunion erkämpft sich das Proletariat zum ersten Mal in der Geschichte sein Vaterland. Für den Freiheitskampf der Kolonialvölker wird die Sowjetunion zum mächtigsten Anziehungspunkt.
So wird die Sowjetunion in der allgemeinen Krise des Kapitalismus zum bedeutsamen Faktor und das nicht nur deshalb, weil sie die Grundlagen eines neuen, sozialistischen Wirtschaftssystems schafft und damit aus dem kapitalistischen Weltsystem ausgeschieden ist, sondern auch, weil sie eine revolutionäre Rolle ohnegleichen spielt: die Rolle eines Motors der internationalen proletarischen Revolution, der die Proletarier aller Länder zur Machteroberung antreibt; die Rolle des lebendigen Beispiels dafür, dass die Arbeiterklasse nicht nur fähig ist,, den Kapitalismus zu zerstören, dass sie vielmehr auch fähig ist, den Sozialismus aufzubauen; die Rolle des Vorbildes der brüderlichen beziehungen zwischen allen Völkern der Erde in der Union der Sozialistischen Räterepubliken der Welt und des wirtschaftlichen Zusammenschlusses der Werktätigen aller Länder in der einheitlichen Weltwirtschaft des Sozialismus, die das Weltproletariat nach der Eroberung der Staatsmacht verwirklichen wird.
Aus dem Nebeneinanderbestehen zweier Wirtschaftssysteme - des sozialistischen der Sowjetunion und des kapitalistischen der übrigen Länder - erwächst dem Arbeiterstaat die Aufgabe, die Angriffe der kapitalistischen Welt (Boykott, Blockade usw.) abzuwehren. Gleichzeitig hat er aber auch die Aufgabe, wirtschaftlich zu manövrieren und seine ökonomischen Verbindungen mit den kapitalistischen Ländern (mit Hilfe des Außenhandelsmonopols, der Grundvoraussetzung des erfolgreichen sozialistischen Aufbaus, in der Form von Krediten, Anleihen, Konzessionen usw.) auszunutzen. Dabei muss die Leitllinie sein, die Verbindungen mit dem Ausland möglichst umfassend zu gestalten, soweit sie der Sowjetunion zum Nutzen gereichen, d.h., soweit sie der Stärkung der Industrie der Sowjetunion selbst dienen, indem sie die Basis für die Schwerindustrie, die Elektrifizierung und schließlich für den sozialistischen Maschinenbau schaffen. Nur in dem Maße, in dem ihre wirtschaftliche Selbständigkeit gegenüber ihrer kapitalistischen Umgebung gesichert wird, schafft die Sowjetunion eine feste Bürgschaft gegen die Gefahr der Vernichtung ihres sozialisierten Aufbaus und ihrer Verwandlung in ein Anhängsel des kapitalistischen Weltsystems.
Die kapitalistischen Staaten schwanken trotz der Bedeutung des Sowjetmarktes für sie, dauernd zwischen ihren Handelsinteressen und der Angst vor dem Erstarken der Sowjetunion, das gleichzeitig das Wachsen der Weltrevolution bedeutet. Die ausschlaggebende Haupttendenz in der Politik der imperialistischen Staaten ist jedoch das Bestreben, die Sowjetunion einzukreisen und einen konterrevolutionären Krieg gegen sie anzuzetteln, dessen Ziel die Vernichtung der Sowjetunion und die Aufrichtung des Terrorregimes der Bourgeoisie auf der ganzen Welt ist.
Allein weder die beharrlichen Versuche der politischen Einkreisung der Sowjetunion durch den Imperialismus, noch die drohende Kriegsgefahr hindern die Kommunistische Partei der Sowjetunion, als die Sektion der Kommunistischen Internationale, die an der Spitze der proletarischen Diktatur steht, daran, ihre internationalen Pflichten zu erfüllen und allen Unterdrückten - der Arbeiterbewegung der kapitalistischen Länder, wie den Kolonialvölkern im Kampfe gegen den Imperialismus, im Kampfe gegen jede Form nationaler Unterdrückung - beizustehen.
3. Die Pflicht des internationalen Proletariats gegenüber der Sowjetunion
Die Sowjetunion ist das wahre Vaterland des Proletariats, die festeste Stütze seiner Errungenschaften und der Hauptfaktor seiner internationalen Befreiung; das verpflichtet das internationale Proletariat, dem sozialistischen Aufbau in der Sowjetunion zum Erfolge zu verhelfen und das Land der proletarischen Diktatur mit allen Mitteln gegen die Angriffe der kapitalistischen Mächte zu verteidigen.
Die weltpolitische Situation hat jetzt die proletarische Diktatur auf die Tagesordnung gestellt, und unvermeidlich konzentrieren sich alle Vorgänge der Weltpolitik um den einen zentralen Punkt; den Kampf der Weltbourgeoisie gegen die Sowjetrepubliken Russlands, die beharrlich alle Rätebewegungen der fortgeschrittenen Arbeiter aller Länder und alle nationalen Freiheitsbewegungen der Kolonien und unterdrückten Völker um sich scharen muss. (Lenin)
Im Falle eines kriegerischen Überfalles der imperialistischen Staaten auf die Sowjetunion muss die Antwort des internationalen Proletariats sein:
kühne, entschlossene Massenaktionen im Kampf zum Sturze der imperialistischen Regierungen, unter der Losung der Diktatur des Proletariats und des Bündnisses mit der Sowjetunion.
Die Kolonien, vor allem eines imperialistischen Staates, der die Sowjetunion überfällt, müssen die Ablenkung der bewaffneten Kräfte des Imperialismus von ihrem Gebiet dazu ausnutzen, den Kampf gegen diesen mit aller Kraft zu entfesseln, revolutionäre Aktionen zu organisieren und so die imperialistische Herrschaft zu stürzen und sich die volle Unabhängigkeit zu erkämpfen.
Der Aufstieg des Sozialismus in der Sowjetunion das Wachsen ihres internationalen Einflusses entfachen jedoch nicht nur den Hass der imperialistischen Mächte und ihrer sozialdemokratischen Agenten, sondern sie erwecken gleichzeitig auch die größten Sympathien breiter Massen der Werktätigen der ganzen Welt und die Bereitschaft der Unterdrückten aller Länder, mit allen Mitteln für das Land der proletarischen Diktatur zu kämpfen, wenn es vom Imperialismus überfallen wird.
So führen die Entfaltung der Widersprüche der Weltwirtschaft der Gegenwart, die Vertiefung der allgemeinen Krise des Kapitalismus und der bewaffnete Überfall der Imperialisten auf die Sowjetunion mit eiserner Notwendigkeit zu einer gewaltigen revolutionären Explosion. Diese Explosion wird unter ihren Trümmern en Kampitalismus in einer Reihe der sogenannten zivilisierten Länder begraben, sie wird in den Kolonien die siegreiche Revolution entfesseln, die Basis der proletarischen Diktatur gewaltig erweitern und damit einen Riesenschritt zur vollen Verwirklichung des Sozialismus in der ganzen Welt sein.
VI
Die Strategie und Taktik
der Kommunistischen Internationale
im Kampf um die Diktatur des Proletariats
1. Die dem Kommunismus feindlichen Ideologien in der Arbeiterklasse.
In seinem Kampf für die Diktatur des Proletariats gegen den Kapitalismus stößt der revolutionäre Kommunismus innerhalb der Arbeiterklasse auf zahlreiche Strömungen:
die einen von ihnen drücken in höherem oder geringerem Maße die ideologische Unterwerfung unter die imperialistische Bourgeoisie aus, während die anderen den ideologischen Druck des Kleinbürgertums widerspiegeln, das von Zeit zu Zeit gegen die Sklavenketten des Finanzkapitals rebelliert, aber unfähig ist, im Kampfe eine folgerichtige, wissenschaftlich begründete Strategie und Taktik zu verfolgen und diesen Kampf in organisierter Weise auf der Grundlage der strengen Disziplin durchzuführen, die allein dem Proletariat eigen ist.
Die gewaltige soziale Macht des imperialistischen Staates mit allen seinen Hilfsapparaten -Schule, Presse, Theater, Kirche - äußert sich vor allem in dem Bestehen von konfessionellen und reformistischen Strömungen innerhalb der Arbeiterklasse, die das größte Hindernis auf dem Wege zur sozialistischen Revolution des Proletariats sind.
Die konfessionellen, religiös gefärbten Strömungen innerhalb der Arbeiterklasse finden ihren Ausdruck in erster Linie im Bestehen konfessioneller Gewerkschaften, die sich meist in Verbindung mit den gleichgerichteten politischen Organisationen der Bourgeoisie an die eine oder andere kirchliche Organisation der herrschenden Klasse anlehnen (Katholische Gewerkschaften, Christliche Vereine Junger Männer, zionistische Organisationen und dergleichen). Diese Strömungen sind der klarste Ausdruck der ideologischen Befangenheit mancher Schichten des Proletariats; sie tragen zum größten Teil ein romantisch-feudales Gewand. Indem die Leiter solcher Organisationen mit dem Weihwasser der Religion die ganze Niedertracht des kapitalistischen Regimes heiligen und ihre Schäflein durch die Drohung der Höllenqualen terrorisieren, sind sie die reaktionärsten Kolonnen des Klassenfeindes im Lager des Proletariats.
Die zynisch-kommerzielle und weltlich-imperialistische Form der Unterwerfung unter den ideologischen Einfluss der Bourgeoisie ist der moderne sozialistische Reformismus. Er entlehnt alle seine Grundlehren den Gesetzestafeln der imperialistischen Politik und nimmt sich gegenwärtig die bewusste anti-sozialistische und offen konterrevolutionäre Amerikanische Föderation der Arbeit zum Muster. Die ideelle Diktatur der amerikanischen Gewerkschaftsbonzen, dieser Lakaien der Bourgeoisie, ist nur der Ausdruck der ideellen Diktatur des amerikanischen Dollars; mit Hilfe des englischen Reformismus und seinen königlichen Sozialisten aus der Abeiterpartei ist so der amerikanische Reformismus zum Hauptbestandteil der Theorie und Praxis der gesamten internationalen Sozialdemokratie und der Führer der Amsterdamer Internationale geworden. Die deutschen und österreichischen Sozialdemokraten übertünchen diese Theorie mit einer marxistischen Phraseologie und verschleiern so ihren schnöden Verrat am Marxismus. Als Hauptfeind des Kommunismus in der Arbeiterbewegung ist der sozialistische Reformismus, gestützt auf die breite organisatorische Basis in den sozialdemokratischen Parteien und durch diese der reformistischen Gewerkschaften, in seiner ganzen Politik und Theorie eine Kraft, die der proletarischen Revolution entgegenwirkt.
In der Außenpolitik haben die sozialdemokratischen Parteien unter der Flagge der Vaterlandsverteidigung am imperialistischen Krieg aktiv teilgenommen. Die Expansion des imperialistischen Staates und die Kolonialpolitik finden bei ihnen allseitige Unterstützung; die Orientierung auf die konterrevolutionäre heilige Allianz der imperialistischen Staaten (Völkerbund); das Predigen des Ultra-Imperialismus; die Mobilisierung der Massen unter pseudo-pazifistischen Losungen und die gleichzeitige aktive Unterstützung des Imperialismus bei seinen Angriffen auf die Sowjetunion und bei seiner Vorbereitung des Krieges gegen diese - das sind die Grundzüge der Außenpolitik des Reformismus.
Auf dem Gebiet der Innenpolitik hat sich die Sozialdemokratie die unmittelbare Förderung und Unterstützung des kapitalistischen Regimes zur Aufgabe gemacht. Die rückhaltlose Unterstützung der kapitalistischen Rationalisierung und der Stabilisierung des Kapitalismus; die Sicherung des Klassenfriedens, des Wirtschaftsfriedens; die Politik des Verwachsens der Arbeiterorganisationen mit den Organisationen der Unternehmer und des imperialistischen Raubstaates; die Praxis der sogenannten Wirtschaftsdemokratie, die in Wirklichkeit einer Praxis der völligen Unterwerfung unter das Trustkapital gleichkommt; die Liebedienerei für den imperialistischen Staat und insbesondere sein pseudo-demokratisches Aushängeschild; die aktive Beteiligung am Aufbau der Organe dieses Staates, seiner Polizei, Armee, Gendarmerie, seiner Klassenjustiz, die Verteidigung dieses Staates gegen jeden Angriff des revolutionären kommunistischen Proletariats und die Henkerrolle der Sozialdemokratie in Zeiten revolutionärer Krisen - das ist die Linie der Innenpolitik des Reformismus. Der Reformismus führt zum Schein den gewerkschaftlichen Kampf gegen die Bourgeoisie, wobei er als seine Hauptaufgabe betrachtet, auch auf diesem Gebiete den Kampf in einer Weise zu führen, die die Kapitalistenklasse vor Erschütterungen jeder Art bewahrt und in jedem Fall die völlige Unversehrtheit der Grundfesten des kapitalistischen Eigentums sichert.
Auf theoretischem Gebiet hat die Sozialdemokratie den Marxismus völlig preisgegeben. Über die Etappe des Revisionismus gelangte sie zur vollendeten bürgerlich-liberalen Sozialreform und zum offenen Sozialimperialismus. Marxens Lehre von den Widersprüchen des Kapitalismus ersetzte sie durch die bürgerliche Lehre von seiner harmonischen Entwicklung; die Lehre von den Krisen und der Verelendung des Proletariats fegte sie zu den Akten; die kriegerische, flammende Theorie des Klassenkampfes hat sie in die abgeschmackte Predigt vom Klassenfrieden verwandelt; die Lehre von der Verschärfung der Klassengegensätze hat sie gegen das Spießbürgermärchen von der Demokratisierung des Kapitalismus vertauscht; der Theorie von der Unvermeidlichkeit der Kriege hat sie den bürgerlichen Schwindel des Pazifismus und die lügnerische Psalmodel des Ultra-Imperialismus entgegengestellt; die Theorie von dem revolutionären Zusammenbruch des Kapitalismus hat sie in die billige Münze des gesunden Kapitalismus umgefälscht, der auf friedlichem Wege zum Sozialismus werden soll; die Revolution hat sie durch die Evolution ersetzt; die Zerstörung des bürgerlichen Staates - durch die aktive Aufbauarbeit an ihm; die Lehre von der proletarischen Diktatur - durch die Theorie von der Koalition mit der Bourgeoisie; die Lehre von der internationalen proletarischen Solidarität durch das Evangelium von der Verteidigung der imperialistischen Vaterländer; den dialektischen Materialismus von Marx - durch die idealistische Philosophie und das Kokettieren mit den religiösen Abfällen vom Tische der Bourgeoisie.
Innerhalb dieses sozialdemokratischen Reformismus sind einige Richtungen zu unterscheiden, die für die bourgeoise Entartung der Sozialdemokratie ganz besonders kennzeichnend sind.
Der konstruktive Sozialismus ( MacDonald u. Co.), dessen Namen bereits die Idee der Bekämpfung der proletarischen Revolution und die positive Einstellung zur kapitalistischen Ordnung enthält, setzt die liberal-philantropischen, anti-revolutionären bürgerlichen Traditionen der Gesellschaft der Fabier fort (S. Und B. Webb, Bernard Shaw, Lord Olivier u.a.). Durch seine prinzipielle Ablehnung der Diktatur des Proletariats und der Gewaltanwendung im Kampfe gegen die Bourgeoisie unterstützt er den gewaltsamen Kampf gegen das Proletariat und die Kolonialvölker. Als Apologet des kapitalistischen Staates preist er unter der Maske des Sozialismus den Staatskapitalismus an und ist mit den vulgärsten Ideologen des Imperialismus beider Hemisphären eins in der Verurteilung der Lehre vom Klassenkampf als vorwissenschaftlicher Theorie. Als Mittel zur Beseitigung des Kapitalismus predigt der konstruktive Sozialismus ein gemäßigtes Programm der Nationalisierung gegen Entschädigung, der Besteuerung der Grundrente, der Erbschafts- und Gewinnsteuer. Als entschiedener Gegner der proletarischen Diktatur in der Sowjetunion ist der konstruktive Sozialismus im engsten Bündnis mit der Bourgeoisie ein aktiver Feind der kommunistischen Bewegung des Proletariats und der kolonialen Revolution.
Eine besondere Abart des konstruktiven Sozialismus ist der Kooperatismus oder Genossenschafts-Sozialismus (Carles Gide, Totomianz & Co). Auch er lehnt den Klassenkampf entschieden ab und preist die genossenschaftliche Organisierung der Verbraucher als friedliches Mittel der Überwindung des Kapitalismus an, dessen Festigung er in Wirklichkeit mit allen Kräften fördert. Der Genossenschafts-Sozialismus, der in den Massenorganisationen der Konsumgenossenschaften einen weitverzweigten Propagandaapparat zur tagtäglichen systematischen Beeinflussung breiter Massen besitzt, führt einen erbitterten Kampf gegen die revolutionäre Arbeiterbewegung. Er hemmt die Verwirklichung ihrer Ziekle und ist gegenwärtig einer der aktivsten Faktoren im Lager der reformistischen Konterrevolution.
Der sogenannte Gildensozialismus (Penty, Orage, Hobson u.a.) ist ein eklektischer Versuch, den revolutionären Syndikalismus mit dem bürgerlich-liberalen Fabiertum, die anarchistische Dezentralisierung (nationale Industriegilden) werkliche Beschränktheit des Mittelalters mit dem modernen Kapitalismus zu vereinigen. Der Gildensozialismus geht in Worten von der Forderung der Aufhebung des Lohnsystems als einer unmoralischen Einrichtung aus, die durch die Arbeiterkontrolle über die Industrie beseitigt werden soll, und übergeht so völlig die wichtigste Frage, die Frage der Macht. Indem er die Arbeiter, Intellektuellen und Techniker in einer Föderation nationaler Industriegilden zusammenfassen und diese Gilden auf friedlichem Wege (Kontrolle von innen) in Verwaltungsorgane der Industrie im Rahmen des bürgerlichen Staates verwandeln will, verteidigt der Gildensozialismus in Wirklichkeit diesen Staat und vertuscht seinen imperialistischen anti-proletarischen Klassencharakter. Er weist ihm die Rolle eines über den Klassen stehenden Vertreters der Interessen der Konsumenten im Gegensatz zu den in den Gilden organisierten Produzenten zu. Durch sein Predigen der funktionellen Demokratie (d.h., eines Systems der Vertretung der Klassen der kapitalistischen Gesellschaft, als Berufe mit ihren bestimmten Funktionen in der gesellschaftlichen Produktion) bereitet der Gildensozialismus dem Korporationsstaat des Faschismus den Weg. Die Mehrheit der Gildensozialisten lehnt sowohl den Parlamentarismus, als auch die direkte Aktion ab und verurteilt so die Arbeiterklasse zu vollständiger Untätigkeit und passiver Unterwerfung unter die Bourgeoisie. Der Gildensozialismus ist mithin eine trade-unionistisch-utopistischer Opportunismus besonderer Art und kann unmöglich eine andere als anti-revolutionäre Rolle spielen.
Eine besondere Form des sozialdemokratischen Reformismus ist endlich der Austromarxismus. Als Bestandteil der Ideologie des linken Flügels der Sozialdemokratie ist der Austromarxismus eine besonders feingesponnene Art des Betruges an den Arbeitermassen. Er prostetuiert die marxistische Terminologie und bricht gleichzeitig mit den Grundlagen des revolutionären Marxismus (durch den Kantianismus, Machismus usw., der Austromarxisten auf dem Gebiete der Philosophie); er liebäugelt mit der Religion, entlehnt bei den englischen Reformisten die Theorie der funktionellen Demokratie und tritt für den Aufbau der Republik, das heisst, für den Aufbau des bürgerlichen Staates ein. Der Austromarxismus empfiehlt die Zusammenarbeit der Klassen in den Perioden des sogenannten Gleichgewichts der Klassenkräfte, das heisst, gerade dann, wenn eine revolutionäre Krise heranreift. Diese Theorie ist die Rechtfertigung der Koalition mit der Bourgeoisie zur Vernichtung der proletarischen Revolution unter der Maske der Verteidigung der Demokratie gegen die Angriffe der Reaktion. Objektiv und in der Praxis wird die Gewaltanwendung, die der Austromarxismus im Falle von Angriffen der Reaktion für zulässig erklärt, zur Gewalt der Reaktion gegen die proletarische Revolution. Die funktionelle Rolle des Austromarxismus ist die dem Kommunismus bereits zustrebenden Arbeiter zu betrügen; deshalb ist er ein ganz besonders gefährlicher Feind des Proletariats, gefährlicher als der offenen Anhänger des räuberischen Sozialimperialismus.
Wenn alle diese Strömungen als Bestandteile des sozialistischen Reformismus Agenturen der imperialistischen Bourgeoisie im Lager der Arbeiterklasse darstellen, so stößt der Kommunismus auch auf eine Reihe kleinbürgerlicher Strömungen, die die Schwankungen der unbeständigen Gesellschaftsschichten zum Ausdruck bringen (in Zersetzung begriffenes städtisches Kleinbürgertum, Lumpemproletariat, deklassierte Intelligenz und Bohème, verarmte Handwerker, gewisse Schichten des Bauerntums usw.). Diese Strömungen zeichnen sich durch äußerste politische Unbeständigkeit aus, sie verschleiern nicht selten durch eine linke Phraseologie ihre rechte Politik oder verfallen dem Abenteurertum, indem sie die objektive Einschätzung der Kräfte durch prahlerische politische Gestikulationen ersetzen; dabei ist bei ihnen das Umschlagen von haltloser und revolutionärer Prahlerei zum tiefsten Pessimismus und voller Kapitulation vor dem Feind nicht selten. Diese Strömungen können unter gewissen Bedingungen - insbesondere bei scharfen Änderungen der politischen Lage und der Notwendigkeit zeitweiliger Rückzüge - zu den gefährlichsten Desorganisationen der proletarischen Reihen und damit zu Hemmnissen der revolutionären Bewegung des Proletariats werden.
Der Anarchismus, dessen hervorragendste Vertreter (Kropotkin, Jean Grave u.a.) während des Krieges 1914-1918 verräterisch in das Lager der imperialistischen Bourgeoisie übergegangen sind, leugnet die Notwendigkeit umfassender, zentraliiserter und disziplinierter Organisation des Proletariats und macht es damit den mächtigen kapitalistischen Organisationen gegenüber wehrlos. Durch die Propagierung des individuellen Terrors lenkt er das Proletariat von den Methoden der Massenorganisierung und des Massenkampfes ab. Durch die Ablehnung der proletarischen Diktatur vom Standpunkt eines abstrakten Freiheits-Begriffes raubt der Anarchismus dem Proletariat seine wichtigste und schärfste Waffe gegen die Bourgeoisie, gegen ihre Armeen und alle ihre Unterdrückungsorgane. Weit davon entfernt, in den Zentren des proletarischen Kampfes irgendeine Massenbewegung darzustellen, verwandelt sich der Anarchismus immer mehr in eine Sekte, die sich durch ihre ganze Taktik und alle ihre Aktionen - darunter auch ihr Auftreten gegen die Diktatur der Arbeiterklasse in der Sowjetunion - objektiv der Einheitsfront der ant-revolutionären Kräfte einreiht.
Der revolutionäre Syndikalismus, dessen Ideologen in der kritischen Periode des Krieges in nicht geringer Zahl in das Lager der anti-parlamentarischen Konterrevolution faschistischer Art übergingen oder zu friedlichen Reformisten nach sozialdemokratischem Muster wurden, stört überall, wo er Einfluss hat, die Revolutionierung der Massen. Wie der Anarchismus lehnt er den politischen Kampf (insbesondere den revolutionären Parlamentarismus) und die revolutionäre Diktatur des Proletariats ab. Er predigt die zunftmäßige Dezentralisierung der Arbeiterbewegung und besonders der Gewerkschaftsbewegung; er lehnt die Partei des Proletariats ab, leugnet die Notwendigkeit des Aufstandes und überschätzt den Generalstreik (die Taktik der verschränkten Armee). Seine Angriffe gegen die Sowjetunion, die mit seiner Ablehnung der proletarischen Diktatur verbunden sind, stellen ihn in dieser Hinsicht in eine Front mit der Sozialdemokratie.
Alle die gekennzeichneten Strömungen und Richtungen stimmen mit der Sozialdemokratie, dem Hauptfeind der proletarischen Revolution, in der Arbeiterbewegung in der Grundfrage der Politik überein in der Stellung zur proletarischen Diktatur. Daher treten sie alle in einer Front mit der Sozialdemokratie gegen die Sowjetmacht auf. Die Sozialdemokratie, die den Marxismus völlig verraten hat, stützt sich in immer steigendem Maße auf die Ideologie der Fabier, der konstruktiven Sozialisten und der Gildesozialisten. Diese Strömungen werden zur offiziellen liberal-reformistischen Ideologie des bürgerlichen Sozialismus der II. Internationale.
Der Sun-Yat-Senismus war in China die Ideologie des kleinbürgerlichen nationalen Sozialismus . In der Lehre von den drei Prinzipien (Nationalismus, Demokratie, Sozialismus) überdeckte der Begriff des Volkes den Begriff der Klasse; der Sozialismus wurde nicht als eine besondere Produktionsweise dargestellt, die von einer besonderen Klasse, dem Proletariat, verwirklicht wird, sondern als eine verschwommene Vorstellung gesellschaftlichen Wohlergehens; den Kampf gegen den Imperialismus verband er nicht mit den Perspektiven der Entwicklung des Klassenkampfes in China. Deswegen wurde der Sun-Yat-Senismus, der in dem ersten Stadium der chinesischen Revolutuion eine gewaltige fördernde Rolle gespielt hat, mit der fortschreitenden Klassendifferenzierung im weiterenVerlauf der chinesischen Revolution aus einer ideologischen Form ihrer Entwicklung zu ihren Fesseln. Die Epigonen des Sun-Yat-Seninsmus unterstrichen in übertriebener Weise gerade die Züge seiner Ideologie, die objektiv reaktionär sind und machten ihn dadurch zur offiziellen Ideologie der Kuomintang nach ihrer Verwandlung in eine offen konterrevolutionäre Macht. Die ideologische Entwicklung der Massen des chinesischen Proletariats und der werktätigen Bauernschaft muss daher begleitet sein von einem entschiedenen Kampf gegen den Betrug der Kuomintang und der Überwindung dessen, was von der Ideologie des Sun-Yat-Senismus geblieben ist.
Solche Richtungen, wie der Ghandismus in Indien, die durch und durch von religiösen Vorstellungen erfüllt, die rückständigsten und wirtschaftlich reaktionären Lebensformen idealisieren, die den Ausweg nicht im proletarischen Sozialismus, sondern in der Rückkehr zu diesen rückständigen Formen erblicken, passive Duldung predigen und den Klassenkampf verneinen, verwandeln sich im Prozess der Entwicklung der Revolution offen in reaktionäre Mächte. Der Ghandismus wird mehr und mehr zu einer Ideologie, die sich gegen die Revolution der Volksmassen richtet. Er muss vom Kommunismus rücksichtslos bekämpft werden.
Der Garvayismus, der die Ideologie der kleinbürgerlichen Schwarzen und der schwarzen Arbeiter Amerikas war und der auch heute noch einen gewissen Einfluss auf die Masse der Schwarzen hat, ist gegenwärtig ebenfalls ein Hemmnis der Revolutionierung dieser Massen geworden. Während er anfänglich für die volle soziale Gleichberechtigung der Schwarzen eintrat, wurde er zu einer Art Zionismus der Schwarzen, der statt des Kampfes gegen den amerikanischen Imperialismus die Losung aufstellte: Zurück nach Afrika. Diese gefährliche Ideologie, die jedes echt demokratischen Zuges bar ist und mit den aristokratischen Attributen eines nicht existierenden Negerreiches spielt, muss auf das Schärfste bekämpft werden, da sie den Befreiungskampf der Masse der Schwarzen gegen den amerikanischen Imperialismus nicht fördert, sondern hemmt.
Allen diesen Tendenzen steht der proletarische Kommunismus gegenüber. Als machtvolle Ideologie der revolutionären Arbeiterklasse der ganzen Welt unterscheidet er sich von allen diesen Strömungen und vor allem von der Sozialdemokratie dadurch, dass er in voller Übereinstimmung mit der Lehre von Marx und Engels in Theorie und Praxis den revolutionären Kampf für die Diktatur des Proletariats führt und hierbei alle Formen der proletarischen Massenaktion anwendet.
2. Die Hauptaufgaben der kommunistischen Strategie und Taktik
Der siegreiche Kampf der Kommunistischen Internationale um die proletarische Diktatur setzt in jedem Lande das Bestehen einer geschlossenen, kampfgestählten, disziplinierten und zentralisierten Kommunistischen Partei voraus, die aufs engste mit den Massen verbunden ist.
Die Partei ist die Vorhut der Arbeiterklasse, zusammengesetzt aus den besten, bewusstesten, aktivsten und tapfersten ihrer Angehörigen. Sie verkörpert die Zusammenfassung der Erfahrungen des gesamten Kampfes des Proletariats. Gestützt auf die revolutionäre Theorie, den Marxismus-Leninismus, verkörpert die Partei durch die tägliche Vertretung der dauernden, allgemeinen Interessen der ganzen Klasse die Einheit der proletarischen Grundsätze, des proletarischen Wollens und des proletarischen revolutionären Handelns. Sie ist die revolutionäre Organisation, die durch eiserne Disziplin und die strengste revolutionäre Ordnung des demokratischen Zentralismus zusammengehalten wird; sie wird zu dieser Organisation durch das Klassenbewusstsein der proletarischen Avantgarde, durch ihre Hingabe an die Revolution, durch ihre Fähigkeit, ununterbrochen mit den proletarischen Massen verbunden zu sein, und durch die Richtigkeit der politischen Führung, die durch die Erfahrung der Massen selbst immer wieder überprüft und klargestellt wird.
Um ihre historische Aufgabe - die proletarische Diktatur zu erringen - erfüllen zu können, muss sich die Kommunistische Partei folgende strategische Ziele stellen und sie erreichen:
Die Eroberung der Mehrheit der eigenen Klasse, die Proletarierinnen und die Arbeiterjugend inbegriffen. Um dies zu erreichen, ist es notwendig, den entscheidenden Einfluss der kommunistischen Partei auf die großen Massenorganisationen des Proletariats zu sichern (Räte, Gewerkschaften, Betriebsräte, Genossenschaften, Sport- und Kulturorganisationen usw.). Besonders große Bedeutung für die Gewinnung der Mehrheit des Proletariats hat die systematische Arbeit zur Eroberung der Gewerkschaften, dieser umfassenden Massenorganisation des Proletariats, die mit seinen Tageskämpfen eng verbunden sind. Das Wirken in reaktionären Gewerkschaften - ihre geschickte Eroberung, die Gewinnung des Vertrauens der breiten gewerkschaftlich organisierten Massen, die Absetzung und Verdrängung der reformistischen Führer aus ihren Positionen - darin besteht eine der wichtigsten Aufgaben der Vorbereitungsperiode der Revolution.
Die Erkämpfung der proletarischen Diktatur hat auch die Verwirklichung der Hegemonie des Proletariatws über die breiten Schichten der werktätigen Massen zur Voraussetzung. Um das zu erreichen, muss die Kommunistische Partei die Massen der ärmeren Schichten in Stadt und Land, die unteren Schichten der Intellektuellen und die sogenannten kleinen Leute, das heisst, die kleinbürgerlichen Schichten unter ihren Einfluss bringen. Besondere Bedeutung hat die Arbeit zur Wahrnehmung des Einflusses der Partei unter der Bauernschaft. Die Kommunistische Partei muss sich der vollen Unterstützung der dem Proletariat am nächsten stehenden Schichten der Landbevölkerung versichern, das heisst, vor allem der Landarbeiter und der Dorfarmut. Dazu sind besondere Organisationen der Landarbeiter erforderlich, die allseitige Unterstützung ihres Kampfes gegen die Dorfbourgeoisie und energische Arbeit unter den Klein- und Zwergbauern. Was die mittleren Schichten der Bauernschaft betrifft, so soll die Kommunistische Partei ( in Ländern mit entwickeltem Kapitalismus) die Politik ihrer Neutralisierung verfolgen. Die Lösung all dieser Aufgaben durch das Proletariat, das zum Träger der Interessen des ganzen Volkes und zum Führer der breitesten Volksmassen im Kampfe gegen das finanzkapitalistische Joch wird, ist die unbedingte Voraussetzung der siegreichen kommunistischen Revolution.
Vom Standpunkt des Weltkampfes des Proletariats aus sind die wichtigsten strategischen Aufgaben der Kommunistischen Internationale die Aufgaben des revolutionären Kampfes in den Kolonien, Halbkolonien und abhängigen Ländern. Dieser Kampf hat die Sammlung der breitesten Massen der Arbeiterklasse und der Bauernschaft der Kolonien unter der Fahne der Revolution zur Voraussetzung, die nur durch die engste brüderliche Zusammenarbeit des Proletariats der unterdrückenden Nationen mit den werktätigen Massen der unterdrückten Völker erreicht werden kann.
Indem die Kommunistische Internationale unter der Fahne der proletarischen Diktatur in den Ländern der sogenannten zivilisierten Mächte die Revolution gegen den Imperialismus organisiert, unterstützt sie zugleich jede Bewegung gegen die imperialistische Vergewaltigung in den Kolonien, wie in den abhängigen Ländern (z.B. In Lateinamerika); sie entfaltet eine rege Propaganda gegen jede Art von Chauvinismus und imperialistischer Misshandlung der großen und kleinen geknechteten Völker und Rassen (Stellung zu den Schwarzen, den Arbeitern der gelben Rasse, Antisemitismus usw.) und unterstützt deren Kampf gegen die Bourgeoisie der unterdrückenden Nation. Besonders energisch bekämpft die Kommunistische Internationale den Chauvinismus in den Ländern der Großmächte, den die imperialistische Bourgeoisie und ihre sozialdemokratische Agentur der II. Internationale nährt, und stellt der Praxis der imperialistischen Bourgeoisie die Praxis der Sowjetunion gegenüber, die auf ihrem Gebiete die brüderlichen Beziehungen gleichberechtigter Völker verwirklicht hat.
In den imperialistischen Ländern müssen die Kommunistischen Parteien den revolutionären Freiheitsbewegungen der Kolonien und den Bewegungen der unterdrückten Völker überhaupt systematisch Hilfe leisten. In erster Linie ist die aktive Hilfe Pflicht der Arbeiter jenes Landes, von dem die unterdrückte Nation in finanzieller, wirtschaftlicher und politischer Hinsicht abhängig ist. Die Kommunistischen Parteien müssen offen das Recht auf Lostrennung der Kolonien anerkennen und dafür Popaganda entfalten, das heisst, Propaganda für die Unabhängigkeit der Kolonien vom imperialistischen Staat. Anerkennung und Unverzichtbarkeit des Rechtes auf Verteidigung gegen den Imperialismus (also auf den Aufstand und den revolutionären Krieg), mit allen zu Gebote stehenden Mitteln. Die gleiche Politik müssen die Kommunistischen Parteien allen unterdrückten Völkern gegenüber verfolgen.
In den Kolonialen und halbkolonialen Ländern selbst müssen die Kommunistischen Parteien einen kühnen und konsequenten Kampf gegen den ausländischen Imperialismus führen und dabei unablässig für die Idee der Annäherung des Bündnisses mit dem Proletariat der imperialistischen Länder werben.; sie müssen die Losung der Agrarrevolution offen aufstellen, propagieren und in die Tat umsetzen, um so die breiten Massen der Bauern aufzurufen, das feudale Joch von sich zu werfen; sie müssen dem reaktionären, mittelalterlichen Einfluss der Geistlichkeit den Krieg erklären.
Die Hauptaufgabe ist hier die selbständige Organisierung der Arbeiter und Bauern ( in der Kommunistischen Klassenpartei des Proletariats, den Gewerkschaften, Bauernverbänden, Bauernkomitees und im Falle revolutionärer Situationen in den Räten), und ihre Befreiung von dem Einfluss der nationalen Bourgeoisie. Zeitweise Kompromisse mit der nationalen Bourgeoisie sind nur insoweit zulässig, als sie den revolutionären Zusammenschluss der Arbeiter und Bauern nicht behindern und die Bourgeoisie wirklich den Imperialismus bekämpft.
Bei der Festigung ihrer taktischen Linie muss jede Kommunistische Partei die gegebene innere und äußere Lage, das Verhältnis der Klassenkräfte, den Grad der Festigkeit und der Stärke der Bourgeoisie, den Grad der Kampfbereitschaft des Proletariats, die Haltung der Mittelschichten usw. in Rechnung stellen. Diesen Verhältnissen entsprechend bestimmt die Partei ihre Losungen und Kampfmethoden, wobei sie von der Notwendigkeit der Mobilisierung un Organisierung möglichst breiter Massen ausgeht und eine möglichst hohe Stufe dieses Kampfes erstrebt. Beim Heranreifen einer revolutionären Situation stellt die Partei eine Reihe von Übergangslosungen auf und erhebt entsprechend den gegebenen Verhältnissen Teilforderungen, die sie ihrem revolutionären Hauptziel, der Eroberung der Macht und dem Sturz der bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaftsordnung unterordnen muss. Die Tagesforderungen und Tageskämpfe der Arbeiterklasse zu vernachlässigen, ist ebenso unzulässig, wie die Beschränkung der Tätigkeit der Partei auf diese allein. Aufgabe der Partei ist es, ausgehend von den Tagesnöten, die Arbeiterklasse in den revolutionären Kampf um die Macht zu führen.
Im Falle eines revolutionären Aufschwunges, wenn die herrschenden Klassen desorganisiert, die Massen im Zustand revolutionärer Gärung sind, wenn die Mittelschichten dem Proletariat zuneigen und die Massen sich kampf- und opferbereit erweisen, hat die proletarische Partei die Aufgabe, die Massen zum Frontalangriff gegen den bürgerlichen Staat zu führen. Erreicht wird dies durch die Propagierung stufenweise gesteigerter Übergangslosungen (Arbeiterräte, Arbeiterkontrolle der Produktion, Bauernkomitees zur gewaltsamen Aneignung des grundherrlichen Bodens, Entwaffnung der Bourgeoisie und Bewaffnung des Proletariats usw.) und durch die Organisierung von Massenaktionen, denen alle Zweige der Agitation und Propaganda der Partei untergeordnet werden müssen, die Parlamentstätigkeit mit eingeschlossen. Solche Massenaktionen sind Streiks:
Streiks in Verbindung mit Demonstrationen, Streiks in Verbindung mit bewaffneten Demonstrationen und schließlich der Generalstreik vereint mit dem bewaffneten Aufstand gegen die Staatsgewalt der Bourgeoisie.
Diese höchste Form des Kampfes folgt den Regeln der Kriegskunst, setzt einen Feldzugsplan, Offensivcharakter der Kampfhandlungen, unbegrenzte Hingabe und Heldentum des Proletariats voraus. Aktionen dieser Art haben absolute Vorbedingung die organisierung der breiten Massen in Kampfformationanen, die schon durch ihre Form die größten Massen der Werktätigen erfassen und in Bewegung setzen müssen (Arbeiter-, Bauern- und Soldatenräte usw.) und die Steigerung der revolutionären Arbeit in Heer und Flotte.
Beim Übrgang zu neuen, schärferen Losungen muss die folgende Grundregel der politischen Taktik des Leninismus die Richtschnur sein:
Die Partei muss es verstehen, die Massen in die revolutionären Positionen so zu führen, dass sie sich durch ihre eigene Erfahrung von der Richtigkeit der Parteilinie überzeugen.
Wird diese Regel nicht befolgt, so führt das unausbleiblich zur Trennung von den Massen, zum Putschismus und zur ideologischen Entartung des Kommunismus in linken Doktrinarismus, in kleinbürgerliches revolutionäres Abenteuertum. Nicht weniger verderblich ist es, wenn die Partei des Proletariats den Höhepunkt der revolutionären Entwicklung, der kühnen und entschlossenen Angriff auf den Feinderheischt, ungenutzt lässt. Eine solche Gelegenheit verstreichen lassen, ohne zum Aufstand überzugehen, heisst, die Initiative dem Gegner überlasse und die Revolution der Niederlage entgegenzuführen.
Wenn kein revolutionärer Aufschwung vorhanden ist, müssen die Kommunistischen Parteien, ausgehend von den Tagesnöten der Werktätigen, Teillosungen und Teilforderungen aufstellen und sie mit den Hauptzielen der Kommunistischen Internationale verknüpfen. Hierbei dürfen aber die Parteien nicht solche Übergangslosungen aufstellen, die das Vorhandensein einer revolutionären Situation zur Voraussetzung haben und in einer anderen Situation zur Losung des Verwachsens mit dem System kapitalistischer Organisationen werden (z.B. Die Losung der Produktionskontrolle und ähnliche). Teilforderungen und Teillosungen sind die absolute Bedingung einer richtigen Taktik während eine Reihe von Übergangslosungen untrennbar an das Vorhandensein einer revolutionären Situation gebunden sind. Prinzipiell die Aufstellung von Teilforderungen und Übergangslosungen abzulehnen, ist jedoch ebenfalls mit den Grundsätzen des Kommunismus unvereinbar, da eine Taktik dieser Art die Partei praktisch zur Passivität verurteilt und von den Massen isoliert.
Die Taktik der Einheitsfront als Mittel des erfolgreichen Kampfes gegen das Kapital, der Klassenmobilisierung der Massen, und der Entlarvung und Isolierung der reformistischen Führer, ist so ein wesentlicher Bestandteil der Taktik der Kommunistischen Internationale während der ganzen vorrevolutionären Periode.
Die richtige Anwendung der Einheitsfronttaktik und die Gewinnung der Massen hat die systematische, beharrliche Arbeit in den Gewerkschaften und in den anderen Massenorganisationen des Proletariats zur Voraussetzung. Die Zugehörigkeit zu einer Gewerkschaft, selbst zur reaktionärsten - wenn sie nur Massencharakter hat ist die unmittelbare Pflicht jedes Kommunisten. Nur durch stete, konsequente Arbeit in Gewerkschaft und Betrieb zur standhaften und energischen Verteidigung der Arbeiterinteressen und durch rücksichtslosen Kampf gegen die reformistische Bürokratie kann die Führung des Kampfes der Arbeiter erobert, können die gewerkschaftlich organisierten Arbeitermassen für die Partei gewonnen werden.
Im Gegensatz zu den Spaltungsversuchen der Reformisten vertreten die Kommunisten die Einheit der Gewerkschaften in den einzelnen Ländern und in der ganzen Welt auf der Grundlage des Klassenkampfes und unterstützen allseits die Arbeit der Roten Gewerkschaftsinternationale.
Indem die Kommunistischen Parteien überall die täglichen Bedürfnisse der Arbeitermassen und der gesamten Werktätigen verteidigen, die Tribüne der bürgerlichen Parlamente für die Zwecke der revolutionären Propaganda und Agitation ausnutzen und alle Teilaufgaben dem Ziel, dem Kampf um die Diktatur des Proletariats unterordnen, stellen die Parteien der Kommunistischen Internationale auf folgenden gebieten Teilforderungen und Teillosungen auf:
Zur Verteidigung der Interessen der Arbeiter im engeren Sinne - Fragen des wirtschaftlichen Kampfes (Abwehr der Angriffe des Trustkapitals, Lohn- und Arbeitszeitfragen, Zwangsschlichtungswesen, Arbeitslosigkeit), die in Fragen des politischen Kampfes übergehen (große Industriekonflikte, Gewerkschafts- und Streikrecht usw.); Fragen unmittelbar politischen Charakters (Steuern, Teuerung, Faschismus, Verfolgung revolutionärer Parteien, weißer Terror, Politik der Regierung überhaupt); schließlich die Fragen der Weltpolitik: Verhalten zur Sowjetunion und den kolonialen Revolutionen, Kampf für die Einheit der internationalen Gewerkschaftsbewegung, Kampf gegen Imperialismus und Kriegsgefahr und systematische Vorbereitung des Kampfes gegen den imperialistischen Krieg.
Für die Bauernschaft betreffen die Teilforderungen:
die Steuerpolitik, die die hypothekarische Verschuldung der Bauernschaft, Bekämpfung des Wucherkapitals, Bodenmangel der Dorfarmut, Pachtzins und Nutzungsrechte usw. Von diesen Teilforderungen ausgehend, muss die Kommunistische Partei ihre Losungen entsprechend steigern bis zur Zusammenfassung in der Losung: Konfiskation des Großgrundbesitzes und der Losung: Abeiter- und Bauernregierung (in den entwickelten kapitalistischen Ländern als Synonym der proletarischen Diktatur, in den rückständigen Ländern und einer Anzahl von Kolonien als Synonym der demokratischen Diktatur des Proletariats und der Bauernschaft).
In gleicher Weise ist eine systematische Arbeit unter der (vor allem durch die Kommunistische Jugendinternationale und ihre Sektionen) und unter den Frauen, die Proletarierinnen und Bäuerinnen zu entfalten. Diese Arbeit muss, ausgehend von den besonderen Bedingungen des Lebens und des Kampfes dieser Schichten, ihre Forderungen mit den allgemeinen Forderungen und Kampflosungen des Proletariats verbinden.
Im Kampfe gegen die Unterdrückung der Kolonialvölker müssen die kommunistischen Parteien in den Kolonien selbst Teilforderungen aufstellen, die den besonderen Verhältnissen entsprechend wie:
Gleichberechtigung aller Nationen und Rassen, Abschaffung aller Privilegien der Ausländer, Freiheit der Arbeiter- und Bauernorganisationen, Verkürzung des Arbeitstages, Verbot der Kinderarbeit, Annulierung der wucherischen Schuldverträge, Senkung oder Abschaffung des Pachtzinses, Erleichterung der Steuerlast, Steuerstreik usw.
Alle diese Teilforderungen müssen folgenden Grundforderungen der Kommunistischen Partei untergeordnet werden:
Völlige politische Unabhängigkeit des Landes und Vertreibung der Imperialisten, Arbeiter- und Bauernregierung, der Boden dem ganzen Volke, Achtstundentag usw.
In den Ländern des Imperialismus müssen die Kommunistischen Parteien Kampagnen für die Zurückziehung der imperialistischen Truppen aus den Kolonien führen, in Heer und Flotte rege Propaganda zur Verteidigung der unterdrückten Völker in ihrem Freiheitskampfe entfalten, die Massen zur Verhinderung der Waffen- und Truppentransporte mobilisieren, Streiks und andere Formen des Massenprotestes organisieren usw.
Kampf gegen die imperialistische Kriegsgefahr!
Ganz besondere Aufmerksamkeit muss die Kommunistische Internationale der zielbewussten Vorbereitung des Kampfes gegen die Gefahr imperialistischer Kriege widmen. Schonungslose Entlarvung des Sozialchauvinismus, des Sozialimperialismus und der pazifistischen Phrasen, die nur die imperialistischen Pläne der Bourgeoisie verschleiern; Propagierung der Hauptlosungen der Kommunistischen Internationale im Kampfe gegen die Kriegsgefahr sind:
Umwandlung des imperialistischen Krieges in den Bürgerkrieg, Niederlage der eigenen imperialistischen Regierung, Verteidigung der Sowjetunion und der Kolonien im Falle eines imperialistischen Krieges gegen sie, mit allen zu Gebote stehenden Mitteln. Die Propagierung dieser Losungen, die Entlarvung der sozialistischen Sophismen und der sozialistischen Verschleierungen des Völkerbundes, das stete Wachhalten der Erinnerung an die Lehren des Weltkrieges von 1914 - all das ist unabweisbare Pflicht aller Sektionen und aller Mitglieder der Kommunistischen Internationale.
Zur Koordinierung der revolutionären Tätigkeit und der revolutionären Aktionen, wie zu ihrer zweckmäßigen Leitung bedarf das Proletariat der internationalen Klassendisziplin, deren wichtigste Voraussetzung die strengste Disziplin der Kommunistischen Parteien ist. Diese internationale kommunistische Disziplin muss ihren Ausdruck finden in der Unterordnung der Lokal- und Sonderinteressen der Bewegung unter die gemeinsamen und dauernden Interessen und in der vorbehaltlosen Durchführung aller Beschlüsse der leitenden Organe der Kommunistischen Internationale.
Im Gegensatz zur sozialdemokratischen II. Internationale, deren Parteien sich lediglich der Disziplin ihrer nationalen Bourgeoisie, und ihres Vaterlandes unterwerfen, kennen die Sektionen der Kommunistischen Internationale nur eine Disziplin:
die Disziplin des Weltproletariats, die den Kampf der Arbeiter aller Länder für die Weltdiktatur des Proletariats den Sieg sichert. Im Gegensatz zur II. Internationale, die die Gewerkschaftsbewegung spaltet, wider die Kolonialvölker kämpft und die die Einheit mit der Bourgeoisie pflegt, ist die Kommunistische Internationale die Organisation, die auf der Wacht steht für die Einheit der Proletarier aller Länder, der Werktätigen aller Rassen und Völker in dem Kampf gegen das Joch des Imperialismus.
Kühn und unerschrocken führen die Kommunisten diesen Kampf auf allen Abschnitten der internationalen Klassenfront, dem blutigen Terror der Bourgeoisie trotzend, des notwendigen, unausbleiblichen Sieges des Proletariats gewiss.
Die Kommunisten verschmähen es, ihre Ansichten und Absichten zu verheimlichen. Sie erklären es offen, dass ihre Zwecke nur erreicht werden können durch den gewaltsamen Umsturz aller bisherigen Gesellschaftsordnungen.
Mögen die herrschende Klassen vor einer kommunistischen Weltrevolution zittern.
Die Proletarier haben nichts in ihr zu verlieren als ihre Ketten.
Sie haben eine Welt zu gewinnen.
Proletarier aller Länder, vereinigt euch!
( Schlusssatz des Kommunistischen Manifestes von Marx und Engels)
(aus: Internationale Presse-Korrespondenz Nr. 133 Seite 2629 - 2649 vom 30. November 1928)
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