Teil 9

Dass der sowjetische Geheimdienst der Abschaffung des Geheimdienstes im Weltkommunismus dienen müsse, daran hat ein Berija natürlich nicht im Entferntesten gedacht ! Er war schließlich kein Kommunist, sondern hat sich lediglich kommunistischer Herrschaftsinstrumente bedient: Statt Sowjetmacht mit marxistisch-leninistischen Mitteln, verlangte Berija eine „Sowjetmacht“ mit allen Mitteln, mit äußersten Mitteln, also mit Mitteln des Terrors gegenüber dem Volk, gegenüber Stalinisten gegenüber dem Stalinismus. Die UdSSR als Supermacht , das war das Streben Berijas und dafür hielt er Stalin eine zeitlang für nützlich und schließlich hinderlich. Er brauchte Stalin als Haupttriebfeder für die Entstehung einer imperialistischen Supermacht. So griff Berija unter Ausnutzung Stalins zur Atombombe. Als Stalin sich für Berija als Hemmschuh erwies, beseitigte er Stalin – und siehe da - Berijas sowjetischer Sozialimperialismus wuchs „bombenstark“ heran !



Stalin beantwortete die Frage des Staates im Kommunismus wie folgt:

Wir schreiten weiter, vorwärts zum Kommunismus. Wird bei uns der Staat auch in der Periode des Kommunismus erhalten bleiben? Ja, er wird erhalten bleiben, wenn die kapitalistische Umkreisung nicht beseitigt, wenn die Gefahr kriegerischer Überfälle von außen nicht überwunden wird; dabei ist es klar, dass sich die Formen unseres Staates neuerlich verändern werden, entsprechend den Veränderungen der inneren und äußeren Situation.

Nein, er wird nicht erhalten bleiben, sondern absterben, wenn die kapitalistische Umkreisung beseitigt, wenn sie durch eine sozialistische Umwelt abgelöst wird. So steht es um die Frage des sozialistischen Staates“ (ebenda, Seite 229).

Als diese Frage des Weiterbestehens oder Absterbens des Staates im Kommunismus aufgeworfen worden war, standen sich damals zwei entgegengesetzte Gesellschaftsformationen Waffen starrend gegenüber, die eine ausgerüstet mit allen Staaten der Welt ( bis eben auf den Sowjetstaat) und die andere Gesellschaftsformation verfügte über einen immerhin jahrzehntelangen Zeitraum nur über einen einzigen Staat. Und dieser Staat stand ja nicht nur einer Übermacht der anderen Staaten gegenüber, sondern hatte außer den eigenen Interessen der Sowjetvölker, schließlich noch die Interessen des Weltproletariats, die Interessen des größten Teils der Weltbevölkerung zu verteidigen, die von allen anderen Staaten ausgebeutet, unterdrückt und und nicht nur gegeneinander aufgehetzt, sondern auch gerade gegen ihren eigenen internationalistischen Staat in den Krieg gezwungen wurden. Ein einzelner sozialistische Staat hatte also übergroße Pflichten im Weltmaßstab zu erfüllen und war dementsprechend hoch zurüsten. Er musste dafür einerseits offen sein für das Weltproletariat, für die unterdrückten Völker, und andererseits abgeschottet werden gegenüber dem Eindringen der Staaten der feindlichen Gesellschaftsformation. Dieser Staat hatte ganz allein die Aufgabe, nicht nur eine ganze Gesellschaftsformation zu schützen und aufzubauen, sondern sich auch mit den unlösbaren inneren Widersprüchen der feindlichen Gesellschaftsformation auseinander zusetzen.

Unter solchen schwierigen Bedingungen den einzigen sozialistischen Staat als Klassenkampfinstrument im Weltmaßstab zu beherrschen, war wahrlich keine leichte Sache, das war für die Führung der KPdSU (B), für Stalin eine große Herausforderung, die trotz großer Anstrengungen und Opfer des sozialistischen Staat gemeistert wurden. Der erste sozialistische Staat hatte Aufgaben zu leisten, die nie ein Staat vorher geleistet hatte und die nie wieder ein Staat irgendeines Landes leisten muss, nicht einmal ein neu entstehender weltsozialistischer Staat, der – wie der Name sagt – als Teil der ganzen sozialistischen Weltstaatengemeinschaft angehören wird.

Je geringer also das weltrevolutionäre Bewusstsein über die internationalistische Rolle des Sowjetstaates, desto größer die Unterschätzung der Notwendigkeit der Erhöhung und Ausdehnung seiner Schlagkraft und Stärke im Weltmaßstab.

Stalin gab selbstkritisch zu:

Auf welchem Boden konnte bei uns diese Unterschätzung [der Rolle des sowjetischen Staates – Anmerkung der Redaktion] aufkommen? Auf dem Boden der ungenügenden Ausarbeitung und Unvollständigkeit einiger allgemeiner Sätze der Lehre des Marxismus vom Staate. Sie fand Verbreitung infolge unseres sträflich sorglosen Verhaltens zu den Fragen der Staatstheorie, obwohl wir über die praktische Erfahrung einer zwanzigjährigen staatlichen Tätigkeit verfügen, die ein reiches Material für theoretische Verallgemeinerungen liefert, obwohl wir die Möglichkeit haben, diese theoretische Lücke, bei richtigem Willen unsererseits, erfolgreich auszufüllen“ (ebenda, Seite 224).

Er erkannte also die reale Gefahr, die durch die Umkreisung drohte:

Wäre es vom Standpunkt des Marxismus aus nicht richtiger anzunehmen, dass die bürgerlichen Staaten ins Hinterland der Sowjetunion doppelt und dreimal soviel Schädlinge, Spione, Diversanten und Mörder schicken müssen als in das Hinterland eines beliebigen bürgerlichen Staates? Ist es nicht klar, dass es bei uns, solange die kapitalistische Umkreisung besteht, Schädlinge, Spione, Diversanten und Mörder geben wird, die von Agenten ausländischer Staaten in unser Hinterland geschickt werden? All das haben unsere Parteigenossen vergessen, und weil sie es vergessen haben, wurden sie überrumpelt“ (Stalin, Band 14, Seite 124, KPD/ML, 1976) ... Überrumpelt wurde Stalin schließlich von den 1953-Verschwörern, überrumpelt wurde er insbesondere von Berija, weil er viel zu lange an ihn geglaubt hatte – trotz aller Warnungen.

In gewissem Maße lassen wir Bolschewiki alle ohne Ausnahme uns diese Unterschätzung zu Schulden kommen“ (Stalin Werke, Band 14, Seite 223, KPD/ML, 1976). Und das sagte Stalin bereits 1939 als er Berija gerade erst nach Moskau holte, um ihn auf den Posten der Leitung des Abwehrdienstes zu stellen. Stalin erklärt auch, worin die Ursachen liegen:

Dieses Versagen erklärt sich aus der Unterschätzung der Kraft und Bedeutung des Mechanismus der uns umgebenden bürgerlichen Staaten und ihrer Spionageorgane, die bestrebt sind, die Schwächen der Menschen, ihre Eitelkeit, ihre Charakterlosigkeit auszunutzen, um sie in ihre Spionagenetze zu verstricken und diese Netze und die Organe des Sowjetstaates zu ziehen“ (ebenda, Seite 223-224).

Im Grunde hatte Stalin diesen Mechanismus durchschaut und auch Mittel und Wege in Gange gesetzt, um diesen Fehler wettzumachen. Er hatte aber neben den richtigen Person auch unvermeidlich falsche Personen für diesen Posten ausgewählt, deren Schwächen, Eitelkeit und Charakterlosigkeit eben gerade von den Imperialisten ausgenutzt werden konnten.

Die Funktion des militärischen Schutzes des Landes vor Überfällen von außen blieb völlig erhalten, es blieben folglich auch die Rote Armee, die Kriegsmarine, ebenso wie die Straforgane und der Abwehrdienst, die notwendig sind zur Aufdeckung und Bestrafung von Spionen, Mördern und Schädlingen, die von den ausländischen Spionagediensten in unser Land geschickt werden“ (Stalin: „Fragen des Leninismus“, Seite 728).

Stalin wandte sich entschieden gegen dieUnterschätzung der Rolle und Bedeutung des Mechanismus unseres sozialistischen Staates und seines Abwehrdienstes, Unterschätzung dieses Abwehrdienstes, Geschwätz, dass der Abwehrdienst im Sowjetstaate nebensächlich und bedeutungslos sei, dass man den sowjetischen Abwehrdienst, ebenso wie den Sowjetstaat selbst, bald in ein Museum für Altertümer abschieben müsse“ (Stalin, „Fragen des Leninismus“, Seite 722- 723). Und ferner schrieb Stalin, dass dieEngels`sche Formel unanwendbar ist in dem Falle, dass der Sozialismus in einem einzelnen Land siegt und in allen anderen Ländern der Kapitalismus herrscht ... Das Land, in dem die Revolution gesiegt hat, ist verpflichtet, seinen Staat nicht zu schwächen, sondern ihn, die staatlichen Organe, die Organe des Abwehrdienstes, die Armee mit allen Mitteln zu stärken, wenn es nicht von der kapitalistischen Umkreisung zertrümmert werden will“ („Bolschewik“, Nr. 14/1950, Seite 4).


Der Stalinismus steht auf dem Grundpfeiler, die Mission des Weltkommunismus vorrangig durch die Festigung der Macht des Sowjetstaates zu erfüllen. Und genau dies machten sich die modernen Revisionisten zu Nutze, indem sie den Sowjetstaat in eine Festung zum Vereiteln der Mission des Weltkommunismus verwandelten, vor allem durch Berija und Malenkow und schließlich durch Chruschtschow und seine Nachfolger.

Zur Orientierung geben wir hier einen kurzen chronologischen Überblick über die Staatssicherheitsorgane der Sowjetunion:

1917 – 1922 Tscheka – Außerordentliche Kommission zum Kampf gegen Konterrevolution und Sabotage

1922 – 1923 GPU / NKWD – Staatliches Politisches Direktorium im Volkskommissariat für Innere Angelegenheiten

1923 – 1934 OGPU – Vereinigtes Staatliches Politisches Direktorium

1934 – 1941 GUGB / NKGB – Volkskommissariat für Staatssicherheit

Februar – Juli 1941 NKGB – Volkskommissariat für Staatssicherheit

Juli GUGB /

1941 – 1943 NKWD

1943 – 1946 NKGB

1946 – 1953 MGB - Ministerium für Staatssicherheit

1953 – 1954 MWD – Ministerium für Inneres

1954 – 1991 KGB – Komitee für Staatssicherheit

1991 – 1993 MB – Ministerium für Staatssicherheit

1991 – 1993 SWR – Auslandsnachrichtendienst

1991 – 1993 FSK - Spionageabwehrdienst



Unserer Meinung nach ging es Stalin nicht allein um die Aufdeckung und Bestrafung von Spionen, Mördern und Schädlingen, alle konnte man nicht fassen, es gab Lücken. Was aber wenn Spione, Mörder und Schädlinge durchgeschlüpft waren? Wie materialisierte sich ihr Einfluss in veränderten Stimmungen der Massen? Wir Marxisten-Leninisten müssen mit den Massen engstens verbunden sein, müssen die Massen studieren, beobachten, was sie bewegt, müssen von ihnen lernen, Augen und Ohren offen zu halten. Augen und Ohren der Massen sind tausendmal wachsamer als der beste Geheimdienst der Welt.

Zuerst bemerkt man veränderte Stimmungen in der Gesellschaft, dann ergründet man ihren Klassengehalt, forscht man nach, woher diese Ideen kommen und danach erst kommt man diesen Agenten, Schädlingen und Indoktrinatoren auf die Spur. Sich gegen fremde Einflüsse verteidigen, müssen die Massen lernen und dabei hilft ihnen ihr Staat als Verteidigungsinstrument. Natürlich funktioniert das in einer sozialistischen Gesellschaft nur, wenn zwischen den Massen, der Partei und dem Staat eine enge, vertrauensvolle und kämpferische Einheit hergestellt und aufrechterhalten wird anstatt das Volk auszuhorchen, zu belauschen und zu bespitzeln wie das die Sozialfaschisten tun, um die Terrorherrschaft des sozialfaschistischen Staates über das Volk auszuüben.

Das sind zwei verschiedene politische Grundhaltungen bei der Bekämpfung der imperialistischen Einflüsse von außen, ein tiefer Graben zwischen Stalin und Berija! Stalin persönlich übernahm die Verantwortung für die Reorganisation des Auslandsnachrichtendienstes im Ministerium. Er gab diesem Dienst mehr Macht. Das war eine Initiative Stalins im Politbüro – 19. Dezember 1952 - weil Stalin mit dem Auslandsnachrichtendienst nicht einverstanden war, weil dieser von Parteifeinden gegen ihn eingesetzt wurde. Das Innenministerium wurde entmachtet und der Geheimdienstchef an Auslandsabteilung gekoppelt. Malenkow berichtete, es handele sich um den Aufbau eines großen Geheimdienstnetzes im Ausland. Malenkow zitiert Stalin (gefunden bei Sudoplatow – also nicht abgesichertes Zitat):

Die Arbeit gegen unseren Hauptgegner ist unmöglich, wenn wir nicht dem Prinzip eines hervorragenden Geheimdienstnetzes treu bleiben. Es ist nicht notwendig, unsere Geheimdienstpositionen in den Vereinigten Staaten auszuweiten, doch wir sollten mit Entschiedenheit gegen die Amerikaner vorgehen, und zwar vor allem in Europa und im Mittleren Osten. Ferner sollten wir neue Möglichkeiten nutzen, die sich durch den verstärkten Zustrom chinesischer Emigranten in die Vereinigten Staaten bieten. Der Schwachpunkt Amerikas ist die ethnische Vielfalt seiner Bevölkerung. Wir müssen nach Möglichkeiten suchen, Minderheiten zu benutzen. Kein im Ausland geborener Amerikaner, der uns als Agent dient, sollte gebeten werden, gegen sein eigenes Heimatland zu arbeiten. Man sollte den bestmöglichen Gebrauch von deutschen, italienischen und französischen Emigranten in den Vereinigten Staaten machen, indem man sie überzeugt, dass sie für ihre Herkunftsländer arbeiten, wenn sie uns helfen.“ ( wie gesagt, zitiert bei Sudoplatow)

Was Sudoplatow anbelangt, war Malenkow dabei, für dieses neue Agentennetz alte Funktionäre rauszusäubern, insbesondere diejenigen, die mit dem Jüdischen Antifaschistischen Komitee in Verbindung gebracht wurden. Dazu gehörte auch Sudoplatow.

Die Agenten wussten schon vorher ganz genau, welche sozialen Schichten der Sowjetunion für die ausländische Infiltration nicht nur besonders empfänglich waren, sondern auch auch wer als potentieller Träger zur Verbreitung der bürgerlichen Ideologie innerhalb der kommunistischen Gesellschaft der Sowjetunion in Frage kam. Sie waren darin geschult, wie man die Massen negativ beeinflussen konnte. Da waren zunächst einmal diejenigen Personen, die Kontakt zum Ausland hatten. Das waren nicht die Arbeiter und Bauern, sondern die Intelligenz. Ferner waren es jene Organe, die mit dem Ausland auf die eine oder andere Weise zu tun hatten. Vor allem jene, die geheimdienstlich tätig waren und die sich vom Volk natürlich nicht so einfach kontrollieren ließen. Das waren besonders privilegierte Leute – und damit das gefährlichste Potential. Soziale Träger der ausländischen Agenturen waren privilegierte Schichten aus Partei, Staat, Wirtschaft und Armee, waren einflussreiche Leute des öffentlichen Lebens, das waren Arbeiteraristokraten, Bürokraten, Technokraten, Wissenschaftler, Ärzte, Juristen usw. Es waren alle jenen Schichten, aus denen sich dann später die „sozialistische“ Bourgeoisie herausbildete. Und wenn einer über die Leute dieser privilegierten Schichten genaustens Bescheid wusste, wenn einer in der Sowjetunion diese Leute manipulieren, erpressen und in Schrecken versetzen konnte, um sie für seine Verschwörungspläne nutzbar zu machen, dann kam nur eine Person in Frage – Berija!

Wenn man also gegen die Unterschätzung des Geheimdienstes Maßnahmen ergreift, dann muss man seine mögliche Überschätzung und die Gefahren, die daraus entstehen können, mit einkalkulieren, muss man ein Gegengewicht schaffen – und das tat Stalin. Stalin war ein Meister der Schaffung von Gegengewichten, um den Sozialismus im Gleichgewicht zu halten. Jedes Ungleichgewicht wäre schädlich für sein Fortkommen gewesen. Mit jeder Maßnahme mussten auch deren Folgen, vor allem deren negativen Folgen einkalkuliert werden durch entsprechende Gegenmaßnahmen.

Daraus darf man also nicht ins Gegenextrem verfallen und die staatlichen Organe, die Organe des Abwehrdienstes nicht ins Unermessliche steigern, so dass sie zu einer unverhältnismäßig großen Gewalt gegenüber allen anderen Organen wie Parteiorganen, werden können, insbesondere gegenüber den werktätigen Massen ! Die Partei und die Massen müssen diesen starken Hebel führen und kontrollieren und nicht umgekehrt. Es darf dem Geheimdienst keine Gelegeneheit dazu gegeben werden, sich zu verselbständigen und nach „eigenen“ Spielregeln zu handeln. Wenn ein Geheimdienst nicht mehr nach den Spielregeln der Massen, nach den Spielregeln des Marxismus-Leninismus arbeitet, dann unterscheidet er sich nicht mehr vom Geheimdienst jedes kapitalistischen Landes ! Je mehr ein Organ mit Macht ausgestattet wird, desto größer müssen die Kontrollmechanismen sein, um diese Macht gegenüber allen anderen Organen im Gleichgewicht zu halten, darf man sich nicht von irgendeinem Machtorgan überrumpeln lassen. Am gefährlichsten ist immer die Abweichung, die man im gegebenen Augenblick unterschätzt. Und die Gefahr der Unterschätzung der Macht Berijas hat Stalin ziemlich spät erkannt, zu spät, sonst wäre es sicherlich nicht zu seiner Ermordung gekommen.

Berija rechtfertigte sich stets mit der Gefahr der kapitalistischen Umkreisung, mit der Notwendigkeit seiner Abwehrdienste, um sein Ministerium weiter auszubauen und damit seinen Einfluss zu vergrößern. Berija dachte: „Wozu sollten die werktätigen Massen, soll die Partei einen Kampf gegen den Revisionismus führen, wenn die USA ihren Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion vorbereiten ?“ „Mit dem Besitz der Atombombe werde der Klassenkampf in der Sowjetunion sowieso ' überflüssig' usw. usf. Berija verließ sich auf die Macht des Apparates, auf die loyale Schicht von „professionellen“ Technokraten, nicht auf die Macht der werktätigen Massen.

Man darf dem Geheimdienst nicht erlauben, sich in seiner Tätigkeit vom Marxismus-Leninismus zu entfernen. Seine Tätigkeit muss vom Marxismus-Leninismus geführt, vom Marxismus-Leninismus durchdrungen sein, von Marxisten-Leninisten kontrolliert und gesäubert sein. Spezialisten und Profis sind auf diesem Gebiet wichtig, aber noch wichtiger ihr bolschewistischer Charakter. Lenin lehrte, dass wir Bolschewisten nicht nur gute Parteimitglieder, sondern auch die besten professionellen Spezialisten auf allen Gebieten des Aufbaus der sozialistischen Gesellschaft sind. Man kann den „alten Hasen“ im sowjetischen Geheimdienst durchaus Recht geben, wenn sie kritisierten, dass man ihnen „Parteimenschen“ als Vorgesetzte hinstellte, die „viel vom Marxismus-Leninismus wussten“, aber nichts vom Handwerk der Geheimdienstarbeit verstanden. Diese „alten Hasen“ müssen sich aber auch den berechtigten Vorwurf der Arbeiterklasse und ihrer Partei gefallen lassen, dass sich viele von ihnen immer weiter von ihren alten revolutionären Positionen entfernt hatten, dass sie ihren bolschewistischen Charakter eingebüßt hatten und den revolutionären Geist des Marxismus-Leninismus im Geheimdienst vor sich hin rosten ließen, ja schließlich nicht mehr für, sondern gegen den Kommunismus gearbeitet hatten. Sie sind mit dafür verantwortlich, dass sich der sowjetische Geheimdienst in eine privilegierte Elitekaste verwandelt hatte, die die Revisionisten vor den Marxisten-Leninisten schützte und die Marxisten-Leninisten im Auftrag der Revisionisten bekämpfte. Die Geheimdienste waren zwar an die Partei gebunden, also an die führende Kraft des Aufbaus des Kommunismus, unterstanden ihrer Kontrolle, aber nur noch der Form und nicht mehr dem Inhalt nach. Hinter dieser Hülle verbargen sie ihre konterrevolutionäre Tätigkeit.

In den 30er Jahren gab es den so genannten „kleinen Rat“, dem Mitglieder der Staatssicherheit, des sowjetischen Militärischen Geheimdienstes und des Kommissariats für Äußere Angelegenheiten angehörte und der für das Politbüro und das Außenministerium Beurteilungen anfertigte von den eingegangenen Geheiminformationen. Dieser Rat wurde von Poskresyschew geleitet. Darin war auch Malenkow vertreten, Jeschows ehemaliger Stellvertreter (!!). Stalin erhielt als allererster Informationen aus erster Hand. Dadurch war es ihm möglich, oppositionelle Bewegungen früh zu erkennen und im Keim zu ersticken.

Ein bolschewistisches Grundprinzip lehrt, dass die Partei die Gewehre, aber die Gewehre nicht die Partei beherrschen dürfen. Dies gilt nicht nur für die Gewehre, die nach außen gerichtet sind, sondern auch für die Gewehre, die nach innen gerichtet sind. Wenn sich aber die nach außen und nach innen gerichteten Gewehre gegen die Partei verbünden, dann ist die Partei in allergrößter Gefahr. Diese Gefahr wurde von der KPdSU (B) selber heraufbeschworen durch die Etablierung des KI-Komitees. Das KI-Komitee unter Molotow sollte den Geheimdienst von der übermächtigen Kraft der GRU und des NKWD fernhalten – doch das Gegenteil war die Folge: GRU und NKWD verbündeten sich gegen die Partei, um ihre eigene Schwächung in gemeinsamer Front zu überwinden. Das KI war von Anfang an unfähig und unprofessionell, weil sie von Parteikadern geleitet wurde, die den Profis der GRU und des NKWD Haus hoch unterlegen waren. GRU und NKWD versuchten die Kontrolle der Partei abzuschütteln und zu ihren früheren Organisationsformen zurückzukehren und unterhöhlten das KI. Zur Stärkung des KI wurde schließlich Abakumow eingesetzt – ein Schüler und (zunächst noch) Günstling Berijas. So ging alles wieder in die Macht des NKWD. Stalin erkannte das als tödliche Bedrohung für die Partei. Also löste er das KI auf und spaltete den Nachrichtendienst in zwei organisatorisch getrennte, voneinander unabhängig arbeitende Lager, um sie besser kontrollieren zu können. Die GRU wurde der Armee zurückgegeben und Abakumow aus der Hand genommen.

Kusnezow wurde ZK-Sekretär nach dem Krieg. Er war auch Chef der GRU. Er gehörte zu den erfolgreichsten GRU-Chefs, gefürchtet wegen seiner Säuberungen. Er organisierte die Teheraner Konferenz, Jalta und Potsdam. 1948, auf dem Höhepunkt der Nachkriegssäuberung, berief Stalin ihn zum obersten Parteikontrolleur der Streitkräfte, zum Leiter der politischen Hauptverwaltung. Er hatte den Posten bis zum Tode Stalins inne !!

Die GRU präsentierte Dokumente, dass von Abakumow eine angebliche „Verschwörung“ ausginge, um ihn auf diese Weise loszuwerden. Abakumow wurde erschossen. 1952 war ein Jahr des Kampfes zwischen Politbüro und Stalin. Jetzt legte der NKWD Dokumente vor über eine angebliche Verschwörung der GRU. Stalin war dagegen, aber das Politbüro bestand darauf. Generalstab und GRU steckten weitere Schläge ein. Und zuletzt traf es sogar Stalin selbst, der, später im Jahr, als Generalsekretär abgesetzt wurde. Der gefährlichste „Thronpräsident“ nach Stalins Tod war Berija. Streitkräfte und Partei stellten sich automatisch gegen ihn. Berija wurde bei einer Sitzung von Partei- und Armeeführern festgenommen und unschädlich gemacht. Dann begann die übliche Verfolgung der Sicherheitsorgane. Die GRU stellte bei Geheimprozessen belastende Dokumente gegen die wichtigsten Funktionäre des Ministeriums für Staatssicherheit zur Verfügung und viele wurden nach brutalen Folterungen erschossen. Anfang 1954 wurde das Ministerium zu einem Komitee zurückgestuft. Nun wuchs wieder der Einfluss der Armee im Staat. Schukow wurde – von Stalin degradiert – wieder Verteidigungsminister und ins Politbüro gewählt. Er rehabilitierte die Generäle, die Stalin verfolgt hatte und setzte sie in Schlüsselpositionen.

Die GRU konnte vom KGB nicht gebremst werden. Schukow wollte den Einfluss der Partei auf die Armee beschneiden und entließ eigenmächtig alle Parteifunktionäre und – kommissare aus der Armee. Die politische Hauptverwaltung sollte sich aus den Angelegenheiten der Armee raus halten. Die in der Armee verbliebenen Sonderabteilungen der Staatssicherheit wurden aufgelöst. Das militärische Krokodil warf seine Parteifesseln ab. Schukow wurde offen gegen Chruschtschow frech auf Politbürositzungen. Mit der Liquidierung Berijas war der KGB zu schwach geworden, um der GRU Einhalt zu gebieten. Die Armee wurde auf den KGB losgelassen – mit Unterstützung der Partei, also mit Unterstützung Chruschtschows. Als Schukow von Jugoslawien und Albanien zurück kam 1957, wurde er festgenommen und als Verteidigungsminister abgesetzt. Die GRU wollte Schukow warnen, aber der KGB fing die Warnung ab. Serow vom KGB bekleidete nun den Posten des GRU-Chefs. Das Krokodil war wieder sicher an der Leine. Chruschtschow zeigte genügend Verbrechen des NKWD auf (aber natürlich nicht alle, also nicht diejenigen, die ihn selber belasten würden), um Berija zu entmachten. So deckte Chruschtschow alle anderen Verbrechen wie zum Beispiel die der Partei und der GRU. Auch alle Auslandsverbrechen des KGB UND der GRU wurden von Chruschtschow verschwiegen. Die GRU hasste den KGB mehr als die Gestapo (Suworow, Seite 69). Chruschtschow benutzte mit Hilfe der Geheimpolizei den Personenkult. Als Stalin tot war, brauchte man Berija nicht mehr für die „kollektive Führung“. Man braucht aber immer noch eine andere Geheimorganisation, um die Macht der anderen im Gleichgewicht halten zu können. Duplikation sowohl Generalsekretär (Stalin) einerseits und Politbüro andererseits. Als 1952 die Position des Generalsekretärs beseitigt wurde, entstand in der Führung ein Ungleichgewicht, das die Gegenkräfte entfesselte und es zu Machtkämpfen kam. Chruschtschow bediente sich der GRU, um den Einfluss des Innenministeriums unter Kontrolle zu kriegen. Später, als Schukow zu mächtig wurde, musste Chruschtschow die GRU unter Kontrolle bringen. Das Gesetz der Duplikation wurde auch in den volksdemokratischen Ländern - nur im kleineren Maßstab und in Abhängigkeit und im Dienst von der Duplikation der SU - angewandt. Ministerium der Roten Weltarmee mit MND befehligt die Ministerien der einzelnen sozialistischen Staaten und deren einzelnen MNDs. Die einzelnen Staaten haben aber auch ihre eigene Rote Armee, die von dem Stellvertreter des Weltverteidigungsministers befehligt werden (Duplikation der Armeen im Weltsozialismus). Der Weltarmeechef kontrolliert über seinen Stellvertreter die Armeen der sozialistischen Länder und umgekehrt kontrollieren die sozialistischen Länder die Weltarmee mit ihren eigenen Armeen – demokratischer Zentralismus). Die Beziehungen zwischen GRU und KGB werden durch die Partei geregelt. Gerät das Gleichgewicht an den Hebeln der Parteimacht aus dem Ruder, so wirkt sich das auch auf GRU und KGB aus – bis zur letzten Konsequenz des gegenseitigen Schlagabtausches und der gegenseitigen Zerstörung. Der KGB gleicht dem Wächter am Tor einer Geheimeinrichtung. Er kann einem Ingenieur, der seinen Ausweis zu Hause gelassen hat, den Zutritt verweigern, aber er hat nicht das Recht, den Safe des Ingenieurs zu durchsuchen. Die Sicherheit der GRU wird von ihren eigenen Leuten gewährleistet. Die Partei achtet darauf, dass es auch künftig so bleibt, denn sie weiß, dass der KGB auch im Politbüro eine „Sonderabteilung“ aufbauen würde, wenn es ihm gelänge, in der GRU eine zu organisieren.

Stalin hatte von den Invasionsplänen Hitlers rechtzeitig erfahren und das sogar aus den verschiedensten Quellen. Er konnte sie aber 1941 nicht ernst nehmen, da es berechtigte Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Geheimdienstführungen gab, die ja teilweise von Parteifeinden befehligt worden waren.

1953 wurde Berija angeklagt, heimlich Stalin und die sowjetische Regierung zu stürzen, indem er an Hitler und dessen Agenten herantrat und ihnen ein verräterisches Abkommen für einen separaten Frieden auf der Grundlage territorialer Zugeständnisse anbot. Am 26. August 1953 gab Berija im Rahmen eines Verhörs zu Protokoll, er habe gemäß Stalins Order und mit vollem Wissen von Molotow gehandelt. Das Ziel dieser Sondierung sei gewesen, den Deutschen Desinformationen mit der Absicht zu zuspielen, für die sowjetische Regierung Zeit zur Mobilisierung ihrer Reserven zu gewinnen. Sudoplatow wurde beschuldigt von Chruschtschow, Bulganin, Molotow und Malenkow als Verbindungsoffizier zwischen Berija und Hitler fungiert zu haben. Malenkow beschuldigte Berija, er sei ein Agent der Deutschen. In seinen Memoiren zog Chruschtschow vor, die Version von Verhandlungen zwischen Berija und Hitler zu wiederholen, die angeblich aus Stalins Panik und seinem Wunsch nach Kapitulation resultierten. Sudoplatow nimmt Berija also in Schutz. Dass Berija von „Desinformation“ gesprochen haben soll, hält Sudoplatow für „erfunden“. Berija hätte angeblich keine Schuld gehabt, die Informationen seien „wirklich“ widersprüchlich gewesen.

Zwei Jahre zuvor hatte Stalin zweimal die gesamte Führung der GRU liquidieren müssen wegen totaler Unterwanderung durch parteifeindliche Elemente. Stalin zog selbstkritisch Konsequenzen aus diesem schweren Fehler und so wurden nachts sämtliche, am Tage eingegangenen, Informationen der Residenturen (Geheimdienststellen im Ausland, manchmal zwei getrennte und völlig unabhängig arbeitende Residenturen zu gegenseitiger Kontrolle) im Original gedruckt. Dabei handelte es sich also nicht um die Auswertung, Beurteilung, Meinung und Vorschlag der GRU-Zentrale. Dies wurden von der GRU-Zentrale 24 Stunden später nachgereicht. Die gleiche Arbeitsweise wurde daraufhin auch im NKWD neu eingeführt. So bekam Stalin die Informationen sowohl aus erster Hand als auch die nachgereichte Beurteilung der Informationen mit entsprechenden Vorschlägen von der GRU Zentrale. Als Generalsekretär der Partei lagen ihm alle Informationen, Einschätzungen und Vorschläge als erster auf dem Tisch, bevor sie bei Molotow im Außenministerium oder in anderen, eben konkret zuständigen Ministerien landeten. Damit hatte er eine Kontrolle über alle nach innen und außen wirkenden Kräfte und Mächte und die entsprechenden Möglichkeiten, sie wie im Orchester zu dirigieren und zu lenken.

Rechenschaftspflichtig war er selbst gegenüber dem ZK, dem wichtigsten Organ zwischen den Parteitagen. Das ZK weist sowohl dem Politbüro als auch dem NKWD und der GRU Kompetenzen zu.

Strengster Zentralismus ist das Gebot jeder erfolgreichen illegalen Arbeit – nicht nur unter den Bedingungen der Diktatur der Bourgeoisie, sondern auch unter den Bedingungen der Diktatur des Proletariats, egal ob es sich um die Weltdiktatur des Proletariats oder um die Diktatur des Proletariats eines einzelnen sozialistischen Landes handelt.

Die wichtigste Funktion des Staatssicherheitsdienstes ist es, nicht zuzulassen, dass die Sowjetunion von innen her entartet, zerstört wird und zusammenbricht. Davon leiten sich alle Aufgaben des Geheimdienstes ab. Sowjetfeindliche Aktivitäten von georgischen Emigranten fielen beispielsweise in den Kompetenzbereich des NKWD (Berija).

Hauptaufgabe der GRU ist es, die kapitalistische Umkreisung abzuwehren und nicht zuzulassen, dass die Sowjetunion unter einem Schlag oder vermittels Infiltration von außen entartet, zerstört wird und zusammenbricht. Die GRU kämpft an vier Fronten: militärische, militärisch-politische, militärisch-technologische und militärisch-wirtschaftliche Front. Truppenbewegungen und militärische Aktionen außerhalb der georgischen Grenze fielen in den Kompetenzbereich der GRU.

Zu den GRU-Chefs geben wir kurz ein paar Informationen, die zum Teil mit Berija und Chruschtschow im Zusammenhang stehen.

Schtemenko, 1907-1976 Armeegeneral und GRU Chef; Vertrauter Stalins Bei der Auseinandersetzung zwischen Stalin und dem Politbüro stellte er sich im Juni 1952 auf die Seite Stalins und das Politbüro enthob ihn aller seiner Posten. Von Schukow wurde er 1956 wieder eingesetzt als GRU-Chef. Als er sich 1957 auf die Seite Schukows stellte, wurde er wieder seines Amtes enthoben.. Dann wurde er revisionistischer Generalstabschef des Warschauer Pakt. Befehligte den Einmarsch in die Tschechoslowakei 1968.

Sacharow 1898-1972 Marschall der SU, 1949 GRU-Chef. Im Juni 1952 brach ein heftiger Kampf um die Einberufung des XIX. Parteitags aus. Das Politbüro bestand darauf, Stalin erhob Einwände. Schtemenko und der GRU-Chef Sacharow unterstützten Stalin und wurden ihres Postens enthoben. Nach Stalins Tod blieb Sacharow in der Versenkung, doch schon im Mai 1953 wurde er zum Kommandeur des Militärbezirks Leningrad ernannt. Nachdem er sich im Fall Schukow auf die Seite des Politbüros gestellt hatte im Oktober 1957, wurde er Befehlshaber in der DDR. Beteiligte sich aktiv an der Verschwörung gegen Chruschtschow (Breschnew-Ära).

Jeschow, 1895-1940, war Generalkommissar für Staatssicherheit, 1935 kontrollierte er als Parteisekretär den NKWD. 1936 Volkskommissar für Innere Angelegenheiten und Generalkommissar für Staatssicherheit. 1937-1938 die große Säuberung durchgeführt. Erst im NKWD, dann in der Roten Armee und schließlich in der Partei. Am 29. Juli wurde die GRU erneut gesäubert. Mit der Liquidierung der gesamten Führung übernahm Jeschow die Leitung und errichtete ein Monopol der geheimdienstlichen Tätigkeit innerhalb des Staates. Von da an war es nicht mehr möglich GRU und NKWD in Schach zu halten. Im Oktober 1938 wurde er seines Postens enthoben. Im Januar 1939 wurde er festgenommen und nach grausamer Folter umgebracht, Todesdatum auf den 4. Juni 1940 geschätzt. Wahrscheinlich Serow (späterer GRU-Chef) am Mord an Jeschow beteiligt – Berija!!.

Serow trat von Abakumows Flügel zu Berijas Gruppe über und verriet ihn nach Aussagen von Sudoplatow (genau wie General Iwaschutin, der gegenwärtige GRU-Chef); Iwaschutin lief vom Abakumow-Flügel zur Berija-Gruppe über. Nach Berijas Sturz lief er zu Serow über und wurde Leiter im KGB. Er war an der Festnahme Serows beteiligt. Unter Breschnew Chef der GRU.). 1953 war er Stellvertretender Chef der GRU und beteiligte sich an der Verschwörung gegen Berija. Nach dessen Sturz wurde er Vorsitzender des KGB.

Ein Berija verstand sich mehr aufs Administrieren, war als Politiker nicht so bewandert wie ein Molotow und überschätzte diesbezüglich seine Fähigkeiten. Das war ein Hindernis, um seine Pläne zu verwirklichen. Stalin auf listige Art ermorden und Stalin ersetzen - das waren zwei verschiedene Paar Stiefel, die ihm ein paar Nummern zu groß waren.

Berija folgte einer technokratischen Variante der Staatsauffassung mit einem gehörigen Maß an Pragmatismus (Entideologisierung, Entpolitisierung, „Entstalinisierung“). Er war von der Überlegenheit des sowjetischen Geheimdienstes durchaus überzeugt, aber weniger in ideologischer Hinsicht als vielmehr in seiner operativ-technischen Ausstattung, Qualifikation, Taktik , Effizienz usw. usf.. Die Maxime hieß: optimale Funktions- und Leistungsfähigkeit der technisch organisierten und rationalisierten Geheimdiensttätigkeit zu gewährleisten. Es kann nicht das Ziel des Staates sein, höchste Wirksamkeit der ihm zur Verfügung stehenden Mittel zu erreichen, ohne zu berücksichtigen, welchen Klasseninteressen er dient. Wir empfehlen das Studium von Harry K. Wells, „Der Pragmatismus, die ideologie des amerikanischen Imperialismus“. Wells definiert den Pragmatismus wie folgt:

Der Pragmatismus ist die herrschende Philosophie des Kapitalismus der Vereinigten Staaten in der Epoche des Imperialismus. Er ist die idealistische Welteinstellung der Bourgeoisie, die sich in die Verteidigungsstellung eingegraben hat. Die pragmatische Methode ist rein empirisch, sie stützt sich auf improvisierte, dienliche und opportunistische Mittel zum Zweck. Die pragmatische Theorie ist subjektiver Idealismus von der Art des Positivismus. Sie ist eine subjektivistische, obskurantische, Fiktionen erdichtende Lebensanschauung. Alles in allem ist der Pragmatismus die Waffe einer Klasse zur Verteidigung der Brutalität, Unwissenheit und des Aberglaubens. In Methode und Theorie ist er der Gegensatz des dialektischen und historischen Materialismus und richtet sich gegen die Arbeiterklasse und ihre Verbündeten in ihrem Befreiungskampf“ (Dietz Verlag 1957, Seite 263).

Pragmatismus befasst sich mit der Anpassung der Mittel an die Zwecke und Opportunismus verteidigt den Gebrauch jedes Mittels (...) Opportunismus ist die Ausnutzung günstiger Gelegenheiten oder Umstände, bei geringer oder überhaupt keiner Rücksichtnahme auf Prinzipien oder schließliche Folgen“ (ebenda Seite 253).

Die Methode des Pragmatismus ist anarchisch, sie vertritt die Feuerwehrtechnik, von einer Katastrophe zur anderen zu stürzen“ (ebenda, Seite 250).

Es ist eine „von-Fall-zu-Fall Politik“, die sich von „sozialistischen“ Tagesinteressen leiten lässt und nicht von den Grundinteressen der sozialistischen Gesellschaft.

Der restaurative Pragmatismus ist die Anpassung des Marxismus-Leninismus an den Pragmatismus unter den Bedingungen des Sozialismus „in einem“ Lande.

Der restaurative Pragmatismus setzt sich über alle marxistisch-leninistischen Prinzipien einer sozialistischen Gesellschaftsordnung hinweg, zieht unter den Marxismus-Leninismus, unter die Stalinära, so zu sagen einen „Schlussstrich“, um auf den weiteren Vormarsch zum Kommunismus, auf dem weiteren Vormarsch zum Weltsozialismus, getrost zu verzichten – sich also vom kommunistischen Weltprozess abzukoppeln und zu verabschieden – natürlich nicht offen, sondern unter dem Deckmantel des „Marxismus-Leninismus“.

Dahinter steckt die Absicht, die revolutionäre Entwicklung des Sozialismus zum Kommunismus auf eine evolutionäre Entwicklung der Endstufe Sozialismus zu reduzieren, d.h., nicht die erste Periode des Sozialismus zu für den Übergang zum Kommunismus noch weiter zu vervollkommnen, sondern sich mit der ersten Periode zu begnügen und diese lediglich zu „verbessern“ zu „reformieren“, sprich: sich darin häuslich einzurichten, um sie zu verkonsumieren.

Man kann den Übergang vom Sozialismus zum Kommunismus nicht auf dem Weg des Adminstrierens, also nicht ohne revolutionären Klassenkampf erreichen, und eben das bestritten die modernen Revisionisten aus gutem Grund. Der Begriff der sozialistischen Evolution ist nur dann progressiv zu bewerten, wenn er im Zusammenhang damit gesehen wird, wohin die Evolution führt, nämlich zur revolutionären Veränderung, zur Vorbereitung einer höheren Qialität zum Kommunismus und nicht zur Beschleunigung der gesellschaftlichen Rückwärtsbewegung.

Die Grundinteressen des Kommunismus werden geopfert wegen vermeintlicher Augenblicksvorteile. Der Pragmatismus dient dazu, die sozialistische Bewegung in die Zwangsjacke des Praktizismus zu pressen und hilft den Apparatschiks bei der Restauration des Kapitalismus, denn Stillstand bedeutet Rückschritt. Berija ist ein typischer Vertreter des anti-stalinistischen Sozialismus, des bürgerlichen Sozialismus, des verhüllten Sozialdemokratismus.

Ziel ist die Verteidigung von Privilegien durch Untergrabung des gesellschaftlichen Fortschreitens der revolutionären Massen - notfalls mit äußersten Mitteln. „Der Zweck heiligt die Mittel“ – auch die terrroristischsten, unmenschlichsten, massenfeindlichsten - das ist die Ideologie des Pragmatismus, mit der das Rad der Geschichte der Sowjetunion Lenins und Stalins zurück gedreht wurde.

Nicht wissenschaftliche Erkenntnis, sondern pragmatische Zweckdienlichkeit bildete die Grundlage für die politischen Entscheidungen des Staates der modernen Revisionisten in seinen inneren und äußeren Angelegenheiten. Der Staat war für Berija nur die Art seiner Wirksamkeit in der Praxis. Der Drang zur Restauration des Kapitalismus verstärkte sich bei Berija mit der Wirksamkeit seiner zunehmenden staatlichen Machtmöglichkeiten, bei Stalin durchzukommen“. Berija spielte mit der Sowjetmacht, spielte mit Stalin, so wie Lenin auch schon Trotzkis Spiel mit der Revolution kritisiert hatte.

Die restaurative pragmatische „Theorie“, dass nur das gut ist, was zweckdienlich ist, ist reinste bürgerliche Apologetik, denn sie drückt die Entartung und Fäulnis der bürgerlichen Elemente im sozialistischen System aus. Lynchjustiz und Sozialfaschismus waren für Berija „gut“, wenn die bürgerlichen Elemente sie für nützlich erachteten, die Macht über den Sozialismus zu erobern.

Man übertrage die von Wells kritisierten pragmatischen Methoden des amerikanischen Imperialismus auf Berijas anti-stalinistischen Restaurationsmaßnahmen und man wird feststellen, dass diese Parallelen keinen zufälligen Klassenursprung haben. Berija hatte durchweg pragmatische Auffassungen vom Staat wie wir das ausführlich dargestellt haben. Besonders in Berijas Tätigkeitsabschnitt zwischen Stalins und seinem eigenen Tod sind Ähnlichkeiten zwischen ihm und dem Reformisten Bernstein unverkennbar:Die Bewegung ist alles, das Ziel nichts!“ - Hauptsache „Entstalinisierung“, alles Andere findet sich von selbst!

Wer kennt nicht die Krankheit des engen Praktizismus und der prinzipienlosen Geschäftigkeit, die nicht selten manche ´Bolschewiki` zur Entartung und zur Abkehr von der Sache der Revolution führt“ (Stalin, Band 6, Seite 166). Wie wahr !

Der Stalinismus diente ihm nur als Hülle, die er sofort nach Stalins Tod fallen ließ. Damit entblößte er natürlich auch einen Chruschtschow, der sich an die Hülle klammerte, um nicht ebenso zu enden wie Berija. Der Staat (also er, Berija) brauche sich nicht zu rechtfertigen und schon gar nicht gegenüber der Arbeiterklasse und dem Volk. Sozusagen steht der berijanische Staat „über dem Volk“, was ihm einen sozialfaschistischen Charakter verleiht. Chruschtschow ging geschickter vor:

Und wie errichtete Chruschtschow seinen „Staat des ganzen Volkes“ ?

Chruschtschow befreite“ die UdSSR 1953 von BerijasStaat über dem Volk“, den dieser nach Stalins Tod errichtete. Wie sich jedoch in seiner Geheimrede herausstellte, war der angebliche Kampf gegen den berijanischen Staat im Grunde die beste Gelegenheit, ein trefflicher Vorwand und eine sichere Tarnkappe, um eigentlich Stalins Staat über dem Volk“ (also die Diktatur des Proletariats !!) durch den revisionistischeStaat des ganzen Volkes“ zu ersetzen !

Die Antistalinisten überhäufen Stalin mit dem Vorwurf, er sei „kein Marxist-Leninist“, sondern ein reiner „Pragmatiker“ gewesen und er würde die Frage der Nützlichkeit „skrupellos und ohne politisches Gewissen“ entscheiden. Dieser Vorwurf trifft auf Berija zu aber nicht auf Stalin. Nehmen wir ein Beispiel:

Auf dem Februar-März-Plenum des ZK (1937) kritisierte Stalin die Ingenieure, sie hätten ihre politischen Gefühle abgestumpft“. Sie hätten sich vom Parteileben zurückgezogen und sich von den Massen entfernt und sich wie reine Technokraten benommen, ja er warf ihnen sogardogmatischen Pragmatismus“ vor. Dogmatischer Pragmatismus, das ist ein mit toten „marxistisch-leninistischen“, leeren Formeln „begründeter“ Pragmatismus. So wie alle Marxisten war auch Stalin ein absoluter Gegner des Pragmatismus, einer abgewandelten Form des Positivismus, sowohl in grundsätzlicher Haltung als auch in konkreter Haltung gegenüber dem amerikanischen Pragmatismus. Der Pragmatismus der Mc Carthy Ära stimmte in vielen wesentlichen Merkmalen mit dem verkappten Pragmatismus Berijas überein.

Stalin prägte eine bolschewistische Formel, die man im Kampf gegen den Technokratismus niemals vergessen darf:

Das ist der Grund, weshalb die alte Losung über die Beherrschung der Technik durch die neue Losung über die Beherrschung des Bolschewismus, über die politische Erziehung der Kader und Liquidierung unserer politischen Unwissenheit ergänzt werden muss“ (Stalin, Prawda vom 7. 4. 1937).

Nur wer Feinde entlarvt, so Stalin, könne für sich beanspruchen, ein sowjetischer Ingenieur zu sein, dem die kommunistische Wachsamkeit nicht abhanden gekommen war. Und was machte Berija daraus ? Er versuchte das sowjetische Volk in ein Volk von lauter Denunzianten zu verwandeln. Alle sollten seiner Losung folgen: Wer den Weg nach oben erfolgreich beschreiten will, der muss sich frei-denunzieren.“ Der Denunziantenstaat ist keine Erfindung der Sozialfaschisten der DDR. Er ist das direkte Ziehkind Berijas !

Welche Auffassungen liegen dem bürokratischen Denken und Handeln zu Grunde?

Es sind Auffassungen, wonach der Sicherheitsapparat und seine Offiziere eine unangreifbare, unantastbare, selbstverherrlichende Machtelite des „Staats im Staate“ bildeten, die ihren eigenen Gesetzen folgten, leiteten und kommandierten, über alles diktierten, während die breiten Massen des Volkes nur eine blinde, zu manipulierende Menge darstellten und potentiell als „staatsgefährdend“ behandelt wurden = „Selbstschutz des Staates vor Übergriffen der Massen“ - das ist Sozialfaschismus !

Wir Kommunisten, die Arbeiterklasse, die werktätigen Massen, dürfen unsere Diktatur des Proletariats nicht dazu missbrauchen lassen, dass die Sozialfaschisten damit ihren Terror, ihre KZ`s, Arbeitslager, Gefängnisse gegen das eigene Volk „rechtfertigen“ können ! Diese arroganten, menschenverachtenden, hochmütigen, herrischen und dünkelhaften Auffassungen sind durch und durch reaktionär, idealistisch und unvereinbar mit dem Wesen des sozialistischen Staates, der sich auf die vertrauensvollen Kräfte des Volkes stützt. Bürokraten und Technokraten verbergen ihr Gesicht. Und der gefährlichste von allen, einer, der sein Gesicht am besten verbarg, – das war Berija ! Sie schwenken die Fahne der Partei, um sie zu verraten. Sie zeigen mit drohender Hand auf die Gesetze, um selber gegen sie zu verstoßen. Sie tun so als arbeiteten sie für die UdSSR, um sich in Wirklichkeit als Herrscher über das Volk aufzuspielen. Sie sind für Demokratie, um sie zu erdrosseln. Alle möglichen Arten von Bürokratisierung und Technokratisierung, egal ob sie offen oder verkappt auftreten, ersticken den revolutionären Geist der Marxisten-Leninisten, den revolutionären Geist des Marxismus-Leninismus und müssen daher mit dem revolutionären geist der Marxisten-Leninisten, mit dem revolutionären geist des Marxismus-Leninismus zerschlagen werden. Der bürokratische und technokratische Druck von Seiten der Sicherheitsorgane des Staates wirkte auch auf die Partei . Der Klassenkampf wurde dadurch auch in der KPdSU-Spitze heftig. Es gab unter ihnen Genossen, die unter diesem Druck der Staatssicherheit Erpressungen erlagen und vor diesem Druck zu kapitulieren begannen – so weit, dass sie sogar ihre alten bolschewistischen Eigenschaften verloren und zu Revisionisten entarteten. Menschewismus lebt von Einschüchterung und Erpressung, um sich Gefolgschaft zu erzwingen. Aus der Verschwörung von 1953 müssen wir wichtige Lehren ziehen und dürfen nicht vergessen, dass sich die Speerspitze des Feindes gegen die Partei und ihre revolutionären Führer richtete. Die Partei ist und bleibt die einzig führende Kraft der Sicherheitsorgane des Staates. In dieser Kardinalfrage darf es keinen Dualismus geben. Ohne Partei - auch keine Diktatur des Proletariats. Nicht die führenden Kader und die Apparate sind die Partei. Die Partei – das ist die große organisierte Masse der Kommunisten. Dass „die da oben an der Spitze“ alles sind und die Mitglieder nur ihr Anhängsel, das hieße, den wahren Sinn der Partei als organisierte Vorhutabteilung der Arbeiterklasse zu entfremden, zu verfälschen, zu entstellen, zu ersetzen, zu liquidieren. Der Apparat der Partei, des Staates, darf nicht verabsolutiert, nicht verbürokratisiert oder gar fetischisiert werden.

Wenn die Klasse spricht, schweigt der Bürokratismus“ (Enver Hoxha, Diskussionsbeitrag auf der Sitzung des Sekretariats des ZK der PAA, 26. März 1975, „Rede von Mati“).



Was war der sowjetische Geheimdienst?

Wenn man so will, war der sowjetische Geheimdienst tatsächlich der Beste auf der ganzen Welt, – wie sich zeigte – jedoch nicht gut genug, um die Generallinie Stalins gegen die Revisionisten im eigenen Land zu verteidigen und den sowjetischen Staat vor sich selbst zu schützen. Der Geheimdienst erwies sich zum Schluss - in den Händen Berijas - sogar als deren effektivste Waffe zur Zerschlagung der Diktatur des Proletariats von innen heraus und der Beseitigung ihrer Führer. Berija „zitierte Stalins Forderung, Geheimdienstleute sollten aktiv auf politische Manipulationen und die Ausnutzung von Konflikten in den Führungskreisen ausländischer Staaten hinwirken. `Dies`, unterstrich Berija, ` ist der Schlüssel zum Erfolg, der zum Sturz der (...) Regierungen (...) führt`“ (Sudoplatow, Seite 141). Und genau diese Waffe Stalins hat Berija dann auch als Schlüssel zum Erfolg, zum Sturz der Regierung IM EIGENEN LAND geführt !! Dieses Beispiel zeigt anschaulich einmal mehr, dass Berija ein Meister der Beherrschung der Waffen Stalins war, die er gegen Stalin zu richten verstand, um Stalin zu „erledigen“.

Es ist eine durchgehende Linie des Verrats festzustellen – von Jagoda über Jeschow zu Berija, um nur einige Namen zu nennen. Die Stärke erwies sich als Schwäche und für Stalin als große Herausforderung, denn er hatte letztlich für alles gerade zu stehen. Letztendlich war es Stalin und die breite Masse der Sowjetmenschen, die die Pläne der äußeren Feinde zum Scheitern brachten – trotz der Wühlarbeit feindlicher Elemente in den Geheimdiensten !

Die soldatische Disziplin bei der Ausführung eines Befehls, die technisch perfekt und fehlerfrei durchzuführende Aufgabe, und zwar ohne Spuren zu hinterlassen, sind wichtig, aber sie sind nicht alles. Entscheidend ist der Klassenkampf, ist die Klasse, die diese Waffe bedient und genau das war es schließlich, was dem Geheimdienst am meisten hinderlich war, um nicht politisch, sondern, „rein sachlich“ und „professionell“ zu arbeiten.

Dies Problem gab es auch in der GRU. Viele ihrer Angehörigen und vor allem viele ihrer Führer entwickelten sich von Revolutionären zu Technokraten, die auf Grund ihrer Kompetenz auch Herrschaftsansprüche als Apparatschiks ableiteten, das heißt, sie stellten sich über die Partei, über die kommunistische Moral, manche von ihnen fanden sogar Gefallen daran, „den lieben Gott“ spielen zu „dürfen“. Sie hatten enorme Einflussmöglichkeiten auf das gesamte Innenleben der UdSSR. Sie strahlten aber gegenüber der Mehrheit der Massen nicht Vertrauen, sondern Furcht aus – und das ist dem Sozialismus fremd, ist eine krankhafte und gefährliche Erscheinung in der sozialistischen Gesellschaftsordnung – ein Indikator dafür, dass der Sozialismus in eine falsche Richtung läuft, sich zurück entwickelt. Die Apparatschiks haben den guten Ruf, den sich die Mitarbeiter der Staatsorgane bei den Massen verdient hatten, schließlich ruiniert. Viele Agenten gingen insbesondere nach Stalins Tod in den Westen. Wir wollen bei aller kritischen Betrachtung nicht ungerecht sein. Die Geschichte der Staatssicherheitsorgane darf man nicht als düsteres Kapitel in der ersten Phase des Sozialismus abstempeln und damit dem Antistalinismus Wasser auf die Mühlen gießen wie Sudoplatow das tat wie hier, wo er über die Tschekisten (also über sich selbst) wie folgt sagte:

Wir Tschekisten waren informell bekannt als diejenigen, die `die bei der Revolution anfallende Schmutzarbeit` zu leisten hatten. (...) Das Ausmaß dieser Tyrannei schockiert mich noch heute“ (Sudoplatow, Seite 91). Geht` s denn noch schlimmer ?

Die wirkliche Aufgabe der Tscheka lautete hingegen: Jede konterrevolutionäre Aktivität und Sabotagetätigkeit in ganz Russland aufzuspüren und zu liquidieren.“ Lenin bezeichnete die Tscheka als :eine Organisation des bewaffneten Volkes“ - als Schwert und Schild der Partei“.

In der Sowjetunion- wie auch in Albanien - leistete der Staatssicherheitsdienst jahrzehntelang seinen notwendigen Beitrag zur Befreiung des Vaterlandes und zur Errichtung, Verteidigung und Festigung der Diktatur des Proletariats im sozialistischen Land. Ohne die Staatssicherheitsorgane wäre es dem Feind viel eher gelungen, die Sowjetunion Lenins und Stalins und den Sozialismus Albaniens zu liquidieren. Darüber kann überhaupt kein Zweifel bestehen. So schlug beispielsweise der NKWD Breschen in die Verteidigungslinien des Westens. Mit der Industriespionage im Westen konnte die Sowjetunion schneller wirtschaftlich aufgebaut werden, weil sie von den weitest entwickelten kapitalistischen „Errungenschaften“ profitierte. Andererseits tat der sowjetische Geheimdienst alles, um den Außenhandel vor dem Druck und den betrügerischen Machenschaften der Weltkartelle und anderer Organisationen des Monopolkapitals zu schützen. Genau das untergruben die modernen Revisionisten als sie sich mit diesen westlichen Kräfte verbündeten, was sie natürlich nicht davon abhielt, die Spionage im Interesse des Sozialimperialismus fortzusetzen.

Die Tscheka entwickelte auch eine so genannte „Blitzableiterstrategie“ des Agentennetzes der Sowjets, das in den konterrevolutionären Organisationen aufgebaut wurde, oder es wurden eigens dafür konterrevolutionäre Organisationen von den Sowjets ins Leben gerufen, die sie gut ausstatteten. So kamen die Sowjets auch hinter die Staatsstreichpläne der Weißgardisten kurz nach dem Bürgerkrieg. Das Täuschungsmanöver flog erst 1926 auf. Es wurden neue antibolschewistische Organisationen aufgebaut, die von westlichen Großmächten finanziert wurden – ebenfalls von den Sowjets unterwandert.

Sowohl mit Lenin und Stalin, als auch mit Enver Hoxha an der Spitze standen die Sicherheitsorgane in der vordersten Linie des Klassenkampfes und schützten ihre Völker vor inneren und äußeren Feinden, gegen die heimtückischen Komplotte der Imperialisten, Revisionisten, Trotzkisten, Faschisten und Reaktionäre. Große Siege errangen die Sicherheitsorgane, wenn sie sich vom Marxismus-Leninismus leiten ließen. Wenn sie allerdings davon abwichen, die Wachsamkeit vernachlässigten oder umgekehrt aus „Mücken Elefanten“ machten – also nicht mehr Freund und Feind unterscheiden konnten (oder bewusst vertuschten, ja sogar absichtlich verwechselten!), dann richteten sie erheblichen Schaden an – und diese Abweichungen begünstigten schließlich Hochverrat und Verschwörungen – führten schließlich das Ende des sozialistischen Staates herbei. Wir lernen daraus, dass der Feind nicht nur da draußen lauert, um uns zu vernichten, er ist auch mitten unter uns, um uns von hinten niederzustechen (oder uns zu vergiften!).

Das ist nicht leere Theorie, sondern bitterer Ernst. Für einen Außenstehenden nicht wirklich nachvollziehbar, was Berija in der täglichen Praxis für die Genossen in seiner Nähe bedeutete. Viele waren im guten Glauben, für die UdSSR, für Stalin spioniert zu haben, bis sie dann erkennen mussten, dass sie den Befehlen eines Verräters gefolgt waren, ohne es zu wissen. Ein Schock, von dem man sich niemals richtig erholt. Das ist so ziemlich das Schlimmste, was einem Kommunisten passieren kann und worunter er am meisten leidet im Glauben an seine gute Tat für die proletarische Sache, der er sein Leben lang dient, der Arbeiterklasse unwissentlich in den Rücken gefallen zu sein!

----- Berija spielte mit den Genossen ! ----- Er brach sie ---- machte sie so zu willenlosen Werkzeugen ----- Kann es denn Schlimmeres geben?! ----- Stalin konnte er nicht brechen ---- nur beseitigen durch den Tod ----

Es gab auch gute Geheimdienstler, die Stalin niemals in Stich gelassen oder enttäuscht haben und sehr wohl darüber genauesten im Bilde waren, was da hinter verschlossenen Türen alles abgelaufen war.

Über 30 Jahre voller Schurkereien Berijas waren zu Lebzeiten Stalins offenes Geheimnis, nicht nur in allen Geheimdienststellen, sondern auch unter den Massen – nur dass diese nicht offen ausgesprochen wurden. Es gab sie, die große, starke Garde der aufrechten Stalinanhänger in den Staatsorganen, die der kommunistischen Sache stets treu gedient und manchmal sogar mit ihrem Leben bezahlt haben. Auf diese Genossen sind wir alle stolz. Aus historischen Dokumenten erfahren wir heute, wie schwer und gefährlich ihre Arbeit war, nicht nur in ihrem Kampf gegen den äußeren, sondern vor allem gegen den inneren Feind. Es sind zu Recht große Helden der Sowjetunion und sie haben alle unsere Sympathie und Hochachtung ! Wir gedenken all ihrer Opfer, vergessen niemals alle Genossen, die im Kampf gegen den äußeren und inneren Feind ihr Leben für die Sowjetunion Lenins und Stalins gegeben haben – an allen Fronten – nicht nur an der Front der Staatssicherheit. Vor allem ehren wir alle Genossen, die den Mut aufgebracht haben, sich gegen Berija und seine Verbrecherbande zu stellen.

Der Schlüssel für die Beseitigung der Restauration des kapitalistischen Staates liegt im Klassenkampf gegen die von außen eindringenden und von innen wühlenden feindliche Kräfte, die diese Restaurationspolitik vorantreiben, daran unermüdlich arbeiten, um dafür in der Sowjetunion einen fruchtbaren Boden zu bereiten. Die sozialistische Staatsmacht geht von den sozialistischen Klassen, von ihrer wachsenden Verschmelzung beim Aufbau des Kommunismus aus und nicht von der Bürokratie des Innenministeriums, noch weniger vom Ministerium für Staatssicherheit und schon gar nicht von deren vereinigten Macht in Berijas Händen! Die innenpolitischen, staatssichernden Waffen werden von der Arbeiterklasse, von den werktätigen Massen und ihrer Kommunistischen Partei regiert. Niemals haben Lenin und Stalin zugelassen, dass die innenpolitischen, staatssichernden Waffen die Arbeiterklasse und ihre Kommunistische Partei regieren !

Wir führen noch eine andere Tatsache an. In dem Beschluss des Plenums des ZK der KP der Sowjetunion vom Juli 1953 über den Fall Berija heißt es: Schon zu Lebzeiten Stalins und, mit seiner Beteiligung fasste das ZK der KP der Sowjetunion am 4. Dezember 1952 (!) den Beschluss Über die Lage im Staatssicherheitsministerium“. In diesem wurde unterstrichen, dass es notwendig sei, dem Mangel an Überwachung der Tätigkeit der Organe des Staatssicherheitsministeriums entschlossen ein Ende zu machen, ihre Arbeit im Zentrum und in der Basis unter die dauernde und systematische Kontrolle der Partei zu stellen.“ Aus dem ergibt sich klar, dass Stalin auch in den letzten Lebensjahren, in denen, wie Chruschtschow behauptet, sein Kult und seine Willkür ihren Höhepunkt erreicht hatten, ein entschiedener Gegner der Willkür war und die Einführung der Parteikontrolle über die Organe der Staatssicherheit verlangte. Und wie reimt sich das mit den ungeheuerlichen Verleumdungen Chruschtschows gegen Stalin?“ („Die gefährlichen Manöver der Chruschtschowgruppe im Zusammenhang mit dem so genannten Kampf gegen den „Personenkult“ muss man bis zum Schluss enthüllen“ , Artikel aus der Zeitung Zëri i Popullit vom 12., 13, und 13. Juni 1964).

Die proletarische Diktatur hat mit einer bürokratisch-technokratischen Diktatur nichts gemein. Sie zusammen in einen Topf zu werfen, ist Verrat an der proletarischen Sache. Zentralismus mit Willkür und Bürokratismus zu verwechseln ist ein unverzeihlicher Fehler der Marxisten-Leninisten. Der demokratische Zentralismus in der Innenpolitik darf nicht durch einen innenpolitischen bürokratisch-technokratischen Zentralismus ersetzt werden. Natürlich kann der Klassenkampf nicht gänzlich ohne staatliche Hilfsmittel, ohne einen Apparat auskommen, um den Bürokratismus, um äußere und innere Feinde des Sowjetstaates zu besiegen. Die Arbeiterklasse und ihre Partei müssen aber dafür sorgen, diesen Apparat unter Kontrolle zu halten, dürfen sich niemals von ihm kontrollieren lassen. Berija hat sich dieser Kontrolle nicht nur geschickt entzogen, sondern die Kontrolle für seine konterrevolutionäre Zwecke verwendet. Hier stellt sich wieder die Klassenkampffrage:Wer – wen“ ? Siegt der staatliche Bürokratismus über den Sozialismus ? Oder siegt der Sozialismus über den staatlichen Bürokratismus ? Statt des Absterbens des Staates ging es Berija um das Absterben des Einflusses der Massen auf ihren Staat, hob er die Staatsbürokratie ÜBER die Diktatur des Proletariats, um damit dem Proletariat die Staatsmacht zu entreißen. Die Sowjetmacht hätte auf revolutionäre Weise den Schleier des Geheimnisses in der Innenpolitik niederreißen müssen, mit dem die Massen getäuscht wurden. Dieses Schleiers bediente sich Berija, um hinter den Kulissen schalten und walten zu können.

Der Bürokratismus ist der größte Feind des Absterbens des Staates. Stalin bezeichnete die bürokratischen Elemente des Apparats zu Recht als Agentur des Klassenfeindes. Der Bürokratismus lässt die demokratische Entfaltung und Initiative der Massen bei der Planung, Gestaltung, Lenkung und Kontrolle der Staatsorgane verkümmern und entreißt den Staatsbürgern die tatsächliche Macht über ihren Staat, indem der Bürokratismus der Form halber den Sowjetbürgern „ihren“ Staat „zugesteht“, aber die Entscheidungen werden von einem „Staat im Staat“, gefällt, von den Apparatschiks. Eine neue Kaste von Bürokraten tritt den Massen als fremde Macht gegenüber. Das Kollektiv, mit dessen Hilfe sich der Einzelne befreit hatte, wurde nun zur Fessel desselben. Für den Sowjetmenschen war der Bürokratismus eine Tortour, der seine dringendsten, lebenswichtigen Angelegenheiten auf Wochen, Monate und Jahre verschleppte, der das Zusammenleben der Sowjetmenschen nicht erleichterte, sondern erschwerte, ja es sogar in vielen Fällen unmöglich machte. Diese Bürokraten, ob sie nun eine braune, schwarze oder rote Fahne in der Hand tragen, verwandeln sich von Dienern der Staatsbürger zu Herren über die Staatsbürger. Den Bürokraten ist es egal, ob der Staat eine braune, rote, schwarze, gelbe oder grüne Staatsflagge gehisst hat – Hauptsache bürokratischer Staat – Hauptsache ein Staat „über der Gesellschaft“. Ein Staat, in dem die Bürokraten und Technokraten herrschen, ist ein bürgerlicher Staat, ist Staatskapitalismus, ist ein von Bürokraten und Technokraten restaurierter Staat des Kapitalismus.

Das Berijanertum ist u.a. eine Ideologie, die die notwendige, unmittelbare Überwachung des sozialistischen Staates durch die Arbeiter und Bauern aushebelt, um den sozialistischen Staat in einen kapitalistischen Staat zu verwandeln. Sehen wir uns an, welche wertvollen Lehren die Albaner aus den Fehlern der Sowjetunion in der Frage der Arbeiter- und Bauernkontrolle als Instrument des Kampfes gegen die Restauration des Kapitalismus gezogen hatten:

Man stieß auf Ansichten, dass die Arbeiter- und Bauernkontrolle in Verwaltungs-, Rechts- und Finanzfragen, bei technischen Problemen, in den Sektoren des Bildungswesens, der Wissenschaft, der Literatur und Kunst nicht eingesetzt werden könne, weil die Arbeiter und Genossenschaftsbauern nicht ausgefeilte, präzise und treffende Meinungen äußern könnten, weil sie keine kompetenten Spezialisten seien ! Es hieß außerdem, dass die Arbeiter- und Bauernkontrolle für Fragen der Verteidigung [...und des Innenministeriums und Geheimdienstes !!! Anmerkung der Redaktion] nicht ausgeübt werden dürfe, weil dort alles geheim sei ! Diese Auffassungen wurden hauptsächlich von den feindlichen und bürokratischen Elementen verbreitet und geschürt, um sich vor der Massenkontrolle, die die Entstellungen und Verletzungen der Linie der Partei und der Gesetze des Staates aufdeckt, zu drücken. (...)

In Sachen Arbeiterkontrolle waren außerdem Fälle von zwei entgegen gesetzten, aber gleichermaßen schädlichen Tendenzen festzustellen, die Tendenz zur spontanen Kontrolle und die Tendenz zur bürokratischen Kontrolle, zur Routinekontrolle. Die Partei bekämpfte beide Tendenzen. Sie machte klar, dass die unmittelbare Arbeiter – und Bauernkontrolle richtig geleitet werden muss. Die Partei leitet sie an, genauso wie jede andere politische, wirtschaftliche, gesellschaftliche, kulturelle, militärische Tätigkeit usw. (...) Allerdings empfahl das Zentralkomitee, bei der Festigung der Führung der unmittelbaren Arbeiter- und Bauernkontrolle durch die Partei aufzupassen, dass sie nicht in eine Parteikontrolle verwandelt wird. In keiner Weise dürfen diese beiden Kontrollen vermischt werden, obwohl sie beide Kontrollen der Arbeiterklasse sind. Sie haben verschiedene Tätigkeitsbereiche und Befugnisse. Auch wenn sie von der Partei geführt wird, bleibt die Arbeiter- und Bauernkontrolle stets die unmittelbare Kontrolle der Arbeiter und Genossenschaftsbauern, während die Parteikontrolle unmittelbar von den führenden Parteiorganen und den Parteiorganisationen ausgeübt wird. (...)

Wenn auf der Hand liegt, dass ein leitender Kader bzw. Angestellter schwere Fehler und Übertretungen begangen hat, haben die Gruppen der Arbeiter- und Bauernkontrolle das Recht, ihn von seiner Funktion zu entbinden, bis die Frage endgültig von den zuständigen Organen der Nomenklatura entschieden und gelöst ist. (...) Auf jeden Fall aber werden die Maßnahmen, Aufgaben, Empfehlungen und Probleme, die die Arbeiter- und Bauernkontrolle anschneidet, den Werktätigen zur Beurteilung unterbreitet.

Von besonderer Bedeutung ist, die Verbindung und harmonische Entwicklung der unmittelbaren Arbeiter- und Bauernkontrolle mit der Parteikontrolle und der staatlichen Kontrolle richtig zu verstehen. Alle drei Kontrollen gehören der Klasse, haben proletarischen Charakter, deshalb stellen sie von diesem Standpunkt aus eine einzige Kontrolle dar. Doch sie ersetzen sich nicht gegenseitig, genauso wenig wie sie sich gegenseitig ausschließen. Wenn eine von ihnen fehlt oder Schwächen aufweist, lahmt die Klassenkontrolle insgesamt, und die Arbeit kommt nicht von der Stelle. Deshalb verlangt das Zentralkomitee, sich stets darum zu sorgen, dass sich die unmittelbare Arbeiter- und Bauernkontrolle nicht in ein Anhängsel der Parteikontrolle oder der staatlichen Kontrolle nicht geringgeschätzt werden, dass sich alle drei Kontrollen in organischer Verbindung miteinander entwickeln, um sich gegenseitig zu unterstützen und zu ergänzen.

Man bewertet die Resultate der unmittelbaren Arbeiter- und Bauernkontrolle wie auch der Parteikontrolle und der staatlichen Kontrolle nicht nach ihrer Zahl, sondern nach der Erfüllung ihrer Aufgaben und nach der Abnahme von fremden Erscheinungen, von Verletzungen und Entstellungen der Direktiven der Partei, der Gesetze des Staates, der Normen der sozialistischen Gesellschaft, nach dem Rückgang der Vergehen und Verbrechen“ (aus: Geschichte der PAA - 1966-1980, Seiten 197, 198, 199, 200, 201, 202, 203, 204 und 205; Tirana 1981).

In der Sowjetunion wurde der Kontrollmechanismus der Diktatur des Proletariats immer mehr von fraktionistischen, parteifeindlichen Elementen unterwandert und schließlich von diesen erobert und in Kontrollmechanismen der Restauration des Kapitalismus, in Kontrollmechanismen der neuen Diktatur der Bourgeoisie verwandelt. Dies ging nicht ohne Klassenkampf ab. So führten die verschiedenen Gruppierungen der neuen sowjetischen Bourgeoisie untereinander einen Konkurrenzkampf um sie, bevor sie in der Lage waren, die totale Kontrolle über die Arbeiter und Bauern zu erobern.

Nicht der sozialistische Staat legt seine „schützende Hand“ über seine sozialistische Gesellschaft, damit diese „ruhig schlafen kann und sich selber keine Sorgen mehr zu machen braucht“, sondern umgekehrt: die sozialistische Gesellschaft, die werktätigen Massen schützen sich selber aktiv , verteidigen ihren Sozialismus, indem sie sich dabei ihrer Staatsinstrumente frei bedienen. Das Ziel der klassenlosen Gesellschaft ist es, ihr Zusammenleben selber zu regeln, damit „der Staat nicht nur ruhig schlafen, sondern auch in Frieden ruhen und sterben kann“. Ohne unmittelbare Arbeiter- und Bauernkontrolle kann der sozialistische Staat nicht absterben, wird es keine Selbstkontrolle im Kommunismus geben können.

Wichtig ist es die Gesetzmäßigkeit der sozialistischen Kontrolle zu beachten und zu befolgen, nämlich in der Diktatur des Proletariats Arbeiter- und Bauernkontrolle, Staatskontrolle und Parteikontrolle in Übereinstimmung zu bringen und jegliche Nichtübereinstimmung zu vermeiden, da sie sonst zum gefährlichen Faktor wird für die Restauration der sozialistischen Kontrolle in eine revisionistische Kontrolle, in eine Kontrolle der Bourgeoisie über der Arbeiterklasse und den anderen Werktätigen.

Es sind die werktätigen Massen, die ihre Sowjetmacht, ihren Sowjetstaat stärken und festigen und nicht der Apparat für sich allein genommen. Wir brauchen keine staatliche Stellvertreter-“Diktatur“ des Proletariats, sondern eine Diktatur, die das Proletariat selber aktiv ausübt - vermittels seines Staates. Damit ist nicht das kapitalistische jugoslawische Selbstverwaltungmodell gemeint, das den sozialistischen Staat, die führende Rolle der Partei usw. leugnet, sondern das entspricht ganz der Staatslehre der 5 Klassiker des Marxismus-Leninismus, das entspricht ihren Lehren des Kampfes gegen den Bürokratismus. Man darf doch nicht eine Sekunde vergessen, dass die Existenz des sozialistischen Staates gegen die Infiltration und die Umkreisung des Weltkapitalismus unbedingt mit allen Mitteln verteidigt, die Staatsmacht also in dem Maße verstärkt werden muss, je größer diese Gefahr und der Druck von außen wird, der natürlich den Druck von innen anheizt.

Und je länger sich die Weltrevolution hinzieht, desto klarer musste man in der UdSSR erkennen, dass sich der sozialistische Staat unvermeidlich immer mehr schützen muss. Stalin hatte das nicht nur erkannt, sondern sich auch entsprechend verhalten, was man von einer großen Anzahl führender Kader nicht sagen konnte.

Erst in der sozialistischen Weltrepublik entsteht der neue Typ der Diktatur des Weltproletariats. Wenn also die Umkreisungsproblematik beseitigt ist, wenn es eine globale Staatengemeinschaft des Weltsozialismus gibt, dann ist damit ein großer Schritt in Richtung Absterben des Staates getan, dann ist die Stärkung der Armee, des Staates und seiner Abwehrdienste nach außen nicht mehr nötig. Von einem sozialistischen Staat vom Typ des Sozialismus in „einem“ Lande (gegenüber der umkreisenden Macht des Weltimperialismus) aber vom Absterben des Staates“ zu sprechen, bedeutet konterrevolutionäre Entwaffnung der Diktatur des Proletariats - ist Selbstmord. Deswegen war Stalin einerseits gegen die wachsende Gefahr des sich ausweitenden Bürokratismus und Anfälligkeit gegenüber Agenturen des Weltimperialismus innerhalb der Sowjetunion und andererseits gegen die gänzliche Entwaffnung und Abschaffung der proletarischen Staatsmacht, war er für einen mächtigen Sowjetstaat in den Händen der sowjetischen Arbeiter, sowjetischer Bauern, mit dem sich die Sowjetvölker nach innen und außen vor der Restauration des Kapitalismus in ihren Republiken schützten:



Es ist durchaus nicht paradox, wenn Berija, der Herr der Macht über konterrevolutionären Terror im Innern, nun auch noch mit der Methode der „Amnestie“, mit der Methode der „Liberalisierung“ (Ein Sieg der Liberalisierung ist immer ein Sieg der Trotzkisten!), mit der Methode des „Neuen Kurses“, mit der Methode des Tauwetters“ arbeitete. Was wurde denn da von Berija in Wirklichkeit „aufgetaut“ ?

Aufgetaut“ wurde der Antistalinismus, wurden die gleichen konterrevolutionären Verbrecher, wie zum Beispiel die Trotzkisten usw. usf., die Stalin „eingefroren“ hatte. Natürlich hatte Berija diese verbrecherischen Elemente selber unvermeidlich mit einfrieren müssen, denn sonst wäre seine Tarnung aufgeflogen, bevor er an die Seite Stalins gelangen konnte. Und genauso musste Berija „notgedrungen“ auch viele unschuldige Opfer freilassen, die er auf dem Gewissen hatte, damit nicht der Verdacht auf ihn fällt, er würde nur Konterrevolutionäre befreien, die es als soziale „Entstalinisierungsreserven“ einzusetzen galt. In Wirklichkeit war gerade das seine Absicht. Denn nun konnte er mit den von ihm inszenierten Straßenschlachten“ die Notwendigkeit des Staatssicherheitsdienstes „unter Beweis“ stellen, die überall im Land für „Ordnung“ sorgt und die Straßenvor Verbrechern sauber hält“ (vor Stalinisten, die Berija das Handwerk legen wollten!!). Die Sowjetbürger haben Berija dafür aber nicht geliebt, sondern zutiefst gehasst ! Alle Verbrecher, die Berija im Auftrage von Stalin in die Strafgefangenenlager gebracht hatte, holte er dort wieder raus – unmittelbar nach Stalins Tod – und zwar alles ohne (!!) Wiederaufnahmeverfahren. Berija schaffte die harte Passverordnung in 340 Städten ab – ebenfalls Maßnahmen, die gegen Stalin und die Sicherheit der UdSSR gerichtet waren. Berijas „Rechts“pragmatismus, sein Nützlichkeitsprinzip, lief darauf hinaus, sich einerseits „liberal“ und „menschenfreundlich“ zu geben, wenn dies der Konterrevolution diente, und andererseits war es für ihn genauso zweckdienlich, gegen Kommunisten und vor allem gegen ihre Führer Unterdrückungs- und Terrormaßnahmen durchzuführen.

Fazit: Stalin wurde von Berija mit Unterstützung all der anderen Verschwörer erschlagen, und das bedeutete im Grunde genommen nichts Anderes, als dass der Stalinismus vom Staats- und Parteibürokratismus erschlagen wurde: „Sowjetmacht ohne Bolschewiki!“. Lehren aus der Restauration des Sowjetstaates ziehen, heißt: das Berijanertum zu überwinden, heißt: die Verbindung zwischen Personenkult und Staatskult zu zerschlagen!

Den Chruschtschowismus zu zerschlagen heißt, die Restauration des Kapitalismus durch die Machtübernahme der Parteiapparatschiks zu verhindern, durch die Chruschtschow Berijas und Malenkows Macht über den Staatsapparat eroberte.

Umgekehrt: Wenn Chruschtschow die Partei und die Armee unter seine Fittiche genommen hatte , um den Staat in seine Hände zu kriegen, so hatten Berija und Malenkow den Staat und seine Organe in ihrer Gewalt, um damit auch die Partei und die Armee als „Anhängsel“ einzuverleiben. Im Grunde waren es zwei Fraktionen, die miteinander um die Macht im zukünftigen kapitalistischen System rangen – die Fraktion der revisionistischen Staatsmacht und die Fraktion der revisionistischen Parteimacht. Es war schließlich die chruschtschowsche Parteimacht, die über die berijanische Staatsmacht siegte mit Hilfe der Armee. Gegen beide Erscheinungen muss auch in der zweiten Periode des Sozialismus konsequent gekämpft werden, wo sie mit Sicherheit wieder auftreten werden. Die Weltdiktatur des Proletariats basiert auf der Führung der bolschewistischen Weltpartei, auf der weltproletarischen Staatsmacht und der weltproletarischen Waffen. Hammer, Sichel und Gewehr bilden eine feste Einheit im internationalen Klassenkampf der Arbeiter und Bauern zur Zerschlagung der verschwörerischen Verrätergruppen, verflochten mit dem frontalen Kampf gegen Liberalismus, Bürokratismus und Technokratismus während der gesamten Periode des Übergangs zum Weltkommunismus.

Es ist eine Geschichte des Bolschewismus in seinem Kampf gegen den Bürokratismus und Technokratismus zu schreiben, wobei insbesondere die konterrevolutionäre, politische Rolle der Führungsschicht der Bürokraten und Technokraten bei der „Entstalinisierung“, bei der Restauration des Kapitalismus aufzudecken ist. Wir stützen uns dabei auf die Lehren der 5 Klassiker des Marxismus-Leninismus. Dies soll dem Weltproletariat helfen, den Weltbürokratismus und Welttechnokratismus zu hindern, den Weltsozialismus wieder in den Weltkapitalismus zurück zu verwandeln.

Unsere Aufgabe als Kommunisten ist es, alles in unserer Macht stehende zu tun, um die Verwandlung des weltrevolutionären Staates und seiner Staatsorgane in allen Ländern der Welt von Dienern der weltsozialistischen Gesellschaft in Herren der weltsozialistischen Gesellschaft zu verhindern, die Restauration des Weltkapitalismus zu vereiteln, indem wir weltrevolutionäre Lehren dieser Verwandlung aus der ersten Periode des Sozialismus ziehen, uns auf die Klassiker der Marxismus-Leninismus, auf das führende Weltproletariat, auf die werktätigen Massen aller Länder stützen und die Weltdiktatur des Proletariats im Kampf gegen den Weltrevisionismus in der Frage des sozialistischen Staates verteidigungsstark machen.



Zum Anklicken: eine weitere Schrift des Verfassers: „Über den Staat“

(in: „Der Weg der Partei“ - Zeitschrift der Marxisten-Leninisten in der KPD ; Nr. 1 April 1985)



Stalin

die Frage der Intelligenz,



Die Frage der Intelligenz als Zwischenschicht ist eine Frage der Überwindung der Widersprüche zwischen geistiger und körperlicher Arbeit. Diese Frage löst sich nicht von selbst. Es ist eine Klassenfrage und kann nur im Klassenkampf überwunden werden, kann nur unter Anwendung der Diktatur des Proletariats, kann nur unter der Führung der Arbeiterklasse und ihrer Vorhutpartei gelöst werden. Lenin bezeichnete die Aufhebung des Unterschieds zwischen Hand- und Kopfarbeitern als ein sehr langwieriges Werk“ (Lenin, Band 29, Seite 411).

Wenn diese Frage nicht richtig gelöst wird, dann bilden sich antagonistische Klassenwidersprüche, verwandelt sich die Intelligenz von einer der Triebfedern zum Hemmschuh der sozialistischen Entwicklung, kann sie zu einer Triebfeder der Restauration des Kapitalismus werden, wird diese Zwischenschicht verbürgerlicht, rekrutiert sich das neue Bürgertum aus dieser Schicht, wird diese Schicht, die im Dienste der Diktatur des Proletariats stand, in den Dienst der Diktatur der neuen Bourgeoisie gestellt. Nicht die Intelligenz darf über die Diktatur des Proletariats herrschen , sondern umgekehrt, die Diktatur des Proletariats muss unvermeidlich die Intelligenz immer dann unterdrücken, wenn diese wieder einmal ihren berühmt-berüchtigten Führungsanspruch gegenüber den Arbeitern durchzusetzen versucht. Wir wissen alle sehr genau, wovon wir reden.

Wie der Name schon sagt, ist die Zwischenschicht der Intelligenz keine Klasse, sondern eine Schicht zwischen den Klassen, die aus allen Klassen der Gesellschaft gespeist wird, egal ob sie - wie früher - mehr von der Bourgeoisie oder - wie später – überwiegend von der Arbeiterklasse und den Bauern rekrutiert wird. Nicht aus welcher Klasse man stammt, ist das Entscheidende, sondern welcher Klasse man angehört. Klassenherkunft darf nicht mit Klassenzugehörigkeit verwechselt werden. Und die Intelligenz, die größtenteils aus der Arbeiterklasse und den Bauern hervorgeht, gehört weder der Arbeiterklasse, noch der Klasse der Bauern an, sondern sie ist eine Zwischenschicht für sich. Die Zwischenschicht der Intelligenz ist keine Zwischenschicht innerhalb der Arbeiterklasse und der Bauern, sondern eine Zwischenschicht außerhalb der Arbeiterklasse und der Bauern, wenn auch als selbständiger Teil der sozialistischen Gesellschaft mit diesen beiden Klassen eng verbunden.

Was nun die Stellung der Zwischenschicht innerhalb der Diktatur des Proletariats anbelangt, so muss man ihre Position an der richtigen Stelle beachten. Wo steht da die Intelligenz ? Die Zwischenschicht ist nicht etwa eine Art „Schicht des Zentrums der Herrschaft“ mitten zwischen den Arbeitern auf der linken Seite und den Bauern auf der rechten Seite (und in der Mitte die Intelligenz= „Zwischenschicht“?!). Solch eine „Machtstruktur“ der Diktatur des Proletariats mit einer Intelligenz „auf Augenhöhe“, wo die Intelligenz auf der einen Seite aus ihrem Augenwinkel die Arbeiter „schief anguckt“ und auf der anderen Seite die Bauern „im Auge behält“, ist dem Marxismus-Leninismus fremd und zuwider.

Die Frage ist nicht nur konkret, sondern auch prinzipiell zu stellen: Worum handelt es sich bei der Diktatur des Proletariats ? Handelt es sich entweder um eine Herrschaft der Arbeiterklasse, der Bauern und der Intelligenz oder um die Diktatur des Proletariats, einer Diktatur der Arbeiter und Bauern, die von den Arbeitern geführt und bis zum Kommunismus geleitet wird ? Die Antwort ist eindeutig: Der Marxismus-Leninismus hat in die Diktatur des Proletariats niemals irgendeine politische Macht der Intelligenz einbezogen oder vorgesehen.

Stalin spricht zwar richtig von der Intelligenz als gleichberechtigtes Mitglied der Sowjetgesellschaft, aber Stalin spricht dabei vor allem vom Wesen dieser Sowjetgesellschaft, also von der Diktatur des Proletariats. Einige Genossen scheinen das Letztere gern vergessen zu wollen oder die „Diktatur des Proletariats“ als Hülle misszuverstehen, unter der sich alles Mögliche, „Klassenloses“ versammeln darf – und vielleicht ganz zuletzt der Arbeiter.

Die Intelligenz kann niemals die Führerin einer sozialistischen Gesellschaft sein, und schon gar nicht die „graue Eminenz“ einer zur Schau gestellten „Arbeiterführung“, die sie als ihre Marionette dirigiert. Wir hatten bereits auf den Proletkult hingewiesen, mit denen sich gewisse Elemente der Intelligenz schmücken, um dahinter ihre kleinbürgerlichen Absichten zu verbergen. Niemand, auch die Intelligenz nicht, hat irgendein Recht auf eine privilegierte Stellung in der sozialistischen Gesellschaft. Und eben dieser revolutionäre Kampf gegen Privilegien wurde von Lenin und Stalin mit aller Strenge und Leidenschaft geführt. Die Privilegien haben nicht wenig zur Restauration des Kapitalismus in der UdSSR beigetragen, und dazu gehörten nicht wenige Privilegien der Intelligenz.

Wir müssen dies hier so in aller Deutlichkeit formulieren, weil sich der moderne Revisionismus bei seiner Machtübernahme auf die Intelligenz gestützt hat. Und das darf uns nicht noch einmal passieren. Damit würde die Arbeiterklasse nur erneut betrogen werden. Welche Konsequenzen das im Weltmaßstab haben würde, sehen wir aus allen den Tatsachen der Geschichte des Sozialismus, der bolschewistischen Partei. Immer, wenn die Partei der Intelligenz gegenüber eine liberale Haltung eingenommen hatte, wurde sie von dieser abgestraft. Sektierertum gegenüber der Intelligenz ist nicht weniger schädlich, doch das nur nebenbei. Die Hauptgefahr ist meistens der rechte Opportunismus in der Frage der Intelligenz. Es bleibt uns also nichts anderes übrig, als uns mit der Frage der Intelligenz hier ein Stück weit ernsthaft und gewissenhaft zu beschäftigen.

Beides ist unmöglich: 1. Es gibt keinen Kommunismus ohne die Klassenfrage der Schicht der Intelligenz gelöst zu haben und 2. die Intelligenz ist als Zwischenschicht nicht in den Kommunismus hinüber zu retten. Weder die Existenz von Klassen noch die Zwischenschichten der Klassen haben noch irgendetwas im Kommunismus zu suchen. Es ist also ein großer Irrtum zu glauben, man bräuchte nur für die Zunahme dieser Zwischenschicht zu sorgen, und die Widersprüche zwischen geistiger und körperlicher Arbeit würden von ganz allein verschwinden und sich in Luft auflösen. Die Herabminderung der revolutionären Rolle der Arbeiterklasse und die Überbewertung der Rolle der Zwischenschicht der Intelligenz usw. usf., das ist eine faule, revisionistische Auffassung, die für den Marxismus-Leninismus gefährlich ist. Im Gegenteil, wer so denkt, der schwört ja geradezu die Entstehung einer solchen „Über“-Klasse herauf, die von sich selber glaubt, die führende Rolle bei der Abschaffung der Klassen, beim Übergang zum Kommunismus zu übernehmen, die sich aber in Wirklichkeit über die Arbeiterklasse zu stellen versucht, usw. usf. In einer sozialistischen Klassengesellschaft kann es nie „eine zusammengewachsene, einzige Klasse“ geben und genauso wenig überreicht der Sozialismus dem Kommunismus eine Klasse, die „sich dem Kommunismus gegenüber würdig erweist.“ Das hat alles nichts mit dem Marxismus-Leninismus zu tun.

Der Marxismus-Leninismus hat zwar betont, dass die Intelligenz keine Klasse, sondern eine Zwischenschicht ist, aber nirgends steht im Marxismus-Leninismus etwas darüber geschrieben, dass sich aus Zwischenschichten nicht neue Klassen entwickeln können. Das geschieht nämlich dann, wenn man von der Klassenlehre des Marxismus-Leninismus abweicht und die führende Rolle der Arbeiterklasse in der Diktatur des Proletariats unterschätzt bzw. gering schätzt, wozu die Intelligenz stets zu neigen pflegt. Wir Kommunisten werden uns hüten, dem Arbeiter sein gesundes Misstrauen gegenüber gewissen „Neunmalklugen“ auszureden. Nicht die Zwischenschicht der Intelligenz ist die führende Kraft der Beseitigung des Widerspruches zwischen geistiger und körperlicher Arbeit, sondern nur die führende Kraft der Arbeiterklasse. Nur unter der Führung der Arbeiterklasse wird die Intelligenz revolutionär erzogen. Wird die Führung der Arbeiterklasse geschwächt, wird auch ihr revolutionärer Einfluss auf die Intelligenz geschwächt. Die Schwächung des revolutionären Einflusses der Intelligenz kann also nichts anderes bedeuten als die Stärkung des revisionistischen Einflusses auf die Intelligenz. Das ist nicht nur eine uralte schmerzliche Erfahrung der Arbeiterklasse, sondern auch eine wichtige Lehre des Marxismus-Leninismus, von der man niemals abweichen darf – auch nicht beim Übergang zum Kommunismus.

Zwischenschichten sind Teil der Klassengesellschaft und auch die Klassen selbst haben die Klassiker stets differenziert und als lebendige, sich verändernde soziale Größen betrachtet, wozu auch die Schichten innerhalb der Klasse gehören. Zwischenschichten können selber zwar keinen KLASSEN-Kampf führen (das können eben nur die Klassen selber), aber Zwischenschichten unterliegen in ihrem Verhältnis zu den Klassen natürlich den Gesetzen des Klassenkampfes ebenso wie den Gesetzen der Abschaffung der Klassen. Sie nehmen auf ihre spezifische Weise mehr oder weniger am Klassenkampf teil, können objektiv keine neutrale Haltung gegenüber den Klassen einnehmen, können nicht über den Klassen stehen, selbst wenn sie es denn wollten. Okay, alles ist möglich auf den Zwischenplätzen der Gesellschaft, nur nicht die Plätze der Arbeiterklasse zu tauschen ! Die Intelligenz ist im Irrtum, wenn sie meint, dass ihre Plätze so hoch sind, dass sie von dort aus über die Massen hinweg und auf die Massen herab sehen könnten. Zwischenschichten heißen deswegen Zwischenschichten, weil sie zwischen und NICHT ÜBER den Klassen stehen und schon gar nicht über der Diktatur der Arbeiterklasse. Das muss nicht nur jeder Arbeiter wissen, sondern es der Intelligenz auch schonend bei bringen, nämlich dies niemals zu vergessen. Nur, sollte das bei gewissen Intellektuellen - also dort oben in der Schwindel erregenden Höhe ihres Kopfes, nicht ankommen -, weil sie meinen, sich deswegen von einem Arbeiter nichts sagen lassen zu brauchen, dann wird die Arbeiterklasse sich zum Ausüben von Druck gezwungen sehen. Herr im sozialistischen Haus ist der Arbeiter und daran hat niemand zu rütteln, der dieses Haus mit den Arbeitern bewohnt, vor allem nicht im obersten Stockwerk der Partei.

Was ist davon zu halten, wenn dort die Mehrheit der Intelligenz die Mehrheit der Arbeiter verdrängt hat ? Davon ist gar nichts zu halten, das ist vielmehr ein völlig untragbarer Zustand für eine bolschewistische Partei. Das war schon der Fall zur Zeit Shdanows: siehe sein Bericht über das Parteistatut - auf dem XVIII. Parteitag - und das war der Fall (sogar eine erdrückende Mehrheit der Intelligenz) zur einer Zeit, als Chruschtschow auf dem XIX. Parteitag den Bericht über das Parteistatut abgab, vom XX. Parteitag ganz zu schweigen, wo die Arbeiter an der Hand aufgezählt werden konnten ! Hinzu kommt noch, dass bei der Zusammensetzung der Partei ein großer Teil der Arbeiter aus Arbeiterbürokraten, wollen nicht sagen neue Arbeiteraristokraten bestand, was nicht unbedingt das Gleiche ist.

Fakt ist: In einer bolschewistischen Partei muss die Mehrheit aus Arbeitern zusammengesetzt sein, wofür Lenin und Stalin immer gekämpft haben. Punkt aus ! Keine Diskussion !

Das Absterben des Widerspruchs zwischen geistiger und körperlicher Arbeit beinhaltet nicht nur das Absterben der Klassen, sondern auch ihrer Zwischenschicht, der Intelligenz. Wozu braucht eine intelligente Gesellschaft noch eine Extra-Schicht von Intelligenzlern ? Sie ist intelligent genug, auf sie verzichten zu können. Im Kommunismus ist endgültig Schluss mit der Unvermeidbarkeit der Jahrtausende alten Verdummung der Massen.

Zur Zeit des Aufbaus der UdSSR war die Frage des kulturell-technischen Niveaus der Arbeiter eine existentielle Frage.

Nicht umsonst hielt Stalin die Aufhebung des wesentlichen Unterschieds [Stalin distanzierte sich ausdrücklich vom Begriff „jeglichen“ Unterschieds, den es nicht gibt und nicht geben kann] zwischen geistiger und körperlicher Arbeit für einProblem von erstrangiger Bedeutung“. Warum?

Was wäre, wenn nicht einzelne Arbeitsgruppen, sondern die Arbeiter in ihrer Mehrheit ihr kulturell-technisches Niveau auf das Niveau der Ingenieure und Techniker brächten ? Unsere Industrie würde einen für die Industrie der anderen Länder unerreichbaren Hochstand erzielen“ (Stalin, „ökonomische Probleme...“, Seite 35).

Ja, das ist überhaupt der richtige Weg, um genügend materielle Güter zu erzeugen und damit den Übergang zum Kommunismus zu beschreiten. Insofern ist der Kampf für die Beseitigung der wesentlichen Unterschiede zwischen geistiger und körperlicher Arbeit ein wichtiger Bestandteil der Grundlagen des Stalinismus zur Lösung der Frage des Übergangs zum Kommunismus.

Lesen wir weiter, was Stalin zur Aufhebung des Gegensatzes zwischen geistiger und körperlicher Arbeit gesagt hat:

Manche glauben, die Aufhebung des Gegensatzes zwischen geistiger und körperlicher Arbeit könne erreicht werden durch eine gewisse kulturelle und technische Gleichstellung der Hand- und Kopfarbeiter auf der Grundlage einer Senkung des kulturellen und technischen Niveaus der Ingenieure und Techniker, der Kopfarbeiter, auf das Niveau der Arbeiter mittlerer Qualifikation. Das ist völlig unrichtig. Nur kleinbürgerliche Schwätzer können so über den Kommunismus denken. In Wirklichkeit kann die Aufhebung des Gegensatzes zwischen geistiger und körperlicher Arbeit nur dadurch erreicht werden, dass das kulturelle und technische Niveau der Arbeiterklasse auf das Niveau von Ingenieuren und Technikern gehoben wird. Es wäre lächerlich zu glauben, dies sei nicht zu verwirklichen. Dies ist durchaus zu verwirklichen in den Verhältnissen der Sowjetgesellschaft, wo die Produktivkräfte des Landes von den Fesseln des Kapitalismus befreit sind, wo die Arbeit vom Joche der Ausbeutung befreit ist, wo die Macht in den Händen der Arbeiterklasse liegt und die junge Generation der Arbeiterklasse alle Möglichkeiten hat, sich eine ausreichende technische Bildung anzueignen. Es liegt keinerlei Grund vor, daran zu zweifeln, dass nur ein solcher kultureller und technischer Aufschwung der Arbeiterklasse die Grundlage des Gegensatzes zwischen geistiger und körperlicher Arbeit untergraben kann, dass nur er allein jene hohe Arbeitsproduktivität und jenen Überfluss an Konsumtionsmitteln sicherstellen kann, die notwendig sind, um mit dem Übergang vom Sozialismus zum Kommunismus zu beginnen“ (Stalin, „Rede auf der ersten Unionsberatung der Stachanowleute“, Band 14, Seite32).

Wenn Stalin von der Unvermeidbarkeit der Hebung des Niveaus der Kopfarbeit der Handarbeiter spricht, um zum Kommunismus zu gelangen, so hat er dies nicht einseitig betrachtet. Worauf wollen wir hinaus? Dialektisch angewandt bedeutet Stalins Weisung gleichzeitig die Unvermeidbarkeit der Hebung des Niveaus der Handarbeit der Kopfarbeiter. Nur wenn dieser Prozess der Vervollkommnung der Hand- und Kopfarbeit von beiden Seiten, also allseitig sowohl von den Arbeitern und Bauern als auch von der Intelligenz verwirklicht wird, kann man sich auf den Weg zur Beseitigung des Gegensatzes von geistiger und körperlicher Arbeit begeben.

Wir dürfen nicht vergessen, dass der Sozialismus (im Gegensatz zum Kommunismus) noch unvermeidlich mit den „Muttermalen“ der kapitalistischen Vergangenheit behaftet ist, die sich auch im Verhältnis von körperlicher und geistiger Arbeit in der sozialistischen Arbeitsteilung widerspiegeln. Es ist naiv zu glauben, dass mit der Beseitigung der Ausbeutung des Menschen durch den Menschen das vererbte Muttermal des Gegensatzes von körperlicher und geistiger Arbeit ganz von alleine verblasst. Widersprüche der Ungleichheit in der sozialistischen Arbeitsteilung, werden sie im Klassenkampf unterschätzt, wirken wie Öl auf dem Feuer des Kampfes gegen die Restauration des Kapitalismus. Jede Einseitigkeit statt Allseitigkeit der körperlichen und geistigen Triebkräfte des Sozialismus beschwört die Gefahr der Verwandlung des Widerspruchs in einen klassenbedingten Gegensatz herauf, gefährdet die Verschmelzung der Klassen, erleichtert es den reaktionären Elementen, die nicht- antagonistischen Klassenwidersprüche in antagonistische zu verwandeln, sowohl die geistige als auch die körperliche Arbeit wieder in Lohnsklaverei eines restaurierten Kapitalismus umzukehren. Enver Hoxha hat aus dieser Schwäche der Einseitigkeit die richtigen Konsequenzen gezogen und die Organisierung der regelmäßigen Handarbeit der Kopfarbeiter als politische, ökonomische und ideologische Frage gelöst (zum Beispiel Kampagne des albanischen Eisenbahnbaus durch Studenten, regelmäßige Arbeit von überwiegend geistigen Arbeitern in der Produktion usw.):

Schon Karl Marx erkannte die Methode der produktiven Arbeit in Verbindung mit dem Unterricht nicht nur als eine Methode zur Steigerung der gesellschaftlichen Produktion, sondern als die einzige Methode zur Produktion vollseitig entwickelter Menschen(Das Kapital, I, Schluss des 13. Kapitels, Seite 508).

Lenin schreibt über die Aufhebung der Arbeitsteilung vonallseitig entwickelten und allseitig geschulten Menschen, die alles machen können. (...) Dahin steuert der Kommunismus, dahin muss er und wird er gelangen“ (Lenin, Band 31, Seite 35).

Kommunistische Arbeit im engeren, genaueren Sinne des Wortes ist unbezahlte Arbeit für die Gesellschaft (...), ist freiwillige Arbeit (...), die aus der Gewohnheit, für das Gemeinwohl zu arbeiten, und aus der (zur Gewohnheit gewordenen) Erkenntnis von der Notwendigkeit der Arbeit für das Gemeinwohl geleistet wird“.

(zum Beispiel wenn heute einige deutsche Ärzte ihren Urlaub seit Jahren damit verbringen, unentgeltliche, freiwillige Arbeit an den Ärmsten der Armen Patienten Indiens zu leisten, um sie von ihren schweren Leiden zu befreien ).

Worauf es also ankommt, ist, die Gesetzmäßigkeit von der Übereinstimmung von Hand- und Kopfarbeit zu begreifen und dieses Gesetz auf bolschewistische Art und Weise zu beherrschen und zu meistern.

Wie im Natursystem Kopf und Hand zusammengehören, vereint der Arbeitsprozess Kopfarbeit und Handarbeit“ (MEW, Das Kapital, Band I, in: Band 23, Seite 531).

In der auf Klassenantagonismus, auf die Ausbeutung der Menschen durch den Menschen gegründeten Gesellschaft, werden die natürlichen Unterschiede zwischen geistiger und körperlicher Arbeit zu klassenbedingten Gegensätzen. Daraus bildete sich eine besondere gesellschaftliche Schicht, welche Güter konsumiert, die von anderen produziert wird und die sich durch diese „unnatürliche“ Arbeitsteilung selbst ausschließlich mit geistiger Arbeit befassen kann. Die Intelligenz lebt also von Arbeit, die die Werktätigen für sie verrichten. Gleichzeitig hat sie sich selber an die Bourgeoisie versklavt, die ihre geistige Arbeit ausbeutet und sie sich privat aneignet. Demnach ist die Ausbeutung der Intelligenz ein Mittel der Bourgeoisie zur Ausbeutung der körperlich arbeitenden Lohnsklaven, der Arbeiterklasse und der bäuerlichen Lohnarbeiter bzw. zu deren Dasein als Reservearmee. So basiert die geistige Herrschaft der Bourgeoisie schließlich auf der Herrschaft über die Intelligenz. Aus ihrer zwiespältigen, kleinbürgerlichen Lage im System der kapitalistischen Produktionsweise erklärt sich die Wankelmütigkeit der Intelligenz sowohl gegenüber der Bourgeoisie als auch gegenüber der Arbeiterklasse. Die Intelligenz ist also nicht etwa das Produkt der natürlichen Unterschiede zwischen geistiger und körperlichen Arbeit, sondern erst in der Klassengesellschaft zu deren Klassenprodukt geworden und folglich im Natursystem von Kopf- und Handarbeit eigentlich gar nicht „vorgesehen“, weswegen sie in der klassenlosen Gesellschaft auch restlos wieder ihre Rolle verliert und also als solche abgeschafft wird. Es ist ganz natürlich, dass die Intelligenz, sobald sie sich darüber bewusst geworden ist, ihre Sonderstellung aufgeben zu müssen, mit Widerstand antwortet und im proletarischen Klassenkampf zum Schweigen gebracht wird solange sie sich der Diktatur des Proletariats widersetzt.

Die Beseitigung des antagonistischen Gegensatzes zwischen geistiger und körperlicher Arbeit ist eine allgemeine Gesetzmäßigkeit des Übergangs vom Kapitalismus zum Sozialismus, während die Beseitigung des nicht-antagonistischen Widerspruchs - und damit überhaupt die Beseitigung dieses Widerspruchs zwischen geistiger und körperlicher Arbeit - eine allgemeine Gesetzmäßigkeit des Übergangs vom Sozialismus zum Kommunismus ist, womit die natürlichen Unterschiede zwischen geistiger und körperlicher Arbeit im Wesentlichen unberührt bleiben.



Die Lösung der Frage des Gegensatzes zwischen Hand- und Kopfarbeit ist nicht nur eine Frage der Produktivitätssteigerung, sondern gleichermaßen eine Frage der Umwälzung der Arbeitsteilung, der Produktionsverhältnisse, die allen Gesellschaftsgliedern erlaubt, ihre Fähigkeiten möglichst allseitig auszubilden, zu erhalten und auszuüben“ (MEW, „Anti-Dühring“, Band 20, Seite 186), ist überhaupt eine der wesentlichsten Fragen zur Entwicklung eines kommunistischer Menschen usw. usf. Der gesellschaftliche Mensch entfaltet sich in dem Maße allseitig wie seine natürliche Hand- und Kopfarbeit in Übereinstimmung gebracht werden. Die Entfaltung des Menschen wird in dem Maße gestört, wie weit Kopf- und Handarbeit durch die kapitalistische Arbeitsteilung voneinander getrennt werden, wie sich die Störung ihres Verhältnisses bis zu ihrer völligen Nicht-Übereinstimmung verdichtet, wie sie einander entgegengesetzt werden, wie sie entfremdet werden.

Indem sich die Gesellschaft zur Herrin der sämtlichen Produktionsmittel macht, um sie gesellschaftlich planmäßig zu verwenden, vernichtet sie die bisherige Knechtung der Menschen unter ihre eignen Produktionsmittel. Die Gesellschaft kann sich selbstredend nicht befreien, ohne dass jeder einzelne befreit wird. Die alte Produktionsweise muss also von Grund aus umgewälzt werden, und namentlich muss die alte Teilung der Arbeit verschwinden. An ihre Stelle muss eine Organisation der Produktion treten, in der einerseits kein einzelner seinen Anteil an der produktiven Arbeit, dieser Naturbedingung der menschlichen Existenz, auf andere abwälzen kann; in der andererseits die produktive Arbeit, statt Mittel der Knechtung, Mittel der Befreiung der Menschen wird, indem sie jedem einzelnen die Gelegenheit bietet, seine sämtlichen Fähigkeiten, körperliche wie geistige, nach allen Richtungen hin auszubilden und zu betätigen, und in der sie so aus einer Last eine Lust wird“ (MEW, Anti-Dühring, ebenda, Seite 273-274).

Das Gesetz der Arbeitsteilung von körperlicher und geistiger Arbeit liegt heute der Klassenteilung zu Grunde.

In der Klassengesellschaft haben Hand- und Kopfarbeit immer einen klassenmäßigen Hintergrund, wobei als Bannerträger der Ausnutzung von Hand- und Kopfarbeit immer und überall die fortgeschrittene Klasse auftritt, während sich die ablebenden Klassen dem widersetzen.

Die Eigentumsverhältnisse sind bestimmendes Element der Produktionsverhältnisse und betreffen damit die Frage des juristischen Überbau. Die herrschende Klasse hat - wie wir bereits betont haben - außer der materiellen auch die geistige Macht. Im Zeitalter der Globalisierung findet der Klassenkampf zwischen der Weltbourgeoisie und dem Weltproletariat also auch um die geistige Weltmacht statt. Der Weltkapitalismus hat die geistigen Produktivkräfte globalisiert, aber sie gleichzeitig in wenige mächtige Hände konzentriert also das Privateigentum von geistigen multinationalen Monopolen geschaffen.

Stalin sagte: „Wie die Produktionsweise einer Gesellschaft, so ist im Wesentlichen auch die Gesellschaft selber, so sind ihre Ideen und Theorien, ihre politischen Anschauungen und Einrichtungen. Oder gröber gesprochen: wie die Lebensweise von Menschen, so ist ihre Denkweise“ (Stalin, HistoMat, „Kurzer Lehrgang“, Seite 152).

Der subjektive Faktor ist derjenige Faktor, der entscheidenden Einfluss auf die revolutionäre Umwälzung auch der geistigen Eigentumsverhältnisse ausübt, wenn der objektive Faktor dafür vorhanden ist. Erst mit der Weltrevolution fällt das Eigentum am Marxismus-Leninismus in die Hände des Weltproletariats, wird der Marxismus-Leninismus zur herrschenden geistigen Weltmacht. Die Revisionisten an der Macht, das beinhaltete auch, dass sie sich des Marxismus-Leninismus bemächtigten, um das Weltproletariat, der alleinige rechtmäßige Eigentümer des Marxismus-Leninismus, zu betrügen und zu verraten. In der ersten Periode des Sozialismus eroberte sich das Proletariat die geistige Macht mit dem stärksten subjektiven Faktor der Welt, dem Bolschewismus. Wir alle wissen, dass Lenin diesen Faktor geschaffen und Stalin ihn gestählt hatte. Das sowjetische Proletariat errichtete nicht zuletzt auch eine geistige Diktatur, eine bolschewistische Diktatur unter Bedingungen der „geistigen“ Umkreisung des Weltkapitalismus, war also ständig dem geistigen Einfluss der Bourgeoisie von außen ausgesetzt, der sich natürlich nicht mit einer Belagerung begnügte, sondern den Drang verspürte, sich innerhalb der Diktatur des Proletariats „in einem“ Land auszubreiten.

Den Widerspruch von Hand- und Kopfarbeit aus seinen Klassenfesseln im Weltmaßstab zu befreien, damit ist die Aufgabe des Weltproletariats noch nicht vollständig erledigt. Die internationale Arbeitsteilung des Weltkapitalismus muss durch die internationale Arbeitsteilung des Sozialismus ersetzt werden, also ihre antagonistische Gegensätze in nicht-antagonistische Widersprüche verwandelt werden. Vollständig erledigt ist diese Aufgabe erst, wenn nicht nur die alte durch eine neue, sondern die klassenbedingte Arbeitsteilung überhaupt aufgehoben ist, wenn die Unvermeidbarkeit des Gegensatzes von Hand- und Kopfarbeit für immer beseitigt ist,

wenn auch der letzte Mensch schließlich seine Menschlichkeit als ganz gewohntes Lebensbedürfnis befriedigt - gegenüber allen anderen wie sich selbst - im Kommunismus.

Ein gesunder Geist im gesunden Körper eines jeden Menschen, in harmonischer Übereinstimmung mit einem gesunden Geist in einem gesunden Körper der ganzen Menschheit, in harmonischer Einheit mit der Natur. Danach lasst uns alle streben.



Zurück zur Sowjetunion.

Die „kollektive Führung“, der Chruschtschow den Namenleninistische Führung“ gegeben hatte, war nichts Anderes als die Führung, die aus den verschiedenen Strömungen der Arbeiter fremden Elemente in der Sowjetunion hervorgegangen war.

Um dies zu belegen, vergleichen wir die soziale Zusammensetzung der Parteimitglieder von 1939 und 1952, dann fällt uns nämlich das eklatante Missverhältnis sofort ins Auge:

Waren es auf dem XVIII. Parteitag noch 54 % aus privilegierten Schichten mit Hochschulbildung, so stieg diese Zahl auf dem XIX. Parteitag auf über 85 % steil bergan. Die Führung der Partei bestand von der sozialen Zusammensetzung her längst nicht mehr aus Arbeitern und Bauern. Die untersten Schichten der Gesellschaft, die breiten Massen der Sowjetmenschen, waren so gut wie gar nicht mehr in der Partei vertreten. War das noch eine bolschewistische Partei (Lenin: 2 Intellektuelle auf 8 Arbeiter)? Nein, davon konnte zumindest mit dem Staatsputsch von 1953 überhaupt nicht mehr die Rede sein. Es war keine Partei der Arbeiterklasse mehr, und auch keine selbst ernannte Partei des ganzen Volkes“ - es war faktisch nur noch eine Partei von leitenden Bediensteten des bürokratischen Staatsapparates einerseits und führenden Wirtschaftsfunktionären andererseits, die sich gemeinsam zu einer privilegierten Kaste, und schließlich zur herrschenden Klasse formierten unter dem Aushängeschild des „Stalinismus“. Mit dem Putsch von 1953 kam die neue Sowjetbourgeoisie an die Macht !

Bestand die alte bolschewistische Garde der Partei aus der Zeit des Zarenreiches noch mehrheitlich aus Arbeitern sowie einer Minderheit aus Bauern, Intellektuellen usw., so wuchs nach dem Krieg eine neue Generation von Parteimitgliedern heran, die also schon aus der sozialistischen Gesellschaft selbst hervorgegangen war und dort privilegierte Posten inne hatte. Die eigentlichen Produzenten der sozialistischen Gesellschaft, die Arbeiter und Bauern, spielten als Parteimitglieder in der UdSSR keine führende Rolle mehr. Das erklärt eigentlich alles, warum der Putsch von 1953 so und nicht anders endete.

Was bislang sträflich übersehen wurde, ist die Tatsache, dass der XVIII. Parteitag bereits die Weichen für die negative Entwicklung auf dem XIX. Parteitag gestellt hatte. Chruschtschow konnte mit seinen abweichenden Statutänderungen auf dem XIX. Parteitag so zu sagen auf Shdanow „aufbauen“, denn Shdanow war verantwortlich für Statutänderungen des XVIII. Parteitags, die bei genauerem Hinsehen Ansätze von dem erkennen ließ, was Chruschtschow nach Stalins Tod konsequent fortsetzen konnte. Es handelte sich so zu sagen um Shdanows Abweichung, die Chruschtschows „Partei des ganzen Volkes“ den Weg erleichtern half, um den proletarischen Charakters der Partei zu beseitigen , sie in eine Partei mit bürgerlichem Charakter zu verwandeln - zum Beispiel durch Änderung ihrer sozialen Zusammensetzung zu Gunsten der Intelligenz, durch Beseitigung der proletarischen Führung in der Partei und ihre Ersetzung durch eine Führung durch die Intellektuellen usw. usf. Diese Abweichung war geschickt in Phrasen des Stalinismus gekleidet, die Chruschtschow später in Phrasen des Leninismus verwandelte, um den Stalinismus in Statutfragen anzugreifen und die bolschewistische Partei durch eine revisionistische Partei zu ersetzen. Die Abweichung bestand darin, dass die Führung immer weniger in den Händen der gewählten Gremien lag, sondern sich immer mehr in die Parteibürokratie verlagerte, dass die Kader über diese Gremien bestimmten und nicht umgekehrt die gewählten Gremien über die Kader.

Da ist also eine durchgehende rechte Abweichung in Statutfragen auszumachen, die sich im Laufe der Jahre seit dem XVIII. Parteitag weiter entwickeln und sich sowohl von oben nach unten als auch von unten nach oben in der Partei ausbreiten konnte, bis sich daraus schließlich die revisionistische „Partei des ganzen Volkes“ heraus schälte. Es ist also mit dem Irrglauben aufzuräumen, dass die revisionistische Partei des ganzen Volkes vom Himmel gefallen sei oder gar von Chruschtschow „erfunden“ worden war. Die bolschewistische Partei in eine revisionistischePartei des ganzen Volkes“ zu verwandeln, gelang Chruschtschow erst dadurch, dass er dafür die erforderlichen Bedingungen vorfand, die bereits vor seiner Machtübernahme in der Partei herangereift waren.

Die strengeren Kriterien für Mitglieder, die nicht der Arbeiterklasse angehörten, wurden erheblich gelockert und die soziale Zusammensetzung der Partei verschlechtert. Wie gesagt gab es zum Zeitpunkt als Shdanow auf dem XVIII. Parteitag über die Statutänderungen berichtete, bereits mehr Intellektuelle als Arbeiter in der Partei (siehe die von Shdanow selber vorgelegte Parteistatistik). Anstatt die soziale Zusammensetzung der Partei zu verbessern, das heißt einerseits den Anteil der Arbeiter ständig weiter zu erhöhen und andererseits den Zustrom nichtproletarischer Parteimitglieder unter Kontrolle zu halten, schlug Shdanow eine Liberalisierung der Aufnahmekriterien vor. So wurden die strengen Aufnahmekategorien zur Sicherung der proletarischen Zusammensetzung der Partei fallen gelassen, wurden die Kandidatenzeiten der Nichtproletarier verkürzt, wurden viele alte Beschlüsse, die die Führung der Arbeiter im Statut verankerten, aufgehoben. Shdanow hob hervor, wie sehr zum Beispiel Fabrikdirektoren statutenmäßig „benachteiligt“ worden seien, nachdem sie keine Arbeiter mehr waren. Das ist doch recht merkwürdig oder ? Die Elite wurde befördert auf Kosten der einfachen Arbeiter in der Partei. Begründet wurde das mit dem „gesicherten Sieg“ des Sozialismus, mit der Festigkeit und Einheit der Partei. Enver Hoxha sagt hierzu:

Die Frage der Einheit außerhalb des Klassenkampfes zu betrachten und dieser Einheit zuliebe den Klassenkampf und die nicht antagonistischen Gegensätze in der sozialistischen Gesellschaft zu übersehen, hieße die politische und ideologische Wachsamkeit der Partei und der Werktätigen einzulullen, die Einheit selbst und die Sache des Sozialismus zu untergraben“ (Enver Hoxha, Bericht auf dem IV. Kongress der Demokratischen Front Albaniens, Seite 33-34).

Auf dem XVIII. Parteitag war die Massenreinigungen der Rechten und Trotzkisten der 30er Jahren zwar abgeschlossen, aber die Geschichte der KPdSU (B) hat in aller Deutlichkeit gezeigt, dass Massenreinigungen gegen parteifeindliche Elemente auch nach dem XVIII. Parteitag unverzichtbar waren. Man kann die KPdSU (B) heute nicht kritisieren, Massenreinigungen durchgeführt zu haben, sondern eher, sie nicht konsequent genug geführt zu haben. Wir haben nichts dagegen, wenn man die Parteiregeln und – normen bei wachsendem revolutionären Bewusstsein, erhöhter Wachsamkeit und gestärkter Selbstdisziplin der Parteimassen lockert und auf Massenreinigungen verzichtet. Im Gegenteil, das ist zu begrüßen, wenn die bolschewistische Partei stark genug und die Bedingungen dafür gegeben sind. In Richtung Verzicht auf Massenreinigungen muss man als bolschewistische Partei unbedingt arbeiten, aber dafür müssen allerdings die Voraussetzungen gegeben oder geschaffen sein. Wie die Geschichte der Sowjetunion zeigt, war dieses Mittel der Parteireinigung damals unverzichtbar, wenn man mal berücksichtigt, wie der Feind von außen und innen wütete. Man kann über Sinn und Zweck der Massenreinigungen freilich diskutieren, niemals aber darf man der Partei dieses Mittel aus der Hand schlagen, niemals darf man dieses Mittel aus dem Statut streichen. Man darf die Partei in der gesamten Periode des Übergangs zum Kommunismus niemals entwaffnen, solange die Frage „wer- wen?“ nicht endgültig entschieden ist. Man muss mit allem rechnen und sich alle Möglichkeiten offen halten, auch die Möglichkeiten der Massensäuberung. Immerhin findet bis zum Kommunismus ein verschärfter Klassenkampf statt, kann es für die proletarische Führung der Partei unumgänglich werden, dass Situationen eintreten, wo unbedingt auf die Methode der Massenreinigung zurückgegriffen werden muss. Nach dem Tod Stalins hätte zum Beispiel die stalinistische Massenreinigung unbedingt zu Ende geführt werden müssen, um die fortschreitenden Prozesse der Restauration des Kapitalismus abzuwenden. Wäre die begonnene stalinistische Massenreinigung Ende der 40er – Anfang der 50er Jahre zu Ende geführt worden, hätte es auf der Welt überhaupt keinen Revisionismus an der Macht gegeben, wäre die Geschichte anders verlaufen !!

Genosse Lenin lehrte, dass sich die Partei nur festigen kann, wenn sie sich Schritt für Schritt von unzuverlässigen Elementen, die in die Partei eindringen und noch eindringen werden, frei macht. Wir würden uns gegen den Leninismus vergehen, wenn wir eine Reinigung überhaupt ablehnen wollten (...) Einzelne Fehler kann es geben und muss es geben: im Wesentlichen aber ist die Reinigung richtig“ (Stalin, Band 6, Seite 204).

Das Statut der bolschewistischen Partei ist eine Waffe zur Reinhaltung der Partei, zur Sicherung der Hegemonie des Proletariats, zur Festigung der Diktatur des Proletariats. Niemals dürfen die Arbeiter in ihrer Partei zulassen, dass die Waffe des Statuts verrostet oder abgestumpft wird. Das proletarische Pulver des Statuts der bolschewistischen Partei muss immer trocken gehalten bleiben gegen parteifeindliche Elemente in ihren Reihen. Wir sind der Meinung, dass Shdanow die Macht der Diktatur des Proletariats und die tatsächliche Kraft der KPdSU (B) überschätzt und den Klassenfeind in den eigenen Reihen nach den Parteisäuberungen gegen die Rechten und Trotzkisten in den 30er Jahren unterschätzt hat. Das Statut hätte angesichts des Kampfes gegen die Rechten und Trotzkisten eher verschärft werden müssen, keinesfalls aber gelockert werden dürfen. Der Kampagnencharakter der Massenreinigungen verleitet dazu, sich danach in Sicherheit zu wiegen und die Gefahr wieder sträflich anwachsen zu lassen bis die nächste Massenreinigung unvermeidlich geworden ist. Der Klassenfeind schläft nie, er erholt sich schneller als man es wahrhaben will. Deswegen muss die Reinigung der Partei systematisch und permanent betrieben werden, darf den parteifeindlichen Elementen keine Regenerationsmöglichkeit gegeben werden, muss man ihre Aktivitäten im Keim ersticken, damit sie gar nicht erst Massencharakter annehmen können. Massenreinigungen werden immer dann unvermeidlich, wenn man zugelassen hat, dass der Feind wieder über Masseneinfluss verfügt. So wurde bei den Säuberungen Ende der 20er Jahre eine systematische Arbeiterkontrolle durch so genannte „Arbeiterpartnerschaften“ eingeführt, deren Sinn und Zweck es war, den Arbeitern die Möglichkeit zu geben, die Staatsinstitutionen von Bürokraten zu säubern und selber Staatsverwaltungsaufgaben im Geiste Lenins zu übernehmen. Diese Linie wurde von Shdanow nicht konsequent fortgesetzt und die Arbeiterbewegung wurde allmählich von Staat und Wirtschaft abgekoppelt.

Die Liberalisierung des Parteistatuts wurde von Shdanow ferner begründet mit der Beseitigung der Überreste der alten ausbeuterischen Klassen, mit der Verschmelzung der Klassen beim Übergang zum Kommunismus, mit der Verringerung der Klassenunterschiede. Und schließlich wurde die Bevorzugung der Intelligenz damit begründet, dass sie sich zunehmend aus der Arbeiterklasse rekrutiere. Man kann die Begründungen hin - und her diskutieren, im Endeffekt blieben die Arbeiter auf der Strecke. Man kann nicht die Diktatur des Proletariats festigen, wenn die proletarische Zusammensetzung der Partei auf ein Minimum sinkt und stattdessen die Intellektuellen die Mehrheit in der Partei erobern. Natürlich waren die Fehler und Mängel des Statuts und seiner Anwendung in der Praxis, die Shdanow aufgezeigt hatte, nachvollziehbar und notwendige Änderungen gar nicht von der Hand zu weisen. Aber der Finger auf „Überspitzungen“ des Statuts und seiner Handhabung darf nicht dazu missbraucht werden, die Verwandlung des proletarischen Statuts in ein bürgerliches Statut zu begünstigen. Der Charakter der Partei kann nicht proletarisch bleiben, wenn die Arbeiter in ihrer eigenen Partei zur Minderheit verurteilt sind. Shdanow stützte sich in seinen Argumenten sogar sehr häufig auf die Lehren des Genossen Lenin und Stalin, aber das kann nicht über den Fakt hinwegtäuschen, dass letztendlich mit Shdanows Statutänderungen genau das Gegenteil von dem herauskam, was eigentlich damit bezweckt werden sollte. Das zeigen die Mängel wie sie später auf dem XIX. Parteitag zu Tage traten. Und schließlich, auf dem XX. Parteitag, zeigte es sich noch deutlicher, dass sich die Klassenpartei des Proletariats in eine revisionistische Partei des ganzen Volkes“ verwandelt hatte. Spätestens auf dem XIX. Parteitag hätten die Alarmglocken schlagen müssen, hätte bei der Kaderpolitik die Führung der Arbeiterklasse wieder hergestellt werden müssen, um die fortschreitende Bürokratisierung des Parteiapparats und der Kader zu verhindern.

Die Arbeiterklasse und ihre Partei darf es niemals zulassen, dass ihre Kader verbürokratisieren und entarten. Eben diese verbürokratisierten und entarteten Kader bildeten die neue Bourgeoisie, die der Arbeiterklasse die Führung der KPdSU entriss.

In der Sowjetunion“, sagte Enver Hoxha, „ haben die Kader die Konterrevolution gemacht, natürlich die schlechten Kader... Die Kader haben ihren Platz, ihre Rolle, doch nicht sie herrschen über die Partei, sondern die Partei und die Arbeiterklasse herrschen über sie... Diese Hegemonie der Partei und ihrer Klasse müssen die Kader ideologisch richtig verstehen und sie müssen dafür kämpfen, die Prinzipien in der Praxis anzuwenden“ (Enver Hoxha, Diskussionsbeitrag auf der Sitzung des Sekretariats des ZK der PAA, April 1975, Zentrales Parteiarchiv).

Für Stalin war nicht der Kader, sondern die Parteizelle derHüter der Sowjetordnung“. Das Statut soll Funktionsmissbrauch der Kader eindämmen, und da ist es wichtig, dass die Parteimitglieder - also auch und gerade die Kader- in einer Grundorganisation tätig sein müssen und dort von der Partei erzogen und kontrolliert werden. Kaderpartei ja, aber nicht die Herrschaft der Kader über die Partei. Die Partei ist nicht für die Kader da, sondern für die Arbeiterklasse. Die Kader entscheiden alles!“ Es ist richtig, dass Stalin dies gelehrt hat, aber es ist auch eine historische Wahrheit, dass die Parteifeinde diese Losung für sich ausnutzten. Wenn die Kader alles entscheiden, bräuchte man sich nur der Kaderabteilung des ZK der KPdSU (B) bemächtigen, um die Partei von dort aus nach oben und nach unten zu liquidieren. Und es waren Shdanow und Malenkow, die um dieses Amt einen verbitterten Kampf gegeneinander geführt hatten. Die stalinsche Kader-Losung wurde also in ihr Gegenteil verkehrt „im Namen“ Stalins. Sie wurde von der Konterrevolution als willkommene Gelegenheit genutzt, um damit die Stalinisten mit ihren eigenen Waffen zu schlagen, um den Stalinismus in eine leere Phrase zu verwandeln, um damit auf dem Weg der Restauration des Kapitalismus voran zu schreiten. Hier musste sich der Machtkampf zwischen den Leningrader Fraktionisten und den Moskauer Fraktionisten Malenkow/Berija um die Kaderabteilung der KPdSU (B) entzünden, der zehn Jahre andauerte und großen Schaden hinterließ. Es waren schließlich parteifeindliche Kader in beiden Fraktionen, die die innerparteiliche Demokratie missachteten und meinten, sich Kraft ihres Amtes über das Politbüro einerseits und der unteren Gremien der Partei hinwegsetzen zu dürfen. Es waren parteifeindliche Kader, die die Kritik von unten ( und von oben - seitens der Beschlüsse des stalinistischen Zentralkomitees) unterdrückten, Parteimitglieder und Parteilose einschüchterten, Druck auf sie ausübten, ihre Initiative abwürgten und ihre Selbständigkeit beschnitten und sie als Handlanger der „Zentrale“ degradierten. Es darf nicht zu einem gefährlichen Verhältnis der „Zentrale“ zum „Rest der Partei“ kommen., sonst verwandelt sich der demokratische Zentralismus in einen bürokratischen Zentralismus einerseits, und zur einer Verselbständigung des „Rests der Partei“ von der Moskauer Parteibürokratie, wie das damals in der Leningrader Affäre der Fall war. So etwas ist der Tod einer bolschewistischen Organisation und hierauf ist zu achten, wenn wir die bolschewistische Weltpartei aufbauen. Das Verbindungsstück zwischen Weltzentrale und Parteigremien der einzelnen Länder darf nicht in die Hände parteifeindlicher Kader geraten, sonst wird die Zentrale ihrer Basis und die Basis ihrer Zentrale beraubt. Werden Demokratie und Zentralismus von den Kadern auseinander gerissen, führt das zur Revision der bolschewistischen Parteinormen wie wir sie seit dem XVIII. Parteitag nachzeichnen konnten.

Während Stalin immer daraufhin gewiesen hat, wie wichtig es ist, die Demokratie in der Partei zu verstehen als Hebung der Aktivität der Parteimitglieder, ihre Teilnahme an der Lösung der Probleme, die Stärkung ihrer Verantwortung, hat die korrekte Losung: „Die Kader entscheiden alles“ insbesondere seit dem XIX. Parteitag dazu geführt, dass sich eine gewisse Selbstgefälligkeit unter den Kadern breit machte, angesichts der großen Erfolge, und die Parteimitglieder die Kader mit großer Achtung betrachteten, und es nicht mehr für so nötig hielten, sich selbst so aktiv wie möglich zu kümmern. Die Folge war eine Erstarrung in der Partei, der revisionistische Wurm konnte sich erst unmerklich, dann immer schneller und merklicher ausbreiten durch das Missverhältnis von verkümmernder Demokratie und „allmächtigem“ Zentralismus. Der Titoismus war die angeblich „alternative“ Gegenreaktion und es gab nicht wenig Leningrader, die davon beeinflusst waren. Ja dieses Missverhältnis hatte Einfluss auf die gesamte marxistisch-leninistische Weltbewegung bis hin zum Maoismus, wo es gar keinen demokratischen Zentralismus gab, wo ein Kampf diverser Linien, Gruppierungen und Fraktionen tobte. Und in dem Augenblick, wenn sich der demokratische Zentralismus globalisiert hat, wenn die Bedeutung des Zentralismus der Weltpartei zunimmt, spätestens dann wird diese Gefahr zu meistern sein, sind die heute von uns erarbeiteten Lehren aus dem bürokratischen Zentralismus im Spätstalinismus praktisch umzusetzen durch die Mobilisierung der Parteimassen.

Stalin sagte dazu:

Eine Demokratie für wen? Versteht man unter Demokratie die Freiheit, für ein paar von der Revolution losgelöster Intellektueller, ohne Ende zu schwätzen, ein eigenes Presseorgan zu besitzen, usw., so brauchen wir eine solche `Demokratie` nicht, denn sie ist eine Demokratie für eine verschwindende Minderheit, die den Willen der Mehrheit durchbricht. Versteht man dagegen unter Demokratie die Freiheit der Parteimassen, über die Fragen unseres Aufbaus zu entscheiden, den Aufschwung der Aktivität der Parteimassen, ihre Heranziehung zur Führung der Partei, die Entwicklung ihres Gefühls, Herr in der Partei zu sein, so haben wir eine solche Demokratie, wir brauchen sie und wir werden sie unbeirrbar weiter entwickeln, was auch kommen mag“.

Die Demokratie in der Partei dient der Einheit der Partei, ihrer Festigung, sie ist getragen vom Parteistandpunkt. Etwas Anderes ist die kleinbürgerliche Demokratie. Sie stellt das Individuum (den Individualismus des Kaders) in den Mittelpunkt, fördert die Zerfahrenheit, schwächt die Disziplin, fördert das Entstehen von Fraktionen unter den Kadern (imperatives Mandat) usw. usf.

Was bedeutet der Zentralismus in der Partei? Vergleichen wir die Komintern / ML unter der herannahenden Situation des Weltbürgerkrieges mit den Leninschen Aufnahmebedingungen der Komintern, so forderte Lenin damals:

In der gegenwärtigen Epoche des verschärften Bürgerkriegs wird die kommunistische Partei nur dann ihre Pflicht erfüllen, wenn sie möglichst zentralistisch organisiert ist, wenn in ihr eine eiserne Disziplin herrscht, die an die militärische Disziplin grenzt, und wenn ihr Parteizentrum ein starkes, autoritatives Organ mit weitgehenden Vollmachten ist, das das allgemeine Vertrauen der Parteimitglieder genießt“.

Der Zentralismus stützt sich allerdings auf die Demokratie der bolschewistischen Weltpartei und kann auch nur auf der Grundlage der innerparteilichen Demokratie richtig verwirklicht werden ( siehe Generallinie der Komintern / ML: – Abschnitt über das Statut).



Shdanow wies auf das „gewachsene Vertrauen“ zwischen Leitern und Massen hin. Dieses Vertrauen wurde von konservativen Kadern missbraucht, um damit ihre Herrschaft als Leiter über die Massen zu kaschieren. Im Gegensatz zu Shdanow nahm Stalin hierzu eine ganz anderes Position ein:

Ihr seht also, wenn es irgendeine Einwirkung der Leitungen unserer Betriebe auf die Stachanowbewegung gegeben hat, so kam diese der Stachanowbewegung nicht entgegen, sondern richtete sich gegen sie. Folglich ist die Stachanowbewegung als eine von unten kommende Bewegung entstanden und zur Entfaltung gelangt. Und gerade weil sie aus sich selbst heraus entstanden ist, gerade weil sie von unten kommt, ist sie die lebenskräftigste und unüberwindlichste Bewegung der Gegenwart“ (Stalin, Band 13, Seite 37, Rede auf der ersten Unionsberatung der Stachanowleute).

Den Revisionisten ist es dann später gelungen, diese Bewegung von unten in eine Bewegung von oben zu verwandeln und sie zu missbrauchen, die Ausbeutung und Unterdrückung der Arbeiterklasse zu erhöhen, die freiwillige Übererfüllung der Normen in Zwangsnormen zu verwandeln und gleichzeitig die Lebensbedingungen der Arbeiter zu erschweren und zu verschlechtern.

Wenn man sich den Statuts-Bericht Chruschtschows auf dem XIX. Parteitag anguckt, muss man zu dem Ergebnis kommen, dass es bei zunehmender Bürokratisierung und Technokratisierung mit dem Vertrauen zwischen Leitern und Massen rapide bergab gegangen war, dass die Unzufriedenheit der Massen zunahm, dass sich gefährliche Tendenzen der Herrschaft über die Massen breit zu machen begannen, dass Korruption und andere Verstöße gegen die Normen der Partei nicht mehr Ausnahme waren, sondern zum Regelfall wurden..

Die Stachanowbewegung entstand also nicht deswegen, weil das Verhältnis zwischen Leitern und Massen sohervorragend“ war – wie Shdanow behauptete, sondern entfaltete sich umgekehrt aus dem schlechten Verhältnis. Das war eine revolutionäre Arbeiterbewegung von unten gegen die Blockade bürokratischer und intellektualistischer Elemente (leitende Ingenieure) von oben, aber auch gegen eigene rückschrittliche Kollegen von unten !

Diese Bewegung ist in gewissem Maße gegen den Willen der Leitungen unserer Betriebe, ja selbst im Kampfe mit ihnen entstanden und zur Entfaltung gekommen. (...) Stachanow selbst erging es nicht besser, denn er musste sich bei seinem Vorstoß nicht nur gegen manche Verwaltungsfunktionäre, sondern auch gegen manche Arbeiter zur Wehr setzen, die ihn wegen seiner `Neuerungen` auslachten und gegen ihn hetzten“ (Stalin, Band 13, Seite 36, Rede auf der ersten Unionsberatung der Stachanowleute).

Was Stalin hier andeutete, ist in zweifacher Hinsicht äußerst bemerkenswert. Erstens differenzierte er bei den Arbeitern Vorstoßarbeiter und Arbeiter, die sich direkt gegen diese Vorstoßarbeiter formierten, wobei er sich entschieden vor die Vorstoßarbeiter stellte. Zweitens wird daraus deutlich, dass sich – im Gegensatz zu den Stalinisten – jene Schicht von Verwaltungsfunktionären nicht etwa auf die Seite der Stachanowleute, sondern auf ihre Gegner unter den Arbeitern stützten und sogar manchen Arbeitsplatz der Vorstoßarbeiter kündigten und diese nicht selten Repressalien aussetzten. Dies dürfte erklären, dass es zwischen den revolutionären Elementen der Arbeiterklasse und der aufkommenden Arbeiteraristokratie, aber auch gegen rückschrittliche Elemente unter den Arbeitern selbst einen harten Klassenkampf gegeben hat. Man kann also nicht von DER Arbeiterklasse der Sowjetunion reden, sondern muss sehr aufmerksam ihre inneren Widersprüche und Bewegungen studieren, ihre revolutionäre Entwicklung im Kampf der Gegensätze begreifen. Der friedliche Aufbau des Sozialismus verlief auch unter den Arbeitern selbst nicht so friedlich wie es allgemein dargestellt wird. Wir wissen eine Menge über Stalin und die Partei, aber wir wissen im Grunde sehr wenig über die revolutionäre Entwicklung der sozialistischen Arbeiterklasse, weil wir einfach den sozialistischen deckel drüber stülpen, ohne uns die Mühe zu machen, darunter zu schau Die Kader entscheiden alles!“ „Man muss endlich begreifen, dass von allen wertvollen Kapitalien, die es in der Welt gibt, das wertvollste und entscheidendste Kapital die Menschen, die Kader sind. (...) Nur im Kampf mit Schwierigkeiten werden richtige Kader geschmiedet“ (Stalin, Werke Band 13, Seite 29, „Rede vor den Absolventen der Akademie der Roten Armee“). Diese Rede war für Stachanow nach eigener Aussage die entscheidende Initialzündung – Kader von unten herausbilden an der vordersten Front der Produktion !!

Die Stachanowbewegung erkämpfte sich mit ihrer Arbeit eine Verbesserung der materiellen Lage. Diese besondere Bedeutung der Stachanowbewegung wird all zu häufig vernachlässigt. Um gut und froh leben zu können, ist es erforderlich, dass die Errungenschaften der politischen Freiheit durch materielle Güter ergänzt werden“ (Stalin, Stachanowbewegung, ebenda, Seite 38). Die kommen nicht vom Himmel, sondern müssen im Klassenkampf errungen werden. Der Kampf um die Verbesserung der materiellen Lage der Arbeiterklasse ist also auch im Sozialismus nicht ohne scharfen Klassenkampf möglich gewesen.

Die Widersprüche zwischen Leitern und Massen nahmen zu, die Weichen nicht korrekt auf Festigung der Diktatur des Proletariats gestellt, dass auf die feste Verbindung zwischen Partei – Klasse - und Masse aufbaut. Die Klassenunterschiede nahmen zu, nicht ab. Hier die privilegierte, herrschende bürokratische Minderheit von Kadern in Partei und Staat - dort die Massen der Arbeiter und Bauern.

Stalin lehrte, dass im Prozess des sozialistischen Aufbaus, insbesondere beim Übergang zum Kommunismus, die moralisch-ideologischen Anreize im Vergleich zu den materiellen Anreizen, eine immer größere Überlegenheit und Bedeutung erlangen. Die Kader, die aus den Arbeitern und Arbeiterinnen entstanden, sind aus der Stachanowbewegung hervorgegangen und nicht aus der Partei- und Staatsbürokratie. Stalin stellte fest, dass es die Arbeiter und Arbeiterinnen der Stachanowbewegung waren, die die Rückständigkeit der Normen überwanden. Stalin sprach davon, dass wir unserer Rückständigkeit“ noch nie Treue geschworen“ haben, während so mancher mit der Rückständigkeit aufzutrumpfen beginnt. (...) Deshalb glaube ich, dass unsere Ingenieure, Techniker und Wirtschaftler, die schon recht weit hinter der Stachanowbewegung zurückgeblieben sind, gut daran täten, wenn sie aufhörten, sich an die alten technischen Normen zu klammern, und sich auf richtige, wissenschaftliche, auf neue, auf Stachanowsche Art umstellten.“ (Stalin, ebenda, Seite 41, 42). „Die Aufgabe besteht darin (...) allen denjenigen Elementen unter den Wirtschaftlern, Ingenieuren und Technikern Zügel anzulegen, die sich hartnäckig an das Alte klammern, nicht vorwärts schreiten wollen und die Entfaltung der Stachanowbewegung systematisch hemmen. (...) Es ist notwendig, dass sich unsere Parteiorganisationen in diese Sache einschalten und den Stachanowleuten helfen, die Bewegung zur Vollendung zu bringen“ (ebenda, Seite 44).

Charakteristisch für Stalin ist, im leninistischen Sinne von den Arbeitern zu lernen und so war es folgerichtig, dass er sich im Namen der Führer der Regierung bei den Stachanowleuten bedankt hatte: Also habt Dank, Genossen, für die Lehre, vielen Dank“ (Stalin, ebenda, Seite 46). Die erste Unionsberatung von 3 000 Stachanowleuten endete mit Ovationen und dem Gesang der proletarischen Hymne - der „Internationale“.

Es gab unter den Intelligenzlern natürlich genug Wirtschaftler, Ingenieure und Techniker, die dagegen einen hartnäckigen Klassenkampf führten und mit aller Macht versuchten, ihre konservativen, privilegierten Positionen gegenüber den Stachanowarbeitern zu verteidigen. Und so war es kein Wunder, dass sie die Parteiorganisationen aus der Ökonomie heraushalten wollten. Sie versuchten, Wirtschaft und Politik voneinander zu trennen, die Politik von der Wirtschaft abzukoppeln, um ihren eigenen Wege, vorbei an der Arbeiterklasse, zu gehen. Die Partei sollte ihnen gefälligst nicht ins Handwerk pfuschen. Übrigens hatte Stalin die Leningrader Gebietsorganisation bezüglich der Unterstützung der Stachanowbewegung ausdrücklich hervorgehoben und gelobt (Vergleich: „Leningrader Affäre“). Stalin war grundsätzlich für die Methode der Überzeugung, aber wo sich die Intelligenzler nicht überzeugen lassen wollten, war es für Stalin klar,dass wir diesen verehrten Leuten einen leichten Rippenstoß versetzten und sie schön höflich aus dem zentralen Apparat des Volkskommissariats (...) hinausgeleiten mussten“ (Stalin, ebenda, Seite 45).

Die materiellen Prämien hätten zum Beispiel aus dem Lohnsystem beseitigt, die hohen Gehälter abgeschafft und die Lohnspanne zu Gunsten der Arbeiterklasse weiter verringert werden müssen. Die Partei hätte Initiativen der Intelligenz anregen können, beim Übergang zum Kommunismus freiwillig die Ärmel hoch zu krempeln, in der Produktion zu arbeiten oder den revolutionären Spaten in die Hand zu nehmen, auf höhere Entlohnung, Vergünstigungen usw. freiwillig zu verzichten, um praktisch beizutragen, die Unterschiede zwischen körperlicher und geistiger Arbeit weiter zu verringern und das Gesamtinteresse der Gesellschaft über das persönliche Interesse zu stellen usw. usf. Diese Maßnahmen wären von prinzipieller Bedeutung gewesen, nämlich um dem Individualismus, dem Egoismus und anderen schädlichen Eigenschaften den Weg in die Restauration des Kapitalismus zu verlegen, um sich als eigenständige Schicht allmählich überflüssig und entbehrlich zu machen.

Der Arbeiter nähert sich der kommunistischen Gesellschaft, indem er sich seine verbesserten materiellen Bedingungen schafft, indem er sein Kulturniveau revolutioniert. Der Arbeiter nähert sich durch Möglichkeiten geistiger Betätigung, der Intellektuelle hingegen durch die Möglichkeit der körperlichen Betätigung, des Lernens von den Erfahrungen der Arbeiter in der Produktion. Die Unterschiede von geistiger und körperlicher Arbeit verschwinden mit den Klassen, aber nicht ohne Klassenkampf. Ohne Klassenkampf kann man die Widersprüche zwischen geistiger und körperlicher Arbeit, zwischen Arbeiterklasse und Intelligenz nicht beseitigen. Und wer diesen Klassenkampf führt, das ist einzig und allein die revolutionäre Arbeiterklasse. Die Arbeiterklasse hat nicht der Intelligenz zu dienen, sondern die Intelligenz der Arbeiterklasse. Die Arbeiterklasse muss in allem die Führung inne haben. Die Partei und ihre Klasse hätten es nicht zulassen dürfen, dass sich aus den Kadern privilegierte Schichten bilden, aus denen eine neue Bourgeoisie entstehen konnte. Wer als Leiter und Kader über die werktätigen Massen herrschen oder „besser leben“ will als sie, wer seine eigenen Interessen über die Interessen der Massen stellt, dem muss manNase und Kreuz brechen“ (Enver Hoxha, ebenda).

Nach und nach wurden die Grundorganisationen und Parteiorgane als kollektive Führungsgremien von der Führung verdrängt. Liberalismus und Bürokratismus traten in den Statutfragen nicht getrennt voneinander auf, sondern sie waren miteinander verflochten, waren zwei Seiten einer Medaille bei der Schwächung des proletarischen, revolutionären Charakters der KPdSU (B). Der Rechtsopportunismus erschöpfte sich aber nicht in Erscheinungen des Liberalismus und des Bürokratismus. Je nach den Umständen wurde das Statut von Konformisten, Kriechern, Pragmatikern, Kompromisslern, Karrieristen und Doppelzünglern missbraucht, wurden die Normen des Parteilebens und der Parteidisziplin missachtet oder gar mit Füßen getreten, wurden den proletarischen Parteimitgliedern Steine in den Weg gelegt von nichtproletarischen Parteimitgliedern. Dieser Rechtsopportunismus verbarg sich nicht selten hinter einem „linken“ Gewand, wenn er ans Licht der Parteiöffentlichkeit gezerrt worden war. Der Kampf um die Hegemonie der Arbeiterklasse in der Partei musste also in beide Richtungen geführt werden.

Die privilegierte Minderheit unter den Schichten der Intelligenz war im Spätstalinismus auf ihrer Karriereleiter so weit aufgestiegen, dass sie aus ihren eigensüchtigen Interessen heraus hartnäckig bestrebt war, die politische Selbständigkeit der Arbeiter zu überwinden und die Vormundschaft über die Arbeiter und ihrer Partei zu erlangen, das heißt, führende Posten der Diktatur des Proletariats zu besetzen und die Arbeiter und Bauern abzuqualifizieren. Anstatt der Verringerung dieser Zwischenschicht und den übrigen Schichten der sowjetischen Gesellschaft nahmen die Widersprüche zu dieser Zwischenschicht immer mehr zu, wurden schließlich die alten Funktionen der Intelligenz im Kapitalismus wieder hergestellt. Anstatt sich aufzulösen, nahm die Zwischenschicht immer kolossaleren Umfang an, verschmolz sie sich mit den anderen privilegierten Schichten, insbesondere der Arbeiteraristokratie zur neuen Oberschicht, rekrutierten sich aus der Zwischenschicht Elemente der neuen Sowjetbourgeoisie. Diese Oberschichtelemente, die aus der Zwischenschicht der Intelligenz hervorgegangen waren, verbreiteten die bürgerliche Ideologie und bereiteten den Boden der Restauration der bürgerlichen Ideologie in allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens, angefangen in der Wirtschaft bis hin in die Schulen. Die Intelligenz war die feste Basis und mit der Arbeiteraristokratie die einzig zuverlässige Stütze der herrschenden Clique in Partei und Staat.

Im ersten Band der Stalinwerke erklärte Stalin 1905:Es ist Martow gleichsam Leid um gewisse Professoren und Gymnasiasten, die sich nicht entschließen können, ihre Wünsche den Wünschen der Partei unterzuordnen, und er schlägt damit eine Bresche in die Festung unserer Partei, durch die sich diese verehrten Herrschaften in unsere Partei einschleichen können“ („Die Klasse der Proletarier und die Partei der Proletarier“, Band 1, Seite 63).

Und genau dies war nach dem Krieg - insbesondere Ende der 40er Jahre bis Stalins Tod - der Fall und dies hat sich auch bis zur Auflösung der Partei 1989/90 nie wieder geändert, sondern nur noch weiter manifestiert.

Nur im Klassenkampf geht der Sozialismus zum Kommunismus über, also Klassenkampf beherrscht die gesamte Übergangsgesellschaft bis sie im Kommunismus angekommen ist. Der Marxismus-Leninismus lehrt, dass ohne Kommunismus in jeder sozialistischen Gesellschaft die Entstehung neuer antagonistischer Klassenwidersprüche möglich ist, dass in der sozialistischen Gesellschaft also immer noch Kräfte vorhanden sind, die eine neue Klassengesellschaft des Kapitalismus, des restaurierten Kapitalismus herbeiführen können. Und in diesem Klassenkampf nimmt auch die Intelligenz ihren Platz ein, wobei sich die Mehrheit auf die Seite der Arbeiter und Bauern stellt, ihnen dient. Aber die Minderheit der Intelligenz bedient sich der Arbeiter und Bauern, um die Restauration des Kapitalismus umzusetzen. Diese Minderheit der Intelligenz kann aber nicht der alten Bourgeoisie dienen, weil diese bereits beseitigt ist. Sie bildet also selber aus ihren eigenen Reihen bourgeoise Kräfte heran, die vor Allem auf die Mehrheit der Intelligenz Einfluss nimmt, die dann ihrerseits diesen Einfluss in die ganze sozialistische Gesellschaft trägt, also zum Träger reaktionären Gedankenguts unter den Arbeitern und Bauern gemacht wird. Die konterrevolutionäre Minderheit in der Sowjetintelligenz tritt dabei nicht als eigenständige Klasse auf und sie wirkt auch nicht nur auf die Mehrheit der Intelligenz als Zwischenschicht. Sie rüstet bürgerliche Elemente auch in anderen Bereichen, insbesondere der Wirtschaft, mit ihren reaktionären geistigen Waffen aus, damit die geistige Arbeit über die körperliche Arbeit herrschen kann, damit sich in allen Bereichen der Gesellschaft Elemente herausbilden, die sich fremde Arbeit staatskapitalistisch aneignen. In dieser Funktion verbündet sie sich mit der Arbeiteraristokratie, die als privilegierte Schicht aus der sozialistischen Arbeiterklasse selbst hervorgegangen ist und durch die Industrieproduktion eine Vormachtstellung einnahm.



Die Stellung der Intelligenz im Sozialismus

Die gesellschaftliche Bedeutung der Zwischenschicht der Intelligenz kann nur im Klassenkampf der Arbeiter und Bauern auf dem Wege der Emanzipation ihrer eigenen Klasse verringert und überwunden werden. Die Emanzipation der Zwischenschichten der Intelligenz aber geschieht auf dem Wege der Verringerung der Widersprüche zwischen geistiger und körperlicher Arbeit. Was heißt das aber? Das heißt, dass die Intelligenz auch den Spaten in die Hand nehmen muss, wenn sie zu den Schaffenden des Kommunismus gehören und nicht etwa ihre Nutznießer auf Kosten der körperlichen Arbeit werden wollen. Also in dem Maße wie sich die Arbeiter geistig emanzipieren, emanzipiert sich die Zwischenschicht der Intelligenz durch ihre körperliche Arbeit – und zwar im Weltmaßstab. Das ist ein dialektischer Prozess, der unter politischer Führung der Arbeiterpartei konsequent umgesetzt werden muss und nicht gehemmt werden darf.

Gegensätze zwischen geistiger und körperlicher Arbeit wollte Stalin aufheben. Und genau dagegen gab es ein Aufbegehren und eine Empörung jener Kräfte, die die Privilegien der geistigen Arbeit nicht aufzugeben gedachten und diese gegenüber den Arbeitern und Bauern verteidigten.

In der Sowjetunion Lenins und Stalins veränderten sich die Methoden und Aufgaben der Überwindung der Gegensätze zwischen geistiger und körperlicher Arbeit, an der Kulturfront, verändert sich die Rolle oder Zusammensetzung der Intelligenz, nahm der Kampf gegen den intelligenzlerischen Opportunismus in der Partei historisch unterschiedliche charakteristische Züge an, wurden alte Lehrsätze zur Lösung der Frage der Intelligenz durch neue ersetzt, andere wiederum im Wesentlichen beibehalten usw. usf.

Die Lehren aller 5 Klassiker über die Kulturfront, über die Intelligenz, über den Intellektualismus und dem Kampf gegen den intelligenzlerischen Opportunismus in der Partei kann man voneinander nicht losgelöst betrachten und willkürlich gegeneinander ausspielen oder aus dem Zusammenhang reißen. Sie bilden ein gemeinsames, geschlossenes Ganzes, sie bestehen sozusagen »aus einem Guss«

Die Klassiker des Marxismus-Leninismus waren keine Studierstuben-Intellektuelle, die ihre Ideen nach Professorenart nur aus Büchern oder Beobachtungen abgeleitet haben oder aus Kritiken an anderen Denkern, sozusagen aus der »Negation der Negation«. Die Klassiker waren nicht nur Theoretiker, sondern zogen auch Konsequenzen aus ihren Erkenntnissen, nämlich dass die Arbeiterklasse die wichtigste Triebkraft der gesellschaftlichen Entwicklung ist und teilten im täglichen Klassenkampf mit den Arbeitern Niederlagen und Siege. Weil die Lehren der Klassiker nicht bloße Theorie blieben, sondern den Kampf der Arbeiterklasse wissenschaftlich fundierten und befruchteten, sind sie erst zum wesentlichen Bestandteil jener Kraft und Macht geworden, der die Zukunft gehört. Deswegen sind die Lehren der Klassiker auch Lehren der Arbeiterbewegung, der proletarischen Revolution, der Diktatur des Proletariats. Die Klassiker trugen das sozialistische Bewusstsein in die Arbeiterbewegung, die sie selber anführten, deren edelsten und wertvollsten Teil sie verkörperten. Sie waren nicht nur die führenden theoretischen Vertreter der Arbeiterklasse ihrer Zeit, schufen mit ihren Lehren nicht nur eine universelle Anleitung zum revolutionären Handeln der Arbeiterklasse, sondern waren darüber hinaus selber die internationalen Führer des revolutionären proletarischen Handelns. Die Klassiker des Marxismus-Leninismus waren und bleiben die Führer des Weltproletariats, indem sie ihre Lehren mit dem Handeln auf höchster Stufe verschmolzen. Sie verkörperten die optimale Übereinstimmung von Wort und Tat des revolutionären Weltproletariats nicht nur für ihre Zeit, sondern für alle Zukunft. Deswegen sind ihre Lehren unsterblich.



Die Intelligenz

Ganz allgemein sind die Begriffe „Intellekt, intellektuell“ (lernpsychologische) Bezeichnungen für verstandesmäßiges Arbeiten, für Denkvermögen, für Erkenntnisvermögen usw. Im eigentlichen Sinne des Wortes ist der Begriff „Intelligenz“ nur eine Bezeichnung für eine mehr oder weniger ausgeprägte geistige Fähigkeit, das Wesen einer Sache richtig zu erfassen, die Fähigkeit zu denken, usw. usf.

Im engeren Sinne wird mit der Intelligenz eine bestimmte Gesellschaftsschicht bezeichnet. Seit dem 18. Jahrhundert sprach man von der so genannten „Intellegentia“, der Schicht der wissenschaftlich Gebildeten. Es handelt sich also um eine (soziologische) Bezeichnung für die ganze gesellschaftlichen Schicht der berufsmäßigen Geistesschaffenden, wie Wissenschaftler, Ärzte, Lehrer, Künstler, Ingenieure (hinzu kam später mit der Industrialisierung die technische Intelligenz) usw. Die Intelligenz als Schicht unterscheidet sich von der Klasse, weil sie nicht wie die Klasse eine besondere Rolle in dem jeweiligen System der Produktion spielt. Die Intelligenz bildet sich vielmehr aus Angehörigen verschiedener Klassen. Die Intelligenz kann also auf Grund ihrer objektiven Lage niemals die führende soziale Kraft der Gesellschaft sein. Die Herausbildung der Intelligenz ist in der antagonistischen Klassengesellschaft eng verknüpft mit dem für diese Gesellschaft so charakteristischen Gegensatz zwischen körperlicher und geistiger Arbeit .

Im Kapitalismus ist die Intelligenz durch soziale Stellung, Herkunft, Tradition, Bildung und durch die herrschende Ideologie eng mit der Bourgeoisie verbunden und rekrutiert sich vorwiegend aus der Kleinbourgeoisie und der mittleren Bourgeoisie – und nur in geringerer Zahl aus der Arbeiterklasse (Bildungsdiskriminierung).

Die Intelligenz war niemals eine Klasse und kann es nicht sein, sie war und bleibt eine Zwischenschicht, die sich aus allen Klassen der Gesellschaft rekrutiert. In der alten Zeit rekrutierte sich die Intelligenz aus dem Adel, der Bourgeoisie, teilweise aus der Bauernschaft und nur in ganz geringfügigem Maße aus der Arbeiterschaft. In unserer, in der Sowjetzeit rekrutiert sich die Intelligenz hauptsächlich aus den Reihen der Arbeiter und Bauern. Doch ist die Intelligenz, wie sie sich auch rekrutieren und welchen Charakter sie auch tragen möge, dennoch eine Zwischenschicht und keine Klasse.“ (Stalin, Band 14, Seite 80).



Definition: Intellektueller



Definition: kommunistischer Intellektueller

- geistiger Totengräber der Bourgeoisie - leistet seine geistige Arbeit für die Bedürfnisse und Interessen der Arbeiterklasse, als geistiger Soldat der Weltrevolution als Wissenschaftler der proletarischen Weltanschauung, als Diener des wissenschaftlichen Sozialismus, ist geistiger Revolutionär.



Definition des sozialistischen Intellektuellen :

- der Armee der Sowjetintelligenz angehörend, die ihr Geschick mit dem Geschick der Arbeiterklasse verbunden hat und gemeinsam mit uns das sozialistische Fundament (...) aufbaut [siehe Stalin, Band 8, Seite 123].



Definition: bürgerlicher intellektueller

leistet reaktionäre geistige Arbeit für die Bourgeoisie und Kleinbourgeoisie als Söldling der Konterrevolution und Lieferant der geistigen Waffen gegen die Arbeiterklasse, als Piraten der Feder, als geistige Parasiten, als geistiger Reaktionär, bedient sich insbesondere der Tarnkappe des proletarischen Intellektuellen.



Definition: kleinbürgerlicher Intellektueller:

schwankt zwischen den Positionen der Bourgeoisie und des Proletariats im Allgemeinen, zwischen dem bürgerlichen und proletarischen Intellektuellen im Besonderen.

Über den Charakter des kleinbürgerlichen Intellektuellen:

kleinbürgerlicher Intellektueller entpuppen sich auf Grund ihrer Losgerissenheit vom Leben, Losgerissenheit von der Revolution, Losgerissenheit von der Partei, von der Arbeiterklasse. Rüttelt und schüttelt die kleinbürgerlichen Intellektuellen tüchtig, kratzt ihnen ihre rrrrevolutionäre Phraseologie herunter – und zum Vorschein kommt ihr Kapitulantentum. Die intelligenzlerische Wankelmütigkeit und der Sumpf der Zerfahrenheit, die Disziplin- und Prinzipienlosigkeit (die sich zuweilen hinter wortgewaltiger, rrrrevolutionärer `Prinzipienfestigkeit` verbirgt) ist charakteristisch für den kleinbürgerlichen Intellektuellen. Intellektuelles Geschwätz, Geschnatter, scheinrevolutionäres Gehabe, Wichtigtuerei, Klugscheißerei und Schulmeisterallüren, endlose Diskussionen, darin erschöpfen sich hauptsächlich ihre ´großen Taten`- besonders in revolutionären Tagen. Und wenn`s dann wirklich brenzlig wird, verlässt sie der Mut, schlagen sie sich entweder feige in die Büsche und verraten die Arbeiterklasse. Die nichtproletarischen Elemente sind die ersten, die dem verstärkten Druck der Diktatur der Bourgeoisie nachgeben – standhaft ist nur die Klasse der Proletarier. Das große Geschrei dreht sich in Wahrheit nur um sich selbst, um die Rettung ihrer eigenen Haut. Was die Qualen und Leiden der Arbeiter und Werktätigen anbelangt, wenn diese die Staatsgewalt, den Polizeiknüppel zu spüren bekommen, sehen sie nicht nur weg und schweigen, sondern schieben den Betrogenen obendrein noch die Schuld für ihr ganzes Elend in die Schuhe, besonders aber dann, wenn diese sich wehren.

Die kleinbürgerlichen Intellektuellen versuchen, die bürgerliche Ideologie insbesondere unter dem Deckmantel der proletarischen Ideologie in die Arbeiterklasse zu tragen. Die zwiespältigen kleinbürgerlichen Intellektuellen sind entwurzelt, liebäugeln mit den Arbeitern und ihrer revolutionären Partei, liebäugeln mit der Revolution, mit dem Sozialismus, aber in Taten können sie mit der Bourgeoisie, mit dem Kapitalismus, mit der Konterrevolution nicht brechen, verraten unsere proletarische Sache, hassen und verleumden uns. Aber die Arbeiter, sehen viel schärfer als sehr viele ´kluge` und ´gebildete` Intellektuelle, sie haben den Intellektuellen u.a. ihren Klasseninstinkt voraus.

Der Intellektuelle ist reaktionär, solange er der herrschenden Bourgeoisie dient . Der Intellektuelle ist von dem Augenblick an revolutionär, von dem ab er seine geistige und körperliche Arbeit in den Dienst der Sache der Arbeiterklasse stellt, von dem ab er den reaktionären Intellektuellen als Klassenfeind gegenüber tritt, von dem Augenblick an, wo er für die Beseitigung des Gegensatzes von geistiger und körperlicher Arbeit kämpft.

Ein revolutionärer Intellektueller – um sich den proletarischen Klassenstandpunkt anzueignen, kämpft gegen das Intelligenzlertum, muss unter der Führung der Arbeiterklasse sozusagen „gegen sich selbst“ ankämpfen. Dabei ist letztlich die ökonomische Stellung bzw. die soziale Klassenlage von ihrer Herkunft her untergeordnet und der angenommene und verinnerlichte proletarische Klassenstandpunkt übergeordnet. Damit soll lediglich gesagt sein, dass sich der proletarische Intellektuelle ebenso aus allen Klassen und Schichten rekrutiert wie sich der bürgerliche oder kleinbürgerliche Intellektuelle aus allen Klassen und Schichten herausbilden kann, also eben auch aus den gehobenen Schichten der Arbeiterklasse und insbesondere aus der Arbeiteraristokratie (Arbeiter mit weißen Handschuhen, mit weißem Kragen, mit weißem Kopf). Wichtig ist also immer, welchen Klasseninteressen der Intellektuelle dient, den Klasseninteressen des Proletariats oder den Klasseninteressen der Bourgeoisie und zwar stets gemessen an der Übereinstimmung von Wort und Tat.

Revolutionär ist derjenige Intellektuelle, der die geistige Lohnsklaverei im Kapitalismus für die Beseitigung des Klassenwiderspruches von geistiger und körperlicher Arbeit, also für die Beseitigung der Klassengesellschaft und somit auch für die Beseitigung einer besonderen Stellung der Intelligenz als Zwischenschicht eintritt.



Definition: Stellung der Intellektuellen in der Gesellschaft

Solange die menschliche Arbeit noch so wenig produktiv war, dass sie nur wenig Überschuss über die notwendigen Lebensmittel hinaus lieferte, war Steigerung der Produktivkräfte, Ausdehnung des Verkehrs, Entwicklung von Staat und Recht, Begründung von Kunst und Wissenschaft nur möglich vermittelst einer gesteigerten Arbeitsteilung ... zwischen den die einfache Handarbeit besorgenden Massen, un den die Leitung der Arbeit, den Handel, die Staatsgeschäfte, und späterhin die Beschäftigung mit Kunst und Wissenschaft betreibenden wenigen Bevorrechteten“ (Engels, „Anti-Dühring“, Seite 222).

Der unmittelbare Produzent konnte keine oder nur wenig Lebenszeit für geistige Bedürfnisse, kulturelle Zwecke erübrigen. Auf der Basis einer breiten, nur ein kleines Mehrprodukt erzielenden Schicht unmittelbarer Produzenten erhob sich die zunächst schmale Herrenklasse, die Trägerin nicht nur zur geistiger Unterdrückung der Produzenten, sondern auch des geistigen Fortschritts. Insofern hatten gewisse Teile der Intelligenz auch maßgeblichen Anteil am kulturellen Fortschritt, den man nicht absprechen kann. So schrieb Stalin in seiner berühmten „Kurzen Darlegung der Meinungsverschiedenheiten in der Partei“:

Die Lehre des Sozialismus ist (...) aus philosophischen, historischen und ökonomischen Theorien hervor gewachsen, die von den gebildeten Vertretern der besitzenden Klassen, der Intelligenz, ausgearbeitet wurden. (...) Dies heißt selbstverständlich nicht, fährt Lenin fort, `dass die Arbeiter an dieser Ausarbeitung nicht teilnehmen. Aber sie nehmen daran nicht als Arbeiter teil, sondern als Theoretiker des Sozialismus, (...) sie nehmen nur dann und in so weit daran teil, als es ihnen in höherem oder geringerem Maße gelingt, sich das Wissen ihres Zeitalters anzueignen und dieses Wissen zu bereichern“ (Stalin, Band 1, Seite 87).

Das heißt aber weder, dass die Intelligenz den Kapitalismus beseitigt, noch dass sie bei der Beseitigung den führenden Platz einnehmen können. Der Kapitalismus wird nicht durch die Intelligenz beseitigt, sondern durch die Arbeiterklasse. Die Schichten der Intelligenz spielen keine selbständige Rolle wie die Klassen. Die Intelligenz ist keine Klasse, sondern dient der Klasse, kann als Diener der Arbeiterklasse für den Fortschritt der Menschheit großartige Dinge leisten, aber sie kann auch als Diener der Kapitalisten großen Schaden anrichten, je nachdem welcher Klasse sie dient. Ausgehend von den historischen Erfahrungen darf man die guten wie die schlechten Seiten der Intelligenz nicht unterschätzen, aber auch nicht überschätzen. Natürlich stünden die Dinge anders, wenn es möglich wäre, die Intelligenz mit einem Schlag der kapitalistischen Welt zu entreißen. Aber das ist Utopie. Es gibt wenig Intellektuelle, die mit der bürgerlichen Welt brechen und sich für die Befreiung der unterdrückten und ausgebeuteten Massen einsetzen, es gibt noch weniger, die sich der Arbeiterbewegung anschließen und nur ein kleiner Bruchteil arbeitet für den Kommunismus. Für die Kommunistische Partei. Arbeiten nur vereinzelte intellektuelle Genossen. Was können diese Intellektuellen aber ohne politische Macht ausrichten? Im besten Fall können sie die Klasse, die die Macht ergreift, unterstützen, aber sie können die Welt nicht aus eigener Kraft verändern. Dies kann nur eine große Klasse, die an die Stelle der Kapitalistenklasse tritt und statt ihrer zum souveränen Herrscher wird. Diese Klasse ist die Arbeiterklasse.

In der Klassengesellschaft können die herrschenden Klassen nicht ohne die Intelligenz auskommen. In der Geschichte hatte jede herrschende Klasse also auch ihre eigene Intelligenz, der sie sich bediente, um ihr Ausbeutungs- und Herrschaftssystem zu errichten, zu festigen, zu erhalten und nötigenfalls zurückzuerobern. Das gilt zum Beispiel für die Bourgeoisie und ihre bürgerliche Intelligenz im Kapitalismus, und das gilt genauso für die Arbeiterklasse a) mit der Heranziehung von Teilen der alten bürgerlichen Intelligenz und b) mit der Schaffung einer neuen Intelligenz, die sich aus den Klassen der Arbeiter und Bauern rekrutiert – für die Errichtung, Festigung, Aufrechterhaltung und Zurückeroberung der Diktatur des Proletariats und des Sozialismus.

In der Klassengesellschaft können aber auch nicht die unterdrückten Klassen ohne die Intelligenz auskommen. Die unterdrückten Klassen machten sich die Intelligenz stets für die Schaffung und Anwendung ihrer Befreiungsideen zu Nutze, zum Teil unter den schärfsten illegalen Bedingungen. Es ist der Kapitalismus selbst, der die objektiven Grundlagen dafür schuf, dass eine wachsende Anzahl Intellektueller in den Widerspruch zur Ausbeutergesellschaft geriet und sich auf die Seite der Arbeiterklasse schlug und sich der Arbeiterbewegung anschloss. So ist auch die marxistisch-leninistische Intelligenz entstanden. Sie geriet in Widerspruch zum Kapitalismus und löste sich aus der bürgerlichen Intelligenz heraus, um sich der einzig revolutionären Klasse, der Arbeiterklasse zuzuwenden und sich in ihren Dienst zu stellen, und die Arbeiterklasse beim Sturz des Kapitalismus zu unterstützen. Die marxistisch-leninistische Intelligenz half der Arbeiterklasse, sich selbst zu befreien und ihre eigene marxistisch-leninistische Intelligenz zu schaffen.

1. KAPITALISMUS: Schichten in der der antagonistischen Klassengesellschaft, die die geistigen Waffen der einen Klasse gegen andere liefert . Antagonistische Widersprüche zwischen geistiger und körperlicher Arbeit, Lakaien der herrschenden Bourgeoisie und Söldlinge der Konterrevolution. Die von der Bourgeoisie verbreitete Auffassung, dass die Intelligenz ideologiefrei sei, über den Klassen schwebe, wird durch die tatsächlichen Klassen- und Machtverhältnisse praktisch und durch die marxistisch-leninistische Theorie von den Klassen und dem Klassenkamopf widerlegt. Ebenso wurde vom Marxismus-Leninismus die bürgerliche Auffassung widerlegt, dass die Intelligenz in die kapitalistische Gesellschaft anführe. Die faschistische Bourgeoisie versucht die kleinbürgerlichen Intellektuellen vor dem Marxismus-Leninismus zu schrecken, dass dieser den Kampf der Handarbeit gegen die Kopfarbeit organisiere, den Kampf gegen die Gebildeten, den Kampf gegen Bildung und Kultur.

2. SOZIALISMUS:

Sprengung sowohl der körperlichen als auch der geistigen Ketten der kapitalistischen Lohnsklaverei.

Schichten in der nichtantagonistischen Klassengesellschaft, nicht-antagonistische Widersprüche zwischen geistiger und körperlicher Arbeit; Klassenkampf auf Leben und Tod, der auch mit geistigen Waffen ausgetragen wird und die Gefahr der Herausbildung von solchen Intellektuellen bekämpft werden muss, die sich in den Dienst der Zurückeroberung der Herrschaft einer neuen Bourgeoisie stellen zwecks Restauration des Kapitalismus, das heißt der Wiederherstellung der antagonistischen Spaltung zwischen Hand- und Kopfarbeitern. Losung: a) Zerschmetterung der aktiven Schädlinge der bürgerlichen Intelligenz; b) Differenzierung der sich neutral verhaltenden Intellektuellen; c) Heranziehung der Intellektuellen, die sich gegenüber dem Sozialismus loyal verhalten. Durch die Schaffung sozialistischer Produktion, mit der Schaffung sozialistischer Produktionsverhältnisse werden der Intelligenz die objektiven Grundlagen entzogen, durch die sie einst mit der Bourgeoisie verbunden war. Bahnbrecherin ist hier die technische Intelligenz, denn sie ist aufs Engste mit dem Produktionsprozess verknüpft, hat direkte Verbindung zu den Arbeitern und Bauern. Neben steigender Unzufriedenheit unter gewissen Schichten der Intelligenz wächst also der Zusammenschluss der werktätigen Intelligenz mit der Arbeiterklasse viel stärker. Durch die Heranziehung der alten, im Kapitalismus herangewachsenen und ausgebildeten Intelligenz zur Mitarbeit am sozialistischen Aufbau sowie durch die Heranbildung einer neuen Intelligenz (Sowjetintelligenz), die sich vorwiegend aus Angehörigen der Arbeiterklasse und der werktätigen Bauernschaft zusammensetzt, wandelt sich das Wesen der Intelligenz („sozialistische Intelligenz der Massen / „Intelligenz von unten“). Die Initiatoren des Wettbewerbs, die Führer der Stoßbrigaden, die praktischen Inspiratoren des Arbeitsaufschwungs, die Organisatoren der Arbeit an diesem oder jenem Abschnitt des Aufbaus – das ist die neue Schicht der Arbeiterklasse, die zusammen mit den Genossen, die die Hochschule absolviert haben, den Kern der Intelligenz der Arbeiterklasse, den Kern der leitenden Kader unserer Industrie bilden soll. Die Intelligenz wendet sich immer mehr dem Sozialismus, dem Arbeiter zu. Die Intelligenz wird von der Arbeiterklasse absorbiert. Und die entreißt der Intelligenz die Basis ihres selbstständigen Charakters einer Zwischenschicht. „Spezialistenfresserei“ = schädliche Erscheinung. Aber Spezialisierung nur noch auf der Basis auf der allseitigen Entwicklung aller Mitglieder der sozialistischen Gesellschaft. Für die Intelligenz heißt das: Verschmelzen der Intelligenz mit der Arbeiterklasse durch Erlernen der Handarbeit. Verschmelzung der Arbeiterklasse mit der Intelligenz durch Erlernen der Kopfarbeit - bis bei sämtlichen Mitgliedern der sozialistischen Gesellschaft die wesentlichen Unterschiede zwischen geistiger und körperlicher Arbeit nicht mehr unvermeidlich zu Gegensätzen werden können. Dies wird erst vollständig im Kommunismus erreicht sein.

Die Praxis hat die Einwände der ´Wissenschaft` widerlegt und ein übriges Mal gezeigt, dass nicht nur die Praxis bei der ´Wissenschaft` lernen muss, sondern dass es auch der ´Wissenschaft` nicht schaden würde, bei der Praxis zu lernen.“ (Stalin, Band 12, Seite 114). Und zwar nicht nur theoretisch aus der Praxis zu lernen, sondern auch ganz „praktisch“ - mit Hand-Anpacken. Der Bauer nähert sich als Kollektivbauer der Arbeiterklasse, der Wissenschaftler nähert sich als Kollektivwissenschaftler der Arbeiterklasse.

Stalin sagte ferner,dass unser Land in eine Entwicklungsphase eingetreten ist, in der sich die Arbeiterklasse ihre eigene technische Intelligenz schaffen muss, die fähig ist, die Interessen der Arbeiterklasse in der Produktion als die Interessen der herrschenden Klasse zu vertreten.(Stalin Band 13, Seite60 – 62).

Keine herrschende Klasse ist je ohne ihre eigene Intelligenz ausgekommen. Es gibt keinen Grund, daran zu zweifeln, dass die Arbeiterklasse der UdSSR ebenfalls nicht ohne ihre eigene technische Intelligenz auskommen kann.“

Manche Genossen sind der Meinung, man dürfe auf leitende Posten in den Fabriken und Werken nur Parteigenossen stellen. Aus diesem Grunde schieben sie oft fähige parteilose Genossen, die Initiative besitzen, beiseite und lassen an die erste Stelle Parteimitglieder aufrücken, selbst wenn diese weniger fähig sind und keine Initiative besitzen“ (Stalin Band 13, Seite 60 – 62). (sehr wichtig!)

Die Arbeiter führen den Klassenkampf, führen alle Klassen und Schichten der sozialistischen Gesellschaft zur Hebung und schließlich Aufhebung von körperlicher und geistiger Arbeit. Der Verschmelzungsprozess von geistiger und körperlicher Arbeit aber ist erst im Kommunismus abgeschlossen – solange ist der Kampf gegen die Gegensätze zwischen geistiger und körperlicher Arbeit unvermeidlich. Die Aufhebung und Beseitigung der Trennung von körperlicher und geistiger Arbeit verläuft bis zum Kommunismus nicht geradlinig.

3. KOMMUNISMUS: Mit der Aufhebung der Klassen werden auch die Widersprüche der alten Klassengesellschaft zwischen körperlicher und geistiger Arbeit für immer aufgehoben, insbesondere verschwindet damit die Intelligenz als besondere Schicht in der Gesellschaft .

Letztendlich stehen sich in der gesamten Periode des Übergangs vom Kapitalismus zum Kommunismus zwei intellektuelle Schichten gegenüber, die eine Schicht auf der Seite des Proletariats, die andere auf der Seite der Bourgeoisie. Eine dritte Schicht schwankt zwischen den anderen beiden hin und her, nachdem sie entweder mit der zweiten Schicht untergeht oder sich mit der Arbeiterklasse verbindet und sich ihr unterordnet. Der proletarische Intellektuelle stützt sich auf den revolutionären wissenschaftlichen Sozialismus und dient dem Proletariat zur Eroberung oder Zurückeroberung seiner Macht zum Aufbau des Sozialismus und schließlich beim Übergang zum Kommunismus. Der bürgerliche Intellektuelle vertritt hingegen die konterrevolutionäre Ideologie des Kapitalismus, ist dessen Lakai und dient somit der Bourgeoisie zur Aufrechterhaltung bzw. Zurückeroberung ihrer Macht.

Die Bedeutung all dieser Fragen von geistiger und körperlicher Arbeit müssen wir Weltrevolutionäre ganz aktuell für unsere tägliche weltrevolutionäre Arbeit im Klassenkampf schon von Grund auf begriffen haben.

Wir Kommunisten dienen dem Weltproletariat nicht nur mit unserer praktischen und theoretischen revolutionären Arbeit - freiwillig und unentgeltlich -, sondern auch mit unserem ganzen Leben.

Wir Kommunisten haben keine von den Interessen des ganzen Proletariats getrennte Interessen“ (Marx, Engels).

Wir nennen Kommunismus die wirkliche Bewegung, welche den jetzigen Zustand aufhebt“ (Marx, Engels).

Fortsetzung Teil 10