Schulungstexte der Komintern/ML




V. Teil

Lehrbuch

über die marxistisch-leninistischen Grundlagen der

weltproletarischen Militärwissenschaft

und über die Kunst der

weltrevolutionären Klassenkriegsführung







Stalin

Oberbefehlshaber der größten und besten Armee der Weltgeschichte

Klassiker der marxistisch-leninistischen Kriegswissenschaft

und der

sozialistischen Volkskriegskunst

(dieses Stalinkapitel ist noch nicht fertiggestellt)

Stalin: Für die Partei das Leben und das Blut Tropfen für Tropfen einsetzen - Patriotismus und falsches Heldentum

Stalins Revolutionierung des Militärwesens (kleines politisches Wörterbuch)

Dzierzynski (Stalin Band 8, Seite 172)

Frunse (Stalin Band ?)

Worischilow ( Stalin Band ?)

Kein anderer wie Stalin beherrschte sowohl die Kunst der Führung des friedlichen Aufbaus des Sozialismus, als auch die Kunst der Führung des proletarischen Bürgerkrieges, des sozialistischen Volkskrieges und der Befreiungskriege der Völker gegen Imperialismus und Faschismus.

Die Stalinsche Kriegswissenschaft und Kriegskunst ist unbesiegbar, weil sie richtig ist. Kein anderer wie Stalin hat sowohl der Welt der Arbeiter, den Unterdrückten und Ausgebeuteten , ebenso wie der Bourgeoisie, den Ausbeutern und Unterdrückern, bewiesen und der ganzen Welt historisch vor Augen gehalten, dass ein einziges sozialistisches Land mit dem militärischen Bündnis der gesamten kapitalistischen Welt nicht nur einmal fertig geworden ist. Auch der grausamste, barbarischste Faschismus konnte an der Unbesiegbarkeit des Sozialismus nicht rütteln. Das ist auch heute noch von großer welthistorischer Bedeutung, schöpfen wir daraus doch Hoffnung und Zuversicht, nutzen wir die militärischen Lehren Stalins als Anleitung, um den Sozialismus zurückzuerobern und ihn auch im internationalen Maßstab aufzubauen. Stalin ist aus beiden imperialistischen Weltkriegen als Sieger hervorgegangen. Selbst im bürgerlichen Lager, das niemanden mehr hasst als die Person Stalins, gibt es Vertreter - darunter nicht nur Militärfachleute -, die Stalins überragende militärische Führungsqualitäten anerkennen und würdigen. Stalin ist tot, aber die Weltimperialisten haben nie aufgehört, ihn zu fürchten und zu hassen, weswegen sie uns, die wir von Stalin auch militärisch lernen, bis aufs Messer bekämpfen. Von Stalin das Kriegshandwerk erlernen heißt, den militärischen Sieg der Weltrevolution zu erringen. Es ist also die Aufgabe der Marxisten-Leninisten, stets die Stalinsche Kriegswissenschaft gegen die bürgerliche (einschließlich der revisionistischen und neo-revisionistischen) Geschichtsfälschung, sowie gegen die anti-stalinistische Hetzpropaganda zu verteidigen und uns darauf zu konzentrieren, seine Kriegskunst zu erlernen, wobei die Beherrschung der ideologischen Kriegsführung eine zentrale Rolle spielt. Die Wirkung jeder Waffe hängt davon ab, welche Hand sie geschmiedet hat und wessen Hand sie führt (siehe Stalin Band 14, Seite 20).

Die Stalinsche Kriegswissenschaft und die sowjetische Kriegskunst war der reaktionären, unwissenschaftlichen Kriegsideologie des Imperialismus, insbesondere des deutschen Faschismus, haushoch überlegen, was durch den Sieg im Zweiten Großen Vaterländischen Krieg glänzend unwiderlegbar bewiesen wurde. „Vorbei ist es mit dem Geschwätz von der Unbesiegbarkeit der deutschen Truppen“ (Stalin). „Heute haben die Deutschen nicht mehr den militärischen Vorsprung, den sie infolge des wortbrüchigen und überraschenden Überfalls in den ersten Kriegsmonaten hatten. Das Moment der Überrumpelung und des Unerwarteten als Reserve der faschistischen deutschen Truppen ist vollständig verausgabt. Dadurch ist jene Ungleichheit in den Kampfbedingungen beseritigt, die durch die Überrumpelung des faschistischen deutschen Überfalls geschaffen worden war. Nunmehr wird das Schicksal des Krieges nicht durch solch ein zufälliges Moment wie das Moment der Überrumpelung entschieden werden, sondern durch die ständig wirkenden Faktoren: die Festigkeit des Hinterlandes, die Moral der Armee, die Quantität und Qualität der Divisionen, die Bewaffnung der Armee, die organisatorischen Fähigkeiten des Kommandobestandes der Armee. Dabei ist ein Umstand hervorzuheben: Es braucht nur das Moment der Überrumpelung aus dem Arsenal der Deutschen zu verschwinden, damit die faschistische deutsche Armee vor einer Katastrophe stand“ (Stalin, Werke Band 14, Seite 264, dt. Ausgabe, KPD/ML).

Die Kriegskunst des deutschen Generalstabes stützte sich auf die „klassischen“ Kriegslehren von Clausewitz, die, wie Stalin in seinem Brief an Oberst Rasin 1946 ausführte, noch das „Manufakturzeitalter des Krieges“ vertreten und daher natürlich jetzt, im „maschinellen Zeitalter des Krieges“ veraltet sind. Überdies hat der faschistische Generalstab nicht einmal vermocht, sich auf der Höhe der Kriegslehren von Clausewitz, Moltke und Schlieffen zu bewegen. Mit vollem Recht hat Marschall Woroschilow ausgeführt:

„Die faschistische Generalität hat im ganzen Verlauf des Zweiten Weltkrieges mit ihrer Kriegskunst, der eine reaktionäre idealistische Weltanschauung zu Grunde lag, nichts Neues den allgemeinen Grundsätzen der Kriegskunst bürgerlicher Staaten hinzugefügt, und sie konnte auch nichts Neues hinzufügen. Das Höchste, wozu sich die faschistischen Militärs aufschwangen, war die nochmalige Zuflucht zu der Idee des `Blitzkrieges` , die bereits im ersten Weltkrieg bankrott gemacht hatte – eine Idee, in der sich die den deutschen Militärs anhaftende Unfähigkeit ausdrückte, sich auf das Niveau einer wissenschaftlichen Auffassung moderner Kriegsführung zu erheben (...). Wirkliche Kriegswissenschaft beruht auf der richtigen Erkenntnis der gesellschaftlichen Entwicklungsgesetze. Sie wurde gleichzeitig mit der Machtergreifung durch die Arbeiterklasse geboren, entwickelte sich und erstarkte auf der Grundlage der sowjetischen Staatsordnung. So entscheidende Elemente des neuen sozialistischen Systems der Gesellschaftsordnung wie die Planwirtschaft, die neuen Produktivkräfte und Produktionsverhältnisse der Menschen, die neue Ideologie und Moral bilden das Fundament, auf der das ganze Gebäude der Stalinschen Kriegswissenschaft ruht. Sie stellt ein wohlgeordnetes System einer wirklich wissenschaftlichen Kenntnis des gesamten Fragenkomplexes des modernen Krieges dar und umfasst neben rein militärischen Elementen wie Strategie, operative Kriegskunst, Taktik, Formierung und Ausbildung der Truppen auch eine Reihe sozialpolitischer, ökonomischer und moralischer Faktoren in ihrer Gesamtheit wie ihrer Wechselwirkung und ihrem bestimmenden Einfluss auf das Kriegswesen als solches (...)“ (K.J. Woroschilow, Stalin und die Streitkräfte der UdSSR, Berlin 1933, Seite 86).

Ziel Stalins war, die Befreiung der Sowjetunion von den faschistischen Eindringlingen, Befreiung der Völker, Zerschlagung des Faschismus in dessen eigenem Land.

„Die Kraft des Sowjetpatriotismus liegt darin, dass ihm nicht rassenmäßige oder nationalistische Vorurteile zu Grunde liegen, sondern die tiefe Hingabe des Volkes an seine Sowjetheimat und seine Treue zu ihr, die brüderliche Gemeinschaft der Werktätigen aller Nationen unseres Landes. Im Sowjetpatriotismus paaren sich harmonisch die nationalen Traditionen der Völker und die gemeinsamen Lebensinteressen aller Werktätigen der Sowjetunion. Der Sowjetpatriotismus entzwit nicht, im Gegenteil: Er schweißt alle Nationen und Völkerschaften unseres Landes zu einer einigen, brüderlichen Familie zusammen. Darin sind die Grundlagen des unzerstörbaren und immer mehr erstarkenden Freundschaft der Völker der Sowjetunion zu erblicken“ (Stalin, „Über den Großen Vaterländischen Krieg der Sowjetunion“, Seite 184/185).







23. Februar 1939 – Fahneneid – verfasst von J. W. Stalin:

„Ich, Bürger der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken, leiste beim Einrtitt in die Reihen der Roten Armee der Arbeiter und Bauern den Fahneneid und schwöre feierlich, stets ein ehrlicher, tapferer, disziplinierter, wachsamer Soldat zu sein, Militär- und Staatsgeheimnisse streng zu wahren, alle militärischen Dienstanordnungen und Befehle der Kommandeure, Kommissare und Vorgesetzten widerspruchslos auszuführen.

Ich schwöre, die Kriegskunst gewissenhaft zu erlernen, das Armee- und Volkseigentum mit allen Kräften zu hüten und bis zum letzten Atemzug meinem Volk, meiner Sowjetheimat und der Arbeiter- und Bauernregierung treu zu sein.

Ich bin immer bereit, auf Befehl der Arbeiter- und Bauernregierung für die Verteidigung meiner Heimat, der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken, einzutreten und schwöre als Soldat der Roten Armee der Arbeiter und Bauern, sie tapfer, umsichtig, mit Ehre und Würde zu verteidigen, ohne mein Blut oder sogar mein Leben zu schonen, zur Erringung eines vollen Sieges über die Feinde.

Wenn ich diesen meinen feierlichen Eid jedoch böswillig breche, so mögen mich die strenge Strafe des sowjetischen Gesetzes, der allgemeine Hass und die Verachtung der Werktätigen treffen“ (Unterschrift: Stalin) [aus: K.J. Woroschilow, Stalin und die Streitkräfte der UdSSR, Berlin, 1953, Seite 60/61 zitiert aus Stalin Werke, Band 14, herausgegeben von der KPD/ML, Seite 178/179).)



Stalin: Für die Partei das Leben und das Blut Tropfen für Tropfen einsetzen - Patriotismus und falsches Heldentum



Stalin hat noch kurz vor seinem Tode die Weltimperialisten davor gewarnt, einen Dritten Weltkrieg zu entfesseln. Wir werden Stalins Vermächtnis erfüllen, den imperialistischen Räubern die Waffen aus der Hand zu schlagen, auch die ideologischen Waffen der revisionistischen Verfälschung der Stalinschen Kriegswissenschaft und Volkskriegskunst.



Stalin war Oberster Politischer Kommussar der 10. Armee unter dem Befehl des damaligen Wachtmeisters Kliment J. Woroschilow. Auf Wunsch b von Trotzki befahl Lenin Stalin nach Moskau zurück. (Trotzki—Biographie). Stalin soll im Polenfeldzug angeblich Budjony befohlen haben, nach Lemberg einzumarschieren während Tuchatschewaki mit Trotzki Warschau nahmen. „Stalin neidete die steile Karriere des 26 jährigen Tuchatschewski“ und wollte „selber Lorbeeren pflücken“. „Pilsudski stieß in die Lücke und bereitete der Roten Armee eine Niederlage. Stalin wurde von Lenin und Tuchatschewski beschuldigt, die Niedererlage herbeigeführt zu haben. Stalin ließ dafür Trotzki und Tuichatschewski umnringen und übertrug seinen Hass auf Polen.1940 befahl Stalin die Ermordung von 14 500 polnischen Offizieren 4000 Leichen in Katyn..“ (alles Trotzki-Biographie-Zitate)

Genosse Stalin sagte über die Kunst der Führung:

„Die Kunst der Führung ist eine ernste Sache. Man darf nicht hinter der Bewegung zurückbleiben, denn zurückbleiben heißt, sich von den Massen loslösen. Man darf aber auch nicht vorauseilen, denn vorauseilen heißt, die Verbindung mit den Massen verlieren. Wer die Bewegung führen und zu gleicher Zeit die Verbindung mit den Millionenmassen bewahren will, der muss den Kampf an zwei Fronten führen – sowohl gegen die Zurückbleibenden als auch gegen die Vorauseilenden“ (Stalin, Fragen des Leninismus“, Moskau 1943, Seite 354).

„Man kann keine Offensive führen, ohne die eroberten Positionen zu befestigen, ohne die Kräfte umzugruppieren, ohne der Front Reserven zu sichern, ohne die Etappen nachzuschieben“ (Stalin, 3. April 1930, Band 12, Seite 189).







Enver Hoxha

(dieses Enver Hoxha-Kapitel ist leider auch noch nicht fertiggestellt)

– der treueste Schüler Stalins und Anführer der Stoßbrigade der revolutionären Weltbewegung

- Klassiker des Kampfes gegen den modernen Revisionismus an der Macht

- Meister der Volkskriegs-Kunst, einen antifaschistischen Befreiungskrieg in eine Volksrevolution zu verwandeln, die zur Errichtung der Diktatur des Proletariats und zum Sieg des Sozialismus führt;

- Meister der Verteidigungs-Kunst des Sozialismus, selbst ein kleines Land, gestützt auf die eigene Kraft gegen die gesamte imperialistische und sozialimperialistische Welt erfolgreich zu schützen

Befehl von Enver an Mehmet Shehu, die Kader nicht sinnlos opfern Band I, Seite 248-249

Genosse Enver Hoxha sprach übrigens von den „Weltmarschällen“ und von den „Feldherren“ Marx, Engels, Lenin und Stalin“ (Betrachtungen über China, Band I, Seite 170).

„Wie jede andere Wissenschaft ist auch die Militärwissenschaft in ständiger Entwicklung begriffen. Die wissenschaftlich-technische Revolution kann vor der Armee nicht Halt machen. Im Gegenteil sie ist unbedingt notwendig und empfehlenswert, um jedes Fachgebiet der Armee zu vervollkommnen. Ohne die wissenschaftlich-technische Revolution kann man wie überall auch in der Armee nicht voranschreiten (...)

Der Marxismus-Leninismus lehrt uns, dass alles voranschreitet, daher dürfen wir auch unsere Volkskriegskunst nicht als Dogma, als etwas Starres betrachten, denn es kann Menschen geben, die meinen, man müsse sie auswendig lernen, man dürfe bei ihrer Anwendung auf die jeweilige konkrete Situation keine Komma ändern; und es gab auch jene, wie den Verräter Beqir Balluku, samt den anderen Verrätern, Petrit Dume und Hito Çako, die den Plan hatten, unsere Volkskriegskunst zu liquidieren und durch eine kapitulationistische Kriegskunst zu ersetzen“ (Enver Hoxha, Ansprache zum 35. Jahrestag der albanischen Volksarmee).

Es soll nicht unerwähnt bleiben, dass die Wissenschaften von der militärischen und der ideologischen Kriegsführung des Proletariats untrennbar miteinander verknüpft sind und sich gegenseitig befruchten. Es ist bekannt, dass die Klassiker im ideologischen Kampf häufig militärische Terminie verwendeten und den ideologischen Kampf auch mit militärischer Disziplin und Härte verfochten. Es ist ferner bekannt, dass es für die Kommunisten keine einzige militärische Kriegshandlung gibt, die nicht ideologisch durchdacht und durchdrungen ist. Die Kriegspropaganda, die psychologische Kriegsführung usw. spielen eine wichtige Rolle in jedem Krieg, den das Proletariat führt. „Verwandlung der Waffe der Kritik in die Kritik der Waffen“, ist ein Satz, den Marx prägte und der kurz und knapp deutlich macht, was gemeint ist, nämlich: wird die revolutionäre Theorie von den Massen begriffen, verwandelt sie sich in materielle revolutionäre Gewalt. Die Wissenschaft von der proletarischen Kriegskunst ist für das Proletariat eine Anleitung zur Anwendung der Kriegskunst im Klassenkampf.



Eine Grundlehre des Kommunismus besagt:

Die Waffen des Kapitals, des Eigentums lassen sich nicht vereinigen. Sie sind zum Scheitern verurteilt , weil Eigentum trennt und die Menschen zu Bestien macht. Arbeit aber eint. Die Waffen des Proletariats vereinigen sich bis zum endgültigen Sieg, denn mit jedem Sieg über den gemeinsamen Feind, gewinnt das Weltproletariat Zuwachs von allen unterdrückten und ausgebeuteten Klassen der Welt. Privateigentum ist Diebstahl, und eine Armee, die sich auf Vermehrung und Schutz von Privateigentum gründet, ist eine Armee von Räubern, die sich um die Beute streiten. Und bevor die imperialistischen Armeen den Krieg gegen den Kommunismus beendet haben, beginnen sie bereits, einen Kampf untereinander zu führen.







3. Kapitel

Die militärischen Kampfformen

und Waffen

der revolutionären Arbeiterklasse und der revolutionären Völker



Dialektikischer Materialismus und bewaffneter Klassenkampf

Wir können insbesonder im Kapitalismus, also in einer Gesellschaft mit antagonistischen Widersprüchen, nicht einen bewaffneten vom „friedlichen“ Klassenkampf abgrenzen oder ihm gegenüberstellen, weil der Klassenkampf nie friedlich verlaufen kann, denn es ist nun einmal im Wesentlichen die Gewalt, die die Triebfeder des Klassenkampfes darstellt. Die Ebbe darf nie als Milderung des Klassenkampfes angesehen werden, weil damit dem Klassenfeind Gelegenheit zum Angriff gegeben wird. Also auch in den Zeiten der revolutionären Ebbe kann man genau genommen nicht vom „friedlichen Klassenkampf“ sprechen, weil das Wesen des Klassenkampfes auch in diesen Zeiten alles andere als „friedlich“ ist. Wenn also die Revisionisten vom „Frieden“ , „friedlicher Koexistenz“ usw. usf. sprechen, dann meinen sie damit die Entwaffnung der Arbeiterklasse, versuchen sie die Arbeiterklasse dazu zu bewegen, den Klassenkampf aufzugeben, sich mit der herrschenden Klasse der Bougeoisie abzufinden und zu versöhnen und damit an den Kapitalismus zu ketten oder: sie beteuern zwar, den Klassenkampf anzuerkennen, aber klammern Anwendung von Gewalt“ dabei aus, was auf das Gleiche hinausläuft, nur geschickter in einer radikaleren Mogelpackung angeboten. Zwischen antagonistischen Klassen gibt es keine Klassenversöhnung, schließt der Klassenkampf jegliche Klassenversöhnung absolut aus, macht diese unmöglich. Willkürlich die bewaffneten Formen des Klassenkampfes auszuklammern ist genauso unmöglich wie den Klassenkampf selbst auszuklammern. Inhalt und Form des bewaffneten Kampfes zwischen antagonistischen Klassen sind gebunden am System des Kapitalismus, aus dem sie hervorgehen bzw. durch das sie untergehen. Man darf nicht das Wesen der bewaffneten proletarischen Kampfformen unter dem Deckmantel einer Kritik an den Formen preisgeben – das ist Revisionismus. Die Form steht dem Inhalt nicht beziehungslos gegenüber, kann nicht mit einem beliebigen Inhalt „ausgefüllt“ werden, sondern wird wesentlich vom Inhalt bestimmt. Form und Inhalt des bewaffneten Klassenkampfes bedingen sich wechselseitig, sowohl der bewaffnete Klassenkampf des Proletariats als auch der bewaffnete Klassenkampf der Bourgeoisie. Der Charakter der Organisation einer jeden Armee wird unvermeidlich durch den Inhalt ihres organisierten Kampfes bestimmt.

Wenn wir hier von Form und Inhalt des bewaffneten Klassenkampfes sprechen, so betrachten wir deren Zusammenhang für den Zeitraum, für die Entwicklungsstufe, für die Periode des Klassenkampfes, in der der Kampf objektiv nicht anders als mit militärischen und gewaltsamen Mitteln fortgesetzt werden kann, im Zeitraum der revolutionären Erhebungen der Massen. Die Massen aber können sich erst revolutionär erheben, wenn dafür die objektiven Bedingungen reif sind, wenn die Epoche sozialer Revolution eintritt, nämlich erst und nur auf jener Stufe, wo die Entwicklung der Produktivkräfte „in Widerspruch mit den vorhandenen Produktionsverhältnissen geraten oder, was nur ein juristischer Ausdruck dafür ist, mit den Eigentumsverhältnissen, innerhalb deren sie sich bisher bewegt hatten. Aus Entwicklungsformen der Produktivkräfte schlagen diese Verhältnisse in Fesseln derselben um“ (Marx, Zur Kritik der Politischern Ökonomie). Die ökonomischen Formen der revolutionären Umwälzung bestimmen die Formen des Bewusstseins über diese Umwälzung und damit über die bewaffneten Formen des Klassenkampfes, mit denen die Proletarier, die Massen, diese gesetzmäßig auftretenden ökonomischen revolutionären Umwälzungen ausfechten. Das kündigt sich im Weltmaßstab an: Wenn sich vor unseren Augen Formen der Produktionsweise entwickelt haben, durch die sich die Weltproduktion auf einer Stufe vergesellschaftet hat, wo die Produktivkräfte in Widerspruch mit den alten privatwirtschaftlichen und Privateigentumsverhältnissen geraten, wenn diese der neuen globalen Produktionsweise nicht mehr entsprechen und zu deren Fesseln werden, dann sind diese unvermeidlich in Fäulnis und Gärung übergegangen, weil ihre Beseitigung künstlich, gewaltsam, durch Kriege usw. verzögert wurden. Dieser Zustand der Gärung hat aber bislang besonders deswegen so lange angehalten, weil die Hülle des Privateigentums mit Hilfe des Revisionismus eine Zeit lang aufrechterhalten werden konnte, aber dieser besondere Umstand der Gärung bringt die Privateigentumsverhältnisse des Weltimperialismus um so schneller und gewaltiger zum Platzen – die internationale Form der ökonomischen revolutionären Umwälzung wird auch das internationale Bewusstsein über diese ökonomische, weltrevolutionäre Umwälzung bestimmen und damit auch die internationalen Formen des bewaffneten Klassenkampfes, mit denen die alten Produktionsverhältnisse auf der ganzen Welt beseitigt werden. Restlos alle Formen des bewaffneten Klassenkampfes, die neuen wie die alten, werden vom zukünftigen internationalen bewaffneten Klassenkampf aufgenommen, entwickelt, umgemodelt, untergeordnet und in den Dienst der sozialistischen Weltrevolution gestellt werden, „in den Dienst des vollen und endgültigen, entscheidenden und unumstößlichen Sieg des Kommunismus“ (Lenin, Band 31, Seite 91).

„Jede Krise, ja sogar jede Wendung in der Entwicklung führt unvermeidlich dazu, dass die alte Form dem neuen Inhalt nicht mehr entspricht“ (Lenin, Band 21, Seite 437). „Kampf des Inhalts mit der Form und umgekehrt. Abwerfen der Form, Umgestaltung des Inhalts“ (Lenin, Band 38, Seite 214). Innerhalb ihrer dialektischen Einheit bilden Inhalt und Form des bewaffneten Klassenkampfes Gegensätze. Der Inhalt ist das Bestimmende, bewegliche Element in dieser Wechselwirkung. Die Formen des bewaffneten Klassenkampfes sind hingegen relativ stabil, langlebiger als der Inhalt [so eben auch die bewaffneten Formen des Klassenkampfes in einem einzelnen Land]. Die Entwicklung des bewaffneten Kampfes führt deshalb an einem bestimmten Punkt der Weltrevolution zur Zuspitzung der Widersprüche zwischen dem sich rasch entwickelnden Inhalt und der relativ stabilen Form. Schließlich wird die alte Form zerstört, der neue Inhalt schafft sich eine neue Form – Aus diesem Grund sprechen wir hier in diesem Lehrbuch immer in Hinblick auf die internationale Form des bewaffneten Klassenkampfes.

Lenin sprach von verschiedenen „Formen des Klassenkampfes, wobei die Dialektik der Geschichte darin besteht, dass einerseits jede dieser Formen verschiedene Etappen der Entwicklung ihres Klasseninhaltes durchläuft und andererseits der Übergang von einer Form zu einer anderen (für sich allein genommen) in keiner Weise die Herrschaft der bisherigen Ausbeuterklassen, die unter einer anderen Hülle fortbesteht, aufhebt“ (Lenin, Band 15, Seite 335).

Die Form ist nichts anderes als die zu einem Ganzen zusammengefasste Organisierung, die Strukturierung des bewaffneten Klassenkampfes, die Ausstattung mit den erforderlichen Mitteln, die Herstellung seiner Funktionsfähigkeit, die Art und Weise wie der bewaffnete Kampf in Bewegung gesetzt, zur Wirkung gebracht, praktisch umgesetzt wird, das System der Waffen und ihres Einsatzes. Es ist nicht richtig, dass die bewaffneten Kampfformen nur „äußere Hülle“, „Mittel“, lediglich „zum Gebrauch“ da sind. Formen haben einen lebendigen, realen Inhalt, sind mit diesem untrennbar verbunden. Die Form des bewaffneten Kampfes ist wesentlich, sein Wesen formiert. In dem Maße wie sich die militärische Materie formiert, materialisiert sich die militärische Form des Kampfes. Die Einheit des Willens des Weltproletariats zur Eroberung seiner politischen Weltmacht ist die Grundlage der Einheit ihrer materialisierten Waffen so wie die Einheit ihrer materialisierten Waffen umgekehrt Grundlage für seine Weltherrschaft ist.

„Die wahrscheinliche Form des nahenden Kampfes wird teils durch seinen Inhalt, teils durch die vorangegangenen Formen des revolutionären Kampfes (...) und des konterrevolutionären Kampfes (...) bestimmt“ (Lenin, Band 11, Seite 104).

Die bewaffneten Formen des Klassenkampfes verfehlen ihre Wirkung, sind zum Scheitern verurteilt, wenn sie an den objektiven Bedingungen und Gegebenheiten einer revolutionären Situation nicht überprüft werden und willkürlich einesetzt werden. Sie verkommen dann zur Phrase eines Haufens von Schreihälsen, was zu nichts anderem führen kann als zum Abenteuertum. Werden die Millionenmassen aber die Losung der Revolutionäre, die unter objektiv reif gewordenen revolutionären Bedingungen im Kampf der Massen voranschreiten, „sich auf gewaltsame Kampfmittel zu konzentrieren“, annehmen und umsetzen, dann sind unsere bewaffneten Kampfformen objektiv richtig, werden sie von den objektiven Bedingungen der Revolution, die die Revolutionäre richtig eingeschätzt und vorausgesehen haben, bestätigt, stimmen sie überein und bilden in ihrer Einheit eine unüberwindliche Kraft. Inhalt und Form müssen optimal passen, müssen in Übereinstimmung gebracht werden, um ihre größte Wirkung im bewaffneten Klassenkampf entfalten zu können. Genauso muss der objektive und subjektive Faktor des bewaffneten Kampfes passen, müssen beide in Übereinstimmung gebracht werden, um den Sieg erringen zu können.

Ohne die Entwicklung und Festigung der bewaffneten Form des Klassenkampfes kann sich der Inhalt nicht entwickeln, tritt er auf der Stelle, führt er zur Vergeudung von Kräften und zu einem Missverhältnis zwischen bewaffnetem Kampf in Worten und bewaffnetem Kampf in Taten. Man darf weder bei den vorangegangenen Kampfformen stehenbleiben, noch darf man auf das Niveau dieser niederen Kampfformen zurückkehren, wenn die revolutionäre Lage die Entfaltung neuer Kampfformen auf höherem Niveau zwingend vorschreibt. Es ist ein wichtiger Lehrsatz des Marxismus-Leninismus und eine historische und allgemeingültige Erfahrung des Klassenkampfes: Je besser, je bewusster, je breiter und tiefer ein Kampf vorbereitet, organisiert und nachbereitet wird, je enger Form und Inhalt des Klassenkampfes miteinander verknüpft und in Übereinstimmung gebracht werden, desto größer die revolutionäre Wirkung, desto effektiver die Umsetzung revolutionärer Ziele in die Praxis, desto leichter, gründlicher, nachhaltiger der Sieg, desto geringer die Verluste und Opfer, desto effektiver die Überwindung der konterrevolutionären Kräfte. Das gilt natürlich genauso im Umkehrschluss für die negativen Fälle, wo ein Kampf schlecht organisiert wurde.

Die Form ist vom Inhalt abhängig, aber einmal entstanden, gewinnt sie relative Selbständigkeit. Alte Formen können deshalb noch lange weiterbestehen, obwohl die zugehörigen Inhalte weitestgehend verschwunden sind. Als Beispiel dient die veränderte Sichtweise von Engels üner den Straßen- und Barrikadenkampf, auf die in diesem Lehrbuch besonders eingegangen wird. Als aktuelles Beispiel dienen die „Betrachtungen über den Nahen und Mittleren Osten“ vom Genossen Enver Hoxha, wo er das Auftreten neuer Inhalte der dortigen gesellschaftlichen Entwicklungen in alten (religiösen) Formen analysiert hat.

Der bewaffnete Klassenkampf des Proletariats und derjenige der Bourgeoisie unterscheiden sich durch deren Stellung in der kapitalistischen Gesellschaft. Die Bourgeoisie schiebt internationale bewaffnete Riegel zum Schutz des Profits vor die Befriedigung der Bedürfnisse der Weltbevölkerung. Das Weltproletariat ist die einzige Klasse, die diese bewaffnete, imperialistische Verriegelung der Welt aufmachen kann mit bewaffneten Mitteln.

a) Das Wesentliche am bewaffneten Klassenkampf der besitzenden Klassen ist die Aufrechterhaltung, die Verteidigung und Vermehrung des Besitzes, hat also einen konservativen, reaktionären Charakter, schützt das Bestehende einer ausbeutenden und unterdrückenden Minderheit vor der ausgebeuteten und unterdrückten Mehrheit.

b) Um sich als Proletariat, als unterdrückte Klasse aufzuheben, muss das Proletariat das Privateigentum aufheben, muss seine Waffen gegen die bestehende Herrschaft des Kapitals richten. Der Kampf des Proletariats hat also einen revolutionär-destruktiven, zerstörerischen Charakter im Kapitalismus, während die befreite Arbeiterklasse im Sozialismus einen bewaffneten Klassenkampf als besitzende Klasse führt, der dem Schutz dieses Besitzes dient, aber keinen konservativen, privilegierten Charakter trägt, sondern einen sozialistischen, weil im bewaffneten Klassenkampf unter den Bedingungen des Sozialismus die besitzende Arbeiterklasse nicht nur den eigenen Besitz, sondern damit auch den Besitz aller anderen Klassen schützt mit dem Ziel, seinen eigenen Klassenbesitz und damit jeglichen Klassenbesitz überhaupt aufzuheben – also letztlich auch den Besitz seiner eigenen Waffen und damit jeglichen Waffenbesitz überhaupt (wohlgemerkt nur bezogen auf dessen Klassencharakter).

Vom bewaffneten Klassenkampf der Bourgeoisie geht die gewaltsame Aktion der Aufrechterhaltung des Gegensatzes zwischen Kapital und Arbeit aus, während vom bewaffneten Klassenkampf des Proletariats die gewaltsame Gegenaktion der Vernichtung des kapitalistischen Privateigentums ausgeht, um die Produktivkräfte aus den Fesseln der kapitalistischen Produktionsverhältnisse zu befreien, also deren Gegensatz aufzuheben. Mit dem bewaffneten Klassenkampf kann sich das Proletariat nicht sich selbst befreien, ohne seine eigenen Lebensbedingungen aufzuheben. Der bewaffnete Klassenkampf des Proletariats ist nur die Vollstreckung des Urteils, die das Privateigentum über sich selbst verhängt hat, weil es das Proletariat erzeugt hat. Der bewaffnete Klassenkampf des Privateigentums ist dagegen der gewaltsame Strafvollzug, den sich die Lohnarbeit selbst auferlegt hat, indem sie den Reichtum der Bourgeoisie und das eigene Elend erzeugt. „Wenn das Proletariat siegt, so ist es dadurch keineswegs zur absoluten Seite der Gesellschaft geworden, denn es siegt nur, indem es sich selbst und sein Gegenteil aufhebt. Alsdann ist ebensowohl das Proletariat wie sein bedingender Gegensatz, das Privateigentum, verschwunden“ (Lenin, Band 38, Seite 12; „Konspekt zu Marx` und Engels` Werk `Die heilige Familie`). Darin drückt sich auch die Einheit der Gegensätze des bewaffneten Kampfes zwischen Proletariat und Bourgeoisie aus. „Die Einheit (Kongruenz, Identität, Wirkungsgleichheit) der Gegensätze [und damit auch der diesem Gegensatz zugrunde liegende bewaffnete Kampf – Anmerkung des Verfassers] ist bedingt, zeitweilig, vergänglich, relativ. Der [bewaffnete – Anmerkung des Verfassers] Kampf der einander ausschließenden Gegensätze ist absolut, wie die Entwicklung, die [bewaffnete – Anmerkung des Verfassers] Bewegung absolut ist“ (Lenin, Band 38, Seite 339, „Zur Frage der Dialektik).



Lenin über die Frage der Kampfformen

„Um die Revolution wirklich marxistisch, vom Standpunkt des dialektischen Materialismus aus zu beurteilen, muss man sie als Kampf lebendiger gesellschaftlicher Kräfte betrachten, die in bestimmte objektive Bedingungen versetzt sind, in bestimmter Weise wirken und mit größerem oder geringerem Erfolg die einen oder anderen Kampfformen anwenden. Auf dem Boden einer solchen Analyse, und natürlich nur auf diesem Boden, ist für den Marxisten auch die Beurteilung der technischen Seite des Kampfes und seiner technischen Fragen durchaus angebracht, ja notwendig. Eine bestimmte Form des Kampfes anzuerkennen, die Notwendigkeit, ihre Technik zu erlernen, jedoch abzu lehnen, wäre dasselbe, als würden wir es für notwendig erachten, uns an bestimmten Wahlen zu beteiligen, aber dabei das Gesetz, das für diese Wahlen eine bestimmte Wahltechnik vorschreibt, nicht berücksichtigen“ (Lenin, Band 15, Seite 44-45).

Was hier Lenin über die Wahltechnik sagt, gilt natürlich um so mehr für die Waffentechnik. Auf dem Boden des bewaffneten Kampfes, und natürlich nur auf diesem Boden, ist für den Marxisten auch die Beurteilung die militärische Seite des Kampfes und seiner technischen Fragen durchaus angebracht, ja notwendig. Den bewaffneten Kampf anzuerkennen, die Notwendigkeit, die Waffenkunst zu erlernen, jedoch abzulehnen, wäre dasselbe, ja weitaus schlimmer in seinen Folgen für den Sieg der Revolution.

„Wenn wir uns daher bei der Beurteilung verschiedener revolutionärer Perioden nur auf die Bestimmung der Aktionslinie, der einzelnen Klassen beschränken, ohne gründlich auf die Formen ihres Kampfes einzugehen, so wird unsere Auffassung vom wissenschaftlichen Standpunkt aus unvollständig, undialektisch sein und vom praktisch-politischen Standpunkt aus in unfruchtbares Räsonieren ausarten“ (Lenin, Band 15, Seite 44).

Lenin sagte: „Die `Parole des Kampfes` kann man nicht ausgeben, ohne aufs Eingehendste jede einzelne Form dieses Kampfes zu untersuchen, ohne jeden seiner Schritte bei seinem Übergang aus einer Form in die andere zu verfolgen, um zu jedem gegebenen Zeitpunkt die Lage bestimmen zu können, ohne dabei den allgemeinen Charakter des Kampfes, sein allgemeines Ziel – die völlige und endgültige Beseitigung jeglicher Ausbeutung und jeglicher Unterdrückung – aus dem Auge zu verlieren“ (Lenin, Band 1, Seite 334).

„Die Sozialdemokratie bindet sich nicht die Hände, sie engt ihre Tätigkeit nicht durch irgendeinen vorher ersonnenen Plan oder Modus des politischen Kampfes ein – sie erkennt alle Mittel des Kampfes an, wenn sie nur den vorhandenen Kräften der Partei entsprechen und es ermöglichen, die größten Resultate zu erzielen, die unter den gegebenen Verhältnissen erzielt werden können. Besteht eine straff organisierte Partei, so kann sich ein einzelner Streik in eine politische Demonstration, in einen politischen Sieg über die Regierung verwandeln. Besteht eine straff organisierte Partei, so kann aus einem örtlich begrenzten Aufstand eine siegreiche Revolution hervorgehen. Wir dürfen nicht vergessen, dass der Kampf gegen die Regierung um einzelne Forderungen, die Erkämpfung einzelner Zugeständnisse, nur kleine Scharmützel mit dem Feinde, kleine Vorpostengefechte sind und dass der entscheidende Kampf noch bevorsteht. Vor uns liegt in ihrer ganzen Stärke eine feindliche Festung, aus der man uns mit einem Hagel von Kugeln und Kartätschen überschüttet, die uns die besten Kämpfer entreißen. Wir müssen diese Festung nehmen, und wir werden sie nehmen, wenn wir alle Kräfte der erwachenden Proletariats mit allen Kräften der russischen revolutionäre zu einer Partei vereinigen, zu der alles hinstreben wird, was es in Russland an Lebendigem und Ehrlichem gibt. Und erst dann wird die große Prophezeiung des russischen Arbeiterrevolutionärs Pjotr Alexejew in Erfüllung gehen: `Die Millionenmasse des Arbeitervolks wird ihren muskulösen Arm erheben, und das von Soldatenbajonetten gestützte Joch der Despotie wird in Staub zerfallen!`“ (Lenin, Band 4, Seite 370).

Wir Marxisten-Leninisten sind revolutionär und prinzipienfest genug, uns unter bestimmten Umständen und in bestimmten Augenblicken weder irgendeine Kampfform unseres Gegners aufzwingen zu lassen, noch uns irgendeine Kampfform absolut verbieten zu lassen, so wie wir auch revolutionär genug sind, diejenigen Organisationsformen hierfür auszuwählen, die uns für unseren Kampf am geeignetsten und vorteilhaftesten erscheinen bzw. solche, die uns am wenigsten Nachteile bescheren können. Wir werden niemals den Wunsch unseres Gegners erfüllen, solche Kampf- und Organisationsformen zu benutzen, die ihm am Besten in den Kram passen, um ihm dann ins offene Messer zu laufen, in seinen Hinterhalt zu geraten, uns von ihm umzingeln oder uns spalten zu lassen; unsere Kampf- und Organisationsformen werden wir unserem Gegner nicht auf dem Silbertablett servieren; wir werden stets da sein, wo der Gegner uns am wenigsten vermutet, und uns so formieren, dass unsere Kräfte am effektivsten, also mit möglichst geringem Aufwand und möglichst großer Wirkung eingesetzt werden können. Uns ist aus eigener Erfahrung bewusst, dass es keine unserer Kampfform und keine unserer Organisationsform gegeben hat, die der Gegner für sich nicht schon einmal auszunutzen verstand, und wir werden alles tun, um jede Wiederholung unsere gemachten Fehler zu vermeiden. Wir werden es zu versthen wissen, neue Kampfformen zu entwickeln und uns die Initiative nicht aus der Hand nehmen lassen. Wir werden uns auch davor hüten, die bewaffnete Form des Klassenkampfes zu verabsolutieren. Wenn wir jede Einseitigkeit der bewaffneten Kampfform als militärische Verschwörung ablehnen, so sind wir deswegen noch lange nicht für die Einengung oder das Zurückstutzen der bewaffneten Form, sondern für ihre volle Entfaltung im dialektischen Rahmen aller anderen notwendigerweise anzuwendenden Kampfformen durch die kommunistische Partei.

Lenin stellte zwei Grundregeln auf, „die jeder Marxist bei der Untersuchung der Frage der Kampfformen stellen muss:

Erstens unterscheidet sich der Marxismus von allen primitiven Formen des Sozialismus [genauso von den paralysierenden Formen des Revisionismus – Anmerkung des Verfassers] dadurch, dass er die Bewegung nicht an irgendeine bestimmte Kampfform bindet ...

[Hierzu die folgende Anmerkung: An späterer Stelle präzisiert Lenin: „Die Sozialdemokratie kennt keine universalen Kampfmittel, keine, die das Proletariat wie durch eine chinesische Mauer von den Schichten trennen, die etwas über oder etwas unter ihm stehen. Die Sozialdemokratie wendet in verschiedenen Epochen verschiedene Mittel an, wobei sie ihre Anwendung stets von streng festgelegten ideologischen und organisatorischen Bedingungen abhängig macht“ (ebenda, Lenin, Band 11, Seite 211)].

... Er erkennt die verschiedensten Kampfformen an, und zwar `erfindet` er sie nicht, sondern fasst nur im Verlauf der Bewegung von selbst entstehende Formen des Kampfes der revolutionären Klassen verallgemeinernd zusammen, organisiert sie und verleiht ihnen Bewusstheit. Der Marxismus lehnt alle abstrakten Formeln, alle doktrinären Rezepte [zum Beispiel die der formalen Militärwissenschaft – Anmerkung des Verfassers] entschieden ab und fordert ein aufmerksames Eingehen auf den sich tatsächlich abspielenden Massenkampf, der mit der fortschreitenden Entwicklung der Bewegung, mit dem wachsenden Bewusstsein der Massen, mit der Verschärfung der ökonomischen und politischen Krisen immer neue und mannigfaltigere Methoden der Verteidigung und des Angriffs hervorbringt. Deshalb denkt der Marxismus gar nicht daran, ein für allemal irgendwelche Kampfformen abzulehnen. Der Marxismus beschränkt sich keineswegs nur auf die Kampfformen, die im gegebenen Augenblick allein möglich sind und angewandt werden, sondern hält es für unvermeidlich, dass bei Änderung der jeweiligen sozialen Situation neue, in der gegebenen Periode unbekannte Kampfformen aufkommen. Der Marxismus lernt in dieser Beziehung, wenn man sich so ausdrücken darf, aus der Massenpraxis und ist weit davon entfernt, darauf Anspruch zu erheben, die Massen Kampfformen zu lehren, die von Stuben`systematikern` ertüftelt werden. Wir wissen, sagte zum Beispiel Kautsky, als er die Formen der sozialen Revolution untersuchte, dass die kommende Krise uns neue Kampfformen bringen wird, die wir jetzt nicht voraussehen können. Lenin betrachtete jede neue Kampfform durchaus auch kritisch als er darauf aufmerksam machte:

Jede neue Kampfform, die mit neuen Gefahren und neuen Opfern verbunden ist, wird unweigerlich die Organisationen, die auf diese neue Kampfform nicht vorbereitet sind, `desorganisieren`.(...) Jede Kampfhandlung in jedem beliebigen Krieg trägt eine gewisse Desorganisation in die Reihe der Kämpfenden. Hieraus darf man aber nicht folgern, dass man nicht Krieg führen dürfe. Hieraus muss man folgern, dass man lernen muss, Krieg zu führen. Und weiter nichts“ (Lenin, ebenda, Band 11, Seite 210).

Zweitens fordert der Marxismus unbedingt ein historisches Herangehen an die Frage der Kampfformen. Diese Frage außerhalb der historisch-konkreten Situation behandeln heißt, das ABC des dialektischen Materialismus nicht verstehen. In verschiedenen Augenblicken der ökonomischen Evolution, in Abhängigkeit von den verschiedenen politischen, national-kulturellen Bedingungen, den Lebensverhältnissen usw. treten verschiedene Kampfformen in den Vordergrund, werden zu Hauptformen des Kampfes, und im Zusammenhang hiermit erfahren wiederum auch die zweitrangigen Kampfformen, die Kampfformen von untergeordneter Bedeutung, eine Veränderung. Zu versuchen, die Frage der Anwendbarkeit eines bestimmten Kampfmittels zu bejahen oder zu verneinen, ohne eingehend die konkrete Situation der gegebenen Bewegung auf der gegebenen Stufe ihrer Entwicklung zu untersuchen, heißt den Boden des Marxismus völlig verlassen“ (Lenin, Band 11, Seite 202-203).

Nehmen wir zur Erläuterung dieser Richtschnur die Umwandlung einer der niedrigeren Formen des Kampfes in ein spezifisches Kampfmittel einer besonderen Periode. Lenin zeigt hier auf, dass die Entfernung der Otsowisten aus der Partei Lenins vollkommen gerechtfertigt war, die diese Umwandlung wie sie für jeden Marxisten selbstverständlich ist, sabotierten:

„Bei unseren Helden, die Bruchstücke bolschewistischer Thesen auswenig gelernt haben, kommt elles verdreht heraus: die höheren [die bewaffneten Kampfformen zum Beispiel – Anmerkung des Verfassers] Kampfformen, die nirgends und niemals in der Welt (!!!) - [Ausrufungszeichen und Unterstreichung vom Verfasser] ohne unmittelbaren Druck der Massen Erfolg haben können, werden zu einer Zeit wütender Reaktion als `mögliche` Formen an erster Stelle empfohlen, die niederen Kampfformen [zum Beispiel Agitation und Propaganda – Anmerkung des Verfasser] dagegen , die weniger einen unmittelbaren Bruch der Gesetze durch den Kampf der Massen als vielmehr eine Ausnutzung der Gesetze für eine Propaganda und Agitation bedingen, die das Bewusstsein der Massen auf den Kampf vorbereiten, werden als `nicht mögliche` Formen hingestellt!! Die Otsowisten und ihre `entfernten` Nachbeter haben gehört und sich eingeprägt, dass der Bolschewismus den unmittelbaren Kampf der Massen, der sogar die Armee (d.h. den starrsten, am wenigsten beweglichen Teil der Bevölkerung, der vor unserer Propaganda am meisten behütet wird usw.) in die Bewegung einbezieht und die Kampfaktionen zum wirklichen Beginn des Aufstands macht, als höhere Form der Bewegung, die parlementarische Tätigkeit ohne unmittelbare Bewegung der Massen hingegen als niedere Form der Bewegung ansieht. Die Otsowisten und ihre Nachbeter vom Schlage Maximows haben dies gehört und es sich eingeprägt, es aber nicht begriffen und sich deshalb blamiert. Das Höhere – das bedeute das `Effektvolle` , meinen der Otsowist und Gen. Maximow – nun, dann will ich eben recht laut, `effektvoll` schreien: dann wird es sicher revolutionärer als bei allen anderen herauskommen, aber sich zurechtfinden, wozu und weshalb, das ist vom Übel!

(...) Schreibt euch das hinter die Ohren, oh, ihr ganz zu Unrecht Entfernten: Wenn tatsächlich eine wütende und immer stärker werdende Reaktion wirklich die Verbindung mit den Massen sprengt, eine hinreichend breite Arbeit erschwert und die Partei schwächt, so besteht gerade dann die spezifische Aufgabe der Partei darin, die parlamentarische Waffe des Kampfes beherrschen zu lernen; und dies nicht deshalb, oh, ihr ganz zu Unrecht Entfernten, weil der parlamentarische Kampf eine höhere Stufe darstellt als alle anderen Kampfformen; neun, sondern eben deshalb, weil er gegenüber diesen eine niedere Form bildet, eine niedrigere beispielsweise als ein Kampf, der sogar die Armee in die Massenbewegung einbezieht, der Massenstreiks, Aufstände usw. hervorbringt. Auf welche Weise kann die Meisterung einer niederen Kampfform zur spezifischen (d.h. zu einer die gegebene Periode von anderen Perioden unterscheidenden) Aufgabe der Partei werden? Auf solche Weise eben, dass es, je stärker die mechanische Kraft der Reaktion und je lockerer die Verbindung mit den Massen ist, immer dringender wird, das Bewusstsein der Massen vorzubereiten (nicht aber, unmittelbar zu handeln) und die von der alten Macht geschaffenen Wege der Propaganda und Agitation auszunutzen ( nicht aber unmittelbarer Ansturm der Massen gegen diese alte Macht selbst).“ (Lenin, Band 16, Seite 19 und 20).

„Das sind die beiden grundlegenden theoretischen Leitsätze, die wir zur Richtschnur nehmen müssen“ (Lenin, Band 11, Seite 202-203).

Drittens : in der heutigen Zeit sollte ein weiterer theoretischer Leitsatz hinzugefügt werden, der den Übergang von der nationalen Form zur internationalen Form betrifft:

Der Marxismus-Leninismus fordert unter den heutigen Bedingungen der Globalisierung des Klassenkampfes die Frage der Kampfformen im Geiste des proletarischen Internationalismus – genauer: in Hinblick auf die kommende proletarische, sozialistische Weltrevolution - zu untersuchen.

Die internationalen Kampfformen bekommen - in solchen Situationen, in denen die Klassen mit jedem Tag immer mehr dazu übergehen, sich auf dem internationalen Schlachtfeld des Klassenkampfes zu begegnen, dort ihre Kräfte nicht nur zu messen, sondern auf der Weltbühne ihr Schicksal zu entscheiden (also auch das Schicksal der Proletarier in den einzelnen Ländern) - wachsende Bedeutung. Es ist unvermeidlich und entspricht dem ABC des Marxismus-Leninismus, dass die entscheidenden Schlachten, die dem Proletariat bevorstehen, internationale Schlachten sein werden und dass der Klassenkampf nicht nur dem Charakter und dem Inhalt nach internationalistisch ist ( das war er von Anfang an), sondern dass sich die Kampfformen diesem Inhalt immer näher anpassen, dass es insbesondere die internationalen Kampfformen sind, die diesem Inhalt immer besser entsprechen, sich an ihn immer fester binden werden. Es ist anscheinend paradox heute zu fordern, dass der Lehrsatz, sich nicht an bestimmte Kampfformen zu binden, nur dadurch konsequent anwenbar wird, dass die Bindung zwischen internationalem Inhalt und internationaler Kampfform immer fester geschmiedet wird – aber eben das entspricht vollkommen dem dialektischen Materialismus, das entspricht vollkommen der Erfüllung auch des zweiten Lehrsatzes, den Lenin als Grundregel, als Richtschnur aufgestellt hat – nämlich die historische Herangehensweise. Internationale Kampfformen sind nicht schablonenhaft einzusetzen, das heißt etwa ohne Berücksichtigung der Besonderheiten der konkreten politischen (und ökonomischen) Lage in den verschiedenen Ländern. Dieses oder jenes Kampfmittel, ob im nationalen oder internationalen Rahmen eingesetzt, hat als Voraussetzung immer eine spezifische Bedeutung, die durch einen bestimmten Zeitabschnitt etc. des Klassenkampfes geprägt sind. Kampfformen für alle, heißt nicht Kampfformen für jede Situation, für jeden Zeitpunkt, für jedes Land, sondern Kampfformen für alle sind solche Kampfformen, die unter den geeigneten Voraussetzungen und Bedingungen für alle – also spezifisch - anwendbar sind und nicht generalisierend.

Der dritte Lehrsatz widerspricht also weder dem ersten noch dem zweiten Leitsatz, den Lenin aufgestellt hat, sondern ergänzt beide nur. Dem ersten Leitsatz folgend binden wir uns nicht an eine bestimmte Kampfform, das ist richtig. Das heißt aber nicht, dass die Kampfformen dem Kampfinhalt überhaupt bindungslos, indifferent, gleichgültig oder willkürlich gegenüber stehen. Das heißt vielmehr, dass wir uns unbedingt an solche Kampfformen zu binden haben, die den Inhalt am besten zum Ausdruck bringen. Wir haben uns also sehr wohl an Kampfformen zu binden, insbesondere an solche, die der internationale Klassenkampf des Weltproletariats hervorbringt, um die Ziele der Weltrevolution zu erreichen. Dies ist nicht nur eine rein hypothetisch-theoretische-abstrakte Frage, sondern sie stellt sich heute praktisch- real-konkret, und zwar in dem Maße, in dem der Weltimperialismus immer offener und frecher mit seinen konterrevolutionären Truppen weltweit in Erscheinung getreten ist. Dieser Herausforderung muss und wird sich das Weltproletariat stellen, indem es seinerseits neue globale Kampfformen ausnutzt, um seine historische Mission damit besser als bisher zu erfüllen, entsprechend dem zweiten Lehrsatz, den Lenin aufgestellt hat. Es muss nicht näher begründet werden, dass der dritte - hier neu aufgestellte – Lehrsatz insbesondere für die internationalen bewaffneten Kampfformen Anwendung finden muss. Unsere Aufgabe ist es, die Bedingungen des internationalen bewaffneten Klassenkampfes zu klären, auf seine möglichen Formen hinzuweisen, dem Weltproletariat seinen internationalen Platz in dem kommenden bewaffneten Kampf für die Weltrevolution zu zeigen und an der internationalen Organisierung seiner militärischen Kräfte, an der militärischen Aufklärung seines internationalistischen Bewusstseins zu arbeiten. Und das bedeutet im jetzigen Zeitpunkt, unermüdlich die Neo-Revisionisten zu entlarven und das Weltproletariat vor ihnen zu warnen, die die Grundregeln der Kampfformen in Worten zwar „anerkennen“, aber in der Praxis bekämpfen, damit wir den bewaffneten Kampf für den internationalen Sozialismus nicht zu Ende führen können.

Was die Mannigfaltigkeit der internationalen Kampfformen anbelangt, so ist sie im Allgemeinen, durch ihren internationalen Charakter bedingt, viel größer, insbesondere in weltrevolutionären Perioden, die sich von den sogenannten „friedlichen Zeiten“ dadurch unterscheiden, dass die Weltkrise solche ökonomischen Bedingungen hervorruft, die die Völker der ganzen Welt auf die Straße zwingt, wo die Formen des internationalen Klassenkampfes eine hohe revolutionäre Stufe erreichen. Je höher die revolutionäre Stufe, die ein (Massen-) Kampf erreicht, desto mannigfaltiger seine Formen. Sind keine tieferen Krisen vorhanden, kann der Klassenkampf auch nicht so mannigfaltig Kamfformen hervorbringen, werden niedrigere Formen angewandt, was auch für den Abschwung einer revolutionären Massenbewegung zutrifft. Die Formen des revolutionären Massenkampfes sind mannigfaltiger als die Formen der Agitation und Propaganda der revolutionären Führer.

In enger Verbindung mit der Frage der Kampfformen steht die Frage der Kampforganisationen

„Jede Kampfform erfordert eine entsprechende Technik und einen entsprechenden Apparat. Wenn kraft der objektiven Bedingungen der parlamentarische Kampf zur hauptsächlichen Kampfform wird, werden in der Partei unweigerlich die charakteristischen Züge des Apparats für den parlamentarischen Kampf stärker hervortreten. Wenn dagegen die objektiven Bedingungen den Massenkampf in Form von politischen Massenstreiks und Aufständen auf die Tagesordnung setzen, muss die Partei des Proletariats `Apparate` `im Dienst` eben dieser Kampfformen haben, und es versteht sich von selbst, dass das besondere `Apparate` sein müssen, die anders geartet sind als die parlamentarischen Apparate. Eine organisierte Partei des Proletariats, die anerkennt, dass die Bedingungen für Volksaufstände gegeben sind, und nicht für einen entsprechenden Apparat sorgen, wäre eine Partei von intellektuellen Schwätzern; die Arbeiter würden von ihr zum Anarchismus, zum bürgerlichen Revolutionarismus usw. Abwandern“ (Lenin, Band 11, Seite 352).

Dass für den Einsatz internationaler Kampfformen auch entsprechende internationale `Apparate` und Kampforganisationen notwendig sind, wird kein Weltrevolutionär bestreiten und die Schaffung solcher internationalen Organisationen daher fördern und unterstützen. Die Frage, die Lenin in den Dezembertagen von 1905 stellte, war die, dass man den Kampforganisationen jedoch im Verlauf des Kampfgeschehens „einen solchen Nimbus verliehen hat, dass man sie manchmal geradezu zu einem Fetisch macht. Man glaubt, dass diese Organe für die revolutionäre Massenbewegung stets und unter allen Umständen `notwendig und ausreichend` seien. Hieraus ergibt sich ein kritikloses Verhalten hinsichtlich der Wahl des Zeitpunkts für die Schaffung solcher Körperschaften, hinsichtlich der Frage, welcher Art die realen Bedingungen für den Erfolg ihrer Tätigkeit sind. Die Erfahrungen vom Oktober und Dezember [im Jahre 1905 – Anmerkung des Verfassers] haben da die lehrreichsten Hinweise gegeben. Die Sowjets der Arbeiterdeputierten sind Organe des unmittelbaren Massenkampfes. Sie entstanden als Organe des Streikkampfes. Sie wurden sehr rasch, unter dem Druck der Notwendigkeit, zu Organen des allgemeinen revolutionären Kampfes gegen die Regierung. Sie verwandelten sich unaufhaltsam, kraft der Entwicklung der Ereignisse und des Übergangs vom Streik zum Aufstand, in Organe des Aufstands. Dass eine ganze Reihe von `Sowjets`und `Komitees` im Dezember eben diese Rolle gespielt haben, ist eine durchaus unbestreitbare Tatsache. Und die Ereignisse haben aufs Anschaulichste und Überzeugendste gezeigt, dass die Kraft und die Bedeutung solcher Organe in einer Zeit des Kampfes ganz und gar von der Kraft und dem Erfolg des Aufstands abhängen. Nicht irgendeine Theorie, nicht irgendein Aufruf, von wem er auch herrühren möge, nicht eine von irgend jemand erdachte Taktik, nicht eine Parteidoktrin, sondern die Kraft der Tatsachen hat diese parteilosen Massenorgane von der Notwendigkeit des Aufstands überzeugt und sie zu Organen des Aufstands gemacht. Und heute solche Organe schaffen bedeutet Organe des Aufstands schaffen, zur Schaffung solcher Organe aufrufen bedeutet zum Aufstand aufrufen. (...) Sie sind erforderlich (...). Aber sie reichen nicht aus, um die Kräfte für den unmittelbaren Kampf, um den Aufstand im engsten Sinne des Wortes zu organisieren. (...) Einjeder erkennt die Notwendigkeit einer sofortigen Organisation der Kräfte, einer militärischen Organisation zur Verteidigung seines `Parlaments`, einer Organisation in Gestalt von Einheiten bewaffneter Arbeiter. (...) Jetzt müssen wir in unserer Agitation ganz besonders klarstellen, dass es notwendig ist, (...) neben der Organisation der Sowjets eine militärische Organisation zu ihrer Verteidigung, zur Durchführung jenes Aufstandes zu schaffen, ohne den alle Sowjets und alle gewählten Vertrauensmänner der Massen ohnmächtig werden“ (Lenin, Band 11, Seite 111-112).

Als Weltrevolutionäre erkennen wir die Notwendigkeit der Weltrepublik der Räte an, wollen wir die internationale Sowjetmacht errichten. Lenin zufolge können wir das nicht ohne militärische Organisationen schaffen; die sind also ebenso notwendig wie die Räterepublik selbst.

„Diese – wenn man sich so ausdrücken darf - `militärischen Organisationen`, von denen wir sprechen, müssen bestrebt sein, die Masse nicht durch deren gewählte Vertrauensleute zu erfassen, sondern die Masse der unmittelbaren Teilnehmer des Straßenkampfes und des Bürgerkrieges selbst. Diese Organisationen müssen als unterste Zelle sehr kleine lose Verbände, Zehnergruppen, Fünfergruppen oder vielleicht Dreiergruppen haben. Es gilt, dem Gedanken die weiteste Verbreitung zu verschaffen, dass ein Kampf herannnaht, in dem jeder aufrechte Bürger verpflichtet ist, sein Leben einzusetzen und gegen die Unterdrücker des Volkes zu kämpfen. Weniger Formalitäten, weniger Umstände, mehr Einfachheit in der Organisation, die ein Höchstmaß von Beweglichkeit und Elastizität aufweisen muss. Alle, die für die Sache der Freiheit eintreten wollen, müssen sich unverzüglich in `Fünfergruppen` zusammenschließen in losen Verbänden von Angehörigen eines Berufes, von Arbeitern einer Fabrik oder von Menschen, die durch Kameradschaft, Parteizugehörigkeit oder schließlich einfach durch ihren Wohnsitz miteinander verbunden sind ( ein Dorf, ein Haus in einer Stadt oder eine Wohnung). Diese Verbände müssen aus Mitgliedern der Partei wie auch aus Parteilosen bestehen und durch eine unmittelbare revolutionäre Aufgabe verbunden sein: den Aufstand gegen die Regierung. Diese Verbände müssen auf breitester Grundlage und unbedingt von der Beschaffung von Waffen, unabhängig von der Frage der bewaffnung gebildet werden. Keine Parteiorganisation wird die Massen `bewaffnen` können. Die Organisation der Massen hingegen in leicht beweglichen kleinen Kampfverbänden wird im Augenblick der Aktion bei der Beschaffung von Waffen große Dienste leisten.

Lose Kampfverbände, `Kampfgruppen`, um einen Ausdruck zu gebrauchen, der in den großen Dezembertagen in Moskau solchen Ruhm gewann, werden im Augenblick der Erhebung riesigen Nutzen bringen. Eine Kampfgruppe, die zu schießen versteht, wird einen Polizisten entwaffnen, wird überraschend eine Streife überfallen, wird sich Waffen verschaffen. Eine Kampfgruppe, die nicht zu schießen versteht oder sich keine Waffen beschaffen konnte, wird beim Barrikadenbau helfen, wird Kundschafterdienste leisten, wird behilflich sein, die Verbindungen zu organisieren, den Feind in einen Hinterhalt zu locken, ein gebäude in Brand zu stecken, in dem sich der Feind festgesetzt hat, Wohnungen zu besetzen, die zu Stützpunkten für die Aufständischen werden können; mit einem Wort, die losen Verbände von Leuten, die entschlossen sind, auf Leben und Tod zu kämpfen, die mit der Örtlichkeit bestens vertraut und aufs engste mit der Bevölkerung verbunden sind, werden Tausende der allerviedensten Aufgaben erfüllen.

Möge in jeder Fabrik, in jeder Gewerkschaft, in jedem Dorf der Ruf zur Organisierung solcher losen Kampfgruppen ertönen. Kennt man einander gut, so wird man beizeiten zu ihrer Gründung schreiten. Kennt man einander nicht, so wird man Fünfergruppen und Zehnergruppen am Tage des Kampfes oder unmittelbar vor dem Kampf, am Kampfort selbst bilden, wenn der Gedanke solche Verbände zu schaffen, weite Verbreitung erlangt hat und wirklich von der Masse aufgegriffen wird. (...) Dann werden wir dahin kommen – und das ist durchaus keine Utopie - , dass es in jeder größeren Stadt nicht Hunderte von Mitgliedern der Kampfgruppen gibt, wie im dezember in Moskau, sondern Tausende und aber Tausende. Und dann werden keine Maschinengewehre standhalten, wie man in Moskau sagte, wobei man darauf verwies, dass die dortigen Kampfgruppen die Massen nicht genügend erfassten, ihrem Charakter und ihrer Zusammensetzung nach nicht genügend im Volke verwurzelt waren. Also: allerorts Organisation von Sowjets der Arbeiterdeputierten, von Bauernkomitees und analogen Körperschaften, zugleich ausgedehnteste Propaganda und Agitation für einen gleichzeitigen Aufstand, für eine sofortige Vorbereitung der Kräfte zum Aufstand und für die Organisation von losen Kampfgruppen auf breitester Massenbasis“ (Lenin, Band 11, Seite 114).

Lenin war davon überzeugt, dass im Falle des siegreichen bewaffneten Aufstands, die Organe der Sowjets in der Tat Keimzellen der revolutionären Regierung geworden wären, „wäre ihnen die Macht unvermeidlich zugefallen. Das Schwergewicht muss auf das Studium eben dieser geschichtlich gegebenen embryonalen Organe der neuen Macht, auf das Studium der Bedingungen ihrer Arbeit und ihres Erfolges verlegt werden“ (Lenin, Band 11, Seite 115).







Über die Gewalt

Bevor wir die Kampfformen der revolutionären Gewalt wissenschaftlich anwenden können, müssen wir den Begriff der Gewalt inhaltlich, wissenschaftlich, vom Standpunkt des Marxismus-Leninismus aus klären und bestimmen. Wir sprechen hier im Allgemeinen von der Gewalt von Klassen und insbesondere von der Gewalt von Klassen im Weltmaßstab.

„Das Bewusstsein der Arbeiterklasse kann kein wahrhaft politisches sein, wenn die Arbeiter nicht gelernt haben, auf alle und jegliche Fälle von (...) Gewalt zu reagieren, welche Klassen diese Fälle auch betreffen mögen, und eben vom sozialdemokratischen und nicht von irgendeinem anderen Standpunkt aus zu reagieren (Lenin, Band 5, Seite 426).

Marx wandte sich gegen die Allheilkraft der Waffe der Kritik, die von sich behauptet, die Gewalt des revolutionären Volkes überflüssig zu machen. Indem das Volk lediglich kritisiert, wird es seine Unterdrückung im besten Falle etwas mildern können, aber es wird sich damit allein im keinen Falle von der Gewalt der Ausbeuter und Unterdrücker grundsätzlich befreien können. Die Auffassung, dass das sozialistische Ziel keine „anti-demokratischen Mittel“ gestatte, ist weder neu noch richtig. Wollte man die marxistisch-leninistische Auffassung dem Tolstoischen Gewaltverzicht gleichsetzen, wie es manche Revisionisten gern tun, und vom sozialistischen Staat fordern, nicht mit Gewalt auf Gewalt zu antworten, so würde man die Revolution und die Diktatur des Proletariats angesichts ihrer bewaffneten Feinde entwaffnen. Die Geschichte der revolutionären Arbeiterbewegung, angefangen bei der Pariser Kommune bis in unsere Zeit, kennt viele Beispiele, die beweisen, welchen blutigen und teuren Preis das Proletariat und die werkätigen Massen bereits zahlen mussten, wenn sie im Namen einer abstrakt verstandenen Humanität und ganz im pazifistischen Sinne auf Gewalt gegen die Bourgeoisie, die stets als erste zu den Waffen griff, verzichten. Deshalb muss die Frage der Gewalt sowohl in der Geschichte überhaupt als auch bei der Verwirklichung der sozialistischen Revolution unbedingt konkret-historisch gesehen werden. Es gibt eine revolutionäre und eine reaktionäre Gewalt – also: Gewalt gegen Gewalt. Die revolutionäre Gewalt wird erst in dem Moment überflüssig, wo es keine reaktionäre Gewalt mehr gibt, wie Engels weiter unten noch zitiert wird. Wenn aber die Feinde zur reaktionären Gewalt greifen, so kann die Antwort nur die revolutionäre Gewalt sein: „Auger um Auge, Zahn um Zahn“. In diesem Fall ist sie nicht einfach das moralisch Böse, das Gewaltverherrlichende, Inhumane und Menschenverachtende. Sie ist eine notwendige Aktion zur Erreichung eines guten Zieles. Der Verzicht auf Gewaltanwendung wäre in einem solchen Fall ein schweres Vergehen gegen alle Opfer der reaktionären Gewalt. „Wir wären Verräter, wenn wir diese Feinde des Proletariats nicht erwürgen würden, sobald wir die Möglichkeit dazu haben“ (Lenin, Band 16, Seite 311). So ein schweres Verbrechen haben auch die Opportunisten begangen, indem sie vor der Rache der Konterrevolution jammerten: „Man hätte nicht zu den Waffen greifen sollen!“ Der gesetzmäßig heranreifende Prozess der sozialistischen Wiedergeburt lässt sich auch mit konterrevolutionärer Gewalt nicht aufhalten. Wenn wir dieser neuerlichen Geburt mit revolutionären Mitteln nachhelfen, dann nur, um den Geburtsprozess zu erleichtern. Das ist nicht gewalttätig gegenüber der neuen Gesellschaft, sondern nur gegenüber der alten Gesellschaft, die nicht freiwillig gehen will und daher die Geburt mit gewaltsamen Mitteln zu verhindern sucht.

„Es gibt keine schweren Kämpfe ohne Lazarette in der Nähe des Schlachtfeldes. Sich aber durch „Lazarett“-Szenen erschrecken oder entnerven zu lassen ist vollig unverzeihlich. Wer Wölfe fürchtet, der meide den Wald. (...) Der Kampf ist schwer, aber der Erfolg ist den Arbeitern gewiss. Mögen Schwache oder Eingeschüchterte bei „Extremen“ des Kampfes schwankend werden – morgen schon werden sie selbst erkennen, dass man, ohne diesen harten Kampf durchzustehen, keinen Schritt weiter vorankommen konnte“ (Lenin Band 19, Seite 26 und 27).

Lenin wandte sich gegen solche Leute, die gegen Gewalt, gegen die Waffen, gegen den Aufstand, gegen den Bürgerkrieg, gegen gerechte Kriege, gegen die Revolution, gegen revolutionäre Aktionen usw. auftraten mit folgendem Gleichnis:

„Wir, die Nackten und Schutzlosen, die Hungrigen und Gequälten, sind nicht imstande, aus unserem Sumpf, in dem wir umkommen, auf jenen Berg hinaufzusteigen, wo Licht und Sonne, Luft und alle Früchte der Erde sind. Wir haben die Leiter nicht, ohne die der Aufstieg unmöglich ist. Wir sind nicht imstande, die Leiter zu beschaffen. Deshalb dürfen wir unseren Kampf für den Aufstieg nicht mit der Losung der Beschaffung (respektive Herstellung) der Leiter verknüpfen. Deshalb muss unsere Losung sein: Auf den Berg! Auf den Berg! Auf dem Berg ist Glück und Erlösung, Luft und Licht, Ermutigung und Stärkung. Weil die Leiter fehlt, ohne die man nicht hinaufsteigen kann, deshalb soll man als Losung nicht die Beschaffung einer Leiter nehmen und an ihrer Herstellung arbeiten, deshalb soll die Losung lauten: Seid droben auf dem Berg, auf dem Berg ist das Glück usw.! `Die Schwäche hatte sich wie immer in den Wunderglauben gerettet`, hat Marx gesagt . (...) Verlogene Phrasen, hohle Phrasen bedeuten den moralischen Tod und sind das sichere Unterpfand des politischen Todes (...) `Wir sind schwach` - daraus entspringt unabweislich der ganze Verrat an der Revolution“ (Marx zitiert von Lenin aus MEW, Band 8, Seite 119; Lenin, Band 9, Seite 290-291-292-293). „(...) die Masse, das Volk, die Menge wird durch Taten, nach dem Kampfe, entscheiden, ob Kraft vorhanden ist“ (Lenin, Band 9, Seite 294).

„Wer den Sklaven tröstet, statt ihn zur Rebellion gegen die Sklaverei aufzurütteln, der unterstützt die Sklavenhalter. Aunahmslos alle unterdrückenden Klassen bedürfen zur Aufrechterhaltung ihrer Herrschaft zweier sozialer Funktionen: der Funktion des Henkers und der Funktion des Pfaffen. Der Henker soll den Protest und die Empörung der Unterdrückten niederhalten. Der Pfaffe soll die Unterdrückten trösten, ihnen die Perspektive einer Milderung der Leiden und Opfer bei Aufrechterhaltung der Klassenherrschaft ausmalen (...) und sie eben dadurch mit dieser Herrschaft aussöhnen, sie revolutionärer Taten entwöhnen, ihren revolutionären Geist untergraben, ihre revolutionäre Entschlossenheit zerstören. Kautsky hat aus dem Marxismus die widerwärtigste und stumpfsinnigste konterrevolutionäre Theorie, das schmutzigste Pfaffentum gemacht“ (Lenin, Band 21, Seite 226). Und die Neo-Revisionisten haben sich auf den Weg des Neo-Kautskyanertums begeben!

„Wie die Bourgeoisie nicht sterben wird, solange man sie nicht stürzt, so wird auch die von der Bourgeoisie genährte und unterstützte Strömung, die die Interesssen der kleinen Gruppe von Intellektuellen und Aristokraten der Arbeiterklasse, die sich mit der Bourgeoisie verbündet hat, zum Ausdruck bringt, nicht sterben, wenn man sie nicht `totschlägt`, d.h., nicht stürzt, nicht jeden Einfluss auf das sozialistische Proletariat beraubt. Diese Strömung ist eben durch ihre Verbindungen mit der Bourgeoisie stark, sie ist dank den objektiven Bedingungen der `friedlichen` Epoche von 1871 bis 1914 zu einer Art kommandierender parasitärer Schicht in der Arbeiterbewegung geworden. Da ist es unbedingt notwendig, nicht nur zu `radeln`, sondern Sturm zu läuten, diese Parasitenschicht schonungslos zu entlarven, zu stürzen, `ihrer Posten zu entheben` , ihre `Einheit` mit der Arbeiterbewegung zu zerschlagen, denn eine solche `Einheit` bedeutet in Wirklichkeit Einheit des Proletariats mit der nationalen Bourgeoisie und Spaltung des internationalen Proletariats, Einheit der Lakaien und Spaltung der Revolutionäre. (...) Sie werden weder physisch noch politisch sterben, die Arbeiter aber werden mit ihnen brechen, sie in den Abgrund stoßen, wohin die Lakaien der Bourgeoisie gehören, und am Beispiel ihrer Fäulnis ein neues Geschlecht erziehen, richtiger gesagt: neue Armeen des Proletariats, die zum Aufstand fähig sind“ (Lenin, Band 21, Seite 359-360).

„Die Passivität, das ist eine Eigenschaft der kleinbürgerlichen Intelligenz und nicht der Revolution“ (Lenin, Band 11, Seite 344).

Und die Imperialisten malen das Schreckgespenst des Terrors, der Gewalt, des Chaos und der wildesten Anarchie an die Wand, um ihren vereinigten, globalisierten Staatenterror gegen die Revolutionen in der Welt zu rechtfertigen. „Niemand leugnet die Unvermeidlichkeit des Chaos in dieser Bewegung. Dieses Chaos aber schafft Ordnung – die Ordnung der Revolution, diese höchste Stufe der chaotischen, spontanen Erhebungen des Volkes“ (Lenin, Band 11, Seite 234). „Konterrevolutionäre Perioden sind unter anderem dadurch gekennzeichnet, dass konterrevolutionäre Ideen nicht nur in grober und unumwundener, sondern auch in verfeinerter Form Verbreitung erlangen: es erstarken die spießbürgerlichen Stimmungen in den revolutionären Parteien. (...) Teilnehmer und Ideologen des bewaffneten Aufstandes in jeder Art und Weise verunglimpften und mit Schmutz bewarfen“ (Lenin, Band 11, Seite 237).

„Die Waffe der Kritik kann allerdings die Kritik der Waffen nicht ersetzen, die materielle Gewalt muss gestürzt werden durch materielle Gewalt, allein auch die Theorie wird zur materiellen Gewalt, sobald sie die Massen ergreift“ (Marx, Band 1, Seite 385). Es ist insbesondere die marxistisch-leninistische Militärtheorie, die sich auf diese These von Marx stützt sowohl im nationalen, als auch vor allem im internationalen Maßstab. Die marxistisch-leninistische Militärwissenschaft ist fähig, die revolutionären Völker zu ergreifen, weil sie sich als Anleitung zum militärischen Handeln des Weltproletariats entwickelt hat und weiter entwickeln wird.

Wir kommunistischen Soldaten sind Humanisten und verabscheuen grundsätzlich reaktionäre Gewalt. Wenn man uns aber auf die rechte Backe schlägt, halten wir nicht unsere linke Backe auch noch hin, sondern schlagen zurück, um uns zu verteidigen, um den Menschen vor dem Menschen zu schützen, um der Unmenschlichkeit die Menschlichkeit mit dem Bajonett aufzudrücken. Wir sind radikal gegen jede Form der reaktionären Gewalt, die gegen Menschen auf dieser Erde ausgeübt wird, aber in dieser Welt kann keine einzige Form der Gewalt an Menschen gebrochen werden, ohne jegliche Form der Gewalt zu brechen. Der Kapitalismus, die Gesellschaftsform, in der die Gewalt zur Ausbeutung und Unterdrückung von Menschen durch Menschen ihren traurigen Höhepunkt in der ganzen Menschheitsgeschichte erreicht hat, schuf gleichzeitig alle Bedingungen und Voraussetzungen, um die Gewalt an Menschen, die Ausbeutung und Unterdrückung durch Menschen für immer zu überwinden – die klassenlose, gewaltfreie Gesellschaft des Weltkommunismus. Also wenn du wirklich Frieden willst, musst du dafür die Waffe in die Hand nehmen und sie gegen diejenigen richten, die im Namen ihres „Friedens“, im Namen ihrer „Ziviklisation“, im Namen ihrer „Rettung und Veteidigung der Demokratie, Kultur“ etc. die ganze Menschheit und die Natur dieser Erde vernichten und zerstören für Profitinteressen.

Im Kommunistischen Manifest heißt es am Schluss des II. Abschnitts:

„Sind im Laufe der Entwicklung die Klassenunterschiede verschwunden ... so verliert die öffentliche Gewalt den politischen Charakter. Die politische Gewalt im eigentlichen Sinne ist die organisierte Gewalt einer Klasse zur Unterdrückung einer anderen“ (MEW, Band 4, Seite 482).

„Aber die Geschichte ist nun einmal die grausamste aller Göttinnen, und sie führt ihren Triumphwagen über Haufen von Leichen, nicht nur im Kriege, sondern auch in Zeiten `friedlicher` ökonomischer Entwicklung. Und wir Männer und Frauen sind unglücklicherweise so stupide, dass wir nie den Mut zu einem wirklichen Fortschritt aufbringen können, es sei denn, wir werden dazu durch Leichen angetrieben, die beinahe jedes Maß übersteigen“ (Engels, 1893, MEW, Band 39, Seite 38).

„Wenn die Gewalt die Ursache der sozialen und politischen Zustände, was denn die Ursache der Gewalt? Die Aneignung fremder Arbeitsprodukte und fremder Arbeitskraft“ (Materialien zum „Anti-Dühring“; MEW, Band 20, Seite 588). „Also die Gewalt macht die ökonomischen, politischen etc. Lebensbedingungen einer Epoche, eines Volkes, etc. Wer aber macht die Gewalt? Die organisierte Gewalt ist vor allem die Armee“ (ebenda, Seite 592).

Die von Engels geschaffenen Gewalttheorie beruht auf dem Gesetz, „dass der Sieg der Gewalt auf der Produktion von Waffen beruht, und diese wieder auf der Produktion überhaupt, also – auf der `ökonomischen Macht`, auf der `Wirtschaftslage`, auf den der Gewalt zur Verfügung stehenden materiellen Mitteln“ (MEW, Band 20, Seite 154,“Anti-Dührung“). Ohne ökonomische Bedingungen und Machtmittel, die der „Gewalt“ zum Siege verhelfen, hört sie auf, Gewalt zu sein. „Bewaffnung, Zusammensetzung, Organisation, Taktik und Strategie hängen vor allem ab von der jedesmaligen Produktionsstufe und den Kommunikationen. Nicht die `freien Schöpfungen des Verstandes` genialer Feldherren haben hier umwälzend gewirkt, sondern die Erfindung besserer Waffen und die Veränderung des Soldatenmaterials; der Einfluss der genialen Feldherren beschränkt sich im besten Fall darauf, die Kampfweise den neuen Waffen und Kämpfern anzupassen (Die Taktik der Infanterie ist aus den materiellen Ursachen abgeleitet) [ebenda, Seite 155].

Die Armee ist Hauptzweck des Staates, ist Selbstzweck geworden; die Völker sind nur noch dazu da, die Soldaten zu liefern und zu ernähren. Der Militarismus beherrscht und verschlingt Europa. Aber dieser Militarismus trägt auch den Keim seines eigenen Unterganges in sich [Militarismus erzeugt Anti-Militarismus – Anmerkung des Verfassers]. Die Konkurrenz der einzelnen Staaten untereinander zwingt sie einerseits, jedes Jahr mehr Geld auf Armeen, Flotte, Geschütze etc. zu verwenden, also den finanziellen Zusammenbruch mehr und mehr zu beschleunigen; andererseits mit der allgemeinen Dienstpflicht mehr und mehr Ernst, und damit schließlich das ganze Volk mit dem Waffengebrauch vertraut zu machen; es also zu befähigen in einem gewissen Moment seinen Willen gegenüber der kommandierenden Militärherrlichkeit durchzusetzen. Und dieser Moment tritt ein, sobald die Masse des Volks – ländliche und städtische Arbeiter und Baiern – einen Willen hat. Auf diesem Punkt schlägt das Fürstenheer um in ein Volksheer; die Maschine versagt den Dienst, der Militarismus geht unter an der Dialektik seiner eigenen Entwicklung. Was die bürgerliche Demokratie von 1848 nicht fertigbringen konnte, eben weil sie bürgerlich war und nicht proletarisch, nämlich den arbeitenden Massen einen Willen geben, dessen Inhalt ihrer Klassenlage entspricht – das wird der Sozialismus unfehlbar erwirken. Und das bedeutet die Sprengung des Militarismus und mit ihm aller stehenden Armeen von innen heraus“ (ebenda Seite 158-159).

„Für Herrn Dühring ist die Gewalt das absolut Böse (...). Dass die Gewalt aber noch eine andre Rolle in der Geschichte spielt, eine revolutionäre Rolle, dass sie, in Marx` Worten, die Geburtshelferin jeder alten Gesellschaft ist, die mit einer neuen schwanger geht` [Band 23, Seite 779], dass sie das Werkzeug ist, womit sich die gesellschaftliche Bewegung durchsetzt und erstarrte, abgestorbne politische Formen zerbricht – davon kein Wort bei Herrn Dühring“ (MEW, Band 20, Seite 171). Engels wandte sich auch spöttisch gegen das andere Extrem, gegen die „Behauptung, die Gewalt sei unter allen Umständen revolutionär und nie reaktionär; der Esel merkt nicht, dass, wenn keine reaktionäre Gewalt da ist, die man umwerfen muss, von einer revolutionären Gewalt gar nicht die Rede sein kann; man kann doch keine Revolution machen gegen etwas, das man nicht einmal umzublasen braucht“ (Engels an Bebel, 7. Oktober 1892, MEW Band 38, Seite 489).

Jede Kugel kann tödlich sein, aber die eine Kugel tötet der Verteidigung des Profits willen und die andere, um der Verteidigung des Lebens willen. Jeder Krieg ist gewalttätig, grausam und bestialisch, aber der imperialistische Krieg ist ein Raubkrieg und der gerechte Krieg ein Krieg gegen den Raubkrieg.

„Die Geschichte lehrt, dass noch nie eine unterdrückte Klasse zur Herrschaft gelangt ist und auch nicht gelangen konnte, ohne eine Periode der Diktatur durchzumachen, d.h., der Eroberung der politischen Macht und der gewaltsamen Unterdrückung des verzweifeltsten, wildesten, vor keinem Verbrechen zurückschreckenden Widerstands, der immer von den Ausbeutern geleistet wurde“ (Lenin, Band 28, Seite 471-472).

„Die großen Fragen der politischen Freiheit und des Klassenkampfes werden letzten Endes nur durch Gewalt entschieden, und wir müssen für die Vorbereitung, für die Organisierung dieser Gewalt und für ihre aktive, nicht nur defensive, sondern auch offensive Anwendung Sorge tragen. Die lange Periode der politischen Reaktion, die seit der Pariser Kommune in Europa fast ununterbrochen herrscht, hat uns zu sehr mit dem Gedanken der Aktion nur „von unten“ vertraut gemacht, hat uns zu sehr an den Anblick nur defensiver Kämpfe gewöhnt. Wir sind jetzt zweifellos in eine neue Epoche eingetreten; die Periode der politischen Erschütterungen und Revolutionen hat begonnen. In einer solchen Periode, wie Russland sie jetzt durchlebt, ist es nicht statthaft, sich auf die alte Schablone zu beschränken. Man muss die Idee der Aktion von oben propagieren, man muss sich auf die energischsten Angriffsaktionen vorbereiten, man muss die Bedingungen und Formen solcher Aktionen studieren“ (Lenin, Band 9, Seite 16-17). „Große Fragen werden im Leben der Völker nur durch Gewalt entschieden. Die reaktionären Klassen greifen gewöhnlich als erste zur Gewalt, beginnen den Bürgerkrieg und `setzen die Bajonette auf die Tagesordnung`“ (Lenin, Band 31, Seite 338, dt. Ausgabe).

„Solange die anderen Klassen, speziell die kapitalistische noch existiert, solange das Proletariat mit ihr kämpft, muss es gewaltsame Mittel anwenden“ ( MEW, Band 18, Seite 630, dt. Ausgabe).

Marx stellte fest, „dass also die Revolution nicht nur nötig ist, weil die herrschende Klasse auf keine andere Weise gestürzt werden kann, sondern auch, weil die stürzende Klasse, nur in einer Revolution dahin kommen kann, sich den ganzen alten Dreck vom Halse zu schaffen“ (MEW, Band...)

Worauf stützt sich also revolutionäre Gewalt? Sie stützt sich auf die Volksmassen. Es ist die Gewalt des revolutionären Volkes gegen seine Peiniger im Gegensatz zur reaktionären Gewalt über das Volk. Die revolutionäre Macht ist eine Macht, die allen offensteht, die alles vor den Augen der Massen macht, die der Masse zugänglich ist, die unmittelbar von der Masse ausgeht, ein direktes und unmittelbares Organ der Volksmasse und ihres Willens. Alle Gewalt, alle Macht geht vom revolutionären Volk aus.“Und wer brachte in der ersten französischen Revolution die Disziplin in die Armee?: nicht die Generäle, die erst nach einigen Siegen in einer Revolution, bei improvisierten Armeen Einfluss und Autorität bekommen, sondern der Terror der inneren Politik, der Zivilgewalt“ (Engelsan Marx 1851, MEW, Band 27, Seite 353).

„Ohne Anwendung von Gewalt gegen die Gewalttäter, in deren Händen sich die Waffen und Machtorgane befinden, kann das Volk nicht von den Gewalttätern befreit werden“ (Lenin, Band 31, Seite 344, dt. Ausgabe). In solchen Augenblicken, wo das unbewaffnete Volk von der bewaffneten Reaktion, von der faschistischen Diktatur der imperialistischen Bourgeoisie gewürgt, misshandelt, zum Krüppel geschlagen, physisch vernichtet wird, können sich nur Vertreter der liberalen Bourgeoisie, Revisionisten, Reformisten, Opportunisten usf. usf. zu einer solchen „antifaschistischen“ Front zusammenschließen, die sich zwischen Faschismus und Volk stellt. Offen und vorbehaltlos auf der Seite des Volkes aber steht nur jene antifaschistische Front, die von der revolutionären Arbeiterklasse geführt wird. Die proletarische antifaschistische Front befreit das Volk nicht nur von den faschistischen Gewalttätern der herrschenden Diktatur der Bourgeoisie , sondern auch von dem Verrat der bürgerlich-revisionistischen antifaschistischen Front, um dem Volk den Weg zum Sozialismus zu ebnen. Die proletarische antifaschistische Front führt einen bewaffneten Kampf gegen den Faschismus zur Beseitigung des Kapitalismus; die bürgerliche antifaschistische Front tastet den bürgerlichen Rahmen jedoch nicht an und bereitet mit dieser Unterlassungssünde letztendlich nur den Weg zum erneuten Faschismus vor, denn Kapitalismus führt früher oder später gesetzmäßig, unvermeidlich immer wieder zu faschistischer Gewalt; so wie die Restauration des Kapitalismus auch ebenso gesetzmäßig und unvermeidlich zum Sozialfaschismus geführt hat und früher oder später stets führen wird (Sozialismus in Worten- Faschismus in Taten).

Das Proletariat will den antifaschistischen Kampf bewaffnen. Die liberale Bourgeoisie will nur die faschistische Form der Diktatur beseitigen, die Diktatur selbst aber nicht. Ob durch parlamentarische Demokratie oder bürgerlichen Sozialismus – die gemäßigten, liberalen Teile der Bourgeoisie wollen im antifaschistischen Kampf nicht etwa die Diktatur der Bourgeoisie beseitigen, sondern retten. Das aber ist nicht das Ziel des proletarischen antifaschistischen Kampfes. Die liberale Bourgeoisie und das Kleinbürgertum appelieren an die faschistischen Schlächter des Volkes, das Schlachten zu beenden. Das Proletariat aber appeliert an das Volk, fordert es auf, sich gegen den Faschismus zu bewaffnen und mit den Waffen entschlossenen antifaschistischen Widerstand zu leisten, die faschistischen Schlächter zu entwaffnen, nicht nur die faschistische Form, sondern alle Formen der bürgerlichen Gewalt zu bekämpfen, die ganze Diktatur der Bourgeoisie zu brechen und die Diktatur des Proletariats zu erobern.

Wegen der Verschiedenheit der Interessen zwischen den Klassen im antifaschistischen Kampf darf sich das Volk niemals den bürgerlich-kleinbürgerlichen Kräften in der antifaschistische Einheitsfront unterordnen – das hat die Geschichte der bürgerlich-revisionistischen Volksfrontpolitik leidvoll bewiesen. Eine Volksfront, die nicht den Kapitalismus beseitigt, ist nicht mehr und kann nicht mehr sein, als eine bürgerliche Volksfront zur Rettung der Bourgeoisie, aber nicht zur Befreiung des Volkes von der Bourgeoisie und damit von ihrer Diktatur. Daher gilt es, der bürgerlichen Volksfront die proletarische Volksfront entgegenzustellen! Jeder, der die gewaltsamen Mittel der proletarischen antifaschistischen Front unterstützt, um die faschistische Gewalt zu brechen, steht auf der Seite des Volkes. Die faschistischen Gewalttaten hören aber erst auf, wenn der Kapitalismus beseitigt ist, der niemals friedlich war, sein oder werden kann! Deswegen kann es nur eine ernstzunehmende antifaschistische Einheitsfront, nur eine wahre Volksfront geben, nämlich jene, die für die Beseitigung des Kapitalismus, für die Abschaffung der bürgerlichen und Erorberung der proletarischen Diktatur, für die Errichtung des Sozialismus kämpft – und das kann nur eine proletarisch geführte Volksfront sein. Das ist der einzig richtige marxistisch-leninistische Standpunkt in der Frage der antifaschistischen Einheitsfronttaktik. Als Marxist-Leninist muss man die Lage der Massen im Faschismus betrachten, ihre objektiven Lebensbedingungen, den Klassenunterschied in diesen Massen, den realen Inhalt des Kampfes gegen die faschistische Gewalt, den sie erstreben. Nicht aus einer allgemeinen Phrase muss man die Gemeinsamkeit der Interessen in der antifaschistischen Einheitsfront ableiten, nicht vom Kampf gegen die faschistische Gewalt überhaupt auf den gemeinsamen Kampf verschiedener Klassen schließen – sondern umgekehrt, aus der genauen Analyse der Lage der Massen unter dem Faschismus und der Interessen der verschiedenen Klassen gegen den Faschismus muss man folgern, inwieweit und worin der Kampf gegen die faschistische Gewalt wesensgleich sind oder zusammenfallen ( und ob sie zusammenfallen). Gegen die faschistische Gewalt kämpfen heißt vor allem, die Massen ideologisch vom Faschismus loszureißen. Lenin sagte: „Die Herausarbeitung einer konsequenten konterrevolutionären Ideologie stellt einen Schlüssel dar, sobald es eine bereits voll ausgebildete Klasse gibt, die in den wichtigsten Lebensperioden des Landes konterrevolutionär gehandelt hat“ (Lenin, Band 13, Seite 491). Die Stärke und Zählebigkeit des ideologischen Einflusses auf die Massen aber besteht nicht nur im besonderen Einfluss der Faschisten, sondern überhaupt im Einfluss aller bürgerlicher Parteien, wozu auch die revisionistischen Parteien zu rechnen sind, die allesamt eine der Klassenstellung und Klassenpolitik der Bourgeoisie entsprechende Ideologie betreiben, ohne die sich die faschistische Ideologie gar nicht erst entwickeln könnte. Eben deswegen sprechen wir von den reformistischen und revisionistischen Steigbügelhaltern des Faschismus, eben deswegen sprechen wir vom Sozialfaschismus. Das ist die Ideologie des Verrats an der Befreiung vom Faschismus, die selber im eigenen Faschismus endet. Es sind die bürgerlich-revisionistischen Organisationen, die das Proletariat über das Wesen und die Aufgaben des antifaschistischen Kampfes belügen und betrügen – und das heißt, dass die Massen den Faschismus nur erschlagen können, wenn sie sich nicht nur vom Einfluss der faschistischen Ideologie losreißen, sondern sich von der insgesamten bürgerlich-revisionistischen Ideologie überhaupt befreien. Je brutaler die faschistischen Gewalttaten durch die sich verschärfenden Klassengegensätze infolge der Krise des Kapitalismus, desto jämmerlicher die Anpassung der Opportunisten auf der einen Seite und desto entschlossener und stärker die revolutionäre Gegengewalt der proletarischen Massen auf der anderen Seite – Faschismus oder Sozialismus !

Lenin zitierte Wilhelm Liebknecht, der einmal sagte - und das muss sich ein jeder Antifaschist gut einprägen: „`Die dumm-brutalen Gewaltstreiche der Polizeipolitiker, die Attentate des Sozialistengesetzes, des Umsturzgesetzes, des Zuchthausgesetzes konnten uns nur Gefühle mitleidiger Verachtung entlocken – der Feind aber, der uns die Hand zum Wahlbündnis hinstreckt und sich als Freund und Bruder uns aufdrängt – ihn, und ihn allein haben wir zu fürchten` (...) Das Bewusstsein der Massen aber wird nicht durch Gewaltakte und Zuchthausgesetze getrübt, sondern durch die falschen Freunde der Arbeiter, die liberale Bourgeoisie, die die Massen durch hohle Phrasen über den Kampf vom wirklichen Kampf ablenken(Lenin, Band 11, Seite 403). „`Von dem Augenblick an`, sagte Liebknecht,` wo das Proletariat als vom Bürgertum losgelöste und ihm interessenfeindliche Klasse auftritt, hört das Bürgertum auf, demokratisch zu sein`“ (zitiert wieder bei Lenin, Nand 11,Seite 405).



Die Notwendigkeit der Anwendung von Gewalt bleibt auch ein Grundelement der Diktatur des Proletariats. Die leninistische Definition der Diktatur des Proletariats fasste Stalin in drei Grundelementen zusammen: Notwendigkeit der Anwendung von Gewalt, proletarische Führung und Aufbau des Sozialismus.

„Der wissenschaftliche Begriff Diktatur bedeutet nichts anderes als eine durch nichts beschränkte, durch keine Gesetze und absolut keine Regeln eingeengte, sich unmittelbar auf Gewalt stützende Macht. Nichts anderes als das bedeutet der Begriff `Diktatur(...). Weiter, (...), sehen wir die Diktatur eben des Volkes, denn das Volk, die formlose Masse der Bevölkerung, (...), tritt selber und unmittelbar auf den Schauplatz, hält selber Gericht, wendet die Macht an und schafft ein neues revolutionäres Recht. Schließlich ist das die Diktatur eben des revolutionären Volkes. Warum nur des revolutionären und nicht des ganzen Volkes? Weil es im ganzen Volk, das ständig und aufs Grausamste (...) zu leiden hat, Menschen gibt, die körperlich gebrochen und eingeschüchtert sind, Menschen die seelisch gebrochen sind, beispielsweise durch die Theorie, man dürfe sich dem Bösen nicht mit Gewalt widersetzen, oder die einfach gebrochen sind und nicht durch eine Theorie, sondern durch das Vorurteil, durch die Gewohnheit, den alten Trott, gleichgültige Menschen, was man so Spießer nennt, Kleinbürger, die eher geneigt sind, sich aus einem scharfen Kampf herauszuhalten, daran vorbeizuschleichen, oder sich sogar zu verkriechen ( man könnte in der Rauferei ja etwas abbekommen!). Eben deshalb wird die Diktatur nicht vom ganzen Volk, sondern nur vom revolutionären Volk verwirklicht, das jedoch das ganze Volk nicht im geringsten fürchtet, das dem ganzen Volk die Gründe seines Handelns und alle Einzelheiten seines Tuns offen darlegt, das bereitwillig das ganze Volk zur Teilnahme nicht nur an der staatlichen Verwaltung, sondern auch an der Macht (...) heranzieht“ (Lenin, Band 31, Seite 345-346, dt. Ausgabe).

Wir definierte Lenin den Begriff des revolutionären Volkes? „Wisst, dass euch niemand befreien wird, wenn ihr euch nicht selber befreit. (...) Erst dann werdet ihr ein revolutionäres Volk sein, d.h. ein Volk, das weiß, wofür es kämpfen muss, ein Volk, das zu kämpfen, ein Volk, das die Unterdrücker zu besiegen versteht“ (Lenin, Band 11, Seite 85). Der Begriff der revolutionären Völker leitet sich von Lenins Definition ab: Die Völker sind erst dann revolutionär, wenn sie wissen, dass sie sich nur im gemeinsamen, vereinigten Kampf befreien können, wenn sie wissen, wofür sie zusammen kämpfen müssen, wenn die Völker es verstehen, den Weltimperialismus vereint zu besiegen.

„Ist es gut, dass das Volk solche ungesetzlichen, an keine Regeln gebundenen, nicht planmäßigen und nicht systematischen Kampfmethoden anwendet, dass es von der Freiheit Besitz ergreift, eine neue, formal von niemandem anerkannte, revolutionäre Macht errichtet und gegen die Unterdrücker des Volkes Gewalt anwendet? Jawohl, das ist sehr gut“ (Lenin, Band 31, Seite 347). Jedes Volk hat das Recht, auf Gewalt mit Gewalt zu antworten. Alle Völker haben das gemeinsame Recht, gegen die Gewalt der internationalen Reaktion gemeinsam mit revolutionärer Gewalt zu antworten. Der proletarische Internationalismus bedeutet Solidarität der Proletarier aller Länder mit allen revolutionären Völkern im gemeinsamen, gewaltsamen Kampf gegen die Gewalt der internationalen, konterrevolutionären Bourgeoisie. Die gemeinsame revolutionäre Gewalt des Weltproletariats und der revolutionären Völker ist ihrem Wesen nach sowohl eine Gewalt der Selbstverteidigung als auch eine der sozialen und nationalen Befreiung. Damit ist aber das Wesen der internationalen, revolutionären Gewalt längst nicht erschöpft. Entscheidend ist die damit erst mögliche Beseitigung der Unvermeidbarkeit der internationalen, reaktionären Gewalt, das heißt die Beseitigung ihrer Ursache – und das ist der Weltkapitalismus. Und gerade deswegen ist die Errichtung der Diktatur des Weltproletariats unverzichtbar. Ohne die Diktatur des Weltproltariats kann es keine Befreiung der revolutionären Völker von ihrer Unterjochung geben, so wie es umgekehrt auch ohne gewaltsame Befreiung aller revolutionären Völker von der Unterjochung des Weltimperialismus keine soziale Befreiung des gesamten Weltproletariats geben kann.

Den Marxisten-Leninisten wird vorgeworfen, sie würden das Volk, die Völker der ganzen Welt, spalten in Klassen und das auch noch gewaltsam! Das aber ist nicht das Werk der Marxisten-Leninisten, sondern das von den Imperialisten fortgesetzte und auf die Spitze getriebene Werk aller (gewaltsam) herrschenden Klassen im Verlauf der gesamten Geschichte der Klassengesellschaft. Gewalt war unvermeidlicher Charakterzug der Sklavenhaltergesellschaft, der Feudalgesellschaft und ist es heute in der kapitalistischen Gesellschaft und ihrem höchsten imperialistischen Stadium um so mehr. Also ist die Gewalt in jeder antagonistischen Klassengesellschaft eine gesetzmäßige Triebkraft des Klassenkampfes, insbesondere wenn die alte durch die neue abgelöst wird. Und so wird auch die antagonistische kapitalistische Klassengesellschaft gewaltsam durch die sozialistische Gesellschaft abgelöst. Die Marxisten-Leninisten haben also die Spaltung des Volkes in Klassen und die damit verbundene Gewalt nicht erfunden, sondern erbringen nur den Nachweis, dass diese Spaltung und die mit ihr verbundene Gewalt in der Klassengesellschaft wirklich besteht, dass es im Volk Klassen gibt, die andere Klassen gewaltsam unterdrücken und ausbeuten - eine Minderheit des Volkes herrscht über der Mehrheit des Volkes. Wenn wir also vom Volk sprechen, meinen wir das revolutionäre Volk, meinen wir die Werktätigen, die Träger der Produktion und damit des Fortschritts - meinen wir die Mehrheit der Bevölkerung. Lenin spricht vom „Volk, d.h. das Proletariat und die Bauernschaft, wenn man die grundlegenden, ausschlaggebenden Kräfte nimmt und die ländliche und städtische Kleinbourgeoisie (die auch zum `Volk` gehört) zwischen ihnen aufteilt“ (Lenin, Band 9, Seite 43). „Die Sozialdemokratie kämpfte und kämpft mit vollem Recht gegen den bürgerlich-demokratischen Missbrauch des Wortes Volk. Sie verlangt, dass mit diesem Wort nicht das Unverständnis für die Klassenantagonismen innerhalb des Volkes bemäntelt wird. Sie besteht kategorisch darauf, dass es für die Partei des Proletariats notwendig ist, ihre volle Klassenselbständigkeit zu bewahren. Sie teilt aber das `Volk` nicht in `Klassen` ein, damit die fortgeschrittenste Klasse sich abkapselt, sich auf ein enges Maß beschränkt und ihre Tätigkeit durch Erwägungen von der Art beschneidet, dass die ökonomischen Beherrscher der Welt bloß nicht abschwenken – sondern damit die fortgeschrittenste Klasse, unbehindert von der Halbschlächtigkeit, Unbeständigkeit und Unentschlossenheit der Mittelklassen, mit um so größerer Energie, mit um so größerem Enthusiasmus an der Spitze des Volkes für die Sache des ganzen Volkes kämpft“ (Lenin, Band 9, Seite 102).



Die Minderheit im Volk, ihr unterdrückender aud ausbeutender Teil zählen wir nicht zum Volk, sondern wir bezeichnen sie hingegen als seine Feinde, als Volksfeinde, als Ausbeuter und Unterdrücker des Volkes (im Volk). Die Hauptkriterien dafür, ob eine Klasse oder gesellschaftliche Schicht als Teil des Volkes betrachtet werden kann, ist nicht deren Stellung in der Gesellschaft als „Produzent materieller Güter“, als „Werktätige“, sondern ist ihr objektiv bedingtes Interesse und ihre Fähigkeit, aktiv an der revolutionären Entwicklung der Gesellschaft teilzunehmen. Alle Klassen und gesellschaftlichen Kräfte, die sich der Revolution entgegenstemmen, sind konterrevolutionäre Kräfte, sind Feinde des Volkes, gehören nicht zum Volk, nicht zu den Volksmassen, der Haupttriebkraft und die Schöpfer der Geschichte jeder gesellschaftlichen Entwicklung. In der sozialistische Revolution erreicht die bewusste bewaffnete Aktivität der Massen des Volkes und die der Massen der Völker in der sozialistischen Weltrevolution ihren Höhepunkt.

Wir sprechen hier also nicht vom Volk als „Gesamtbevölkerung“, als Angehörige dieser oder jenen Nation und auch nicht vom Volk, das sich einst aus verschiedenen Stämmen historisch entwickelte, sondern vom Volk wie es heute unter den Bedingungen des Kapitalismus tatsächlich existiert. Diese verschiedenen Begriffe darf man – wenn man vom bewaffneten Kampf des Volkes, wenn man von der Volksrevolution, vom Volksaufstand spricht - weder identifizieren, verwechseln noch willkürlich gegeneinander stellen, wir verwenden sie also dialektisch.

Von allen werktätigen Schichten und Klassen ist die Arbeiterklasse die entscheidende, wichtigste und führende Kraft des Volkes als seine einzig revolutionäre Klasse und sie bleibt auch im Sozialismus die fortgeschrittenste Klasse. Das heißt aber nicht, dass ihr Kampf nur ein „Zweikampf“ mit der Bourgeoisie ist, denn diese Art des Kampfes hat die Geschichte völlig verworfen. Die Arbeiterklasse kann ihren bewaffneten Kampf nicht allein, sondern nur an der Spitze in einem Bündnis mit allen anderen ausgebeuteten und unterdrückten Klassen führen, die sich dem Proletariat anschließen. Umgekehrt gilt das übrigens auch für die bewaffnete Konterrevolution der Bourgeoisie.

Das Volk kann sich also erst befreien von seiner unterdrückenden Minderheit, von seinen Volksfeinden, von den unterdrückenden und ausbeutenden Klassen, kann erst als sozialistisches Volk herrschen, kann erst seine Demokratie (Volksherrschaft) verwirklichen, wenn das Proletariat diese Volksmehrheit zum gewaltsamen Sturz der unterdrückenden Minderheit führt und den sozialistischen Staat, die Diktatur des Proletariats, aufbaut. Unter dem sozialistischen Volk verstehen wir die gesamte Bevölkerung, alle nichtantagonistischen Klassen des sozialistischen Staates, nachdem die unterdrückende und ausbeutetende kapitalistische Minderheit entmachtet, die Volksfeinde (als Klassen) gewaltsam beseitigt sind.

Das Volk kann im Rahmen des Kapitalismus nicht seine antagonistische Klassenspaltung überwinden – selbst gewaltsam nicht -. Dies gelingt erst mit der gewaltsamen Zerschlagung des kapitalistischen Rahmens der bürgerlichen Klassenherrschaft – und die Beseitigung erschöpft sich dabei nicht allein in der Zerschlagung des bürgerlichen Machtapparates selbst, sondern der Rahmen des Kapitalismus wird bestimmt durch das kapitalistische Privateitgentum; es müssen also die kapitalistischen Produktionsverhältnisse, das kapitalistische System gewaltsam zerschlagen werden. Die proletarische Diktatur – als neue Form der Fortsetzung des Klassenkampfes der siegreichen Arbeiterklasse - dient dem Volk vor allem zum (bewaffneten) Schutz vor den ausbeutenden und unterdrückenden Klassen, die zwar durch den Sozialismus als Klassen beseitigt, aber immer noch in der Lage sind, ihre Macht wieder zurückzuerobern – wie dies eine geschichtliche Tatsache geworden ist mit der Restauration des Kapitalismus durch die Revisionisten. Der gewaltsame Widerstand der Ausbeuter beginnt ja schon vor ihrem Sturz und verschärft sich nachher von zwei Seiten, von außerhalb und von innerhalb des sozialistischen Volkes, in dem die Überreste, die kapitalistischen Elemente noch nicht restlos beseitigt werden können – auch nicht unter Anwendung der notwenigen Gewalt. Dieser Kampf muss also auch in beide Richtungen in der ganzen Übergangsperiode zwischen Kapit