»Endgültiger« Sieg des Sozialismus in einem Lande?
Schlüsselkritik am VII. Weltkongress
Kommen wir nun zu einer der Schlüsselkritiken am VII. Weltkongress, die wir auch für ausschlaggebend für das Scheitern der Komintern halten, und die das Ende des Sozialismus in der ersten Phase seiner historischen Entwicklung bedeutete. Dieser folgenschwere Fehler war die Fehleinschätzung des Sozialismus in der Sowjetunion und damit auch die Abkehr der Komintern von der Weltrevolution. Dieser Fehler ist unseres Erachtens der Hauptfehler der rechten Abweichung des VII. Weltkongresses, woraus sich alle übrigen Fehler ergeben, also auch der Fehler der rechten Abweichung in der Einheitsfronttaktik gegenüber Krieg und Faschismus. Es handelt sich um dessen Haltung zum »endgültigen Sieg des Sozialismus in der Sowjetunion«.
Die Resolution zum Referat Dimitroffs vertritt gleich am Anfang diese falsche Ausgangsthese, nach der die Aufgabe der internationalen Arbeiterbewegung bestimmt wurde: unter Punkt I, a definiert der VII. Weltkongress den
»endgültigen, unwiderruflichen Sieg des Sozialismus im Lande der Sowjetunion« (Protokoll des VII. Weltkongress der Komintern, Seite 984, dt. Ausgabe).
In Gegenüberstellung Stalins Zitat:
»(...) das verpflichtet uns, besser zu arbeiten und besser zu kämpfen für den endgültigen Sieg des Sozialismus in unserem Lande, für den Sieg des Sozialismus in allen Ländern« (Stalin, Bd. 13, Seite 336, dt. Ausgabe)
Dimitroff/VII. Weltkongress= endgültiger Sieg in einem Land, keine sozialistische Revolution mehr auf der ganzen Welt notwendig, kein Kampf mehr für den Sozialismus in allen Ländern; Stalin= kämpfen für den Sieg in allen Ländern=kämpfen für den endgültigen Sieg in einem Land.
Stalin zieht folgende drei Schlussfolgerungen gegenüber diesem falschen Standpunkt des VII. Weltkongresses:
»`Für uns ist jetzt alles ein Kinderspiel`, `Wir werden mit jedermann leicht fertig` usw. (...) Es gibt nichts Gefährlicheres als solche Stimmungen, denn sie entwaffnen die Partei und demobilisieren ihre Reihen. Wenn solche Stimmungen in unserer Partei überhandnehmen, so können wir der Gefahr gegenüberstehen, dass alle unsere Erfolge zunichte gemacht werden« (Stalin, Bd. 13, »Rechenschaftsbericht an den XVII. Parteitag«, Seite 333, dt. Ausgabe).
Das ist der liquidatorische Standpunkt, den sich die rechten Abweichler des VII. Weltkongresses zunutze machten, indem sie verdeckt vorgingen. Die Komintern nicht einschläfern zu lassen, die Wachsamkeit erhöhen, den Zustand der Kampfbereitschaft aufrechterhalten, nicht Entwaffnung, sondern Bewaffnung, nicht Demobilisierung, sondern Mobilisierung. Die Rechten vertreten den einen, die Marxisten-Leninisten den anderen Standpunkt. Der Trick der rechten Abweichung bestand eben darin, ihre wahren Ziele hinter revolutionären Phrasen zu verbergen, die sie angeblich »bekämpften«. Sie bedienten sich der euphorischen Stimmungen, um die Massenmobilisierung für die Revolution in eine Massenmobilisierung für den Kapitalismus zu verwandeln, indem die revolutionären Losungen zur Feigenblattfunktion verkamen.
»Sich nicht von den erzielten Erfolgen hinreißen lassen und nicht überheblich werden (...) Eine richtige Linie haben und sie durchzuführen verstehen - das ist eine große Seltenheit im Leben regierender Parteien (...) Eigentlich gibt es solche Parteien jetzt nirgends auf der Welt (...) Nur unsere Partei weiß, welchem Ziel sie zusteuert, und führt ihre Sache erfolgreich vorwärts, (weil) sie eine marxistische, eine leninistische Partei ist (...) Es kann kein Zweifel darüber bestehen, dass wir, solange wir dieser Lehre treu bleiben, solange wir diesen Kompass besitzen, Erfolge in unserer Arbeit haben werden« (Stalin, ebenda, Seite 334).
Das hat Stalin nicht so daher gesagt. Es bestand ernsthafte Sorge, dass die rechte Abweichung diesem Kompass untreu zu werden gedachte. Soviel zur Verbrüderung der marxistisch-leninistischen Partei mit der regierenden sozialdemokratischen Partei! Und als Konsequenz dieser Abweichung auf den heutigen Tag bezogen sagte Stalin dabei noch etwas sehr Wichtiges, was wir nach dem Niedergang des Sozialismus niemals vergessen dürfen und was auch Stalins Antwort auf die rechte Abweichung auf dem VII. Weltkongress vorwegnahm:
»Die bürgerlichen Regierungen kamen und gingen, der Marxismus aber ist geblieben (...) in einem Lande errungen, in dem man den Marxismus für endgültig vernichtet hielt« (Stalin, ebenda, Seite 335).
Diejenigen aber, die den Sieg des Sozialismus in einem Land für »endgültig« hielten, sind die ideologischen Zwillingsbrüder denjenigen, die den Sieg des Sozialismus in einem Lande für »vernichtet« bzw. für »unmöglich« hielten.
Und dass Stalin dies zwar so nicht gesagt, aber indirekt gemeint hat, zeigt die zweite Schlussfolgerung gegenüber dem Standpunkt des VII. Weltkongresses, woraus ein sehr ernster Ton herauszuhören ist, ja etwas sehr Eindringliches herausklingt. Es handelt sich hierbei gleichzeitig um die allerletzte Stalin´sche Stellungnahme, bevor die Sowjetrevisionisten die Veröffentlichung seine Werke mit Band 13 abrupt beendeten. Daher messen wir ihr bezogen auf den VII. Weltkongress eine sehr große Bedeutung für die Strategie und Taktik der Weltrevolution bei, insbesondere in der Phase des Faschismus:
»Daraus ergibt sich die zweite Schlussfolgerung:
Bis zum letzten treu bleiben dem großen Banner von Marx, Engels, Lenin. Die Stärke der Arbeiterklasse der UdSSR besteht nicht nur darin, dass sie von den Millionenmassen der werktätigen Bauern unterstützt wird. Ihre Stärke besteht auch noch darin, dass das Weltproletariat sie unterstützt und ihr hilft. Die Arbeiterklasse der UdSSR ist ein Teil des Weltproletariats, seine Vorhut, und unsere Republik ist eine Schöpfung des Weltproletariats. Es kann kein Zweifel darüber bestehen: Wenn sie nicht die Unterstützung der Arbeiterklasse der kapitalistischen Länder gehabt hätte, dann hätte sie nicht die Macht behauptet, dann hätte sie nicht die Bedingungen für den sozialistischen Aufbau schaffen können - sie hätte also nicht die Erfolge aufzuweisen, die sie jetzt aufzuweisen hat. Die internationalen Verbindungen der Arbeiterklasse der UdSSR mit den Arbeitern der kapitalistischen Länder, das brüderliche Bündnis der Arbeiter der UdSSR mit den Arbeitern aller Länder - das ist einer der Grundpfeiler der Stärke und Macht der Republik der Sowjets. Die Arbeiter im Westen sagen, dass die Arbeiterklasse der UdSSR die Stoßbrigade des Weltproletariats ist. Das ist sehr gut. Das bedeutet, dass das Weltproletariat auch in Zukunft bereit ist, die Arbeiterklasse der UdSSR nach Kräften und Möglichkeiten zu unterstützen. Aber das erlegt große Pflichten auf. Das bedeutet, dass wir durch unsere Arbeit den Ehrennamen der Stoßbrigade der Proletarier aller Länder rechtfertigen müssen. Das verpflichtet uns, besser zu arbeiten und besser zu kämpfen für den ENDGÜLTIGEN SIEG DES SOZIALISMUS in UNSEREM Land, für den SIEG DES SOZIALISMUS in ALLEN Ländern (hervorgehoben von uns - Red.).
Daraus ergibt sich die dritte Schlussfolgerung:
Bis zum letzten treu bleiben der Sache des proletarischen Internationalismus, der Sache des brüderlichen Bundes der Proletarier aller Länder. Das sind die Schlussfolgerungen. Es lebe das große und unbesiegbare Banner von Marx, Engels, Lenin!« (Stalin, ebenda, Seite 335-336), dt. Ausgabe).
Diesen weltrevolutionären Standpunkt Stalins sucht man bei den rechten Abweichlern des VII. Weltkongresses vergeblich.
Lenin und Stalin haben in vielen Zitaten und vielen Kämpfen gegen den Opportunismus diese falsche These bekämpft, denn die Sowjetunion steht und fällt mit der Weltrevolution. Die Weltrevolution voranzutreiben und den Sieg des Sozialismus in der Sowjetunion durch verschärften Klassenkampf gegen die inneren und äußeren Feinde zu verteidigen,das war eigentlich immer die Generallinie der Komintern gewesen. Diese These vom »endgültigen, unwiderruflichen Sieg« ist historisch beantwortet und seit dem XX. Parteitag der KPdSU auch unwiderruflich falsch, und die Revisionisten in der ganzen Welt halfen den Revisionisten in der Sowjetunion, den Sozialismus zu Grabe tragen. Wer die Notwendigkeit der Weltrevolution leugnet, um den Sozialismus in der Sowjetunion endgültig zu sichern, ist kein Vertreter der marxistisch-leninistischen Lehre vom »Sozialismus in einem Lande« und auch kein Vertreter der marxistisch-leninistischen Lehre von der Weltrevolution. Die These der Resolution des VII. Weltkongresses zum Referat Dimitroffs ist also kapitulantenhaft und liquidatorisch, ja sie ist sogar in gewisser Weise sektiererisch weil sie davon ausgeht, dass jeder selber den endgültigen Sieg des Sozialismus erreichen kann ohne die Weltrevolution, ohne das internationale Proletariat, ohne die antifaschistische Einheitsfront des Proletariats, ohne den VII. Weltkongress, ohne die Komintern, ohne die Kommunistischen Parteien. Nie hat die Komintern jemals eine solch falsche anti-marxistische These vertreten wie diese. Durch diese folgenschwere falsche These wird die Aufgabe der internationalen Arbeiterbewegung in die völlig falsche Richtung gelenkt, die zur Isolierung Schwächung und Liquidierung der Sowjetunion führte. Die Aufgabe des endgültigen Sieges des Sozialismus in einem Land ist gemäß dieser These des VII. Weltkongresses »gelöst«, und es bedarf nicht mehr der Hilfe des internationalen Proletariats, die jedoch umgekehrt nach Auffassung Lenins und Stalins »jene Kraft ist, ohne die die Aufgabe des endgültigen Sieges des Sozialismus in einem Lande nicht gelöst werden kann«.
Das nämlich hat Stalin in folgendem Zitat geäußert:
An die Adresse solche Kräfte gerichtet, die großprahlerisch und selbsttrügerisch behaupteten, man habe bereits die »volle Garantie gegen die Intervention und die Restaurierung des Kapitalismus« erreicht, gab Stalin am 12. 2. 1938 in einer Antwort an Genossen I. I. Filippowitsch einen bemerkenswerten Hinweis auf die bekannte Resolution der XIV. Konferenz der KPdSU(B):
»Der Leninismus lehrt, dass `der endgültige Sieg des Sozialismus im Sinne der vollen Garantie gegen die Restaurierung der bourgeoisen Beziehungen nur in internationalem Maßstab möglich ist`. Das bedeutet, dass die ernste Hilfe des internationalen Proletariats jene Kraft ist, ohne die die Aufgabe des endgültigen Sieges des Sozialismus in einem Lande nicht gelöst werden kann... Man muss die internationalen proletarischen Beziehungen der Arbeiterklasse der UdSSR mit der Arbeiterklasse der bourgoisen Länder festigen und verstärken. Man muss die politische Hilfe der Arbeiterklasse der bourgeoisen Länder für die Arbeiterklasse unseres Landes für den Fall eines Kriegsüberfalls auf unser Land organisieren, desgleichen wie man jegliche Hilfe der Arbeiterklasse der bourgeoisen Länder organisieren muss.« (Stalin Werke Bd. 14, dt. Ausgabe, Seite 173). Das war die einzig korrekte, revolutionäre Generallinie des Weltproletariats zum damaligen Zeitpunkt. Man vergleiche sie mit der Position des VII. Weltkongresses und wird feststellen, dass sie sich einander ausschließen! Hier verteidigt die Komintern/ML den leninistischen Standpunkt Stalins gegen den Standpunkt Dimitroffs auf dem VII. Weltkongress, der vom Stalin´schen Weg abgewichen ist:
»Was bedeutet die Unmöglichkeit des vollen, endgültigen Sieges des Sozialismus in einem Lande ohne den Sieg der Revolution in anderen Ländern? Das bedeutet die Unmöglichkeit einer vollständigen Garantie gegen die Intervention und folglich auch gegen die Restauration der bürgerlichen Ordnung, wenn die Revolution nicht wenigstens in einer Reihe von Ländern gesiegt hat. Die Verneinung dieses unbestreitbaren Leitsatzes bedeutet Abkehr vom Internationalismus, Abkehr vom Leninismus« (Stalin, »Fragen des Leninismus«, Bd. 8, Seite 59, dt. Ausgabe).
»Endgültiger Sieg des Sozialismus in der Sowjetunion« bedeutet faktisch, dass der Klassenkampf für die Sicherung des Sieges des Sozialismus in der Sowjetunion nicht mehr notwendig sei. Dieser Leugnung des Klassenkampfes halten wir Stalins Worte von 1937 entgegen:
»Es ist notwendig, die faule Theorie zu zerschlagen und beiseite zu werfen, dass der Klassenkampf bei uns mit jedem Schritt unseres Vormarsches mehr und mehr erlöschen müsse, dass der Klassenkampf in dem Maße, wie wir Erfolge erzielen, immer zahmer würde. Das ist nicht nur eine faule Theorie, sondern auch eine gefährliche Theorie, denn sie schläfert unsere Leute ein, lockt sie in die Falle, während sie dem Klassenfeind die Möglichkeit gibt, für den Kampf gegen die Sowjetunion Kräfte zu sammeln« (Aus: »Über die Mängel der Parteiarbeit und die Maßnahmen zur Liquidierung der trotzkistischen und sonstigen Doppelzüngler«).
Allmähliches Absterben des Klassenkampfes im Sozialismus, Vereinigung des Revisionismus mit der Sozialdemokratie, das war das spätere konterrevolutionäre Bündnis im Dienste der Weltbourgeoisie. Die Linie des VII. Weltkongresses führte genau in diese Richtung. Stalin gab auf die Frage des »endgültigen Sieges« bereits ein Jahr vor dem Kongress folgende Antwort:
»Kann man jedoch sagen, dass wir bereits alle Überreste des Kapitalismus in der Wirtschaft überwunden haben? Nein, das kann man nicht sagen. Um so weniger kann man sagen, dass wir die Überreste des Kapitalismus im Bewusstsein der Menschen überwunden haben. Das kann man nicht nur deshalb nicht sagen, weil das Bewusstsein der Menschen in seiner Entwicklung hinter ihrer wirtschaftlichen Lage zurückbleibt, sondern auch deshalb, weil immer noch die kapitalistische Umwelt besteht, die bestrebt ist, die Überreste des Kapitalismus in der Wirtschaft und im Bewusstsein der Menschen in der Sowjetunion zu beleben und aufrechtzuerhalten, und gegen die wir Bolschewiki immer unser Pulver trocken halten müssen« (Stalin, »Fragen des Leninismus«, S.564/565, dt. Ausgabe).
Die »Bolschewiki« des VII. Weltkongresses dachten jedoch gar nicht daran, ihr Pulver trocken zu halten. Anstatt die weltrevolutionäre Windrichtung auf Stalins Kurs auf die internationale Praxis des Klassenkampfes auszurichten und einen Weltsturm zu entfachen, ließen sie von ihrem »Olymp« einen Schauer von Lobhudeleien auf Stalin und die Sowjetunion hinunterprasseln, wurde das bolschewistische Pulver gegen die rechte Abweichung im Weltmaßstab verwässert und somit unbrauchbar gemacht. Eine großartige Speisekarte entwerfen, aber das Weltproletariat und vor allem das sowjetische Proletariat abzukochen und mit einer wässrigen Suppe abzuspeisen, das war das Küchenrezept des VII. Weltköchenkongresses. Als ehemalige Weltköche lebten sie später dann nicht schlecht von der Unterstützung der Sowjetunion, als sie die Komintern schlossen und zurück in ihrem Land die eigenen revisionistischen Küchen öffneten.
»Endgültiger Sieg«, dies ist im Grunde genommen die größte der »revolutionären hohlen Phrase«, gegen die Dimitroff auf dem VII. Weltkongress prinzipiell polemisiert, aber die er selber dort aufgestellt hat und die einstimmig verabschiedet wurde. »Endgültiger Sieg« - das ist vielmehr eine durch und durch revisionistische und reaktionäre Linie. Sie jubelt den Kommunismus in den Himmel, aber übt gerade deswegen Verrat am Weltproletariat, an der Weltrevolution, Verrat an der Oktoberrevolution, Verrat an der Komintern, an der Sowjetunion Lenins und Stalins, Verrat am Marxismus-Leninismus und damit ist das nichts anderes als eine RIESENHILFE für den Weltimperialismus, um mit seinem Antikommunismus in das Bollwerk des Kommunismus vorzudringen und es zu isolieren, eine RIESENHILFE für den Weltimperialismus, sich eines Tages das zurückzuholen, was der Sozialismus ihm genommen hatte, und der Weltimperialismus hat sich alles zurückgeholt mit dem VII. Weltkongress als sein Trojanisches Pferd. Gerade nach dem Sieg des Aufbaus des Sozialismus nimmt der Klassenkampf die schärfsten Formen an. Und nicht das Geringste taugen Kommunisten, die sich und andere täuschen, wenn sie sagen: Der Sozialismus in der Sowjetunion hat »endgültig« gesiegt, also ist die Sache zu Ende. Wie wir gesehen haben, hat sich die Bourgeoisie bislang nicht mit dem Gedanken abgefunden, dass der Sozialismus gesiegt hat, sie hat den Sozialismus vielmehr gestürzt, denn keine gestürzte Klasse wird sich mit dem Sturz abfinden, auch nicht die gestürzte Diktatur des Proletariats! Mit dem Sieg des Sozialismus in einem Lande, fängt der Kampf für den endgültigen Sieg erst an, der Kampf für den Sieg der Weltrevolution.
Das sind starke Beschuldigungen und wir müssen uns bei dieser Frage des »endgültigen Sieges« in Acht nehmen, diese rechte Abweichung nicht zu übertreiben. Damit würden wir nämlich Gefahr laufen, uns mit der »linken« Abweichung zu versöhnen. Diese »linke« Abweichung existierte auch noch zum Zeitpunkt des VII. Weltkongresses als den Trotzkisten der Moskauer Prozess gemacht wurde. Es ist bekannt, dass die Trotzkisten prinzipiell die Unmöglichkeit des Sieges des Sozialismus in einem Land propagierten, weil sie - im Gegensatz zu den rechten Abweichlern, den Kapitalismus nicht unterschätzten, sondern überschätzten. Wir halten es daher für sehr aufschlussreich, hier kurz der rechten Abweichung in der Kardinalfrage des Internationalismus auch die »linke« Abweichung in der Kardinalfrage des Internationalismus gegenüberzustellen, um darzustellen, dass beide Abweichungen- eben nur auf die eine und andere Weise - in der Frage des endgültigen Sieges des Sozialismus in einem Lande gegen den Internationalismus und gegen den Leninismus gerichtet waren.
In der Resolution der XIV. Parteikonferenz »Über die Aufgaben der Komintern und der KPR (B) im Zusammenhang mit dem erweiterten Plenum des EKKI« heißt es:
»Das Bestehen zweier diametral entgegengesetzter gesellschaftlicher Systeme ruft die ständige Gefahr der kapitalistischen Blockade, anderer Formen des ökonomischen Druckes, der bewaffneten Intervention und der Restauration hervor. Die einzige Garantie für den endgültigen Sieg des Sozialismus, das heißt die Garantie gegen die Restauration ist folglich die siegreiche sozialistische Revolution in einer Reihe von Ländern...« »Der Leninismus lehrt, dass der endgültige Sieg des Sozialismus im Sinne der vollständigen Garantie gegen eine Restauration der bürgerlichen Verhältnisse nur im internationalen Maßstab möglich ist...« »Daraus folgt keineswegs, dass die Errichtung der vollendeten sozialistischen Gesellschaft in einem so rückständigen Lande wie Russland ohne `staatliche Hilfe` (Trotzki) der in technischer und ökonomischer Hinsicht entwickelteren Länder unmöglich sei (siehe Resolution« (Resolution zitiert bei Stalin, Bd. 8, Seite 63, dt. Ausgabe).
»Noch vor kurzem haben Kamenew und Sinowjew im Politbüro den Standpunkt vertreten, dass wir infolge unserer technischen und ökonomischen Rückständigkeit nicht imstande wären, mit den inneren Schwierigkeiten fertig zu werden, es sei, denn, dass uns die internationale Revolution rette. Wir aber sind, zusammen mit der Mehrheit des ZK, der Meinung, dass wir den Sozialismus bauen können, dass wir ihn bauen und den Aufbau zu Ende führen werden, ungeachtet unserer technischen Rückständigkeit, und ihr zum Trotz. Wir sind der Meinung, dass dieser Aufbau natürlich viel langsamer vor sich gehen wird, als es bei einem Sieg im Weltmaßstab der Fall wäre, aber dennoch schreiten wir vorwärts und werden vorwärtsschreiten. Ebenso sind wir der Ansicht, dass der Standpunkt Kamenews und Sinowjews den Unglauben an die inneren Kräfte unserer Arbeiterklasse und der ihr folgenden Bauernmassen zum Ausdruck bringt. Wir sind der Ansicht, dass dieser Standpunkt eine Abkehr von der Leninschen Position bedeutet«. (siehe `Antwort` )« (Moskauer Komitee zitiert bei Stalin, Bd. 8, Seite 65, dt. Ausgabe).
Da Sinowjew seinen Unglauben an den Sieg des Sozialismus in einem Lande obendrein noch als »Internationalismus« bemäntelte, stellte Stalin die Frage:
»Wäre es nicht richtiger, dass nicht die Partei, sondern Sinowjew sich hier gegen den Internationalismus und die internationale Revolution versündigt? Denn was ist unser Land, das Land `des Sozialismus im Aufbau` , anderes als die Basis der Weltrevolution. Kann es aber die wirkliche Basis der Weltrevolution sein, wenn es nicht fähig ist, die sozialistische Gesellschaft zu errichten? Kann es das gewaltige Anziehungszentrum für die Arbeiter aller Länder, das es jetzt zweifellos ist, bleiben, wenn es unfähig ist, im eigenen Lande den Sieg über die kapitalistischen Elemente unserer Wirtschaft, den Sieg des sozialistischen Aufbaus zu erringen? Ich glaube, das kann es nicht. Folgt aber daraus nicht, dass der Unglaube an den Sieg des sozialistischen Aufbaus, die Propagierung dieses Unglaubens zur Diskreditierung unseres Landes führt aber zur Schwächung der revolutionären Weltbewegung« (Stalin, Bd. 8, Seite 66, dt. Ausgabe).
Die »linke« Abweichung wurde also jahrelang von der Komintern erfolgreich bekämpft, aber die rechte Abweichung in der kommunistischen Weltbewegung wurde vom VII. Weltkongresses nicht nur nicht konsequent bekämpft, sondern bildete ein Reservoir der rechten Abweichung in der kommunistischen Weltbewegung, das sich natürlich in Moskau verhüllt hatte. Das jedenfalls ist heute noch vielen Genossen unklar, und deswegen ist jede helle Aufregung gegen unsere Vorwürfe zwar im ersten Moment verständlich, aber damit ändert das überhaupt nichts am damaligen falschen Kurs des VII. Weltkongresses. Im Gegenteil, wir dürfen uns mit dieser Feststellung nicht begnügen, sondern müssen Schritt für Schritt weiter an dieser kritischen Front gegen den VII. Weltkongress voranschreiten. Wenn wir die fehler der Bewegung nicht beseitigen, werden wir in Zukunft abermals scheitern. Hierzu gehört auch die kritische Betrachtung der übermäßigen Betonung des nationalen und der mangelhaften Betonung des internationalen Elements des proletarischen Internationalismus. Nationalismus kann man nur durch Internationalismus überwinden, deswegen ist das unser programmatischer, strategischer und taktischer Schwerpunkt in unserer gesamten Arbeit. Es wird aber meistens nur von der nationalen Frage gesprochen. Gegen die Behandlung der nationalen Frage ist eigentlich nichts einzuwenden, aber meistens fehlt der Bezug zur übergeordneten internationalen Frage. Diese wird häufig noch nicht einmal als eigenständige Frage gestellt, sondern lediglich als »Abfallprodukt« der nationalen Frage - das beobachten wir auch schon lange innerhalb der marxistisch-leninistischen Weltbewegung. Wir versuchten daher die Aufmerksamkeit auf die internationale Frage zu lenken und fanden dafür erstaunlich wenig Widerhall und das ist symptomatisch für das gegenwärtige Unverständnis gegenüber der zentralsten aller Fragen - der Frage der Weltrevolution. Wenn die Marxisten-Leninisten der internationalen Frage mindestens genauso viel Zuwendung geschenkt hätten wie der nationalen Frage, dann würden wir mit der Organisierung des internationalen Marxismus-Leninismus nicht mehr Jahrzehnte zurück hinken. Und man muss sich ernsthaft nach den Ursachen und Wurzeln dieser Schwäche des weltrevolutionären Bewusstseins innerhalb der marxistisch-leninistischen Weltbewegung fragen. Und die Wurzeln und Ursachen liegen unverkennbar im Revisionismus. Im Kampf gegen den Revisionismus kam die internationale Frage immer schlechter weg als die nationale Frage, wurde der Revisionismus zwar in der richtigen Richtung bekämpft, aber nicht immer konsequent genug mit der Frage unserer internationalen Ziele und deren Umsetzung verbunden. Vor allem wurde der VII. Weltkongress unkritisch verteidigt und nicht konsequent nach seinen Fehlern analysiert. Die falsche Weichenstellung wurde unserer Meinung nach aber gerade auf dem VII. Weltkongress vorgenommen, indem man hinter dem »endgültigen Sieg« einen Punkt setzte und damit der alten Strategie und Taktik der Weltrevolution, die die Komintern bislang korrekt entwickelte, das Wasser abgrub. Dieser rote Faden lässt sich bis auf den heutigen Tag verfolgen.
Der »endgültige Sieg« bedeutet im Grunde genommen eine Vergewaltigung der Weltrevolution zu einem nationalen Akt, und so begünstigte die rechte Abweichung zwangsläufig den lokalen Nationalismus (Sozialnationalismus), nachdem man den »endgültigen« Sieg des Sozialismus in einem Land proklamiert hatte. Als die faschistischen Besatzer in Osteuropa vertrieben wurden, strebten die ablebenden Klassen in den osteuropäischen Ländern unter dem Schutzschild der Sowjetunion danach, ihre verlorenen Privilegien wiederzuerlangen. Die rechte Abweichung zum lokalen Nationalismus unter der Fahne der Freundschaft mit der Sowjetunion kultivierte das Bestreben in den osteuropäischen Ländern, sich zu einem eigenen bürgerlichen Nationalstaat von der Sowjetunion abzusondern und dort die eigene Klassenherrschaft zu errichten, die Sowjetunion zu verraten und zu schwächen, mit den westlichen Imperialisten zusammenzuarbeiten und nach deren Diktat von Stalin, vom Marxismus-Leninismus abzuschwören: Tito vorneweg, aber ihm folgten früher oder später alle anderen auf die eine oder andere Weise.
Zum Wesen der Abweichung zum lokalen Nationalismus sagte Stalin in seinem Politischen Rechenschaftsbericht an den XVI. Parteitag am 27. Juni 1930:
»Das Wesen der Abweichung zum lokalen Nationalismus besteht in dem Bestreben, sich abzusondern und sich im eigenen nationalen Schneckenhaus abzukapseln, in dem Bestreben, die Klassengegensätze innerhalb der eigenen Nation zu vertuschen, in dem Bestreben, sich vor dem großrussischen Chauvinismus durch die Abkehr vom gemeinsamen Strom des sozialistischen Aufbaus zu schützen, in dem Bestreben, nicht zu sehen, was die werktätigen Massen der Nationen der UdSSR einander näher bringt und vereinigt, und nur das zu sehen, was geeignet ist, sie voneinander zu entfernen« (Stalin, Bd. 12, Seite 324, dt. Ausgabe).
Wir sind also heute der Meinung, dass diese Abkehr im Sinne des lokalen Nationalismus auch auf die osteuropäischen Staaten der Volksdemokratien von der Sowjetunion zutraf und bereits aus der falschen These des VII. Weltkongresses vom »endgültigen« Sieg des Sozialismus in der Sowjetunion resultierte. Wobei das nur für die Zeit der Sowjetunion Lenins und Stalins zutrifft, denn mit der Lostrennung von der Herrschaft der Sowjetunion zu Beginn der Ära Chruschtschows und Breschnews nahm die Sache einen anderen Verlauf, vor allem, wenn wir uns an die Tschechoslowakei des Jahres 1968 erinnern und auch an den großrussischen Sozialchauvinismus der revisionistischen Kremlzaren gegenüber den Sowjetvölkern. Auch hier spielte die These vom endgültigen Sieg des Sozialismus eine wichtige Rolle für die spätere Entstehung des Sozialchauvinismus in der revisionistisch entarteten Sowjetunion und die Entwicklung des sowjetischen Sozialimperialismus.
Nehmen wir an , der VII. Weltkongresses würde heute stattfinden und wir würden uns dort alle treffen in Moskau. Wir würden Dimitroff aus dem Konferenzsaal holen und auf die Strasse schicken: Ja, Genosse Dimitroff, sieh genau hin, so sieht heute dein »endgültiger Sieg des Sozialismus in der Sowjetunion« aus! Die Freundschaft zur Sowjetunion als Kriterium des proletarischen Internationalismus predigen, aber den »endgültigen« Sieg des Sozialismus beschließen, das ist es, was die Sowjetunion in eine ausweglose Lage brachte, und die Restauration des Kapitalismus erleichterte. Die Komintern hatte bis zum VII. Weltkongress den Sieg des Sozialismus in der Sowjetunion als ein unabdingbares Kettenglied betrachtet, um den Sieg der Werktätigen in der ganzen Welt über das Kapital zu erleichtern, weil es nach Lenin die Aufgabe der siegreichen Revolution ist, all das zu tun, was einem Land überhaupt möglich ist, um die Revolution in anderen Ländern zu entwickeln, zu unterstützen und zu wecken. Wer diesen Weg der Sowjetunion als Basis der Weltrevolution verlässt, begibt sich - ob er nun will oder nicht - auf den Weg, die Ideale der Oktoberrevolution zu verraten und die Sowjetunion in eine Basis eines der gefährlichsten internationalen Zentren der Konterrevolution zu verwandeln. Und so kam es denn ja auch, wie es kommen musste.
Die Errichtung der Diktatur des Proletariats in weiteren Ländern, und schließlich in allen Ländern, das ist es, was die Komintern bislang auf allen Weltkongressen auf ihre Fahne geschrieben hatte. Die Weltrevolution muss zur Hilfe eilen, sonst bedeutet das das Ende der Oktoberrevolution, das Ende des Sozialismus überhaupt - das ist das Vermächtnis, welches uns Lenin und Stalin hinterlassen haben - und das durch den »endgültigen Sieg« in einem sozialistischen Land unmöglich gemacht wird, solange es wie die Sowjetunion noch allein auf der Welt stand. Und daran müssen wir in Zukunft nicht nur immer denken, sondern daran muss man den internationalistischen Charakter der Generallinie der Komintern/ML messen, daran muss man nicht nur die fortzusetzende Freundschaft zur Sowjetunion Lenins und Stalins, daran muss man nicht nur die fortzusetzende Freundschaft zum sozialistischen Albanien des Genossen Enver Hoxha , daran muss man die ganze Ernsthaftigkeit unseres Bestrebens messen, durch die weltrevolutionäre Linie den Sozialismus »in einem Lande«, den Sozialismus in jedem Lande anzustreben, zu verwirklichen und schließlich als endgültigen Sieg zu garantieren. Jede Haltung, jede Erscheinung, die auch nur im geringsten den proletarischen Internationalismus verletzt, und das tut die These des VII. Weltkongresses, bahnt den Weg zum Aufblühen des Revisionismus, fügt sowohl der Sache des Sozialismus »in einem Lande« als auch dem Sozialismus »in allen Ländern« schweren Schaden zu. Nur unter der ungeteilten Führung der Kommunistischen Internationale kann die Sache des Weltproletariats, kann die Sache der Weltrevolution während der ganzen historischen Periode des Übergangs vom Weltimperialismus zum Weltkommunismus erhalten, gefestigt und vervollkommnet werden:
»Ich kann mir nicht vorstellen«, sagte Stalin, »dass die Interessen unserer Republik nicht ein Höchstmaß an revolutionärem Elan und politischer Aktivität der Arbeiter des Westens, sondern eine Herabsetzung dieser Aktivität, ein Dämpfer des revolutionären Elans fördern könnten« (Stalin, Bd. 8, Seite 97, »Rede in der deutschen Kommission des erweiterten Plenums der EKKI«, dt. Ausgabe).
Zur Resolution des VII. Weltkongresses gegen den imperialistischen Krieg
Auch in der Haltung zur revolutionären Lösung der Frage des imperialistischen Krieges verliess der VII. Weltkongress mit seinem neuen Kurs den Weg der Oktoberrevolution, den alle anderen Weltkongresse stets wie durch einen roten Faden verband. Wenn man sich also die Beschlüsse des VII. Weltkongresses zum 2. Weltkrieg genauer ansieht - also insbesondere die maßgebliche, und von allen beschlossene Resolution von Togliatti - dann wird man leicht feststellen, dass die Stoßrichtung nicht mehr die Revolution ist wie Lenin sie in Verbindung mit dem imperialistischen Krieg definiert hatte, obwohl Togliatti sich frech auf die Beschlüsse des VI. Weltkongresses ausdrücklich »berief«. Togliatti formuliert sehr vorsichtig -, »dass die Kommunisten mit allen Kräften bestrebt sind, die Vorbereitung und Entfesselung eines neuen Krieges zu erschweren« (Protokoll des VII. Weltkongresses, Bd. II, Seite 1003, dt. Ausgabe). Für den äußersten Notfall wird den faschistischen Kriegstreibern zwar mit dem Sturz des Kapitalismus und Bürgerkrieg gedroht und zwar mit der Sowjetunion, aber dass der imperialistische Krieg die Bedingungen für die sozialistische Revolution, für die Weltrevolution schafft, dass wir Kommunisten ausdrücklich verpflichtet sind, mit dem imperialistischen Krieg die Weltrevolutionsfrage praktisch zu verbinden, dass es um die Diktatur des Proletariats und den Aufbau des Sozialismus geht, um die Unvermeidbarkeit des Imperialismus zu beseitigen, dass auf diesem Wege die Oktoberrevolution endgültig siegen wird, und dass man auf diesem vorgezeichneten Weg von Lenin vorwärts schreiten muss, davon steht in der Resolution des VII. Weltkongresses überhaupt nichts mehr, über Lenin hat sich der VII. Weltkongress hinweggesetzt:
»Die Opportunisten haben sich hinweggesetzt über die Beschlüsse des Stuttgarter, des Kopenhagener und des Baseler Kongresses, die die Sozialisten aller Länder verpflichteten, den Chauvinismus unter allen Umständen zu bekämpfen, die die Sozialisten verpflichteten, jeden von der Bourgeoisie und den Regierungen begonnenen Krieg mit verstärkter Propagierung des Bürgerkriegs und der sozialen Revolution zu beantworten. Der Zusammenbruch der II. Internationale (und hier kann man durchaus auch in Richtung III. Internationale den vergleichbaren Charakter der rechten Abweichung des VII. Weltkongresses heranziehen - die Red.) ist der Zusammenbruch des Opportunismus, der auf dem Boden der besonderen Verhältnisse in der abgelaufenen (der sogenannten `friedlichen` ) geschichtlichen Epoche hochgezüchtet worden und in den letzten Jahren zur faktischen Herrschaft in der Internationale gelangt war. Die Opportunisten haben den Zusammenbruch seit langem vorbereitet, indem sie die sozialistische Revolution verneinten und sie durch den bürgerlichen Reformismus (sozialistischen Reformismus - die Red.) ersetzten; indem sie den Klassenkampf und seinen zu bestimmten Zeitpunkten notwendigen Umschlag in den Bürgerkrieg leugneten und die Zusammenarbeit der Klassen predigten, (...) anstatt dass die Proletarier aller Länder gegen die Bourgeoisie aller Länder einen revolutionären Krieg führen müssen...« ( beim VII. Weltkongress alles unter dem Vorwand der bürgerlichen These vom »endgültigen Sieg« des Sozialismus in der Sowjetunion - die Red.)
»Die Umwandlung des gegenwärtigen imperialistischen Krieges in den Bürgerkrieg ist die einzig richtige Losung (...) Es lebe die vom Opportunismus befreite proletarische Internationale!« (Lenin, Bd. 21, Seite 11-21, dt. Ausgabe).
»Der Krieg ist durch die herrschenden Klassen verursacht worden, und nur die Revolution der Arbeiterklasse wird ihn beenden« (Lenin, »Krieg und Revolution«, Bd. 24, Seite 420, dt. Ausgabe). Nichts von alledem in den Beschlüssen des VII. Weltkongresses!
Dimitroff bezeichnete die Befürchtung, »dass angeblich gerade die Parteien der Volksfront und die für den Frieden eintretenden Staaten zum Bürgerkrieg und zu kriegerischen Verwicklungen führen« als »Provokationen der Faschisten« (Dimitroff, Bd. 3, Seite 49, dt. Ausgabe). Lenins These, dass die kommunistischen Parteien mit zwingender Notwendigkeit alles für den Bürgerkrieg tun müssen, um mit der Beendigung des Krieges die Diktatur des Proletariats errichten zu können, hielt Dimitroff also für eine »faschistische Provokation«, damit die Pazifisten nicht vom Kommunismus abgeschreckt werden sollten. Genau das Gegenteil schrieb Dimitroff 1941 in seinem Artikel »Zum siebzigsten Jahrestag der Pariser Kommune«, worin die Hauptursache der Niederlage der Kommune bestand:
»Um nicht beschuldigt zu werden, den Bürgerkrieg entfesselt zu haben, haben die Kommunarden nicht sofort eine durchgreifende militärische Offensive gegen die Reaktion von Versailles begonnen« (Dimitroff, Bd. 3, Seite 213, dt. Ausgabe). Also alles, was der Bourgeoisie historisch nicht mehr gefährlich werden kann, wird in der Pariser Kommune korrekt marxistisch dargestellt, wenn es aber um die aktuelle und akute Gefahr der Bourgeoisie geht, dass das Proletariat gegen den imperialistischen Krieg zum Bürgerkrieg greifen muss, um die Herrschaft der Bourgeoisie mit Waffengewalt niederzuringen, dann wird das als »faschistische Provokation« weit von sich gewiesen - wodurch unterscheidet sich so eine Haltung noch wesentlich von der Haltung Kautskys? Kautsky vertrat mit seinem Sozialchauvinismus den Verzicht auf den Bürgerkrieg des Proletariats gegen die Bourgeoisie im eigenen Land. Der VII. Weltkongress beschloss ebenfalls diesen Verzicht, wenn auch in versteckter Form, weil die Sowjetunion »günstige Bedingungen« geschaffen hätte, das Problem auf ihre Art zu lösen. Beides läuft im Wesen auf Sozialchauvinismus hinaus, nur dass der VII. Weltkongress vorgab, eine »bolschewistische« Linie zu vertreten. Ein schöner »Bolschewismus«, ein bürgerlicher Bolschewismus.
Damit waren die beiden wichtigsten Eckpfeiler des VII. Weltkongresses - also der Kampf gegen den Faschismus und der Kampf gegen den imperialistischen Krieg - rissig, wackelig und völlig unbrauchbar für den Kommunismus geworden. Der Sowjetunion wird in Togliattis Resolution ebenfalls der »endgültige Sieg des Sozialismus« bescheinigt, und somit stellte der VII. Weltkongress für die Sowjetunion nur noch »friedensstiftende« Aufgaben. Stalin widerlegte später die falsche Anschauung Togliattis auf dem VII. Weltkongress:
»Manche Genossen behaupten, kraft der Entwicklung der neuen internationalen Beziehungen nach dem zweiten Weltkrieg hätten die Kriege zwischen den kapitalistischen Ländern aufgehört, unvermeidlich zu sein. Sie sind der Ansicht, dass die Gegensätze zwischen dem Lager des Sozialismus und dem Lager des Kapitalismus stärker sind als die Gegensätze zwischen den kapitalistischen Ländern. (...) Folglich erwies sich der Kampf der kapitalistischen Länder um die Märkte und der Wunsch, ihre Konkurrenz zu ersäufen, praktisch als stärker denn die Gegensätze zwischen dem Lager des Kapitalismus und dem Lager des Sozialismus« (Stalin, »Die ökonomischen Probleme des Sozialismus in der UdSSR«, 1952, fremdsprachiger Verlag Moskau, Seite 39, 40, 43, dt. Ausgabe).
Dass die Sowjetunion untergehen muss, wenn nicht die Unvermeidbarkeit der imperialistischen Kriege durch die weltrevolutionäre Vernichtung des Imperialismus beseitigt wird, wenn nicht die sozialistische Revolution in weiteren Ländern siegt, wenn nicht auf revolutionäre Weise ein sozialistisches Lager aufgebaut wird - diese weitreichenden Konsequenzen werden vom VII. Weltkongress verschwiegen, das aber sind die unverzichtbaren Lehren Lenins und Stalins, die man da unter den Tisch fallen gelassen hat. So kommt in der Resolution Togliattis in dem zu führenden Friedenskampf der Sowjetunion weder das Wort »Revolution« noch das Wort »Sozialismus« vor (außerhalb der Sowjetunion)! Keiner Kommunistischen Internationale ist es nach Auffassung der Komintern/ML gestattet, die Frage des imperialistischen Krieges ohne die Frage der Revolution und des Sozialismus zu beantworten. Die Rolle der Sowjetunion ( kraft der »Endgültigkeit des Sieges ihres Sozialismus«) beschränkt sich in der Resolution Togliattis statt dessen tatsächlich nur auf Folgendes:
»sie (die Sowjetunion - die Red.) verteidigt das Leben der Arbeiter aller Länder, das Leben aller Unterdrückten und Ausgebeuteten; sie bedeutet die Verteidigung der nationalen Unabhängigkeit der kleinen Nationen, sie dient den Lebensinteressen der Menschheit, sie schützt die Kultur gegen die Barbarei des Krieges« (Resolution von Togliatti »II. Die Rolle der Sowjetunion im Kampf für den Frieden«, Protokolle des VII. Weltkongresses, Bd. II, Seite 1000, dt. Ausgabe).
Ist das noch die marxistisch-leninistische Linie der Kommunistischen Internationale, wenn Togliatti dem Weltzentrum des Kommunismus solch eine Aufgabe zuschreibt, ohne den revolutionären, kommunistischen Weg festzulegen, den die Sowjetunion gehen muss, um diese Aufgabe zu erfüllen? Wir glauben kaum, dass Lenin und Stalin sich mit solchen nichtssagenden Gemeinplätzen von Resolutionen jemals zufrieden gegeben hätten, wo weder von Verwirklichung der Revolution noch von den Voraussetzungen des Sozialismus die Rede ist. Stalin hat niemals daran gezweifelt, dass ein zweiter Krieg gegen die Sowjetunion zu einer völligen Niederlage der Angreifer, zur Revolution in einer Reihe von Ländern in Europa und Asien und zur Zerschmetterung der Bourgeois - und Gutsbesitzerregierungen in diesen Ländern führen würde,
»Endgültiger Sieg des Sozialismus über den Kapitalismus« durch den »die Beziehungen zwischen der Sowjetunion und den kapitalistischen Ländern in eine neue Phase eintreten« (ebenda, Seite 1000). Was meint der VII. Weltkongress damit? Eine sowjetische sozialimperialistische Supermacht, die selber imperialistische Kriege geführt hat wie z.B. in Afghanistan? Ja, was hätte denn sonst aus der Resolution anderes herauskommen können? Der VII. Weltkongress hat dafür doch den ideologischen Grundstein geliefert. Togliatti spricht in der Resolution von Staaten, die durch die Friedenspolitik der Sowjetunion angeblich «im gegebenen Moment an der Erhaltung des Friedens interessiert« seien. Seit wann war der Hitlerfaschismus »an der Erhaltung des Friedens interessiert«? Oder wen sonst meinte der VII. Weltkongress? Während des Deutsch-Sowjetischen Nichtangriffs-Vertrages sprach man in der Komintern kaum von den »faschistischen Kriegsbrandstiftern« wie noch in der Resolution des VII. Weltkongresses. Bemerkenswerter Weise sind in den Schriften der Revisionisten gerade sämtliche Dokumente in dieser Zeitspanne völlig verschwunden. Bürgerlichen Quellen zufolge [Wir haben aus dieser Zeit keinerlei Originaldokumente der Komintern] habe der Erzrevisionist und Kominternangehörige Ulbricht am 9. 2. 1940 in der in Stockholm erschienen Komintern-Zeitschrift »Die Welt« die Kommunisten aufgefordert zur Unterstützung Hitlers »gegen den britisch-französischen Kriegsblock (August Hoppe, Darium der Weltrevolution,, 1967, Ilmgau-Verlag, Seite 245, dt. Ausgabe). Auch Dimitroff richtete die Speerspitze gegen die »Aggressoren England und Frankreich« (Dimitroff-Werke, Bd. 3, Seite 166, dt. Ausgabe), so als sei der Hitlerfaschismus durch den »endgültigen Sieg des Sozialismus in der UdSSR« gezähmt worden, würde »die Beziehung zwischen der Sowjetunion und den kapitalistischen Ländern in eine neue Phase treten«. Das hatte katastrophale Auswirkungen auf das Kampfziel Weltrevolution. Diese fällt völlig unter den Tisch und wird der Verteidigung der Sowjetunion untergeordnet, wobei die Klassiker Lenin und Stalin festgestellt haben, dass nur die Weltrevolution die Sowjetunion retten kann. In allen Dokumenten des VII. Weltkongresses wird dieser wichtige Zusammenhang von Zerschlagung des Weltimperialismus und Weltrevolution nirgends hervorgehoben als durchgehend erkennbare generelle Linie, eben weil der VII. Weltkongress diese generelle Linie mit seinem neuen Kurs verlassen hatte. Man muss sich schon sehr bemühen, um irgendwelche Zitate zu finden, die das Gegenteil rechtfertigen könnten. Verteidigung des Weltzentrums kann niemals heissen, die Waffe der Weltrevolution fallen zu lassen - im Gegenteil! Und dies gilt bis zum endgültigen Sieg des Weltsozialismus. Ob Faschismus oder Krieg - für einen Weltkongress der Kommunistischen Internationale kann es niemals darum gehen, die Weltrevolution den Augenblicksproblemen unterzuordnen, oder gar die Weltrevolution von der Tagesordnung zu streichen und auf den Sankt Nimmerleinstag zu verschieben, wie das der VII. Weltkongress letztlich gemacht hat. Die ganze Einheitsfrontpolitik Dimitroffs ist also an das idealistische Postulat vom »endgültigen Sieg des Sozialismus in der Sowjetunion« geknüpft, und ist damit wie ein Kartenhäuschen zusammengefallen. Mit einer neuen Einheitsfrontpolitik, wie sie einst auf dem VII. Weltkongress beschlossen wurde, glaubte die Weltbourgeoisie noch eine letzte Rückfahrkarte in den Kapitalismus in der Hand zu halten, sobald sich ihr Untergang durch den Weltfaschismus ankündigt - aber die Rückfahrkarte ist abgelaufen und von der Komintern/ML für ungültig erklärt worden. Der Untergang der Weltbourgeoisie ist unvermeidlich, und darauf basiert die ganze Strategie und Taktik der proletarischen Weltrevolution - und die ist weder mit dem VII. Weltkongress noch mit der Auflösung der Komintern beendet, sondern Dreh- und Angelpunkt der Generallinie der Komintern/ML!
»Verzicht auf den Klassenstandpunkt und den Klassenkampf aus Furcht, die `breiten Massen der Bevölkerung` (lies: das Kleinbürgertum) abzustoßen - das sind zweifellos die ideologischen Grundlagen des Opportunismus« (Lenin, Bd. 21, Seite 22-28, dt. Ausgabe).
In »Die Einheitsfront des Kampfes für den Frieden«, 1938 bezeichnet Dimitroff die Feststellung, dass »die Unabwendbarkeit des Krieges und die Unmöglichkeit der Erhaltung des Friedens« »eine fatalistische Anschauung« von »`linken ´ Phrasendreschern« und »verknöcherten Doktrinären« sei (Dimitroff, Bd. 3, Seite 15, 1958, dt. Ausgabe). Demnach müsste Stalin so ein »verknöcherter Doktrinär« und »´linker´ Phrasendrescher« gewesen sein, denn er stellt die entgegengesetzte These auf, »dass die Unvermeidbarkeit von Kriegen zwischen den kapitalistischen Ländern in Kraft bleibt« (Stalin, Die ökonomischen Probleme des Sozialismus in der UdSSR, 1952, fremdsprachiger Verlag Moskau, dt. Ausgabe, Seite 43).
Was die Haltung zu China anbelangt, legte die Resolution Togilattis auf dem VII. Weltkongress fälschlicherweise fest, dass die Partei Chinas den Kampf gegen den imperialistischen Krieg auf »bolschewistische Weise« (Protokolle des VII. Weltkongresses, Bd. II, Seite 1003, dt. Ausgabe) führe. Enver Hoxha hat zu Recht bezweifelt, dass auf chinesischem Boden überhaupt jemals ein bolschewistischer Kampf geführt wurde. 1938 billigte die Komintern die Linie Mao Tsetungs. Wir gehen davon aus, dass Enver Hoxha die Resolution Togliattis und und ebenso Dimitroffs Einstellung kannte, die Dimitroff z.B. im August 1936 äußerte (Dimitroff, Werke, »Zum 15. Jahrestag der KP Chinas« Bd. 3, Seite 29 - 34, dt. Ausgabe). Enver Hoxhas »Betrachtungen über China« weisen gegenüber Dimitroffs Äußerungen erhebliche Widersprüche auf. Dimitroff spricht von »Bolschewismus der KP Chinas«, aber mit keinem Wort erwähnt er den Namen »Proletariat« geschweige denn die Hegemonie der chinesischen Arbeiterklasse in der chinesischen Revolution. Diese beiden Dokumente sind überall zugänglich und können also verglichen und gegenübergestellt werden. Enver Hoxha hätte einen Dimitroff niemals verteidigt, der von der KP Chinas als »eine der besten Sektionen der Kommunistischen Internationale« (ebenda, Seite 29) gesprochen hatte. Mit der Kritik am sogenannten »Bolschewismus« der KP China hätte Enver Hoxha also offen Dimitroff, Togliatti und den ganzen VII. Weltkongress kritisieren müssen. Warum er das nicht tat oder tun konnte, wissen wir nicht. Wir wissen aber, dass Ramiz Alia nicht vom Himmel gefallen ist, sondern sich wie ein Chruschtschow in Albanien erst nach dem Tod Enver Hoxhas als offener Konterrevolutionär entpuppte.
Die Zerschlagung der kapitalistischen Umkreisung, der Vorbedingung des revolutionären Wechsels vom kapitalistischen ins sozialistische Weltreich, wurde von Stalin angestrebt, aber durch den Revisionismus verhindert. Sozialismus kann auf Dauer nur gedeihen durch den Sieg über den Revisionismus, auf den Trümmern des Weltimperialismus, auf den Trümmern des Sozialimperialismus. War es angesichts der Gefahr des zu erwartenden imperialistischen Überfalls nicht nur folgerichtig, sich auf die äußere militärische Verteidigung, sondern auch die Partei vor Zersetzungen von innen zu schützen und die Wachsamkeit der Parteimitglieder bolschewistisch zu stählen? Während Stalin den Klassenkampf im eigenen Land verschärfte, wurde die internationale Linie des Kampfes »Klasse gegen Klasse« durch den Klassenversöhnungskurs auf dem VII.Weltkongress durch Dimitroff unterlaufen. Dabei hatte Stalin stets vor der Unterschätzung der rechten Abweichung gewarnt:
»Mehr noch, einige spießbürgerlich gestimmte Genossen glauben jetzt noch, man hätte ohne den Kampf gegen die rechten Abweichler auskommen können. Man braucht wohl kaum zu sagen, dass diese Genossen sich in einem schweren Irrtum befinden. Man braucht nur rückwärts zu scheuen und sich der schändlichen Streiche der Trotzkisten und der rechten Abweichler zu erinnern, man braucht sich nur die Geschichte des Kampfes gegen die Abweichungen in der verflossenen Periode zu erinnern, um die ganze Hohlheit und Untauglichkeit dieser Parteispießerei zu begreifen. Es kann keinen Zweifel daran geben, dass wir die Erfolge, auf die unsere Partei jetzt mit Recht stolz ist, nicht erzielt hätten, wenn wir nicht den Abweichlern die Zügel angelegt, wenn wir sie nicht im offenen Kampf geschlagen hätten. (...) Welchem Umstand verdankt die Partei diese entscheidenden Errungenschaften? Sie verdankt diese Errungenschaften dem Umstand, dass sie in ihrem Kampf gegen die Abweichungen stets eine prinzipielle Politik durchgeführt, sich nie zu Kombinationen hinter den Kulissen und zu diplomatischen Schacher hergegeben hat. Lenin sagte, dass prinzipielle Politik die einzig richtige Politik ist. Wir sind aus dem Kampf gegen die Abweichungen als Sieger hervorgegangen, weil wir dieses Vermächtnis Lenins ehrlich und konsequent erfüllt haben« (Stalin, Bd. 12, Seite 325-326, dt. Ausgabe).
»Worin besteht die Gefahr der rechten, offen opportunistischen Abweichung in unserer Partei? Darin, dass sie die Kraft unserer Feinde, die Kraft des Kapitalismus unterschätzt, die Gefahr der Wiederherstellung des Kapitalismus nicht sieht, die Mechanik des Klassenkampfes unter den Bedingungen der Diktatur des Proletariats nicht versteht und daher so leicht auf Zugeständnisse an den Kapitalismus eingeht..« (Stalin, Bd. 11, Seite 205, dt. Ausgabe).
Im Grunde genommen war es der Zentrist Kautsky, der die rechte Abweichung verschwieg und sie durch linke Phrasen bemäntelte, der den Opportunismus marxistisch rechtfertigte. Dimitroffs These vom »endgültigen Sieg« aber bedeutete in Wahrheit Kautskyanertum in der Phase des Sozialismus, was nichts anderes hieß, als Kautsky`s zentristische Theorie in den Sozialismus hinüberzuretten. Zentristischer Sozialismus -das ist es, was wir an Dimitroff kritisieren - und zwar nicht nur in der einen oder anderen Frage wie z.B. die Frage der Diktatur des Proletariats oder die Frage der revolutionären Gewalt in der Epoche des Sozialismus in einem Lande an der Macht, sondern dem Wesen nach in allen Fragen - also insbesondere in der Frage der antifaschistischen Einheitsfrontpolitik des VII. Weltkongresses. So entdecken wir den »Ultra-Imperialismus« Kautskys im »Ultra-Sozialismus« Dimitroffs wieder, dass nämlich der Imperialismus friedlich in den Sozialismus übergeht - durch den »endgültigen Sieg des Sozialismus in der Sowjetunion«. Die Theorie vom Übergang des endgültigen Sieges des Sozialismus in einem Lande zur qualitativ nächst höheren Stufe des »Kommunismus in einem Lande« wurde dann später von den Sowjetrevisionisten weiterentwickelt.
Der Kampf gegen die rechte Abweichung in der KPdSU (B) betraf später dann auch direkt die Frage der Komintern. Stalin führte diesen Kampf gegen die Bucharin-Opposition, die der KPdSU (B) »eine Politik der Zersetzung der Komintern« vorwarf. Bucharin lehnte den Kompromissvorschlag der Kommission des Politbüros vom 7. Februar 1929 ab, in der er seinen Vorwurf zurücknehmen sollte und dann als Sekretär des EKKI normal weiter arbeiten könne. Daraufhin erhob Stalin den berechtigten Vorwurf gegen den rechten parteifeindlichen Block der Bucharingruppe und stellte die Aufgabe, den Kampf gegen das Versöhnlertum gegenüber der rechten Abweichung als Zufluchtsstätte des Opportunismus in der Kommunistischen Partei zu verschärfen und damit die Reinigung der kommunistischen Parteien von den sozialdemokratischen Traditionen. Diese Aufgabe stellte Stalin auch der Komintern. Bucharin hatte in seinen Thesen gegen die Sozialdemokratie die Frage der »linken« Sozialdemokratie völlig umgangen:
»Es ist klar, dass die Überwindung der Sozialdemokratie überhaupt unmöglich ist, ohne die »linken« Sozialdemokraten vernichtend zu schlagen« (Stalin, Bd. 12, Seite 19, »Über die rechte Abweichung in der KPdSU (B)«, dt. Ausgabe).
Stalin kritisierte Bucharin auch wegen seines Verzichts auf den Kampf gegen das Versöhnlertum in den Sektionen der Komintern gegenüber der rechten Abweichung.
Ferner wurde in den Bucharin´schen Thesen - die Stalin zurücknehmen musste, weil sie nicht abgesprochen waren und schwerwiegende Fehler aufwiesen - der Delegation der KPdSU (B) zum VI. Weltkongress der Komintern, nicht auf die Notwendigkeit der eisernen Parteidisziplin hingewiesen, die aus folgendem Grund für die Komintern dringend notwendig war:
»Um die Partei vor fraktionellen Ausfällen der rechten Abweichler zu schützen, ist es notwendig, die Frage der eisernen Parteidisziplin und der unbedingten Unterordnung der Parteimitglieder unter diese Disziplin aufzuwerfen. Ohne dies ist an einen ernsthaften Kampf gegen die rechte Abweichung gar nicht zu denken« (Stalin, ebenda, Seite 20).
Es ist in diesem Zusammenhang klar ersichtlich, warum der demokratische Zentralismus der Komintern unmittelbar nach dem VII. Weltkongress außer Kraft gesetzt wurde von Dimitroff.
Stalin verurteilte Bucharin wegen grober Missachtung der Direktiven der Komintern bezüglich des Sturzes Ernst Thälmanns, dem Parteiführer der KPD:
»Anstatt nun das Steuer herumzuwerfen und die Sache in Ordnung zu bringen, anstatt der verletzten Direktive des VI. Weltkongresses wieder Geltung zu verschaffen, die Versöhnler zurechtzuweisen, schlägt Bucharin in seinem bekannten Brief vor, den Handstreich der Versöhnler zu s a n k t i o n i e r e n, die KPD den Versöhnlern auszuliefern und Genossen Thälmann aufs neue in der Presse zu diffamieren, indem man nochmals erklärt, er sei schuldig. Und das nennt sich `Führer` der Komintern! Ja, gibt es denn in der Welt solche `Führer`?« (Stalin, ebenda Seite 22).
Dass die Beschlüsse des VII. Weltkongresses ebenfalls nicht geeignet waren, den Direktiven des VI. Weltkongresses Geltung zu verschaffen, haben wir bereits nachgewiesen, sind also dem Wesen nach Übereinstimmungen mit Bucharins Linie nicht von der Hand zu weisen, obwohl Dimitroff »Kritik« an Bucharin übte.
Ferner übte Stalin Kritik an Bucharins ausweichender Position in der Frage des Kampfes gegen Brandler und Thalheimer in der KPD und deren Ausschluss:
»Faktisch ging es um das Schicksal der deutschen kommunistischen Partei. Bucharin und seine Freunde aber, die das wussten, hintertrieben trotzdem die ganze Zeit diese Sache, indem sie systematisch auswichen, an den Sitzungen der entsprechenden Instanzen teilzunehmen. Weshalb? Wahrscheinlich um `rein` zu bleiben, sowohl vor der Komintern als auch vor den Rechten in der deutschen Kommunistischen Partei. Um nachher sagen zu können: `Nicht wir, die Bucharinleute, sondern sie, die Mehrheit des ZK, haben den Ausschluss Brandlers und Thalheimers aus der kommunistischen Partei durchgesetzt`. Und das nennt sich Kampf gegen die rechte Gefahr!« (Stalin, ebenda, Seite 22-23).
Wenn man sich die Zusammenarbeit zwischen Dimitroff und Ulbricht ansieht, so richteten sich deren Angriffe gegen das »Sektierertum« ebenfalls gegen die Thälmann-Getreuen in der KPD. Die Ermordung des Genossen Thälmann durch die NAZIS reicht also in die Reihen der Komintern hinein. In diesem Zusammenhang ist auch der Verrat der Ulbricht-Clique an Thälmann und der KPD zu sehen, die mit Dimitroff den rechten Kurs der KPD zu einer Zeit vorbereiteten, als Ernst Thälmann im KZ war. Derselbe Dimitroff, der noch vor der Ermordung Ernst Thälmanns die Kommunistische Internationale auflöste, schwor noch zu dessen 50. Geburtstag:
»Du kannst dessen gewiss sein, dass die Kommunistische Internationale nicht eher ruhen wird, als bis sich die Proletarier aller Länder zum siegreichen Kampfe gegen die faschistischen Kriegsbrandstifter vereinigt haben« (Dimitroff, Bd. 3 Seite 10, dt. Ausgabe). Sie ruhte eher ...noch eher, bevor Genosse Thälmann hätte befreit werden können - und er hätte wirklich befreit werden können!.
Stalin verteidigte Thälmann, der Bucharin zu Recht kritisierte und den Bucharin deswegen vor dem Novemberplenum des ZK der KPdSU (B) zurechtweisen wollte:
»Bucharin wollte dadurch, dass er die Rede von Humbert-Droz an die Mitglieder der Delegation der KPdSU (B) versandte und sie als Material gegen Thälmann empfahl, beweisen, dass seine Forderung, Neumann abzuberufen und Genossen Thälmann zurechtzuweisen, richtig sei. In Wirklichkeit aber hat er dadurch bewiesen, dass er mit Humbert-Droz, dessen Position das EKKI als opportunistische Position ansieht, solidarisch ist« (Stalin, ebenda Seite 23).
»Sie sehen, dass das nicht einfach Schattierungen in den Reihen des ZK der KPdSU (B) sind, sondern ziemlich ernste Meinungsverschiedenheiten in den Grundfragen ( Kampf gegen Versöhnlertum gegenüber der rechten Abweichung in der Komintern - die Red.) der Politik der Komintern« (Stalin, ebenda, Seite 24).
»Ich sagte, dass Humbert-Droz und Serra in den Sumpf des feigen Opportunismus geraten sind. Was bedeutet das? Das bedeutet, dass es außer dem offenen Opportunismus noch einen verhüllten Opportunismus gibt, der sich scheut, sein wahres Gesicht zu zeigen. Das ist eben der Opportunismus, der im Versöhnlertum gegenüber der rechten Abweichung besteht. Versöhnlertum ist feiger Opportunismus. Ich muss leider sagen, dass unsere beiden Genossen in den Sumpf des feigen Opportunismus geraten sind« (Stalin, »Über die rechte Gefahr in der deutschen Kommunistischen Partei«, Bd. 11, Seite 262-263, dt. Ausgabe).
»Ich werde hier nicht den Nachweis führen, dass die Fraktion der Rechten mit dem Marxismus-Leninismus bricht und einen wütenden Kampf gegen die Komintern führt. Das ist längst bewiesen. Ich werde hier auch nicht den Nachweis führen, dass die Gruppe der Versöhnler gegen den bekannten Beschluss des VI. Kongresses über den systematischen Kampf gegen die Rechten verstößt. Auch das ist längst bewiesen. Es handelt sich jetzt darum, dass eine derartige Lage in der deutschen Kommunistischen Partei nicht länger geduldet werden kann. Eine derartige `Ordnung` , dass die Rechten mit ihrem sozialdemokratischen Ideengerümpel die Atmosphäre vergiften und gegen die elementaren Grundlagen der Parteidisziplin systematisch verstoßen, während die Versöhnler Wasser auf die Mühlen der Rechten leiten - eine derartige `Ordnung` länger dulden, hieße, sich gegen die Komintern zu stellen und gegen die elementaren Forderungen des Marxismus-Leninismus zu verstoßen; darum handelt es sich« (ebenda, Seite 269).
Die Trotzkisten wurden aus den Reihen der Sektionen und der Komintern verjagt, die Rechten aber nicht im nötigen Umfang, obwohl in den Beschlüssen des VI. Weltkongresses klar und deutlich festgelegt wurde:
»Das schließt keineswegs aus, sondern setzt im Gegenteil voraus die maximale Festigung der eisernen innerparteilichen Disziplin, die unbedingte Unterordnung der Minderheit unter die Mehrheit, die unbedingte Unterordnung der unteren Organe sowie auch der anderen Parteiorganisationen (...) unter die führenden Parteizentren« (These der Resolution des VI. Kongresses zitiert in Stalin, Bd. 11, Seite 270, dt. Ausgabe).
Das alles ging also dem VII. Weltkongress voraus, und diesen Zusammenhang darf man nicht unter den Tisch kehren, wenn wir auf die Vorgeschichte der rechten Abweichung der Komintern hinweisen, die Stalin aufgespürt und so eindringlich bekämpft hatte. Stalins Zitate machen deutlich, in welcher Gefahr sich die Komintern und einige Sektionen bereits vor dem VII. Weltkongress befanden, aber anstatt die korrekte Linie des VI. Weltkongresses zu stärken und voranzutreiben und Stalins Mahnungen Ernst zu nehmen, wurden keinerlei Konsequenzen gezogen, im Gegenteil.
Stalin ging in dieser Zeit konsequent gegen die überall - und eben auch in der Komintern verbreitete Überheblichkeit, Sorglosigkeit, Schlendrian, Sippenschaft und Cliquenwirtschaft, gegen Personenkult und Bürokratisierung, Großmachtchauvinismus und alle negativen Erscheinungen vor, um die Diktatur des sowjetischen Proletariats und des Sowjetstaates zu verstärken gegen solche Kräfte, die vom Absterben des Staates, vom Absterben des Klassenkampfes und vom Übergang vom Sozialismus zum Kommunismus, vom friedlichen Übergang zum Sozialismus, von der Partei des ganzen Volkes, vom Staat des ganzen Volkes, usw. faselten? Mit dem XVIII. Parteitag der KPdSU (B) vom 10.3.1939 hatte Stalin die Partei zur festen bolschewistischen Front vereinigt, die Reihen fester geschlossen durch eine verbesserte Kaderpolitik, wurde das Bewußtsein der Partei und der Massen durch intensive Schulungen des Marxismus-Leninismus gestählt. Hierzu lieferte er mit der »Geschichte der KPdSU(B) - Kurzer Lehrgang » einen hervorragenden Beitrag. Die Komintern aber setzte diese Bolschewisierungsmaßnahmen Stalins nicht ernsthaft um, sondern verfolgte weiter der rechten Abweichung, wenn auch nicht immer offen. Doch Stalin war auf der Hut. Warum sonst hat Stalin in diesem Zusammenhang gerade kurz vor und auch noch nach dem VII. Weltkongress folgende Rundschreiben des ZK der KPdSU (B) veröffentlicht, das indirekt auf die falsche These des »endgültigen Sieges« gerichtet waren?
»Es gilt, mit der opportunistischen Vertrauensseligkeit Schluss zu machen, die von der falschen Annahme ausgeht, als ob der Feind in dem Maße, wie unsere Kräfte wachsen, immer zahmer und harmloser werde. Eine solche Annahme ist grundfalsch. Das ist eine Nachwirkung der rechten Abweichung, deren Vertreter aller Welt weiszumachen suchten, dass die Feinde allmählich in den Sozialismus hinein kriechen, dass sie zu guter Letzt richtige Sozialisten werden würden. ( eben das beschloss der VII. Weltkongress! - die Red.) Es ist nicht Sache der Bolschewiki, auf ihren Lorbeeren auszuruhen und Maulaffen feilzuhalten. Nicht Vertrauensseligkeit brauchen wir, sondern Wachsamkeit, wirkliche bolschewistische Wachsamkeit. Man muss dessen eingedenk sein, dass die Feinde, je hoffnungsloser ihre Lage sein wird, um so eher zu dem `äußersten Mittel` greifen werden, als dem einzigen Mittel der im Kampfe gegen die Sowjetmacht zum Untergang Verurteilten. Man muss dessen eingedenk und wachsam sein« (18. Januar 1935)
»Unabdingbare Eigenschaft jedes Bolschewiks unter den gegenwärtigen Verhältnissen muss die Fähigkeit sein, den Feind der Partei zu erkennen, mag er auch noch so gut maskiert sein.« (29.6.1936).
Das bezog sich auf die Moskauer Prozesse, aber es war gleichzeitig eine indirekte Kampfansage gegen das rechte Versöhnlertum des EKKI- Präsidiums, zumindest eine Warnung, mit der sorglosen Haltung gegenüber dem rechten Opportunismus endlich Schluss zu machen. Stalin hatte in den Moskauer Prozessen stets die Feinde beim Namen genannt, aber er hat auch anonyme Warnungen gegen »sonstige Doppelzüngler« ausgesprochen und meinte damit »führende Genossen im Zentrum«, » die selbst dazu beigetragen haben, dass ausländische Agenten auf diesen oder jenen verantwortlichen Posten gelangten« (ZK-Rundschreiben 3. und 5. März 1937). Darüber sollte man nachdenken! Die Opportunisten in der Komintern und in den einzelnen Sektionen haben es mit der Angst bekommen, als in den Moskauer Prozessen viele ehemalige Führer der Komintern auf der Anklagebank saßen. Wenn die Säuberung von Opportunisten und Reformisten in jeder proletarischen Partei, also auch in jeder Sektion unverzichtbar ist, dann reicht es nicht aus, wenn das die KPdSU(B) stellvertretend für die Sektionen mit übernimmt, und das ersetzt auch nicht die Säuberung der Komintern. Man muss die Verantwortung der Sektionen zukünftig per Statut einfordern. Und von den vielen Kritikern, die sich gegen Stalins notwendigerweise unnachgiebigen Kurs des verschärften Klassenkampfes im Sozialismus wandten, wie Togliatti, Pollit, Thorez, Tito usw. zitieren wir hier Walter Ulbricht, den deutschen Erz-Revisionisten:
»Es wurde ( auf dem XX. Parteitag) auch die von Stalin vertretene Auffassung korrigiert, dass sich mit den fortschreitenden Erfolgen des sozialistischen Aufbaus in der Sowjetunion der Klassenkampf verschärfe.« (Prawda 4. März 1956)
Und im `Neuen Deutschland` vom 18. März 1956 fügt Ulbricht hinzu: »Die vorhandenen gegnerischen Kräfte waren keine ernste Gefahr. Der Stoß richtete sich faktisch gegen einen Teil der Kommunisten...«.
Damit klagt sich Ulbricht selber an, dass er in den Moskauer Prozessen in Wahrheit nicht auf der Seite der Ankläger, sondern auf der Seite der Angeklagten Schädlinge, Spione, Diversanten und Mörder stand, dass er selber dazu gehörte, und just in der gleichen Zeit sich mit verschiedenen Gruppierungen um das Versöhnlertum Dimitroffs tummelte, die unbehelligt mit ihrem »Komintern-Diplomatenpass« im Herzen der Diktatur des Proletariats ihr bürgerliches Unwesen trieben.
»Es hat also Signale und Warnungen gegeben. Was bedeuteten diese Signale und Warnungen? Sie bedeuten eine Aufforderung (...) die Partei zu einer uneinnehmbaren Festung zu machen, in die kein einziger Doppelzüngler (Doppelzüngler=Stalin loben, aber ihn verraten! - die Red.) einzudringen vermag. Und was geschah? Dass unsere Genossen sich diesen Signalen und Warnungen mehr als schwerhörig verhielten (...) Woraus ist das zu erklären? (... ) Sie haben eine grundlegende Tatsache aus dem Gebiet der internationalen Lage der UdSSR vergessen (... ) Ist es nicht klar, dass es bei uns, solange die kapitalistische Umkreisung besteht, Schädlinge, Spione, Diversanten und Mörder geben wird, die von Agenten ausländischer Staaten in unser Hinterland geschickt werden? (Wen mag Stalin da wohl gemeint haben? - Red.).. Waren die alten Schädlinge gegen unsere Leute eingestellt, so schlawenzeln die neuen Schädlinge, im Gegenteil, vor unseren Leuten, lobpreisen unsere Leute, benehmen sich ihnen gegenüber knechtisch unterwürfig, um sich ihr Vertrauen zu erschleichen.. Ihre Stärke besteht darin, dass ihnen das Parteimitgliedsbuch politisches Vertrauen und Zutritt zu allen unseren Institutionen und Organisationen erschließt...« und Stalin bezeichnete die »Neigungen, die Kräfte unserer Feinde zu unterschätzen, Neigungen, die eigenen Kräfte zu überschätzen« als »politische Blindheit«. Stalin sprach in seiner Rede in der Wählerversammlung vom 12.12.1937 von »Funktionären....,die am ehesten an politische Spießer erinnern und dass die Funktionen nicht mit den Wahlen enden« und Stalin sprach auch von dem »Recht der Wähler, ihre Deputierten vor Ablauf der Frist abzuberufen, wenn sie vom richtigen Weg abweichen« (Stalin, Werke Bd. 14, dt. Ausgabe Seite 166). Die neue Verfassung der UdSSR fiel nicht zufällig 1936/37 in den Nachfolge-Zeitraum des VII. Weltkongresses, aber das EKKI-Präsidium wurde nicht von den Vertretern der Sektionen rechtzeitig abgesetzt, sondern konnte seinen Einfluss ungehindert verstärken immerhin über einen Zeitraum von länger als 10 Jahren. Allein die Zeittafel der Weltkongresse spricht Bände über die Entwicklung der Komintern, ihres demokratischen Zentralismus, usw. (wobei die Quantität des Masseneinflusses nichts aussagt über die Qualität des revolutionären Einflusses, man kann behaupten, dass die Quantität zunahm, während die Qualität abnahm und somit auch zur Auflösung beitrug) :
I. Kongress 2. 3. - 6. 3. 1919
II. Kongress 17. 7. - 7. 8. 1920
III. Kongress 22. 6. - 12. 7. 1921
IV. Kongress 5.11. - 5.12. 1922
V. Kongress 17. 6. - 8. 7. 1924
VI. Kongress 17. 7. - 1. 9. 1928
VII. Kongress 25. 7. - 25.8. 1935
Auflösung durch das EKKI-Präsidium am 13. 5. 1943 in schriftlicher Form der Bestätigung einer Empfehlung, was normalerweise nicht den Gepflogenheiten des demokratischen Zentralismus entspricht, selbst nicht unter den Bedingungen der Illegalität - und die Komintern kämpfte zwar mit ihrem Westeuropäischen Büro ZB. in Berlin illegal, aber der legale Sitz war Moskau, wo auch alle Weltkongresse stattfanden.
In Anbetracht dieser Entwicklung kann man nicht ernsthaft behaupten, dass das Weltproletariat mit so einer Generalstabsarbeit im Zusammenhang mit Krieg und Faschismus einen siegreichen Kampf für die Weltrevolution führen konnte, dass sich so ein Wandel des demokratischen Zentralismus in bürokratischen Zentralismus nicht verhindern ließ, dass auf dieser Art und Weise der demokratische Einfluss des Weltproletariats, die Kraft von unten, nicht gestärkt, der revolutionäre Weltkampf aller Unterdrückten und Ausgebeuteten so nicht zu einem großen Strom, zu einem großen Schlag, zusammengeführt werden konnte.
Warum wurde die Kritik am VII. Weltkongress nie öffentlich, warum wurde jede Kritik über die Komintern nach dem VII. Weltkongress - und wir meinen die marxistisch-leninistische Kritik - verheimlicht und vertuscht? Es hätte sich zumindest eine marxistisch-leninistische Fraktion herausbilden müssen, um den Verrat der Kominterführer offen anzuprangern und zu bekämpfen. Aber all dies war durch die Aushebleung des demokratischen Zentralismus gar nicht mehr möglich. Es gab noch nicht einmal mehr die Möglichkeit, den Weg der Spaltung innerhalb der Komintern zu beschreiten, nachdem sie ihren revolutionären Charakter endgültig verloren hatte. Damit hätte man wenigstens das Ziel verfolgen können, die notwendige ideologische Auseinandersetzung zu führen, dass Teile der opportunistischen Front zu uns stoßen und wir dadurch die Komintern wieder hätten stärken können. Stalin blieb nichts übrig, als Kraft seines Amtes, die Verbindungen und Aktivitäten der Komintern zum Schutz der Sowjetunion illegal aufrechtzuerhalten, indem er die Restorganisation der KPdSU (B) direkt unterstellte und sie damit dem Einfluss ihrer Liquidatoren entzog.
»Wer freiwillig den Einfluss abtritt, ist es `wert` , dass man ihm nicht nur den Einfluss, sondern auch die Existenzberechtigung nimmt« (Lenin, Bd. 24, Seite 301, dt. Ausgabe).
Diese langen Zeitabschnitte insbesondere zwischen dem VI. Und VII. Weltkongress, aber auch vor allem danach bis zur Auflösung, werfen auch ein bezeichnendes Licht auf die Parteitage der KPdSU(B) zur gleichen Zeit. Warum finden wir auf dem XVIII. Parteitag keinen direkten Hinweis auf die Auflösung der Komintern im Rechenschaftsbericht des Genossen Stalin, schließlich war die KPdSU(B) die Gründerin der Komintern und ihre größte und einzige an der sozialistischen Macht stehende Sektion? Und warum fand der nächste Parteitag erst 1952 ( also nach über 13 Jahren!) und schon nicht mehr unter der Führung Stalin statt. Was ist in dieser Zeit geschehen? Wenn man die Rechenschaftsberichte Stalins und Malenkows vergleicht, so kann man nicht äußere Ursachen wie die » schwierige Weltlage des Krieges« oder »das zunehmende Alter Stalins« heranziehen, sondern muss den Kurs des XIX. Parteitags ideologisch klar als Übergangsstufe zwischen Stalins letzten XVIII. Parteitag und Chruschtschows XX. Parteitag erkennen, der dann auch schnell nach Stalins Tod im Jahre 1956 folgte [ hierzu eine Anmerkung zur ideologischen Wurzel des XX. Parteitags - der VII. Weltkongress und die Kominternführer, die dafür die Verantwortung tragen: auf dem XX. Parteitag hielt ein ehemaliger Führer der Komintern, O. W. Kuusinen, eine Rede, in der er Stalins »Dogmatismus und Doktrinarismus« kritisierte und Chruschtschow und Jugoslawien lobte. Er war es, der die Faschismusdefinition in seinen Thesen zum 13. EKKI-Plenum formuliert hatte! Als Vertreter der italienischen und französischen Bruderpartei hielten Togliatti und Thorez, als ehemalige Mitglieder des EKKI-Präsidiums ihre Lobesreden auf den XX. Parteitag, ebenso Ulbricht und Tito und die ganze Revisionistenbande. Der XX. Parteitag schloss die Periode der Vorbereitung der Macht des Revisionismus ab, die auf dem VII. Weltkongress begann. Es ist bezeichnend, warum sich all diese ehemaligen Kominternführer auf dem XX. Parteitag ihr Stelldichein gaben. Ob Dimitroff auch gekommen wäre, um Chruschtschow gegen Stalin Beifall zu klatschen?] . Dieser Kurswechsel des XX. Parteitags ging nur deswegen relativ schnell, weil die Revisionisten sich schon zu Lebzeiten Stalins gründlich vorbereitet hatten und das Sowjetvolk über einen jahrzehntelangen Zeitraum ideologisch entwaffneten. Erst Keile treiben zwischen Weltrevolution und Oktoberrevolution, dann Abkehr von der Oktoberrevolution - das war die Linie der Spaltung der revolutionären Einheit des Weltproletariats, die Linie des Kapitulantentums und Liquidatorentums, der Linie der Aufweichung des stählernen Bolschewismus, die Linie der Verräter am Marxismus-Leninismus, die Linie der Isolierung, Schwächung und des Zerfalls des Sozialismus, die Linie der Schwächung und des Sturzes der Sowjetmacht, der Diktatur des sowjetischen Arbeiterklasse, die Linie des Verrats an Stalin, die Linie des weltweiten Siegeszuges des modernen Revisionismus mit dem Sowjetrevisionismus einerseits und den Zentren des Revisionismus außerhalb der Sowjetunion andererseits - angebahnt in einem jahrzehntelangen, zähen und erbitterten Kampf zwischen dem Marxismus-Leninismus und seinen Feinden. Zu keinem Zeitpunkt haben die Klassiker des Marxismus-Leninismus dem Weltproletariat jemals verboten, für die gewaltsame Zerschlagung des Kapitalismus und den revolutionären Sturz der Bourgeoisie, für den Sozialismus, für die Diktatur des Proletariats zu kämpfen oder sie aus welchen taktischen Gründen auch immer davon abzuhalten und sie auf einen Weg des Friedens, der Freundschaft und der Demokratie abzuspeisen. Abgestoßen wurde das Proletariat vom opportunistischen Verrat, den Kommunismus hinter vorgehaltener Hand einzuschmuggeln. Aufschwung der revolutionären Bewegung war hingegen immer dann zu verzeichnen, wenn die Kommunisten sich nicht scheuten, ihre Forderungen und Ziele dem Weltproletariat offen darzulegen. Auch nach einem noch so schrecklichen Krieg der Imperialisten darf man bei aller Sehnsucht der Massen nach Frieden nicht den bewaffneten Kampf gegen die Bourgeoisie begraben. Auch nach einem so schrecklichen Faschismus darf man bei aller Sehnsucht der Massen nach Demokratie nicht den revolutionären Sturz der bürgerlichen Demokratie und die Errichtung der Diktatur des Proletariats begraben. Diese Fehler sitzen noch tief in der kommunistischen Bewegung. Sie müssen ausgemerzt werden, um das Vertrauen des Weltproletariats zurückzugewinnen, um die Massen wieder an die Position der Weltrevolution heran zu führen und weg von bürgerlichen Illusionen. Denn heute stehen wir wieder vor den gleichen Problemen gegenüber Krieg und Faschismus, weil der VII. Weltkongress eine Sackgasse war. Man darf die Führung des Kommunismus, die Führung des Weltproletariats in diesem Kampf niemals irgendwelchen Augenblickserfolgen zu Liebe opfern, und die Zügel der Führung niemals aus der Hand geben.
So antwortete Stalin 1937 auf die Frage: »Was bedeutet es, richtig zu führen?«:
»Das bedeutet keineswegs, am Schreibtisch zu sitzen und Direktiven zu kritzeln... Das bedeutet, die Massen nicht nur zu lehren, sondern auch von den Massen zu lernen... Die Verbindung mit den Massen, die Festigung dieser Verbindung, die Bereitwilligkeit, auf die Stimme der Massen zu lauschen - darin liegt die Stärke und die Unbesiegbarkeit der bolschewistischen Führung« ( Aus Stalin Werke Band 14 dt. Ausgabe, Seite 154 »Über die Mängel der Parteiarbeit«).
Und wenn Dimitroff dies beherzigt hätte, würde er das Weltproletariat nicht auffordern, den revolutionären Sturz der Bourgeoisie aufzugeben und vor den sozialdemokratischen Agenten der Bourgeoisie die Waffen zu strecken. Auf Dimitroff trifft das Zitat Lenins durchaus zu: »Opportunismus ist eben deshalb Opportunismus, weil er die GRUNDLEGENDEN Interessen der Bewegung momentanen Vorteilen oder Erwägungen zum Opfer bringt, die auf kurzsichtigsten, oberflächlichsten Berechnungen beruhen.« ( Lenin, Bd. 16 Seite 313, dt. Ausgabe).
Die Beschlüsse des VII. Weltkongresses verwandelten die Weltrevolution in eine Phrase, indem die Komintern unter dem Vorwand der Einheitsfronttaktik gegen den Faschismus einen in der Geschichte des internationalen Kommunismus nie da gewesenen unerhörten Kuhhandel mit den sozialdemokratischen Regierungen und den bürgerlichen Parteien zu betreiben nicht nur proklamierte, sondern genau diejenigen Führer der Komintern später selber den Sozialismus in den Volksdemokratien praktisch verrieten und sozialfaschistische Regimes errichteten, bzw. den Weg dafür bereiteten. Alle Theorien, die »neue Wege des Sozialismus in Übereinstimmung mit den aktuellen Bedingungen« predigen, um die Revolution zu umgehen, sind revisionistische Theorien, die auf den Weg des Kapitalismus führen. Die Revisionisten sprachen von Frieden und demokratischen Fortschritt - aber das Wort Weltrevolution kam nie wieder mehr über ihre Lippen. Dass die Metropolen revolutionär zerschlagen werden müssen, um den Sozialismus in Zukunft zu sichern, stand nicht mehr auf der Tagesordnung. Diese Frage wurde mit »friedlicher Koexistenz« und »Zusammenarbeit« »gelöst« und endete mit dem Rückmarsch in das imperialistische alte Reich. Der Sieg des Marxismus über den Reformismus, der Sieg des Leninismus über den Sozialdemokratismus, der Sieg Stalins über die Revisionisten, war auch ein Sieg der III. Internationale über die II. Internationale. Durch das verdeckte versöhnlerische Vereinigungsbestreben des VII. Weltkongresses mit der II. Internationale unter den Bedingungen der Einheitsfronttaktik gegen den Faschismus aber begann die II. Internationale, Schritt für Schritt ihre Macht zurückzuerobern, verhinderten die Revisionisten an der Macht den Wiederaufbau der III. Internationale und schaffte sich der Weltimperialismus eine IV. Internationale, um die Fortsetzung der Komintern zu paralysieren.
Bereits über 10 Jahre zuvor hatte Stalin seine Bolschewisierungsthesen den Sektionen dringend angeraten, und ausgerechnet unmittelbar nach dem VII. Weltkongress verabschiedeten sich die Sektionen unter Weisung des EKKI-Präsidiums auf ihren Parteitagen von der Bolschewisierung und schwenkten programmatisch auf den friedlichen Weg zum Sozialismus um - siehe Ulbrichts und Piecks »Brüsseler« und »Berner« Parteitagsbeschlüsse der KPD - während Ernst Thälmann im KZ eingekerkert bzw. einige ZK- Mitglieder schon ermordet waren und die übrigen bolschewistischen Kräfte vorher bereits als »Sektierer« mit den Beschlüssen des VII. Weltkongresses nieder gebügelt waren. Und eben aus dieser Tatsache, dass aus der KPdSU (B) die Opportunisten hinaus gesäubert wurden, aber im Gegensatz dazu die Opportunisten des EKKI-Präsidiums die Sektionen ihrerseits aufforderte, bei sich zu Hause die Bolschewisten als »Sektierer« hinaus zu säubern und das rechte Ruder in die Hand zu bekommen, müssen Lehren und Konsequenzen gezogen werden. Es kann nicht sein, dass Delegierte des VII. Weltkongresses später zu antikommunistischen Führern der sozialdemokratischen und revisionistischen Parteien im Westen werden konnten, die noch auf dem VII. Weltkongress Lobeshymnen auf Stalin und die Sowjetunion sangen. Wie kann man diese Tatsachen ignorieren, wenn man versucht, die Buchstaben der Resolutionen des VII. Weltkongresses gegen uns zu verteidigen? Während der VII. Weltkongress dem Weltproletariat ein demokratisches Bündnis mit der Sozialdemokratie empfahl, den alten Kapitalismus durch einen neuen zu ersetzen, sagte Stalin im Schlusswort seines (allerletzten) Rechenschaftsberichtes auf dem XVIII. Parteitag ( 1939 !) :
»Die Bourgeoisie aller Länder - und ihr reformistischer Nachtrab - behauptet immer wieder, dass die Arbeiterklasse, wenn sie die alten bürgerlichen Zustände zerstört hat, nicht fähig sei, etwas Neues anstelle des Alten aufzubauen. Die Arbeiterklasse unseres Landes hat durch die Tat bewiesen, dass sie durchaus fähig ist, nicht nur die alte Ordnung zu zerstören, sondern auch eine neue, bessere, die sozialistische Gesellschaftsordnung zu errichten, und zwar eine Gesellschaftsordnung, die weder Krisen noch Arbeitslosigkeit kennt... Man muss zugeben, dass es der Bourgeoisie und ihren Agenten in der Arbeiterklasse bis zu einem gewissen Grade gelungen ist, die Seele der Arbeiterklasse mit Zweifel und Unglauben zu vergiften. Wenn die Erfolge der Arbeiterklasse unseres Landes, wenn ihr Kampf und ihr Sieg dazu dienen werden, den Geist der Arbeiterklasse der kapitalistischen Länder zu heben und in ihr den Glauben an ihre Kraft, den Glauben an ihren Sieg zu festigen, so kann unsere Partei sagen, dass sie nicht umsonst arbeitet. Es ist nicht daran zu zweifeln, dass es so sein wird«. (Stalin Werke Band 14, dt. Ausgabe, Seite 234)
Diese Worte machen deutlich, wie tief Stalin in seinem Herzen ein proletarischer Internationalist gewesen ist und wie weit der VII. Weltkongress hiervon entfernt war.
Die historischen Erfahrungen der volksdemokratischen Länder haben leidvoll bewiesen, dass eine proletarische und eine bürgerliche Arbeiterpartei sich weder vereinigen noch zusammenarbeiten kann, um die sozialistische Revolution durchzuführen und die Diktatur des Proletariats aufzubauen. Das ist eine These, die nicht verteidigt werden kann und die auch Enver Hoxha stets entschieden bekämpft hat. Verteidigt werden müssen hingegen diejenigen Marxisten-Leninisten der Komintern und ihrer Sektionen, die sich mutig dagegen gewehrt haben, von den Rechten absichtlich in den Topf mit den tatsächlichen Sektierern geworfen zu werden. Sie waren es, denen historischer Verdienst gebührt, vor allem Stalin. Dabei waren es ja gerade die tatsächlichen Sektierer in der Komintern und in ihren Sektionen ZB. in Deutschland, die mit ihren Losungen vom »Kampf gegen jeden einzelnen sozialfaschistischen = sozialdemokratischen Arbeiter« (!), den Rechten den anti-sektiererischen Knüppel gegen die Marxisten-Leninisten in die Hand gegeben hatten und den Kampf gegen die »Hauptgefahr« des Sektierertums in der Weltbewegung provozierten, um den Revisionisten den Weg zur Macht zu ebnen. War der Sozialdemokratismus Wegbereiter des Faschismus, so war das Sektierertum Wegbereiter des Revisionismus, haben sie Hand in Hand gearbeitet, um die Komintern zu entwaffnen. Die Argumentation lief in der Komintern so ab, dass »linke Überspitzungen« vorgekommen seien ( und sie sind vorgekommen) und man nun die korrekte Linie aufgeben müsse, weil diese Überspitzungen von einer angeblich »falschen« ( in Wirklichkeit aber der korrekten) Politik herrühren und davon immer wieder infiziert werden würden. Um den Feind zu bekämpfen, der sich hinter dem Marxismus-Leninismus versteckt hält, darf man dem Feind niemals erlauben, uns Marxisten-Leninisten dabei zu »helfen«. Weder die »linke«, noch die rechte Abweichung kann uns bei der Verteidigung des Marxismus-Leninismus helfen. Der Feind unseres Feindes ist nicht automatisch unser Freund. Um den Feind zu besiegen, darf man alles beiseite räumen, um ihn besser aufs Korn zu nehmen. Nur eins dürfen wir nicht: uns dazu veranlassen, den Marxismus-Leninismus selber beiseite zu räumen - egal ob zur rechten oder zur »linken« Seite, denn sonst schießt man ungewollt auf den Marxismus-Leninismus, und dann kann man sich gleich selber die Kugel geben.
Natürlich hat die Kommunistische Internationale unter der Führung von Lenin und Stalin Täuschungsmanöver gegen den Weltimperialismus exzellent angewandt, hat die Sowjetunion nicht nur mit dem Gewehr, sondern auch mit der Waffe der Diplomatie gegenüber allen imperialistischen Gruppierungen einen hervorragenden Beitrag für die Weltrevolution geleistet, indem sie das proletarische Staatsschiff sicher um die Klippen des weltimperialistischen Meeres manövriert hat. Aber mit Diplomatie allein kann man keinen Klassenkampf führen, sondern nur ins Fahrwasser des Opportunismus gelangen, genauso, wenn man die Diplomatie, die dem Klassenkampf dient, rundweg als »bürgerlich« ablehnt. Nur ist es dumm zu behaupten, die Komintern hätte keine Fehler gemacht. Versuche des Feindes, die Komintern von innen heraus vom richtigen Kurs abzubringen, hat es genug gegeben. Und eine der schwerste Fehler waren die Beschlüsse des VII. Weltkongresses. Niemals kann eine bestehende bolschewistische (!) Organisation, kann eine bestehende bolschewistische Linie, durch eine »neue Linie«, durch einen »neuen« Kurs bolschewisiert werden, ohne in Revisionismus zu verfallen, ohne die bolschewistische Organisation ins Gegenteil, in eine revisionistische Organisation, zu verwandeln: Bolschewismus in Worten, Revisionismus in Taten. So wurde dann ja auch aus der bolschewistischen Partei neuen Typs durch die Volksfrontpolitik eine Vereinigung mit den bürgerlichen Parteien hergestellt, wurde aus der Partei der Arbeiterklasse ein »neuer Typ« - , » die Partei des ganzen Volkes«, eine sozialfaschistische Partei, die die Kommunisten und Arbeiter ins Gefängnis steckten und ermordeten - »im Namen » des Bolschewismus. Diese revisionistische Gefahr des Missbrauchs des Kampfes für die Einheitsfront existiert, seit der Marxismus existiert und der zieht sich auch durch die ganze Geschichte der Komintern. Aus der Dimitroff`schen Einheitsfronttaktik ging letztlich der Sozialdemokratismus als Sieger hervor und erlitt der Kommunismus eine Niederlage, und anders kann das Ergebnis auch nicht ausfallen, wenn man sich auf den revisionistischen Weg begibt. Diese Linie stammt also bereits aus den 30er Jahren und ist nicht erst eine Erfindung Chruschtschows. Wir werden also genau wieder bei Chruschtschow landen, wenn wir nicht die Gefahr einer Wiederholung des Verrats der revisionistischen Entartung der korrekten anti-faschistischen Einheitsfront von vorn herein verhindern. Und dies ist ja heute schon längst keine theoretische Frage mehr. Nicht nur die US-Imperialisten marschieren bereits in Hitlers faschistischen Militärstiefeln.
Bolschewismus »bolschewisieren« - und so begründete Dimitroff seine Abkehr vom Bolschewismus - heißt nichts anderes als den Bolschewismus zu neutralisieren, zu liquidieren. Bolschewisieren, den Bolschewismus stärken heisst, die Komintern vom Opportunismus zu reinigen, aber nicht, indem man sich mit dem Opportunismus versöhnt, nicht indem man dem Opportunismus die Türen öffnet, um ihn herein zu lassen, um ihn an der bolschewistischen Macht auch noch zu beteiligen(!). Dimitroff spricht auch von der »endgültigen Bolschewisierung« (Dimitroff, Bd. 3, Seite 562, dt. Ausgabe). Es ist uns nicht bekannt, dass die Klassiker jemals etwas über eine solche »endgültige Bolschewisierung« erwähnt hätten, genauso wie solche wahnwitzige These vom »endgültigen Sieg« des Sozialismus »in einem Lande«. Lenin und Stalin gingen stets von der Bolschewisierung als Entwicklungsgesetz der Kommunistischen Partei aus ebenso wie von dem Gesetz der Verschärfung des Klassenkampfes des Sozialismus »in einem Land« - und zwar für die ganze Periode des Übergangs bis zum Kommunismus. Einen bürgerlichen Punkt zu setzen, hinter dem sich nichts mehr entwickeln kann oder darf, das hat Mao auch mit den Mao Tsetungideen so gemacht. So war das stolz ausstaffierte »Trojanische Pferd«, das Dimitroff erwähnt, eher ein lahmer Gaul, in den jeder Opportunisten mit Leichtigkeit hineinschlüpfen konnte, ja sogar dazu eingeladen wurde. Dies hatte nicht nur verheerende Folgen für den Einsatz dieses Trojanischen Pferdes an der Einheitsfront, sondern für die Existenz der Kommunistischen Internationale selbst, während Dimitroff mit seiner These vom endgültigen Sieg des Sozialismus in der Sowjetunion glaubte, auf diese Weise ließe sich der Brocken Sozialdemokratismus schlucken. Und diesem »Irrtum« fiel auch Ramiz Alia zum Opfer, als er in Albanien den »endgültigen« Sieg über den Revisionismus predigte.
Die Komintern/ML verteidigt deswegen diejenigen Kräfte, die konsequent an der bewaffneten Revolution als einzigen Lenin`s Weg zur Errichtung der Diktatur des Proletariats festgehalten haben, so wie zum Beispiel die Albaner ihren antifaschistischen Befreiungskampf in die siegreiche Volksrevolution verwandelten, um die Diktatur des Proletariats zu errichten. Die Komintern/ML verteidigt alle Internationalisten, die für die Einhaltung der alten Beschlüsse der Komintern nicht nur vor sondern auch gerade wegen und trotz des VII. Weltkongress auch danach weiterhin kämpften, sich auf die Prinzipien des Marxismus-Leninismus stützten und den »neuen bolschewistischen Kurs« des VII. Weltkongresses vom marxistisch-leninistischen Standpunkt aus als rechten Kurs kritisierten.
Es ist auch durch die Praxis erhärtet, dass der Sozialismus nicht unter den Bedingungen eines bürgerlichen Mehrparteiensystems aufgebaut werden kann. Ferner widerspricht die Konzeption eines »friedlichen Übergangs« vom Kapitalismus in den Sozialismus den historischen Erfahrungen des internationalen Klassenkampfes. Die Generallinie der Komintern/ML und die Generallinie des VII. Weltkongresses der Komintern stehen sich daher unversöhnlich gegenüber.
Nicht mehr das gemeinsame unmittelbare Kampfziel der Diktatur des Proletariats stand im Zentrum, nicht mehr die bewaffnete sozialistische Revolution, nicht mehr die Weltrevolution, nicht mehr die Entschlossenheit des (bewaffneten) Kampfes nicht nur der Sowjetunion, sondern mit ihr in allen Ländern gegen die aggressiven Handlungen und Pläne der Imperialisten standen im Zentrum der Generallinie, sondern - im Gegenteil:
- eine rechte, klassenversöhnlerische »anti-imperialistische Front« auf der Basis der »friedlichen Koexistenz« zwischen Bourgeoisie und Proletariat gegen die »reaktionären Auswüchse des Imperialismus« (»Friedenskampf«, »Antifaschismus«, Reformismus), Aufbau demokratischer Staaten statt Internationalismus und Weltrevolution, »Wandel durch Annäherung« aber eben nicht mehr seine weltrevolutionäre Zerschlagung (=«Sektierertum«). Die Kette des Imperialismus als anti-imperialistische Weltfront zu sprengen aber heisst, ALLE Ketten der imperialistischen Ausbeutung und Unterdrückung in der ganzen Welt zu sprengen, und NICHT durch neue, feinere, raffiniertere Ketten zu ersetzen - und eine `anti-imperialistische Front` MIT dem Revisionismus zusammen, ist eine solche neue imperialistische Kette, eine sozialimperialistische Kette.
Es gibt Genossen, die Dimitroffs Taktik gegen den Faschismus mit der NÖP-Taktik Lenins vergleichen und damit zu rechtfertigen versuchen. Sicherlich ist es richtig, dass es Niederlagen, erschwerte Bedingungen usw. gibt, die einem zum Rückzug zwingen, die einem Umwege aufzwingen. Der Weg zum Sozialismus ist nie gradlinig, und dafür kann man nicht die Kommunisten verantwortlich machen, was die »linken« Gegner im eigenen Lager gerne zu tun pflegen. Kritiker an Dimitroff mit der Kritikern an der NÖP in einen »Sektierertopf« zu stecken, ist ein alter revisionistischer Hut. Die Bourgeoisie gibt nicht kampflos auf, sie greift zum Faschismus. Eine Kommunistische Partei, deren Führung, deren Mitglieder von den Faschisten ermordet werden, die in die Illegalität gedrängt wird, untertauchen muss, sich reorganisieren, unter erschwerten Bedingungen kämpfen, Kompromisse machen muss, um jede kleine legale Freiheit abzuringen, darf niemals ihre Prinzipien aufgeben oder sich gar dem Diktat der Bourgeoisie unterordnen und auf ihre Selbständigkeit verzichten. So war die NÖP ein erfolgreicher Schritt, das sozialistische Russland zu schaffen, weil die Diktatur des Proletariats dabei nicht einen einzigen Millimeter aufgegeben wurde. Weder mit Faschismus noch mit Sozialfaschismus darf Dimitroff irgendwelche reformistisch-revisionistischen Zwischenetappen zum Sozialismus in kapitalistischen Staaten rechtfertigen. Sozialismus oder Barbarei! Während Dimitroff den Wegbereitern des Faschismus die Hand reichte, und damit objektiv dem Kapitalismus das Überleben erleichterte, reichte Lenin mit der NÖP den Kapitalisten nicht die Hand, um den Kapitalismus aufzubauen, sondern den Sozialismus. Die Bolschewiki haben zu keinem Zeitpunkt der NÖP ihre politische Macht mit irgend jemandem geteilt. Das aber tat Dimitroff mit der Volksfrontregierung.
Zum Schluss kommt die entscheidende und wichtigste Frage:
Wie lässt sich unser kritische Standpunkt gegenüber Dimitroff vertreten, wenn hingegen die Albaner einen ganz anderen Standpunkt eingenommen haben, nämlich Dimitroff als Verteidiger des Marxismus-Leninismus gegen den Revisionismus einzuschätzen, während die Komintern/ML von einem Wegbereiter des Revisionismus spricht? Die Differenzen leugnen wir nicht. Wir haben uns diesen Schritt nicht leicht gemacht. Und bis wir uns dazu durchgerungen haben, eine andere Auffassung über Dimitroff als die Albaner zu vertreten, sind einige Jahre vergangen. Wir müssen abschließend einräumen, dass wir mangels Dokumente noch nicht bis zur Wahrheit vorgedrungen sind, dass wir uns in einzelnen Punkten geirrt haben können, aber in der Tendenz, in der allgemeinen Beurteilung halten wir unsere Argumente für mehr als ausreichend, uns unbedingt von Dimitroff kritisch abzugrenzen. Wir haben uns zunächst von dem Namen, von der Persönlichkeit Dimitroffs, von der Rolle als kommunistischer Weltführer, mit der er in die Geschichte eingegangen ist, vollkommen frei gemacht und uns auf das konzentriert, was uns tatsächlich dokumentarisch vorliegt, haben ganz nüchtern versucht, seinen Standpunkt unter die marxistisch-leninistische Lupe zu nehmen und uns dabei ausgerechnet vom politisch-ideologischen, inhaltlichen Standpunkt der Albaner leiten (!!) lassen - und deren Äußerungen über Dimitroff decken sich im Wesentlichen mehr mit dem Standpunkt der Komintern/ML als sie sich unterscheiden. So haben die Albaner zwar in Worten gegenüber Dimitroff und dem VII. Weltkongress eine unserer Meinung überzogene verallgemeindernde Verteidigungsstellung aufrechterhalten, aber in ihrer ganzen Theorie und Praxis haben sie sich vom Marxismus-Leninismus leiten lassen, haben sie alle die Dinge kritisiert und entlarvt, die wir auch kritisiert und entlarvt haben, sind sie im Grunde genommen ihr Leben lang den Weg des I. - VI. Weltkongresses gegangen und nicht den Weg des VII. Weltkongresses. Obwohl dieser zeitlich dem Gründungstag der PAA am nächsten lag, war er politisch am weitesten entfernt. Das war für uns das Entscheidende.
Ohne Enver Hoxha, ohne die Albaner, wären wir zu dieser kritischen Haltung zu Dimitroff und dem VII. Weltkongress UNMÖGLICH gekommen. Das scheint paradox zu sein, ist aber die Wahrheit. Die Revisionismuskritik von Enver Hoxha an Mao hat es so an sich, dass sie verlangt, weitergeführt zu werden und somit auch Dimitroff einer kritischen Analyse zu unterziehen. Der Marxismus-Leninismus ist eine in sich schlüssige aber keine abgeschlossene Lehre. Sie ist deswegen revolutionär, weil sie sich ständig selber kritisiert, um sich weiter zu entwickeln, ihre Beständigkeit dabei aber stets bewahrt. Auch der Marxist-Leninist ist nur dann wirklich revolutionär, wenn er sich ständig kritisiert, um sich weiterzuentwickeln und dabei seiner Prinzipienfestigkeit stets treu bleibt. Wer das bezweifelt, ist kein konsequenter Marxist-Leninist, sondern ein Neo-Revisionist, der die Kritik am modernen Revisionismus als eine historische Erscheinung beerdigt und zur Selbstkritik nicht fähig ist. Eine Revisionismuskritik, die sich als abgeschlossen betrachtet, wäre nur im Sinne des Revisionismus selbst, und daran sogar »mitzuarbeiten«, ist der Revisionismus natürlich sehr interessiert. So ist auch Ramiz Alia vorgegangen. Er hat hinter den Lehren Enver Hoxhas ein Denkmal gesetzt, damit sie sich nach seinem Tod nicht weiter entwickeln sollten und das Denkmal dann um so leichter gestürzt. Es ist klar, dass man mit Enver Hoxhas Revisionismuskritik immer tiefer in die Vergangenheit vordringen wird und unweigerlich auf den VII. Weltkongress stößt. Das war nur eine Frage der Zeit. Wir haben uns insbesondere die Methode Enver Hoxhas angeeignet, mit der er Mao kritisierte. Das war der Ausgangspunkt. Wir hatten in der Dimitroff-Frage mit den gleichen Zweifeln zu kämpfen wie Enver in seinen »Betrachtungen über China« mit der »Chinesiade« rang. Die Auflösung der Komintern ist genauso eine dunkle Geschichte, wo man die Spuren bewusst verwischt hatte, um den Mythos Dimitroff zu erschaffen, und der wurde nun mal von den Revisionisten selber und nicht irrtümlich gegen die Revisionisten entwickelt. Dimitroff, Mao oder die Begrüßung des XX. Parteitags der KPdSU, sind alles keine Gründe, um Enver Hoxha als Klassiker des Marxismus-Leninismus zu verneinen, noch die Komintern/ML als Doppelzüngler zu verurteilen. Die Albaner haben ihre Haltung selbstkritisch korrigiert und sind stets diejenigen gewesen, die am weitesten in der Revisionismuskritik vorangeschritten sind. Ihre Beweggründe sind nachvollziehbar - Die Partei der Arbeit wurde etwa zum gleichen Zeitpunkt gegründet als die Komintern aufgelöst wurde und steht als eine der letzten in einer Reihe aller derjenigen Parteien, die an der Seite der Sowjetunion Lenins und Stalins auf der ganzen Welt gegründet wurden. Es war für die damals noch unerfahrenen albanischen Genossen sehr wichtig, sich der Komintern verbunden zu fühlen, von ihr zu lernen, denn sie war - wie die PAA auch - ein Kind der Oktoberrevolution. Und nach Ansicht der Albaner war Dimitroff ein erfahrener Weltführer, der zudem aus dem Balkan kam und der Sowjetunion nicht nur geographisch viel näher zu stehen schien als Titos Jugoslawien. Die PAA konnte damals noch nicht an vorderster Front des anti-revisionistischen Kampfes stehen und die rechten Abweichungen des VII. Weltkongresses kritisieren. Diese Rolle hatte Stalin damals inne. Für die Albaner waren die Bedingungen zu der Zeit noch nicht reif. In der Verteidigung des VII. Weltkongresses hatten die Albaner stets die Einheit der kommunistischen Weltbewegung im Auge und waren bemüht, für diese Einheit Opfer zu bringen, dafür zu kämpfen und sie nicht den Revisionisten zu überlassen. So verhielten sie sich auch im sozialistischen Lager. In ihrer gesamten internationalistischen Haltung ließen die Albaner nichts unversucht, alle Möglichkeiten auszuschöpfen und begannen erst mit offener Kritik, nachdem eine Partei unwiederbringlich an den Revisionismus verloren war. Dimitroff verkörperte in der kommunistischen Weltbewegung den Geist der Einheit, den die Revisionisten zerstörten, also verteidigten sie ihn, obwohl sie sicherlich gewusst haben mussten, dass diese Einheit nicht auf sicheren Beinen stand. Sie meinten aber zum damaligen Zeitpunkt zu glauben, dass eine offene Verurteilung mehr Schaden als Nutzen einbringen würde, solange der Kampf gegen den Revisionismus noch tobte. Man muss aber immer wachsam sein, und irgendeinen Verdacht auch gegenüber den Genossen offen darlegen, was nicht heisst, dass man alles gleich an die öffentliche Glocke hängen soll. eute sehen wir, dass eine unkritische Haltung gegenüber Dimitroff falsch ist: Sie ist unserer Meinung nach vom korrekten marxistisch-leninistischen Standpunkt aus nicht zu verteidigen, nicht tragbar und auch nicht vertretbar. Dimitroff in Bausch und Bogen zu verteidigen, ist einfach falsch und kann nur schädlich sein. Man kann den Revisionismus nicht bekämpfen, wenn man nicht die rechten Abweichungen bekämpft aus denen der Revisionismus seine Wurzeln geschöpft hat. Da darf man keine versöhnlerische Haltung einnehmen, so gut und ehrlich sie auch gemeint sein mag, So haben wir also nur das getan, was Enver mit Mao getan hat, nämlich damit aufzuhören, Dimitroff als unfehlbaren Marxisten-Leninisten zu betrachten. Dimitroff selbst hat sein eigenes Image als Weltführer des Kommunismus in Frage gestellt, zumindest mit Beginn des VII. Weltkongress. Der Mythos eines Maos wird weiterleben, wenn nicht auch der Mythos Dimitroffs aufhört. Die Kritik an Dimitroff - das waren wir der Ernsthaftigkeit unseres Kampfes gegen den Neo-Revisionismus schuldig. Eine versöhnlerische Haltung gegenüber den Neo-Revisionismus ist tödlich für die Einheit der marxistisch-leninistischen Weltbewegung, deswegen mussten wir auch die versöhnlerische Haltung gegenüber Dimitroffs Fehlern selbstkritisch zurücknehmen, um der Komintern/ML nicht zu schaden. Das ist die Quintessenz in der Dimitroff-Frage, und die gebietet uns, den abweichenden Standpunkt der Albaner zu Dimitroff zu kritisieren und zu korrigieren, in den Positionen, wo wir dies für notwendig hielten. Und die Zeit drängt. Wir müssen einfach selbstkritisch erkennen, dass wir nicht nur in der Dimitroff-Frage, sondern in allen Fragen viel schneller vorankommen müssen, dass wir revolutionärer denken müssen als bisher. Wir hinken immer noch in der marxistisch-leninistischen Weltbewegung im Nachtrab hinter den Erfordernissen der Weltrevolution hinterher. Das heisst nicht, wir sollten unüberlegt handeln und uns die Finger verbrennen. Das heisst nur, wir müssen unserer Anstrengungen erhöhen, um den Marxismus-Leninismus auf die erforderliche Höhe der Zeit zu heben. Sollte es gelingen, die Marxisten-Leninisten einheitlich aus dem Tief herauszubringen gegen den Ansturm der Opportunisten, die unsere Fehler jetzt hundertprozentig auskosten werden, dann sind wir einen Riesenschritt vorangekommen, wird sich die Richtigkeit der Generallinie der Komintern/ML trotz unserer gegenwärtigen Schwäche durchsetzen. Die Versäumnisse der Albaner werden uns heute um die Ohren gehauen werden, aber damit müssen wir fertig werden. Denn wenn wir nicht die Steine für die neue Kommunistische Internationale aus dem Weg räumen, werden das andere tun - und sie werden zu Recht den »Stein Komintern/ML« gleichsam mit aus dem Weg räumen müssen, wenn wir gegenüber der Haltung der Albaner in der Dimitroff-Frage versöhnlerisch sein würden.
Wir nehmen also an, dass die Albaner - als sie sich vom Revisionismus abgrenzten - auch kritisch auf Dimitroff stoßen mussten, und wir vermuten, dass es in Albanien Genossen gab, die unsere Meinung teilen, aber vielleicht in der Minderheit waren und der Parteidisziplin, dem demokratischen Zentralismus unterworfen waren. Wir wissen das nicht genau. Wir sind aber davon überzeugt, dass zu diesen kritischen albanischen Genossen auf jeden Fall auch der Genosse Enver Hoxha gehört haben muss, denn er war es auch, der den Maoismus schon längst entlarvt und verurteilt hatte, als die PAA offiziell noch den Schulterschluss mit Mao`s revisionistisches China praktizierte. Es muss also über diese Fragen Meinungsverschiedenheiten in der PAA gegeben haben. Der Verrat Ramiz Alias ist ja nicht vom Himmel gekommen, sondern muss eine lange Geschichte haben, bevor der Schritt des offenen Verrats nach Enver Hoxhas Tod gewagt werden konnte. Die Ursachenforschung für den Verrat an Enver Hoxha und an der PAA muss vorangetrieben werden, damit wir unsere Lehren ziehen können. Das gilt auch für die Dimitroff-Frage, die wir noch nicht für endgültig gelöst betrachten. Die Generallinie ist hierfür nur ein bescheidener Beitrag.
Die chinesische »Polemik« - ein neo-revisionistischer Papiertiger
(Kritik an Mao`s »Polemik über die Generallinie der internationalen kommunistischen Bewegung , 1963»)
Dimitroff war nicht der einzige, der gegen die alten Beschlüsse der Komintern verstieß. So verweigerte sich auch Mao der Unterordnung unter die Komintern und kümmerte sich in seinem eigenen Land nicht sonderlich um die Umsetzung der von allen Sektionen gebilligten korrekten Richtlinien der Komintern, sondern sabotierte sie, um seinen falschen Weg fortsetzen zu können. Damit schadete er schließlich nicht nur der Weltrevolution, sondern auch der eigenen chinesischen Revolution, die er gegen die Bevormundung der Komintern zu »schützen« vorgab. Das hat Stalin kritisiert, und er hat große Anstrengungen unternommen, um die chinesische Revolution in die proletarische Richtung zu führen, ja er hat sogar Selbstkritik geübt, aber davon wollten die Bauernrevolutionäre nichts wissen. So wurden nicht nur die chinesischen Proletarier betrogen, sondern auch den Bauern selbst der Weg zum Sozialismus erschwert. Es kann keinesfalls als Zufall betrachtet werden, dass die Herauskristallisierung der Mao Tsetung Ideen als Spielart des Revisionismus bereits vor dem 2. Weltkrieg Gestalt angenommen hatte. Das wurde schon 1935 deutlich, nämlich im gleichen Jahr (!) des Wendepunktes des VII. Weltkongresses. Mit der überwiegenden Mehrheit aller anderen Sektionen gab Mao die Komintern-Parole des Kampfes »gegen das Sektierertum« und »gegen den Dogmatismus« in China aus. Wie alle anderen Sektionen auch, entwickelte Mao dort den eigenen nationalen Marxismus hinter der Maske des Internationalismus, um die Abkoppelung der Kommunistischen Parteien von der Komintern und das Bündnis mit der eigenen nationalen Bourgeoisie zu erleichtern. So wandten sich alle Opportunisten vom revolutionären Geist der Komintern ab, um sich nach der Häutung schließlich der leeren Hülle zu entledigen = Auflösung der Komintern. Nun war der Weg frei für die Entstehung der verschiedensten, revisionistischen Spielarten, wie etwa für die Mao Tsetung Ideen, f&uum