Schulungstexte der Komintern/ML





VIII. Teil



Lehrbuch

über die Grundlagen der

marxistisch-leninistischen

Militärwissenschaft

und über die Kunst der

weltrevolutionären Klassenkriegsführung





Stalin gegen die Kritik am sogenannten „Aufstands“-Sozialismus

Am 23. Juli 1934 hatte Stalin mit dem englischen Schriftsteller H.G. Wells eine Unterredung, in der dieser der Meinung war:

Ich glaube, es ist sinnlos, mit den Methoden des alten, starren Aufstands-Sozialismus zu operieren (...) Ich fürchte, dass Klassenkrieg-Propaganda gerade diejenigen gebildeten Menschen vom Sozialismus abschreckt, die der Sozialismus braucht“ (Stalin zitiert H.G. Wells, Band 14, Seite 17 und 19, KPD/ML-Ausgabe, Dortmund 1976).

H.G. Wells schien Lenins Auffassung von der Frage des Aufstandes nicht genau zu kennen, sonst würde er wissen, dass Lenin sich stets verpflichtet fühlte, diese Frage immer von Neuem zu prüfen und eben niemals starr-schablonenhaft zu betrachten, denn für uns ist der Aufstand nur eines der wichtigen, aber durchaus nicht immer obligatorischen Mittel, ein freies Feld zum Kampf für den Sozialismus zu erobern“ (Lenin, Band 9, Seite 269). Ob Aufstand ja oder Aufstand nein, das ist keine prinzipielle Frage, sondern eine Frage der Zweckmäßigkeit, ob sie uns unserem Ziel des Sozialismus näher bringt oder nicht.

Doch greifen wir die Kritik von H.G. Wells ruhig einmal auf: Wenn wir uns heute die praktische Aufgabe stellen, den Sozialismus zurückzuerobern, so wird uns diese und ähnliche Kritik amstarren Festhalten an der Aufstandstheorie“ unter den Bedingungen einer „modernen, zivilisierten“ Gesellschaft wieder begegnen. Wir können darauf nur 2 Antworten geben: Richtig, es ist sinnlos, den Sozialismus mit veralteten, erstarrten Methoden zurückerobern zu wollen. Kein Kommunist ist der Ansicht, dass man die heutigen Gewalttaten der hochtechnisierten Militärmaschinerie des Weltimperialismus mit der Steinschleuder des Altertums aufhalten geschweige denn beseitigen kann. Jeder Kommunist wird antworten, dass nur eine solche militärische Kraft etwas ausrichten kann, die der des Weltimperialismus ÜBERLEGEN ist – und das kann nur die vereinigte Kraft der Proletarier aller Länder und ihre Unterstützung durch die Völker sein. Alles andere ist frommes Wunschdenken, realitätsfremdes Geschwätz. Wir Kommunisten tun also weiterhin alles – einschließlich der Beseitigung nicht mehr zeitgemäßer Methoden -, um Aufstände aller Ausgebeuteten und Unterdrückten dieser Erde zu fördern, zu erleichtern, und zu unterstützen, zu leiten und zu führen, die geeignet sind, sich von der Tyrannei der alten kapitalistischen Klassenherrschaft zu befreien.

Nehmen wir einmal an, wir würden dem englischen Schriftsteller H.G. Wells heute den Gefallen tun und selbstkritisch unsere starre Aufstandspropaganda“, unseren kommunistischen Agitationston“, unsereGewaltverherrlichung“ etc. unterlassen und aufgeben, so würde doch - völlig unabhängig von unserem Zutun - der Zusammenstoß der Klassen unvermeidbar fortdauern, würde es trotzdem im Prozess der Verschärfung der Klassenwidersprüche in der Krise ganz gesetzmäßig zum Klassenkrieg kommen. Der Aufstand ist für die Marxisten-Leninisten nicht einfach ein spontaner, sondern ein revolutionärer Prozess des Kampfes, der sich durch die Verschärfung des Zusammenstoßes der Klassen entwickelt und schließlich vollzieht. Der Aufstand ist nicht das Produkt von „Hirngespinsten“, sondern objektiver Bestandteil jeder Klassen, die sich von den herrschenden Klassen befreien. Anders konnten sie sie nicht befreien und werden sie sich nicht befreien können. Nichts täten die Menschen lieber, als auf die Grausamkeit und auf das Blut, das ein Aufstand kostet, zu verzichten. Die Leidtragenden sind immer die Werktätigen, die armen Leute, die Mehrheiten in der Bevölkerung, bringen die Ausgebeuteten und Unterdrückten die größten Opfer. Die Menschen brauchen grundsätzlich keinen Aufstand, er wird ihnen aber aufgezwungen von den herrschenden Bedingungen, vom Existenzkampf auf Leben und Tod mit Ausbeutern und Unterdrückern. Wir Kommunisten verherrlichen nicht den Aufstand, vielmehr würden wir es begrüßen, wenn die Weltbourgeoisie freiwillig abträte, aber welche herrschende Klasse ist in der Geschichte freiwillig abgetreten? Keine einzige. Es ist ja eben charakteristisch für antagonistische Klassengesellschaften, dass die Existenz der Klassen auf Diktatur, auf Gewalt, der einen über die anderen beruht, um deren Ausbeutung aufrechtzuerhalten. Keine antagonistische Klassengesellschaft, sei sie auch noch so zivilisiert und demokratisch, ist in der Lage, einen Aufstand zu „verhindern“. Wir Kommunisten sagen deshalb, dass es das besondere Wesen des sozialistischen Aufstandes ist, und dass sich dieser von allen Aufständen der vorangegangenen Geschichte gerade dadurch unterscheidet, dass er das Gesetz von der Unvermeidbarkeit von Aufständen für immer aufhebt, dass er überflüssig wird und genauso verschwindet, wie die Klassengesellschaft, die ihn gesetzmäßig erzeugt. In einer klassenlosen Gesellschaft, die wir Kommunisten anstreben, sind Aufstände unmöglich, weil dafür der ökonomische Boden der privaten Aneignung, des Klasseneigentums, der Ausbeutung und Unterdrückung der Klassen durch andere, entzogen worden ist. Also, liebe „zivilisierte Sozialisten“,:ein Aufstand lässt sich weder herbeireden oder heraufbeschwören- auch nicht mit „kommunistischer Aufstandspropaganda“ -, noch lässt er sich von irgend jemandem daran hindern, spontan oder organisiert auszubrechen, wenn die Zeit und die ökonomischen Bedingungen dazu reif sind. Stalin antwortete:

Warum? Weil jene Klassen, die von der Bühne der Geschichte abzutreten haben, die letzten sind, die daran glauben wollen, dass ihr Spiel aus ist. Es ist unmöglich, sie davon zu überzeugen. Sie glauben, dass die Risse im faulen Gefüge der alten Ordnung ausgebessert werden können, dass das wankende Gefüge der alten Ordnung instand gesetzt und gerettet werden kann. Eben deshalb greifen die untergehenden Klassen zu den Waffen und setzen jedes Mittel ein, um sich als herrschende Klasse zu halten“ (ebenda, Seite 18). „Nehmen Sie z.B. den Faschismus. Der Faschismus ist eine reaktionäre Kraft, die unter Anwendung von Gewalt die alte Welt zu erhalten sucht. Was wollen sie mit den Faschisten machen? Mit ihnen diskutieren? Sie zu überzeugen versuchen? Aber damit erreichen Sie bei ihnen nicht das Geringste. Die Kommunisten verherrlichen keineswegs die Anwendung von Gewalt. Aber sie, die Kommunisten, sind nicht willens, sich überrumpeln zu lassen, sie können sich nicht darauf verlassen, dass die alte Welt freiwillig von der Bühne abtritt, sie sehen, dass das alte System sich gewaltsam verteidigt, und deshalb sagen die Kommunisten der Arbeiterklasse: Beantwortet Gewalt mit Gewalt, tut alles, was in euren Kräften steht, um zu verhindern, dass die alte, sterbende Ordnung euch zermalmt, lasst nicht zu, dass sie Fesseln um eure Hände legt, um die Hände, mit denen ihr das alte System niederreißen werdet! Sie sehen also, die Kommunisten betrachten die Ablösung eines Gesellschaftssystems durch ein anderes nicht einfach als einen spontanen und friedlichen Prozess, sondern als einen komplizierten, langwierigen und gewaltsamen Prozess. Die Kommunisten können die Augen nicht vor den Tatsachen verschließen. (...) Die Kommunisten stützen sich auf reiche historische Erfahrungen“ (ebenda, Seite 17). „Deshalb sind die Kommunisten auf das Schlimmste gefasst und rufen die Arbeiterklasse auf, wachsam und kampfbereit zu sein. Was ist ein Führer wert, der die Wachsamkeit seiner Armee einschläfert, ein Führer der nicht begreift, dass der Feind nicht kapitulieren wird, dass er vernichtet werden muss? Wer als Führer so handelt, der betrügt, der verrät die Arbeiterklasse. Das ist der Grund, warum ich der Meinung bin, dass das, was Ihnen überholt zu sein scheint, für die Arbeiterklasse in Wirklichkeit ein Maßstab für revolutionäres Handeln ist“ (ebenda, Seite 19).

Wir sind weit davon entfernt, uns der romantisch-revolutionären Illusion hinzugeben, dass ein Aufstand allein - also der Aufstand als einfache Überrumpelung des Feindes, als Sieg durch einen einzigen großen Schlag – den endgültigen Sieg bedeutet. Dies widerspricht allen historischen Erfahrungen der internationalen Arbeiterbewegung. Wenn das mächtige Weltproletariat bis heute noch nicht das Ziel seiner Emanzipation erreicht hat - trotz Organisation, Disziplin, Einheit Einsicht, trotz Sozialismus in einem Land etc. - , um so klarer müssen wir die Lehre des Aufstands als eine Kunst meistern, wie mit einem siegreichen Aufstand - im harten zähen Kampf von Position zu Position - das endgültige zu erreichende Ziel Stück für Stück näher rückt in einem langwierigen revolutionären Prozess, wo ein Aufstand den nächsten bereits vorbereitet. Es handelt sich schließlich um den Umschlag der Revolution der Minorität in die Revolution der Majorität, um das Erlernen und Anwenden der Kunst des Aufstandes nicht allein von einzelnen Revolutionären oder einer revolutionären Partei, sondern um die Kunst des Aufstands der von ihnen geführten Klasse und schließlich der revolutionären Massen. Der Aufstand ist dabei höchstens nur ein einzelner Akt im gesamten, langwierigen, komplizierten Prozess der revolutionären gesellschaftlichen Umwälzung aller Klassen auf dieser Welt.



Straßenkampf und Barrikadentaktik

Unsere Losung:

Straße frei -

für die Kommunistische Partei !“

Straßenkampf und Barrikadentaktik sind historische Begriffe, das heißt sie werden zu verschiedenen Zeiten verschieden angewandt und haben unterschiedliche Bedeutung, einmal größere, einmal kleinere und manchmal kaum eine. So stellte Lenin 1906 fest:

Mit Barrikadenkampf als Hauptkampfmittel ist noch keine sozialistische Revolution siegreich durchgeführt worden und wird auch nicht die sozialistische Weltrevolution zum Sieg führen. Engels meinte sogar – bezogen auf die Ära des Straßen- und Barrikadenkampf es des 19. Jahrunderts : Die Ära der Barrikaden und Straßenschlachten ist für immer vorbei; wenn die Truppe sich schlägt, wird der Widerstand Wahnsinn. Also ist man verpflichtet, eine neue revolutionäre Taktik zu finden“ (Engels Brief an Lafargue 1892, MEW, Band 38, Seite 505). „Ich hoffe, es wird in Paris [am 21. Mai 1885 fand dort eine Großkundgebung anlässlich des Jahrestages der Ermordung der Pariser Kommunarden statt – Anmerkung des Verfassers] nicht wieder wegen Roter Fahnen usw. zu Zusammenstößen kommen – die Polizei braucht ein Paar Barrikaden, und wenn sie die bekommt, wird es ein schönes Gemetzel geben – das Volk hat nicht die geringste Chance auf einen Sieg. Selbst wenn die Regierung zögern sollte, werden die reaktionären Militärs dafür sorgen, dass alles Gewehr bei Fuß steht, und eingreifen“ (Engels, Brief an Lafargue, MEW, Band 36, Seite 321).

Der Straßenkampf ist etwas ganz anderes als ein Gefecht im offenen Feld“ (Engels, MEW, Band 7, Seite 115).

Die Rebellion alten Stils, der Straßenkampf mit Barrikaden, der bis 1848 überall die letzte Entscheidung gab, war bedeutend veraltet“ (Marx, MEW, Band 22, Seite 519). „Du sagst selbst, Barrikaden seien veraltet ( sie können aber wieder nützlich werden, sobald die Armee zu 1/3 - 2/5 sozialistisch ist und es drauf ankommt, ihr Gelegenheit zum Umfallen zu geben), aber der politische Strike muss entweder sofort siegen -bloß durch eine Drohung ( wie in Belgien, wo die Armee sehr wacklig war) – oder aber in einer kolossalen Blamage endigen oder schließlich direkt auf die Barrikaden führen(Engels, MEW, Band 39, Seite 161).

Machen wir uns keine Illusion darüber: ein wirklicher Sieg des Aufstandes über das Militär im Straßenkampf, ein Sieg wie zwischen zwei Armeen, gehört zu den größten Seltenheiten. Darauf hatten aber die Insurgenten es auch ebenso selten angelegt. Es handelte sich für sie darum, die Truppen mürbe zu machen durch moralische Einflüsse, die beim Kampf zwischen den Armeen zweier kriegführender Länder gar nicht oder doch in weit geringerem Grad ins Spiel kommen. Gelingt es, so versagt die Truppe oder die Befehlshaber verlieren den Kopf, und der Aufstand siegt. Gelingt das nicht, so bewährt sich, selbst bei einer Minderzahl auf Seiten des Militärs, die Überlegenheit der besseren Ausrüstung und Schulung, der einheitlichen Leitung, der planmäßigen Verwendung der Streitkräfte und der Disziplin. Das Höchste, wozu es die Insurrektion in wirklich taktischer Aktion bringen kann, ist die kunstgerechte Anlage und Verteidigung einer einzelnen Barrikade. Gegenseitige Unterstützung, Aufstellung resp. Verwendung von Reserven, kurz, das schon zur Verteidigung eines Stadtbezirks, geschweige einer ganzen großen Stadt, unentbehrliche Zusammenwirken und Ineinandergreifen der einzelnen Abteilungen wird nur höchst mangelhaft, meist gar nicht zu erreichen sein; Konzentration der Streitkräfte auf einen entscheidenden Punkt fällt da von selbst weg. Damit ist die passive Verteidigung die vorwiegende Kampfform; der Angriff wird sich hier und da, aber auch nur ausnahmsweise, zu gelegentlichen Vorstößen und Flankenanfällen aufraffen, in der Regel aber sich nur auf Besetzung der von der zurückgehenden Truppe verlassenen Stellungen beschränken. Wozu noch auf Seiten des Militärs die Verfügung über Geschütz und vollständig ausgerüstete und geübte Genietruppen kommt, Streitmittel, die den Insurgenten in fast allen Fällen gänzlich abgehn. Kein Wunder also, dass selbst die mit dem größten Heldenmut geführten Barrikadenkämpfe – Paris Juni 1848, Wien Oktober 1848, Dresden Mai 1849 – mit der Niederlage des Aufstandes endigten, sobald die angreifenden Führer, ungehemmt durch politische Rücksichten, nach rein militärischen Gesichtspunkten handelten und ihre Soldaten zuverlässig blieben.

Die zahlreichen Erfolge der Insurgenten bis 1848 sind sehr mannigfachen Ursachen geschuldet. In Paris 1830 und Februar 1848, wie in den meisten spanischen Straßenkämpfen, stand zwischen den Insurgenten und dem Militär eine Bürgerwehr, die entweder direkt auf Seite des Aufstandes trat oder aber durch laue, unentschiedene Haltung die Truppen ebenfalls ins Schwanken brachte und dem Aufstand obendrein Waffen lieferte. Da, wo diese Bürgerwehr von vornherein gegen den Aufstand auftrat, wie Juni 1848 in Paris, wurde dieser auch besiegt. In Berlin 1848 siegte das Volk teils durch den bedeutenden Zuwachs neuer Streitkräfte während der Nacht und Morgens am 19. März, teils in Folge der Erschöpfung und schlechten Verpflegung der Truppen, teils endlich infolge der erlahmenden Befehlsgebung. In allen Fällen aber wurde der Sieg erkämpft, weil die Truppe versagte, weil den Befehlshabern die Entschlussfähigkeit ausging oder aber, weil ihnen die Hände gebunden waren. Selbst in den klassischen Zeiten der Straßenkämpfe wirkt also die Barrikade mehr moralisch als materiell. Sie war ein Mittel, die Festigkeit des Militärs zu erschüttern. Hielt sie vor, bis dies gelang, so war der Sieg erreicht; wo nicht, war man geschlagen. Es ist dies der Hauptpunkt, der im Auge zu halten ist, auch wenn man die Chancen etwaiger künftiger Straßenkämpfe untersucht> [Spitze Klammern kennzeichnen Textstellen, die aus Rücksicht auf die `umsturzvorlagenfurchtsamtlichen Bedenken` (Engels` Formulierung) des Berliner Parteivorstandes gestrichen wurden];

(...) Diese Chancen standen schon 1849 ziemlich schlecht. Die Bourgeoisie hatte sich überall auf die Seite der Regierung geschlagen, `Bildung und Besitz` begrüßten und bewirteten das gegen Aufstände ausziehende Militär. Die Barrikaden hatten ihren Zauber verloren; der Soldat sah hinter ihr nicht mehr `das Volk` , sondern Rebellen, Wühler, Plünderer, Teiler, den Auswurf der Gesellschaft; der Offizier war mit der Zeit bewandert geworden in den taktischen Formen des Straßenkampfes, er marschierte nicht mehr geradeaus und ungedeckt auf die improvisierte Brustwehr los, sondern umging sie durch Gärten, Höfe und Häuser. Und das gelang jetzt, bei einigem Geschick, in neun von zehn Fällen.

Seitdem aber hat sich noch sehr viel verändert, und alles zu Gunsten des Militärs. Sind die Großstädte bedeutend größer geworden, so noch mehr die Armeen. Paris und Berlin sind seit 1848 nicht ums Vierfache gewachsen, ihre Garnisonen aber um mehr als das. Diese Garnisonen können vermittels der Eisenbahnen in 24 Stunden sich mehr als verdoppeln, in 48 Stunden zu Riesenarmeen anschwellen. Die Bewaffnung dieser enorm verstärkten Truppenzahlen ist unvergleichlich wirksamer geworden. (...) Damals die relativ schwach wirkenden Vollkugeln und Kartätschen der Artillerie, heute die Perkussionsgranaten, deren eine hinreicht, die beste Barrikade zu zertrümmern. Damals die Spitzhacke des Pioniers zum Durchbrechen von Brandmauern, heute die Dynamitpatrone.

Auf Seiten der Insurgenten dagegen sind alle Bedingungen schlechter geworden. Ein Aufstand, mit dem alle Volksschichten sympathisieren, kommt schwerlich wieder; im Klassenkampf werden sich wohl nie alle Mittelschichten so ausschließlich ums Proletariat gruppieren, dass die um die Bourgeoisie sich scharende Reaktionspartei dagegen fast verschwinde. Das `Volk` wird also immer geteilt erscheinen, und damit fehlt ein gewaltiger, 1848 so äußerst wirksamer Hebel. Kommen auf Seiten der Aufständischen mehr gediente Soldaten, so wird ihre Bewaffnung um so schwieriger. Die Jagd- und Luxusflinten der Waffenläden – selbst wenn nicht vorher von Polizei wegen durch Wegnahme eines Schlossteiles unbrauchbar gemacht – sind auch im Nahkampf dem Magazingewehr des Soldaten nicht entfernt gewachsen. Bis 1848 konnte man aus Pulver und Blei sich die nötige Monition selber machen, heute ist die Patrone für jedes Gewehr verschieden und nur in dem einen Punkt überall gleich, dass sie ein Kunstprodukt der großen Industrie, also nicht unter der hand anzufertigen ist, dass also die meisten Gewehre nutzlos sind, solange man nicht die speziell für sie passende Munizion hat. Und endlich sind die seit 1848 neugebauten Viertel der großen Städte, in langen, geraden, breiten Straßen angelegt, wie gemacht für die Wirkung der neuen Geschütze und Gewehre. Der Revolutionär müsste verrückt sein, der sich die neuen Arbeiterdistrikte im Norden und Osten von Berlin zu einem Barrikadenkampf selbst aussuchte.

Heißt das, dass in Zukunft der Straßenkampf keine Rolle mehr spielen wird? Durchaus nicht. Es heißt nur, dass die Bedingungen seit 1848 weit ungünstiger für die Zivilkämpfer, weit günstiger für das Militär geworden sind. Ein künftiger Straßenkampf kann also nur siegen, wenn diese Ungunst der Lage durch andere Momente aufgewogen wird. Es wird daher seltener im Anfang einer großen Revolution vorkommen als im weiteren Verlauf einer solchen und wird mit größeren Kräften unternommen werden müssen. Diese aber werden dann wohl, wie in der ganzen großen französischen Revolution, am 4. September und 31. Oktober 1870 in Paris, den offenen Angriff der passiven Barrikadentaktik vorziehen. [Spitze Klammern kennzeichnen Textstellen, die aus Rücksicht auf die `umsturzvorlagenfurchtsamtlichen Bedenken` (Engels) des Berliner Parteivorstandes gestrichen wurden];

Versteht der Leser nun, weshalb die herrschenden Klassen uns platterdings dahin bringen wollen, wo die Flinte schießt und der Säbel haut? Warum man uns heute der Feigheit zeiht, weil wir uns nicht ohne Weiteres auf die Straße begeben, wo wir der Niederlage im Voraus gewiss sind? Warum man uns so inständig anfleht, wir möchten doch endlich einmal Kanonenfutter spielen? Die Herren verschwenden ihre Bittgesuche wie ihre Herausforderungen für nichts und wieder nichts. So dumm sind wir nicht. Sie könnten ebenso gut von ihrem Feind im nächsten Krieg verlangen, er solle sich ihnen stellen in der Linienformation des alten Fritz oder in den Kolonnen ganzer Divisionen á la Wagram und Waterloo, und das mit dem Steinschlossgewehr in der Hand. Haben sich die Bedingungen geändert für den Völkerkrieg, so nicht minder für den Klassenkampf. Die Zeit der Überrumpelungen, der von kleinen bewussten Minoritäten an der Spitze bewusstloser Massen durchgeführten Revolutionen ist vorbei. Wo es sich um eine vollständige Umgestaltung der gesellschaftlichen Organisation handelt, da müssen die Massen selbst mit dabei sein, selbst schon begriffen haben, worum es sich handelt, für was sie mit Leib und Leben eintreten. Das hat uns die Geschichte der letzten fünfzig Jahre gelehrt. Damit aber die Massen verstehen, was zu tun ist, dazu bedarf es langer, ausdauernder Arbeit, und diese Arbeit ist es gerade, die wir jetzt betreiben, und das mit einem Erfolg, der die Gegner zur Verzweiflung bringt (...) < überall ist das unvorbereitete Losschlagen in den Hintergrund geraten>[Spitze Klammern kennzeichnen Textstellen, die aus Rücksicht auf die `umsturzvorlagenfurchtsamtlichen Bedenken` (Engels) des Berliner Parteivorstandes gestrichen wurden];

In Frankreich, wo doch der Boden seit über 100 Jahren durch Revolution auf Revolution unterwühlt ist, wo es keine einzige Patrtei gibt, die nicht in Konspiration, Aufständen und allen anderen revolutionären Aktionen das Ihrige geleistet hätte; in Frankreich, wo infolgedessen die Armee der Regierung keineswegs sicher ist und wo überhaupt die Umstände für einen insurrektionellen Handstreich weit günstiger liegen als in Deutschland – selbst in Frankreich sehen die Sozialisten mehr und mehr ein, dass für sie kein dauernder Sieg möglich ist, es sei denn, sie gewinnen vorher die große Masse des Volkes, d.h. hier die Bauern“ (MEW, Band 22, Seite 519-523).

Die beste Demonstration der deutsche Sozialisten ist ihre Existenz und ihr langsames, regelmäßiges und unaufhaltsames Voranschreiten. Wir sind noch weit davon entfernt, einen offenen Kampf führen zu können, und wir haben gegenüber ganz Europa und Amerika die Pflicht, keine Niederlage zu erleiden, sondern, wenn der Augenblick gekommen ist, in der ersten großen Schlacht zu siegen. Dieser Überlegung ordne ich jede andere unter“ (MEW, Band 38, Seite 20).

An dem Tage, an dem wir in der Mehrheit sein werden, wird sich das, was die französische Armee instinktiv getan hat, als sie nicht auf das Volk schoss, bei uns in bewusster Weise wiederholen. Ja, was die verängstigten Bourgeois auch sagen mögen, wir können den Zeitpunkt berechnen, zu dem wir die Mehrheit der Bevölkerung auf unserer Seite haben werden, unsere Ideen verbreiten sich überall“ (MEW, Engels, Band 22, Seite 543).

Lenin bemerkt zu Engels` Darlegungen über den Barrikadenkampf:

Die Sozialdemokratie hat in den vierziger Jahren des 19. Jahrhunderts den Straßen – und Barrikadenkampf anerkannt, sie hat ihn auf Grund bestimmter Voraussetzungen am Ende des 19. Jahrhunderts abgelehnt – und sie hat ihre völlige Bereitschaft erklärt, diese letztere Ansicht zu revidieren und nach den Erfahrungen Moskaus, das nach den Worten K. Kautskys eine neue Barrikadentaktik hervorgebracht hat, den Barrikadenkampf als zweckmäßig anzuerkennen“ (Lenin, Band 11, Seite 204). Wie wir bei Lenin nachlesen können, hatte Kautsky zu Recht die Beurteilung der alten Barrikadentaktik von Engels am Hand des Vergleichs zwischen Pariser und Moskauer Aufstandes modifiziert. Hier zwei Zitate von Kautsky, die Lenin anführte:

` Ich kann heute nicht mehr mit der Bestimmtheit, wie ich es damals noch tat, erklären, dass bewaffnete Insurrektionen mot Barrikadenkämpfen in der kommenden Revolution keine entscheidende Rolle mehr spielen werden. Dagegen sprachen zu laut die Erfahrungen des Moskauer Straßenkampfes, wo sich eine Handvoll Menschen über eine Woche lang gegen eine ganze Armee im Barrikadenkampf behauptete und fast siegte, wenn nicht das Versagen der revolutionären Bewegung in anderen Städten erlaubt hätte, die Armee so zu verstärken, dass schließlich eine ungeheure Übermacht gegen die Insurgenten konzentriert war. Freilich war dieser realtive Erfolg des Barrikadenkampfes nur möglich, weil die Bevölkerung der Stadt die Revolutionäre tatkräftig unterstützte und die Truppen total demoralisiert waren. Aber wer kann mit Bestimmtheit behaupten, dass etwas Derartiges in Westeuropa unmöglich ist?`“ (zitiert bei Lenin, Band 15, Seite 49).

`Beide – die Pariser Junischlacht, und die Moskauer Dezemberschlacht – waren Barrikadenkämpfe`, sagte Kautsky,` aber jene bildete die Katastrophe, den Abschluss der alten Barrikadentaktik; diese die Inaugurierung einer neuen Barrikadentaktik. Und insofern haben wir die Anschauung zu revidieren, die Friedrich Engels in seiner Einleitung zu den Marxschen `Klassenkämpfen` niedergelegt, die Anschauung, als sei die Zeit der Barrikadenkämpfe vorbei. Das hat die Schlacht von Moskau bewiesen, wo es einem Häuflein Insurgenten gelang, sich gegen überlegene, mit allen Mitteln der modernen Artillerie ausgerüstete Streitkräfte zwei Wochen lang zu behaupten`“ (zitiert bei Lenin, Band 10, Seite 132-133). Engels ist aber überhaupt kein Vorwurf zu machen, denn er selbst hat die fon ihm selbst aufgeworfene Frage, wie sie sich im Ausgang des 19. Jahrhundert stellte – hier wiederholt zitiert – mit einem eindeutigen Durchaus nicht“ beantwortet:

Heißt das, dass in Zukunft der Straßenkampf keine Rolle mehr spielen wird? Durchaus nicht. Es heißt nur [hervorgehoben vom Verfasser], dass die Bedingungen seit 1848 weit ungünstiger für die Zivilkämpfer, weit günstiger für das Militär geworden sind. Ein künftiger Straßenkampf kann also nur siegen, wenn diese Ungunst der Lage durch andere Momente aufgewogen [hervorgehoben vom Verfasser] wird“ (MEW, Band 22, Seite 519-523). Die Unterstellung ist also unzulässig, Engels habe für alle Zeiten dem Straßenkampf- und Barrikadenkampf abgeschworen. Er hatte an diesem Kampf selbst aktiv teilgenommen, und diese Taktik auch theoretisch begründet, hielt an ihrer Notwendigkeit fest, aber ging eben dialektisch und historisch an diese Frage heran, dass Kampfformen sich im Laufe der Zeit unter veränderten Bedingungen ändern, dass andere Momente hinzukommen müssen. Dafür ist Engels nicht zu tadeln, sondern um so mehr zu loben.

Dass sich die Methoden des Straßenkampfes im Laufe der Zeit, an verschiedenen Orten, unter unterschiedlichen Voraussetzungen ändern, sagt nichts über ihre grundsätzliche Bedeutung aus. Dass der Straßenkampf lebt, dass er ein Teil eines Aufstands, eine Kampfform auf dem Weg der Revolution war, ist und bleibt, hat die Geschichte immer wieder bewiesen. Häufig entstehen die Straßenkämpfe aus den Straßendemonstrationen, wenn die Arbeiter ihren Streikkampf vom Betriebsgelände weg in die Zentren verlagern, wie zum Beispiel in die Städte, in die großen Städten, wo die Industriezentren sind. Je nach Lage und Situation werden Zusammenstöße mit Polizei oder Soldateska dabei unvermeidlich, leistet die Menge nicht nur passiven Widerstand gegen die Gewalt der Obrigkeit, sondern geht weiter zum aktiven Widerstand über, organisiert sich, bereitet sich vor, plant die Aktionen und entwickelt eine Strategie und Taktik des Straßenkampfes und verfeinert diese mit jeder neuen Kampfhandlung. Straßenkämpfe können auch eine große Bedeutung im Krieg haben wie zum Beispiel historisch in Stalingrad oder gegenwärtig in Falludscha. Der Straßen- und Barrikadenkampf gegen die Besatzer des Irkas haben sogar hervorragend seine internationale Bedeutung unter Beweis gestellt. Hier hat der Straßen- und Barrikadenkampf sogar einer ganzen internationalen Armee heldenhaft standgehalten und musterhaft bewiesen, dass diese Kampfform bei der Heranbildung neuer Generationen von Kämpfern Leitstern werden muss. Der Straßenkampf in Falludscha ist nur dadurch besiegt worden, weil er nicht in andere Städte des Iraks konsequent ausgeweitet wurde, weil die revolutionäre Bewegung der Straßenkämpfe von Palästina und des Iraks nicht zu Straßenkämpfen in alle anderen arabischen Ländern übergegriffen hat, weil die bewaffneten Straßenkämpfe im Nahen und Mittleren Osten noch nicht zum internationalen Straßenkampf geführt haben. Schon jetzt aber lässt sich mit Sicherheit an Hand der „historischen“ Ereignisse im Irak und in Palästina voraussagen, dass der Straßenkampf gegenüber Europa und Russland im 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts unbedingt zu einem großen, vereinigten internationalen Straßenkampf im 21. Jahrhundert heranwachsen wird und dass die Notwendigkeit der internationalen Vernetzung, die Notwendigkeit der systematischen Organisierung und Zentralisierung der verschiedensten Kampfformen an Bedeutung gewinnen wird, dass die sozialistische Weltrevolution bereits die Keimformen von solchen Kampforganisationen heute schon vorfindet, mit denen sie morgen zum Sieg geführt werden, und es werden sich daraus weitere neue internationale Kampfformen herausbilden, von denen wir heute noch keine Ahnung haben.

Und Lenin sagte dies schon damals voraus:

Der Dezemberkampf 1905 hat bewiesen, dass der bewaffnete Aufstand unter den gegenwärtigen militärtechnischen und militärorganisatorischen Bedingungen siegen kann. Der Dezemberaufstand hat gezeigt, dass die gesamte internationale Arbeiterbewegung von nun an mit der Wahrscheinlichkeit ähnlicher Kampfformen in den bevorstehenden proletarischen Revolutionen rechnen muss“ (Lenin, Band 15, Seite 49).

Doch schon einige Monate früher als beispielsweise 70 Genossen in Riga im September 1905 zwei zum Tode verurteilte Genossen aus dem Zentralgefängnis befreiten, war Lenins Freude groß:Wir grüßen die Helden der revolutionären Rigaer Kampfabteilung! (...) Das ist ein wirklicher Sieg nach einer Schlacht mit dem bis an die Zähne bewaffneten Feind. Das ist keine Verschwörung mehr gegen irgendeine verhasste Person, kein Racheakt, kein Verzweiflungsausbruch und keine bloße `Abschreckung` - nein, das ist schon der wohldurchdachte und vorbereitete, die Kräfteverhältnisse berücksichtigende Gebinn von Aktionen der Abteilungen einer revolutionären Armee. Die Zahl solcher Abteilungen in einer Stärke von 25-75 Mann kann in jeder großen Stadt, oft auch in den Vororten einer Großstadt, auf einige Dutzend gebracht werden. Sie Arbeiter werden diesen Abteilungen zu Hunderten beitreten, man muss nur sofort darangehen, diese Idee weitgehend zu propagieren, diese Abteilungen aufzustellen, sie mit jeder Art von Waffen zu versorgen, von Messern und Revolvern bis zu Bomben, und diese Abteilungen militärisch zu schulen und auszubilden. Glücklicherweise sind die Zeiten vorbei, da in Ermangelung eines revolutionären Volkes einzelne revolutionäre Terroristen die Revolution `machten`. Die Bombe hat aufgehört, die Waffe einzelner `Bombisten` zu sein. Sie wird zum unentbehrlichen Zubehör der Volksbewaffnung. Mit der veränderten Kriegstechnik werden sich auch die Methoden und Mittel des Straßenkampfes verändern. Wir alle studieren jetzt ( und tun gut daran) den Bau von Barrikaden und die Kunst, sie zu verteidigen. Doch über dieser mützlichen alten Sachen darf man die neueste Entwicklung der kriegstechnik nicht vergessen. Der Fortschritt in der Verwendung von Sprengstoffen hat auf dem Gebiet der artillerie eine Reihe von Neuheiten mit sich gebracht. (...) Lassen wir wegen der schweren Misserfolge bei den Versuchen, massenhaft Waffen zu beschaffen, den Mut nicht sinken! Keinerlei Misserfolge werden die Energie jener brechen, die ihre enge Verbindung mit der revolutionären Klasse fühlen und im Leben sehen, die sich bewusst sind, dass sich jetzt tatsächlich das ganze Volk für ihre nächsten Kampfziele erhoben hat. Die Herstellung von Bomben ist überall und allerorts möglich. Sie erfolgt jetzt in Russland in weit größerem Umfang, als jeder von uns weiß (und jedes Mitglied einer sozialdemokratischen Organisation kennt bestimmt mehr als ein Beispiel der Einrichtung von Werkstätten). Sie erfolgt in unvergleichlich größerem Umfang, als die Polizei weiß (diese aber weiß sicher mehr als die Revolutionäre in den einzelnen Organisationen). Keine Macht wird den Abteilungen einer revolutionären Armee widerstehen können, die mit Bomben bewaffnet sind, die unversehens eines nachts gleichzeiig mehrere solcher Überfälle wie den Rigaer durchführen und in deren Gefolge – das ist die letzte und wichtigste Bedingung- sich Hunderttausende von Arbeitern erheben werden (...)“ (Lenin, Band 9, Seite 279-280).

Was die Verletzung des privaten Eigentums zum Zwecke des Barrikadenbaus anbelangt, macht Lenin folgende Anmerkung:

!Wenn es also der unmittelbare Kampf erfordert, ist auch Verletzung privaten Eigentums, z.B. Die Beschlagnahme von Equipagen usw. Für den Barrikadenbau zulässig. Soweit es sich nicht um den unmittelbaren Kampf handelt, sind nach Vorschrift des Petersburger Parteitags Verletzungen der persönlichen Sicherheit `friedlicher` Bürger zu vermeiden, aber auch hier verweist der Parteitag auf eine Ausnahme: eine `zwangsläufige` Verletzung der persönlichen Sicherheit auf Grund des Kampfes gegen die Regierung rechnet der Parteitag den Teilnehmern an Partisanenaktionen nicht als Schuld an. Schließlich empfiehlt der Parteitag der Partei direkt eine Form von Partisanenaktionen und beschließt ohne Vorbehalte und Einschränkungen: `Waffen und Munition im Besitz der Regierung sind zu konfiszieren, wo immer sich eine Möglichkeit bietet`. Zum Beispiel: Die Polizisten haben Waffen, die der Regierung gehören: `Es bietet sich eine Möglichkeit...` (...) Wir raten all den zahlreichen Kampfgruppen unserer Partei, mit ihrer Untätigkeit Schluss zu machen und eine Reihe von Partisanenaktionen zu unternehmen, streng im Einklang mit den Parteitagsbeschlüssen, d.h. ohne irgendwelche Expropriation von Eigentum, bei möglichst geringer `Verletzung der persönlichen Sicherheit` friedlicher Bürger und bei größtmöglicher Verletzung der persönlichen Sicherheit von Spionen, aktiven Schwarzhundertern, höherer Offiziere der Polizei, des Heeres, der Flotte und so weiter und dergleichen mehr. `Waffen` aber `und Munition im Besitz der Regierung sind zu konfiszieren, wo immer sich eine Möglichkeit bietet`“ (Lenin, Band 11, Seite 155).

Wir wollen diesen Abschnitt im Kapitel „Aufstand“ nicht abschließen, ohne auf Lenin hinzuweisen, der den revolutionären Barrikadenkampf von der anarchistischen Taktik streng voneinander unterscheidet. Er verwies dabei auf das Beispiel Polens:

Ich muss jedoch bemerken, dass wir nirgends, außer in Polen, eine solche sinnlose Abweichung von der revolutionären Taktik gesehen haben, die eine begründete Ablehnung und den Kampf gegen sie herausfordert. Und hier drängt sich der Gedanke auf: Gerade in Polen hat es im Dezember 1905 nicht diesen bewaffneten Kampf der Massen gegeben! Und hat sich nicht gerade deshalb in Polen, die widernatürliche und sinnlose Taktik des Anarchismus, Revolution zu `machen`, eingebürgert, weil die Bedingungen es dort nicht gestatteten – und sei es nur für einen kurzen Augenblick – den bewaffneten Kampf der Massen zu entfalten? Ist die Tradition gerade dieses Kampfes, die Tradition des bewaffneten Dezemberaufstandes, nicht manchmal das einzige ernsthafte Mittel zur Überwindung anarchistischer Tendenzen innerhalb der Arbeiterpartei – nicht mit Hilfe einer schablonenhaften, philiströsen, spießbürgerlichen Moral, sondern durch die Abkehr von der zwecklosen, sinnlosen, zersplitterten Gewalt zur zielgerichteten Gewalt der Massen, die mit einer breiten Bewegung und mit der Verschärfung des unmittelbaren proletarischen Kampfes verbunden ist?“ (Lenin, Band 15, Seite 50-51).



Die Verunglimpfung der Kunst des Aufstands als „Blanquismus“

Zu den böswilligsten und wohl verbreitetsten Entstellungen des Marxismus durch die herrschenden „`sozialistischen` Parteien gehört die opportunistische Lüge, die Vorbereitung des Aufstands, überhaupt die Betrachtung des Aufstands als eine Kunst, sei `Blanquismus`. (...) Um erfolgreich zu sein, darf sich der Aufstand nicht auf eine Verschwörung, nicht auf eine Partei stützen, er muss sich auf die fortgeschrittenste Klasse stützen. Dies zum Ersten. Der Aufstand muss sich auf den revolutionären Aufschwung des Volkes stützen. Dies zum Zweiten. Der Aufstand muss sich auf einen solchen Wendepunkt in der Geschichte der anwachsenden Revolution stützen, wo die Aktivität der vordersten Reihen des Volkes am größten ist, wo die Schwankungen in den Reihen der Feinde und in den Reihen der schwachen, halben, unentschlossenen Freunde der Revolution am stärksten sind. Dies zum Dritten. Durch diese drei Bedingungen eben unterscheidet sich der Marxismus in der Behandlung der Frage des Aufstandes vom Blanquismus. Sind aber diese Bedingungen einmal gegeben, so ist die Weigerung, den Aufstand als eine Kunst zu betrachten, Verrat am Marxismus und Verrat an der Revolution“ (Lenin Band 26, Seite 4 – 5).

Lenin wies nach,dass Blanquismus Machtergreifung durch eine Minderheit bedeutet.“ (Lenin Band 24, Seite 31).

die Revolte

Revolten sind Äußerungen des Volkskampfes gegen brutale militärische Gewaltakte, Kriege und andere Verbrechen der herrschenden Regierungen am Volk, d.h.unbewusste, unorganisierte, spontane, zuweilen ungezügelte Empörungen“ (Lenin, Band 8, Seite 563) ohne zielbewusste Agitation und Propaganda der revolutionären Organisationen und gleichzeitig sind Revolten Signale und Anfangsstadium von organisierten Streikkämpfen, politischen Demonstrationen, Straßenschlachten und Barrikadenkämpfen, die in den Aufstand übergehen.Revolten – Demonstrationen – Straßenkämpfe – Abteilungen einer revolutionären Armee – das sind die Entwicklungsetappen des Volksaufstandes“ (Lenin, Band 8, Seite 565).

Revolte oder Revolution ?

Bewaffneter Aufstand einer kleineren Gruppe oder gewaltsamer Umsturz der gesamten Gesellschaftsordnung? ????

Die Frage lässt sich nicht so einfach beantworten, denn große Revolutionen sind niemals vom Himmel gefallen, sondern haben stets im Kleinen begonnen. Das bestreiten auch nicht die Gegner des Marxismus-Leninismus. Über die Initialzündung, über den „Funken, der zum Steppenbrand“ führt, gibt es zwischen Marxisten-Leninisten und beispielsweise den Maoisten durchaus Übereinstimmung. Was uns aber von den Maoisten trennt, ist, dass diese der Überzeugung sind, die „Städte vom Dorf aus“ einzunehmen, dass nicht das Weltproletariat die Rolle der führenden Klasse einnimmt, sondern die unterdrückten Völker, die „Dritte Welt“, die sozusagen Volkskriege führen, ohne die Führung des Weltproletariats und gegen dessen Führung, über die Köpfe der Proletarier aller Länder hinweg. Wir Marxisten-Leninisten haben tausendmal bewiesen, dass das so nicht funktioniert, niemals funktionieren kann. Die proletarische Weltrevolution ist eigene Sache des Weltproletariats, kann nur vom Weltproletariat selbst sowohl, initiiert, durchgeführt, als auch zum Sieg geführt werden. An diesen Sieg aber ist das Schicksal aller Volkskriege geknüpft.

Mit der ersten Zellteilung ist die Keimzelle nicht mehr dasselbe, was sie vorher war. Das revolutionäre Leben entwickelt sich durch Zellteilungen. Die revolutionärte Bewegung wächst heran, sie beginnt in einem Zentrum, ohne lange auf dem Rahmen eines engen Gebiets beschränkt zu bleiben. Sie dehnt sich Schritt für Schritt bis auf die Randgebiete aus, indem sich immer mehr Kräfte dieser Bewegung anschließen, sie zur Massenkraft, zur Massenbewegung heranreifen lassen bis ein Organismus entsteht, mit dem sich die ganze Klasse in die Lage versetzt, die andere zu vernichten. Und selbst die Arbeiterklasse ist als Klasse allein nicht in der Lage, den Umsturz siegreich durchzuführen, wenn sie nicht die Reife besitzt, andere Klassen mit in die Schlacht zu führen. Selbst das gesamte Weltproletariat wird als Klasse nicht in der Lage sein, in der proletarischen Weltrevolution zu siegen, wenn es sich nicht auf die revolutionären Völker stützt. Und umgekehrt-wie gesagt- können sich die revolutionären Völker letztendlich nicht endgültig befreien ohne Führung des Weltproletariats.

Aber nicht aus jeder revolutionären Keimzelle entwickelt sich automatisch eine revolutionäre Massenbewegung, nicht jede Revolte lässt sich in eine Revolution verwandeln. Das hängt von verschiedensten Voraussetzungen und Bedingungen ab, die uns Marxisten-Leninisten grundsätzlich bekannt sind.

Lenin bemerkte: Nicht umsonst sagt man, eine Revolution sei eine gelungene Revolte und eine Revolte eine misslungene Revolution. (...) Die bürgerlichen Zeitungen, die nach wie vor von Revolte, Aufruhr und Unruhen reden, können indessen nicht umhin, deren nationale, ja sogar internationale Bedeutung anzuerkennen. Aber diese Bedeutung ist es ja eben, die den Ereignissen den Charakter einer Revolution verleiht. Und wer von den letzten Tagen des Aufruhrs schreibt, beginnt unwillkürlich von den ersten Tagen der Revolution zu sprechen“ (Lenin, Band 8, Seite 91) Lenin bezieht sich hierbei historisch auf die russischen Revolutionstage von 1905: Der von unserer Arbeiterklasse heldenhaft begonnene Sturz des Zarismus in Russland wird ein Wendepunkt in der Geschichte aller Länder sein, wird allen Arbeitern aller Nationen, in allen Staaten, in allen Teilen des Erdballs ihre Sache erleichtern“ (Lenin, Band 8, Seite 88).

Worum es in der Frage aber geht, ist nicht die Quantität allein, sondern vor allem die Qualität, der Inhalt. Die Revolutionen werden von den Massen gemacht und nicht stellvertretend von den Revolutionären, nicht von der revolutionären Keimzelle, nicht von einer revolutionären Gruppe. Die anderen Klassen können auch nicht stellvertretend für die Arbeiterklasse eine „proletarische“ Revolution „machen“, auch wenn sie sie so nennen. Eine proletarische Revolution kann nur das Proletariat selber machen. Eine „proletarische“ Revolution, die nicht vom Proletariat selber geführt wird, ist keine und kann keine sein. Der Charakter einer Revolte oder Revolution wird verliehen durch die sozialen Kräfte, durch die Klassen, die darin wirken und ihnen den Stempel aufdrücken.

Die Revolution in Permanenzmit der „Anarchie in Permanenz“ gleichzusetzen, bedeutete für Lenin die Revolution zu einem bloßen Aufruhr stempeln“, Verräter an der Revolution werden“ (Lenin, Band 9, Seite 317).

Terroristischer Aufruhr, ob ökonomisch, politisch oder militärisch, der von einer Verschwörergruppe angezettelt wird, ist mit der wirklichen revolutionären proletarischen Weltbewegung unvereinbar, ist anti-proletarisch und konterrevolutionär, und deswegen grenzen wir Internationalisten uns entschieden von dieser falschen und schädlichen Taktik ab, bekämpfen wir diese Taktik mit allen Mitteln, besonders dann, wenn sich die Vertreter der terroristischen Taktik der Fahne des Marxismus-Leninismus zu bemächtigen versuchen und das Blut der Arbeiter dem Abenteuertum opfern. Natürlich müssen wir offen gegen die Bourgeoisie auftreten, wir müssen sie permanent bis zum endgültigen Sieg in Angst halten. Hierfür bedarf es aber nicht des Terrorismus von Verschwörergruppen, sondern starker Arbeiterorganisationen, die imstande sind, den Kampf des Weltproletariats als internationale KLASSE zu führen, das heißt, um die gesamte revolutionäre MASSENbewegung zur Weltrevolution zu führen, bedarf es der Hegemonie des Weltproletariats.

Blanquisten waren Anhänger des französischen Revolutionärs Blanqui (1805-1881). Die Klassiker des Marxismus-Leninismus sahen in Blanqui einen hervorragenden Revolutionär und Streiter für den Sozialismus, kritisierten aber zugleich die verschwörerischen Methoden seiner Tätigkeit. In der Einleitung zu Marx` Schrift „Der Bürgerkrieg in Frankreich“ schrieb Engels über die Blanquisten: Großgezogen in der Schule der Verschwörung, zusammengehalten durch die ihr entsprechende straffe Disziplin gingen sie von der Ansicht aus, dass eine verhältnismäßig kleine Zahl entschlossener, wohlerganisierter Männer imstande sei, in einem gegebenen günstigen Miment das Staatsruder nicht nur zu ergreifen, sondern auch durch Entfaltung großer, rücksichtsloser Energie so lange zu behaupten, bis es ihr gelungen, die Massen des Volkes in die Revolution hineinzureißen und um die führende kleine Schar zu gruppieren“ (Siehe MEW, Band 22, Berlin, S. 197). Die Bourgeoisie hat uns Marxisten-Leninisten wegen unserer revolutionären Haltung häufig als „Blanquisten“ beschimpft und uns als „Revolutionaristen und `linksextremistische` Terroristen bekämpft, während sie die opportunistischen Elemente in unseren Reihen stets als „besonnen“, „vernünftig“ und als „Realos“ lobten. Für die Weltbourgeoisie ist das Schreckgespenst vom „Krieg gegen den Terrorismus“ ein bequemes Schlagwort, wenn sie damit das Weltproletariat von seinem Kampf um die Weltmacht abhalten kann. Der Terrorismus verneint den Klassenkampf, aber mit diesem „Krieg gegen den Terrorismus“ führt die Weltbourgeoisie ihren Terror gegen das Weltproletariat, verleumdet sie dessen Kampf für seine revolutionäre Befreiung vom internationalen Lohnsklavenhaltertum. Die Bourgeoisie verwandelt den „Krieg gegen den Terrorismus“ in eine Waffe gegen das Proletariat: „Seid vernünftig, Arbeiter! Kämpft für eure Rechte in eurerm Parlament, in der UNO usw. usf., holt der Weltbourgeoisie die Kastien aus dem Feuer, aber erdreistet euch nicht nach der Weltmacht zu greifen; an einen solchen Wahnwitz glauben nur Terroristen, aber doch nicht etwa ein zivilisierter, kultivierter Arbeiter!“

Im Weltmaßstab gewinnt „der Aufstand als eine Kunst“ und die Abgrenzung vom internationalen Blanquismus eine noch bedeutendere Rolle. Allein die Idee des Aufstands eines Landes zu übertragen auf den länderübergreifenden Aufstand ist schon eine Herausforderung:

»Der Kapitalismus ist nicht so harmonisch aufgebaut, dass die verschiedenen Aufstandsherde sich von selbst, ohne Misserfolge und Niederlagen, sogleich miteinander vereinigen könnten. Im Gegenteil, gerade der Umstand, dass die Aufstände zu verschiedenen Zeiten und an verschiedenen Orten ausbrechen, dass sie verschieden geartet sind, gewährleistet die Breite und Tiefe der allgemeinen Bewegung; nur in unzeitgemäßen, partiellen, zersplitterten und daher erfolglosen revolutionären Bewegungen werden die Massen Erfahrung erwerben, werden sie lernen, Kräfte sammeln, ihre wahren Führer, die sozialistischen Proletarier, erkennen und dadurch den allgemeinen Ansturm vorbereiten.« (Lenin, Bd. 22, Seite 366, dt. Ausgabe).»Wollen wir den Sozialismus nicht preisgeben, so müssen wir jeden Aufstand gegen unseren Hauptfeind, die Bourgeoisie der `Groß`mächte, unterstützen, wenn es nicht ein Aufstand einer reaktionären Klasse ist.« (ebenda S.339)

Diesen allgemeinen Ansturm – wie Lenin ihn fordert - vorzubereiten, das ist die zentrale Aufgabe einer Komunnistischen Internationale, das ist der grund, weswegen wir jeden Aufstand unterstützen, der gegen die Weltbourgeoisie gerichtet ist. Bei unserer Weltanschauung geht es schließlich darum, dass das gesamte Weltproletariat, dass die revolutionären Völker in ihrer Gesamtheit und Geschlossenheit an die Frage der Kunst des Aufstandes herangeführt werden müssen. Das ist eine gigantische Aufgabe. Es ist das durch das Erreichen des weltkapitalistischen Endstadiums verursachte Elend und die Not auf der ganzen Welt, die alle Ausgebeuteten und Unterdrückten dieser Erde zwingt, sich bewusst zu werden, dass sie nur überleben können, wenn sie ihre Geschicke gemeinsam in die Hand nehmen, wenn sie ihre allseitige Abhängigkeit vom Weltkapitalismus gemeinsam abschütteln und mit der Revolution, also auf revolutionäre Weise beginnen, die vorhandenen Produktivkräfte total umzuwälzen, ihre Gesamttätigkeit bei der Weltproduktion zentralistisch zu organisieren und weltsozialistische Produktions- und Verteilungsverhältnisse zu schaffen. Es geht darum, dass sich das Weltproletariat und die revolutionären Völker über ihr weltgeschichtliches Zusammenwirken in der kommunistischen Revolution erst einmal bewusst werden müssen, dass sie ihre Interessen und Bedürfnisse nur gemeinsam verwirklichen können und die Revolution nur der Anfang ist, um das kapitalistische Privateigentum aufzuheben. Aufheben der Reichtümer der Welt erschöpft sich nicht im Akt der internationalen militärischen Beschlagnahme, wonach die Entwicklung der neuen Weltgesellschaft sozusagen spontan ihrem Selbstlauf überlassen wird. Diese Entwicklung vollzieht sich in einem welthistorischen Prozess der internationalistischen Produktionsweise der neuen sozialistischen Weltgesellschaft, wo sich das bisherige Leben der Völker im Weltkapitalismus völlig neu und radikal definiert. Die Völker im Weltsozialismus treten in neue Beziehungen zueinander und verändern dadurch auch ihr altes Leben durch einen qualitativen Sprung. Und eben dies wird nicht ohne Reibung abgehen, werden konterrevolutionäre Aufstände die ständige Begleiterscheinung der kommunistische Revolution sein, werden aufflackernde Bürgerkriege unvermeidbar sein, bis sich der ganze kommunistische Weltprozess unter großen Opfern seinen Weg gebahnt hat. All das ist ohne enorme militärische Anstrengungenn der ganzen neuen Weltgemeinschaft völlig unmöglich, denn die besiegten Ausbeuter und Unterdrücker der alten Weltordnung werden ihre Anstrengungen verhundertfachen, um ihr altes kapitalistisches Weltreich wieder zu errichten, solange die neue Welt noch keine feste Basis mit festem Überbau geschaffen.

Die Kommunisten der weltbolschewistischen Partei können sich mit ihrer internationalen Roten Armee nicht auf sich selbst als „internationale Verschwörergruppe“ stützen, sondern müssen sich auf das gesamte Weltproletariat als fortgeschrittenste Klasse und auf die revolutionären Völker stützen. Das Weltproletariat, die Avantgarde der Weltrevolution, muss sich erst in seiner Mehrheit hinter die Kommunisten gestellt haben. Ohne die Mehrheit der Arbeiter und Soldaten, beispielsweise in den Metropolen, kann man die konterrevolutionären Werkzeuge des Weltimperialismus, ihre Zentrale, nicht niederwerfen. Der Aufstand muss sich auf den revolutionären Aufschwung nicht nur eines Volkes, sondern mehrerer Völker, auf die Mehrheit der Völker stützen, die fest entschlossen sein müssen und keine Opfer scheuen dürfen, den völligen Bruch mit der Weltbourgeoisie absolut zu vollziehen. Die angestaute Weltempörung aller Völker überschreitet das Maß des Leids, der Geduld, des Ertragens und durchbricht – durch nichts und niemanden aufzuhaltenen - Damm. Der Strom des Zornes aller Völker in seiner gebündelten Kraft, sit mit der revolutionären Kraft eines einzelnen Volkes nicht zu verhleichen, ist weder einzukreisen oder sonst wie einzudämmen. Der Aufstand muss sich auf einen Wendepunkt in der Geschichte der Weltrevolution stützen, wo in der gesamten internationalen Front des Imperialismus die Schwankungen und Risse ihrer Krise so gewaltig sind, dass der internationale Hauptfeind, der USA-Imperialismus sturmreif geschossen werden kann, wo das gesamte . Die Meere des Weltproletariats werden aufwallen und schäumen, wenn der mächtige Sturm der Weltrevolution über den Erdball fegt. Der internationale Einfluss der Revisionisten und Opportunisten im Weltproletariat muss auf ein Minimum reduziert sein, d.h., dass die Proletarier aller Länder mit diesen Verrätern an der Weltrevolution abrechnen; die schwankenden Elemente und Schichten des Kleinbürgertums, die internationale Front der schwachen, halben, unentschlossenen „Freunde“ der Weltrevolution, müssen zumindest so sehr ins Wanken geraten sein, dass ihre Mehrheit neutralisiert werden kann. Wir müssen aber nicht nur die Voraussetzungen für die physische Vernichtung der Konterrevolution erfüllen, sondern auch die eroberte Macht politisch behaupten, um unseren physischen Sieg zu sichern. Die objektiven Voraussetzungen für die Weltrevolution sind gegeben, aber die subjektiven Bedingungen sind noch nicht reif. Sie müssen noch geschaffen werden. Eine Aufgabe, die zur praktischen Lösung ansteht. Es geht nicht darum, den Marxschen Gedanken von der Kunst des Aufstands im internationalen Maßstab in Worten anzuerkennen, einen richtigen Zeitpunkt festzulegen usw, sondern an die Weltrevolution marxistisch heranzugehen, soll heißen, das Weltproletariat erlernt und meistert seine Kriegskunst im praktischen Kampf. Wie soll sich das Weltproletariat allen Ernstes seine internationale Macht erobern und seine eigenen Machtorgane auf der ganzen Welt errichten können, wenn es nicht über eine Eroberungstheorie, über eine richtige Strategie und Taktik verfügt, zum Beispiel die Kommandozentrale des US-Imperialismus auszuschalten, die die Fäden der internationalen Konterrevolution in ihren Händen hält? Ein Stab der internationalen, aufständischen Abteilungen muss organisiert werden, die Kräfte international verteilt und an den wichtigsten Punkten konzentriert, die Kommandozentrale der Konterrevolution umzingelt und besetzt, der Generalstab und die US-Regierung verhaftet werden, die Verbindungen des Feindes gekappt und die eigenen Verbindungen aller Punkte unseres bewaffneten Kampfes weltweit gesichert werden, usw. usf. Dieses Szenario sei hier nur illustriert, um klarzumachen, dass die Weltrevolution nicht spontan dem Selbstlauf der Weltereignisse passiv folgt, dass die Proletarier des einen Landes nicht auf die Befreiung der Proletarier des anderen Landes usw. warten, dass man sich heute von der Einengung der Idee der national begrenzten sozialistischen Revolution befreien muss, dass das Weltproletariat als vereinigte, geschlossene Klasse agieren muss, dass sich die Proletarier eines jeden Landes als unverzichtbare Abteilung des Weltproletariats begreifen müssen, weil die Sprengung der imperialistischen Kette an seiner schwächsten Stelle anders unmöglich ist, geschweige denn die Zerschlagung der gesamten Kette des Weltimperialismus. Die Imperialisten halten sich nicht an die Abläufe der Oktoberrevolution. Der Sozialismus lässt sich nicht auf die gleiche Weise zurückerobern, wie er einst erobert wurde. Die Weltbourgeoisie hat dazu gelernt, und das wird auch das Weltproletariat tun müssen, wenn die Weltrevolution siegen soll. Der internationale Klassenfeind weiß, dass sein letztes Stündchen geschlagen hat und wirft vor unseren Augen die ganze Wucht seiner globalisierten Konterrevolution dorthin, wo sich ein Aufstand entwickelt, um ihn niederzuschlagen, bevor er sich in seiner unmittelbaren Nachbarschaft und schließlich international ausbreiten kann. Der Klassenkampf gegen den Imperialismus, die anti-imperialistische Front, muss also als aktive Kriegskunst des zur bewaffneten, führenden Klasse zusammengeschweißten Weltproletariats, seiner Avantgarde, seiner Verbündeten usw. , aufgefasst werden, wenn man vom marxistisch-leninistischen Standpunkt ausgeht. Das ist der Kernpunkt der Lehre des Marxismus-Leninismus in der Frage des heutigen militärischen Kampfes für die Weltrevolution. Vergessen wir nicht, dass der Aufstand in Russland 1905 in wenigen Monaten, in Wochen, eine Millionenarmee entstehen ließ, die der revolutionären Avantgarde des Proletariats folgte. Man kann nicht wissen, ob sich heute oder morgen eine mächtige revolutionäre Weltbewegung entfalten wird.Auf jeden Fall aber verdient nur die Arbeit in dieser Richtung sozialistische Arbeit genannt zu werden“ (Lenin, Band 21, Seite 254). Die Losung, die diese Arbeit zusammenfasst und ihr Richtung gibt, die die Vereinigung und den Zusammenschluss derjenigen fördert, die den revolutionären Kampf des Weltproletariats gegen alle Regierungen und gegen die gesamte Weltbourgeoisie unterstützen wollen, ist die Losung des internationalen Aufstands, die Losung des Weltbürgerkriegs, die Losung des internationalen Klassenkrieges.









Der Bürgerkrieg



Was ist Bürgerkrieg?

Der Bürgerkrieg, zu dem die revolutionäre Sozialdemokratie in der gegenwärtigen Epoche aufruft, ist der bewaffnete Kampf des Proletariats(Lenin, Band 21, Seite 149).

Was ist aber ein bis zur Siedehitze gesteigerter Kampf, wenn nicht der Bürgerkrieg?“ (Lenin, Band 22, Seite 118).

Die leninistische Definition des Bürgerkrieges in der Epoche des Imperialismus ist derKrieg der unterdrückten Klassen gegen ihre Unterdrücker mit dem Ziel der Expropriation der Kapitalistenklasse, der Eroberung der politischen Macht durch das Proletariat, der Verwirklichung des Sozialismus“ (Lenin, Band 21, Seite 351).

Lenin lehrt,dass der Bürgerkrieg die schärfste Form des Klassenkampfes ist, wobei sich eine Reihe wirtschaftlicher und politischer Zusammenstöße und Schlachten wiederholt, häuft, erweitert und verschärft, bis sich diese Zusammenstöße in den bewaffneten Kampf der einen Klasse gegen die andere verwandelt. Am häufigsten, ja man kann sagen fast ausschließlich, kommt es dabei in einigermaßen freien und fortgeschrittenen Ländern zwischen jenen Klassen zum Bürgerkrieg, deren Gegensätze durch die ganze ökonomische Entwicklung des Kapitalismus, durch die ganze Geschichte der modernen Gesellschaft in der ganzen Welt geschaffen und vertieft werden: zwischen Bourgeoisie und Proletariat“ (Lenin, Band 26, Seite 12, „Die russische Revolution und der Bürgerkrieg“) [farblich hervorgehoben vom Verfasser]. So ist auchdie Ökonomik der kapitalistischen Gesellschaft derart, dass nur das Kapital oder das es stürzende Proletariat die herrschende Kraft sein kann“ (Lenin, Band 29, Seite 356).



Der Bürgerkrieg ist Teil der Revolution, die als ein Prozess, als eine ganze Epoche schärfster Klassenkonflikte, eine lange Reihe von Schlachten an allen Klassenfronten. Der Bürgerkrieg entsteht auch aus der revolutionären Situation, die durch einen imperialistischen Krieg hervorgerufen wird. Die Umwandlung des imperialistischen Krieges in einen Bürgerkrieg mit dem Ziel des Sieges der sozialistischen Revolution ist wesentlicher Bestandteil der bolschewistischen Taktik der sozialistischen Weltrevolution.

Das Proletariat werde vielleicht noch 15, 20, 50 Jahre Bürgerkriege und Völkerkämpfe durchmachen müssen, nicht nur um die Verhältnisse zu ändern, sondern um die Proletarier selbst zu ändern und zur politischen Herrschaft zu befähigen. Dies sind die Worte von Karl Marx („Enthüllungen über den Kommunistenprozess zu Köln“, Seite 39).

In bestimmten Perioden scharfer ökonomischer und politischer Krisen entwickelt sich der Klassenkampf zum unmittelbaren Bürgerkrieg, d.h., zum bewaffneten Kampf zwischen zwei Teilen des Volkes. In solchen Perioden ist der Marxist verpflichtet, auf dem Standpunkt des Bürgerkriegs zu stehen. Jede moralische Verurteilung des Bürgerkriegs ist vom Standpunkt des Marxismus völlig unzulässig. In der Epoche des Bürgerkriegs ist das Ideal der Partei des Proletariats eine kriegführende Partei. Das ist ganz unbestreitbar. Wir geben durchaus zu, dass man vom Standpunkt des Bürgerkriegs die Unzweckmäßigkeit dieser oder jener Formen des Bürgerkriegs in diesem oder jenem Augenblick zu beweisen suchen und in der Tat beweisen kann. Eine Kritik der verschiedenen Formen des Bürgerkriegs vom Standpunkt der militärischen Zweckmäßigkeit halten wir durchaus für richtig und erklären uns unbedingt damit einverstanden, dass die entscheidende Stimme in einer solchen Frage den sozialdemokratischen Praktikern jeder einzelnen Gegend zusteht“ (Lenin, Band 11, Seite 209). Im internationalen Maßstab kann das im Wesentlichen nichts anderes heißen:

In bestimmten Perioden scharfer ökonomischer und politischer Weltkrisen entwickelt sich der internationale Klassenkampf zum unmittelbaren internationalen Bürgerkrieg, d.h. zum bewaffneten Kampf zwischen zwei Teilen der Völker. In solchen Perioden ist der Marxist-Leninist verpflichtet, auf dem Standpunkt des Marxismus-Leninismus und des proletarischen Internationalismus zu stehen. Jede moralische Verurteilung des internationalen Bürgerkriegs ist vom Standpunkt des Marxismus-Leninismus und des proletarischen Internationalismus völlig unzulässig. In der Epoche des internationalen Bürgerkriegs ist das Ideal der Kommunistischen Internationale des Weltproletariats eine kriegführende Weltpartei. Das ist ganz unbestreitbar. Wir geben durchaus zu, dass man vom Standpunkt des internationalen Bürgerkrieges die Unzweckmäßigkeit dieser oder jener Form des Bürgerkrieges in diesem oder jenen Augenblick zu beweisen suchen und in der Tat beweisen kann. Eine Kritik der verschiedenen Formen ( nicht des Inhalts ) des internationalen Bürgerkriegs vom Standpunkt der militärischen Zweckmäßigkeit halten wir für durchaus richtig und erklären uns unbedingt damit einverstanden, dass die entscheidende Stimme in einer solchen Frage den weltbolschewistischen Praktikern jeder einzelnen Gegend auf der Welt zusteht, dass in jedem Land die bolschewistische Partei letztlich in einer solchen Frage die Entscheidungen trifft, wie (in der Regel wie, und nicht ob) die internationalen Beschlüsse ( - die die notwendigen Spielräume des nationalen Rahmens je nach Weltlage und örtlichen Bedingungen offener oder enger berücksichtigen müssen -) militärisch am zweckmäßigsten in ihrem Land umgesetzt werden.

Wenn wir das Weltproletariat zu seiner höchsten Kampfform, zum bewaffneten internationalen Bürgerkrieg erziehen, dann verschmähen wir Marxisten-Leninisten deswegen noch lange nicht die friedlichen Kampfmittel – sie dienen seinen Tagesinteressen, den Interessen des Alltags, der Verteidigung seiner Lebenslage, sie dienen zur Vorbereitung der sozialistischen Weltrevolution, - jedoch werden wir Marxisten-Leninisten niemals vergessen, dass der internationale Klassenkampf unter bestimmten Bedingungen unvermeidbar die Form des bewaffneten Kampfes, die Form des Bürgerkriegs annimmt, wo der internationale Klassenfeind rücksichtslos auf dem internationalen Schlachtfeld vernichtet werden muss. Der internationale Bürgerkrieg wird kommen, demgegenüber sich die gesamten internationalen konterrevolutionären Kräfte des Weltimperialismus als zu schwach erweisen werden und in dem das sozialistische Weltproletariat den vollen Sieg davontragen wird.

Was ist der Bürgerkrieg nicht ?

Die Sozialdemokratie hat sich nie damit abgegeben, militärische Verschwörungen zu spielen, sie hat nie die militärischen Fragen in den Vordergrund gestellt, solange nicht die Bedingungen eines begonnenen Bürgerkrieges gegeben waren. Jetzt aber rücken alle Sozialdemokraten die militärischen Fragen wenn nicht an die erste Stelle, so doch an eine der ersten Stellen, setzen sie das Studium dieser Fragen und das Bekanntmachen der Volksmassen mit ihnen auf die Tagesordnung. Die revolutionäre Armee muss die militärischen Kenntnisse und die militärischen Mittel praktisch anwenden, damit das ganze weitere Schicksal des russischen Volkes, damit die erste, die dringlichste Frage, die Frage der Freiheit, entschieden wird“ (Lenin, Band 8, Seite 568).

Im Namen der Grundsätze des Marxismus verlangen wir aber unbedingt, dass man sich nicht mit abgenutzten und schablonenhaften Phrasen von Anarchismus, Blanquismus und Terrorismus um eine Analyse der Bedingungen des Bürgerkriegs drückt, dass man sinnlose Methoden bei Partisanenaktionen, wie sie von dieser oder jener Organisation der PPS [ terroristische Kampfformen in der Zeit der russischen Revolution von 1905- Anmerkung des Verfassers] in diesem oder jenem Augenblick angewandt worden sind, nicht zum Abschreckungsmittel gegen die Beteiligung der Sozialdemokraten am Partisanenkrieg überhaupt macht“ (ebenda, Seite 210). Das heißt für uns Marxisten-Leninisten heute, dass wir uns deswegen grundsätzlich nicht aus den Aktionen mit dem Charakter eines Partisanenkrieg heraushalten und die passive Rolle des Beobachters von außen einnehmen dürfen, nur weil sinnlose Formen von Aktionen verschiedener nicht-marxistisch-leninistischer Organisationen angewandt werden. Ergibt die konkrete Analyse wirklich vorhandene Bedingungen für zwingend erforderliche Aktionen, dann dürfen wir uns um diese Aktionen nicht drücken, sondern müssen unter Berücksichtigung der gegebenen subjektiven Faktoren ( - insbesondere die Situation und Haltung der aufständischen Massen - ), die geeigneten Formen ihrer Durchführung gewissenhaft auswählen und konsequent praktisch umsetzen. Dies gilt insbesondere für Unterstützung der Revolutionäre, die in Ländern kämpfen, in denen heute nationale Befreiungskämpfe stattfinden, in denen zum Beispiel noch keine oder nur sehr wenige marxistisch-leninistische Kräfte vorhanden sind. Durch den marxistisch-leninistischen Einfluss ist es notwendig, den Aktionen der spontanen Bewegung Bewusstheit, Organisiertheit und klares Ziel zu verleihen, wobei sie – wie gesagt – stets von streng festgelegten ideologischen und organisatorischen Bedingungen auszugehen hat. Wenn diese Aktionen Möglichkeiten bieten, eine proletarische revolutionäre Partei aufzubauen bzw. dadurch ihren Aufbau zu stärken und zu festigen, dann müssen die Aktionen in einem Bürgerkrieg bzw. in einem nationalen Befreiungskampf auch hierfür systematisch und planmäßig ausgenutzt werden. Nur das Weltproletariat kann den Kern einer machtvollen revolutionären Weltarmee schaffen, machtvoll sowohl durch ihre internationalistischen Ideale als auch durch ihre weltrevolutionäre Disziplin, sowohl durch ihre internationale Organisation als auch durch ihren weltweiten Heroismus im Kampf, alles Eigenschaften, denen keine Armee der Welt standzuhalten vermag.

Und das Proletariat hat, geführt von der Sozialdemokratie, schon überall mit der Bildung dieser revolutionären Armee begonnen. Ihren Reihen müssen sich alle anschließen, die nicht zur Armee der Schwarzhunderter gehören wollen. Der Bürgerkrieg kennt keine Neutralen [unterstrichen vom Verfasser]. Wer ihm fernbleibt, der unterstützt durch seine Passivität die triumphierenden Schwarzhunderter. Auch das Heer zerfällt in eine rote und eine schwarze Armee“ [unterstrichen vom Verfasser], (Lenin, Band 9, Seite 467). Und so und nicht anders wird es auch im Weltmaßstab sein.

So verächtlich ihr, meine Herren, auch die Nase rümpft über Nachtangriffe und ähnliche rein militärische Dinge; so viel ihr auch feixt über den `Plan` , diensthabende Sekretäre der Organisation oder schlechthin Mitglieder der Organisation für den Fall außerordentlicher Kampfhandlungen zu ernennen - das Leben nimmt sich sein Recht, die Revolution erteilt ihre Lehren, reißt die verknöchertsten Pedanten hoch und rüttelt sie wach. Militärische Fragen müssen zur Zeit des Bürgerkrieges bis in alle Einzelheiten studiert werden, und das Interesse der Arbeiter für diese Fragen ist eine vollauf berechtigte und gesunde Erscheinung. Führungsstäbe (oder diensthabende Mitglieder der Organisationen) müssen bestimmt werden. Einteilung der Patrouillen, Einquatierung der Abteilungen – alles das sind rein militärische Funktionen, alles das sind einleitende Operationen der revolutionären Armee, alles das ist die Organisation des bewaffneten Aufstands, die Organisation der revolutionären Macht, die bei diesen kleinen Vorbereitungen, in diesen leichten Scharmützeln heranreift und erstarkt, die hier ihre Kräfte erprobt, kämpfen lernt und sich auf den Sieg vorbereitet – einen Sieg, der um so näher rückt, um so wahrscheinlicher wird, je mehr sich die allgemeine politische Krise vertieft, je mehr sich die Gärung, die Unzufriedenheit und das Schwanken in den Reihen der zaristischen Armee verstärken“ (Lenin, Band 9, Seite 197-198).

Die Kampfformen in den verschiedenen Ländern unterscheiden sich in den verschiedenen Epochen zum Teil erheblich.



Der Bürgerkrieg und der Unterschied zu anderen Kriegen

Der Bürgerkrieg ist ernster und grausamer als jeder andere Krieg“ (Lenin, Band 29, Seite 359). In der Geschichte endeten zwischenstaatliche Kriege, Kriege der Herrschenden untereinander, wie zB die Kriege zwischen den imperialistischen Großmächten und Blöcken, immer mit Kompromissen zwischen den besitzenden Klassen, während der Bürgerkrieg keine Gefangenen macht, sondern vernichtet, die unterdrückte Klasse ihre Anstrengungen darauf richtet, die unterdrückende Klasse restlos zu vernichten, die ökonomischen Existenzbedingungen dieser Klassen zu vernichten (Lenin, ebenda).

Der Bürgerkrieg unterscheidet sich seiner Natur nach von anderen Kriegen dadurch, dass die Kampfformen viel mannigfaltiger sind, die Zahl und die Zusammensetzung der Kämpfenden auf beiden Seiten kaum berechnet werden können und stark schwanken, die Versuche, Frieden oder auch nur Waffenstillstand zu schließen, nicht von den Kämpfenden ausgehen und sich in der absonderlichsten Weise mit den Kampfhandlungen verflechten. Zeitweilige Pausen in den Kampfhandlungen spornen besonders die „Unternehmungslust der `Friedensstifter` an“ (Lenin, Band 9, Seite 459).

Der Bürgerkrieg unterscheidet sich von einem gewöhnlichen Krieg durch seine unermesslich größere Kompliziertheit, durch die Unbestimmtheit und Unbestimmbarkeit der am Kampf Teinehmenden – infolge des Übergehens aus dem einen Lager ins andere (...) und infolge der Unmöglichkeit, zwischen `Kombattanten` und `Nichtkombattanten` , d.h., zwischen denen, die zu den Kämpfern gehören und denen, die nicht zu ihnen gehören, eine Grenze zu ziehen. Wenn die Regierung `streikt`, wenn die Polizei, ohne sich zu rühren, `auf der Lauer` liegt, so wird der Krieg trotzdem nicht eingestellt, eben weil es ein Bürgerkrieg ist, weil es in der Bevölkerung selbst interessierte Verteidiger der alten Macht und Verteidiger der Freiheit gibt“ (Lenin, Band 10, Seite 392-393). Lenin forderte von den Revolutionären eine bewusste, ernsthafte Einstellung zu den Kampfformen des Bürgerkriegs, „Wer von der Revolution lernen will, muss sich volle Rechenschaft darüber ablegen, dass diese Kampfformen unvermeidlich sind, muss sich Gedanken über die Aufgaben machen, die uns durch diese Kampfformen auferlegt werden“ (Lenin, ebenda, Seite 393). Und wir fügen kategorisch hinzu... muss sich Gedanken über die internationalen Aufgaben machen, die uns der globalisierte Bürgerkrieg auferlegen wird.

Und Lenin stellte ferner 1906 fest:

Die Kampfformen der russischen Revolution unterscheiden sich von denen der bürgerlichen Revolutionen Europas durch ihre riesige Mannigfaltigkeit. Kautsky hat das zum Teil vorausgesagt, als er im Jahre 1902 davon sprach, dass die kommende Revolution ( er fügte hinzu vielleicht mit Ausnahme Russlands) nicht so sehr ein Kampf des Volkes gegen die Regierung als ein Kampf des einen Teils des Volkes gegen den anderen sein wird. In Russland sehen wir zweifellos eine breitere Entfaltung dieses zweiten Kampfes als in den bürgerlichen Revolutionen des Westens. Im Volk gibt es nur wenig Feinde unserer Revolution, aber sie organisieren sich mit der Verschärfung des Kampfes immer mehr und erhalten die Unterstützung der reaktionären Schichten der Bourgeoisie. Es ist daher durchaus natürlich und unvermeidlich, dass in einer solchen Epoche, in der Epoche der das ganze Volk erfassenden politischen Streiks, der Aufstand nicht die alte Form von Einzelaktionen [In Zukunft im Weltmaßstab möglicherweise ausbrechende internationalisierte Aufstände und Bürgerkriege müssen nicht unbedingt die alte Form von Aufständen und Bürgerkriegen im engen nationalen Rahmen annehmen – Anmerkung des Verfassers] annehmen kann, die sich auf eine sehr kurze Zeitspanne und auf ein sehr kleines Gebiet beschränken. Es ist ganz natürlich und unvermeidlich, dass der Aufstand die höheren und komplizierteren Formen eines langwierigen, das ganze Land erfassenden Bürgerkriegs, d.h., des bewaffneten Kampfes des einen Teils des Volkes gegen den anderen, annimmt. Einen solchen Krieg kann man sich nur vorstellen als eine Reihe von wenigen, durch verhältnismäßig große Zeitabstände voneinander getrennten großen Schlachten und eine Menge von kleineren Scharmützeln im Verlauf dieser Zwischenzeiten. Wenn das so ist – und zweifellos ist es so -, dann muss die Sozialdemokratie unbedingt ihre Aufgabe darin sehen, Organisationen zu schaffen, die in möglichst hohem Maße dazu befähigt sind, die Massen sowohl in diesen großen Schlachten als auch, nach Möglichkeit, in diesen kleineren Scharmützeln zu führen [auf internationaler Ebene die Kommunistische Internationale – Anmerkung des Verfassers]. Die Sozialdemokratie muss sich in einer Epoche, in der sich der Klassenkampf zum Bürgerkrieg [schließlich die Kommunistische Internationale in einem zukünftig wahrscheinlichen internationalen Bürgerkrieg – Anmerkung des Verfassers] verschärft hat, die Aufgabe stellen, an diesem Bürgerkrieg nicht nur teilzunehmen, sondern auch die führende Rolle in ihm zu spielen. Die Sozialdemokratie muss ihre Organisationen dazu erziehen und vorbereiten, dass sie wirklich als kriegführender Teil handeln, der keine Gelegenheit unbenutzt lässt, die Kräfte des Gegners zu schwächen. Das ist fraglos eine schwierige Aufgabe [und auf internationaler Ebene um so mehr – Anmerkung des Verfassers]. Sie kann nicht mit einem Schlag gelöst werden. Wie das ganze Volk im Verlauf des Bürgerkrieges im Kampfe umerzogen wird und auf Grund der gesamten Erfahrungen so umgebildet werden, dass sie dieser Aufgabe gerecht werden. Wir erheben nicht den geringsten Anspruch darauf, den Genossen, die in der praktischen Arbeit stehen, irgendeine ausgeklügelte Kampfform aufzudrängen oder gar vom Schreibtisch aus die Frage zu entscheiden, welche Rolle die einen oder anderen Formen des Partisanenkrieges im Gesamtverlauf des Bürgerkrieges in Russland spielen sollen. Uns liegt der Gedanke fern, in der konkreten Beurteilung der einen oder anderen Partisanenaktion die Frage einer Richtung in der Sozialdemokratie zu sehen. Aber wir sehen unsere Aufgabe darin, nach Maßgabe unserer Kräfte zu einer richtigen theoretischen Beurteilung der neuen Kampfformen beizutragen, die das Leben hervorbringt; wir sehen unsere Aufgabe darin, rücksichtslos die Schablonen und Vorurteile zu bekämpfen, die die bewussten Arbeiter daran hindern, diese neue und schwierige Frage in der richtigen Weise zu stellen und richtig an ihre Lösung heranzugehen“ (Lenin, Band 11, Seite 213)“. Hieran muss man natürlich auch die einst empfohlenen Kampfformen der Komintern, die sie den angeschlossenen Kommunistischen Parteien für ihre Kämpfe in ihren Ländern an die Hand gegeben hat, historisch neu beurteilen, um aus den gemachten Erfahrungen und Fehlern für unseren zukünftigen internationalen Klassenkampf zu lernen.



Der Bürgerkrieg ist ein demokratisch organisierter und geführter Krieg der unterdrückten Massen

Lenin hob hervor, dass der Bürgerkrieg gegen die Bourgeoisie ein demokratisch organisierter und geführter Krieg der Massen der Besitzlosen gegen die Minderheit der Besitzenden ist. `Schießen Sie gefälligst zuerst, meine Herren Bourgeois!` schrieb Engels 1891, als er (und zwar mit vollem Recht) dafür eintrat, dass wir Revolutionäre die bürgerliche Legalität in der Epoche der sogenannten friedlichen konstitutionellen Entwicklung ausnutzen. Engels` Gedanke war völlig klar: Wir, die klassenbewussten Arbeiter, werden nachher schießen; für uns ist es jetzt vorteilhafter, für den Übergang vom Wahlzettel zum `Schießen` (d.h., zum Bürgerkrieg) den Zeitpunkt auszunutzen, zu dem die Bourgeoisie die von ihr geschaffene legale Basis selbst verletzt“ (Lenin, Band 21, Seite 87).

Lenin wandte sich dabei gegen jene Elemente, die den demokratischen Kampf als Argument GEGEN den Bürgerkrieg verwendeten, die den Bürgerkrieg durch den demokratischen Kampf im Sinne des Legalismus ersetzen wollten. Alle revolutionären Aktionen sind nicht nur zulässig, sondern legitim. Sie sind mehr als legitim, sie sind gebieterische Pflicht des revolutionären Weltproletariats. Hierzu, und nur hierzu, müssen alle demokratischen Mittel ausgenutzt und ausgeschöpft werden.

Der Bürgerkrieg ist kein einmaliger Akt, keine einzelne Schlacht an einer Front, sondern Ausdruck schärfster Klassenauseinandersetzungen über eine ganze Epoche hinweg, die mit der Expropriation der Weltbourgeoisie endet. Ebenso ist der Kampf um die Demokratie kein einmaliger Akt. Er endet mit dem Absterben des sozialistischen Staates, wenn der siegreiche Sozialismus weltweit dem vollständigen Kommunismus weichen wird.

Es wäre ein großer Irrtum zu glauben, dass der Kampf um die Demokratie imstande wäre, das Proletariat von der sozialistischen Revolution abzulenken, oder auch nur diese Revolution in den Hintergrund zu schieben, zu verhüllen und dergleichen.. Im Gegenteil, wie der siegreiche Sozialismus, der nicht die vollständige Demokratie verwirklicht, unmöglich ist, so kann das Proletariat, das den in jeder Hinsicht konsequenten, revolutionären Kampf um die Demokratie nicht führt, sich nicht zum Siege über die Bourgeoisie vorbereiten“ (Lenin, Band 22, Seite 145).

Politische Umgestaltungen in wahrhaft demokratischer Richtung, erst recht aber politische Revolutionen können keinesfalls und niemals, unter keinen Umständen die Losung der sozialistischen Revolution verdunkeln oder abschwächen. Im Gegenteil, sie bringen sie stets näher, verbreitern die Basis, ziehen neue Schichten des Kleinbürgertums und der halb-proletarischen Massen in den sozialistischen Kampf hinein. Andererseits aber sind politische Revolutionen unvermeidlich im Verlauf der sozialistischen Revolution, die man nicht als einzelnen Akt betrachten darf, sondern als Epoche stürmischer politischer und ökonomischer Erschütterungen, des schärfsten Klassenkampfes, des Bürgerkriegs, der Revolutionen und Konterrevolutionen betrachten muss“ (Lenin, Band 21, Seite 342-343).

So ist auch die sozialistische WELTrevolution nicht als einzelner Akt zu betrachten, sondern als Weltepoche stürmischer politischer und ökonomischer Erschütterungen, des schärfsten internationalen Klassenkampfes, des internationalen Bürgerkrieges, der internationalen Revolutionen und Konterrevolutionen – ein weltrevolutionärer Prozess, wobei die Bedeutung der sozialistischen Weltrevolution (dialektisch betrachtet) als „qualitativer Sprung“ im Kampf der Gegensätze zwischen Weltproletariat und Weltbourgeoisie nicht vergessen werden darf. Die Lösung der Frage des demokratisch organisierten und geführten Bürgerkrieges der unterdrückten Massen bedeutet heute Lösung der Frage der proletarischen Weltrevolution.

Das Proletariat kann nicht anders siegen als durch die Demokratie. Wir müssen den Kampf für die Demokratie vom internationalistischen Standpunkt aus führen, das heißt, nicht nur den demokratischen Kampf in jedem einzelnen Land, sondern damit verbunden den Kampf für die Weltdemokratie, die nur durch den Weltsozialismus verwirklicht werden kann. Wir müssen den weltrevolutionären Kampf gegen den Weltkapitalismus mit dem weltrevolutionären Programm und mit der weltrevolutionären Taktik in Bezug auf alle Forderungen der Weltdemokratie verbinden. Im Mittelpunkt steht dabei die Forderung nach der Expropriation der Weltkapitalisten, die Niederwerfung der Weltbourgeoisie, um alle demokratischen Forderungen in allen Ländern der Welt verwirklichen zu können. Einige dieser Forderungen werden vorher, andere während der Niederwerfung und die meisten erst danach erfüllt werden können. Es ist klar, dass man zu diesem Zweck nicht auf die gegebenenen Möglichkeiten der Ausnutzung der im Kapitalismus heute bestehenden internationalendemokratischen“ Einrichtungen verzichten darf. Lenin lehrt:

Der Marxismus lehrt: Der `Kampf gegen den Opportunismus` in der Form, dass man auf die Ausnutzung der von der Bourgeoisie geschaffenen und von der Bourgeoisie zum Zerrbild gemachten demokratischen Einrichtungen in der gegebenen, kapitalistischen Gesellschaft verzichtet, ist gleichbedeutend mit der völligen Kapitulation vor dem Opportunismus! Die Losung, die sowohl den schnellsten Ausweg aus dem imperialistischen Krieg als auch den Zusammenhang unseres Kampfes gegen ihn mit dem Kampf gegen den Opportunismus zeigt, ist der Bürgerkrieg für den Sozialismus. Nur diese Losung berücksichtigt richtig sowohl die Besonderheiten der Kriegszeit – der Krieg zieht sich in die Länge und droht zu einer ganzen Kriegs`epoche` zu werden! - als auch den ganzen Charakter unserer Tätigkeit als Gegengewicht gegen den Opportunismus mit seinem Pazifismus, seinem Legalismus, seiner Anpassung an die `eigene` Bourgeoisie. Aber außerdem ist der Bürgerkrieg gegen die Bourgeoisie der demokratisch organisierte und geführte Krieg der Massen der Besitzlosen gegen die Minderheit der Besitzenden. Der Bürgerkrieg ist ebenfalls Krieg, folglich muss auch er unvermeidlich die Gewalt an die Stelle des Rechts setzen. Aber die Gewalt im Namen der Interessen und Rechte der Mehrheit der Bevölkerung zeichnet sich durch einen anderen Charakter aus: sie tritt die `Rechte` der Ausbeuter, der Bourgeoisie nieder und ist nicht zu verwirklichen ohne eine demokratische Organisierung der Truppen und des `Hinterlands` . Der Bürgerkrieg expropriiert mit Gewalt sofort und in erster Linie die Banken, die Fabriken, die Eisenbahnen, die großen landwirtschaftlichen Güter usw. Aber gerade deswegen, um das alles zu expropriieren, muss man sowohl die Wahl aller Beamten durch das Volk als auch die Wahl der Offiziere durch das Volk einführen, muss man die völlige Verschmelzung der Armee, die den Krieg gegen die Bourgeoisie führt, mit der Masse der Bevölkerung sowie vollständige Demokratie in der Verfügung über die Lebensmittelvorräte, ihrer Produktion und Verteilung einführen usw. Das Ziel des Bürgerkriegs ist die Inbesitznahme der Banken, der Fabriken und Betriebe usw., die Ausschaltung jeder Möglichkeit eines Widerstandes der Bourgeoisie, die Vernichtung ihrer Truppen. Aber das Ziel ist weder von der rein militärischen noch von der ökonomischen, noch auch von der politischen Seite her zu erreichen ohne die gleichzeitige, im Verlauf eines solchen Krieges zur Entfaltung kommende Einführung und Ausbreitung der Demokratie in unserer Truppe und in unserem `Hinterland` . Wir sagen heute den Massen ( und die Massen fühlen instinktiv, dass wir Recht haben, wenn wir ihnen das sagen): `Man betrügt euch, denn man führt euch um des imperialistischen Kapitalismus willen in den Krieg und bemäntelt ihn mit den großen Losungen der Demokratie` . ` Ihr müsst und ihr werdet wirklich demokratisch Krieg führen gegen die Bourgeoisie, mit dem Ziel, Demokratie und Sozialismus tatsächlich zu verwirklichen`. Der jetzige Krieg vereint und `verschmilzt` die Völker zu Koalitionen durch Gewalt und finanzielle Abhängigkeit. Wir werden in unserem Bürgerkrieg gegen die Bourgeoisie die Völker nicht durch Gewalt des Rubels, nicht durch die Gewalt des Prügels, nicht durch Zwang, sondern durch das freiwillige Einverständnis, durch die Solidarität der Werktätigen gegen die Ausbeuter vereinigen und verschmelzen. Die Proklamation der gleichen Rechte aller Nationen ist für die Bourgeoisie zum Betrug geworden, für uns wird sie Wahrheit sein, eine Wahrheit, die die Gewinnung aller Nationen für unsere Sache erleichtern und beschleunigen wird. Ohne die demokratische Organisierung der Beziehungen zwischen den Nationen in der Praxis- und folglich auch ohne die Freiheit der staatlichen Lostrennung – ist der Bürgerkrieg der Arbeiter und der Werktätigen aller Nationen gegen die Bourgeoisie unmöglich.“ ( Lenin, Band 23, Seite 15-16).

Es ist denkbar, dass die Arbeiter eines gegebenen Landes die Bourgeoisie niederwerfen wird, bevor sie auch nur eine einzige demokratische Umgestaltung vollständig verwirklichen. Aber es ist ganz undenkbar, dass das Proletariat, als eine geschichtliche Klasse, die Bourgeoisie besiegen könnte, wenn es dazu nicht vorbereitet wird durch die Erziehung im Geiste des konsequentesten und revolutionär entschiedensten Demokratismus“ (Lenin, Band 21, Seite 416).

Heute verstehen wir unter dem demokratisch geführten Bürgerkrieg den antifaschistisch geführten Bürgerkrieg. Ohne Faschismus ohne Militarisierung an der inneren Front kann kein imperialistischer Raubkrieg nach außen siegreich geführt werden. Der von der faschistischen Bourgeoisie verhängte innere Belagerungszustand, das Außerkraftsetzen der demokratischen Rechte, die Militärzensur erzeugt den Widerstandswillen von unten, der seinen höchsten Ausdruck in den bewaffneten Widerstandsbewegungen findet. Der demokratisch geführte Bürgerkrieg ist aber nicht identisch mit den legalen Formen des antifaschistischen Kampfes, sondern dem Wesen nach wächst der demokratisch geführte Bürgerkrieg aus der illegalen Organisierung des Massenkampfes. Der Bürgerkrieg von heute hat also den Charakter eines antifaschistischen Bürgerkrieges, ist der bewaffnete Kampf gegen den Faschismus an der inneren Front. Der antifaschistische Bürgerkrieg ist ein Klassenkrieg für den Sozialismus. Und zwar nicht nur der Form nach im gesamtnationalen Rahmen, sondern dem Wesen nach im internationalen Maßstab. Der heutige antifaschistische Bürgerkrieg ist dem Wesen nach also ein internationaler Bürgerkrieg, ist Bestandteil der sozialistischen Weltrevolution, ist der demokratisch geführte und organisierte Weltkrieg der unterdrücktren und ausgebeuteten Massen der ganzen Welt zum Sturz des Weltkapitalismus.

Lenin richtete sich gegen Bestrebungen der Bourgeoisie, den proletarischen Kampf im Bürgerkrieg umzuwandeln in eine gesamtnationale Revolution, die Klassengegensätze zu vertuschen und mit der gesamtnationalen Klassenbefriedung das Proletariat der bürgerlichen Demokratie unterzuordnen, es sich zu einem nützlichen Anhängsel zu machen (sprich: das Proletariat als Klasse politisch zu isolieren!):

Die Umwandlung des illegalen revolutionären Kampfes aber in die gesamt-nationale bürgerliche Revolution ist purer Unsinn. Der reale Sinn dieser Betrachtung jedoch liegt in dem Bestreben, den Standpunkt des Proletariats durch den Standpunkt der bürgerlichen Demokratie zu ersetzen (...) Den Begriff des Bürgerkriegs übermäßig zu erweitern, ist nur für jene von Vorteil, die die besonderen Aufgaben der Arbeiterpartei in der Periode des wirklichen Bürgerkriegs ignorieren“ (Lenin, Band 11, Seite 244).



Bürgerkrieg ist Revolution während des Krieges

Bürgerkriege sind umgewandelte imperialistischen Kriege

Losung: „Bürgerkriege gegen die gesamte `zivilisierte` Welt der Bourgeoisie statt `Burgfrieden` mit ihr !“

Die Umwandlung des imperialistischen Krieges in den Bürgerkrieg kann ebenso wenig `gemacht` werden, wie man Revolutionen `machen` kann – sie wächst heraus aus einer ganzen Reihe von mannigfaltigen Erscheinungen, Seiten, Zügen, Merkmalen und Folgen des imperialistischen Krieges. Und ein solches Heranwachsen ist unmöglich ohne eine Reihe von militärischen Misserfolgen und Niederlagen eben der Regierungen, denen ihre eigenen unterdrückten Klassen Schläge versetzen“ (Lenin, Band 21, Seite 276).

Wir hatten bereits hervorgehoben, dass Lenin die Frage der Vaterlandsverteidigung als Kardinalfrage während des imperialistischen Krieges betrachtete. Dies tat er auch in Anbetracht der Umwandlung des imperialistischen Krieges in den Bürgerkrieg:

Das Proletariat ist gegen die Vaterlandsverteidigung in diesem imperialistischen Krieg, und zwar in Anbetracht seines räuberischen, sklavenhalterischen, reaktionären Charakters, in Anbetracht der Möglichkeit und Notwendigkeit, ihm den Bürgerkrieg für den Sozialismus entgegenzustellen (und seine Umwandlung in diesen Bürgerkrieg anzustreben)“ (Lenin, Band 22, Seite 319).

Die unterdrückten Klassen innerhalb der „zivilisierten“ Welt müssen gemeinsam der gesamten „zivilisierten“ Welt Schläge versetzen, müssen den „zivilisierten“ Kriegen Schläge versetzen, müssen eine innere Klassenkriegsfront zentralisiert aufbauen, um den internationalen Bürgerkrieg innerhalb der „zivilisierten Welt“ zu erleichtern und zu beschleunigen. Weltkrieg bedeutet Weltbürgerkrieg, Weltbürgerkrieg bedeutet Weltrevolution.

Als erste Schritte in Richtung auf die Umwandlung des gegenwärtigen imperialistischen Krieges in den Bürgerkrieg sind zu bezeichnen:

1. unbedingte Ablehnung der Kriegskredite und Austritt aus den bürgerlichen Kabinetten;

2. völliger Bruch mit der Politik des `nationalen Friedens` (bloc national, Burgfrieden);

3. Bildung illegaler Organisationen überall dort, wo Regierung und Bourgeoisie unter Verhängung des Belagerungszustandes die verfassungsmäßigen Freiheiten aufheben;

4. Unterstützung der Verbrüderung der Soldaten der kriegführenden Nationen in den Schützengräben und auf den kriegsschauplätzen überhaupt;

5. Unterstützung aller revolutionären Massenaktionen des Proletariats überhaupt“ (Lenin, Band 21, Seite 150).

Das durch den Krieg hervorgerufene äußerste Elend der Massen muss zwangsläufig revolutionäre Stimmungen und Bewegungen erzeugen, zu deren Verallgemeinerung und Lenkung die Losung des Bürgerkriegs dienen soll.



Revolution während des Krieges ist Bürgerkrieg, aber die Umwandlung des Krieges der Regierung in den Bürgerkrieg wird einerseits durch militärische Misserfolge (durch die `Niederlage`) der Regierungen erleichtert; andererseits ist es faktisch unmöglich, eine solche Umwandlung anzustreben, ohne damit zu der Niederlage beizutragen.

Vor der `Losung` der Niederlage bekreuzigen sich die Chauvinisten (...) eben deshalb, weil einzig und allein diese Losung die konsequente Aufforderung zu revolutionären Aktionen gegen die eigene Regierung während des Krieges bedeutet. Ohne solche Aktionen aber sind Millionen von höchst rrrrevolutionären Phrasen über den Krieg gegen den `Krieg und die Verhältnisse usw.` keinen roten Heller wert.

Wer die `Losung` Niederlage der eigenen Regierung im imperialistischen Krieg ernsthaft widerlegen wollte, der müsste eines von drei Dingen beweisen: entweder

1. dass der Krieg 1914/1915 nicht reaktionär ist; oder

2. dass die Revolution im Zusammenhang mit dem Krieg unmöglich ist; oder

3. dass ein gegenseitiges Einvernehmen und Zusammenwirken der revolutionären Bewegung in allen kriegführenden Ländern unmöglich ist.“ (Lenin, Band 21, Seite 274-275).

Wer heute die Losung der Niederlage der gesamten „zivilisierten“ Welt, die Losung der Niederlage aller imperialistischen Großmächte ernsthaft widerlegen wollte, der müsste eines von drei Dingen beweisen:

entweder

1. dass die Raubkriege der Imperialisten nicht reaktionär sind; oder

2, dass die sozialistische Weltrevolution im Zusammenhang mit den imperialistischen Raubkriegen unmöglich ist: oder

3. dass das Einvernehmen, Zusammenwirken und zentralisiert organisierte Vorgehen der revolutionären Weltbewegung gegen die imperialistischen Raubkriege unmöglich ist.

Vereinbarungen über internationale revolutionäre Aktionen gegen imperialistische Kriege, gegen die kriegführenden Regierungen und ebenso gegen diejenigen Regierungen, die Raubkriege billigen oder dulden, wirken nur vermittels des BEISPIELS ernster revolutionärer internationaler Aktionen, ihrer praktischen Inangriffnahme, Ausweitung und Fortentwicklung. Eine solche Inangriffnahme ist aber wiederum unmöglich ohne Mitwirkung an der Niederlage der gesamten „zivilisierten“ Welt. Es ist unsere Aufgabe als Marxisten-Leninisten, den Hass gegen die Weltimperialisten insgesamt zu wecken und die internationale Taktik des revolutionären bewaffneten Kampfes zu propagieren und zu diesem bewaffneten Kampf auch tatsächlich beizutragen. Das ist eine schwierige Aufgabe, aber eine Aufgabe, die des Weltproletariats würdig ist, die einzig kommunistische Aufgabe.

Die Gegner der Losung der Niederlage der imperialistischen Welt haben einfach vor sich selber Angst, wenn sie der sonnenklaren Tatsache, dass zwischen revolutionärer Agitation und Propaganda gegen alle imperialistischen Regierungen und Mitwirkung an ihrer Niederlage durch revolutionäre internationale Aktionen ein untrennbarer Zusammenhang besteht, nicht offen ins Auge schauen wollen.Die Losung der Niederlage ablehnen heißt, seinen Revolutionismus zu einer leeren Phrase oder zu bloßer Heuchelei machen“ (Lenin, Band 21, Seite 276).

Es ist Einvernehmen und Zusammenwirken der revolutionären Bewegungen in den unterdrückten Ländern mit den sozialistischen Bewegungen in den unterdrückenden Ländern nicht nur möglich, sondern auch notwendig, um die Niederlage des Weltimperialismus herbeizuführen. Jeder Internationalist muss heute für die anti-imperialistische Einheitsfront der gesamten revolutionären Weltbewegung gegen den gesamten Weltimperialismus, einschließlich aller seiner Regierungen, organisiert kämpfen. Das Weltproletariat kann heute in jedem reaktionären Krieg nicht umhin, allen reaktionären, kriegführenden Regierungen der ganzen Welt ihre gemeinsame Niederlage nicht nur zu wünschen, sondern daran auch praktisch mitzuwirken. Um keinerlei Missverständnisse aufkommen zu lassen: Das Weltproletariat kämpft nicht für die Niederlage des „stärkeren“ gegenüber den „schwächeren“ imperialistischen Staaten, nicht für die Niederlage des einen imperialistischen Bündnisses über eines anderen, sondern gegen den Burgfrieden mit der Bourgeoisie in ausnahmslos allen imperialistischen Staaten, gegen den Weltburgfrieden mit der imperialistischen Welt, sowohl in ihrer Gesamtheit als auch gegen den Burgfrieden mit jedem einzelnen aller ihrer Kettenglieder. Anders kommt man nicht an die sozialistische Revolution heran.

Genau betrachtet, bedeutet die Losung den `Burgfrieden`, die Lossagung vom Klassenkampf der unterdrückten Klasse in allen kriegführenden Ländern, denn der Klassenkampf ist unmöglich ohne Schläge gegen die `eigene` Bourgeoisie und die `eigene` Regierung, versetzt man aber der eigenen Regierung in Kriegszeiten einen Schlag so ist das Hochverrat (...), so ist das Mitwirkung an der Niederlage des eigenen Landes. Wer die Losung `weder Siege noch Niederlagen` vertritt, der kann nur heuchlerisch für den Klassenkampf, für den `Bruch des Burgfriedens` eintreten, der verzichtet praktisch auf eine selbständige proletarische Politik und ordnet das Proletariat aller kriegführenden Länder der durchaus bürgerlichen Aufgabe unter, die betreffenden imperialistischen Regierungen vor Niederlagen zu bewahren. Die einzige Politik, die in der Tat, nicht in Worten, den Bruch des `Burgfriedens` und die Anerkennung des Klassenkampfes bedeutet, besteht darin, dass das Proletariat die Schwierigkeiten der eigenen Regierung und der eigenen Bourgeoisie ausnutzt, um sie zu stürzen. Das kann man aber nicht erreichen, ja das kann man nicht anstreben, ohne dass man die Niederlage der eigenen Regierung wünscht, ohne dass man an dieser Niederlage mitwirkt“ (Lenin, Band 21, Seite 277).

Internationale revolutionäre Aktionen sind Hochverrat gegenüber der ganzen „zivilisierten“ Welt („Wer nicht für uns ist, ist gegen uns“ - Bush), so wie auch Verbrüderung in den Schützengräben, Verbrüderung zwischen den Proletariern in den unterdrückenden und den unterdrückten Ländern in den Augen der Weltimperialisten Hochverrat ist. Aus Sicht des Weltimperialismus ist internationaler Bürgerkrieg Hochverrat, für das Weltproletariat ist der Weltburgfrieden Hochverrat, denn der Bürgerkrieg wälzt die bestehende imperialistische Weltordnung gewaltsam um, während diese Ordnung selber an einer Befriedung der Klassen interessiert ist, um den alten Zustand aufrechtzuerhalten oder wieder herzustellen.

Der Proletarier kann nicht seiner Regierung einen Schlag im Interesse der eigenen Klasse versetzen oder seinem Bruder, dem Proletarier des `fremden` , mit `uns` kriegführenden Landes (in der Tat) die Hand hinstrecken, ohne `Hochverrat` zu begehen, ohne an der Niederlage mitzuwirken, ohne zum Zerfall der `eigenen` imperialistischen `Groß`macht beizutragen. Wer für die Losung `weder Siege noch Niederlagen` eintritt, der ist ein bewusster oder unbewusster Chauvinist, der ist bestenfalls ein versöhnlerischer Kleinbürger, in jedem Fall aber ein Feind der proletarischen Politik, ein Anhänger der jetzigen Regierungen, der jetzigen herrschenden Klassen“ (Lenin, Band 21, Seite 277- 278).

Lenin hat immer wieder betont, dass der Bürgerkrieg gegen die eigene Bourgeoisie der Prüfstein im Kampf gegen den Sozialchauvinusmus ist. Für einen solchen Bürgerkrieg im eigenen Land zu sein, das macht allein aber noch nicht den Internationalisten aus, denn Lenin spricht ausdrücklich vom Bürgerkrieg gegen die Bourgeoisie sowohl des „eigenen“ als auch der „fremden“ Länder. Beides voneinander zu trennen, eben das heißt zu vergessen, dass das Weltproletariat damit hinters Licht geführt werden soll, dass die einen Opportunisten der sozialistischen Weltrevolution den Rücken kehren, indem sie sich auf die Barrikade des Klassenkampfes im eigenen Land zurückzieht ( und sich bei der revisionistischen Umwandlung der nationalen Form des Klassenkampfes in einen nationalen Inhalt auf den „Internationalismus“, auf Lenin beruft!), und die anderen Opportunisten sich als „Internationalisten“ auf die Brust klopfen ( und sich dabei ebenso auf Lenin berufen!), aber von den nationalen Formen der Weltrevolution, von der Revolution in einem Land als Hebel und der Grundlage der Weltrevolution , von der sozialistischen Revolution im einzelnen Land als Voraussetzung für die Entfaltung der sozialistischen Weltrevolution nichts wissen wollen.

Beide Richtungen des Opportunismus begründen sich auf Internationalismus, nur dass es das gemeinsame Wesen ihres Internationalismus ist, den Opportunismus auf die eine und auf die andere Weise zu globalisieren – eben der globale opportunistische Internationalismus gegen den globalen proletarischen Internationalismus.

Lenin fasste den Bürgerkrieg stets als Bürgerkrieg gegen die Bourgeoisie ALLER Länder auf, als weltrevolutionären Weg zur Erringung der politischen Macht des Proletariats, zur Erringung des Sieges des Sozialismus.

Lenin legte dar, warum die Weltbourgeoisie von den imperialistischen Plünderungen, Grausamkeiten und endlosem Kriegsgreuel abzulenken versucht, warum sie sich als „Befreier der Völker von Ausbeutung und Unterjochung, von Diktatoren und Terroristen usw. usf“ ausgibt:

...um das Proletariat hinters Licht zu führen und seine Aufmerksamkeit abzulenken von dem einzig wirklichen Befreiungskrieg , nämlich vom Bürgerkrieg gegen die Bourgeoisie sowohl des `eigenen` Landes als auch [unterstrichen vom Verfasser] der `fremden` Länder“ (Lenin, Band 21, Seite 14-15).

Die Bourgeoisie tritt nicht nur als nationale Verteidigerin des Kapitalismus, sondern auch als Verteidigerin des Weltkapitalismus auf. Deswegen wird sich der Bürgerkrieg auch nicht in eine national begrenzte Zwangsjacke stecken lassen. Das Zeitalter des globalen Raubkrieges ist das Zeitalter des globalen Bürgerkrieges, der ganz konkret in jedem einzelnen Land auf die eine oder andere Weise in Erscheinung tritt, besondere Züge aufweist, einen bestimmten Charakter hat, aber eben eine Bewegung ist, die der gesamten globalen Bürgerkriegsbewegung zufließt, sie nährt und anschwellen lässt.

Betrachten wir die Dinge also im internationalen Maßstab, so müssen wir auch hier die weltbürgerliche Taktik der Klassenbefriedung demaskieren, wenn es der Weltbourgeoisie im internationalen Bürgerkrieg an den Kragen geht. Je mehr sich das Weltproletariat der Erfüllung seiner historischen Mission nähert und sich aus den Fesseln des Weltfaschismus mit seiner sozialistischen Weltrevolution befreit, desto mehr wird der Weltsozialdemokratismus, wird der Weltrevisionismus die Unterordnung des Proletariats unter die bürgerliche Demokratie, unter den bürgerlichen Sozialismus wieder herzustellen versuchen und auf internationale Ebene projizieren. Das hatte ja bereits mit dem VII. Weltkongress schon so gut gegen den Hitlerfaschismus geklappt: Hitler opfern, um den Weltimperialismus zu retten. Also wird die Weltbourgeoisie auf internationaler Ebene versuchen, sich der Führung der Einheitsfront gegen den Weltimperialfaschismus zu bemächtigen, das Weltproletariat auszubooten und ins Schlepptau zu nehmen – nicht etwa um den Weltimperialismus zu beseitigen, sondern ihn zu erhalten. Es sollen halt nur die imperial-faschistischen „Auswüchse eingedämmt und gezähmt“ werden (Weltfront gegen den Weltfaschismus, Bildung einer konstitutionellen Weltversammlung zu Schaffung eines Weltparlaments, bürgerliche Weltdemokratie und was es sonst noch so an schönen Sachen gibt, um die Völker mit dem bürgerliche Demokratismus zu segnen usw. usf., sprich: um das Weltbürgertum und seine Weltordnung zu retten. Erst wenn der Weltliberalismus, der Weltsozialdemokratismus, der Weltrevisionismus vom Weltproletariat zum Abschwenken gezwungen wird, kann das Weltproletariat seine selbständige weltrevolutionäre Politik erfolgreich zu Ende führen. Im Weltsozialismus wird das Weltproletariat niemals seine Macht mit irgendjemandem teilen, das ist ein Prinzip der proletarischen Weltdiktatur. Das ist schon keine Zukunftsmusik mehr. Wenn man heute die konkrete Weltlage analysiert, so haben sich in der Weltkrise die Klassengegensätze über die nationalen Grenzen, über die Kontinente ausgedehnt , treten die Klassen und ihre Parteien immer offener auf dem internationalen Schlachtfeld der Klassenkriege auf. Gegen die Marionettenorganisation UNO, gegen die weltimperialistischen Regierungen wird sich der Hass der Völker verstärken, wird der internationale Bürgerkrieg vom Weltimperialismus, von der Weltreaktion unvermeidlich provoziert, wird sich der Kampf konzentrieren zwischen proletarischer, sozialistischer Weltrevolution und internationaler imperialistischer Konterrevolution.

Eine Regierung, die nicht das Vertrauen des Landes genießt und gegen die sich der Hass der Massen richtet, (kann) nichts anderes als eine Regierung der Provozierung des `Bürgerkriegs sein“ (Stalin, Band 3, Seite 303). Das trifft auch im Weltmaßstab zu.

Es sind in der Geschichte des Klassenkampfes meistens die herrschenden Klassen gewesen, die den Bürgerkrieg gegen die revoltierenden unterdrückten Klassen eröffneten. Hingegen wurde die Eröffnung des Bürgerkrieges durch die unterdrückten Klassen oftmals aus Gewissensskrupel, aus Zögerlichkeit, aus Ohnmacht, Unwissenheit, mangelnden materiellen Mitteln etc. versäumt. Über die Pariser Kommunarden schrieb Karl Marx deshalb in einem Brief an Kugelmann:

Wenn sie unterliegen, so ist nichts daran Schuld, als ihre `Gutmütigkeit`. Es galt gleich nach Versailles zu marschieren, nachdem erst Vinoy, dann der reaktionäre Teil der Pariser Nationalgarde selbst das Feld geräumt hatte. Der richtige Moment wurde versäumt aus Gewissensskrupel. Man wollte den Bürgerkrieg nicht eröffnen, als ob der mischievous avorton ( die bösartige Missgeburt) Thiers den Bürgerkrieg nicht mit seinem Entwaffnungsversuch von Paris bereits eröffnet gehabt hätte!“ (zitiert bei Stalin, Werke, Band 1, Seite 317). Die Erfahrungen, die das Pariser Proletariat im Bürgerkrieg gewonnen hat, sind durch Karl Marx hervorragend verallgemeinert worden und lehren das Weltproletariat, die Aufgaben des internationalen Bürgerkrieges konkret zu stellen. Das Weltproletariat wird von den Lehren, von den Kampfmethoden aller bisheriger Bürgerkriege Gebrauch machen und seinen eigenen bewaffneten internationalen Bürgerkrieg zum Sieg führen. Wer den internationalen bewaffneten Bürgerkrieg ablehnt, bezeichnet sich zu Unrecht als proletarischer Weltrevolutionär, hat aus der Pariser Kommune, nicht aus der Oktoberrevolution und der Dezemberrevolution von 1905 gelernt. Dazu äußerte sich Lenin in seiner Polemik gegen Struve in der Frage des Bürgerkrieges 1905. Dieser Herr Struve versicherte: „Im Bürgerkrieg wird der Angreifer stets im Unrecht sein“ und Lenin antwortete hierauf: Wir wollen natürlich nicht sagen, dass es im Bürgerkrieg stets vorteilhaft wäre, anzugreifen; nein, manchmal ist die Defensivtaktik für eine gewisse Zeit geboten. Aber eine solche These in Anwendung auf das Russland von 1905 aufzustellen, wie Herr Struve es getan hat, bedeutet eben, mit einem Stückchen `radikaler Schablone` aufzuwarten (`die Bourgeoisie bekommt Angst und verkauft die Sache der Freiheit`). Wer jetzt die Selbstherrschaft, die Reaktion nicht angreifen will, wer sich auf diesen Angriff nicht vorbereitet, wer ihn nicht propagiert, der bezeichnet sich zu Unrecht als Anhänger der Revolution“ (Lenin, Band 9, Seite 56).





Das Besondere am russischen Bürgerkrieg war, dass die militärischen Operationen kaum eine Rolle spielten wie Lenin sich äußerte, da das alte Regime nicht mehr fähig war, den Krieg fortzusetzen und die Massen eine schwere Kriegszeit durchgemacht hatten, und sie sich schon lange vorher von ihren Feinden und den Verrätern enttäuscht abgewandt und bereits die eigenen Organisationen der Sowjets aufgebaut hatten :

Es begann der Bürgerkrieg, und in diesem Bürgerkrieg erwiesen sich die Kräfte der Feinde der Sowjetmacht, die Kräfte der Feinde der werktätigen und ausgebeuteten Massen als ganz geringfügig; der Bürgerkrieg war ein einziger Triumph der Sowjetmacht, weil ihre Feinde, die Ausbeuter, die Gutsbesitzer und die Bourgeoisie, keine einzige Stütze hatten, weder eine politische noch eine wirtschaftliche, und ihr Überfall scheiterte. Der Kampf gegen sie bestand nicht so sehr in militärischen Operationen als vielmehr in Agitation [damit meinte Lenin insbesondere die erfolgreiche Überzeugungsarbeit der Bolschewiki bei den zahlreichen Delegationen, die von der Front nach Petrograd kamen, und die dann alle auf die Seite der Bolschewiki übergingen – Anmerkung des Verfassers]; (...) die Periode, in der sich die russische Revolution entwickelte, (...) war historisch nur deshalb möglich, weil die größten Räubergiganten des Weltimperialismus in ihrer offensiven Bewegung gegen die Sowjetmacht vorübergehend lahmgelegt waren; eine Revolution, die in ein paar Tagen die Monarchie gestürzt, in ein paar Monaten alle Versuche des Paktierens mit der Bourgeoisie erschöpft und in ein paar Wochen im Bürgerkrieg jeden Widerstand der Bourgeoisie besiegt hatte – eine solche Revolution, die Revolution einer sozialistischen Republik, konnte sich zwischen den imperialistischen Mächten, umgeben von internationalen Räubern, neben den Bestien des internationalen Imperialismus nur soweit behaupten, als die Bourgeoisie, die einen Kampf auf Leben und Tod gegeneinander führte, in ihrem Vormarsch gegen Russland paralysiert war. (...) Für die europäische Revolution wird der Anfang unermesslich viel schwerer sein. (...) Es wird ihr beträchtlich leichter fallen, zur zweiten und dritten Stufe ihrer Revolution zu kommen“ (Lenin, Band 27, Seite 164-165). Und das waren die Stufen, die umgekehrt in Russland ungemein schwer waren, große Niederlagen, Opfer und Rückzüge mit sich brachten. Die russische Revolution machte einen Umschwung von schnellen Siegen zu einer Periode schwerer Niederlagen.

Bezüglich des Bürgerkriegs schrieben Marx und Engels in ihrem Kommunistischen Manifest:

Indem wir die allgemeinsten Phasen der Entwicklung des Proletariats zeichneten, verfolgten wir den mehr oder minder versteckten Bürgerkrieg innerhalb der bestehenden Gesellschaft bis zu dem Punkt, wo er in eine offene Revolution ausbricht und durch den gewaltsamen Sturz der Bourgeoisie das Proletariat seine Herrschaft begründet“.

Der Bürgerkrieg ist eine Erscheinung, die in jeder Epoche der Klassengesellschaft gesetzmäßig auftritt, entweder mit der Absicht der herrschenden Klassen, damit präventiv dem drohenden Ausbruch einer Revolution zuvorzukommen oder mit derm Zwischenresultat, dass die Ausbeuterklasse sich behauptet oder ihre Macht zurückerobert, oder - im Verlauf dieses Prozesses - die Ausbeuterklasse schließlich doch endgültig vernichtet wird, um durch eine neue ersetzt zu werden, womit jeweils eine alte Epoche der Klassengesellschaft endet und eine neue beginnt. Wird in einem Bürgerkrieg die Bourgeoisie durch das Proletariat besiegt, dann kann es wieder Bürgerkriege geben, wenn es den inneren und äußeren bürgerlichen Kräften gelingt, die Macht zurückzuerobern. Dann wird das Proletariat in einen nächsten Bürgerkrieg verwickelt, wenn es seine Macht zurückerobert. Um die tatsächliche Macht eines kapitalistischen Staates zu prüfen, gibt es kein anderes Mittel und kann es kein anderes Mittel geben als den Krieg (...) Unter dem Kapitalismus gibt es keine anderen Mittel, das gestörte Gleichgewicht von Zeit zu Zeit wiederherzustellen, als Krisen in der Industrie und Kriege in der Politik“ (Lenin, Band 21, Seite 344). Um demgegenüber die Macht eines sozialistischen Staates zu prüfen, gibt es kein anderes Mittel und kann es kein anderes Mittel geben als den Bürgerkrieg und den sozialistischen Krieg gegen die imperialistisch-sozialimperialistische Umkreisung bzw. Intervention. Unter dem Sozialismus gibt es kein anderes Mittel, das kapitalistische Gleichgewicht ins Schwanken und schließlich zum Einstürzen zu bringen, als krisensichere sozialistische Industrie und sozialistischer Krieg dem imperialistischen Krieg bzw. Verwandlung des imperialistischen Kriegs in einen (internationalen) Bürgerkrieg in der Politik.



Der letzte Bürgerkrieg in der Weltgeschichte wird ein internationaler Bürgerkrieg sein, der jetzt zwischen Weltbourgeoisie und Weltproletariat geführt wird, und der schließlich mit dem Sieg der proletarischen Weltrevolution endet, mit der jene sozialistische Weltordnung geschaffen wird, durch die die Klassengesellschaft abgeschafft und damit die Ursache und Unvermeidbarkeit der Bürgerkriege sowohl im nationalen als auch im internationalen Rahmen grundsätzlich, also für immer beseitigt wird. Nur der internationale proletarische Bürgerkrieg ist jener einzige Bürgerkrieg, der jeglichen Bürgerkrieg auf dem Erdball historisch abschafft.

Der Bürgerkrieg zwischen Bourgeoisie und Proletariat ist eine gesetzmäßige Stufe der proletarischen Revolution, ein unvermeidbarer, ein blutiger und opfervoller Prozess auf dem Weg zum Sozialismus. Die allerschärfste Form aller bisherigen Klassenkämpfe in der Weltgeschichte der Menschheit wird der internationale Bürgerkrieg sein, der bereits begonnen hat.

Wir Marxisten-Leninisten leiten von Lenin also ab, dass der internationale Bürgerkrieg die schärfste Form jedes anderen Bürgerkrieges ist, dass auch die nationalen Bürgerkriege mehr oder weniger ihre internationale Bedeutung haben, dass die Zusammenstöße, ökonomischer, politischer und bewaffneter Natur sich internationalisieren, dass diese sich wiederholen, verschärfen, dass sie sich im Weltmaßstab ausweiten, vermehren und schließlich vereinigen, damit zunehmend ihre nationale Hülle abstreifen und sich schließlich in den internationalen Bürgerkrieg verwandeln und enden mit dem bewaffneten Kampf zwischen Weltbourgeoisie und Weltproletariat, mit der sozialistischen, proletarischen Weltrevolution. Der Entwicklungsprozess des internationalen Bürgerkrieges ist das gesetzmäßiges Produkt des Klassenkampfes im Kapitalismus und eine gesetzmäßige Stufe zum Sieg der internationalen proletarischen Revolution (Lenin, Band 29, Seite 113-114).

Wenn der revolutionäre Krieg zu einer Revolution im Weltmaßstab wird, ruft er unvermeidlich Widerstand in genau dem gleichen Weltmaßstab hervor. Und umgekehrt, erzeugt die Globalisierung des Krieges der internationalen Konterrevolution den Widerstand der unterdrückten und ausgebeuteten Völker, den Widerstand des Weltproletariats, bringt diese Globalisierung der Kriege, die proletarische Weltrevolution hervor. Kriege, die der Festigung des internationalen Klassenjochs dienen, erzeugen Kriege die seiner Befreiung dienen. Unser Krieg nimmt darum Weltmaßstab an, weil die Weltbourgeoisie verstanden hat, dass das letzte Gefecht gegen sie angebrochen ist (Lenin, Band 29, Seite 332). Wenn man sich hierüber bewusst ist, muss man als Revolutionär in Theorie und Praxis lernen, unseren Krieg richtig, vorzubereiten, zu organisieren, durchzuführen, zu führen, zu sichern usw. usf. Darum geht es uns, hierüber muss Klarheit und Einheit geschaffen werden, alles andere ist sinnloses Geschwätz.

Während eines Bürgerkrieges kann jede siegreiche Macht nur eine Diktatur sein. Aber die Sache ist die, dass es eine Diktatur der Minderheit über die Mehrheit, einer Handvoll Polizisten über das Volk gibt und dass es eine Diktatur der gigantischen Mehrheit des Volkes über eine Handvoll von Gewalttätern, Räubern und Usurpatoren der Volksmacht gibt“ (Lenin, Band 31, Seite 339, dt. Ausgabe).

Die von der Oktoberrevolution gestürzten Ausbeuterklassen organisierten mit Hilfe der ausländischen Imperialisten den bewaffneten Kampf gegen die Sowjetmacht. Der Bürgerkrieg stellte die schärfste Form des Klassenkampfes des Proletariats gegen die Bourgeoisie und die Gutsbesitzer dar. Die militärische Vernichtung der Kräfte der inneren Konterrevolution und der ausländischen imperialistischen Interventen besiegelte den weltgeschichtlichen Sieg des Proletariats in seinem Klassenkampf gegen den Kapitalismus. Aber die militärische Vernichtung führt allein nur deshalb zum Sieg, weil vor allem die Massen aus eigener Erfahrung erkennen und vergleichen können, dass die neue Staatsmacht des Proletariats tausend Mal besser für sie ist als die alte Staatsmacht der Bourgeoisie und dass sie sich deswegen bewusst auf die Seite der Arbeiterklasse stellen, um deren Staatsmacht vor dem Zugriff der Konterrevolution zu verteidigen.Die wichtigsten politischen Fragen (...) werden, (...), wenn sie akut sind und sich durch den Kampf weiter zugespitzt haben, durch den Bürgerkrieg entschieden“ (Lenin, Band 30, Seite 257).

Lenin sagte, dassunser (...) Bürgerkrieg nicht nur die in der Geschichte seit langem bekannte Erscheinung voll und ganz bestätigt (hat), dass der Charakter eines Krieges und sein Erfolg in erster Linie von der inneren Ordnung des Landes, das in den Krieg eintritt, abhängt, dass ein Krieg das Spiegelbild der Innenpolitik ist, die dieses Land vor dem Krieg betrieben hat. Das alles wirkt sich zwangsläufig auf die Kriegsführung aus. Die Frage, welche Klasse den Krieg geführt hat und ihn fortsetzt, ist eine äußerst wichtige Frage. Nur weil unser Bürgerkrieg von Arbeitern und Bauern geführt wird, die sich befreit haben, und weil er eine Fortsetzung des politischen Kampfes für die Befreiung der Werktätigen von den Kapitalisten ihres Landes und der ganzen Welt ist, nur deshalb haben sich in einem so rückständigen und durch einen vierjährigen imperialistischen Krieg erschöpften Land wie Russland willensstarke Menschen gefunden, um diesen Krieg zwei beispiellos, unsagbar schwere und mühevolle Jahre hindurch weiterzuführen“ (Lenin, Band 30, Seite 137). „Der Belagerungszustand kostet Geld, die finanzielle Lage der Selbstherrschaft aber ist schon jetzt verzweifelt. Der Belagerungszustand führt zu einer Verstärkung der Agitation unter den Soldaten und gewöhnt der Bevölkerung die Furcht vor den aller`schrecklichsten` Formen der Repressalien ab“ (Lenin, Band 11, Seite 173).

Niemals hat es in der Geschichte einen Bürgerkrieg der ausgebeuteten Massen gegen die ausbeutende Minderheit gegeben und kann es in der Klassengesellschaft einen solchen geben, in dem nicht ein Teil der Ausgebeuteten den Ausbeutern folgte und gemeinsam mit diesen gegen ihre Brüder marschierte“ (Lenin, Band 29, Seite 536). Der Unterschied ist nur der, dass die einen diesen Verrat nicht erkennen während die anderen diesen Verrat nicht nur bewusst begehen, sondern auch noch demagogisch die Ausgebeuteten in ihrem Befreiungskampf spalten und gegeneinander aufhetzen im Dienste der Bourgeoisie.

In der ganzen Welt hat der Krieg die Spaltung der Arbeiterbewegung, den Übergang der Sozialpatrioten zur Bourgeoisie gebracht. Nach Russland hat das am anschaulichsten ein fortgeschrittenes kapitalistisches Land gezeigt: Deutschland. Und jetzt die `ideologische Bande` zwischen Reformisten und Revolutionären verteidigen heißt die Henker aus den Reihen der Arbeiter, wie Noske und Scheidemann, unterstützen, die der Bourgeoisie behilflich waren, Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht zu ermorden, Tausende von Arbeitern zu ermorden, weil sie den revolutionären Kampf gegen die Bourgeoisie führen“ (Lenin, Band 29, Seite 538).

Lenin aber hat über die „Argumente“ Kautskys gesiegt. Wie zum Beispiel in seiner Schrift: „Die proletarische Revolution und der Renegat Kautsky“ (Band 28, Seite 99):

Perle Nummer zwei. Der Bürgerkrieg sei der `Todfeind´ der `sozialen Revolution´, denn diese, wie wir bereits gehört haben, `bedarf der Ruhe´ (für die Reichen?) `und der Sicherheit´ (für die Kapitalisten?) (...) Nun, ist etwa dieser Kautsky nicht ein Revolutionär, wie er im Buche steht? Er hat sich mit Leib und Seele der Revolution verschrieben ... nur darf sie keinen ernstlichen Kampf heraufbeschwören, der mit der Vernichtung droht! Er hat die alten Fehler des alten Engels, der die erzieherische Wirkung der gewaltsamen Revolutionen begeistert gepriesen hat, vollkommen `überwunden´. Als `seriöser´ Historiker hat er sich völlig von den Verirrungen jener Leute losgesagt, die da behaupteten, der Bürgerkrieg stähle die Ausgebeuteten und lehre sie, eine neue Gesellschaft ohne Ausbeuter zu schaffen.“

Lenin verteidigte Liebknecht gegen den deutschen Sozialchauvinisten Kolb. Liebknecht war für einen „bis zur Siedehitze gesteigerten inneren Kampf“ (Bürgerkrieg) unter der deutschen Nation und damit für eine militärische und politische Schwächung der deutschen Imperialisten im 1. Weltkrieg – zum Nutzen der deutschen proletarischen Revolution. Die Sozialchauvinisten aber leugneten dies und verurteilten diese revolutionäre Bürgerkriegstaktik als eine „sektiererische“ Taktik, die zum Schaden der deutschen Arbeiterklasse und nur zum Vorteil sei für den Sieg der mit Deutschland kriegführenden imperialistischen Länder:

Das ist tatsächlich der Kern der ganzen Frage. Der `bis zur Siedehitze gesteigerte innere Kampf` ist eben der Bürgerkrieg. Kolb hat Recht, die Taktik der Linken führt dazu; er hat Recht, sie bedeutet die `militärische Schwächung` Deutschlands, d.h., den Wunsch nach seiner Niederlage und die Mitwirkung dabei, bedeutet Defätismus. Kolb hat – nur! - darin Unrecht, dass er den INTERNATIONALEN [hervorgehoben vom Verfasser] Charakter einer solchen Taktik der Linken nicht sehen will. In allen kriegführenden Ländern ist ein `bis zur Siedehitze gesteigerter innerer Kampf`, die `militärische Schwächung` der imperialistischen Bourgeoisie und (kraft dessen, in Verbindung damit, mittels dessen) die Umwandlung des imperialistischen Krieges in den Bürgerkrieg möglich. Das ist der Kern der Frage“ (Lenin, Band 22, Seite 143).

Und heute? – Kein Unterschied zwischen Kolb und den heute schreienden, über die Marxisten-Leninisten herfallenden Neo-Revisionisten: Der Bürgerkrieg ist die „sektiererische Hetze“, die „revolutionäre Phraseologie“ der „Radikalinskis“, der „Phantasten“, der „Hysteriker“ von der sozialen Revolution, denn diese bedarf der Ruhe (für die Sozialfaschisten?) und der Sicherheit (für die Sozialimperialisten?) . Die Neo-Revisionisten haben sich mit Leib und Seele der Revolution „verschrieben“ ... sie sind für den „Meinungsstreit“ - nur dürfe dieser nicht „sektiererisch“ geführt werden, sprich: darf er keinen ernstlichen Kampf heraufbeschwören, mit dem die Vernichtung des Revisionismus droht ! Als „seriöse“, „solidarische“, „einheitswillige“ (mit den Revisionisten ??) „Marxisten-Leninisten“ haben sie sich von jenen „sektiererischen Verirrungen jener Leute“ losgesagt, die da behaupten, der Bürgerkrieg stähle die Ausgebeuteten und lehre sie, eine neue Gesellschaft ohne revisionistisches Ausbeutersystem zu schaffen.



Bürgerkrieg in Spanien 1936

(in Arbeit)

Spanischer Bürgerkrieg internationale Arbeiterwaffen für die bürgerliche Republik gegen den Faschismus; daraus lernen für die internationalen Waffen für die Diktatur des Proletariats und den Sozialismus; internationale Brigaden!!! a) gegen Faschismus, b) gegen kolonialisimus, usw



Internationaler Bürgerkrieg

Der höchste Aufschwung, zu dem die Welt heute noch fähig ist, ist der Krieg „zur Verteidigung der Zivilisation“, und dieser erweist sich heute als reiner Schwindel der Großmächte mit den USA an der Spitze, der keinen anderen Zweck mehr hat, als die sozialistische Weltrevolution hinauszuschieben, und der vorübergeht, sobald der Klassenkampf im internationalen Bürgerkrieg auflodert.

Den Revolutionen folgen Bürgerkriege, die heute in einen großen internationalen Bürgerkrieg übergehen können, in einen Krieg gegen alle Völker der Welt. Dieser internationale Bürgerkrieg ist nicht minder zerstörerisch als ein imperialistischer Weltkrieg und kann zu einer Stufe der proletarischen Weltrevolution werden, bzw. ihrer möglichen Niederlage folgen, bevor diese endgültig siegt. Sehen wir uns den gegenwärtigen Sturm der hunderttausenden von Armen beispielsweise in Afrika und Lateinamerika auf die Festung der reichen Länder Amerikas und Europas an, dann lässt sich die ganze Dimension des internationalen Bürgerkriegs nicht nur erahnen, sondern dann ist das bereits offensichtlich der Anfang eines offenen internationalen Bürgerkriegs zwischen den Armen und Reichen auf dieser Erde, werden die von den Imperialisten errichteten Konzentrationslager am Rande ihrer Festungen zu revolutionären Zentren des Sturms auf diese Festungen.

Der imperialistische Krieg konnte (...) nicht mit einem gerechten Frieden enden, ja nicht einmal mit dem einfachen Abschluss eines halbwegs dauerhaften Friedens durch die bürgerlichen Regierungen. Der Gang der Ereignisse hat mit dieser kleinbürgerlichen Illusion der Demokraten, Sozialisten und Sozialdemokraten gründlich aufgeräumt. Der imperialistische Krieg verwandelte und verwandelt sich im Gegenteil vor unseren Augen unabwendbar in einen Bürgerkrieg der ausgebeuteten und werktätigen Massen mit dem Proletariat an ihrer Spitze gegen die Ausbeuter, gegen die Bourgeoisie. Sowohl der Widerstand der Ausbeuter, der im Maße des zunehmenden Drucks des Proletariats wächst und besonders verstärkt wird durch den Sieg des Proletariats in einzelnen Ländern, als auch die internationale Solidarität und die internationale Organisiertheit der Bourgeoisie – all das führt unvermeidlich zur Verflechtung des Bürgerkriegs innerhalb einzelner Länder mit revolutionären Kriegen zwischen den proletarischen und den die Herrschaft des Kapitals verteidigenden bürgerlichen Ländern. In Anbetracht des Klassencharakters solcher Kriege verliert der Unterschied zwischen Verteidigungs- und Angriffskriegen endgültig jeden Sinn. Im Großen und Ganzen ist dieser vor unseren Augen, besonders rasch seit Ende 1918, vor sich gehende Entwicklungsprozess des internationalen Bürgerkrieges gesetzmäßiges Produkt des Klassenkampfes im Kapitalismus und eine gesetzmäßige Stufe zum Sieg der internationalen proletarischen Revolution. Darum weist die KPR die Hoffnungen auf Entwaffnung im Kapitalismus als reaktionäre spießbürgerliche Illusion kleinbürgerlicher Demokraten, mögen diese sich auch als Sozialisten und Sozialdemokraten bezeichnen, zurück und stellt allen solchen Losungen, die in Wirklichkeit lediglich der Bourgeoisie in die Hände spielen, die Losung: Bewaffnung des Proletariats und Entwaffnung der Bourgeoisie entgegen, die Losung der restlosen und schonungslosen Unterdrückung des Widerstandes der Ausbeuter, die Losung des Kampfes bis zum Sieg über die Bourgeoisie der ganzen Welt sowohl im inneren Bürgerkrieg als auch in internationalen revolutionären Kriegen“ (Lenin, Band 29, Seite 113-114). Kann das Weltproletariat heute noch nicht regieren, so kann es die Weltbourgeoisie schon nicht mehr.

»Es wird immer klarer, dass die über der ganzen Welt heraufziehende sozialistische Revolution keinesfalls nur in dem Sieg des Proletariats eines jeden Landes über die eigene Bourgeoisie bestehen wird. Das wäre möglich, wenn die Revolutionen leicht und rasch vonstatten gingen. Wir wissen aber, dass die Imperialisten das nicht zulassen werden, dass alle Länder gegen ihren inneren Bolschewismus gerüstet und nur mit dem Gedanken beschäftigt sind, wie sie den Bolschewismus bei sich zu Lande besiegen können. Deshalb reift in jedem Land der Bürgerkrieg heran, an dem die alten sozialistischen Paktierer an der Seite der Bourgeoisie teilnehmen sollen. Somit wird die sozialistische Revolution nicht nur hauptsächlich ein Kampf der revolutionären Proletarier eines jeden Landes gegen die eigene Bourgeoisie sein, nein, sie wird ein Kampf aller vom Imperialismus unterdrückten Kolonien und Länder, aller abhängigen Länder gegen den internationalen Imperialismus sein« (Lenin - 22.11.1919, Werke, Bd. 30, Berlin 1961, S.144 ).

Lenin war der Auffassung, dass das internationale Proletariat sich eine Zentralstelle schaffen muss, um seinen (bewaffneten) Kampf durch eine einheitliche,gemeinsame internationale Taktik zu leiten für eine weltumspannende Sowjetrepublik, aber er warnte dabei vor Doktrinarismus und Sektierertum in seiner Schrift „Der `linke Radikalismus`, die Kinderkrankheit im Kommunismus`:

Man muss sich klar Rechenschaft ablegen, dass eine solche leitende Zentralstelle keinesfalls auf einer Schablonisierung, einer mechanischen Gleichsetzung und Identifizierung der taktischen Kampfregeln aufgebaut werden kann. Solange nationale und staatliche Unterschiede zwischen den Völkern und Ländern bestehen – diese Unterschiede werden sich aber noch sehr, sehr lange sogar nach der Verwirklichung der Diktatur des Proletariats im Weltmaßstab erhalten -, erfordert die Einheitlichkeit der internationalen Taktik der kommunistischen Arbeiterbewegung aller Länder nicht die Beseitigung der Mannigfaltigkeit, nicht die Aufhebung der nationalen Unterschiede (das wäre im gegenwärtigen Augenblick eine sinnlose Phantasterei), sondern eine solche Anwendung der grundlegenden Prinzipien des Kommunismus (Sowjetmacht und Diktatur des Proletariats), bei der diese Prinzipien im einzelnen richtig modifiziert und den nationalen und nationalstaatlichen Verschiedenheiten richtig angepasst, auf sie richtig angewandt werden. Das national Besondere, das national Spezifische beim konkreten Herangehen jedes Landes an die Lösung der einheitlichen internationalen Aufgabe, an den Sieg über den Opportunismus und den linken Doktrinarismus innerhalb der Arbeiterbewegung, an den Sturz der Bourgeoisie, an die Errichtung der Sowjetrepublik und der proletarischen Diktatur zu erforschen, zu studieren, herauszufinden, zu erraten und zu erfassen – das ist die Hauptaufgabe des historischen Augenblicks, den alle fortgeschrittenen ( und nicht allein fortgeschrittenen) Länder gegenwärtig durchmachen“ (Lenin, Band 31, Seite 79).

revisionistischer Bürgerkrieg als konterrevolutionäre Kampfform der sozialistischen Bourgeoisie zur Zersetzung und Beseitigung des proletarischen Sozialismus im nationalen und internationalen Maßstab

Das künstliche Schüren des Klassenkampfes, erläuterte Stalin, führt zum Bürgerkrieg; einen solchen Krieg unter den Bedingungen der Diktatur des Proletariats zu entzünden, untergräbt den Sozialismus“ (Geschichte der PAA Band II, Seite 235).

Der Klassenkampf im Sozialismus ist in keiner Frage heftiger als in der politischen Frage der Verteidigung der Staatsmacht. Die sozialistischen revolutionären Umstürze beginnen ebenso wie die bürgerlich-revisionistischen, konterrevolutionären Umstürze , die revolutionären Bürgerkriege im Kapitalismus ebenso wie die bürgerlich-revisionistischen konterrevolutionären Bürgerkriege im Sozialismus mit dem Kampf um die Staatsmacht.





Der nationale Befreiungskrieg

(einarbeiten: Stalin Band 6, Seite 122f)

Nie kann ein Volk, das andere Völker unterdrückt, frei sein.“ (Marx, Engels Werke, Band 18, Seite 527)



Was ist nationaler Befreiungskampf?

Der nationale Befreiungskampf ist ein Befreiungskampf gegen die Fremdherrschaft über ein Land, ist ein Kampf für das Selbstbestimmungsrecht eines Landes. Der nationale Befreiungskrieg ist heute der bewaffnete Kampf für das Selbstbestimmungsrecht einer vom Weltimperialismus unterdrückten Nation bzw. deren Bündnis mit anderen Nationen: Nationale Kriege gegen imperialistische Mächte sind nicht nur möglich und wahrscheinlich, sie sind unvermeidlich, sie sind fortschrittlich und revolutionär, obgleich natürlich zu ihrem Erfolg entweder die Vereinigung der Anstrengungen einer ungeheuren Zahl von Bewohnern unterdrückter Länder (Hunderte Millionen in dem von uns angeführten Beispiel Indiens und Chinas) erforderlich ist oder eine besonders günstige Konstellation der internationalen Lage (z.B. die Lähmung einer Einmischung imperialistischer Mächte infolge ihrer Schwächung, ihres Krieges, ihres Krieges, ihres Antagonismus u.dgl. m.) oder der gleichzeitige Aufstand des Proletariats einer der Großmächte gegen die Bourgeoisie (dieser in unserer Aufzählung letzte Fall ist der erste vom Standpunkt des Wünschenswerten und für den Sieg des Proletariats Vorteilhaften)“ (Lenin, Band 22, Seite 318).

Was ist der nationale Befreiungskampf nicht?

Der sogenannte „nationale Befreiungskrieg“, mit dem sich der imperialistische Raubkrieg tarnt, rechtfertigt, für den dieser sich ausgibt.

Jedes Land, das mehr Kolonien, Kapitalien und Truppen hat als `wir`, nimmt `uns` gewisse Privilegien, einen gewissen Profit oder Extraprofit weg. Wie unter den einzelnen Kapitalisten derjenige einen Extraprofit einsteckt, der Maschinen von überdurchschnittlicher Leistung besitzt oder über bestimmte Monopole verfügt, so erhält auch unter den Ländern dasjenige einen Extraprofit, das ökonomisch besser gestellt ist als die anderen. Sache der Bourgeoisie ist es, für Privilegien und Vorrechte ihre nationalen Kapitals zu kämpfen und das Volk oder das gemeine Volk (mit Hilfe Labriolas und Plechanows) irrezuführen, indem sie den imperialistischen Kampf um das `Recht`, andere auszuplündern, für einen nationalen Befreiungskrieg ausgibt“ (Lenin, Band 21, Seite 363).

Daran ändert sich dem Wesen überhaupt nichts, wenn es heute immer mehr um die weltimperialistischen Gesamtinteressen geht gegenüber dem „Rest der Welt“. Der „Krieg gegen den Terror“ zur Verteidigung der „zivilisierten, demokratischen Welt“ ist nichts anderes, als die heutige Rechtfertigung für eben diese imperialistischen Raubkriege. Das Gleiche gilt für die „Unterstützung“ der nationalen Befreiungskriege: „Befreiung der Nationen“ von der „Tyrannei“ eines imperialistischen Konkurrenten, um diese Nationen um so leichter und fester der eigenen imperialistischen Tyrannei zuzuführen, die Kolonien dem alten Herrschaftsbereich zu entreißen, um sie einem neuen imperialistischen Herrschaftsbereich unterzuordnen (Beispiel Afghanistan). Unter nationalem Befreiungskrieg verstehen wir also nicht, das größere Übel der Fremdherrschaft des einen Imperialismus mit dem kleinen Übel der Fremdherrschaft eines anderen Imperialismus einzutauschen, sondern den Krieg gegen jegliche imperialistische Fremdherrschaft. Wer seinen nationalen Befreiungskrieg unter den Schutzschild irgendeines imperialistischen Landes oder Bündnisses stellt, macht sich dessen Lakaien, kann keinen wirklichen nationalen Befreiungskampf führen.

Lenin stellte die tausende von Millionen Menschen vor die Frage: Entweder ihr verteidigt, mit dem Gewehr oder mit der Feder, direkt oder indirekt, in welcher Form auch immer, die Großmacht – und überhaupt die nationalen Privilegien oder Machtpositionen oder Ansprüche der `eigenen` Bourgeoisie, und das heißt dann, ihr seid ihre Anhänger oder Lakaien; oder ihr nutzt jeden und insbesondere den bewaffneten Kampf um die Großmachtprivilegien aus, um jede, vor allem aber die eigene Regierung mittels revolutionärer Aktionen des international solidarischen Proletariats zu entlarven und zu stürzen. Einen Mittelweg gibt es hier nicht, oder mit anderen Worten: Der Versuch, eine mittlere Linie zu beziehen, bedeutet in Wirklichkeit den verkappten Übergang auf die Seite der imperialistischen Bourgeoisie“ (Lenin, Band 21, Seite 366).



Vom Umschlagen eines imperialistischen Krieges in nationale Befreiungskriege gegen den Imperialismus

Wir haben bereits wiederholt darauf hingewiesen, dass die Marxisten den nationalen Befreiungskrieg stets in seinem historischen Zusammenhang analysieren und beurteilen. Nach Leninist es ein Grundsatz der marxistischen Dialektik, dass alle Grenzen in der Natur und in der Gesellschaft bedingt und beweglich sind, dass es keine einzige Erscheinung gibt, die nicht unter gewissen Bedingungen in ihr Gegenteil umschlagen könnte. Ein nationaler Krieg kann in einen imperialistischen Krieg umschlagen und umgekehrt“ (Lenin, Band 22, Seite 314). In seiner Schrift Über die Junius-Broschüre“ widerlegt Lenin die falsche These, dass es im Imperialismus angeblich keine nationalen Kriege mehr geben könne:

Ein Beispiel: Die Kriege der Großen Französischen Revolution begannen als nationale Kriege und waren auch solche. Diese Kriege waren revolutionär, sie dienten der Verteidigung der großen Revolution gegen eine Koalition konterrevolutionärer Monarchien. Als aber Napoleon das französische Kaiserreich errichtete und eine ganze Reihe seit langem bestehender, großer, lebensfähiger Nationalstaaten Europas unterjochte, da wurden die nationalen französischen Kriege zu imperialistischen, die nun ihrerseits nationale Befreiungskriege gegen den Imperialismus Napoleons erzeugten. Nur ein Sophist könnte den Unterschied zwischen einem imperialistischen und einem nationalen Krieg mit der Begründung verwischen, dass der eine in den anderen umschlagen kann. Die Dialektik hat mehr als einmal – auch in der Geschichte der griechischen Philosophie – als Brücke zur Sophistik gedient. Wir aber bleiben Dialektiker, wir bekämpfen die Sophismen nicht dadurch, dass wir die Möglichkeit jedweden Umschlagens überhaupt leugnen, sondern indem wir das Gegebene in seinem Milieu und seiner Entwicklung konkret analysieren.

Dass der gegenwärtige imperialistische Krieg, der Krieg von 1914 bis 1916 [Lenin schrieb diesen Text „Über die Junius-Broschüre“ im Oktober 1916 – Anmerkung des Verfassers], in einen nationalen Krieg umschlägt, ist deshalb in hohem Grade unwahrscheinlich, weil die Klasse, in der sich die Vorwärtsentwicklung verkörpert, das Proletariat ist, das objektiv danach strebt, diesen Krieg in einen Bürgerkrieg gegen die Bourgeoisie umzuwandeln, ferner aber auch deshalb, weil die Kräfte beider Koalitionen sich nur unerheblich voneinander unterscheiden und das internationale Finanzkapital überall eine reaktionäre Bourgeoisie geschaffen hat. Aber man kann ein solches Umschlagen nicht für unmöglich erklären: wenn das Proletariat Europas auf 20 Jahre hinaus ohnmächtig bliebe; wenn dieser Krieg mit Siegen in der Art der Siege Napoleons und mit der Versklavung einer Reihe lebensfähiger Nationalstaaten endete; wenn der außereuropäische Imperialismus (der japanische und der amerikanische in erster Linie) sich ebenfalls noch 20 Jahre halten könnte, ohne z.B. infolge eines japanisch-amerikanischen Krieges, in den Sozialismus überzugehen, dann wäre ein großer nationaler Krieg in Europa möglich. Das wäre eine Rückentwicklung Europas um einige Jahrzehnte. Das ist unwahrscheinlich. Es ist aber nicht unmöglich, denn zu glauben, die Weltgeschichte ginge glatt und gleichmäßig vorwärts, ohne manchmal Riesensprünge rückwärts zu machen, ist undialektisch, unwissenschaftlich, theoretisch unrichtig.

Weiter. Nationale Kriege der Kolonien und Halbkolonien sind in der Epoche des Imperialismus nicht nur wahrscheinlich, sondern unvermeidlich. In den Kolonien und Halbkolonien (China, Türkei, Personen) leben annähernd 1000 Millionen Menschen, d.h. über die Hälfte der gesamten Bevölkerung der Erde. Nationale Befreiungsbewegungen sind hier entweder schon sehr stark, oder sie wachsen und reifen heran. Jeder Krieg ist eine Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln. Die Fortsetzung der Politik der nationalen Befreiung in den Kolonien werden zwangsläufig nationale Kriege der Kolonien gegen den Imperialismus sein [hervorgehoben vom Verfasser]; solche Kriege können zu einem imperialistischen Krieg der jetzigen imperialistischen `Groß`mächte führen, können aber auch nicht dazu führen – das hängt von vielen Umständen ab. (...) Wir haben es hier mit einem nationalen Befreiungskrieg zu tun [ Lenin führte hier das Beispiel des Siebenjährigen Krieges zwischen Frankreich und England an – Anmerkung des Verfassers ] , in dem die imperialistische Rivalität ein hinzukommendes Element ohne ernste Bedeutung ist.

Ein nationaler Befreiungskrieg beispielsweise eines Bündnisses von Persien, Indien und China gegen diese oder jene imperialistischen Mächte ist durchaus möglich und wahrscheinlich, da er sich aus der nationalen Befreiungsbewegung dieser Länder ergeben würde, wobei das Umschlagen eines solchen Krieges in einen imperialistischen Krieg von sehr vielen konkreten Umständen abhinge, für deren Eintreten zu bürgen lächerlich wäre.

Drittens darf man selbst in Europa nationale Kriege in der Epoche des Imperialismus nicht für unmöglich halten. Die `Ära des Imperialismus` hat den jetzigen Krieg zu einem imperialistischen gemacht, sie wird unweigerlich (solange nicht der Sozialismus kommt) neue imperialistische Kriege erzeugen, sie hat die Politik der jetzigen Großmächte zu einer durch und durch imperialistischen gemacht, aber diese `Ära` schließt keineswegs nationale Kriege aus, z.B. Von seiten der kleinen (nehmen wir an, annektierten oder national unterdrückten) Staaten gegen die imperialistischen Mächte, wie sie auch im Osten Europas nationale Bewegungen in großem Maßstab nicht ausschließt. (...)

Und unter der Voraussetzung einer starken Erschöpfung der `Groß`mächte in diesem Krieg oder unter der Voraussetzung des Sieges der Revolution in Russland sind nationale Kriege, sogar siegreiche, durchaus möglich. Die Einmischung der imperialistischen Mächte ist in der Praxis nicht unter allen Umständen durchführbar, das einerseits. Wenn man andererseits aber so `ins Blaue hinein` urteilt, so ist darauf zu sagen, dass ein aussichtsloser Krieg auch ein Krieg ist; überdies können gewisse Erscheinungen im Innern der `Giganten` , z.B., der Ausbruch einer Revolution, einen `aussichtslosen` Krieg sehr `aussichtsreich` machen“ (Lenin, Band 22, Seite 314ff).

(Lenin, Band 22, Seite 315-316).

Kolonialkriege und nationale Befreiungskriege sind unvermeidliche Erscheinungen der gesetzmäßigen Entwicklung des Imperialismus und nicht etwa „nur“ krankhafte, heilbare Auswüchse des Kapitalismus, nicht eine Frage von aggressiven und „weniger“ aggressiven imperialistischen Ländern. Die Konkurrenz unter den imperialistischen Ländern stellt sich nicht anders als: selbst ruiniert werden oder andere ruinieren, einen Platz unter den Großmächten erobern, andere Großmächte ausbooten oder sich als Großmacht zu behaupten – auf Kosten der anderen - vor allem aber auf Kosten der unterdrückten Länder.

Die Herrschaft des Finanzkapitals, wie des Kapitals überhaupt, ist durch keinerlei Umgestaltungen auf dem Gebiete der politischen Demokratie zu beseitigen. Und das Selbstbestimmungsrecht der Nationen liegt ganz und ausschließlich auf diesem Gebiet“ (Lenin, Band 22, Seite 146). „Keine einzige demokratische Grundforderung ist in den fortgeschrittenen imperialistischen Staaten auch nur halbwegs umfassend und dauerhaft zu verwirklichen außer durch revolutionäre Kämpfe unter dem Banner des Sozialismus“ (Lenin Band 22, Seite 171).

Das heißt aber nicht, dass Lenin deswegen auf den unmittelbaren Kampf für alle demokratischen Forderungen der nationalen Befreiung der unterdrückten Nationen zur Zeit der Herrschaft des Weltimperialismus verzichtete, sondern dass er den demokratischen Kampf für das Selbstbestimmungsrecht mit dem revolutionären Kampf für das Selbstbestimmungsrecht verband, mit dem Ansturm des Weltproletariats, das heißt mit der sozialistischen Weltrevolution verknüpfte. Er schloss nicht aus, dass der Kampf für das Selbstbestimmungsrecht sogar den Anstoß für revolutionäre Erhebungen gibt, dass der verstärkte Druck der Monopole auf die unterdrückten Nationen revolutionäre Massenaktionen hervorruft. Die Marxisten-Leninisten haben von Anfang an die bedingungslose und sofortige Befreiung der Kolonien und unterdrückten Nationen, das Selbstbestimmungsrecht der Nationen gefordert. Sie haben auch jede Heuchelei der Opportunisten entlarvt:

Die `Anerkennung` der Selbständigkeit der Nationen kann nur dann als nicht heuchlerisch betrachtet werden, wenn der Vertreter der unterdrückenden Nation sowohl vor dem Kriege als auch während des Krieges die Freiheit der Lostrennung für die Nation verlangt hat, die von seinem eigenen `Vaterland` unterdrückt wird“ (Lenin, Band 22, Seite 168).



Der nationale Befreiungskrieg ist im Wesen eine nationale Frage

Zunächst: Die Frage der Kolonien ist im Wesentlichen eine nationale Frage. In seinem Werk, “Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus“ hat Lenin vier Hauptarten der Monopole oder Haupterscheinungsformen des Monopolkapitalismus hervorgehoben, die für die Epoche des Imperialismus charakteristisch sind. Dazu zählt Lenin auch die imperialistische Kolonialpolitik, die er von der vorimperialistischen Kolonialpolitik abgrenzte:

Viertens: Das Monopol ist aus der Kolonialpolitik erwachsen. Den zahlreichen `alten` Motiven der Kolonialpolitik fügte das Finanzkapital noch den Kampf um Rohstoffquellen hinzu, um Kapitalexport, um `Einflusssphären` - d.h. um Sphären für gewinnbringende Geschäfte, Konzessionen, Monopolprofite usw. - und schließlich um das Wirtschaftsgebiet überhaupt. Als z.B. die europäischen Mächte mit ihren Kolonien erst den zehnten Teil von Afrika besetzt hatten, wie es noch 1876 der Fall war, da konnte sich die Kolonialpolitik auf nicht-monopolistische Weise entfalten, in der Art einer sozusagen `freibeuterischen` Besetzung des Landes. Als aber neun Zehntel Afrikas bereits besetzt waren (gegen 1900), als die ganze Welt verteilt war, da begann unvermeidlich die Ära des monopolistischen Kolonialbesitzes und folglich auch eines besonders verschärften Kampfes um die Aufteilung und Neuaufteilung der Welt. (...) Monopole, Oligarchie, das Streben nach Herrschaft statt nach Freiheit, die Ausbeutung einer immer größeren Anzahl kleiner oder schwacher Nationen durch ganz wenige reiche und mächtige Nationen – all das erzeugte jene Merkmale des Imperialismus, die uns veranlassen, ihn als parasitären oder in Fäulnis begriffenen Kapitalismus zu kennzeichnen“ (Lenin Band 22, Seite 305).

Die Frage des Kampfes gegen den monopolistischen Kolonialismus ist eine Frage des bewaffneten nationalen Befreiungskampfes der kolonialisierten und abhängigen Völker gegen den Imperialismus: Ein Krieg gegen imperialistische, d.h. unterdrückende Mächte seitens der Unterdrückten (z.B. Koloniale Völker) ist ein wirklich nationaler Krieg. (...) Selbstbestimmung der Nationen ist dasselbe wie Kampf für vollständige nationale Befreiung, für volle Unabhängigkeit, gegen Annexionen, und diesen Kampf – in jeder seiner Formen, einschließlich Aufstand, oder Krieg – können Sozialisten nicht ablehnen, ohne aufzuhören, Sozialisten zu sein. (...) Wenn man sich jedoch dazu versteigt, einen Krieg abzulehnen, der wirklich um die Befreiung von Nationen geführt wird, so heißt das, den Marxismus auf das Schlimmste karikieren“ (Lenin, Band 23, Seite 25).

Der Befreiungskampf der Völker ist ein Bestandteil der proletarischen Weltrevolution.Ohne den vollständigen und engen Zusammenschluss der in Europa und Amerika gegen das Kapital kämpfenden Arbeiter mit den von diesem Kapital unterdrückten Hunderten und aber Hunderten Millionen von `Kolonial`sklaven wäre die revolutionäre Bewegung der fortgeschrittenen Länder in Wahrheit ein glatter Betrug“ (Lenin, Baned 31, Seite 260).

Der Volkskrieg in den von den Weltimperialisten besetzten, ausgeraubten Ländern, internationalisiert sich durch die Globalisierung und vertieft damit seine Bedeutung für den Sieg der proletarischen, sozialistischen Weltrevolution.

Seit der absoluten Weltherrschaft des amerikanischen Imperialismus vegetieren die ärmsten Länder in einem Zustand andauernden Verfalls, trocknen die landeseigenen Quellen der nationalen Unabhängigkeit allmählich aus. Es wäre aber fatal, nicht zu erkennen, dass sich aus dieser prekären Lage, aus all dem Leid keinerlei Widerstandskräfte mehr mobilisierbar wären. Im Gegenteil. Der amerikanische Imperialismus kann heute nirgends mehr sicher sein und schon gar nicht in den ärmsten Ländern, die er offen und direkt ausbeutet und unterdrückt. Wie diese Länder unter schwierigsten Bedingungen ihr karges Dasein zu organisieren gezwungen sind, wie sie trotz aller Not ihren revolutionären Befreiungskrieg organisieren, gehört zu den ergreifendsten und lehrreichsten Kapiteln unserer Zeitgeschichte und kann nicht tief genug gewürdigt werden. Wenn das Weltproletariat etwas lernen kann für seinen eigenen Befreiungskampf, dann vom heutigen nationalen Befreiungskampf der kolonialen und abhängigen Völker. Was den Nahen und Mittleren Osten anbelangt, so sind die Bewegungen revolutionär, wenn sie sich gegen den Weltimperialismus richten, aber reaktionär, wenn sie sich der mittelalterlich-feudalen Religion des „Heiligen Krieges“ unterwerfen. Engels zitierte Southey( im Band 10, MEW, Seite 444): „Das patriotische Feuer flammte noch höher auf unter dem Einfluss des heiligen Öles des Aberglaubens“. Dies hat zweifellos seine schädlichen Rückwirkungen auf die revolutionären Interessen der Völker im Nahen und Mittleren Osten und das wissen die Imperialisten bis zu einem gewissen Grade für sich auszunutzen. Im gegenwärtigen irakischen Krieg war es für die amerikanischen Truppen leichter, die zentrale Herrschaft des Hussein-Regimes zu stürzen , als nach dessen Sturz mit den lokal operierenden Widerstandskämpfern fertig zu werden, die gegen die neue Marionettenregierung des US-Imperialismus Sturm laufen.

Die Kommunistische Internationale steht durchaus nicht an der Spitze der Befreiungsbewegung der werktätigen und ausgebeuteten Massen in der Welt. Sie steht nur“ an der Spitze des Weltproletariats, der revolutionären Arbeiterweltbewegung. Wenn sich dem Weltproletariat „andere Elemente anschließen, so sind das eben Elemente und nicht Klassen. Und voll und ganz schließen sie sich nur an, wenn sie „ihren eigenen Standpunkt verlassen“ (Lenin, Band 6, Seite 36). Was die Frage der Selbstbestimmung der Nationen anbelangt, hat Lenin diese stets der Klassenfrage untergeordnet, d.h., stets vom Standpunkt des Klassenkampfes des Proletariats aus betrachtet. Gerade in dieser Bedingung besteht ja der Unterschied zwischen unserer Einstellung zur nationalen Frage und der bürgerlich-demokratischen Einstellung“ (Lenin, Band 6, Seite 454).

Nun hat aber die ausgedehnte Kolonialpolitik dazu geführt, dass der europäische Proletarier zum Teil in eine solche Lage geraten ist, dass die Gesellschaft als Ganzes nicht von seiner Arbeit, sondern von der Arbeit der fast zu Sklaven herabgedrückten kolonialen Eingeborenen lebt. Die englische Bourgeoisie zum Beispiel zieht aus den Millionen und aber Millionen der Bevölkerung Indiens und anderen Kolonien größere Profite als aus den englischen Arbeitern. Unter solchen Verhältnissen entsteht in bestimmten Ländern die materielle, ökonomische Grundlage, um das Proletariat des einen oder anderen Landes mit dem Kolonialchauvinismus anzustecken“ (Lenin, Band 13, Seite 68).



Was sind die Ziele des revolutionären nationalen Befreiungskrieges?

Die sozialistische Revolution in den unterdrückenden Nationen fördert den Sieg der nationalen Befreiungskriege der unterdrückten Völker.

Als Zentralisten streben wir mit dem nationalen Befreiungskrieg nicht die Zerstückelung der Welt in kleine Staaten an, weil wir die Vorteile der globalen Weltökonomie, großer Staaten, des Weltstaates für die Entwicklung des Weltsozialismus nicht ablehnen, dass dieser Weg zum Kommunismus, wo jeglicher Staat abgeschafft sein wird, der einzig richtige Weg ist und nicht der Weg des Föderalismus. Der nationale Befreiungskrieg dient dem Ziel, den Widerspruch zwischen unterdrückenden und unterdrückten Nationen auf dieser Welt endgültig zu lösen. Um die Unvermeidlichkeit dieser antagonistischen imperialistischen Einteilung von Nationen zu beseitigen, muss man den Weltimperialismus mit der sozialistischen Weltrevolution beseitigen. Der nationale Bürgerkrieg beschleunigt die sozialistische Weltrevolution, ersetzt sie nicht, dient ihr, ist ihr untergeordnet. Lenin lehrt:

Wie die Menschheit zur Abschaffung der Klassen nur durch die Übergangsperiode der Diktatur der unterdrückten Klasse kommen kann, so kann sie zur unvermeidlichen Verschmelzung der Nationen nur durch die Übergangsperiode der völligen Befreiung, das heißt, Abtrennungsfreiheit aller unterdrückten Nationen kommen“ (Lenin, Band 22, Seite 148).

Das Proletariat kann nicht an der für die imperialistische Bourgeoisie besonders `unangenehmen` Frage der Grenzen des Staates, die auf nationaler Unterjochung beruhen, stillschweigend vorbeigehen.. Es kann sich des Kampfes gegen die gewaltsame Zurückhaltung der unterjochten Nationen in den Grenzen des vorhandenen Staates nicht enthalten, und eben dies heißt für das Selbstbestimmungsrecht der Nationen kämpfen“ (Lenin, Band 22, Seite 149).





Die Frage der Annexionen

Was versteht Lenin unter dem BegriffAnnexion“?

Unter Annexion verstehen wir bloß die Angliederung eines Landes gegen den Willen seiner Bewohner. Mit anderen Worten: Der Begriff der Annexion ist mit dem Begriff des Selbstbestimmungsrechts der Nationen aufs engste verbunden“ (Lenin, Band 22, Seite 178).

Lenin charakterisierte die immanente Tendenz des Imperialismus, andere Länder zu annektieren und national zu unterdrücken:

Der Imperialismus ist die Epoche des Finanzkapitals und der Monopole, die überallhin den Drang nach Herrschaft und nicht nach Freiheit tragen. Reaktion auf der ganzen Linie, gleichviel unter welchem politischen System, äußerste Zuspitzung der Gegensätze auch auf diesem Gebiet. Insbesondere verschärfen sich auch die nationale Unterdrückung und der Drang nach Annexionen, d.h. nach Verletzung der nationalen Unabhängigkeit ( denn Annexion ist ja nichts anderes als Verletzung der Selbstbestimmung der Nationen)“ (Lenin, Band 22, Seite 302);[unterstrichen vom Verfasser]

In seinen Thesen zur Beendigung des ersten imperialistischen Weltkrieges heißt es bei Lenin unter These 5 hierzu genauer:

Die wichtigste der `Friedensfragen` ist gegenwärtig die der Annexionen. Und gerade in dieser Frage tritt die heute herrschende `sozialistische` Heuchelei am deutlichsten zu Tage und werden andererseits die Aufgaben der wirklich sozialistischen Propaganda und Agitation klar.

Es muss Klarheit darüber geschaffen werden, was Annexion eigentlich ist, warum und wie die Sozialisten gegen Annexionen kämpfen müssen. Nicht jede Angliederung eines `fremden` Territoriums ist Annexion, denn im Allgemeinen sind die Sozialisten für das Verschwinden der Grenzen zwischen den Nationen und für die Bildung von größeren Staaten. Nicht jede Verletzung des Status quo ist Annexion. Das zu glauben wäre im höchsten Grade reaktionär und ein Hohn auf die Grundbegriffe der Geschichtswissenschaft. Nicht jede Angliederung eines Landes durch Kriegsgewalt ist Annexion, denn die Sozialisten können Gewaltanwendung und Kriege, die im Interesse der Mehrheit der Bevölkerung geführt werden, nicht grundsätzlich ablehnen. (...)

Soll der Kampf gegen Annexionen mehr denn Heuchelei oder eine hohle Phrase sein, er tatsächlich die Massen im Geiste des Internationalismus erziehen, so muss die Frage so gestellt werden, dass den Massen die Augen geöffnet werden, damit sie den heute herrschenden Betrug in der Annexionsfrage wahrnehmen, nicht aber so, dass dieser Betrug verschleiert wird. Es genügt nicht, wenn ein Sozialist, ganz gleich welcher Nation, in Worten die Gleichberechtigung der Nationen anerkennt, wenn er schwört und hoch und heilig versichert, gegen Annexionen zu sein. Jeder Sozialist ist vielmehr verpflichtet, sofort und unbedingt die Freiheit der Lostrennung der Kolonien und Nationen zu fordern, die von seinem eigenen `Vaterland` unterdrückt werden. Fehlt diese Bedingung, so bleibt auch im Zimmerwalder Manifest die Anerkennung des Selbstbestimmungsrechts der Nationen und der Prinzipien des Internationalismus im besten Falle ein toter Buchstabe“ (Lenin, Band 22, Seite 179).

»Lehnen wir die Unterstützung eines Aufstandes annektierter Gebiete ab, so werden wir - objektiv - zu Annexionisten. Gerade in der ' Ära des Imperialismus` , die die Ära der beginnenden sozialistischen Revolution ist, wird das Proletariat mit besonderer Energie heute den Aufstand der annektierten Gebiete unterstützen, um bereits morgen oder gar zur gleichen Zeit die durch einen solchen Aufstand geschwächte Bourgeoisie der `Groß`macht anzugreifen« (ebenda S. 399).

Die Imperialisten selbst werden mit ihren neuen Annexionen, die neue Länder in den Kampf gegen den Imperialismus hineinziehen und die Basis der Weltrevolution erweitern, die Revolutionierung des Ostens nicht wenig fördern. Aufgabe der Kommunisten ist es, in die anwachsende spontane Bewegung im Osten einzugreifen und sie bis zum bewussten Kampf gegen den Imperialismus weiterzuentwickeln. (...) Wer den Triumph will, darf den Osten nicht vergessen“ (Stalin, Band 4, Seite 151).



Der weltrevolutionäre, internationalistische anti-imperialistische Kampf ist die Verknüpfung des inneren Kampfes, des Bürgerkrieges, mit dem äußeren Kampf, dem nationalen Befreiungskampf

Der proletarische Internationalismus wäre nur eine revolutionäre hohle Phrase, wenn sich die Proletarier der unterdrückenden und unterdrückten Nationen keine Klassensolidarität übten, wenn die Proletarier der unterdrückenden Nationen den nationalen Befreiungskampf der unterdrückten Nationen nicht vorbehaltlos und konsequent unterstützen würden. Lenin forderte die organisatorische Einheit der Proletarier der unterdrückenden und unterdrückten Nationen:

Andererseits müssen die Sozialisten der unterdrückten Nationen auf die vollständige und bedingungslose, auch organisatorische Einheit der Arbeiterklasse der unterdrückten Nation mit denen der unterdrückenden Nation besonders bestehen und sie ins Leben rufen. Ohne dies ist es unmöglich, auf der selbständigen Politik des Proletariats sowie auf seiner Klassensolidarität mit dem Proletariat der anderen Länder bei all den verschiedenen Streichen, Verrätereien und Gaunereien der Bourgeoisie zu bestehen. Denn die Bourgeoisie der unterdrückten Nationen missbraucht beständig die Losungen der nationalen Befreiung, um die Arbeiter zu betrügen: in der inneren Politik benutzt sie diese Losung zur reaktionären Verständigung miz der Bourgeoisie der herrschenden Nation (...); in der äußeren Politik bemüht sie sich, sich mit einer der wetteifernden imperialistischen Regierungen zu verständigen, um ihre räuberischen Zwecke zu verwirklichen (...)“ (Lenin, Band 22, Seite 150).

»Es wird immer klarer, dass die über der ganzen Welt heraufziehende sozialistische Revolution keinesfalls nur in dem Sieg des Proletariats eines jeden Landes über die eigene Bourgeoisie bestehen wird. Das wäre möglich, wenn die Revolutionen leicht und rasch vonstatten gingen. Wir wissen aber, dass die Imperialisten das nicht zulassen werden, dass alle Länder gegen ihren inneren Bolschewismus gerüstet und nur mit dem Gedanken beschäftigt sind, wie sie den Bolschewismus bei sich zu Lande besiegen können. Deshalb reift in jedem Land der Bürgerkrieg heran, an dem die alten sozialistischen Paktierer an der Seite der Bourgeoisie teilnehmen sollen. Somit wird die sozialistische Revolution nicht nur hauptsächlich ein Kampf der revolutionären Proletarier eines jeden Landes gegen die eigene Bourgeoisie sein, nein, sie wird ein Kampf aller vom Imperialismus unterdrückten Kolonien und Länder, aller abhängigen Länder gegen den internationalen Imperialismus sein« (Lenin - 22.11.1919, Werke, Bd. 30, Berlin 1961, S.144 ).

Der Leninismus“, sagt Stalin,hat den Beweis erbracht..., dass die nationale Frage nur im Zusammenhang mit der proletarischen Revolution und auf dem Boden der proletarischen Revolution gelöst werden kann, dass der Weg zum Siege der Revolution im Westen über das revolutionäre Bündnis mit der Befreiungsbewegung der Kolonien und der abhängigen Länder gegen den Imperialismus führt. Die nationale Frage ist ein Teil der allgemeinen Frage der proletarischen Revolution, ein Teil der Frage der Diktatur des Proletariats“ (Stalin Band 6).

Wenn sich die sozialistische Revolution der Proletarier der fortgeschritteneren Länder mit den Befreiungskämpfen vom internationalen Imperialismus im »Hinterland« zu vereinigen beginnen, dann kann man vom Herannahen der Weltrevolution sprechen. Die Weltrevolution wird ihren ersten Sieg erringen - nicht durch eine Hand voll Taten individuellen Terrors, sondern wenn die Proletarier aller Länder, wenn die Völker der Welt vereint am Thron des US-Imperialismus rütteln und sein Anblick vom Erdboden vertilgt wird.

Entweder sind wir der Auffassung, dass wir aus den Völkern, die sich gegen die nationale Unterdrückung erheben, ein Hinterland für die Avantgarde der sozialistischen Revolution bilden müssen – und dann schlagen wir eine Brücke zwischen West und Ost, dann halten wir tatsächlich Kurs auf die sozialistische Weltrevolution, oder wir tun das nicht – und dann stehen wir isoliert da, dann verzichten wir auf die Taktik, alle und jede revolutionäre Bewegung (...) auszunutzen, um den Imperialismus zu vernichten“ (Stalin, Band 3, Seite 51).



Der Partisanenkampf und der Guerillakrieg

Partisanenkampfaktionen

Im Folgenden erläutert Lenin die Partisanenkampfaktionen als Vorbereitung zum Aufstand und als ein Mittel der Fortsetzung des Aufstandes durch den Bürgerkrieg:

Wir erlauben uns hier eine kleine Abschweifung über die Partisanenaktionen der Kampfgruppen. Wir glauben, dass es falsch wäre, sie dem Terror vom alten Typ gleichzusetzen. Der Terror war Rache an einzelnen Personen. Der Terror war eine Verschwörung von Intellektuellengruppen. Der Terror war absolut nicht mit irgendwelchen Massenstimmungen verbunden. Der Terror bildete keine militärischen Führer der Massen heran. Der Terror war das Ergebnis – zugleich aber Symptom und Begleiterscheinung – des Unglaubens an den Aufstand, der fehlenden Verbindungen für den Aufstand. Partisanenaktionen sind keine Racheakte, sondern militärische Operationen. Sie gleichen ebensowenig einem Abenteuer, wie die Streifzüge von Jägerabteilungen in den Rücken der feindlichen Armee während einer Kampfpause auf dem Hauptkriegsschauplatz den Morden von Duellanten oder Verschwörern gleichen. Die Partisanenaktionen der Kampfgruppen, die schon seit langem von den Sozialdemokraten beider Fraktionen in allen größeren Zentren der Bewegung gegründet worden sind und die hauptsächlich aus Arbeitern bestehen, sind zweifellos aufs Augenscheinlichste und Unmittelbarste mit den Stimmungen der Massen verbunden. Die Partisanenaktionen der Kampfgruppen bilden unmittelbar militärische Führer der Massen heran. Die Partisanenaktionen der Kampfgruppen sind heute keineswegs das Ergebnis des Unglaubens an den Aufstand oder der Unmöglichkeit des Aufstands, sondern im Gegenteil ein notwendiger Bestandteil des vor sich gehenden Aufstands. Natürlich sind in allem und stets Fehler möglich; es sind unangebrachte Versuche nicht zeitgerechter Aktionen möglich; es sind Unbesonnenheit und Extreme möglich, die stets und unbedingt schädlich und geeignet sind, der allerrichtigsten Taktik zu schaden. Tatsache ist aber, dass wir bis heute in den meisten rein russischen Zentren an einem anderen Extrem kranken, an der mangelnden Initiative unserer Kampfgruppen, an ihrer unzulänglichen Kampferfahrung, an der unzureichenden Entschlossenheit ihrer Aktionen. In dieser Beziehung haben uns sowohl der Kaukasus als auch Polen und das Baltikum überflügelt, d.h. Gerade solche Zentren, wo die Bewegung den alten Terror am weitesten hinter sich gelassen hat, wo der Aufstand am besten vorbereitet ist, wo sich der Massencharakter des proletarischen Kampfes am stärksten und klarsten ausprägt. Wir müssen diese Zentren einholen. Wir dürfen die Partisanenaktionen der Kampfgruppen nicht hemmen, sondern müssen sie fördern, wenn wir den Aufstand nicht nur in Worten vorbereiten wollen und die ernsthafte Bereitschaft des Proletariats zum Aufstand festgestellt haben“ (Lenin, Band 10, Seite 106-107).

Partisanenkampfaktionen“- dies ist der Titel der taktischen Resolution für den Vereinigungsparteitag der SDAPR, den Lenin im März 1906 ausarbeitete:

In der Erwägung:

1. dass es seit dem Dezemberaufstand fast nirgends in Russland zur völligen Einstellung der Kampfhandlungen gekommen ist, die jetzt von Seiten des revolutionären Volkes in einzelnen Partisanenüberfällen auf den Feind zum Ausdruck kommen,

2. dass derartige Partisanenaktionen, die beim Vorhandensein zweier feindlicher bewaffneter Kräfte und beim Wüten der vorübergehend triumphierenden militärischen Unterdrückung unvermeidlich sind, zugleich der Desorganisierung des Feindes dienen und die kommenden offenen bewaffneten Massenaktionen vorbereiten;

3. dass derartige Aktionen auch für die Kampferziehung und militärische Ausbildung unserer Kampfgruppen notwendig sind, die sich während des Dezember-Aufstandes an vielen Orten praktisch als unvorbereitet auf die für sie neue Sache erwiesen haben;

erklären wir und beantragen, der Parteitag wolle beschließen:

1. Die Partei muss die Partisanenaktionen der Kampfgruppen, die zur Partei gehören oder sich an sie anlehnen, als prinzipiell zulässig und in der gegenwärtigen Periode zweckmäßig anerkennen;

2. Die Partisanenkampfaktionen müssen so geartet sein, dass sie der Aufgabe Rechnung tragen, Kader von Führern der Arbeitermassen während des Aufstandes zu erziehen und Erfahrung in überraschenden Angriffshandlungen zu vermitteln;

3. Als unmittelbare Hauptaufgabe solcher Aktionen ist die Zerstörung des Regierungs-, Polizei- und Militärapparats zu betrachten sowie der schonungslose Kampf gegen die aktiven Schwarzhunderter-Organisationen, die der Bevölkerung gegenüber zu Gewalt greifen und sie einzuschüchtern suchen;

4. Kampfaktionen sind gleichfalls zulässig, um Geldmittel, die dem Feind, d.h. Der absolutistischen Regierung gehören, zu erbeuten und diese Mittel für die Erfordernisse des Aufstands zu verwenden, wobei streng darazuf zu achten ist, dass die Interessen der Bevölkerung möglichst geschont werden;

5. Die Partisanenkampfaktionen müssen unter Kontrolle der Partei durchgeführt werden, und zwar so, dass die Kräfte des Proletariats nicht unnütz vergeudet werden und dass dabei die Bedingungen der Arbeiterbewegung in dem betreffenden Ort und die Stimmung der breiten Massen berücksichtigt werden“ (Lenin, Band 10, Seite 146-147).

Der Partisanenkampf ist eine unvermeidliche Kampfform in einer Zeit, wo die Massenbewegung in der Praxis schon an den Aufstand heranreicht und mehr oder minder große Pausen zwischen den `großen Schlachten` des Bürgerkriegs eintreten“ (Lenin, Band 11, Seite 210).Der Partisanenkampf ist aber nicht nur allein eine Form des Bürgerkrieges oder des Heranreifens eines Bürgerkrieges. In der Zeit des Vaterländischen Krieges war der Partisanenkampf eine wichtige, der Roten Armee untergeordnete Kampfform, um dieser zu helfen, das besetzte Hinterland des faschistischen Feindes zu stören und zu schwächen und damit den Sozialismus wirkungsvoller zu verteidigen. Aus dem Partisanenkampf gegen die faschistischen Besatzer entwickelte die albanische Partei ihre Volksarmee, um mit der Volksrevolution die Diktatur des Proletariats siegreich zu erobern. Die Formen des Partisankampfes sind – das sollen diese Beispiele belegen – außerordentlich vielfältig und sie verändern sich unter den jeweiligen historischen Bedingungen in den unterschiedlichsten Gesellschaftsordnungen, wurden und werden dementsprechend unterschiedlich angewandt. Sie sind aber meistens nie als alleinige oder wichtigste Kampfform zu betrachten, sondern sind meistens anderen, wichtigeren Kampfformen untergeordnet und mit diesen koordiniert einzusetzen. Die besondere Form des Partisanenkampfes besteht darin, dass er ohne Uniform, (also nicht als reguläre Armee) geführt wird, was aber nicht ausshließt, dass zum Beispiel die Soldaten als Zivilisten getarnt operieren. Diese ( von Engels zu seiner Zeit als „halb-revolutionär“ bezeichnete (MEW, Band 17, Seite 171) „Landsturm-Ordnung“ von 1813 stammt übrigens von Scharnhorst, dem Organisator der preußischen Armee. In seinen Augen war deren preußische Anwendung „das wirksamste Mittel des nationaler Widerstand“, „Patriotismus“ etc., von den Franzosen, vom Feind, angewandt, wurde dieses Mittel als „Banditentum“ und „Meuchelmord“ verurteilt. Das preußische Landwehrsystem war eine selbständige milizartige Form des Kampfes gegen die Truppen Napoleons. Sie wurde von der herrschenden Klasse für ihre eigenen Ziele gegen die Interessen des Volkes ausgenutzt. Später wurden sie Teil der Feldarmee. Engels betonte wiederholt, dass die preußische Armee nicht „Volk in Waffen“ war, wie sie gern von sich begauptete, sondern Im Gegensatz zu den Volksmassen stand und eine reine Eroberungsarmee war.

Der Partisanenkampf wird – wie gesagt - durch besondere historische Situationen hervorgebracht, wie Lenin betont hat: Es gibt viele Gebiete, wo es nationale Unterdrückung und nationalen Antagonismus gibt, aber nicht Partisanenkampf, der sich manchmal ohne jede nationale Unterdrückung entfaltet. Eine konkrete Untersuchung der Frage wird zeigen, dass nicht die nationale Unterdrückung, sondern die Bedingungen des Aufstand das Entscheidende sind. Der Partisanenkampf ist eine unvermeidliche Kampfform in einer Zeit, wo die Massenbewegung in der Praxis schon an den Aufstand heranreicht und mehr oder minder große Pausen zwischen den `großen Schlachten` des Bürgerkriegs eintreten [hervorgehoben vom Verfasser]. Das Jahr 1905 war für Leninein langwieriger Partisanenkrieg, unterbrochen von einer Reihe immer mehr an Umfang und Kraft gewinnender Soldatenaufstände. (...) Über den schlechten Beispielen Amerikas und Polens übersahen Sie die besonderen Kampfformen, die der russische Aufstand hervorgebracht hat, der langwieriger und hartnäckiger ist und längere Pausen zwischen den großen Schlachten aufweist als die Aufstände vom alten Typus. (...) Haben Sie auch nur einen einzigen Augenblick darüber nachgedacht, wodurch der Kleinkrieg sich vom Partisanenkrieg unterscheidet? Durch nichts, verehrter Genosse Larin. (...) Kann man sich in der Zeit der Schwarzhunderter-Progrome, der Gewaltakte der Regierung und der Polizeiwillkür vorstellen, dass diese Unzufriedenheit der Soldaten anders zum Ausbruch kommt als in militärischen Aufständen?“ (Lenin, Band 11, Seite 343 und 344). „Den Kleinkrieg als `vorteilhaftesten Weg` bezeichnen, d.h. als vorteilhafteste Form des Volkskampfes in einem besonderen Abschnitt unserer Revolution, und es gleichzeitig ablehnen, die aktiven Aufgaben der Partei der fortgeschrittensten Klasse auf dem Boden dieses `vorteilhaftesten Weges` anzuerkennen, das bedeutet nicht denken können oder aber unehrlich denken“(ebenda Seite 345).

Lenin spricht hier von den Bedingungen des Partisanenkampfes in Russland im Jahre 1906, wenn er feststellt :Desorganisiert wird die Bewegung nicht durch Partisanenaktionen, sondern durch die Schwäche der Partei [oder wenn noch gar keine Partei vorhanden ist – Anmerkung des Verfassers], die es nicht versteht, diese Aktionen in die Hand zu nehmen. Deshalb verbindet sich auch mit den beu uns Russen üblichen Bannflüchen gegen Partisanenaktionen die Tatsache, dass es geheime, zufällige, unorganisierte Partisanenaktionen gibt, die die Partei wirklich desorganisieren. Sind wir unfähig zu begreifen, welche geschichtlichen Bedingungen diesen Kampf hervorrufen, so sind wir auch unfähig, seine schlechten Seiten auszumerzen. Der Kampf aber nimmt nichtsdestoweniger seinen Fortgang. Gewichtige wirtschaftliche und politische Ursachen rufen ihn hervor. Wir sind nicht imstande, diese Ursachen und diesen Kampf zu beseitigen. Unsere Klagen über den Partisanenkampf, das sind Klagen über die Schwäche unserer Partei hinsichtlich des Aufstands. Was wir über die Desorganisierung gesagt haben, gilt auch für die Demoralisierung. Nicht der Partisanenkrieg demoralisiert, sondern die Unorganisiertheit, die Systemlosigkeit der Parteiaktionen, der Umstand, dass sie nicht von der Partei geleitet werden. Von dieser ganz unzweifelhaften Demoralisierung können wir uns auch nicht im geringsten dadurch frei machen, dass wir die Partisanenaktionen verurteilen und verfluchen, denn diese Urteile und Bannflüche sind durchaus nicht imstande, einer Erscheinung Einhalt zu gebieten, die durch tiefe wirtschaftliche und politische Ursachen hervorgerufen ist. Man wird entgegnen: Wenn wir nicht die Kraft haben, einer anormalen und demoralisierenden Erscheinung Einhalt zu gebieten, so ist das gar kein Argument dafür, dass die Partei zu anormalen und demoralisierenden Kampfmitteln übergeht. Ein solcher Einwand aber wäre bereits rein liberal-bürgerlich und nicht marxistisch, denn der Marxist kann den Bürgerkrieg oder den Partisanenkrieg als eine seiner Formen nicht für schlechthin anormal und demoralisierend halten. (...) Die Hinweise auf eine Desorganisierung der Bewegung durch den Partisanenkrieg muss man kritisch betrachten . (...) Wenn ich Sozialdemokraten sehe, die stolz und selbstzufrieden erklären: Wir sind keine Anarchisten, keine Diebe, keine Räuber, wir sind darüber erhaben, wir lehnen den Partisanenkrieg ab, dann frage ich mich: Begreifen diese Leute, was sie reden? Im ganzen Lande finden bewaffnete Zusammenstöße und Kämpfe zwischen der Schwarzhunderter-Regierung und der Bevölkerung statt. Auf der gegebenen Entwicklungsstufe der Revolution ist diese Erscheinung durchaus unvermeidlich. Die Bevölkerung reagiert auf diese Erscheinungen spontan, unorganisiert – und gerade deshalb häufig in unzweckmäßigen und üblen Formen -, ebenfalls mit bewaffneten Handstreichen und Überfällen. Ich verstehe, dass wir infolge der Schwäche und mangelnden Vorbereitung unserer Organisation in einer bestimmten Gegend und in einem bestimmten Augenblick von der Führung dieses spontanen Kampfes durch die Partei Abstand nehmen können. Ich verstehe, dass diese Frage von den örtlichen Praktikern entschieden werden muss, dass die Umgestaltung der schwachen und nicht vorbereiteten Organisationen keine leichte Sache ist. Wenn ich aber bei einem sozialdemokratischen Theoretiker oder Publizisten nicht Betrübnis über diese mangelnde Vorbereitung, sondern stolze Selbstzufriedenheit und selbstgefällig-begeisterte Wiederholung in früher Jugend auswendig gelernter Phrasen über Anarchismus, Blanquismus und Terrorismus [die Phrase über Anarchismus, Blanquismus und Terrorismus kann manchmal viel gefährlicher sein als der Terror selbst – Anmerkung des Verfassers] sehe, dann kränkt mich diese Erniedrigung der allerrevolutionärsten Doktrin der Welt“ (Lenin, Band 11, Seite 210).

Extreme sind niemals gut; kein Sozialist wird daran zweifeln, dass man bei der Organisierung von Partisanenaktionen der Stimmung der breiten Massen Rechnung tragen muss (...) Zu weit zu gehen ist niemals angebracht, aber es wäre falsch, aus einzelnen Fällen von `Extremen` bereits auf die Untauglichkeit einer bestimmten Kampfform zu schließen“ (Lenin, Band 11, Seite 153).

[Lenin differenzierte das an anderer Stelle und macht die wichtige Bemerkung:Der alte russische Terrorismus war eine Sache von Verschwörern aus der Intelligenz; jetzt wird der Partisanenkampf in der Regel von Arbeitern aus den Kampfgruppen oder einfach von erwerbslosen Arbeitern geführt. Auf den Gedanken, dies wäre Blanquismus und Anarchismus, verfallen leicht Leute, die zur Schablonenhaftigkeit neigen“ (ebenda, Seite 207)].



Man sagt, der Partisanenkrieg bringt das klassenbewusste Proletariat den heruntergekommenen Trunkenbolden und Lumpenproletariern nahe. Das ist richtig. Hieraus folgt aber nur, dass die Partei des Proletariats den Partisanenkrieg niemals als einziges oder gar wichtigstes Kampfmittel betrachten darf ; dass dieses Mittel anderen Mitteln untergeordnet, mit den wichtigsten Kampfmitteln in Einklang gebracht und durch den aufklärenden und organisierenden Einfluss des Sozialismus veredelt werden muss [hervorgehoben vom Verfasser]. Ohne diese letzte Bedingung bringen in der bürgerlichen Gesellschaft alle, entschieden alle Kampfmittel das Proletariat verschiedenen über oder unter ihm stehenden nichtproletarischen Schichten nahe und werden, überlässt man sie dem spontanen Gang der Ereignisse, verdorben, verunstaltet, prstituiert. Streiks, die dem spontanen Gang der Ereignisse überlassen werden, sinken zu `Alliances` - Vereinbarungen der Arbeiter mit den Unternehmern gegen die Konsumenten – herab“ (Lenin, Band 11, Seite 208). - Lenin merkte zu der Haltung der Bolschewiki gegenüber dem Partisanenkrieg an:Die bolschewistischen Sozialdemokraten werden häufig einer leichtsinnig-parteiischen Stellungnahme zu den Partisanenaktionen beschuldigt. Es ist daher nicht überflüssig, daran zu erinnern, dass im Entwurf der Resolution über die Partisanenaktionen (Nr. 2 der `Partinyje Iswestija` und Lenins Bericht über den Parteitag) der Teil der Bolschewiki, der sie verteidigt, für ihre Anerkennung folgende Bedingungen aufgestellt hat: Expropriationen von Privateigentum wurden überhaupt für unzulässig erklärt; Expropriationen von staatlichem Eigentum wurden nicht empfohlen, sondern nur unter der Bedingung für zulässig erklärt, dass sie der Kontrolle der Partei unterstehen und dass die erbeuteten Mittel für Aufstandszwecke verwandt werden. Terroristische Partisanenaktionen gegen Vertreter des Gewaltregimes und aktive Schwarzhunderter wurden empfohlen, jedoch unter folgenden Bedingungen: 1. dass man der Stimmung der breiten Massen Rechnung trägt; 2. dass die Bedingungen der Arbeiterbewegung in der betreffenden Gegend in Betracht gezogen werden; 3. dass dafür gesorgt wird, dass die Kräfte des Proletariats nicht unnütz vergeudet werden. Der praktische Unterschied zwischen der Resolution, die auf dem Vereinigungsparteitag angenommen wurde, und diesem Entwurf besteht einzig und allein darin, dass Expropriationen von staatlichem Eigentum für unzulässig erklärt wurden“ (Lenin, Band 11, Seite 212).

Guerillakriegstaktik

So ist der Partisanenkampf auch eine besondere Kampfform des Guerillakrieges. Wir Marxisten-Leninisten verstehen unter dem Guerillakrieg eine besondere Form des Befreiungskampfes der Völker. Ursprünglich handelte es sich um den Widerstandskrieg des spanischen Volkes gegen die Fremdherrschaft Napoleons. Nach der Zerschlagung der regulären spanischen Armee entstanden die Guerillas, die einen das ganze Volk umfassenden Kleinkrieg (Guerillakrieg) gegen die Eroberer führten. Die kleinen geländegewohnten und heimatkundigen Abteilungen der Guerillas konnten die Operationen des Feindes wesentlich hemmen und ihnen bedeutenden Schaden zufügen. In der Regel wurde der Guerillakrieg im Rücken der feindlichen Armee durchgeführt. 1849 schrieb Engels:

Ein Volk, das sich seine Unabhängigkeit erobern will, darf sich nicht auf die gewöhnlichen Kriegsmittel beshränken. Aufstand in Masse,Revolutionskrieg, Guerillas überall, das ist das einzige Mittel, wodurch ein kleines Volk mit einem großen fertig werden, wodurch eine minder starke Armee in den Stand gesetzt werden kann, der stärkeren und besser organisierten zu widerstehen“ (MEW, Engels, Band 6, Seite 387).

Engels wies sogar auf die Notwendigkeit hin, auch im Guerillakrieg Rückzugsgebiete, Festungen in den Metropolen und Hauptstädten zu errichten. Er spricht vom Guerillakrieg als einen kleinen Krieg“: Und wenn bisher der Guerillakrieg nur in verhältnismäßig dünnbevölkerten Ländern von Erfolg begleitet war“, so Engels, würde er auchin sehr dicht bevölkerten Ländern, z.B. in einem „ununterbrochene Häuserlabyrinth ( ... ) bedeutendere Resultate haben (...)“ (MEW, Band 8, Seite 214).

Ausgehend von den Lehren Engels sind wir Marxisten-Leninisten in Theorie und Praxis Organisatoren des internationalen Guerillakrieges gegen die internationale Konterrevolution des Weltimperialismus, wenn diese mögliche bewaffnete Kampfform für den Einsatz unter den gegebenen Bedingungen geeignet sein könnte.

Nicht jeder Guerillakrieg ist automatisch ein revolutionärer Guerillakrieg, nur weil er sich selber dünkt, ein solcher zu sein. Im Guerillakrieg geht nicht alles immer so in der Geschichte zu wie der Name uns suggerieren möchte. Was sich im Laufe der Geschichte des Guerillakrieges offenbart hat und was sich oftmals hinter so manchem Guerillio verbirgt, sind ganz einfach Räuberbanden, die sich einen revolutionären Heiligenschein verpassen, um damit erstens ihre Räuberei zu rechtfertigen und zweitens den revolutionären Guerillakrieg um Allgemeinen und jeden einzelnen für sich zu verunglimpfen, zu schänden, ihn zu paralysieren bzw. direkt und offen zu bekämpfen (Guerillakrieg im Guerillakrieg). Das gilt allgemein für Südamerika und der Ursprung liegt in Spanien. Insbesondere in der Linken Europas besteht die Gefahr, diese Unterscheidung und Differenzierung kritisch zu übersehen, weil man sich eine rosarote Brille aufgesetzt hat.Seit der Zeiten des Viriathus hat der spanische Guerilla immer etwas von einem Räuber an sich gehabt; aber es ist eine neue karlistische Erfindung, dass ein gewöhnlicher Räuber sich den Namen Guerilla zulegt. Die Männer der Tortosa-Affäre gehören sicherlich zu dieser Sorte“ (Engels, MEW, Band 8, Seite 416). Kurz: Es gilt den guten Ruf des Guerillakrieges zu verteidigen durch richtige Unterstützung des revolutionären Guerillakrieges. Wir Marxisten-Leninisten in der Welt tun gut daran, mit gutem Beispiel voranzugehen und dabei ist es unvermeidlich, die heutige Guerillabewegung in der Welt schärfer unter die Lupe zu nehmen als bisher, denn der Zeitpunkt rückt näher, wo die internationale Strategie und Taktik der proletarischen Weltrevolution nicht an der praktischen Lösung dieser Frage vorbeikommt. Sicherlich kann und muss auch die Kommunistische Internationale jetzt schon solidarisch aktiv werden, muss sie einen klaren Trennungsstrich ziehen zwischen den „Guten“ und den „Bösen“, und sie muss das Ihrige dazu beitragen, um den schwachen marxistisch-leninistischen Geist in den Guerillabewegungen der ganzen Welt zu stärken, diese revolutionäre Bewegung auch insgesamt besser als bisher zu unterstützen, was einschließt, den reaktionären Einfluss in der Guerillabewegung besser zu bekämpfen. All dies setzt voraus, dass wir Kontakt zu den wahren marxistisch-leninistischen Kräften in diesen Bewegungen bekommen, um uns über die Lage vor Ort besser im Klaren werden zu können. Vom grünen Schreibtisch kommt man diesem Problem nicht näher, sondern entfernt sich von ihm.

amerikanische Botschaften,

amerikanische Waffenstützpunkte, Waffenlager und Waffentransporte





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