Schulungstexte der Komintern/ML





IX. Teil



Lehrbuch

über die marxistisch-leninistischen Grundlagen der

weltproletarischen Militärwissenschaft

und über die Kunst der

weltrevolutionären Klassenkriegsführung







Die sozialistische Revolution in einem Land

Zunächst die Volksbewegung:

„Eine Volksbewegung ist eine Bewegung, die die objektiven Nöte des ganzen Landes zum Ausdruck bringt und ihre schweren Schläge gegen die zentralen Kräfte des Feindes richtet, der die Entwicklung des Landes behindert. Eine Volksbewegung ist eine Bewegung, die von der Sympathie der großen Mehrheit der Bevölkerung getragen ist“ (Lenin, Band 18, Seite 465-466). Es ist das brutale Vorgehen der Ausbeuter und Unterdrücker, durch welches alles getan wird, um die Volksbewegung in Gange zu bringen. Es ist das Militär der Reaktion, das in vielen langen Jahren das Volk gegen sich aufbringt und mit der Bewaffnung der Volksbewegung erntet, was es gesät hat. „Aus dem Militär selbst erwachsen die Abteilungen einer revolutionären Armee“ (Lenin, Band 8, Seite 566).

In der Volksbewegung entwickelt das Volk sein eigenes politisches Bewusstsein zur Reife, organisiert es seinen Kampf, mobilisiert es seine Kräfte gegen die Volksfeinde, tritt sie in die geschichtliche Aktion. Marx formulierte: „Mit der Gründlichkeit der geschichtlichen Aktion wird also der Umfang der Masse zunehmen, deren Aktion sie ist“ (MEW, Band 2, Seite 86). Die Volksbewegung reißt ja nicht nur die militärischen Schranken der Volksbeherrscher nieder, sondern gleichzeitig ihre eigenen militärischen Schranken, die Schranken der ohnmächtigen, wehrlosen, widerstandslosen, erduldenden Selbsterniedrigung, die das Volk all zu lange davon abgehalten haben, die Waffengealt der Herrschenden durch die eigenen Waffen zu brechen. Die Volksbewegung ist also nicht nur eine materielle Bewegung, sondern zugleich eine geistige. Aber nicht auf Grund theoretischer Erwägungen, sondern unter dem Druck der wachsenden Bewegung strebt das Volk höheren Aufgaben des Kampfes entgegen, erkennt es immer deutlicher die Notwendigkeit des Endkampfes gegen den Feind. Je gründlicher sich die Massenbewegung vollzieht, gewinnt ihre Entwicklung zur Revolution an Kraft und umgekehrt gewinnt die Revolution an Massen, je gründlicher sie ist. Die Volksbewegung entwickelt sich nur zur Revolution und die Revolution kann nur siegen, wenn sie allgemein wird, wenn sie in den Zentren der Bewegung zündet und sich von dort ausbreitet, um alle Schichten des Volkes bis im letzten Winkel zu erfassen.

Volksrevolution:

Wenn eine Volksbewegung dazu übergeht, die alte Gesellschaft umzukrempeln, wenn sie die Machtfrage auf die Tagesordnung stellt, wenn sie sich offen, unmittelbar und direkt gegen die Gewaltherrschaft der ausbeutenden Klassen wendet, sich gegen ihre Regierung richtet und für ihren Sturz, für ihre Beseitigung, für eine eigene Volksregierung kämpft, dann hat die Volksbewegung die Form einer Volksrevolution angenommen. Eine Volksrevolution ist die revolutionäre, bewaffnete Eroberung der Macht der gewaltigen Mehrheit des Volkes über die organisierte und herrschende Minderheit des Volkes. Die Volksrevolution ist eine Revolution, „die von den Volksmassen selbst mit ihren eigenen Losungen, ihren eigenen Bestrebungen durchgeführt wird, und nicht durch Wiederholung des Programms der alten bürgerlichen Republik“ (Lenin, Band 27, Seite 123).

Revolution und Bürgerkrieg:

„Denn eine wirkliche, eine tiefgehende, eine `Volks`revolution, um mit Marx zu sprechen, ist der unglaublich komplizierte und qualvolle Prozess des Sterbens einer alten und die Geburt einer neuen Gesellschaftsordnung, einer neuen Lebensstruktur für Millionen und aber Millionen von Menschen. Die Revolution ist der heftigste, wütenste, erbittertste Klassenkampf und Bürgerkrieg. Keine einzige große Revolution in der Geschichte ist ohne Bürgerkriege ausgekommen. Dass aber der Bürgerkrieg ohne eine `außerordentlich komplizierte Situation` denkbar sei, kann nur ein Mann im Futteral glauben. (...) `Wie qualvoll ist doch diese àußerordentlich komplizierte Situation der Revolution` - so denkt und fühlt der bürgerliche Intellektuelle. `Wir haben `sie` unter Druck gesetzt, `sie`wagen nicht, so frech zu sein wie früher. Packen wir noch fester zu, und wir werden sie ganz stürzen`- so denkt und fühlt der Arbeiter“ (Lenin, Band 26, Seite 103 und 105)).

„Die Grundlage der sozialistischen Taktik un der Zeit der Revolution besteht darin, dass die fortgeschrittenste Klasse, das Proletariat, an der Spitze der Volksrevolution marschiert ( die Revolution, die sich gegenwärtig in Russland vollzieht [Lenin spricht hier von der russischen Revolution von 1905 – Anmerkung des Verfassers], ist eine bürgerliche Revolution in dem Sinne, dass die Eroberung der ganzen Freiheit und des ganzen Bodens für das Volk uns durchaus nicht von der Herrschaft der Bourgeoisie erlösen wird; es ist aber klar, dass die Revolution ungeachtet dieses ihres sozialökonomischen Charakters eine Volksrevolution ist). Die fortgeschrittenste Klasse muss daher unermüdlich vor den breitesten Massen aufdecken, wie trügerisch alle Hoffnungen sind, die auf Verhandlungen und Abkommen mit der alten Staatsmacht im Allgemeinen und insbesondere auf ein Abkommen in der Bodenfrage zwischen Gutsbesitzern und Bauern gesetzt werden. Die fortgeschrittenste Klasse muss selbständig den Weg des beharrlichen Kampfes gehen und darf dabei nur diejenigen unterstützen, die wirklich kämpfen, und nur in dem Maße, in dem sie kämpfen. Das sind die Grundlagen der sozialdemokratischen Taktik, die der Arbeiterpartei eine selbständige Klassenpolitik als Regel vorschreiben, Zusammenarbeit aber und Abkommen nur mit der revolutionären Bourgeoisie und nur als Ausnahme gestatten“ [Unterstreichung vom Verfasser];(Lenin, Band 11, Seite 463). „Wenn Russland für kurze Zeit wenigstens kleine Freiheiten erlangte, wenn es, und sei es auch nur für kurze Zeit, eine Volksvertretung erhielt, so wurde das alles nur durch den Kampf des Volkes errungen, nur durch den aufopferungsvollen Kampf der Arbeiterklasse, der Bauernschaft, der Soldaten und Matrosen um die Freiheit“ (Lenin, Band 12, Seite 187). War die SDAPR noch im Frühjahr 1905 ein Bund illegaler Zirkel, so war sie im Herbst bereits die Partei der Millionen des Proletariats, welches sich in eine Armee der Revolution verwandelt hatte, die gegen den Zarismus in die Offensive ging. „Natürlich kann die Sozialdemokratie als Partei des internationalen Proletariats, als Partei, die sich weltumspannende sozialistische Ziele setzt, nicht in irgendeiner Epoche irgendeiner bürgerlichen Revolution aufgehen, nicht ihre Geschicke von diesem oder jenem Ausgang dieser oder jener bürgerlichen Revolution abhängig machen. Wie immer der Ausgang auch sei, wir müssen eine selbständige, rein proletarische Partei bleiben, die die werktätigen Massen konsequent ihrem großen sozialistischen Ziel entgegenführt. Wir können daher keinerlei Garantien für die Beständigkeit irgendwelcher Errungenschaften der bürgerlichen Revolution übernehmen, denn die Unbeständigkeit, die innere Widersprüchlichkeit aller ihrer Errungenschaften liegt immanent im Wesen der bürgerlichen Revolution als solcher begründet“ (Lenin, Band 12, Seite 431). Das gilt natürlich auch für die Waffen der bürgerlichen Revolution. Wenn die Waffen des Proletariats auch nicht in einer bürgerlichen Revolution aufgehen dürfen, so steht andererseits ebenso fest: Der bürgerliche Charakter der Waffen der demokratischen Revolution bedeutet nicht, dass diese Waffen nur der Bourgeoisie nützlich sein können. Im Gegenteil, am nützlichsten und notwendigsten sind sie dem Proletariat und der Bauernschaft für ihre sozialistische Revolution. Der Sieg der demokratischen Waffen ist ein Signal für den Sieg der sozialistischen Waffen nicht nur in einem Land, sondern für den künftigen Sieg der bewaffneten sozialistischen Weltrevolution – nicht mehr und nicht weniger. In der Monarchie richtet sich die Waffengewalt voll gegen das Volk, das Volk selbst hat keinerlei Macht über die Waffen. In der konstitutionellen Monarchie bleibt die Waffengewalt zu einem Drittel in der Hand des Zaren, ein Drittel in der Hand der Bourgeoisie und ein Drittel in der Hand des ganzen Volkes (Lenin, Band 8, Seite 561) und in der demokratischen Republik existiert nicht mehr die selbständige Waffengewalt von Monarchie und Bourgeoisie über dem Volk, sondern diese ist ungeteilt und vollständig dem Volk untergeordnet. In der Sowjetrepublik befindet sich die Waffengewalt in den Händen der Arbeiter und Bauern, in den Händen des sozialistischen Volkes.

Zur Frage der gesamtnationalen Revolution sagte Lenin:

„In einem bestimmten Sinn des Wortes kann nur eine gesamtnationale Revolution siegreich sein. Richtig ist, dass es für den Sieg der Revolution des Zusammenschluses der gewaltigen Bevölkerungsmehrheit zum Kampf für die Forderungen dieser Revolution bedarf. Diese gewaltige Mehrheit muss entweder gänzlich zu einer Klasse gehören oder zu verschiedenen Klassen, die gewisse gleichartige Aufgaben haben. (...). Aber darauf beschränkt sich die bedingte Richtigkeit des landläufigen Ausdrucks `gesamtnationale` Revolution. Irgendwelche weitergehende Schlussfolgerungen als die erwähnte, die eigentlich eine Binsenwahrheit ist (...), dürfen aus diesem begriff nicht gezogen werden. Darum ist es grundfalsch und zutiefst unmarxistisch, ihn als allgemeine Formel, als Schablone, als Kriterium der Taktik anzuwenden. Der Begriff `gesamtnationale` Revolution muss einen Marxisten darauf hinweisen, dass es notwendig ist, die verschiedenen Interessen der verschiedenen Klassen, die hinsichtlich gewisser bestimmter, beschränkter allgemeiner Aufgaben miteinander übereinstimmen, genau zu analysieren. Auf keinen Fall darf dieser Begriff dazu dienen, das Studium des Klassenkampfes im Zuge dieser oder jener Revolution zu vertuschen, zur Seite zu drängen. Den Begriff `gesamtnationale Revolution` so verwenden heißt sich völlig vom Marxismus lossagen und zu der vulgären Phrase kleinbürgerlicher Demokraten oder kleinbürgerlicher Schichten zurückkehren. Unsere Sozialdemokraten vom rechten Flügel vergessen häufig diese Wahrheit. Noch häufiger vergessen sie, dass sich mit dem Fortschreiten der Revolution das gegenseitige Verhältnis der Klassen in der Revolution ändert. Jeder wirkliche Fortschritt der Revolution bedeutet, dass breitere Massen in die Bewegung hineingezogen, also die Klasseninteressen bewusster, also die politischen, Parteiform annehmenden Gruppierungen bestimmter werden, dass sich die allgemeinen, abstrakten, in ihrer Abstraktheit unklaren und verschwommenen politischen und ökonomischen Forderungen immer mehr durch konkrete, genau bestimmte verschiedenartige Forderungen der verschiedenen Klassen abgelöst werden“ (Lenin, Band 12, Seite 405-406). Das gilt natürlich auch für den bewaffneten Kampf des aufständischen Volkes, der sich mit dem Fortschreiten der Revolution und dem sich darin konkretisierenden Verhältnissen der verschiedenen Klassen verändert.

Aufstand und Revolution

In der Auseinandersetzung mit den Vertretern der Nachtrabtaktik, die den Aufstand mit der Volksrevolution verwechselten und deswegen Lenin kritisierten, weil dieser die Taktik der Vorbereitung, Festsetzung und Durchführung bewaffneter Volksaufstände für absolut notwendig und möglich hielt, und in der damit zusammenhängenden kritischen Auseinandersetzung Lenins mit der „Theorie der Organisation als Prozess“ von Rosa Luxemburg, die laut Lenin nur die „Desorganisation sanktionierte“, antwortete Lenin:

„Eine Volksrevolution kann nicht festgesetzt werden, das ist richtig (...). Doch einen Aufstand festsetzen, falls wir ihn wirklich vorbereitet haben und falls ein Volksaufstand kraft der eingetretenen Umwälzungen in den gesellschaftlichen Verhältnissen möglich ist, das ist etwas durchaus Realisierbares. (...) Kann man die Arbeiterbewegung festsetzen? Nein, das kann man nicht, weil sie sich aus tausend einzelnen Akten zusammensetzt, die durch eine Umwälzung in den gesellschaftlichen Verhältnissen erzeugt werden. Kann man einen Streik festsetzen? Jawohl, (...) obwohl jeder Streik das Resultat einer Umwälzung in den gesellschaftlichen Verhältnissen ist. Wann kann man einen Streik festsetzen? Dann, wenn die Organisation oder der Zirkel, die ihn festsetzen, auf die Masse der betreffenden Arbeiter Einfluss haben und den Zeitpunkt der wachsenden Unzufriedenheit und Erregung in der Arbeitermasse richtig einzuschätzen verstehen. (...) `Eine Volksrevolution kann nicht im Voraus festgesetzt werden`. Ein Aufstand kann festgesetzt werden, wenn diejenigen, die ihn festsetzen, auf die Massen Einfluss haben und den Moment tichtig einzuschätzen wissen. (...) Wir haben bereits (...) darauf verwiesen, dass sich der Aufstand an eine spontane Bewegung anschließen müsse. Wir vergessen also keineswegs die Wichtigkeit der `Sicherung des Hinterlandes`, um einen militärischen Ausdruck zu gebrauchen“ (Lenin, Band 8, Seite141-142 und 144).

Lenin wandte sich gegen solche Leute, die jede revolutionäre Aktion, somit auch den Aufstand nur von unten wollten, diesen also dem spontanen Prozess der Selbsttätigkeit der Massenbewegung überlassen wollten, weil sie jede Organisierung von oben für verderblich hielten. Der Aufstand „nur von unten“ untergräbt in Wirklichkeit den Sieg des Aufstands, verurteilt ihn zum Scheitern, ist ein Prinzip, das nicht der Revolution, sondern der Konterrevolution in die Hände spielt.. Lenin wies nach, dass das Prinzip „nur von unten und in keinem Fall von oben“ ein anarchistisches Prinzip ist, was Engels bereits bei den Bakunisten kritisierte (siehe Lenin, Band 8, Seite 388). „Statt die Bedingungen und Aufgaben der neuen Methoden des Kampfes `von oben` aufzuzeigen, die beim Gelingen des proletarischen Aufstands in der Epoche der Revolution möglich und notwendig ist, präsentiert man uns die These, eine `Partei der äußersten revolutionären Opposition zu bleiben`. Diese These ist sehr nützlich für den parlamentarischen Kampf, sehr nützlich für die Aktion von unten, aber für die Zeit des Aufstandes ist sie ausgesprochen unzulänglich“ (Lenin, Band 8, Seite 555).

“Und gerade das Zurückbleiben unseres politischen Überbaus hinter der in den gesellschaftlichen Verhältnissen vollzogenen Umwälzung macht den Zusammenbruch des Überbaus unvermeidlich, wobei ein sofortiger Zusammenbruch gleich nach dem ersten Schlag, durchaus und absolut möglich ist, denn die `Volksrevolution` in Russland hat dem Zarismus bereits hundert Schläge versetzt; die Frage ist nur, ob er unter den hundertsten oder dem hundertundzehnten Schlag zusammenbricht“ (Lenin, ebenda, Seite 140-141).

Das Charakteristische an einer Volksrevolution ist, dass die ausgebeutete, unterdrückte Mehrheit des Volkes sich ihrer Rechte und Freiheit bewusst wird und eine solche revolutionäre Kraft gegen den unterdrückenden, ausbeutenden Teil des Volkes entwickelt, die vor nichts und niemandem halt macht, die sich von nichts und niemandem davon abbringen lässt, das Joch der Tyrannei und des Elends abzuschütteln, die ganze alte Ordnung niederzureißen, die zu erdulden das Volk nicht mehr gewillt und bereit ist. “Selbst ohne sich ihrer Ziele voll bewusst zu sein, ist diese Volksmasse dennoch fähig und geneigt, das Gebäude umzustürzen, weil ihre Lage ausweglos ist, weil die ewige Unterdrückung sie auf den revolutionären Weg treibt, weil sie nichts zu verlieren hat, als ihre Ketten. Diese Volkskraft, das Proletariat, kommt den Herren des morschen Gebäudes so drohend vor, weil schon die Lage des Proletariats an und für sich etwas ist, was alle Ausbeuter bedroht. Die kleinste Bewegung des Proletariats, so bescheiden sie auch am Anfang sein, von welch geringfügigem Ausmaß sie auch ausgelöst sein mag, droht daher unvermeidlich über ihre unmittelbaren Ziele hinauszuwachsen und zu einer unversöhnlichen, einer für die ganze Ordnung verheerenden Kraft zu werden. Die grundlegenden Besonderheiten der Lage des Proletariats im Kapitalismus verleihen der Bewegung dieser Klasse die unentwegte Tendenz, zu einem erbitterten Kampf ums Ganze, um den völligen Sieg über alles Dunkle, Ausbeuterische, Versklavende zu werden“ (Lenin, Band 8, Seite 423). Dies trifft grundsätzlich auch auf eine Volksrevolution gegen den Faschismus und gegen den Sozialfaschismus der Revisionisten zu.

Die siegreiche Volksrevolution schafft sich eine Volksdemokratie, die nichts anderes sein kann als eine Volksdiktatur, die sich also unvermeidlich auf militärische Gewalt, auf die Bewaffnung der Massen, auf den Aufstand stützen muss, nicht aber auf diese oder jene „legale“, auf „friedlichem Wege“ geschaffene „volksdemokratische“ Einrichtung bzw. Regierung. Ser Sieg in der Volksrevolution – das ist die eroberte Macht des Volkes. In diesem Zusammenhang soll noch einmal an das Zerbrechen der bürokratisch-militärischen Maschinerie erinnert werden, welches Marx als „Vorbedingung jeder wirklichen Volksrevolution“ herausstellte (siehe Marx Brief an Kugelmann April 1871, Ausgewahlte Briefe, Seite 307). Es sind gerade die Opportunisten, die ihre Augen verschließen vor dem unvermeidlichen Entscheidungskampf zwischen der revolutionären Armee und der reaktionären Armee. Die Opportunisten hoffen und vertrauen auf die „da oben“, wir aber hoffen und vertrauen auf das Volk, denn gerade die Ohnmacht der Regierung schwört die Volksrevolution herauf. „Die liberale Bourgeoisie geht zum Volk. Das ist wahr. Sie ist gezwungen, zu ihm zu gehen, denn ohne das Volk fehlt ihr die Kraft, gegen die Selbstherrschaft zu kämpfen. Aber sie fürchtet das revolutionäre Volk und geht zu ihm nicht als Vertreterin seiner Interessen, nicht als neuer, feuriger Kampfgenosse, sondern als ein Krämer, als ein Makler, der von einer kämpfenden Seite zur anderen überläuft“ (Lenin, Band 9, Seite 169). Das ist im Wesen nichts anderes als die klassenversöhnlerische Haltung der liberalen Bourgeoisie in der antifaschistischen Einheitsfront bzw. in der Volksfrontregierung. „Keine dumme Spekulation. Vom revolutionären Volk gilt mitunter, was die Römer von Hannibal sagten: Zu siegen vestehst du, den Sieg zu nützen verstehst du nicht! Wenn der Sieg des Aufstands nicht zur revolutionären Umwälzung, zum völligen Sturz der Selbstherrschaft, zur Ausschaltung der inkonsequenten und eigennützigen Bourgeoisie und zur revolutionär-demokratischen Diktatur des Proletariats und der Bauernschaft führt, dann wird er noch nicht den Sieg des Volkes bedeuten“ (Lenin, Band 9, Seite 170).

Wenn es in einer Volksrevolution dem Volk nicht gelingt, der bewaffneten Macht der Regierung die bewaffnete Macht des Volkes entgegenzustellen, wenn die reaktionäre Regierung nicht aufs Haupt geschlagen und durch eine revolutionäre Regierung ersetzt werden sollte, wenn die marxistisch-leninistische Partei diesen Kampf nicht führt oder sich ihre führende Kraft noch als zu schwach erweisen sollte, wird jede neue „Volksvertretung“ in Wirklichkeit nur eine Vertretung von solchen Klassen sein, die sich die Macht untereinander teilen - über und gegen das Volk. Lenin bezeichnete einen solchen Zustand einer Volksrevolution als eine „Fehlgeburt“ (Lenin, Band 9, Seite 45). Und wir denken da insbesondere an den Kampf gegen den Sozialfaschismus in ehemaligen Ostblock-Ländern. Je mehr sich der bewaffnete Kampf des Volkes der Entscheidung über die Macht nähert, je greifbarer eine Volksregierung wird, desto wachsamer muss das bewaffnete Proletariat seinem Verbündeten auf die Finger gucken. „Je eher wir die Freiheit erringen, um so eher wird sich dieser Verbündete des Proletariats in seinen Feind verwandeln (...) Das Proletariat darf den allgemein-demokratischen Losungen nicht trauen, sondern muss ihnen seine eigenen, proletarisch-demokratischen Losungen in ihrem ganzen Umfang entgegenstellen. Nur eine Kraft, die sich von diesen Losungen leiten lässt, kann den vollständigen Sieg der Revolution [Volksrevolution-Anmerkung des Verfassers] tatsächlich sichern“ (Lenin, Band 8, Seite 519-520). „Es hat keine einzige Revolution gegeben, in der die werktätigen Massen nicht die ersten Schritte auf diesem Wege getan hätten, um eine neue Staatsmacht zu schaffen. Leider begannen sie damit nur, waren aber nicht imstande, die Sache zu Ende zu führen, es gelang ihnen nicht, einen neuen Typus der Staatsmacht zu schaffen“ (Lenin, Band 26, Seite 464).

In einer revolutionären Situation, wo unter der Empörung des Volkes das Heer, die Polizei, die Sicherheitskräfte, die Beamtenschaft an zu schwanken anfangen und zum Unsicherheitsfaktor werden, entblödet sich die Bourgeoisie nicht die Flucht nach vorn zu ergreifen und sogar offen „im Namen“ der Revolution zu sprechen, sich mit dem Volk „solidarisch“ zu erklären, so als wenn sie kein Dreck ab Stecken hätte und nicht um ihre eigenen Klasseninteressen besorgt wäre.

Der Ausgang einer Volksrevolution hängt davon ab, ob das Proletariat als Führer in ihr auftritt oder nicht. Und als Führer kann es in einer Volksrevolution nur auftreten, wenn es den bewaffneten Kampf führt, wenn es den Aufstand organisiert, eine revolutionäre Armee schafft, eine revolutionäre Regierung schafft, eine proletarische Demokratie schafft. Der Ausgang einer Volksrevolution entscheidet über den Übergang zur sozialistischen Revolution. Aus dem Ausgang einer Volksrevolution leiten wir die Frage ab, ob sie eine ausreichende Basis für die sozialistische Revolution schaffen konnte oder noch nicht, inwieweit die Konterrevolution zerschlagen ist oder noch nicht, inwieweit die Volksmacht in der Lage ist, sich zu behaupten oder noch nicht. Wir sind für den schnellstmöglichen Übergang zum Sozialismus, aber nicht für einen Übergang zum Sozialismus ohne solide Basis. Man kann nicht den zweiten Schritt vor dem ersten machen. Selbst wenn die Volksrevolution über die Konterrevolution gesiegt hat, wird die Konterrevolution nicht verschwinden, sondern im Gegenteil unweigerlich einen neuen und noch erbitterteren Kampf beginnen. Von dem jeweiligen Kräfteverhältnis zwischen Volksrevolution und Konterrevolution hängt es ab, inwieweit es der Konterrevolution gelingt, die alte Ordnung wieder herzustellen oder nicht und umgekehrt: vom Kräfteverhältnis zwischen Volksrevolution und Konterrevolution hängt es ab, inwieweit es der sozialistischen Revolution gelingt, die volksdemokratische Ordnung in eine neue sozialistische Ordnung zu verwandeln oder nicht.

„Der Spießbürger begnügt sich mit der unbestreitbaren, unanfechtbaren und nichtssagenden Wahrheit, dass man nicht vorher wissen kann, ob es zur Revolution kommen wird oder nicht. Der Marxist begnügt sich nicht damit, er sagt: Unsere Propaganda und die Propaganda aller sozialdemokratischen Arbeiter ist einer der Faktoren, die bestimmen, ob es zur Revolution kommen wird oder nicht. Hunderttausende Teilnehmer an politischen Streiks, die fortgeschrittensten Elemente der verschiedenen Truppenteile fragen uns, unsere Partei, welchen Weg sie einschlagen, im Namen welcher Sache sie sich erheben, was sie anstreben sollen, ob der beginnende Aufschwung bis zur Revolution vorangetrieben (...) werden soll. (...) Ob es zur Revolution kommt oder nicht, das hängt nicht nur von uns ab. Wir aber werden das Unsere tun, und das wird niemals mehr ungeschehen gemacht werden können. Das wird dazu beitragen, tief in die Massen hinein die Saat des Demokratismus und der proletarischen Selbständigkeit zu streuen, und diese Saat wird unbedingt aufgehen, ob nun morgen in der demokratischen oder übermorgen in der sozialistischen Revolution“ (Lenin, Band 18, Seite 376).



Volksrevolution und sozialistische Revolution

darf man nicht miteinander gleichsetzen oder sie verwechseln, man muss sie streng voneinander unterscheiden; sie sind aber gleichzeitig die zwei unzertrennlichen Stufen eines einheitlichen historischen Prozesses und dürfen nicht durch eine Stadientheorie voneinander losgelöst und getrennt werden. Entscheidend ist der möglichst fließende, ununterbrochene „reibungslose“ Übergang unter den Bedingungen des Vorhandenseins der für eine revolutionären [nicht friedlichen, „verschleppenden“ revisionistischen!] Umwälzung der bürgerlichen in die sozialistische Revolution erforderlichen Faktoren. Der reformistische Weg ist der Weg des „qualvoll langsamen Absterbens der faulenden Teile des Volksorganismus. Unter dieser Fäulnis leiden zuerst und zumeist das Proletariat und die Bauernschaft“ (Lenin, Band 9, Seite 38). „Je vollständiger und entschiedener, je konsequenter die bürgerliche Revolution sein wird, desto gesicherter wird der Kampf des Proletariats gegen die Bourgeoisie für den Sozialismus sein. Nur Leute, die das ABC des wissenschaftlichen Sozialismus nicht kennen, kann diese Schlussfolgerung neu oder seltsam, ja paradox erscheinen. Aus dieser Schlussfolgerung ergibt sich übrigens die These, dass in einem gewissen Sinne die bürgerliche Revolution für das Proletariat vorteilhafter ist als für die Bourgeoisie. (...) Für die Bourgeoisie ist es vorteilhafter, dass sich die notwendigen Umgestaltungen in bürgerlich-demokratischer Richtung langasamer, allmählicher, vorsichtiger, unentschiedener, auf dem Wege von Reformen und nicht auf dem Wege der Revolution vollziehen“ (Lenin, Band 9, Seite 38 und 39). Auf dem Weg von der Volksrevolution zur sozialistischen Revolution „legt der Arbeiter das Gewehr von der einen auf die andere Schulter“, das heißt, er kehrt die Waffe, mit der ihn die bürgerliche Revolution ausrüstet, gegen die Bourgeoisie selbst und je besser er sich mit den demokratischen Waffen ausrüsten kann, desto größer ihre sozialistische Wirkung. „Wir sind für die ununterbrochene Revolution. Wir werden nicht auf halbem Wege stehenbleiben“ (Lenin, Band 9, Seite 232).

„Warum sind die Bedingungen des demokratischen Kampfes und des sozialistischen Kampfes nicht die gleichen? Weil die Arbeiter in dem einen und in dem anderen Kampf unbedingt verschiedene Verbündete haben werden. Den demokratischen Kampf führen die Arbeiter zusammen mit einem Teil der Bourgeoisie, besonders des Kleinbürgertums. Den sozialistischen Kampf führen die Arbeiter gegen die gesamte Bourgeoisie. Der Kampf gegen die Beamten und die Gutsbesitzer kann und muss zusammen mit allen Bauern, selbst mit den wohlhabenden und mittleren, geführt werden. Der Kampf gegen die Bourgeoisie, also auch gegen die wohlhabenden Bauern, kann nur zusammen mit dem Landproletariat aussichtsreich geführt werden“ (Lenin, Band 9, Seite 446).

1905 beispielsweise plädierte Lenin im gemeinsamen Kampf zum Sturz der Selbstherrschaft des Zaren dafür, nicht nur die sozialistischen Organisationen, sondern auch die revolutionären Parteien einzubeziehen, „denn das nächste Ziel des Kampfes hat nichts Sozialistisches an sich, und wir dürfen nicht die nächsten, demokratischen Ziele mit unseren Endzielen der sozialistischen Revolution verwechseln und werden eine solche Verwechslung auch niemals zulassen“ (Lenin, Band 8, Seite 152). Lenin hatte jedoch klare Vorstellungen von der Einbeziehung der verschiedensten Organisationen in die praktische Tätigkeit zur Unterstützung der Volksrevolution: „Der Beginn der Revolution in Russland wird wahrscheinlich dazu führen, dass viele Personen und vielleicht auch Richtungen auf die politische Arena treten, die der Meinung sein werden, die Losung `Revolution` sei eine für `Menschen der Tat` völlig ausreichende Bestimmung ihrer Ziele und ihrer Aktionsmittel. Nichts kann irriger sein als eine solche Meinung. Die scheinbar höhere oder bequemere oder `diplomatischere` Stellung außerhalb einer Partei ist in Wirklichkeit nur eine unklarere, verschwommenere Stellung, die unvermeidlich zu Inkonsequenzen und Schwankungen in der praktischen Tätigkeit führt. Im Interesse der Revolution darf unser Ideal keineswegs darin bestehen, dass sich alle Parteien, alle Richtungen und Schattierungen zu einem revolutionären Chaos verschmelzen. Im Gegenteil, das Wachstum und die Ausdehnung der revolutionären Bewegung, ihr immer tieferes Eindringen in die verschiedensten Klassen und Schichten des Volkes wird unvermeidlich (und das ist gut so) immer neue und neue Richtungen und Schattierungen ins Leben rufen. Nur völlige Klarheit und Bestimmtheit in ihren Beziehungen zueinander und in ihrer Haltung zur Position des revolutionären Proletariats können der revolutionären Bewegung den größten Erfolg sichern. Nur völlige Klarheit der gegenseitigen Beziehungen kann den Erfolg eines Abkommens zur Erreichung des nächsten gemeinsamen Zieles gewährleisten“ (Lenin, Band 8, Seite 153). „Wir haben immer gelehrt und lehren auch jetzt, dass es der Klassenkampf ist, der Kampf des ausgebeuteten Teils des Volkes gegen den ausbeutenden, der den politischen Umgestaltungen zugrunde liegt und letzten Endes das Schicksal aller solcher Umgestaltungen entscheidet“ (Lenin, Band 8, Seite 195). „Das klassenbewusste Proletariat darf sich keiner Illusion hingeben. Nur in ihm, nur in dem von der Bauernschaft unterstützten Proletariat, nur im bewaffneten Aufstand beider, nur in ihrem entschlossenen Kampf unter der Losung `Freiheit oder Tod` liegt die Gewähr einer wirklichen Befreiung Russlands von der ganzen leibeigenschaftlich-absolutistischen Ordnung“ (Lenin, Band 8, Seite 351). „Wir haben stets gesagt, dass die Revolution die Bourgeoisie nicht schwächen, sondern stärken wird, dass sie aber dem Proletariat die notwendigen Bedingungen für einen erfolgreichen Kampf um den Sozialismus schaffen wird“ (Lenin, Band 8, Seite 380). „Die Sozialdemokratie hat immer betont, dass diese Klassendivergenz im Schoße des revolutionären Volkes unvermeidlich ist. Das Objekt des Kampfes kann bei heftigen Kämpfen aus einer Hand in die andere übergehen. Das revolutionäre Volk erstrebt die Selbstherrschaft des Volkes, alle reaktionären Elemente verteidigen die Selbstherrschaft des Zaren. Eine erfolgreiche Umwälzung kann daher nichts anderes sein als die demokratische Diktatur des Proletariats und der Bauernschaft, deren Interessen, soweit sie gegen die Selbstherrschaft des Zaren gerichtete sind, miteinander übereinstimmen (...); wenn vereint schlagen, dann auch vereint erschlagen und vereint die Versuche des Feindes, das Verlorene wiederzugewinnen, zurückzuschlagen. Nach dem Sturz der Selbstherrschaft wird der Kampf nicht aufhören, sondern sich verschärfen. Die reaktionären Kräfte werden sich gerade dann erst richtig zum Kampf organisieren. (...) (Lenin, Band 8, Seite 381). „Dieses „vereint zurückschlagen“, angewandt auf die revolutionäre Epoche, ist nichts anderes als die revolutionäre demokratische Diktatur des Proletariats und der Bauernschaft, ist die Teilnahme des Proletariats an der revolutionären Regierung. Leute, die die Arbeiterklasse mit der möglichen Perspektive dieser Diktatur schrecken (...), geraten in Widerspruch zu ihren eigenen Losungen des Kampfes für die Republik und die Vollendung der Revolution“ (Lenin, Band 8, Seite 463). „Die Erkämpfung der Republik bedeutet für das Proletariat eine gigantische Errungenschaft, obwohl für den Sozialdemokraten die Republik kein `absolutes Ideal` ist, wie für den bürgerlichen Revolutionär, sondern nur eine Garantie der Freiheit für den auf breiter Basis geführten Kampf um den Sozialismus“ (Lenin, Band 8, Seite 381). So verhielt es sich auch mit der albanischen Volksrevolution gegen den Faschismus, wo es ebenfalls feindliche Elemente zu bekämpfen gab, die den Charakter einer Volksrevolution mit dem Charakter einer sozialistischen Revolution verwechselten:

Die Revolution gegen die faschistische Besatzung in Albanien war vom Charakter her eine Volksrevolution. In ihr wurden jene Kräfte einbezogen, die nicht für das sozialistische Ziel, nicht für die sozialistische Revolution in Albanien kämpften. Das revolutionäre albanische Volk erstrebte die Befreiung vom Faschismus, während alle reaktionären Elemente in Albanien die Faschisten verteidigten.Ohne die Einbeziehung dieser revolutionären-nichtsozialistischen Kräfte durch die kommunistische Bewegung aber wäre es erstens unmöglich gewesen, Albanien durch den Sieg der Volksrevolution vom Faschismus zu befreien, noch zweitens die albanische Volksrevolution in die sozialistische Revolution erfolgreich überzuleiten.

In Worten die Waffe erheben für die volksdemokratische Diktatur des Proletariats, in Taten diese Waffe aber zur Verteidigung der bürgerlichen Demokratie, also bürgerlichen »Sozialismus« und diesen schließlich und sodann gegen das Proletariat, gegen das Volk zu richten, - das ist der Revisionismus in der Frage der Volksdemokratie- in Worten Überleitung zum Sozialismus, in Taten Überleitung zum Sozialfaschismus! Das ist der Revisionismus in der Frage des sozialistischen Lagers, das ist die Frage nach der Ursache des Endes der ersten Periode des Sozialismus »in einem Land« und der Schlüssel zur Tür des internationalen proletarischen Sozialismus, d,h., das Betreten der zweiten Etappe jenes Sozialismus`, dessen Errichtung die Lösung des Problems der Wiedererrichtung des Sozialismus »in einem Land« bereits als »Nebeneffekt« bedeutet. (siehe : Generallinie der Komintern/ML). Die Revisionisten wollten gar nicht die Volksrevolution zu Ende führen, das heißt zur sozialistischen Revolution. Das Volk jedoch muss das infolge seiner sozialen Lebensbedingungen wollen.

Dass in einer Volksrevolution der Wille in den Fragen des Sozialismus und im Kampf für den Sozialismus nicht einheitlich ist, schließt nicht aus, dass er in der Frage des Demokratismus, in der Frage der volksdemokratischen Republik einheitlich ist. „Das vergessen hieße den logischen und historischen Unterschied zwischen der demokratischen und der sozialistischen Umwälzung vergessen. Das vergessen hieße vergessen, dass die demokratische Umwälzung ihrem Charakter nach das ganze Volk umfasst: Wenn sie aber das `ganze Volk` umfasst, so gibt es also einen `einheitlichen Willen`, und zwar insofern, als diese Umwälzung die Bedürfnisse und Erfordernisse des ganzen Volkes befriedigt. Über den Rahmen des Demokratismus hinaus kann von einem einheitlichen Willen des Proletariats und der bäuerlichen Bourgeoisie keine Rede sein. Der Klassenkampf zwischen ihnen ist unvermeidlich, aber auf dem Boden der demokratischen Republik wird dieser Kampf eben der tiefgehendste und umfassendste Volkskampf für den Sozialismus sein. Die revolutionär-demokratische Diktatur des Proletariats und der Bauernschaft hat, wie alles auf der Welt, eine Vergangenheit und eine Zukunft. Ihre Vergangenheit sind die Selbstherrschaft, die Leibeigenschaft, die Monarchie, die Privilegien. Im Kampf gegen diese Vergangenheit, im Kampf gegen die Konterrevolution kann es einen `einheitlichen Willen` des Proletariats und der Bauernschaft geben, weil einheutliche Interessen vorhanden sind.. Ihre Zukunft ist der Kampf gegen das Privateigentum, der Kampf des Lohnarbeiters gegen den Unternehmer, der Kampf für den Sozialismus. Hier ist ein einheitlicher Wille unmöglich ( * Die Entwicklung des Kapitalismus, die unter freiheitlichen Verhältnissen noch umfassender und schneller vor sich geht, wird dem einheitlichen Willen unvermeidlich ein rasches Ende setzen, ein um so rascheres, je rascher die Konterrevolution und Reaktion zerschlagen wird.) Hier liegt vor uns nicht der Weg von der Selbstherrschaft zur Republik, sondern der Weg von der kleinbürgerlichen demokratischen Republik zum Sozialismus. In den konkreten historischen Situationen verflechten sich freilich die Elemente der Vergangenheit und der Zukunft, der eine Weg geht in den anderen über. Die Lohnarbeit und ihren Kampf gegen das Privateigentum gibt es auch unter der Selbstherrschaft, sie entsteht in ihrer Keimform sogar unter der Leibeigenschaft. Das hindert uns jedoch keineswegs, die großen Entwicklungsperioden logisch und historisch voneinander zu scheiden. Wir alle stellen ja die bürgerliche Revolution der sozialistischen gegenüber, wir alle bestehen unbedingt auf der Notwendigkeit, strengstens zwischen ihnen zu unterscheiden, aber kann man denn leugnen, dass sich in der Geschichte einzelne Teilelemente der einen und der anderen Umwälzung miteinander verflechten? Kennt denn die Epoche der demokratischen Revolutionen in Europa nicht eine Reihe sozialistischer Bewegungen und sozialistischer Versuche? Und ist denn der künftigen sozialistischen Revolution in Europa nicht noch vieles, sehr vieles im Sinne des Demokratismus nachzuholen geblieben? Ein Sozialdemokrat darf den unvermeidlichen Klassenkampf des Proletariats für den Sozialismus gegen die Bourgeoisie und die Kleinbourgeoisie, mögen sie noch so demokratisch und republikanisch sein, nie und nimmer vergessen. Das steht außer allem Zweifel.“ (Lenin, Band 9, Seite 74-75). „Der wäre ein schöner Marxist, der in der Epoche der demokratischen Umwälzung diesen Unterschied zwischen den Abstufungen des Demokratismus und zwischen dem verschiedenen Charakter der einen oder anderen seiner Formen übersähe und sich auf das `Klügeln` darüber beschränken wollte, dass das ja alles `bürgerliche Revolution` sei und Früchte der `bürgerlichen Revolution` seien“ (Lenin, Band 9, Seite 39-40).

„Das Proletariat muss die demokratische Umwälzung zu Ende führen, indem es die Masse der Bauernschaft an sich heranzieht, um den Widerstand der Selbstherrschaft mit Gewalt zu brechen und die schwankende Haltung der Bourgeoisie zu paralysieren. Das Proletariat muss die sozialistische Umwälzung vollbringen, indem es die Masse der halbproletarischen Elemente der Bevölkerung an sich heranzieht, um den Widerstand der Bourgeoisie mit Gewalt zu brechen und die schwankende Haltung der Bauernschaft und der Kleinbourgeoisie zu paralysieren. Das sind die Aufgaben des Proletariats(...)“ (Lenin, Band 9, Seite 90).

„Die Revolution ist bei uns eine allgemeine Volksrevolution, sagt die Sozialdemokratie dem Proletariat. (...) Darum darfst du dich nicht in einen eng verstandenen Rahmen des Klassenkampfes, hauptsächlich im Sinne der Gewerkschaftsbewegung einfügen, sondern musst umgekehrt danach streben, den Rahmen und den Inhalt deines Klassenkampfes so weit auszudehnen, dass er nicht nur alle Aufgaben der gegenwärtigen, demokratischen, allgemeinen russischen Volksrevolution, sondern auch die Aufgaben der künftigen sozialistischen Revolution umfasst. Darum musst du, ohne die Gewerkschaftsbewegung zu ignorieren und ohne auf die Ausnutzung der geringsten legalen Möglichkeiten zu verzichten, in der Epoche der Revolution die Aufgaben des bewaffneten Aufstands, der Schaffung einer revolutionären Armee und der Bildung einer revolutionären Regierung in den Vordergrund rücken, als den einzigen Weg zum vollen Sieg des Volkes über den Zarismus, zur Erkämpfung der demokratischen Republik und wirklicher politischer Freiheit“ (Lenin, Band 9, Seite 112).

Was die Rolle der Studentenschaft anbelangte, so nutzten die russischen revolutionären Arbeiter die von ihr erkämpfte revolutionäre Selbstverwaltung als legalen Versammlungsort, als einen Ort zur Organisierung des Aufstandes, verbanden sie den proletarischen bewaffneten Kampf mit dem bewaffneten Kampf der Studenten ,die im Studenten“parlament“ auch eine politische Vertretung der Sozialdemokratie bildeten, „wobei sie sich, dessen sind wir uns gewiss, nicht auf revolutionäre Selbstverwaltung beschränken, sondern sofort und ernstlich an die Organisation und Bewaffnung von Abteilungen der revolutionären Armee gehen werden“ (Lenin, Band 9, Seite 377). Hier macht Lenin uns auch deutlich, was er unter dem Verhältnis zwischen revolutionärer Armee und revolutionärer Jugend in der Phase des Aufstandes verstand, zu der er insbesondere die revolutionären Studenten zählte – Organisierung militärische Abteilungen des bewaffneten Aufstandes.

„Die Revolutionen sind die Lokomotiven der Geschichte, sagte Marx (MEW, Band 7, Seite 85). Die Revolutionen sind Festtage der Unterdrückten und Ausgebeuteten. Nie vermag die Volksmasse als ein so aktiver Schöpfer neuer gesellschaftlicher Zustände aufzutreten wie während der Revolution. Gemessen an dem engen, kleinbürgerlichen Maßstab des allmählichen Fortschritts ist das Volk in solchen Zeiten fähig, Wunder zu wirken. Es ist aber notwendig, dass in einer solchen Zeit auch die Führer der revolutionären Parteien ihre Aufgaben breiter und kühner stellen, dass ihre Losungen der revolutionären Initiative der Massen stets vorangehen, ihr als Fanal dienen, unser demokratisches und sozialistisches Ideal in seiner ganzen Erhabenheit und seiner ganzen Schönheit zeigen und den nächsten, den direktesten Weg zum vollen, unbedingten und entscheidenden Sieg weisen“ (Lenin, Band 9, Seite 103). Es ist selbstredend klarzustellen, dass jede sozialistische Revolution tausend Mal volkverbundener und mächtiger ist, tausend Mal mehr einen tieferen Volkscharakter hat, als jede bürgerliche Revolution, obwohl beide vom Proletariat geführt wurden.

„Ohne Klassenbewusstsein und ohne Organisiertheit der Massen, ohne ihre Schulung und Erziehung durch den offenen Klasenkampf gegen die gesamte Bourgeoisie kann von der sozialistischen Revolution nicht die Rede sein“ (Lenin, Band 9, Seite 15).

Lenin verglich die „revolutionären Ereignisse“ mit einem „Gewitterblitz, der das neue Schlachtfeld erhellt“ (Lenin, Band 9, Seite 345).



(Leitsätze der proletarischen Revolution siehe Stalin Band 6, Seite 83f)

„Um Erfolg zu haben, muss eine Revolution möglichst genau wissen, mit wem man in den Kampf ziehen kann, wer ein unzuverlässiger Bundesgenosse ist und wo der wirkliche Feind steht“ (Lenin, Band 18, Seite 466).

Dazu auch die „Diktatur des Proletariats“ als Kapitel, soweit es die militärisch Sache berührt = Punkt (c), nicht alles Stalin, Band 6, Seite 96 ff)



„Jede Revolution löst die alte Gesellschaft auf; insofern ist sie sozial. Jede Revolution stürzt die alte Gewalt, insofern ist sie politisch... Die Revolution überhaupt – der Umsturz der bestehenden Gewalt und die Auflösung der alten Verhältnisse – ist ein politischer Akt. Ohne Revolution kann sich aber der Sozialismus nicht ausführen. Es bedarf dieses politischen Aktes, soweit er der Zerstörung und der Auflösung bedarf“ (Marx, MEW, Band 1, Seite 409).



Ohne die Bauern als Verbündete gewonnen zu haben, hätte die proletarische Revolution in Russland nicht siegen können und wäre über den Rahmen einer bürgerlich-demokratischen Revolution nie hinausgegangen. Was taten also die Arbeiter, als sie die Macht erobert hatten? Sie bildeten bewaffnete Abteilungen und gingen ins Dorf, um der Dorfarmut zu helfen, sich von der Dorfbourgeoisie und den Kulaken zu befreien und sich selbständig als `Komitees der Dorfarmut` zu organisieren. So strömten Millionen der Dorfarmut zu den Bolschewiki und die Bourgeoisie und das Kleinbürgertum waren ohne Unterstützung der Bauern machtlos. Sie konnten der Arbeitermacht mit den armen Bauern auf ihrer Seite nichts mehr entgegenzustellen. Die Arbeiter aber verschafften mit ihrer Sowjetmacht den armen Bauern die Befriedigung ihrer dringendsten ökonomischen Bedürfnisse durch die Expropriation der Gutsbesitzer und der Bourgeoisie - auf revolutionärem Wege sozusagen im Handstreich, wenige Stunden nach der Eroberung ihrer Macht!

„Um die Mehrheit der Bevölkerung für sich zu gewinnen, muss das Proletariat erst die Bourgeoisie stürzen und die Staatsmacht erobern. Es muss zweitens die Sowjetmacht einführen, nachdem es den alten Staatsapparat in Trümmer geschlagen hat, wodurch es sofort die Herrschaft, die Autorität, den Einfluss der Bourgeoisie und der kleinbürgerlichen Paktierer unter den nichtproletarischen Massen untergräbt. Es muss drittens den Einfluss der Bourgeoisie und der kleinbürgerlichen Paktierer innerhalb der Mehrheit der nichtproletarischen werktätigen Massen durch revolutionäre Befriedigung ihrer ökonomischen Bedürfnisse auf Kosten der Ausbeuter endgültig vernichten“ (Lenin, Band 30, Seite 255). Bei den Revisionisten läuft der Betrug an den Arbeitern darauf hinaus, die Mehrheit unter der Herrschaft der Bourgeoisie erzielen zu können zum Beispiel durch Stimmenmehrheit.

„Als Marxisten müssen wir die Krise der Macht nicht nur vom formalen Standpunkt, sondern vor allem vom Klassenstandpunkt aus betrachten. Krise der Staatsmacht bedeutet einen erbitterten, offenen Kampf der Klassen um die Macht. (...) Drei Faktoren haben (...) die Krise der Macht hervorgerufen: 1. die Unzufriedenheit der Arbeiter und Soldaten mit der Regierung, deren Politik ihnen zu rechts war; 2. die Unzufriedenheit der Bourgeoisie mit der Regierung, deren Politik sie als zu links betrachtet, und 3. die Misserfolge an der Front. Das sind die äußeren Kräfte, die die Krise der Macht hervorriefen. Die Hauptursache von allem aber, die unterirdische Kraft, die die Krise bewirkte, war die durch den Krieg hervorgerufene wirtschaftliche Zerrüttung des Landes. Nur auf diesem Boden konnten die drei Faktoren aufkommen, die die Macht der Koalitionsregierung ins Wanken gebracht haben. Wenn die Krise den Kampf der Klassen um die Macht bedeutet, so müssen wir als Marxisten fragen: Welche Klasse steigt denn jetzt zur Macht auf? Die Tatsachen zeugen davon, dass die Arbeiterklasse zur Macht aufsteigt. Es ist klar, dass die Klasse der Bourgeoisie sie nicht kampflos an die Macht gelangen lassen wird. Das Kleinbürgertum, dass in Russland die Mehrheit der Bevölkerung ausmacht, schwankt, es vereinigt sich bald mit uns, bald mit den Kadetten, und bildet somit das Zünglein an der Waage. Das ist der Klasseninhalt der gegenwärtigen Krise der Macht“( Stalin, Band 3, Seite 109-110).

„Die Genossen fragen, ob wir unsere Losung [„Alle Macht den Sowjets! - Anmerkung des Verfassers]. Unsere Losung von der Macht der Sowjets war auf die Periode der friedlichen Entwicklung der Revolution berechnet, die jetzt vorüber ist. Wir dürfen die Tatsache nicht vergessen, dass nunmehr eine der Voraussetzungen für die Übernahme der Macht der der Sieg über die Konterrevolution durch einen Aufstabnd ist. Als wir unsere Losung von den Sowjets aufstellten, befand sich die Macht faktisch in den Händen der Sowjets. Durch Druck auf die Sowjets konnten wir auf die Veränderungen in der Zusammensetzung der Regierung Einfluss nehmen. Jetzt liegt die Macht in den Händen der Provisorischen Regierung. Auf einen friedlichen Übergang der Macht an die Arbeiterklasse können wir nicht rechnen. Als Marxisten müssen wir sagen: Es kommt nicht auf die Institution an, sondern darauf, welche Klasse es ist, deren Politik diese Institution betreibt. Wir sind unbedingt für die Sowjets, in denen wir die Mehrheit haben, und wir werden bestrebt sein, solche Sowjets zu schaffen. Aber die Macht an diejenigen ausliefern, die ein Bündnis mit der Konterrevolution schließen – das dürfen wir nicht. Alles oben gesagte zusammenfassend, kann man sagen: Der friedliche Entwicklungsweg der Bewegung ist zu Ende, da die Bewegung die Bahn der sozialistischen Revolution betreten hat. Das Kleinbürgertum, mit Ausnahme der ärmsten Schichten der Bauernschaft, unterstützt jetzt die Konterrevolution. Darum ist die Losung `Alle Macht den Sowjets!` für den gegenwärtigen Augenblick veraltet“ (Stalin, Band 3, Seite 117).

„In Revolutionszeiten gibt es keine Reaktion. Wenn Klassen einander an der Macht ablösen, so ist das keine Reaktion, sondern eine Revolution oder Konterrevolution“(Stalin Band 3, Seite 116).

„Die Genossen, die da sagen, dass die Diktatur des Proletariats unmöglich sei, weil das Proletariat die Minderheit der Bevölkerung bildet, fassen die Kraft der Mehrheit mechanisch auf. (...) Einer organisierten Macht, die imstande ist, die Fesseln der wirtschaftlichen Zerrüttung zu sprengen, wird die ganze Bevölkerung folgen“ (Stalin, Band 3, Seite 116).

Revolte oder Revolution ? Doppelt ?!

Bewaffneter Aufstand einer kleineren Gruppe oder gewaltsamer Umsturz der gesamten Gesellschaftsordnung?

Engels schrieb: „Die Gewalt kann eine kleine Sekte auf einem beschränkten Gebiet erdrücken; aber die Macht soll noch entdeckt werden, die eine über ein ganzes Reich ausgebreitete Partei von über zwei oder drei Millionen Menschen auszurotten imstande ist [wie sehr muss das auf das Gebiet der ganzen Welt zutreffen!! - Anmerkung des Verfassers]. Die konterrevolutionäre, momentane Übermacht, die konterrevolutionäre Gewalt [und insbesondere die internationale konterrevolutionäre Gewalt – Anmerkung des Verfassers] kann den Triumph des Sozialismus ( auf der ganzen Welt – Anmerkung des Verfassers] vielleicht um einige Jahre verzögern, aber nur, damit er dann um so vollständiger und endgültiger wird“ (MEW, Band 22, Seite 251).

Die Frage „Revolte oder Revolution?“ lässt sich nicht so einfach beantworten, denn große Revolutionen sind niemals vom Himmel gefallen, sondern haben stets im Kleinen begonnen. Das bestreiten auch nicht die Gegner des Marxismus-Leninismus. Über die Initialzündung, über den „Funken, der zum Steppenbrand“ führt, gibt es zwischen Marxisten-Leninisten und kleinbürgerlichen Revoluzzern Übereinstimmung. Was uns aber von den Blanquisten trennt, ist deren Irrglaube, dass dies stellvertretend durch eine Minderheit, losgelöst von den Massen und nicht von den Massen selbst funktioniert. Wir dürfen also nicht den politischen Fehler machen, die Revolte zum Prinzip zu erheben und sie nicht der Revolution entgegenstellen. Mit der ersten Zellteilung ist die Keimzelle nicht mehr dasselbe, was sie vorher war. Das revolutionäre Leben entwickelt sich durch Zellteilungen. Die revolutionärte Bewegung wächst heran, indem sich immer mehr Kräfte dieser Bewegung anschließen, sie zur Massenbewegung heranreifen lassen bis – z. B. durch viele vorangegangenen, niedergeschlagene Revolten - ein Organismus ensteht, der die massenwirksame Kraft des Umsturzes der Gesellschaftsordnung hat.

Aber nicht aus jeder revolutionären Keimzelle entwickelt sich automatisch eine revolutionäre Massenbewegung. Das hängt von verschiedensten Voraussetzungen und Bedingungen ab, die uns Marxisten-Leninisten grundsätzlich bekannt sind.

Lenin bemerkte: „Nicht umsonst sagt man, eine Revolution sei eine gelungene Revolte und eine Revolte eine misslungene Revolution“ (Lenin, Band 8, Seite 91).

Worum es in der Frage aber geht, ist nicht die Quantität allein, sondern vor allem die Qualität, der Inhalt. Die Revolutionen werden von den Massen gemacht und nicht stellvertretend von den Revolutionären, nicht von der revolutionären Keimzelle, nicht von einer revolutionären Gruppe.

„Der Arbeiteraufstand ist niedergeworfen worden – Es lebe der Arbeiteraufstand!“ (Lenin, Band 5, Seite 15). „Jede dem Volke gelieferte Schlacht wird die Zahl der empörten und kampfbereiten Arbeiter erhöhen, wird erfahrenere, besser bewaffnete, kühner handelnde Führer hervortreten lassen“ (Lenin, Band 5, Seite 18).

Der Marxismus-Leninismus lehrt, dass das allgemeine Gesetz der sozialistischen Revolution die gewaltsame Beseitigung der Herrschaft der Ausbeuterklasse und die Errichtung der Diktatur des Proletariats sei.

Die Opportunisten vergessen gerne den Satz von Karl Marx, dass der Aufstand eine Kunst ist und dass die Hauptregel dieser Kunst die mit verwegener Kühnheit und größter Entschlossenheit geführte Offensive ist:

„Nun ist der Aufstand eine Kunst, genau wie der Krieg oder irgendeine andere Kunst, und gewissen Regeln unterworfen, deren Vernachlässigung»Lehnen wir die Unterstützung eines Aufstandes annektierter Gebiete ab, so werden wir - objektiv - zu Annexionisten. Gerade in der ' Ära des Imperialismus` , die die Ära der beginnenden sozialistischen Revolution ist, wird das Proletariat mit besonderer Energie heute den Aufstand der annektierten Gebiete unterstützen, um bereits morgen oder gar zur gleichen Zeit die durch einen solchen Aufstand geschwächte Bourgeoisie der `Groß`macht anzugreifen« (ebenda S. 399).

Erstens darf man nie mit dem Aufstand spielen, wenn man nicht fest entschlossen ist, alle Konsequenzen des Spiels auf sich zu nehmen. Der Aufstand ist eine Rechnung mit höchst unbestimmten Größen, deren Werte sich jeden Tag ändern können; die Kräfte des Gegners haben alle Vorteile der Organisation, der Disziplin und der hergebrachten Autorität auf ihrer Seite; kann man ihnen nicht mit starker Überlegenheit entgegentreten, so ist man geschlagen und vernichtet.

[Hierzu sei folgendes Zitat von Stalin angemerkt: „Für die kommenden Schlachten gerüstet zu sein, ihnen würdig und organisiert zu begegnen – das ist heute die Aufgabe. Daraus folgt: Das erste Gebot - fallt nicht auf Provokationen der Konterrevolutionäre herein, wappnet euch mit Ausdauer und Selbstbeherrschung, schont eure Kräfte für den kommenden Kampf, lasst keinerlei verfrühte Aktion zu. Das zweite Gebot – schart euch noch enger um unsere Partei, schließt die Reihen gegen die wider uns zu Felde ziehenden zahllosen Feinde, haltet das Banner hoch, ermuntert die Schwachen, sammelt die Zurückgebliebenen, klärt die Unwissenden auf. Keinerlei Kompromisse mit der Konterrevolution“ (Stalin, Band 3, Seite 99 – 100) ].

Zweitens, hat man einmal den Weg des Aufstandes beschritten, so handele man mit der größten Entschlossenheit und ergreife die Offensive. Die Defensive ist der Tod jedes bewaffneten Aufstands; er ist verloren, noch bevor er sich mit dem Feind gemessen hat. Überrasche deinen Gegner, solange seine Kräfte zerstreut sind, sorge täglich für neue, wenn auch noch so kleine Erfolge; erhalte dir das moralische Übergewicht, das der Anfangserfolg der Erhebung dir verschafft hat; ziehe so die schwankenden Elemente auf deine Seite, die immer dem stärksten Antrieb folgen und sich immer auf die sichere Seite schlagen; zwinge deine Feinde zum Rückzug, noch ehe sie ihre Kräfte gegen dich sammeln können; um mit den Worten Dantons, des größten bisher bekannten Meisters revolutionärer Taktik, zu sprechen: de l`audace, de l`audace, encire de l`audace (Kühnheit! Kühnheit, und abermals Kühnheit!“ (MEW Band 8, Seite 95).

Hauptaufgabe der Militär- und Kampforganisationen ist es, eine richtige Auffassung vom bewaffneten Aufstand unter den Volksmassen zu verbreiten. (Lenin Band 29)

„Es sind sozialistische Gruppen aufgetaucht, aber keine hat es über den Stand einer Sekte hinausgebracht; Agitatoren und angebliche Parteiführer, darunter auch bloße Spekulanten und Streber, sie bleiben Offiziere ohne Soldaten. Es war fast immer die berühmte Kolonne Robert Blums aus dem badischen Feldzug von 1849: ein Oberst, elf Offiziere, ein Hornist und ein Mann. Und der Krakeel dieser verschiedenen Kolonnen Robert Blums untereinander über die Führung der künftigen proletarischen Armee war keineswegs erbaulich. Das wird jetzt bald aufhören (...). Die gewaltige Bewegung der Massen wird allen diesen Sekten und Häuflein ein Ende machen, indem sie die Soldaten absorbiert und den Offizieren den ihnen gebührenden Posten anweist. Wem`s nicht gefällt, der kann sich drücken. Ohne Reibung wird`s nicht abgehen, aber es wird gehen, und in kürzerer Zeit, als mancher erwartet, wird die englische proletarische Armee so einig, so gut organisiert, so entschlossen sein wie irgendeine und von allen ihren Kameraden des Kontinents und Amerikas mit Jubel begrüßt“ (Engels, MEW, Band 22, Seite 65).

Oktoberrevolution 1917

militärische Rolle des Klassenbündnisses, Bauernkrieg

In Marx ` Brief an Engels vom 16. 4. 1856 heißt es: „Die ganze Sache in Deutschland wird abhängen von der Möglichkeit, die proletarische Revolution durch eine Art zweite Auflage des Bauernkriegs zu unterstützen. Dann wird die Sache vorzüglich.“

Die bewaffnete Revolution des russischen Proletariats gegen die Bourgeoisie konnte nur siegen durch die Waffenbrüderschaft mit der armen Bauernschaft und ihrem Krieg gegen die Gutsbesitzer.

deutsche Novemberrevolution 1918/19







die sozialistische Revolution als Aufgabe, die letztendlich militärisch gelöst werden muss

„Die Revolution siegt, wenn sie die fortgeschrittenste Klasse vorwärts bringt. Das vorausgesetzt, siegen Revolutionen sogar dann, wenn sie eine Niederlage erleiden“ (Lenin, Band 29, Seite 360.

Der Sozialismus in der Sowjetunion Lenins und Stalins und im Albanien Enver Hoxhas bleibt deswegen unbesiegbar, weil er für die Beseitigung der Klassengesellschaft auf der ganzen Welt unermesslich mehr erbracht hat, als jemals zuvor in der gesamten Weltgeschichte. Selbst die Restauration des Kapitalismus in der Sowjetunion und in Albanien, die Niederlage des Sozialismus in diesen beiden Ländern, hat den Sozialismus deswegen unbesiegbar gemacht. Das ist kein Spiel mit Worten, das ist bereits Geschichte.

Die Macht der Bourgeoisie stürzen und die Macht des Proletariats in einem Lande errichten heißt noch nicht, den vollen Sieg des Sozialismus zu sichern.

„Das Proletariat des siegreichen Landes, das seine Macht gefestigt und seine Führung über die Bauernschaft ausübt, kann und muss die sozialistische Gesellschaft aufbauen. Bedeutet das aber, dass es damit schon den vollständigen, endgültigen Sieg des Sozialismus erreichen wird, das heißt, bedeutet das, dass das Proletariat mit den Kräften eines Landes allein endgültig den Sozialismus verankern und das Land gegen die Intervention und folglich auch gegen die Restauration völlig sichern kann? Nein das bedeutet es nicht. Dazu ist der Sieg der Revolution wenigstens in einigen Ländern notwendig. Deshalb ist die Entwicklung und Unterstützung der Revolution in den anderen Ländern eine wesentliche Aufgabe der siegreichen Revolution. Deshalb soll sich die Revolution des siegreichen Landes nicht als eine selbst genügende Größe betrachten, sondern als Stütze, als Mittel zur Beschleunigung des Sieges des Proletariats in den anderen Ländern.“ (Stalin, Band 6, Seite 95).

„Nachdem wir die Festigung der Sowjetmacht in der UdSSR, ein Anwachsen der kommunistischen Parteien in den ausschlaggebenden Ländern des Kapitalismus und eine Stärkung der Komintern erreicht haben, kann und darf es schon keine isolierten proletarischen Revolutionen mehr geben“ (Stalin, Band 11, Seite 130-131). Und es sei hier hinzugefügt: ... darf es schon keinen isolierten bewaffneten Kampf mehr geben, sondern nur einen vereinigten, bewaffneten internationalen Klassenkampffür die proletarische Weltrevolution; darf es schon keine isolierte Eroberung und Verteidigung der proletarischen Diktatur mehr geben, sondern einen vereinigten Kampf aller Länder für die Diktatur des Proletariats – einer für alle, alle für einen. 1919 war die Revolution in Ungarn noch isoliert. Aber schon 1923 unterstützten die UdSSR und die Komintern den Hamburger Aufstand. Eine proletarische Revolution wird heute schon nicht mehr isoliert sein können. Das Weltproletariat würde niemals schweigend zusehen, wenn die internationale Konterrevolution versuchen sollte, in einem Land die Revolution und die Diktatur des Proletariats zu zerschlagen. Dabei spielen die räumlichen Entfernungen zwar eine Rolle, aber entscheidend ist der politische Zusammenhalt, der auch bei größten geographischen Entfernungen seine Wirkung nicht verfehlt, um so weniger in einer globalisierten Welt wie heute.

Der geographische Faktor ist militärpolitisch zweifellos unbedingt ständig zu berücksichtigen, denn er ist nicht selten ein Faktor, der auf den Sieg oder die Niederlage des bewaffneten Klassenkampfes und die proletarische Revolution einen gewissen Einfluss hat; und er prägt nicht wenig den militärischen Entwicklungsverlauf, die militärische Strategie und Taktik und sogar die gesamte Militärpolitik. So ist denn auch der globale geographische Faktor ein Teil jener globalen objektiven Bedingungen, die im Interesse des internationalistischen, bewaffneten Kampfes für die proletarische Weltrevolution ausgenutzt und deren eigene Entwicklung beschleunigen und stärken kann. Geographische Faktoren sind objektive Faktoren und können zwar ignoriert,übergangen oder erschwert, aber nicht aufgehoben werden. Eine internationale Militärpolitik muss ihrem globalen Charakter entsprechend den globalisierten und lokalen geographischen Faktor unterscheiden, muss dem globalen geographischen Faktor dem lokalen geographischen Faktor gegenüber den Vorrang einräumen, da dieser Faktor im Zeitalter des Weltimperialismus und der proletarischen Weltrevolution der bestimmende geographische Faktor ist. Die Weltkarte ist für die Weltrevolution zwar allerdings ein unverzichtbares Hilfsmittel, aber nicht an der Weltkarte wird die Revolution entschieden, sondern an der wirklichen Front, im wirklichen Hinterland usw. usf. und zwar in allen Ländern der Welt. Wir dürfen hier nicht mechanisch an das Problem der objektiven Bedingungen und ihren Einfluss auf die Revolution herangehen. Der objektive Faktor ist keine starre und unveränderliche Größe, die linear auf gradem Wege heranreift, heranreift und weiter heranreift. Die Imperialisten schrecken nicht davor zurück und sei es um den Preis ihres eigenen Unterganges, die Natur in Schutt und Asche zu verwandeln und Massenvernichtungsmittel einzusetzen, nur um damit die Weltrevolution durch einen hinterlassenen Scherbenhaufen zurückzukatapultieren, wenn sie schon nicht die Gesetzmäßigkeit ihres unvermeidbaren Sieges außer Kraft setzen können. Mit einem Krieg wurde in der Geschichte schon so manche Revolution verhindert, aber einige davon infolge des Krieges siegreich beendet. Der Marxismus-Leninismus hat daraus aber nie die wahnwitzige Schlussfolgerung gezogen, den imperialistischen Krieg etwa als eine Art „Triebfeder der Revolution“ zu betrachten. Niemals hat der Marxismus-Leninismus einen Zweifel daran aufkommen lassen, dass jede Verhinderung des Ausbruches eines imperialistischen Krieges tausendmal besser ist für die Revolution und den Aufbau des Sozialismus, als mit der Revolution den imperialistischen Krieg zu beenden und auf einem Trümmerhaufen den Sozialismus aufbauen zu müssen. Nur, Faschismus und Krieg der Imperialisten ist ja eben das vermeintliche Mittel ihres Irrglaubens, der Revolution und dem Sozialismus zuvorzukommen, damit die Revolution und den Sozialismus zu verhindern bzw. zu erschweren. Das Gesetz der Unvermeidbarkeit des Krieges kann erst mit der Beseitigung des Imperialismus ausgehebelt werden. Nicht jeder imperialistische Krieg führt automatisch zur Revolution. Aber selbst dann würden wir Marxisten-Leninisten niemals seelenruhig auf den imperialistischen Krieg warten, bis „unsere Chance“ auf die Revolution automatisch kommt. Der Marxismus-Leninismus ist eine revolutionäre Lehre und das heißt, dass die Arbeiterklasse stärker ist als die Kapitalisten, dass die Revolution den imperialistischen Krieg verhindern kann, und nicht dazu verurteilt ist, dessen mögliches Nebenprodukt zu sein. So wie die Bolschewiki den ersten Weltkrieg mit der Oktoberrevolution beendeten, hätte das ganze Weltproletariat auch den zweiten Weltkrieg verhindern können, hätten wir schon den Weltsozialismus friedlich aufbauen können, wenn wir Kommunisten nicht auf die Revisionisten, die Agenten des Weltimperialismus in den Reihen der Arbeiterbewegung, in unseren eigenen Reihen, reingefallen wären, wenn wir sie rechtzeitig davongejagt hätten. Ohne unseren siegreichen Kampf gegen die Revisionisten kann die Revolution dem imperialistischen Krieg nicht zuvorkommen – das ist die Lehre aus den imperialistischen Kriegen hervorgegangenen Revolutionen. Die bisherige Geschichte des Sozialismus ist eine Geschichte eines Sozialismus, der aus den Weltkriegen hervorgegangen ist. Die objektiven Bedingungen für die Zurückeroberung des Sozialismus und damit die Fortsetzung seiner Geschichte sprechen für einen Sozialismus, der nicht mehr aus den imperialistischen Kriegen selbst, sondern aus der siegreichen Revolution der Verhinderung eines Weltkrieges hervorgeht. Eben darauf muss sich die heutige Militärpolitik des Weltproletariats stützen und orientieren. Das ist eine außerordentlich wichtige Frage, und sie muss konsequenter als bisher wissenschaftlich untersucht und untermauert werden.

Die objektiven und subjektiven Faktoren der Revolution können durch einen imperialistischen Krieg wieder erschwert werden, denn die Lebensweise der Menschen verändert sich mit ihren durch den Krieg zerstörten Lebensbedingungen, ihre Produktionsweise mit ihren durch den Krieg veränderten Produktionsbedingungen, haben also auch die Kriege stets Einfluss genommen auf die Entwicklungsgeschichte der Produktivkräfte und der Produktionsverhältnisse in der ganzen Welt und das Ausmaß einer zukünftigen Zerstörung verglichen mit allen bisherigen imperialistischen Kriegen ist unvorstellbar gravierender. Werden die werktätigen Massen im Krieg physisch vernichtet, wird auch dieser Hauptfaktor des Produktionsprozesses vernichtet. Die werktätigen Massen sind schließlich diejenigen, die die notwendigen materiellen Güter für die Existenz aller Menschen auf der Welt besorgen. Die Geschichtswissenschaft kann sich also nicht schicksalhaft auf die Geschichte der Kriege, die Geschichte der Zerstörung von Natur und Produktivkräften in den einzelnen Ländern und in der ganzen Welt reduzieren, sondern muss sich vor allem mit der Geschichte der Völker als Produzenten der materiellen Güter, als Kräfte der Verhinderung imperialistischer Kriege, der Verhinderung der Vernichtung von Mensch und Natur beschäftigen. So wurde der Sozialismus und die Rote Armee in Russland auf den Trümmern des ersten Weltkrieges, unter den schlimmsten Bedingungen, sozusagen „aus dem Nichts“ aufgebaut. Die Opfer dürfen wir niemals vergessen. Jede gesprengte Brücke im Hinterland der feindlichen Front ist zweifellos ein Schaden, aber mehr für den Feind als für uns selbst – und damit sind große materiellen Opfer ebenso wie die großen menschlichen Opfer für die revolutionäre Befreiung des Weltproletariats und der Völker vom Weltimperialismus unvermeidlich, kann uns das Schreckgespenst eines Atomkrieges und damit die Kriegsauswirkungen auf große Territorien dieses Erdballs, die Drohung mit der Vernichtung des Lebens auf großen Teilen dieser Erde nicht vom revolutionären Kampf abhalten, sondern – im Gegenteil - können uns in diesem Kampf nur noch mehr bestärken, um die Weltimperialisten eben bereits vor diesen schrecklichen Ereignissen zu entwaffnen, ihnen mit unserer Revolution zuvorzukommen, um Schlimmeres zu verhindern und die vorhandenen Ressourcen für den friedlichen Aufbau des Sozialismus zu nutzen - bevor sie der imperialistische Krieg zerstört hat. Unsere Strategie und Taktik, mit der Weltrevolution der Massenvernichtung der Weltimperialisten zuvorzukommen, hat absolut Vorrang vor der Strategie und Taktik, die imperialistischen Kriege in internationale Bürgerkriege zu verwandeln und damit die sozialistische Weltrevolution aus den imperialistischen Kriegen heraus zur Geburt zu verhelfen.

Stalin lehrte uns, dass man die räumlich-geopraphische und die politische Isoliertheit - bzw. umgekehrt deren Verbundenheit - nicht gleichsetzen oder verwechseln darf. Beliebige Militäraktionen kann man nicht willkürlich in beliebigen Territorien und zu beliebigen Zeiten durchführen, sondern nur solche, die durch die vorangegangene Entwicklung gesetzmäßig vorbereitet und für die die objektiven Voraussetzungen reif geworden sind - und die objektiven Bedingungen im nationalen Rahmen sind natürlich denen im Weltmaßstab nicht gleichzusetzen, kann also die sozialistische Weltrevolution nicht aus der Gleichzeitigkeit der sozialistischen Revolution in den einzelnen Ländern hervorgezaubert werden, da die globalen objektiven Bedingungen nicht in gleicher Weise und im gleichen Tempo heranwachsen wie in jedem einzelnen Land. Daher kann nur jene Militärpolitik wissenschaftlich begründet sein, die den dialektischen Zusammenhang der völligen Übereinstimmung der objektiven mit den subjektiven Faktoren anerkennt. Sind die objektiven Bedingungen für die proletarische Revolution reif, dann entscheidet der subjektive Faktor alles, dann ist der der politische Faktor der Hauptfaktor. Ist der Zeitpunkt des revolutionären Aufstandes gekommen, entscheiden die Gewehre:

„Um den Interventen zu schaden, ist es keineswegs erforderlich, dass man mit dem Lande der Revolution unbedingt räumlich verbunden ist. Hierzu genügt es, die Interventen an den verwundbarsten Punkten ihres eigenen Territoriums zu treffen, damit sie die Gefahr spüren und die ganze Realität der proletarischen Solidarität begreifen. Angenommen, wir würden dem bürgerlichen England im Gebiet von Leningrad zu nahe treten und ihm erheblichen Schaden zufügen. Folgt daraus, dass sich England dafür unbedingt in Leningrad an uns rächen muss? Nein, das folgt nicht daraus. Es könnte sich dafür irgendwo in Batum, in Odessa, in Baku oder, sagen wir, in Wladiwostock an uns rächen. Dasselbe gilt für die Formen der Hilfe und Unterstützung, die die proletarische Diktatur der proletarischen Revolution in einem der Länder, sagen wir, Europas gegen die imperialistischen Interventen zuteil werden lässt(Stalin, Band 11, Seite 131); [Hervorhebung vom Verfasser]. Oder nehmen wir die Unterstützung im Spanischen Bürgerkrieg, um nur ein historisches Beispiel zu nennen.

Und so verhält es sich auch mit der proletarischen Solidatrität der Armeen der Diktatur des Proletariats in der UdSSR Lenins und Stalins und im Albanien Enver Hoxhas, denn sie waren ein Teil der Armee des Weltproletariats, ihre Vorhut. Diese Armeen waren insofern Schöpfungen des Weltproletariats, als sie gar nicht die Macht erobern, behaupten und verteidigen konnten ohne praktizierten proletarischen Internationalismus der Arbeiterklasse in den kapitalistischen Ländern, ohne die praktizierte Unterstützung der unterdrückten Völker in der ganzen Welt. Wenn hier und dort Flammen des revolutionären militärischen Kampfes in den einzelnen Ländern aufflackern, dann bedarf es vor allem und hauptsächlich eines starken Zustroms frischer Luft, damit diese Flammen zu einer mächtigen weltrevolutionären Lohe werden können – dieser starke Zustrom wird durch nichts anderes erzeugt, als durch die proletarische Weltarmee! Die Frage, mit welcher Schnelligkeit, auf welchem Wege und in welchen spezifischen Formen das Weltproletariat imstande sein wird, den Aufbau seiner revolutionären Weltarmee zu vollziehen, lässt sich heute noch nicht voraussagen, aber heute steht bereits fest, dass wir die Notwendigkeit der proletarischen Weltarmee unbedingt zu propagieren haben. Den Beginn ihres tatsächlichen Aufbaus darf man nicht mit dem Beginn der Propaganda für sie verwechseln, denn eins steht fest: Die Propaganda für die proletarische Weltarmee muss jahrelang vorher betrieben werden, also lange bevor der erste Soldat für diese Armee tatsächlich aufgestellt sein wird. Die Weltrevolutionäre sehen die sozialistische Weltrevolution voraus, bevor sie ausbricht, erkennen die Notwendigkeit der proletarischen Weltarmee, bevor sie zum Einsatz kommt, erläutern ihre Unvermeidbarkeit den Massen, ihren Kampfauftrag, ihre Marschroute, ihre Kampfmethoden, so weit dies irgend möglich ist.

Die s





- Ende Teil IX -



zum nächsten Teil


Teil X

Teil XI

Teil XII

Teil XIII

Teil XIV

Teil XV (letzter Teil)