eeneen {4}Schulungstexte der Komintern ML. D



II. Teil

Lehrbuch

über die marxistisch-leninistischen Grundlagen der

weltproletarischen Militärwissenschaft

und über die Kunst der

weltrevolutionären Klassenkriegsführung




Wie verhält sich die militärische Kampfform zur politischen Grundform des proletarischen Klassenkampfes ?


Die militärische Kampfform ist die Fortsetzung der politischen Kampfform mit bewaffneten Mitteln. Für die Revolution, die eine Fortsetzung des politischen Kampfes mit gewaltsamen Mitteln unvermeidlich macht, schafft sich die Arbeiterklasse unvermeidlich militärische Kampforgane und wendet unvermeidlich militärische Kampfformen an, auf die noch im Einzelnen näher einzugehen sein wird. Wenn die Klassiker des Marxismus-Leninismus also militärische Begriffe im politischen Sinne benutzen, dann wollen sie damit nicht etwa nur dem politischen Inhalt mehr revolutionäre Würze verleihen, ist das kein kämpferisch klingendes, schmückendes Beiwerk, sondern die Klassiker drücken damit eine historische Wahrheit aus, dass ein Arbeiterheer, eine Reservearmee, ein Kampfstab, eine internationale proletarische Arbeiterarmee, Strategie und Taktik, Angriff und Verteidigung usw. usf. potentiell vorhanden ist und sich gesetzmäßig in den Klassenzusammenstößen immer deutlicher und schärfer herausbilden wird, also sich zunächst politisch herausbildet oder herausgebildet hat. In diesem politischen Entwicklungsrozess des Klassenkampfes tritt dann unvermeidlich der Punkt ein, wo in einer revolutionären Situation der politische Charakter eines Arbeiterheeres, einer Reservearmee... usw. usf. eine militärische Qualität annimmt und sich diese materiell, eigenständig herausbildet, dass alle militärischen Begriffe ihre ursprüngliche Bedeutung im engeren militärischen Sinne tatsächlich zurückgewinnen, sich „vergegenständlichen“ in den kleinen und großen Klassenkriegen, die die Arbeiterklasse und die Partei in ihrer Geschichte bereits konkret geführt hat, führt und führen wird. Dies entspricht also nicht nur den allgemeinen Erkenntnissen des historischen Materialismus, sondern ist auch durch die ganze Geschichte der revolutionären Arbeiterbewegung tausendfach bewiesen. Aus diesem Grund ist es für den größten, den internationalen Klassenkrieg nicht nur erlaubt, zum Beispiel den Begriff „proletarische Weltarmee“ im weitesten Sinne, also politisch zu verwenden, sondern es entspricht vollkommen und konsequent dem Marxismus-Leninismus, (wenn man denn den Mut hat, konsequent zu Ende zu denken!), dass das Weltproletariat, wenn es seine Politik mit bewaffneten Mitteln fortsetzen wird, dann auch militärische Kampfformen einsetzt und sich dafür militärische Kampforgane schafft, von denen eine proletarische Weltarmee sicherlich die möglicherweise entscheidende sein dürfte.

Die militärischen Begriffe stehen also für das wehrhafte, militante Wesen des Marxismus-Leninismus. Militärische Begriffe drücken die militärische Programmatik des Marxismus-Leninismus aus, zum Beispiel dass die politische Macht in der entscheidenden Phase des Machtwechsels nur durch Anwendung militärischer Mittel verwirklicht werden kann, erinnern die militärischen Begriffe des Marxismus-Leninismus uns bereits in vorrevolutionären Zeiten daran, das wir auf militärische Ziele zusteuern, dass die revolutionäre Bewegung militärische Formen annehmen wird, wenn uns die Revolution eine ernsthafte Sache ist. Sie erinnern uns ebenfalls daran, dass wir in der nachrevolutionären Phase wachsam bleiben müssen, um unsere sozialistischen Errungenschaften mit allen Mitteln zu verteidigen, und schließlich erinnern sie uns daran, dass das Proletariat bis zum Übergang zum Kommunismus, für die ganze Periode des Sozialismus die Waffen niemals aus der Hand legen darf, dass es die Waffen benutzen muss, um einen verloren gegangenen Sozialismus zurückzugewinnen und dass das Proletariat auch danach noch hundertmal zur Waffe greifen muss, bevor seine Befreiung auch tatsächlich garantiert ist.

Und was zum Beispiel den Begriff „proletarische Weltarmee“ anbelangt, drückt der Marxismus-Leninismus damit nicht etwa eine „erfundene“, abstrakte, doktrinäre, „größenwahnsinnige“, revoluzzerhafte, kleinbürgerlich-radikale Spinnerei aus, sondern erstens eine Kampfform der revolutionären Klasse, nämlich des Weltproletariats, und zweitens eine Form des Massenkampfes, der „nur“ in der Größenordnung einer Weltarmee zu führen ist. Wir Marxisten-Leninisten denken unsere militärischen Kampfformen und Kampforganisationen ja nicht aus, sondern lernen nur aus der Massenpraxis, beobachten wir, dass sich das Weltproletariat gegen den Globalisierungsangriff der Weltbourgeoisie zu formieren, zu organisieren und zu zentralisieren beginnt und damit ja nicht aufhört, sondern dass es konsequenterweise neue, internationale Kampfformen entwickeln wird, die gar nicht von irgendeinem Stubensystematiker ausgetüftelt zu werden brauchen. Wenn die Arbeiterklasse eines jeden Landes „ein Bestandteil der Weltarmee des Proletariats ist“ (Lenin, Band 2 (Seite 332),

wenn das Weltproletariat eine internationale Klasse ist, wird ihre Politik auch eine internationale Politik sein, nämlich darauf gerichtet, die Weltmacht zu erobern, wird sie folgerichtig bereit sein, ihre internationale Politik selbst mit internationalen bewaffneten Mitteln fortsetzen zu wollen, und weil die internationale Konterrevolution das Weltproletariat an der Eroberung seiner Weltmacht gewaltsam zu verhindern suchen wird, muss sich also das Weltproletariat internationale, militärische Kampforgane schaffen, um zur Erfüllung ihrer historischen Weltmission die internationale Konterrevolution gewaltsam aus dem Weg zu räumen. Wie das konkret aussehen wird, welchen Namen die ganze Sache bekommen wird, wissen wir noch nicht genau, aber wir wissen bereits jetzt sehr wohl, dass es sich hierbei nicht gerade um eine nebensächliche, sondern um die unvermeidliche, planmäßig und bewusst zu organisierende, marxistisch-leninistische Aufgabe handelt, die theoretisch wasserdicht begründet sein muss, also um eine zwingende Notwendigkeit, auf die wir das Weltproletariat – und das ist unsere verdammte Pflicht und Schuldigkeit gegenüber ihrer gerechten Sache, unbedingt vorzubereiten haben. Was soll daran – bitte schön - nicht marxistisch-leninistisch sein? Nicht marxistisch-leninistisch ist es vielmehr, diesen Standpunkt zu bezweifeln, zu widerlegen und zu entstellen, denn das schadet vielmehr und nützt dem Weltproletariat gar nichts, denn: ohne diesen Standpunkt anzunehmen, wird es dem Weltproletariat unmöglich sein, seine historische Mission zu erfüllen! Wir Marxisten-Leninisten kämpfen gegen die Verneinung des internationalen Charakters der marxistisch-leninistischen Militärwissenschaft. Wir Marxisten-Leninisten grenzen uns von dem Revisionismus doch deswegen ab, weil wir den internationalen militärischen Kampf nicht nur in Worten anerkennen, nicht nur die militärischen Begriffe der Form nach verwenden ( weil diese Form nun mal von den Klassikern ausgewählt wurden und man daran deswegen nicht offen Kritik zu üben wagt), sondern den internationalen militärischen Kampf auch in die Tat umsetzen und die militärischen Begriffe inhaltlich benutzen, also für den unsrigen, den tatsächlichen internationalen militärischen Kampf für die sozialistische Weltrevolution. Diese Abgrenzung von den Revisionisten in Wort und Tat bewusst zu vollziehen, daran erkennt das Weltproletariat die politische Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit unseres prinzipienfesten Standpunktes gegenüber dem Revisionismus, und nur daran wird die Klasse ihre Avantgarde messen, bevor sie sich ihrer (politischen und sodann militärischen) Führung im Weltmaßstab anvertrauen kann.



Lenin räumte ein: „Freilich ist ein Vergleich revolutionärer Klassen mit Armeen nur in sehr begrenztem Sinne richtig“ (Lenin, Band 15, Seite 203). Das hat Lenin extra betont, um nicht beides miteinander zu verwechseln oder gleichzusetzen, aber das hat ihn überhaupt nicht davon abgehalten, von der Verwendung militärischer Begriffe im Vergleich von Klasse und Armee ausgiebig Gebrauch zu machen, ganz im Gegenteil. Es ist weder Zufall, noch verwunderlich, dass die Klassiker für den Marxismus-Leninismus ganz bewusst ausgerechnet militärische Begriffe entlehnten. So charakterisierte Lenin die Parteidisziplin als eine Disziplin, die der militärischen Disziplin nahekommt usw. usf. Der ganze Parteiaufbau ist straff organisiert nach dem Grundprinzip des demokratischen Zentralismus. Zwischen disziplinierter Ausführung der Parteibeschlüsse und der disziplinierten Ausübung des militärischen Befehls in der Roten Armee ist also beispielsweise grundsätzlich kein Unterschied, wohl aber in der qualitativen Abstufung. Als Marxisten-Leninisten wissen wir natürlich, dass der militärische Kampf dem politischen Kampf dient, dass der Parteibeschluss also absolute Priorität gegenüber allen Beschlüssen hat, die die Arbeiterklasse in ihrem Klassenkampf fasst, umsetzt, kontrolliert, korrigiert usw. usf. Natürlich führt die Partei ihren militärischen Kampf nicht allein, unabhängig oder etwa gar gegen den Willen der Arbeiterklasse. Verschwörungsaktionen der Partei sind Abenteuertum, dem Wesen einer proletarischen Kampfpartei fremd, schädlich und zum Scheitern verurteilt ( siehe Maos Kulturrevolution). Militärische Erfolge erzielt die Partei nur dann, wenn sie sich nicht auf sich selbst allein, sondern auf die Arbeiterklasse und ihre Verbündeten, auf das revolutionäre Volk stützt und genauso umgekehrt von der Arbeiterklasse und dem revolutionären Volk gestützt wird.



Keinesfalls darf man die Sache arbeitsteilig, isoliert und getrennt voneinander auffassen, dass die Partei sozusagen den politischen Kampf führt und die Armee den militärischen – unabhängig „in eigener Regie“ . Es ist vielmehr so, dass die Partei grundsätzlich als höchste Form der Klassenorganisation der Arbeiterklasse entsprechend über „alles Militärische“ militärpolitisch entscheidet und auch mit „allem Militärischen“ organisch engstens verbunden ist. Die Kommunistische Partei ist und bleibt mit Zeitpunkt ihrer Geburt eine politische KAMPFpartei der ganzen Arbeiterklasse, und daher muss sie - angepasst an die jeweiligen, sich ändernden Bedingungen des Klassenkampfes und je nach der Front, an der sie kämpft - in ihrer Politik auch mehr oder weniger militärische Gesichtspunkte berücksichtigen und nutzen, aber die proletarische Politik darf man nicht „militarisieren“ oder gar militärisch ummodeln, man darf ihr nicht das „Militärische“ überstülpen. Dann ist zum Beispiel die Gefahr eines Putsches, einer „Palastrevolte“ nicht auszuschließen. Es wäre also ein Fehler, Partei und Armee, politischen und militärischen Kampf gleichzusetzen oder gar die politischen den militärischen Gesichtpunkten grundsätzlich unterzuordnen. Der militärische Kampf und die Armee sind der Partei und ihrem politischen Kampf - wie bereits mehrfach hervorgehoben - untergeordnet. Zweifellos ist der militärische Kampf der Partei die Fortsetzung ihres politischen Kampfes mit militärischen Mitteln, aber der militärische Kampf ist deswegen noch lange kein Mittel, das man der proletarischen Politik aufzwingen darf und das Militär ist auf keinen Fall sozusagen „die letzte Machtinstanz“ über der Politik. Die proletarische Politik hat stets über die Gewehre zu entscheiden und die Partei über der Armee; die Gewehre niemals über die proletarische Politik, und die Armee niemals über die Partei. Wenn allerdings die Gewehre versuchen sollten, der proletarischen Politik ihren „Willen“ aufzuzwingen und sich somit in konterrevolutionäre Mittel verwandeln, dann kann sich die proletarische Politik hier nicht anders fortsetzen als durch Fortsetzung ihres Kampfes mit gewaltsamen Mitteln gegen die gewaltsamen Mittel der Konterrevolution in den eigenen Reihen wie auch außerhalb ihrer Reihen. Die politische Partei darf sich niemals von Gewehren überrumpeln lassen und schon gar nicht von Gewehren aus den eigenen Reihen. Deswegen muss sie wachsam sein, muss auf diese Möglichkeit (auch!) militärisch vorbereitet sein – . Die Entwaffnung ihres politischen Kampfstabes bedeutet ja stets die Entwaffnung der ganzen Arbeiterklasse und damit die Gefahr der Restauration des Kapitalismus. Deswegen muss die Partei stets ein gutes Auge auf die Armee haben und die Armee auch ein gutes Auge auf ihre eigenen Truppen und Führer. Vor allem aber muss die Arbeiterklasse ein gutes Auge auf beide, Partei und Armee haben. Die Diktatur des Proletariats bestimmt die Politik – auch die Militärpolitik und den militärischen Kampf selbst. Der militärische Kampf ist durch und durch Politik. Die Arbeiterklasse setzt ihre bisherige Politik lediglich nur fort mit gewaltsamen Mitteln, um dann ihre Politk auch ohne gewaltsame Mittel wieder fortsetzen zu können. Der Kampf um die Macht des Proletariats kann nicht siegreich sein ohne Berücksichtigung der Rolle der Armee in diesem Kampf. Das heißt nicht, dass dabei automatisch eine militärische Diktatur der Armee herauskommt. Man darf die siegreiche revolutionäre Armee des Volkes nicht zu einem Schreckgespenst machen, dass man dem politischen Kampf entgegenhält, denn die Macht muss mit Gewalt, muss im Kampf, muss militärisch erobert werden, und dazu braucht man eben eine politische Partei, die die revolutionären Kräfte militärisch mobilisiert, organisiert, formiert und führt.

Ihrem Wesen entsprechend muss die Partei während der ganzen Zeit ihres Bestehens politisch kämpfen, egal ob zu Zeiten der Ebbe oder der Flut der revolutionären Bewegung. Sie kommt auch in Zeiten der Ebbe zwar nicht ohne militante Aktionen aus, aber ihr militärischer Kampf steht nur in der Zeit und in den Situationen der offenen Schlachten der Revolution und ihrer Verteidigung, den offenen und konspirativen Schlägen der inneren und äußeren Konterrevolution, im Krieg und Bürgerkrieg im Mittelpunkt. Der militärische Kampf der Partei hängt also von ganz bestimmten, von verschärften, gewaltsamen, zeitlich begrenzten Kampfbedingungen ab, jedoch ist der politische Kampf im Unterschied dazu permanent und unter allen Kampfbedingungen stets vorrangig zu führen. Sieg und Niederlage jeder Klasse, Sieg und Niederlage der Weltanschaung einer Klasse usw. usf, alles wird letztendlich politisch entschieden, auch wenn die Politik zu diesem Zweck vorübergehend gezwungen ist, zu militärischen Mitteln zu greifen, um sich durchsetzen und behaupten zu können. Der Charakter der leninschen Partei ist politisch und nicht militärisch, auch wenn manche militärischen Eigenschaften übernommen sind. Die Armee ist umgekehrt von ihrem Charakter nach militärisch, auch wenn sie sich als politisch bewusste Armee versteht und sich ja auch politisch bewusst verstehen muss. Lenin hat die Doktrin: „Die Armee muss außerhalb der Politik bleiben“ stets als „abgeschmackte, heuchlerische und verlogene Doktrin“, bezeichnet. Sie „ist für die Maskierung der wahren Bestrebungen der Bourgeoisie (...) besonders bequem“ (Lenin, Band 11, Seite 72). „Die Armee kann und darf nicht neutral sein. Die Armee nicht in die Politik hineinziehen – das ist die Losung der heuchlerischen Lakaien der Bourgeoisie und des Zarismus, die in Wirklichkeit stets die Armee in die reaktionäre Politik hineingezogen und die russischen Soldaten in Handlanger der Schwarzhundertschaften, in Helfershelfer der Polizei verwandelt haben. Im allgemeinen Freiheitskampf des Volkes kann und darf man nicht abseits stehen. Wer sich zu diesem Kampf gleichgültig verhält, der unterstützt die Ausschreitungen der Polizeiregierung, die die Freiheit versprochen hat, um die Freiheit zu verhöhnen“ (Lenin, Band 10, Seite 41).

Beide, Partei und Armee müssen sich gemeinsam auf die gesamte Klasse stützen genauso wie in Kriegszeiten, in der Epoche des Bürgerkriegs, restlos die gesamte Klasse sich hinter die Partei stellen und unter ihrer Leitung handeln muss. Stalin zog einen Vergleich mit den Kampf der Arbeiterklasse im Allgemeinen und ihrem militärischen Kampf im Besonderent bezüglich des Grades der Kompliziertheit seiner Bedingungen: “Ich sprach bereits über die Schwierigkeiten des Kampfes der Arbeiterklasse, über die Kompliziertheit der Kampfbedingungen, über Strategie und Taktik, über Reserven und Manövrieren, über Angriff und Rückzug. Diese Bedingungen sind nicht weniger kompliziert – wenn nicht gar komplizierter – als die Bedingungen des Krieges“ (Stalin, Band 6, Seite 151).

Dies kann normalerweise auch gar nicht anders sein, denn die politischen Kampfbedingungen sind im Allgemeinen vielfältiger und umfassender als die militärischen Kampfbedingungen, die ja nur ein Teil der politischen Kampfbedingungen sind, auch wenn sie manchmal im Vordergrund des Kampfes stehen. Insofern sind die militärischen Begriffe, die wir Marxisten-Leninisten auf die politischen Kampfbedingungen anwenden, allgemeiner und im weiteren Sinne zu verstehen als wenn wir sie für die besonderen militärischen Kampfbedingungen, also im engeren Sinne verwenden. Dies sei hier den „Kritikern“ in Erinnerung gerufen, die diese unterschiedliche Verwendung militärischer Begriffe einerseits „übersehen“, um die Unterschiede zu verkleistern und andererseits die Einheit und den dialektischen Zusammenhang der politischen und militärischen Kampfbedingungen „übersehen“, um zwischen der Einheit der unterschiedlichen Verwendung der militärischen Begriffe künstliche, unüberbrückbare Gräben zu ziehen und diese gegeneinander zu richten oder eins mit dem anderen auszuschließen.


Abschließend wollen wir hier Lenin ausführlich zu Wort kommen lassen, der es meisterhaft verstand, die militärische Organisation der Armee der politischen Organisation der Arbeiterklasse (zu Beginn des 1. Weltkrieg) gegenüberzustellen und ihren unzertrennlichen dialektischen Zusammenhang in ganz praktischer, überzeugend - populärer Form darzustellen. Wir zitieren aus einem seiner allerwichtigsten Artikel: „Der Zusammenbruch der II. Internationale“, Band 21, Seite 249:


„Man nehme die moderne Armee. Hier haben wir ein gutes Vorbild einer Organisation. Und gut ist diese Organisation nur deshalb, weil sie elastisch ist und zugleich Millionen Menschen nach einem einheitlichen Willen zu lenken vermag. Heute sitzen diese Millionen noch bei sich zu Hause, an verschiedenen Ecken und Enden des Landes. Morgen kommt der Mobilmachungsbefehl – und sie sammeln sich an den festgelegten Punkten. Heute liegen sie in Schützengräben, liegen da mitunter monatelang. Morgen gehen sie in neuer Kampfordnung zum Sturmangriff vor. Heute wirken sie Wunder an Deckung vor Kugel und Schrapnell. Morgen wirken sie Wunder im offenen Kampf. Heute legen ihre Vortrupps Minen unter der Erde, morgen stoßen sie nach den Weisungen der Flieger über der Erde Dutzende von Werst vor. Ja, das nennt man Organisation, wenn im Namen eines Zieles, beseelt von einem Willen, Millionen Menschen die Form ihres Verkehrs und ihres Tuns ändern, Ort und Methoden ihrer Tätigkeit ändern, Werkzeuge und Waffen wechseln – entsprechend den veränderten Umständen und Erfordernissen des Kampfes.


Dasselbe gilt auch für den Kampf der Arbeiterklasse gegen die Bourgeoisie. Heute ist keine revolutionäre Situation, es fehlen die Voraussetzungen für eine Gärung unter den Massen, für die Steigerung ihrer Aktivität. Heute wird dir ein Stimmzettel in die Hand gedrückt – nimm ihn, verstehe dich zu organisieren, um mit dem Stimmzettel deine Feinde zu schlagen, nicht aber, um Leuten, die sich aus Furcht vor dem Gefängnis an ihren Sesseln klammern, im Parlament ein warmes Plätzchen zu verschaffen. Morgen wird dir der Stimmzettel weggenommen, man gibt dir ein Gewehr und ein ausgezeichnetes, mit dem letzten Wort der Maschinentechnik konstruiertes Schnellfeuergeschütz in die Hand – nimm diese Werkzeuge des Todes und der Zerstörung, höre nicht auf die sentimentalen Greiner, die sich vor dem Krieg fürchten; es gibt noch allzuviel auf der Welt, was um die Befreiung der Arbeiterklasse willen mit Feuer und Schwert ausgerottet werden muss, und wenn in den Massen Erbitterung und Verzweiflung wachsen, wenn eine revolutionäre Situation gegeben ist, dann mache dich bereit, neue Organisationen zu schaffen und die so nützlichen Werkzeuge des Todes und der Zerstörung gegen deine eigene Regierung und deine eigene Bourgeoisie zu wenden“



Breiten wir diese einfachen Worte Lenins heute über dem Erdball aus, dann bilden sie sozusagen bereits den eigentlichen Kern dieses ganzen Lehrbuches, nämlich die weltrevolutionäre Linie des internationalen, zentral organisierten Klassenkrieges der proletarischen Weltarmee zum politischen Sturz der Weltbourgeoisie und der Zerschlagung der bewaffneten internationalen Herrschaft aller ihrer Regierungen auf der ganzen Welt.


„Gewiss, das ist nicht leicht. Das wird schwierige Vorbereitungsaktionen erfordern. Das wird schwere Opfer erfordern. Das ist eine neue Art der Organisation und des Kampfes, die gleichfalls erlernt werden muss, die Wissenschaft aber meistert man nicht ohne Fehler und Niederlagen. Diese Art des Klassenkampfes steht im selben Verhältnis zur Beteiligung an den Wahlen wie der Sturmangriff zu Manövern, Märschen oder zum Liegen in den Schützengräben. Diese Art des Kampfes steht in der Geschichte nicht allzuoft auf der Tagesordnung, dafür aber erstrecken sich ihre Bedeutung und ihre Folgen über Jahrzehnte. Die Tage, an denen man solche Kampfmethoden auf die Tagesordnung setzen kann und muss, kommen Zwanzigjahrenspannen anderer historischer Epochen gleich“ (Lenin, ebenda, Seite 250).






Was ist unter der Militärpolitik der Partei/ der Kommunistischen Internationale zu verstehen?



Was ist Politik?


„Was ist unter Politik zu verstehen? Politik – das ist der Kampf zwischen den Klassen; Politik – das sind die Beziehungen des Proletariats, das für seine Befreiung gegen die Weltbourgeoisie [Hervorhebung vom Verfasser] kämpft“ (Lenin, Band 31, Seite 365) Der Inhalt der Politik hat Klassencharakter- die politische Form ist die wesentliche Art und Weise, wie der Klassenkampf organisiert und geführt wird.



Politik - das ist das entscheidende Mittel, das hauptsächliche Instrument von Parteien, Staaten, Staatenbündnissen, ihrer Institutionen und Organisationen usw. usf. zur Durchsetzung von Klasseninteressen mit dem Ziel, die Macht von Klassen zu erobern, aufrechtzuerhalten, zu verteidigen, zu stärken usw. usf. Die Politik der Gewalt im eigentlichen Sinne ist die organisierte Gewalt einer Klasse zur Unterdrückung einer anderen.


Die proletarische Politik ist das entscheidende Mittel zur Durchsetzung der proletarischen Klasseninteressen mit dem Ziel, mit seiner Macht jene Bedingungen zu schaffen, mit denen sich die Klassen „selbst“ abschaffen. Die proletarische Politik ist das entscheidende Mittel, um die Politik aus den Fesseln ihres Klassencharakters zu befreien.

Die Politk der von der marxistisch-leninistischen Partei geführten Arbeiterklasse ist also im Unterschied zur Politik aller bisherigen Klassen eine Politik zur eigenen Befreiung und zugleich zur Befreiung der Menschheit von Ausbeutung, Krisen und Kriegen, eine Politik zur Gestaltung der sozialistischen und kommunistischen Gesellschaft. Die proletarische Politik der marxistisch-leninistischen Partei ist schöpferische Anwendung der von den Marxisten-Leninisten ausgearbeiteten theoretischen und methodologischen Grundlagen und ist damit die einzige wissenschaftliche Politik.

Die Politik der proletarischen Gewalt ist im eigentlichen Sinne die organiserte Gewalt der Arbeiterklasse für ihre Befreiung von der Unterdrückung der ausbeutenden Klassen, zur Unterdrückung der ausbeutenden Klassen.



Die Politik wird durch die jeweilig herrschenden Produktionsverhältnisse und dementsprechende Klassenbeziehungen bestimmt. Seit Marx wissen wir, dass die proletarische Politik auf der materialistischen Wissenschaft der Politökonomie basiert, dass die Wurzeln der Politik in der Ökonomie liegen, dass hinter der Politik handfeste ökonomische Interessen der Klassen stehen, dass „Politik konzentrierte Ökonomik“ ist (Lenin, Band 33, Seite 302). So, wie die marxistisch-leninistische Politökonomie den gesetzmäßigen Untergang des Kapitalismus aufdeckt, leitet sich daraus die ökonomische Politik der marxistisch-leninistischen Partei zur Eroberung der Macht des Proletariats durch die sozialistische Revolution ab. Und so wie die politische Ökonomie durch Lenin, Stalin und Enver Hoxha zur wissenschaftlichen Grundlage des ökonomischen Aufbaus der sozialistischen Gesellschaft weiterentwickelt wurde, ist auch die sozialistische Politik der marxistisch-leninistischen Parteien konzentrierter Ausdruck der sozialistischen Ökonomie, und so sind auch die sozialistischen Waffen konzentrierter Ausdruck der sozialistischen Politik, wie alle Waffen konzentrierter Ausdruck der Politik im Allgemeinen sind.

Aber die Politik erschöpft sich nicht in ihren ökonomischen Wurzeln, Grundlagen, Zielen usw. Die dialektische Einheit von Politik und Ökonomie besteht darin, dass sich aus der Ökonomie die Klassenstrukturen einer Gesellschaft ergeben und damit auch die grundlegenden Interessen der Klassen, die wiederum die entscheidenden Inhalte und Ziele der Politik der Klassen bestimmen. (Lenin, Band 7, Seite 48).

Die marxistisch-leninistische Partei richtet ihre Politik also auf die Durchsetzung der Interessen der Arbeiterklasse, mit der Beseitgung ihrer Ausbeutung schließlich jegliche Ausbeutung des Menschen durch den Menschen zu beseitigen - in der kommunistischen Weltgesellschaft.

Um das zu erreichen, genügt jedoch weder eine bloße Verbesserung der ökonomischen Existenzbedingungen noch die Entwicklung der Ökonomie. Hierzu bedarf es der Eroberung und der Behauptung der politischen Macht durch die Arbeiterklasse, bedarf es der Diktatur des Proletariats. Deswegen hat laut Lenin die Politik notwendigerweise das Primat gegenüber der Ökonomie. Da die Arbeiterklasse ihre Grundinteressen nur vermittels der Politik umfassend durchsetzen kann, muss die Ökonomie den jeweiligen politischen Zielen untergeordnet sein. Ohne politisch richtig an die Sache heranzugehen, wird die Arbeiterklasse ihre Herschaft nicht behaupten und folglich auch ihre Produktionsaufgabe nicht lösen können, wird die Ökonomie also umgekehrt von der Politik bestimmt. Das heißt aber nicht, dass die Gesetze der politischen Ökonomie, die meistens für eine bestimmte historische Periode wirken, durch die Politik, auch nicht durch die Militärpolitik, willkürlich oder gealtsam aufgehoben werden können. Stalin sagte: „Aber (...) diese Gesetze werden nicht aufgehoben, sondern verlieren ihre Kraft kraft der neuen ökonomischen Verhältnisse und treten ab, um neuen Gesetzen Platz zu machen, die nicht nach dem Willen der Menschen geschaffen werden, sondern auf der Basis der neuen ökonomischen Verhältnisse entstehen“ (Stalin, Die ökonomischen Probleme des Sozialismus in der UdSSR, Moskau 1952, Seite 7). Und bezogen auf die Gesetze des militärische Tuns der Klassengesellschaft sei hier das bekannte Engelszitat angeführt:

„Die Gesetze ihres eigenen gesellschaftlichen Tuns, die ihnen bisher als fremde, sie beherrschende Naturgesetze gegenüberstanden, werden dann von den Menschen mit voller Sachkenntnis angewandt und damit beherrscht“ (Engels, „Anti-Dühring“). Die Arbeiterklasse ist also nicht den ökonomischen Gesetzen machtlos ausgeliefert, ist nicht Sklave dieser Gesetze, sondern kann sie in ihrem Interesse ausnutzen und die Gewalt unter Kontrolle bringen Wenn sich die Politik also nicht auf die objektiven Gesetze stützt, kann sie ihre Aufgabe auch nicht erfüllen.


Was ist Militärpolitik?


Militärpolitik ist die Politik der militärisch organisierten Gewalt von Klassen zur Unterdrückung von anderen Klassen. Sie ist die Politik einer Klasse oder eines Klassenbündnisses, deren Partei oder Parteienbündnis, deren Staat oder deren Staatenbündnis seine/ihre Klasseninteressen zur Eroberung bzw. Aufrechterhaltung der Klassenherrschaft auch mit militärischen Mitteln wahrzunehmen und durchzusetzen. Der Inhalt der Militärpolitik ist also die Eroberung und Aufrechterhaltung der Macht und wird bestimmt durch ihren bewaffneten Klassenkampfcharakter. Die militärpolitische Form des Klassenkampfes ist die Art und Weise wie dieser - mit welchen bewaffneten Mitteln, Formen und Organisationen dieser - organisiert, geführt und durchgesetzt wird.


Die marxistisch-leninistische Militärpolitik ist im nationalen Rahmen die Politik des Proletariats und seiner bolschewistischen Partei gegen die Bourgeoisie in einem Land, und im Weltmaßstab die Politik des Weltproletariats und seiner Weltpartei gegen die Weltbourgeoisie, um sich mit militärischen Mitteln vom Kapitalismus, vom Weltimperialismus zu befreien. Sie ist die militärisch organisierte Gewalt der Arbeiterklasse zur Unterdrückung der ausbeutenden Klassen. Diese militärpolitische Aufgabe dkann nur von der Sowjetmacht gelöst werden, wie Lenin es folgendermaßen definierte: Nur die Sowjetmacht als ständige Staatsorganisation eben der durch den Kapitalismus unterdrückten Klassen ist imstande, die Unterordnung des Heeres unter die bürgerliche Kommandogewalt aufzuheben und das Proletariat wirklich mit dem Heer zu verschmelzen, die Bewaffnung des Proletariats und die Entwaffnung der Bourgeoisie wirklich durchzuführen, weil sonst der Sieg des Sozialismus unmöglich ist (Lenin auf dem 1. Weltkongress der Komintern).

Die Militärpolitik des Weltproletariats ist ein politisches Instrument, um den Sieg der sozialistischen Weltrevolution mit militärischen Mitteln zu erringen und zu sichern - eine Kampfaufgabe, die zur praktischen Lösung vor uns steht, und schon nicht mehr allein eine rein theoretisch-programmatische bzw. eine rein propagandistisch-agitatorische Aufgabe ist.



Die Bourgeoisie ist bekanntlich nicht bereit, die Politik des Proletariats freiwillig zu akzeptieren. Sie ordnet sich der Politik der feindlichen, antagonistischen Klasse nicht bedingungslos unter, sondern stützt sich auf ihre eigene Politik, nämlich das Herrschaftssystem zur ökonomischen Ausbeutung aufrechtzuerhalten – und schreckt dabei eben auch vor gewaltsamen militärischen Mitteln nicht zurück, wenn dieses Herrschaftssystem angegriffen und gefährdet wird.

Die Militärpolitik der Bourgeoisie ist ihrem Wesen nach militaristisch.


Was ist Militarismus ?

Karl Liebknecht bezeichnete den Militarismus als die Summe und das Extrakt „aller friedenstörenden Tendenzen des Kapitalismus“ und Lenin und Martow zusammen mit Rosa Luxemburg als „ein Hauptwerkzeug der Klassenunterjochung“ [siehe deren Abänderungsantrag zur Bebelschen Resolution gegen den Militarismus auf dem Internationalen Stuttgarter Kongress der Sozialdemokratie 1907]; (dazu: Lenin, Band 13, Seite 84).

In der bürgerlichen Geschichtsschreibung und in verschiedensten bürgerlichen Wörterbüchern wird der Militarismus als eine Art „Vorherrschen und Überbetonung militärischer Gesinnung und eines starken militärischen Einflusses auf die Politik“ abgetan. Es wird auch von „einseitigen Entscheidungen politischer Fragen durch militärische an Stelle von staatspolitischen Erwägungen und auch vom Überwiegen militärischer Züge in der politischen Grundhaltung eines Staates oder Staatsmannes“ gesprochen. Mit dieser Art von verharmlosender Definition werden dem Begriff Militarismus seine eigentlichen reaktionären, klassenpolitischen und expansionistischen Wurzeln und gesellschaftlich-ökonomischen Basis geraubt, die heute der Weltimperialismus ist. Wir können und müssen heute vom Weltmilitarismus, vom faulenden, parasitären und sterbenden Weltmilitarismus sprechen, was nichts anderes für das Weltproletariat bedeutet, einen international organisierten, bewaffneten anti-militaristischen Klassenkampf zu führen (ohne dabei die friedlichen Kampfformen zu ignorieren!). Was ist Anti-Militarismus? Lenin verstand unter Anti-Militarismus, „dass der Militarismus nie und keinesfalls auf irgendwelche andere Art und Weise überwunden und abgeschafft werden kann als durch den siegreichen Kampf eines Teils des Volksheeres gegen den anderen Teil. Es genügt nicht, den Militarismus zu verwünschen, zu verfluchen, `abzulehnen` , seine Schädlichkeit mit der Kritik der Argumente zu beweisen, es ist dumm, den Dienst friedlich zu verweigern – es gilt, das revolutionäre Bewusstsein des Proletariats wachzuhalten, und zwar nicht nur im allgemeinen, sondern auch seine besten Elemente im konkreten dazu vorzubereiten, im Momente der höchsten Gärung im Volke sich an die Spitze der revolutionären Armee zu stellen“ (Lenin, Werke, Band 23, Seite 254). „Eine spezielle antimilitaristische Propaganda muss um so energischer betrieben werden, als die Fälle der Einmischung bewaffneter Kräfte in den Kampf zwischen Arbeit und Kapital immer häufiger werden und die Bedeutung des Militarismus nicht nur im heutigen Kampf des Proletariats, sondern auch im kommenden – im Augenblick der sozialen Revolution – immer klarer zu Tage tritt (...) Für eine spezielle antimilitaristische Propaganda sprechen nicht nur prinzipielle Erwägungen, sondern auch bedeutsame geschichtliche Erfahrungen“ (Lenin, Band 15, Seite 192).

Der proletarische Anti-Militarismus bedient sich nur solcher Kampfmethoden und Kampfmittel, die dem Ziel des Sozialismus dienen und lehnt gleichzeitig solche Kampfmethoden und Kampfmittel ab, die diesem Ziel entgegenstehen. Ziel des Anti-Militarismus ist die Beseitigung der Unvermeidbarkeit des Militarismus durch die Beseitigung seiner Ursachen und Grundlagen, die Zerschlagung des Imperialismus. Ziel ist „nicht allein die Ersetzung des Krieges durch den Frieden, sondern die Ersetzung des Kapitalismus durch den Sozialismus (...). Es handelt sich nicht allein darum, den Ausbruch des Krieges zu verhindern, sondern darum, die durch den Krieg hervorgerufene Krise zur Beschleunigung des Sturzes der Bourgeoisie auszunutzen“ (Lenin, Band 13, Seite 71). Im Sinne des proletarischen Internationalismus handelt es sich beim Anti-Militarismus darum, „dass man in den Massen ein lebendigeres Bewusstsein der internationalen Solidarität der Arbeiter und der Verlogenheit des bürgerlichen Patriotismus schaffen muss“ (ebenda, Seite 71-72) , denn der sich globalisierende bürgerliche Patriotismus dient heute dem Weltimperialismus als eine der wesentlichen ideologischen Grundlagen für die bewaffnete Einmischung der internationalen Konterrevolution im Machtkampf zwischen Arbeit und Kapital – also im Weltmaßstab.

Wie definierte Lenin den Militarismus?

„Der moderne Militarismus ist ein Resultat des Kapitalismus. In seinen beiden Formen bildet er eine `Lebenserscheinung` des Kapitalismus: als Militärmacht, die die kapitalistischen Staaten bei ihren äußeren Zusammenstößen einsetzen (`Militarismus nach außen`...) und als Waffe in den Händen der herrschenden Klassen zur Niederhaltung aller (ökonomischen und politischen) Bewegungen des Proletariats (`Militarismus nach innen`)“ [Lenin, Band 15, Seite 187]. Der moderne Militarismus (in Abgrenzung vom alten [zum Beispiel preußischen] Militarismus) wird nicht nur von der imperialistischen/sozialimperialistischen Armee, von bewaffneten Machtorganen verkörpert; er ist vielmehr ein System, das alle Sphären der kapitalistischen Gesellschaft durchdringt („Jetzt durchdringt die Militarisierung das ganze öffentliche Leben“, Lenin).

Militarismus nach innen ist also die Umsetzung der kapitalistischen Militärpolitik mit dem Mittel des Bürgerkrieges, der bewaffneten Konterrevolution. Die Militärpolitik der Bourgeosie dient nach der Definition Lenins darüberhinaus nicht nur der Verteidigung der Herrschaft ihres Ausbeutungssystems gegenüber den revoltierenden unterdrückten Klassen, sondern auch außenpolitisch zur Führung von Kriegen und folgt damit dem ökonomischen Gesetz des Imperialismus, das heißt zwecks Jagd auf Höchstprofite imperialistische Raubkriege vom Zaun zu brechen und die Weltbeute neu aufzuteilen. Die imperialistische Militärpolitik ist also konzentrierter militäristischer Ausdruck der imperialistischen Ökonomie. Die Militärpolitik umfasst also nicht nur die militärischen Verhältnisse und Beziehungen der Klassen und Schichten innerhalb eines Staates (militärische Innenpolitik), sondern auch die militärischen Verhältnisse und Beziehungen zwischen den Staaten und Nationen (Gebiet der militärischen Außenpolitik), wobei die militärische Außenpolitik im Wesentlichen die Fortsetzung der militärischen Innenpolitik ist. Sie umfasst auch die militärpolitische Ideologie.


Die Militärpolitik des Proletariats ist jene Politik des Proletariats, seinen Kampf für die Befreiung, für die Eroberung und Verteidigung seiner Macht mit militärischen Mitteln solange fortzusetzen und wieder aufzunehmen wie dies im Rahmen der vollständigen Erfüllung seiner historischen Weltmission notwendig ist.

Die Militärpolitik des Proletariats wendet zur Verwirklichung seiner Klasseninteressen Gewalt begrenzt ein, also nach der Regel: so „kurz und schmerzlos“ wie möglich, und nur soviele Opfer wie nur unbedingt nötig. Niemals nimmt die proletarische Militärpolitik Opfer billigend in Kauf, wohlwissend, dass der revolutionäre Kampf ohne Opfer nicht abgehen kann – das hängt alles von den jeweiligen objektiven und subjektiven Bedingungen ab, von der Militärpolitik der herrschenden Klassen, dem Kräfteverhältnis zwischen den antagonistischen Klassen usw. usf. - also von einer Reihe Faktoren, die wir hier nicht alle aufzählen können. Jedenfalls ist es ein besonderes Merkmal der imperialistischen Militärpolitik, dass die Eskalation ihrer Gewalt dazu führt, den imperialistischen Koalitionen über den Kopf zu wachsen, dass die imperialistische Militärpolitik in einen nicht mehr zu steuernden Strudel des Kriegsverlaufs gerät, dass die „Mächte, die sie heraufbeschwor“, sich nunmehr der Militärpolitik bemächtigen und die militärischen Instrumente ihnen aus der Hand gleiten. Wer Wind säht, wird Sturm ernten. Ebenfalls eine Besonderheit der bürgerlichen Militärpolitik ist, dass sie nur den Interessen von wenigen Tausenden dient, die diese Welt tatsächlich in ihren Händen halten, die internationalen Finanzkapitalisten, während die Militärpolitik des Weltproletariats der überwiegenden Bevölkerungsmehrheit dient:“ Nicht dort, wo man mit Tausenden, sondern dort, wo man mit Millionen zu tun hat, beginnt erst die ernste Politik“ (Lenin, Band 27, Seite 86). „In der Politik ist es nicht so wichtig, wer unmittelbar bestimmte Anschauungen vertritt. Wichtig ist, wem diese Anschauungen, diese Vorschläge, diese Maßnahmen nützen.

Nehmen wir als Beispiel `Europa`: Staaten, die sich `zivilisiert` nennen, veranstalten jetzt ein tolles Hindernisrennen um die Rüstungen. In Tausenden Tonarten, in Tausenden Zeitungen, von Tausenden Kanzeln schreit und zetert man über Patriotismus, Kultur, Heimat, Frieden, Fortschritt - und alles, um die Ausgabe neuer Millionen und aber Millionen Rubel für alle möglichen Vernichtungswaffen, für Kanonen, für `Dreadnoughts` (Panzerkreuzer neuesten Typs) usw. zu rechtfertigen. Meine Herrschaften, wertes Publikum! - möchte man sagen, wenn man all diese Phrasen der `Patrioten` hört – traut nicht ihren Phrasen, schaut lieber nach, wem es nützt! (Lenin, Band 19, Seite 34-35). Es sind die globalen Kriegsgewinnler, insbesondere die internationale Waffen-Mafia, der die imperialistische Militärpolitik nützt.


Die Militärpolitik der Imperialisten beruht auf der militärischen Arbeitsteilung, dem Widerspruch zwischen körperlicher und geistiger Arbeit, womit sich auch größtenteils der Hass der Mannschaftsgrade auf die Offiziersschicht erklärt. Die imperialistische Militärpolitik ist nicht in der Lage, diese Kluft zu überwinden, sondern vertieft sie vielmehr. Die proletarische Militärpolitik hingegen hebt diesen Widerspruch zwar erst in einem längeren Prozess auf, wodurch tatsächlich kameradschaftliche Verhältnisse geschaffen werden, wo alle wie „ein Mann“ operieren - unabhängig von den militärischen Rängen und Graden – und wo alle als Kameraden und Genossen sich der gemeinsamen Sache verbunden fühlen, wo alle gemeinsam am erfolgreichen Gelingen der revolutionären Kampfaufträge und Befehle interessiert sind. Dieser Prozess geht um so schneller und um so gründlicher vonstatten, je besser sich die Soldaten qualifizieren, ihr Niveau heben und selber Offizierstätigkeiten übernehmen und damit die alten Normen und Strukturen überwunden werden können.


Die Militärpolitik der Bourgeoisie unterscheidet sich von der proletarischen Militärpolitik ferner darin, dass sie im Zwiespalt zwischen Wort und Tat steht, während Wort und Tat der proletarischen Militärpolitik übereinstimmen, sie also ehrlich und aufrichtig ist. Die revolutionäre Militärpolitik ist Sache des Volkes, Sache des Proletariats, Sache der Soldaten. Die imperialistische Militärpolitik verschachert ihre Grundsätze, feilscht mit ihnen, die proletarische Militärpolitik ist hingegen eine geradlinige, prinzipienfeste Politik, die Prinzipienlosigkeit moralisch verurteilt, weil sie nur dadurch auf Dauer von den Massen akzeptiert und unterstützt wird. Die ganze militärpolitische Tätigkeit der Kommunistischen Partei hat nur in dem Maße ernsthafte Bedeutung, in dem es ihr gelingt, die Arbeiterklasse aufzurütteln, ihr militärisches Interesse zu wecken, ihr militärisches Bewusstsein zu heben und sie zur aktiven, führenden Teilnahme am bewaffneten Klassenkampf zu mobilisieren.

Die Militärpolitik der Imperialisten darf man niemals nach ihren feierlichen Erklärungen und zur Schau gestellten Absichten beurteilen, sondern immer nur nach dem Klasseninhalt, nach den Klasseninteressen, denen sie dient. Die „Friedenspolitik“ des Weltimperialismus ist also nur die Fortsetzung seiner Kriegspolitik, die „Abrüstungspolitik“ nur die Fortsetzung seiner Aufrüstungspolitik, seine „Verteidigungspolitik“ nur die Fortsetzung seiner Erobrungspolitik, seine „Entspannungspolitik“ nur Fortstzung seiner Aggressionspolitik, seine „Konfliktvermeidungspolitik“ nur die Fortsetzung seiner Politik unvermeidbarer, militärischer Konflikte, seine „Konvergenzpolitik“ nur die Fortsetzung seiner globalen, konterrevolutionären Politik gegen die Befreiungskämpfe, gegen die Revolution und den Sozialismus usw. usf. Was für die Politik im Allgemeinen, gilt für die Propagandamaschinerie der imperialistischen Militärpolitik ganz besonders, wenn Lenin sagt: Je klüger und gebildeter die Klassen sind, die Lakaien halten, desto systematischer und überlegter betreiben sie ihre Politik, nutzen sie die Lakaien aus, um unter den Werktätigen zu spionieren, um die Werktätigen durch Zugeständnisse an einen bestimmten Teil von ihnen zu entzweien, um die eigene Lage zu festigen, um den `Dienenden` durch die Hoffnung, ein Almosen zu erhalten, an der Vergrößerung des Reichtums des Herrn zu interessieren usw. usf.“, (Lenin, Band 29, Seite 533).

Die imperialistische Militärpolitik ist also auf die Verschleierung der tatsächlichen Raubinteressen der Imperialisten, auf eine Rechtfertigung ihrer konterrvolutionären Tätigkeit gegenüber den um ihre Befreiung kämpfenden Völker ausgerichtet. Zur proletarischen Militärpolitik aber gehört es, diese Lügenmärchen aufzudecken und anzuprangern und über den wahren Charakter der imperialistischen Militärpoltik die Masen aufzuklären und sie wachzurütteln.

Die Militärpolitik der Bourgeoisie ist auch darauf ausgerichtet, die sozialistische Revolution gewaltsam zu verhindern. So unterstützten die Imperialisten die russische Konterrevolution durch Anzettelung eines Bürgerkrieges unmittelbar nach der Oktoberrevolution. Dadurch war es dem russischen Volk erschwert, sich von den Folgen der Kriegslast ökonomisch zu erholen. Im Vordergrund stand die Militärpolitik der Bolschewiki, um den militärischen Kampf zur Verteidigung der Diktatur des Proletariats zu führen. Die militärische Front kostete Kraft, die an der Wirtschaftsfront fehlte, war die Wirtschaftspolitik also der Militärpolitik untergeordnet. Lenins Militärpolitik aber war darauf gerichtet, die bestemöglichen und schnellstmöglichen Voraussetzungen zu schaffen, um die Wirtschaftspolitik zu reaktivieren:

„Unsere Politik muss jetzt hauptsächlich der wirtschaftliche Aufbau des Staates sein (...), damit niemand hungert. Darin besteht unsere Politik. Und darauf muss die ganze Agitation und Propaganda aufgebaut sein. Es gilt, weniger Phrasen zu dreschen, denn mit Phrasen werden Sie die Werktätigen nicht zufriedenstellen. Sobald der Krieg uns die Möglichkeit gibt, den Schwerpunkt vom Kampf gegen die Bourgeoisie, vom Kampf gegen Wrangel, gegen die Weißgardisten zu verlegen, werden wir uns der Wirtschaftspolitik zuwenden“ (Lenin, Band 31, Seite 366).

Was hier deutlich wird, ist Lenins Einbindung der Militärpolitik in die Gesamtpolitik der Partei und die Verlagerung der militärischen auf die wirtschaftliche Front in einem bestimmten Moment des revolutionären Kampfes. So hat Lenin auch der Gesetzmäßigkeit der Revolution folgend in Brest-Litowsk den aufgezwungenen Friedensvertrag der deutschen Imperialisten hingenommen, um die Revolution durch die so erkaufte Atempause zu retten, um sich den wirtschaftspolitisch dringenden Aufgaben zuwenden zu können, ohne deren Lösung die Diktatur des Proletariats sich nicht lange hätte halten können.


Die revisionistische Militärpolitik [hierzu später noch sehr ausführlich! - Anmerkung des Verfassers] ist ihrem Wesen nach eine kapitalistisch-militaristische Politik, die sich hinter einer Maske der marxistisch-leninistischen Militärpolitik verbirgt und die der Restauration des Kapitalismus unter Anwendung militaristischer Mittel dient. Sie ist jene Form der bürgerlichen Militärpolitik, die sich der proletarischen Militärpolitik mehr oder weniger bedient, um sie mit ihren eigenen Waffen zu schlagen, um sie zu zwingen, sich den globalen militärischen Zielen und Zwecken der Herrschaft des Weltimperialismus zu unterwerfen, ihre Kapitulation zu erreichen, sie zu erledigen, bzw. sie sich einzuverleiben durch Verwandlung der proletarischen Militärpolitik in eine sozialimperialistische Militärpolitik, um damit den Untergang des Imperialismus hinauszuzögern. Die revisionistische Militärpolitik ist die Politik zur Rettung des Militarismus im Feldlazarett des Imperialismus. Die neo-revisionistische Militärpolitik ist das anti-revisionistische Leichentuch, mit dem er die Opfer seines Raubkrieges überdeckt.




Was verstehen wir unter dem Militärprogramm der Partei/ der Kommunistischen Internationale?


Das allgemeine, politische Programm ist eine kurze, klare und genaue Darlegung alles dessen, was die Partei anstrebt und wofür sie kämpft, während das Militärprogramm insbesondere eine kurze, klare und genaue Darlegung alles dessen ist, was die Partei militärisch anstrebt und wofür sie militärisch kämpft.


Lenin hat gesagt, „dass das Wesen dieses [allgemeinen, politischen – Anmerkung des Verfassers] Programms (Lenin, Band 4, Seite 206) darin besteht, den Klassenkampf des Proletariats zu organisieren und diesen Kampf zu leiten, dessen Endziel die Eroberung der politischen Macht durch das Proletariat und die Errichtung der sozialistischen Gesellschaft ist“.


Das Wesen des internationalen Militärprogramms besteht demnach darin, die Organisierung und Leitung des internationalen Klassenkampfes mit militärischen Mitteln fortzusetzen, dessen Endziel die Eroberung der politischen Weltmacht durch das Proletariat und die Errichtung der sozialistischen Weltgesellschaft ist .


Damit machte Lenin deutlich, dass man ein Militärprogramm nicht mit einer lehrbuchartigen Prinzipienerklärung, nicht mit einem militärischen Programm einer reinen Propagandapartei verwechseln darf, sondern dass es sich um das Programm einer bewaffneten Kampfpartei handelt.


Das Militärprogramm wird vom Parteitag beschlossen und ist die knappe Zusammenfassung der wissenschaftlich formulierten, militärischen Grundanschauungen der marxistisch-leninistischen Partei, bzw. der Kommunistische Internationale. In ihm sind ihre grundsätzlichen militärpolitischen Forderungen, Aufgaben und Ziele umrissen, und werden die hauptsächlichsten Kräfte, Wege und Mittel zu deren Umsetzung und Erfüllung im allgemeinsten Sinne benannt ( wobei die Kräfte, Wege und Mittel im Einzelnen und Konkreten die Angelegenheit der Beschlüsse der kämpfenden Organisationen und ihrer Taktik sind. Wegen der absoluten Geheimhaltungspflicht vor dem Klassenfeind können brisante Fragen der Taktik kaum ins Militärprogramm aufgenommen werden, natürlich mit Ausnahme der Beantwortung der prinzipiellsten Fragen wie zum Beispiel die bolschewistische Taktik gegen den imperialistischen Krieg; Verwandlung in den Bürgerkrieg; dreht die Gewehre um; Zersetzung der bürgerlichen Armee, ihr Übertritt zur proletarischen Revolution usw. usf.).

Das Militärprogramm einer Partei beschränkt sich auf das einzelne Land. Das Militärprogramm der Kommunistischen Internationale muss hingegen das militärisch Hauptsächliche und Grundlegende aller Parteien, Länder, Völker und Nationen umfassen. Das Militärprogramm ist keine Aneinanderreihung leerer Formeln, sondern (thesenartig) formulierte militärische Leitsätze, die auf alle zugeschnitten sind und von allen genutzt und angewendet werden können. Der Umfang eines internationalen Militärprogramms überschreitet damit bei Weitem dem eines für den nationalen Rahmen erstellten Militärprogramms - aber der Umfang eines Militärprogramms ist natürlich auch geringer als der des allgemeinen Parteiprogramms bzw. des Programms der Kommunistischen Internationale.

In einem Militärprogramm ist kein Platz für Wiedeholungen, Erläuterungen oder konkrete, taktisch-militärische Instruktionen, auch nicht für Kommentare: „Alles, was im Programm überflüssig, schwächt es“ (Engels in seinen Bemerkungen zum Erfurter Programm, MEW, Band 22, Seite 228).

Zwischen dem Kapitel über die Klassenkriege im Kapitalismus und der Rolle des bewaffneten Kampfes in der sozialistischen Übergangsperiode gehört das Kapitel des Kommunismus. „Man kann nicht von der Übergangsperiode sprechen, ohne vorher (...) vom kommunistischen (...)system zu sprechen, zu dem im Programm der Übergang gefordert wird. (...) Aber Übergang wozu, zu was für einem System – davon muss die Rede sein, bevor die Übergangsperiode selbst charakterisiert wird. Das Programm muss vom Unbekannten zum Bekannten, vom weniger Bekannten zum mehr Bekannten führen (...) soll die Heranführung des Lesers (...), der auch der Programmentwurf entsprechen muss (...) erleichtern und nicht erschweren (...) “ (Stalin, Band 11, Seite 127).

Das Militärprogramm hätte keinen internationalistischen Charakter, wenn es die gemeinsame militärische Aufgabe der Weltrevolution unterschlagen würde. Ohne Militärprogramm kann man der Weltrevolution nicht kommen. Im Militärprogramm muss die Grundfrage behandelt werden, welche militärischen Verpflichtungen die Proletarier aller Länder gegenseitig für die Revolution zu erfüllen haben. Diese militärische Grundfrage leiten wir ab von der politischen Grundfrage, die Stalin für das Programm der Komintern seinerzeit stellte:

„Was für einen Wert hätte ein Programm der Komintern, das von der proletarischen Weltrevolution handelt, wenn es die Grundfrage, die Frage des Charakters und der Aufgaben der proletarischen Revolution in der UdSSR, die Frage ihrer Pflichten gegenüber den Proletariern aller Länder und der Pflichten der Proletarier aller Länder gegenüber der proletarischen Diktatur in der UdSSR, überginge? (Stalin, Band 11, Seite 135).

Natürlich haben wir heute andere Bedingungen, kann man nicht alte Militärprogramme schablonenhaft übertragen, muss das Militärprogramm der Kommunistischen Internationale also nei gefasst werden, um diesen neuen Bedingungen zu entsprechen.


Wir durch eine mögliche Kriegssituation und Intervention der Politik der Diktatur des Proletariats eine Phase des Kriegskommunismus aufgezwungen, dann muss sein besonderer militärischer Charakter herausgestellt werden zum Beispiel beim „direkten Produktaustausch zwischen Stadt und Land mit dem Ziel, die Verteilung der Produkte so zu organisieren, dass die Versorgung der revolutionären Armeen an der Front sowie der Arbeiter im Hinterland gewährleistet ist“ (Stalin, Band 11, Seite 129).


Eine wichtige politische Frage, - die nicht aus dem Militärprogramm ausgeklammert werden darf, um uns nicht selbst zu entwaffnen -, ist die militärische konterrevolutionäre Rolle des Revisionismus insbesondere bei der Verhinderung der Eroberung und Verteidigung der Diktatur des Proletariats, vor allem aber bei ihrer Zurückeroberung.


Das Militärprogramm der Partei ist stets bezogen auf einen bestimmten militärischen Kampf, bzw. auf eine bestimmte Periode dieses Kampfes, zum Beispiel das Militärprogramm der proletarischen Revolution; das Militärptogramm zur Verteidigung der Diktatur des Proletariats; das Militärprogramm des nationalen Befreiungskrieges, etc. Mit einer abgeschlossenen historischen Periode und den Übergang zur nächsten Periode erlischt das alte Militärprogramm oder wird einer notwendigen Revision unterzogen bzw. durch ein neues ersetzt, das auf diesen neuen historischen Kampfabschnitt abzustimmen ist. Der gegenwärtige Kampfabschnitt ist gerichtet auf das Ziel der Zurückeroberung der Diktatur des Proletariats.

Das Militärprogramm ist auf wissenschaftlichem Fundament,auf der Theorie des Marxismus-Leninismus aufgebaut, insbesondere auf der marxistisch-leninistischen Militärtheorie, die marxistisch-leninistische Militärwissenschaft, sowie die im politischen Parteiprogramm/ Programm der Kommunistischen Internationale und in der Generallinie der Partei/Generallinie der Kommunistischen Internationale festgelegte politische Strategie und Taktik des (internationalen) Klassenkampfes. Letztendlich stimmen alle kommunistischen Programme der Welt mit dem Kommunistischen Manifest von Marx und Engels überein, bzw. gehen sie alle daraus hervor, leiten sich davon ab.


Die wichtigsten Bestandteile eines Militärprogramms sind: a) Charakterisierung und Einschätzung der politischen und militärischen der Lage in einem Land/Weltlage in der jeweiligen Etappe, für die das Militärprogramm zu gelten hat( zum Beispiel Wesen der Unvermeidbarkeit imperialistischer Kriege und ihre Verwandlung in den Bürgerkrieg und die sozialistische Revolution, Unvermeidlichkeit der kommunistischen Weltrevolution aus der Natur des Kapitalismus hervorgehend), die grundsätzliche Haltung der Partei dazu, sowie die daraus in Kurzform abzuleitenden, militärpolitischen Lehren und Schlussfolgerungen für die Revolution; b) Festlegung der wichtigsten militärpolitischen Aufgaben und Ziele in Ableitung von den allgemeinen politischen Aufgaben und Zielen der Partei (Parteiprogramm/ Programm der Kommunistischen Internationale); c) Festlegung und Bestimmung des internationalistischen Charakters, der Aufgaben und der Ausrüstung der bewaffneten revolutionären Kräfte, ihrer militärischen Organisationen und ihrer Führung; d) Grundlegende Kritik an den imperialistischen Militärprogrammen, die der Führung räuberischer Kriege und der Niederwerfung der Revolution dienen, also einen internationalen, konterrevolutionärer Charakter haben; Festlegung der wichtigsten Prinzipien und Kriterien in der Stellung zum Klassenfeind und seinen konterevolutionären, militärischen Kräften (einschließlich seiner revisionistischen Kräfte); e) Festlegung der militärischen Aufgaben und Ziele des proletarischen Internationalismus und der proletarischen Weltrevolution.

Im Grunde bräuchte man auch ein militärpolitisches Arbeitsprogramm zur Umsetzung und zur „Kontrolle der Umsetzung“ des Militärprogramms, doch dessen Organisierung ist Sache der Parteiarbeit in den dafür vorgesehenen Parteigremien und deren Zusammenarbeit mit den militärischen Organisationen und ihren entsprechenden Gremien, und: die erfolgreiche Umsetzung des Militärprogramms ist schließlich ohne Beteiligung und Mitwirkung der ganzen Klasse und der ganzen Masse nicht möglich.

Mit einem Militärprogramm allein ist es nicht getan: „Ein Marxist darf keinesfalls vergessen, dass die Losung des unmittelbar bevorstehenden Kampfes nicht einfach und direkt aus der allgemeinen Losung eines bestimmten Programms abgeleitet werden kann. Es genügt nicht, sich auf unser Programm zu berufen (...).Dazu muss man die konkrete historische Situation berücksichtigen, die ganze Entwicklung und den ganzen Ablauf der Revolution Schritt für Schritt verfolgen und unsere Aufgaben nicht allein aus den Prinzipien des Programms, sondern auch aus den vorangegangenen Schritten und Etappen der Bewegung ableiten. Nur eine solche Analyse wird eine wirklich historische Analyse sein, zu der der dialektische Materialist verpflichtet ist“ (Lenin, Band 11, Seite 102-103).

Es gibt Zeiten, wo man ein Militärprogramm entwickeln muss, wo man das Proletariat zur praktischen Umsetzung des Programms aufrufen muss, aber diese Zeiten sind irgendwann einmal vorbei, wo das Proletariat uns nicht am Militärprogramm, sondern an unseren bewaffneten Handlungen selbst messen wird, ob wir auch bereit und in der Lage sind, unsere Programme und Versprechungen durch Taten zu beweisen und letztlich tatsächlich einzuhalten. Wenn wir keine bewaffneten Organisationen aufgebaut haben, um das Militärprogramm umzusetzen, erübrigt sich alles weitere. Es kommt die Zeit, wo es notwendig sein wird, den Schwerpunkt der Ausbildungsmethoden von friedlichen Unterrichtsstunden auf die Kampfhandlungen selbst zu verlagern.

Dann kommt der Zeitpunkt der Wahrheit, wo die Kommunisten beweisen müssen, dass sie nicht nur besser organisieren, propagieren und agitieren können, sondern vor allem besser schießen können als die Kapitalisten und wo die Arbeiterklasse ihr Kriegshandwerk besser als die Bourgeoisie beherrschen muss und dann heißt es: „Wer – wen?“


Jeder einzelne Schuss der wirklichen bewaffneten Bewegung ist wichtiger als ein Dutzend Militärprogramme. ( Abgewandelte Form des berühmten Ausspruches von Karl Marx in seiner „Kritik des Gothaer Programms“; MEW, Band 19, Seite 13). Der bewaffnete Klassenkampf ist stärker als alle Militärprogramme der Welt zusammengenommen.


Es gehört zum ABC des Marxismus-Leninismus, dass das kämpfende Proletariat nicht aus Definitionen lernt, - was der internationale bewaffnete Klassenkampf ist so wie man es hier aus dem Lehrbuch lernt - sondern aus der praktisch erworbenen Kenntnis.




Somit sind hier in groben Zügen die wichtigsten militärischen Begriffe kurz umrissen und ihre Definition vorweggenommen, um die Bedeutung des bewaffneten Klassenkampfes besser zu verstehen und ihn optimaler anzuwenden ... wovon die marxistisch-leninistische Militärtheorie schließlich auszugehen hat.

Kommen wir nun zu den militärischen Lehren der Klassiker des Marxismus-Leninismus:




2. Kapitel

Die Klassiker

über die Grundlagen der marxistisch-leninistischen Militärwissenschaft

und über die

Kunst der weltrevolutionären Kriegsführung



Die Bedeutung der Klassiker für die Lösung der militärischen Frage der Weltrevolution


Der Marxismus-Leninismus ist das geschlossene System der Weltanschauungen und der internationalen Lehren von Karl Marx, Friedrich Engels, Wladimir I. Lenin, Josef. W. Stalin und Enver Hoxha. Die marxistisch-leninistische Militärwissenschaft und die weltrevolutionäre Klassenkriegskunst als marxistisch-leninistische Militärtaktik ist das geschlossene, gemeinsame, internationale Werk der 5 Klassiker. Marx und Engels begründeten die materialistische Kriegsgeschichte und schufen die marxistische Militärwissenschaft und die Klassenkriegstaktik des Weltproletariats. Sie wurde nicht nur von den nachfolgenden Klassikern Lenin, Stalin und Enver Hoxha weiterentwickelt und meisterhaft angewandt, sondern dabei auf eine neue qualitativ höhere Stufe gehoben zur Militärwissenschaft des sozialistischen Staates, zu einem wissenschaftlichen Instrument der Diktatur des Proletariats. Die Klassiker des Marxismus-Leninismus waren nicht nur die theoretischen und praktischen Führer der internationalen Arbeiterbewegung im Allgemeinen , sondern insbesondere auch die bewaffneten Führer des bewaffneten Weltproletariats. Sie zeichneten sich also dadurch als Führer des Weltproletariats aus, dass sie die militärische Theorie des Proletariats mit der militärischen Praxis meisterhaft verknüpften und damit dem bewaffneten, revolutionären Klassenkampf des vereinigten Proletariats ein leuchtendes kommunistisches Ziel und eine klare, marxistische Richtung verliehen. Ohne Kriterium eines bewaffneten Führers des bewaffneten Weltproletariats kann man überhaupt nicht von einem Klassiker des Marxismus-Leninismus sprechen. Dies ist ein ganz wichtiges Kriterium, mit dem wir Marxisten-Leninisten von der Komintern/ML uns deutlich vom bürglichen Sozialismus, vom Revisionismus im Allgemeinen und vom Neo-Revisionismus im Besonderen abgrenzen. Wer das militärische Kriterium für den Rang der 5 Klassiker des Marxismus-Leninismus ausklammert oder verfälscht, kann nicht wahrhaft für die proletarische, sozialistische Weltrevolution kämpfen, kann nicht den Sieg des Weltsozialismus erringen, ist zum Scheitern verurteilt, nimmt alle möglichen Standpunkte ein, aber keinen marxistisch-leninistischen. Wir können nur wahre Anti-Revisionisten sein, wenn wir die militärischen Lehren und den militärischen Kampf der 5 Klassiker des Marxismus-Leninismus gegen die Neo-Revisionismus in Wort und Tat verteidigen. Die Dialektik der Klassikerfrage ist nicht nur die höchste Form des ideologischen, sondern auch des militärischen Klassenkampfes des Weltproletariats. Die richtige Bestimmung der Klassikerfrage ist nicht zuletzt in militärischer Hinsicht entscheidend für die ganze Zukunft des Kommunismus.


„Wir, Marxisten-Leninisten, die wir an der Spitze des Titanenkampfes stehen, der heute zwischen dem Proletariat und den unterdrückten Völkern, die nach Freiheit streben, auf der einen und den brutalen, raubgierigen Imperialisten auf der anderen Seite geführt wird, müssen die Absichten, die Taktiken, die Arten und Formen des Kampfes der gemeinsamen Feinde wie der besonderen Feinde jedes Landes genau verstehen. Dies können wir nicht in erforderlicher Weise, wenn wir uns nicht fest auf die marxistisch-leninistische Theorie der Revolution stützen, wenn wir nicht sehen, dass in der gegenwärtigen Situation und in der Zukunft eine Reihe schwacher Glieder der Kette des Weltkapitalismus existieren bzw. existieren werden, wo die Revolutionäre und die Völker eine ununterbrochene Tätigkeit, einen organisierten, unbeugsamen und mutigen Kampf entfalten müssen, um diese Kettenglieder eines nach dem anderen zu zerbrechen“ (Enver Hoxha, „Imperialismus und Revolution“, Seite 79, dt. Ausgabe). Wie lange noch das schwächste Kettenglied in den Händen der Reaktion verbleibt und wann es in die Hände der Weltrevolution fällt ? Auf jeden Fall wird es Ausgangspunkt des weiteren Verlaufs der Weltgeschichte sein, wird die revolutionäre Flut an der schwächsten Stelle den imperialistischen Schutzwall durchbrechen.






Marx und Engels

- die Begründer der marxistischen Militärtheorie und der wissenschaftlichen Kriegsgeschichte -


„Die Morgenröte einer neuen und besseren Gesellschaft steigt für die unterdrückten Klassen aller Länder leuchtend empor. Und überall schließen die Unterdrückten ihre Reihen; überall reichen sie sich über die Grenzen, über die verschiedenen Sprachen hinweg die Hand. ES FORMIERT SICH DAS HEER DES INTERNATIONALEN PROLETARIATS“

(Engels, MEW, Band 22, Seite 477, formuliert vor 110 (!) Jahren; hervorhebung vom Verfasser).



Es ist das besondere Verdienst von Marx und Engels, die historische Rolle der bewaffneten Emanzipation der Arbeiterklasse erkannt und die Militärwissenschaft auf den internationalistischen Boden dieser Klasse gestellt zu haben.


Marx und Engels entwickelten eine meisterhafte Kritik an der bürgerlichen Militärwissenschaft, analysierten die Bürgerkriege und die bewaffneten Klassenauseinandersetzungen der Geschichte und ihrer Gegenwart und kamen zu höchst revolutionären Schlussfolgerungen. Nicht nur Lenin hat daraus für die russische Revolution wertvvolle Lehren ziehen können, sondern die militärischen Erkenntnisse von Marx und Engels sind auch zur Zeit Stalins und Enver Hoxhas von großer Bedeutung gewesen. Auch heute sind sie noch hoch aktuell und sind als theoretische Grundlage unverzichtbar für unseren praktischen Kampf. Marx und Engels nahmen eine tiefgründige Einschätzung der mit den ältesten Zeiten beginnenden Kriegsgeschichte vor, der Geschichte der Entstehung und Entwicklung der Armeen ebenso wie die Analyse der Organisation und des Zustandes der bewaffneten Streitkräfte ihrer Zeit, der Methoden und Formen der Kiegführung und des bewaffneten Kampfes. Damit schufen sie die Grundlage der marxistischen Militärwissenschaft und einer wissenschaftlichen Geschichte der Kriegskunst. Insbesondere die Gedanken von Marx und Engels über die Frage des bewaffneten Aufstandes sind fester Bestandteil der Schatzkammer der marxistisch-leninistischen Militärwissenschaft. Gestützt auf Marx und Engels entwickelten Lenin und Stalin die Lehren des bewaffneten Aufstandes weiter, die durch den Sieg der Oktoberrevolution glänzend bestätigt wurden. Auch Enver Hoxha stützte sich auf Marx, Engels, Lenin und Stalin im antifaschistischen Befreiungskampf, der zum glänzenden Sieg der Volksrevolution in Albanien geführt hat.



Beginnen wir mit einem kurzen Zitat, in dem Marx den Wert der geistigen und materiellen (Kriegs)Produktion verglichen hat. Wir finden diese Stelle in den Beilagen des Bandes 26,1 auf Seite 329, ein Hinweis von Hobbes über die ökonomische Rolle der Wissenschaft, über die Arbeit und den Wert, in dem es heißt:

„Künste von gesellschaftlichem Nutzen, wie (...) die Herstellung von Kriegsmaschinen und anderen Kriegswerkzeugen, stellen Macht dar, da sie zur Verteidigung und zum Sieg beitragen; aber obwohl ihre wahre Mutter die Wissenschaft, nämlich die Mathematik, ist, so gelten dennoch, weil sie von der Hand des Handwerkers ans Licht gebracht wurden, diese als ihre Urheber(...)“. Und Marx fügte diesem Zitat hinzu: „Das Produkt der geistigen Arbeit – die Wissenschaft – steht immer tief unter ihrem Wert. Weil die Arbeitszeit, die nötig ist, um sie zu reproduzieren, in gar keinem Verhältnis steht zu der Arbeitszeit, die zu ihrer Originalproduktion erforderlich ist“ (Marx, MEW, Band 26,1, Seite 329). Das trifft natürlich zweifellos speziell auch auf den ökonomischen Zusammenhang zwischen Kriegsproduktion und Kriegswissenschaft zu.

Die vollkommene Einheit von geistiger und materieller sozialistischer Kriegsproduktion stellt die sozialistische Kriegsführung auf eine feste Basis und macht sie erst möglich. Natürlich setzt eine sozialistische Kriegsführung die Diktatur des Proletariats voraus. Ohne Diktatur des Proletariats kann es weder eine sozialistische Kriegsführung, noch eine sozialistische Kriegsproduktion und auch keine sozialistische Kriegswissenschaft geben. [So ist ja auch die maoistische Kriegsführung schon deswegen keine sozialistische, weil es in China nie eine Diktatur des Proletariats gegeben hat]. Die sozialistische Kriegsführung ist militärischer Ausdruck der Diktatur des Proletariats.

Die geistige Kriegsproduktion, die Kriegswissenschaft stellt also einen unschätzbaren Wert für die materielle Kriegsproduktion dar, die den Wert der Arbeitszeit, die zur materiellen Kriegsproduktion erforderlich ist, bei weitem übersteigt. Vom richtigen Einsatz der Kriegswissenschaft ist der Wert der materiellen Kriegsproduktion abhängig und davon der Sieg oder die Niederlage der Revolution, des Sozialismus, also Leben und Tod der ganzen Gesellschaftsordnung. Engels hat auf die revolutionierende Wirkung der Kriegswissenschaft für die Entwicklung jeder neuen Gesellschaftsformation immer wieder hingewiesen, so sagte er über die Kriegswissenschaft des alten Fritz: „Das Epochemachende in der Kriegswissenschaft des alten Fritz besteht darin, dass er innerhalb der Grenzen der damaligen Kriegsführung überhaupt die alte Taktik den neuen Instrumenten gemäß umschuf und ausbildete“ (Engels, MEW, Band 7, Seite 483).

Das beste Beispiel liefert uns der große vaterländische Krieg des Sowjetvolkes. Stalin würdigte die Sowjetwissenschaft in dieser schweren Zeit mit den Worten: „Unsere Intelligenz tritt in Technik und Kultur kühn als Neuerer auf, entwickelt erfolgreich die moderne Wissenschaft weiter und verwendet schöpferisch ihre Errungenschaften für die Erzeugung von Waffen für die Rote Armee. Die Sowjetintelligenz hat durch ihre aufbauende Arbeit einen unschätzbaren Beitrag zur Zerschmetterung des Feindes geleistet“ ( Zitat bei Kalinin,“Vom moralischen Antlitz des sowjetischen Volkes“, Seite 35, Berlin 1946). Der zweite Weltkrieg war auch ein Kampf der sozialistischen Kriegswissenschaft gegen die imperialistische Kriegswissenschaft, den die sozialistische Kriegswissenschaft schließlich unter harter Prüfung für sich entschieden hat. Noch nie war die Schöpferkraft der Kriegswissenschaft so stark ausgeprägt wie im großen vaterländischen Krieg. Diese erstreckte sich auf alle Gebiete der Sowjetwissenschaft. Die Sowjetphysiker schufen theoretische und experimentelle Voraussetzungen für die Konstruktion neuer Waffenarten; die Mathematiker arbeiteten Methoden schnellerer Berechnung für die Artillerie, die Luftwaffe und die Kampfschiffe aus; die Chemiker fanden neue Methoden zur Produktion von Sprengstoffen, Kegierungen und pharmazeutischen Mitteln; die Biologie erforschte neue Quellen für die Ernährung der Roten Armee und der Bevölkerung, die Mediziner retteten durch neue Methoden der Kriegsmedizin Zehntausende wertvoller Soldatenleben. Die gesamte Wissenschaft stellte sich in den Dienst der Kriegswissenschaft, um der Roten Armee die größtmögliche Unterstützung und Hilfe zu erweisen. Dabei soll – auch im Hinblick auf die einmal erforderlich werdende Zentralisierung der Zusammenarbeit der revolutionären Kriegswissenschaftler im Dienste der proletarischen Weltrevolution – daran erinnert werden, dass alle fortschrittlichen Wissenschaftler der Welt das einstige Vaterland des Weltproletariats ebenfalls unterstützt haben, die Welt vom deutschen Faschismus zu befreien. Und damit haben sie auch einen historischen Beitrag für die Verteidigung des Zentrums der Weltrevolution geleistet.

Würden sich die Klassiker auch nur einen Augenblick auf die bürgerliche Kriegswissenschaft verlassen und nicht ihre eigene Kriegswissenschaft entwickelt haben, hätte der sozialistische Staat niemals das Licht der Welt erblickt - und er wird es wohl auch nur schwerlich wieder zu Gesicht bekommen, wenn wir nicht auch die sozialistische Kriegswissenschaft auf das erforderliche internationale Niveau heben und für die proletarische, sozialistische Weltrevolution nutzbar machen.


Marx und Engels waren die Kenner der Kriegsgeschichte und der Kriegskunst. Sie beschäftigten sich mit fast allen Militärtheorien und -theoretikern aller Zeiten, insbesondere aber aus ihrer Zeit. Ihre Erkenntnisse und Schlussfolgerungen, die Marx und Engels aus diesen Theorien zogen, insbesondere ihr kritisches Urteil über die Theoretiker selbst und, wie weit diese überhaupt den materialistischen Kriegscharakter, die Kriegsursachen, die Kriegsinteressen, die Kriegsziele, die Kriegsführung, den Verlauf, das Ende und die Folgen des Krieges usw. usf. erkennen, kommentieren und einschätzen, bzw. die notwendigen Schlussfolgerungen daraus ziehen konnten – aus all diesem mühevoll zusammengetragenen Material, wissenschaftlich ausgewertet und am Maßstab der Praxis überprüft, entwarfen Marx und Engels überhaupt das erste Mosaikbild der Kriegsgeschichte und Kriegskunst . Wenn Marx und Engels damals ihre Sichtweise formulierten, so müssen wir das heute historisch relativieren. Damit soll gesagt sein, dass man sich heute davor hüten muss, die bürgerlichen Wissenschaften im damaligen Kampf gegen den Feudalismus mit ihrem heutigen Kampf gegen den Sozialismus gleichzusetzen. Die bürgerliche Militärwissenschaft diente zunächst der Befreiung der Bourgeoisie und heute dient sie der Unterdrückung der Befreiung des Proletariats. Also ist es unsere Aufgabe, die bürgerlichen Wissenschaften vom militärischen Standpunkt des Proletariats aus nicht nur richtig in ihrer historischen Entwicklung richtig einzuschätzen, sondern auch gebührend zu kritisieren – schließlich handelt es sich um die Militärwissenschaft unseres Klassenfeindes!

Das hält uns natürlich nicht davon ab, insbesondere die imperialistischen, militaristischen Doktrinen, die militärischen Theorien des Klassengegners genau zu studieren, so wie wir das Feindstudium ganz allgemein als unverzichtbar betrachten – was wohl hier auch nicht unbedingt näher begründet werden muss. Aber man muss nicht nur die Stärken und Schwächen des Gegners richtig einschätzen, man muss auch die Stärken und Schwächen seiner eigenen theoretischen Kampfausrüstung selbstkritisch beurteilen und daraus die notwendigen Schlussfolgerungen ziehen.


Nehmen wir Clausewitz als Beispiel, wo Stalin, befragt, ob denn Lenins Bewertung der Clausewitz`schen Militärtheorie veraltet sei, klar und deutlich geantwortet hatte. Hier veröffentlichen wir den vollständigen Wortlaut von Stalins Antwortschreiben an Oberst Professor Dr. Rasin auf einen Brief vom 30. Januar 1946 über Clausewitz und über Fragen des Krieges und der Kriegskunst (23. 2. 1946, Stalin Band 17, Seite 25-27, KPD/ML, Hamburg, 1973):


„Ich habe Ihren Brief vom 30. Januar über Clausewitz sowie Ihre kurzgefassten Thesen über den Krieg und die Kriegskunst erhalten.

1. Sie fragen, ob der Standpunkt Lenins in der Bewertung von Clausewitz nicht veraltet sei.

Meiner Meinung nach ist die Frage nicht richtig gestellt.

Bei einer solchen Fragestellung könnte man glauben, dass Lenin die kriegswissenschaftliche Lehre und die kriegswissenschaftlichen Werke von Clausewitz analysiert, sie vom militärischen Standpunkt bewertet und uns eine Reihe von Leitsätzen zu militärischen Fragen hinterlassen hat, die uns als Richtschnur dienen sollen. Diese Fragestellung ist falsch, da es tatsächlich keine solchen „Thesen“ von Lenin über die kriegswissenschaftliche Lehre von Clausewitz und seine Werke gibt.

Im Unterschied zu Engels hielt sich Lenin nicht für einen Fachmann auf militärischem Gebiet. Dafür hielt er sich weder früher, das heißt vor der Oktoberrevolution, noch später nach der Oktoberrevolution bis zur Beendigung des Bürgerkrieges. Im Bürgerkrieg verpflichtete Lenin uns, die wir damals noch junge Genossen aus dem Zentralkomitee waren, ` die Kriegskunst gründlich zu studieren`. Was ihn selbst betrifft, so erklärte er uns unimwunden, dass es für ihn bereits zu spät sei, die Kriegskunst zu erlernen. Damit ist letzten Endes zu erklären, dass Lenin in seinen Urteilen über Clausewitz und seinen Bemerkungen über das Buch von Clausewitz keine rein militärischen Fragen berührt wie etwa der militärischen Strategie und Taktik und ihres Verhältnisses zueinander, der Wechselbeziehung zwischen Vormarsch und Rückzug, Verteidigung und Gegenangriff und so weiter.

Was interessierte aber dann Lenin bei Clausewitz und wofür zollte er ihm Anerkennung? Er zollte ihm vor allem dafür Anerkennung, dass Clausewitz, der kein Marxist war und der seinerzeit als eine Autorität auf dem Gebiet der militärischen Theorie galt, in seinen Werken die bekannte marxistische These bestätigte [hervorgehoben vom Verfasser], dass zwischen Krieg und Politik eine direkte Verbindung besteht, dass die Politik den Krieg gebiert und dass der Krieg die Fortsetzung der Politik mit den Mitteln der Gewalt ist. Lenin brauchte hier die Bezugnahme auf Clausewitz, um Plechanow, Kautsky und andere ein übriges Mal des Sozialchauvinismus und des Sozialimperialismus zu überführen. Er zollte ferner Clausewitz dafür Anerkennung, dass dieser in seinen Werken die vom Standpunkt des Marxismus richtige These bestätigte, dass unter bestimmten ungünstigen Bedingungen der Rückzug eine ebenso berechtigte Kampfform ist wie der Angriff. Lenin braucht hier die Bezugnahme auf Clausewitz, um ein übruges Mal die `linken` Kommunisten zu überführen, die den Rückzug als berechtigte Kampfform nicht anerkennen.

Folglich ging Lenin an die Werke von Clausewitz nicht als Militärfachmann, sondern als Politiker heran und interessierte sich für diejenigen Fragen in den Werken von Clausewitz, die den Zusammenhang zwischen Krieg und Politik zeigen. Somit sind wir als Nachfolger Lenins in der Kritik der militärischen Doktrin von Clausewitz durch keine Andeutungen Lenins gebunden, die unsere freie Kritik beschränken könnten. Aber daraus folgt, dass Ihr Urteil über den Artikel des Genossen Meschtscherjakow (siehe `Wojennaja Mysl` Nr. 6/7, Jahrgang 1945), der an der militärischen Doktrin von Clausewitz Kritik übt und sie als `Revision` von Lenins Einschätzung bezeichnet, verfehlt ist.


2. Haben wir überhaupt Grund, die militärische Doktrin von Clausewitz zu kritisieren? Ja, den haben wir. Das Interesse unserer Sache und der modernen Kriegswissenschaft verpflichtet uns, nicht nur Clausewitz, sondern auch Moltke, Schlieffen, Ludendorff, Keitel und die anderen Träger der militärischen Ideologie in Deutschland zu kritisieren. In den letzten dreißig Jahren hat Deutschland zweimal der Welt einen blutigen Krieg aufgezwungen und beide Male eine Niederlage erlitten. Ist das ein Zufall? Natürlich nicht. Bedeutet das nicht, dass nicht nur Deutschland im Ganzen genommen, sondern auch seine militärische Ideologie die Prüfung nicht bestanden hat? Zweifellos. Es ist allgemein bekannt, mit welcher Hochachtung die Militärs der ganzen Welt, auch unsere russischen, auf die militärischen Autoritäten Deutschlands sahen. Muss dieser unverdienten Hochachtung nicht eine Ende gesetzt werden? Unbedingt. Nun, und dazu bedarf es der Kritik, besonders von unserer Seite, von Seiten derer, die Deutschland besiegt haben.

Was insbesondere Clausewitz betrifft, so ist er als Autorität auf dem Gebiete der Kriegstheorie natürlich veraltet. Clausewitz war eigentlich ein Vertreter des Manufakturzeitalters des Krieges. Jetzt aber stehen wir im maschinellen Zeitalter des Krieges. Zweifellos braucht das maschinelle Zeitalter neue militärische Ideologen. Es wäre lächerlich, heute bei Clausewitz in die Schule zu gehen. Man kann nicht Fortschritte machen und die Wissenschaft voranbringen, ohne die veralteten Thesen und Äußerungen bekannter Autoritäten einer kritischen Analyse zu unterziehen. Das bezieht sich nicht nur auf die Aitoritäten der Kriegstheorie, sondern auch auf die Klassiker des Marxismus. Engels sagte einmal, dass von den russischen Feldherren aus dem Jahre 1812 der General Barclay de Tolley der einzige sei, der Beachtung verdiene. Engels hat sich natürlich geirrt, denn Kutusow überragte als Feldherr unbestreitbar Barclay de Tolley um ein Gewaltiges. Aber es konnte doch in unserer Zeit Leute geben, die dieses falsche Urteil von Engels rabiat verteidigen.

In unserer Kritik dürfen wir uns nicht von einzelnen Thesen und Äußerungen der Klassiker leiten lassen, sondern müssen uns an den berühmten Hinweis halten, den Lenin seinerzeit gab:

`Wir betrachten die Theorie von Marx ansolut nicht als etwas Abgeschlossenes und Unantastbares; wir sind im Gegenteil davon überzeugt, dass sie nur den Grundstein zu jener Wissenschaft gelegt hat, die die Sozialisten in allen Richtungen weiterentwickeln müssen, wenn sie nicht im Leben zurückbleiben wollen. Wir sind der Meinung, dass für die russischen Sozialisten die selbständige Ausarbeitung der Theorie von Marx besonders nötig ist, denn diese Theorie gibt nur allgemeine Richtlinien, die im einzelnen in England anders als in Frankreich, in Frankreich anders als in Deutschland und in Deutschland anders als in Russland zur Anwendung gelangen` (bei Stalin zitiertes Leninzitat).

Eine solche Einstellung ist für uns noch notwendiger in Bezug auf die Autoritäten der Kriegstheorie.

3. Was Ihre kurzgefassten Thesen über den Krieg und die Kriegskunst betrifft, so muss ich mich wegen ihres schematischen Charakters auf allgemeine Bemerkungen beschränken. Die Thesen enthalten zuviel Philosophie und abstrakte Feststellungen. Clausewitz` entlehnte Terminologie,


[zu dieser „Terminologie“ auch Engels` übereinstimmender Kommentar - hier als Anmerkung zwischengeschoben:

Am 7. Januar 1858 schrieb Engels an Marx, dass er sich nunmehr mit Clausewitz beschäftigt habe:

„Ich lese jetzt u.a. Clausewitz, `Vom Kriege`. Sonderbare Art zu philosophieren [hervorgehoben vom Verfasser], der Sache nach aber sehr gut. Auf die Frage, ob es Kriegskunst oder Kriegswissenschaft heißen müsse, lautet die Antwort , dass der Krieg am meisten dem Handel gleiche. Das Gefecht ist im Kriege, was die bare Zahlung im Handel ist, so selten sie in der Wirklichkeit vorzukommen braucht, so zielt doch alles darauf hin, und am Ende muss sie doch erfolgen und entscheidet“(MEW, Band 29, Seite 252); [diese „Verclausolierung“ von Clausewitz ist ein Witz – Anmerkung des Verfassers]. ]


die von der Grammatik und Logik des Krieges spricht, verletzt das Ohr [hervorgehoben vom Verfasser]. Die Frage des Parteicharakters der Kriegswissenschaft ist zu primitiv gestellt. Das Ohr verletzen auch die Lobeshymnen auf Stalin – es ist einfach peinlich, sie zu lesen. Es fehlt der Abschnitt über die Gegenoffensive ( nicht zu verwechseln mit dem Gegenangriff). Ich spreche von der Gegenoffensive nach einer erfolgreichen Offensive des Feindes, die jedoch keine Entscheidung gebracht hat, während der in der Verteidigung Befindliche Kräfte sammelt, zur Gegenoffensive übergeht und dem Gegner eine entscheidende Niederlage beibringt. Ich bin der Meinung, dass eine gut organisierte Gegenoffensive eine sehr interessante Art der Offensive ist. Sie als Historiker sollten sich dafür interessieren. Schon die alten Parther kannten eine solche Gegenoffensive, als sie den römischen Feldherrn Crassus und sein Jeer ins Innere ihres Landes lockten, dann zur Gegenoffensive übergingen und ihn mit seinen Truppen verbichteten. Sehr gut wusste das auch unser genialer Feldherr Kutusow, der Napoleon und seine Armee durch eine gut vorbereitete Gegenoffensive vernichtete“ (Stalin Werke, Band 17, Seite 25-29, dt. Ausgabe, KPD/ML, Hamburg 1973). Stalin hat also mit seiner Gegenoffensive nichts aber auch gar nichts von Clausewitz lernen können, wohl aber von den Parthern und von Kutusow – und das war die richtige Taktik im Großen Vaterländischen Krieg gegen den Überfall der deutschen Imperialisten. Genauso gibt es eben auch die alten Revisionisten in der DDR, die das falsche Urteil über Clausewitz rabiat verteidigen und von uns Marxisten-Leninisten verlangen, bei Clausewitz in die Schule zu gehen. Bemerkenswert ist, wie klar Lenin die Beantwortung der Frage des Angriffs formulierte: „Wir sind aber gewohnt, Angriffe nicht mit einer Verteidigung, sondern mit einem Gegenangriff zu beantworten“ (Lenin, Band 5, Seite 447).

Man darf also nicht den Fehler machen, dass man die Sache so darstellt, dass die sozialistische Kriegswissenschaft sich in der Beurteilung erschöpft, wie gut oder wie schlecht sich die Klassiker mit den alten militärischen Doktrinen – beispielsweise eines Clausewitz´ - beschäftigten oder wie gut oder schlecht sie Lehren daraus gezogen haben. Was Marx und Engels anbelangt, so war ihr Standpunkt stets immer der, dass jeder Krieg, ja die gesamte Kriegsgeschichte, die Fortsetzung der Politik verschiedener Klassen beinhaltet.



( * hier schieben wir folgende Anmerkung dazwischen:)


[ ( * ) Clausewitz soll hier ganz und gar nicht unterschätzt werden:; Lenin hat häufig das bekannte Zitat verwendet (und in diesem Lehrbuch wird ebenso häufig auf dieses Zitat Bezug genommen] :

„Der Krieg ist eine bloße Fortsetzung der Politik mit anderen [nämlich: gewaltsamen] `Mitteln`“ und natürlich nicht nur das:“ Die Marxisten haben diesen Satz mit Recht stets als theoretische Grundlage ihrer Auffassungen von der Bedeutung eines jeden konkreten Krieges betrachtet. Marx und Engels haben die verschiedenen Kriege stets von diesem und keinem anderen Standpunkt aus beurteilt. Man wende diese Auffassung nun auf den gegenwärtigen Krieg an(Lenin, Band 21, Seite 304-305). Lenin verwendete dieses Clausewitz-Zitat auch so, dass er sagte: Der Imperialismus „sieht im Krieg ein Mittel, die Aufmerksamkeit von der wachsenden Unzufriedenheit im Innern des Landes abzulenken und die anschwellende revolutionäre Bewegung zu unterdrücken(Lenin ebenda, Seite 307), was ja heute im internationalen Maßstab vor unseren eigenen Augen bei allen imperialistischen Ländern gemeinsam, bei den einen mehr und bei den anderen weniger, abläuft. ] ; (siehe: Carl von Clausewitz „Vom Kriege“, Werke, Band I, Berlin 1834, Seite 28; vgl. Band III, Seite 139/140: „Man weiß freilich, dass der Krieg nur durch den politischen Verkehr der Regierungen und der Völker hervirgerufen wird; aber gewöhnlich denkt man sich die Sache so, dass mit ihm jener Verkehr aufhöre und ein ganz anderer Zustand eintrete, welcher nur seinen eigenen Gesetzen unterworfen sei. Wir behaupten dagegen, der krieg ist nichts als eine Fortsetzung des politischen Verkehrs mit Einmischung anderer Mittel.“ [Carl von Clausewitz, „Vom Kriege“, Berlin 1957, Seite 727/728.]


Aber darf man etwa deswegen Lenin an Clausewitz messen? Doch wohl umgekehrt wird ein Schuh draus! Es gibt aber immer noch Revisionisten, die in dieser Frage gern den Marxismus-Leninismus durch gewitzte Clausewitz-Injektionen zu „verjüngen“ versuchen, was nicht nur peinlich, sondern auch typisch für diese Revisionisten ist (Maos Kriegswissenschaft baute sich auch auf nichts anderem auf, als auf der Kriegswissenschaft der chinesischen Kaiserdynastien, die er in eine Amalgamform gegossen hatte, für deren Herstellung er u.a. auch marxistisch-leninistisches Material verwendete. Es ist eine alte Gewohnheit der Revisionisten, den Sozialismus nicht vom Kapitalismus abzugrenzen, sondern im Gegenteil, beides auf „höherer Stufe“ zu integrieren (Kautsky, Bucharin etc.), die antagonistischen Klassengegensätze zu versöhnen, also dem Kapitalismus „heilsame“ sozialistische Kräfte und dem Sozialismus „heilsame“ kapitalistische Kräfte anzudichten, in Wahrheit aber mit dem bürgerlichen Sozialismus den proletarischen Sozialismus zu verhindern und den Kapitalismus zu retten, bzw. den proletarischen Sozialismus in den bürgerlichen Sozialismus zu verwandeln, um den Kapitalismus wieder herzustellen. Genau das erklärt die ideologische Sichtweise und Absicht der Revisionisten in der Frage des Verhältnisses zwischen den bürgerlichen und den sozialistischen Kriegswissenschaftlern.

So gibt es solche, die in ihren Artikeln die Rolle von Clausewitz völlig überbewerten und über Clausewitz ins Schwärmen geraten, was zum Beispiel den Einfluss von Clausewitz auf Lenin anbelangt, aber der springende Punkt ist doch der, dass Lenin die Oktoberrevolution höchstwahrscheinlich auch ohne Clausewitz zum Sieg geführt hätte oder möchten die Revisionisten das öffentlich bezweifeln?! Lenin hat nie einen Zweifel daran gelassen, dass es sich bei den von ihm zitierten Kriegswissenschaftlern, so auch bei Clausewitz, dem Wesen nach um bürgerliche Kriegswissenschaftler gehandelt hat, die der Bourgeoisie, dem Kapitalismus und nicht dem Proletariat und dem Sozialismus gedient hatten. Diesen „kleinen“ Unterschied möchten die Revisionisten so weit wie möglich übergehen.


Die Klassiker des Marxismus-Leninismus und insbesondere Marx und Engels, haben niemals die Begriffe der formalen Militärtheorie und der marxistischen Militärtheorie durcheinandergeworfen, sondern sie stets in verschiedenen Zusammenhängen unterschiedlich und getrennt voneinander benutzt. Marx und Engels benutzten die militärischen Begriffe in erster Linie im politischen Sinne. So sprachen sie zum Beispiel von der Armee des Proletariats als politische Armee der Revolution. Den politischen Charakter dieser Begriffe rein militärisch einzuengen und umzudeuten, ist Ausdruck von Abenteuertum und Doktrinarismus. Es ist eine altbekannte Methode sowohl der Revisionisten als auch der Sektierer, mit verschiedenen Zitaten genau das Gegenteil von dem zu „beweisen“, was die Klassiker damit eigentlich ausdrücken wollten. Marx und Engels stützten sich in ihren kriegswissenschaftlichen Erkenntnissen auf die konkrete Analyse der Kriege in ihrer Zeit. Wer diese konkrete Analyse durch abstrakte Gegensätze, allgemeine Fassungen ersetzt, verwischt so die Klassengegensätze von damals. Auch kann man nicht die Erkenntnisse von Marx und Engels auf dem Gebiet der Kriegswissenschaft mechanisch auf die heutige Situation übertragen. So spielte die bürgerliche Militärwissenschaft damals eine revolutionäre Rolle im Kampf zur Befreiung vom Feudalismus. Das Proletariat konnte sich nur auf dem Wege befreien, auf dem sich die Bourgeoisie vom Feudalismus befreite. Was damals in der Kriegswissenschaft richtig war, muss nicht für alle Ewigkeit richtig sein. Marx und Engels waren sich über ihre unterschiedliche Verwendung aller Begriffe ihrer Kriegswissenschaft bewusst und brachten deren gleichzeitige historische Begrenztheit einerseits und beständige Allgemeingültigkeit andererseits nicht durcheinander, verkleisterten die Dialektik der Begriffe der Kriegswissenschaft des Proletariats genausowenig wie sie diese zerstückelten und aus dem Zusammenhang rissen. Diesen Umstand, dass im Wandel der Zeit sich auch die Begriffe, Bedeutungen, Methoden usw. ändern, machen sich die Revisionisten durch verfälschte Analogieschlüsse zu Nutze, um Verwirrung zu stiften und das Proletariat vom revolutionären Weg abzulenken. Das ist nicht nur auf dem Gebiet der marxistisch-leninistischen Militärtheorie so, sondern das ist eine allgemeine Methode, die von den Revisionisten auf allen Gebieten des Marxismus-Leninismus stets Anwendung fand und findet. Es ist bekannt, dass die Revisionisten den Marxismus-Leninismus dazu benutzen, die Arbeiter in eine falsche Richtung zu lenken, so wie der Feudalismus die Volksmassen einfach in Unwissenheit hielt. Das Ziel ist das Gleiche: die Volksmassen verdummen, um sie um so besser auszubeuten und zu unterdrücken – man schaue sich nur an, was in den revisionistischen Ländern pas