Teil 7

Auch beim Übergang zum Kommunismus „in einem“ Land muss man unbedingt am Primat der Politik gegenüber der Ökonomik festhalten, denn die kommunistische Politik ist genauso wie die sozialistische Politik konzentrierter Ausdruck der Ökonomik. Der Stalinismus hat dieses ABC des Marxismus beim Übergang zum Kommunismus „in einem“ Land gegen die Restauratoren des Kapitalismus nicht nur verteidigt, sondern diesen drei Buchstaben auch eine neue theoretische und praktische Bedeutung gegeben.

Der Stalinismus -

ist der Marxismus in der Periode des Übergangs zum Kommunismus, ist der Marxismus in der Übergangsperiode von der ersten Phase des Sozialismus in „einem“ Land zur zweiten Phase des Sozialismus – also hin zur Entwicklung eines Weltsystems.

Der Stalinismus deckte die Gesetze der sozialistischen Produktion, der sozialistischen Entwicklungsgesetze der Produktivkräfte und Produktionsverhältnisse, beim Übergang vom Sozialismus zum Kommunismus auf:

In „ökonomische Probleme...“, Seite 6 geht Stalin darauf ein, dass die Mehrzahl der ökonomischen Gesetze nicht von langer Dauer, sondern historisch vergänglich sind. Die ökonomischen Gesetze im Gegensatz zu den naturwissenschaftlichen Gesetzen „verlieren ihre Kraft infolge neuer ökonomischer Beziehungen und treten vom Schauplatz ab, um neuen Gesetzen Platz zu machen, die nicht durch den Willen der Menschen geschaffen werden, sondern auf der Grundlage neuer ökonomischer Bedingungen entstehen“ [neue Bedingungen beim Übergang vom Sozialismus zum Kommunismus].

J. W. Stalin unterstreicht, dass die Produktivkräfte die bestimmende Bedeutung in der Entwicklung der Produktion haben, dass sie aber nicht außerhalb der Produktionsverhältnisse wirken können“ (Zeitschrift für Geschichtswissenschaften, 1. Jahrgang 1953, Heft 1, Berlin, Seite 15).

Die neuen Produktionsverhältnisse sind die wichtigste und entscheidende Macht, die im Grunde bestimmend ist für die weitere und überdies machtvolle Entwicklung der Produktivkräfte, und ohne die die Produktivkräfte zum Dahinvegetieren verurteilt wären, wie dies gegenwärtig in den kapitalistischen Ländern der Fall ist“ (Stalin, ebenda, Seite 74).

Insofern die Produktionsmittel Gemein-Eigentum werden, ist das Wort `Kommunismus` auch hier anwendbar, wenn man nicht vergisst, dass es kein vollkommener Kommunismus ist“ (Lenin, Band 25, Seite 485).

Die Produktionsweise ist im Sozialismus und im Kommunismus ihrer Grundlage nach die gleiche, wenn auch ihr Entwicklungsniveau sehr unterschiedlich ist. Deshalb betrachteten Marx und Lenin Sozialismus und Kommunismus nicht als verschiedene sozialökonomische Formationen, sondern als zwei Stufen, zwei Entwicklungsphasen ein und derselben sozialökonomischen Formation“ (Wissenschaftlicher Kommunismus, Dietz 1972, Seite 273).

Die ökonomische Lehre Stalins - vom Übergang zum Kommunismus besagt,

dass die Produktionsverhältnisse beim Übergang zum Kommunismus die wichtigste und entscheidende Rolle spielen, dass sie darüber entscheiden, ob die Produktivkräfte sich machtvoll weiter entfalten oder dahinvegetieren, verkümmern, degenerieren. Der Stalinismus lehrt, dass der Sozialismus „in einem“ Land nicht nur zurück bleibt, sondern sich sogar gesetzmäßig in Kapitalismus zurück verwandelt, wenn er nicht weiter zum Kommunismus entwickelt wird, wenn sich die sozialistischen Produktionsverhältnisse nicht Schritt für Schritt in kommunistische Produktionsverhältnisse verwandeln.

Die kommunistischen Produktionsverhältnisse bilden sich nicht in einem qualitativen Sprung, das heißt, die sozialistischen Produktionsverhältnisse werden nicht „zertrümmert“, um darauf die kommunistischen Produktionsverhältnisse zu errichten. Ohne voll entwickelte sozialistische Produktionsverhältnisse – keine kommunistischen Produktionsverhältnisse. Der Übergang von der Qualität der sozialistischen zur Qualität der kommunistischen Produktionsverhältnisse erfolgt durch eine allmähliche Ansammlung von Elementen der kommunistischen Qualität, folglich durch ein allmähliches Absterben der Elemente der sozialistischen Qualität.

Heißt das etwa, dass der Kommunismus eine Gesellschaftsformation ist, wo alle qualitativen Sprünge „an sich abgeschafft“ sind und dort gar nicht mehr vorkommen können ? Nein, diese falsche Schlussfolgerung stellt eine grobe und dazu noch unzulässige Verallgemeinerung dar und ist im Übrigen völlig undialektisch. Die Beseitigung der Unvermeidbarkeit qualitativer Sprünge bezieht sich selbstverständlich nur auf die Beseitigung der Unvermeidbarkeit von Gesellschaftsformationen, die antagonistischen Klassencharakter tragen. Weiter nichts (vgl.: Stalin, „Der Marxismus und die Fragen der Sprachwissenschaft“, Rot Front-Verlag, Kiel, Seite 35)

Zur Kenntnis der Genossen, die für Explosionen begeistert sind, muss überhaupt gesagt werden, dass das Gesetz des Übergangs von einer alten zu einer neuen Qualität vermittels einer Explosion nicht“ auf alles Mögliche „anwendbar ist“ (Stalin, ebendort, Seite 35). Das hängt ganz vom besonderen Wesen der Dinge selbst und insbesondere von der Art und Weise der ihnen innewohnenden Widersprüche und Bewegungsgesetze ab. Viel ernsthafter ist die Auseinandersetzung mit dem Ökonomismus in dieser „Frage“:

Es ist nämlich absolut unzulässig, aus der Verneinung des qualitativen Sprungs ableiten zu wollen, dass man der Entwicklung der kommunistischen Produktionsverhältnisse nur ihrem spontanen Selbstlauf“ (der stetigen Steigerung der Produktivkräfte allein genommen) überlassen bräuchte. Das ist jener Ökonomismus, der den Übergang zum Kommunismus in der Sowjetunion verhindert hat. Schon Engels kritisierte die so genannten „Wirtschaftskommunen“ Dührings, nämlich dass diese unvermeidlich zur Restauration des Kapitalismus führen würden, weil Dühring von der falschen Annahme ausgegangen war, dass die Warenzirkulation im Sozialismus überhaupt kein Hindernis für den Übergang zum Kommunismus darstellen würde. Warenzirkulation im Kommunismus ist grundsätzlich nicht möglich und im Sozialismus nur begrenzt notwendig.

Der Stalinismus lehrt :

Ohne Klassenkampf, ohne die führende kommunistische Politik der Arbeiterklasse und ihrer Partei zur Förderung der Entwicklung der kommunistischen Produktionsverhältnisse aus den alten sozialistischen Produktionsverhältnissen, ohne Kampf gegen die Restauration des Kapitalismus, kann die sozialistische Gesellschaft „in einem“ Land nicht zur kommunistischen Gesellschaft „in einem“ Land vorwärts schreiten. Es findet ein heftiger Widerstand jener überlebter Kräfte statt, gegen die die neu entdeckten ökonomischen Gesetze angewandt werden müssen.

Die kommunistischen Arbeiter waren von jeher sowohl Gegner der Unzulänglichkeit bloßer politischer Umwälzungen (Utopisten) als auch Gegner der Unzulänglichkeiten bloßer Produktivitätssteigerungen (Ökonomisten) – so auch beim Übergang zum Kommunismus „in einem“ Land. Wobei die „linken“ Vertreter der bloßen politischen Umwälzungen in der UdSSR in dem Moment auftraten als die ökonomische Basis dafür noch unzulänglich war. Während die rechten Vertreter der bloßen Produktionssteigerung dort zu einem Zeitpunkt aufgetreten waren als die sozialistischen Produktionsverhältnisse begannen, unzulänglich zu werden.

Ist der Übergang zum Kommunismus erst einmal ernsthaft beschritten und zu einer echten Bewegung geworden, die von der Arbeiterklasse geführt und von den Werktätigen getragen wird, dann verkommt die Bewegung des Sozialismus zu einer Bewegung der rückschrittlichen Schichten, aus der unvermeidlich die neue Sowjetbourgeoisie hervorgeht, wenn der Magen dieser voran schreitende Bewegung für den Übergang zum Kommunismus nicht kräfzig genug ist, sie zu verdauen.

Den alten Ballast dieser überlebten Kräfte muss die Arbeiterklasse also unbedingt abwerfen, wenn sie zum Kommunismus vorwärts schreiten und nicht unter die Räder einer neuen Arbeiteraristokratie geraten will. Nur die überlebten Klassen haben ein Interesse daran, diesen Ballast mit zum Kommunismus hinüber retten zu wollen und ihn der Arbeiterklasse aufzubürden. Wenn die Arbeiterklasse nicht Schritt um Schritt den Ballst über Bord wirft, dann schafft sie selbst den Nährboden für die Restauration des Kapitalismus, ermuntert sie die revisionistischen Kräfte geradezu, mit ökonomischem Chaos und seinen Zufälligkeiten wieder antagonistische Widersprüche herbei zu führen, verwandelt sich die politische Ökonomie von einer Triebfeder zum spontanen Hemmschuh beim Übergang zum Kommunismus, verwandelt sich die sozialistische Ökonomie in bürgerlichen Ökonomismus.

Und als „ökonomistische Abenteurer“, so kritisierte Stalin, der Führer der zum Kommunismus übergegangenen Arbeiterklasse 1952 seine Verschwörer von 1953, diesen Berija, Malenkow, Chruschtschow ... und wie sie und ihre Lakaien alle heißen:

In letzter Konsequenz würden wir der Willkür von ´ökonomistischen` Abenteurern ausgeliefert sein, denen es nicht darauf ankommt, die ökonomischen Entwicklungsgesetze `aufzuheben` und neue Gesetze zu ´schaffen` , ohne die objektiven Gesetzmäßigkeiten zu verstehen und mit ihnen zu rechnen“ (Stalin, „ökonomische Probleme...“ , Seite 103). Stalin bezeichnete sie als diejenigen, die die politische Ökonomie als Wissenschaft liquidieren, denn eine Wissenschaft kann ohne Anerkennung objektiver Gesetzmäßigkeiten, ohne Untersuchung dieser Gesetzmäßigkeiten nicht leben und sich nicht entwickeln“ (Stalin, ebenda, Seite 102).

Was heißt es, wenn man in der politischen Ökonomie des Sozialismus an Stelle der ökonomischen Probleme die Probleme der Organisation der Produktivkräfte unterschiebt? Das heißt die politische Ökonomie des Sozialismus liquidieren“ ( Stalin, ebenda, Seite 87).

Gegen wen hat Stalin alsoDie ökonomischen Probleme des Sozialismus in der UdSSR“ geschrieben? Eben gegen diejenigen, die sie durch die Probleme der Organisation der Produktivkräfte ersetzen wollten. Die modernen Revisionisten, die leitenden Organe der bürgerlichen Wirtschaftspolitik, versuchten, die politische Ökonomie des Proletariats zu liquidieren. Und deswegen legte Stalin Wert darauf, die Definition der politischen Ökonomie vom Ökonomismus abzugrenzen:

Gegenstand der politischen Ökonomie sind die Produktionsverhältnisse, die ökonomischen Verhältnisse der Menschen“ (Stalin, ebenda, Seite 88). Womit er klar zu verstehen gab, dass es eben nicht die Produktivkräfte sind, wie es die Ökonomisten behaupteten.

Dementsprechend sind daher die Produktionsverhältnisse auch beim Übergang vom Sozialismus zum Kommunismus „in einem“ Land Gegenstand der politischen Ökonomie: Beseitigung der Warenzirkulation (bis auf Außenhandel wegen Kommunismus „in einem“ Land umgeben vom kapitalistischem Ausland), Produktenaustausch, Volkseigentum an den Produktionsmitteln, Abschaffung der bestehenden Unterschiede zwischen Stadt und Land und zwischen geistiger und körperlicher Arbeit usw. usf.

Der Kommunismus ist nicht der Produktivitäts-Wurmfortsatz des Sozialismus, sondern umgekehrt schaffen erst die veränderten kommunistischen Produktionsverhältnisse die Voraussetzungen für einen solchen Stand der Produktivkräfte, dass damit der Übergang zur Lebensweise der kommunistischen Gesellschaft geschaffen werden kann. Das ist ein bewusster politischer Akt und kein ökonomistischer, anarchischer „Selbstlauf“. Der vollendete Sozialismus verlässt seine Entwicklungsstufe des Übergangs zum Kommunismus als Kommunismus - und das geht „in einem“ Land nicht ab ohne Klassenkampf; und auch ohne Anführungsstriche nicht ohne Kampf der Gegensätze zwischen revisionistischen Kräften und revolutionären Kräften. Der Stalinismus verficht die Lehre vom streitbaren Übergang zum Kommunismus, egal ob es sich um antagonistische Formen der Streitbarkeit beim Übergang zum Kommunismus „in einem“ Land handelt oder um nicht-antagonistische Widersprüche beim Übergang zum Kommunismus in einem Land - ohne Anführungszeichen.

Die Ausnutzung der ökonomischen Gesetze hat in einer Klassengesellschaft immer und überall klassenmäßige Hintergründe, wobei als Bannerträger der Ausnutzung der ökonomischen Gesetze im Interesse der Gesellschaft immer und überall die fortgeschrittene Klasse auftritt, während die ablebenden Klassen sich dem widersetzen“ (Stalin, ebenda, Seite 60).

Man kann nur zum Kommunismus übergehen,

wenn sich auch die Produktionsverhältnisse der sozialistischen Gesellschaft entsprechend ändern, d.h., wenn Produktivkräfte und Produktionsverhältnisse miteinander in Übereinstimmung gebracht werden, wenn die sozialistischen Produktionsverhältnisse von ihrer Rolle als Hemmschuh der Produktivkräfte befreit werden, indem sie in kommunistische Produktionsverhältnisse übergehen, um dadurch ihrer Rolle als Triebfeder der kommunistischen Produktivkräfte gerecht zu werden.

Was lehrt uns Stalins ökonomisches Gesetz von der Übereinstimmung der Produktivkräfte mit den Produktionsverhältnissen ?

Aus jeder bisherigen Formation der Klassengesellschaft entstand – herbei geführt durch die revolutionäre Wiederherstellung der gestörten Übereinstimmung der Produktivkräfte und der Produktionsverhältnisse - die Formation der nächsten Klassengesellschaft. Aber die Übereinstimmung der kommunistischen Produktivkräfte und der kommunistischen Produktionsverhältnisse unterscheidet sich von allen vorangegangenen Übereinstimmungen dadurch, dass sie die Geschichte aller antagonistischen Klassenformationen der Gesellschaft unwiderruflich beendet und die Übergangsformation der nicht-antagonistischen Klassengesellschaft vollendet, um die Geschichte der ersten klassenlosen Gesellschaftsformation zu eröffnen.

Wird dadurch das veraltete ökonomische Gesetz außer Kraft gesetzt ? Oder wird es vielleicht durch neue ersetzt ? Weder das eine noch das Andere. Es kann nur ein ökonomisches Gesetz geben und das wirkt objektiv und also ganz unabhängig vom Willen des Menschen. Man kann das ökonomische Gesetz folglich weder „aufheben“ noch „ersetzen“ wie Stalin richtig sagte. Das Gesetz von der Übereinstimmung der Produktivkräfte und der Produktionsverhältnisse bleibt solange in Kraft wie die Menschen produzieren, um sich zu reproduzieren.

Im Gegenteil, das ökonomische Gesetz muss sich nun nie wieder durch Kriege, Krisen und Revolutionen usw. hindurch quälen. Sozusagen zwang der über tausende von Jahren andauernde Klassenkampf dem ökonomischen Gesetz seinen ungeheuren Leidensweg auf, bis es mit der kommunistischen Gesellschaftsformation – endlich befreit – seine volle Wirkungskraft entfalten kann. Mit anderen Worten, erst im Kommunismus kann es überhaupt zu einer vollkommen gesicherten Übereinstimmung von Produktivkräften und Produktionsverhältnissen kommen. Stets hat der Klassenkampf zwar dafür gesorgt, dass überhaupt eine neue Gesellschaftsformation entstehen konnte, aber er selbst hat ebenso unter den einen oder anderen Bedingungen dafür gesorgt, dass das ökonomische Gesetz sich unter den herrschenden und sich verändernden Klassenverhältnissen nie richtig, also nicht als stabile Größe durchsetzen und damit seine ungehinderte Wirksamkeit entfalten konnte. Das sehen wir am Beispiel der vielen Länder, ja sogar an der Mehrheit der Länder, in denen die Revolution aus verschiedensten Gründen de besonderen Klassenverhältnisse gar nicht richtig vollendet werden konnte.

Die Dialektik des Unterschieds zwischen der absoluten und relativen Übereinstimmung verleitete die modernen Revisionisten damals dazu, die Entdeckung Stalins als „ungültig“ zu erklären und als „dogmatisch“, „metaphysisch“ und „subjektivistisch“ zu verurteilen. In dem Lehrbuch der politischen Ökonomie, von den modernen Revisionisten herausgegeben im Jahre 1955, findet sich schon nichts mehr von Stalins Gesetz der unbedingten Übereinstimmung, das er 1952, also nur drei Jahre zuvor, formuliert hatte.

Was die Dialektik des Unterschieds zwischen absoluter und relativer Verelendung der Arbeiterklasse anbelangt, so ist das alles Andere als nur eine theoretische Frage. So können wir nicht umhin, hier darauf hinweisen zu müssen, dass Bill Bland die absolute Verelendung aus der Begriffswelt der politischen Ökonomie des Marxismus-Leninismus zu verbannen versucht hat, sie glattweg leugnete und sie obendrein noch als „revisionistisch“ kritisierte. Hatte Bill Bland da vielleicht an die Arbeiteraristokratie gedacht ?

So wie es ohne absolute Wahrheit auch keine relative Wahrheit geben kann, so verhält es sich auch mit der Wahrheit über die absolute und relative Verelendung der Massen. Was soll das für ein Marxismus sein, was soll das für ein dialektischer Materialismus sein, der den relativen Charakter einer Sache, eines Gegenstandes, einer Erscheinung usw. zwar „anerkennt“, aber nur um seinen absoluten Charakter als revisionistisches Teufelszeug zu verdammen ? Wer die absolute Verelendung der Arbeiterklasse leugnet, der muss logischerweise die relative Verelendung der Arbeiterklasse leugnen, der leugnet folglich überhaupt die Verelendung der Arbeiterklasse und nimmt damit einen bürgerlichen Standpunkt ein, ob er das nun will oder nicht. Seit wann nehmen wir Marxisten die Verelendung der Arbeiterklasse billigend in Kauf ? Seit wann verurteilen wir Marxisten, so wie das die Kapitalisten tun, die Arbeiterklasse dazu, ihre elende Lage bis in den Tod hinein zu ertragen ? Muss man sich hiermit noch länger ernsthaft auseinandersetzen, wenn Stalin sogar von der Ruinierung und Verelendung der Mehrheit der Bevölkerung“ - und zwar ausdrücklich als wesentliches Merkmal des ökonomischen Gesetzes des Kapitalismus spricht ? Ist denn nicht die Ruinierung der Mehrheit der Bevölkerung mindestens genauso schlimm wie ihre absolute Verelendung ? Sollte man sich wegen einer solchen – Entschuldigung - Haarspalterei gegenüber der gegenwärtigen elenden Lage des Weltproletariats nicht schämen ? Bedeutet nicht sowohl das Eine als auch das Andere, dass der Kapitalismus in seinem Streben nach Maximalprofiten die existentielle Grundlage der Arbeiterklasse nicht nur verschlechtert, sondern auch zerstört ? Die unvermeidliche Verschärfung der Verschlechterung, also der Übergang bis zur Zerstörung ihrer existentiellen Grundlage ist es doch, der die Arbeiterklasse schließlich dazu zwingt, zur revolutionären Beseitigung des Kapitalismus überzugehen ! Das soll revisionistisch sein ??!! Man muss schon die heutige Weltkrise ignorieren oder blind sein, um dies nicht mit eigenen Augen zu sehen, was die Klassiker des Marxismus-Leninismus uns über die absolute und relative Verelendung gelehrt haben ! Wenn Stalin nicht reicht, können wir auch mit einem Lenin-Zitat dienen über die relative und absolute Verelendung:

Die Krisen und die Perioden industrieller Stagnation ruinieren ihrerseits die Kleinproduzenten noch mehr, vergrößern noch mehr die Abhängigkeit der Lohnarbeit vom Kapital, führen noch rascher zur relativen und mitunter auch zur absoluten Verschlechterung der Lage der Arbeiterklasse(Lenin, Band 29, Seite 85).

Stalin hat nicht nur den allgemeinen Charakter des ökonomischen Gesetzes aufgedeckt, sondern ihn auch konkretisiert unter den Bedingungen des Kapitalismus. Demnach definierte Stalin das ökonomische Gesetz des heutigen Kapitalismus wie folgt:

(...) Sicherung des kapitalistischen Maximalprofits durch Ausbeutung, Ruinierung und Verelendung der Mehrheit der Bevölkerung des gegebenen Landes, durch Versklavung und systematische Ausplünderung der Völker anderer Länder, besonders der zurückgebliebenen Länder, und schließlich durch Kriege und Militarisierung der Volkswirtschaft, die zur Sicherung von Höchstprofiten ausgenutzt werden“ (Stalin, „Ökonomische Probleme...“, Seite 47).

Dem stellte Stalin das ökonomische Gesetz unter den Bedingungen des Sozialismus gegenüber. Die wesentlichen Merkmale und Forderungen des ökonomischen Gesetzes des Sozialismus lauten gemäß der Definition Stalins :

Sicherung maximaler Befriedigung der ständig wachsenden materiellen und kulturellen Bedürfnisse der gesamten Gesellschaft durch ununterbrochenes Wachstum und ununterbrochene Vervollkommnung der sozialistischen Produktion auf der Basis der höchsten Technik“ (Stalin, ebenda, Seite 49).

Inwieweit sich das ökonomische Gesetz, ob nun im Kapitalismus oder im Sozialismus wirksam, HISTORISCH in einzelnen Ländern unter den verschiedensten Klassenverhältnissen jeweils „besser“ oder „mehr recht als schlecht“ durchsetzen kann, ist überhaupt kein Grund, an der Gültigkeit des ökonomischen Gesetzes, die Stalin ihm nach wies, zu zweifeln. Im Gegenteil, die Notwendigkeit der Übereinstimmung des objektiven und subjektiven Faktors der Revolution als Voraussetzung für das Erreichen der Übereinstimmung ändert nichts an der Theorie Stalins über das ökonomische Gesetz, sondern bestätigt sie nur. Das Verhältnis des objektiven und subjektiven Faktors gibt stets nur Auskunft über den Reifegrad der Revolution und dessen Einfluss auf den Grad der zu erreichenden Übereinstimmung von Produktionsverhältnissen und Produktivkräften.

In den Ländern, wo sich die kapitalistische Übereinstimmung vollständiger als in anderen Ländern herstellen ließ durch klarere Klassenverhältnisse (England, Frankreich), war dies gesetzmäßig mit einer rascheren und fortschrittlicheren Produktionsweise der neuen Gesellschaftsformation verbunden als in Ländern mit unklaren Klassenverhältnissen (Deutschland). Aber das änderte nichts an der allgemeinen Tatsache, dass die Entstehung der Nationen grundsätzlich, also überall, für die Verbesserung der Produktionsweise der bürgerlichen Klassengesellschaft sorgte. Heute ist die globalisierte Produktionsweise über die bürgerlichen Nationen hinausgewachsen, wurden die Zersplitterung der Welt in Nationen zum Hemmschuh und die globalen Produktivkräfte in der heutigen Weltkrise zum Dahinvegetieren verurteilt, ja sie sind zu unerträglichen Fesseln geworden. Wenn die nationalen Bourgeoisien ihre Herrschaft als Klasse erhalten wollen, müssen sie sich den globalen Verhältnissen anpassen, können sie diese nicht bekämpfen. Die bürgerlichen Nationen, auf die sich die Weltbourgeoisie stützen muss, werden zum Hemmschuh der sozialistischen Weltrevolution. Erst die Weltdiktatur des Proletariats schafft die Basis für die Übereinstimmung der globalen Produktivkräfte mit den globalen Produktionsverhältnissen, in die es die sozialistischen Nationen als Hebel einbezieht. Lehrreich ist es, wie Stalin in der UdSSR die nationale Frage löste, um das ökonomische Gesetz der unbedingten Übereinstimmung optimal auszunutzen, doch dies im Einzelnen darzustellen, übersteigt unseren Rahmen, der sich auf einige Grundlagen des Stalinismus beschränkt.

Wenn man das ökonomische Gesetz in einer bestimmten Gesellschaftsformation seiner historischen Hülle entkleidet, dann landet man beim Revisionismus. So stützt sich beispielsweise der Maoismus mit seiner „Drei-Welten-Theorie“ einzig und allein auf eine Einteilung der Welt nach drei ökonomischen Entwicklungsstufen der verschiedenen Länder, wobei die unterste Stufe als „Dritte Welt“ zum Hauptfaktor der Revolution erklärt, damit das Weltproletariat von der Weltbühne der Geschichte gefegt wird und obendrein das Nebeneinander-Bestehen zweier gegensätzlicher Gesellschaftsformationen leugnet.

So darf man auch nicht eine bestimmte Gesellschaftsformation und eine bestimmte historische Epoche miteinander verwechseln.

Die Kenntnis des ökonomischen Gesetzes, und Anwendung der spezifischen Gesetzmäßigkeiten bestimmter Gesellschaftsformationen - all das reicht nicht aus, um damit die Klassenverhältnisse zu verändern, die Formen des Klassenkampfes zu bestimmen, die Taktik der kommunistischen Partei auszuarbeiten, die revolutionären Bewegungen zu leiten usw. usf.. Das kann nur mit Zur-Hilfenahme einer Analyse der sich ständig verändernden historischen Gegebenheiten der Epoche erreicht werden. So ist es auch zu erklären, dass sich in der Epoche des Imperialismus zwei gleichzeitig nebeneinander existierende, zwei verschiedene, entgegengesetzte Gesellschaftsformationen herausbildeten - Kapitalismus und Sozialismus -, wobei die Herrschaft der Bourgeoisie die Epoche des Imperialismus bestimmt, während in der Epoche des Sozialismus das Weltproletariat den historischen Verlauf der Epoche bestimmt. Insofern bezeichnen wir auch die erste Periode des Sozialismus („in einem“ Land) als Grundlage für die Entstehung der sozialistischen Epoche der Weltgeschichte, während mit der zweiten Periode, der Periode des sozialistischen Sieges im Weltmaßstab, die welthistorische Epoche des Sozialismus bereits begonnen hat.

Die Trennungslinie zwischen imperialistischer und sozialistischer Epoche ist fließend, beweglich, vollzieht sich nicht absolut. Trotzdem ist sie vorhanden und sie nahm sogar in Form des sozialistischen Weltlagers des Genossen Stalin bereits den Charakter einer Übergangsepoche an, deren Merkmale allerdings darin bestanden, dass sie erstens mit dem Tod des Genossen Stalin in die Form eines revisionistischen Weltlagers verwandelt worden war (und das von sich selber zwar behauptete, sich als sozialistisches Weltsystem“ formiert zu haben, das aber von Anfang an verfault war und somit unvermeidlich in sich zusammenfiel, um sich in ein Nichts aufzulösen), zweitens darin, dass in ihr der Übergang des Kommunismus „in einem“ Land bis hin zum Auseinanderfallen in lauter kapitalistische Länder degenerierte und schließlich drittens, dass sie das Nebeneinander-Bestehen zweier Gesellschaftsformationen in der Epoche des Imperialismus beendete.

Insofern hatte sich diese Übergangsepoche zur Epoche des Sozialismus zunächst in eine revisionistische Übergangsepoche verwandelt, die als nichts Anderes, als eine Verlängerung der Epoche des Imperialismus bezeichnet werden muss. Die Vollendung der Übergangsepoche bis zur Epoche des Sozialismus ist zwar unterbrochen, aber damit selbstverständlich nicht beseitigt worden, weil sie gar nicht beseitigt werden kann. Der Grundwiderspruch zwischen Kapitalismus und Sozialismus in der Epoche des Imperialismus kann auch nicht beseitigt werden, ist also nicht etwa völlig verschwunden, sondern hat sich nur in seinem Kräfteverhältnis vorübergehend zu Gunsten des Kapitalismus verschoben. Somit konnte zwar die feste Form des real existierenden sozialistischen Staates nicht mehr aufrecht erhalten werden, aber das bedeutet ja nicht, dass der Sozialismus in seiner Form als sozialistische Bewegung beseitigt werden konnte. Es ist die internationale Pflicht der Kommunisten, die sozialistische Bewegung vor ihrem kapitalistisch-revisionistishen Einfluss zu verteidigen. Und es ist also völlig korrekt und wichtig, nicht nur weiterhin vom Fortbestehen der Wirkungskraft des Grundwiderspruchs zwischen Kapitalismus und Sozialismus auszugehen, sondern auch die globale Dimension dieses Widerspruchs einzukalkulieren, um ihn seiner weltrevolutionären Lösung zuzuführen.

Der historische Ist-Zustand ist vielmehr durch eine Reihe von globalen Klassenkämpfen und Revolutionen auf der ganzen Welt gekennzeichnet, die beweisen, dass die Übergangsepoche zum Sozialismus lebendig ist und sich in aufstrebender Bewegung befindet, dass sie also nicht etwa passiv weiter existiert, sondern sich wieder in einem aktiven Zustand der Selbsterfüllung befindet. Somit leben wir an jenem aktuellen, kritischen Zeitpunkt in der Übergangsepoche, der als welthistorischer Wendepunkt zu charakterisieren ist – als Wendepunkt in Richtung Epoche des Sozialismus und nicht in Richtung Verlängerung der imperialistischen Epoche. Die gegenwärtige Weltkrise dient uns dafür als anschauliches Beweismaterial.



In den Formationen der Klassengesellschaft konnte das ökonomische Gesetze stets nur im Kampf der fortgeschrittenen Klasse gegen die zurück gebliebene Klasse ausgenutzt werden. Man bedenke, wie „unökonomisch“ hierbei die Ausnutzung des ökonomischen Gesetzes ist und wie viele Energien unnütz verloren gehen, um ein Plus für die ganze Gesellschaft zu erwirtschaften. Das lehrt uns, dass die Klassengesellschaft unwirtschaftlich und unnütz ist, dass das ökonomische Gesetz gar nicht voll ausgenutzt werden kann, dass also das ökonomische Gesetz viel besser ohne die Formationen der Klassengesellschaft auskommen würde und es auch tut. Die Menschen der heutigen globalisierten Gesellschaft mögen sich einmal die folgende Frage stellen: Was ist ökonomischer: Wenn nur eine einzige Klasse Bannerträger der Ausnutzung des ökonomischen Gesetzes ist, die sich „nebenbei“ auch noch mit der Beseitigung (nicht nur) des ökonomischen Hemmschuhs der ablebenden Klasse herumschlagen muss oder wenn sich die Gesellschaft als Ganzes zum Bannerträger der Ausnutzung des ökonomischen Gesetzes gemacht hat ? Man stelle sich vor, bei welcher Entwicklung die Menschheit heute bereits angelegt wäre, wenn sie auf die Geschichte des Klassenkampfes hätte„verzichten“ können. Wir wollen diese Vorstellung nicht deswegen erwecken, weil wir Utopisten seien, die meinten, man könne die unvermeidlichen historischen Bedingungen für die Entwicklung der Formationen der Gesellschaft einfach „überspringen“, wenn man der Menschheit den Geist der Erkenntnis mit einem Trichter einflöße, sondern wir wollen damit das kommunistische Bewusstsein darüber schärfen, dass es höchste Zeit ist, das Weltproletariat von den Vorteilen der klassenlosen Gesellschaft zu überzeugen, damit es das Leid des Zerfallsprozesses des Weltkapitalismus möglichst schnell - und ohne noch tiefere Spuren zu hinterlassen - beendet mit der sozialistischen Weltrevolution.

Das ökonomische Gesetz aus seinen Klassenfesseln zu befreien, das ist also die größte welthistorische Tat, die das Weltproletariat als letzte und stärkste revolutionäre Klasse aller bisherigen Klassengesellschaften für die Zukunft der Menschheit vollbringen wird. Die Formation der kommunistischen Gesellschaft ist die erste Formation, wo das ökonomische Gesetz nicht mehr die Menschheit beherrscht, sondern die Menschheit die Herrschaft über das ökonomische Gesetz erlangt, die ökonomischen Gewalten unter Kontrolle bringt und sie sich – wie die Naturgewalten auch - zu Diensten macht.

Was aber passiert mit dem ökonomischen Gesetz, wenn in einer Gesellschaftsformation die Produktivkräfte nicht mehr mit den Produktionsverhältnissen in Übereinstimmung gelangen können, wenn die Produktivkräfte in die Fesseln der alten Produktionsverhältnisse geraten und degenerieren ? Dann werden diese Fesseln der Produktionsverhältnisse von den Produktivkräften gesprengt. Dann wälzen sich die Produktionsverhältnisse um. Dann werden sie durch neue Produktionsverhältnisse ersetzt. Dann wird die alte Gesellschaftsformation von einer neuen Gesellschaftsformation abgelöst. Die Umwälzung geschieht in Form eines qualitativen Sprungs, also durch die Revolution derjenigen Klassen, die diese Produktivkräfte vorwärts treiben und die Herrschaft jener alten Klassen brechen, die den Produktivkräften mit ihren alten Eigentumsverhältnisse die Fesseln angelegt haben. Diese grundlegende Wirkungsweise des ökonomischen Gesetzes haben uns die Klassiker des Marxismus-Leninismus von Anfang an mit in die Wiege gelegt. Auf dieses Wissen baut sich unser ganzer Kampf gegen den Kapitalismus und für den Sozialismus auf:

Diese Eigenart der Entwicklung der Produktionsverhältnisse von der Rolle eines Hemmschuhs der Produktivkräfte zur Rolle ihrer Haupttriebfeder und von der Rolle der Haupttriebfeder zur Rolle eines Hemmschuhs der Produktivkräfte ist eines der Hauptelemente der marxistischen materialistischen Dialektik. Das wissen heute schon alle Vorschüler des Marxismus“ (Stalin, ebenda, Seite 75).

Und Marx und Engels schrieben bereits im Kommunistischen Manifest über den Hexenmeister, die die unterirdischen Gewalten nicht mehr zu beherrschen vermag“:

Die Produktivkräfte, die ihr zur Verfügung stehen, dienen nicht mehr zur Beförderung der bürgerlichen Eigentumsverhältnisse; im Gegenteil, sie sind zu gewaltig für diese Verhältnisse geworden, sie werden von ihnen gehemmt; und sobald sie dies Hemmnis überwinden, bringen sie die ganze bürgerliche Gesellschaft in Unordnung, gefährden sie die Existenz des bürgerlichen Eigentums. Die bürgerlichen Verhältnisse sind zu eng geworden, um den von ihnen erzeugten Reichtum zu fassen“ (Marx, Engels, „Kommunistisches Manifest, Berlin 1948, Seite 13 f.). Man sehe sich heute die Weltkrise an, um zu begreifen, was Marx und Engels hier gemeint haben.

Je vollständiger und entschiedener, je konsequenter der Kampf des Weltproletariats gegen die Weltbourgeoisie geführt wird, desto gesicherter wird der Kampf des Weltproletariats für den Weltsozialismus sein. In diesem Sinne ist die Globalisierung der bürgerlichen Welt für das Weltproletariat sogar viel vorteilhafter als für die Weltbourgeoisie selbst. Je besser und schneller es uns im politischen Klassenkampf gelingt, dem Fäulnisprozess der Produktivkräfte entgegenzuwirken und ihren Drang nach Vergesellschaftung voranzutreiben, je mehr wir die alten Produktionsverhältnisse bekämpfen, um so besser und leichter der Aufbau der neuen Produktionsverhältnisse. Je tiefer die globalen Produktivkräfte in Fäulnis geraten (kapitalistische Überproduktionskrise, Kriegsproduktion, konterrevolutionäre, kontra-produktive Maßnahmen zur Aufrechterhaltung der alten Produktionsverhältnisse usw. usf.), desto schwieriger für die neuen, weltsozialistischen Produktionsverhältnisse, die globalen Produktivkräfte wieder machtvoll zu entfalten (Aufbau des Weltsozialismus). Die volle Entfaltung der erforderlichen globalen Triebkraft des Klassenkampfes gestaltet sich für den weltrevolutionären Übergang des Sozialismus aus seiner ersten Periode in die zweite bislang als außerordentlich schwierig, langwierig und kompliziert. Es ist nun einmal so, dass sich das ökonomischen Gesetz zunächst nur im nationalen Rahmen eines einzelnen Landes befreien konnte, um seine Ketten im Weltmaßstab zu brechen. Erst von den globalen Klassenketten erlöst, wird es seinen unumkehrbaren Siegeszug über den Erdball antreten, um sich in jedem, in allen Ländern frei entfalten zu können. Also: Erst einmal in die Hände des Weltproletariats gelangt, wird dem ökonomischen Gesetz die Entfaltung einer solch` enormen Wirkungskraft verliehen, dass der Unterschied zwischen dem Sozialismus in der ersten und zweiten Periode wie Tag und Nacht erscheint - und zwar nicht nur in einem Land, sondern in jedem Land der Welt. Diese Wirkung wird erzielt durch die maximale Zentralisierung der globalen Weltproduktion in mit ihr in Übereinstimmung gebracht wird das Welteigentum an den Produktionsmitteln (als höchste und letzte Form des Eigentums). Im Kommunismus verlieren die Produktionsverhältnisse ihren Eigentumscharakter, wodurch die Anwendung des ökonomischen Gesetz im Weltkommunismus vervollkommnet ist.

Erfordernis und Voraussetzung des Kommunismus ist eine maximale Zentralisierung der Großproduktion im ganzen Lande“ (Lenin, Ergänzungsband 1917-1923, Seite 72).

Das ist – in einem kurzen Satz ausgedrückt - der vorgezeichnete Weg des ökonomischen Gesetzes bei seinem langen Weg vom Kapitalismus zu Kommunismus.

Als Stalin im Jahre 1952 das ökonomische Gesetz bei Marx, Engels und Lenin wieder entdeckte und seine historische Entwicklung durch alle Gesellschaftsformationen hindurch viel tiefer und klarer herausarbeitete als dies zuvor geschehen war, da waren sich die meisten Kommunisten auf der ganzen Welt über die damals so aktuelle weltrevolutionäre Bedeutung der internationalen Ausnutzung der stalin` schen Entdeckung des ökonomischen Gesetzes noch gar nicht richtig bewusst geworden und konnten es somit auch leider nicht hoch genug einschätzen. Die meisten Genossen in den volksdemokratischen Ländern waren damals darüber so fasziniert , dass sie sich mit der Erkenntnis Stalins über das ökonomische Gesetz auf all zu großzügige Entdeckungsreisen in die Vergangenheit ihres eigenen Landes begaben. Sie kamen gar nicht auf die Idee, zuerst über ihren eigenen Tellerrand hinaus zu schauen. Das konnte nicht gut gehen, denn bevor sich das internationalistische Bewusstsein des ökonomischen Gesetzes über den Erdball ausbreiten konnte, wurde es schon schnell wieder als „Dogmatismus“ von den modernen Revisionisten unter Verschluss genommen. Die meisten Genossen machten den Fehler, die Sowjetunion Lenins und Stalins als unversiegbare Quelle der Erkenntnis zu betrachten, aus der sich anscheinend für jedes Land und bis in alle Ewigkeit ungeniert schöpfen ließ. Es war sowohl die Überschätzung der Sowjetunion als auch die Unterschätzung des Weltimperialismus nach dem Zweiten Weltkrieg, die zur sträflichen Vernachlässigung der weltrevolutionären Bedeutung der Entdeckungen Stalins geführt hatte. Wir werden daher nicht müde, die vor allem seit dem Kalten Krieg betriebene Wühlarbeit an Stalins internationalistischen Wurzeln mutig zu bekämpfen, an der das Wachstum der stalinistischen Weltbewegung chronisch erkrankt ist, nämlich an der Unterschätzung der weltrevolutionären Bedeutung des Stalinismus. Wir kämpfen also nicht nur gegen das schreiende historische Unrecht, das dem Stalinismus hier widerfahren ist, sondern für die Entfaltung seiner revolutionären globalen Kraft und nicht zuletzt seiner weltökonomischen Kraft in Gegenwart und Zukunft.

Stalin gibt uns ein gutes Beispiel :

Ein Beispiel der Nichtübereinstimmung der Produktionsverhältnisse mit dem Charakter der Produktivkräfte, ein Beispiel des Konflikts zwischen ihnen, sind die Wirtschaftskrisen in den kapitalistischen Ländern, wo das kapitalistische Privateigentum an den Produktionsmitteln sich in schreiender Nichtübereinstimmung mit dem gesellschaftlichen Charakter des Produktionsprozesses, mit dem Charakter der Produktivkräfte befindet. Ergebnis dieser Nichtübereinstimmung sind die Wirtschaftskrisen, die zur Zerstörung der Produktivkräfte führen, wobei eben diese Nichtübereinstimmung die ökonomische Grundlage der sozialen Revolution darstellt, deren Bestimmung es ist, die gegenwärtigen Produktionsverhältnisse zu zerstören und neue, dem Charakter der Produktivkräfte entsprechende, hervorzubringen“ (Stalin, Fragen des Leninismus, S. 668 f.).

Was ist gegenwärtig die ökonomische Grundlage der sozialistischen Weltrevolution ?

Heute erleben wir die größte globale Wirtschaftskrise des Kapitalismus, die aus dem Konflikt der Nichtübereinstimmung der globalen Produktionsverhältnisse mit dem Charakter der globalen Produktivkräfte hervorgegangen ist. In dieser globalen kapitalistischen Wirtschaftskrise befindet sich das globalisierte kapitalistische Privateigentum an den Produktionsmitteln in schreiender Nichtübereinstimmung mit dem gesellschaftlichen Charakter des globalen Produktionsprozesses, mit dem globalen Charakter der heutigen Produktivkräfte. Die globale Nichtübereinstimmung ist das Ergebnis der heutigen Weltwirtschaftskrise, die zur globalen Zerstörung der Produktivkräfte führt, wobei eben diese globale Nichtübereinstimmung die ökonomische Grundlage der globalen Revolution, der sozialistischen Weltrevolution darstellt, deren Bestimmung es ist, die gegenwärtigen globalen Produktionsverhältnisse global zu zerstören und neue, dem Charakter der globalen Produktivkräfte entsprechende, ebenso global hervorzubringen.

Lenin klagte den Kapitalismus 1913 wie folgt an und dem ist heute nichts hinzuzufügen:

Wohin man auch blickt, auf Schritt und Tritt findet man Aufgaben, die sofort zu lösen die Menschheit durchaus imstande wäre. Der Kapitalismus aber steht hindernd im Wege. Er hat Berge von Reichtümern angehäuft – und die Menschen zu Sklaven dieses Reichtums gemacht (...) Die Zivilisation, die Freiheit und der Reichtum im Kapitalismus erinnern an den Reichen, der sich überfressen hat, bei lebendigen Leibe verfault und nicht leben lässt, was jung ist“ (Lenin, „Zivilisierte Barbarei“, Band 19, Seite 380).



Aus der heute globalen Wirkungsweise des ökonomischen Gesetzes leitet sich die globale Führung des Klassenkampfes ab. Doch bevor wir hier gleich mit der Ableitung beginnen, wollen wir das allgemeine Gesetz des Klassenkampfes definieren.

Was also ist das Gesetz des Klassenkampfes und wodurch wird es bestimmt ?

Das Gesetz des Klassenkampfes wird bestimmt durch das ökonomische Gesetz, genauer: es wird bestimmt durch die klassenbedingte Störung des ökonomischen Gesetzes oder noch genauer: durch die „schreiende Nichtübereinstimmung“ wie es Stalin formulierte. Damit soll gesagt sein, dass es sich bei dieser Art Störung nicht um einfache Betriebsstörfälle handelt, die reparabel sind, sondern um eine solche, die unvermeidlich im Zusammenbruch der Produktionsweise einer Gesellschaftsformation enden, so dass die Klassengesellschaft vor die Wahl gestellt wird, entweder mit den ablebenden Klassen und deren unwiderruflich zerstörten Produktionsweise unter zu gehen oder sich auf fortschrittliche Klassen zu stützen, die mit einer neuen Produktionsweise auch eine neue Formation der Klassengesellschaft schaffen.

Da die Produktionsweise einer Klassengesellschaft klassenbedingt ist, kann sich das ökonomische Gesetz auch nur im Rahmen des Klassenkampfes bewegen. Würde das etwa bedeuten, dass nicht das ökonomische Gesetz den Klassenkampf bestimmt, sondern umgekehrt der Klassenkampf das ökonomische Gesetz ? Das Letztere anzunehmen, führt dazu, das ökonomische Gesetz auf den Kopf zu stellen, denn

erstens: das ökonomische Gesetz wirkte schon, als es noch gar keine Klassen gab und

zweitens: es wirkt auch noch in der klassenlosen Gesellschaft weiter fort und zwar zum ersten Mal in einer gezähmten Form.

Die Geschichte der Klassengesellschaft ist die Geschichte von Klassenkämpfen, aber dafür kann das ökonomische Gesetz nichts, weil es selber gar keinen Klassencharakter hat.

Der Klassenkampf kann nur Triebfeder sein, wenn er von der revolutionären Klasse geführt wird, die die klassenbedingte Störung des ökonomischen Gesetzes wieder aufhebt. Das war es dann aber auch schon, denn der Klassenkampf kann niemals die Unvermeidbarkeit der Nichtübereinstimmung aufheben, sondern nur die alte Nichtübereinstimmung durch eine Übereinstimmung ablösen, die wiederum unvermeidlich zu nichts anderem führen kann, als zur nächsten Nichtübereinstimmung. Solange die Ausbeutung bleibt und sich nur die Klassen ablösen, die ausbeuten, ist die schreiende Nicht-Übereinstimmung der Produktionsverhältnisse und der Produktivkräfte unvermeidlich, verwandelt sich die Triebfeder des ökonomischen Gesetzes unvermeidlich in seinen Hemmschuh, um wiederum zur Triebfeder zu werden.

Es ist also nicht verwunderlich, wenn der Klassenkampf im Zustand der Übereinstimmung der Produktionsverhältnisse mit dem Charakter der Produktivkräfte alle entscheidende Triebkraft, die er im Zustand der Nichtübereinstimmung besitzt, „einbüßen“ muss, d.h., wo er sich nicht offen entfalten ( ohne dabei auch nur ansatzweise die Klassengegensätze aufheben zu können), während diese Triebkraft im kritischsten Zustand der gestörten Produktionsweise, auf dem Höhepunkt ihrer Krisen unvermeidlich ihren Siedepunkt erreicht und die Form der sozialen Revolution annimmt:

Auf einer gewissen Stufe ihrer Entwicklung geraten die materiellen Produktivkräfte der Gesellschaft in Widerspruch mit den vorhandenen Produktionsverhältnissen, oder, was nur ein juristischer Ausdruck dafür ist, mit den Eigentumsverhältnissen, innerhalb deren sie sich bisher bewegt hatten. Aus Entwicklungsformen der Produktivkräfte schlagen diese Verhältnisse in Fesseln derselben um. Es tritt dann eine Epoche sozialer Revolution ein“ (zitiert bei Stalin, Fragen des Leninismus, Moskau 1947, Seite 678 f.). Eine Epoche in der die Fesseln beseitigt werden.

Also: Nimmt die Nicht-Übereinstimmung zu, steigt der Klassenkampf zu einer Flut an, kommt die Übereinstimmung in Sicht, ebbt der Klassenkampf wieder ab. Der Klassenkampf folgt dem ökonomischen Gesetz. Stalin nannte das ökonomische Gesetz das Gesetz von der Übereinstimmung der Produktionsverhältnisse und dem Charakter der Produktivkräfte und nicht umgekehrt das Gesetz von der Nicht-Übereinstimmung. Nur die Klassengesellschaft zwingt die Übereinstimmung dazu, sich unvermeidlich und ausschließlich aus der schreienden Nicht-Übereinstimmung herauszubilden, um als „Belohnung“ wieder zur schreienden Nicht-Übereinstimmung verurteilt zu werden. Es ist der Klassenkampf selbst, der diesen Teufelskreis des ökonomischen Gesetzes verursacht.

Wie in der Dialektik nicht verwunderlich, ist das Wesen des Klassenkampfes derart, dass er in der Klassengesellschaft die Haupttriebfeder darstellt, wenn es um die Beseitigung der Nicht-Übereinstimmung der Produktionsverhältnisse mit dem Charakter der Produktivkräfte geht. Mit der Übereinstimmung der kommunistischen Produktionsverhältnisse und der kommunistischen Produktivkräfte gibt es zwar keine Klassen mehr, wodurch die Triebfeder des Klassenkampfes verschwunden ist, aber besagt das etwa , dass von nun ab kein Kampf mehr gegen die Überreste der alten Klassenideologie stattzufinden braucht ? Der Kampf gegen die Überreste der alten Klassenideologie wird im Kommunismus noch eine Weile nachwirken, bevor man von der tatsächlich endgültigen Beseitigung des letzten Überrestes ausgehen kann. Nur handelt es sich dann nicht mehr um die Anwendung von Methoden des veralteten Klassenkampfes, sondern um moderne Methoden der kommunistischen Gesellschaft, wo Menschen nicht mehr über Menschen politischen Zwang auszuüben brauchen. Mit anderen Worten, die Nichtübereinstimmung nimmt den Charakter der Vermeidbarkeit ein, kann nicht nur gezähmt werden, sondern verschwindet gegen null - im dialektischen Verhältnis von absoluter und relativer Vermeidbarkeit. Die Übereinstimmung ist absolut, aber wir Menschen können uns nur stets relativ der absoluten Übereinstimmung von Produktionsverhältnissen und Produktivkräften nähern.

Was den Klassenkampf anbelangt, so wollen wir hier Engels zu Worte kommen lassen, der 1888 in seiner Vorrede zur englischen Ausgabe des „Manifests“ den Grundgedanken des Kommunistischen Manifests wie folgt formulierte:

Dieser Gedanke besteht darin:

dass in jeder geschichtlichen Epoche die vorherrschende wirtschaftliche Produktions- und Austauschweise und die aus ihr mit Notwendigkeit folgende gesellschaftliche Gliederung die Grundlage bildet, auf der die politische und die intellektuelle Geschichte dieser Epoche sich aufbaut und aus der allein sie erklärt werden kann; dass demgemäß die ganze Geschichte der Menschheit (seit Aufhebung der primitiven Gentilordnung mit ihrem Gemeinbesitz an Grund und Boden) eine Geschichte von Klassenkämpfen gewesen ist, Kämpfen zwischen ausbeutenden und ausgebeuteten, herrschenden und unterdrückten Klassen; dass die Geschichte dieser Klassenkämpfe eine Entwicklungsreihe darstellt, in der gegenwärtig eine Stufe erreicht ist, wo die ausgebeutete und unterdrückte Klasse – das Proletariat – ihre Befreiung vom Joch der ausbeutenden und herrschenden Klasse – der Bourgeoisie – nicht erreichen kann, ohne zugleich die ganze Gesellschaft ein für alle Mal von aller Ausbeutung und Unterdrückung, von allen Klassenunterschieden und Klassenkämpfen zu befreien“ (Marx/Engels, „Kommunistisches Manifest“, Dietz - Berlin, 1969, Seite 29).

Was lehrt uns dieses Zitat?

Die Quelle des Klassenkampfes sind die der Klassengesellschaft innewohnenden, also unvermeidbaren Widersprüche zwischen den ausbeutenden und unterdrückenden und den ausgebeuteten und unterdrückten Klassen (Einheit und Kampf der Klassengegensätze).

Das Wesen des Klassenkampfes besteht in der Ablösung der alten durch die neuen Klassen. Die Klassengesellschaft kann ihre Klassengegensätze nicht aufheben, sie setzt nur neue Klassen, unter den Bedingungen der Fortsetzung der Unterdrückung und Ausbeutung, an die Stelle der alten.

Das Wesen des proletarischen Klassenkampfes besteht in der Abschaffung der Klassengesellschaft und der Beseitigung der ihr innewohnenden, also unvermeidlichen Widersprüche.

Der Klassenkampf im Allgemeinen ist der Kampf zur Wiederherstellung des gestörten ökonomischen Gesetzes, das unter den Bedingungen der Klassenformationen der Gesellschaft wirkt.

Der Klassenkampf des Weltproletariats im Besonderen ist der Kampf zur Beseitigung der klassenbedingten Unvermeidbarkeit der Nicht-Übereinstimmung von Produktivkräften und Produktionsverhältnissen unter den Bedingungen des globalisierten Kapitalismus.

Der Zweck des Klassenkampfes besteht darin, die schreiende Nichtübereinstimmung von Produktionsverhältnissen und Produktivkräften zu beseitigen, um (nur vorübergehend) ihre Übereinstimmung wieder herzustellen.

Das Mittel zum Erreichen dieses Zwecks ist der Sturz der alten herrschenden und ausbeutenden Klassen, ihre Ablösung durch die Errichtung der Herrschaft der neuen ausbeutenden Klassen.

Das ist das Gesetz des Klassenkampfes, das ungezähmt und unvermeidlich wirkte, und somit nur für die Ablösung der alten durch eine neue Klassengesellschaft sorgen konnte.

Als aber das Proletariat auf die Bühne der Weltgeschichte trat, fand das Gesetz des Klassenkampfes seinen Meister, der es zu beherrschen versteht, nämlich es für die Beseitigung der Klassen, für die Beseitigung des Klassenkampfes, für die Schaffung der klassenlosen Gesellschaft einzusetzen, sich den Klassenkampf Untertan zu machen.

Der Zweck des heutigen Klassenkampfes des Weltproletariats ist es, das ökonomische Gesetz nicht nur aus den weltkapitalistischen Fesseln des Privateigentums zu befreien, sondern die Unvermeidbarkeit der Nicht-Übereinstimmung für immer zu beseitigen, das heißt, die Unvermeidbarkeit der Ausbeutung von Menschen durch Menschen zu beseitigen.

Das Mittel des heutigen Klassenkampfes des Weltproletariats ist der Sturz der Herrschaft der Weltbourgeoisie mit Hilfe der sozialistischen Weltrevolution und die Errichtung der Diktatur des Weltproletariats, oder anders ausgedrückt: den ganzen Weltüberbau ( Schaffung der Union der Weltsozialistischen Staaten usw.) mit der globalen Produktionsweise in jedem Land der Welt in Übereinstimmung zu bringen.

Mit der Vereinigung dieses Zwecks und dieses Mittels wird dem Gesetz des weltproletarischen Klassenkampfes optimal Folge geleistet.



Zurück zur Sowjetunion und ihrem Übergang zum Kommunismus „in einem“ Land:

Zur Zeit Lenins gab es noch nicht den Staat, indem die Großproduktion in der Landwirtschaft stark genug entwickelt war. Es war daher unmöglich, direkt zum Kommunismus überzugehen. Im Spätstalinismus war diese Voraussetzung bereits geschaffen worden und dadurch der direkte Übergang zum Kommunismus möglich.

Den Übergang zum Kommunismus ist unmöglich,

wenn man solche Gegebenheiten wir das kollektivwirtschaftliche Gruppeneigentum, die Warenzirkulation usw. in Kraft lässt“ (Stalin, „Ökonomische Probleme...“, Moskau 1952, Seite 80).

Die Existenz der beiden nichtantagonistischen Klassen der Arbeiter und der Bauern ist durch die Existenz der beiden unterschiedlichen Formen des sozialistischen Eigentums bedingt. Die Klassen verschwinden erst, wenn das Kolchoseigentum auf das Niveau des allgemeinen Volkseigentums gehoben worden ist.

Malenkows Rechenschaftsbericht sah jedoch ausschließlich eine „Erhöhung der landwirtschaftlichen Poduktion“ vor. Damit war Malenkow also nicht nur weit vom Stalinismus entfernt, sondern der XIX. Parteitag war eine verdeckte Kampfansage gegen den Stalinismus, trotz der Lobeshymnen auf Stalin. Der XX. Parteitag war somit die konsequente Fortsetzung des XIX.Parteitags auf dem Weg zur Restauration des Kapitalismus !

Es ist an dieser Stelle bemerkenswert für den Opportunismus der modernen Revisionisten, dass Chruschtschow in seinem Referat auf dem Plenum des ZK der KPdSU vom 25. Januar 1955, also genau ein Jahr vor dem XX. Parteitag (!!) von Stalin noch als den „treuen Fortsetzer der Weisungen Lenins“ sprach, und heuchlerisch vorgab, Stalins ökonomischen Kurs sogar „gegen die rechte Abweichung“ zu verteidigen. Chruschtschow hob die Schwerindustrie Stalins aber nur deswegen in den Himmel, um damit die Landwirtschaft klein zu reden, um sie „reformbedürftig“ zu machen, sprich: den Stalinschen Kurs in Richtung Kommunismus rückgängig zu machen. Das ganze Referat ist ein einziger Verrat an der politischen Ökonomie des Stalinismus. So ist darin von Stalins Kurs zum Kommunismus überhaupt nicht die Rede, zum Beispiel in der Landwirtschaft die Produktionsverhältnisse an die Produktivkräfte anzupassen. Von Chruschtschow ferner kein Wort über Maßnahmen der schrittweisen Überführung des Genossenschaftseigentums in das Volkseigentum, von der Hebung des Kolchoseigentums auf das Niveau des Volkseigentums, von der Einengung der Warenzirkulation der Kolchoswirtschaft, von der Ausdehnung des Produktaustausches der Kolchosen mit dem Staat als umfassendes System, die Kolchosproduktion in das allgemeine volksumspannende zentralistisch organisierte Planungssystem des Sowjetstaates einzubeziehen, als Bedingung für das Absterben eben dieses Staates und somit für den Übergang zum Kommunismus usw. usf. Für Chruschtschow „löste“ sich das Problem der Produktionsverhältnisse angeblich „von selbst“, allein durch die Steigerung der landwirtschaftlichen Produktivität, also durch die reine Ankurbelung der Produktivkräfte. Eben daran ist Chruschtschows Landwirtschaftskurs in die Binsen gegangen, kam es zu den bekannten revisionistischen Krisen in der Landwirtschaft, die damit endeten, dass die UdSSR aus den USA landwirtschaftliche Produkte importieren musste, um den Bedarf der Sowjetbevölkerung zu decken. Mit Chruschtschow entfernte sich die UdSSR somit nicht nur vom Kommunismus, sondern auch vom Sozialismus, und zwar in dem Maße, als diese vom Kapitalismus wirtschaftlich immer abhängiger wurde, bis die Sowjetunion schließlich ganz an dessen Tropf endete.

Wenn man das System des Produktentausches auf alle Kolchosen des Landes ausdehnt, so werden diese Vorteile unserer ganzen Kolchosbauernschaft zu Gute kommen“ (Stalin, „Ökonomische Probleme...“, Seite 114, vom 28. September 1952).

Stattdessen forderte Chruschtschow in seinem Referat: „...dass jeder Kolchos daran interessiert ist, seine Warenproduktion beträchtlich zu erhöhen“ und er verspricht den Kolchosbauern „Möglichkeiten, (...) einen Teil der Erzeugnisse auf den Kolchosmärkten zu verkaufen“ (Chruschtschow, Referat auf dem Plenum des ZK der KPdSU, vom 25. Januar 1955).

Der Stalinismus hält hingegen die Warenzirkulation mit der Perspektive des Übergangs vom Sozialismus zum Kommunismus für unvereinbar. Im Kommunismus gibt es keine Waren mehr sondern nur noch Produkte, gibt es keine Warenzirkulation mehr, sondern einen Produktaustausch, werden nicht Waren auf dem Markt gekauft und verkauft, sondern es werden die erzeugten Produkte unter den Produzenten verteilt.

Der Stalinismus, die Theorie vom Übergang des Sozialismus zum Kommunismus, geht - wie mehrfach betont - davon aus, dass dieser Übergang in Form eines erbitterten Klassenkampfes auf Leben und Tod vor sich geht. Der antagonistische Grundwiderspruch bis zum Triumph des Kommunismus bleibt der Widerspruch zwischen Sozialismus und Kapitalismus“ (Geschichte der PAA, 1966-1980, Seite 236). Der Revisionismus an der Macht, die Restauration des Kapitalismus ist dafür historischer Beweis. Der Revisionismus stützt sich stattdessen auf der These, dass der Sozialismus friedlich und ohne Klassenkampf zum Kommunismus übergeht. Die Revisionisten betrachten die Übergangsformen vom Kapitalismus zum Sozialismus genauso wie die Übergangsformen vom Sozialismus zum Kommunismus als unabhängig voneinander und unangetastete Größen, die sich ungestört nebeneinander bewegen. Sozusagen überholt der Sozialismus den Kapitalismus, hängt ihn auf der parallelen Bahn ab. Und ebenso bräuchte man im Sozialismus nur die Produktivität steigern, um zum Kommunismus zu gelangen usw. usf.. Die Revisionisten sind also der irrigen Auffassung, dass diese Übergangsformen parallel weiter existieren bis sie irgendwann von selbst zusammentreffen, was mathematisch völlig daneben ist. Sie vertreten die „Theorie“, dass man auf parallele Weise vom Kapitalismus zum Sozialismus und vom Sozialismus zum Kommunismus gelangt. Aber Parallelen haben es genauso wie Kreise an sich, dass sich auf ihren Bahnen verbleibend niemals eine höhere Ebene der gesellschaftlichen Entwicklung erreichen lässt. Und wenn der Sozialismus tausendmal schneller wächst als der Kapitalismus, so wird ihm unvermeidlich die Puste ausgehen und er sich totlaufen, wenn er nicht die höhere Stufe zum Kommunismus betritt. Man kann keine Leiter empor steigen, wenn sich ein Fuß weigert, die untere Stufe zu verlassen, um dem anderen Fuß nach oben zu folgen. Der Sozialismus wird zum Hemmschuh auf dem Weg zum Kommunismus, wenn er aufhört, sich als eine zeitlich begrenzte Übergangsform zu begreifen, wenn er als selbstgenügsame Größe aufgefasst wird, wenn er sich als Endstadium der gesellschaftlichen Entwicklung erschöpft. Wenn man neu heran gereifte kommunistische Inhalte in alten sozialistischen Formen belässt anstatt diese zu beseitigen, wenn man nicht neue kommunistische Formen für neue kommunistische Inhalte schafft, dann wird dadurch nicht nur die kommunistische Weiterentwicklung zerstört, sondern entwickelt sich auch der Sozialismus zurück zum Kapitalismus. Was der Stalinismus über das Verhältnis des Sozialismus und Kommunismus „in einem“ Land lehrt, das gilt auch für das Verhältnis des Sozialismus „in einem“ Land zum Weltsozialismus. Wenn sich der Sozialismus „in einem“ Land nicht in ein weltsozialistisches Land verwandelt, dann wird es sich unvermeidlich in ein kapitalistisches Land zurück entwickeln. Der Stalinismus, die Lehre vom Sozialismus „in einem“ Land, begründet sich eben auf dieser internationalistischen Erkenntnis über die Weltdiktatur des Proletariats.

Was ist Stalinismus in der Frage der politischen Ökonomie?

Der Stalinismus -

ist die Weiterentwicklung der marxistisch-leninistischen Lehren der politischen Ökonomie vom Übergang zum Kommunismus.

Der Stalinismus lehrt:

Um einen tatsächlichen, nicht bloß deklarativen Übergang zum Kommunismus vorzubereiten, mindestens drei grundlegende Vorbedingungen erfüllt werden.

Erstens.

Es ist erstens notwendig, nicht die nebelhafte `rationelle Organisation` der Produktivkräfte zu sichern, sondern ein stetes Wachstum der Produktion von Produktionsmitteln. Ein bevorzugtes Wachstum der Produktion von Produktionsmitteln ist nicht nur deshalb notwendig, weil diese sowohl die eigenen Betriebe als auch die Betriebe aller übrigen Volkswirtschaftszweige mit Ausrüstungen versorgen muss, sondern auch deshalb, weil sonst überhaupt keine erweiterte Reproduktion stattfinden kann.

Zweitens.

Es ist zweitens notwendig, durch allmähliche Übergänge, die für die Kolchosen und folglich auch für die ganze Gesellschaft vorteilhaft sein müssen, das Kolchoseigentum auf das Niveau des allgemeinen Volkseigentums zu heben und die Warenzirkulation, gleichfalls im Wege allmählicher Übergänge, durch ein System des Produktaustausches ersetzen, damit eine zentrale Behörde oder irgendeine andere gesellschaftlich-ökonomische Zentrale die gesamten Erzeugnisse der gesellschaftlichen Produktion im Interesse der Gesellschaft erfassen kann. (...) Folglich besteht die Aufgabe darin, diese Widersprüche [zwischen Produktivkräften und Produktionsverhältnissen – Anmerkung der Redaktion] aufzuheben durch allmähliche Umwandlung des Kolchoseigentums in allgemeines Volkseigentum und durch die – gleichfalls allmählich vorzunehmende – Einführung des Produktaustausches, der an die Stelle der Warenzirkulation treten muss.

Drittens.

Es ist drittens notwendig, ein so hohes kulturelles Wachstum der Gesellschaft zu erzielen, das allen Mitgliedern der Gesellschaft die allseitige Entwicklung ihrer physischen und geistigen Fähigkeiten sichert, damit die Mitglieder der Gesellschaft eine Bildung erhalten können, die genügt, um sie aktive Teilnehmer der gesellschaftlichen Entwicklung werden zu lassen und es ihnen zu ermöglichen, sich in freier Wahl für einen Beruf zu entscheiden und nicht kraft der bestehenden Arbeitsteilung ihr Leben lang an einen bestimmten Beruf gebunden zu sein. Was muss dazu getan werden ?

Es wäre falsch, wollte man annehmen, dass ein so ernstliches kulturelles Wachstum der Mitglieder der Gesellschaft ohne ernstliche Veränderungen in der heutigen Lage der Arbeitenden erzielt werden könnte. Dazu muss vor allem der Arbeitstag mindestens auf 6 und dann auch auf 5 Stunden herabgesetzt werden. Das ist erforderlich, damit die Mitglieder der Gesellschaft genügend freie Zeit bekommen, wie sie notwendig ist, um eine allseitige Bildung erlangen zu können. Dazu ist ferner die Einführung des obligatorischen polytechnischen Unterrichts erforderlich, der notwendig ist, um es den Mitgliedern der Gesellschaft zu ermöglichen, ihren Beruf frei zu wählen und nicht ihr Leben lang in einem bestimmten Beruf gebunden zu sein.

Dazu ist ferner erforderlich, die Wohnverhältnisse von Grund aus zu verbessern und den Reallohn der Arbeiter und Angestellten mindestens auf das Doppelte, wenn nicht noch mehr zu heben, sowohl durch direkte Erhöhung des Geldlohns als auch, vor allem, durch die weitere systematische Senkung der Preise für Konsumgüter.

Das sind die Hauptbedingungen für die Vorbereitung des Übergangs zum Kommunismus.

Erst nach Erfülllung aller dieser Vorbedingungen in ihrer Gesamtheit steht zu hoffen, dass die Arbeit in den Augen der Mitglieder der Gesellschaft aus einer Last `das erste Lebensbedürfnis`(Marx) wird, dass die `Arbeit aus einer Last eine Lust (Engels) wird, dass das gesellschaftliche Eigentum von allen Mitgliedern der Gesellschaft, als unerschütterliche und unantastbare Existenzgrundlage der Gesellschaft betrachtet werden wird.

Erst nach Erfüllung aller dieser Vorbedingungen in ihrer Gesamtheit wird man von der sozialistischen Formel „Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seiner Leistung“ zur kommunistischen Formel „Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen“ übergehen können.

Das wird der grundlegende Übergang sein von einer Ökonomik, der Ökonomik des Sozialismus, zu einer anderen, höheren Ökonomik, zur Ökonomik des Kommunismus“ (Stalin, „Ökonomische Probleme des Sozialismus in der UdSSR, Moskau 1952, Seite 80 – 84).

Das Prinzip des Kommunismus besteht darin, dass in der kommunistischen Gesellschaft jeder nach seinen Fähigkeiten arbeitet und Konsumtionsmittel nicht nach der von ihm geleisteten Arbeit, sondern nach den Bedürfnissen erhält, die er als kulturell entwickelter Mensch hat. Das bedeutet, dass das kulturelle und technische Niveau der Arbeiterklasse hoch genug gestiegen ist, um dem Gegensatz zwischen geistiger und körperlicher Arbeit den Boden zu entziehen, dass der Gegensatz zwischen geistiger und körperlicher Arbeit schon verschwunden ist und dass die Arbeitsproduktivität eine so hohe Stufe erreicht hat, dass sie Konsumtionsmittel in Hülle und Fülle sicherstellen kann, wodurch die Gesellschaft die Möglichkeit hat, diese Konsumtionsmittel gemäß den Bedürfnissen ihrer Mitglieder zu verteilen“ (Stalin, Band 14, Seite32 – 46).

In der kommunistischen Produktion wirken die kommunistischen Menschen nicht allein auf die Natur zur Entfaltung ihrer Produktivkräfte, sondern auch aufeinander, verhalten sie sich als Kommunisten zueinander. Die kommunistischen Menschen produzieren nur, indem sie auf kommunistische Weise zusammenwirken und ihre kommunistischen Tätigkeiten gegeneinander austauschen. Um zu produzieren, treten sie also in kommunistische Beziehungen und Verhältnisse zueinander, und nur innerhalb dieser kommunistischen Beziehungen und Verhältnisse findet ihre Einwirkung auf die Natur, die Entfaltung ihrer Produktivkräfte, findet die kommunistische Produktion statt. Die Produktion der kommunistischen Ordnung beruht eben auf der übereinstimmenden Fortentwicklung dieser beiden Seiten von kommunistischen Produktivkräften und kommunistischen Produktionsverhältnissen. Auch in der kommunistischen Gesellschaft bleibt der Widerspruch zwischen Produktivkräften und Produktionsverhältnissen bestehen, folgt die kommunistische Produktion ihrer eigenen dialektischen Logik.

Lenin lehrt:

Der wissenschaftliche Unterschied zwischen Sozialismus und Kommunismus ist (...) klar. Was gewöhnlich als Sozialismus bezeichnet wird, nannte Marx die `erste` oder niedere Phase der kommunistischen Gesellschaft. Insofern die Produktionsmittel Gemeineigentum werden, ist das Wort `Kommunismus` auch hier anwendbar, wenn man nicht vergisst, dass es kein vollkommener Kommunismus ist (...). In seiner ersten Phase, auf seiner ersten Stufe kann der Kommunismus ökonomisch noch nicht völlig reif, völlig frei von Traditionen oder Spuren des Kapitalismus sein“ (Lenin, Staat und Revolution“, Dietz, Berlin 1951, Seite 103/104).

Lenin spricht von Kommunismus,

wenn es keine Klassen (d.h., keinen Unterschied zwischen den Mitgliedern der Gesellschaft in ihrem Verhältnis zu den gesellschaftlichen Produktionsmitteln) mehr gibt“ (Lenin Band 25, Seite 476, „Staat und Revolution“).

Stalin lehrt,

dass der Sozialismus erst reif ist für den Kommunismus, wenn er zumindest die 3 oben genannten Vorbedingungen erfüllt hat.

In der Unterredung mit der ersten amerikanischen Arbeiterdelegation am 9. September 1927 gab Genosse Stalin eine Charakteristik der vollständigen kommunistischen Gesellschaft. Er sagte:

Will man in aller Kürze die Anatomie der kommunistischen Gesellschaft skizzieren, so wird das eine Gesellschaft sein:

a) in der es kein Privateigentum an den Produktionsmitteln, sondern nur gesellschaftliches, kollektives Eigentum an den Produktionsmitteln geben wird;

b) in der es keine Klassen und keine Staatsmacht, sondern Schaffende der Industrie und der Landwirtschaft geben wird, die sich als eine freie Assoziation der Werktätigen wirtschaftlich selbst verwalten werden;

c) in der die Volkswirtschaft, nach einem Plan organisiert, auf der höchstentwickelten Technik in der Industrie und in der Landwirtschaft fußen wird;

d) in der es keinen Gegensatz zwischen Stadt und Land, zwischen Industrie und Landwirtschaft geben wird;

e) in der man die Produkte nach dem Prinzip der alten französischen Kommunisten verteilen wird: `Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen`;

f) in der Wissenschaft und Kunst sich unter so günstigen Verhältnissen befinden werden, dass sie sich zur vollen Blüte entfalten werden;

g) in der die Persönlichkeit, befreit von der Sorge um das Stück Brot und von der Notwendigkeit, sich an die `Großen dieser Welt` anzubiedern, wirklich frei sein wird;

Was die internationalen Voraussetzungen [unterstrichen von der Redaktion] anbelangt, die für den vollen Triumph der kommunistischen Gesellschaft notwendig sind, so werden sie sich in dem Maße ergeben und mehren, wie die revolutionären Krisen und die revolutionären Aktionen der Arbeiterklasse in den kapitalistischen Ländern anwachsen werden.“ (Stalin, Werke Band, Seite ).

Mit der Erweiterung der Wirkungssphäre in den meisten Ländern der Welt wird der Staat absterben. Das allgemeine Volkseigentum wird folglich nicht mehr vom Staat übernommen, der abstirbt, sondern von der Gesellschaft selber in Gestalt ihres leitenden ökonomischen Zentralorgans“ (Stalin, „Ökonomische Probleme des Sozialismus in der UdSSR, Moskau 1952, Seite 105).

Die ökonomische Lehre des Stalinismus im Weltmaßstab besagt also, dass die Weltgesellschaft sich ein leitendes ökonomisches Zentralorgan schafft ohne Staat. Das Welteigentum, also das gemeinsame Eigentum aller Völker, wird dann genauso absterben wie der Weltstaat. Das leitende ökonomische Zentralorgan der kommunistischen Weltgesellschaft arbeitet ohne Eigentum, ohne Geld, ohne Steuern usw. usf. Das Eigentum war nicht immer auf der Welt und wird auch nicht immer auf der Welt bleiben. So wie das Eigentum auf dieser Erde entstand, wird es auch wieder von der Erde verschwinden. Es musste sich aber erst vom Privateigentum zum Volkseigentum und vom Volkseigentum zum Welteigentum entwickeln, um sich schließlich für immer überflüssig machen zu können. Weltkommunismus, das heißt eine Weltgesellschaft, die sich endgültig aus den Fesseln des Eigentums befreit und sich von ihm auf nimmer Wiedersehen verabschiedet hat.

Genossen, die Frage der Produktionsverhältnisse wird bestimmt durch die Frage der Eigentumsverhältnisse an den Produktionsmitteln. Für uns Kommunisten ist die Eigentumsfrage die Grundfrage der weltrevolutionären Bewegung. Der Sieg der Weltrevolution ist an keine andere Frage fester geknüpft als an die Eigentumsfrage. Wem soll die Welt in Zukunft gehören ? Wer bekommt was und wie viel ? Wie soll die Eigentumsfrage bezüglich der Produktionsverhältnisse gelöst werden ? Die Antwort, die wir Kommunisten darauf geben müssen, ist klar:

Die Eigentumsfrage kann nur von der Weltrevolution und von ihr nur global gelöst werden. Was aber heißt das für die einzelnen Länder ? Wie soll ein weltsozialistisches Land die Eigentumsfrage globaler Produktionsverhältnisse lösen ? In der Eigentumsfrage stoßen wir also unvermeidlich auf einen Widerspruch zwischen den Eigeninteressen des Proletariats in einem Land und den Gesamtinteressen des Weltproletariats bei der Vergesellschaftung der globalen Produktivkräfte. Die globalen Produktivkräfte aus den globalen Fesseln der Produktionsverhältnisse zu befreien, das mag ja noch relativ „einfach“ zu lösen sein, aber wer wird der Eigentümer der globalen Produktionsmittel werden ? Wie werden die Eigentumsverhältnisse global geregelt ? Wie verteilen sich die globalen Produktionsmittel in den einzelnen Ländern ? Als Kommunisten vertreten wir natürlich in erster Linie die Gesamtinteressen des Weltproletariats, drängen wir also auf eine Lösung der Eigentumsverhältnisse zu Gunsten des Weltproletariats, aber wie soll diese Lösung aussehen ? Können wir die Eigentumsfrage etwa genauso lösen wie sie in der ersten Periode des Sozialismus, also in der UdSSR und in Albanien gelöst wurde? Damals stand diesen beiden Ländern eine Welt gegenüber, die der Bourgeoisie gehörte. Diese sozialistischen Länder mussten damals unvermeidlich eine komplexe, alle Produktionszweige umfassende Volkswirtschaft errichten, da sich sich noch nicht arbeitsteilig im sozialistischen Weltwirtschaftssystem zusammenschließen konnten. Im Weltsozialismus würden diese beiden Länder hingegen Teil einer Welt sein, die dem Weltproletariat gehört, das die Produktionsmittel global vergesellschaftet hat. Das sind also zwei völlig verschiedene Weltsysteme, denen die UdSSR Lenins und Stalins und das Albanien Enver Hoxhas gegenüberstehen würden. Wir können also schon allein deswegen nicht das Eigentumsproblem von sozialistischen Ländern lösen unabhängig von den Eigentumsverhältnissen eines sozialistischen Weltsystems. Heute kann auf der Welt gar kein Sozialismus mehr ohne eine globalisierte Produktionsweise, ohne internationale Arbeitsteilung usw. usf. auskommen. Die alten Produktionsverhältnisse des Sozialismus „in einem“ Land, die gegen den Weltkapitalismus aufgebaut werden mussten, sind also nicht die Gleichen wie die Produktionsverhältnisse der weltsozialistischen Länder, die mit dem sozialistischen Weltsystem aufgebaut werden. Deswegen kann man die Eigentumsfrage also auch nicht auf die alte Art und Weise zur Zeit Stalins lösen, muss ein globaler Weg eingeschlagen werden. Trotzdem können wir deswegen auf die Lehren Stalins nicht verzichten. Was unsere Frage der Globalisierung anbelangt, so gibt es gewisse wertvolle Parallelen zur Vereinigung der Sowjetrepubliken im Jahre 1922, die auch heute für die Vereinigung der zukünftigen weltsozialistischen Staaten und damit auch für die Globalisierung der sozialistischen Produktionsverhältnisse zutreffend und anwendbar sind:


Wenn Kapital, Privateigentum und Ausbeutung die Menschen trennen, sie in einander feindlich gegenüberstehende Lager spalten – als Beispiel dafür können Großbritannien, Frankreich und sogar solche kleinen Nationalitätenstaaten wie Polen und Jugoslawien mit ihren unversöhnlichen inneren nationalen Gegensätzen dienen, die die Grundlage dieser Staaten selbst zerfressen -, wenn, sage ich, dort, im Westen, wo die kapitalistische Demokratie herrscht und wo die Staaten auf dem Privateigentum beruhen, die ganze Grundlage des Staates nationalen Hader, Konflikte und Kampf stimuliert, so ist es hier, in der Welt der Sowjets, wo die Macht nicht auf dem Privateigentum, sondern auf dem Kollektiveigentum beruht, wo die Macht nicht auf der Ausbeutung des Menschen durch den Menschen, sondern auf dem Kampf gegen diese Ausbeutung beruht, so ist es hier im Gegenteil die Natur der Staatsmacht selbst, die die werktätigen Massen natürlicherweise anregt, die Vereinigung in einer sozialistischen Familie anzustreben“ (Stalin, Werke, Band 5, Seite 132).


So, wie die Sowjetrepubliken damals untereinander Verträge über ihre gemeinsamen Eigentumsverhältnisse abschlossen, so können auch Verträge zwischen den weltsozialistischen Staaten abgeschlossen werden, die sich zu einer Weltunion vereinigt haben. Wir teilen Stalins Hoffnung:

Hoffen wir, Genossen, dass wir durch die Bildung unserer Bundesrepublik ein sicheres Bollwerk gegen den internationalen Kapitalismus errichten werden, dass der neue Bundesstaat ein neuer entscheidender Schritt auf dem Wege zur Vereinigung der Werktätigen der ganzen Welt zur Sozialistischen Weltrepublik der Sowjets sein wird“ (ebenda, Seite 137).

Stalin bezeichnete die Sowjetföderation als Vortrupp der Weltrevolution“. Wir sind der Überzeugung, dass sie diesen Namen zu Recht verdient hatte und wir wollen dafür sorgen, dass sie diesen Namen auch weiterhin zu Recht behält, nämlich mit der Errichtung der Weltunion der weltsozialistischen Staaten in deren Dienst der Genosse Stalin die UdSSR gestellt hatte. Und mit der Errichtung der Weltunion der weltsozialistischen Staaten werden wir auch die Eigentumsfrage des Weltproletariats lösen, werden die Völker ihr Volkseigentum in ihr gemeinsames Welteigentum verwandeln, werden die Menschen auf dieser Erde sich das Welteigentum an den Produktionsmitteln teilen, um schließlich das Eigentum überhaupt überflüssig zu machen und es also absterben zu lassen. Im vollendeten Weltkommunismus gibt es kein Eigentum mehr, verwandelt sich die Welt der Besitzenden in eine Welt der Besitzlosen, aber nicht wie bisher aus Gründen des Mangels und der Armut, sondern wegen der überfließenden Quellen des Reichtums aller und jedes Menschen. Mit anderen Worten ist die Menschheit so reich geworden, dass sie den Luxus ihrer Besitzlosigkeit in vollen Zügen genießen kann.


Was die Frage der Konfiskation des globalen Privateigentums der Kapitalisten an den Produktionsmitteln anbelangt, so ist dies nicht einmal der Kernpunkt. Kernpunkt ist die globale, von allen Ländern getragene Arbeiterkontrolle über die Kapitalisten und ihre Lakaien.


Mit der Konfiskation allein ist es nicht getan, denn sie enthält kein Element der Organisation, der Rechnungsführung über die richtige Verteilung“ (Lenin, Band 27, Seite 91). Zur richtigen Verteilung braucht man eben globale Organisationen und globale Rechnungsführung aus der Mitte der Weltunion der weltsozialistischen Staaten.


Zwar ist das kapitalistische Weltsystem insgesamt reif für die Weltrevolution, aber seine Gegensätze wachsen nicht in globaler Gleichmäßigkeit, sondern Grad und Tempo der revolutionären Entfaltung dieser globalen Gegensätze sind infolge der Ungleichmäßigkeit der Entwicklung des Kapitalismus in den verschiedenen Ländern unterschiedlich ausgeprägt. Daraus entstehen die starken und schwachen Glieder der imperialistischen Kette und dadurch bedingt sich unvermeidlich die Stärke und Schwäche der Glieder der weltsozialistischen Kette, die ja aus nichts anderem entstehen kann, als aus der weltimperialistischen Kette.

Trotz Beseitigung des Privateigentums an den Produktionsmittel in den kapitalistischen Ländern wirkt das Gesetz von der Ungleichmäßigkeit der Entwicklung der kapitalistischen Länder also noch eine Weile nach. Es lässt sich nicht auf Knopfdruck abschalten. Das bedeutet für das sozialistische Weltwirtschaftssystem, dass gewisse Widersprüche, wenn auch „nur“ noch nicht-antagonistische Widersprüche, unter den einzelnen weltsozialistischen Ländern, sowie zwischen den weltsozialistischen Ländern einerseits und ihrer Weltunion andererseits, noch vorhanden sind und so schnell nicht beseitigt werden können. Das hat zur Folge, dass sich anfangs die verschiedenen weltsozialistischen Staaten noch ungleichmäßig entwickeln. Dadurch wird das allgemeine ökonomische Gesetz von der weltweiten Übereinstimmung von Produktionsverhältnissen und Produktivkräften noch nicht vollständig beherrschbar, was nichts anderes heißt, dass es noch durch empfindliche Nichtübereinstimmungen (zyklische?) gestört werden kann, dass auf jeden Fall noch mit Krisen verschiedenster Art zu rechnen ist, dass die Gefahr der Restauration des Weltkapitalismus noch nicht beseitigt ist, dass diese Gefahr zwar nicht mehr von außen kommen kann, aber sehr wohl von innen heraus, wenn man allzu große Fehler in der sozialistischen Weltpolitik macht und sie nicht korrigiert. Ohne globalen Klassenkampf sind diese Gefahren also nicht aus der sozialistischen Welt zu schaffen. Dies ist erst in einem mehr oder weniger längeren objektiven Klassenkampfprozess innerhalb des sozialistischen Weltsystems aus der Welt zu schaffen. Aber sicherlich können wir diesen Prozess beschleunigen und erleichtern, indem die wirtschaftlich weiter entwickelten Länder den noch nicht so weit entwickelten Ländern die größtmögliche Hilfe angedeihen lassen, ihr wirtschaftliches Niveau so schnell wir möglich auf die Stufe der fortgeschritteneren Länder zu heben. Eben dadurch wird es gelingen, der globalen Übereinstimmung von Produktionsverhältnissen und Produktivkräften schneller entgegen zu kommen und sich damit die nachwirkenden Probleme der Ungleichmäßigkeit der Entwicklung der kapitalistischen Länder für immer vom Halse zu schaffen. So wird die Ungleichmäßigkeit der Entwicklung der kapitalistischen Länder allmählich umgewandelt in eine Gleichmäßigkeit der wirtschaftlichen Entwicklung aller weltsozialistischen Staaten, die zweifellos den allergrößten positiven Effekt auf die Entwicklung des Weltsozialismus insgesamt, als auch auf jedes einzelne Land haben wird. Die globale Ausnutzung des ökonomischen Gesetzes ist die optimalste und höchste Form seiner Ausnutzung. Erst dadurch kann der Übergang zum Weltkommunismus gelingen. Zum Weltkommunismus gelangt man also erst, wenn alle weltsozialistischen Staaten gemeinsam, gegenseitig, gleichmäßig und somit auch gleichzeitig dafür ihre ökonomische Basis als Ganzes aufgebaut haben. Der Weltkommunismus wird nicht von irgendeinem Land allein erreicht, sondern das ist ein globaler Prozess, an dem alle Länder ihren Anteil haben und der von allen gemeinsam und als Weltganzes vollendet wird.



Weltsozialismus, das ist die Einstellung des Weltproletariats, sich selber um die Weltproduktion in seinen eigenen Betrieben zu kümmern und sich zu bemühen, seine Industrieerzeugnisse zum Beispiel auch unter der Weltbauernschaft zu verteilen und sie sogar selber zu ihr hin zu befördern bis in den letzten Winkel der Welt (Weltsozialismus ist also die Verbesserung der Lage der Weltbauernschaft im Interesse der Verbesserung der Lage des herrschenden Weltproletariats), damit durch die gemeinsamen Anstrengungen von Weltproletariat und Weltbauernschaft alle Nationen ökonomisch versorgt werden können. Dies wird keine Schwierigkeiten bereiten, denn hier kann das Weltproletariat aus den Erfahrungen seiner proletarischen Weltrevolution schöpfen, in der es gelernt hat, dass es nur siegen konnte, weil seine Soldaten nicht verhungerten. Und um in der Weltrevolution nicht zu verhungern, braucht das bewaffnete Weltproletariat die leibliche Unterstützung der Weltbauernschaft. So einfach ist das.

Nehmen wir zum Abschluss ein entsprechendes Kapitel aus dem Programm der Komintern von 1928, an dessen Ausarbeitung Stalin maßgeblich beteiligt war. Da findet sich alles, was sich zur Ökonomie des Kommunismus zusammenfassen lässt:

Das Endziel der Kommunistischen Internationale:

der Weltkommunismus

Das Endziel, das die Kommunistische Internationale erstrebt, ist die Ersetzung der kapitalistischen Weltwirtschaft durch das Weltsystem des Kommunismus. Die kommunistische Gesellschaftsordnung, die durch den ganzen Ablauf der geschichtlichen Entwicklung vorbereitet wird, ist der einzige Ausweg für die Menschheit, denn nur diese Gesellschaft vermag die fundamentalen Widersprüche des kapitalistischen Systems aufzuheben, die die Menschheit mit Entartung und Untergang bedrohen.

Die kommunistische Ordnung beseitigt die Spaltung der Gesellschaft in Klassen, das heißt, sie beseitigt mit der Anarchie der Produktion alle Arten und Formen der Unterdrückung und Ausbeutung von Menschen durch Menschen. An die Stelle der kämpfenden Klassen treten die Glieder der einheitlichen Weltassoziation der Arbeit. Zum ersten Mal in der Geschichte nimmt die Menschheit ihr Schicksal in die eigenen Hände. Anstatt in Klassen - Völkerkriegen ungezählte Menschenleben und unschätzbare Reichtümer zu vernichten, verwendet die Menschheit ihre ganze Energie auf den Kampf mit den Naturkräften, auf die Entwicklung und Hebung ihrer eigenen kollektiven Macht.

Sobald das Weltsystem des Kommunismus das Privateigentum verwandelt hat, tritt an die Stelle der elementaren Kräfte des Weltmarktes und des planlosen Waltens der Konkurrenz, des blinden Gangs der gesellschaftlichen Produktion ihre gesellschaftlich-planmäßige Regelung entsprechend den rasch wachsenden Bedürfnissen der Gesamtheit. Mit der Vernichtung der Anarchie der Produktion und der Konkurrenz verschwinden auch die verheerenden Krisen und die noch verheerenderen Kriege. An die Stelle der gigantischen Vergeudung von Produktivkräften und der krampfhaften Entwicklung der Gesellschaft tritt die geordnete Verfügung über alle materiellen Reichtümer und eine reibungslose Entwicklung der Wirtschaft durch die unbegrenzte, harmonische rasche Entfaltung der Produktivkräfte.

Die Aufhebung des Privateigentums, das Absterben der Klassen, beseitigen die Ausbeutung von Menschen durch Menschen. Die Arbeit hört auf, ein Schaffen für den Klassenfeind zu sein. Aus einem bloßen Mittel zum Leben wird sie zum ersten Lebensbedürfnis. Die Armut verschwindet, es verschwindet die wirtschaftliche Ungleichheit der Menschen, das Elend der geknechteten Klassen, die Armseligkeit ihres materiellen Daseins überhaupt; es verschwindet die Hierarchie der Menschen in der Arbeitsteilung und damit der Gegensatz von Kopf- und Handarbeit; es verschwinden schließlich alle Spuren der sozialen Ungleichheit der Geschlechter. Zu gleicher Zeit verschwinden auch die Organe der Klassenherrschaft, vor allem die Staatsgewalt; als Verkörperung der Klassenherrschaft stirbt sie in dem Maße ab, wie die Klassen verschwinden. Damit stirbt allmählich jede Zwangsnorm ab.

Das Verschwinden der Klassen beseitigt jede Art des Bildungsmonopols. Die Kultur wird zum Gemeingut aller und an Stelle der Klassenideologie der Vergangenheit tritt die wissenschaftlich-materialistische Weltbetrachtung. Damit wird jedwede Herrschaft von Menschen über Menschen unmöglich, und es eröffnen sich ungeahnte Möglichkeiten der sozialen Auslese und der harmonischen Entwicklung aller Fähigkeiten, die in der Menschheit schlummern.

Die Entfaltung der Produktivkräfte wird durch keinerlei Schranken gesellschaftlichen Charakters gehemmt. Die kommunistische Gesellschaft kennt kein Privateigentum an den Produktionsmitteln, kein eigennütziges Streben nach Profit, sie kennt weder die künstlich genährte Unwissenheit, noch die Armut der Massen, die in der kapitalistischen Gesellschaft den technischen Fortschritt hemmt, noch die riesenhaften unproduktiven Ausgaben. Die zweckmäßigste Ausnutzung der Naturkräfte und der natürlichen Produktionsbedingungen der einzelnen Weltteile; die Beseitigung des Gegensatzes von Stadt und Land, der die Folge des steten Zurückbleibens der Landwirtschaft und ihres technischen Tiefstandes ist; die weitestgehende Vereinigung von Wissenschaft und Technik, von Forschungsarbeit und umfassender Anwendung ihrer Ergebnisse für die Gesellschaft; die planmäßige Organisierung der wissenschaftlichen Arbeit; die Einführung vervollkommneter Methoden statistischer Erfassung und plangemäßer Regelung der Wirtschaft; schließlich das rasche Anwachsen der gesellschaftlichen Bedürfnisse, des stärksten Antriebs des gesamten Systems; all das sichert der gesellschaftlichen Arbeit ein Höchstmaß an Produktivität und setzt unermessliche menschliche Energien für eine machtvolle Entfaltung von Kunst und Wissenschaft frei.

Die Entwicklung der Produktivkräfte der kommunistischen Weltgesellschaft macht die Hebung des Wohlstandes der ganzen Menschheit und die stärkste Verkürzung der der materiellen Produktion gewidmeten Zeit möglich und und eröffnet damit eine in der Geschichte unerhörte Blütezeit der Kultur. Diese neue Kultur der zum ersten Mal geeinten Menschheit, die alle Staatsgrenzen zerstört hat, wird auf klaren und durchsichtigen Beziehungen der Menschen zueinander beruhen. Sie wird daher Mystik und Religion, Vorurteile und Aberglaube für alle Zeiten begraben und damit der Entwicklung siegreicher wissenschaftlicher Erkenntnis einen mächtigen Anstoß geben.

Diese höchste Stufe des Kommunismus, in der die kommunistische Gesellschaft sich bereits auf ihrer eigenen Grundlage entwickelt hat, in der Hand in Hand mit der allseitigen Entwicklung der Menschen auch die gesellschaftlichen Produktivkräfte einen gewaltigen Aufschwung nehmen und die Gesellschaft bereits auf ihr Banner die Losung geschrieben hat: „Jeder nach seinen Fähigkeiten, jeder nach seinen Bedürfnissen“, hat als ihre Vorstufe den Sozialismus zur geschichtlichen Voraussetzung. Hier beginnt die kommunistische Gesellschaft die kapitalistische Hülle erst abzuwerfen, sie ist noch in jeder Beziehung - wirtschaftlich, moralisch und geistig - mit den Muttermalen der alten Gesellschaft behaftet, deren Schoß sie entsprungen ist.

Die Produktivkräfte des Sozialismus sind noch nicht in dem Maße entwickelt, dass eine Verteilung der Erzeugnisse der Arbeit entsprechend den Bedürfnissen eines jeden möglich wäre . Die Verteilung erfolgt vielmehr nach der Leistung. Die Arbeitsteilung, das heißt, die Zuweisung bestimmter Arbeitsfunktionen an bestimmte Gruppen von Menschen, ist hier noch nicht überwunden, so dass der Gegensatz von Hand- und Kopfarbeit in der Hauptsache noch weiter besteht. Trotz der Aufhebung der Klassen sind noch Überreste der alten Klassenteilung in der Gesellschaft vorhanden, folglich auch Überreste der proletarischen Staatsgewalt, des Zwanges, des Rechts. Es bleiben somit noch gewisse Reste der Ungleichheit bestehen, die noch nicht absterben konnten. Unbeseitigt und unüberwunden bleibt auch noch der Gegensatz zwischen Stadt und Land. Allein alle diese Überreste der alten Gesellschaft werden von keiner gesellschaftlichen Kraft mehr geschützt und verteidigt. Da sie an eine bestimmte Entwicklungsstufe der Produktivkräfte gebunden sind, verschwinden sie in dem Maße, wie die von der Fessel der kapitalistischen Ordnung befreite Menschheit sich die Naturkräfte unterwirft, sich selbst im Geiste des Kommunismus neu erzieht und vom Sozialismus zum vollendeten Kommunismus fortschreitet (Programm der Komintern von 1928).

Wie weit gewisse Leningrader Genossen dieses Ziel vor Augen hatten als sie ihre „Wirtschaftsreformen“ auf den Tisch legten, darf bezweifelt werden. In dem Maße wie Stalin darauf drängte, die sozialistische Wirtschaft in eine kommunistische Wirtschaft zu verwandeln, je reifer die ökonomische Basis für den Übergang zum Kommunismus wurde, desto mehr reiften auch ökonomische Gegenkräfte und Gegenbewegungen heran, nämlich die alten sozialistische Wirtschaftsinstrumente beizubehalten und mit den erworbenen Privilegien lieber im „eigenen Saft zu schmoren“ als diese im Kommunismus aufzugeben und zu verlieren. Die Leningrader reformistische Gruppe unterschied sich nur dadurch von der Moskauer reformistischen Gruppe, dass sie ihre rechte Abweichung offen propagierte, während die Moskauer Gruppe sie in stalinistische Phrasen verhüllte. Beide erschwerten sie den Weg zur kommunistischen Wirtschaft und gegen beide führte Stalin einen Zweifrontenkrieg an der Wirtschaftsfront. Der „Fortschritt“ in Kreisen Leningrader Wirtschaftskader war in Wirklichkeit ein Rückschritt, eine Abweichung von der Generallinie Stalins, die Stalin auf bolschewistische Weise überwinden wollte – mit Kritik und Selbstkritik. Gegenüber der Moskauer Malenkow/Berija-Gruppe verhielt sich Stalin auf die gleiche Weise. Aber die Moskauer Gruppe dachte gar nicht an Kritik und Selbstkritik, war nicht an einer bolschewistischen Lösung der Wirtschaftsfrage interessiert. Sie schüttete nur noch mehr Öl ins Feuer und versuchte daraus ihren Vorteil zu ziehen, missbrauchte den demokratischen Zentralismus zu ihrem eigenen Zweck. Sie wollten die Macht Stalins, die Sowjetmacht stürzen. Sie wollten die Macht erobern, in dem sie daraus eine Intrige, die „Leningrader Verschwörung“ bastelten, daraus einen antagonistischen Widerspruch machten, Sand ins Getriebe streuten zum Schaden der UdSSR. Und dieser Schaden, den die Gruppe verkappter Revisionisten wie Malenkow, Berija, Chruschtschow und wie sie noch alle hießen, entpuppte sich späte als die Liquidierung dessen, was der Kommunismus bis dahin geschaffen hatte. Der Hauptfeind war nicht Leningrad fernab von Moskau, der Hauptfeind heilt sich bereits im Moskauer Zentrum versteckt !

Die so genannte „Leningrader Verschwörung“ gab es in Wirklichkeit gar nicht, sondern war von Malenkow und Berija inszeniert, um ihre mörderischen Verbrechen an der Leningrader Parteiführung zu rechtfertigen, die ihnen bei der Verschwörung gegen Stalin als Konkurrenten im Weg war. Dies kam erst nach Stalins Tod ans Tageslicht. 1949 verschwanden plötzlich Wosnessenski, Kusnezow und Popkow aus dem öffentlichen Leben. Wosnessinski war ein Protigé Molotows. Berija hatte Ende der 40er Jahre eine dicke Akte mit Todesurteilen, die Schkiirjow und Malenkow schon abgezeichnet hatten. Wosnessinski weigerte sich, sie zu unterschreiben. Wosnessinski wurde deswegen angeklagt, aber er konnte Berija und Malenkow widerlegen und wurde freigesprochen. Berija beschuldigte nun Wosnessinski, er habe „Molotow gedrängt, Stalin abzusetzen“ ( .. wobei Wosnessinski Stalins Protigé und Malenkow Molotows Protigé war !) und dabei vergaß Berija natürlich nicht, dieses Lügenmärchen dem Genossen Stalin brühwarm zu servieren, um diesen gegen Wosnessinski aufzubringen. Es war nicht alles verdammenswürdig, was Wosnessenski geleistet hatte und Stalin wusste das zu schätzen und richtig einzuordnen. Er hat in seinenökonomischen Problemen“ nie den Namen Wosnessinski erwähnt oder ihn gar darin kritisiert, obwohl jeder weiß, dass Stalin gewöhnlich kein Blatt vor den Mund nahm, um Ross und Reiter zu nennen. Wir dürfen nicht vergessen, dass Wosnessinki ein Gegner der falschen Auffassungen des sowjetischen Ökonomen Varga war.

Stalin wollte Wosnessinski zumindest als Leiter der Staatsbank retten und hat mehrmals gegen die Todesstrafe gegen Wosnessinski interveniert – zu spät. ( Wir gehen davon aus, dass Berija und Malenkow an der Wiedereinführung der Todesstrafe beteiligt waren, Motieve dafür hatten sie genug! Jedenfalls war das nicht Stalins Idee). Unzählige Leningrader Parteiführer wurden ermordet, 2000 Leningrader Parteigenossen wurden ihres Postens enthoben und 200 Genossen ins Lager abtransportiert. Adrianow war Malenkows Henker in den Leningrader Prozessen von 1949 und Suslow sein Helfershelfer. So bedienten sich Berija und Malenkow auch bei diesem Verbrechen in Leningrad ihres abenteuerlichen „Spiels“ mit der Sowjetmacht. Mit der Ermordung Shdanows hatten sie dieses „Spiel“ begonnen, mit der „Leningrader Affäre“ setzten sie es fort, um so leichteres „Spiel“ mit Stalin zu haben. Man muss diese Systematik durchschauen, um die Ereignisse richtig zu verstehen und einzuordnen. Darüber ist bei Bill Bland nichts zu finden. Berija und Malenkow nach fast 40 Jahren zu decken, das hat seine eigene Systematik, die man dabei genauso richtig verstehen und einordnen muss.

Durch die Beseitigung von Abakumow und die Leningrader Gruppe rückten Malenkow und Ignatjew gemeinsam mit Berija und Chruschtschow ins Zentrum der Führungsmacht.

Mit Abakumow, Shdanow (Leningrad), Kusnezow ins ZK und Rodjonow Ministerpräsident der Russischen Föderativen Republik hatte Stalin selber die neuen Kader in die Parteiführung gebracht, um den bolschewistischen Charakter der Partei zu verteidigern und zu stärken, denn er konnte sich immer weniger auf seine alte bolschewistische Führungsgarde verlassen. Partei- und Regierungsbeschlüsse machten Shdanow zu Recht zum zweitmächtigsten Mann in der SU.

Für die Verschwörung der 30er Jahre war Leningrad eher als Zentrum der Opposition geeignet als Moskau. Hieran knüpften die Verschwörer Malenkow und Berija an, um ihre stalinfeindlichen Positionen mit ihren Morden an den Leningrader Genossen auszubauen. Sie versuchten Stalin in ihre Verschwörungspläne einzubauen, ihn auf ihre Seite zu ziehen mit ihren infamen Ränkeschmiedereien.

Im Zweifrontenkrieg gegen den verkappten Revisionismus im Zentrum der sowjetischen Staatsmacht und den lokalen reformistischen Erscheinungen in Leningrad, das zum Zentrum drängte, war die Hauptgefahr natürlich der bürokratische Zentralismus im Zentrum der UdSSR, wobei man berücksichtigen muss, dass Moskau ja nicht nur das Machtzentrum der UdSSR war, sondern auch ein lokales Stadtzentrum, mit einer zentralen Bedeutung für die Industrieproduktion der UdSSR usw. usf, also im Kern mit eben solchen reformistischen Wurzeln behaftet wie in Leningrad. So gab es eben auch nicht nur Widersprüche des Moskauer Zentrums mit Leningrad, sondern es gab auch lokal geprägte Widersprüche der Stadt Moskau mit dem Machtzentrum der UdSSR. Von der Stadt Moskau ins Machtzentrum der UdSSR vorzustoßen, war natürlich erheblich leichter als von Leningrad aus. Diesen Vorteil konnte die Malenkow/Berija-Gruppe natürlich für sich ausnutzen, um ihre Leute ins Machtzentrum der UdSSR einzuschleusen und über Moskau gelangte Chruschtschow auch in die Führungsspitze der Partei – dank Berija und Malenkow.

Berija und Malenkow „verstanden sich gut“ mit Perwuchin und Saburow (Wirtschaftsmanager). Malenkow war nach Stalins Tod einer der Hauptverantwortlichen, die die Wirtschaftspolitik der offenen Restauration des Kapitalismus mit eingeleitet hatte. Deswegen kann man ihn nicht als „Marxisten-Leninisten“ bezeichnen, der im Auftrag Stalins mit den kapitalistischen Erscheinungen in Leningrad aufräumte, um den Sozialismus zu verteidigen, sondern Malenkow tat dies, um den Kapitalismus zu fördern und die Macht des bürokratischen Zentralismus zu demonstrieren. Die Malenkow-Berija-Fraktion beförderte ihr genehme Leute auf einflussreiche Posten in der Regierung. Die Verschwörung von 1953 putschte direkt im Moskauer Kreml, sowohl die Verschwörung gegen Stalin als auch die Verschwörung gegen Berija. Von Malenkows und Berijas Säuberungen in Leningrad profitierte auch Berijas späterer Verschwörer Chruschtschow. Popow wurde von Berija und Malenkow nach dem altbewährten, stereotypem Muster angeklagt, er hätte ein Attentat auf Stalin“ geplant. Nachdem Popow seines Postens enthoben worden war, ergatterte sich Chruschtschow dessen Posten, ja er kam mit Hilfe der Leningrader Prozesse sogar zum ersten Mal in den Genuss eines Sitzes im ZK der KPdSU (B) – und all das mit Hilfe der „Marxisten-Leninisten“ Berija und Malenkow, diese Wegbereiter des Chruschtschowismus! Chruschtschow „bedankte“ sich bei Berija und Malenkow auf eigenwillige Weise, nämlich dass er die Inszenierung der „Leningrader Affäre“ später Berija und Stalin (!!) in die Schuhe schob. Die Berijaner sind ihm dafür bis heute zu großem Dank verpflichtet, weil ihnen Chruschtschow dabei geholfen hat, den Verbrecher Berija neben Stalin im Lichte eines „stalintreuen Marxisten-Leninisten“ erstrahlen zu lassen.



Es gab zwei Episoden, die der so genannten „Leningrader Affäre“ vorausgeeilt waren und deswegen nicht außer Acht gelassen werden dürfen:

Zunächst die Korruption in der Luftfahrtindustrie. Da ging es um Vertuschung von technischen Defekten, nur um die Nichterfüllung der Produktionsquote zu kaschieren. Zudem ging es um den Chefkonstrukteur Tupolew und Malenkow. Malenkow hatte sich mit seinem Bürokratismus in Tupolews Kostruktionspläne eingemischt. Nur weil Tupolew davon Shdanow Meldung gemacht hatte, verbannte Malenkow Tupolew für drei Jahre in den Ural. Ohne, dass Stalin davon etwas wusste, hatte Malenkow den Deportationsbefehl selber „im Namen des ZK“ unterschrieben ! Ferner ging es um die Degradierung Schukows und anderer militärischer Führer des Großen Vaterländischen Krieges. Berija und Malenkow führten einen Machtkrieg mit Schukow um die Vormachtstellung der inneren gegenüber den äußeren Truppen. Der wachsende Einfluss der MDW-Truppen war – wir hatten bereits darüber berichtet – entscheidend für Berijas Putsch von 1953.

Diese Vertuschung hatte Abakumow aufgedeckt 1945 (militärische Spionageabwehr); Malenkow war im Politbüro für die Luftfahrtindustrie verantwortlich. Die Schuld an Malenkows Sabotage in der Flugzeugindustrie stand fest und Stalin fragte Abakumow welches Strafmaß. Abakumows Antwort: „erschießen!“ Stalins Antwort hingegen: Menschen zu erschießen ist sehr leicht, schwieriger ist es, sie zum Funktionieren zu bringen.“ (Sudoplatow. Seite 359). Weiter Sudoplatow: In Wirklichkeit verwendete Stalin die Geständnisse Nowikows und Schachurins für ein Verfahren gegen Marschall Schukow und Malenkow. Kurz bevor Stalin sein Amt als Verteidigungsminister 1946 niederlegte, nutzte er diese Geständnisse, um Schukow zu entlassen, der die Bodentruppen befehligte und stellvertretender Verteidigungsminister war. Es war übrigens Shdanow, der Malenkow beschuldigte, Schukow an die Macht gehievt zu haben. In Stalins Befehl Nummer 009 vom 9. Juni 1946 hieß es:mangelnde Bescheidenheit“, „maßloser persönlicher Ehrgeiz“ und außerdem, er habe sich die Schlüsselrolle bei der Durchführung aller wichtigen Militäroperationen des Krieges zugeschrieben, selbst bei jenen, mit denen er gar nichts zu tun hatte“. Schukow habe sichaus Verbitterung entschlossen, mit gescheiterten, unzufriedenen Befehlshebern zusammenzuarbeiten, die ihres Postens enthoben worden waren, und sich dadurch in Opposition zur Regierung und zum Oberkommando gestellt“ (siehe Sudoplatow). Schukow wurde von Nowikow denunziert und berichtete von „antistalinistischen Gesprächen“ Schukows. Admiral Kusnezow wurde entlassen und Bulganin zum Verteidigungsminister ernannt. Später wurde Bulganin auch von Chruschtschow benutzt, der ihn als Nachfolger von Malenkow als Ministerpräsident einsetzte. Als 1957 Bulganin sich der „parteifeindlichen Gruppe“ anschließt, prangerte Sergewitsch ihn auf dem Parteitag als „Spitzel Stalins“ an und Chruschtschow degradierte ihn zum Generaloberst.

Stalin setzte Bulganin damals vor allem ein, um den im Krieg logischer Weise so mächtig gewordenen Militärapparat wieder näher unter seine Kontrolle zu bringen. Der Übergang der entscheidenden Rolle der Armee im Krieg zu ihrer Platzierung in eine untergeordnetere Reihe während des Wiederaufbaus in der Nachkriegszeit war für Stalin ein heikles Problem, das er zu lösen hatte. Er musste auch die führenden Militärs ins zweite Glied nehmen, was dem einen oder anderen nicht sehr gefiel, so fühlte sich auch Schukow in seiner neuen Nachkriegsrolle degradiert. Da musste Stalin ein wenig von oben Druck ausüben. Er neutralisierte die militärischen Befehlshaber Wassilewski, Schukow, Schtemenko, Konew, Rossowski, Bagramjan durch den direkten Einsatz Bulganins. Sie durften Bulganin nicht umgehen und in ihrem eigenen Interesse agieren. Stalin zog das Militär näher an die Partei, um seine Eigenwilligkeiten zu bremsen. Dadurch wurde die Verselbständigung des Militärapparats und das eigenmächtige Handeln Schukows von Stalin unterbunden. Dieser Methode bediente sich Stalin auch im Politbüro ! Das erklärt den Kampf um die Stabilisierung und Vereinheitlichung der sich verselbständigenden Ministerien und des Militärs seit dem Kriegsende bis zu Stalins Tod! Dies ist wichtig zur besseren Einschätzung der wahren Machtverhältnisse und Stalins tatsächlicher Position, die immer dann gefährdet war, wenn sich alle streitenden Parteien gegen ihn vereinigt hätten, was dann ja schließlich auch im letzten Moment geschah. Stalin schlug den erstarkenden ministerialen Bürokratismus mit seinen eigenen Waffen und zwar in allen Bereichen der Partei, des Staates und der Armee.

Abakumow ließ Generäle aus Schukows Stab in Deutschland verhaften. Einige wurden 1950 erschossen (z.B. Kulik und Rebalschenko, andere wurden nach Stalins Tod freigesprochen, Nowikow und Kusnezow 1952 wieder eingesetzt und nach Stalins Tod rehabilitiert, 1952 machte Stalin Schukow wieder zum ZK-Kandidaten als Gegengewicht zum inneren Militär, auf das Berija Einfluss hatte. Nach Stalins Tod wurde Schukow Stellvertretender Verteidigungsminister, er wurde aber selbst noch unter Breschnew abgehört, denn er war potentiell in der Lage als anerkannter Kriegsheld den Militärapparat für sich spielen zu lassen (siehe Sudoplatow).

Abakumow löste 1946 Merkulow als Minister für Staatssicherheit ab – stand Berija nicht nahe. Abakumows späteren Annäherungsversuche ließen Berija kalt. Stalin beauftragte Abakumow, Belastungsmaterial über einflussreiche Politiker zu sammeln – also auch über Berija. Aufgrund von Abakumows Nachforschungen, hatte Malenkow von der Luftfahrtaffäre gewusst, sie aber verschwiegen, woraus ihn Stalin 1947 einen Verweis erteilte und ihn ins Exil nach Kasachstan degradierte . Den Posten erhielt der Leningrader Kusnezow, ein Mann Shdanows. Abakumow freundete sich mit Kusnezow an. 2 Monate später holte Stalin Malenkow wieder nach Moskau und ernannte ihn zum Stellvertretenden Ministerpräsidenten, ohne ihn von nun an aus den Augen zu lassen. In dieser Zeit waren Berija und Malenkow „oft zusammen“, worüber Abakumow Stalin laufend in Kenntnis setzte (siehe Sudoplatow).

Es schälten sich zwei miteinander konkurrierende Fraktionen heraus, die Stalin im Gleichgewicht auseinander halten musste. Diese Entwicklung stand im Zusammenhang mit der notwendigen Auffrischung der alten Parteikader durch neue Kader. Die neue Kaderpolitik Stalins wurde von den parteifeindlichen Elementen ausgenutzt, um ihren Einfluss auf die Partei neu zu organisieren. Die westlichen Agenten hatten natürlich ein Interesse daran, sowohl die Widersprüche innerhalb der jungen als auch innerhalb der alten Kadergarde zu schüren, um damit die Widersprüche gegenüber Stalin zu verschärfen. Die US-Imperialisten bedienten sich sowohl der alten Garde als auch der jungen Garde, um sie gegen Stalin unter Druck zu setzen. In der Verschwörung von 1953 hielt die alte Garde still, so dass die Pläne der Imperialisten aufgingen und die westlich orientierte jüngere Garde die Führung übernahm.

Da war zunächst die Gruppe um Berija und Malenkow, die im staatlichen und wirtschaftlichen Sektor operierte und die uns reichlich bekannt ist. Dazu gehörten Perwuchin und Saburow, Judin und Suslow. Zu dieser Fraktion gesellte sich auch Chruschtschow, dessen Schwester mit Malenkow verheiratet war. Molotow gehörte schon früher dazu. (Molotow protegierte Malenkow schon vor dem Großen Vaterländischen Krieg). Judin war übrigens derjenige, der die Albaner nicht in die Kominform ließ und im Interesse Titos ihre Mitgliedschaft ablehnte. Klar, dass sich Enver Hoxha von Berija hintergangen fühlte, dessen Gruppe Judin angehörte. ( Dies noch mal zur Erinnerung an die Berijaner, die sich als „Hoxhaisten“ ausgeben!). Kann man denn an Judin besser entlarven, welche hinterhältige Rolle Malenkow in der Kominform tatsächlich gespielt hatte ?! Übrigens haben die Engländer nicht nur Tito auf die Albaner gehetzt. England forderte Molotow im Oktober 1944 auf, dem Beispiel Englands Folge zu leisten, die Regierung Enver Hoxhas völkerrechtlich nicht anzuerkennen – schöne „Alliierten“, die Engländer !!!! Aber auch die Amerikaner legten ihr Veto mehrmals in der UNO gegen Albanien ein – schöne „Alliierten“, die Amerikaner !!!. Stalin erkannte am 10. November 1945 die albanische Regierung an. Chruschtschow, der der „Leningrader Affäre“ seinen kometenhaften Aufstieg zu verdanken hatte, war es denn ja auch, der zusammen mit Berija, Malenkow und den anderen Revisionisten viel aggressiver gegen die Albaner nach Stalins Tod vorgingen als es die Engländer und Amerikaner jemals getan hatten. So erfüllte Molotow, der zu zum Kreis von Berija und Malenkow gehörte, den Auftrag der Engländer und Amerikaner, Enver Hoxha zu schaden und zu bekämpfen, nicht nur in Worten, sondern auch in Taten - wenn auch erst nach Stalins Tod !!

Der Revisionist Perwuchin schlug sich später von der Seite Berijas und Malenkows auf die Seite Chruschtschows. Er war 1958 Botschafter in der DDR, 1957-58 zuständig für ausländische Wirtschaftsbeziehungen, 1955-57 stellvertretender Vorsitzender des Ministerrats der UdSSR, 1952 – 1957 Mitglied des Präsidiums des ZK der KPdSU, 1950-55 stellvertretender Vorsitzender des Ministerrats der UdSSR, 1942 -50 Minister der chemischen Industrie der UdSSR und 1940 - 44 stellvertretender Vorsitzender des Rats der Volkskommissare, ab 1939 Mitglied des ZK der KPdSU (B).

Saburow war ein revisionistischer Technokratenhäuptling und seit 1938 ZK-Mitglied und Leiter für Maschinenbau der UdSSR, 1941-44 Vorsitzender des Gosplan (also von Wosnessenski durch Stalin zu Recht abgelöst!!!), 1941 – 43 stellvertretender Vorsitzender des Rats der Volkskommissare der UdSSR, 1944 – 46 Sonderbeauftragter des Staatskomitees für Verteidigung, 1946 – 1958 Deputierter des Obersten Sowjets, 1947 – 1953 stellvertretender Vorsitzender des Ministerrats der UdSSR, 1949 – 53 Vorsitzender des Gosplan (der blutverschmierte Posten des ermordeten Wosnessenski !!!), 1952 – 57 Mitglied des Präsidiums (- und damit Berijas und Malenkows Verschwörer gegen Stalin und danach Chruschtschows Verschwörer gegen Berija !!!), folglich 1953 von Chruschtschow zum Minister für Maschinenbau degradiert, aber dann als treuer Chruschtschowianer schnell wieder aufgestiegen zum stellvertretenden Ministerratsvorsitzenden der UdSSR ! Eine atemberaubende Revisionistenkarriere !! Auf dem XIX. Parteitag hielt Saburow das Referat „Zu den Richtlinien für den neuen Fünfjahrplan“. Am Schluss wird zwar von ihm angemerkt, dass Stalins Schrift: „Ökonomische Probleme des Sozialismus in der UdSSR“ veröffentlicht worden sei, aber die Schlussfolgerungen daraus, insbesondere Stalins Kritik an der staatlichen Plankommission, finden bei Saburow auf dem XIX. Parteitag keine Entsprechung. Wenn man also Wosnessinski kritisiert, darf man Saburow nicht ihm gegenüber in Schutz nehmen, darf man nicht die einen kritisieren, um die anderen zu decken. Man kann sich nicht unter das Schutzschild der einen Fraktion der restaurativen Kräfte stellen, um die anderen zu kritisieren, man darf das nur vom marxistisch-leninistischen Standpunkt aus tun. Und diesen Standpunkt vermissen wir bei Bill Bland. Wir haben hier nur ein paar Namen von Erzrevisionisten genannt, die die Leningrader ersetzten, um nach dem Tode Stalins mit noch höhere Posten belohnt zu werden.

Berija und Malenkow ersetzten die Leningrader Parteikader also nicht durch Marxisten-Leninisten, sondern durch Revisionisten aus ihrem eigenem revisionistischen Lager, Revisionisten, die nach dem Tod von Stalin auf führende Posten aufstiegen, um u.a. Marxisten-Leninisten zu ersetzen ! Hierzu schweigt des Sängers Höflichkeit.

Pjotr Popkow wurde als Mitglied des Präsidiums des Obersten Sowjet entfernt und von Malenkow durch Wassili Adrianow ersetzt, dem Henker Leningrads.

Iwan Goljakow wurde von seiner Position als Präsident des Obersten Gerichtshofes entbunden und durch Anatol Wolin abgelöst. Dieser Wolin wurde Chruschtschows Vorsitzender des Obersten Gerichts nach Stalins Tod und er wird so manchen Stalinisten auf seinem gewissen haben !!

Grigori Popow als Erster Sekretär der Moskauer Parteiorganisation und Sekretär des ZK der Partei wurde von Berija und Malenkow entlassen und Nikita Chruschtschow rückte als Nachfolger in beide Positionen ein.


Saburow war Leiter des Gosplan. Stalin ersetzte ihn durch Wosnessenski. Wosnessinski wäre nicht von Stalin auf den Posten des Gosplanleiters gesetzt worden, wenn dieser nicht gegen diesen üblen Revisionisten Saburow gekämpft hätte. Davon kann man mit einiger Sicherheit ausgehen. Man muss sich zum Beispiel wissenschaftlich mit den sich gegenseitig bekämpfenden ökonomischen Theorie-Ansätzen Wosnessinskis und Vargas genauer befassen, bevor man vorschnell urteilt. Unter uns Stalinisten gilt es als gesichert, dass Varga vom Marxismus-Leninismus abgewichen war. Die Entlarvung Vargas haben wir nicht zuletzt dem Genossen Wosnessinski zu verdanken – auch das steht fest. 1946 erschien Vargas Buch: „Die Veränderung der kapitalistischen Wirtschaft als Ergebnis des Zweiten Weltkrieges“, das im Gegensatz zu Wosnessinski die große Krise einfach „theoretisch“ aufhob, der nun der Imperialismus gesetzmäßig unausweichlich und unvermeidbar entgegengehen musste. Die marxistisch-leninistische Zusammenbruchtheorie war mit dem Zweiten Weltkrieg nicht aufgehoben. Stalin hat diese Position später in seinen „ökonomischen Problemen“ sehr gut dargestellt und natürlich verteidigt. Was Wosnessinski damals verteidigte, hat sich in der heutigen Weltkrise bewahrheitet, nämlich dass der Imperialismus seinem eigenen Untergang nicht entgehen kann. Die ökonomischen Lehren des Marxismus-Leninismus über den Imperialismus als sterbenden, parasitären und faulenden Kapitalismus bleiben also gültig nach dem Zweiten Weltkrieg – und zwar solange die Epoche des Imperialismus besteht. Das wurde nun von den Revisionisten „theoretisch widerlegt“. Klar, dass sich aus Vargas Schlussfolgerungen ganz andere weltpolitische Konsequenzen ergaben als aus den marxistisch-leninistischen Lehren über einen durch den Krieg wirtschaftlich geschwächten Imperialismus. Nie war der Weltimperialismus durch die Ökonomie des sozialistischen Weltlagers ökonomisch wackeliger als nach dem Zweiten Weltkrieg, also war er auch nie leichter vom Sockel zu stürzen, als eben zu jener Zeit. Diese Erkenntnis war für die sozialistische Weltrevolution natürlich nicht unerheblich, sondern von großer Bedeutung.

In der Periode des Zweiten Weltkrieges entwickelte sich die zweite Etappe der allgemeinen Krise, besonders nachdem die volksdemokratischen Länder in Europa und Asien vom kapitalistischen System abgefallen waren. Die erste Krise in der Periode des Ersten Weltkrieges und die zweite Krise in der Periode des Zweiten Weltkrieges dürfen nicht als gesonderte, voneinander losgelöste selbständige Krisen betrachtet werden, sondern als Entwicklungsetappen der allgemeinen Krise des kapitalistischen Weltsystems“ (Stalin, „Ökonomische Probleme...“, Seite 68, Moskau 1952, fremdsprachiger Verlag).

Und die heutige allgemeine Krise des kapitalistischen Weltsystems, die globale Krise des Kapitalismus, muss man als weitere und tiefere Entwicklungsetappe begreifen, deren ökonomische Wurzeln auf die vom Zweiten Weltkrieg geschaffenen Weltlage zurück gehen. Die Zersetzung des ökonomischen Weltsystems des Kapitalismus wurde zwar mit der Beseitigung der ökonomischen Macht des Sozialismus hinausgezögert , aber die dem Kapitalismus immanenten Eiterbeulen platzen jetzt um so gewaltiger im globalen Maßstab auf. Von Stalin wissen wir, dass die Unvermeidbarkeit der Wiederkehr und die jedesmalige Verschärfung der kapitalistischen Krisen nur zu beseitigen sind, wenn man das kapitalistische Weltsystem selbst revolutionär beseitigt. Erst im Weltsozialismus gibt es keine kapitalistischen Krisen mehr.

So versuchten die Revisionisten eben damals schon davon abzulenken und die Möglichkeiten des Sturzes des Weltimperialismus bewusst und „theoretisch“ zu „unterschätzen“, was natürlich ein Verbrechen an den Interessen des Weltproletariats darstellte. Varga vertrat auf ökonomischem Gebiet das, was Malenkow auf staatlicher Ebene mit dem Kurs der „friedlichen Koexistenz“ verband. Varga war Bucharinist, ein Rechter und am weitesten rechts war auch Berija und dann Malenkow. Inwieweit Wosnessinski eben diese Kritik an Vargas vom marxistisch-leninistischen Standpunkt aus kritisierte, oder ob er gar hinter der Kritik an Varga nur seine eigene revisionistische Positionen transportierte, das können wir hier – ehrlich gesagt - noch nicht klären und das muss also noch genauer untersucht werden. Wosnessinski hatte – und auf dieses Zitat wollen wir nicht verzichten - die Kraft der Sowjetunion Lenins und Stalins immerhin mit folgenden ausdrucksstarken Worten hervorgehoben:

Unsere bewaffnete Nation, im Besitz einer großen Produktionskapazität, hat den Zweiten Weltkrieg gewonnen, Russlands Großen Vaterländischen Krieg, und sie wird auch den 3. Weltkrieg gewinnen, den Heiligen Krieg gegen den sterbenden Kapitalismus!“

Jedenfalls ist sicher, dass Malenkow und Berija mit hinterhältigen Methoden gegen Wosnessinski gearbeitet hatten, nämlich hinter der Kritik an Wosnessinki ihre eigene revisionistische Wirtschaftspolitik zu verbergen. Nehmen wir den XIX. Parteitag, auf dem Malenkow seinen Rechenschaftsbericht hielt. Von dem Blutbad, das er in Leningrad angerichtet hatte, verlor er in seinem Rechenschaftsbericht auch nicht ein einziges Wort, welch ein Zynismus, welche Missachtung der bolschewistischen Rechenschaftspflicht gegenüber der Partei, gegenüber dem Parteitag ! Er berichtete nicht über Leningrad, weil er angesichts der Tatsachen dann als Angeklagter da stehen würde !

In seinem Rechenschaftsbericht schwächte Malenkow nämlich die Forderungen, die Stalin in den „ökonomischen Problemen“ aufgestellt hatte, ganz geschickt und kaum merklich ab, was schon an sich eine Sensation und vorher auf Parteitagen kaum denkbar gewesen wäre. Wenn Stalin davon sprach, dass die Zeit reif sei für den direkten Produktaustausch, zog Malenkow die Notbremse, dass man dabei „nicht voreilig“ und „nicht unbedacht“ vorgehen dürfe – wir wollen uns nicht wiederholen. Der Todestag von Stalin war auch der Todestag seiner „ökonomischen Probleme“ - von direktem Produktaustausch war in der UdSSR nie wieder etwas zu verlautbaren, geschweige denn auch nur der Versuch gemacht, diesen Schritt zum Kommunismus zu beschreiten. So sprach Malenkow ferner im Gegensatz zu seinen Taten unmittelbar nach Stalins Tod zwar vom Primat der Schwerindustrie, aber er fügte im Nebensatz hinzu, dass man auf dessen Grundlage die profitablere Bedarfsgüterindustrie ankurbeln müsse (siehe Malenkow, Rechenschaftsbericht, Seite 38).. Hatten die Shdanowleute noch die Zusammenbruchtheorie verteidigt, so tauchte sie in Malenkows Rechenschaftsbericht überhaupt nicht mehr auf. Diese ertränkte Malenkow im Blutbad der Leningrader. 1949 war noch das Buch von Wosnessinski über die Kriegswirtschaft als „subjektivistisch und voluntaristisch“ gegeißelt worden, aber darüber schwieg sich Malenkow im Rechenschaftsbericht aus, denn genau diesen Kurs wollte er ja als Kapitän steuern .

Dabei muss man auch auf die Zusammenarbeit von Malenkow und Vargas [sic !!] hinweisen, die sich „sehr nahe standen“, insbesondere im gemeinsamen Kampf gegen Wosnessinki. Man kann Wosnessenski also nicht als „lupenreinen Revisionisten“ in die Schublade stecken, wie es Bill Bland leider getan hat – im Gegensatz zu Stalin, der dies nicht getan hat und dafür bestimmt seine Grünbde hatte. Wosnessenski hatte sich sowohl im Krieg als auch in der Nachkriegszeit Verdienste erworben, die man nicht unter den Teppich kehren darf. Nicht den Malenkow, sondern den Wosnessinski hatte Stalin persönlich als Nachwuchskader in die Führungsspitze geholt. Das ist Fakt.

Die gegen Wosnessenskis Thesen gerichtete Kampagne fand nach Stalins Tod am 5. März 1953 ein jähes Ende. Was für ein Wunder, denn da brauchten sich Berija, Malenkow, Chruschtschow und die anderen Verschwörer nicht mehr hinter der Kritik an Wosnessinski zu verbergen, nicht mehr seinen Mord rechtfertigen, denn derjenige, dem gegenüber sie sich verborgen halten mussten, war durch sie aus dem Weg geräumt.

Stalin bekämpfte den „linken“ und rechten Opportunismus auf dem Gebiet der Planwirtschaft schon zu Lebzeiten Lenins und verteidigte dessen Prinzipien gegen die Trotzkisten. Was waren das für „links“- und rechtsopportunistische Abweichungen in der Frage der Planwirtschaft? Das waren auf der einen („linken“) Seite unrealistische Planungs“konzeptionen“ kleinbürgerlich-ökonomistischer Operationalisten, die von der Einheit von Parteidisziplin und Plandisziplin, von einer der Diktatur des Proletaiats verpflichteten wissenschaftlichen Kommission nichts wissen wollten und sich ins Partisanentum verstiegen. Auf der anderen (rechten) Seite waren das Planungsbürokraten mit ihrer Projektmacherei, die von der Sache keine Ahnung hatten, und mit ihrem Dirigismus und mit ihrem Administrieren die schöpferische Einheit von Wissenschaftlichkeit und Initiative der Arbeiter abtöteten. Planungsfragen lassen sich nur unter der Diktatur des Proletariats lösen. Die Planwirtschaft ist ein Zweig der politischen Ökonomie des Sozialismus, wo das Proletariat vermittels seiner Macht zunächst die bürgerlichen Wissenschaftler der Sache des Proletariats verpflichteten und diese entsprechend kontrollierten. Sie lernten von den bürgerlichen Wissenschaftlern, eigneten sich ihr Planwissen an, um diese entbehrlich zu machen. Kurz: Das Proletariat plant und lenkt die Wirtschaft aus eigener Kraft unter Führung der bolschewistischen Partei, indem sie ihre eigene Planungsintelligenz entwickelt. Dazu gehörte auch Wosnessenski. Die alte Losung der Beherrschung der Planwirtschaft muss ergänzt werden durch die neue Losung der Beherrschung des Bolschewismus. Das war die Generallinie Stalins.

Lenin kritisierte die „Linken“, dass sie die Bedeutung der Diktatur des Proletariats auf dem Gebiet der Ökonomie gering schätzten, ja sie nicht einmal erwähnten. Sie sprechen nur von „Organisiertheit“. Lenin fand es unverzeihlich, wenn ein Revolutionär sich beim Aufbau des Sozialismus nicht gegen die wirtschaftlichen Grundlagen des Kapitalismus richtet (siehe Lenin, Kinderkrankeit...). Das erkennt auch der Kleinbürger an, den gerade die Diktatur der Arbeiter in den ökonomischen Verhältnissen schreckt“ (Kuibyschew, „Ausgewählte Artikel und Reden, 1931-1934“, Dietz Verlag Berlin, 1953, Seite 122).Nur Vertreter kanzleimäßig-bürokratischer Planungsmethoden können die Ansicht vertreten, die Planung habe erst mit der Festsetzung der Kontrollziffern für 1925/26 begonnen“ (ebenda, Seite 123). Und Stalin kritisierte:

Das, was die Statistische Zentralverwaltung im Jahre 1926 als volkswirtschaftliche Bilanz veröffentlicht hat, ist keine Bilanz, sondern ein Spiel mit Zahlen. Auch die Art, wie Baserow und Groman das Problem der volkswirtschaftlichen Bilanz behandeln, taugt nichts. Das Schema für die volkswirtschaftliche Bilanz der UdSSR muss von revolutionären Marxisten ausgearbeitet werden, wenn sie überhaupt gewillt sind, sich mit den Fragen der Ökonomik der Übergangsperiode zu befassen.

Es wäre gut, wenn unsere marxistischen Ökonomen eine besondere Gruppe von Genossen bestimmten, die die Probleme der Ökonomik der Übergangsperiode in ihrer neuen Fragestellung entsprechend der jetzigen Entwicklungsetappe ausarbeiten sollten.“ (Stalin, Band 12, Seite 151/152).

Erinnern wir uns an den Kampf zwischen Trotzki und Stalin in der Frage der Staatlichen Plankommission - als der erste einheitliche Wirtschaftsplan der NÖP aufgestellt worden war – 1920 GOELRO-Plan. Lenin betonte, dass die Neue Ökonomische Politik den einheitlichen staatlichen Wirtschaftsplan nicht ändert und aus seinem Rahmen nicht heraustritt, sondern nur anders an seine Verwirklichung herangeht“ (Lenin, zitiert bei Kuibyschew, Seite 124).

Die Partei hat dieses Vermächtnis Lenins erfüllt. Unter der Führung des Genossen Stalin und gerade dank dieser Führung gestattete die Partei weder dem konterrevolutionären Trotzkismus noch dem rechten Opportunismus, den Leninschen Plan der Neuen Ökonomischen Politik durch einen Plan der Restauration des Kapitalismus zu ersetzen“ (ebenda, Seite 124).

Schon damals war der Fünfjahrplan für das gesamte internationale Proletariat von gewaltiger, von unermesslicher Bedeutung. Das hob Stalin selber hervor in seinem Bericht vom 7. Januar 1933 (siehe Stalin, „Die internationale Bedeutung des Fünfjahrplans, Band 13, Seite 145). Warum ? Die Erfolge des Fünfjahrplans mobilisieren die revolutionären Kräfte der Arbeiterklasse aller Länder gegen den Kapitalismus“ (ebenda, Seite 154). Stalin stellte fest, dass die Erfolge des Fünfjahrplans die ganze Welt in zwei Lager spaltete,in das Lager der proletarischen Revolution und in das Lager ihrer Gegner“ (ebenda, Seite 145). Das ist eine sehr bezeichnende Äußerung hinsichtlich des Lagers der Weltrevolution, insbesondere wenn man sie mit gewissen rechten Leningrader Wirtschaftskadern vergleicht. Es ist letztendlich die ökonomische Kraft des Weltproletariats, die die Menschen davon überzeugt, sich unter seine Führung gegen den Weltkapitalismus zu stellen. Wenn schon der erste Fünfjahrplan des ersten sozialistischen Landes gigantische und unermessliche Bedeutung für die Weltrevolution hat, welche Bedeutung müssen dann die wirtschaftlichen Weltpläne eines Weltproletariats an der Macht haben ? Der Stalinismus lehrt uns, diese Bedeutung für die heutige Weltrevolution nicht nur theoretisch zu untermauern, sondern auch propagandistisch mit ökonomischen Fakten auszunutzen, um das Weltproletariat und seine Bündnispartner zu überzeugen. Die zukünftige Bedeutung globaler Planwirtschaft muss als revolutionärer Hebel in allen Ländern der Welt angewandt werden. Wer im Zeitalter der Globalisierung von einer Rückkehr zur Sowjetökonomie, zur Ökonomie unter den Bedingungen der ersten Periode des Sozialismus redet, der versteht nichts, rein gar nichts von unserer weltsozialistischen Ökonomie in jedem Land der Welt, von unserer sozialistischen Weltökonomie. Die Vereinigung der Proletarier aller Länder und die Vereinigung der Länder durch das Weltproletariat - macht keinen Sinn, wenn sich das Proletariat nicht darüber bewusst ist, über welches gigantisches und unermessliches Welteigentum an den Produktionsmitteln es verfügt, und welche Bedeutung ihre Vergesellschaftung für die Zukunft der gesamten Menschheit hat. Der Akt der revolutionären Befreiung der Welt vom Kapitalismus beginnt erst dadurch, dass die Welt von sich Besitz ergreift, für das eigene Leben produziert und nicht für den Profit dahin siechen muss.

So wie der Fünfjahrplan Stalins ein Instrument war, um die Sowjetunion zu einem vom Weltkapitalismus unabhängigen und starken Land zu machen, so ist die sozialistische Planwirtschaft im Weltmaßstab ein Instrument, die ganze Welt von den üblen Launen, von den Eiterbeulen, von den Lasten des Weltkapitalismus zu befreien und eine klassenlose Weltgesellschaft aufzubauen, in der die Restauration des Weltkapitalismus unmöglich gemacht wird. 1933 hatte Genosse Stalin in seinem Bericht auch von der Notwendigkeit des regen Warenumsatzes, von der Entfaltung des Sowjethandels gesprochen und dies auch korrekt begründet. Er richtete sich mit den Worten an seine Gegner: Wer nach alledem von einer Rückkehr zum Handel des ersten Stadiums der NÖP redet, der versteht nichts, rein gar nichts von unserer Sowjetökonomik“ (ebenda, Seite 183).

Zwischen 1933 und 1953 hatte die UdSSR einen ungeheuren wirtschaftlichen Aufschwung erlebt, war die Sowjetgesellschaft reif, einen Schritt weiter zu gehen und den Übergang zum Kommunismus in Angriff zu nehmen. Das erforderte ein wirtschaftliches Umdenken, das erforderte, sich aus den gewohnten Gleisen frei zu machen, sich ins kommunistische Neuland der Wirtschaft zu begeben, neue Herausforderungen und Risiken einzugehen, neue Probleme politisch zu überwinden usw. usf.

Der Fehler gewisser Leningrader Genossen war es, dass sie aus dem bereits erreichten äußerst erfolgreichen sozialistischen Wirtschaftssystem eine heilige Kuh machten, die man nur immer noch mehr melken müsse. War es zu seiner Zeit unvermeidlich, Warenproduktion, materiellen Anreiz usw. zu fördern, so kann das nicht für ewige Zeiten gültig sein und man kann kein kommunistische Wirtschaftssystem aufbauen, wenn man sich nicht von alten, lieb gewonnenen Wirtschaftsinstrumenten trennen kann und diese mit hinüber zu retten versucht. Wenn man nicht Altes abwirft, kann man nicht zu neuen Ufern vorstoßen, sondern bricht auf halbem Wege unter den Altlasten zusammen.

Wosnessinski hatte viel zur Stärkung der Kriegswirtschaft der UdSSR beigetragen und nahm auch in der Wiederaufbauphase der Nachkriegswirtschaft eine führende Rolle ein. Genadi Iwanowitsch Smirnow war vom Februar – September 1937 GOSPLAN-Vorsitzender. Wosnessinski löste ihn ab und war 1938 – 1941 im Gosplan tätig. Saburow von der Berija-Malenkow-Fraktion wurde von 1941-1942 GOSPLAN-Vorsitzender. Der Posten des GOSPLAN-Vorsitzenden wechselte also immer hin und her zwischen den beiden Fraktionen und das beweist, dass es zwischen ihnen jahrelang heiß her gegangen sein musste. Wosnessinski verteidigte diesen Posten dann für einen längeren Zeitraum 1942 – 1949, was darauf hindeutete, dass die Shdanowgruppe für einen ziemlich langen Zeitraum gegenüber der Berija-Malenkowgruppe dominant waren und Berija und Malenkow darauf hin mit dem schweren Geschütz der „Leningrader Verschwörung“ aufgefahren waren, um die Shdanowgruppe vom Sockel zu stürzen und weg zu säubern. Nach Wosnessinskis Erschießung durch Malenkow und Berija konnte Saburow wieder auf diesen Posten getrost zurückkehren, den er dann auch bis 1953 inne hatte. Ausgerechnet als Stalin starb, nahm Kosjachenko diesen Platz ein und zwar bis zum 29. Juni 1953. Das deutet auf eine Platzierung hin, die Berija kraft seiner Machtfülle in diesem Zeitraum vorgenommen haben konnte. Denn kaum war Berija weg vom Fenster, tauchte Saburow erneut auf diesem Posten auf - und zwar 1953-1955. Also ein Mann Malenkows. Nachdem Chruschtschow Malenkow entmachtet hatte, kletterte N.K. Baibakow auf diesen Stuhl – also ein Chruschtschowianer (1955-1958). Wie man sieht, war die Restauration des Kapitalismus alles andere als ein einheitliches, geradliniges Unterfangen. Dieser Weg war mit viel Blut gepflastert und muss historisch noch viel genauer unter die Lupe genommen werden, bis wir alles richtig begriffen haben.



Zu der zweiten Gruppe, die Berija und Malenkow später als „Leningrader Clique“ diffamierte , gehörten Wosnessenski, der erste Stellvertreter Stalins und Leiter von GOSPLAN, Shdanow, Zweiter Sekretär und Leiter für Ideologie, Kusnezow, der für Personal zuständige Sekretär des ZK, Rodjonow, Ministerpräsident der Russischen Föderation, sowie Kossygin, Stellvertretender Ministerpräsident (Leichtindustrie und Finanzen).

Kossygin ist als Leningrader Erzrevisionist allen bekannt: seit 1939 Mitglied des ZK der KPdSU (B), 1940 – 46 stellvertretender Vorsitzender des Rats der Volkskommissare der UdSSR, 1946 – 53 stellvertretender Vorsitzender des Ministerrats der UdSSR, 1946 Kandidat des Politbüros des ZK der KPdSU (B), 1948 – 52 Mitglied des Politbüros des ZK der KPdSU (B), 1948 Finanzminister, 1948 – 53 Minister der Leichtindustrie, 1952 – 53 Kandidat des Präsidiums des ZK der KPdSU, 1952 Mitglied des ZK der KPdSU, 1953 Minister für Leicht- und Lebensmittelindustrie, 1953 - 56 stellvertretender Vorsitzender des Ministerrats der UdSSR, 1956 – 57 Mitglied des Präsidiums des ZK der UdSSR, 1956 – 57 Minister der UdSSR usw. usf. - also hat den Absprung von Leningrad nach Moskau glücklich geschafft und sich bei Chruschtschow hoch gedient. Die weitere Laufbahn als einer der führendsten modernen Revisionisten der Sowjetunion ist bekannt. Er ist einer der wenigen Überlebenden der Leningrader Säuberungen Malenkows und Berijas und der einzige, der als Leningrader in das Moskauer Führungszentrum aufgenommen wurde.

Die zweite Gruppe nominierte ihre Leute als Sekretär der Bezirksparteiorganisationen. Ihr Mann Popow wurde ins Politbüro aufgenommen. Shdanow regte ihn an, Einfluss auf Regierungsminister zu gewinnen, indem er sie ins Moskauer Parteikomitee wählen ließ. Shdanow und Kusnezow strebten an, in zweifacher Hinsicht – durch Popow und durch das ZK – Kontrolle über diese Männer zu gewinnen. Damit rüttelte Shdanow an Berijas und Malenkows Stuhl, so dass diesen drohte, ihr Gleichgewicht zu verlieren. Auf diese Weise konnten Minister der Regierung, also Kabinettsmitglieder, politisch tätig werden, ohne dass sich Berija, Perwuchin usw. einmischen konnten. Diese Gruppe griff also die Gruppe Berija und Malenkow an. Mikojan wurde auch in die Leningrader Affäre hineingezogen, da einer seiner Söhne mit Kusnezows Tochter verheiratet war (siehe Sudoplatow).

Als Shdanow 1948 beseitigt war, wollte Popow die Minister als Parteimitglieder den Moskauer Parteikomitees unterstellen, worin Berija und Malenkow wieder eine ihrer „Verschwörungen“ sah: „unabhängiges Machtzentrum in der Moskauer Parteiorganisation“. Malenkow intervenierte bei Stalin. Chruschtschow – bis dahin Chef der Ukraine – sympathisierte mit Berijas und Malenkows Gruppe. Auf Shdanows Drängen wurde Chruschtschow und Malenkow degradiert von Stalin. 1946 wurde Chruschtschow zurückgestuft auf den Ministerpräsidentenposten der Ukraine.

Warum hatte Stalin Shdanow nicht erlaubt, Malenkow völlig auszuschalten, als dieser wegen der Korruption im Luftfahrtministerium degradiert wurde. Wir wissen es nicht genau, aber vermuten, dass Stalin über die Abweichungen Shdanows nicht erfreut gewesen sein konnte. Man kann diese Widersprüche zwischen Stalin und Shdanow nicht allein an dem Disput über Lysenko festmachen. Das konnte nicht mehr als ein Auslöser gewesen sein. Bezüglich des Meinungsstreits über die Auffassungen des Biologen Lysenkos hatte Shdanow wohl die besseren Argumente als Stalin. Stalin erkannte zwar den Nutzen, den Lysenko in der Landwirtschaft während des Krieges bei der Nahrungsversorgung gehabt hatte, aber Malenkow nutzte dies aus, um Stalin gegen Shdanow aufzubringen. Stalin schien also Gründe dafür gehabt zu haben, warum er Malenkow zurück holte, um das Gleichgewicht der Kräfte wieder herzustellen. In seiner Position wieder gestärkt, nutzte Malenkow eiskalt seine Chance. Er holte erbarmungslos zum Gegenschlag aus. Das gesamte Politbüro, einschließlich Stalin, Malenkow, Chruschtschow und Berija verabschiedeten einstimmig eine Resolution, durch die Abakumow angewiesen wurde, die Leningrader Gruppe zu verhaften. Stalin hatte zunächst die Verhaftung Wosnessinskis verweigert. Er ließ sich aber dann doch noch zur Zustimmung durch Berija und Malenkows Manöverei überreden, obwohl er Zweifel hegte. Dafür war es aber zu spät, denn Berija und Malenkow hatten sich beeilt, vollendete Tatsachen zu schaffen, bevor es sich Stalin wieder anders überlegte. Das letzte Wort ist also über Wosnessinski noch längst nicht gefallen. Es kam immer öfter vor, dass Stalin gegenüber dem stereotypen Argument vom „belastenden Material“, mit dem ihn Berija und Malenkow überhäuften, wachsendes Misstrauen hegte. Er soll ihnen deswegen immer häufiger zur Antwort gegeben haben: Ja, das belastende Material ist mir bekannt, aber euch glauben wir in diesem Fall nicht !“ Stalin hatte seine eigenen Leute, die in der Leningrader Angelegenheit unabhängig von Malenkow ermittelten und daher Malenkows tollwütiges Treiben in Leningrad auf die Schliche kamen, so dass Stalin gewarnt war und entsprechend handeln konnte.

Chruschtschow schrieb in seinen Memoiren, dass Abakumow die Sache ins Rollen gebracht habe, in Wirklichkeit war es das gesamte Politbüro, das Berija und Malenkow manipuliert hatten. Mit dem Fall Leningrad wurden die Konkurrenten von Malenkow und Berija endlich verurteilt und erschossen. Dadurch war aber wieder die Macht der Berija/Malenkowgruppe (mit Chruschtschow) gefährlich gewachsen, die Stalin schließlich nicht mehr unter Kontrolle kriegte, obwohl er diese Gruppe kurz vor seinem Tod schwer bekämpfte – und zwar so stark, dass diese Gruppe um den Mord an Stalin nicht mehr herum kam. Kusnezow (Leningradgruppe Shdanows) wurde wegen angeblichen „Wahlbetrugs“ verhaftet. Das Todesurteil der Angeklagten war schon drei Wochen vor [ sic !! ] dem Leningrader Gerichtshof unterschrieben (siehe Sudoplatow). Auch Sudoplatow hielt die Vorwürfe gegen die Leningrader Gruppe für erfunden („Malenkow, Berija und Chruschtschow hatten ein offensichtliches Motiv für die Ausschaltung der Leningrader Gruppe – die Mehrung der eigenen Macht. Sie befürchteten, die jungen Leningrader würden nach Stalins Tod dessen Nachfolge antreten“, Sudoplatow Seite 371).


Bill Bland bringt die Leningrader Gruppe in Zusammenhang mit dem Besuch einer jugoslawischen Delegation in der Sowjetunion, die von Milowan Djilas, einem Erz-Antikommunisten Jugoslawiens, geleitet worden war. Verlautbarungen der Leningrader haben wir dazu nicht gefunden, und den von Djilas beschriebenen ach so freundschaftlichen Empfang seitens der Leningrader können wir daher nicht bestätigen. Im Gegenteil, aus dem Brief des ZK der KPdSU (B) an die KP Jugoslawiens vom 4. Mai 1948 geht bei Bill Blands Zitat hervor:Genosse Djilas hat es unterlassen, sich bei diesen Funktionären der UdSSR [in Leningrad – Anmerkung der Redaktion] zu informieren; er holte dies jedoch bei den örtlichen Funktionären der Leningrader Organisationen nach.“ (ZK der KPdSU, Brief an das ZK der Kommunistischen Partei Jugoslawiens vom 4. Mai 1948, in: 'Der Briefwechsel zwischen dem ZK der KPJ und dem ZK der KPdSU', Belgrad 1948, S. 52).

Wir haben dieses Zitat übrigens sorgfältig mit unserem Band 17 der Stalinwerke, KPD/ML , Hamburg 1971, Seite 411 verglichen und mussten feststellen, dass davon überhaupt nichts geschrieben steht, was Bill Bland zitiert hat. Zum Vergleich also das Zitat aus unseren Stalinwerken:


Anlässlich seiner letzten Reise nach der Sowjetunion fuhr der Genosse Djilas nach einem Moskauer Aufenthalt für einige Tage nach Leningrad, um sich dort mit Sowjetgenossen zu unterhalten. Wir haben von Djilas nicht verlangt, er solle uns über seine Besprechungen mit den Organisationen von Leningrad Rechenschaft ablegen. Wir nehmen an, dass er dort nicht Auskünfte für den anglo-amerikanischen oder französischen Nachrichtendienst sammelte, wohl aber für die leitenden Organe Jugoslawiens.“



Und hier noch einmal das vollständige Zitat von Bill Bland zum Vergleich:


"Aus Anlass seines letzten Besuchs in der UdSSR begab sich Genosse Djilas nach einem kurzen Aufenthalt in Moskau für einige Tage nach Leningrad, wo er sich mit den sowjetischen Genossen ... unterhielt. Genosse Djilas hat es unterlassen, sich bei diesen (führenden - Verf.) Funktionären der UdSSR zu informieren; er holte dies jedoch bei den örtlichen Funktionären der Leningrader Organisationen nach.


Was hat Genosse Djilas dort unternommen? Welche Informationen beschaffte er sich? ... Wir gehen einmal davon aus, dass er sich nicht Informationen für die anglo-amerikanischen oder französischen Dienste besorgt hat." (ZK der KPdSU, Brief an das ZK der Kommunistischen Partei Jugoslawiens vom 4. Mai 1948, in: 'Der Briefwechsel zwischen dem ZK der KPJ und dem ZK der KPdSU', Belgrad 1948, S. 52).


Offensichtlich stimmt unsere Quelle, die wir aus der Sowjetunion haben und die Quelle, die Bill Bland aus Jugoslawien hat, nicht überein. Wir unterlassen es hier tunlichst, darüber zu spekulieren, aber fordern den Leser auf, sich seine eigene Meinung darüber zu bilden. Für uns sieht es ganz danach aus, als wenn Chruschtschow hier den Brief gefälscht haben könnte und nicht Tito. In der Belgrader Version des Briefes wird nämlich deutlich, dass Stalin Djilas kritisiert hatte, weil dieser sich nicht bei den führenden (also Shdanow) , sondern bei den örtlichen Funktionären Leningrads informiert habe. Wer könnte ein Interesse an der Fälschung des Schreibens von Stalin haben ? Doch wohl eher Chruschtschow, der seine Macht schließlich dem Mord an Shdanows verdankte und diesen auch in vielen anderen Dokumenten später absichtlich nicht mehr erwähnte, es sei denn im Zusammenhang mit dem angeblichen „Personenkult“, unter dessen Einfluss Shdanow nach Auffassung der modernen Revisionisten gestanden haben soll.


Stalin hatte sein erstes Schreiben am 27. März 1948 abgeschickt, in dem er die prinzipiellen Fehler des ZK der KP Jugoslawiens dargelegt hatte. Das zweite Schreiben ist dies vom 4. Mai 1948 und dann folgte vor dem Ausschluss Jugoslawiens aus der Kominform noch das letzte Schreiben, also das dritte Schreiben vom 22. Mai 1948.


Wir kritisieren, dass Bill Bland – wie bei der Mingrelischen Verschwörung schon bereits kritisiert - eine Menge hochkarätiger bürgerlicher, anti-stalinistischer Lakaien zitiert, um seine Thesen zu belegen. Das ist nicht nur eine stilistische Frage, sondern gibt auch Aufschluss über die Motive, gerade die reaktionärsten Quellen heranzuziehen. Wir sind mit Äußerungen seitens dieser Antikommunisten äußerst vorsichtig und misstrauisch. Das zum Einen.

Inhaltlich weist Bill Bland darauf hin, dass 4 Monate später Jugoslawien aus der Kominform ausgeschlossen wurde. Was bedeutet das ? Das bedeutet, dass die Resolution im Juni 1948 von der Kominform beschlossen worden war , also vorher auch schon im Mai von ZK und Politbüro abgesegnet war. Nun war es aber der Genosse Shdanow, der diese Resolution mit Stalin in diesen Gremien ausgearbeitet hatte. Shdanow wurde erst am 31. August ermordet !


Es war zwei Monate, bevor die sowjetische Regierung ihre militärischen und zivilen Berater aus Jugoslawien abzog und vier Monate, bevor die Kommunistische Partei Jugoslawiens aus dem Kominformbüro ausgeschlossen wurde.

Die Bourgeoisie in der UdSSR bildete sich also nicht geradlinig heraus, sondern entwickelte sich im harten Klassenkampf auf ziemlichen Zick-Zack-Wegen. Es kam zu verschiedentlichen Fraktionskämpfen im bürgerlichen Lager, die um die Vormachtstellung kämpften und sich dabei erheblich schwächten. Die Revisionisten befanden sich also nicht nur in Widerspruch zur Generallinie Stalins, sondern bekämpften sich auch untereinander. Das ist eigentlich die wesentliche Erkenntnis, die widerlegt, dass es sich hier um einen vereinfachten Kampf zwischen Stalin und dem vermeintlich geschlossenen Lager der Revisionisten gehandelt habe. Das revisionistische Lager war nicht einheitlich und eben das ermöglichte es Stalin, sie bis zu seinem Tod unter Kontrolle zu halten.



Die Bourgeoisie der alten kapitalistischen Gesellschaft bildete sich mit der Revolution zur Beseitigung der Feudalgesellschaft heraus.

Die Bourgeoisie der restaurierten kapitalistischen Gesellschaft bildete sich hingegen in der Konterrevolution zur Beseitigung der sozialistischen Gesellschaft heraus.

Wie konnte dies in einer sozialistischen Gesellschaft geschehen, wo doch die alten Überreste der Bourgeoisie bereits vollständig zerschlagen und beseitigt waren ?

Schließlich verfügte die sowjetische Wirtschaft über mehr als ausreichend Natur- und Bodenschätze. Sie verfügte über die Staatsmacht, um die Produktion in den Händen und zum Wohl der Sowjetgesellschaft zu nutzen. Und die Wirtschaft konnte sich vor allem rasch entwickeln, weil die Millionenmassen der Arbeiter und Bauern sie enthusiastisch aufbauten. Schließlich hatte die sozialistische Wirtschaft den Vorteil, sich weitestgehend ohne direkten Einfluss der negativen Begleiterscheinungen und unheilbaren Krankheiten des Kapitalismus zu entfalten. Es wurde die neueste Technik eingesetzt, um riesige Großbetriebe geradezu aus dem Boden zu stampfen, was eine beispiellose Arbeitsproduktivität ermöglichte. Vor allem gab es die bolschewistische Partei, die auf dem Gebiet der politischen Ökonomie richtungsweisend voran marschierte und der Wirtschaft ihren sicheren revolutionären Kurs wies, indem sie konterrevolutionäre Einflussnahmen auf die Wirtschaft aufdeckte und zerschlug.

Unter den Bedingungen des Sozialismus „in einem“ Land kann sich aber die Wirtschaft nicht so entwickeln wie es im Sozialismus normalerweise „wünschenswert“ gewesen wäre. Die sowjetische Wirtschaft stand unter dem drohenden, permanenten Einfluss des Weltkapitals und der Kampf gegen die Restauration des Kapitalismus erforderte zusätzliche übermenschliche Kräfte und große Opfer. „Den Kapitalismus einholen und überholen“ – das war Lenins Losung, von deren Erfüllung die Existenz des Sozialismus abhing. Das drückte der Sowjetunion, dem ersten sozialistischen Land der Welt den charakteristischen Stempel auf, das machte sie ebenso stark wie verletzlich. Als erste sozialistische Wirtschaft der Welt konnte diese auf keinerlei Erfahrung zurückgreifen, waren entsprechende Fehler beim Aufbau der Wirtschaft unvermeidlich. Die konterrevolutionären Kräfte haben das natürlich unter Anleitung des Auslands auszunutzen gewusst und erschwerten es den Arbeitern und Bauern dadurch, die Fehler aus eigener Kraft zu überwinden. Stalin sagte, dass ...

... solange die kapitalistische Umkreisung besteht, auch die Gefahr der Intervention seitens der kapitalistischen Länder bestehen muss und dass, solange eine solche Gefahr besteht, auch die Gefahr der Restauration, die Gefahr der Wiederherstellung der kapitalistischen Ordnung in unserem Lande bestehen muss“ (Stalin, Band 7, Seite 101).


...Generallinie, die davon ausgeht, dass wir alle Kräfte aufbieten müssen, um unser Land zu einem wirtschaftlich selbständigen, unabhängigen, auf dem inneren Markt basierenden Land zu machen, zu einem Land, das als Anziehungsfeld für alle anderen Länder dient, die nach und nach vom Kapitalismus abfallen und in die Bahnen der sozialistischen Wirtschaft einlenken werden. Diese Linie erfordert maximale Entfaltung unserer Industrie; jedoch nach Maßgabe und im Einklang mit den Hilfsquellen, die uns zur Verfügung stehen. Sie lehnt die Politik der Verwandlung unseres Landes in ein Anhängsel des kapitalistischen Weltsystems entschieden ab. Das ist unsere Aufbaulinie, die die Partei einhält und die sie auch künftig einhalten wird. Diese Linie ist unerlässlich, solange es eine kapitalistische Umkreisung gibt“ (Stalin, Band 7, Seite 260).

Hier hebt Stalin noch einmal die weltrevolutionäre Bedeutung der sowjetischen Wirtschaft hervor. Er spricht von ihrem Anziehungsfeld für alle Länder, die nach und nach vom Kapitalismus abfallen und in die Bahnen der sozialistischen Wirtschaft einlenken werden. Diese Wahrheit, die Stalin lange vor dem Großen Vaterländischen Krieg“ ausgesprochen hatte, erfüllte sich nicht nur nach seinem Sieg, sondern sie hat auch heute aktuelle Bedeutung – mitten in der größten Krise des Weltkapitalismus seit seinem Bestehen.

Stalin sprach davon, dass es uns noch an der Fähigkeit mangelt, die vorhandenen Möglichkeiten auszunutzen. Und die Weltkrise bietet reichlich Möglichkeiten, die das Weltproletariat ausnutzen kann und wird, wenn es seine eigene revolutionäre Initiative entwickelt. Es bieten sich gerade jetzt dem Weltproletariat Möglichkeiten, die Produktionsmittel der Welt in die eigene Hand zu nehmen und die Weltproduktion, die Leitung aller Werke, Fabriken, Bergwerke, Erdöl- und Erdgasfelder usw. aus eigener Kraft zu bewältigen. Es stehen genug Wirtschaftler, Techniker, Ingenieure usw. zur Verfügung, die dem Weltproletariat bei der Inangriffnahme dieser gigantischen Aufgabe behilflich sein würden.

Doch kommen wir auf die Leningrader Prozesse zurück. Stehen sie in einer Reihe mit dem Prozess gegen die „Industriepartei“ in den 30er Jahren ? In gewisser Weise schon, denn es ging um die Abwehr kapitalistischer Wirtschaftsmethoden, um die Zerschlagung kapitalistischer Wurzeln. Die „Industriepartei“ wurde mit dem Prozess vom 25.11 – 7.12. 1930 vernichtet. Bei der alten „Industriepartei“ handelte es sich noch um konterrevolutionäre Elemente aus der Oberschicht der alten bürgerlich-technischen Intelligenz, die die Rolle einer Spionage- und Militäragentur des internationalen Kapitals in der Sowjetunion einnahm. Sie stand mit weißen Emigranten – den führenden Großkapitalisten des zaristischen Russlands – in Verbindung und bereiteten auf direkte Anweisung des französischen Generalstabs eine militärische Intervention der Imperialisten zum Sturz der Sowjetmacht vor. Von den ausländischen Imperialisten erhielten die Schädlinge Direktiven und Mittel zur Durchführung ihrer Spionage – und Diversionstätigkeit in den verschiedenen Zweigen der Volkswirtschaft der UdSSR.

Aber in Leningrad herrschten nicht mehr die gleichen Bedingungen. Dort entwickelte sich Anzeichen des kapitalistischen Wirtschaftens bereits aus der nach dem Krieg neu herangewachsenen Wirtschaftskader-Generation. Inzwischen war die sowjetische Wirtschaft „stark“ genug, um aus sich selbst Kräfte nach oben zu schwemmen, die eine eigene Oberschicht der technischen Intelligenz bildeten, die eben nicht aus der alten Oberschicht hervorging, sondern aus der sozialistischen Gesellschaft selbst. Und mit dieser neuen Oberschicht war es für das ausländische Kapital möglich, viel größeren Einfluss auf die sowjetische Wirtschaft zu nehmen als es die alte Oberschicht jemals vermocht hätte. Es ist anzunehmen, dass die neue Oberschicht aus der Sowjetgesellschaft ihre eigenen Beziehungen zum Westen aufgebaut hatte. Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass Berija und Malenkow diese Kontakte zum Westen und den Emigranten herstellten und die Leningrader vor ihren Karren spannen wollten. Die werden sich dagegen aufgelehnt haben, denn Shdanow war ein treuer Verfechter des Kampfes gegen den Westen, während Malenkow und Berija mit ihm kooperierten.

Was macht der Kapitalismus, nachdem der Sozialismus sein Todesurteil über ihn gefällt und ihn vernichtet hat, wenn er im Sozialismus untergegangen ist ? Aus der alten Feudalordnung kann der Kapitalismus nicht wieder neu geboren werden. Der restaurierte Kapitalismus entsteht also nicht mehr so urwüchsig und anarchisch aus den ökonomischen Verhältnissen der alten Feudalordnung des 18. und 19. Jahrhunderts. Man kann die alten ökonomischen Verhältnisse des Zarenreiches nicht mehr wieder herstellen, da sie aus einer Gesellschaftsordnung entstanden waren, die sich überlebt hatte.

Der restaurierte Kapitalismus ist so zu sagen der einzige Kapitalismus auf der Welt, der nur aus dem Sozialismus entstehen konnte. Was setzt das voraus ? Das setzt voraus die Kenntnis und Beherrschung der ökonomischen Gesetze des Sozialismus, das setzt voraus, dass man den wirtschaftlichen Aufbau des Sozialismus bereits gemeistert haben muss. Die Restauration des Kapitalismus ist also eine historische Periode, wonach die neuen Gesetze des Kapitalismus den alten Gesetzen des Sozialismus in einem bewusst gelenkten Akt Platz machen. Aber die ökonomischen Gesetze des Sozialismus werden nicht aufgehoben, sondern verlieren erst allmählich ihre Kraft gegenüber den neuen kapitalistischen Verhältnissen. Die Gesetze der Restauration des Kapitalismus sind objektive Gesetze, die man nicht willkürlich in Kraft setzen kann. Die Revisionisten hoben also die ökonomischen Gesetze des Sozialismus nicht auf, sondern wandten die ökonomischen Gesetze des Kapitalismus sachkundig an, weil sich die neue Bourgeoisie die Freiheit nahm, ihre Notwendigkeit zum Existieren einzusehen. Nur eine Klasse, die sowohl über die Kenntnisse der sozialistischen als auch über die Kenntnisse der kapitalistischen ökonomischen Gesetze verfügt, ist in der Lage und fähig , den Kapitalismus zu restaurieren. Um mit den Worten von Engels zu sprechen, wurden die ökonomischen Gesetzmäßigkeiten des Kapitalismus von der neuen Bourgeoisie beherrscht, indem diese sie in voller Sachkenntnis so anwendeten, dass sie sie als ökonomische Gesetzmäßigkeiten des Sozialismus ausgeben konnten, das heißt, sie in sozialistische Wirtschaftsformeln zu hüllen. Sagen wir es in ganz einfachen Worten einmal so: Stalins Schrift: „Die ökonomischen Probleme des Sozialismus in der UdSSR“ verwandelten die Revisionisten in „Die ökonomischen Probleme der Restauration des Kapitalismus in der UdSSR“.

Die Restauration versetzte sich also nicht in einen langen Winterschlaf, in der Hoffnung, die Wiederauferstehung des alten Kapitalismus zu zelebrieren, wenn der sozialistische Sturm über ihn hinweggebraust und von alleine verschwunden wäre. Nicht Wiederauferstehungsträume, sondern allmählich veränderte ökonomische Verhältnisse erwecken den Kapitalismus zum Leben. Die Ausbeutung politischer Erfolge mit dem sozialistischen Aufschwung der UdSSR hieß nichts Anderes als auf dem Weg der Reformen langsam kommunistische Produktionsverhältnisse zu schaffen, die dem Charakter der voll ausgereiften Produktivkräfte entsprachen. Diese sozialistischen Wirtschaftsreformen dienten den Rechten dazu, ihre „Wirtschaftsreformen“ der Restauration des Kapitalismus zu verhüllen. Im Sozialismus war das Kapital dazu verdammt, zunächst in den Köpfen rückschrittlicher Menschen zu überleben, bevor es sich praktisch materialisieren ließ.

Hier stoßen wir auf die reaktionäre Rolle des Kleinbürgertums, die aus sich heraus unentwegt Kapitalismus produziert wie es Lenin beschrieb. Die Bourgeoisie war durch die Expropriation realtiv schnell zu beseitigen, aber Millionen von Kleinbürger kann man nicht so ohne Weiteres beseitigen wie die Bourgeoisie. Ihre Überreste bleiben also noch viel länger ein praktisch zu lösendes Problem für den Sozialismus. Lenin sprach nicht umsonst vom Kleinbürgertum als die letzte kapitalistische Klasse“, dem tiefsten Grundpfeiler des Kapitalismus“ (Lenin Band 32, Seite 508). Und dieser tiefste Grundpfeiler war noch nicht vollständig beseitigt, sondern nährte den Gedanken an der Restauration des Kapitalismus, in dem das Kleinbürgertum noch eine Überlebenschance sah, denn beim Aufbau des Kommunismus wäre die Überlebenschance des Kleinbürgertums dahin geschmolzen. Deswegen verstärkte das Kleinbürgertum seine Aktivitäten im gleichen Maße, wie es seinem Untergang im Kommunismus entgegensah. Je weiter das kommunistische Proletariat seine Macht entwickelt, desto schlimmer wird die Lage der Kleinbürger.

Im Gegensatz zur Bourgeoisie hatte die Kleinbourgeoisie im zaristischen Russland eine größere Rolle als im Westen gespielt, insbesondere der Einfluss der Landbevölkerung auf die Bevölkerung der großen Städte und Industriezentren. Mit dem Kleinbürgertum in der UdSSR war es also viel schwieriger fertig zu werden als dies im Westen der Fall gewesen wäre. Man kann die Frage der Restauration des Kapitalismus in der UdSSR also nicht beantworten, ohne die Entwicklung des Kleinbürgertums in der Sowjetunion unter die Lupe zu nehmen. Wir wollen aber vorher noch einmal die historische Klassenfrage des Kleinbürgertums grundsätzlich aufrollen und ziehen hierzu kurz Engels zu Rate:

Die Kleinbürgerschaft ist nächst den Bauern die miserabelste Klasse, die zu irgendeiner Zeit in die Geschichte hinein gepfuscht hat“ (Engels, „Der Status quo in Deutschland“; MEW, Band 4, Seite 47/48). Und dass sie auch in die Geschichte des Sozialismus mit ihrer typischen Trägheitskraft „hinein gepfuscht“ hat, kann nicht bezweifelt werden. Engels fährt fort:Mit ihren kleinlichen Lokalinteressen brachte sie es in ihrer glorreichsten Zeit, im späten Mittelalter, nur zu lokalen Organisationen, lokalen Kämpfen und lokalen Fortschritten, zu einer geduldeten Existenz neben dem Adel, nirgends zur allgemeinen, politischen Herrschaft. Mit dem Entstehen der Bourgeoisie verliert sie selbst den Schein historischer Initiative. Zwischen Adel und Bourgeoisie eingeklemmt, von dem politischen Übergewicht der ersteren, von der Konkurrenz der schweren Kapitalien der zweiten gleich gedrückt, teilt sie sich in zwei Fraktionen. Die eine, die der reicheren und großstädtischen Kleinbürger, schließt sich der revolutionären Bourgeoisie mit mehr oder weniger Zaghaftigkeit an, die andre, die sich aus den ärmeren Bürgern, besonders der Landstädtchen, rekrutiert, klammert sich an das Bestehende und unterstützt den Adel mit dem ganzen Gewicht ihrer Trägheitskraft. Je weiter die Bourgeoisie sich entwickelt, desto schlimmer wird die Lage der Kleinbürger. Allmählich sieht auch die zweite Fraktion ein, dass bei den bestehenden Verhältnissen ihr Ruin sicher ist, während sie unter der Herrschaft der Bourgeoisie neben der Wahrscheinlichkeit des gleichen Ruins wenigstens die Möglichkeit genießt, zur Bourgeoisie zu avancieren. Je sicherer ihr Ruin wird, desto mehr stellt sie sich unter die Fahnen der Bourgeoisie. Kaum ist die Bourgeoisie zur Herrschaft gekommen, so spalten sich die Kleinbürger wieder. Jeder Fraktion der Bourgeoisie liefert sie Rekruten und bildet außerdem zwischen der Bourgeoisie und dem nun mit seinen Interessen und Forderungen hervortretenden Proletariat eine Kette von mehr oder weniger radikalen politischen und sozialistischen Sekten (...) Je schärfer die Bourgeoisie mit dem schweren Geschütz ihrer Kapitalien, mit den geschlossenen Kolonnen ihrer Aktiengesellschaften auf diese undisziplinierten und schlecht bewehrten Kleinbürgerschwärme eindringt, desto rastloser werden sie, desto unordentlicher wird ihre Flucht, bis ihnen kein anderer Rettungsweg übrig bleibt, als sich entweder hinter den langen Linien des Proletariats zu sammeln und seine Fahnen sich anzuschließen – oder sich der Bourgeoisie auf Gnade und Ungnade zu ergeben.“

Im Gegensatz zur Bourgeoisie in der bürgerlichen Gesellschaft, hob das Proletariat in der sozialistischen Gesellschaft mit größter Opferbereitschaft seiner eigenen Klasse die Not der großen Masse des Volkes auf und beseitigte die antagonistischen Klassenwidersprüche, durch die das Kleinbürgertum im Kapitalismus „eingeklemmt“ war, wie Engels es formulierte. Im Sozialismus in „einem“ Land repräsentiert das Kleinbürgertum lokale, national beschränkte Interessen, die herrschende Arbeiterklasse aber die universellen, internationalistischen Interessen, die weit über den beschränkten Tellerrand des Kleinbürgertums hinausragen. Mit dem Verschwinden der Bourgeoisie verschwand auch die letzte Hoffnung der Kleinbourgeoisie, die alte Gesellschaft wieder herzustellen und ergab sich auf Gnade und Ungnade dem Proletariat, um unter seiner Herrschaft nach Möglichkeiten der Befriedigung ihrer Interessen zu suchen. Als es mit dem Wohlstand in der sozialistischen Gesellschaft allmählich bergauf ging, kam es auch hier wieder zu der von Engels gekennzeichneten Fraktionierung der kleinbürgerlichen Elemente. Dabei stellt sich die Mehrheit auf die Seite des herrschenden Proletariats, ging in ihm auf, während sich eine Minderheit konservativ verhielt, weil ihr das Proletariat mit dem fortgeschrittenen Sozialismus nicht mehr solche Konzessionen machte wie noch in der NÖP-Zeit. So bildete sie insbesondere mit der neu entstandenen Arbeiteraristokratie bzw. Arbeiterbürokratie ein Bündnis, um schließlich mit ihr zusammen als dritte Klasse gegenüber Bauern und Arbeitern hervorzutreten und für die Bürokratisierung, das heißt Entwaffnung der proletarischen Organe der sozialistischen Gesellschaft zu sorgen. Das war die neue sowjetische Bourgeoisie – entstanden aus den Oberschichten der neuen Arbeiterbürokratie, der Arbeiteraristokratie und dem Kleinbürgertum. Während sich das Kleinbürgertum mehr auf das Schwanken verstand und es als einzelne Kraft nicht die Restauration des Kapitalismus anführen konnte – schließlich braucht sie dazu die Bourgeoisie, der sie dient -, bedurfte es einer anderen neuen Schicht, die in der Lage war, das kapitalistische Wirtschaften anzukurbeln. Dies geschah am Anfang nicht legal, sondern illegal an den Augen der Arbeiter und ihrer Partei vorbei. Über die kapitalistischen Erscheinungen der Bestechung und Korruption und des „in-die eigene-Tasche-Wirtschaftens“ müssen wir hier nicht extra eingehen, sie sind einschlägig belegt – zum Beispiel durch die Schachty-Schädlinge im Donezbecken 1928.

Sie standen in enger Verbindung mit den ehemaligen Besitzern der Betriebe, russischen und ausländischen Kapitalisten, sowie mit der ausländischen Militärspionage. Sie setzten sich das Ziel, die Entwicklung der sozialistischen Industrie zu hintertreiben und die Wiederherstellung des Kapitalismus in der Sowjetunion zu erleichtern“ (Geschichte der KPdSU (B) – Kurzer Lehrgang“, Seite 364/365).

Stalin kurbelte daraufhin eine Kampagne zur Ausbildung der Arbeiter an, um die Produktionsleitungsposten zu besetzen. Dafür schuf er ihnen materielle Anreize und beseitigte die „linke“ Gleichmacherei des zu geringen Lohngefälles zwischen hoch- und niedrig qualifizierten Arbeitskräften. Um die Arbeiter auf höhere Posten zu stellen, wurden ihnen in einem solchen Umfang Privilegien gewährt, dass die rechten Abweichler in der Wirtschaft unter dem Deckmantel des „Kampfes gegen die Gleichmacherei“ Korruption und Bestechung organisierten und somit eine neue kleine Schicht von privilegierten Arbeitern heranzüchteten, die sich bald nicht mehr wesentlich von der alten Arbeiteraristokratie unterschieden. Übereinstimmend mit der Kritik der Albaner halten wir das damalige Lohngefälle in der Sowjetunion für überzogen und sehen darin mit eine der Ursachen für Fehlentwicklungen der Wirtschaft, die die Restauration des Kapitalismus begünstigten.

Was die Beseitigung der Überreste der Bourgeoisie anbelangte, so darf man nicht den Fehler machen und diese erfreuliche und befreiende Tasache verabsolutieren. Die bürgerlichen Überreste konnten nur relativ beseitigt werden. Denn: Vergessen dürfen wir einen wichtigen Faktor nicht, dass nämlich der größte Teil dieser Überreste weiter existierte – und zwar im Ausland. Und diese Überreste ließen sich vom Boden der UdSSR aus natürlich nicht beseitigen, denn sie waren mit allen Fäden an das Weltkapital geknüpft. Sie begnügten sich schließlich nicht mehr damit, Sand ins Getriebe der sozialistischen Industrie zu streuen, um die Wirtschaft zu schwächen, sondern planten natürlich, Profit bringenden Einfluss auf sie zu nehmen, zum Beispiel den Betrieben illegale Wirtschaftsverbindungen zum Ausland zu verschaffen und kapitalistische, betriebswirtschaftliche Formeln in den Betrieben einzuführen. Mit der Zerschlagung der Diktatur des Proletariats im Jahre 1953 wurde dann auch „von oben“ sowohl den ausländischen „Überresten“ der russischen Bourgeoisie die Tür in die UdSSR wieder geöffnet als auch den rehabilitierten bürgerlichen Elementen die Gefängnistore aufgeschlossen, so dass die Restauration des Kapitalismus ganz offiziell fortgesetzt werden konnte, was sich in den entsprechenden Beschlüssen des XX. Parteitag widerspiegelt.

Diese, mit ausländischer Hilfe, neu geschaffene bürgerliche Klasse „nahm“ so zusagen unmerklich eine zeitlang „friedlich“ an der Arbeitermacht „teil“. Die friedliche Koexistenz mit dem Kapitalismus begann also nicht erst mit dem ausländischen Kapitalismus, sondern mitten den neuen kapitalistischen Elementen im eigenen Land. Das wurde in der „Leningrader Verschwörung“ mehr als deutlich. Die Betriebe waren in den Händen der Arbeiter, aber in ihrer Führung machten sich technokratische und bürokratische Wirtschaftler breit, die Lücken und Schwächen der Produktion für sich geschickt ausnutzen konnten. Mit Hilfe eben dieser Bürokratisierung der Machtorgane des Proletariats konnte diese dritte, neu entstandene Klasse ihre eigenen, kapitalistischen Klasseninteressen gegenüber den Arbeitern und Bauern immer mehr ausbauen, erhielten sie einen Freiraum nach dem anderen. Gingen sie zu weit, wurden sie wieder eingedämmt, um von neuem ein weiteres Stück Freiheit zu erobern. Zwischen den Arbeitern und Bauern einerseits und der aufstrebenden bürokratischen Klasse trat jene Konkurrenz der gesellschaftlichen und intellektuellen Bildung ein, die der politischen Herrschaft dieser dritten Klasse voraus ging und die wie jede andere Konkurrenz mit dem Sieg der Restauration des Kapitalismus endete. Die Ökonomie des modernen Revisionismus haben wir ausführlich dargestellt in unserem Artikel

50 Jahre Kampf gegen den Revisionismus“

, weswegen wir hier nur in ein paar kurzen Absätzen darauf eingehen können, um das Interesse des Lesers an diesem Artikel zu wecken:

Der Marxismus-Leninismus ist die einzige Theorie, die auf wissenschaftlichen Grundlagen den Verfall der ökonomischen Gesellschaftsformation des Sozialismus, die Gesamtheit seines Fäulnisprozesses und alle die ihm innewohnenden Gesetzmäßigkeiten und Widersprüche erforschen, aufzeigen, erklären und deuten kann.

Das ökonomische Grundgesetz der Restauration des Kapitalismus ist das dialektische Bewegungsgesetz von der Umwandlung der sozialistischen in die kapitalistische Produktionsweise, insbesondere die Verwandlung der sozialistischen Produktionsverhältnisse in kapitalistische Produktionsverhältnisse vermittels der Macht des Monopols des Staates der neuen Bourgeoisie. Der Parasitismus ist charakteristisch für jeden imperialistischen Staat, insbesondere auch für den sozialimperialistischen Staat ( Ausplünderung anderer Völker und Päppelung der sozialistischen Arbeiteraristokratie als soziale Stütze gegen die Arbeiterklasse und die werktätigen Massen – Förderung des Fäulnisprozesses in der sozialistischen Arbeiterklasse), der nicht aus dem Kapitalismus, sondern aus dem Sozialismus entstanden ist. Dieser schränkt das Wirken des ökonomischen Grundgesetzes des Sozialismus immer mehr ein, sanktioniert es, erstickt es, so dass es nicht mehr die Kraft zum Atmen und Gedeihen hat und sich in Fäulnis zersetzt, während gleichzeitig das ökonomische Grundgesetz des monopolistischen Kapitalismus, die Erzielung von Höchstprofiten aktiviert und in den Vordergrund gerückt wird, sich dabei der sozialistischen Errungenschaften bedient, um als kapitalistischer Parasit im sozialistischen Organismus zu gedeihen. Der sozialistische Fäulnisprozess wird erzeugt durch das Staatsmonopol der Bourgeoisie über die Produktionsmittel. Indem die neue Bourgeoisie der sozialistischen Gesellschaft das Volkseigentum raubt, werden die neuen kapitalistischen Produktionsverhältnisse zum Hemmschuh der Produktivkräfte des Sozialismus und verurteilen diese zum Dahinvegetieren und schließlich zum Verfaulen, zur Verelendung der Arbeiterklasse und der werktätigen Massen. Mit der vollständigen Wiederherstellung der kapitalistischen Produktion stirbt die sozialistische Produktion schließlich vollständig ab. Damit stirbt auch die nicht-antagonistische sozialistische Klassengesellschaft, macht sie der antagonistischen Klassengesellschaft des Kapitalismus wieder Platz.

Die neue Bourgeoisie des Revisionismus an der Macht stützt sich auf die Erkenntnis und Erfahrung im Umgang mit dem Grundgesetz der sozialistischen Ökonomie, versteht es, diesem eine rückwirkende Richtung zu geben, seine Wirkungssphäre zu beschränken, es zu verletzen, um es zu entkräften und seine Prozesse zu stören und den zum Durchbruch drängenden kapitalistischen Gesetzen immer mehr Bewegungsfreiheit zu verschaffen, ohne sie dabei willkürlich aufheben oder ersetzen zu können. All das setzt voraus, dass die Überreste der Wirkungen des ökonomischen Grundgesetzes des Kapitalismus noch nicht vollkommen überwunden und noch nicht beseitigt sind. Das ist sogar die Grundvoraussetzung dafür, dass sich das kapitalistische Grundgesetz der Ökonomie wieder regenerieren kann.

Die Warenproduktion und das Wertgesetz und die ihnen innewohnenden Gefahren der Restauration des Kapitalismus werden erhalten bleiben, wenn die kapitalistische Umkreisung eines sozialistischen Staates nicht beseitigt wird. Die Warenproduktion und das Wertgesetz und die ihnen innewohnenden Gefahren der Restauration des Kapitalismus werden nicht erhalten bleiben, sondern absterben, wenn die kapitalistische Umkreisung beseitigt, wenn sie durch eine sozialistische Umwelt abgelöst wird. Die Ablösung der kapitalistischen Umkreisung durch eine sozialistische Umwelt aber ist nicht anders möglich und verwirklichbar als durch die sozialistische Weltrevolution des Weltproletariats unter der Führung der Kommunistischen Internationale.“ (Auszug aus dem Artikel: „50 Jahre Kampf gegen den modernen Revisionismus“).

In diesem Zusammenhang ist uns nur wichtig, herauszuarbeiten, dass in der „Leningrader Verschwörung“ antagonistische Klassenwidersprüche von zwei bürgerlichen Fraktionen zum Ausdruck kamen. Und eben auf die gegensätzliche Interessen dieser beiden Fraktionen hinzuweisen, das ist die Grundlage für die marxistisch-leninistische Beurteilung dessen, was damals in Leningrad geschah. Mit der Bürokratie wurden die Arbeiter und Bauern schließlich regiert und die technokratische Oberschicht in Leningrad mit ihrem Drang zur freien kapitalistischen Entfaltung in die Schranken gewiesen, die sich von der bürokratischen Fessel der staatskapitalistischen Linie Berijas und Malenkows befreien wollte.

Die Bürokratie, die den Kleinbürgern Bedürfnis ist, wird aber den Bourgeois sehr bald zur unerträglichen Fessel“ (Engels, ebenda, Seite 53).

Hier kommen wir also auf die sozialistische Arbeiteraristokratie in der Sowjetunion zu sprechen, die immer mehr Gefallen am kapitalistischen Wirtschaften fand und nun mit der Bürokratie in Konflikt gerät, nachdem diese mit den Bestechungsgeldern der neuen Fabrikanten und Direktoren nicht mehr zufrieden ist und immer noch mehr von ihnen verlangt. Warum die in Leningrad erwirtschafteten Profite an die Gauner Malenkow und Berija abführen, wenn man sie für sich behalten kann ? Je stärker die Arbeiteraristokratie auf das Wirtschaftsleben des Landes Einfluss nimmt, sich Privilegien verschafft und so zu sagen „an der Bürokratie vorbei“ Privilegien anhäuft, desto aktiver beginnt die Bürokratie, die Arbeiteraristokratie zu schikanieren, desto übermütiger wird sie, ließ sie Blut fließen. Und das haben Berija und Malenkow mit den Leningrader Prozessen durchgezogen, indem sie die führenden Leningrader Wirtschaftskader beseitigten und sie durch Bürokraten und Technokraten aus dem eigenen Lager ersetzten, zum Beispiel Saburow.

Engels schreibt: Die Bourgeoisie ist also genötigt, die Macht dieser übermütigen und schikanensüchtigen Bürokratie zu brechen. Von dem Augenblick an, da die Staatsverwaltung und Gesetzgebung unter die Kontrolle der Bourgeoisie gerät, fällt die Selbständigkeit der Bürokratie zusammen; ja von diesem Augenblick an verwandeln sich die Plagegeister der Bourgeois in ihre untertänigen Knechte. Die bisherigen Reglements und Reskripte, die nur dazu dienten, den Beamten die Arbeit auf Unkosten der industriellen Bourgeois zu erleichtern, machen neuen Reglements Platz, wodurch den Industriellen die Arbeit auf Unkosten der Beamten erleichtert wird“ (Engels, ebenda, Seite 54).

Als der Putsch von 1953 beendet war mit der Niederlage Stalins und der Diktatur des Proletariats, da standen Malenkow und Berija an der Spitze des bürokratischen Machtapparats des Staates. Alles sah so aus, als würden sie nun die Wirtschaft kräftig ans Gängelband nehmen und schröpfen können, um ihre staatskapitalistischen Träume zu verwirklichen. Die Frage stand, wer wird regieren, der Staat über die Partei oder die Partei über den Staat ? Die vom Schlag der Staatsbürokratie wieder erstarkte Oberschicht der Wirtschaft brach schließlich deren Allmacht , indem Chruschtschow sich auf die Partei stützte, die über die Produktion herrschende Oberschicht der Wirtschaft viel engere Bindung zur Arbeiterklasse hatte als die Bürokraten, die sowohl den neuen Fabrikdirektoren als auch ihren Arbeitern das Leben so sauer gemacht hatten. Berija wurde beseitigt und Malenkow vom Thron geholt, auf dem nun Chruschtschow Platz nahm, um die Arbeiter mit dem „Gulaschkommunismus“ zu belohnen, weil sie dazu beigetragen hatten, dem Terror der berijanischen Staatsbürokratie in die Schranken zu weisen, damit sich der Kapitalismus ungehindert entfalten konnte. So rehabilitierte er die Leningrader Gruppe, die er einst selber mit abgesägt hatte. Mit dem Staatskapitalismus aber war die Restauration des Kapitalismus noch nicht vollzogen. Jetzt musste das ganze Staatssystem an die wirtschaftlichen Erfordernisse des Kapitalismus angepasst werden, damit sich dieser erst richtig frei entfalten konnte. Der Kleinbürger konnte mit dem bürokratischen Machtapparat leben, aber die Wirtschaftler, die neuen bourgeoisen Elemente der kommunistischen Oberschicht, den Führern der Arbeiteraristokratie, konnten das natürlich nicht. Lesen wir dazu abschließend noch einmal Engels:

Kurz, wenn der Kleinbürger sich damit begnügen konnte, dem Adel [Würdenträger und Adel der kommunistischen Wirtschaftselite – Anmerkung der Redaktion] und der Bürokratie seine träge Masse entgegenzusetzen, sich durch sein Beharrungsvermögen einen Einfluss auf die öffentliche Macht zu sichern, so kann der Bourgeois dies nicht. Er muss seine Klasse zur herrschenden, sein Interesse zum Entscheidenden machen in Gesetzgebung, Verwaltung, Justiz, Besteuerung und auswärtiger Politik. Die Bourgeoisie muss sich vollständig entwickeln, ihre Kapitalien täglich vermehren, die Produktionskosten ihrer Waren täglich erniedrigen, ihre Handelsverbindungen, ihre Märkte täglich ausdehnen, ihre Kommunikationen täglich verbessern, um nicht zu Grunde zu gehen. Die Konkurrenz auf dem Weltmarkt treibt sie dazu. Und um sich frei und vollständig entwickeln zu können, bedarf sie eben der politischen Herrschaft, der Unterordnung aller anderen Interessen unter das Ihrige“ (Engels, ebenda, Seite 56).

Während das Volk in endlosem Trauerzug von Stalin Abschied nahm, vergnügte sich die neue Bourgeoisie im Moskauer Opernhaus, wo gerade Boris Gudonow aufgeführt wurde. Beim Tod von Boris hielt es diese neue Crème der russischen Mafia nicht mehr auf den Sitzplätzen und sie spendeten frenetischen Applaus.

Fortsetzung Teil 8