Schulungstexte der Komintern/ML
XII. Teil
Lehrbuch
über die Grundlagen der
marxistisch-leninistischen
Militärwissenschaft
und über die Kunst der
weltrevolutionären Klassenkriegsführung
4. Kapitel
Die Weltorganisation der Proletarier aller Länder und ihre militärische Mission
Die I. Internationale
Die Rede von Marx auf der Feier zum 7. Jahrestag der Ersten Internationale – gehalten am 25. September 1871 in London – wurde von einem Korrespondenten aufgezeichnet:
„Wenn die bestehenden Verhältnisse der Unterdrückung durch die Übergabe der Produktionsmittel an die produzierenden Arbeiter beseitigt würden, wodurch jeder arbeitsfähige Mensch gezwungen wäre, für seinen Lebensunterhalt zu arbeiten, werde auch die einzige Basis der Klassengesellschaft und der Unterdrückung beseitigt. Aber bevor eine solche Veränderung vollzogen werden könne, sei eine Diktatur des Proletariats notwendig, UND IHRE ERSTE VORAUSSETZUNG SEI EINE ARMEE DES PROLETARIATS. DIE ARBEITENDEN KLASSEN MÜSSTEN SICH DAS RECHT AUF IHRE EMANZIPATION AUF DEM SCHLACHTFELD ERKÄMPFEN. AUFGABE DER INTERNATIONALE SEI ES, DIE KRÄFTE DER ARBEITER FÜR DEN KOMMENDEN KAMPF ZU ORGANISIEREN UND ZU VEREINEN“ (MEW, Band 17, Seite 433).
Dies ist das Militärprogramm der Komintern/ML in seiner kürzesten Fassung – und dieser Grundidee von Karl Marx ist bis heute „nichts anderes“ hinzuzufügen, als sie in die Tat umzusetzen. Das Weltproletariat wird dieses Militärprogramm der Komintern/ML eines Tages in materielle Gewalt verwandeln.
Genauso wie nach dem Sturz der Diktatur des Proletariats der Pariser Kommunarde, der Sowjetunion und Albaniens, so erreicht das Weltproletariat einen Reifegrad, durch den sie wieder reaktiviert wird, sich von der Niederlage erholt und darauf drängt, die schwarze Zeit der Reaktion schleunigst zu beenden. Engels sagte:
„Als die europäische Arbeiterklasse sich wieder hinreichend gestärkt hatte zu einem neuen Anlauf gegen die Macht der herrschenden Klassen, entstand die Internationale Arbeiter-Assoziation. Sie hatte zum Zweck, die gesamte streitbare Arbeiterschaft Europas und Amerikas zu EINEM großen Heereskörper zu verschmelzen“ (Engels, MEW, Band 22, Seite 57-58).
Nun entstand die Komintern/ML und ein neuer Anlauf gegen die Weltbourgeoisie beginnt. Wir sind fest davon überzeugt, dass sich bald jene günstige Lage des Weltproletariats ergibt, die Engels am 1. Mai 1890 mit folgenden Worten beschrieb:
„`Proletarier aller Länder, vereinigt euch!` Nur wenige Stimmen antworteten, als wir diese Worte in die Welt hinausriefen, vor nunmehr 42 Jahren, am Vorabend der ersten Pariser Revolution, worin das Proletariat mit eigenen Ansprüchen hervortrat. Aber am 28. September 1864 vereinigten sich Proletarier der meisten westeuropäischen Länder zur Internationalen Arbeiter-Assoziation glorreichen Angedenkens. Die Internationale selbst lebte allerdings nur neun Jahre. Aber dass der von ihr gegründete ewige Bund der Proletaruer aller Länder noch lebt, und kräftiger lebt als je, dafür gibt es keinen bessern Zeugen als grade den heutigen Tag. Denn heute, wo ich diese Zeilen schreibe, hält das europäische und amerikanische Proletariat HEERSCHAU über seine zum erstenmal mobil gemachten STREITKRÄFTE, mobil gemacht als EIN Heer (...)“ (ebenda Seite 58) [hervorgehoben und unterstrichen vom Verfasser].
In den Instruktionen für die Delegierten des Provisorischen Zentralrats zu den einzelnen Fragen führte Marx bereits im Jahre 1867 auch die Frage der Armeen auf:
„10. Armeen. (a) Der verderbliche Einfluß von großen stehenden Heeren auf die Produktion ist auf bürgerlichen Kongressen aller Arten, auf Friedenskongressen, ökonomischen Kongressen, statistischen Kongressen, philanthropischen Kongressen und soziologischen Kongressen, zur Genüge dargelegt worden. Wir halten es daher für überflüssig, uns über diesen Punkt zu verbreiten.
(b) Wir schlagen allgemeine Volksbewaffnung und allgemeine Ausbildung im Waffengebrauch vor.
(c) Wir stimmen, als einer vorübergehenden Notwendigkeit, kleinen stehenden Heeren zu, die als Schulen für Offiziere der Miliz dienen; jeder männliche Bürger soll auf kurze Zeit in diesen Armeen dienen“ (stehendes Heer und Beziehung zur Produktion, Karl Marx „Instruktionen für die Delegierten des Zentralrats“ 1. Kongress der 1. Internationale, MEW, Band 16, Seite199).
Die Erste Internationale kämpfte bis zu ihrer Auflösung im Jahre 1876 heldenhaft für den Zusammenschluss der Proletarier aller Länder gegen die Eroberungskriege der Bourgeoisie und Großgrundbesitzer und entwickelte eine Taktik, die heute weiterhin Gültigkeit hat für die Komintern/ML.
In seiner Ersten Adresse über den Deutsch-Französischen Krieg schrieb der Gründer und Führer der Ersten Internationale, Karl Marx, „dass, möge der bevorstehende scheußliche Krieg endigen, wie er will, die Allianz der Arbeiter aller Länder schließlich den Krieg ausrotten wird. Während das offizielle Frankreich und das offizielle Deutschland sich in einen brudermörderischen Kampf stürzen, senden die Arbeiter einander Botschaften des Friedens und der Freundschaft. Diese einzige große Tatsache, ohnegleichen in der Geschichte der Vergangenheit, eröffnet die Aussicht auf eine hellere Zukunft. Sie beweist, dass, im Gegensatz zur alten Gesellschaft mit ihrem ökonomischen Elend und ihrem politischen Wahnwitz, eine neue Gesellschaft entsteht, deren internationales Prinzip der Friede sein wird, weil bei jeder Nation dasselbe Prinzip herrscht – die Arbeit! Die Bahnbrecherin dieser neuen Gesellschaft ist die Internationale Arbeiterassoziation“ (MEW, Band 17, Seite 7). So antwortete beispielsweise die Berliner Sektion der 1. Internationale auf das Manifest der Pariser Föderation der I. Internationale 1870: „Wir stimmen mit Herz und Hand in euren Protest ein.. Wir geloben feierlich, dass weder Trompetenschall noch Knonendonner, weder Sieg noch Niederlage uns abwenden soll von unserem gemeinsamen Werk der Vereinigung der Arbeiter in allen Ländern“ (ebenda, Seite 6).
Die Erste Internationale war Gegner ungerechter Kriege und lehnte jeglichen Eroberungsgedanken ab. Sie rief die Arbeiter der ganzen Welt dazu auf, dieses soziale Unglück für immer unmöglich zu machen, indem sie für die Völker selbst die Macht verlangte, über Krieg und Frieden zu entscheiden und sich so zu Herren ihrer eigenen Geschicke zu machen.
In seiner Inauguraladresse der Internationalen Arbeiter-Assoziation, die Karl Marx 1864, vor 140 Jahren, unmittelbar nach der Gründung der I. Internationale verfasste, hieß es zum Abschluss: „Proletarier aller Länder, vereinigt euch!“ Die Arbeiterklasse hat im Bewusstsein dieser Losung bis heute nicht vergessen, dass die Arbeiter aller Länder Freunde und die Despoten aller Länder Feinde sind. Die Arbeiterklasse hat nie aufgehört, ihre Freunde solidarisch in allen Ländern zu unterstützen und die Feinde in allen Ländern zu bekämpfen. Die Losung: „Proletarier aller Länder, vereinigt euch!“ ist letztlich also auch eine Losung der militärischen Vereinigung der Arbeiter aller Länder, ist eine Losung zur Vereinigung der Proletarier aller Länder zu einer einzigen Klasse, zum Weltproletariat, zur gewaltsamen Befreiung des Weltproletariats, zur militärischen Organisierung des Weltproletariats. Wer das ausklammert, bestreitet oder untergräbt, ist kein Marxist. Denn: Die Notwendigkeit der militärischen Vereinigung ist damit begründet, dass ohne sie alle Klassenherrschaft nicht vernichtet werden kann, die sich bekanntlich stets auf den Bajonetten gegen die Arbeiter stützt.
So schrieb Marx in den Provisorischen Statuten :
„dass die Emanzipation der Arbeiterklasse durch die Arbeiterklasse selbst erobert werden muss“ und „dass der Kampf für die Emanzipation der Arbeiterklasse (ein) Kampf für die Vernichtung aller Klassenherrschaft (ist) (...) dass die ökonomische Emanzipation der Arbeiterklasse (...) der große Endzweck ist, dem jede politische Bewegung, als Mittel, unterzuordnen ist“ (MEW, Band 16, Seite 14). Daraus wird deutlich, dass die militärische Eroberung der politischen Macht des Weltproletariats kein Selbstzweck ist, sondern seiner sozialen Befreiung, letztendlich also der internationalen, ökonomischen Emanzipation der Arbeiterklasse dient. Ohne militärische Mittel zur Vernichtung aller Klassenherrschaft also keine internationale ökonomische Emanzipation des Weltproletariats! Damit ist das Grundziel der militärischen Mittel der Weltrevolution bereits bei Marx schon im Kern angelegt.
Zur Frage der Grenzkonflikte sagte Karl Marx in seiner „Zweiten Adresse über den Deutsch-Französischen Krieg“ an die Mitglieder der Internationalen Arbeiter-Assoziation:
„Wenn die Grenzen durch militärische Interessen bestimmt werden sollen, werden die Ansprüche nie ein Ende nehmen, weil jede militärische Linie notwendig fehlerhaft ist und durch Annexion von weiterem Gebiet verbessert werden kann; und überdies kann sie nie endgültig und gerecht bestimmt werden, weil sie immer dem Besiegten vom Sieger aufgezwungen wird und folglich schon den Keim eines neuen Krieges in sich führt. Das ist die Lehre der Geschichte: Es ist mit Nationen wie mit einzelnen. Um ihnen die Möglichkeit des Angriffs zu entziehen, muss man sie aller Verteidigungsmittel berauben. Man muss sie nicht nur an der Kehle fassen, sondern auch töten“ (ebenda, Seite 274).
Marx und Engels kämpften in der Ersten Internationale gegen das Schüren nationalistischer, bürgerlicher Einflüsse innerhalb der internationalen Arbeiterbewegung und erzogen die Arbeiter im Geiste des proletarischen Internationalismus und stellten den Großmacht-Chauvinismus bloß:
„Wenn Mitglieder der Internationale, die einer erobernden Nation angehören, die Nation, die erobert worden ist und weiterhin unterdrückt wird, aufforderten, ihre spezifische Nationalität und Lage zu vergessen, `nationale Differenzen beizulegen` usf., so wäre das kein Internationalismus, sondern nichts weiter, als ihnen Unterwerfung unter das Joch zu predigen, und ein Versuch, die Herrschaft des Eroberers unter dem Deckmantel des Internationalismus zu rechtfertigen und zu verewigen“ (MEW, Engels, Band 18, Seite 80).
Bemerkenswert ist die Rede, die Karl Marx am 13. August 1867 auf der Sitzung des Generalrats hielt zum taktischen Verhalten auf dem Kongress der Friedens- und Freiheitsliga ( = bürgerlich-pazifistisch). Die Rede selbst ist nicht mehr verfügbar, aber im Protokollbuch wurde über sie wie folgt berichtet:
„Der Kongress der Internationalen Arbeiterassoziation sei an sich schon ein Friedenskongress, da die Vereinigung der Arbeiterklasse der verschiedenen Länder internationale Kriege schließlich unmöglich machen müsse. Hätten die Initiatoren des Genfer Friedenskongresses den Kern dieser Frage wirklich verstanden, dann wären sie der Internationalen Assoziation beigetreten. Die jetzige Verstärkung der großen Armeen in Europa sei durch die Revolution von 1848 hervorgerufen; große stehende Heere seien das zwangsläufige Ergebnis des gegenwärtigen Zustands der Gesellschaft. Sie würden nicht unterhalten, um internationale Kriege zu führen, sondern um die Arbeiterklasse niederzuhalten. Aber nicht immer gäbe es Barrikaden, die man bombadieren, und Arbeiter, die man erschießen könne; dann bestünde die Möglichkeit, internationale Konflikte vom Zaune zu brechen, damit die Soldaten nicht aus der Übung kommen. (...) Wer es ablehne, mitzuwirken an einer Veränderung der Beziehungen zwischen Arbeit und Kapital, lasse die wirklichen Voraussetzungen für einen allgemeinen Frieden außer acht“ (MEW, Band 16, Seite 530).
Die Erste Internationale stellte sich die Aufgabe, die Proletarier aller Länder zum Kampf für Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit zusammenzuschließen einschließlich des Kampfes gegen die Außenpolitik des eigenen Landes, die Arbeiter anderer Länder auszubeuten und zu unterdrücken, insbesondere gegen die Abwerbung und Importierung von ausländischen Arbeitern zum Zwecke des Lohndumpings und Streikbruchs auf dem heimatlichen Arbeitsmarkt.Die Beseitigung der internationalen Lohnsklaverei ist die Voraussetzung und auch Garantie für die Beseitigung aller Klassenherrschaft und aller Klassenkriege.
Durch Kriegslist verhinderte die I. Internationale Lohnsenkungen durch Drohungen der Fabrikbesitzer mit Produktionsauslagerungen bzw. Austausch der beheimateten Arbeiter durch billigere ausländische Arbeiter. Wie vergleichsweise der Widerstandskampf im Irak gegenwärtig zeigt, gelang es dort ebenfalls, die Regierungen verschiedener Länder zu zwingen, ihre Soldaten abzuziehen und damit dem amerikanischen Oberkommando, das die internationalen Einheiten der Besatzung befehligt, einen empfindlichen Schlag zu versetzen.
Die Garantie für einen dauerhaften Weltfrieden liegt in der internationalen Lösung des Widerspruchs zwischen Kapital und Arbeit. Hierin unterscheidet sich auch heute noch die bürgerliche Friedensbewegung von der proletarischen Friedensbewegung. Wer nicht hilft, dass sich das Weltproletariat vom Weltkapital befreit, unterstützt objektiv die internationalen Kriege zur Niederhaltung des Weltproletariats – ob er das will oder nicht – . Nur die Vereinigung der Arbeiterklasse der verschiedenen Länder kann internationale Kriege schließlich unmöglich machen. Diese Kernaussagen von Karl Marx haben heute nach wie vor Gültigkeit.
Die Erste Internationale nahm durch Karl Marx dazu Stellung wie sich das internationale Proletariat zum Deutsch-Französischen Krieg taktisch korrekt verhalten sollte:
„1. sich der nationalen Bewegung anschließen... soweit und solange sie sich auf die Verteidigung Deutschlands beschränkt..., „. den Unterschied zwischen den deutsch-nationalen Interessen und den dynastisch-preußischen dabei betonen, 3. jeder Annexation von Elsaß und Lothringen entgegenwirken..., 4. sobald in Paris eine republikanische, nicht chauvinistische Regierung am Ruder, auf ehrenvollen Frieden mit ihr hinzuwirken, 5. die Einheit der Interessen der deutschen und französischen Arbeiter, die den Krieg nicht gebilligt und die sich auch nicht bekriegen, fortwährend hervorzuheben“ (MEW, Band 17, Seite 691). Am 5. September 1870 wurde ein „Manifest über den Krieg“ als Flugblatt herausgegeben. Das Manifest rief die deutsche Arbeiterklasse auf, der internationalen Sache des Proletariats treu zu bleiben und schlug den deutschen Arbeitern vor, Massenkundgebungen und Protestversammlungen gegen die Annexionspläne der preußischen Regierung durchzuführen „Dieser Krieg hat den Schwerpunkt der kontinentalen Arbeiterbewegung von Frankreich nach Deutschland verlegt“ (MEW, Band 17, Seite 270). „Die deutsche Arbeiterklasse hat den Krieg, den zu hindern nicht in ihrer Macht stand, energisch unterstützt, als einen Krieg für Deutschlands Unabhängigkeit und für die Befreiung Deutschlands und Europas von dem erdrückenden Alp des zweiten Kaiserreichs. Es waren die deutschen Industriearbeiter, welche mit den ländlichen Arbeitern zusammen die Sehnen und Muskeln heldenhafter Heere lieferten, während sie ihre halbverhungerten Familien zurückließen. Dezimiert durch die Schlachten im Auslande, werden sie noch einmal dezimiert werden durch das Elend zu Hause. Und die patriotischen Schreier werden ihnen zum Trost sagen, dass das Kapital kein Vaterland hat und dass der Arbeitslohn geregelt ist durch das unpatriotische internationale Gesetz der Nachfrage und Zufuhr. Ist es daher nicht die höchste Zeit, dass die deutsche Arbeiterklasse das Wort ergreift und deb Herren von der Mittelklasse nicht länger erlaubt, in ihrem Namen zu sprechen? Sie verlangen nun ihrerseits „Garantien“, Garantien, dass ihre ungeheuren Opfer nicht umsonst gebracht worden, dass sie die Freiheit erobert haben, dass die Siege, die sie über die bonapartistischen Armeen errungen, nicht in eine Niederlage des deutschen Volkes verwandelt werden wie im Jahre 1825. Und als erste dieser Garantien verlangen sie, `einen ehrenvollen Frieden für Frankreich` und `die Anerkennung der französischen Republik`. (...) Mögen die Sektionen der Internationalen Arbeiterassoziation in allen Ländern die Arbeiterklasse zu tätiger Bewegung aufrufen. Vergessen die Arbeiter ihre Pflicht, bleiben sie passiv, so wird der jetzige furchtbare Krieg nur der Vorläufer noch furchtbarerer internationaler Kämpfe sein und wird in jedem Lande führen zu neuen Niederlagen der Arbeiter durch die Herren vom Degen, vom Grundbesitz und vom Kapital. Es lebe die Republik! Der Generalrat“( ebenda, Seite 276 und 278). Engels richtete eine Mitteilung an den 6. Kongress der belgischen Sektion der Internationalen Arbeiterassoziation, in dem er zur Solidarität mit Liebknecht und Bebel und weiteren 50 Arbeitern aufrief, die wegen des Manifests, wegen der Verbrüderung der deutschen und französischen Arbeiter, verhaftet worden waren. Bebel und Liebknecht organisierten als Opposition in der sogenannten nationalen Vertretung die internationalistische Agitation und Propaganda der Erten Internationale:
„Die Internationale wird beschuldigt, allen diesen Bürgern die Anweisung zu einer ausgedehnten revolutionären Verschwörung gegeben zu haben. Wir haben es hier zweifelsohne mit einer zweiten Auflage des berüchtigten Komplotts der Internationale zu Paris zu tun, ein Komplott, von dem die bonapartistische Polizei behauptete, es aufgedeckt zu haben, und das sich schließlich in ein elendes Nichts auflöste. Trotz dieser Verfolgungen ist die internationale Arbeiterbewegung auf dem Vormarsch und erstarkt immer mehr“ (ebenda, Seite 282). Die internationale Bourgeoisie und ihre sämtlichen Regierungen versuchte mit Denunziationen, die Sektionen der Internationale gegeneinander aufzuhetzen, zu spalten, zu verfolgen und aufzulösen, ließ „Manifeste der Internationale“ verbreiten, die in Wirklichkeit von der Versailler Polizei geschrieben wurden ( Aufruf zu Brandstiftungen im Namen der Internationale etc.)und stellte die Internationale verleumderisch als Sündenbock, als „Rebellen“ und als terroristische Vereinigung hin. Darauf antwortete Marx: „Es liegt in der Natur der Sache, dass die Großwürdenträger und herrschenden Klassen der alten Gesellschaft, welche ihre eigene Macht und die Exploitation der produktiven Volksmassen nur noch durch nationale Kämpfe und Gegensätze erhalten können, in der Internationalen Arbeiterassoziation ihren gemeinsamen Gegner erkennen. Ihn zu vernichten, sind alle Mittel gut“ (ebenda, Seite 300).
Der Zentralrat der Internationale war von Karl Marx organisatorisch so konzipiert, dass sich die einzelnen der I. Internationale angeschlossenen Arbeiterparteien „gleichzeitig und gleichförmig betätigen können“ (ebenda, Seite 16). Die junge Arbeiterbewegung hatte im internationalen Maßstab betrachtet noch spontanen Charakter. Es mangelte noch an der Zentralisierung der internationalen Arbeiterbewegung. Es ist Marx und Engels zu verdanken, dass sie die Notwendigkeit der Schaffung selbständiger revolutionärer Arbeiterparteien hervorhoben und von Seiten der Ersten Internationale zum Entstehen von Arbeiterparteien in vielen Ländern der Welt beitrugen. „Da einerseits der Erfolg der Arbeiterbewegung in jedem Lande nur gesichert werden kann durch die Macht der Einigung und Kombination, während andererseits die Wirksamkeit des internationalen Zentralrats wesentlich dadurch bedingt ist, dass er mit wenigen nationalen Zentren der Arbeitergesellschaften verhandelt, statt mit einer großen Anzahl kleiner und zusammenhangloser lokaler Gesellschaften, - so sollen die Mitglieder der Internationalen Assoziation all ihre Kräfte aufbieten zur Vereinigung der zerstreuten Arbeitergesellschaften ihrer betreffenden Länder in nationale Körper, repräsentiert durch nationale Zentralorgane“ (ebenda). Es muss nicht näher begründet werden, dass in dieser Richtung auch die militärische Verbindung der Länder mit einer internationalen Zentrale strukturiert sein muss, um das bewaffnete Weltproletariat aktions- und manövrierfähig zu machen. So wirkt der internationale Stab permanent zwischen den verschiedenen zusammenwirkenden Kampfeinheiten der einzelnen Länder und leitet damit die gesamte bewaffnete Bewegung des Weltproletariats, die der nationalen Form nach in den einzelnen Ländern verschieden sein kann und von den unterschiedlichen Bedingungen und Voraussetzungen abhängen. Aber jeder kann solidarisch seinen Teil zum Gelingen des Ganzen beitragen durch Beteiligung an der internationalen, zentralisierten Koordination. Karl Marx war stets ein Gegner, die Erste Internationale in einen Briefkasten der einzelnen Sektionen zu verwandeln.
„Unsere Ziele müssen so umfangreich sein, damit sie alle Formen der Wirksamkeit der Arbeiterklasse einschließen. Hätten wir ihnen einen besonderen Charakter gegeben, dann hätten wir sie den Bedürfnissen nur einer Sektion, der Arbeiterklasse nur einer Nation anpassen müssen. Doch wie könnte man alle Menschen veranlassen, sich für die Interessen einiger weniger zu vereinigen? Wenn unsere Assoziation dies täte, dann hätte sie nicht das Recht, sich Internationale zu nennen. Die Assoziation diktiert keine bestimmte Form der politischen Bewegung; sie verlangt nur, dass diese Bewegung auf ein und demselben Endzweck ausgerichtet ist. Sie umfasst ein Netz von Zweiggesellschaften, die sich über die ganze Welt der Arbeit erstreckt. In jedem Teil der Welt ergeben sich besondere Aspekte des Problems, die Arbeiter berücksichtigen diese und gehen auf ihre eigne Art an die Lösung heran“ (MEW, Band 17, Seite 641).
Die Erste Internationale maßte es sich nicht an, wie die Arbeiterklasse in dem einen oder anderen Land ihren Kampf führte für den gemeinsamen Endzweck der ökonomischen Emanzipation der Proletarier aller Länder durch die Ergeifung der politischen Macht. Statt zu diktieren, drückte sie jeder (bewaffneten) Bewegung ihre Sympathien aus und gewährte ihr im Rahmen ihrer eigenen Gesetze Hilfe und Unterstützung. Karl Marx traf den empfindlichen Nerv der Ersten Internationale, der sich historisch bis heute bewahrheitet:
„Ob wir (...) dem Generalrat das Recht eines Negerfürsten oder des russischen Zars zugestehen, seine Macht ist doch illusorisch, sobald der Generalrat aufhört, der Ausdruck der Mehrheit der IAA zu sein; DER GENERALRAT HAT KEINE ARMEE [hervorgehoben vom Verfasser], kein Budget, sondern er ist nur eine moralische Macht und er wird stets ohnmächtig, wenn er nicht die Zustimmung der ganzen Assoziation hat“ (MEW, Band 18, Seite 688).
Hieraus abzuleiten, dass Marx grundsätzlich gegen ein zentralisiertes bewaffnetes Vorgehen der Internationale gewesen sei, wird unter anderem auch in dem folgenden Zitat entkräftet, dass seiner Rede über den Haager Kongress entnommen ist:
„Der Haager Kongress hat dem Generalrat neue und noch ausgedehntere Befugnisse zugestanden. In der Tat, in einem Augenblick, wo sich die Könige in Berlin versammeln, wo von dieser Zusammenkunft der mächtigen Vertreter des Feudalismus und der Vergangenheit neue und entschiedenere Unterdrückungsmaßnahmen gegen uns ausgehen sollen, gerade in dem Augenblick, wo die Verfolgung organisiert wird, hat der Haager Kongress es für angemessen und für notwendig gehalten, die Befugnisse des Generalrats zu erweitern und für den jetzt einsetzenden Kampf ALLE AKTIONEN ZU ZENTRALISIEREN, DIE IN DER ISOLIERUNG OHNMÄCHTIG WÄREN [hervorgehoben vom Verfasser]. Und bei wem anders könnten übrigens die Machtbefugnisse des Generalrats Unruhe erregen, wenn nicht bei unseren Feinden? Hat er denn eine Bürokratie, eine bewaffnete Polizei, um sich Gehorsam zu erzwingen? Ist nicht seine Autorität lediglich eine moralische, und unterwirft er nicht seine Beschlüsse dem Urteil der Föderationen, die mit der Ausführung derselben betraut sind? Unter solchen Bedingungen, ohne Heer, ohne Polizei, ohne Gerichte, würden die Könige an dem Tage, wo sie gezwungen sein würden, ihre Macht nur mit moralischen Einfluss und moralischer Autorität aufrechtzuerhalten, nur schwache Hindernisse für das Vorwärtsschreiten der Revolution sein. (...)
Bürger, denken wir an jenes Grundprinzip der Internationale: die Solidarität. Nur wenn wir dieses lebensspendende Prinzip unter sämtlichen Arbeitern aller Länder auf sichere Grundlagen stellen, werden wir das große Endziel erreichen, das wir uns gesteckt haben. Die Umwälzung muss solidarisch sein, das lehrt uns das große Beispiel der Pariser Kommune, die deswegen gefallen ist, weil es in allen Zentren, in Berlin, in Madrid, etc zu keinerlei großen revolutionären Bewegungen gekommen war, die dieser machtvollsten Erhebung des Pariser Proletariats ebenbürtig wären. (...) Der ganze Rest meines Lebens wird (...) dem Triumph der sozialen Idee (...) geweiht sein – die Weltherrschaft des Proletariats (...)“ (MEW, Band 18, Seite 159). Wir fügen diesem Zitat von Karl Marx noch die Anmerkung im Anhang des Bandes 18 auf Seite 730 hinzu, wo ein holländischer Korrespondent über die Rede von Karl Marx berichtete:
„Solange die Internationale nicht als ein fest zusammengeschlossener Körper auftritt, solange sie keine Bewegung zentralisieren kann, so dass sie überall gleichzeitig entsteht, werden ihre Bemühungen wenig nutzen. Der Redner bringt das Beispiel der Pariser Kommune. Warum erlitt sie einen Misserfolg? Weil sie isoliert war und blieb. Wenn gleichzeitig mit dem Aufstand in Paris Revolutionen in Berlin, Wien und in anderen Hauptstädten ausgebrochen wären, so hätte man mehr Aussichten auf Erfolg gehabt“.
Dazu waren die subjektiven Bedingungen jedoch noch nicht reif, insbesondere das Nichtvorhandensein von revolutionären Arbeiterparteien, die in der Lage gewesen wären, ihre Aktionen zu koordinieren, zu zentralisieren und zu konzentrieren. Und auch heute sind diese Voraussetzungen noch längst nicht erfüllt, muss um so ernsthafter und intensiver daran gearbeitet werden. Isolierte bewaffnete Kämpfe der Proletarier in den einzelnen Ländern, selbst wenn sie zur Diktatur des Proletariats führen durch hervorragend organisierte und schlagkräftige bolschewistische Partei, sind letztendlich vom heutigen Standpunkt aus betrachtet, ohnmächtig, wenn sie nicht zumindest von den Proletariern einiger anderer Länder, wenn sie nicht vom Weltproletariat insgesamt unterstützt werden. Das war und ist auch heute noch die marxistisch-leninistische Schlussfolgerung der Lehre des „Sozialismus in einem Lande“.
Das Grundprinzip der Internationale ist und bleibt wie Marx definierte, die Solidarität. Er beschränkt sich dabei ausdrücklich nicht auf moralische Solidarität. Allein mit moralischem Einfluss und moralischer Autorität kann man mit den Worten von Marx keine Klassenherrschaft aufrechterhalten, noch weniger kann das Weltproletariat mit Moral seine Weltherrschaft erobern, denn der Weltimperialismus wird von sich aus niemals die Moral des feiwilligen Verzichts seiner Klassenherrschaft predigen, es sei denn, das Weltproletariat zwingt ihn gewaltsam dazu. So wie der Weltimperialismus nicht von allein zerfällt, verrottet auch nicht seine Moral, wenn er denn überhaupt eine hat. Wenn Karl Marx von „ sicheren Grundlagen“ des Grundprinzips der Internationale sprach, dann schließt das die materiellen Grundlagen mit ein, auf denen die marxistische Idee der Solidarität sämtlicher Arbeiter aller Länder basiert. Und eben eine der entscheidensten materiellen Grundlagen ist die Solidarität im bewaffneten Kampf, ist die Schaffung einer zentralisierten - mit Machtbefugnissen der gemeinsam und geschlossen tätigen Sektionen der Kommunistischen Internationale ausgestatteten - Roten Weltarmee.
Die wurde in die Illegalität gedrängt und sowohl von außen durch Verhaftungen und Gründungen von Polizeisektionen als auch von innen durch das Eindringen bürgerlicher und kleinbürgerlicher Ideen in ihrer bisherigen Organisationsform zur Auflösung gezwungen, um in der II. Internationale 1889 in neuer Form fortgesetzt zu werden:
„Nach dem Fall der Pariser Kommune war natürlich jegliche Organisation der Arbeiterklasse Frankreichs zeitweilig zerbrochen, sie beginnt sich aber jetzt wieder zu entwickeln. Andererseits beteiligen sich gegenwärtig die Slawen, namentlich in Polen, Böhmen und Russland, trotz aller politischen und sozialen Hindernisse an der internationalen Bewegung in einem Umfang, der 1872 von dem größten Optimisten nicht vorauszusehen war. So ist die Internationale, anstatt abzusterben, bloß aus ihrer ersten Inkubationsperiode in eine höhere Phase getreten, in der bereits ihre ursprünglichen Bestrebungen zum Teil Wirklichkeit geworden sind. Im Laufe dieser fortschreitenden Entwicklung wird sie noch manche Veränderungen durchzumachen haben, bevor das letzte Kapitel ihrer Geschichte geschrieben werden kann“ (MEW, Band 19, geschrieben von Engels Anfang Juli 1878, Seite 147).
„Die internationale Bewegung des europäischen und amerikanischen Proletariats ist jetzt so erstarkt, dass nicht nur ihre erste enge Form – der geheime Bund -, sondern selbst ihre zweite, unendlich umfassendere Form - die öffentliche Internationale Arbeiterassoziation – eine Fessel für sie geworden und dass das einfache, auf der Einsicht in die Dieselbigkeit der Klassenlage beruhende Gefühl der Solidarität hinreicht, UNTER DEN ARBEITERN ALLER LÄNDER UND ZUNGEN EINE UND DIESELBE GROßE PARTEI DES PROLETARIATS ZU SCHAFFEN UND ZUSAMMENZUHALTEN“ (MEW, Band 21, Zur Geschichte des Bundes der Kommunisten, 1885 [!], Seite 223 – [ die Kommunistische Internationale des klassenbewussten Weltproletariats, die es in die Lage versetzt und befähigt, sich organisiert gegen den internationalen Feind zu bewaffnen, gegen ihn in den Krieg zu ziehen und zu besiegen! - Hervorhebungen vom Verfasser]..
Als die II. Internastionale im Opportunismus versumpfte, schuf Lenin die Dritte Internationale mit den Worten, dass die Internationale nicht untergegangen sei und auch nicht untergehen werde. Diese historische Wahrheit hat sich auch nach Auflösung der Komintern durch die Gründung der Komintern/ML bestätigt. Wir können nicht ausschließen, dass auch die Komintern/ML zur Auflösung gezwungen sein wird, wer weiß. Aber das Weltproletariat wird deswegen noch lange nicht ihre Kommunistische Internationale für immer verloren haben. Es wird seine Fehler und Schwächen überwinden und danach eines Tages schließlich jene Kommunistische Internationale aufgebaut haben, die dem Druck des Weltimperialismus nicht nur standhält, sondern diesen auch besiegen wird. Die Kommunistische Internationale kämpft für die Erreichung der unmittelbar vorliegenden Zwecke und Interessen des Weltproletariats, aber sie vertritt in den gegenwärtigen weltrevolutionären Bewegungen zugleich die Zukunft der Proletarier aller Länder, die „als eine einzige Armee unter einer und derselben Fahne kämpfen“ (MEW, Engels, Band 21, Seite 343) - [Unterstrichen vom Verfasser].
Die II. Internationale
„Die Zweite Internationale beginnt mit dem Pariser Internationalen Sozialistenkongress von 1889. Auf den nachfolgenden Kongressen in Brüssel (1891), Zürich (1893), London (1896), Paris (1900) und Amsterdam (1904) erstarkte diese sich auf festgefügte nationale Parteien stützende neue Internationale endgültig. Die große Bedeutung des Internationalen Sozialistenkongresses in Stuttgart besteht gerade darin, dass er die endgültige Festigung der zweiten Internationale und die Umwandlung der internationalen Kongresse in sachliche Tagungen manifestiert, die auf Charakter und Richtung der sozialistischen Tätigkeit in der ganzen Welt von größtem Einfluss sind“ (Lenin, Band 13. Seite 74). Dies schrieb Lenin 1907 unmittelbar danach.
Auf der Tagesordnung des
Stuttgarter Kongresses von 1907
stand das Thema „Der Militarismus und die internationalen Konflikte“ (Lenin arbeitete in dieser Kommussion).
Von der führenden revolutionären Rolle, die die deutsche Sozialdemokratie in der Zweiten Internationale bislang dazu einnahm, war in Stuttgart nichts mehr zu merken. Sie waren und blieben von der Zeit an die Wortführer des Opportunismus – so auch in der Frage von Militarismus und Kolonialpolitik. Lenin nahm dazu wie folgt Stellung:
„Der Sozialismus hat es nie abgelehnt und lehnt es nicht ab, Reformen auch für Kolonien zu verfechten, das hat aber nichts zu tun und darf nichts zu tun haben mit einer Abschwächung unserer prinzipiellen Stellungnahme gegen Eroberungen, gegen die Unterwerfung fremder Völker, gegen Gewalt und Raub, die den Inhalt der `Kolonialpolitik` bilden. Schon der Begriff `sozialistische Kolonialpolitik` ist heillose Konfusion“ (Lenin, Band 13, Seite 79) [Dieser Begriff wurde aus der Resolution gestrichen und die Kolonialpolitik schärfer als auf allen vorrangegangenen Kongressen der Zweiten Internationale verurteilt – Anmerkung des Verfassers]. Was die Haltung des Stuttgarter Weltkongresses zum Militarismus anbelangte, schätzte Lenin diese folgendermaßen ein:
„Nicht leere hervèistische Drohungen [der Herèismus wurde als halbanarchistische Haltung auf dem Kongress nicht zugunsten der vertretenen Opportunisten, sondern zugunsten der vertretenen Revolutionäre abgelehnt – Anmerkung des Verfassers], sondern klares Bewusstsein der Unvermeidlichkeit der sozialen Revolution, feste Entschlossenheit zum Kampf bis ans Ende, Bereitschaft zu den revolutionärsten Kampfmitteln – dies ist die Bedeutung der Resolution des Stuttgarter Internationalen Sozialistenkongresses zur Frage des Militarismus. Die Armee des Proletariats erstarkt in allen Ländern. Ihr Klassenbewusstsein, ihre Geschlossenheit und Entschlossenheit wachsen täglich und stündlich. Der Kapitalismus aber sorgt erfolgreich für die immer häufigere Wiederkehr der Krisen, die diese Armee zur Zerstörung des Kapitalismus nutzen wird“ (Lenin, Band 13, Seite 85).
Lenin zitierte eine wichtige Stelle der korrekten Resolution zum Militarismus, die auf dem Stuttgarter Kongress verabschiedet wurde: „Kriege zwischen kapitalistischen Staaten sind in der Regel Folgen ihres Konkurrenzkampfes auf dem Weltmarkte, denn jeder Staat ist bestrebt, seine Absatzgebiete sich nicht nur zu sichern, sondern auch neue zu erobern, wobei Unterjochung fremder Völker und Länder eine Hauptrolle spielt. Diese kriege ergeben sich weiter aus den unaufhörlichen Wettrüsten des Militarismus, der ein Hauptwerkzeug der bürgerlichen Klassenherrschaft und der wirtschaftlichen und politischen Unterjochung der Arbeiterklasse ist. Begünstigt werden die Kriege durch die bei den Kulturvölkern im Interesse der herrschenden Klassen systematisch genährten Vorurteile des einen Volkes gegen das andere, um dadurch die Massen des Proletariats von ihren eigenen Klassenaufgaben sowie von den Pflichten der internationalen Klassensolidarität abzuwenden. Kriege liegen also im Wesen des Kapitalismus; sie werden erst aufhören, wenn die kapitalistische Wirtschaftsordnung beseitigt ist oder wenn die Größe der durch die militärtechnische Entwicklung erforderlichen Opfer an Menschen und Geld und die durch die Rüstung hervorgerufene Empörung die Völker zur Beseitigung dieses Systems treibt. Daher ist die Arbeiterklasse, die vorzugsweise die Soldaten zu stellen und hauptsächlich die materiellen Opfer zu bringen hat, eine natürliche Gegnerin des krieges, der im Widerspruch zu ihrem Ziele steht: Schaffung einer auf sozialistischer Grundlage beruhenden Wirtschaftsordnung, die die Solidarität der Völker verwirklicht...“ (zitiert bei Lenin in seinen Werken, Band 15, Seite 188). Lenin merkte hierzu an, dass damit nur die eine Seite des Militarismus („nach außen“) zur Sprache kam, während die Frage des Militarismus „nach innen“ , die ja die Niederhaltung der Revolution in den einzelnen Ländern betrifft (siehe hierzu Lenin, Werke, Band 15, Seite 187), von der Frage der internationalen Bedeutung des Militarismus in seinem Kampf gegen die proletarische Weltrevolution ablenkt. Der Stuttgarter Kongress – und das ist sein Verdienst – bekräftigte die Haltung des internationalen Sozialismus gegen den Militarismus und dessen prinzipiellen Zusammenhang mit dem Kapitalismus. Seine Schwäche aber bestand darin, dass die Sozialisten daraus keine verbindliche, allgemeingültige und einheitliche internationale antimilitaristische Taktik vereinbaren konnten, dass es weit auseinander gehende Meinungsverschiedenheiten über die praktische Frage gab „wie gegen die Last des Militarismus zu kämpfen ist und wie Kriege verhindert werden können“ (Lenin, Band 15, Seite 188). Es gab zwei „extreme“ Standpunkte. Die deutsche Sozialdemokratie war auf dem Wege der Vaterlandsverteidigung und stand vor der Schwelle ihres berühmt-berüchtigten chauvinistischen und sozialchauvinistischen Verrats an der II. Internationale, während auf dem anderen Pol die zahlenmäßig kleine Gruppe der Anhänger Hervés stand. Lenin beschrieb diesen Standpunkt wie folgt: „Das Proletariat hat kein Vaterland argumentieren die Hervéaner. Also ist jeglicher Krieg ein Krieg im Interesse der Kapitalisten; also muss das Proletariat gegen jeden Krieg kämpfen. Auf jede Kriegserklärung muss das Proletariat mit dem Militärstreik und dem Aufstand antworten. Darauf soll denn auch in erster Linie die antimilitaristische Propaganda hinauslaufen. In Stuttgart legte Hervé daher den folgenden Resolutionsentwurf vor: `... fordert er (der Kongress) alle Genossen auf, jede Kriegserklärung, von welcher Seite sie auch kommen mag, mit dem Militärstreik und mit dem Aufstand zu beantworten`“ (zitiert bei Lenin, Werke, Band 15, Seite 189). Lenin sah in diesen beiden Standpunkten jene zwei „Krankheiten (...), die immer noch die Tätigkeit des sozialistischen Proletariats in Westeuropa schädlich beeinflussen: die opportunistischen Tendenzen auf der einen Seite und die anarchistische Phrasendrescherei auf der anderen“ (Lenin, Band 15, Seite 189); „`heroische Torheit` der Hervéisten und opportunistische Feigheit auf dem `rechten Flügel` (Lenin, Band 15, Seite 192).
In Hinblick auf die notwendige Internationalisierung der Armeen der Proletarier aller Länder muss auch das Problem der Einwanderung genannte werden, das auf dem Suttgarter Kongress behandelt wurde. Lenin schrieb hierzu:
„In unserem Kampf für wahren Internationalismus und gegen `Jingo-Sozialismus` verweisen wir in unserer Presse stets auf die opportunistischen Führer der SP in Amerika, die dafür eintreten, dass die Einwanderung chinesischer und japanischer Arbeiter beschränkt wird (besonders nach dem Stuttgarter Kongress von 1907 und entgegen seinen Beschlüssen). Wir denken, dass niemand Internationalist sein und zugleich für derartige Beschränkungen eintreten kann. Und wir behaupten, dass Sozialisten in Amerika, besonders englische Sozialisten, die der herrschenden, also eine unterdrückenden Nation angehören, wenn sie sich nicht gegen jedwede Winwanderungsbeschränkung und gegen die besitzergreifung von Kolonien (Hawaii-Inseln) wenden, wenn sie nicht für die volle Unabhängigkeit der letzteren eintreten – dass solche Sozialisten in Wirklichkeit `Jingos` [englische Hurrapatrioten – Anmerkung des Verfassers] sind“ (Lenin, Band 21, Seite 435).
Der Kopenhagener Kongress der II. Internationale
fand am 28. August bis 3. September 1910 statt. Die SDAPR war auf dem Kongress auch durch Lenin vertreten. Die auf dem Kongress angenommene Resolution zum Kampf gegen Militarismus und Krieg bekräftigte die Resolution des Stuttgarter Kongresses „Der Militarismus und die internationalen Konflikte.“ Sie enthielt mehrere Forderungen für den Kampf gegen den Krieg, die von den sozialistischen Vertretern in den Parlamenten gestellt werden sollten: a) obligatorische Austragung aller Konflikte zwischen den Staaten vor internationalen Schiedsgerichten; b) allgemeine Abrüstung; c) Abschaffung der Geheimdiplomatie; d) Selbstbestimmungsrecht aller Völker und deren Verteidigung gegen kriegerische Angriffe und gewaltsame Unterdrückung.
Welchen Standpunkt Lenin zur antimilitaristischen Taktik eingenommen hatte, darauf sind wir bereits im Kapitel „Lenin“ eingegangen.
Auf die Losung der Suttgarter und der Baseler Resolution eingehend schrieb Lenin in seinem Artikel „Lage und Aufgaben der sozialistischen Internationale“:
„Die Bourgeoisie betrügt die Massen, indem sie den imperialistischen Raubzug mit der alten Ideologie des `nationalen Krieges` verbrämt. Das Proletariat entlarvt diesen Betrug und verkündet die Losung der Umwandlung des imperialistischen Krieges in den Bürgerkrieg. Eben diese Losung war in der Stuttgarter und der Basler Resolution vorgesehen, die nicht einen Krieg schlechthin, sondern gerade den gegenwärtigen Krieg voraussahen und die nicht von der `Verteidigung des Vaterlandes` sprachen, sondern davon, dass man `die Beseitigung der kapitalistischen Klassenherrschaft beschleunigen`, zu diesem Zweck die durch den Krieg herbeigeführte Krise ausnutzen und dem Beispiel der Kommune folgen müsse. Die Kommune war die Umwandlung eines Völkerkrieges in einen Bürgerkrieg“ (Lenin, Werke, Band 21, Seite 26).
Der Basler Kongress der II. Internationale
tagte am 24. und 25. November 1912. Er war anlässlich des Balkankrieges und des drohenden europäischen Kriegs als außerordentlicher Kongress einberufen worden. Er nahm ein Manifest an, das den imperialistischen, reaktionären Charakter des kommenden Weltkriegs hervorhob und die Sozialisten aller Länder aufrief, aktiv gegen den Krieg zu kämpfen. Lenin zog mit den Beschlüssen des Basler Kongresses die Demarkationslinie zum Opportunismus der II. Internationale, der sich darin manifestierte, dass sich die Opportunisten von den revolutionären Positionen der II. Internationale lossagten und den Basler Kongress mit Füßen traten, ihn verrieten. Lenin war der treueste Verteidiger des Basler Kongresses, baute dessen Resolution als eine der Grundlagen der Gründung der III. Internationale aus. Mit der Demarkationslinie des Basler Kongresses sammelte Lenin die Bolschewisten aller Länder zum Kampf gegen den Sozialchauvinismus der II. Internationale, zum Kampf gegen den imperialistischen Krieg, zum Kampf für den revolutionären Bürgerkrieg und die sozialistische Revolution, zum Kampf für den internationalen Sozialismus:
„Diese Resolution, in der das Fazit der gegen den Krieg gerichteten enormen Propaganda- und Agitationsliteratur aller Länder gezogen wird, ist die präziseste und vollständigste, die feierlichste und offiziellste Dastellung der sozialistischen Auffassung vom Krieg und von der Taktik gegenüber dem Krieg (Lenin, Band 21, Seite 201). Gerade im Hinblick auf den gegenwärtigen Krieg zwischen `den Großmächten Europas` sagt die Basler Resolution, dass dieser Krieg `nicht durch den geringsten Vorwand eines Volksinteresses gerechtfertigt werden könnte`!“ (ebenda, Seite 202). „Die Basler Resolution spricht nicht von dem nationalen Krieg und nicht von dem Volkskrieg, für die es in Europa Beispiele gab, die für die Epoche von 1979 bis 1871 sogar typisch sind, sie spricht nicht von dem revolutionären Krieg, den die Sozialdemokraten niemals abgelehnt haben, sondern von dem gegenwärtigen Krieg auf dem Boden des `kapitalistischen Imperialismus` und `dynastischer Interessen` , auf dem Boden der `Eroberungspolitik` beider kriegführender Mächtegruppen, sowohl der österreichisch-deutschen als auch der englisch-französisch-russischen“ (ebenda, Seite 203).
„Das Basler Manifest sagt:
1. dass der Krieg eine wirtschaftliche und politische Krise herbeiführen wird;
2. dass die Proletarier es als ein Verbrechen empfinden werden, am Krieg teilzunehmen und `aufeinander zu schießen, zum Vorteile des Profits der Kapitalisten, des Ehrgeizes der Dynastien oder zu höherer Ehre diplomatischer Geheimverträge`, dass der Krieg die `Entrüstung und Empörung` der Arbeiterklasse hervorrufen muss;
3. dass die Sozialisten verpflichtet sind, diese Krise und diesen Seelenzustand der Arbeiter `zur Aufrüttelung des Volkes auszunutzen und dadurch die Beseitigung der kapitalistischen Klassenherrschaft zu beschleunigen`;
4. dass die `Regierungen` - alle ohne Ausnahme - `nicht ohne Gefahr für sie selbst` den Krieg entfesseln können;
5. dass die Regierungen `Furcht vor einer proletarischen Revolution` haben;
6. dass die Regierungen sich an die Pariser Kommune (d.h. an den Bürgerkrieg); an die Revolution des Jahres 1905 in Russland usw. `erinnern mögen`“ (ebenda. Seite 205-206).
„Der Kongress hat das Kommen der proletarischen Revolution eben im Zusammenhang mit diesem Krieg proklamiert“
Die Internationale Sozialistische Frauenkonferenz fand vom 26. bis 28. März 1915 in Bern statt, an der auch Krupskaja, die Frau Lenins teilnahm:
„Auf der Konferenz stießen zwei Weltanschauungen zusammen, zwei Auffassungen vom Krieg und von den Aufgaben der Internationale, zwei Taktiken der proletarischen Parteien:
Die eine Ansicht: Es ist kein Zusammenbruch der Internationale erfolgt, es liegen keine tiefen und ernsthaften Hindernisse für die Rückkehr vom Chauvinismus zum Sozialismus vor, es gibt keinen starken `inneren Feind` in Gestalt des Opportunismus, dieser hat keinen direkten, unzweifelhaften, offensichtlichen Verrat am Sozialismus begangen. Daraus die Schlussfolgerung: Wir wollen niemanden verdammen, wir werden denen `Amnestie` erteilen, die die Stuttgarter und die Basler Resolution verletzt haben, wir werden uns auf den Rat beschränken, den Kurs mehr nach links zu nehmen und die Massen zu Demonstrationen aufzurufen.
Die andere Ansicht über alle hier erwähnten Punkte ist absolut entgegengesetzt. Es gibt nichts Schädlicheres und Verhängnisvolleres für die proletarische sache als die Weiterführung der innerparteilichen Diplomatie gegenüber den Opportunisten und Sozialchauvinisten. Die Resolution der Mehrheit erwies sich ja für die Opportunistinnen und Anhängerinnen der jetzigen offiziellen Parteien eben deshalb als annehmbar, weil sie ganz und gar vom Geiste der Diplomatie durchdrungen ist. Den Arbeitermassen, die gegenwärtig gerade von den offiziellen Sozialpatrioten geführt werden, streut man mit solcher Diplomatie Sand in die Augen. Den Arbeitermassen wird der zweifellos irrige und schädliche Gedanke eingeflößt, dass die jetzigen sozialdemokratischen Parteien mit ihren jetzigen Leitungen imstande seien, den Kurs zu ändern und anstatt des falschen einen richtigen zu steuern“ (Lenin, Band 21, Seite 193). Die Internationale Frauenkonferenz hatte mit dem Chauvinismus nicht gebrochen, hatte sich nicht unter das alte Banner des Marxismus-Leninismus gesammelt. Lenin kritisiert, dass die Verletzung des Basler und Stuttgarter Kongresses durch die Opportunisten und „Zentristen“ unter den Teppich gekehrt wurden; er kritisiert Clara Zetkin als die Führerin des kautskyanischen „Zentrums“ und trifft folglich den Kern der versöhnlerischen Haltung der Mehrheit auf der Internationalen Sozialistischen Frauenkonferenz auf den Kopf:
„Wie aber steht es mit der Resolution der Mehrheit? Keine Silbe von einer Verurteilung der Verräter, kein Sterbenswörtchen über den Opportunismus, eine einfache Wiederholing der Gedanken des Basler Manifests !!! Als wäre nichts Ernstes geschehen (...) Aber das ist doch eine direkte Verhöhnung der Beschlüsse der Internationale, eine Verhöhnung der Arbeiter. Die Sozialchauvinisten wollen im Grunde genommen gar nichts anderes als eine einfache Wiederholung der alten beschlüsse, damit in Wirklichkeit nur ja nichts geändert werde. Das ist weiter nichts als eine stillschweigende und heuchlerisch verhüllte Amnestie für die sozialchauvinistischen Anhänger der Mehrheit der jetzigen Parteien. (...) Wir wiederholen: Diesen Weg werden wir nicht gehen“ (Lenin Band 21, Seite 195-196).
„Die Konferenzen mit sogenannten `Aktions` programmen haben bisher nur dazu geführt, dass auf ihnen mehr oder minder vollständig das Programm des simplen Pazifismus proklammiert wurde. Der Marxismus ost nicht Pazifismus. Für die schnellste Beendigung des Krieges zu kämpfen ist notwendig. Aber nur wenn gleichzeitig zum revolutionären Kampf aufgerufen wird, erhält die `Friedens`forderung proletarischen Sinn. Ohne eine Reihe von Revolutionen ist der sogenannte demokratische Frieden eine spießbürgerliche Utopie. Ein wirkliches Aktionsprogramm wäre nur ein marxistisches Programm, das den Massen eine erschöpfende und klare Antwort auf das Geschehene gibt, sie über das Wesen des Imperialismus und über den gegen ihn zu führenden Kampf aufklärt, offen ausspricht, dass der Zusammenbruch der II. Internationale durch den Opportunismus herbeigeführt worden ist, und offen zur Errichtung einer marxistischen Internationale ohne und gegen die Opportunisten aufruft. Nur ein solches Programm, das bezeugen würde, dass wir weder den Glauben an uns selbst noch den Glauben an den Marxismus verloren haben, dass wir dem Opportunismus den Kampf auf Leben und Tod ansagen, würde uns früher oder später die Sympathien wirklich breiter proletarischer Massen sichern“ (Lenin, Band 21, Seite 330-331).
Was heißt das auf die heutige Situation übertragen?
Ohne eine Reihe von Weltrevolutionen ist der sogenannte Weltfrieden eine spießbürgerliche Utopie. Ein wirkliches Aktionsprogramm wäre nur ein marxistisch-leninistisches Programm, das den Massen in der ganzen Welt eine erschöpfende und klare Antwort auf die das heute Geschehene gibt, sie über das Wesen des verfaulenden Imperialismus und über den gegen ihn zu führenden internationalen Kampf aufklärt, offen ausspricht, dass der Zusammenbruch der Komintern durch den Revisionismus herbeigeführt worden ist, und offen zur Errichtung einer marxistisch-leninistischen Internationale ohne und gegen den Revisionismus aufruft. Nur ein solches Programm, das bezeugen würde, dass wir weder den Glauben an uns selbst noch den Glauben an den Marxismus-Leninismus verloren haben, dass wir dem Revisionismus weltweit den Kampf auf Leben und Tod ansagen, würde uns früher oder später die Sympathien wirklich breiter proletarischer Massen auf der ganzen Welt sichern. Deswegen die Gründung der Kommunistischen Internationale / Marxisten-Leninisten im Jahre 2000.
Was Lenin hier gegen die Versöhnler gegenüber den Opportunisten der II. Internationale gesagt hat, gilt also auch gegen die Versöhnler gegenüber den Opportunisten in der Komintern: Wiederholung der Beschlüsse des VII. Weltkongresses bedeutet heute Fortsetzung der revisionistischen Linie im Kampf gegen Faschismus und Krieg. Die Komintern/ML wird keinerlei Amnestie für die Führer des VII. Weltkongresses erteilen, weder für Dimitroff noch für Togliatti und all die anderen – weder offen noch in verhüllter Form. Wir wiederholen: Diesen Weg Dimitroffs und Togliattis wird das Weltproletariat nicht zum wiederholten Male gehen, dafür wird die Komintern/ML sorgen! Wer den Waffen der alten Revisionisten Amnestie zusichert, aktiviert sie gegen die sozialistische Weltrevolution, der steht auf der anderen Seite der Barrikade, der mag zwar in Worten „gegen“ den Revisionismus sein, aber ist in Taten ein Neo-Revisionist, der seine Waffen in Wirklichkeit gegen die Komintern/ML, gegen das Weltproletariat, gegen Lenin richtet. Man kann die revisionistische Weichenstellung des VII. Weltkongresses nicht wieder „unschuldig“ machen, wenn man den Weltfaschismus mit internationalen bewaffneten proletarischen Organisationen zerschlagen und auf seinen Trümmern die Diktatur des Weltproletariats errichten will. Der VII. Weltkongress bedeutete die revisionistische Entwaffnung des Kommunismus bis zum Datum der Gründung der Komintern/ML im Jahre 2000. Die Gründung der Komintern/ML aber bedeutet die Fortsetzung der Periode der Entwaffnung des Revisionismus durch Stalin und später Enver Hoxha, die nach dem VII. Weltkongress begann.
„Wo die alte Internationale abbrach, gerade da setzte die neue wieder ein“ (Engels; MEW, Band 38, Seite 151). Aber die II. Internationale rechtfertigte nicht die Hoffnung, die Engels in sie gesetzt hatte. War sie in den ersten Jahren ihres Bestehens, als Engels ihr mit Ratschlägen und Kritik zur Seite stand, eine marxistische internationale Kampforganisation, so gewannen nach Engels` Tod und mit der Entwicklung des Kapitalismus zum Imperialismus die Reformisten und Revisionisten sowie die versteckten Opportunisten, die Zentristen, immer größeren Einfluss. Die Opportunisten bereiteten die II. Internationale bis zum Kriegsausbruch ein gutes Jahrzehnt lang auf das Überlaufen zum Imperialismus vor. Das führte 1914 schließlich zu ihrem schmählichen Zusammenbruch. Nichtsdestoweniger trug Engels` Aktivität bei der Verbreitung des Marxismus und des proletarischen Internationalismus in der internationalen Arbeiterbewegung in den ersten Jahren der II. Internationale ihre Früchte. Sie war ein Beitrag zur Erziehung der wahrhaft revolutionären Elemente in den Parteien der II. Internationale, die das Banner des Marxismus und des proletarischen Internationalismus hochielten – allen voran W. I. Lenin und der revolutionäre Flügel der russischen Sozialdemokratie:
„Der Zusammenbruch der II. Internationale ist der Zusammenbruch des sozialistischen Opportunismus. Letzterer erwuchs als Produkt der vorhergegangenen `friedlichen` Entwicklungsperiode der Arbeiterbewegung. Diese Epoche lehrte die Arbeiterklasse den Gebrauch so wichtiger Kampfmittel wie die Ausnutzung des Parlementarismus und aller legalen Möglichkeiten, die Gründung ökonomischer und politischer Massenorganisationen, die Schaffung einer weitverbreiteten Arbeiterpresse usw. Andererseits erzeugte diese Epoche eine Tendenz zur Leugnung des Klassenkampfes und zur Predigt des sozialen Friedens, zur Verneinung der sozialistischen Revolution, zur prinzipiellen Ablehnung illegaler Organisationen, zur Bejahung des bürgerlichen Patriotismus usw. Bestimmte Schichten der Arbeiterklasse (...Arbeiteraristokratie) sowie die kleinbürgerlichen Mitläufer innerhalb der sozialistischen Parteien waren die soziale Hauptstütze dieser Tendenzen und die Träger des bürgerlichen Einfluss auf das Proletariat“ (Lenin, Band 21, Seite 150-151).
„Die II. Internationale ist tot, vom Opportunismus besiegt. Nieder mit dem Opportunismus; es lebe die nicht nur von den `Überläufern` (...), sondern auch vom Opportunismus gesäuberte III. Internationale! Die II. Internationale hat ihr Teil an nützlicher Vorarbeit geleistet, um die proletarischen Massen zunächst während der langen `friedlichen` Periode härtester kapitalistischer Sklaverei und raschesten kapitalistischen Fortschritts im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts und am Anfang des 20. Jahrhunderts zu organisieren. Der III. Internationale steht die Aufgabe bevor, die Kräfte des Proletariats zum revolutionären Ansturm gegen die kapitalistischen Regierungen zu organisieren, zum Bürgerkrieg gegen die Bourgeoisie aller Länder für die politische Macht, für den Sieg des Sozialismus!“ (Lenin, Band 21, Seite 28). „Die SDAPR muss alle internationalen und revolutionären Massenaktionen des Proletariats unterstützen und danach trachten, alle antichauvinistischen Elemente der Internationale zusammenzuschließen“ (Lenin, Band 21, Seite 151).Über diese Aufgaben einer III. Internationale schrieb Lenin bereits 5 Jahre vor ihrer Gründung!
In dem Einladungsschreiben zum ersten Kongress der Komintern hieß es unter „II. Verhältnis zu den `sozialistischen` Parteien“: „(9) Im Verhältnis zu den Sozialchauvinisten, die überall in den kritischen Momenten mit der Waffe in der Hand gegen die proletarische Revolution auftreten, ist nur schonungsloser Kampf möglich.“
Der erste Weltkrieg war ein imperialistischer, ein Eroberungs- und Raubkrieg auf beiden Seiten. Der Krieg stellte alle Strömungen in der Arbeiterbewegung auf eine harte Probe. Die schon lange vor dem Krieg vom Rost des Opportunismus zerfressenen westeuropäischen sozialdemokratischen Parteien hatten die Arbeiterklasse verraten und begannen der Bourgeoisie zu helfen, die Arbeiter und Bauern der kriegfühenden Länder im Namen der „Verteidigung des Vaterlandes“ - des bürgerlichen Vaterlandes – gegeneinander zu hetzen. Die II. Internationale zerfiel. Die Führer und Leiter der II. Internationale und der meisten sozialistischen Parteien stellten sich auf den Standpunkt der Verteidigung und Unterstützung ihrer imperialistischen Regierungen. In diesem gefahrvollen historischen Moment, in der Situation der tiefgehenden Krise der sozialistischen Parteien des Verrats und des Renegatentums der Führer der Arbeiterbewegung, erhoben einzig Lenin und die von ihm gegründete und erzogene bolschewistische Partei ohne zu schwanken das Banner des Kampfes gegen den imperialistischen Krieg. Lenin trat sofort mit einer genauen und klaren Einschätzung des Krieges hervor, zeigte den Arbeitern und Bauern den einzigen Ausweg aus dem Weltgemetzel – den Weg des Kampfes zum Sturz ihrer eigenen imperialistischen Regierungen. Lenin nahm also den Standpunkt eines wahren Internationalisten ein und forderte, dass die Arbeiter und Bauern ihre Waffen nicht gegen ihre Brüder in den anderen Ländern richten, sondern die Gewehre umzudrehen und sie als ihre eigenen Bürgerkriegswaffen zu benutzen.
In der heutigen Zeit der Globalisierung reicht im Falle eines neuen Weltkrieges die Aufgabe des Sturzes der eigenen Regierung nicht mehr aus, sondern muss der Sturz des Weltimperialismus als Ganzes planmäßig, systematisch, zentralisiert in Angriff genommen werden, muss der Kampf in Richtung Errichtung der proletarischen Weltdiktatur gerichtet werden. Um den gesamten Weltimperialismus heute zu stürzen, können sich die Proletarier aller Länder micht jeder für sich allein befreien, sondern müssen sich gemeinsam durch direkte gegenseitige Hilfe, mit einem zentralen Führungsstab gegenseitig befreien, indem sie sich zu einer einheitlichen, geschlossenen internationalen Klasse mit eigener Zentrale verschmelzen, um wie ein Mann auf dem Schlachtfeld in Aktion zu treten. In dieser politischen Richtung Lenins konnte und wollte die II. Internationale nicht arbeiten. Das Schlimmste, was uns Marxisten-Leninisten in der heutigen Weltkrise passieren könnte, wäre, nicht konsequent aus dem Verrat der II. Internationale zu lernen. Der Sieg des bürgerlichen Nationalismus über die revolutionäre kommunistische Weltbewegung wäre eine Katastrophe. Es ist daher insbesondere die Aufgabe der Kommunistischen Internationale, alles dafür zu tun, dass die sozialistischen Waffen nicht den chauvinistisch-nationalistischen Waffen angepasst werden. Dieser Druck der Weltbourgeoisie ist heute sehr real und gefährlich. Ihm darf nicht nachgegeben werden. Im Gegenteil, die internationalen Waffen müssen gegen die nationalistischen Waffen zum Einsatz kommen. Wir müssen an dem Ideal der internationalen proletarischen Waffen eisern festhalten, die Aufrüstung dieser Waffen weltweit zentral organisieren. Wenn die Basler Resolution es als ein Verbrechen bezeichnet hat, dass Proletarier auf Proletarier schießen, so heißt das nicht, dass nur die „zivilisierten“ Proletarier nicht auf „zivilisierte“ Proletarier schießen, also die Proletarier der einen imperialistischen Großmacht nicht auf die Proletarier einer anderen schießen, sondern das heißt, dass das gesamte Weltproletariat niemals auf sich selbst das Gewehr richtet, sondern immer nur auf die Feunde des Weltproletariats, auf die Bourgeoisie und ihre Verbündeten und ihre Lakaien. Mit anderen Worten: Das Proletariat der unterdrückenden Nationen schießt nicht auf das Proletariat der anderen unterdrückenden Nationen, genauso wenig wie das Proletariat der unterdrückenden Nationen auf die Proletarier der unterdrückten Nationen schießt. Und umgekehrt: Die Proletarier der unterdrückten Nationen schießen nicht auf das Proletariat anderer unterdrückter Nationen und auch nicht auf die Proletarier der unterdrückenden Nationen, sondern sie alle führen als verschiedene Armeen des Weltproletariats einen gemeinsamen bewaffneten Kampf gegen jeden einzelnen Imperialisten, wie auch gegen die Gesamtheit der Weltimperialisten. Heute beschränkt sich der bewaffnete Kampf des Proletariats nicht mehr auf den Kampf gegen die „eigene“ Bourgeoisie, weil es sich heute dem Wesen und auch der Form nach um einen internationalen bewaffneten Kampf handelt. Die Kapitalisten führen für ihren Profit einen internationalen Krieg, so wie das Weltproletariat diesen Krieg auch mit der sozialistischen Weltrevolution beantwortet. Einzellösungen von revolutionären Aufgaben sind im Zeitalter der Globalisierung höchst unwahrscheinlich. Sie sind seit dem Zusammenbruch der II. Internationale mehr oder weniger untrennbarer Bestandteil der sozialistischen Weltrevolution.
Die Komintern
Lenin hatte klare Vorstellungen davon, wie die Internationale wieder hergestellt werden sollte. Der Tod der II. Internationale bedeutete für ihn die Geburt der III. Internationale:
„Die Internationale besteht nicht darin, dass Leute an einem Tisch sitzen und eine heuchlerische spitzfindige Resolution schreiben, die es für echten Internationalismus halten, wenn deutsche Sozialisten die Aufforderung der deutschen Bourgeoisie rechtfertigen, auf französische Arbeiter zu schießen, und französische Sozialisten die Aufforderung der französischen Bourgeoisie rechtfertigen, auf deutsche Arbeiter zu schießen – `im Namen der Vaterlandsverteidigung`!!! Die Internationale besteht darin, dass sich Menschen zusammenfinden (zunächst ideologisch, dann aber, zu gegebener Zeit, auch organisatorisch), die fähig sind, sich in der jetzigen schweren Zeit wirklich für den sozialistischen Internationalismus einzusetzen, d.h., ihre Kräfte zu sammeln und `nachher zu schießen`, jeder gegen die Regierung und die herrschenden Klassen des eigenen `Vaterlandes`“ (Lenin, Band 21, Seite 88); [Unterstrichen vom Verfasser].
Der Gründung der Kommunistischen Internationale vorausgegangen war zunächst der opportunistische Zusammenbruch der II. Internationale, der zwingend eine Reorganisierung jener wirklich revolutionären Anti-Kriegs-Kräfte notwendig machte, die die Ideale des Kommunismus verteidigten gegenüber denjenigen, die den „friedlichen Weg“ zum Sozialismus gingen und den marxistischen Weg des Klassenkampfes, des Bürgerkriegs und der sozialistischen Revolution verließen, um sich als `Vaterlandsverteidiger` auf die Seite der Imperialisten zu stellen, um dem revolurtionären Proletariat in den Rücken zu fallen. Es handelte sich um eine revolutionäre Minderheit, die sich zuvor in einem über 10 Jahre dauernden internen Kampf mit der Mehrheit der II. Internationale auseinandergesetzt hatte, um dem fortwährenden Entartungsprozess der II. Internationale entgegenzutreten. Besonders mit dem Ausbruch des Krieges trat auch die verräterische und versöhnlerische Rolle des „Zentrums“ der II. Internationale unter Führung Kautskys offen zu Tage, den Lenin meisterhaft entlarvte und wobei sich die bolschewistische Taktik der proletarischen Weltrevolution immer klarer und deutlicher vom Kautskyanertum abhob. Um den Bankrott der II. Internationale und den Verrat ihrer Führer zu verwischen und zu vertuschen, stellte Kautsky damals die These auf, dass die Internationale “ein Friedensinstrument” sei (“... sie ist kein Werkzeug im Kriege, sie ist im Wesentlichen ein Friedensinstrument” (gesperrt von Kautsky); [Kautsky: “Die Internationalität und der Krieg” - Neue Zeit, 27, IX, 1914, 1. Halbband, S. 248, dt.] und folglich während der Kriegszeit ihre Wirksamkeit einstelle. Völlig zu Recht bezeichnete Lenin die II. Internationale als „Bund zur internationalen Rechtfertigung des nationalen Chauvinismus“ (Lenin, Band 21, Seite 82). Die Kommunistische Internationale ist u. a. also aus der Abgrenzung von den internationalen Kommunisten und in ihrem Kampf insbesondere gegen den Anti-Kriegs-Opportunismus in der internationalen Sozialdemokratie hervorgegangen. Besonders in der gesamten Periode der Kriegszeit bereitete sich die Eigenständigkeit einer neuen, der III. Internationale vor allem ideologisch vor. Die Oktoberrevolution siegte in Folge des ersten imperialistischen Weltkrieges, entwickelte sich der sozialistische Internationalismus besonders stark unter den Einwirkungen gerade dieses Krieges. Es ist daher kein Zufall, dass diese historische Tatsache hier im Lehrbuch besonders hervorgehoben wird, denn die marxistisch-leninistischen Grundlagen der proletarischen Militärwissenschaft, die Kunst der Führung des Klassenkrieges im Weltmaßstab wurde nicht zuletzt gerade in dieser Periode bedeutsam weiterentwickelt. Das hat nicht nur die Gründung der Komintern stark beeinflusst, sondern auch ihren Aufbau im Verlauf der nachfolgenden Jahre: Die Kommunistische Internationale ist nicht nur das wichtigste Friedensinstrument des Weltproletariats, sondern auch gleichzeitig sein wichtigstes Kriegsinstrument. Die Kommunistische Internationale spielt also eine zentrale Rolle nicht nur im Klassenkampf gegen die imperialistischen Kriege, sondern sie ist allgemein unverzichtbar als Führerin sämtlicher Kriege, die das Weltproletariat zu bestreiten hat. Ohne die Kommunistische Internationale insbesondere als Kriegsinstrument des Weltproletariats ist an einen Sieg des Weltsozialismus, an einen Sieg des Kommunismus gar nicht zu denken. Die Kommunistische Internationale formierte sich ideologisch bereits zu Kriegszeiten. Ihre Auflösung im Zweiten Weltkrieg kam in Folge des revisionistischen Verrats einer verheerenden Entwaffnung des Weltproletariats gleich, die das Scheitern des sich danach entwickelnden sozialistischen Lagers maßgeblich beeinflusste.
Doch zurück zur Gründungszeit. Im Protokoll des 1. Kongresses der Kommunistischen Internationale findet sich auf Seite 147 (Hamburg, 1921) eine Erklärung über die Auflösung der Zimmerwalder Vereinigung, die am 4. März 1919 beschlossen wurde. Wir drucken sie hier im vollen Wortlaut ab:
„Die Zimmerwalder und Kienthaler Konferenzen hatten zu der Zeit Bedeutung, in der es wichtig war, alle diejenigen Elemente des Proletariats zu vereinigen, welche bereit waren, in dieser oder jener Form gegen das imperialistische Morden zu protestieren. Aber in die Zimmerwalder Vereinigung sind zusammen mit ganz entschiedenen kommunistischen Elementen auch Elemente des `Zentrums` , pazifistische und schwankende Elemente, eingetreten. Diese Elemente des Zentrums, wie das die Berner Konferenz zeigte, verbinden sich jetzt mit den Sozialpatrioten zum Kampf gegen das revolutionäre Proletariat und nutzen auf diese Weise das Banner von Zimmerwald im Interesse der Reaktion aus. Zu derselben Zeit ist die kommunistische Strömung in einer ganzen Reihe von Ländern erstarkt, und der Kampf mit den Elementen des Zentrums, die die Entwicklung der sozialen Revolution hemmen, ist eine der dringendsten Aufgaben des revolutionären Proletariats geworden. Die Zimmerwalder Vereinigung hat sich überlebt. Alles, was wirklich revolutionär in der Zimmerwalder Vereinigung war, geht in die Kommunistische Internationale über ... (Der Kongress beschloss nach Abgabe dieser Erklärung, die Zimmerwalder Vereinigung als liquidiert zu betrachten und ihr Büro zu ersuchen, seine Dokumente dem Exekutivkomitee der Kommunistischen Internationale zu übergeben).“ Über die militärpolitische Bedeutung der Zimmerwalder und Kienthaler Konferenzen haben wir bereits im Kapitel „Lenin“ ausführlich berichtet.
Über den II. Kongress der Kommunistischen Internationale spricht Lenin von der politischen Weltarmee des revolutionären Proletariats:
„Auf dem am 7. August zu Ende gegangenen Kongress haben sich schon nicht mehr nur die ersten Sendboten der proletarischen Revolution zusammengefunden, sondern die Delegierten starker, mächtiger Organisationen, die mit den Proletariermassen eng verbunden sind. Es ist die Weltarmee des revcolutionären Proletariats – sie kämpft heute für den Kommunismus, sie hat auf dem soeben beendeten Kongress ihre Organisation geschaffen und sich ein klares, präzises, detailliertes Aktionsprogramm gegeben“ (Lenin, Band 31, Seite 259-260).
Es wird die Zeit kommen, wo die politische Weltarmee des revolutionären Proletariats ihre Politik mit militärischen Mitteln fortsetzen wird, dh. mit der militärischen Weltarmee des Proletariats die Macht der Weltbourgeoisie zu stürzen und eben diese Armee umgehend in ein Staatsorgan der sowjetischen Weltrepublik zu verwandeln.
Der Ansturm des Weltproletariats ist während der Komintern stark angestiegen, ist aber nicht stark genug gewesen, da die Proletarier aller Länder noch nicht die bolschewistische Einheit ihrer eigenen Reihen hergestellen konnten, ohne die die proletarische Weltrevolution nicht zum Sieg führen konnte. Die Komintern/ML muss daher alle Maßnahmen ergreifen, damit das Weltproletariats seine historische Rolle als wahrer Führer der Revolution, als Führer der Werktätigen der ganzen Welt ausfüllen kann.
„Die Internationalisierung der ganzen Revolutionsbewegung zwingt uns, die Initiative zu ergreifen“ (Einladungsschreiben zur Teilnahme am ersten Kongress der Komintern (24. 1. 1919).
„5. Zwecks Sicherung der sozialistischen Revolution, ihrer Verteidigung gegen innere und äußere Feinde, Hilfeleistung den anderen Nationalfraktionen des kämpfenden Proletariats usw. Ist die volle Entwaffnung der Bourgeoisie und ihrer Agenten und die allgemeine Bewaffnung des Proletariats notwendig“(Einladungsschreiben zur Teilnahme am ersten Kongress der Komintern ; 24. 1. 1919).
Auf dem I. Kongress der Komintern sagte Lenin in seinem Referat über die bürgerliche Demokratie und der Diktatur des Proletariats:
„(17) Das Heer war ein Apparat zur Unterdrückung nicht nur in der Monarchie; es blieb ein solcher auch in allen bürgerlichen, sogar den demokratischsten Republiken. Nur die Sowjetmacht als ständige Staatsorganisation eben der durch den Kapitalismus unterdrückten Klassen ist imstande, die Unterordnung des Heeres unter die bürgerliche Kommandogewalt aufzuheben und das Proletariat wirklich mit dem Heer zu verschmelzen, die Bewaffnung des Proletariats und die Entwaffnung der Bourgeoisie wirklich durchzuführen, weil sonst der Sieg des Sozialismus unmöglich ist.
„Jede Partei, die der Kommunistischen Internationale anzugehören wünscht, ist verpflichtet, jede Sowjetrepublik in ihrem Kampf gegen die konterrevolutionären Kräfte rückhaltlos zu unterstützen. Die kommunistischen Parteien müssen eine tatkräftige Propaganda unter den Arbeitern treiben, damit sie es ablehnen, Waffen und Munition für die Feinde der Sowjetrepubliken zu transportieren, müssen legal und illegal unter den Truppen Propaganda treiben, die zur Erdrosselung der Arbeiterrepubliken abgesandt werden usw.“ (Leitsätze, Nr. 14, +ber die Bedingungen der Aufnahme in die Komintern, angenommen auf dem II. Kongress der Komintern am 6. 8. 1920).
„Keine Armee vermag im Krieg ohne einen erfahrenen Stab auszukommen, wenn sie nicht einer Niederlage entgegengehen will. Ist es nicht klar, dass das Proletariat erst recht nicht ohne einen solchen Stab auskommen kann, wenn es sich nicht seinen Todfeinden mit Haut und Haar ausliefern will? Aber wo ist dieser Stab? Dieser Stab kann nur die revolutionäre Partei des Proletariats sein. Die Arbeiterklasse ohne revolutionäre Partei – das ist eine Armee ohne Stab. Die Partei ist der Kampfstab des Proletariats“ (Stalin, „Fragen des Leninismus“, Seite 88 deutsche Ausgabe, Moskau 1947).
Die Kommunistische Internationale ist der Kampfstab des Weltproletariats. Nur die Arbeiterklasse unter der Führung der marxistisch-leninistischen Partei ist imstande, sich an die Spitze des Klassenkampfes gegen die Ausbeuter zu stellen, um diesen Kampf zu Ende zuführen und die nichtproletarischen werktätigen Massen zu einer Einheit zu schmieden, sie umzuerziehen und an den Sozialismus heranzuführen. Doe internatioonalen revolutionären Kader und Soldaten wachsen aus den Reihen der Arbeiter, die die Macht erobert haben schneller und gründlicher als unter der Macht des Kapitalismus.
So war die Rote Sowjetarmee Stalins nicht nur eine Armee des Sowjetlandes, sondern auch eine internationale Armee des Weltproletariats, nicht nur weil ausländische Abteilungen und Soldaten in ihr kämpften, sondern vor allem weil diese Armee auch zur Befreiung der Proletarier anderer Länder beitrug und günstige Voraussetzungen für den Sieg von Befreiungsarmeen anderer Länder schuf, wie zum Beispiel für die albanische nationale Befreiungsarmee, durch die das albanische Proletariat schließlich seine Diktatur eroberte und das sozialistische Albanien schuf.
Die Arbeiterklasse ist die entscheidende Kraft in der Entwicklung dieser Erde, die führende Kraft zur revolutionären Umgestaltung der Welt. „Das Wichtigste in der Marxschen Lehre“, hat Lenin geschrieben, „ ist die Klarstellung der weltgeschichtlichen Rolle des Proletariats als des Schöpfers der sozialistischen Gesellschaft“ (Lenin, Band 18). Diese weltgeschichtliche Rolle lässt sich erst erfüllen, wenn das organisierte Weltproletariat den internationalen bewaffneten Kampf für den Sturz des Weltimperialismus anführt und siegt. Die neue Macht des Weltproletariats wird verschiedene Phasen des bewaffneten Kampfes durchlaufen, in Übereinstimmung mit den konkreten Bedingungen der sozialistischen Revolutionen in den verschiedenen Ländern bestimmte Etappen durchmachen, „doch es kann keine Entwicklung hin zum SIEG des Sozialismus geben ohne die Errichtung der Diktatur des Proletariats. Dies lehrt uns der Marxismus-Leninismus, das zeigt uns auch die Erfahrung aller siegreichen sozialistischen Revolutionen“ (Enver Hoxha, Imperialismus und Revolution, Sdeite 255-256).
„Das Proletariat kann seine politische Herrschaft, die einzige Tür zur neuen Gesellschaft, nicht ohne eine gewaltsame Revolution erringen. Damit sich das Proletariat im entscheidenden Augenblick als genügend stark erweist und siegen kann, ist es unumgänglich – Marx und ich behaupteten diesen Standpunkt seit 1847 -, dass es eine von allen anderen Parteien getrennte, zu ihnen im Gegensatz stehende, selbständige Klassenpartei bildet“ (MEW, Band 28, Seite 170, russisch).
„Um die Macht zu zerschlagen, genügte ein zeitweiliges Bündnis der aufständischen Arbeiter und Soldaten. Denn es versteht sich von selbst, dass die Kraft der russischen Revolution in dem Bündnis der Arbeiter und den in den Soldatenrock gesteckten Bauern liegt. Um aber die errungenen Rechte zu bewahren und die Revolution weiterzuentfalten – dazu ist ein zeitweiliges Bündnis der Arbeiter und Soldaten allein keineswegs ausreichend. Dazu ist es notwendig, dieses Bündnis bewusst und fest, dauerhaft und stabil zu machen, stabil genug, um den provokatorischen Anschlägen der Konterrevolution die Stirn bieten zu können. Denn das Unterpfand des endgültigen Sieges der russischen Revolution (...) liegt in der Festigung des Bündnisses des revolutionären Arbeiters mit dem revolutionären Soldaten. Die Organe dieses Bündnisses sind eben die Sowjets der Arbeiter- und Soldatendeputierten. Je enger nun diese Sowjets zusammengefügt, je fester sie organisiert sind, desto wirksamer ist die durch sie vertretene revolutionäre Macht des revolutionären Volkes, desto realer sind die Garantien gegen die Konterrevolution. Diese Sowjets zu festigen, überall Sowjets ins Leben zu rufen, sie untereinander zu verbinden, mit dem zentralen Sowjet der Arbeiter- und Soldatendeputierten als einem Organ der revolutionären Macht des Volkes an der Spitze – in dieser Richtung müssen die revolutionären Sozialdemokraten arbeiten“ (Stalin, Band 3, Seite 2).
In dieser Richtung müssen alle Marxisten-Leninisten der ganzen Welt heute arbeiten. Proletarier aller Länder, schließt enger eure Reihen in der bolschewistischen Partei eures Landes und schart euch um die Komintern/ML!
Bauern! Organisiert euch in internationalen Bauernverbänden und schart euch um das revolutionäre Weltproletariat, dem Führer der Weltrevolution!
Soldaten! Organisiert euch im euren Verbänden und schließt euch der revolutionären proletarischen Weltarmee an! [1918 waren 60% der Soldatendeputierten Bolschewiki!]
Arbeiter, Bauern, Soldaten! Schließt euch in allen Ländern der Welt zu Sowjets der Arbeiter- und Soldatendeputierten, zu internationalen Organen des Bündnisses und der Macht der revolutionären Kräfte der ganzen Welt an! Der Zusammenschluss der Arbeiter, Bauern und Soldaten ist eine internationale Aufgabe. Ohne diese Aufgabe zu lösen – kein Sieg der Weltrevolution! In diesem weltweiten Zusammenschluss liegt das Unterpfand des vollen Sieges über die finsteren Kräfte dieser Welt.
„Die Sowjetorganisation hat es ermöglicht, eine bewaffnete Macht der Arbeiter und Bauern zu schaffen, die weitaus enger als früher mit den werktätigen und ausgebeuteten Massen verbunden ist. Anders wäre eine der Grundvoraussetzungen für den Sieg des Sozialismus, die Bewaffnung der Arbeiter und die Entwaffnung der Bourgeoisie, unmöglich zu verwirklichen“ (Entwurf des Programms der KPR(B), Lenin, Band 29, Seite 92).
„Notwendig ist ein gesamtrussisches Organ (...), das über genügend Autorität verfügt, (...) Hauptstadt (...) mit Provinz zusammenzuschweißen und sich im geeigneten Moment aus einem revolutionären Kampforgan des Volkes in ein Organ der revolutionären Staatsmacht zu verwandeln, die alle lebendigen Kräfte des Volkes gegen die Konterrevolution mobilisiert. Ein solches Organ kann einzig und allein der Allrussische Sowjet der Arbeiter-, Soldaten- und Bauerndeputierten sein. Das ist die erste Bedingung für den Sieg der russischen Revolution. (...) Sofortige Bewaffnung der Arbeiter, Schaffung einer Arbeitergarde – das ist die zweite Bedingung für den Sieg der Revolution. ( ...) Die Armee kann nicht ewig an einem Ort bleiben, um die Revolution vor der Konterrevolution zu schützen. Deshalb bedarf es einer anderen bewaffneten Macht, einer Armee bewaffneter Arbeiter, die natürlich mit den Zentren der revolutionären Bewegung verbunden sind“ (Stalin, Band 3, Seite 13).
Das gilt sowohl für die heutige Zeit, als auch für den internationalen Maßstab. Was wir brauchen ist also eine internationale Arbeiterarmee, die Armee des Weltproletariats.
„Alle Fragen (...) laufen auf die eine hinaus, ob es in Russland eine streng disziplinierte reguläre Armee geben soll oder nicht. Vor einem halben Jahr hatten wir nach dem Zerfall der alten, zaristischen Armee eine neue, eine Freiwilligenarmee, die schlecht organisiert war, kollektiv geleitet wurde und den Befehlen nicht immer Folge leistete. Das war die Periode, in der die Entente ihre Offensive einleitete. Die Armee setzte sich hauptsächlich, wenn nicht ausschließlich, aus Arbeitern zusammen. Weil es in dieser Freiwilligenarmee an Disziplin mangelte, weil die Befehle nicht immer ausgeführt wurden und weil innerhalb der Leitung der Armee Desorganisation herrschte, erlitten wir Niederlagen (...). Die Tatsachen zeugen davon, dass eine Freiwilligenarmee keiner Kritik standhält, dass wir außerstande sein werden, unsere Republik zu verteidigen, wenn wir nicht eine andere Armee schaffen, eine reguläre Armee, die vom Geiste der Disziplin durchdrungen ist, eine gute organisierte politische Abteilung besitzt, eine Armee, die fähig und in der Lage ist, sich auf den ersten Befehl hin gegen den Feind in Marsch zu setzen.
Ich muss sagen, dass die Elemente, die die Mehrheit unserer Armee bilden und keine Arbeiterelemente, sondern Bauern sind, nicht freiwillig für den Sozialismus kämpfen werden. Eine ganze Reihe von Tatsachen weist darauf hin. Mehrere Meutereien im Hinterland und an de Fronten zeigen ebenso wie eine Reihe von Ausschreitungen an den Fronten, dass die nichtproletarischen Elemente, die in unserer Armee die Mehrheit bilden, nicht freiwillig für den Kommunismus kämpfen wollen. Daher unsere Aufgabe – diese Elemente im Geiste einer eisernen Disziplin zu erziehen, dass sie sich nicht nur im Hinterland, sondern auch an den Fronten der Führung des Proletariats anvertrauen, sie zu zwingen, für unsere gemeinsame sozialistische Sache zu kämpfen, und im Laufe des Krieges den Aufbau einer wirklich regulären Armee zu vollenden, die allein imstande ist, das Land zu verteidigen. So ist die Frage gestellt. ... Entweder bringen wir es fertig, eine streng disziplinierte, reguläre, wirkliche Arbeiter- und Bauernarmee zu schaffen, und behaupten die Republik, oder wir bringen das nicht fertig, und dann ist unsere Sache zu Grunde gerichtet“ (Stalin, Band 4, Seite 221).
Im Zuge der Oktoberrevolution und der Errichtung Sowjetrusslands rollte auch die Welle der Befreiungsbewegung in den okkupierten Gebieten in unmittelbarer Nachbarschaft. Es fiel die Scheidewand zwischen Russland und Deutschland, und die Losungen des bürgerlichen Nationalismus „Alle Macht der nationalen Bourgeoisie“ wurde durch die Losung des proletarischen Sozialismus abgelöst „Alle Macht den werktätigen Massen der unterdrückten Nationalitäten“. Die ausländischen imperialistischen Okkupanten wurden rausgeschmissen. Dabei spielte die Rote Armee eine internationalistische Befreiungsrolle, indem es die Streiks und Aufstände, die roten Schützen, unterstützte. Im Mittelpunkt dieser nationalen und sozialen Befreiungskämpfe stand der Bannerträger der Weltrevolution – Sowjetrussland, das die Arbeiter und Bauern der unterdrückten Völker im Interesse des Weltsozialismus unterstützte. Die Sowjetregierung Lettlands erklärte beispielsweise: „Wir rufen um Hilfe und erwarten sie von dem wahrhaft revolutionären Proletariat in der ganzen Welt, insbesondere aber von der Russischen Sozialistischen Föderativen Sowjetrepublik“ ( zitiert bei Stalin, Band 4, Seite 161).
„Die Kurzlebigkeit der nationalen `Regierungen` der okkupierten Gebiete erklärt sich nicht nur aus ihrem bürgerlichen Charakter, der den Arbeitern und Bauern fremd ist, sondern vor allem aus dem Umstand, dass sie einfache Anhängsel der Okkupationsmächte sind“ (Stalin, Band 4, Seite 157).
Erst Zerstückelung Russlands in einzelne Herde der Konterrevolution und dann Zurückeroberung des alten Russlands durch den Sturz der Sowjetmacht, das war die Taktik der Imperialisten, die die Sowjetmacht durchkreuzte, indem sie sich ganz auf das gegenseitige brüderliche Vertrauen der Völker Russlands stützte und das freiwillige Bündnis der Werktätigen aller unabhängigen Sowjetrepubliken schuf, das zum Zusammenschluss der Sowjetunion führte. Damit warebn zwei Lager entstanden, das alte Lager der Imperialisten und das neue Lager des Sozialismus.
„Sowjetrussland hat die Westgebiete niemals als seine Besitzungen betrachtet. Es war immer der Ansicht, dass diese Gebiete den unveräußerlichen Besitz der werktätigen Massen der sie bewohnenden Nationalitäten bilden, dass diese werktätigen Massen das volle Recht haben, frei über ihr politisches Schicksal zu bestimmen. Das schließt selbstverständlich nicht aus, sondern setzt vor<aus, dass Sowjetrussland unseren estnischen Genossen in ihrem Kampf für die Befreiung mit allen Mitteln helfen wird“ (Stalin, Band 4, Seite 156).
Durch ein von Lenin unterzeichnetes Dekret erkannte der Rat der Volkskommissare der RSFSR die Unabhängigkeit der Litauischen Sowjetrepublik am 22. Dezember 1918 an. In dem Beschluss hieß es: „Das Zentralexekutivkomitee bestätigt den durch den revolutionären Kampf der proletarischen und bäuerlichen Massen geschaffenen Sowjetrepubliken Estland, Lettland und Litauern erneut, dass die Tatsache der früheren Zugehörigkeit dieser Länder zum alten Zarenreich ihnen keinerlei Verpflichtungen auferlegt. Zugleich gibt das ZEK seiner festen Überzeugung Ausdruck, dass erst jetzt, auf dem Boden der Anerkennung der vollen Freiheit der Selbstbestimmung und des Übergangs der Macht an die Arbeiterklasse, ein freies, freiwilliges und unverbrüchliches Bündnis der Werktätigen aller das Territorium des früheren Rissischen Reiches bewohnenden Nationen geschaffen wird“ (Stalin Band 4, Anmerkung Nr. 48, Seite 374).
„Natürlich schläft auch das andere Lager nicht, das Lager der Imperialisten. Seine Agenten jagen durch alle Länder von Finnland bis zum Kaukasus, von Sibirien bis nach Turkestan, versorgen die Konterrevolutionäre, zetteln räuberische Verschwörungen an, organisieren einen Feldzug gegen Sowjetrussland und schmieden Ketten für die Völker des Westens. Aber ist es nicht klar, dass die Imperialistenmeute, die ihre reäuberische Existenz durch Bestechung und Söldnerbanden, durch die Sklaverei und Unwissenheit der sogenannten `Farbigen` in Afrika aufrechterhält, in den Augen der unterdrückten Völker schon jede moralische Geltung verloren hat, dass ihr ein für alle Mal der frühere Nimbus des Bannerträgers der `Zivilisation` und der `Humanität` genommen worden ist?...Aus dem Osten kommt das Licht! Der Westen mit seinen imperialistischen Kannibalen hat sich in einen Herd der Finsternis und der Sklaverei verwandelt. Die Aufgabe besteht darin, diesen Herd zum Glück und zur Freude der Werktätigen aller Länder zu zerschlagen“ (Stalin, Band 4, Seite 159).
„Die Sowjetmacht war sich darüber im Klaren, dass die gewaltsame, von den imperialistischen Bajonetten aufrechterhaltene Einheit Russlands mit dem Sturz des russischen Imperialismuis unvermeidlich zerfallen musste: die Sowjetmacht konnte die Einheit nicht mit den Methoden des russischen Imperialismus aufrechterhalten, ohne Verrat an ihrer innersten Natur zu begehen. Die Sowjetmacht war sich bewusst, dass der Sozialismus nicht jede beliebige Einheit, sondern eine brüderliche Einheit braucht, dass eine solche Einheit nur als freiwilliges Bündnis der werktätigen Klassen der Nationalitäten Russlands zustande kommen kann oder überhaupt nicht zustande kommt...“ (Stalin, Band 4, Seite 200.)
Mit dem Sieg der Oktoberrevolution war nicht mehr Deutschland der ärgste Gegner im ersten Weltkrieg, war nicht mehr der Raubkrieg unter den Imperialisten entscheidend, sondern die größte Gefahr für das gesamte System des Weltkapitalismus wurde der Bolschewismus. Das war auch der Grund, weswegen man dem deutschen Heereskommando gestattete, eine Armee von 100 000 Soldaten und Offizieren zur Niederschlagung der Novemberrevolution in Deutschland sowie die „Sxchwarze Reichswehr“ einzusetzen. Diese sollten Deutschland vor dem Bolschewismus retten. In der ganzen Geschichte des Bolschewismus wurde Deutschland als das wichtigste anti-bolschewistische Bollwerk betrachtet. Bis zum Ende des Kalten Krieges war Deutschland das größte und gefährlichste Waffenlager der Welt, standen sich dort die beiden Supermächte säbelrasselnd gegenüber, ständig in Alarmbereitschaft, einen 3. Weltkrieg zu führen und Deutschland als erstes Schlachtfeld zu betrachten. Germans to the front – the front to Germany! Die deutschen Imperialisten haben diese Widersprüche ebenfalls für ihre eigenen Raubinteressen gut genutzt.
Der Erste Weltkrieg hatte den Proletariern der kriegführenden Länder die abscheulichen Eiterbeulen in ihren sozialistischen Parteien offengelegt und deren unerträglichen Leichengeruch der II. Internationale verbreitet. Die Komintern entstand infolge des Zusammenbruchs des Opportunismus. Was aber passierte mit der Komintern im Zweiten Weltkrieg? Sie löste sich auf, bevor der Opportunismus zusammengebrochen war. Und es verging über ein halbes Jahrhundert bis sich im Jahre 2000 nach dem Zusammenbruch des Revisionismus die neue Kommunistische Internationale / Marxisten-Leninisten gründete, die den Verrat auf dem VII. Weltkongresses der Komintern aufdeckte und den anti-revisionistischen Kampf der Komintern auf korrekten marxistisch-leninistischen Grundlagen fortsetzen konnte.
Hier eine kritische Bemerkung zur Linie des VII. Weltkongresses in der Frage von Krieg und Frieden (Bezugnahme auf die von Togliatti eingebrachte Resolution) - hier als Zitat aus der Generallinie der Komintern/ML entnommen:
Zur Kritik an der rechtsabweichlerischen Resolution des VII. Weltkongresses gegen den imperialistischen Krieg
„Auch in der Haltung zur revolutionären Lösung der Frage des imperialistischen Krieges verliess der VII. Weltkongress mit seinem neuen Kurs den Weg der Oktoberrevolution, den alle anderen Weltkongresse stets wie durch einen roten Faden verband. Wenn man sich also die Beschlüsse des VII. Weltkongresses zum 2. Weltkrieg genauer ansieht - also insbesondere die maßgebliche, und von allen beschlossene Resolution von Togliatti - dann wird man leicht feststellen, dass die Stoßrichtung nicht mehr die Revolution ist wie Lenin sie in Verbindung mit dem imperialistischen Krieg definiert hatte, obwohl Togliatti sich frech auf die Beschlüsse des VI. Weltkongresses ausdrücklich »berief«. Togliatti formuliert sehr vorsichtig -, »dass die Kommunisten mit allen Kräften bestrebt sind, die Vorbereitung und Entfesselung eines neuen Krieges zu erschweren« (Protokoll des VII. Weltkongresses, Bd. II, Seite 1003, dt. Ausgabe). Für den äußersten Notfall wird den faschistischen Kriegstreibern zwar mit dem Sturz des Kapitalismus und Bürgerkrieg gedroht und zwar mit der Sowjetunion, aber dass der imperialistische Krieg die Bedingungen für die sozialistische Revolution, für die Weltrevolution schafft, dass wir Kommunisten ausdrücklich verpflichtet sind, mit dem imperialistischen Krieg die Weltrevolutionsfrage praktisch zu verbinden, dass es um die Diktatur des Proletariats und den Aufbau des Sozialismus geht, um die Unvermeidbarkeit des Imperialismus zu beseitigen, dass auf diesem Wege die Oktoberrevolution endgültig siegen wird, und dass man auf diesem vorgezeichneten Weg von Lenin vorwärts schreiten muss, davon steht in der Resolution des VII. Weltkongresses überhaupt nichts mehr, über Lenin hat sich der VII. Weltkongress hinweggesetzt:
»Die Opportunisten haben sich hinweggesetzt über die Beschlüsse des Stuttgarter, des Kopenhagener und des Baseler Kongresses, die die Sozialisten aller Länder verpflichteten, den Chauvinismus unter allen Umständen zu bekämpfen, die die Sozialisten verpflichteten, jeden von der Bourgeoisie und den Regierungen begonnenen Krieg mit verstärkter Propagierung des Bürgerkriegs und der sozialen Revolution zu beantworten. Der Zusammenbruch der II. Internationale (und hier kann man durchaus auch in Richtung III. Internationale den vergleichbaren Charakter der rechten Abweichung des VII. Weltkongresses heranziehen - die Red.) ist der Zusammenbruch des Opportunismus, der auf dem Boden der besonderen Verhältnisse in der abgelaufenen (der sogenannten `friedlichen` ) geschichtlichen Epoche hochgezüchtet worden und in den letzten Jahren zur faktischen Herrschaft in der Internationale gelangt war. Die Opportunisten haben den Zusammenbruch seit langem vorbereitet, indem sie die sozialistische Revolution verneinten und sie durch den bürgerlichen Reformismus (sozialistischen Reformismus - die Red.) ersetzten; indem sie den Klassenkampf und seinen zu bestimmten Zeitpunkten notwendigen Umschlag in den Bürgerkrieg leugneten und die Zusammenarbeit der Klassen predigten, (...) anstatt dass die Proletarier aller Länder gegen die Bourgeoisie aller Länder einen revolutionären Krieg führen müssen...« ( beim VII. Weltkongress alles unter dem Vorwand der bürgerlichen These vom »endgültigen Sieg« des Sozialismus in der Sowjetunion - die Red.)
»Die Umwandlung des gegenwärtigen imperialistischen Krieges in den Bürgerkrieg ist die einzig richtige Losung (...) Es lebe die vom Opportunismus befreite proletarische Internationale!« (Lenin, Bd. 21, Seite 11-21, dt. Ausgabe).
»Der Krieg ist durch die herrschenden Klassen verursacht worden, und nur die Revolution der Arbeiterklasse wird ihn beenden« (Lenin, »Krieg und Revolution«, Bd. 24, Seite 420, dt. Ausgabe). Nichts von alledem in den Beschlüssen des VII. Weltkongresses!
Dimitroff bezeichnete die Befürchtung, »dass angeblich gerade die Parteien der Volksfront und die für den Frieden eintretenden Staaten zum Bürgerkrieg und zu kriegerischen Verwicklungen führen« als »Provokationen der Faschisten« (Dimitroff, Bd. 3, Seite 49, dt. Ausgabe). Lenins These, dass die kommunistischen Parteien mit zwingender Notwendigkeit alles für den Bürgerkrieg tun müssen, um mit der Beendigung des Krieges die Diktatur des Proletariats errichten zu können, hielt Dimitroff also für eine »faschistische Provokation«, damit die Pazifisten nicht vom Kommunismus abgeschreckt werden sollten. Genau das Gegenteil schrieb Dimitroff 1941 in seinem Artikel »Zum siebzigsten Jahrestag der Pariser Kommune«, worin die Hauptursache der Niederlage der Kommune bestand:
»Um nicht beschuldigt zu werden, den Bürgerkrieg entfesselt zu haben, haben die Kommunarden nicht sofort eine durchgreifende militärische Offensive gegen die Reaktion von Versailles begonnen« (Dimitroff, Bd. 3, Seite 213, dt. Ausgabe). Also alles, was der Bourgeoisie historisch nicht mehr gefährlich werden kann, wird in der Pariser Kommune korrekt marxistisch dargestellt, wenn es aber um die aktuelle und akute Gefahr der Bourgeoisie geht, dass das Proletariat gegen den imperialistischen Krieg zum Bürgerkrieg greifen muss, um die Herrschaft der Bourgeoisie mit Waffengewalt niederzuringen, dann wird das als »faschistische Provokation« weit von sich gewiesen - wodurch unterscheidet sich so eine Haltung noch wesentlich von der Haltung Kautskys? Kautsky vertrat mit seinem Sozialchauvinismus den Verzicht auf den Bürgerkrieg des Proletariats gegen die Bourgeoisie im eigenen Land. Der VII. Weltkongress beschloss ebenfalls diesen Verzicht, wenn auch in versteckter Form, weil die Sowjetunion »günstige Bedingungen« geschaffen hätte, das Problem auf ihre Art zu lösen. Beides läuft im Wesen auf Sozialchauvinismus hinaus, nur dass der VII. Weltkongress vorgab, eine »bolschewistische« Linie zu vertreten. Ein schöner »Bolschewismus«, ein bürgerlicher Bolschewismus.
Damit waren die beiden wichtigsten Eckpfeiler des VII. Weltkongresses - also der Kampf gegen den Faschismus und der Kampf gegen den imperialistischen Krieg - rissig, wackelig und völlig unbrauchbar für den Kommunismus geworden. Der Sowjetunion wird in Togliattis Resolution ebenfalls der »endgültige Sieg des Sozialismus« bescheinigt, und somit stellte der VII. Weltkongress für die Sowjetunion nur noch »friedensstiftende« Aufgaben. Stalin widerlegte später die falsche Anschauung Togliattis auf dem VII. Weltkongress:
»Manche Genossen behaupten, kraft der Entwicklung der neuen internationalen Beziehungen nach dem zweiten Weltkrieg hätten die Kriege zwischen den kapitalistischen Ländern aufgehört, unvermeidlich zu sein. Sie sind der Ansicht, dass die Gegensätze zwischen dem Lager des Sozialismus und dem Lager des Kapitalismus stärker sind als die Gegensätze zwischen den kapitalistischen Ländern. (...) Folglich erwies sich der Kampf der kapitalistischen Länder um die M