Schulungstexte der Komintern/ML
VIII. Teil
Lehrbuch
über die Grundlagen der
marxistisch-leninistischen
Militärwissenschaft
und über die Kunst der
weltrevolutionären Klassenkriegsführung
Stalin gegen die Kritik am sogenannten „Aufstands“-Sozialismus
Am 23. Juli 1934 hatte Stalin mit dem englischen Schriftsteller H.G. Wells eine Unterredung, in der dieser der Meinung war:
„Ich glaube, es ist sinnlos, mit den Methoden des alten, starren Aufstands-Sozialismus zu operieren (...) Ich fürchte, dass Klassenkrieg-Propaganda gerade diejenigen gebildeten Menschen vom Sozialismus abschreckt, die der Sozialismus braucht“ (Stalin zitiert H.G. Wells, Band 14, Seite 17 und 19, KPD/ML-Ausgabe, Dortmund 1976).
H.G. Wells schien Lenins Auffassung von der Frage des Aufstandes nicht genau zu kennen, sonst würde er wissen, dass Lenin sich stets verpflichtet fühlte, diese Frage immer von Neuem zu prüfen und eben niemals starr-schablonenhaft zu betrachten, „denn für uns ist der Aufstand nur eines der wichtigen, aber durchaus nicht immer obligatorischen Mittel, ein freies Feld zum Kampf für den Sozialismus zu erobern“ (Lenin, Band 9, Seite 269). Ob Aufstand ja oder Aufstand nein, das ist keine prinzipielle Frage, sondern eine Frage der Zweckmäßigkeit, ob sie uns unserem Ziel des Sozialismus näher bringt oder nicht.
Doch greifen wir die Kritik von H.G. Wells ruhig einmal auf: Wenn wir uns heute die praktische Aufgabe stellen, den Sozialismus zurückzuerobern, so wird uns diese und ähnliche Kritik am „starren Festhalten an der Aufstandstheorie“ unter den Bedingungen einer „modernen, zivilisierten“ Gesellschaft wieder begegnen. Wir können darauf nur 2 Antworten geben: Richtig, es ist sinnlos, den Sozialismus mit veralteten, erstarrten Methoden zurückerobern zu wollen. Kein Kommunist ist der Ansicht, dass man die heutigen Gewalttaten der hochtechnisierten Militärmaschinerie des Weltimperialismus mit der Steinschleuder des Altertums aufhalten geschweige denn beseitigen kann. Jeder Kommunist wird antworten, dass nur eine solche militärische Kraft etwas ausrichten kann, die der des Weltimperialismus ÜBERLEGEN ist – und das kann nur die vereinigte Kraft der Proletarier aller Länder und ihre Unterstützung durch die Völker sein. Alles andere ist frommes Wunschdenken, realitätsfremdes Geschwätz. Wir Kommunisten tun also weiterhin alles – einschließlich der Beseitigung nicht mehr zeitgemäßer Methoden -, um Aufstände aller Ausgebeuteten und Unterdrückten dieser Erde zu fördern, zu erleichtern, und zu unterstützen, zu leiten und zu führen, die geeignet sind, sich von der Tyrannei der alten kapitalistischen Klassenherrschaft zu befreien.
Nehmen wir einmal an, wir würden dem englischen Schriftsteller H.G. Wells heute den Gefallen tun und selbstkritisch unsere „starre Aufstandspropaganda“, unseren „kommunistischen Agitationston“, unsere „Gewaltverherrlichung“ etc. unterlassen und aufgeben, so würde doch - völlig unabhängig von unserem Zutun - der Zusammenstoß der Klassen unvermeidbar fortdauern, würde es trotzdem im Prozess der Verschärfung der Klassenwidersprüche in der Krise ganz gesetzmäßig zum Klassenkrieg kommen. Der Aufstand ist für die Marxisten-Leninisten nicht einfach ein spontaner, sondern ein revolutionärer Prozess des Kampfes, der sich durch die Verschärfung des Zusammenstoßes der Klassen entwickelt und schließlich vollzieht. Der Aufstand ist nicht das Produkt von „Hirngespinsten“, sondern objektiver Bestandteil jeder Klassen, die sich von den herrschenden Klassen befreien. Anders konnten sie sie nicht befreien und werden sie sich nicht befreien können. Nichts täten die Menschen lieber, als auf die Grausamkeit und auf das Blut, das ein Aufstand kostet, zu verzichten. Die Leidtragenden sind immer die Werktätigen, die armen Leute, die Mehrheiten in der Bevölkerung, bringen die Ausgebeuteten und Unterdrückten die größten Opfer. Die Menschen brauchen grundsätzlich keinen Aufstand, er wird ihnen aber aufgezwungen von den herrschenden Bedingungen, vom Existenzkampf auf Leben und Tod mit Ausbeutern und Unterdrückern. Wir Kommunisten verherrlichen nicht den Aufstand, vielmehr würden wir es begrüßen, wenn die Weltbourgeoisie freiwillig abträte, aber welche herrschende Klasse ist in der Geschichte freiwillig abgetreten? Keine einzige. Es ist ja eben charakteristisch für antagonistische Klassengesellschaften, dass die Existenz der Klassen auf Diktatur, auf Gewalt, der einen über die anderen beruht, um deren Ausbeutung aufrechtzuerhalten. Keine antagonistische Klassengesellschaft, sei sie auch noch so zivilisiert und demokratisch, ist in der Lage, einen Aufstand zu „verhindern“. Wir Kommunisten sagen deshalb, dass es das besondere Wesen des sozialistischen Aufstandes ist, und dass sich dieser von allen Aufständen der vorangegangenen Geschichte gerade dadurch unterscheidet, dass er das Gesetz von der Unvermeidbarkeit von Aufständen für immer aufhebt, dass er überflüssig wird und genauso verschwindet, wie die Klassengesellschaft, die ihn gesetzmäßig erzeugt. In einer klassenlosen Gesellschaft, die wir Kommunisten anstreben, sind Aufstände unmöglich, weil dafür der ökonomische Boden der privaten Aneignung, des Klasseneigentums, der Ausbeutung und Unterdrückung der Klassen durch andere, entzogen worden ist. Also, liebe „zivilisierte Sozialisten“,:ein Aufstand lässt sich weder herbeireden oder heraufbeschwören- auch nicht mit „kommunistischer Aufstandspropaganda“ -, noch lässt er sich von irgend jemandem daran hindern, spontan oder organisiert auszubrechen, wenn die Zeit und die ökonomischen Bedingungen dazu reif sind. Stalin antwortete:
„Warum? Weil jene Klassen, die von der Bühne der Geschichte abzutreten haben, die letzten sind, die daran glauben wollen, dass ihr Spiel aus ist. Es ist unmöglich, sie davon zu überzeugen. Sie glauben, dass die Risse im faulen Gefüge der alten Ordnung ausgebessert werden können, dass das wankende Gefüge der alten Ordnung instand gesetzt und gerettet werden kann. Eben deshalb greifen die untergehenden Klassen zu den Waffen und setzen jedes Mittel ein, um sich als herrschende Klasse zu halten“ (ebenda, Seite 18). „Nehmen Sie z.B. den Faschismus. Der Faschismus ist eine reaktionäre Kraft, die unter Anwendung von Gewalt die alte Welt zu erhalten sucht. Was wollen sie mit den Faschisten machen? Mit ihnen diskutieren? Sie zu überzeugen versuchen? Aber damit erreichen Sie bei ihnen nicht das Geringste. Die Kommunisten verherrlichen keineswegs die Anwendung von Gewalt. Aber sie, die Kommunisten, sind nicht willens, sich überrumpeln zu lassen, sie können sich nicht darauf verlassen, dass die alte Welt freiwillig von der Bühne abtritt, sie sehen, dass das alte System sich gewaltsam verteidigt, und deshalb sagen die Kommunisten der Arbeiterklasse: Beantwortet Gewalt mit Gewalt, tut alles, was in euren Kräften steht, um zu verhindern, dass die alte, sterbende Ordnung euch zermalmt, lasst nicht zu, dass sie Fesseln um eure Hände legt, um die Hände, mit denen ihr das alte System niederreißen werdet! Sie sehen also, die Komunisten betrachten die Ablösung eines Gesellschaftssystems durch ein anderes nicht einfach als einen spontanen und friedlichen Prozess, sondern als einen komplizierten, langwierigen und gewaltsamen Prozess. Die Kommunisten können die Augen nicht vor den Tatsachen verschließen. (...) Die Kommunisten stützen sich auf reiche historische Erfahrungen“ (ebenda, Seite 17). „Deshalb sind die Kommunisten auf das Schlimmste gefasst und rufen die Arbeiterklasse auf, wachsam und kampfbereit zu sein. Was ist ein Führer wert, der die Wachsamkeit seiner Armee einschläfert, ein Führer der nicht begreift, dass der Feind nicht kapitulieren wird, dass er vernichtet werden muss? Wer als Führer so handelt, der betrügt, der verrät die Arbeiterklasse. Das ist der Grund, warum ich der Meinung bin, dass das, was Ihnen überholt zu sein scheint, für die Arbeiterklasse in Wirklichkeit ein Maßstab für revolutionäres Handeln ist“ (ebenda, Seite 19).
Wir sind weit davon entfernt, uns der romantisch-revolutionären Illusion hinzugeben, dass ein Aufstand allein - also der Aufstand als einfache Überrumpelung des Feindes, als Sieg durch einen einzigen großen Schlag – den endgültigen Sieg bedeutet. Dies widerspricht allen historischen Erfahrungen der internationalen Arbeiterbewegung. Wenn das mächtige Weltproletariat bis heute noch nicht das Ziel seiner Emanzipation erreicht hat - trotz Organisation, Disziplin, Einheit Einsicht, trotz Sozialismus in einem Land etc. - , um so klarer müssen wir die Lehre des Aufstands als eine Kunst meistern, wie mit einem siegreichen Aufstand - im harten zähen Kampf von Position zu Position - das endgültige zu erreichende Ziel Stück für Stück näher rückt in einem langwierigen revolutionären Prozess, wo ein Aufstand den nächsten bereits vorbereitet. Es handelt sich schließlich um den Umschlag der Revolution der Minorität in die Revolution der Majorität, um das Erlernen und Anwenden der Kunst des Aufstandes nicht allein von einzelnen Revolutionären oder einer revolutionären Partei, sondern um die Kunst des Aufstands der von ihnen geführten Klasse und schließlich der revolutionären Massen. Der Aufstand ist dabei höchstens nur ein einzelner Akt im gesamten, langwierigen, komplizierten Prozess der revolutionären gesellschaftlichen Umwälzung aller Klassen auf dieser Welt.
Straßenkampf und Barrikadentaktik
Unsere Losung:
„Straße frei -
für die Kommunistische Partei !“
Straßenkampf und Barrikadentaktik sind historische Begriffe, das heißt sie werden zu verschiedenen Zeiten verschieden angewandt und haben unterschiedliche Bedeutung, einmal größere, einmal kleinere und manchmal kaum eine. So stellte Lenin 1906 fest:
Mit Barrikadenkampf als Hauptkampfmittel ist noch keine sozialistische Revolution siegreich durchgeführt worden und wird auch nicht die sozialistische Weltrevolution zum Sieg führen. Engels meinte sogar – bezogen auf die Ära des Straßen- und Barrikadenkampf es des 19. Jahrunderts : “Die Ära der Barrikaden und Straßenschlachten ist für immer vorbei; wenn die Truppe sich schlägt, wird der Widerstand Wahnsinn. Also ist man verpflichtet, eine neue revolutionäre Taktik zu finden“ (Engels Brief an Lafargue 1892, MEW, Band 38, Seite 505). „Ich hoffe, es wird in Paris [am 21. Mai 1885 fand dort eine Großkundgebung anlässlich des Jahrestages der Ermordung der Pariser Kommunarden statt – Anmerkung des Verfassers] nicht wieder wegen Roter Fahnen usw. zu Zusammenstößen kommen – die Polizei braucht ein Paar Barrikaden, und wenn sie die bekommt, wird es ein schönes Gemetzel geben – das Volk hat nicht die geringste Chance auf einen Sieg. Selbst wenn die Regierung zögern sollte, werden die reaktionären Militärs dafür sorgen, dass alles Gewehr bei Fuß steht, und eingreifen“ (Engels, Brief an Lafargue, MEW, Band 36, Seite 321).
„Der Straßenkampf ist etwas ganz anderes als ein Gefecht im offenen Feld“ (Engels, MEW, Band 7, Seite 115).
„Die Rebellion alten Stils, der Straßenkampf mit Barrikaden, der bis 1848 überall die letzte Entscheidung gab, war bedeutend veraltet“ (Marx, MEW, Band 22, Seite 519). „Du sagst selbst, Barrikaden seien veraltet ( sie können aber wieder nützlich werden, sobald die Armee zu 1/3 - 2/5 sozialistisch ist und es drauf ankommt, ihr Gelegenheit zum Umfallen zu geben), aber der politische Strike muss entweder sofort siegen -bloß durch eine Drohung ( wie in Belgien, wo die Armee sehr wacklig war) – oder aber in einer kolossalen Blamage endigen oder schließlich direkt auf die Barrikaden führen“ (Engels, MEW, Band 39, Seite 161).
„Machen wir uns keine Illusion darüber: ein wirklicher Sieg des Aufstandes über das Militär im Straßenkampf, ein Sieg wie zwischen zwei Armeen, gehört zu den größten Seltenheiten. Darauf hatten aber die Insurgenten es auch ebenso selten angelegt. Es handelte sich für sie darum, die Truppen mürbe zu machen durch moralische Einflüsse, die beim Kampf zwischen den Armeen zweier kriegführender Länder gar nicht oder doch in weit geringerem Grad ins Spiel kommen. Gelingt es, so versagt die Truppe oder die Befehlshaber verlieren den Kopf, und der Aufstand siegt. Gelingt das nicht, so bewährt sich, selbst bei einer Minderzahl auf Seiten des Militärs, die Überlegenheit der besseren Ausrüstung und Schulung, der einheitlichen Leitung, der planmäßigen Verwendung der Streitkräfte und der Disziplin. Das Höchste, wozu es die Insurrektion in wirklich taktischer Aktion bringen kann, ist die kunstgerechte Anlage und Verteidigung einer einzelnen Barrikade. Gegenseitige Unterstützung, Aufstellung resp. Verwendung von Reserven, kurz, das schon zur Verteidigung eines Stadtbezirks, geschweige einer ganzen großen Stadt, unentbehrliche Zusammenwirken und Ineinandergreifen der einzelnen Abteilungen wird nur höchst mangelhaft, meist gar nicht zu erreichen sein; Konzentration der Streitkräfte auf einen entscheidenden Punkt fällt da von selbst weg. Damit ist die passive Verteidigung die vorwiegende Kampfform; der Angriff wird sich hier und da, aber auch nur ausnahmsweise, zu gelegentlichen Vorstößen und Flankenanfällen aufraffen, in der Regel aber sich nur auf Besetzung der von der zurückgehenden Truppe verlassenen Stellungen beschränken. Wozu noch auf Seiten des Militärs die Verfügung über Geschütz und vollständig ausgerüstete und geübte Genietruppen kommt, Streitmittel, die den Insurgenten in fast allen Fällen gänzlich abgehn. Kein Wunder also, dass selbst die mit dem größten Heldenmut geführten Barrikadenkämpfe – Paris Juni 1848, Wien Oktober 1848, Dresden Mai 1849 – mit der Niederlage des Aufstandes endigten, sobald die angreifenden Führer, ungehemmt durch politische Rücksichten, nach rein militärischen Gesichtspunkten handelten und ihre Soldaten zuverlässig blieben.
Die zahlreichen Erfolge der Insurgenten bis 1848 sind sehr mannigfachen Ursachen geschuldet. In Paris 1830 und Februar 1848, wie in den meisten spanischen Straßenkämpfen, stand zwischen den Insurgenten und dem Militär eine Bürgerwehr, die entweder direkt auf Seite des Aufstandes trat oder aber durch laue, unentschiedene Haltung die Truppen ebenfalls ins Schwanken brachte und dem Aufstand obendrein Waffen lieferte. Da, wo diese Bürgerwehr von vornherein gegen den Aufstand auftrat, wie Juni 1848 in Paris, wurde dieser auch besiegt. In Berlin 1848 siegte das Volk teils durch den bedeutenden Zuwachs neuer Streitkräfte während der Nacht und Morgens am 19. März, teils in Folge der Erschöpfung und schlechten Verpflegung der Truppen, teils endlich infolge der erlahmenden Befehlsgebung. In allen Fällen aber wurde der Sieg erkämpft, weil die Truppe versagte, weil den Befehlshabern die Entschlussfähigkeit ausging oder aber, weil ihnen die Hände gebunden waren. Selbst in den klassischen Zeiten der Straßenkämpfe wirkt also die Barrikade mehr moralisch als materiell. Sie war ein Mittel, die Festigkeit des Militärs zu erschüttern. Hielt sie vor, bis dies gelang, so war der Sieg erreicht; wo nicht, war man geschlagen. Es ist dies der Hauptpunkt, der im Auge zu halten ist, auch wenn man die Chancen etwaiger künftiger Straßenkämpfe untersucht> [Spitze Klammern kennzeichnen Textstellen, die aus Rücksicht auf die `umsturzvorlagenfurchtsamtlichen Bedenken` (Engels` Formulierung) des Berliner Parteivorstandes gestrichen wurden];
(...) Diese Chancen standen schon 1849 ziemlich schlecht. Die Bourgeoisie hatte sich überall auf die Seite der Regierung geschlagen, `Bildung und Besitz` begrüßten und bewirteten das gegen Aufstände ausziehende Militär. Die Barrikaden hatten ihren Zauber verloren; der Soldat sah hinter ihr nicht mehr `das Volk` , sondern Rebellen, Wühler, Plünderer, Teiler, den Auswurf der Gesellschaft; der Offizier war mit der Zeit bewandert geworden in den taktischen Formen des Straßenkampfes, er marschierte nicht mehr geradeaus und ungedeckt auf die improvisierte Brustwehr los, sondern umging sie durch Gärten, Höfe und Häuser. Und das gelang jetzt, bei einigem Geschick, in neun von zehn Fällen.
Seitdem aber hat sich noch sehr viel verändert, und alles zu Gunsten des Militärs. Sind die Großstädte bedeutend größer geworden, so noch mehr die Armeen. Paris und Berlin sind seit 1848 nicht ums Vierfache gewachsen, ihre Garnisonen aber um mehr als das. Diese Garnisonen können vermittels der Eisenbahnen in 24 Stunden sich mehr als verdoppeln, in 48 Stunden zu Riesenarmeen anschwellen. Die Bewaffnung dieser enorm verstärkten Truppenzahlen ist unvergleichlich wirksamer geworden. (...) Damals die relativ schwach wirkenden Vollkugeln und Kartätschen der Artillerie, heute die Perkussionsgranaten, deren eine hinreicht, die beste Barrikade zu zertrümmern. Damals die Spitzhacke des Pioniers zum Durchbrechen von Brandmauern, heute die Dynamitpatrone.
Auf Seiten der Insurgenten dagegen sind alle Bedingungen schlechter geworden. Ein Aufstand, mit dem alle Volksschichten sympathisieren, kommt schwerlich wieder; im Klassenkampf werden sich wohl nie alle Mittelschichten so ausschließlich ums Proletariat gruppieren, dass die um die Bourgeoisie sich scharende Reaktionspartei dagegen fast verschwinde. Das `Volk` wird also immer geteilt erscheinen, und damit fehlt ein gewaltiger, 1848 so äußerst wirksamer Hebel. Kommen auf Seiten der Aufständischen mehr gediente Soldaten, so wird ihre Bewaffnung um so schwieriger. Die Jagd- und Luxusflinten der Waffenläden – selbst wenn nicht vorher von Polizei wegen durch Wegnahme eines Schlossteiles unbrauchbar gemacht – sind auch im Nahkampf dem Magazingewehr des Soldaten nicht entfernt gewachsen. Bis 1848 konnte man aus Pulver und Blei sich die nötige Monition selber machen, heute ist die Patrone für jedes Gewehr verschieden und nur in dem einen Punkt überall gleich, dass sie ein Kunstprodukt der großen Industrie, also nicht unter der hand anzufertigen ist, dass also die meisten Gewehre nutzlos sind, solange man nicht die speziell für sie passende Munizion hat. Und endlich sind die seit 1848 neugebauten Viertel der großen Städte, in langen, geraden, breiten Straßen angelegt, wie gemacht für die Wirkung der neuen Geschütze und Gewehre. Der Revolutionär müsste verrückt sein, der sich die neuen Arbeiterdistrikte im Norden und Osten von Berlin zu einem Barrikadenkampf selbst aussuchte.
Heißt das, dass in Zukunft der Straßenkampf keine Rolle mehr spielen wird? Durchaus nicht. Es heißt nur, dass die Bedingungen seit 1848 weit ungünstiger für die Zivilkämpfer, weit günstiger für das Militär geworden sind. Ein künftiger Straßenkampf kann also nur siegen, wenn diese Ungunst der Lage durch andere Momente aufgewogen wird. Es wird daher seltener im Anfang einer großen Revolution vorkommen als im weiteren Verlauf einer solchen und wird mit größeren Kräften unternommen werden müssen. Diese aber werden dann wohl, wie in der ganzen großen französischen Revolution, am 4. September und 31. Oktober 1870 in Paris, den offenen Angriff der passiven Barrikadentaktik vorziehen. [Spitze Klammern kennzeichnen Textstellen, die aus Rücksicht auf die `umsturzvorlagenfurchtsamtlichen Bedenken` (Engels) des Berliner Parteivorstandes gestrichen wurden];
Versteht der Leser nun, weshalb die herrschenden Klassen uns platterdings dahin bringen wollen, wo die Flinte schießt und der Säbel haut? Warum man uns heute der Feigheit zeiht, weil wir uns nicht ohne Weiteres auf die Straße begeben, wo wir der Niederlage im Voraus gewiss sind? Warum man uns so inständig anfleht, wir möchten doch endlich einmal Kanonenfutter spielen? Die Herren verschwenden ihre Bittgesuche wie ihre Herausforderungen für nichts und wieder nichts. So dumm sind wir nicht. Sie könnten ebenso gut von ihrem Feind im nächsten Krieg verlangen, er solle sich ihnen stellen in der Linienformation des alten Fritz oder in den Kolonnen ganzer Divisionen á la Wagram und Waterloo, und das mit dem Steinschlossgewehr in der Hand. Haben sich die Bedingungen geändert für den Völkerkrieg, so nicht minder für den Klassenkampf. Die Zeit der Überrumpelungen, der von kleinen bewussten Minoritäten an der Spitze bewusstloser Massen durchgeführten Revolutionen ist vorbei. Wo es sich um eine vollständige Umgestaltung der gesellschaftlichen Organisation handelt, da müssen die Massen selbst mit dabei sein, selbst schon begriffen haben, worum es sich handelt, für was sie mit Leib und Leben eintreten. Das hat uns die Geschichte der letzten fünfzig Jahre gelehrt. Damit aber die Massen verstehen, was zu tun ist, dazu bedarf es langer, ausdauernder Arbeit, und diese Arbeit ist es gerade, die wir jetzt betreiben, und das mit einem Erfolg, der die Gegner zur Verzweiflung bringt (...) < überall ist das unvorbereitete Losschlagen in den Hintergrund geraten>[Spitze Klammern kennzeichnen Textstellen, die aus Rücksicht auf die `umsturzvorlagenfurchtsamtlichen Bedenken` (Engels) des Berliner Parteivorstandes gestrichen wurden];
In Frankreich, wo doch der Boden seit über 100 Jahren durch Revolution auf Revolution unterwühlt ist, wo es keine einzige Patrtei gibt, die nicht in Konspiration, Aufständen und allen anderen revolutionären Aktionen das Ihrige geleistet hätte; in Frankreich, wo infolgedessen die Armee der Regierung keineswegs sicher ist und wo überhaupt die Umstände für einen insurrektionellen Handstreich weit günstiger liegen als in Deutschland – selbst in Frankreich sehen die Sozialisten mehr und mehr ein, dass für sie kein dauernder Sieg möglich ist, es sei denn, sie gewinnen vorher die große Masse des Volkes, d.h. hier die Bauern“ (MEW, Band 22, Seite 519-523).
„Die beste Demonstration der deutsche Sozialisten ist ihre Existenz und ihr langsames, regelmäßiges und unaufhaltsames Voranschreiten. Wir sind noch weit davon entfernt, einen offenen Kampf führen zu können, und wir haben gegenüber ganz Europa und Amerika die Pflicht, keine Niederlage zu erleiden, sondern, wenn der Augenblick gekommen ist, in der ersten großen Schlacht zu siegen. Dieser Überlegung ordne ich jede andere unter“ (MEW, Band 38, Seite 20).
„An dem Tage, an dem wir in der Mehrheit sein werden, wird sich das, was die französische Armee instinktiv getan hat, als sie nicht auf das Volk schoss, bei uns in bewusster Weise wiederholen. Ja, was die verängstigten Bourgeois auch sagen mögen, wir können den Zeitpunkt berechnen, zu dem wir die Mehrheit der Bevölkerung auf unserer Seite haben werden, unsere Ideen verbreiten sich überall“ (MEW, Engels, Band 22, Seite 543).
Lenin bemerkt zu Engels` Darlegungen über den Barrikadenkampf:
„Die Sozialdemokratie hat in den vierziger Jahren des 19. Jahrhunderts den Straßen – und Barrikadenkampf anerkannt, sie hat ihn auf Grund bestimmter Voraussetzungen am Ende des 19. Jahrhunderts abgelehnt – und sie hat ihre völlige Bereitschaft erklärt, diese letztere Ansicht zu revidieren und nach den Erfahrungen Moskaus, das nach den Worten K. Kautskys eine neue Barrikadentaktik hervorgebracht hat, den Barrikadenkampf als zweckmäßig anzuerkennen“ (Lenin, Band 11, Seite 204). Wie wir bei Lenin nachlesen können, hatte Kautsky zu Recht die Beurteilung der alten Barrikadentaktik von Engels am Hand des Vergleichs zwischen Pariser und Moskauer Aufstandes modifiziert. Hier zwei Zitate von Kautsky, die Lenin anführte:
„` Ich kann heute nicht mehr mit der Bestimmtheit, wie ich es damals noch tat, erklären, dass bewaffnete Insurrektionen mot Barrikadenkämpfen in der kommenden Revolution keine entscheidende Rolle mehr spielen werden. Dagegen sprachen zu laut die Erfahrungen des Moskauer Straßenkampfes, wo sich eine Handvoll Menschen über eine Woche lang gegen eine ganze Armee im Barrikadenkampf behauptete und fast siegte, wenn nicht das Versagen der revolutionären Bewegung in anderen Städten erlaubt hätte, die Armee so zu verstärken, dass schließlich eine ungeheure Übermacht gegen die Insurgenten konzentriert war. Freilich war dieser realtive Erfolg des Barrikadenkampfes nur möglich, weil die Bevölkerung der Stadt die Revolutionäre tatkräftig unterstützte und die Truppen total demoralisiert waren. Aber wer kann mit Bestimmtheit behaupten, dass etwas Derartiges in Westeuropa unmöglich ist?`“ (zitiert bei Lenin, Band 15, Seite 49).
„`Beide – die Pariser Junischlacht, und die Moskauer Dezemberschlacht – waren Barrikadenkämpfe`, sagte Kautsky,` aber jene bildete die Katastrophe, den Abschluss der alten Barrikadentaktik; diese die Inaugurierung einer neuen Barrikadentaktik. Und insofern haben wir die Anschauung zu revidieren, die Friedrich Engels in seiner Einleitung zu den Marxschen `Klassenkämpfen` niedergelegt, die Anschauung, als sei die Zeit der Barrikadenkämpfe vorbei. Das hat die Schlacht von Moskau bewiesen, wo es einem Häuflein Insurgenten gelang, sich gegen überlegene, mit allen Mitteln der modernen Artillerie ausgerüstete Streitkräfte zwei Wochen lang zu behaupten`“ (zitiert bei Lenin, Band 10, Seite 132-133). Engels ist aber überhaupt kein Vorwurf zu machen, denn er selbst hat die fon ihm selbst aufgeworfene Frage, wie sie sich im Ausgang des 19. Jahrhundert stellte – hier wiederholt zitiert – mit einem eindeutigen „Durchaus nicht“ beantwortet:
„Heißt das, dass in Zukunft der Straßenkampf keine Rolle mehr spielen wird? Durchaus nicht. Es heißt nur [hervorgehoben vom Verfasser], dass die Bedingungen seit 1848 weit ungünstiger für die Zivilkämpfer, weit günstiger für das Militär geworden sind. Ein künftiger Straßenkampf kann also nur siegen, wenn diese Ungunst der Lage durch andere Momente aufgewogen [hervorgehoben vom Verfasser] wird“ (MEW, Band 22, Seite 519-523). Die Unterstellung ist also unzulässig, Engels habe für alle Zeiten dem Straßenkampf- und Barrikadenkampf abgeschworen. Er hatte an diesem Kampf selbst aktiv teilgenommen, und diese Taktik auch theoretisch begründet, hielt an ihrer Notwendigkeit fest, aber ging eben dialektisch und historisch an diese Frage heran, dass Kampfformen sich im Laufe der Zeit unter veränderten Bedingungen ändern, dass andere Momente hinzukommen müssen. Dafür ist Engels nicht zu tadeln, sondern um so mehr zu loben.
Dass sich die Methoden des Straßenkampfes im Laufe der Zeit, an verschiedenen Orten, unter unterschiedlichen Voraussetzungen ändern, sagt nichts über ihre grundsätzliche Bedeutung aus. Dass der Straßenkampf lebt, dass er ein Teil eines Aufstands, eine Kampfform auf dem Weg der Revolution war, ist und bleibt, hat die Geschichte immer wieder bewiesen. Häufig entstehen die Straßenkämpfe aus den Straßendemonstrationen, wenn die Arbeiter ihren Streikkampf vom Betriebsgelände weg in die Zentren verlagern, wie zum Beispiel in die Städte, in die großen Städten, wo die Industriezentren sind. Je nach Lage und Situation werden Zusammenstöße mit Polizei oder Soldateska dabei unvermeidlich, leistet die Menge nicht nur passiven Widerstand gegen die Gewalt der Obrigkeit, sondern geht weiter zum aktiven Widerstand über, organisiert sich, bereitet sich vor, plant die Aktionen und entwickelt eine Strategie und Taktik des Straßenkampfes und verfeinert diese mit jeder neuen Kampfhandlung. Straßenkämpfe können auch eine große Bedeutung im Krieg haben wie zum Beispiel historisch in Stalingrad oder gegenwärtig in Falludscha. Der Straßen- und Barrikadenkampf gegen die Besatzer des Irkas haben sogar hervorragend seine internationale Bedeutung unter Beweis gestellt. Hier hat der Straßen- und Barrikadenkampf sogar einer ganzen internationalen Armee heldenhaft standgehalten und musterhaft bewiesen, dass diese Kampfform bei der Heranbildung neuer Generationen von Kämpfern Leitstern werden muss. Der Straßenkampf in Falludscha ist nur dadurch besiegt worden, weil er nicht in andere Städte des Iraks konsequent ausgeweitet wurde, weil die revolutionäre Bewegung der Straßenkämpfe von Palästina und des Iraks nicht zu Straßenkämpfen in alle anderen arabischen Ländern übergegriffen hat, weil die bewaffneten Straßenkämpfe im Nahen und Mittleren Osten noch nicht zum internationalen Straßenkampf geführt haben. Schon jetzt aber lässt sich mit Sicherheit an Hand der „historischen“ Ereignisse im Irak und in Palästina voraussagen, dass der Straßenkampf gegenüber Europa und Russland im 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts unbedingt zu einem großen, vereinigten internationalen Straßenkampf im 21. Jahrhundert heranwachsen wird und dass die Notwendigkeit der internationalen Vernetzung, die Notwendigkeit der systematischen Organisierung und Zentralisierung der verschiedensten Kampfformen an Bedeutung gewinnen wird, dass die sozialistische Weltrevolution bereits die Keimformen von solchen Kampforganisationen heute schon vorfindet, mit denen sie morgen zum Sieg geführt werden, und es werden sich daraus weitere neue internationale Kampfformen herausbilden, von denen wir heute noch keine Ahnung haben.
Und Lenin sagte dies schon damals voraus:
„Der Dezemberkampf 1905 hat bewiesen, dass der bewaffnete Aufstand unter den gegenwärtigen militärtechnischen und militärorganisatorischen Bedingungen siegen kann. Der Dezemberaufstand hat gezeigt, dass die gesamte internationale Arbeiterbewegung von nun an mit der Wahrscheinlichkeit ähnlicher Kampfformen in den bevorstehenden proletarischen Revolutionen rechnen muss“ (Lenin, Band 15, Seite 49).
Doch schon einige Monate früher als beispielsweise 70 Genossen in Riga im September 1905 zwei zum Tode verurteilte Genossen aus dem Zentralgefängnis befreiten, war Lenins Freude groß: „Wir grüßen die Helden der revolutionären Rigaer Kampfabteilung! (...) Das ist ein wirklicher Sieg nach einer Schlacht mit dem bis an die Zähne bewaffneten Feind. Das ist keine Verschwörung mehr gegen irgendeine verhasste Person, kein Racheakt, kein Verzweiflungsausbruch und keine bloße `Abschreckung` - nein, das ist schon der wohldurchdachte und vorbereitete, die Kräfteverhältnisse berücksichtigende Gebinn von Aktionen der Abteilungen einer revolutionären Armee. Die Zahl solcher Abteilungen in einer Stärke von 25-75 Mann kann in jeder großen Stadt, oft auch in den Vororten einer Großstadt, auf einige Dutzend gebracht werden. Sie Arbeiter werden diesen Abteilungen zu Hunderten beitreten, man muss nur sofort darangehen, diese Idee weitgehend zu propagieren, diese Abteilungen aufzustellen, sie mit jeder Art von Waffen zu versorgen, von Messern und Revolvern bis zu Bomben, und diese Abteilungen militärisch zu schulen und auszubilden. Glücklicherweise sind die Zeiten vorbei, da in Ermangelung eines revolutionären Volkes einzelne revolutionäre Terroristen die Revolution `machten`. Die Bombe hat aufgehört, die Waffe einzelner `Bombisten` zu sein. Sie wird zum unentbehrlichen Zubehör der Volksbewaffnung. Mit der veränderten Kriegstechnik werden sich auch die Methoden und Mittel des Straßenkampfes verändern. Wir alle studieren jetzt ( und tun gut daran) den Bau von Barrikaden und die Kunst, sie zu verteidigen. Doch über dieser mützlichen alten Sachen darf man die neueste Entwicklung der kriegstechnik nicht vergessen. Der Fortschritt in der Verwendung von Sprengstoffen hat auf dem Gebiet der artillerie eine Reihe von Neuheiten mit sich gebracht. (...) Lassen wir wegen der schweren Misserfolge bei den Versuchen, massenhaft Waffen zu beschaffen, den Mut nicht sinken! Keinerlei Misserfolge werden die Energie jener brechen, die ihre enge Verbindung mit der revolutionären Klasse fühlen und im Leben sehen, die sich bewusst sind, dass sich jetzt tatsächlich das ganze Volk für ihre nächsten Kampfziele erhoben hat. Die Herstellung von Bomben ist überall und allerorts möglich. Sie erfolgt jetzt in Russland in weit größerem Umfang, als jeder von uns weiß (und jedes Mitglied einer sozialdemokratischen Organisation kennt bestimmt mehr als ein Beispiel der Einrichtung von Werkstätten). Sie erfolgt in unvergleichlich größerem Umfang, als die Polizei weiß (diese aber weiß sicher mehr als die Revolutionäre in den einzelnen Organisationen). Keine Macht wird den Abteilungen einer revolutionären Armee widerstehen können, die mit Bomben bewaffnet sind, die unversehens eines nachts gleichzeiig mehrere solcher Überfälle wie den Rigaer durchführen und in deren Gefolge – das ist die letzte und wichtigste Bedingung- sich Hunderttausende von Arbeitern erheben werden (...)“ (Lenin, Band 9, Seite 279-280).
Was die Verletzung des privaten Eigentums zum Zwecke des Barrikadenbaus anbelangt, macht Lenin folgende Anmerkung:
!Wenn es also der unmittelbare Kampf erfordert, ist auch Verletzung privaten Eigentums, z.B. Die Beschlagnahme von Equipagen usw. Für den Barrikadenbau zulässig. Soweit es sich nicht um den unmittelbaren Kampf handelt, sind nach Vorschrift des Petersburger Parteitags Verletzungen der persönlichen Sicherheit `friedlicher` Bürger zu vermeiden, aber auch hier verweist der Parteitag auf eine Ausnahme: eine `zwangsläufige` Verletzung der persönlichen Sicherheit auf Grund des Kampfes gegen die Regierung rechnet der Parteitag den Teilnehmern an Partisanenaktionen nicht als Schuld an. Schließlich empfiehlt der Parteitag der Partei direkt eine Form von Partisanenaktionen und beschließt ohne Vorbehalte und Einschränkungen: `Waffen und Munition im Besitz der Regierung sind zu konfiszieren, wo immer sich eine Möglichkeit bietet`. Zum Beispiel: Die Polizisten haben Waffen, die der Regierung gehören: `Es bietet sich eine Möglichkeit...` (...) Wir raten all den zahlreichen Kampfgruppen unserer Partei, mit ihrer Untätigkeit Schluss zu machen und eine Reihe von Partisanenaktionen zu unternehmen, streng im Einklang mit den Parteitagsbeschlüssen, d.h. ohne irgendwelche Expropriation von Eigentum, bei möglichst geringer `Verletzung der persönlichen Sicherheit` friedlicher Bürger und bei größtmöglicher Verletzung der persönlichen Sicherheit von Spionen, aktiven Schwarzhundertern, höherer Offiziere der Polizei, des Heeres, der Flotte und so weiter und dergleichen mehr. `Waffen` aber `und Munition im Besitz der Regierung sind zu konfiszieren, wo immer sich eine Möglichkeit bietet`“ (Lenin, Band 11, Seite 155).
Wir wollen diesen Abschnitt im Kapitel „Aufstand“ nicht abschließen, ohne auf Lenin hinzuweisen, der den revolutionären Barrikadenkampf von der anarchistischen Taktik streng voneinander unterscheidet. Er verwies dabei auf das Beispiel Polens:
„Ich muss jedoch bemerken, dass wir nirgends, außer in Polen, eine solche sinnlose Abweichung von der revolutionären Taktik gesehen haben, die eine begründete Ablehnung und den Kampf gegen sie herausfordert. Und hier drängt sich der Gedanke auf: Gerade in Polen hat es im Dezember 1905 nicht diesen bewaffneten Kampf der Massen gegeben! Und hat sich nicht gerade deshalb in Polen, die widernatürliche und sinnlose Taktik des Anarchismus, Revolution zu `machen`, eingebürgert, weil die Bedingungen es dort nicht gestatteten – und sei es nur für einen kurzen Augenblick – den bewaffneten Kampf der Massen zu entfalten? Ist die Tradition gerade dieses Kampfes, die Tradition des bewaffneten Dezemberaufstandes, nicht manchmal das einzige ernsthafte Mittel zur Überwindung anarchistischer Tendenzen innerhalb der Arbeiterpartei – nicht mit Hilfe einer schablonenhaften, philiströsen, spießbürgerlichen Moral, sondern durch die Abkehr von der zwecklosen, sinnlosen, zersplitterten Gewalt zur zielgerichteten Gewalt der Massen, die mit einer breiten Bewegung und mit der Verschärfung des unmittelbaren proletarischen Kampfes verbunden ist?“ (Lenin, Band 15, Seite 50-51).
Die Verunglimpfung der Kunst des Aufstands als „Blanquismus“
„Zu den böswilligsten und wohl verbreitetsten Entstellungen des Marxismus durch die herrschenden „`sozialistischen` Parteien gehört die opportunistische Lüge, die Vorbereitung des Aufstands, überhaupt die Betrachtung des Aufstands als eine Kunst, sei `Blanquismus`. (...) Um erfolgreich zu sein, darf sich der Aufstand nicht auf eine Verschwörung, nicht auf eine Partei stützen, er muss sich auf die fortgeschrittenste Klasse stützen. Dies zum Ersten. Der Aufstand muss sich auf den revolutionären Aufschwung des Volkes stützen. Dies zum Zweiten. Der Aufstand muss sich auf einen solchen Wendepunkt in der Geschichte der anwachsenden Revolution stützen, wo die Aktivität der vordersten Reihen des Volkes am größten ist, wo die Schwankungen in den Reihen der Feinde und in den Reihen der schwachen, halben, unentschlossenen Freunde der Revolution am stärksten sind. Dies zum Dritten. Durch diese drei Bedingungen eben unterscheidet sich der Marxismus in der Behandlung der Frage des Aufstandes vom Blanquismus. Sind aber diese Bedingungen einmal gegeben, so ist die Weigerung, den Aufstand als eine Kunst zu betrachten, Verrat am Marxismus und Verrat an der Revolution“ (Lenin Band 26, Seite 4 – 5).
Lenin wies nach, „dass Blanquismus Machtergreifung durch eine Minderheit bedeutet.“ (Lenin Band 24, Seite 31).
die Revolte
Revolten sind Äußerungen des Volkskampfes gegen brutale militärische Gewaltakte, Kriege und andere Verbrechen der herrschenden Regierungen am Volk, d.h. „unbewusste, unorganisierte, spontane, zuweilen ungezügelte Empörungen“ (Lenin, Band 8, Seite 563) ohne zielbewusste Agitation und Propaganda der revolutionären Organisationen und gleichzeitig sind Revolten Signale und Anfangsstadium von organisierten Streikkämpfen, politischen Demonstrationen, Straßenschlachten und Barrikadenkämpfen, die in den Aufstand übergehen. „Revolten – Demonstrationen – Straßenkämpfe – Abteilungen einer revolutionären Armee – das sind die Entwicklungsetappen des Volksaufstandes“ (Lenin, Band 8, Seite 565).
Revolte oder Revolution ?
Bewaffneter Aufstand einer kleineren Gruppe oder gewaltsamer Umsturz der gesamten Gesellschaftsordnung? ????
Die Frage lässt sich nicht so einfach beantworten, denn große Revolutionen sind niemals vom Himmel gefallen, sondern haben stets im Kleinen begonnen. Das bestreiten auch nicht die Gegner des Marxismus-Leninismus. Über die Initialzündung, über den „Funken, der zum Steppenbrand“ führt, gibt es zwischen Marxisten-Leninisten und beispielsweise den Maoisten durchaus Übereinstimmung. Was uns aber von den Maoisten trennt, ist, dass diese der Überzeugung sind, die „Städte vom Dorf aus“ einzunehmen, dass nicht das Weltproletariat die Rolle der führenden Klasse einnimmt, sondern die unterdrückten Völker, die „Dritte Welt“, die sozusagen Volkskriege führen, ohne die Führung des Weltproletariats und gegen dessen Führung, über die Köpfe der Proletarier aller Länder hinweg. Wir Marxisten-Leninisten haben tausendmal bewiesen, dass das so nicht funktioniert, niemals funktionieren kann. Die proletarische Weltrevolution ist eigene Sache des Weltproletariats, kann nur vom Weltproletariat selbst sowohl, initiiert, durchgeführt, als auch zum Sieg geführt werden. An diesen Sieg aber ist das Schicksal aller Volkskriege geknüpft.
Mit der ersten Zellteilung ist die Keimzelle nicht mehr dasselbe, was sie vorher war. Das revolutionäre Leben entwickelt sich durch Zellteilungen. Die revolutionärte Bewegung wächst heran, sie beginnt in einem Zentrum, ohne lange auf dem Rahmen eines engen Gebiets beschränkt zu bleiben. Sie dehnt sich Schritt für Schritt bis auf die Randgebiete aus, indem sich immer mehr Kräfte dieser Bewegung anschließen, sie zur Massenkraft, zur Massenbewegung heranreifen lassen bis ein Organismus entsteht, mit dem sich die ganze Klasse in die Lage versetzt, die andere zu vernichten. Und selbst die Arbeiterklasse ist als Klasse allein nicht in der Lage, den Umsturz siegreich durchzuführen, wenn sie nicht die Reife besitzt, andere Klassen mit in die Schlacht zu führen. Selbst das gesamte Weltproletariat wird als Klasse nicht in der Lage sein, in der proletarischen Weltrevolution zu siegen, wenn es sich nicht auf die revolutionären Völker stützt. Und umgekehrt-wie gesagt- können sich die revolutionären Völker letztendlich nicht endgültig befreien ohne Führung des Weltproletariats.
Aber nicht aus jeder revolutionären Keimzelle entwickelt sich automatisch eine revolutionäre Massenbewegung, nicht jede Revolte lässt sich in eine Revolution verwandeln. Das hängt von verschiedensten Voraussetzungen und Bedingungen ab, die uns Marxisten-Leninisten grundsätzlich bekannt sind.
Lenin bemerkte: „Nicht umsonst sagt man, eine Revolution sei eine gelungene Revolte und eine Revolte eine misslungene Revolution. (...) Die bürgerlichen Zeitungen, die nach wie vor von Revolte, Aufruhr und Unruhen reden, können indessen nicht umhin, deren nationale, ja sogar internationale Bedeutung anzuerkennen. Aber diese Bedeutung ist es ja eben, die den Ereignissen den Charakter einer Revolution verleiht. Und wer von den letzten Tagen des Aufruhrs schreibt, beginnt unwillkürlich von den ersten Tagen der Revolution zu sprechen“ (Lenin, Band 8, Seite 91) Lenin bezieht sich hierbei historisch auf die russischen Revolutionstage von 1905: „Der von unserer Arbeiterklasse heldenhaft begonnene Sturz des Zarismus in Russland wird ein Wendepunkt in der Geschichte aller Länder sein, wird allen Arbeitern aller Nationen, in allen Staaten, in allen Teilen des Erdballs ihre Sache erleichtern“ (Lenin, Band 8, Seite 88).
Worum es in der Frage aber geht, ist nicht die Quantität allein, sondern vor allem die Qualität, der Inhalt. Die Revolutionen werden von den Massen gemacht und nicht stellvertretend von den Revolutionären, nicht von der revolutionären Keimzelle, nicht von einer revolutionären Gruppe. Die anderen Klassen können auch nicht stellvertretend für die Arbeiterklasse eine „proletarische“ Revolution „machen“, auch wenn sie sie so nennen. Eine proletarische Revolution kann nur das Proletariat selber machen. Eine „proletarische“ Revolution, die nicht vom Proletariat selber geführt wird, ist keine und kann keine sein. Der Charakter einer Revolte oder Revolution wird verliehen durch die sozialen Kräfte, durch die Klassen, die darin wirken und ihnen den Stempel aufdrücken.
„Die Revolution in Permanenz“ mit der „Anarchie in Permanenz“ gleichzusetzen, bedeutete für Lenin „die Revolution zu einem bloßen Aufruhr stempeln“, „Verräter an der Revolution werden“ (Lenin, Band 9, Seite 317).
Terroristischer Aufruhr, ob ökonomisch, politisch oder militärisch, der von einer Verschwörergruppe angezettelt wird, ist mit der wirklichen revolutionären proletarischen Weltbewegung unvereinbar, ist anti-proletarisch und konterrevolutionär, und deswegen grenzen wir Internationalisten uns entschieden von dieser falschen und schädlichen Taktik ab, bekämpfen wir diese Taktik mit allen Mitteln, besonders dann, wenn sich die Vertreter der terroristischen Taktik der Fahne des Marxismus-Leninismus zu bemächtigen versuchen und das Blut der Arbeiter dem Abenteuertum opfern. Natürlich müssen wir offen gegen die Bourgeoisie auftreten, wir müssen sie permanent bis zum endgültigen Sieg in Angst halten. Hierfür bedarf es aber nicht des Terrorismus von Verschwörergruppen, sondern starker Arbeiterorganisationen, die imstande sind, den Kampf des Weltproletariats als internationale KLASSE zu führen, das heißt, um die gesamte revolutionäre MASSENbewegung zur Weltrevolution zu führen, bedarf es der Hegemonie des Weltproletariats.
Blanquisten waren Anhänger des französischen Revolutionärs Blanqui (1805-1881). Die Klassiker des Marxismus-Leninismus sahen in Blanqui einen hervorragenden Revolutionär und Streiter für den Sozialismus, kritisierten aber zugleich die verschwörerischen Methoden seiner Tätigkeit. In der Einleitung zu Marx` Schrift „Der Bürgerkrieg in Frankreich“ schrieb Engels über die Blanquisten: „Großgezogen in der Schule der Verschwörung, zusammengehalten durch die ihr entsprechende straffe Disziplin gingen sie von der Ansicht aus, dass eine verhältnismäßig kleine Zahl entschlossener, wohlerganisierter Männer imstande sei, in einem gegebenen günstigen Miment das Staatsruder nicht nur zu ergreifen, sondern auch durch Entfaltung großer, rücksichtsloser Energie so lange zu behaupten, bis es ihr gelungen, die Massen des Volkes in die Revolution hineinzureißen und um die führende kleine Schar zu gruppieren“ (Siehe MEW, Band 22, Berlin, S. 197). Die Bourgeoisie hat uns Marxisten-Leninisten wegen unserer revolutionären Haltung häufig als „Blanquisten“ beschimpft und uns als „Revolutionaristen und `linksextremistische` Terroristen bekämpft, während sie die opportunistischen Elemente in unseren Reihen stets als „besonnen“, „vernünftig“ und als „Realos“ lobten. Für die Weltbourgeoisie ist das Schreckgespenst vom „Krieg gegen den Terrorismus“ ein bequemes Schlagwort, wenn sie damit das Weltproletariat von seinem Kampf um die Weltmacht abhalten kann. Der Terrorismus verneint den Klassenkampf, aber mit diesem „Krieg gegen den Terrorismus“ führt die Weltbourgeoisie ihren Terror gegen das Weltproletariat, verleumdet sie dessen Kampf für seine revolutionäre Befreiung vom internationalen Lohnsklavenhaltertum. Die Bourgeoisie verwandelt den „Krieg gegen den Terrorismus“ in eine Waffe gegen das Proletariat: „Seid vernünftig, Arbeiter! Kämpft für eure Rechte in eurerm Parlament, in der UNO usw. usf., holt der Weltbourgeoisie die Kastien aus dem Feuer, aber erdreistet euch nicht nach der Weltmacht zu greifen; an einen solchen Wahnwitz glauben nur Terroristen, aber doch nicht etwa ein zivilisierter, kultivierter Arbeiter!“
Im Weltmaßstab gewinnt „der Aufstand als eine Kunst“ und die Abgrenzung vom internationalen Blanquismus eine noch bedeutendere Rolle. Allein die Idee des Aufstands eines Landes zu übertragen auf den länderübergreifenden Aufstand ist schon eine Herausforderung:
»Der Kapitalismus ist nicht so harmonisch aufgebaut, dass die verschiedenen Aufstandsherde sich von selbst, ohne Misserfolge und Niederlagen, sogleich miteinander vereinigen könnten. Im Gegenteil, gerade der Umstand, dass die Aufstände zu verschiedenen Zeiten und an verschiedenen Orten ausbrechen, dass sie verschieden geartet sind, gewährleistet die Breite und Tiefe der allgemeinen Bewegung; nur in unzeitgemäßen, partiellen, zersplitterten und daher erfolglosen revolutionären Bewegungen werden die Massen Erfahrung erwerben, werden sie lernen, Kräfte sammeln, ihre wahren Führer, die sozialistischen Proletarier, erkennen und dadurch den allgemeinen Ansturm vorbereiten.« (Lenin, Bd. 22, Seite 366, dt. Ausgabe).»Wollen wir den Sozialismus nicht preisgeben, so müssen wir jeden Aufstand gegen unseren Hauptfeind, die Bourgeoisie der `Groß`mächte, unterstützen, wenn es nicht ein Aufstand einer reaktionären Klasse ist.« (ebenda S.339)
Diesen allgemeinen Ansturm – wie Lenin ihn fordert - vorzubereiten, das ist die zentrale Aufgabe einer Komunnistischen Internationale, das ist der grund, weswegen wir jeden Aufstand unterstützen, der gegen die Weltbourgeoisie gerichtet ist. Bei unserer Weltanschauung geht es schließlich darum, dass das gesamte Weltproletariat, dass die revolutionären Völker in ihrer Gesamtheit und Geschlossenheit an die Frage der Kunst des Aufstandes herangeführt werden müssen. Das ist eine gigantische Aufgabe. Es ist das durch das Erreichen des weltkapitalistischen Endstadiums verursachte Elend und die Not auf der ganzen Welt, die alle Ausgebeuteten und Unterdrückten dieser Erde zwingt, sich bewusst zu werden, dass sie nur überleben können, wenn sie ihre Geschicke gemeinsam in die Hand nehmen, wenn sie ihre allseitige Abhängigkeit vom Weltkapitalismus gemeinsam abschütteln und mit der Revolution, also auf revolutionäre Weise beginnen, die vorhandenen Produktivkräfte total umzuwälzen, ihre Gesamttätigkeit bei der Weltproduktion zentralistisch zu organisieren und weltsozialistische Produktions- und Verteilungsverhältnisse zu schaffen. Es geht darum, dass sich das Weltproletariat und die revolutionären Völker über ihr weltgeschichtliches Zusammenwirken in der kommunistischen Revolution erst einmal bewusst werden müssen, dass sie ihre Interessen und Bedürfnisse nur gemeinsam verwirklichen können und die Revolution nur der Anfang ist, um das kapitalistische Privateigentum aufzuheben. Aufheben der Reichtümer der Welt erschöpft sich nicht im Akt der internationalen militärischen Beschlagnahme, wonach die Entwicklung der neuen Weltgesellschaft sozusagen spontan ihrem Selbstlauf überlassen wird. Diese Entwicklung vollzieht sich in einem welthistorischen Prozess der internationalistischen Produktionsweise der neuen sozialistischen Weltgesellschaft, wo sich das bisherige Leben der Völker im Weltkapitalismus völlig neu und radikal definiert. Die Völker im Weltsozialismus treten in neue Beziehungen zueinander und verändern dadurch auch ihr altes Leben durch einen qualitativen Sprung. Und eben dies wird nicht ohne Reibung abgehen, werden konterrevolutionäre Aufstände die ständige Begleiterscheinung der kommunistische Revolution sein, werden aufflackernde Bürgerkriege unvermeidbar sein, bis sich der ganze kommunistische Weltprozess unter großen Opfern seinen Weg gebahnt hat. All das ist ohne enorme militärische Anstrengungenn der ganzen neuen Weltgemeinschaft völlig unmöglich, denn die besiegten Ausbeuter und Unterdrücker der alten Weltordnung werden ihre Anstrengungen verhundertfachen, um ihr altes kapitalistisches Weltreich wieder zu errichten, solange die neue Welt noch keine feste Basis mit festem Überbau geschaffen.
Die Kommunisten der weltbolschewistischen Partei können sich mit ihrer internationalen Roten Armee nicht auf sich selbst als „internationale Verschwörergruppe“ stützen, sondern müssen sich auf das gesamte Weltproletariat als fortgeschrittenste Klasse und auf die revolutionären Völker stützen. Das Weltproletariat, die Avantgarde der Weltrevolution, muss sich erst in seiner Mehrheit hinter die Kommunisten gestellt haben. Ohne die Mehrheit der Arbeiter und Soldaten, beispielsweise in den Metropolen, kann man die konterrevolutionären Werkzeuge des Weltimperialismus, ihre Zentrale, nicht niederwerfen. Der Aufstand muss sich auf den revolutionären Aufschwung nicht nur eines Volkes, sondern mehrerer Völker, auf die Mehrheit der Völker stützen, die fest entschlossen sein müssen und keine Opfer scheuen dürfen, den völligen Bruch mit der Weltbourgeoisie absolut zu vollziehen. Die angestaute Weltempörung aller Völker überschreitet das Maß des Leids, der Geduld, des Ertragens und durchbricht – durch nichts und niemanden aufzuhaltenen - Damm. Der Strom des Zornes aller Völker in seiner gebündelten Kraft, sit mit der revolutionären Kraft eines einzelnen Volkes nicht zu verhleichen, ist weder einzukreisen oder sonst wie einzudämmen. Der Aufstand muss sich auf einen Wendepunkt in der Geschichte der Weltrevolution stützen, wo in der gesamten internationalen Front des Imperialismus die Schwankungen und Risse ihrer Krise so gewaltig sind, dass der internationale Hauptfeind, der USA-Imperialismus sturmreif geschossen werden kann, wo das gesamte . Die Meere des Weltproletariats werden aufwallen und schäumen, wenn der mächtige Sturm der Weltrevolution über den Erdball fegt. Der internationale Einfluss der Revisionisten und Opportunisten im Weltproletariat muss auf ein Minimum reduziert sein, d.h., dass die Proletarier aller Länder mit diesen Verrätern an der Weltrevolution abrechnen; die schwankenden Elemente und Schichten des Kleinbürgertums, die internationale Front der schwachen, halben, unentschlossenen „Freunde“ der Weltrevolution, müssen zumindest so sehr ins Wanken geraten sein, dass ihre Mehrheit neutralisiert werden kann. Wir müssen aber nicht nur die Voraussetzungen für die physische Vernichtung der Konterrevolution erfüllen, sondern auch die eroberte Macht politisch behaupten, um unseren physischen Sieg zu sichern. Die objektiven Voraussetzungen für die Weltrevolution sind gegeben, aber die subjektiven Bedingungen sind noch nicht reif. Sie müssen noch geschaffen werden. Eine Aufgabe, die zur praktischen Lösung ansteht. Es geht nicht darum, den Marxschen Gedanken von der Kunst des Aufstands im internationalen Maßstab in Worten anzuerkennen, einen richtigen Zeitpunkt festzulegen usw, sondern an die Weltrevolution marxistisch heranzugehen, soll heißen, das Weltproletariat erlernt und meistert seine Kriegskunst im praktischen Kampf. Wie soll sich das Weltproletariat allen Ernstes seine internationale Macht erobern und seine eigenen Machtorgane auf der ganzen Welt errichten können, wenn es nicht über eine Eroberungstheorie, über eine richtige Strategie und Taktik verfügt, zum Beispiel die Kommandozentrale des US-Imperialismus auszuschalten, die die Fäden der internationalen Konterrevolution in ihren Händen hält? Ein Stab der internationalen, aufständischen Abteilungen muss organisiert werden, die Kräfte international verteilt und an den wichtigsten Punkten konzentriert, die Kommandozentrale der Konterrevolution umzingelt und besetzt, der Generalstab und die US-Regierung verhaftet werden, die Verbindungen des Feindes gekappt und die eigenen Verbindungen aller Punkte unseres bewaffneten Kampfes weltweit gesichert werden, usw. usf. Dieses Szenario sei hier nur illustriert, um klarzumachen, dass die Weltrevolution nicht spontan dem Selbstlauf der Weltereignisse passiv folgt, dass die Proletarier des einen Landes nicht auf die Befreiung der Proletarier des anderen Landes usw. warten, dass man sich heute von der Einengung der Idee der national begrenzten sozialistischen Revolution befreien muss, dass das Weltproletariat als vereinigte, geschlossene Klasse agieren muss, dass sich die Proletarier eines jeden Landes als unverzichtbare Abteilung des Weltproletariats begreifen müssen, weil die Sprengung der imperialistischen Kette an seiner schwächsten Stelle anders unmöglich ist, geschweige denn die Zerschlagung der gesamten Kette des Weltimperialismus. Die Imperialisten halten sich nicht an die Abläufe der Oktoberrevolution. Der Sozialismus lässt sich nicht auf die gleiche Weise zurückerobern, wie er einst erobert wurde. Die Weltbourgeoisie hat dazu gelernt, und das wird auch das Weltproletariat tun müssen, wenn die Weltrevolution siegen soll. Der internationale Klassenfeind weiß, dass sein letztes Stündchen geschlagen hat und wirft vor unseren Augen die ganze Wucht seiner globalisierten Konterrevolution dorthin, wo sich ein Aufstand entwickelt, um ihn niederzuschlagen, bevor er sich in seiner unmittelbaren Nachbarschaft und schließlich international ausbreiten kann. Der Klassenkampf gegen den Imperialismus, die anti-imperialistische Front, muss also als aktive Kriegskunst des zur bewaffneten, führenden Klasse zusammengeschweißten Weltproletariats, seiner Avantgarde, seiner Verbündeten usw. , aufgefasst werden, wenn man vom marxistisch-leninistischen Standpunkt ausgeht. Das ist der Kernpunkt der Lehre des Marxismus-Leninismus in der Frage des heutigen militärischen Kampfes für die Weltrevolution. Vergessen wir nicht, dass der Aufstand in Russland 1905 in wenigen Monaten, in Wochen, eine Millionenarmee entstehen ließ, die der revolutionären Avantgarde des Proletariats folgte. Man kann nicht wissen, ob sich heute oder morgen eine mächtige revolutionäre Weltbewegung entfalten wird. „Auf jeden Fall aber verdient nur die Arbeit in dieser Richtung sozialistische Arbeit genannt zu werden“ (Lenin, Band 21, Seite 254). Die Losung, die diese Arbeit zusammenfasst und ihr Richtung gibt, die die Vereinigung und den Zusammenschluss derjenigen fördert, die den revolutionären Kampf des Weltproletariats gegen alle Regierungen und gegen die gesamte Weltbourgeoisie unterstützen wollen, ist die Losung des internationalen Aufstands, die Losung des Weltbürgerkriegs, die Losung des internationalen Klassenkrieges.
Der Bürgerkrieg
Was ist Bürgerkrieg?
„Der Bürgerkrieg, zu dem die revolutionäre Sozialdemokratie in der gegenwärtigen Epoche aufruft, ist der bewaffnete Kampf des Proletariats“ (Lenin, Band 21, Seite 149).
„Was ist aber ein bis zur Siedehitze gesteigerter Kampf, wenn nicht der Bürgerkrieg?“ (Lenin, Band 22, Seite 118).
Die leninistische Defintion des Bürgerkrieges in der Epoche des Imperialismus ist der „Krieg der unterdrückten Klassen gegen ihre Unterdrücker mit dem Ziel der Expropriation der Kapitalistenklasse, der Eroberung der politischen Macht durch das Proletariat, der Verwirklichung des Sozialismus“ (Lenin, Band 21, Seite 351).
Lenin lehrt, „dass der Bürgerkrieg die schärfste Form des Klassenkampfes ist, wobei sich eine Reihe wirtschaftlicher und politischer Zusammenstöße und Schlachten wiederholt, häuft, erweitert und verschärft, bis sich diese Zusammenstöße in den bewaffneten Kampf der einen Klasse gegen die andere verwandelt. Am häufigsten, ja man kann sagen fast ausschließlich, kommt es dabei in einigermaßen freien und fortgeschrittenen Ländern zwischen jenen Klassen zum Bürgerkrieg, deren Gegensätze durch die ganze ökonomische Entwicklung des Kapitalismus, durch die ganze Geschichte der modernen Gesellschaft in der ganzen Welt geschaffen und vertieft werden: zwischen Bourgeoisie und Proletariat“ (Lenin, Band 26, Seite 12, „Die russische Revolution und der Bürgerkrieg“) [farblich hervorgehoben vom Verfasser]. So ist auch „die Ökonomik der kapitalistischen Gesellschaft derart, dass nur das Kapital oder das es stürzende Proletariat die herrschende Kraft sein kann“ (Lenin, Band 29, Seite 356).
Der Bürgerkrieg ist Teil der Revolution, die als ein Prozess, als eine ganze Epoche schärfster Klassenkonflikte, eine lange Reihe von Schlachten an allen Klassenfronten. Der Bürgerkrieg entsteht auch aus der revolutionären Situation, die durch einen imperialistischen Krieg hervorgerufen wird. Die Umwandlung des imperialistischen Krieges in einen Bürgerkrieg mit dem Ziel des Sieges der sozialistischen Revolution ist wesentlicher Bestandteil der bolschewistischen Taktik der sozialistischen Weltrevolution.
„Das Proletariat werde vielleicht noch 15, 20, 50 Jahre Bürgerkriege und Völkerkämpfe durchmachen müssen, nicht nur um die Verhältnisse zu ändern, sondern um die Proletarier selbst zu ändern und zur politischen Herrschaft zu befähigen. Dies sind die Worte von Karl Marx („Enthüllungen über den Kommunistenprozess zu Köln“, Seite 39).
„In bestimmten Perioden scharfer ökonomischer und politischer Krisen entwickelt sich der Klassenkampf zum unmittelbaren Bürgerkrieg, dh., zum bewaffneten Kampf zwischen zwei Teilen des Volkes. In solchen Perioden ist der Marxist verpflichtet, auf dem Standpunkt des Bürgerkriegs zu stehen. Jede moralische Verurteilung des Bürgerkriegs ist vom Standpunkt des Marxismus völlig unzulässig. In der Epoche des Bürgerkriegs ist das Ideal der Partei des Proletariats eine kriegführende Partei. Das ist ganz unbestreitbar. Wir geben durchaus zu, dass man vom Standpunkt des Bürgerkriegs die Unzweckmäßigkeit dieser oder jener Formen des Bürgerkriegs in diesem oder jenem Augenblick zu beweisen suchen und in der Tat beweisen kann. Eine Kritik der verschiedenen Formen des Bürgerkriegs vom Standpunkt der militärischen Zweckmäßigkeit halten wir durchaus für richtig und erklären uns unbedingt damit einverstanden, dass die entscheidende Stimme in einer solchen Frage den sozialdemokratischen Praktikern jeder einzelnen Gegend zusteht“ (Lenin, Band 11, Seite 209). Im internationalen Maßstab kann das im Wesentlichen nichts anderes heißen:
In bestimmten Perioden scharfer ökonomischer und politischer Weltkrisen entwickelt sich der internationale Klassenkampf zum unmittelbaren internationalen Bürgerkrieg, d.h. zum bewaffneten Kampf zwischen zwei Teilen der Völker. In solchen Perioden ist der Marxist-Leninist verpflichtet, auf dem Standpunkt des Marxismus-Leninismus und des proletarischen Internationalismus zu stehen. Jede moralische Verurteilung des internationalen Bürgerkriegs ist vom Standpunkt des Marxismus-Leninismus und des proletarischen Internationalismus völlig unzulässig. In der Epoche des internationalen Bürgerkriegs ist das Ideal der Kommunistischen Internationale des Weltproletariats eine kriegführende Weltpartei. Das ist ganz unbestreitbar. Wir geben durchaus zu, dass man vom Standpunkt des internationalen Bürgerkrieges die Unzweckmäßigkeit dieser oder jener Form des Bürgerkrieges in diesem oder jenen Augenblick zu beweisen suchen und in der Tat beweisen kann. Eine Kritik der verschiedenen Formen ( nicht des Inhalts ) des internationalen Bürgerkriegs vom Standpunkt der militärischen Zweckmäßigkeit halten wir für durchaus richtig und erklären uns unbedingt damit einverstanden, dass die entscheidende Stimme in einer solchen Frage den weltbolschewistischen Praktikern jeder einzelnen Gegend auf der Welt zusteht, dass in jedem Land die bolschewistische Partei letztlich in einer solchen Frage die Entscheidungen trifft, wie (in der Regel wie, und nicht ob) die internationalen Beschlüsse ( - die die notwendigen Spielräume des nationalen Rahmens je nach Weltlage und örtlichen Bedingungen offener oder enger berücksichtigen müssen -) militärisch am zweckmäßigsten in ihrem Land umgesetzt werden.
Wenn wir das Weltproletariat zu seiner höchsten Kampfform, zum bewaffneten internationalen Bürgerkrieg erziehen, dann verschmähen wir Marxisten-Leninisten deswegen noch lange nicht die friedlichen Kampfmittel – sie dienen seinen Tagesinteressen, den Interessen des Alltags, der Verteidigung seiner Lebenslage, sie dienen zur Vorbereitung der sozialistischen Weltrevolution, - jedoch werden wir Marxisten-Leninisten niemals vergessen, dass der internationale Klassenkampf unter bestimmten Bedingungen unvermeidbar die Form des bewaffneten Kampfes, die Form des Bürgerkriegs annimmt, wo der internationale Klassenfeind rücksichtslos auf dem internationalen Schlachtfeld vernichtet werden muss. Der internationale Bürgerkrieg wird kommen, demgegenüber sich die gesamten internationalen konterrevolutionären Kräfte des Weltimperialismus als zu schwach erweisen werden und in dem das sozialistische Weltproletariat den vollen Sieg davontragen wird.
Was ist der Bürgerkrieg nicht ?
„Die Sozialdemokratie hat sich nie damit abgegeben, militärische Verschwörungen zu spielen, sie hat nie die militärischen Fragen in den Vordergrund gestellt, solange nicht die Bedingungen eines begonnenen Bürgerkrieges gegeben waren. Jetzt aber rücken alle Sozialdemokraten die militärischen Fragen wenn nicht an die erste Stelle, so doch an eine der ersten Stellen, setzen sie das Studium dieser Fragen und das Bekanntmachen der Volksmassen mit ihnen auf die Tagesordnung. Die revolutionäre Armee muss die militärischen Kenntnisse und die militärischen Mittel praktisch anwenden, damit das ganze weitere Schicksal des russischen Volkes, damit die erste, die dringlichste Frage, die Frage der Freiheit, entschieden wird“ (Lenin, Band 8, Seite 568).
„Im Namen der Grundsätze des Marxismus verlangen wir aber unbedingt, dass man sich nicht mit abgenutzten und schablonenhaften Phrasen von Anarchismus, Blanquismus und Terrorismus um eine Analyse der Bedingungen des Bürgerkriegs drückt, dass man sinnlose Methoden bei Partisanenaktionen, wie sie von dieser oder jener Organisation der PPS [ terroristische Kampfformen in der Zeit der russischen Revolution von 1905- Anmerkung des Verfassers] in diesem oder jenem Augenblick angewandt worden sind, nicht zum Abschreckungsmittel gegen die Beteiligung der Sozialdemokraten am Partisanenkrieg überhaupt macht“ (ebenda, Seite 210). Das heißt für uns Marxisten-Leninisten heute, dass wir uns deswegen grundsätzlich nicht aus den Aktionen mit dem Charakter eines Partisanenkrieg heraushalten und die passive Rolle des Beobachters von außen einnehmen dürfen, nur weil sinnlose Formen von Aktionen verschiedener nicht-marxistisch-leninistischer Organisationen angewandt werden. Ergibt die konkrete Analyse wirklich vorhandene Bedingungen für zwingend erforderliche Aktionen, dann dürfen wir uns um diese Aktionen nicht drücken, sondern müssen unter Berücksichtigung der gegebenen subjektiven Faktoren ( - insbesondere die Situation und Haltung der aufständischen Massen - ), die geeigneten Formen ihrer Durchführung gewissenhaft auswählen und konsequent praktisch umsetzen. Dies gilt insbesondere für Unterstützung der Revolutionäre, die in Ländern kämpfen, in denen heute nationale Befreiungskämpfe stattfinden, in denen zum Beispiel noch keine oder nur sehr wenige marxistisch-leninistische Kräfte vorhanden sind. Durch den marxistisch-leninistischen Einfluss ist es notwendig, den Aktionen der spontanen Bewegung Bewusstheit, Organisiertheit und klares Ziel zu verleihen, wobei sie – wie gesagt – stets von streng festgelegten ideologischen und organisatorischen Bedingungen auszugehen hat. Wenn diese Aktionen Möglichkeiten bieten, eine proletarische revolutionäre Partei aufzubauen bzw. dadurch ihren Aufbau zu stärken und zu festigen, dann müssen die Aktionen in einem Bürgerkrieg bzw. in einem nationalen Befreiungskampf auch hierfür systematisch und planmäßig ausgenutzt werden. Nur das Weltproletariat kann den Kern einer machtvollen revolutionären Weltarmee schaffen, machtvoll sowohl durch ihre internationalistischen Ideale als auch durch ihre weltrevolutionäre Disziplin, sowohl durch ihre internationale Organisation als auch durch ihren weltweiten Heroismus im Kampf, alles Eigenschaften, denen keine Armee der Welt standzuhalten vermag.
„Und das Proletariat hat, geführt von der Sozialdemokratie, schon überall mit der Bildung dieser revolutionären Armee begonnen. Ihren Reihen müssen sich alle anschließen, die nicht zur Armee der Schwarzhunderter gehören wollen. Der Bürgerkrieg kennt keine Neutralen [unterstrichen vom Verfasser]. Wer ihm fernbleibt, der unterstützt durch seine Passivität die triumphierenden Schwarzhunderter. Auch das Heer zerfällt in eine rote und eine schwarze Armee“ [unterstrichen vom Verfasser], (Lenin, Band 9, Seite 467). Und so und nicht anders wird es auch im Weltmaßstab sein.
„So verächtlich ihr, meine Herren, auch die Nase rümpft über Nachtangriffe und ähnliche rein militärische Dinge; so viel ihr auch feixt über den `Plan` , diensthabende Sekretäre der Organisation oder schlechthin Mitglieder der Organisation für den Fall außerordentlicher Kampfhandlungen zu ernennen - das Leben nimmt sich sein Recht, die Revolution erteilt ihre Lehren, reißt die verknöchertsten Pedanten hoch und rüttelt sie wach. Militärische Fragen müssen zur Zeit des Bürgerkrieges bis in alle Einzelheiten studiert werden, und das Interesse der Arbeiter für diese Fragen ist eine vollauf berechtigte und gesunde Erscheinung. Führungsstäbe (oder diensthabende Mitglieder der Organisationen) müssen bestimmt werden. Einteilung der Patrouillen, Einquatierung der Abteilungen – alles das sind rein militärische Funktionen, alles das sind einleitende Operationen der revolutionären Armee, alles das ist die Organisation des bewaffneten Aufstands, die Organisation der revolutionären Macht, die bei diesen kleinen Vorbereitungen, in diesen leichten Scharmützeln heranreift und erstarkt, die hier ihre Kräfte erprobt, kämpfen lernt und sich auf den Sieg vorbereitet – einen Sieg, der um so näher rückt, um so wahrscheinlicher wird, je mehr sich die allgemeine politische Krise vertieft, je mehr sich die Gärung, die Unzufriedenheit und das Schwanken in den Reihen der zaristischen Armee verstärken“ (Lenin, Band 9, Seite 197-198).
Die Kampfformen in den verschiedenen Ländern unterscheiden sich in den verschiedenen Epochen zum Teil erheblich.
Der Bürgerkrieg und der Unterschied zu anderen Kriegen
„Der Bürgerkrieg ist ernster und grausamer als jeder andere Krieg“ (Lenin, Band 29, Seite 359). In der Geschichte endeten zwischenstaatliche Kriege, Kriege der Herrschenden untereinander, wie zB die Kriege zwischen den imperialistischen Großmächten und Blöcken, immer mit Kompromissen zwischen den besitzenden Klassen, während der Bürgerkrieg keine Gefangenen macht, sondern vernichtet, die unterdrückte Klasse ihre Anstrengungen darauf richtet, die unterdrückende Klasse restlos zu vernichten, die ökonomischen Existenzbedingungen dieser Klassen zu vernichten (Lenin, ebenda).
„Der Bürgerkrieg unterscheidet sich seiner Natur nach von anderen Kriegen dadurch, dass die Kampfformen viel mannigfaltiger sind, die Zahl und die Zusammensetzung der Kämpfenden auf beiden Seiten kaum berechnet werden können und stark schwanken, die Versuche, Frieden oder auch nur Waffenstillstand zu schließen, nicht von den Kämpfenden ausgehen und sich in der absonderlichsten Weise mit den Kampfhandlungen verflechten. Zeitweilige Pausen in den Kampfhandlungen spornen besonders die „Unternehmungslust der `Friedensstifter` an“ (Lenin, Band 9, Seite 459).
„Der Bürgerkrieg unterscheidet sich von einem gewöhnlichen Krieg durch seine unermesslich größere Kompliziertheit, durch die Unbestimmtheit und Unbestimmbarkeit der am Kampf Teinehmenden – infolge des Übergehens aus dem einen Lager ins andere (...) und infolge der Unmöglichkeit, zwischen `Kombattanten` und `Nichtkombattanten` , d.h., zwischen denen, die zu den Kämpfern gehören und denen, die nicht zu ihnen gehören, eine Grenze zu ziehen. Wenn die Regierung `streikt`, wenn die Polizei, ohne sich zu rühren, `auf der Lauer` liegt, so wird der Krieg trotzdem nicht eingestellt, eben weil es ein Bürgerkrieg ist, weil es in der Bevölkerung selbst interessierte Verteidiger der alten Macht und Verteidiger der Freiheit gibt“ (Lenin, Band 10, Seite 392-393). Lenin forderte von den Revolutionären eine bewusste, ernsthafte Einstellung zu den Kampfformen des Bürgerkriegs, „Wer von der Revolution lernen will, muss sich volle Rechenschaft darüber ablegen, dass diese Kampfformen unvermeidlich sind, muss sich Gedanken über die Aufgaben machen, die uns durch diese Kampfformen auferlegt werden“ (Lenin, ebenda, Seite 393). Und wir fügen kategorisch hinzu... muss sich Gedanken über die internationalen Aufgaben machen, die uns der globalisierte Bürgerkrieg auferlegen wird.
Und Lenin stellte ferner 1906 fest:
„Die Kampfformen der russischen Revolution unterscheiden sich von denen der bürgerlichen Revolutionen Europas durch ihre riesige Mannigfaltigkeit. Kautsky hat das zum Teil vorausgesagt, als er im Jahre 1902 davon sprach, dass die kommende Revolution ( er fügte hinzu vielleicht mit Ausnahme Russlands) nicht so sehr ein Kampf des Volkes gegen die Regierung als ein Kampf des einen Teils des Volkes geegn den anderen sein wird. In Russland sehen wir zweifellos eine breitere Entfaltung dieses zweiten Kampfes als in den bürgerlichen Revolutionen des Westens. Im Volk gibt es nur wenig Feinde unserer Revolution, aber sie organisieren sich mit der Verschärfung des Kampfes immer mehr und erhalten die Unterstützung der reaktionären Schichten der Bourgeoisie. Es ist daher durchaus natürlich und unvermeidlich, dass in einer solchen Epoche, in der Epoche der das ganze Volk erfassenden politischen Streiks, der Aufstand nicht die alte Form von Einzelaktionen [In Zukunft im Weltmaßstab möglicherweise ausbrechende internationalisierte Aufstände und Bürgerkriege müssen nicht unbedingt die alte Form von Aufständen und Bürgerkriegen im engen nationalen Rahmen annehmen – Anmerkung des Verfassers] annehmen kann, die sich auf eine sehr kurze Zeitspanne und auf ein sehr kleines Gebiet beschränken. Es ist ganz natürlich und unvermeidlich, dass der Aufstand die höheren und komplizierteren Formen eines langwierigen, das ganze Land erfassenden Bürgerkriegs, dh., des bewaffneten Kampfes des einen Teils des Volkes gegen den anderen, annimmt. Einen solchen Krieg kann man sich nur vorstellen als eine Reihe von wenigen, durch verhältnismäßig große Zeitabstände voneinander getrennten großen Schlachten und eine Menge von kleineren Scharmützeln im Verlauf dieser Zwischenzeiten. Wenn das so ist – und zweifellos ist es so -, dann muss die Sozialdemokratie unbedingt ihre Aufgabe darin sehen, Organisationen zu schaffen, die in möglichst hohem Maße dazu befähigt sind, die Massen sowohl in diesen großen Schlachten als auch, nach Möglichkeit, in diesen kleineren Scharmützeln zu führen [auf internationaler Ebene die Kommunistische Internationale – Anmerkung des Verfassers]. Die Soziakldemokratie muss sich in einer Epoche, in der sich der Klassenkampf zum Bürgerkrieg [schließlich die Kommunistische Internationale in einem zukünftig wahrscheinlichen internationalen Bürgerkrieg – Anmerkung des Verfassers] verschärft hat, die Aufgabe stellen, an diesem Bürgerkrieg nicht nur teilzunehmen, sondern auch die führende Rolle in ihm zu spielen. Die Sozialdemokratie muss ihre Organisationen dazu erziehen und vorbereiten, dass sie wirklich als kriegführender Teil handeln, der keine Gelegenheit unbenutzt lässt, die Kräfte des Gegners zu schwächen. Das ist fraglos eine schwierige Aufgabe [und auf internationaler Ebene um so mehr – Anmerkung des Verfassers]. Sie kann nicht mit einem Schlag gelöst werden. Wie das ganze Volk im Verlauf des Bürgerkrieges im Kampfe umerzogen wird und auf Grund der gesamten Erfahrungen so umgebildet werden, dass sie dieser Aufgabe gerecht werden. Wir erheben nicht den gerinsgten Ansprich darauf, den Genossen, die in der praktischen Arbeit stehen, irgendeine ausgeklügelte Kampfform aufzudrängen oder gar vom Schreibtisch aus die Frage zu entscheiden, welche Rolle die einen oder anderen Formen des Partisanenkrieges im Gesamtverlauf des Bürgerkrieges in Russland spielen sollen. Uns liegt der Gedanke fern, in der konkreten Beurteilung der einen oder anderen Partisanenaktion die Frage einer Richtung in der Sozialdemokratie zu sehen. Aber wir sehen unsere Aufgabe darin, nach Maßgabe unserer Kräfte zu einer richtigen theoretischen Beurteilung der neuen Kampfformen beizutragen, die das Leben hervorbringt; wir sehen unsere Aufgabe darin, rücksichtslos die Schablonen und Vorurteile zu bekämpfen, die die bewussten Arbeiter daran hindern, diese neue und schwierige Frage in der richtigen Weise zu stellen und richtig an ihre Lösung heranzugehen“ (Lenin, Band 11, Seite 213)“. Hieran muss man natürlich auch die einst empfohlenen Kampfformen der Komintern, die sie den angeschlossenen Kommunistischen Parteien für ihre Kämpfe in ihren Ländern an die Hand gegeben hat, historisch neu beurteilen, um aus den gemachten Erfahrungen und Fehlern für unseren zukünftigen internationalen Klassenkampf zu lernen.
Der Bürgerkrieg ist ein demokratisch organisierter und geführter Krieg der unterdrückten Massen
Lenin hob hervor, dass der Bürgerkrieg gegen die Bourgeoisie ein demokratisch organisierter und geführter Krieg der Massen der Besitzlosen gegen die Minderheit der Besitzenden ist. „`Schießen Sie gefälligst zuerst, meine Herren Bourgeois!` schrieb Engels 1891, als er (und zwar mit vollem Recht) dafür eintrat, dass wir Revolutionäre die bürgerliche Legalität in der Epoche der sogenannten friedlichen konstitutionellen Entwicklung ausnutzen. Engels` Gedanke war völlig klar: Wir, die klassenbewussten Arbeiter, werden nachher schießen; für uns ist es jetzt vorteilhafter, für den Übergang vom Wahlzettel zum `Schießen` (d.h., zum Bürgerkrieg) den Zeitpunkt auszunutzen, zu dem die Bourgeoisie die von ihr geschaffene legale Basis selbst verletzt“ (Lenin, Band 21, Seite 87).
Lenin wandte sich dabei gegen jene Elemente, die den demokratischen Kampf als Argument GEGEN den Bürgerkrieg verwendeten, die den Bürgerkrieg durch den demokratischen Kampf im Sinne des Legalismus ersetzen wollten. Alle revolutionären Aktionen sind nicht nur zulässig, sondern legitim. Sie sind mehr als legitim, sie sind gebieterische Pflicht des revolutionären Weltproletariats. Hierzu, und nur hierzu, müssen alle demokratischen Mittel ausgenutzt und ausgeschöpft werden.
Der Bürgerkrieg ist kein einmaliger Akt, keine einzelne Schlacht an einer Front, sondern Ausdruck schärfster Klassenauseinandersetzungen über eine ganze Epoche hinweg, die mit der Expropriation der Weltbourgeoisie endet. Ebenso ist der Kampf um die Demokratie kein einmaliger Akt. Er endet mit dem Absterben des sozialistischen Staates, wenn der siegreiche Sozialismus weltweit dem vollständigen Kommunismus weichen wird.
„Es wäre ein großer Irrtum zu glauben, dass der Kampf um die Demokratie imstande wäre, das Proletariat von der sozialistischen Revolution abzulenken, oder auch nur diese Revolution in den Hintergrund zu schieben, zu verhüllen und dergleichen.. Im Gegenteil, wie der siegreiche Sozialismus, der nicht die vollständige Demokratie verwirklicht, unmöglich ist, so kann das Proletariat, das den in jeder Hinsicht konsequenten, revolutionären Kampf um die Demokratie nicht führt, sich nicht zum Siege über die Bourgeoisie vorbereiten“ (Lenin, Band 22, Seite 145).
„Politische Umgestaltungen in wahrhaft demokratischer Richtung, erst recht aber politische Revolutionen können keinesfalls und niemals, unter keinen Umständen die Losung der sozialistischen Revolution verdunkeln oder abschwächen. Im Gegenteil, sie bringen sie stets näher, verbreitern die Basis, ziehen neue Schichten des Kleinbürgertums und der halbproletarischen Massen in den sozialistischen Kampf hinein. Andererseits aber sind politische Revolutionen unvermeidlich im Verlauf der sozialistischen Revolution, die man nicht als einzelnen Akt betrachten darf, sondern als Epoche stürmischer politischer und ökonomischer Erschütterungen, des schärfsten Klassenkampfes, des Bürgerkriegs, der Revolutionen und Konterrevolutionen betrachten muss“ (Lenin, Band 21, Seite 342-343).
So ist auch die sozialistische WELTrevolution nicht als einzelner Akt zu betrachten, sondern als Weltepoche stürmischer politischer und ökonomischer Erschütterungen, des schärfsten internationalen Klassenkampfes, des internationalen Bürgerkrieges, der internationalen Revolutionen und Konterrevolutionen – ein weltrevolutionärer Prozess, wobei die Bedeutung der sozialistischen Weltrevolution (dialektisch betrachtet) als „qualitativer Sprung“ im Kampf der Gegensätze zwischen Weltproletariat und Weltbourgeoisie nicht vergessen werden darf. Die Lösung der Frage des demokratisch organisierten und geführten Bürgerkrieges der unterdrückten Massen bedeutet heute Lösung der Frage der proletarischen Weltrevolution.
„Das Proletariat kann nicht anders siegen als durch die Demokratie. Wir müssen den Kampf für die Demokratie vom internationalistischen Standpunkt aus führen, das heißt, nicht nur den demokratischen Kampf in jedem einzelnen Land, sondern damit verbunden den Kampf für die Weltdemokratie, die nur durch den Weltsozialismus verwirklicht werden kann. Wir müssen den weltrevolutionären Kampf gegen den Weltkapitalismus mit dem weltrevolutionären Programm und mit der weltrevolutionären Taktik in Bezug auf alle Forderungen der Weltdemokratie verbinden. Im Mittelpunkt steht dabei die Forderung nach der Expropriation der Weltkapitalisten, die Niederwerfung der Weltbourgeoisie, um alle demokratischen Forderungen in allen Ländern der Welt verwirklichen zu können. Einige dieser Forderungen werden vorher, andere während der Niederwerfung und die meisten erst danach erfüllt werden können. Es ist klar, dass man zu diesem Zweck nicht auf die gegebenenen Möglichkeiten der Ausnutzung der im Kapitalismus heute bestehenden internationalen „demokratischen“ Einrichtungen verzichten darf. Lenin lehrt:
„Der Marxismus lehrt: Der `Kampf gegen den Opportunismus` in der Form, dass man auf die Ausnutzung der von der Bourgeoisie geschaffenen und von der Bourgeoisie zum Zerrbild gemachten demokratischen Einrichtungen in der gegebenen, kapitalistischen Gesellschaft verzichtet, ist gleichbedeutend mit der völligen Kapitulation vor dem Opportunismus! Die Losung, die sowohl den schnellsten Ausweg aus dem imperialistischen Krieg als auch den Zusammenhang unseres Kampfes gegen ihn mit dem Kampf gegen den Opportunismus zeigt, ist der Bürgerkrieg für den Sozialismus. Nur diese Losung berücksichtigt richtig sowohl die Besonderheiten der Kriegszeit – der Krieg zieht sich in die Länge und droht zu einer ganzen Kriegs`epoche` zu werden! - als auch den ganzen Charakter unserer Tätigkeit als Gegengewicht gegen den Opportunismus mit seinem Pazifismus, seinem Legalismus, seiner Anpassung an die `eigene` Bourgeoisie. Aber außerdem ist der Bürgerkrieg gegen die Bourgeoisie der demokratisch organisierte und geführte Krieg der Massen der Besitzlosen gegen die Minderheit der Besitzenden. Der Bürgerkrieg ist ebenfalls Krieg, folglich muss auch er unvermeidlich die Gewalt an die Stelle des Rechts setzen. Aber die Gewalt im Namen der Interessen und Rechte der Mehrheit der Bevölkerung zeichnet sich durch einen anderen Charakter aus: sie tritt die `Rechte` der Ausbeuter, der Bourgeoisie nieder und ist nicht zu verwirklichen ohne eine demokratische Organisierung der Truppen und des `Hinterlands` . Der Bürgerkrieg expropriiert mit Gewalt sofort und in erster Linie die Banken, die Fabriken, die Eisenbahnen, die großen landwirtschaftlichen Güter usw. Aber gerade deswegen, um das alles zu expropriieren, muss man sowohl die Wahl aller Beamten durch das Volk als auch die Wahl der Offiziere durch das Volk einführen, muss man die völlige Verschmelzung der Armee, die den Krieg gegen die Bourgeoisie führt, mit der Masse der Bevölkerung sowie vollständige Demokratie in der Verfügung über die Lebensmittelvorräte, ihrer Produktion und Verteilung einführen usw. Das Ziel des Bürgerkriegs ist die Inbesitznahme der Banken, der Fabriken und Betriebe usw., die Ausschaltung jeder Möglichkeit eines Widerstandes der Bourgeoisie, die Vernichtung ihrer Truppen. Aber das Ziel ist weder von der rein militärischen noch von der ökonomischen, noch auch von der politischen Seite her zu erreichen ohne die gleichzeitige, im Verlauf eines solchen Krieges zur Entfaltung kommende Einführung und Ausbreitung der Demokratie in unserer Truppe und in unserem `Hinterland` . Wir sagen heute den Massen ( und die Massen fühlen instinktiv, dass wir Recht haben, wenn wir ihnen das sagen): `Man betrügt euch, denn man führt euch um des imperialistischen Kapitalismus willen in den Krieg und bemäntelt ihn mit den großen Losungen der Demokratie` . ` Ihr müsst und ihr werdet wirklich demokratisch Krieg führen gegen die Bourgeoisie, mit dem Ziel, Demokratie und Sozialismus tatsächlich zu verwirklichen`. Der jetzige Krieg vereint und `verschmilzt` die Völker zu Koalitionen durch Gewalt und finanzielle Abhängigkeit. Wir werden in unserem Bürgerkrieg gegen die Bourgeoisie die Völker nicht durch Gewalt des Rubels, nicht durch die Gewalt des Prügels, nicht durch Zwang, sondern durch das freiwillige Einverständnis, durch die Solidarität der Werktätigen gegen die Ausbeuter vereinigen und verschmelzen. Die Proklamation der gleichen Rechte aller Nationen ist für die Bourgeoisie zum Betrug geworden, für uns wird sie Wahrheit sein, eine Wahrheit, die die Gewinnung aller Nationen für unsere Sache erleichtern und beschleunigen wird. Ohne die demokratische Organisierung der Beziehungen zwischen den Nationen in der Praxis- und folglich auch ohne die Freiheit der staatlichen Lostrennung – ist der Bürgerkrieg der Arbeiter und der Werktätigen aller Nationen gegen die Bourgeoisie unmöglich.“ ( Lenin, Band 23, Seite 15-16).
„Es ist denkbar, dass die Arbeiter eines gegebenen Landes die Bourgeoisie niederwerfen wird, bevor sie auch nur eine einzige demokratische Umgestaltung vollständig verwirklichen. Aber es ist ganz undenkbar, dass das Proletariat, als eine geschichtliche Klasse, die Bourgeoisie besiegen könnte, wenn es dazu nicht vorbereitet wird durch die Erziehung im Geiste des konsequentesten und revolutionär entschiedensten Demokratismus“ (Lenin, Band 21, Seite 416).
Heute verstehen wir unter dem demokratisch geführten Bürgerkrieg den antifaschistisch geführten Bürgerkrieg. Ohne Faschismus ohne Militarisierung an der inneren Front kann kein imperialistischer Raubkrieg nach außen siegreich geführt werden. Der von der faschistischen Bourgeoisie verhängte innere Belagerungszustand, das Außerkraftsetzen der demokratischen Rechte, die Militärzensur erzeugt den Widerstandwillen von unten, der seinen höchsten Ausdruck in den bewaffneten Widerstandsbewegungen findet. Der demokratisch geführte Bürgerkrieg ist aber nicht identisch mit den legalen Formen des antifaschistischen Kampfes, sondern dem Wesen nach wächst der demokratisch geführte Bürgerkrieg aus der illegalen Organisierung des Massenkampfes. Der Bürgerkrieg von heute hat also den Charakter eines antifaschistischen Bürgerkrieges, ist der bewaffnete Kampf gegen den Faschismus an der inneren Front. Der antifaschistische Bürgerkrieg ist ein Klassenkrieg für den Sozialismus. Und zwar nicht nur der Form nach im gesamtnationalen Rahmen, sondern dem Wesen nach im internationalen Maßstab. Der heutige antifaschistische Bürgerkrieg ist dem Wesen nach also ein internationaler Bürgerkrieg, ist Bestandteil der sozialistischen Weltrevolution, ist der demokratisch geführte und organisierte Weltkrieg der unterdrücktren und ausgebeuteten Massen der ganzen Welt zum Sturz des Weltkapitalismus.
Lenin richtete sich gegen Bestrebungen der Bourgeoisie, den proletarischen Kampf im Bürgerkrieg umzuwandeln in eine gesamtnationale Revolution, die Klassengegensätze zu vertuschen und mit der gesamtnationalen Klassenbefriedung das Proletariat der bürgerlichen Demokratie unterzuordnen, es sich zu einem nützlichen Anhängsel zu machen (sprich: das Proletariat als Klasse politisch zu isolieren!):
„Die Umwandlung des illegalen revolutionären Kampfes aber in die gesamtnationale bürgerliche Revolution ist purer Unsinn. Der reale Sinn dieser Betrachtung jedoch liegt in dem Bestreben, den Standpunkt des Proletariats durch den Standpunkt der bürgerlichen Demokratie zu ersetzen (...) Den Begriff des Bürgerkriegs übermäßig zu erweitern, ist nur für jene von Vorteil, die die besonderen Aufgaben der Arbeiterpartei in der Periode des wirklichen Bürgerkriegs ignorieren“ (Lenin, Band 11, Seite 244).
Bürgerkrieg ist Revolution während des Krieges
Bürgerkriege sind umgewandelte imperialistischen Kriege
Losung: „Bürgerkriege gegen die gesamte `zivilisierte` Welt der Bourgeoisie statt `Burgfrieden` mit ihr !“
„Die Umwandlung des imperialistischen Krieges in den Bürgerkrieg kann ebensowenig `gemacht` werden, wie man Revolutionen `machen` kann – sie wächst heraus aus einer ganzen Reihe von mannigfaltigen Erscheinungen, Seiten, Zügen, Merkmalen und Folgen des imperialistischen Krieges. Und ein solches Heranwachsen ist unmöglich ohne eine Reihe von militärischen Misserfolgen und Niederlagen eben der Regierungen, denen ihre eigenen unterdrückten Klassen Schläge versetzen“ (Lenin, Band 21, Seite 276).
Wir hatten bereits hervorgehoben, dass Lenin die Frage der Vaterlandsverteidigung als Kardinalfrage während des imperialistischen Krieges betrachtete. Dies tat er auch in Anbetracht der Umwandlung des imperialistischen Krieges in den Bürgerkrieg:
„Das Proletariat ist gegen die Vaterlandsverteidigung in diesem imperialistischen Krieg, und zwar in Anbetracht seines räuberischen, sklavenhalterischen, reaktionären Charakters, in Anbetracht der Möglichkeit und Notwendigkeit, ihm den Bürgerkrieg für den Sozialismus entgegenzustellen (und seine Umwandlung in diesen Bürgerkrieg anzustreben)“ (Lenin, Band 22, Seite 319).
Die unterdrückten Klassen innerhalb der „zivilisierten“ Welt müssen gemeinsam der gesamten „zivilisierten“ Welt Schläge versetzen, müssen den „zivilisierten“ Kriegen Schläge versetzen, müssen eine innere Klassenkriegsfront zentralisiert aufbauen, um den internationalen Bürgerkrieg innerhalb der „zivilisierten Welt“ zu erleichtern und zu beschleunigen. Weltkrieg bedeutet Weltbürgerkrieg, Weltbürgerkrieg bedeutet Weltrevolution.
„Als erste Schritte in Richtung auf die Umwandlung des gegenwärtigen imperialistischen Krieges in den Bürgerkrieg sind zu bezeichnen:
1. unbedingte Ablehnung der Kriegskredite und Austritt aus den bürgerlichen Kabinetten;
2. völliger Bruch mit der Politik des `nationalen Friedens` (bloc national, Burgfrieden);
3. Bildung illegaler Organisationen überall dort, wo Regierung und Bourgeoisie unter Verhängung des Belagerungszustandes die verfassungsmäßigen Freiheiten aufheben;
4. Unterstützung der Verbrüderung der Soldaten der kriegführenden Nationen in den Schützengräben und auf den kriegsschauplätzen überhaupt;
5. Unterstützung aller revolutionären Massenaktionen des Proletariats überhaupt“ (Lenin, Band 21, Seite 150).
„Das durch den Krieg hervorgerufene äußerste Elend der Massen muss zwangsläufig revolutionäre Stimmungen und Bewegungen erzeugen, zu deren Verallgemeinerung und Lenkung die Losung des Bürgerkriegs dienen soll.
„Revolution während des Krieges ist Bürgerkrieg, aber die Umwandlung des Krieges der Regierung in den Bürgerkrieg wird einerseits durch militärische Misserfolge (durch die `Niederlage`) der Regierungen erleichtert; andererseits ist es faktisch unmöglich, eine solche Umwandlung anzustreben, ohne damit zu der Niederlage beizutragen.
Vor der `Losung` der Niederlage bekreuzigen sich die Chauvinisten (...) eben deshalb, weil einzig und allein diese Losung die konsequente Aufforderung zu revolutionären Aktionen gegen die eigene Regierung während des Krieges bedeutet. Ohne solche Aktionen aber sind Millionen von höchst rrrrevolutionären Phrasen über den Krieg gegen den `Krieg und die Verhältnisse usw.` keinen roten Heller wert.
Wer die `Losung` Niederlage der eigenen Regierung im imperialistischen Krieg ernsthaft widerlegen wollte, der müsste eines von drei Dingen beweisen: entweder
1. dass der Krieg 1914/1915 nicht reaktionär ist; oder
2. dass die Revolution im Zusammenhang mit dem Krieg unmöglich ist; oder
3. dass ein gegenseitiges Einvernehmen und Zusammenwirken der revolutionären bewegung in allen kriegführenden Ländern unmöglich ist.“ (Lenin, Band 21, Seite 274-275).
Wer heute die Losung der Niederlage der gesamten „zivilisierten“ Welt, die Losung der Niederlage aller imperialistischen Großmächte ernsthaft widerlegen wollte, der müsste eines von drei Dingen beweisen:
entweder
1. dass die Raubkriege der Imperialisten nicht reaktionär sind; oder
2, dass die sozialistische Weltrevolution im Zusammenhang mit den imperialistischen Raubkriegen unmöglich ist: oder
3. dass das Einvernehmen, Zusammenwirken und zentralisiert organisierte Vorgehen der revolutionären Weltbewegung gegen die imperialistischen Raubkriege unmöglich ist.
Vereinbarungen über internationale revolutionäre Aktionen gegen imperialistische Kriege, gegen die kriegführenden Regierungen und ebenso gegen diejenigen Regierungen, die Raubkriege billigen oder dulden, wirken nur vermittels des BEISPIELS ernster revolutionärer internationaler Aktionen, ihrer praktischen Inangriffnahme, Ausweitung und Fortentwicklung. Eine solche Inangriffnahme ist aber wiederum unmöglich ohne Mitwirkung an der Niederlage der gesamten „zivilisierten“ Welt. Es ist unsere Aufgabe als Marxisten-Leninisten, den Hass gegen die Weltimperialisten insgesamt zu wecken und die internationale Taktik des revolutionären bewaffneten Kampfes zu propagieren und zu diesem bewaffneten Kampf auch tatsächlich beizutragen. Das ist eine schwierige Aufgabe, aber eine Aufgabe, die des Weltproletariats würdig ist, die einzig kommunistische Aufgabe.
Die Gegner der Losung der Niederlage der imperialistischen Welt haben einfach vor sich selber Angst, wenn sie der sonnenklaren Tasache, dass zwischen revolutionärer Agitation und Propaganda gegen alle imperialistischen Regierungen und Mitwirkung an ihrer Niederlage durch revolutionäre internationale Aktionen ein untrennbarer Zusammenhang besteht, nicht offen ins Auge schauen wollen. „Die Losung der Niederlage ablehnen heißt, seinen Revolutionismus zu einer leeren Phrase oder zu bloßer Heuchelei machen“ (Lenin, Band 21, Seite 276).
Es ist Einvernehmen und Zusammenwirken der revolutionären Bewegungen in den unterdrückten Ländern mit den sozialistischen Bewegungen in den unterdrückenden Ländern nicht nur möglich, sondern auch notwendig, um die Niederlage des Weltimperialismus herbeizuführen. Jeder Internationalist muss heute für die anti-imperialistische Einheitsfront der gesamten revolutionären Weltbewegung gegen den gesamten Weltimperialismus, einschließlich aller seiner Regierungen, organisiert kämpfen. Das Weltproletariat kann heute in jedem reaktionären Krieg nicht umhin, allen reaktionären, kriegführenden Regierungen der ganzen Welt ihre gemeinsame Niederlage nicht nur zu wünschen, sondern daran auch praktisch mitzuwirken. Um keinerlei Missverständnisse aufkommen zu lassen: Das Weltproletariat kämpft nicht für die Niederlage des „stärkeren“ gegenüber den „schwächeren“ imperialistischen Staaten, nicht für die Niederlage des einen imperialistischen Bündnisses über eines anderen, sondern gegen den Burgfrieden mit der Bourgeoisie in ausnahmslos allen imperialistischen Staaten, gegen den Weltburgfrieden mit der imperialistischen Welt, sowohl in ihrer Gesamtheit als auch gegen den Burgfrieden mit jedem einzelnen aller ihrer Kettenglieder. Anders kommt man nicht an die sozialistische Revolution heran.
„Genau betrachtet, bedeutet die Losung den `Burgfrieden`, die Lossagung vom Klassenkampf der unterdrückten Klasse in allen kriegführenden Ländern, denn der Klassenkampf ist unmöglich ohne Schläge gegen die `eigene` Bourgeoisie und die `eigene` Regierung, versetzt man aber der eigenen Regierung in Kriegszeiten einen Schlag so ist das Hochverrat (...), so ist das Mitwirkung an der Niederlage des eigenen Landes. Wer die Losung `weder Siege noch Niederlagen` vertritt, der kann nur heuchlerisch für den Klassenkampf, für den `Bruch des Burgfriedens` eintreten, der verzichtet praktisch auf eine selbständige proletarische Politik und ordnet das Proletariat aller kriegführenden Länder der durchaus bürgerlichen Aufgabe unter, die betreffenden imperialistischen Regierungen vor Niederlagen zu bewahren. Die einzige Politik, die in der Tat, nicht in Worten, den Bruch des `Burgfriedens` und die Anerkennung des Klassenkampfes bedeutet, besteht darin, dass das Proletariat die Schwierigkeiten der eigenen Regierung und der eigenen Bourgeoisie ausnutzt, um sie zu stürzen. Das kann man aber nicht erreichen, ja das kann man nicht anstreben, ohne dass man die Niederlage der eigenen Regierung wünscht, ohne dass man an dieser Niederlage mitwirkt“ (Lenin, Band 21, Seite 277).
Internationale revolutionäre Aktionen sind Hochverrat gegenüber der ganzen „zivilisierten“ Welt („Wer nicht für uns ist, ist gegen uns“ - Bush), so wie auch Verbrüderung in den Schützengräben, Verbrüderung zwischen den Proletariern in den unterdrückenden und den unterdrückten Ländern in den Augen der Weltimperialisten Hochverrat ist. Aus Sicht des Weltimperialismus ist internationaler Bürgerkrieg Hochverrat, für das Weltproletariat ist der Weltburgfrieden Hochverrat, denn der Bürgerkrieg wälzt die bestehende imperialistische Weltordnung gewaltsam um, während diese Ordnung selber an einer Befriedung der Klassen interessiert ist, um den alten Zustand aufrechtzuerhalten oder wieder herzustellen.
„Der Proletarier kann nicht seiner Regierung einen Schlag im Interesse der eigenen Klasse versetzen oder seinem Bruder, dem Proletarier des `fremden` , mit `uns` kriegführenden Landes (in der Tat) die Hand hinstrecken, ohne `Hochverrat` zu begehen, ohne an der Niederlage mitzuwirken, ohne zum Zerfall der `eigenen` imperialistischen `Groß`macht beizutragen. Wer für die Losung `weder Siege noch Niederlagen` eintritt, der ist ein bewusster oder unbewusster Chauvinist, der ist bestenfalls ein versöhnlerischer Kleinbürger, in jedem Fall aber ein Feind der proletarischen Politik, ein Anhänger der jetzigen Regierungen, der jetzigen herrschenden Klassen“ (Lenin, Band 21, Seite 277- 278).
Lenin hat immer wieder betont, dass der Bürgerkrieg gegen die eigene Bourgeoisie der Prüfstein im Kampf gegen den Sozialchauvinusmus ist. Für einen solchen Bürgerkrieg im eigenen Land zu sein, das macht allein abe