een {4}Schulungstexte der Komintern ML. D
III. Teil
Lehrbuch
über die marxistisch-leninistischen Grundlagen der
weltproletarischen Militärwissenschaft
und über die Kunst der
weltrevolutionären Klassenkriegsführung
Die Frage der Vaterlandsverteidigung
stellte sich zur Zeit von Marx und Engels ganz anders als zur Zeit von Lenin:
„Im Kommunistischen Manifest heißt es, dass die Arbeiter kein Vaterland haben. Mit Recht. Aber dort ist nicht nur das gesagt. Dort ist außerdem gesagt, dass bei der Bildung von Nationalstaaten das Proletariat eine besondere Rolle spielt. Nimmt man die erste These (die Arbeiter haben kein Vaterland) und vergisst ihren Zusammenhang mit der zweiten ( die Arbeiter konstituieren sich national als Klasse, aber nicht in dem Sinne wie die Bourgeoisie), so ist das grundfalsch. Worin besteht nun dieser Zusammenhang? Meiner Meinung nach gerade darin, dass in der demokratischen Bewegung ( in einer solchen Zeit, in einer solchen konkreten Situation) das Proletariat der demokratischen Bewegung die Unterstützung ( und folglich auch die Vaterlandsverteidigung in einem nationalen Krieg) nicht verweigern kann. Marx und Engels haben im `Kommunistischen Manifest` gesagt, dass die Arbeiter kein Vaterland haben. Aber derselbe Marx hat mehr als einmal zum nationalen Krieg aufgerufen. (...) Waren Marx und Engels Wirrköpfe, die heute dies sagten und morgen etwas anderes? Nein. Meiner Meinung nach entspricht die Anerkennung der `Vaterlandsverteidigung` im nationalen Krieg durchaus dem Marxismus“ (Lenin Briefe, Band IV, Seite 326-327). Man darf also – wie Lenin lehrt - nicht das Zitat aus dem Kommunistischen Manifest bis zur Ablehnung nationaler Kriege anwenden, da man damit den Boden des Marxismus verlässt. „Vaterland ist ein historischer Begriff. Das Vaterland in der Epoche oder genauer: während des Kampfes für die Abschüttelung des nationalen Jochs – das ist das eine. Etwas anderes ist es zu einer Zeit, da die nationale Bewegungen weit zurückliegen“ ( ebenda, Seite 326). So muss man zwischen der Vaterlandsverteidigung in der Zeit der demokratisch-bürgerlichen Revolutionen, in der Marx und Engels kämpften prinzipiell unterscheiden von der Vaterlandsverteidigung zur Zeit der imperialistischen Kriege, in der Zeit, in der Lenin kämpfte, und wo Lenin die Frage der Vaterlandsverteidigung als „politische Kardinalfrage während des imperialistischen Krieges“ definierte (Lenin, Band 22, Seite 319) :
„Im imperialistischen Krieg 1914-1917, zwischen zwei imperialistischen Koalitionen, müssen wir gegen die `Vaterlandsverteidigung` sein, denn erstens ist der Imperialismus der Vorabend des Sozialismus; zweitens ist der imperialistische Krieg ein Krieg von Dieben um die Beute; drittens gibt es in beiden Koalitionen ein fortschrittliches Proletariat; viertens ist in beiden die sozialistische Revolution herangereift. N u r darum sind wir gegen die `Vaterlandsverteidigung`, nur darum!!“ (Lenin, Band 35, Seite 250; Januar 1917).
[ Man muss hierbei wissen, dass Lenin damals der sogenannten „revolutionären Vaterlandsverteidigung“ der Sozialrevolutionäre kurz vor der Oktoberrevolution als einer ungewöhnlichen Massenströmung gegenüberstand, die die übergroße Mehrheit des Volkes gegen die Bolschewiki vereinigt hatte – Anmerkung des Verfassers], dass man nämlich sein Vaterland im imperialistischen Krieg nur durch die Führung eines Bürgerkrieges verteidigen kann, der die Beseitigung der kapitalistischen Klassenherrschaft beschleunigt und der mit dem Sieg der sozialistischen Revolution gekrönt wird und durch nichts anderes!
Es waren die Opportunisten der II. Internationale ( die „Gefangenen der Bourgeoisie“ (Lenin, Band 21, Seite 25), die den Internationalismus dem bürgerlichen Nationalismus anpassten, damit die Arbeiter des einen Landes im Namen der Vaterlandsverteidigung auf die Arbeiter des anderes Landes schießen!
„Man kann nicht vom Vaterland sprechen – antworten wir den Opportunisten – und dabei den konkreten historischen Chrakter des Krieges ignorieren. Dieser Krieg ist ein imperialistischer Krieg, d.h., ein Krieg in der Epoche des höchstentwickelten Kapitalismus, in der End - epoche des Kapitalismus. Die Arbeiterklasse muss sich zunächst `als Nation konstituieren`- so erklärt das `Kommunistische Manifest`, zugleich mit einem Hinweis auf die Grenzen und Bedingungen, unter denen wir Nationalität und Vaterland als notwendige Formen der bürgerlichen Gesellschaftsordnung und folglich auch das bürgerliche Vaterland anerkennen. Die Opportunisten entstellen diese Wahrheit, indem sie das, was für die Entstehungsepoche des Kapitalismus gilt, auf seine Endepoche übertragen. Von dieser Epoche aber, von den Aufgaben des Proletariats im Kampf um die Zerstörung nicht des Feudalismus, sondern des Kapitalismus, sagt das Kommunistische Manifest klar und deutlich: `Die Arbeiter haben kein Vaterland.` Man begreift, warum die Opportunisten sich fürchten, diese Wahrheit des Sozialismus anzuerkennen; ja es zumeist nicht einmal wagen, sich offen mit ihr auseinanderzusetzen. Die sozialistische Bewegung kann im alten Rahmen des Vaterlandes nicht siegen. Sie bringt neue, höhere Formen des menschlichen Zusammenlebens hervor, worin die berechtigten Bedürfnisse und fortschrittlichen Bestrebungen der werktätigen Massen jeder Nationalität zum erstenmal in internationaler Einheit, unter Wegfall der jetzigen nationalen Schranken befrieidgt werden. Die jetzigen Versuche der Bourgeoisie, die Arbeiter durch heuchlerische Berufung auf die `Vaterlandsverteidigung` zu trennen und zu spalten, werden die klassenbewussten Arbeiter mit immer neuen und ständig wiederholten Versuchen beantworten, die Einheit der Arbeiter verschiedener Nationen im Kampf für den Sturz der Herrschaft der Bourgeoisie aller Nationen herzustellen“ (Lenin, Werke Band 21, Seite 25-26).
„Wir sind nicht `überhaupt` gegen die `Vaterlandsverteidigung` , sondern dagegen, dass durch diese betrügerische Losung der gegenwärtige imperialistische Krieg beschönigt wird“ (Lenin, Band 23, Seite 7). „Die Vaterlandsverteidigung ist (...) durchaus keine Lüge in einem (...) revolutionären Krieg“ (Lenin, Band 23, Seite 12). „Jeder einigermaßen bedeutende Krieg wird von langer Hand vorbereitet. Wenn ein revolutionärer Krieg vorbereitet wird, dann fürchten sich die Demokraten und Sozialisten nicht, im voraus zu erklären, dass sie in einem solchen Krieg für die `Verteidigung des Vaterlandes` sind Wenn jedoch ein reaktionärer Krieg vorbereitet wird, entschließt sich kein einziger Sozialist, im voraus, d.h., vor der Kriegserklärung, zu sagen, er sei für die `Vaterlandsverteidigung in einem solchen Krieg. Marx und Engels fürchteten sich nicht, in den Jahren 1848 und 1859 das deutsche Volk zum Krieg gegen Russland aufzurufen.“ (Lenin, Band 23, Seite 202).
Weil Junius [Pseudonym für Rosa Luxemburg – Anmerkung des Verfassers] diese Auffassung nicht vertrat, sondern die alte marxistische Taktik aus der Zeit von Marx und Engels unberechtigterweise auch auf die veränderte Lage eines imperialistischen Krieges überstülpte, kritisierte ihn Lenin wie folgt: „Wenn Junius sagt, der Klassenkampf sei das beste Mittel gegen eine Invasion, so wendet er die Marx`sche Dialektik nur halb an, er macht einen Schritt auf dem richtigen Wege, weicht aber gleich darauf von ihm ab. Die Marx`sche Dialektik erfordert eine konkrete Analyse der jeweiligen historischen Situation. Dass der Klassenkampf das beste Mittel gegen eine Invasion ist – das ist richtig sowohl in Bezug auf die Bourgeoisie, die den Feudalismus stürzt, als auch in Bezug auf das Proletariat, das die Bourgeoisie stürzt. Eben weil das richtig ist in Bezug auf jede Klassenunterdrückung, ust es zu allgemein und darum für den gegebenen besonderen Fall unzureichend. Der Bürgerkrieg gegen die Bourgeoisie ist auch eine Art des Klassenkampfes, und nur diese Art des Klassenkampfes würde Europa ( ganz Europa und nicht nur ein Land ) von der Gefahr einer Invasion befreien. Die `großdeutsche Republik` hätte, wenn sie in den Jahren 1914-1916 existiert hätte, einen ebensolchen imperialistischen Krieg geführt“ (Lenin, Band 22, Seite 322).
Heute sprechen wir mittlererweile vom internationalen Bürgerkrieg gegen die Weltbourgeoisie als eine Art des internationalen Klassenkampfes, um die ganze Welt und nicht nur Europa von der Gefahr einer Invasion zu befreien. Auch im Weltmaßstab darf man die Marx`sche Dialektik nicht nur halb anwenden, wie es heute die Neo-Revisionisten tun, müssen wir gegen sie heute den gleichen pronzipiellen Kampf führen, den Lenin damals gegen Rosa Luxemburg geführt hatte.
Und Lenin bezog sich wie hier stets auf die grundsätzliche Methode von Marx und Engels, wie man marxistisch an die Geschichte herangehen muss: „Der ganze Geist des Marxismus, sein ganzes System verlangt, dass jede These nur a) historisch; b) nur in Verbindung mit anderen; c) nur in Verbindung mit den konkreten Erfahrungen der Geschichte betrachtet wird“ (ebenda, Seite 326). Das trifft auch ganz besonders auf die These der Vaterlandsverteidigung zu, denn wenden wir diese These auf die Gegenwart an, so rechtfertigt der US-Imperialismus seine globalisierten Raubkriege nicht allein mit der verlogenen Argumentation der „Vaterlandsverteidigung“ (wie das noch im Ersten Weltkrieg allgemein üblich war - das wäre ja auch zu durchsichtig!), sondern vor allem mit der „Verteidigung der zivilisierten Welt gegen den Terrorismus“, also in Wirklichkeit nicht nur mit der nationalen, sondern auch mit der internationalen Verteidigung des Kapitals gegen den internationalen Klassenkampf des gesamten Proletariats der Welt und nicht nur gegen den Klassenkampf des Proletariats eines einzelnen Landes. Was die imperialistischen Länder anbelangt, sprechen wir Marxisten-Leninisten dort seit ihrer Entwicklung zum Imperialismus nicht mehr von Vaterlandsverteidigung, sondern nur noch von ihrer verlogenen Phrase des Großmachtchauvinismus. Welthistorisch steht der revolutionäre Übergang von dem überlebten, kapitalistisch/revisionistisch überreifen „Vaterland“ zum Sozialismus auf der Tagesordnung. Ein wichtiger, unverzichtbarer Hebel für die soziale Befreiung ist dabei auch die Verteidigung der nationalen Interessen der Proletarier aller Länder und der revolutionären Völker gegenüber dem imperialistischen Kosmopolitismus. Die revolutionären Völker und das Weltproletariat verteidigen die Lebensinteressen der unterjochten Nationen, über die sich der Weltimperialismus gewaltsam hinwegsetzt, sie mit Füßen tritt und zerstört. Niemals werden die unterdrückten und ausgebeuteten Klassen der ganzen Welt auf ihre nationalen Traditionen, auf ihre nationale Kultur verzichten, werden sie ihre Heimat niemals dem Imperialismus opfern, weder dem „eigenen“, noch einem fremden. Sie werden für sie kämpfen und sie gegen den Imperialismus verteidigen, indem sie sich revolutionär vom Imperialismus befreien, indem sie den Imperialismus stürzen und sich ihre eigene Nation schaffen, die sozialistische Nation. Der proletarische Internationalismus bedeutet nicht Preisgabe der nationalen Frage, sondern deren Lösung. Nur im Sinne des proletarischen Internationalismus ist Vaterlandsverteidigung zu verstehen und nicht als Rechtfertigung für Ausbeutung und Unterdrückung anderer Länder, die im eigenen Land eingeschlossen. Betrachten wir die Vaterlandsverteidigung aus der Sicht der Proletarier aller Länder und insbesondere aus der Sicht des Weltproletariats, so kann es sich in den kapitalistischen/revisionistischen Ländern also „nur“ um die Verteidigung des zukünftigen sozialistischen Vaterlandes und um die gegenwärtige internationalistische Unterstützung der Verteidigung des Vaterlandes aller unterdrückten und abhängigen Völker, um die Solidarität mit ihren nationalen Befreiungskriegen, um die proletarische Hilfe bei der Verteidigung ihres Selbstbestimmungsrechtes, des Rechtes auf Loslösung und Wiedervereinigung – gegen die unterdrückenden, imperialistischen Nationen – handeln. Marxisten-Leninisten hören auf, Marxisten-Leninisten zu sein, wenn sie irgendeine – auch die „eigene“ - unterdrückende, imperialistische Nation oder gar das ganze weltimperialistische System der unterdrückenden Nationen verteidigen. Jede neo-revisionistische Bemäntelung wäre in Wahrheit nichts anderes als die Verteidigung des Sozialchauvinismus. Und so ist auch die Verteidigung der revisionistischen (= kapitalistischen!) Länder, in marxistisch-leninistische/ anti-imperialistische Rechtfertigung verhüllt, nichts anderes als Neo-Revisionismus. Das, was wir Marxisten-Leninisten in einem revisionistischen Land verteidigen, ist der nationale und soziale Befreiungskampf der Arbeiterklasse vom Revisionismus, ist der Bürgerkrieg und die proletarische, sozialistische Revolution!
Das revolutionäre Weltproletariat verteidigt heute die Ausgebeuteten und Unterdrückten der ganzen Welt gegen den Weltimperialismus und seine globalisierten imperialistischen Kriege, indem es den globalisierten Kampf der ganzen ausgebeuteten und unterdrückten Welt für die Befreiung vom Weltimperialismus führt. Nur insofern hängt heute die Frage der Vaterlandsverteidigung eng mit der Frage der Weltverteidigung zusammen, hat sich die Frage internationalisiert, ist sie vom Zusammenhang mit dem globalisierten Klassenkampf nicht mehr zu trennen.
Die Weltverteidigung ist reiner Betrug, wenn man allen „Groß“mächten heute das Recht und die Pflicht zubilligt, die Weltzivilisation gemeinsam zu „retten“. Dies auch noch „im Namen des Marxismus-Leninismus“ zu propagieren, ist eine durch nichts zu überbietende Verhöhning des proletarischen Internationalismus. Im Namen der Weltverteidigung zu erlauben und zu billigen, dass die einen Arbeiter auf der Welt auf die anderen Arbeiter auf der Welt schießen, ist reinstes Kautskyanertum zum Quadrat erhoben, ist kautskyanischer Ultra-Imperialismus von der schlimmsten Sorte. Mit nichts auf der Welt ist zu rechtfertigen, dass Arbeiter auf Arbeiter schießen! Die Weltverteidigung der heutigen „Groß“machtnationen ist nichts anderes als die Verteidigung ihre gemeinsamen Rechts auf die Beute aus der Ausplünderung der ganzen Welt.
Die Verteidigung der Welt ist nur dann kein Betrug, wenn diese Verteidigung durch einen internationalen, revolutionären Krieg des Weltproletariats gegen den globalisierten imperialistischen Krieg geführt wird, durch den (und nur durch den) die Verteidigung aller Vaterländer der Welt, die Verteidigung der Heimat aller Völker der Welt, die Weltverteidigung wirklich erst garantiert werden kann. So steht es also heute inzwischen mit der ( globalisierten Formulierung der ) Frage der Vaterlandsverteidigung. Und irgendwann wird auch diese Frage nicht mehr so gestellt werden können, wie wir sie heute stellen müssen, weil sie sich im Laufe der Weltgeschichte verändert. Irgendwann – und das kann noch sehr, sehr lange dauern! - wird man die heutige Taktik nicht mehr anwenden können, weil sie dann bereits historisch veraltet sein wird, weil dann die sich verteidigenden sozialistischen Nationen verschmolzen und zu einer einzigen sozialistischen Weltnation zusammengewachsen sind. Sie kann sich nur noch gegen sich selbst verteidigen. Sie wird sich nicht mehr gegen irgendeine andere Nation verteidigen müssen und dies auch nicht können, weil es dann auch gar keine andere Nation neben der Weltnation gibt; und damit wird sich der Begriff der Vaterlandsverteidigung von selbst auflösen und höchstens noch in historischen Büchern nachzulesen sein. Irgendwann wird sich die Welt nicht mehr vor ihrer Ausbeutung und Unterdrückung verteidigen müssen, wenn die Menschheit sich ( von ihrer Unmenschlichkeit) befreit hat und also menschlich geworden ist. Wir können die Klassiker nicht mehr befragen, aber wir können ihr historisches Herangehen an die Frage der Vaterlandsverteidigung erlernen, und es wird die Praxis zeigen, ob wir richtig oder falsch gelernt haben; und gegebenenfalls werden wir dann unsere Fehler korrigieren müssen.
Die nationale Frage ist ebenfalls eine historische Kategorie, das heißt ihre revolutionäre Bedeutung ändert sich unter den veränderten Klassenverhältnissen im Laufe der Geschichte, im Laufe von Kriegen und Revolutionen bzw. verwandelt sich in einen klassengebundenen reaktionären Faktor. Heute ist die nationale Frage in den kapitalistischen Ländern vom marxistischen Standpunkt aus im Wesentlichen gelöst, jedenfalls was die Herausbildung des Typs der bürgerlichen Nationalstaaten des 19. Jahrhundert anbelangt. Lenin verteidigte Marx in seiner Schrift „Was sind die `Volksfreunde`?“, „dass es kein anderes Mittel zur Bekämpfung des nationalen Hasses gibt als die Organisierung und den Zusammenschluss der Klasse der Unterdrückten zum Kampf gegen die Klasse der Unterdrücker in jedem einzelnen Lande, als die Vereinigung dieser nationalen Arbeiterorganisationen zu einer internationalen Arbeiterarmee [hervorgehoben vom Verfasser] für den Kampf gegen das internationale Kapital. Was aber die Bemerkung anbelangt, die Internationale habe die Arbeiter nicht gehindert, sich gegenseitig abzuschlachten, so genügt es, Herrn Michailowski an die Ereignisse der Kommune zu erinnern, die das wahre Verhältnis des organisierten Proletariats zu den kriegführenden herrschenden Klassen gezeigt haben“ (Lenin, Band 1, Seite 148). Wir treten also gegen den inzwischen reaktionären bürgerlichen Nationalismus mit der revolutionären Kampflosung der Schaffung sozialistischer Nationen auf und nicht etwa mit der Verteufelung der nationalen Frage und der Nation überhaupt, was unter den sogenannten „Linken“ modern geworden ist. Ungelöst ist die nationale Frage für uns Marxisten-Leninisten in den kapitalistischen Ländern also nur in Hinsicht auf die Schaffung der sozialistischen Nationen, denn nur diese können die nationalen Interessen der revolutionären Völker schützen - aber eben nur dadurch, dass die Arbeiterklasse an der Macht ist. So dienen die bürgerlichen Nationen heute lediglich dazu, die Herrschaft des internationalen Finanzkapitals zu schützen, nicht die der Völker und ihrer nationalen Interessen. Das Schicksal der bürgerlichen Nation ist untrennbar mit dem Schicksal des internationalen Kapitals verbunden. Und so verrät und vernichtet der monopolistische Maximalprofit die Nation, die der Profit des Frühkapitalismus sich einst geschaffen hatte. Und das ist mit ein Grund, weswegen wir die nationale Frage durch die Beseitigung der bürgerlichen kapitalistischen Nationen nur mit der Errichtung sozialistischer Nationen lösen können, nämlich um auf diese Weise die Herrschaft des Weltimperialismus zu stürzen. Wenn wir das nicht tun, sondern anstatt der nationalen Interessen der Arbeiter und des werktätigen Volkes die Interessen der nationalen Bourgeoisie verteidigen, wenn wir die dialektische Einheit von nationaler und sozialer Befreiung der unterdrückten und ausgebeuteten Klassen nicht begreifen, so verteidigen wir nur das Stück Kuchen, was sich die Bourgeoisie im eigenen Land vom Weltkuchen abzuschneiden oder zu verteidigen versucht. Sich aber an der Ausraubung fremder Länder zu beteiligen, das ist mit den nationalen Interessen der Arbeiterklasse völlig unvereinbar, weil es auf Kosten der Werktätigen nicht nur im eigenen Land (gefüttert wird von der imperialistischen Beute ja nur die eigene Arbeiteraristokratie!), sondern auch in allen anderen Ländern geht, insbesondere in den unterdrückten und abhängigen Ländern. Und das ist auch der Grund, weswegen wir die national gesinnten Arbeiter auffordern, mit uns Kommunisten vereinigte Gewehr in die Hand zu nehmen, um der imperialistischen Vergewaltigung an der Nation, um der verrotteten, parasitären und sterbenden, also der imperialistischen bürgerlichen Nation den Todesstoß zu versetzen und die Nation, die allein dem Volk gehört, von diesem imperialistischen Parasiten zu befreien. Wir können aber bei der nationalen Befreiung gar nicht für die „Befreiung“ der bürgerlichen Nation vom Imperialismus kämpfen – selbst wenn wir es wollten - denn die bürgerliche Nation ist ja von Anfang an kapitalistisch gewesen und bleibt es auch auf imperialistischer Stufe, der höchsten und letzten Stufe des Kapitalismus. Folglich kann man auch letztlich nicht die bürgerliche Nation vom Imperialismus befreien, ist die bürgerliche Nation also unumkehrbar, unwiderruflich und gesetzmäßig zum historischen Untergang verurteilt. Das Schicksal der imperialistischen Nationen ist also an das Schicksal des Weltimperialismus gebunden. Das Schicksal der nationalen Interessen des Volkes ist an das Schicksal der Arbeiter gebunden. Das Schicksal der Arbeiter aber ist an den Sozialismus gebunden. Und so ist auch das Schicksal der Nation an das Schicksal des Sozialismus gebunden, kann (und wird auch!) die Nation überhaupt nur als sozialistische Nation weiter bestehen. Die Arbeiterklasse muss sich bewaffnen und die Führung der Nation übernehmen. Nur indem sich der Arbeiter vom Kapitalismus befreit, kann die Nation befreit werden. Nur durch die Beseitigung des Kapitalismus, der die bürgerliche Nation einst geschaffen hatte - kann die Nation als sozialistische Nation, als Nation der Arbeiter und des werktätigen Volkes gerettet werden. Insofern ist die nationale Frage Bestandteil der sozialistischen Revolution und der Schaffung eines sozialistischen Staates, ohne den es für die Nation keine Zukunft geben kann. Die Arbeiter können aber nicht einfach mit der Bourgeoisie die Plätze der Macht innerhalb der kapitalistischen Nationen tauschen. Die Arbeiterklasse muss erst einmal den bürgerlichen Staat, der die Macht der Kapitalisten schützt, zerschlagen, um die Nation vor ihrem Untergang überhaupt bewahren zu können. Die Frage des Staates und die Frage der Nation sind nicht das Gleiche, aber beide waren und sind eine Klassenfrage und können nur durch die Klassenfrage, das heißt durch die bewaffnete sozialistische Revolution, gelöst werden. Die nationale Frage ist auch maßgeblicher Bestandteil des nationalen Befreiungskrieges in den kolonialen und abhängigen Ländern, wo die soziale Befreiung erst möglich wird durch die bewaffnete, nationale Befreiung von den imperialistischen Okkupanten bzw von der Kompradorenbourgeoisie. Beide verschiedenen nationalen Fragen – in den kapitalistischen wie in den vom Kapitalismus abhängigen Ländern – stehen miteinander im Zusammenhang und können letztendlich nur im vereinigten bewaffneten Kampf gelöst werden - stets in Hinblick auf die sozialistische Weltrevolution.
Historisch haben wir bereits die Beseitigung sozialistischer Nationen erlebt – in der Sowjetunion Lenins und Stalins und in Albanien Enver Hoxhas; hatte sich in der Sowjetunion sogar eine sozialimperialistische Supermacht und infolgedessen und konsequenterweise auch ein Zerfall der sowjetischen UNION der sozialistischen Nationen und schließlich der Zerfall der einzelnen sozialistischen Nationen innerhalb der Sowjetunion vollzogen, der durch den westlichen Imperialismus heute weiterhin bewusst und mit Waffen vorangetrieben wird, weil sie vorm Wiedererstarken des Kommunismus immer noch Angst haben ( zu Recht Angst haben, denn wir werden das als Kommunisten nicht vergessen und unsere Waffen wieder herausholen, um uns das zurückzuholen, was man uns weggenommen hat!). In der Periode der sozialistischen Nation ist also die Verwandlung in eine bürgerliche Nation, die Gefahr der Restauration des Kapitalismus zur Tatsache geworden, sind die Revisionisten zum Verrat an der Nation, zu ihrer Verschacherung an das ausländische Kapital bereit gewesen und werden immer wieder dazu bereit sein, um den Kapitalismus und die Herrschaft der Bourgeoisie stets aufs Neue zu retten. Wir sprechen heute also nicht nur von der Schaffung neuer sozialistischer Nationen, sondern auch von der Verteidigung der alten ( wobei wir nur die genannten sozialistischen und nicht die ehemaligen revisionistischen/bürgerlichen Nationen meinen, wohlgemerkt!), von ihrer Zurückeroberung. Der Widerspruch zwischen unterdrückenden und unterdrückten Nationen kann im Rahmen des Weltkapitalismus nicht aufgelöst werden – weder friedlich noch kriegerisch -, Nationen überhaupt können nur friedlich existieren im Sozialismus, wenn der Sozialismus im Weltmaßstab gesiegt hat, und das alles geht nicht ohne Klassenkriege ab, ist eine Frage des revolutionären bewaffneten Kampfes, so wie die ganze Geschichte der Nationen eine Geschichte des bewaffneten Kampfes von Klassen gewesen ist.
Die sozialistischen Nationen aber gehen nach vielen bewaffneten Niederlagen und Siegen, schließlich nach einer Periode des friedlichen Zusammenlebens der Nationen, genauso unter wie auch die bürgerlichen Nationen vor ihnen untergegangen sein werden, die ein grausames Kapitel gegenseitiger räuberischer und ungerechter Kriege geschrieben haben. Der entscheidende Unterschied ist jedoch der, dass die sozialistischen Nationen mit ihrem eigenen Untergang jegliche nationalen Privilegien und nationale Schranken überhaupt beseitigen werden, nicht aber gewisse Unterschiede, die bleiben werden, obwohl auch diese sich allmählich verändern. Genauso wie bestimmte Formen und Konstruktionen von Nationen kommen und gehen, werden die Nationen selbst eines Tages wieder verschwinden, weil sie für die weitere Entwicklung der Gesellschaft hinderlich werden und dann keine positive Rolle mehr spielen können. Dieses Verschwinden wird allerdings nach der Existenz der sozialistischen Weltnation noch sehr, sehr lange andauern, wobei wir das Verschwinden nicht als einen negativen Verlust betrachten, als ein Vakuum, als Auflösung oder Vernichtung aller nationalen Charaktereigenschaften wie der nationalen Kulturen zum Beispiel, sondern als eine anzustrebende Befreiung der nationalen Kulturen von kapitalistischen Überresten, als ihr Aufleben, als ihre volle freie, unabhängige und selbständige Entfaltung und Ausreifung, als eine Bereicherung nicht nur für jede einzelne Kultur selbst, sondern als gegenseitige Befruchtung aller Kulturen zusammengenommen, also als eine sich frei und ungezwungen vollziehende Verschmelzung der besten Eigenschaften aller Nationen, auf einer höheren qualitativen Stufe der Menschheitsentwicklung, die durch keinerlei nationale Schranke und durch keinerlei Nation behindert werden kann, die anderen Nationen ihren Willen aufzuzwingen versucht, so wie es in der Vergangenheit der Fall war und heute immer noch ist. Diese Gesellschaft strebten bereits Marx und Engels an.
So wie bei Marx und Engels die nationale Bewegung in ihren historischen Anfängen Voraussetzung war für die Entwicklung der sozialen Bewegungen und diese aus ihnen zum großen Teil sogar hervorgegangen waren, so trifft das heute auch auf die kolonialen und abhängigen Länder zu. Das Proletariat kann sich von der Herrschaft der Kapitalisten nicht befreien, wenn diese Herrschaft vermittels der bürgerlichen Staaten – und nur die konnten das kapitalistische Privateigentum schützen - noch gar nicht errichtet waren ! Um auf den Trümmern der Herrschaft der Bourgeoisie die eigene Herrschaft zu errichten, musste die Bourgeoisie ja erst einmal ihre eigene Herrschaft historisch in Besitz genommen haben. Die war ja anfangs noch gar nicht vorhanden, und ohne Proletariat hätte die Bourgeoisie ihre Befreiung vom Feudalismus nicht erreicht. Nur als vereinte nationale Kraft, in der diese beiden Klassen die Hauptrolle spielten, konnte diese Aufgabe bewältigt werden. Wir dürfen nicht vergessen, dass es einmal eine Bourgeoisie gegeben hat, die mit der Waffe in der Hand für die Befreiung vom Joch des Feudalismus, die republikanisch gekämpft hatte und wegen revolutionärer Handlungen ihre Führer des Hochverrats angeklagt waren, bevor sie due Revolution verriet, selber ans Ruder kam und selber bestialisch ausbeutete und unterdrückte. Wo das Proletariat selbständig aufzutreten begann, da hörte die Bourgeoisie auf, eine revolutionäre Klasse zu sein – auch und gerade in der nationalen Frage des 19. Jahrhunderts. Es ist also ein unüberbrückbarer Unterschied, ob wir die nationale Frage als Instrument zur Lösung der Befreiung vom Feudalismus oder der Befreiung vom Kapitalismus, insbesondere vom Imperialismus, aber auch vom Sozialimperialismus, Kolonialismus etc., vom Standpunkt der unterdrückenden Nationen oder vom Standpunkt der unterdrückten Nationen, etc. verwenden. Der Kampf gegen die Bourgeoisie konnte also historisch, zur Zeit von Marx und Engels, unmöglich mit der proletarischen Revolution beginnen. Die marxistische These von den drei Hauptkräften und Grundstadien der Revolution des 19. ( und 20.) Jahrhunderts sind bekannt: „Nach dieser These ist das erste Stadium der Revolution die Einschränkung des Absolutismus, durch die die Bourgeoisie befriedigt wird; das zweite ist die Erkämpfung der Republik, wodurch das `Volk` , d.h., die Bauernschaft und überhaupt die Kleinbourgeoisie, befriedigt wird; das dritte ist die sozialistische Umwälzung, die allein das Proletariat zu befriedigen vermag“ (Lenin, Band 8, Seite 465). Marx kämpfte mit aller Kraft gegen das Herabsinken der Arbeiterklasse und ihrer Partei zum Anhängsel der offiziellen bürgerlichen Demokratie und er unterstrich die Wichtigkeit der Bewaffnung der Arbeiter, der Organisierung einer selbständigen proletarischen Garde, der strengen Kontrolle der Proletarier über die verräterische kleinbürgerliche Demokratie usw.
„Marx hat keineswegs vorgeschlagen, das Werk der Revolution im Deutschland der fünfziger Jahre direkt mit der proletarischen Macht zu beginnen, im Gegensatz zu den Plänen unserer russischen `Permanenzler`; Marx hat lediglich vorgeschlagen, das Werk der Revolution mit der proletarischen Staatsmacht zu krönen, indem Schritt für Schritt eine Fraktion der Bourgeoisie nach der anderen von der Höhe der Macht verdrängt wird, und dann, nach Erringung der Macht des Proletariats, die Revolution in allen Ländern zu entfachen – in vollem Einklang mit alledem, was Lenin lehrte und im Laufe unserer Revolution verwirklichte, indem er seine Theorie der proletarischen Revolution unter den Verhältnissen des Imperialismus folgte“ (Stalin, Band 6, Seite 93). So wird das Weltproletariat auch seine Weltmacht krönen, indem es mit der schwächsten Kette des Imperialismus beginnend, die einzelnen Bourgoisien ( als Fraktionen der Weltbourgeoisie) in einem Land nach dem anderen von der Höhe der Macht zu verdrängen und die Weltrevolution nicht direkt mit der Eroberung der Weltmacht beginnen wie es die Trotzkisten vorgeschlagen haben. Die soziale Befreiung des Weltproletariats kann nur in nationalen Formen durch die Revolutionen der Proletarier jeden Landes gelingen. Und nur so kann dabei die nationale Frage eines einzelnen Landes nur durch die sozialistische Revolution in diesem einzelnen Land gelöst werden. Endgültig kann aber die nationale Frage aller Nationen nur internationalistisch gelöst werden, nämlich durch die proletarische Weltrevolution. Nur durch Unterstützung der proletarische Weltrevolution wird es mit den nationalen Befreiungskriegen der Völker gelingen, auch die Ursache der nationalen Unterdrückung der Völker, und damit ihre Unvermeidbarkeit für immer zu beseitigen – den Weltimperialismus. Es ist der Weltkapitalismus selbst, der die nationalen Schranken niederreißt und damit die Bedingungen für die nationale Befreiung aller Länder durch den Weltsozialismus schafft:
„Früher [also noch zur Zeit von Marx und Engels – Anmerkung des Verfassers] pflegte man an die Analyse der Voraussetzungen der proletarischen Revolution vom Standpunkt des ökonomischen Zustandes dieses oder jenes Landes heranzugehen [England, Frankreich, Deutschland usw. - Anmerkung des Verfassers]. Jetzt ist diese Art des Herangehens bereits unzulänglich. Jetzt muss man an diese Frage vom Standpunkt des ökonomischen Zustands aller Länder oder ihrer Mehrheit, vom Standpunkt des Zustands der Weltwirtschaft herangehen, denn die einzelnen Länder und die einzelnen nationalen Wirtschaften haben aufgehört, sich selbst genügende Einheiten zu sein, sie haben sich in Glieder einer einheitlichen Kette, genannt Weltwirtschaft, verwandelt, denn der alte `zivilisierte` Kapitalismus [aus der Zeit, als Marx und Engels wirkten – Anmerkung des Verfassers] ist zum Imperialismus geworden, der Imperialismus aber ist ein Weltsystem finanzieller Versklavung und kolonialer Unterdrückung der gigantischen Mehrheit der Bevölkerung der Erde durch eine Handvoll `fortgeschrittener` Länder.
Früher [also wiederum noch zur Zeit von Marx und Engels – Anmerkung des Verfassers] war es üblich, vom Vorhandensein oder Fehlen objektiver Bedingungen für die proletarische Revolution in den einzelnen Ländern oder, genauer gesagt, in diesem oder jenem entwickelten Lande zu sprechen. Jetzt ist dieser Umstand bereits unzulänglich. Jetzt muss man vom Vorhandensein objektiver Bedingungen für die Revolution im ganzen System der imperialistischen Weltwirtschaft als eines einheitlichen Ganzen sprechen, wobei der Umstand, dass diesem System einige industriell mangelhaft entwickelten Länder angehören, kein unüberwindliches Hindernis für die Revolution bilden kann, wenn das System als Ganzes oder, richtiger gesagt, da das System als Ganzes bereits für die Revolution reif geworden ist.
Früher war es üblich, von der proletarischen Revolution in diesem oder jenem Land als von einer einzelnen, sich selbst genügenden Größe zu sprechen, die der einzelnen, nationalen Front des Kapitals aus ihrem Antipoden entgegengestellt wurde. Jetzt ist dieser Standpunkt bereits unzulänglich. Jetzt mus man von der proletarischen Weltrevolution sprechen, denn die einzelnen nationalen Fronten des Kapitals haben sich in Glieder einer einheitlichen Kette verwandelt, genannt die Weltfront des Imperialismus, der die allgemeine Front der revolutionären Bewegung aller Länder entgegengestellt werden muss.
Früher betrachtete man die proletarische Revolution ausschließlich als Ergebnis der inneren Entwicklung des betreffenden Landes. Jetzt ist dieser Standpunkt bereits unzulänglich. Jetzt muss man die proletarische Revolution vor allem als Ergebnis der Entwicklung der Widersprüche im Weltsystem des Imperialismus betrachten, als Ergebnis dessen, dass die Kette der imperialistischen Weltfront in diesem oder jenem Lande reißt.
Wo wird die Revolution beginnen, wo kann am ehesten die Front des Kapitals durchbrochen werden, in welchem Lande? Dort, wo die Industrie am entwickeltsten ist, wo das Proletariat die Mehrheit bildet, wo es mehr Kultur, wo es mehr Demokratie gibt – pflegte man früher zu antworten. Nein – entgegnet die Leninsche Theorie der Revolution -, nicht unbedingt dort, wo die Industrie am entwickeltsten ist usw. Die Front des Kapitals wird dort reißen, wo die Kette des Imperialismus am schwächsten ist, denn die proletarische Revolution ist das Ergebnis dessen, dass die Kette der imperialistischen Weltfront an ihrer schwächsten Stelle reißt, wobei es sich erweisen kann, dass das Land das die Revolution begonnen hat, das Land, das die Front des Kapitals durchbrochen hat, kapitalistisch weniger entwickelt ist als andere, entwickeltere Länder, die jedoch im Rahmen des Kapitalismus verblieben sind“ (Stalin, Band 6, Seite 85-86).
Den objektiven Hauptinhalt der nationalen Kriege Mitte des 19. Jahrhunderts bildeten bürgerlich-nationale Bewegungen, deren Hauptziel es war, die bürgerliche Gesellschaft aus den Fesseln des Feudalismus, des Absolutismus zu befreien. In diesen nationalen Kriegen konnte die Arbeiterklasse objektiv noch nicht ihren Kampf für den Sozialismus entfalten. Trotzdem nahmen Marx und Engels nie die Position des Nationalliberalismus ein. Ihre demokratische Taktik war es, bei all den militärischen Zusammenstößen, in denen die Bourgeoisie um die Macht kämpfte, in allererster Linie die demokratische Volksbewegung als eine demokratische Massenbewegung der Besitzlosen zu unterstützen.
Lenin hob hervor, „dass es Marx bei kriegerischen Konflikten, die auf dem Boden des Aufstiegs der Bourgeoisie zur Macht in den einzelnen Nationen ausbrachen, ebenso wie im Jahre 1848 in erster Linie darauf ankam, dass sich die bürgerlich-demokratischen Bewegungen ausdehnten und verschärften, indem sie breitere und mehr `plebejische` Massen, das Kleinbürgertum im Allgemeinen, die Bauernschaft im Besonderen und schließlich die besitzlosen Klassen daran beteiligten. Gerade durch diese Marxsche Erwägung über die Verbreiterung der sozialen Basis der Bewegung und über ihre Entwicklung unterschied sich denn auch die konsequent demokratische Marxsche Taktik grundlegend von der inkonsequenten, zum Bündnis mit den Nationalliberalen tendierenden Taktik Lassallles“ (Lenin, Band 21, Seite 137). Lenin beurteilte die Entscheidung der Frage, ob Marx oder Lassalle Recht gehabt hätte bei ihrer Einschätzung der Umstände des italienischen Krieges von 1859, wie folgt:
„Wir sind (entgegen Mehring) der Auffassung, dass Marx Recht hatte und dass Lassalle, ebenso wie in seinem Kokettieren mit Bismarck, auch hierin Opportunist war. Lassalle passte seine Haltung dem Sieg Preußens und Bismarcks, dem Fehlen einer ausreichenden Stoßkraft der demokratischen Nationalbewegungen in Italien und Deutschland an. Eben darin schwankte er nach der Seite einer nationalliberalen Arbeiterpolitik. Marx dagegen förderte und entwickelte eine selbständige, eine konsequent demokratische, der nationalliberalen Feigheit feindliche Politik (Preußens Einmischung gegen Napoleon im Jahre 1859 hätte der Volksbewegung in Deutschland einen Anstoß gegeben). Lassalle schaute mehr nach oben als nach unten, er vergaffte sich in Bismarck. Bismarcks `Erfolg` ist nicht im mindesten geeignet, Lassalles Opportunismus zu rechtfertigen“ (Lenin, Band 21, Seite 130).
Die Marxisten haben die Fortschrittlichkeit der bürgerlich-nationalen Kräfte niemals geleugnet. Nur die heutige Bourgeoisie wärmt aus imperialistischen Gründen die Ideologie der Nationalbewegungen Mitte des 19. Jahrhunderts wieder auf und versucht, sie auf eine vollkommen andere Epoche zu übertragen – und hinterher trotten die Opportunisten, lassen sich vom bürgerlichen Nationalismus ins Schlepptau nehmen, um imperialistische Kriege „im Namen des Marxismus“ zu rechtfertigen. „Marx und Engels schritten von ihrer Epoche, von der Epoche der bürgerlich-nationalen fortschrittlichen Bewegung vorwärts, sie strebten danach, diese Bewegung weiterzutreiben, und bemühten sich um ihre Entwicklung `über die Köpfe` der Repräsentanten des Mittelalters hinweg. A. Petrossow strebt, wie alle Sozialchauvinisten, von seiner Epoche, von der Epoche der modernen Demokratie nach rückwärts, er springt hinüber auf den längst überlebten, toten und deshalb zuinnerst verlogenenen Standpunkt der alten (bürgerlichen) Demokratie. (...) Damals, im Jahre 1859 [Marx` Analyse des italienischen Krieges von 1859 – Anmerkung des Verfassers], bildete den objektiven Inhalt des geschichtlichen Prozesses auf dem europäischen Festland nicht der Imperialismus, es waren vielmehr die nationalen bürgerlichen Befreiungsbewegungen.. Haupttriebfeder war die Bewegung der Bourgeoisie gegen die feudalen absolutistischen Kräfte.
Nehmen wir einmal an, zwei Länder führen miteinander Krieg in der Epoche der bürgerlichen nationalen Freiheitsbewegungen. Welchem Land soll man vom Standpunkt der modernen Demokratie des Sieg wünschen? Natürlich dem, dessen Sieg die Befreiungsbewegung der Bourgeoisie kräftiger vorwärtstreiben und stürmischer entwickeln, den Feudalismus stärker unterwühlen wird. Nehmen wir weiter an, dass das bestimmende Moment der objektiven geschichtlichen Situation sich geändert hat und dass an die Stelle des sich national emanzipierenden Kapitals das internationale reaktionäre, imperialistische Finanzkapital getreten ist. Angenommen, das eine Land beherrsche drei Viertel von Afrika, das andere ein Viertel. Objektiver Inhalt ihres Krieges ist die Neuaufteilung Afrikas. Welcher Seite soll man den Sieg wünschen? Die Frage so zu stellen, wie sie früher gestellt wurde, ist sinnlos, denn es fehlen uns die früheren Kriterien der Einschätzung: Es gibt weder eine langjährige Entwicklung der bürgerlichen Befreiungsbewegung noch einen langjährigen Untergangsprozess des Feudalismus. Es ist nicht Sache der modernen Demokratie, dem einen Land bei der Behauptung seines `Rechts` auf die drei Viertel von Afrika beizustehen oder dem andern ( und möge es sich auch ökonomisch rascher entwickeln als das erste) bei der Besitzergreifung von diesen drei Vierteln zu helfen. Die moderne Demokratie wird nur in dem Falle sich selbst treu bleiben, wenn sie sich keiner einzigen imperialistischen Bourgeoisie anschließt, wenn sie sagt, dass `beide das größere Übel` sind, wenn sie in jedem Land die Niederlage der imperialistischen Bourgeoisie herbeiwünscht. Jede andere Entscheidung wird in Wirklichkeit nur eine nationalliberale sein, die mit wahrer Internationalität nichts gemein hat“ (Lenin, Band 21, Seite 131-133).
Die Volksbewegung in den vom Kriege erfassten Ländern war damals zur Zeit von Marx und Engels noch allgemein-demokratisch, ihrem Klasseninhalt nach bürgerlich-demokratisch. Marx und Engels unterstützten den damals demokratisch-bürgerlichen Kampf gegen den Feudalismus, indem sie sich jeweils auf die Seite derjenigen Bourgeoisie stellten, in deren Land die Entfaltung des Proletariats am besten voranschreiten konnte und woran die Proletarier in den anderen Ländern teilhaben sollten, indem Marx und Engels ihnen half, sich zusammenzuschließen und das Proletariat in dem jeweils fortschrittlichsten bürgerlichen Land solidarisch zu unterstützen. Diese Solidarität der Proletarier in den europäischen Ländern während der nationalen Kriege war der Beginn des selbständigen Auftretens des Proletariats in den einzelnen Ländern und ihres gemeinsamen Auftretens später mit der I. Internationale. Es war kein Zufall, dass sich in dieser Epoche die Produktivkräfte im Rahmen einzelner bürgerlicher Länder entwickelten, die sich vom Feudalismus durch nationale Kriege befreiten. Diese Epoche schließt mit dem Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71. Mit dem Ende der Ära der nationalen Kriege trat das Proletariat in eine Periode über, in der sie begann, die Bourgeoisie erbittert zu bekämpfen, denn die Regierungen mit ihrer nationalen Verteidigung verwandelten sich in Regierungen des nationalen Verrats:
„Lenin sagte, „ ...wenn damals der Kampf gegen die Reaktion ganz Europas die gesamte revolutionäre Nation zusammengeschweißt hat, so darf das Proletariat nunmehr seine Interessen schon nicht mehr mit den Interessen anderer, ihm feindlicher Klassen verbinden; möge die Bourgeoisie die Verantwortung für die nationale Erniedrigung tragen – Sache des Proletariats ist es, für die sozialistische Befreiung der Arbeit vom Joch der Bourgeoisie zu kämpfen“ (Lenin, Band 13, Seite 484).
Mit seinen Arbeiten über den Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 und über die proletarische Revolution vom 18. März 1871, die zur Pariser Kommune führte, beschäftigte sich Karl Marx mit den historischen Ereignissen, mit denen die Epoche des Übergangs vom vormonopolistischen Kapitalismus zum Imperialismus begannen – die Epoche der voll entfalteten Herrschaft und des Niedergangs der Bourgeoisie, der allmählichen Sammlung der Kräfte des Proletariats und seiner Vorbereitung auf die entscheidenden Klasssenschlachten. Diese Periode war also eine wichtige Etappe in der Entwicklung der internationalen proletarischen Bewegung und ihrer Ideologie, des Marxismus. Die 1. Internationale, von Marx und Engels gegründet , war durch sie zu einer mächtigen internationalen Organisation der Arbeiterklasse mit vielen Sektionen in Ländern Europas und in den USA geworden. Marx schrieb im Band 18 MEW, „Bericht des Generalrats an den Haager Kongress: „Seit unserem letzten Kongress in Basel haben zwei große Kriege das Aussehen Europas verändert: der Deutsch-Französische Krieg und der Bürgerkrieg in Frankreich; ein dritter Krieg ging diesen beiden voraus, begleitete sie und wurde nach ihnen fortgesetzt – der Krieg gegen die Internationale Arbeiter-Assoziation“ [1. Internationale - Die III. Internationale wurde am Ende des 1. Weltkrieges gegründet und vor dem Ende des 2. Weltkrieges 1943 aufgelöst].
In Verbindung mit der im Juli 1870 in Europa entstandenen Kriegssituation, die für die Internationale eine ernste Prüfung bedeutete, arbeiteten Marx und Engels die Taktik des Proletariats unter den Bedingungen des Deutsch-Französischen Krieges aus. Diese Taktik war nicht nur lehrreich für die Taktik Lenins gegenüber dem Sozialchauvinismus der II. Internationale,
( * )
(dies belegt das folgende Leninzitat: „Der Krieg 1870/1871 war die Fortsetzung der bürgerlich-fortschrittlichen (jahrzehntelang währenden) Politik der Befreiung und Einigung Deutschlands. Dass Napoleon III. Aufs Haupt geschlagen und entthront wurde, hat diese Befreiung beschleunigt. Das Friedensprogramm der Sozialisten jener Epoche trug diesem fortschrittlich.bürgerlichen Ergebnis Rechnung und unterstützte die demokratische Bourgeoisie: keine Beraubung Frankreichs, ehrenvoller Frieden mit der Republik. Man sehe, welche Farce der Versuch ist, dieses Beispiel in der Situation des imperialistischen Krieges 1914-1916 sklavisch zu `wiederholen`. Dieser Krieg setzt die Politik der überreifen, reaktionären Bourgeoisie fort, die die Welt ausplünderte, Kolonien eroberte usw. Dieser Krieg kann auf dem Boden bürgerlicher Verhältnisse zu keinem demokratischen `Fortschritt` führen – kraft der objektiven Lage kann er es nicht-, sondern nur zu einer Verstärkung und Erweiterung jeder Unterdrückung überhaupt und der nationalen insbesondere, und zar bei beliebigen Ausgang des Krieges. Jener Krieg beschleunigte die Entwicklung in demokratischer, bürgerlich-fortschrittlicher Richtung: Sturz Napoleons III., Einigung Deutschlands. Dieser Krieg beschleunigt die Enticklung nur der sozialistischen Revolution. Damals hatte das Programm des demokratischen (bürgerlichen) Friedens eine objektive geschichtliche Grundlage. Jetzt fehlt diese Grundlage, und das Geschwätz vom demokratischen Frieden ist ein bürgerliches Lügengewebe, dessen objektiver Sinn darin besteht, die Arbeiter vom revolutionären Kampf für den Sozialismus abzulenken! Damals unterstützten die Sozialisten durch ein demokratisches Friedensprogramm die vorhandene, tiefgehende, sich jahrzehntelang offenbarende demokratisch-bürgerliche Bewegung der Massen ( zum Sturz Napoleons III., zur Einigung Deutschlands). Jetzt unterstützen die Sozialisten durch ein demokratisches Friedensprogramm auf dem Boden bürgerlicher Verhältnisse den Volksbetrug durch die Bourgeoisie, die das Proletariat von der sozialistischen Revolution ablenken möchte. Wie durch die Phrasen von der `Vaterlandsverteidigung` die verlorene Ideologie des nationalen >Befreiungskrieges in die Massen getragen wird, so wird durch die Phrasen vom demokratischen Frieden auf Umwegen dieselbe bürgerliche Lüge eingeschmuggelt!“ (Lenin, Band22, Seite 167). Und auf einer Seite vorher schreibt Lenin hierzu: „Rufen wir uns die Grundbegriffe der sozialistischen Lehre ins Gedächtnis zurück, die von den Kautskyanern entstellt werden. Der Krieg ist die Fortsetzung der Politik, die die herrschende Klassen der kriegführenden Mächte lange vor dem Krieg getrieben haben, mit Mitteln der Gewalt. Der Frieden ist die Fortsetzung der gleichen Politik, unter Berücksichtigung jener Veränderungen im Kräfteverhältnis der Gegner, die durch die Kriegshandlungen eingetreten sind. Der Krieg ändert an sich nicht die Richtung, in der sich Politik vor dem Krieg entwickelt hat, er beschleunigt nur diese Entwicklung“ (Lenin, ebenda, Seite 166). „Infolgedessen kann der Friedensschluss bei beliebigen Ausgang des Krieges nur die Verschlimmerung der politischen und ökonomischen Lage der Massen festlegen – wenn die bürgerliche Gesellschaft bestehen bleibt“ [Lenin, Band 22, Seite 175] und schließlich sprach Lenin von der „Unmöglichkeit eines demokratischen Friedens ohne eine Reihe von Revolutionen“ [ebenda]).
sondern ist auch heute noch aktuell im Kampf zur Verteidigung des proletarischen Internationalismus gegen die Neo-Revisionisten. Damals halfen Marx und Engels den deutschen und französischen Arbeitern, ihre revolutionäre Haltung zum Charakter des Eroberungskrieges zu bestimmen, indem sie von den internationalistischen Interessen des Proletariats ausgingen. Die Proletarier ließen sich von der chauvinistischen Propaganda der herrschenden Klassen nicht beeindrucken und hielten am proletarischen Internationalismus fest. Marx begründete die wichtigsten Leitsätze der marxistischen Lehre von den sozialen Ursachen der Eroberungskriege, die von den herrschenden Klassen aus Profitinteressen entfesselt werden. Nach Marx sind alle Eroberungskriege generell mit der Unterdrückung der revolutionären Bewegung, in erster Linie der Befreiungsbewegung des Proletariats, verbunden. Im Falle des Eroberungskrieges Napoleons gegen Deutschland hätte dies eine große Gefahr für die deutsche Arbeiterbewegung bedeutet. Engels bemerkt dazu am 15. August 1870 in einem Brief an Marx: „Von einer selbständigen deutschen Arbeiterbewegung ist dann auch keine Rede mehr, der Kampf um Herstellung der nationalen Existenz absorbiert dann alles“. Und in seiner Schrift „Die Rolle der Gewalt in der Geschichte, MEW, Band 21, Seitre 439) bemerkte Engels über die Bedeutung des Kampfes eines Volkes für seine nationale Existenz: „Es galt, dem Ausland ein für allemal beizubringen, dass es sich in innere (...) Dinge nicht einzumischen habe (...) und vor diesem nationalen Aufschwung verschwanden alle Klassenunterschiede, zerflossen alle (...) Gelüste und Restaurationsversuche verjagter Fürsten in Nichts“. „In weniger als 5 Wochen brach das ganze, vom europäischen Philister jahrelang angestaunte Gebäude des [französischen – Anmerkung des Verfassers] Kaiserreichs zusammen; die Revolution vom 4. September räumte nur noch den Schutt weg; und Bismarck, der in den Krieg gezogen war, um ein kleindeutsches Kaiserreich zu gründen, fand sich eines schönen Morgens als Stifter einer französischen Republik. Nach Bismarcks eigener Proklamation wurde der Krieg geführt nicht gegen das französische Volk, sondern gegen Louis-Napoleon. Mit dessen Sturz fiel also der Grund zum Kriege weg (...) - als Bismarck nun plötzlich den preußischen Junker herauskehrte (...)“ (ebenda Seite 440), „Rache an Frankreich“ (ebenda, Seite 441) nahm und „die brutale Gewalt offen und ungeheuchelt als sein Grundprinzip erklärte“ (ebenda Seite 446). „Wenn die beiden größten und stärksten Nationen des westlichen Kontinents sich gegenseitig durch Feindseligkeit neutralisieren“ (ebenda Seite 447), so trat mit deren ewigen Zankapfel das ein, was Marx in seinem Runschreiben der Internationale laut in die Welt rief: „Die Annexion von Elsass und Lothringen macht Russland zum Schiedsrichter Europas“ (MEW, Band 17, Seite 271-279), „dessen Hände dann um so freier sind“ (MEW, Band 21, Engels, Seite 447). Diese Rolle übernimmt heute die Großmacht Europa, nachdem die beiden Supermächte USA und UdSSR sich neutralisierten. Resultat: Friede = schlimmer als Krieg - im besten Fall oder aber der dritte Weltkrieg. Ein sozialistisches Europa würde den Weltkrieg verhindern und den Frieden sichern.
Beide erkannten die Gefahr, dass sich ein Verteidigungskrieg in einen Eroberungskrieg – und umgekehrt – verwandeln kann. Deswegen lehrten sie sowohl den deutschen als auch den französischen Arbeitern, sich gemeinsam gegen die herrschende Klasse in beiden Ländern zu erheben. Als diese Gefahr Wirklichkeit wurde, riefen Marx und Engels die Proletarier beider Länder auf, den Hauptschlag gegen den preußischen Staat zu richten und gleichzeitig die Niederlage des französischen Kaiserreiches für den gewaltsamen Sturz der Bourgeoisie zu nutzen.
Engels, der die Einleitung zu Marx`„Bürgerkrieg in Frankreich“ schrieb, hob die Eigenschaft von Marx hervor, „den Charakter, die Tragweite und die notwendigen Folgen großer geschichtlicher Ereignisse klar zu erfassen, zur Zeit, wo diese Ereignisse sich noch vor unseren Augen abspielen oder erst eben vollendet sind“ (MEW, Band 17, Seite 615). Die Kriege der Ausbeuter bringen den Frieden der Ausgebeuteten und Unterdrückten hervor, indem diese einen gerechten Krieg gegen den ungerechten Krieg führen. Marx prophezeite in Bezug auf den Deutsch-Französischen Krieg:
„Während das offizielle Frankreich und das offizielle Deutschland sich in einen brudermörderischen Kampf stürzen, senden die Arbeiter einander Botschaften des Friedens und der Freundschaft. Diese einzige große Tatsache, ohnegleichen in der Geschichte der Vergangenheit, eröffnet die Aussicht auf eine hellere Zukunft. Sie beweist, dass, im Gegensatz zur alten Gesellschaft mit ihrem ökonomischen Elend und ihrem politischen Wahnwitz, eine neue Gesellschaft entsteht, deren internationales Prinzip der FRIEDE sein wird, weil bei jeder Nation dasselbe Prinzip herrscht - die ARBEIT!“ (MEW, Band 17, Seite 7). Und Marx schrieb weiter:
„Dass nach dem gewaltigsten Krieg der neueren Zeit die siegreiche und die besiegte Armee sich verbünden zum gemeinsamen Abschlachten des Proletariats – ein so unerhörtes Ereignis beweist, nicht wie Bismarck glaubt, die endliche Niederdrückung der sich emporarbeitenden neuen Gesellschaft, sondern die vollständige Zerbröckelung der alten Bourgeoisgesellschaft. Der höchste heroische Aufschwung, dessen die alte Gesellschaft noch fähig war, ist der Nationalkrieg, und dieser erweist sich jetzt als reiner Regierungsschwindel, der keinen andern Zweck mehr hat, als den Klassenkampf hinauszuschieben, und der beiseite fliegt, sobald der Klassenkampf im Bürgerkrieg auflodert. Die Klassenherrschaft ist nicht länger imstande, sich unter einer nationalen Uniform zu verstecken; die nationalen Regierungen sind eins gegenüber dem Proletariat!“ ( MEW, Band 17, Seite 361).
Auch Engels verfügte über umfassende Kenntnisse auf allen Gebieten der Kriegswissenschaft indem er den historischen und dialektischen Materialismus anwendete, um die aktuellen Kriegsereignisse, den Entwicklungsverlauf der militärischen Operationen sowie ihren Ausgang und ihre Folgen mit wissenschaftlicher Präzision vorauszusagen. „Jede Vermehrung der militärischen Kräfte des einen Landes zwingt die anderen Staaten, ein Gleiches, wenn nicht mehr zu tun. Und alles das kostet ein wahnsinniges Geld. Die Völker werden durch die Last der Militärausgaben zugrunde gerichtet, der Friede wird beinahe noch kostspieliger als der Krieg, so dass schließlich der Krieg, statt als eine schreckliche Geißel, als eine heilsame Krise erscheint, die einer unmöglichen Situation ein Ende macht. Dies ist der Grund, warum es den Intriganten in den verschiedenen Ländern, die gern im Trüben fischen möchten, möglich wurde, den Krieg herbeizuschwören“ (MEW, Band 21, Seite 345). Und Engels hatte auch gleich das „Heilmittel“ dagegen parat:
„Und das Heilmittel? Die Abschaffung des preußischen Systems und die Ersetzung desselben durch ein wirkliches Volksheer, das eine einfache Schule ist, in die jeder Bürger, sobald er fähig ist, die Waffen zu tragen, für die Dauer der zur Erlernung des Soldatenmetiers absolut notwendigen Zeit eingereiht wird; Einstellung der so herangebildeten Leute in stark organisierte örtliche Reservekadres, so dass jede Stadt, jeder Distrikt sein Bataillon hat, zusammengesetzt aus Leuten, die sich kennen und die, wenn es sein muss, in 24 Stunden vollständig ausgerüstet und marschbereit zusammentreten können. Das bedeutet, dass jeder Wehrfähige sein Gewehr und seine Equipierung bei sich zu Hause hat, wie es in der Schweiz der Fall ist. Das Volk, welches dieses System zuerst einführt, wird seine wirkliche militärische Kraft verdoppeln und dabei gleichzeitig sein Kriegsbudget um die Hälfte vermindern. Es wird schon durch die Tatsache, dass es alle seine Bürger bewaffnet, seine Friedensliebe beweisen. Denn diese Armee, welche eins ist mit der Nation, ist ebensowenig zur Eroberung nach außen geeignet, als sie in der Verteidigung ihres heimischen Bodens besiegbar ist. Und dann, welche Regierung würde es wagen, die politische Freiheit anzutasten, wenn jeder Bürger ein Gewehr und fünfzig scharfe Patronen zu Hause zu liegen hat?“ (MEW, Band 21, Seite 345).
„Um den internationalen Frieden zu sichern, müssen vorerst alle vermeidlichen nationalen Reibungen beseitigt, muss jedes Volk UNABHÄNGIG und HERR IM EIGENEN HAUS sein“ (MEW, Band 21, Seite 407) [Hervorhebung und Unterstreichung vom Verfasser].
Vor allem konzentrierte sich Engels auf die Analyse und Charakterisierung der abenteuerlichen Kriegspläne, die Schwächen und Fehler der Strategie und Taktik und die Mängel der militärischen Operationen der Herrschenden. „Man muss aber nicht nur die Schwächen, sondern auch die Stärken des Gegners kennen“ MEW, Band 22, Seite 14).
So erkannte er den Zusammenhang zwischen der Qualität einer Armee und ihre Abhängigkeit von der Qualität der sozialen und politischen Ordnung. So sei der militärische Zusammenbruch Frankreichs kein Zufall gewesen, sondern die unvermeidliche Folge des Verfalls des durch und durch verrotteten bonapartistischen Regimes: „Die Armeeorganisation versagt überall. (...) Eine edle und tapfere Nation sieht alle ihre Anstrengungen zur Selbstverteidigung unwirksam werden, weil sie es zwanzig Jahre lang hingenommen hat, dass ihre Geschicke von einer Abenteuerclique geleitet wurden, die Verwaltung, Regierung, Heer, Marine – tatsächlich ganz Frankreich – zu ihrer persönlichen Bereicherungsquelle machte“ (MEW, Band 17, Seite 78).
Engels unterzog die bonapartistischen Generäle einer vernichtenden Kritik. Er enthüllte die Fehlerrhaftigkeit ihrer Strategie und Taktik, ihre Unfähigkeit, Truppen zu führen und koordiniert zu operieren, und kritisiert die schlechte Ausrüstung der Truppen, die Korruption im Versorgungswesen. Er unterstrich, das das bonapartistische Regime auch während des Krieges seinen verderblichen Einfluss auf die Armee ausübte und die Fehler des französischen Oberkommandos noch dadurch verschlimmert wurden, dass es gezwungen war, sich bei seinen Operationen oft nicht von militärischen Erwägungen leiten zu lassen, sondern von dem Bestreben, das Prestige des Zweiten Kaiserreiches zu retten. Engels verwies darauf, dass die bonapartistische Regierung es aus Furcht vor den Volksmassen von Paris ablehnte, die zum Kampf gegen die revolutionäre Gefahr in der Hauptstadt verbliebenen Truppen an die Front zu senden, wo sie dringend nötig waren ( siehe MEW, Band 17, Seite 55). Auch die preußische Armee, die wegen des damals überlegenen neuen Rekrutierungssystems fälschlicherweise als „Volk in Waffen“ bezeichnet wurde, hatte in Wirklichkeit einen volksfeindlichen Charakter – Unterdrückung von Aufständen nach innen und Durchführung von Eroberungsfeldzügen nach außen. Als die regulären französischen Armeen geschlagen, das Zeite Kaiserreich gestürzt und die räuberischen Bestrebungen Preußens offenkundig geworden waren, standen die Stärkung der nationalen Verteidigung Frankreichs, die Aufstellung neuer militärischer Formationen und die Organisierung des Guerillakrieges gegen die Eindringlinge im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit von Engels. Obwohl die abenteuerliche Politik der herrschenden Klassen Frankreich an den Rand der nationalen Katastrophe gebracht hatte, rief Engels das französische Volk auf, auch unter diesen Bedingungen den Kampf fortzusetzen, der von Erfolg gekrönt sein würde, wenn es alle Reserven mobilisierte und der Widerstand gegen die Preußen wirklich das ganze Volk, die ganze Nation erfasste. Engels vertrat die Position des Generalrats der Internationale, der in dieser Etappe des Krieges das internationale Proletariat aufforderte, das französische Volk bei seinem Widerstand gegen die Eroberer zu unterstützen. Er entwarf einen konkreten Plan für den Kampf gegen die Preußen und entwickelte die Strategie und Taktik der Koordinierung der militärischen Operationen der neuformierten französischen Truppen mit dem Kampf von Partisanenabteilungen. Engels wies die unzerstörbare Kraft des Volkswiderstandes nach, der durch die Taktik des Partisanenkampfes erzeugt wird ( siehe zum Beispiel „Kriegführung im Gebirge einst und jetzt“, MEW, Band 12, Seite 113). Er setzte sich auch dafür ein,dass der Volkswiderstand in Form des Partisanenkrieges als Methode legitimer Kriegsführung anerkannt wird.
„Revolutionskrieg, Massenerhebung und Terrorismus – dazu wird die Monarchie sich nie verstehen. Eher schließt sie Frieden mit ihrem bittersten, ebenbürtigen Feind, ehe sie sich mit dem Volk verbündet(...). Aber der Aufstand der Masse, die allgemeine Insurrektion des Volkes, das sind Mittel, vor deren Anwendung das Königtum zurückschreckt“ (MEW, Engels, Band 6, Seite 369).
Marx und Engels entwickelten die marxistische Lehre von den Kriegen, ihren klassenbedingten Ursachen, Zielen und ihrem Klassencharakter. Wenn man von Marx und Engels lernen will, muss man jeden einzelnen Krieg konkret betrachten, welchen ökonomischen und politischen Klasseninteressen er dient, welche Klasse ihn führt, ob es sich um einen gerechten (Befreiungs- und Verteidigungs-) Krieg oder um einen ungerechten ( räuberischen Ausbeutungs- und Unterdückungs-) Krieg handelt, der ja nichts anderes verteidigt als den Profit. Der Charakter eines Krieges, seine wahre Bedeutung, wird dadurch bestimmt, welche Politik der Krieg fortsetzt, welche Klasse den Krieg führt und welche Ziele sie dabei verfolgt. Alle militärischen Lehren der Geschichte vom nicht-klassengebundenen bewaffneten Kampf und nicht-klassenbedingten Krieg sind leerer Unsinn. Marx und Engels beschränkten sich nicht auf die konkrete Analyse jedes einzelnen Krieges, sondern dadurch gelang es ihnen auch meisterhaft, die gesamte Politik des ganzen Systems der europäischen Staaten in ihren ökonomischen und politischen Wechselbeziehungen zu erfassen, wodurch sie verstanden, auf welche Weise aus diesem System folgerichtig und unvermeidbar die damaligen Kriege entstanden waren. Die Frage, wer dabei den Krieg angefangen hatte, war sowohl ökonomisch als auch politisch völlig unbedeutend angesichts der Tatsache, dass zwei Gruppen von Räubern, zwei oder mehrere Nationen gemeinsam um ihre Beute Krieg führten im Wettstreit um die Weltherrschaft, also wer zukünftig mehr Völker unterjochen, wer mehr rauben sollte, wer den Profit des internationalen Bankkapitals am höchsten steigern könnte. Wenn man einen Krieg richtig verstehen will, dann muss man wie Marx und Engels deren Zusammenhang mit der vorausgegangenen Politik der betreffenden Staaten, des betreffenden Staatssystems, der betreffenden Gesellschaftsordnung und der betreffenden Klassen innerhalb dieser Gesellschaftsordnung berücksichtigen – eine Grundforderung der marxistischen Militärtheorie, um nicht den Lügenmärchen der Bourgeoisie auf den Leim zu gehen – Und nicht nur wir Marxisten-Leninisten müssen so an die Frage der Wahrheitsfindung der Kriege herangehen, sondern diese auch den Massen begreiflich machen. Der Krieg ist immer mit den Interessen bestimmter Klassen verrknüpft, ebenso der Frieden. So gingen Marx und Engels auch an jeden einzelnen Frieden konkret heran, stellten sie die Klassenfrage, wem der Frieden nützt und wem er schadet. Wenn der Krieg die Fortsetzung der Politik der Friedenszeit ist, dann ist der Frieden umgekehrt auch die Fortsetzung der Politik des Krieges. Ein bürgerlicher Friede entwaffnet das Proletariat, und versklavt die annektierten Völker, anstatt ihnen die Freiheit zu geben. Und das trifft insbesondere auf den imperialistischen Frieden zu. Ob von der Fortsetzung der bürgerlichen Friedens- zur Kriegspolitik oder umgekehrt - diesen furchtbaren Teufelskreis durchbricht das Proletariat nach Auffassung von Lenin, dem besten Schüler von Marx und Engels, letztendlich erst durch den proletarisch-weltrevolutionären Krieg zur Befreiung der Arbeitern und Bauern der ganzen Welt vom Joch des Kapitals, denn es ist das Weltkapital, das internationale Bankkapital, das die imperialistischen Kriege unvermeidlich hervorruft und der Frieden ist somit nichts anderes als ein Gewaltfrieden; nichts anderes als die von den Siegermächten den Völkern einseitig aufgebürdeten gigantischen Lasten der Kriegsfolgen mit einer damit der Welt aufgezwungenen, noch gigantischeren, noch raffinierteren Versklavung; nichts anderes als die Zwischenperiode, die das internationale Kapital für den nächsten Krieg benötigt.
Am Beispiel des Deutsch-Französischen Krieges lehrten Marx und Engels dem internationalen Proletariat, zwischen nationalen Befreiungskriegen, Verteidigungskriegen, die der Abwehr einer ausländischen Invasion zum Ziel haben, und Raub- und Eroberungskriegen zu unterscheiden. Es war das große Verdienst von Engels, dass er die Frage des nationalen Widerstandes im Krieg gegen einen fremden Eroberer, des Volkskriegs, der Partisanenbewegung und der Formen und Methoden zur Mobilisierung der Volkskräfte gegen den Aggressor aufgeworfen und ausgearbeitet hatte. „Deutschland siegte über Frankreich, Bismarck und Thiers aber siegten über die Arbeiter!“ (Lenin, Band 21, Seite 274). Die Sowjetunion Stalins siegte über den Hitlerfaschismus, über das Dritte Reich, aber der Weltimperialismus mit den USA an der Spitze siegte über das Weltproletariat, über die sozialistische Weltrevolution.
Marx und Engels wiesen nach, dass die Kriegsentwicklung unvermeidbar die Klassengegensätze verschärft und dadurch eine revolutionäre Situation entstehen kann, die die Möglichkeit der revolutionären Erhebung des Proletariats in sich birgt. Das ist ein Gesetz, das heute vor allem im internationalen Maßstab wirkt. Gleichzeitig warnten sie das revolutionäre Proletariat, den Sieg der Revolution durch einen verfrühten Aufstand (genaue Analyse des Kräfteverhältnisses) nicht zu gefährden und damit die Niederlage unvermeidbar zu machen. Auch das gilt ganz besonders heute für die weltrevolutionäre Situation. Marx enthüllte die provokatorische Taktik der Bourgeoisie, die bestrebt war, die Arbeiterklasse zu einem vorzeitigen Aufstand aufzurufen, um sie in einem Meer von Blut zu ertränken (Das ist eine Taktik, die sie bis heute nicht aufgegeben hat und immer wieder anwendet. Die Weltbourgeoisie schreckt auch nicht davor zurück, die proletarische Weltrevolution in einem Weltmeer von Blut zu ertränken, bevor ihr letztes Stündchen geschlagen hat ! ! ). Revolutionen im Weltmaßstab bedeuten in der Regel auch entsprechende Ausmaße auf Seiten der Opfer.
Der Sieg der Pariser Kommune
Lenin definierte die Pariser Kommune als „die Umwandlung eines Völkerkrieges in einen Bürgerkrieg“ (Lenin, Werke Band 21, Seite 26). Mit dieser wichtigen Definition begründete Lenin auch die Umwandlung des 1. Weltkrieges in einen Bürgerkrieg. Lenin ging dabei von den objektiven Bedingungen des Kapitalismus aus: „Eine solche Umwandlung ist natürlich nicht leicht und kann nicht `auf Wunsch` einzelner Parteien vollzogen werden. Aber gerade diese Umwandlung entspricht den objektiven Bedingungen des Kapitalismus im Allgemeinen und seiner Endepoche im Besonderen. In dieser und nur in dieser Richtung haben die Sozialisten zu wirken“ (Lenin, ebenda).
Marx und Engels erkannten, dass der Sieg der Pariser Kommune durch eine besondere Situation der momentanen Schwäche der kriegführenden Gegner begünstigt wurde – die sich im Deutsch-Französischen Krieg nur für einen minimalen Augenblick für den günstigen Ausgang des Aufstandes bot. Die Armeen des französischen Kaiserreiches waren entweder außerhalb von Paris eingeschlossen oder gefangen in Deutschland, und der ausländische, deutsche Feind war erst bis zu den Toren vor Paris vorgedrungen. Mit der Belagerung der Stadt Paris finden wir historisch die altbekannte Tatsache der internationalen kapitalistischen Einkreisung der Arbeitermacht vor, auf die noch ausführlich einzugehen ist. Nur so viel sei hier angemerkt, dass es ausgerechnet die belagernden Soldaten waren, die die belagerten solidarisch unterstützten. Hier haben wir in Keimform den entscheidenden Faktor der internationalistischen solidarischen Unterstützung der aufständischen Arbeiter: „Die preußischen Truppen, die die Nordosthälfte von Paris umlagerten, hatten Befehl, keine Flüchtline durchzulassen, doch drückten die Offiziere oft ein Auge zu, wenn die Soldaten dem Gebot der Menschlichkeit mehr gehorchten als dem des Oberkommandos; namentlich aber gebührt dem sächsischen Armeekorps der Ruhm, dass es sehr human verfuhr und viele durchließ, deren Eigenschaft als Kommunekämpfer augenscheinlich war“ (Engels, MEW, Band 22, Seite 195). Sowohl die äußere als auch die innere Konterrevolution hatten sich während des Kriegsverlaufs gegenseitig geschwächt und waren in einem bestimmten Augenblick neutralisiert und damit kräftemäßig nicht fähig, die Arbeiterrevolution (gemeinsam) niederzuschlagen.
„Zum entscheidenden Zeitpunkt an der entscheidenden Stelle das ausschlaggebende Übergewicht an Kräften besitzen – dieses `Gesetz` militärischer Erfolge ist auch Gesetz des politischen Erfolgs, insbesondere in dem schweren, erbitterten Krieg der Klassen, der Revolution heißt“ (Lenin, Band 30, Seite 248).
“Der Feind kann in die Lage der Passivität geraten, die wir für unsere Initiative, für unsere Offensive ausnutzen“ (Generallinie der Komintern/ML). Eine ähnliche Situation des geschwächten Klassengegners innerhalb und außerhalb Russlands begünstigte den Sieg der Oktoberrevolution. „Warum begann die Oktoberrevolution, am schwächsten Glied die imperialistische Kette durchzubrechen? Nicht weil das russische Proletariat anderen voraus war, sondern weil die Schwäche und Rückständigkeit des russischen Kapitalismus und die drückende Situation des 1. Weltkrieges die Bolschewiki nötigte, eine vorgeschobene Position vor den anderen Abteilungen der sozialistischen Weltarmee zu beziehen, ohne abzuwarten, bis diese Abteilungen heran marschiert waren, sich erhoben hatten. Zur Zeit des ersten Durchbruchs der imperialistischen Kette an seinem schwächsten Glied, in der Zeit des Sturzes des zaristischen, imperialistischen Russlands durch die Oktoberrevolution, der Entstehung des ersten sozialistischen Staates, dem Sozialismus »in einem Lande«, da befand sich der Kapitalismus in einer Phase, in der er als monopolistischer Kapitalismus schon auf dem absterbenden Ast saß, wo die Welt bereits unter die kapitalistischen Gruppen aufgeteilt war, und die Neuaufteilung kriegerische Zusammenstöße forderte, wo der 1. Weltkrieg die Weltfront des Kapitalismus schwächte und dadurch in einzelnen Ländern den Durchbruch ermöglichte. Die hervorgewachsenen Monopole führten zu einer gewaltigen weltweiten Vergesellschaftung der Arbeit, dass Lenin den sterbenden Kapitalismus als Beginn des Übergangs zum Sozialismus charakterisierte. Dies vollzog sich gesetzmäßig im Kampf der Gegensätze, wobei das Gesetz der Ungleichmäßigkeit der sprunghaften Entwicklung der kapitalistischen Länder immer schärfer und krasser wirkte - nicht nur auf die imperialistischen Länder selbst, sondern auf ausnahmslos alle Länder der ganzen Welt. Die Oktoberrevolution zerriss also nicht nur deshalb das schwächste Glied in der Kette des Imperialismus, weil Russland ein rückständiges Land war, das Privateigentum leichter abschaffen konnte und der Zarismus schwach war. Die Ursache für den Durchbruch war in erster Linie der Krieg, der das Land in eine verzweifelte Lage mit Hungersnöten gebracht hatte, das Volk so sehr geschwächt hatte, dass der einzige Ausweg für Russland die Oktoberrevolution war.
Der Durchbruch am schwächsten Kettenglied ist demnach nicht allein deswegen am wahrscheinlichsten, weil dort die revolutionären Kräfte am „stärksten“ wirken, denn die internationale Konterrevolution wäre viel zu stark und würde auch die allerstärksten revolutionären Kräfte in jedem Land - isoliert betrachtet - niederringen. Die Sache ist aber die: Wie die bisherigen Revolutionen zeigen, die aus dem 1. und 2. Weltkrieg hervorgegangen sind, hatten sich die imperialistischen Räubergruppen so sehr ineinander verkettet, dass sie, um die Welt untereinander neu aufzuteilen, wozu sie das Gesetz des Imperialismus zwingt, ihre sämtlichen Kräfte hierauf konzentrieren mussten. Das schwächste Kettenglied kann also nur unter der Voraussetzungen abspringen, wenn sich die stärksten Kettenglieder so sehr gegenseitig binden und behindern, dass sie das Abspringen gar nicht verhindern können, selbst wenn sie es wollten. Die Imperialisten konnten also zu einem bestimmten Zeitpunkt ihre Kräfte gar nicht auf die Niederschlagung der Revolution konzentrieren weil ihre Spaltung sie schwächte und »ihre Hände gebunden« waren. Es ist also die Spaltung des Weltimperialismus, die ihre Kette an der schwächsten Stelle zum Zerreißen bringt, also in einem ganz bestimmten Zustand der Schwächung ihrer stärksten Kettenglieder, in einem Zustand, wo die internationale Konterrevolution sich nicht geschlossen gegen eine Revolution vereinigen und zur Hilfe eilen kann, weil eben die internationale Konterrevolution gespalten und geschwächt wird“ (zitiert aus: Generallinie der Komintern/ML).
Die Bestimmung und Festlegung des richtigen Zeitpunkts für den Aufstand in Zusammenhang mit der Beobachtung des Eintretens eines bestimmten, selbst herbeigeführten, inneren Schwächezustands des Gegners kann - in realistischer Einschätzung des eigenen mobilen Kräftepotentials - also für den Sieg oder die Niederlage, für den Ausgang des Aufstandes von großer und entscheidender Bedeutung sein. So warnten Marx und Engels vor den schlimmen Folgen sowohl eines verfrühten als auch eines verspäteten Aufstandes. So auch vor den Folgen eines verfrühten Pariser Aufstand. Marx warnte in seiner Zweiten Adresse des Generalrats der Internationale vom 9. September 1870: „Sich nicht beherrschen lassen durch die nationalen Erinnerungen von 1792“, „die Organisation ihrer eigenen Klasse gründlich durchführen“, sich nicht das Ziel setzen, die Regierung zu stürzen („eine verzweifelte Torheit“). Dasselber schrieb Eugène Dupont, Sekretär der Internationale (des Generalrats) für Frankreich am 7. September 1870 /Will,G., „Histoire du mouvement social en France 1852-1902/Geschichte der sozialen Bewegung in Frankreich 1852-1902). In dem Augenblick aber als der Versuch der französischen Regierung, das Pariser Proletariat zu entwaffnen durch Beschlagnahme der Geschütze der Nationalgarde am 18. März 1871, mit einem revolutionären Aufstand beantwortet wurde, begrüßten ihn Marx und Engels begeistert, stellten sie sich im Bürgerkrieg auf die Seite der Pariser Kommune gegen die Versailler Regierung.. Wie Lenin bemerkte, verhielt sich Marx zur Pariser Revolution „als Teilnehmer des Massenkampfes, den er mit der ihm eigenen Glut und Leidenschaft (...) miterlebte (Lenin, Band 12, Seite 101). Marx gab der Kommune konkrete militärische Ratschläge: „Ich riet ihren Mitgliedern, die Nordseite der Anhöhen von Monmartre, die preußische Seite, zu befestigen, und sie hatten noch Zeit, dies zu tun; ich sagte ihnen im Voraus, dass sie sonst in eine Mausefalle geraten würden“ (Marx an Kugelmann 12. 4. 1871). „Marx schätzte die historische Bedeutung der Kommune hoch ein – hätten die Arbeiter während des verräterischen Vorstoßes der Versailler Bande gegen die Bewaffnung des Pariser Proletariats sich kampflos die Waffen wegnehmen lassen, so wäre die verhängnisvolle Wirkung der durch eine derartige Schwäche in die proletarische Bewegung hineingetragenen Demoralisation unendlich viel größer gewesen als der Schaden infolge der Verluste, die die Arbeiterklasse im Kampfe für die Verteidigung ihrer Waffen erlitten hat“ (Lenin, Band 13, Seite 485).
Die Verteidigung der Kommune hielten Marx und Engels für die höchste Pflicht der Arbeiter aller Länder. Bereits in den ersten Tagen der Revolution von Paris mobilisierten sie mit Hilfe der Internationalen Arbeiterassoziation alle Kräfte des internationalen Proletariats zur Unterstützung der Kommunarden. Marx und Engels betrachteten die Pariser Kommune als geistiges Kind der Internationale, als die praktische Verwirklichung ihrer Prinzipien und sahen in ihrer Errichtung einen ungeheuren Gewinn nicht nur für die Arbeiterklasse in Paris, sondern für die Proletarier aller Länder in inhrem Kampf für die Revolution. „Wie die Sache auch unmittelbar verlaufe, ein neuer Ausgangspunkt von welthistorischer Wichtigkeit ist gewonnen“ (Marx` Brief an Kugelmann vom 17. April 1871). Mit der Pariser Kommune begann ein neuer Abschnitt der Weltgeschichte, die Periode „des beginnenden Verfalls des Kapitalismus,“ wie Stalin feststellte,“ ... des Hinüberwachsens des alten `freien` Kapitalismus in den Imperialismus und des Sturzes des Kapitalismus in der UdSSR durch die Kräfte der Oktoberrevolution“ (Stalin, Kirow, Shdanow, Bemerkungen zu der Skizze eines Lehrbuchs der neueren Geschichte, Moskau 1938, zit. Nach Geschichte der Diplomatie, Band II, Berlin 1948, Seite 13). „Die Republik der Sowjets ist also jene gesuchte und endlich gefundene politische Form, in deren Rahmen die ökonomische Befreiung des Proletariats, der vollständige Sieg des Sozialismus vollzogen werden muss. Die Pariser Kommune war der Keim dieser Form. Die Sowjetmacht ist ihre Entwicklung und Vollendung“ (Stalin, Fragen des Leninismus, Berlin 1951, Seite 49).
Marx stand mit den Kommunarden in unmittelbarem Kontakt, sammelte Informationen, unterzog sie einer Analyse und verallgemeinerte die Erfahrungen der Pariser Kommune zum Nutzen des gesamten Weltproletariats. Im „Bürgerkrieg in Frankreich“ kennzeichnete Marx die Staatsmacht der bürgerlichen Ausbeutergesellschaft und ihre Armee als eine „öffentliche Gewalt zur Unterdrückung der Arbeiterklasse“ und als „eine Maschine der Klassenherrschaft“. Er kam zu dem Schluss, dass das Pariser Proletariat die Macht nur ergreifen konnte, weil es die Staatsmaschinerie zerschlug, deren „rein unterdrückender Charakter offner und offner“ hervorgetreten war, dass „die Arbeiterklasse nicht die fertige Staatsmaschinerie einfach in Besitz nehmen und diese für ihre eigenen Zwecke in Bewegung setzen kann“ (MEW, Band 17, Seite 336). Die Pariser Kommune schaffte das stehende Heer ab und ersetzte es durch Volksbewaffnung. Und wir werden heute die stehenden Heere der ganzen Welt durch die gemeinsame und gegenseitige Bewaffnung aller Völker ersetzen. In seinem Brief an Kugelmann vom 12. 4. 1871 schrieb Karl Marx:
„Wenn du das letzte Kapitel meines `Achtzehnten Brumaire` nachsiehst, wirst du finden, dass ich als nächsten Versuch der französischen Revolution ausspreche, nicht mehr wie bisher die bürokratisch-militärische Maschinerie aus einer Hand in die andere zu übertragen, sondern sie zu zerbrechen, und dies ist die Vorbedingung jeder wirklichen Volksrevolution (...).“ Wir möchten hinzufügen und davon ableiten: ... die Vorbedingung der wirklichen Weltrevolution. Wir werden den naiven Glauben in die globalisierte militärische Mission der Weltbourgeoisie durch die proletarische Weltrevolution erschüttern.
Zwar musste das revolutionäre aber ausgehungerte Paris am 28. Januar 1871 kapitulieren, „aber mit bisher in der Kriegsgeschichte unerhörten Ehren (...) die Nationalgarde behielt ihre Waffen und Kanonen und trat nur in Waffenstillstand gegen die Sieger. Und diese selbst wagten nicht, in Paris im Triumph einzuziehen (...) Solchen Respekt flößten die Pariser Arbeiter dem Heere ein, vor welchem sämtliche Heere des Kaiserreiches die Waffen gestreckt; und die preußischen Junker, die hergekommen waren, um Rache zu nehmen am Herd der Revolution, mussten ehrerbietig stehenbleiben und salutieren vor eben dieser bewaffneten Revolution“ (Marx, Engels, Ausgewählte Werke, Band I, Seite 450). Die Pariser Kommune war die größte proletarische Bewegung des 19. Jahrhunderts, die Sowjetunion die größte sozialistische Bewegung des 20. Jahrhunderts.
Karl Marx kritisierte die Kommunarden wegen ihrer Sorglosigkeit, wegen ihrer ungenügenden Härte gegenüber den Konterrevolutionären: „Paris, arbeitend, denkend, kämpfend, blutend, über seiner Vorbereitung einer neuen Gesellschaft fast vergesend der Kannibalen vor seinen Toren“ (MEW; Band 17, Seite 349). Marx lehrte die Arbeiter, dass die proletarische Macht organisiert und stark sein muss, dass sie über die erforderlichen Mittel zur Unterdrückung der Konterrevolution verfügen muss, dass auch nach Errichtung der Macht der Arbeiterklasse im nationalen Maßstab - und wir merken hier ausdrücklich an auch nach Errichtung der Macht des Weltproletariats im internationalen !! Maßstab - ihr möglicherweise noch „sporadische Sklavenhalter-Rebellionen“ bevorstehen. Marx unterstrich, dass die allseitige Festigung des proletarischen Staates – auch und besonders des Weltstaates !! ; sei hier heute angemerkt – eine absolute Notwendigkeit ist. Erst dann werden die Anschläge der reaktionären Kräfte zum Scheitern verurteilt sein; sie würden „zwar das Werk des friedlichen Fortschritts für den Augenblick unterbrechen, die Bewegung aber nur beschleunigen, weil sie der Sozialen Revolution das Schwert in die Hand geben“ ( MEW; Band 17, Seite 546). Je grausamer die internationale Konterrevolution ihr Schwert heute gegen das Weltproletariat, gegen die Völker erhebt, um die internationale, imperialistische Sklaverei aufrechtzurhalten, desto größer ist das Schwert, dass sie dem Weltproletariat in die Hand gibt, um die weltimperialistische Tyrannei zu brechen und zu richten – das ist eine der wesentlichen Erkenntnisse des revolutionären Marxismus, das ist eine der wichtigsten Grundsätze, auf der sich die weltrevolutionäre Klassenkriegskunst von heute stützen wird.
Auch Engels „tadelte“ die Pariser Kommune:
„Ich kenne nichts Autoritäreres als eine Revolution, und wenn man mit Bomben und Gewehrkugeln gegen seine Feinde kämpft, scheint mir das ein Akt der Autorität zu sein. Hätte es in der Pariser Kommune ein wenig mehr Autorität und Zentralisation gegeben, so hätte sie über die Bourgeoisie gesiegt. Nach dem Sieg können wir uns organisieren, wie wir wollem, doch für den Kampf scheint es mir notwendig, alle unsere Kräfte zusammenzuballen und sie auf denselben Angriffspunkt zu richten. Und wenn man mir sagt, das sei nicht möglich ohne Autorität und Zentralisation, und das seien zwei absolut verdammenswerte Dinge, dann scheint mir, dass diejenigen, die so sprechen, entweder nicht wissen, was eine Revolution ist, oder dass sie Revolutionäre nur in Worten sind“(Engels, MEW, Band 33, Seite 372-373).
„Am schwersten begreiflich ist allerdings der heilige Respekt, womit man vor den Toren der Bank von Frankreich ehrerbietig stehenblieb. Das war auch ein schwerer politischer Fehler. Die Bank in den Händen der Kommune – das war mehr wert als zehntausend Geiseln“ (MEW, Engels, Band 22, Seite 196). Aus den Lehren der Pariser Kommune schöpften Marx und Engels die klaren Forderungen des Arbeitersozialismus, nämlich die Notwendigkeit der gewaltsamen Aneignung der Produktionsmittel durch die Gesellschaft: „Hinter dem Recht auf Arbeit steht die Gewalt über das Kapital, hinter der Gewalt über das Kapital die Aneignung der Produktionsmittel, ihre Unterwerfung unter die assoziierte Arbeiterklasse, also die Aufhebung der Lohnarbeit wie des Kapitals und ihres Wechselverhältnisses“ (MEW, Band 7, Seite 41/42).
„Während die demokratischen Kleinbürger die Revolution möglichst rasch... zum Abschluss bringen wollen, ist es unser Interesse und unsere Aufgabe, die Revolution permanent zu machen, so lange, bis alle mehr oder weniger besitzenden Klassen von der Herrschaft verdrängt sind, die Staatsgewalt vom Proletariat erobert und die Assoziation der Proletarier nicht nur in einem Lande, sondern in allen herrschenden Ländern der ganzen Welt so weit vorgeschritten ist, dass die Konkurrenz der Proletarier in diesen Ländern aufgehört hat und dass wenigstens die entscheidenden produktiven Kräfte in den Händen der Proletarier konzentriert sind. Es kann sich für uns nicht um Veränderung des Privateigentums handeln, sondern nur um seine Vernichtung, nicht um Vertuschung der Klassengegensätze, sondern um Aufhebung der Klassen, nicht um Verbesserung der bestehenden Gesellschaft, sondern um Gründung einer neuen“ (MEW, Band 7, Seite 247-248).
Und das hier Gesagte veranlasst uns um so mehr zum Festhalten an die Permanenz der Weltrevolution, die eine besondere Form der weltrevolutionären Kriegskunst voraussetzt. Was lernen wir daraus: 1. Man darf die rein militärische Bedeutung des internationalen Klassenkampfes, der Weltrevolution nicht unterschätzen; 2. Bei der „Expropriation der Expropriateure“ darf das revolutionäre Weltproletariat nicht auf halbem Wege stehen bleiben. Nur beides zusammengenommen sichert die Früchte der siegreichen sozialistischen Weltrevolution.
„Eine Revolution ist gewiss die autoritärste Sache, die es gibt, ein Akt, durch den ein Teil der Bevölkerung seinen Willen dem anderen Teil durch Flinten, Bajonette und Kanonen, alles das sehr autoritäre Mittel, aufzwingt; und die Partei, die gesiegt hat, muss ihre Herrschaft durch den Schrecken, den ihre Waffen den Reaktionären einflößen, behaupten. Und hätte sich die Pariser Kommune mit der Autorität eines bewaffneten Volkes gegen die Bourgeoisie bedient, hätte sie sich länger als einen Tag behauptet? Können wir sie nicht umgekehrt tadeln, dass sie sich zu wenig dieser Autorität bedient habe?“ (Engels „Von der Autorität“ ;1872/73) Und zum 20. Jahrestag sagte Engels über die Pariser Kommune:
„Seit nunmehr zwanzig Jahren sind die Arbeiter von Paris ohne Waffen, und so ist es überall; in allen zivilisierten Ländern ist das Proletariat der materiellen Verteidigungsmittel beraubt. Überall sind es die Feinde und Ausbeuter der Arbeiterklasse, die über die gesamte bewaffnete Streitmacht verfügen. Doch wozu hat das geführt? Dazu, dass heute, da jeder taugliche Mann durch die Armee geht, diese Armee mehr und mehr die Gefühle und Ansichten des Volkes widerspiegelt, dass diese Armee, das Hauptwerkzeug der Unterdrückung, von Tag zu Tag unzuverlässiger wird. Schon sehen die Männer an der Spitze aller großen Staaten mit Schrecken den Tag nahen, an dem die unter Waffen stehenden Soldaten sich weigern werden, ihre Brüder und ihre Väter zu massakrieren (...) Es lebe die internationale soziale Revolution!“ (Engels, MEW, Band 22, Seite 186-187).
Marx reagierte auf die Niederlage der Pariser Kommune, und lehrte das Proletariat, wie es mit dieser Niederlage und ihren Folgen umgehen sollte, insbesondere wie die Arbeiterklasse den entfachten Zorn und die blutige Rache der wutschnaubenden Reaktion begegnen sollte. Bismarck ließ 60 000 Krieggefangene frei, um eine konterrevolutionäre Armee gegen die Pariser Kommune aufzustellen, die die deutschen Linien zu diesem Zweck passieren durften. Alle Regierungen der europäischen Staaten war die Angst so sehr in die Knie gefahren, dass sie einen grausamen Feldzug gegen die I. Internationale und die Arbeiterorganisationen organisierte. In dieser reaktionären Offensive entlarvten Marx und Engels die Intrigen der Reaktionäre und leiteten den Kampf für den Zusammenschluss und die unbeirrbare Fortsetzung der Festigung der proletarischen Organisation, den Kampf für die Sammlung neuer Kräfte der Werktätigen und die Reorganisierung der Reihen der I. Internationale, den Kampf gegen den Opportunismus in den eigenen Reihen. Schließlich versuchte der Reaktion mit und ohne Gewalt die internationale Verbreitung der revolutionären Flamme des heroischen Pariser Proletariats zu löschen und die I. Internationale von innen und außen zu liquidieren.
Um die Haltung der Internationale zum proletarischen Internationalismus zu begründen, studierten Marx und Engels eingehend die Geschichte des irischen Volkes. Sie entwickelten den Gedanken, dass das Proletariat der Unterdrückernation im Interesse seiner eigenen Freiheit gegen die Politik der nationalen und militärischen Unterdrückung kämpfen müsse, was Lenin das Grundprinzip des Internationalismus und Sozialismus nannte. Engels schrieb: „An der irischen Geschichte kann man sehen, welch ein Pech es für ein Volk ist, wenn es ein anderes unterjocht hat“ (MEW, Band 32, Seite 378). Die Befreiung Irlands ist eine Notwendigkeit für die englische Arbeiterklasse, um die dadurch erzeugte Schwächung der englischen Herrschaft für die eigene proletarische Revolution zu nutzen. Ohne Untrstützung des bewaffneten nationalen, revolutionären Befreiungskampfes wird es keinen Sieg der proletarischen Weltrevolution geben. Das ist die Lehre aus den Erkenntnissen, die Marx und Engels aus der irischen Befreiungsbewegung zogen.
Marx und Engels betrachteten alle militärischen Fragen vom Standpunkt des internationalen Proletariats aus, von den Arbeiterparteien der Länder und auch von der Ersten Internationale. Insbesondere beharrten sie darauf, sich von der schwankenden liberalen Bourgeoisie selbständig abzugrenzen, die sich historisch aus Feigheit allzu oft auf Kompromisse mit der Reaktion einließ und vor dieser insbesondere in Kriegssituationen kapitulierte. Es hat sich ebenso gezeigt, dass die Angst der Liberalen vor dem revolutionären Volk meist viel größer ist als vor der Reaktion. So hat sich der Marxismus auch in der Militärfrage klar und deutlich vom Lassalleanismus, vom „königlich preußischen Regierungssozialismus“ distanziert ( siehe MEW, Band 16, Seite 79).
„Die Kommune war die entschiedene Negation jeder Staatsmacht und darum der Beginn der sozialen Revolution des 19. Jahrhunderts. Was daher immer ihr Geschick in Paris, sie wird ihren Weg um die Welt machen“ (Marx, MEW, Band 17, Seite 542). Wer nun meint, Marx habe sich indirekt gegen die Staatsmacht des Proletariats ausgesprochen, ist auf dem Holzweg. Es soll sogar „Marxisten-Leninisten in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts gegeben haben, die uns auf diesen Holzweg führen zu können glaubten.
Mit der Pariser Kommune begann eine neue Periode im Befreiungskampf des Proletariats, in der der Aufbau proletarischer Parteien im Vordergrund stand, die sich von den Prinzipien des wissenschaftlichen Kommunismus von Marx und Engels leiten lassen und ohne die die proletarische Revolution nicht erfolgreich verwirklicht werden kann. Gerade an der Peripherie zwischen der Pariser Kommune und der Oktoberrevolution, mit dem Beginn einer neuen Periode des bewaffneten Klassenkampfes, klinkten sich die Opportunisten aller Couleur ein, um daraus Gegensätzlichkeiten zu konstruieren und darauf aufbauend im Trüben zu fischen. Man kann aber nicht die Pariser Kommune gegen die Oktoberrevolution ernsthaft verteidigen wollen , ebensowenig wie man die Oktoberrevolution gegen die Volksrevolution in Albanien und gegen die heutigen, vorzubereitenden sozialistischen Revolutionen verteidigen kann, ohne im Sumpf des Opportunismus elendig zu versinken. Nur die Pariser Kommune, nur die Oktoberrevolution und nur die albanische Volksrevolution sind für uns Marxisten-Leninisten im Sinne des Sozialismus siegreich verlaufen und wird die revolutionäre Weltbewegung stets auf ihren Schultern stehen. Alle anderen Revolutionen halten diesem Kriterium nicht stand und dürfen deswegen nicht mit ihnen auf eine Stufe gehoben werden. Genauso darf man zwischen der Militärtheorie von Marx und Engels, Lenin, Stalin und Enver Hoxha keine Gegensätze konstruieren oder etwa den einen oder anderen Klassiker ausklammern. Alle Klassiker waren zu ihrem historischen Zeitpunkt die Führer des Weltproletariats und die Führer der marxistischen Kriegswissenschaft. Und nur alle Klassiker zusammengenommen ergeben das vollständige Bild der marxistisch-leninistischen Militärtheorie und Klassenkriegskunst, aus denen wir für alle Zeiten zu lernen haben. Auf der Grundlage der Erkenntnisse der Klassiker auf dem militärischen Gebiet gehen wir heute an die Verallgemeinerung der gegenwärtigen Erfahrungen des internationalen Klassenkampfes heran, um die marxistisch-leninistische Militärtheorie und die weltrevolutionäre Klassenkriegskunst ständig weiter zu entwickeln zum Nutzen der proletarischen Weltrevolution. Wir kommunistischen Soldaten kämpfen nur auf diesen theoretischen und praktischen Grundlagen, auf keinen anderen. Wir lassen uns weder ein auf fremde (bürgerliche) Militärtheorien, noch geben wir uns her für irgendwelche, ominöse „Revolutionen“ mit allen möglichen Klasseninteressen. Wir ergreifen das Gewehr ausschließlich für unsere eigenen Interessen, für die proletarische Revolutionen, die ihrem Wesen und Charakter vollkommen der Pariser Kommune, der Oktoberrevolution und der albanischen Volksrevolution entsprechen -das schließt natürlich nicht aus, dass wir alle revolutionären Bewegungen – auch mit der Waffe in der Hand – unterstützen bzw. sogar – wo möglich - deren Führung übernehmen, die direkt oder indirekt für unsere proletarischen Revolutionen nützlich sind. Wir sind weder revisionistische noch sektiererische Soldaten, wir sind marxistisch-leninistische Soldaten !! Soldaten mit sektiererischen oder revisionistischen Fehlern können wir helfen. Fehler korrigieren durch Kritik und Selbstkritik, ist nicht das Problem. Aber ausgemachte Revisionisten oder Sektierer haben in unseren Reihen keinen Platz, und wir werden auch nicht in irgendeiner „Einheitsfront“ Seite an Seite mit ihnen kämpfen, denn sie sind Feinde des Proletariats und versuchen in unsren eigenen Reihen oder in den Reihen einer „Einheitsfront“, auf der Seite der Bourgeoisie zu kämpfen. Einheitsfront mit Truppen, die dem Gegner dienen, auch wenn sie noch so sehr schwören, auf unserer Seite zu stehen, ist ein absolutes Unding. Eine revolutionäre Truppe kann keiner Niederlage entgehen, wenn sie in ihren eigenen Reihen den Feind aktiv werden lässt, um so mehr gilt das für die Führung der roten Truppe.
Um diese und andere Katastrophen zu vermeiden, ist es eben unerlässlich, dass jeder rote Soldat mit seiner geistigen Waffe genauso gut umgehen kann wie mit seiner Waffe in der Hand, und er muss stets lernen, diese beiden „Waffengattungen“ in jedem Augenblick, in jeder Situation in ihrem einheitlichen Gebrauch zu beherrschen. Das unterscheidet die rote Armee von jeder konterrevolutionären Armee (einschließlich der revisionistischen Armee), wo ja noch ( oder wieder) das militaristische System des Gegensatzes zwischen „Hand - und Kopfarbeit“ angewandt wird .
Lenin
Begründer der bolschewistischen Strategie und Taktik der Revolution,
Führer der siegreichen Oktoberrevolution, des Bürgerkrieges und des Krieges gegen die ausländische Intervention,
zur Verteidigung des Sozialismus in einem Land
Führer der beginnenden Weltrevolution des Proletariats,
größter politischer Stratege des internationalen Klassenkrieges
Nach wie vor ist gültig, was Stalin vor 80 Jahren über die Grundlagen des Leninismus lehrte:
„Der Leninismus ist der Marxismus der Epoche des Imperialismus und der proletarischen Revolution. Genauer: Der Leninismus ist die Theorie und Taktik der proletarischen Revolution im Allgemeinen, die Theorie und Taktik der Diktatur des Proletariats im Besonderen“ (Stalin Band 8, Seite 63).
Von Stalins Definition leiten wir ab:
Die leninistische Militärwissenschaft ist die marxistische Militärwissenschaft der Epoche des Imperialismus und der proletarischen Revolution. Genauer: Die leninistische Militärwissenschaft ist die wissenschaftlich begründete militärische Theorie und Taktik der proletarischen Revolution im Allgemeinen, die militärische Theorie und Taktik der Diktatur des Proletariats im Besonderen, sowohl im nationalen als auch im internationalen Maßstab.
„Man betont gewöhnlich den überaus kämpferischen und überaus revolutionären Charakter des Leninismus. Das ist völlig richtig. Aber diese Besonderheit des Leninismus erklärt sich aus zwei Gründen: erstens daraus, dass der Leninismus aus dem Schoße der proletarischen Revolution hervorging, deren Stempel er notwendigerweise tragen muss; zweitens daraus, dass er heranwuchs und erstarkte im Ringen mit dem Opportunismus der II. Internationale, dessen Bekämpfung die notwendige Vorbedingung für den erfolgreichen Kampf gegen den Kapitalismus war und ist. Man darf nicht vergessen, dass zwischen Marx und Engels einerseits und Lenin andererseits ein ganzer Zeitabschnitt der ungeteilten Herrschaft des Opportunismus der II. Internationale liegt, dessen rücksichtslose Bekämpfung eine der wichtigsten Aufgaben des Leninismus sein musst“ (Stalin, ebenda, Seite 64).
Heute, im Zeitalter der Globalisierung, wächst der Marxismus-Leninismus heran im Ringen mit dem Neo- Revisionismus innerhalb der marxistisch-leninistischen Weltbewegung, dessen Bekämpfung die notwendige Voraussetzung für den erfolgreichen Kampf gegen den Weltimperialismus ist. Man darf nicht vergessen, dass zwischen der Komintern und der Komintern/ML, zwischen dem sowjetischen und albanischen Sozialismus und heute ein ganzer Zeitabschnit des Aufstiegs und Abstiegs des Revisionismus an der Macht liegt, durch den der Weltimperialismus gezwungen ist, die ungeteilte Herrschaft des Neo-Revisionismus [ = Antirevisionismus in Worten und Revisionismus in Taten] international zu etablieren, um die Wiederbelebung des Marxismus-Leninismus innerhalb der internationalen Arbeiterbewegung, die Zurückeroberung des Sozialismus, die Fortsetzung der proletarischen Weltrevolution, den Sieg des Weltbolschewismus zu verhindern. Wir befinden uns heute also in der Reorganisierungsphase des Weltproletariats und seinem noch größeren, direkten Sturm auf den Weltkapitalismus als zur Zeit Lenins.
„Der Leninismus erwuchs und gestaltete sich unter den Bedingungen des Imperialismus, als sich die Widersprüche des Kapitalismus bis zum Äußersten zugespitzt hatten, als die proletarische Revolution zu einer Frage der unmittelbaren Praxis wurde, als die alte Periode der Vorbereitung der Arbeiterklasse zur Revolution an die neue Periode des direkten Sturms auf den Kapitalismus heranrückte und in sie hinüberwuchs. Lenin bezeichnete den Imperialismus als `sterbenden Kapitalismus` . Weshalb? Weil der Imperialismus die Widersprüche des Kapitalismus bis zum höchsten Grad, bis zu den äußersten Grenzen steigert, jenseits deren die Revolution beginnt“ (Stalin evemda, Seite 64-65).
Durch die Globalisierung steigert er die Widersprüche heute bis zur äußersten internationalen Grenze, jenseits deren die Revolution globalisiert fortgesetzt und siegen wird.
„Der erste ist der Widerspruch zwischen Arbeit und Kapital (...). Der zweite Widerspruch ist der Widerspruch zwischen den verschiedenen Finanzgruppen und imperialistischen Mächten (...). Der dritte Widerspruch ist der Widerspruch zwischen der Handvoll herrschender `zivilisierter` Nationen und den Hunderten von Millionen der kolonialen und abhängigen Völker der Welt“ (ebenda).
Diese Widersprüche sind nach der Beseitigung des Sozialismus heute wieder grundsätzlich genauso vorhanden, nur die Ausgangspunkte seit der Oktoberrevolution sind für das Weltproletariat viel vorteilhafter geworden. Alle drei Widersprüche, sind antagonistisch und verschärfen sich daher zwangsläufig bis hin zum Krieg. Da sie alle dialektisch miteinander verbunden sind, sich gegenseitig bedingen und eine Einheit bilden, muss das auch in der marxistisch-leninistischen Militärtheorie berücksichtigt und zum Ausdruck gebracht werden, denn ohne revolutionäre Gewalt ist kein einziger Widerspruch des Kapitalismus zu lösen. Wir sind ja gerade aus demjenigen Grund Soldaten des Kommunismus, weil wir den Supergau verhindern wollen, in den der Weltkapitalismus uns treibt. Können wir ihn nicht verhindern, dann müssen wir ihn verwandeln in einen Supergau gegen den Weltimperialismus. Wollten wir aber so oder so abwartend sterben, wären wir recht jämmerliche Soldaten. Also – ohne auf den Augenblick zu warten, bis die die Kapitalisten die ganze Welt endgültig ruiniert haben, muss das Proletariat die nächstbeste Gelegenheit beim Schopfe packen, muss das Proletariat zu den Waffen greifen und ohne zu zögern , ohne eine entstandene revolutionäre Situation zu versäumen und nutzlos verstreichen zu lassen, die Macht ergreifen. Das