Teil 5

III. Kapitel

Über den Stalinismus

und die nationale Frage



Wir können hier nur mit dem Material von historischen Dokumenten arbeiten, die uns bislang vorliegen. Dies müssen vermutlich ganze Bände sein, während wir nur über wenig Einzelinformationen verfügen. Unser spärliches Material reicht bei Weitem nicht aus, um ein umfassend wahrheitsgetreues, abschließendes Urteil über die Mingrelische Verschwörung zu fällen. Dies behalten wir uns natürlich vor. Uns fehlen sowohl die Dokumente aus dem Transkaukasus, insbesondere von der Kommunistischen Partei Georgiens, als auch die dazu benötigten Dokumente von der KPdSU (B), sowie die Akten der amerikanischen und britischen Geheimdienste, sowie Dokumente über die georgischen Emigrantenkreise. Wir haben uns trotzdem entschlossen, mit einiger Sicherheit eine grobe Einschätzung – wohlgemerkt unter Vorbehalt – vorzunehmen. Nachdem, was wir alles an belastenden Fakten über Berija herausgefunden haben, gehen wir eher davon aus, dass sich bei weiterer Aufklärungsarbeit unsere vorläufige Einschätzung mehr als bestätigen wird. Wir können auf Grund der dargestellten Sachlage Fehleinschätzungen nicht ausschließen. Wir verpflichten uns, sie selbstkritisch zu korrigieren und bitten insbesondere alle Genossen um Unterstützung und Verständnis. Den Berijanern hingegen sei hier deutlich gesagt, dass sie weder Grund zur Schadenfreude haben werden, noch dass wir etwa vorhaben, Berija in der Mingrelischen Verschwörung als „Marxisten-Leninisten“ zu rehabilitieren - angeblich aus „Mängel an Beweisen“. Wir hätten uns noch weitere erhärtende Beweise gewünscht. Aber gemessen an dem, was wir an belastendem Material gefunden haben, gibt es weder einen Zweifel an Berijas Verantwortung an der Mingrelischen Verschwörung, noch einen Zweifel darüber, das die Berijaner dieses Verbrechen nicht nur gedeckt haben und weiter decken, sondern auch die Mingrelische Verschwörung Stalin anlasten. Die Einschätzung des Genossen Bill Bland ist uns nicht nur bekannt, sondern sie ist zum Studium auf unseren Internetseiten veröffentlicht, auch – und gerade weil wir zu gegenteiligen Ergebnissen gekommen sind als er.

Die Mingrelische Verschwörung kam nicht aus heiterem Himmel, sie hat eine lange Vorgeschichte. Über die besonderen Bedingungen in Transkaukasien / Georgien haben wir in unserem ersten und zweiten Teil unseres Artikels bereits etwas zur Erhellung beizutragen versucht.

Hier kommt nun auch die Person Berijas in der Vorgeschichte seiner Mingrelischen Verschwörung zum ersten Mal zum Vorschein. Danach befassen wir uns direkt mit den Ereignissen in Mingrelien und verfolgen deren Spuren weiter nach Stalins Tod. Wie bei allen Verbrechen Berijas, kommt sein wahres Gesicht im Kaukasus erst richtig nach Stalins Tod ans Tageslicht, weil er dort seine Taten danach nicht mehr verbergen brauchte. Und nach Berijas Tod verweilen wir noch einmal mit Chruschtschow in Georgien, um die Darstellung des Zusammenhangs zwischen Mingrelischer Verschwörung und der Verschwörung von 1953 abzurunden.

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Zur historischen Vorgeschichte der Mingrelischen Verschwörung Berijas

Deckname von Berija war „Pawel“.

Berija war von 1934 – 1953 Mitglied der KPdSU (B). 1918 war Berija in Baku Spitzel in der mussawatistischen Polizei und „bot“ von dort aus den Bolschewiki seine Dienste „an“. 1919, zur Zeit des Bürgerkriegs, war Berija Agent des Aseri, des nationalistischen aserbaidshanischen Geheimdienstes gewesen. Als Agent dieser Bolschewikengegner hätte er in Baku heimlich Kontakt mit dem britischen Geheimdienst aufgenommen, der ihn als Geheimagent bei den Bolschewiki einschleuste. Laut Anklageschrift hatte Berija sämtliche Zeugen seiner verräterischen Aktionen während des Bürgerkriegs im Kaukasus umgebracht. Und dieser Linie blieb er bis zu seiner eigenen Erschießung „treu“. Spirkin hatte Berija 1934 beschuldigt, 1918 ein britischer Spion gewesen zu sein. Der Revisionist Mikojan schleuste Berija bei Stalin ein, der dann einschritt und Spirkin wurde von Berija beseitigt. Und dieser Mikojan war es auch, der seinen Kumpanen Berija bei dessen Verhandlung im Jahre 1953 als einziger Revisionist verteidigte. Wie sehr sich Mikojan und Berija einig waren bezüglich des sozialfaschistischen NKWD-Staates, beweist Mikojans Festrede aus Anlass des 20. Jahrestages des NKWD, die den Titel trug: Jeder Sowjetbürger – ein Mitarbeiter des NKWD.“ Die Ursprünge des sozialfaschistischen DDR-Staates lassen sich also auf das Jahr 1937 zurückverfolgen.

Wer noch über Berijas „Vergangenheit“ Bescheid wusste – also wie Berija damals „zu den Bolschewiki gekommen war“, , war der Konsomolführer und das Mitglied des Org-Büros Kossarew. Berija intrigierte gegen ihn und dieser verlor nicht nur seinen Posten, sondern auch seinen Kopf. Wenn Berija ins gleiche Horn wie Trotzki bläst mit der alt bekannten Verleumdunggoldene Jugend des russischen Thermidors“ (Trotzki, “Über Stalin“, Band 2, Seite 215) so wissen wir, was wir von Berijas blutigen Intrigen zu halten haben. Berija klagte Kossarow eines angeblichen „Komplotts“ mit Jeschow an. So löste Berija Jeschow als Volkskommissar für Inneres am 8. Dezember 1938 ab, der am 10. April 1939 erschossen wurde. Nach der jüdischen NKWD-Generation vor Jeschow folgte nun die georgische Generation Berijas mit Kobulow, Goglidse, Dekanosow, Zamara, Gwischian.

Ende August 1924 liquidierte Stalin den von georgischen Menschewisten und bürgerlichen Nationalisten inszenierten konterrevolutionären Aufstand in Georgien, der von der II. Internationale und von Agenten der Imperialisten direkt unterstützt wurde. Damit war beabsichtigt, Misstrauen zwischen Partei und parteilosen Bauern zu schüren, die Partei von den Massen zu isolieren und den Zusammenschluss von Arbeitern und Bauern in sein Gegenteil zu verkehren. Dazu Stalin: Das, was in Georgien passiert ist, kann sich in ganz Russland wiederholen“ (Stalin, Band 6, Seite 276). Dieses konterrevolutionäre Scheinmanöver der Menschewisten und Nationalisten entsprach ganz der Methodik Berijas in der Mingrelischen Verschwörung, nämlich Georgien gegen Moskau aufzubringen und die Einheit zwischen der KP Georgiens und der KPdSU (B) zu untergraben durch eben solches Schüren von Misstrauen und Unzufriedenheit, wobei sich Berija in Georgien als Vorkämpfer gegen den „Großmacht-Chauvinismus Stalins“ aufspielte - mit seinen Menschewisten und Nationalisten, mit den ausländischen Imperialisten, als Verbündete. Wir bestreiten nicht, dass Berija in Georgien einige Schüsse gegen die Menschewisten abgefeuert hat, aber nicht aus Liebe zu den Bolschewiki, sondern um den Menschewismus zu retten, mit dessen Ideologie die alte Bourgeoisie Georgiens das georgische Volk ausgesaugt und beraubt hatte und mit dem das Joch des Kommunismus“ in Georgien wieder abgeschüttelt werden sollte. Berija war in Worten ein „Bolschewik“, um auf diese Weise den Menschewismus zu restaurieren – eine andere Alternative hatte er nicht, denn Stalin hatte den Menschewismus in Georgien vernichtend geschlagen, so dass sich dieser dort nicht mehr offen zeigen konnte.

1922 war Subow damit beauftragt worden, heimliche Verbindungen zwischen rebellischen georgischen Menschewiki und ihren Agenten in der Türkei zu überwachen. Berija hatte damit Zugang zu menschewistischen Verbindungen im Ausland. Durch die Arbeit bei Subow gelangte Berija in die GPU und wurde deren Leiter im Kaukasus. Von 1921 bis 1931 war er schon im Staatssicherheitsdienst tätig, zunächst als stellvertretender Vorsitzender der Tscheka von Aserbaidshan, dann in Tiflis; anschließend wurde er Vorsitzender der GPU von Georgien, stellvertretender Vorsitzender und schließlich Vorsitzender der GPU des gesamten Kaukasus. 1931 zum Generalsekretär ernannt, avancierte er 1932 zum Generalsekretär der Partei von ganz Transkaukasien. Die Transkaukasische Föderation wurde im Jahre 1936 aufgelöst. Ihr Weiterbestehen hätte eine spätere Eskalation durch die Mingrelische Verschwörung vielleicht nicht verhindert, aber alle Mal erschwert. Jedenfalls verlaufen die Hintergründe für die Auflösung der Föderation im Dunkeln, denn Stalin und Lenin hatten bei ihrer Gründung gewusst, warum sie diese für unverzichtbar hielten !! Stalin hatte hervorgehoben, dass die benachteiligten Staaten des Transkaukasus durch die Föderation mehr Schutz erhalten. Warum richtete Berija dann ausgerechnet in diesen benachteiligten Staaten Blutbäder an ? Noch vor der Auflösung der Föderation erschoss Berija Agassi Chandschkan, den 1. Sekretär des ZK der KP Armeniens, in dessen Arbeitszimmer. Im Herbst 1937 kamen drei Verschwörer von 1953, Berija, Malenkow und Mikojan, nach Armenien, um dort zu säubern, was für den neuen 1. Sekretär des ZK der KP Armeniens, A. Amatuni und für viele andere verhängnisvolle Folgen hatte.

Berijas Geschichte der Bolschewiki im Transkaukasus“ erschien 1949, worin er seinen eigenen Personenkult vorbereitete. Das Buch hatte er von jemand anderem für sich schreiben lassen. Bereits ein Jahr später ging Stalin gegen dessen Mingrelische Verschwörung vor. Stalin war mit dieser Personenkult-Geschichte ganz und gar nicht einverstanden und das Verhältnis zu Berija kühlte sich weiter ab. Von 1936 bis 1946 war Berija Volkskommissar (Minister) für Innere Angelegenheiten und Staatssicherheit – abgelöst wurde er von Abakumow. Am 31. 1. 1941 Ernennung Berijas zum Generalkommissar für Staatssicherheit und Stellvertreter des Präsidenten des Sowjets der Volkskommissare. Während des Krieges gehörte er dem Staatskomitee für Verteidigung an. Berija wurde im Dezember 1945 von seinen Pflichten als Kommissar für Innere Angelegenheiten entbunden. Das Amt hatte er seit 1938 innegehabt ( außer der Atomkommission). Berija war 1946 - in der zweiten Hälfte der 40er Jahre - Stellvertretender Ministerpräsident und Mitglied des Politbüros und nach der Ermordung Stalins war er am Ziel - der größte, gefürchtetste und gefährlichste Konterrevolutionär an der Spitze der UdSSR.

Berija verlangte mit Unterstützung Molotows, die erste Säuberungswelle in den 30er Jahren einzustellen (!), da die Aktion „jeden politischen Charakter verloren“ habe und sich „das verbitterte Volk irgendwann gegen das Politbüro und Stalin richten“ würde. Berija stellte auch gleich eine Rehabilitierungsliste für Stalin zusammen. Erst nach Stalins Tod sollte sich herausstellen, dass Berija damit in Wirklichkeit der Absicht gefolgt war, die Sowjetfeinde zu beschützen - und nicht etwa das Volk „würde seine Verbitterung gegenüber Politbüro und Stalin zum Ausdruck bringen“, sondern die von Berija freigelassenen politischen Verbrecher. Immer wenn Führungswechsel anstanden, wurde so ein Ausschuss benannt, um Kritik und Selbstkritik zu mobilisieren, bevor die neuen Führer ihr Amt übernahmen. Dazu gehörte Stalins Kritik an Merkulow (ein Mann Berijas!), dass er die Verfahren gegen die Trotzkisten unerlaubter Weise eingestellt (!) hatte. Dadurch kamen auch die alten NKWD-Offiziere Sudoplatow und Eitingon in Schwierigkeiten, die Erfüllungsgehilfen Berijas.

Berija brachte seinen Merkulow aus dem Kaukasus mit. Dieser war 1921 Mitarbeiter der dortigen OGPU. 1931-1934 war er Mitarbeiter Berijas in der Hauptverwaltung des Staatssicherheitsdienstes (GUGB) in der Transkaukasischen SFSR. 1938 stieg er zum Stellvertreter Berijas auf im NKWD, wo er bis 1941 tätig war. Danach wurde er Leiter des neu gegründeten NKGB. Nach der Umbenennung des NKGB in MGB leitete er bis Oktober 1946 den Nachrichtendienst. Kaum war Stalin tot, ernannte ihn Berija im April 1953 zum Minister für Staatskontrolle. Im September 1953 wurde Merkulow von Chruschtschow verhaftet und am 23. Dezember 1953 erschossen. Merkulow unterstützte den Personenkult um Berija insbesondere in Georgien. Berija ließ sich von georgischen Dichtern und Musikern preisen und Merkulow veröffentlichte eine Broschüre über Berija mit dem verräterischen Titel: „Ein getreuer Sohn der Partei Lenins und Stalins.“ So wollte er Nachfolger Stalins werden.

Für seine konterrevolutionären Sondereinsätze ließ Berija Gefangene frei ohne nach deren Schuld oder Unschuld zu fragen. Darin zeigte sich Berijas Zynismus und Pragmatismus. Nach Aktenlage waren dies durchweg politische Verbrecher, die zum Teil sogar auf direktem Befehl von Stalin (!!!) verhaftet worden waren – das waren Berijas „castings“ - Veranstaltungen hinter Gefängnismauern, um dort seine konterrevolutionärsten „Superstars“ für „gewisse“ Zwecke auszuwählen. Kann man noch verbrecherischer die Konterrevolution organisieren als Berija es getan hat ? Und das nicht nur in Georgien, sondern in der gesamten UdSSR. Und das nicht nur einmal, sondern durchgehend und systematisch, und zwar während seiner gesamten politischen Laufbahn bis zu seinem Tod. Berija verleitete seine Leute zu irgendeinem Schädlingsakt, brachte ihnen Angst vor Entlarvung bei und erreichte so, diese bedingungslos unter seinen Einfluss zu bringen. Er benutzte im Umgang mit seinen Kadern in breitem Maße Provokationen, um sie sich gefügig zu machen. Was sagten Marx und Engels dazu, als sie die Bakunisten entlarvten ?

An die Stelle des ökonomischen und politischen Kampfes der Arbeiterklasse um ihre Emanzipation treten die allzerstörenden Taten des Zuchthausgesindels, als der höchsten Verkörperung der Revolution“ (Marx und Engels, „Bericht über das Treiben Bakunins“, MEW, Band 18, Seite 440).

So stellte Berija - nicht nur in Georgien – in der Tradition der Bakunisten der Restauration des Kapitalismus eine wohldisziplinierte Bande von Agents provocateurs zur Verfügung. Berija erklärte mit seiner Untergrundbewegung ausgerechnet zu einem Zeitpunkt Stalin den Krieg als der Kalte Krieg der Imperialisten gegen die Sowjetunion eskalierte ! Dieses hinterhältige Geschehen ist historisch vergleichbar mit der Ersten Internationale zum Zeitpunkt ihrer Auflösung. Im Zusammenhang mit der Kommune geriet die Erste Internationale durch die reaktionären Regierungen unter Druck,

und gerade diesen Augenblick wählten die Allianzisten, um ihrerseits dem Generalrat offenen Krieg zu erklären ! Ihnen zufolge war sein Einfluss, diese mächtige Waffe in den Händen der Internationalen, nur eine gegen die Internationale gerichtete Waffe. Dieser Einfluss war die Frucht eines Kampfes, der nicht gegen die Feinde des Proletariats, sondern gegen die Internationale selbst geführt worden war. Sie behaupteten, die herrschsüchtigen Bestrebungen des Generalrats hätten den Sieg über die Autonomie der Sektionen und Nationalföderationen davongetragen. Es blieb demnach nichts weiter übrig, als die Internationale zu enthaupten, um die Autonomie zu retten. Ihre hochtönenden Phrasen von Autonomie und freier Föderation, überhaupt ihr Kriegsgeschrei gegen den Generalrat waren nichts weiter als ein Kunstgriff zur Maskierung ihres wahren Zwecks: die Internationale zu desorganisieren und sie eben dadurch der geheimen, hierarschischen und autokratischen Regierung der Allianz zu unterwerfen“ (ebenda, Seite 439-440).

Das passt genau auf die Mingrelische Verschwörung. Auch sie war ein „Kunstgriff zur Maskierung ihres wahren Zweckes: die UdSSR zu desorganisieren und sie der autokratischen Regierung“ Berijas zu unterwerfen.

Der Autokrat Berija beherrschte das Agentenhandwerk und die Methoden der Durchführung von Sabotageakten und war in der Tscheka-Arbeit Georgiens erprobt, sowohl für die Bolschewiki als auch gegen sie !!! Er wechselte die Seiten, wenn er dadurch nur vorwärts kam. Berija verstand es, sich Stalins Vertrauen zu erwerben, doch der war auf der Hut. Berija war gewitzt und es war schwer, ihm etwas nachzuweisen, obwohl die Kritik an seinen Methoden im ganzen Sowjetland unüberhörbar war – von der Parteibasis bis zu Stalin. Der Fuchs wechselt sein Fell, aber nicht seinen Charakter und so erledigte Berija Auftragsarbeit für die Gegner der Bolschewiki. Er kam nur deswegen zu Stalin, um seine Pläne kennenzulernen und diese zu hintertreiben. Dabei wollte er bei Stalin den Eindruck erwecken, dass er als „Tschekist“ unentbehrlich im Kampf gegen die Feinde des Bolschewismus sei, so als ob der Sieg über sie von ihm persönlich abhinge. So schaffte sich Berija an der Seite Stalins ein zentralistisch organisiertes, staatlich institutionalisiertes Intrigantentum, ein perfektes Werkzeug gegen die gesamte sowjetische Führungsriege. Mit seinem Informationsvorsprung „von oben“ konnte er alle – gut getarnt - reinlegen, fertig machen oder beseitigen. Sich auf die Parteidisziplin stützend kappte Stalin schließlich Berijas Kompetenz über dessen unbegrenzten Zugang und dessen Verbindung zu allem und jeden, und erlaubte ihm nur eine einzige Verbindungsschiene, die er für Berija vorgesehen hatte, um Berijas Schritte kontrollierbarer zu machen. Selbst in seinem von Stalin eng eingegrenzten Tätigkeitsfeld schuf Berija sich seinen eigenen Machtbereich in Georgien, den er absolut unter seinem Kommando steuerte – natürlich an der Partei, an Stalin vorbei.

Berija war einer der gefährlichsten Feinde des Weltproletariats nach dem Tod Trotzkis, obwohl er an dem nicht unbeteiligt war. So war es auch Berija, der Jeshow eliminierte, indem er Stalin die erfundene Geschichte zukommen ließ, dass vom NKWD angeblich ein Regierungssturz geplant gewesen sei. Das funktionierte. Er übernahm auf diese Weise die Nachfolge vom weggesäuberten „Verschwörer“ Jeshow, dem Leiter des NKWD im Jahre 1938, den er später verhaftete. Und solche Führungskämpfe wurden von Berija oft durch Eliminierung von Rivalen ausgefochten. Auf Hinweise von Berija stufte das Politbüro der KPdSU (B) alle ranghöheren Mitarbeiter Jeshows als „politisch unzuverlässig“ ein und tauschte fast den ganzen NKWD personell aus. Die Säuberung des NKWD musste mit schweren Verlusten von erfahrenen, hochqualifizierten Führungskadern bezahlt werden. Das war ein großer Schaden für die Sowjetunion, aber für Berija von großem Vorteil, denn das neue Personal ließ sich unter seinem eigenen Kommando leichter in die Richtung bewegen, in die er es haben wollte. Marx und Engels in ihrem „Bericht über das Treiben Bakunins“ passt auf Berija wie die Faust aufs Auge, nur dass Bakunin seine Geheimbündelei im Zarenreich, während Berija sie unter der Diktatur des Proletariats in der UdSSR Lenins und Stalins organisierte :

Man stellt die Notwendigkeit als Grundsatz auf, eine kleine, gut ausgesuchte Minderzahl von Arbeitern zu verlocken; diesen schmeichelt man, indem man sie durch geheimnisvolle Einweihung von den Massen trennt, sie an dem betrügerischen Intrigenspiel der Geheimregierung teilnehmen lässt und ihnen vorpredigt, dass sie die alte Gesellschaft durch und durch umstürzen, wenn sie ihren `bösen Leidenschaften` freien Lauf lassen“ (Marx-Engels, ebenda, Seite 440).



Wie sah die Verschwörung vor und während der 30er Jahre konkret im Kaukasus aus

und welche Rolle spielte Berija ?

Schon im März 1918 schätzte Stalin die Konterrevolution Transkaukasiens unter der Maske des Sozialismus wie folgt ein:

Von allen Randgebieten der Russischen Föderation ist Transkaukasien im Hinblick auf die Fülle und Mannigfaltigkeit der nationalen Zusammensetzung wohl der charakteristischste Winkel. Georgier und Russen, Armenier und aserbaidshanische Tataren, Türken und Lesghier, Osseten und Abchasen – das ist das weitaus noch nicht vollständige Bild der nationalen Vielfalt der Siebenmillionenbevölkerung Transkaukasiens.

Nicht einer dieser nationalen Gruppen hat ein klar umgrenztes nationales Territorium, sie alle leben verstreut und miteinander vermischt, und das nicht nur in den Städten, sondern auch in den Dörfern. Das bietet denn auch die Erklärung dafür, dass der gemeinsame Kampf der nationalen Gruppen Transkaukasiens gegen das Zentrum in Russland immer wieder durch ihren erbitterten gegenseitigen Kampf überschattet wird. Und das wiederum schafft eine äußerst `günstige` Atmosphäre für den Versuch, den Klassenkampf mit nationalen Flaggen und nationalem Wortgeprassel zu verdecken. (...)

Die Oktoberrevolution führte eine schroffe Änderung der Lage herbei., (...) sahen die besitzenden Klassen Transkaukasiens mit eigenen Augen, dass die Oktoberrevolution und die Sowjetmacht ihnen unvermeidlich den Tod bringen. Und die „sozialistische“ sozialrevolutionär-menschewistische Intelligenz, die schon vom Baume der Erkenntnis der Macht gegessen hatte und sich jetzt vor die Perspektive gestellt sah, die Macht zu verlieren, geriet automatisch in ein Bündnis mit den besitzenden Klassen. So entstand in Transkaukasien eine anti-sowjetische Koalition“ (Stalin, Band 4 Seite 44 ff.)

Diese anti-sowjetische Koalition in Transkaukasien hatte die deutschen Imperialisten zur Hilfe gerufen und richtete unter den Arbeitern und Bauern, unter den von der Front zurückkehrenden Rotarmisten ein großes Blutbad an und fielen der Oktoberrevolution in den Rücken. Viele Bolschewiki wurden entweder verhaftet oder ermordet – im Namen des „Sozialismus“ der dort wütenden Konterrevolution der Menschewiki.

Ist es nicht klar, dass das Bündnis der Sozialrevolutionäre und der Menschewiki mit den Agenten des Imperialismus ein `Bündnis` von Sklaven und Lakaien mit ihren Herren ist ?“ (Stalin, Band 4, Seite 226).

Entweder zusammen mit Russland, und dann – Befreiung der schaffenden Massen der Randgebiete von der imperialistischen Unterdrückung; oder zusammen mit der Entente, und dann – unvermeidlich das imperialistische Joch. Einen dritten Weg gibt es nicht“ (Stalin, Band 4, Seite 311).

Niemals werden wir die Erschießung der 26 Bakuer Genossen durch Agenten des englischen Imperialismus vergessen. An den Händen der Menschewisten klebt das Blut der Bolschewiki, an Berijas Händen klebt das Blut der Bolschewiki, am bolschewistischen Führer Stalin ! Nachdem das Zentrum gesiegt hatte, dehnte sich die Oktoberrevolution auf die Randgebiete aus und fegte die Bourgeoisie und die Grundbesitzer dort hinweg. Aus dem Zentrum der Revolution flohen im selben Augenblick aber auch die Konterrevolutionäre in die Randgebiete, in diese alten nationalistischen Brutstätten. Dort hatte man nie mit den Imperialisten gebrochen, sondern weiter kollaboriert, um Aufstände und Revolten anzuzetteln und Unruhe zu stiften, um die Bauern gegen das proletarische Zentrum aufzuhetzen. Von dort baute sich also ein neues Zentrum der Reaktion auf, wo sich alle konterrevolutionären Elemente aus dem ganzen Land sammelten. Von den Randgebieten aus planten und organisierten sie den Umsturz des Zentrums, von dort aus organisierten sie später auch die Mingrelische Verschwörung gegen Stalin.

Und wie verhielten sich die Menschewisten als ihre konterrevolutionäre Macht von der sozialistischen Revolution gestürzt worden war ? Sie krochen unter die neu entstandene Sowjetmacht der Arbeiter und Bauern und schwenkten nun die Fahne der Oktoberrevolution, um dahinter ihre konterrevolutionären Absichten, die sie nicht gedachten aufzugeben, zu verbergen. Stalin sollte Recht behalten als er damals prophezeite:

Aber dies ist nun einmal das Schicksal der Menschewiki: sie bleiben nicht das erste Mal hinter dem Gang der Ereignisse zurück und wir nehmen an, dass es nicht ihr letzter Versuch ist, in abgetragenen bolschewistischen Hosen herum zu stolzieren“ (Stalin Werke, Band 4, Seite 122).

Es war Berija, der eben gerade in abgetragenen bolschewistischen Hosen mit der Mingrelischen Verschwörung eine akute Gefahr für die UdSSR heraufbeschwörte.

Es ist sehr interessant und lehrreich, wie Stalin die Lage im Transkaukasus vor und nach der Oktoberrevolution persönlich beurteilte (13. Juli 1921):

Ich erinnere mich der Jahre 1905 bis 1917, als unter den Arbeitern und den Werktätigen der Nationalitäten Transkaukasiens überhaupt eine vollkommene brüderliche Solidarität zu beobachten war, als Bande der Brüderlichkeit die armenischen, georgischen, aserbaidshanischen und russischen Arbeiter zu einer einzigen sozialistischen Familie verbanden. Als ich jetzt nach Tiflis kam, war ich sehr darüber erstaunt, dass zwischen den Arbeitern der Nationalitäten Transkaukasiens nicht mehr die frühere Solidarität besteht. Unter den Arbeitern und Bauern hat sich ein Nationalismus herausgebildet, das Gefühl des Argwohns gegenüber den Genossen anderer Nationalitäten ist stärker geworden: man findet jetzt anti-armenischen, anti-tatarischen, anti-georgischen, anti-russischen oder irgendeinen anderen Nationalismus, so viel man will. Die alten Bande brüderlichen Vertrauens sind zerrissen oder zumindest bedeutend geschwächt. Offensichtlich sind die drei Jahre, in denen es nationalistische Regierungen in Georgien (die Menschewiki), in Aserbaidshan (die Mussawatisten), in Armenien ( die Daschnaken) gab, nicht spurlos vorüber gegangen. (...) Jetzt zu den Schlussfolgerungen:

  1. Die wirtschaftliche Aufbauarbeit allseitig entfalten, für diese Arbeit alle Kräfte einsetzen und dabei die Kräfte und Mittel sowohl der kapitalistischen Gruppen des Westens als auch der kleinbürgerlichen Gruppen des eigenen Landes ausnutzen [Stalins Umsetzung der Leninschen NÖP in Transkaukasien unmittelbar nach dem X. Parteitag der KPR (B) vom März 1921 – Anmerkung der Redaktion];

  2. die Hydra des Nationalismus zertreten [ wir hatten eingangs von der Hydra Berija gesprochen – Anmerkung der Redaktion] und eine gesunde Atmosphäre des Internationalismus schaffen, um die Vereinigung der wirtschaftlichen Bemühungen der Sowjetrepubliken Transkaukasiens unter Aufrechterhaltung der Unabhängigkeit dieser Republiken zu erleichtern;

  3. die Partei vor dem Zustrom kleinbürgerlicher Elemente bewahren und ihre Standhaftigkeit, ihre Elastizität unter systematischer Verbesserung ihrer qualitativen Zusammensetzung erhalten;

    Das sind die drei grundlegenden nächstliegenden Aufgaben der Kommunistischen Partei Georgiens. Nur wenn die Kommunistische Partei Georgiens diese Aufgaben erfüllt, wird sie das Steuer in ihren Händen behalten und die wirtschaftliche Zerrüttung besiegen können“ (Stalin, Band 5, Seite 76-86).

Stalins Schlüssel zum Sieg über die Konterrevolution im Transkaukasus bestand darin, die Arbeiter, Bauern und Rotarmisten Transkaukasiens mit den Arbeitern, Bauern und Rotarmisten des Zentrums zur Eroberung der proletarischen Macht zu vereinigen, die revolutionären Kräfte des Zentrums mit den revolutionären Kräften der Randgebiete zu einer klassenmäßigen Einheit zusammenzuführen, zur Festigung der vereinigten Sowjetmacht. Eben in der klassenmäßigen Vereinigung der revolutionären Kräfte von Zentrum und Randgebiet, die durch die Unterstützung der national unterdrückten Massen getragen wurde, in der marxistisch-leninistischen Verbindung der sozialen mit der nationalen Frage auf dem Wege der sozialistischen Revolution, ihrer Festigung durch die Errichtung der UdSSR, darin bewies sich die Stärke des Stalinismus.

Das Wesen dieser Politik [die nationale Politik der russischen Kommunisten – Anmerkung der Redaktion] lässt sich in wenigen Worten ausdrücken: Aufgabe aller und jedweder ´Ansprüche` und ´Rechte` auf Gebiete, die von nichtrussischen Nationen bevölkert sind; Anerkennung (nicht in Worten, sondern in der Tat) des Rechts dieser Nationen auf selbständige staatliche Existenz; freiwilliges militärisch-wirtschaftliches Bündnis dieser Nationen mit Zentralrussland; Unterstützung der rückständigen Nationen in ihrer kulturellen und wirtschaftlichen Entwicklung, da sonst die so genannte ´nationale Gleichberechtigung` zu leerem Schall wird; all das auf der Grundlage einer völligen Befreiung der Bauern und der Konzentrierung der gesamten Staatsmacht in den Händen der arbeitenden Elemente der Nationen der Randgebiete – das ist die nationale Politik der russischen Kommunisten“ (Stalin, Werke, Band 5, Seite 99).

Das war die nationale Grundlage, auf der sich der Stalinismus entwickelte. Die Lösung der äußerst schwierigen und komplizierten nationalen Frage im Kaukasus - das war ein Meisterstück des Stalinismus. Charakteristisch war dabei wiederum die altbewährte stalinistische Taktik der Ausnutzung der Widersprüche im gegnerischen Lager, nämlich die national gesinnten, die noch anti-sowjetisch eingestellten Massen der Randgebiete, die weiter unter dem Einfluss ihrer nationalen „Regierungen“ standen, gegen diese aufzubringen, sie zu zwingen, mit der Bourgeoisie und ihren imperialistischen, ausländischen Verbündeten zu brechen und sich den Arbeitern und Bauern zuzuwenden und ihnen schließlich dabei zu helfen, das bürgerliche Lager und seine Führung im offenen Aufstand zu stürzen und zu besiegen. Der Sieg im Kaukasus – das war ein Sieg des Stalinismus – ein aufblühendes, sozialistischen Transkaukasien nach dem Bürgerkrieg. Dieser Sieg war so überwältigend, dass er selbst mit dem Mord an Stalin, selbst bis heute nicht endgültig verblasste. Niemals darf vergessen werden, dass Stalins Siege im Transkaukasus auch Siege gegen die Imperialisten waren, die dort den Aufstand gegen das Zentrum der UdSSR anheizten, sich in die inneren Angelegenheiten des Transkaukasus einmischten und ihn zu okkupieren.

Keine Staatsmacht der Welt hat eine so weitgehende Dezentralisation zugelassen, keine Regierung der Welt hat den Völkern eine solche Fülle nationaler Freiheit eingeräumt, wie die Sowjetmacht es in Russland getan hat“ (Stalin, Band 4, Seite 141).

So machte Stalin die UdSSR zur stärksten Staatsmacht der Welt, denn er gründete sie auf der Macht der schaffenden Massen der unterdrückten Nationalitäten, die sich gegen jede – folglich auch gegen die nationale – Unterdrückung, gegen die Macht der Bourgeoisie, der „eigenen“ wie der fremden, gegen den Imperialismus überhaupt richtete.

Dauerhaft ist nur das, was freiwillig gegeben wird“ (Stalin, Band 4, Seite 350). „Frieden, Agrarumwälzung und Freiheit der Nationalitäten – das sind die drei Momente, die die Bauern von mehr als zwanzig Nationalitäten des unermesslichen Russlands um das rote Banner des russischen Proletariats gesammelt haben“ (Stalin, Band 5, Seite 98).

Für Leute, die Georgien vor der Revolution kannten, war Georgien nach 10 Jahren nicht wieder zu erkennen. Ein gewaltiger Aufschwung der Wirtschaft, der Kultur, ein ungeheures Wachstum der politischen Aktivität der breitesten Massen des Volkes – das alles wurde nur dank der Lenischen-Stalinschen Nationalitätenpolitik erreicht. Die Entwicklung des Kommunismus in Transkaukasien war erschwert durch das Wirrwarr in der nationalen Frage. Aber die Arbeiter und Bauern Transkaukasiens konnten sowohl aus dem westlichen als auch aus dem russischen Kommunismus lernen und die dort gemachten Fehler von Anfang an vermeiden. So ist zu erklären, dass der Kommunismus in Transkaukasien unter der Führung Stalins innerhalb von 10 Jahren mit Sieben-Meilen-Stiefeln von Erfolg zu Erfolg schreiten konnte. Das werden und können die Völker des Kaukasus niemals aus ihrem Gedächtnis verlieren.

Die Machtübernahme der modernen Revisionisten bedeutete die Restauration alter feudal-kapitalistischer Verhältnisse als Folge der neuen Knechtung der Arbeiter und Bauern und der breiten Massen des georgischen Volkes.

In den einzelnen nationalen Republiken gab es bürgerlich-nationale Gruppen (z.B. pan-türkische Organisationen), Menschewisten, Sozialrevolutionäre usw. Sie kämpften für einen nationalistischen Staat, also gegen die Sowjetmacht und für die bürgerliche Restauration der kaukasischen Staates Die Verschwörer-Aktivitäten wurden von verschiedenen georgischen Gruppierungen entfaltet.

Die Schädlingsarbeit wurde in den Unionsrepubliken betrieben, um die Nationalitätenpolitik Stalins zu kompromittieren. Es gab kein Gebiet beim Aufbau des Sozialismus, das der Schädlingsarbeit nicht zum Opfer fiel. So wurde auch unter Anleitung des Blocks der Rechten und Trotzkisten von den nationalistischen Gruppierungen in Georgien versucht, die Kollektivierung der Landwirtschaft zu hintertreiben, zu sabotieren und zu schädigen, wurde dagegen nicht nur die Unzufriedenheit der Massen provoziert, sondern auch Terrorakte gegen die KP Georgiens und gegen den georgischen Staat, insbesondere gegen ihre Führer und Leiter verübt. Desorganisation wurde besonders in jenen Bereichen der Wirtschaft betrieben, in denen die georgische Bevölkerung unmittelbar getroffen wurde wie zum Beispiel:

Bürokratisierung als Kampfmittel für Schädlingsarbeit und zur Provokation gegen den Sowjetstaat auf Grund bewusst herbeigeführter Unzufriedenheit unter den Massen insbesondere in der Landwirtschaft.

Künstliche Versorgungsengpässe im Wohnungswesen, in den Genossenschaften, Handel, Warenumsatz. Betrügereien, Veruntreuungen und Unterschlagungen wurden nicht verfolgt, sondern systematisch gefördert und unterstützt, ebenso manipulierten die Verschwörer die Kontrollorgane, um ihre Schädlingsarbeit zu bemänteln. Die Konterrevolution bediente sich der Winkelzüge des Bürokratismus als aktive Waffe sowohl gegen die Regierung als auch gegen die Massen. Etwa 15% der Apparatschiks bestand aus ehemaligen Menschewiki, Sozialrevolutionären, Anarchisten, Trotzkisten und anderen parteifeindlichen Elementen. Alle standen unter dem Oberbefehl des Blocks der Rechten und Trotzkisten. Die Betreiber der Schädlingsarbeit ließen beispielsweise teure Butter produzieren, die sich die Bevölkerung nicht leisten konnte, billigere Sorten kamen nicht auf den Verbrauchermarkt, ja es wurden sogar Glassplitter und Nägel in der Butter entdeckt! Den Verschwörern gelang es flächendeckend, Winterstiefel im Sommer und im Winter Sommersachen in die Verkaufsstellen zu bringen, um die Bevölkerung systematisch gegen die Regierung aufzuhetzen. In diesem Milieu wurde Berija Meister seiner Sabotagearbeit unter dem Deckmantel des „bolschewistischen“ Aufräumers mit dem ganzen nationalistischen Gesindels im Kaukasus.



Der Block der Rechten und Trotzkisten (Rakowski) lieferte im Auftrag des englischen Geheimdienstes negative Analysen über die Beziehungen der Randrepubliken mit dem Zentrum, die er im Zusammenhang von Stalins Verfassung von 1936 angefertigte hatte. Dies ermöglichte der englischen Großmacht, Schwachstellen und Widersprüche auch bezüglich der Republik Georgiens auszunutzen. Gebietsabtretungen im Kaukasus waren auch Verhandlungsgrundlage der Trotzkisten.

Im Prozess gegen Pjatakow fragte Wyschinski diesen:Mit wem sprachen Sie aus Transkaukasien?“ Der antwortete: Mit Mdwani.“ Serebrjakow sprach mit Mdwani darüber, dass es notwendig ist, transkaukasische trotzkistische Terroristen nach Moskau zu schicken. Es war ein terroristischer Akt gegen Jeschow vorgesehen. Serebrjakow sprach darüber mit Mdwani. Die Verschwörer führten in den 30er Jahren einen inneren Partisanenkampf gegen die Parteiführung und die Sowjetunion, auch in Georgien unter Mdwani. Es wurde der Güterverkehr lahmgelegt, die Verladezeiten künstlich hinausgezögert, die Waggons nicht ausgelastet usw. Im Kaukasus wurden Erdöltransporte vereitelt. Deswegen wurde auch Kaganowitsch mit der Säuberung im Verkehrswesen beauftragt. Bei der Mobilmachung im Krieg sollten die Truppentransporte desorganisiert und ein Chaos organisiert werden, sollte in Georgien die Durchlässigkeit der Eisenbahnknotenpunkte herabgesetzt werden. Die Verschwörer wollten die Schädlingsarbeit in der Industrie mit der Diversionsarbeit im Verkehrswesen verbinden. Dessen bedurfte es, wenn der Stalinschen Führung einen vernichtenden Schlag versetzt werden sollte. Kaganowitsch ist in Georgien den Saboteuren auf die Schliche gekommen, also ist auch Stalin Berija auf die Schliche gekommen. Auf Kaganowitsch wurden ebenfalls Anschläge verübt – also Attentate auf die Ministerien und die Minister bei gleichzeitiger Sabotage und ökonomischen Terror in allen Ressorts vor Ort in den industriellen Ballungsgebieten, den Fabriken und Bergwerken. Morde an den Arbeitern (besonders Arbeitermorde in der Stachanowbewegung) waren mit einkalkuliert usw., aber auch in der Armee Sprengungen der Truppentransporte von Rotarmisten. Als Stalin zu dieser Zeit in den Kaukasus fuhr, waren 4 Züge als Scheinzüge unterwegs, um ihn vor einem Attentat zu schützen. Die GPU wusste von Terroranschlägen gegen Stalin im Zug. Molotow entkam einem geplanten Autoattentat mit knapper Not.

Mdwani, Kawtaradse und Okudshawa, - und Tschichladse und Kiknadse bildeten eine trotzkistische Gruppe. Mdwani war 1931-36 Komissar der Leichtindustrie und Stellvertr. Vorsitzender. 1928 wegen Trotzkismus ausgeschlossen und 1931 rehabilitiert. 1936 wieder ausgeschlossen und 1937 zum Tode verurteilt durch Erschießen. Mdwani bereitete 1935 unter der Leitung Serebrjakows einen angeblichen Terroranschlag gegen Berija und Jeschow vor und sammelte Terroristen, die man in Moskau zusammenziehen könnte, um eine möglichst erfolgreiche Verwirklichung der so genannten Gruppenterrorakte sicher zu stellen. Über Mdiwani schreibt Stalin in Band 5 viel Entlarvendes und das kann dort nachgelesen werden. Es gibt auch einen Artikel von Stalin über die Konterrevolutionäre in Transkaukasien, den wir ebenfalls zum Studium empfehlen. Mdwani war zur damaligen Zeit englischer Spitzel.

Ein Neffe Stalins – Limonadse – wurde 1936 beschuldigt, 1932 der Linkslergruppe „Schatzkin-Lominadse-Sten“ angehört zu haben, die sich in einem Block mit „Sinowjew-Kamenew“ und Trotzki zur Ausführung von Terrorakten gegen die Führung der KPdSU (B) und der Sowjetregierung vereinigt hatte. Lominadse arbeitete mit Smirnow zusammen. Vor Gericht will dieser nicht sagen, dass er seit 1928 mit den georgischen Abweichlern systematisch Verbindung unterhielt. Im Jahre 1932 hatte Smirnow eine Zusammenkunft mit georgischen Abweichlern, die bekanntlich seit 1928 terroristisch gestimmt waren. Smirnow war wiederholt mit dem georgischen Abweichler Okudshawa zusammengekommen. Smirnow stand 1929/30 mit der Terroristengruppe Stückgold in Verbindung. In Georgien kämpfte Stalin im Zweifrontenkrieg gegen die Zusammenarbeit von „Links“opprtunismus und Rechtsopportunismus zur Vereinigung mit den nationalistischen reaktionären Kräften. Wie weit Berija dabei seine Hände im Spiel hatte, wissen wir nicht genau. Jedenfalls wird er seine schützende Hand über diese anti-stalinistische Brut in Georgien gelegt haben, denn mit Beginn des persönlichen Zugangs zu Stalin hatte er die Möglichkeit dazu, Stalins Nationalitätenpolitik auf „seine Weise“ im Kaukasus zu handhaben.

In der Anklageschrift gegen den antisowjetischen Block der Rechten und Trotzkisten im März 1938 heißt es u.a., dass dieser die Zerstückelung der UdSSR und Lostrennung Georgiens, Armeniens und Aserbaidshans geplant und organisiert habe und zwar mit bewaffneter Hilfe ausländischer Aggressoren.

Was die terroristischen Verbrechen der bürgerlichen Nationalisten Georgiens anbelangte, so wurden Mdwani, Okudshawa u.a. vom Obersten Gerichtshof der Georgischen Sozialistischen Sowjetrepublik am 9. Juli 1937 verurteilt, worüber wir keine Dokumente haben. Die hatten auf jeden Fall Kontakt zu ihrer georgischen Emigrantenzentrale in Westeuropa sowie zur II. Internationale, die alles tat, um den Sturz der Sowjetmacht von außen zu unterstützen. Die alten Seilschaften zwischen der georgischen Konterrevolution und der II. Internationale ziehen sich durch die ganze Geschichte des georgischen Menschewismus. Inwieweit Berija daran beteiligt war, ihnen aus „erster Quelle“ Informationen über Stalin zu liefern, wissen wir nicht. Wir wissen nur, dass Mdwani und Berija gute Bekannte“ waren !!!!

Es bestand 1934 (wir legen hier die Prozessberichte der 30er Jahre zu Grunde) die Frage eines angeblichen „Terroraktes“ gegen Berija. Doch die trotzkistische Führung deckte Berija unter dem Vorwand, „ein Terrorakt gegen Berija könne den Terrorakt gegen Stalin vereiteln“. Man entschloss sich, an die Vorbereitung des Terroraktes gegen Stalin zu schreiten, „ohne die Vorbereitung des Terroraktes gegen Berija einzustellen“, denn unter den Konterrevolutionären durfte Berija nicht enttarnt werden, mit dem man schließlich den Fuß ins Machtzentrum haben wollte. Berija „solle also nicht liquidiert“ werden, bevor Stalin liquidiert wurde (und genauso kam es 1953 !! Was für ein Zufall ! !). Die Georgier sollten eine Gruppe bestimmen und die Organisierung und Vorbereitung des Terroraktes übernehmen, also sowohl den gegen Stalin als auch gegen Berija. Hinzu kam noch ein dritter Terrorakt: Jeschow. Den übernahm Berija selbst. Mitte 1935 sollten die Terrorakte von Mdiwanis Gruppe in Moskau durchgeührt werden. Die Terrorakte sollte Tschekwadse durchführen. Es fand eine Besprechung zur Bildung eines georgischen Blocks der Trotzkisten, mit den georgischen Menschewisten und Nationalisten (armenische Dashnaken und Mussawatisten in Aserbaidshan) statt. Hier liegen also die Verbindungen zu den Wurzeln zur Zeit der Oktoberrevolution und des Bürgerkrieges in Georgien (damals Kampf gegen Lenin) und 1953 die Verschwörung gegen Stalin. Dieser antisowjetische kaukasische Block hatte also von Anfang bis Ende der Geschichte der UdSSR eine gefährliche Rolle gespielt und war ununterbrochen aktiv und ist ebenso aktiv von Stalin die ganze Zeit bekämpft worden.

Die ganze Zeit zieht sich ein Name durch diesen Block: der Menschewist Mdwani. Wir sehen an seiner Person, dass die meisten Mitglieder der Menschewiki -die einen früher, die anderen später – bei den Bolschewiki untergekrochen waren, um ihre anti-bolschewistische Tätigkeit nicht nur zu tarnen, sondern dadurch noch effektiver zu gestalten z. B. durch Besetzung einflussreicher politischer Posten. Von ehemaligen Menschewisten gab es in der Führung der Partei also nicht Wenige ( natürlich gab es auch ehemalige Menschewisten, die ehrliche Bolschewiki wurden – keine Frage) - und da wirft ein Sudoplatow Stalin vor, dieser würde den Kampf gegen die Menschewiki „überschätzen“. Warum er diese Behauptung wohl aufgestellt hat ? Mdwani wie auch Berija arbeiteten mit England zusammen, soviel steht fest ( da würde ein Blick in die Archive des englischen Geheimdienstes ausreichen, um dies zu beweisen!). Wie die Beziehungen zwischen ihnen konkret bestanden haben, wissen wir also nicht. Wollte Sudoplatow damit die Menschewisten decken und von ihnen ablenken?

Serebrjakow sagte im Prozess aus: „In Bezug auf die Daschnaken und die Mussawatisten teilte mir Mdwani Ende 1935 mit, dass er erst die Verbindungen aufgespürt habe, mit den Menschewiki dagegen habe er ein Abkommen getroffen“. Den Kontakt mit den Menschewiki hatte er auf der Grundlage hergestellt, dass Georgien der vorherrschende Einfluss auf dem Territorium Transkaukasiens eingeräumt wird. Georgien unterwirft Armenien und Aserbaidshan. Georgien war ein selbständiger Staat, der in Transkaukasien die führende Rolle spielte und immer gespielt hatte. Und heute noch spielt. Georgien gilt aber nicht als Einzelfall, sondern typisch stellvertretend für alle Gebiete der UdSSR, denn überall wurden die gleichen parteifeindlichen Aktivitäten organisiert und von der trotzkistischen Zentrale koordiniert – später in Zusammenarbeit und zuletzt sogar unter dem direkten Befehl der Nazis.

Wir möchten hier auch die Zeugin Swetlana, die Tochter Stalins zu Wort kommen lassen. In ihren20 Briefen an einen Freund“ erwähnt sie den Namen Redens, ein maßgebender Tschekist aus der Ukraine nach dem Bürgerkrieg (Stalin hatte übrigens große Zweifel an Berijas und Malenkows Beschuldigungen, dass Redens ein Feind gewesen sein sollte) :

Dann wurde er zur Tscheka nach Georgien versetzt; da selbst stieß er zum ersten Mal mit Berija zusammen, der an die Spitze der georgischen Tscheka gelangen wollte. Die Beiden gefielen einander nicht: Redens, ein Schüler Dsershinskijs, und Berija, der Georgien als seinen künftigen Herrschaftsbereich, als Sprungbrett für seinen weiteren Aufstieg zur Macht betrachtete... Redens wurde sehr bald aus Georgien verdrängt“ (Seite 89). „...Und er ward nie mehr gesehen“(Seite 91). „Später kam dann Berija als Erster Sekretär des georgischen Zentralkomitees der Partei an die Macht. Ich kehre noch einmal zu dieser Person zurück, die durch ein teuflisches Band mit unserer ganzen Familie verbunden war und gut die Hälfte derselben vernichtete. Ich will nur das Eine sagen, dass mir vieles über jene längst vergangenen Zeiten die alte kaukasische Bolschewikin O.G. Schatunowskaja erzählt hat, die über Berijas Rolle Bescheid wusste und ihn schon längst richtig eingeschätzt hatte. Das heißt, genau genommen schätzten ihn alle alten Parteimitglieder Transkaukasiens richtig ein, und wenn nicht die sonderbare Unterstützung von Seiten meines Vaters wirksam geworden wäre, der er sich geschickt zu bedienen wusste, dann hätten weder S. N. Kirow noch Ordshonikidse seinen Aufstieg geduldet, noch auch jenen Menschen, die Transkaukasien und den Verlauf des dortigen Bürgerkriegs genau kannten. Es waren diejenigen, die er als erste vernichtete, weil er sonst kaum die Möglichkeit gehabt hätte, seinen Aufstieg zur Macht zu vollenden“ (20 Briefe an einen Freund, Seite 90).

Im Jahre 1937 wurde Redens verhaftet. Es war der erste gegen unsere Familie, gegen unser Haus gerichtete Schlag. Bald darauf verhaftete man Onkel Aljoscha und Tante Marusja. Wie durfte das geschehen? Wie konnte Vater das tun? Ich weiß nur das Eine: ihm selbst, ihm allein wäre derlei nie eingefallen. Doch wenn es ihm jemand schlau und fein eingab, wenn ein hinterlistiger Schmeichler, wie Berija es war, ihm eingeflüstert hatte, dass diese Menschen 'dagegen` seien, dass ´kompromittierendes Material` vorliege, dass gefährliche Verbindungen bestünden, Reisen ins Ausland und so weiter, dann war Vater imstande, es zu glauben“ (Seite 119).

Ich erinnere mich genau wie Onkel Aljoscha Swanidse zum letzten Mal zu uns kam, traurig, niedergeschlagen. Anscheinend ahnte er schon, was vor sich ging; in Georgien, der Heimat Berijas, wurden bereits Menschen verhaftet... Vater lehnte fast demonstrativ alle Gespräche über Familienangelegenheiten, über Verwandte und ihm nahe stehende Menschen ab. Ich glaube, dass Mamas Tod ihm einen schrecklichen Schlag versetzte... Eben diese Zeit wusste sich Berija ungemein geschickt zunutze zu machen. Er fuhr zu Vater; vorher war er nur selten in Sotschi gewesen, wenn sich Vater dort erholte. Jetzt erwarb er sich Vaters Vertrauen und erklomm sehr bald – mit Vaters Unterstützung – zunächst den Posten des Ersten Sekretärs des ZK von Georgien.

O.G. Schatunowskaja, eine alte Bolschewikin aus Transkaukasien, erzählte mir, wie entsetzt alle Parteigenossen Georgiens über diese Ernennung waren und wie hartnäckig sich G.K. Ordshonikidse dagegen wehrte; doch Vater bestand auf seinem Willen. Vom Ersten Sekretär des ZK von Georgien bis nach Moskau war der Weg nicht mehr weit. 1938 begann Berija in Moskau zu herrschen; von da an war er täglich mit Vater beisammen, und sein Einfluss auf Vater hörte bis zu dessen Tod nicht mehr auf. O.G. Schatunowski erzählte mir, dass Berijas Rolle während des Bürgerkriegs im Kaukasus äußerst zweideutig gewesen sei. Er war der geborene Agent provocateur und Spitzel und arbeitete einmal für die Daschnaken (armenische Nationalisten – Anmerkung des Übersetzers), dann wieder für die Roten – je nachdem, wer gerade an der Macht war. O.G. Schatunowski versichert, dass Berija einmal von unseren Soldaten verhaftet wurde – er war beim Verrat ertappt worden und wartete auf seine Aburteilung – und dass ein Telegramm von Kirow kam, der damals den Oberbefehl über die Operationen im Kaukasus hatte, in welchem die Erschießung [ sic !!! ] des Verräters verlangt wurde. Sie hatten aber keine Zeit, diesen Befehl durchzuführen, gerade einsetzende Kampfhandlungen verhinderten es, man hatte andere Sorgen, als sich mit diesem kleinen, unbedeutenden Menschen abzugeben. Aber von diesem Telegramm – davon, dass es existierte – wussten damals in Transkaukasien alle alten Bolschewiki, und auch Berija wusste davon ... Sollte nicht vielleicht hier das Motiv für die viele Jahre später erfolgte heimtückische Ermordung Kirows liegen? Nach der Ermordung Kirows im Jahre 1934 trat Berija immer mehr in den Vordergrund, sein unaufhaltsamer Aufstieg, immer höher und höher hinauf, begann ... Wie merkwürdig diese beiden Ereignisse, der Untergang des einen und der Aufstieg des anderen, zusammenfallen; wahrscheinlich hätte es Kirow nie zugelassen, dass dieser Mensch Mitglied des ZK wurde. Sergej Mironowitsch Kirow war seit langer Zeit ein treuer Freund unserer Familie, wahrscheinlich noch aus dem Kaukasus her ... Im Sommer 1934 war es das Gleiche: Kirow wohnte bei uns in Sotschi. Und im Dezember fiel dann Nikolajews Schuss... Wäre es nicht besser und auch logischer, diesen Schuss mit Berijas Namen in Verbindung zu bringen anstatt mit dem meines Vaters, wie das jetzt geschieht? Dass Vater an diesem Tod eine Mitschuld trifft, werde ich niemals glauben. Kirow stand ihm näher als alle Swanidse, als alle Verwandten, als Redens, als viele seiner alten Genossen – Kirow war sein intimer Freund, den er brauchte.“ (Seite 201-203).

Es gab noch einen anderen guten alten Freund unseres Hauses, den wir 1936 verloren, wie ich glaube, nicht ohne Intrigen und Gemeinheiten Berijasich spreche von Georgij Konstantinowitsch Ordshonikidse. (...) Er kannte Berija gut – wie wäre es auch anders möglich gewesen – und konnte ihn nicht leiden. Auch er war ein schwer zu nehmendes Hindernis bei Berijas Aufstieg zur Macht, vor allem in Georgien. Mit dem Aufstieg Berijas wurde Sergos (Kosename von Genossen Ordshonikidse – Anmerkung der Redaktion) Lage offensichtlich sehr schwierig, man verleumdete ihn, man wollte zwischen ihn und Vater einen Keil treiben“ (Seite 204).



Die Mingrelische Verschwörung

Die Staatssicherheitsorgane wurden von Stalin zunächst gerügt, weil sie die terroristische Schädlingsarbeit nicht rechtzeitig entlarvt hatten. Als dies nicht erfolgte wurde diese Wachsamkeitskampagne Stalins Ende 1948 in der sowjetischen Öffentlichkeit verstärkt, rollte eine neue, dringend notwendig gewordene Säuberungswelle des Genossen Stalin über die ganze Sowjetunion. Sie reichte bis nach Georgien: Die Abweichung zum Nationalismus entpuppte sich als eine Anpassung der internationalistischen, proletarischen Politik an die nationalistische Politik der neuen Bourgeoisie, die den Versuch widerspiegelte, den Kapitalismus in Georgien wieder herzustellen. Würde sich der jugoslawische Tito-Bazillus in Georgien einnisten, würde das früher oder später eine existentielle Bedrohung für alle Sowjetvölker darstellen.

In der „Prawda“ vom 13. Januar 1953 hieß es – und das klingt unverkennbar nach Stalin:

Es besteht kein Zweifel, dass, solange es bei uns noch Vertrauensseligkeit gibt, auch Schädlingsarbeit geben wird. Um also die Schädlingsarbeit zu beseitigen, muss mit der Vertrauensseligkeit in unseren Reihen Schluss gemacht werden.“

Und Stalin selber machte mit seiner Vertrauensseligkeit gegenüber Berija im Herbst 1951 endlich Schluss – leider zu spät.

Der Mingrelier, dessen Verschwörung Stalin zerschlug, hieß BERIJA. Unter allen Verschwörern von 1953 war Berija also das einzige uns bekannte Präsidiumsmitglied, das gegen Stalin schon vorher mehrere Verschwörungen angezettelt hatte, wobei er in der Mingrelischen Verschwörung vorerst eine Niederlage erlitt, wofür er sich in der Verschwörung von 1953 an Stalin rächte und die Mingrelische Verschwörung dadurch doch noch zu Ende bringen konnte – jedenfalls bis zum Tag seiner Erschießung. Von da an übernahm Chruschtschow die „Entstalinisierung“ Georgiens.

Die Säuberungen gegen die Mingrelische Verschwörung, 1950/51, blieb die letzte, groß angelegte Säuberung Stalins. Stalin soll nach Schätzung einiger Historiker sogar mehr Verbrecher überführt haben als in den 30er Jahren, was nicht allen Genossen bekannt sein dürfte. Auch die Funktionäre von anderen Unionsrepubliken, wurden nicht verschont. Sie wurden zu Recht angeklagt wegen ihres bürgerlichen Nationalismus, Kosmopolitismus und Spionage fürs Ausland. Stalin richtete seine Säuberung also nicht nur auf die Mingrelische Verschwörung allein, sondern bezog in seine Säuberung die gesamte UdSSR ein ! Wir können somit davon ausgehen, dass die Mingrelische Verschwörung kein geographisch begrenzter „Einzelfall“ war, sondern dass es sich um eine flächendeckende Verschwörung in der gesamten UdSSR gehandelt haben musste, und also nicht nur die Randgebiete betraf. Dieses, das ganze Sowjetland umspannende, konterrevolutionäre Netz konnte unmöglich von einer kleinen Gruppe Mingrelischer Verschwörer gelenkt worden sein. Es musste zentral gelenkt worden sein. Wir können mit Sicherheit annehmen, dass es zwischen allen Unionsrepubliken konterrevolutionäre Verbindungen gegeben haben musste, die in wenigen mächtigen Händen waren – so auch in Berijas Händen. Aber das sollte sich erst nach Stalins Tod herausstellen !

Die Mingrelische Verschwörung war ein Sabotageakt, um das Ansehen der SR Georgiens und der UdSSR herabzusetzen und die Macht des georgischen Volkes zu stürzen. In Georgien richtete sich Stalins Säuberung gegen mingrelische Nationalisten, die mit den Westmächten gegen die Sowjetunion kollaborierten, um ihren Schattenkrieg zu führen. Sie führten dazu, dass sich die feindlichen Elemente unter dem Schoßrock der Imperialisten verkrochen und kompromittiert wurden. Stalins Kampf gegen die Mingrelische Verschwörung war also Bestandteil des Kampf gegen den Kalten Krieg des angloamerikanischen Imperialismus auf dem heimatlichen Boden der UdSSR, der dort anti-sowjetische Oppositionen anzuzetteln versuchte. Einige Elemente sollten offen auftreten und andere als „Trojanische Pferd“ im Hintergrund bleiben, um sich so gegenseitig die Bälle zuzuwerfen und sich gegenseitig zu schützen. Das war die allgemeine Taktik der imperialistischen Subversionstätigkeit in den kommunistischen Reihen. Die Mingrelische Verschwörung war ein Putsch von Nationalisten, die sich mit der Maske des „Sozialismus“ tarnten, um ihre Feindschaft zur Sowjetunion hinter dem Vorwurf des „russischen Großmachtchauvinismus“ zu verbergen. Der „russische Großmachtchauvinismus“ - Vorwurf war natürlich auf die Generallinie Stalins, insbesondere auf seine bolschewistische Nationalitätenpolitik, gemünzt. Kurz: sie hassten den Sozialismus, wollten ihn loswerden und ihn so schnell wie möglich mit dem Kapitalismus eintauschen, weswegen sie die Imperialisten in ihre Mingrelische Verschwörung eingeweiht hatten. Sie riefen nach „Autonomie“, weil sie sich von „oben“ nichts mehr sagen lassen wollten. Sich im Sozialismus „von oben“ nichts mehr sagen lassen zu wollen, kann aber nur heißen, nichts mehr vom Sozialismus wissen zu wollen und seine eigenen nationalen Interessen über die Interessen der UdSSR, über die Diktatur des Proletariats, zu stellen. Ein Marxist hört auf Marxist zu sein, wenn er seine eigenen nationalen Interessen über die internationalistischen Interessen stellt - und die Stärkung der UdSSR war das internationalistische Interesse des Weltproletariats -, der hat den Boden des Marxismus verlassen, um im Kapitalismus unterzugehen, was sich heute in Georgien traurig bewahrheitet. Der Weg Georgiens in den kapitalistischen Untergang begann mit Berijas Mingrelischer Verschwörung – das ist eine unwiderlegbare Wahrheit der Geschichte, aus der nicht nur Georgien, sondern die ganze Welt lernen wird.

Stalin klagte diese parteifeindliche Gruppierung innerhalb der Kommunistischen Partei Georgiens also zu Recht des Hochverrats und der Verschwörung an.

Mit einem unverhüllten Nationalismus kann man immer fertig werden: Es ist nicht schwer, ihn zu erkennen. Viel schwieriger ist es, einen maskierten und in seiner Maske unerkennbaren Nationalismus zu bekämpfen.. Da er sich des Sozialismus als Schutzschildes bedient, ist er weniger verwundbar und viel zählebiger(Stalin, Band 2, Seite 301).

Die ganze Dynamik der Evolution der nationalistisch-menschewistischen Politik Berijas, seine konterrevolutionäre Verschwörung gegen Stalin, wurde mit seiner Mingrelischen „Affäre“ erst richtig ausgelöst und ins Rollen gebracht. Bereits im Herbst 1951 gliederte Stalin daraufhin das Ministerium für Staatssicherheit (MGB) aus Berijas Machtbereich aus. Seit dieser Zeit hat Stalin gegen Berija einen besonders prinzipienfesten und entschlossenen Kampf geführt, einen komplizierten, offenen wie verdeckten Kampf, ein Kampf, in dem sich beide sämtlicher Mittel und Formen bedienten, ein äußerst lehrreicher Kampf, denn er entschied über alles, und letztendlich über sie selbst. Stalin sammelte schon längere Zeit Belastungsmaterial gegen Berija, ließ ihn beschatten und war sich über die Gefahr bewusst, die von diesem Mann ausging. Da Berija ein durchtriebener, gerissener Schurke war, der sein Handwerk des Tarnens, Tricksens und Täuschens professionell beherrschte, war es für Stalin nicht leicht, ihm beizukommen, so dass dieser Kampf „zweier Vertrauter“ an einem gefährlichen „Katz- und Mausspiel“ erinnerte. Da Berija es sehr gut verstand, die Sache so hinzudrehen, dass man ihm seine Verantwortung für die Mingrelische Verschwörung nicht persönlich nachweisen konnte, ist Berija in den Augen der Berijaner der bewundernswerte, der schlauere, der eigentliche, der wahre usw. usf. „Marxist-Leninist“. Da lacht das Herz der Berijaner, wenn da jemand zur Sonne aufsteigt, der Stalins Persönlichkeit „weit in den Schatten“ stellt. Weiß Gott, ein Mordskerl, dieser „Marxist-Leninist!“

Stalin verfasste am 9. November 1951 eine Resolution Über die Korruption in Georgien und die parteifeindliche Gruppe Baramija“, die vom Politbüro beschlossen wurde. In dieser Resolution wurde der mingrelische Nationalismus angeprangert: „Bramija ist der Drahtzieher“. Stalin wusste zwar, dass Berija der eigentliche Drahtzieher war, aber um ihm habhaft zu werden, ging Stalin taktisch klug vor, indem er erst einmal Bramija als Drahtzieher entlarvte, der natürlich ein Mann Berijas war. Wenn man die Mingrelischen Manöver zulässt, so Stalin, wird es zu einer Spaltung in Gruppen kommen, die alle ihre eigenen nationalistischen Interessen durchsetzen wollen, was Georgien und die Einheit Transkaukasiens untergräbt. Dies wiederum birgt die Gefahr der Abspaltung von der UdSSR in sich und damit eine Schwächung der Sowjetunion. Was hatte Stalin dabei im Auge?

Man muss im Auge behalten, dass die Reste der zerschlagenen Klassen in der UdSSR nicht allein dastehen. Sie genießen die direkte Unterstützung unserer Feinde jenseits der Grenze der UdSSR [also auch per Radio über die Grenze Georgiens hinweg - mit der „Stimme Amerikas“ (!) – Anmerkung der Redaktion] . Es wäre ein Irrtum anzunehmen, dass die Sphäre des Klassenkampfes sich auf das Gebiet der UdSSR beschränke. Spielt sich der Klassenkampf mit einem Ende innerhalb der UdSSR ab, so reicht das andere Ende in das Gebiet der uns umgebenden bürgerlichen Staaten. Das kann den Resten der zerschlagenen Klassen nicht unbekannt sein. Und eben weil sie es wissen, werden sie auch künftig hin ihre verzweifelten Vorstöße fortsetzen [mit der Mingrelischen Verschwörung – Anmerkung der Redaktion]“; (Stalin, Werke, Band 14, Seite 136/137, KPD/ML, Dortmund 1976).

Unsere Organisationen in den Republiken können nur dann marxistisch werden, wenn sie imstande sind, sich der nationalistischen Einflüsse zu erwehren, die in den Randgebieten in unsere Partei eindringen, deshalb eindringen, weil die Bourgeoisie wieder auflebt, weil die NÖP wächst, weil der Nationalismus wächst, weil Überreste des großrussischen Chauvinismus vorhanden sind, die gleichfalls den lokalen Nationalismus vorantreiben, weil sich der Einfluss der ausländischen Staaten geltend macht, die den Nationalismus auf jede Weise unterstützen(Stalin, Band 5, Seite 271)

Um den Nationalismus zu zerschlagen, muss man vor allem die nationale Frage anpacken und lösen. Um aber die nationale Frage offen und sozialistisch lösen zu können, muss man sie in vollem Umfang und endgültig den Interessen der in den Sowjets organisierten werktätigen Massen unterordnen. So und nur so kann man der Bourgeoisie ihre letzte geistige Waffe aus der Hand schlagen(Stalin, Band 4, Seite 79/80).

Wenn wir (...) Gruppierungen zulassen, so werden wir die Partei zu Grunde richten, sie aus einer festen geschlossenen Organisation, einer Organisation aus einem Guss in einen Bund von Gruppen und Fraktionen verwandeln, die untereinander Vereinbarungen treffen und zeitweilige Vereinigungen und Abkommen eingehen. Das wird keine Partei, das wird der Zerfall der Partei sein. (...) Wir (...) unter den Bedingungen der kapitalistischen Umkreisung, brauchen sogar nicht nur eine einheitliche, nicht nur eine fest zusammengeschlossene, sondern eine wirklich stählerne Partei, die fähig ist, dem Ansturm der Feinde des Proletariats standzuhalten, die fähig ist, die Arbeiter in den entscheidenden Kampf zu führen“ (Stalin, Band 6, Seite 20/21). Das trifft natürlich auch auf den Transkaukasus zu – besonders zur Zeit der Bedrohung durch den Kalten Krieg der angloamerikanischen Imperialisten, also nicht nur auf die dortigen Parteigruppierungen, sondern auch die Interessen der nationalen Gruppierungen außerhalb der Partei. Nicht zuletzt trifft dieses Zitat auch auf die Gruppierungen im Parteipräsidium der Moskauer Zentrale zur Zeit der Verschwörung vor und nach der Ermordung Stalins zu.

Alle diese kleinbürgerlichen Gruppen dringen auf die eine oder andere Weise in die Partei ein und tragen in sie den Geist des Schwankens und des Opportunismus, den Geist der Zersetzung und der Unsicherheit hinein. Sie sind es hauptsächlich, die die Quelle der Fraktionsmacherei und des Zerfalls bildet, die Quelle der Desorganisation und Sprengung der Partei von innen heraus. Gegen den Imperialismus kämpfen, wenn man solche ´Bundesgenossen` im Rücken hat, heißt in die Lage von Leuten geraten, die von zwei Seiten beschossen werden – von der Front und vom Hinterland. Deshalb ist der schonungslose Kampf gegen solche Elemente, ihre Verjagung aus der Partei die Vorbereitung für den erfolgreichen Kampf gegen den Imperialismus(Stalin, Band 6, Seite 162). Diese Fraktionsmacherei trifft auch auf die Mingrelischen Verschwörer zu. Und es ist eine Tatsache, dass Stalin in eben diese Lage geraten war, von zwei Seiten beschossen worden zu sein..

Eine große Warnung war der transkaukasische, georgische Aufstand [1924 – Anmerkung der Redaktion]. Solche Aufstände sind auch in Zukunft möglich, wenn wir nicht lernen werden, unsere Eiterbeulen aufzudecken und auszumerzen, wenn wir nur darauf bedacht sein werden, nach außen hin den Anschein zu erwecken, als ob alles aufs Beste bestellt sei“ (Stalin, Band 7 , Seite 20). Von Stalins Tochter Swetlana erfahren wir später noch aus ihren20 Briefen an einen Freund“, dass Stalins Frau hinter diesem georgischen Aufstand die Handschrift Berijas erkannte und ihrem Mann vorgeworfen hatte, dies nicht wahrhaben zu wollen. Stalin warnte alle vor einer Wiederholung des georgischen Aufstandes, nur sich selbst nicht – und so kam es dann auch zu den Ereignissen von 1951/52 und zwar zu einem Zeitpunkt als das Aufdecken der berijanischen Eiterbeule nicht mehr von ihm auszumerzen war ! Hätte er auf seine Frau gehört, wäre Stalin 1953 noch am Leben – das war jedenfalls die Auffassung von Stalins Tochter im Jahre 1963.



Am 16. November 1951 folgte die nächste von Stalin initiierte Politbüro – Resolution: Über den Ausschluss feindlicher Elemente aus dem Territorium der SSR Georgien“ (Abschiebungsbefehle nach Kasachstan, damit diese berijanischen Elemente in Georgien keine weiteren Schädlingsarbeiten organisieren konnten).

Im nächsten Schritt tauschte Stalin die Führung der KP Georgiens aus, was er von langer Hand vorbereitet hatte. Scharija, georgischer Parteisekretär, hatte in den Jahren zuvor als Stellvertretender Leiter des Nachrichtendienstes (für Berija !!!) gearbeitet. Nach Verbüßung einer Gefängnisstrafe, zu der er auf Grund seiner Aktivitäten als mingrelischer Nationalist verurteilt worden war, wurde dieser Nationalist und Handlanger der Macht Berijas umgehend nach Stalins Ermordung für außenpolitische Angelegenheiten in den Rang eines Generalmajors gehoben [sic !!!] , um seine ausländische Agententätigkeit fortzusetzen. Nur lange war ihm dieser schöne Posten nicht vergönnt, denn Chruschtschow hatte dafür seine eigenen Leute und so hatte Berijas Mann, Scharija, das Feld zu räumen.

Am 25. März 1952 und am 27. März 1952 nahmen Mitglieder und Kandidaten des Büros des ZK der KP Georgiens an einer Unterredung mit dem Politbüro der KPdSU unter Leitung Stalins in Moskau teil. In deren Ergebnis wurde eine weitere Resolution des Politbüros beschlossen: Über die Lage in Georgien“. Darin heißt es wörtlich: Die Baramija-Gruppe rechnete auf Unterstützung fremder Imperialisten, planten die Machtergreifung in der KP Georgiens.“Über die Lage in Georgien“ verschafften sich auch die Imperialisten einen Überblick. Sie informierten sich über die Pläne der konterrevolutionären Kräfte in Georgien, versuchten rauszukriegen, um welche Organisationen es sich da handelte, wie stark sie waren, wer sie führte und mit welcher Kampftaktik sie operierten. Die anti-sowjetischen Organisationen arbeiteten schon seit einer Reihe von Jahren an einer Verschwörung. Sie versuchten, den Einfluss der stalintreuen Genossen in Georgien zu schwächen, bzw. sie zu erledigen, Agenten und Spione einzusetzen, um Spaltungen durch eingeschleuste Gruppen und Fraktionen herbeizuführen. Die Mingrelischen Verschwörer waren gegen alle, die den Einfluss der Imperialisten in Georgien bekämpften und sie waren für alle, die ihn nicht bekämpften. Das Ziel der Imperialisten war es, sich mit den konterrevolutionären Kräften in Georgien zu verbinden, um sie gegen die Sowjetunion und ihre Parteispitze anzuführen. Die Zusammenarbeit mit den Imperialisten sollte dazu dienen, die Verbindung zwischen den Kommunisten und dem georgischen Volk zu zerstören, um so die Macht zu ergreifen und eine Quislingregierung, eine georgische Exilregierung von Emigranten einzusetzen. Es war Stalins heilige Pflicht, den Imperialisten einen Riegel vorzuschieben und ihre Pläne in Georgien zu vereiteln. Deswegen musste er dort unablässig, unnachgiebig und kompromisslos den Kampf gegen die Mingrelische Verschwörung führen.

Tscharwiani wurde abgesetzt und Mgeladse nahm seinen Posten des ersten Sekretärs ein. Um das Georgische Ministerium für Staatssicherheit unter Leitung von Rukhadse zu „unterstützen“, wurde von Stalin eine Untersuchungskommission nach Georgien geschickt. Rukhadse sammelte nach „Beweisen“ gegen Mgeladse und schickte Stalin einen Bericht. Stalin wandte sich daraufhin direkt an Mgeladse und auch an das Sekretariat des ZK der KP Georgiens, um die Haltbarkeit oder Unhaltbarkeit dieser „Beweise“ aus ihrem eigenen Mund zu erfahren. Stalin deckte somit auf, dass das Ministerium für Staatssicherheit in Georgien mit der Baramija-Gruppe unter einer Decke steckte, also von Berija dirigiert wurde. Daraufhin schrieb Stalin im nächsten Schritt :

Das ZK der KPdSU vermutet, dass Genosse Rukhadse Gefängnisinsassen zu „Zeugenaussagen“ gegen georgische Parteiführer herangezogen habe unter Umgehung der Partei [das war genau der Arbeitsstil Berijas ! - Anmerkung der Redaktion]. Darüber hinaus versteht es sich, dass Genosse Rukhadse weder das Recht hat, das georgische ZK noch die georgische Regierung zu hintergehen. Ohne deren Wissen hat er dem ZK der KPdSU über beide georgischen Organe belastendes Material zugesandt. Das Georgische Ministerium für Staatssicherheit ist ein Ministerium der Unionsrepublik und damit nicht nur der Zentrale in Moskau, sondern auch sowohl der Regierung als auch dem ZK der KP Georgiens unterstellt.“

Die Abberufung Rukhadses erfolgte auf Beschluss der georgischen Führung in Tiflis und wurde vom Politbüro in Moskau bestätigt. Rukhadse wurde nach Moskau überführt und inhaftiert. Damit war das Kapitel „Rukhadse“ aber noch nicht beendet, denn er blieb auch während der „Entstalinisierung“ zur Zeit Berijas und auch danach in Haft - als Chruschtschow an der Macht war. Er wusste zu viel und musste deswegen für eine Weile aus dem Verkehr gezogen werden. Später nahm ihn Chruschtschow in seinen Dienst. Berija hat nicht erst in seinen geheimen Sondierungen die Partei, das Außenministerium und sogar die Rote Armee übergangen. Er schätzte die Partei als Führerin der Arbeiterklasse schon in Georgien gering. Das zeigt, welchen Einfluss der Menschewismus dort auf ihn gehabt hat. Die Kritik an Rukhadse trifft auch auf Berija zu. Nämlich dass er der Partei keine führende Rolle beimaß: „Die Macht kommt aus dem Staat und nicht aus der Partei!“ Der Unterschied besteht einzig darin, dass die Menschewisten diesen Irrtum in den Jahren 1906/1907 begingen, während das Politbüro des ZK der KPJ ihn jetzt begeht, das heißt 40 Jahre später“ (Stalin Werke, Band 17, Seite 415, KPD/ML, Hamburg, 1973 ) Das was Stalin hier an das ZK der KP Jugoslawiens geschrieben hat am 4. Mai 1948, das hätte er auch an Berija schreiben können.

1952 trat Stalin seinen alljährlichen Kaukasusurlaub nicht an ! Das war außergewöhnlich. War ihm vielleicht zu Ohren gekommen, dass die von ihm hinaus gesäuberten Elemente Berijas schon dort seinen Mord geplant hatten? Ein Mord, mitten in Stalins Heimat ? Aber wenn Berija Stalins Macht in Moskau noch nicht direkt beseitigen konnte, so versuchte er, in Georgien seinen eigenen Einfluss zu verstärken, um den von Stalin von dort aus zurück zu drängen. Mit Unterstützung Stalins stieg Mgeladse zum Ersten Sekretär der Abchasischen Parteiorganisation auf. Er war es, der Stalin im Urlaub in Abchasien zur Seite stand. Laut Sudoplatow soll sich auch Rukhadse dort aufgehalten haben. Sudoplatow beschimpft Stalin als Denunziant, der Berija mit kompromittierenden Briefen in Verruf bringen wollte“.„Später erfuhren wir, dass die VERSCHWÖRERCLIQUE (!!) von STALIN (!!!!!), Rukhadse und Mgeladse den Inhalt der Briefe vorher untereinander abgesprochen hatte“ (Sudoplatow, „Der Handlanger der Macht“ [Berijas(!) Macht!], Seite 415).

So, so Stalin ein Verschwörer und Denunziant !!!!!!!!! Stalin - ein Verschwörer und Denunziant gegen den „Marxisten-Leninisten“ Berija !!! Stalin - der Mingrelische Verschwörer gegen Berija - Ja geht es denn noch schlimmer ?!

Und so ein Element wie Sudoplatow hat im Geheimdienst am längsten von allen eine führende Positionen innegehabt ?!! Und diesem Sudoplatow hatte Stalin solange vertraut, bis dessen Chef Berijas Chef ermordet hatte. Kann Sudoplatow denn noch schwerer seinen eigenen Chef Berija belasten als damit, ausgerechnet Stalin zu einem Verschwörer“ und Denunzianten“ abzustempeln ?! Mit dieser selbstentlavenden Offenbarung ist Sudoplatow für immer ein gebrandmarkter Verräter am Berijanertum geworden ! Sudoplatow beschuldigt Stalin, eine Verschwörung“ gegen Berija und Malenkow angezettelt zu haben, indem Stalin diese angeblich verleumdete“, geheime Verbindungen mit georgischen Menschewiki und Nationalisten unterhalten zu haben (Sudoplatow, ebenda, Seite 415). Stalin auch noch ein Verleumder“ (!!!) - das ist schon ein starkes Stück! Wer ist denn nun der Verschwörer ? Berija und Malenkow oder Stalin ? Kann es denn für Stalinisten wie uns von der Komintern / ML auch nur den geringsten Zweifel oder leisesten Verdacht daran geben, dass wir den Vorwurf, Stalin sei ein Verschwörer, Verleumder und Denunziant“, mit absoluter Empörung zurückweisen ? Ist es nicht klar, dass wir hingegen Berija und Malenkow an den Pranger der marxistisch – leninistischen Weltbewegung stellen ? Ist es nicht ein verabscheuungswürdige Hinterlist, Täter und Opfer zu vertauschen ? Und ist es nicht ein noch größeres Verbrechen der Berijaner von heute, die Mingrelische Verschwörung so hinzudrehen, dass daraus umgekehrt eine Verschwörung Stalins“ gegen den Marxisten-Leninisten“ (!!) Berija wird ?? Das ist purer, blanker Trotzkismus, den man da in die heutige marxistisch-leninistische Weltbewegung eingeschleust hat !! Hiervon muss sich die marxistisch-leninistische Weltbewegung energisch und eindeutig distanzieren, wenn sie in ihrer Treue zu Stalin glaubwürdig bleiben will. Diese Demarkationslinie nicht zu ziehen, kommt einem Verrat an Stalin nahe - denn sie nicht zu ziehen, führt unvermeidlich zur Spaltung der marxistisch-leninistischen Weltbewegung, und dies ist – wie Sudoplatow enthüllt hat – vom Berijanertum beabsichtigt !!!

Nun, die Berijaner werden sicherlich jemanden zu verbergen gehabt haben, wenn sie bereit waren, das große Risiko auf sich zu nehmen als Verschwörer gegen Stalin diskreditiert zu sein. Da müssen sie sich ihrer putschistischen Ziele schon sehr sicher gefühlt haben (mit den Amis im Rücken!). Ein Grund mehr, Stalins Wachsamkeit und Entschlossenheit hervorzuheben, mit den Berijanern fertig zu werden. Stalin deckte tatsächlich geheime Verbindungen zu georgischen Menschewiki und Nationalisten auf. Dies kommentierte Berija beschwichtigend mit folgenden WortenStalins Anweisungen zur Liquidierung unbedeutender Gestalten in Emigrantenkreisen stellten für eine Großmacht keinen praktischen Nutzen dar!“ Was für eine hitler-faschistische, Großmacht-chauvinistische Phrasendrescherei lässt Berija hier vom Stapel ? „Während er, der stolze Hahn Berija, im Hahnenkorb der Großmachtgiganten vor der Kreml-Mauer napoleonisch- Furcht einflößend posiert, pickt sich die alte Henne Stalin auf dem Hinterhof Russlands ein paar `kleinen Gestalten`“.

Ging es wirklich nur um unbedeutende Gestalten“ oder machte Berija sie hier extra „unbedeutend“, um deren ernste Gefährlichkeit herunterzuspielen ? Wen Berija da in Wahrheit verheimlicht und deckt, das sind nicht die unbedeutenden Gestalten IN den Emigrantenkreisen, sondern die dunklen Gestalten HINTER den Emigrantenkreisen, nämlich die Hintermänner, die Finanziers der konterrevolutionären Emigrantenkreise – die Westalliierten ! Imperialisten kann man ja nun wahrlich nicht als „unbedeutende Gestalten“ bezeichnen, oder ?! Und in der Tat - es ging bereits konkret um Stalins Koordinierung einer Aktion gegen die USA, die schon einen Block sowjet-feindlicher Nationen zusammengestellt hatte: – Kerenski sollte diesen konterrevolutionären Militärblock anführen.

Wie Lenin die so genannten unbedeutenden Gestalten in Emigrantenkreisen“ einschätzte, wollen wir dem Leser nicht vorenthalten:

Heute gibt es kein Land in Europa, in dem es nicht weißgardistische Elemente gäbe. Die russischen Emigranten zählen an die siebenhunderttausend [700 000!!]. Das sind geflüchtete Kapitalisten und jene Masse der Angestellten, die sich der Sowjetmacht nicht anpassen konnte. Diese dritte Kraft sehen wir nicht, sie ist ins Ausland gegangen, aber sie lebt und wirkt im Bunde mit den Kapitalisten der ganzen Welt, von denen sie ebenso unterstützt wird wie Koltschak, Judenitsch und Wrangel, unterstützt wird durch Finanzierung und unterstützt wird auf andere Art und Weise, weil die Kapitalisten ihre internationalen Verbindungen haben“ (Lenin, Band 32, Seite 286). Und Lenin präzisiert, dass es sich nicht etwa um Flüchtlinge handelt, sondern umdirekte Helfershelfer des Weltkapitals, die von ihm ausgehalten werden und gemeinsam mit ihm vorgehen“ (ebenda, Seite 287).

In einem Gespräch über Italien, dass Genosse Stalin mit Genosse Enver Hoxha im Jahre 1947 führte, ist folgender Rat Stalins an Enver Hoxha zu entnehmen:

Die Anglo-Amerikaner werden dort Stützpunkte zu schaffen versuchen, sie werden sich bemühen, die Reaktion zu organisieren und die Regierung von de Gasperi zu stärken. Ihr müsst in dieser Richtung wachsam sein, damit ihr wisst, was die albanische Emigration dort treibt“ (in: Enver Hoxha, „Begegnungen mit Stalin“, Seite 69, Dortmund, KPD/ML, 1980).

Und tatsächlich hatten die Amerikaner kurze Zeit darauf Diversantengruppen über Albanien mit dem Fallschirm abgesetzt, wobei die Allbaner einige töten und die anderen gefangen nehmen konnten.

Mit der Mingrelischen Verschwörung wurde auch von den Anglo-Amerikanern versucht, ein Stützpunkt in Georgien zu schaffen, um mit Hilfe von Berija dort die Reaktion zu organisieren. Und Stalin war natürlich wachsam, was die georgischen Emigranten im Ausland trieben, nämlich die Mingrelische Verschwörung von außen zu unterstützen.

Interessant ist in diesem Zusammenhang, was Sudoplatow in seiner Autobiographie über Berija erwähnte:

Berija schien darauf versessen zu sein, seine alten persönlichen Verbindungen zu nutzen. Er kannte eine Reihe von georgischen Adligen im Westen, die ihm Gerüchte über unermessliche Schätze in entlegenen Verstecken des Kaukasus unterbreiteten“ (Sudoplatow, Seite 114). Wir fragen: Wozu unterbreiteten dies ausgerechnet die georgischen Adligen BERIJA?? Es ist bekannt, dass in Berijas Verwandtschaft eine ganze Reihe Mitglieder der Menschewiken-Regierung in Georgien waren, zu denen Berija vertraulichen Kontakt im Westen hatte.

Sudoplatow weist ferner auf einen gewissen Fürst Radziwill hin, dessen Kontaktmöglichkeiten zu Göring vom sowjetischen Geheimdienst angeblich überschätzt worden seien (Sudoplatow, Seite 148). Warum schrieb dieser Fürst aber in seinen Memoiren über Berija, dass dieser zum Abschied zu ihm gesagt habe: Fürst, Leute wie Sie brauchen wir!“ (Polski Slownik Biograficzny, Warschau 1987, Band 30, Seite 215-225).

Stalin ließ 1951 Schawdija verhaften als mingrelischen Nationalisten und Nazikollaborateur. Schawdija war der Neffe von Berijas Frau.

Stalin wusste also, warum er die Menschewiki und ihre Kontakte zur finstersten Reaktion, nicht unterschätzen durfte. Wenn also Berija von einer „Überschätzung“ der „unbedeutenden Gestalten in Emigrantenkreisen“ spricht, macht er sich zum Erfüllungsgehilfen des Menschewismus als direkter verlängerter Arm des Weltkapitalismus.

Das Lager der georgischen Emigranten war alles andere, als einheitlich, das Lager der georgischen Menschewisten und Nationalisten und Faschisten war nicht weniger einheitlich. Sie alle waren wie Krebse, die sich gegenseitig zerfleischten, um die Gunst der Imperialisten für sich allein zu beanspruchen. Die georgische Emigrantenreaktion belebte sich jedes Mal , wenn sich in Georgien der Klassenkampf der Sowjetfeinde in Georgien verschärfte. Die Imperialisten sorgten stets dafür. Aber Stalin sorgte seinerseits stets dafür, dass sich das georgische Volk von allen seinen Feinden, den äußeren wie den inneren, befreien konnte und es hat es bis heute nicht vergessen und wird es nicht vergessen. Die bitteren Erfahrungen des georgischen Volkes mit Berija, das georgische Volk des „lieben Friedens willen“ den Imperialisten zu opfern, haben niemals dazu geführt, das Vertrauen in ihren wahren Freund und georgischen Sohn zu verlieren – in den Genossen Stalin.

Heute ist allgemein bekannt, dass die USA-Imperialisten militärische Operationen auf dem Hoheitsgebiet der UdSSR mit Geld und Waffen unterstützten und hierzu die Exilregierungen hochpäppelten. Wir nehmen an, das die USA dabei um Georgien keinen Bogen gemacht haben. Und wir sind fest davon überzeugt, dass Stalin die Rote Armee ohne zu zögern in Marsch gesetzt hätte, wenn sich das amerikanische Kommando nicht aus den Angelegenheiten Georgiens zurückgezogen hätte.

In der Ukraine floss Geld von 1949 -1953. 1953??? - Tja, nach Stalins Tod hatten die Amis ja Berija, dem überließen sie dann das Kommando in der Ukraine, wenn ihm Chruschtschow dieses Kommando auch genauso schnell wieder abnahm, was der CIA nicht verhindern konnte oder wollte ! Übrigens der Putsch- und Mordversuch an Enver Hoxha im Jahre 1950 geht ebenfalls auf das Konto der US-Imperialisten ! Und in Polen wurden konterrevolutionäre Militärverbände von 1950-1952 unterstützt, um nur ein paar Beispiele zu nennen. Nebenbei (!!!) bemerkt, hat Berija auch das Radio der Amis benutzt ? oder die Amis Berija benutzt?, um die Mingrelische Verschwörung öffentlich in ihrer verdrehten, antistalinistischen Version zu präsentieren. Durch das Radio der Amis ist ja erst die Geschichtsfälschung der Mingrelischen Verschwörung in Umlauf gesetzt worden !! Die Berijaner – ein Sprachrohr der Imperialisten !! Diese Fälscher-Version ging im ganzen Westen durch die Presse. Sie richtete sich weder gegen Berija, noch gegen die Mingrelischen Verschwörer, sondern gegen Stalin, gegen die Sowjetunion !!! Warum nur versuchte Bill Bland, diese Fälscherversion mit einem eigens dazu angefertigten Artikel zu erhärten anstatt sie zu entkräften ??

Stalin leitete darauf hin eine Reihe von Gegenmaßnahmen ein, um die Wachsamkeit in den Unionsrepubliken zu erhöhen. Stalin plante Sabotageaktionen gegen die NATO, insbesondere in Gebieten, die an die SU angrenzten, Erdöl , Hafen, Flughafen, Militärstützpunkte , Pipelines usw. 1952 Aktionsplan für strategisch wichtige Sabotage im Falle eines Krieges mit USA und NATO, bzw., im Falle lokaler Konflikte, von Abakumows Nachfolger Ignatew und Verteidigungsminister Wasilewski- Plan von Sudoplatow und GRU-Direktor Sacharow unterzeichnet. Gleichzeitig degradierte Stalin Berija, um dessen Handlungsspielraum empfindlich einzuschränken, die Zusammenarbeit mit den Westmächten von Moskau aus zu lenken.

Mit Maßnahmen begann Stalin am 9. November 1952.

In der Politbüro-Resolution vom 9. November 1952, die an sämtliche Unionsrepubliken versandt wurde, verurteilte Stalin die Vetternwirtschaft in den Unionsrepubliken. Er gab darin klar und deutlich zu verstehen, dass Verstöße hart bestraft würden. Insbesondere war das eine Warnung an Berijas Netzwerk in Georgien und zeigt uns, dass Berijas Stuhl bereits wackelte und er bei Stalin in Ungnade gefallen war. Nun kommt `s: Stalin bestand darauf, dass ausgerechnet Berija den Vorsitz auf dem April-Plenum des ZK der KP Georgiens führen sollte, um sich und seine Kumpanen vor den Parteimitgliedern zu demaskieren. Gerissen wie Berija war, startete dieser ein Gegenmanöver, um sich geschickt aus der Klemme heraus zu winden. Stalin hatte ihm zwar eine Niederlage beschert, aber er fand Wege und Mittel, um sie unbeschadet zu überstehen (wie immer!). Chruschtschow und Berija hatten schon andere Lektionen überstanden, die ihnen Stalin in den Jahren 1951-1952 erteilte. Nach dem XIX. Parteitag wusch Stalin auch Molotow und Mikojan den Kopf und Stalin verpasste schließlich auch Bulganin eine gehörige Lektion. Stalin ließ mit seiner scharfen Kritik kein einziges Präsidiumsmitglied aus ! Er behielt bis zu seinem Tod die Hand über den Staatssicherheitsdienst und gab diesen nicht aus der Hand. Stalin hat den anti-leninistischen, und zudem Macht gefährdenden, Zustand einer Herrschaft von Staat oder Armee über die Partei in seinem ganzen Leben nie zugelassen, sondern deren Macht zurechtgestutzt, wenn von dort aus über den Kopf der bolschewistischen Partei entschieden und gehandelt worden wäre. Und da machte er bei Berija keine Ausnahme.

Stalin musst sich eines Scheinmanövers bedienen, um Berijas verbrecherischen Pläne zu durchkreuzen. Für Stalin war die Mingrelische Verschwörung nicht ein vorgeschobener Grund, die die Kompromittierung Berijas bezweckte, um damit die gut getarnten und daher schwer nachzuweisenden verbrecherischen Pläne Berijas – nämlich „die Sowjetunion von Stalin, vom Stalinismus, zu befreien“ zu vereiteln, also Berija im letzten Augenblick zuvorzukommen. Stalin verteidigte in Mingrelien die UdSSR vor ihrer Machtübernahme durch Berija. Kann da ein Marxist-Leninist etwa anderer Auffassung sein als Stalin?

Berija startete seinerseits ein Scheinmanöver mit dem Ziel, jene Überreste der konterrevolutionären Kräfte in Georgien zu schützen, die sich noch in ihren Schlupfwinkeln versteckt hielten, um Stalins Säuberung zu entgehen. Wenn man also von einem „Scheinmanöver der Mingrelischen Verschwörung“ spricht, muss man sehr wohl das marxistisch-leninistische und das revisionistische Scheinmanöver sauber voneinander trennen, dürfen diese beiden Scheinmanöver weder vermengt noch in ihr Gegenteil verkehrt werden. In Transkaukasien kämpften nicht der „Marxist-Leninist“ Berija und der Marxist-Leninist Stalin in einer Front gegen irgendwelche ominösen Mingrelischen Verschwörer, sondern hier kämpfte der Marxist-Leninist Stalin gegen Berija, den revisionistischen Anführer der Mingrelischen Verschwörer, um die leninistische KPdSU (B) zu verteidigen, so wie Stalin dies auch schon zu Lenins Zeiten gegen die Feinde der SDAPR in Transkaukasien tat. Die transkaukasischen Völker standen stets auf Seiten Stalins im Kampf gegen Stalins Feinde, denn Stalins Feinde waren auch die Feinde der transkaukasischen Völker. Stalin kämpfte nicht etwa deswegen gegen die Mingrelische Verschwörung, weil es sich um eine Verschwörung in seiner „Hochburg“ handelte (so eitel war Stalin nicht), sondern weil hier nicht nur die Völker Transkaukasiens, sondern auch die ganze Sowjetunion durch das Eindringen des amerikanischen Imperialismus vermittels subversiver, konterrevolutionärer, nationalistischer Kräfte ganz konkret, direkt und unmittelbar bedroht war. Deswegen sprach Stalin (im Gegensatz zu Bill Bland) nicht von nationalen, sondern von internationalistischen Kadern.

Nicht „nationale“ Kader bilden das Rückgrat des sowjetischen Systems, sondern die internationalistischen Kader aus allen Sowjetrepubliken – ohne zwischen russischen und nichtrussischen Sowjetrepubliken auch nur den kleinsten Unterschied zu machen:


Wir dürfen nicht vergessen, dass unsere kommunistischen Organisationen in den Randgebieten, in den Republiken und Gebieten, sich nur dann entwickeln und festen Fuß fassen können, nur dann zu wirklich internationalistischen marxistischen Kadern werden können, wenn sie den Nationalismus überwinden“ (Stalin, Band 5, Seite 270).


.„Wir müssen unbedingt den Kampf an zwei Fronten führen, denn nur wenn wir den Kampf an zwei Fronten führen – auf der einen Seite gegen den großrussischen Chauvinismus, der die Hauptgefahr in unserer Aufbauarbeit bildet, und auf der anderen gegen den lokalen Chauvinismus – kann Erfolg erzielt werden“ (Stalin, Band 5, Seite 234).


Drohen die Rechten durch ihre Nachgiebigkeit gegenüber dem Nationalismus das Wachsen unserer Kommunistischen Kader in den Randgebieten zu erschweren, so droht von den `Linken` der Partei die Gefahr, dass diese, von ihrem versimpelten und überstürzten `Kommunismus` hingerissen, unsere Partei von der Bauernschaft und den breiten Schichten er einheimischen Bevölkerung loslösen“ (Stalin, Band 5, Seite 272-273).


Stalin hatte sich nicht etwa deswegen für Berija entschieden gehabt, weil er sein Landsmann war, sondern weil er diesen irrtümlich für einen aufrechten Tschekisten hielt und irrtümlich glaubte, diesem hohe Ämter in Moskau anvertrauen zu dürfen. Und er hat schließlich und endlich diesen Irrtum mit seinem eigenen Leben bezahlen müssen.

In welcher Sozialistischen Republik ließ sich unauffälliger, leichter und ungestörter „im Namen Stalins“ gegen Stalin kämpfen, als in der Sozialistischen Republik Georgien, in Stalins Heimat und Hochburg?! Wer über Georgien herrscht, der herrscht über Stalin – das war der Plan, den Stalin durchschaute und durchkreuzte. An der Beseitigung Stalins war Berija interessiert, aber dafür musste er erst Georgien, die festen Wurzeln Stalins, unter seinen Einfluss bringen – dazu diente ihm die Mingrelische Verschwörung.


Berija (Halbjude) war ein Neffe von Stalin – genauer: Großenkel einer Cousine von Stalins Mutter. Berijas Schwiegertochter war Enkelin von Maxim Gorki . Berijas Sohn und Mutter wurden nach Sibirien deportiert. Berijas Werdegang hat aber nichts mit Günstlingswirtschaft zu tun. Im Gegenteil: Berijas Verwandtschaftsverhältnis zu Stalin war eher ein Nachteil für ihn. Denn Stalin hatte den Ruf absoluter Unbestechlichkeit und Unbeeinflussbarkeit. Dies stellte er auch demonstrativ unter Beweis, indem er Verwandte eher benachteiligte, damit auch nicht der leiseste Verdacht von Vetternwirtschaft aufkommen konnte. Berija musste dreimal so lange auf Beförderung warten wie andere, die an Berijas „Geheimdienstfähigkeiten“ nicht heranreichten.

Stalin macht in seiner Rede „Über die rechte Abweichung in der KPdSU (B), die er im April 1929 hielt, darauf aufmerksam:Wir sind kein Familienkreis, keine Innung persönlicher Freunde, sondern die politische Partei der Arbeiterklasse. Man darf nicht zulassen, dass die Interessen persönlicher Freundschaft über die Interessen der Sache gestellt werden“ (Stalin Band 12, Seite 1). Das Gleiche gilt natürlich auch gegenüber Verwandtschaftsverhältnissen. In seinem Schlusswort „Über die Mängel der Parteiarbeit“ wendet sich Stalin strikt gegen Sippen- und Vetternwirtschaft:

Es ist klar, dass eine solche Sippenwirtschaft einen günstigen Boden abgibt für die Züchtung von Speichelleckern, von Leuten, die jeglichen Gefühls eigener Würde bar sind und deshalb mit dem Bolschewismus nichts gemein haben“ (Stalin Werke, Band 14, Seite 148). Und so ein Speichellecker war Berija, der mit dem Bolschewismus nie etwas gemein hatte.

Stalin machte auch auf das sich gefährlich verselbständigende Mittelstück in Partei- und Regierungsorganisationen aufmerksam, das den Grundsätzen der Auswahl und Verteilung widerspricht:

Außerdem wollten sich diese Genossen, als sie sich persönlich ergebene Leute als Mitarbeiter heranholten, offenbar ein Milieu schaffen, das ihnen eine gewisse Unabhängigkeit sowohl gegenüber den örtlichen Funktionären als auch gegenüber dem ZK der Partei sichern sollte“ (ebenda, Seite 148).

Genossen, hier zeigt Stalin direkt auf das Milieu des reaktionären, neuen Kleinbürgertums in der UdSSR, das nicht nur in der Partei, sondern auch im Staat seine Geburtsstätte und Nährboden gefunden hatte. Unabhängigkeit von der Diktatur des Proletariats in der Grauzone der mittleren Ebene bis zur Tollheit der Unterwürfigkeit nach oben und der Überheblichkeit nach unten:

Aber die theoretische, abstrakte Anerkennung dieser Wahrheiten bewahrt die revolutionären Parteien noch keineswegs vor den alten Fehlern, die stets aus unerwarteten Anlässen, in etwas neuer Form, in früher noch nicht gekannter Verhüllung oder Umgebung, unter originellen – mehr oder weniger originellen – Umständen auftreten“ (Lenin, Werke, Band 31, Seite 17).

Dies traf sicherlich auch auf die berijanischen Verschwörer in Mingrelien zu, die sich sowohl eine gewisse Unabhängigkeit gegenüber den Funktionären Georgiens als auch gegenüber dem ZK der Partei sichern wollten – nicht zuletzt auf dem 14. Parteitag der KP Georgiens.


Wir wissen nicht, ob der 14. Parteitag der KP Georgiens im Januar 1949 zwei verschiedene Grußschreiben abgeschickt hat, das eine an Stalin und das andere an Berija, wie es Genosse Bill Bland zitiert hat. Und wir wissen auch nicht, ob Genosse Bill Bland damit zum Ausdruck bringen wollte, wie sehr die KP Georgiens damit ihre „Geschlossenheit“ gegenüber der „Einheit“ von Stalin und seinem Landsmann und „Kampfgefährten“ Berija demonstrieren wollte oder nicht. Aber wenn es so wäre, müsste man schon erstens wissen, was denn drin gestanden hat, zweitens wodurch sich beide unterschieden und drittens ob diese verschiedenen Grußschreiben von den gleichen Genossen zur Beschlussfassung auf dem 14. Parteitag eingebracht wurden (wohl eher von den Berijanern, die in Georgien Berijas Personenkult huldigten, und kaum von den Stalinisten, für die Berija nie ein unbeschriebenes Blatt war und ihn genauso ablehnten wie sie ihn fürchteten!) oder etwa durch Vertreter zweier verschiedener Fraktionen. Wir dürfen darüber nicht spekulieren, um damit irgend etwas zu „beweisen“. Aber diese Tatsache an sich entspricht eigentlich nicht den üblichen Gepflogenheiten des demokratischen Zentralismus einer bolschewistischen Partei und man muss über so einen Vorgang hellhörig werden. Denkbar wäre es deshalb durchaus, dass dies ein Indiz für die Existenz von Fraktionen gewesen sein könnte oder dass dies möglicherweise schon eine Indiz für eine bevorstehende Spaltung in der KP Georgiens bedeutet haben könnte - zwischen Stalinisten und Berijanern. Belegbare Tatsache ist jedenfalls, dass Berija in Georgien einen exzessiven Personenkult um sich betrieben hatte. Mit einem Grußschreiben extra an Berija wäre das nach dessen Machtergreifung sicherlich von Vorteil, um keine all zu böse Überraschung zu erleben, wenn er sich nach Stalins Tod wieder in Georgien blicken ließ. Gewiss stand Berija vor der Aufgabe, die KP Georgiens auf seine Verschwörung gegen Stalin indirekt vorzubereiten und sie geschickt auf seine Seite zu ziehen, eine Aufgabe, die sich ohne Scheinmanöver unmöglich bewerkstelligen ließ. Berija nutzte den 14. Parteitag in seinem Sinne gegen Stalin aus. Soviel steht fest. Ob aber überhaupt ein Grußschreiben an ihn abgesandt werden konnte oder nicht, wäre für Berija wohl als Stimmungsbarometer auf dem Parteitag über das dortige Kräfteverhältnis der Stalinisten und Berijaner in der KP Georgiens zu werten gewesen. Die Einschätzung dieses Kräfteverhältnisses war für Berija zweifellos taktisch bedeutsam für die Planung seiner Mingrelischen Verschwörung. Allerdings dürfte ein Grußschreiben der KP Georgiens an ihn bestimmt kein Freibrief gewesen sein. Der Aufstand der Stalinisten wurde 1956 in Georgien blutig zusammengeschossen.


Der Genosse Bill Bland schreibt über die Mingrelische Verschwörung:Der Angriff auf die georgischen Marxisten-Leninisten würde von den Marxisten-Leninisten anderswo nur als ein grundloser, provokatorischer Akt aufgefasst werden können.“ Wie soll das verstanden werden ? Grundsätzlich kennen wir keinen einzigen Fall in der Geschichte der bolschewistischen Partei, wo ein Angriff auf Marxisten-Leninisten von Marxisten-Leninisten anderswo jemals als ein „grundloser provokatorischer Akt“ aufgefasst worden sei, denn jeder Angriff auf diese oder jene Marxisten-Leninisten kann gar nichts anderes sein als ein provokatorischer Akt gegen alle anderen Marxisten-Leninisten. Und wir kennen ebenso wenig einen einzigen Fall, wo Marxisten-Leninisten von ihren Feinden „grundlos“ angegriffen worden wären.

Konkret gibt es natürlich ungezählte Fälle, wo die Feinde der Marxisten-Leninisten ihren wahren Grund hinter einem „vorgetäuschten“ Grund zu verbergen trachteten, um die Genossen irrezuführen. Und in der Tat war Berija viel zu schlau, um seinen Angriff ganz plump und offen auf Stalin vorzutragen, denn seinen Kopf brauchte er ja noch, um Stalin umzubringen. Ihm blieb doch gar nicht anderes übrig, als sich das Mäntelchen eines „Marxisten-Leninisten“ umzuhängen solange Stalin noch lebte. Und er investierte Einiges, um sich als „Marxist-Leninist“ in Pose zu bringen. Natürlich hatte Berijas Scheinmanöver das Ziel zu gegebener Zeit, d.h. nach der Ausschaltung Stalins und seines Apparats einzugreifen“. Und genau das hat er ja auch selber mit eigenen Taten nicht nur in Transkaukasien bewiesen, nachdem Stalin tot war. Also, Stalin in Worten gegen ein Scheinmanöver zu verteidigen und ihn in Taten gegen ein Scheinmanöver zu verteidigen, ist bei Marxisten-Leninisten identisch, aber nicht so bei Feinden der Marxisten-Leninisten. Und wie wir gesehen haben, gehörte Berija zu der letzteren Kategorie.

Für uns Weltbolschewisten kann es im globalen Klassenkampf, in der sozialistischen Weltrevolution, prinzipiell nur zwei Taktiken von Scheinmanövern geben: Erstens das Scheinmanöver Im Interesse des Weltproletariats, um dessen Position zu stärken und die Weltbourgeoisie zu schwächen. Zweitens das Scheinmanöver im Interesse der Weltbourgeoisie, um ihre Position zu stärken und die des Weltproletariats zu schwächen. Irgendein Scheinmanöver, das angeblich dazwischen liegen soll, gibt es nicht und kann es nicht geben.


Dass sich das Ministerium für Staatssicherheit in der Gewalt heimlicher Feinde befunden hat, und das es sich in Georgien schwerer Justizverbrechen schuldig gemacht hatte, das hatte Stalin schon vor seiner Ausschaltung nachgewiesen, wie wir oben an Rukhadses Verhaftung durch Stalin gesehen haben. Und Berija hat nach der Ausschaltung Stalins die „Unschuld“ der Ärzteverschwörer „bewiesen“ und konterrevolutionäre Verbrecher rehabilitiert, die unter Stalin gesessen haben. Es war Berija, der Stalins Justizirrtümer berichtigt“ hatte, kaum dass Stalin eine Woche Tod war und ohne dass den Ärzteverschwörern überhaupt der Prozess gemacht worden war. Dies sollte im März 1953 geschehen und brauchte im März 1953 nicht mehr geschehen – dank Berija konnten die Prozesskosten gespart werden ...und dass dabei die Verbrechen von Berija gar nicht erst ans Tageslicht kommen konnten, dafür hatte Berija in allerletzter Sekunde gesorgt.


Bill Bland zitiert in seiner Schrift: „Am 24. Mai 1951 " ... gab der Sender 'Stimme Amerikas' bekannt, dass ... er ab Samstag in georgi-

scher Sprache senden würde," ('New York Times', 25. Mai 1951, S. 21). Wir fragen: Wieso kündigten die Imperialisten das ausgerechnet im Zusammenhang mit der Mingrelischen Verschwörung an ? Damit die georgischen Emigranten darüber ihre verdeckten Einsatzdirektiven bekamen ? Wie konnten sie von der internationalen Brisanz der Mingrelischen Verschwörung vorher informiert gewesen sein ? Weil sie selber eine ihrer Initiatoren waren ? Wollten die US-Imperialisten „für ein paar Mingrelier die Freiheit“ erkämpfen oder beabsichtigte die „Stimme Amerikas“ auf Grund von Quellen aus allerhöchsten Führungskreisen Moskaus, die Sturmglocken gegen Stalin zu läuten? Warum plötzlich eine so eifrige propagandistische Geschäftigkeit der Imperialisten ausgerechnet in Georgien? Wollten sie das georgische Volk zum Aufstand gegen Stalin provozieren ? Wussten die schon eher, was auf Stalin zukommen sollte als Stalin selbst ? Nein, Stalin war hierüber informiert und leitete Gegenmaßnahmen ein. Mussten nicht schon längere Verbindungen zu den USA bestanden haben, damit die Radiologistik überhaupt rechtzeitig zum Einsatz kommen konnte ? Ja, die Imperialisten waren über Georgien schon informiert, bevor es überhaupt sozialistisch geworden war ! Die Amis wussten über Georgien Bescheid. Sie hätten sich nicht einfach nur auf blauen Dunst auf so ein Manöver eingelassen. Sie gingen das Risiko der Spekulation ein, weil sie sich ihrer Sache sehr sicher gewesen sein mussten. Stalin machte ihnen einen Strich durch die Rechnung und das war der Grund, weswegen sie sich veranlasst fühlten, demonstrativ ihre Hände in Unschuld zu waschen. Genau das war der Grund, weswegen ihnen die Geschichtsfälschung über die Mingrelische Verschwörung so wichtig war. Warum hat sich Bill Bland dafür her gegeben, diese amerikanische Geschichtsfälschung auch noch durch den „Marxisten-Leninisten“ Berija zu untermauern ?


Gegen wen richtete sich also die „Stimme Amerikas“? Sie richteten sich gegen Stalin, und zwar genau in dem Moment, wo er die von den USA bestochenen Feinde in Georgien hinweg säuberte. Die Mingrelische Verschwörung war also auch ein unvermeidliches Scheinmanöver der Amis, um den ans Licht gekommenen Bestechungsskandal von sich auf Stalin zu lenken ! Aber die historische Wahrheit kann niemals vertuscht werden: Die Nationalisten, die großmäulig die Nation retten“ wollten, hätten Georgien gern für ein paar Dollar an die Imperialisten verkauft ! Und so dachten die Imperialisten das ganze georgische Volk kaufen zu können, weil sie dem Irrglauben erlagen, der Kommunismus sei in Georgien eine Art Fremdkörper, etwas, was von Russland aus exportiert worden sei, also dass dafür keinerlei Basis in Georgien vorhanden sei und sie leichtes Spiel hätten. Die Imperialisten waren der Meinung, dass Georgien ihnen die Füße küssen würde, wenn man es nur vom Kommunismus „befreien“ wollte. Sie versuchten, Georgien in eine Barrikade gegen den Kommunismus zu verwandeln, weil sie es fataler Weise für einen Pfahl im Fleische des Kommunismus hielten. Diesen Irrtum erlagen die Imperialisten auch gegenüber Albanien:


Je mehr Niederlagen die Nazis erlitten, je stärker der Nationale Befreiungskampf in unserem Land und in anderen Ländern wurde, desto gefährlicher wurde der anglo-amerikanische Imperialismus. Dieser Feind war wild, hatte sich mit demokratischen Losungen getarnt und bezeichnete sich selbst als „anti-faschistisch“. In Wirklichkeit war er durchtrieben, operierte machtvoll und stets getarnt und hatte die feste Absicht, von der Situation zu profitieren, um seine eigene Hegemonie über die Völker der Welt zu errichten. Es gab viele, die das vergaßen, die ihn unterschätzten, die Kommunistische Partei Albaniens und ihre Führung hingegen ließ ihm gegenüber niemals die Wachsamkeit sinken. In allen Augenblicken blieben wir hellwach, um seine Pläne zu durchkreuzen, und durchkreuzten sie tatsächlich einen nach dem anderen. Die Engländer verstärkten den Druck auf uns, während wir unsere stählerne Faust gegen sie erhoben“ (Enver Hoxha, „Anglo-amerikanische Machenschaften in Albanien-Erinnerungen“, Tirana 1982, Seite 347).



Die Amis taten zu diesem Zweck alles, um Berija zu helfen, Stalins Säuberungen in Georgien zum Scheitern zu bringen. Inwieweit sie dabei direkt terroristische Maßnahmen ergriffen wissen wir nicht, aber wir gehen davon aus, denn das gehörte und gehört zum festen Repertoire der amerikanischen Geheimdienste.

Und Berija war offensichtlich der Auffassung, alle Figuren auf seiner eigenen „Welt“-Bühne für sich tanzen zu lassen. Er wusste nicht nur über die Befehle der Imperialisten, sondern auch über die Befehle Stalins Bescheid, und meinte seine eigenen Befehle hinter beiden Seiten verbergen und zu seinem eigenen Vorteil kombinieren und ummodeln zu können, wie er es schon hundert Mal vorher erfolgreich praktiziert hatte. Seine Selbstüberschätzung bestand darin, aus dem Interessengegensatz zwischen der UdSSR und den Imperialisten bezüglich Georgiens seinen eigenen Vorteil zu ziehen, beide besiegen und in Schach halten zu können.

Anstatt über die Wahrheit die stalinschen Säuberung der Nationalisten zu berichten, unterstützte die „Stimme Amerikas“ alle konterrevolutionären georgischen Kräfte, die sich mit den USA vereinigt hatten. Nur von der Hauptfigur ihres Spiels, von Berija, durften sie natürlich nichts berichten, denn den brauchten sie ja noch in Stalins Zimmer.

Wer verfügte über einen Geheimdienstapparat in der UdSSR, der in der Lage war, mit den USA - von Stalin unbemerkt [!!!] - in Kontakt zu treten ? Darüber verfügte nur ein Berija. Er hatte von den Imperialisten den Auftrag bekommen, in die kommunistische Bewegung Georgiens hineinzuwirken, um sie zu schwächen, zu spalten und reaktionäre Elemente in sie hineinzuschleusen.



Mit 100% iger Sicherheit wurden die Amerikaner nur aus einem Grund plötzlich so aktiv. Sie mussten von Berijas Leuten die Information zugespielt bekommen haben, dass mit der Mingrelischen Verschwörung ein geplanter Sturz Stalins kurz bevor stand. Die eingeschaltete Präsenz der Weltöffentlichkeit lässt nur einen Schluss zu: Die Kurswende in der UdSSR stand bevor und dieses „sensationelle“ Ereignis auszuschlachten, wollten sie auf keinen Fall verpassen. Wahrscheinlich wollte sich Berija rechtzeitig als „Retter“ feiern lassen und sich einen vordersten Platz an der Spitze jener neuen russischen Regierung sichern, die von den USA nach Stalins Sturz offiziell anerkannt und gelobt werden würde. Vielleicht ist Stalin seinem Umsturz zuvor gekommen, den er den Amis schon versprochen hatte und stand nun unter Glaubwürdigkeitsdruck bei den Amerikanern, was ihn zum Ziehen der Notbremse veranlasst haben könnte. So hätte der Umsturz nur noch mit dem Mord an Stalin gerettet werden können. Die USA konnten nicht die UdSSR direkt überfallen, aber propagandistisch, militärisch und wirtschaftlich sehr wohl dafür sorgen, dass die antistalinistischen Kräfte in Georgien unterstützt werden, und zwar so weit wie es für den Umsturz der UdSSR nützlich und erforderlich war. Welchen konterrevolutionären Einfluss die USA auf die Mingrelische Verschwörung ausgeübt hatten, um den Sturz Stalins zu beschleunigen, darüber hatte Bill Bland leider kein Wort verloren. Indem er sich aber der Propagandaquellen der US-Imperialisten bediente, half er uns auf die Spur zur Wahrheitsfindung.


Bill Bland hat nicht ein einziges offizielles Dokument der KPdSU, der Prawda oder so, zitiert. Auch von Politbürobeschlüssen keine Spur – nichts von Alledem. Die offizielle Haltung der Regierung der UdSSR spielte für ihn überhaupt keine Rolle bei seiner Beurteilung der Mingrelischen Verschwörung. Was uns stutzig macht, das ist, dass er Stalins Politik gar nicht ausdrücklich hervorhebt und würdigt, sondern ihn nur im Zusammenhang mit dem „Marxisten-Leninisten“ Berija erwähnt. Vielleicht war es für Bill Bland nicht möglich, offizielles sowjetisches Material zu beschaffen, aber zumindest hätte er doch wenigstens den Versuch machen müssen, sich in die Georgien-Politik Stalins hineinzudenken und seine politische Linie in Georgien zu verdeutlichen. Der Chronologie der von Bill Bland dargestellten Ereignisse fehlt somit ihre grundlegende ideologische Auswertung und Verteidigung der in Georgien vertretenden Sowjetpolitik Stalins. Das halten wir für mangelhaft und einseitig. Bill Bland zitiert Nachrichten, die westlichen Diplomaten zugespielt (!!!) wurden. Von wem, sagt er nicht, obwohl gerade dies beweist, dass man in Georgien hinter dem Rücken Stalins eben „diplomatisch“ (geheimdienstlich!) gearbeitet hatte. Und in der Tat ist die Mingrelische Verschwörung eine „zugespielte“ Verschwörung. Eine Imperialistische Diplomatentätigkeit von unbedeutenden Gestalten“ aus Mingrelischen Hinterhöfen ? Wer soll das glauben ?


Bill Bland zitiert die New York Times. Er zitiert bürgerliche Autoren wie David Lang,Moderne Geschichte Georgiens“; John Ducoli;Die georgischen Säuberungen 1951-53“, in: Kaukasische Rundschau, Band 6, 1958, S. 55, R. Conquest; C. H. Fairbanks jr. usw. usf.

Warum stützt er sich ausschließlich nur auf anti-stalinistische Quellen? Dagegen ist natürlich nichts einzuwenden, aber es ist uns unverständlich, dass er diese Quellenaussagen unkritisch als „Tatsache“ übernimmt, um zu beweisen, dass dort „Marxisten-Leninisten“ und nicht umgekehrt Konterrevolutionäre gesäubert worden wären - wie es einträchtig aus allen von ihm verwendeten bürgerlichen Quellen hervorgeht. Bill Bland weiß doch, dass man bürgerlichen Quellen nicht blind vertrauen kann, dass man sie kritisch überprüfen muss mit Hilfe des Marxismus-Leninismus.


Sehr befremdlich mutet es uns an, wenn der Genosse Mgeladze, der laut Prawda vom 6. Juni 1952 ( die schließlich das Sprachrohr der KPdSU (B) unter Führung des Genossen Stalin (!!) war ) vom Plenum des ZK der KP Georgiens als Erster Sekretär gewählt wurde, von Bill Bland allerdings ganz im Gegensatz dazu als „heimlicher Revisionist“ bezeichnet wird.


Mgeladse hat Stalins Direktiven lediglich ausgeführt. Da wir davon ausgehen, dass Bill Bland den Genossen Stalin nie als „heimlichen Revisionisten“ eingeschätzt hat, muss man also davon ausgehen, dass Mgeladse einen marxistisch-leninistischen Auftrag für Stalin ausgeführt hat. Aus welchem Grund auch immer dieser ihn ausgeführt hat, das ändert nichts an der Tatsache, dass er ihn ausgeführt hat und das ist das Entscheidende. Stalin war `s zufrieden, jedenfalls nach dem, was er hierüber veröffentlichen ließ. Also muss man doch erst einmal diejenigen verteidigen, die sich in den Dienst Stalins gestellt haben und darf sie nicht unbegründet als „heimliche Revisionisten“ einschätzen. Stalin hat die Untersuchungen persönlich gelenkt und wir trauen ihm durchaus zu, dass er ein Kenner der Vorgänge in seiner eigenen Heimat war, dass er dort sehr wohl Freund und Feind unterscheiden konnte und dass er auch bis zu seinem Tod seine Entscheidungsbefugnisse nicht aus der Hand gegeben hat. Die Unterstützung bei der stalinschen Säuberung der Berijaner hatte Genosse Mgeladze also im direkten Auftrag des Genossen Stalin vorgenommen, weswegen wir ihn in dieser Hinsicht bedingunslos in Schutz nehmen müssen. Warum hat das Bill Bland nicht auch getan ? Das wäre für ihn als Stalinfreund Pflicht gewesen, auch wenn er persönlich anderer Meinung war.

Die von Stalin Gesäuberten waren alles Parteigänger, die Berija persönlich vorgeschlagen hatte. Konnte sich Berija geirrt haben, wen er da vorgeschlagen hatte ? Im Einzelfall vielleicht, aber bei 400 Funktionären ist das wohl eher unwahrscheinlich. Warum sollte Stalin all diese „marxistisch-leninistischen“ Berijaner hinaussäubern ? Warum säuberte Stalin nicht die Gegner des „Marxisten-Leninisten“ Berija hinaus, sondern ausgerechnet und ausschließlich die Berijaner ???? Hierauf gibt Bill Bland keine Antwort. Was sollen wir tun ? Was sollen wir glauben ? Wir können und wollen nicht glauben, dass Bill Bland absichtlich Berija gegen Stalin verteidigt hat. 400 Funktionäre wurden verhaftet, darunter Baramia, Dschibalidse, Schadura, der Präsident des Obersten Sowjet Gogya, der Oberste Staatsanwalt Schoria und der Justizminister Rapawa und Kosomolsekretär Sadelawa.


Bill Bland schreibt: „Mgeladze hatte schon im Mai 1952 vor Vertretern des Bundes der Georgischen Jungkommunisten Folgendes geäußert: 'Genosse Stalin entdeckte Mängel in der Führung der Kommunistischen Partei sowie in der des Bundes der Jungkommunisten Georgiens, welche bedrohliche Folgen gehabt haben könnten und zeigte Wege auf zur Berichtigung der Fehler.' (A. Mgeladze, Bericht an den Bund der Jungkommunisten, Mai 1952, in: R. Conquest, 1961, ebenda, S. 141 f.).

Wir halten dieses Zitat für korrekt, denn es bestätigt uns das oben Gesagte. Außerdem ist es ein Dokument, das Stalin bekannt gewesen sein dürfte. Ein Dementi Stalins hierzu liegt uns nicht vor, so dass wir davon ausgehen, dass Stalin wirklich davon ausging, dass es um die Abwendung einer gefährlichen Bedrohung ging. Kann man daran zweifeln ? Wir glauben nicht, dass man daran zweifeln kann.


Doch an dieser Stelle, lieber Leser, bitte genau das obige Zitat mit dem folgenden Zitat vergleichen !

Vergleichen wir, was Mgeladze im obigen Zitat sagte, mit dem, was Bill Bland im Folgenden dazu sagte:


Die angeführten Gründe dafür, dass Berija und Stalin diese Veränderungen gewollt haben sollten, waren dann naturgemäß reichlich nebulös.“


Bill Bland hat hier plötzlich den Namen Berija im Zitat auftauchen lassen. Hatte Mgeladse im obigen Zitat vom Mai 1952 Berija benannt ? Wir haben das obige Zitat 10x gelesen, aber wir können jedes Mal nur immer wieder feststellen: Mgeladse hat nur den Namen Stalins genannt, und nicht den Namen Berija. Wir fragen uns, warum hat Bill Bland den Namen Berija hinzu gemogelt ??


Wir finden das gar nicht reichlich nebulös, was Mgeladze hier gesagt hat – es sind ja Stalins klare Worte, die Mgeladse hier ausdrückt.. Reichlich nebulös finden wir es, wenn Bill Bland hier Stalin und Berija (!) in einem Atemzug nennt, während Mgeladze ausschließlich von Stalin gesprochen hat. Nebulös ist es, warum Berija hier von Bill Bland willkürlich und unbemerkt an Stalins Seite geschmuggelt wird, obwohl sich Stalin dokumentarisch nachweisbar längst von Berija abgewandt hatte (Herbst 1951). Hat Bill Bland das übersehen ? Wir kennen Bill Bland und seine Gewissenhaftigkeit bei der Recherche seiner Quellen und unterstellen ihm nicht, dass er schlecht recherchiert hätte. Warum aber versteift er sich auf den irrigen Standpunkt, dass Berija und Stalin angeblich an einem Strang gezogen hätten, warum packt er sie zusammen auf eine Seite - und das mit der fragwürdigen Methode des Unterschiebens ? Hier liegt offensichtlich der fatale Fehler vor, der ihm bei der ganzen, grundsätzlichen Beurteillung der Mingrelischen Verschwörung unterlaufen ist.

Sie war keine Verschwörung gegen die beiden „Marxisten-Leninisten Berija und Stalin“ wie Bill Bland meinte, sondern eine Verschwörung des Antistalinisten Berija gegen den Marxisten-Leninisten Stalin.


Bill Bland ist Berijas Manövern auf den Leim gegangen mit fatalen Folgen für die ganze marxistisch-leninistische Weltbewegung, denn die Berijaner konnten sich diesen Fehler auf unsere Kosten, auf Kosten des Stalinismus, zunutze machen. Wir haben hier versucht dazu beizutragen, Bills Fehler zu kritisieren und zu korrigieren. Mehr konnten wir in der Frage der Mingrelischen Verschwörung wirklich nicht für den Genossen Bill Bland tun. Den Mörder Stalins kann man nicht in der marxistisch-leninistischen Bewegung als „Marxisten-Leninisten“ aufnehmen. Das ist zu viel von uns verlangt und kann nicht im Raum stehen bleiben !!! Dieser Fehler ist hiermit von der Komintern / ML offiziell selbstkritisch korrigiert worden und wir sind uns sicher, dass alle anderen Organisationen der marxistisch-leninistischen Weltbewegung für sich selbst die richtigen Konsequenzen ziehen !! Was richtig ist, nehmen wir in uns auf, ohne uns an das Falsche zu klammern. Wir halten es für angemessen, der marxistisch-leninistischen Weltbewegung aus diesem ernsthaften Grund zu empfehlen, mit gebotenem Respekt gegenüber Bill Bland kritisch und selbstkritisch seine Arbeit auf ähnliche Schwächen hin nochmals sachlich zu prüfen, um weitere Fehleinschätzungen von ihm korrigieren zu können. Sollte sich unsere Verunsicherung über Bill Bland als unbegründet erweisen, um so besser. Ich hoffe, Bill wird uns verzeihen, wenn wir seine Arbeit gründlicher als bisher studieren müssen. Denn, wenn wir den unserer Meinung nach falschen Standpunkt Bill Blands in der Mingrelischen Verschwörung nicht kritisch analysiert hätten, würden wir ihn weiter vertreten und verbreiten und der Arbeiterklasse damit einen schlechten Dienst erweisen. Wir wären schlechte Marxisten-Leninisten, wenn wir unsere Fehler deswegen nicht gegenseitig solidarisch kritisieren, nur um einen Freund und Genossen nicht zu verletzten. Kritik und Selbstkritik sind eine sichere Methode, um unsere richtigen Standpunkte zu festigen und falsche Standpunkte zu korrigieren – ohne Ansehen der Person. Und der Genosse Bill Bland hat unserer Meinung nach einen falschen Standpunkt, einen gefährlichen Standpunkt eingenommen. Wir müssen Bill Bland kritisieren - einen anderen Weg gibt es für uns nicht.


Dankenswerterweise liefert Bill Bland seinen Lesern in dem folgenden Zitat den konkreten Grund, warum Stalin hier gegen die alte Führung, (allerdings bestand sie nun einmal eben aus den Berijaleuten), vorgehen musste:


Mgeladze dazu vor dem Parteitag der Georgischen Kommunistischen Partei im September 1952: 'Die alte Führung hatte vergessen, dass internationale Reaktionäre versuchen, in unserer Republik nationalistische Elemente mit einer feindlichen Einstellung zu finden, um mit ihrer Hilfe Sabotageakte zu begehen und Spionagearbeit zu betreiben.' ('New York Times' vom 23. September 1952, S. 3).“ Genau diese Worte hätten auch aus dem Munde Stalins stammen können, denn was Mgeladse hier sagte, entsprach der politischen Linie, die Stalin zum damaligen Zeitpunkt in Wort und Tat vertreten hatte. Und die historischen Tatsachen, die Ereignisse der damaligen Zeit geben uns das Recht und legen uns die Pflicht auf, diesen Standpunkt Stalins bedingungslos zu verteidigen.


Weswegen Stalin die Berijaleute vom Posten abberief, das war eben ihre „mangelnde Wachsamkeit“ (das ist relativ milde ausgedrückt, aber aus dem Mund Stalins war das stets ein niederschmetterndes Urteil !) gegenüber den Imperialisten, die sich an die nationalistischen Elemente in Georgien heranmachten, um sie gegen die Sowjetunion mit konterrevolutionären Mitteln zu unterstützen. Für Stalin war die Politik der Amerikaner klar – nämlich in Georgien die Reaktion zu organisieren. Stalin machte mit den Säuberungen den Geheimdiensten der Imperialisten deutlich, dass Georgien für sie kein Haus der offenen Tür ist, wo man nach Belieben herein und hinaus spazieren kann.

Wenn Stalin nicht wüsste, dass die Berijaner hier nicht einfach nur „weg geguckt“ haben, dass diese die nationalistischen Elemente nicht nur gedeckt, sondern auch instrumentalisiert haben, dann würde Stalin mit ganz anderen Arbeitsmethoden, mit den Methoden der Überzeugung und kameradschaftlichen Hilfestellung bei der Entwicklung der Kader, operieren und nicht zur Methode des Zwangs und der Säuberung gegriffen haben. Stalin hat den offenen Verrat der Berijaleuten sehr wohl bemerkt, sie aber vorher gewarnt, bevor er zuschlug. Das war der Grund, weswegen Stalin in Georgien zuerst kräftig auf den Bus(c)h klopfte (... dass im August 2008 Bushplakate das wunderschöne Georgien verschandelten, daran war Berija schließlich nicht ganz unschuldig!), um zu sehen, wer da runter fällt. Und wir sind fest davon überzeugt, dass seine Methode jene gesicherten Ergebnisse bestätigte, von denen er auch schon vorher überzeugt war. Stalin war sich im Verlauf seines Kampfes gegen die Mingrelische Verschwörung immer klarer darüber geworden, dass von Berija die Hauptgefahr in Georgien ausging, weil alle Fäden, denen Stalin nachgegangen war, zu Berija führten – zu niemandem sonst.



Kommen wir nun zu unseren eher bescheiden anmutenden Quellen, die wir den Quellen von Bill Bland gegenüberstellen möchten, damit sich der Leser sein eigenes Bild machen kann:


Wir beziehen uns auf den Berija-Prozess von 1953. Als Zeuge sagt aus Berischwili, ein Handlanger Berijas. Berischwilis Aussage zu Folge hatten

alle Mingrelier, geführt von Gegetschkori und Kedia (von Menschewisten bis Faschisten), einen Berija-Kult ins Leben gerufen. Sie hielten ihn für die größte Persönlichkeit in der Sowjetunion und hoben ihn in jeder Weise in den Himmel. Sie alle waren felsenfest sicher: Berija ist Stalins Nachfolger. So sehr die Mingrelier – Menschewiken wie Faschisten – auch auf die Sowjetmacht schimpften – in Bezug auf Berija taten sie es nicht. Sie hielten ihn für ein Genie.“


Berischwili bezeugte, dass der menschewistische Führer Noj Schordanow ihm schon 1938, als Berija gerade erst zum Volkskommissar für Inneres ernannt worden war, sagte; „Mit dieser Ernennung hat Berija die erste Etappe seines Machtstrebens gewonnen, und er wird danach trachten, an Stelle von Stalin den ersten Platz einzunehmen. Er wird auf diesem Weg nicht davor Halt machen, Stalin und Leute seiner Umgebung zu vernichten“ (B.S. Popow / W.G. Oppikow; „Beriewschtshina“. In: Wojenno-istoritscheski Schurnal Krasnaja Swesda vom 30. 9. 1989). In dieser Zeugenaussage finden wir unsere alte These wieder, dass Faschisten und Sozialdemokraten gegen den Bolschewismus stets gemeinsame Sache gemacht haben.


Auf der Sitzung des Sicherheitsrates am 11. März 1953 forderte John F. Dulles, den Nationalismus hinter dem „Eisernen Vorhang“ zu fördern. Umsturzversuche sollten unterstützt werden. Wir haben keinen Zweifel daran, dass diese konterrevolutionäre Leitlinie des amerikanischen Imperialismus auch bezüglich Georgiens seine Anwendung fand. Das war unmittelbar nach Stalins Tod und Berija hatte das Seinige unter Beweis gestellt, den Forderungen der USA vollkommen zu entsprechen ! Er war zu dieser Zeit die stärkste Figur der Konterrevolution in der Sowjetunion.

Korotkow – ein Geheimdienstler, trat im Fall Berija als Zeuge gegen ihn auf und beschuldigte ihn, Kontakte zu ausländischen Geheimdiensten unterhalten zu haben. Dass diese Zeugenaussage von Chruschtschow „erzwungen“ worden sei, wollen wir einmal dahingestellt lassen. Auch Sudoplatow gab schließlich zu, dass er im Auftrage Berijas Kontakte zu ausländischen Geheimdienst aufgenommen hatte, und das sagte er nicht unter dem Druck Chruschtschows, sondern zu einem Zeitpunkt, als es die Sowjetunion nicht mehr gab, als alter Helfershelfer Berijas. Sicher ist, dass sowohl Berija als auch Chruschtschow Stalin verraten haben, indem sie mit dem Imperialismus kollaborierten. Uns ist klar, dass Chruschtschow diese Zeugenaussage nur dazu diente, seine eigene Kollaborationsverbrechen in Berijas Grab zu versenken. Die Berijaner ziehen daraus natürlich eine ganz andere „Schlussfolgerung“. Wenn der Revisionist Chruschtschow Berija als englischen Agenten anklagt, dann bedeute das automatisch, dass Berija ein Stalinist gewesen sein müsse. Wieso müssen ? Das ist undialektisch, denn damit wird a priori jede Möglichkeit ausgeschlossen , dass Berija auch andere Motive als marxistisch-leninistische gehabt haben konnte. Alles, was wir bisher über Berija wissen, widerspricht dieser berijanischen Selbstschutzbehauptung, weswegen wir sie auch ans Tageslicht gebracht haben.

Wenn Berija ein „Marxist-Leninist“ gewesen sein soll, warum sind dann die Meisten von seinen Gefolgsleuten nach seinem Tod zu Chruschtschow übergelaufen, der doch von ihnen eigentlich als Erz-Revisionist hätte gebrandmarkt werden müssen, zumal der ja schließlich ihren „marxistisch-leninistischen“ Führer Berija umgebracht hatte ?


Warum haben die Berijaleute sich an der Niederschlagung der Stalindemonstrationen in Tiflis beteiligt ?


Warum haben sie Berijas „Entstalinisierung“ ohne Berija weiter fortgesetzt anstatt für die Rehabilitierung Stalins zu kämpfen wie es die Georgier heute noch tun ? Es dürfte für die Berijaleute doch gerade in Georgien nicht schwer fallen, gegen die „Entstalinisierung“ zu kämpfen bei dem großen Rückhalt des stalinfreundlichen georgischen Volkes. Kam der georgische Aufstand „von oben“ oder von unten ?.


Wir könnten noch hundert weitere Fragen stellen, aber es kommt dabei immer nur die eine Antwort heraus: Berija war kein Marxist-Leninist – er war ein Anti-Stalinist. Wer den Stalinismus mit dem „Marxismus-Leninismus“ angreift, klagt sich selbst als Anti-Marxist-Leninist an.


Unser wichtigster Zeuge ist und bleibt Berija selbst. Wir beurteilen ihn nicht danach, was er gesagt hat und was er von sich selber hielt oder andere von ihm hielten, sondern nur nach seinen Taten, und die offenbarten sich besonders nach Stalins Tod, nachdem er also seine „stalinistische“ Maske zum Erstaunen aller demonstrativ abgestreift hatte. Er entpuppte sich ganz offen als ein Verbrecher. Berija hatte den Tod verdient. Und Stalin hatte noch zu Lebzeiten für dessen Vollstreckung gesorgt, indem er die Widersprüche unter seinen Verschwörern geschickt auszunutzen verstand, so dass es früher oder später jemanden von ihnen erwischen musste. Dass Chruschtschow Berija erschießen ließ, rechnen wir Stalin als Verdienst an, nicht dem Verbrecher Chruschtschow.


Worin bestand nun Berijas Scheinmanöver ? Wie lenkte er Stalin von der weiteren Verfolgung der Mingrelischen Verschwörung ab ?

Berija lenkte Stalins Aufmerksamkeit auf Abakumow, der angeblich eine Verschwörung vor Stalin geheim hielt (Abakumow wurde damals von Stalin als Minister für Staatssicherheit vorgeschlagen und ernannt. Berija und Molotow schwiegen, während Shdanow diesen Vorschlag unterstützte!). Berija war also von Anfang an gegen Abakumow, der sich Berija an die Fersen gesetzt hatte und die Säuberungen der Mingrelischen Verschwörung leitete. Abakumow musste er also aus dem Wege räumen. Im Sommer 1951 informierte der damalige Leiter der Abteilung für die Untersuchung besonders wichtiger Angelegenheiten im Ministerium für Staatssicherheit, M. Rjumin, Stalin über eine Verschwörung jüdischer bürgerlicher Nationalisten, die von der amerikanischen Spionage inspiriert worden seien. Darüber hinaus habe er die Quelle dieser Information, Professor Etinger, im Gefängnis umgebracht (Krasnaja Swesda 30. 9. 1989). Stalin wurde von Berija auf die Juden umdirigiert. Durch die Mingrelische Verschwörung hatte Berija den 2. Platz hinter Malenkow erobert. Aber Chruschtschow und Bulganin, die sich schon früher in Moskau verbrüdert hatten, lagen auf der Lauer. Doch dazu im nächsten Kapitel.



Im Ergebnis verhinderte Stalin zunächst , dass Berija vermittels der Mingrelischen Verschwörung die SR Georgien mit Hilfe der USA abspaltete, um damit den Zusammenbruch der Sowjetunion ins Rollen zu bringen. Anstelle eines Manövers zur Isolierung Georgiens kam es zur Isolierung der Isolierer. Stalin hatte die Imperialisten gewarnt. Die Kugeln gegen die georgischen Verräter würden auch sie treffen, wenn sie die Stirn hätten, in die inneren Angelegenheiten der SR Georgien direkt einzugreifen. Es ging Stalin bei der Mingrelischen Verschwörung nicht um Akte der Vergeltung, sondern die Verbrecher dazu zubringen, sich gegenseitig bloßzustellen, sich zu schwächen und sich gegenseitig auszulöschen. Das ist ihm gelungen. Stalins Kampf gegen die Mingrelische Verschwörung war nicht deshalb eine der größten Säuberungen in der Geschichte der SU, „nur zu dem Zweck“, um ein paar Nationalisten in der Kommunistischen Partei Georgien raus zu säubern, die ihren „eigenen, lokalen verbrecherischen Interessen“ nachgehen wollten. Nein, da ging es um viel brisantere Dinge- um die Macht über die UdSSR, um die Frage: „Wer – Wen?!“ Stalin versuchte Berija daran zu hindern, die Mingrelische Verschwörung zum Sprungbrett für die Beseitigung der Sowjetmacht auszunutzen. Das war ein Kampf der Diktatur des Proletariats auf Leben und Tod, ein Kampf gegen die Machtübernahme des Präsidiums, der Zentrale der KPdSU, ein Kampf gegen Verschwörer im Präsidium, die mit dem Weltimperialismus zusammenarbeiteten, um die UdSSR von Stalin zu befreien“, um den Weltimperialismus von der bolschewistischen Bedrohung zubefreien“.

Mingrelien wurde in jenem Augenblick zur heißesten Nahtstelle der Weltgeschichte: Wer wird jetzt siegen, der Weltkapitalismus oder der Weltsozialismus ? Gelingt es dem Weltimperialismus, Unionsrepubliken von Moskau wegzubrechen oder gelingt es dem gemeinsamen Vaterland des Weltproletariats, die Einheit der Unionsrepubliken im Kampf gegen den Weltimperialismus zu festigen ?

Von der brüderlichen Zusammenarbeit der Sowjetrepubliken hing für Stalin Sieg oder Niederlage gegenüber dem Weltimperialismus ab, denn der ganze Osten betrachtete die Entwicklung in den Unionsrepubliken als Versuchsfeld seiner Befreiung vom Weltimperialismus. Sowie das Hinterland des Ostens weg bricht, ist der Weltimperialismus geliefert ! Stalin erkannte die Gefahr, dass die Unionsrepubliken ihre Anziehungskraft auf den Osten unweigerlich eingebüßt hätten durch das offene Aufbrechen von Konflikten unter den Nationalitäten bzw. zum Moskauer Zentrum. Damit konnte der Beginn des Zusammenbruchs des Weltimperialismus ernsthaft gefährdet werden. Deswegen auch der erbitterte Kampf der inneren und äußeren Gegner der Nationalitätenpolitik Stalins. In der Lösung der nationalen Frage der UdSSR sah Stalin eine Schlüsselrolle für den Sieg der sozialistischen Weltrevolution !

Die leninistische Theorie der Revolution ist nicht allein die Theorie ihres Sieges in einem einzelnen Land, sondern zugleich auch die Theorie der Entwicklung der Weltrevolution. Deshalb ist der Sieg des Sozialismus in einem Land nicht das Ziel an sich. Die siegreiche Revolution eines Landes darf sich nicht als eine selbständige Größe betrachten, sondern nur als ein Mittel, um den Sieg des Proletariats in allen Ländern zu beschleunigen; (...) als den Anfang und die Vorbedingung für die Weltrevolution“ (Stalin, „Fragen des Leninismus“, Moskau, 1947, Seite 130).

Der Leninismus hat den Beweis erbracht (...), dass die nationale Frage nur im Zusammenhang mit der proletarischen Revolution und auf dem Boden der proletarischen Revolution gelöst werden kann, dass der Weg zum Siege der Revolution im Westen über das revolutionäre Bündnis mit der Befreiungsbewegung der Kolonien und der abhängigen Länder gegen den Imperialismus führt. Die nationale Frage ist ein Teil der allgemeinen Frage der proletarischen Revolution, ein Teil der Frage der Diktatur des Proletariats“ (Stalin, Band 6, Seite 144).

Eins von Beiden: Entweder rütteln wir das tiefe Hinterland des Imperialismus – die kolonialen und halb-kolonialen Länder des Ostens – auf, revolutionieren es und beschleunigen dadurch den Zusammenbruch des Imperialismus, oder wir versagen hier und stärken dadurch den Imperialismus, schwächen die Kraft unserer Bewegung. So ist es um die Frage bestellt“ (Stalin, Band 5, Seite 208, „Rede auf dem XII. Parteitag der KPR (B)“, April 1923).

Wie dramatisch diese Schicksalsfrage gestellt war, das zeigte sich bereits 4 Monate vor dem Parteitag, als Trotzki und seine Gefolgsleute in Transkaukasien unmittelbar nach Lenins Tod die Macht ergreifen wollten, um sowohl die Gründung der UdSSR als auch die Gründung der Transkaukasischen Föderativen Sowjetrepublik zu verhindern, um Stalin und seine Nationalitätenpolitik politisch zu begraben, um den Zusammenbruch des Weltimperialismus, den Durchbruch der Weltrevolution hinauszuzögern! Wir kommen weiter unten noch darauf zu sprechen.

Es darf die marxistisch-leninistische Weltbewegung also nicht verwundern, warum die Berijaner von heute mit ihrer Geschichtsfälschung vermittels ihres mingrelischen Scheinmanövers einen der schlimmsten Angriffe Berijas gegen Stalin gedeckt haben. Und es darf ebenso wenig verwundern, warum die Komintern / ML an dieser Nahtstelle der Weltgeschichte ihr ureigenstes Interesse geltend macht, die weltrevolutionäre Generallinie Stalins gegen den hinterhältigen Verrat der Berijaner um so entschlossener und leidenschaftlicher zu verteidigen ! Die Mingrelische Verschwörung gegen die UdSSR scheiterte an Stalin, also lautete nun der Befehl: „Stalin vernichten!“ Und so haben Berija und Malenkow und schließlich Chruschtschow alles getan, um den Stalinismus von Stalin zu trennen. Es ist richtig, dass Stalin seine Nationalitätenpolitik auf den Grundlagen des Leninismus entwickelt hatte, aber es ist revisionistisch, den Stalinismus auf den Leninismus zu reduzieren, insbesondere in der nationalen Frage, die kein Marxist-Leninist so meisterhaft gelöst hatte wie Stalin.





Die mit der Mingrelischen Verschwörung

vorbereitete

und nach Stalins Tod

vollzogene

Entstalinisierung“ in Georgien



Mit Stalins Säuberungen in Georgien hatte Berija seine Stärke eingebüßt, doch die Hinterhältigkeit, das Intrigantentum und seine Betrugsmanöver waren nach Stalins Tod dieselben geblieben und höchstens noch raffinierter geworden.

Am 10. März 1953 setzte Berija im von ihm selbst erweiterten Innenministerium (MWD) vier Gruppen ein, die die Ärzteverschwörung, das Jüdische Antifaschistische Komitee, die Mingrelische Affäre sowie die Prozesse gegen Offiziere des Geheimdienstes, die auf Stalins Befehl (!!!!) verhaftet worden waren, „untersuchen“, sprich rehabilitieren sollten (unter den Offizieren waren auch Berijaner, gegen die Stalin vorgegangen war). Berija klappte persönlich den Aktendeckel über die Untersuchung in Mingrelien zu, die zwei Jahre zuvor von Stalin (!!!!) aufgeschlagen worden war. Berija ließ die von Stalin verurteilten Sekretäre des georgischen Parteikomitees, Baramija und Scharija, sowie den ehemaligen Minister für Staatssicherheit Rapawa auf freien Fuß setzen (!). Dies ist zum Beispiel so ein eindeutiger Beweis, den wir Bill Blands Darstellung von der Mingrelischen Verschwörung gegenüberstellen: Berija rehabilitiert die Mingrelischen Verschwörer, die Stalin hinausgesäubert hatte. Das ist eindeutig ein Akt der „Entstalinisierung“ und beweist, dass man als Marxist-Leninist nicht Berija und Stalin als „marxistisch-leninistischen Block gegen die Mingrelische Verschwörung“ konstruieren darf, wie es der Genosse Bill Bland getan hat.

Ignatjew war im Innenministerium ein Mann Malenkows. In der Mingrelischen Affäre war Ignatjew Berija auch im Wege und mit Hilfe von Chruschtschow setzte er diesen ab, was Chruschtschows Macht wiederum gegenüber Malenkow stärkte! Dies war ein offener Ausdruck der „Entstalinisierung“ – und zwar bereits drei Jahre vor Chruschtschows Geheimbericht auf dem XX. Parteitag.

Ignatjew war unmittelbar nach Stalins Tod zum Sekretär des ZK gewählt worden, um die Staatssicherheitsorgane zu überwachen. Nun war Chruschtschow der Einzige, der sowohl dem Präsidium angehörte als auch gleichzeitig das Amt des Parteisekretärs bekleidete. Schon vor Stalins Tod hatte Chruschtschow seine Allianz mit Malenkow für seine eigene Machtübernahme genutzt, allein schon das Privileg, auf dem XIX. Parteitag sprechen zu dürfen (zu Statutänderungen). Durch eine Reihe von Säuberungen hatte er seine Rivalen innerhalb der eigenen Fraktion aus dem Weg geräumt, um nun seine eigenen Leute in den Ämtern zu postieren. Auf diese Weise schleuste Chruschtschow bereits im letzten Jahr vor Stalins Tod vier Verbündete in Spitzenpositionen des Ministeriums für Staatssicherheit: Serow, Sawtschenko, Rjasoj und Jepischew.

Noch vorher, im April 1953, als Berija und Malenkow nach Georgien reisten, wurden ausgerechnet jene georgischen Staatssicherheitsleute, die die stalinschen Säuberungen durchgeführt hatten, abgesetzt und bestraft. Einige, die sich Berija fügten, wurden rehabilitiert. Berija wurde bei der Beendigung der „Mingrelischen Affäre“ von Chruschtschow (!!) unterstützt. Das Präsidium – also u.a. auch Berija und Chruschtschow - widerrief Stalins Anklage wegen nationalistischer Aktivitäten in der georgischen Parteiorganisation. Berija reiste mit diesem Widerruf in der Tasche direkt nach Tiflis. Dort wurde Mgeladse seines Postens als Erster Sekretär der KP Georgiens enthoben. Mit Chruschtschows Segen machte Berija den ehemaligen Leiter seines Sekretariats in Moskau, Mamulow, zum Leiter der Personalabteilung der Georgischen KP, um dort Säuberungen von Stalinanhängern vorzunehmen , also mit der „Entstalinisierung“ blutigen Ernst zu machen. Chruschtschow soll Berija angeblich angewiesen haben, die „Entstalinisierung“ und damit die Säuberung von Stalinanhängern unblutig durchzuführen. Wer wen angewiesen hat und wie viel Blut von Stalinisten in Georgien floss während der „Entstalinisierung“, das wissen wir nicht. Wir wissen aber, dass sich Berija und Chruschtschow nur an der Menge des vergossenen Bluts an ihren Händen unterschieden haben mochten. Alte Bolschewiki, Kampfgefährten von Stalin in Georgien wurden erschossen mit Ausnahme von Mgeladze.

Also kaum dass Stalin beseitigt war, beeilte sich Berija , die von Stalin befohlenen Säuberungen gegen die Mingrelischen Verschwörer (also auch gegen ihn selbst !) wieder kackfrech aufzuheben und sie zu rehabilitieren. Nicht nur das ! Nun ließ Berija seinerseits Stalins Säuberer säubern ( wie gesagt mit Unterstützung Chruschtschows!). Und wie „dankt“ Berija es Chruschtschow ? Kaum hatte Berija die „Entstalinisierung“ im Kaukasus erfolgreich eingeleitet, machte er sich auf den Weg in die Ukraine mit seinem nächsten dreisten Coup: Diesmal - Freilassung der Gesäuberten und Säuberung der Säuberer – die Chruschtschowianer ! Damit griff Berija empfindlich in die Machtdomäne Chruschtschows ein, der diese Provokation natürlich nicht auf sich beruhen ließ. Aber das störte Berija nicht im Geringsten. Im nächsten Schritt nahm sich Berija die baltischen Länder vor, bis ihn der Weg über die DDR und über die Tschechoslowakei auch nach Ungarn führte. Überall bediente er sich der Innenministerien und der Staatssicherheitsdienste, um die „Entstalinisierung“ im Ostblock voranzutreiben. Es ist ein offenes Geheimnis, dass er die Innenpolitik der Ostblockländer von Moskau aus lenkte, um seinen verbrecherischen Kurs der „Entstalinisierung“ auch in deren Außenpolitik durchzusetzen unter Umgehung der Partei und des Außenministeriums. Über Berijas abenteurliche „Außenpolitik“ kommen wir in einem gesonderten Kapitel noch einmal ausführlich zu sprechen.

Genossen, ihr mögt fragen: Wie konnte all das in ein paar Wochen oder Monaten von Berija überhaupt bewerkstelligt werden ? Diese Frage ist sehr berechtigt und gibt einigen Aufschluss über die Tragweite der Verschwörung gegen Stalin. So was kann man sich nicht spontan aus dem Ärmel schütteln – dahinter musste System stecken – eine breit angelegte, sorgsam vorbereitete sowjet-weite Verschwörung gegen Stalin. Berija musste also schon lange vorher nicht nur konkrete konterrevolutionäre Kontakte aufgebaut, nicht nur bis ins Einzelne ausgearbeitete Umsturzpläne in allen Unionsrepubliken vorbereitet gehabt haben, sondern auch die Leute organisert haben, die instruiert waren, am Tag „X“ auf seinen Befehl hin in militärische Aktion zu treten. Und, was Wenigen bekannt sein mag: Berija verfügte über 1 Millionen eigener Beschäftigter, 500 000 Soldaten, Armee, Panzer, Luftflotte usw. usf. All dieser Kräfte bediente er sich auch während seines militärischen Putsches in Moskau im März 1953. Berija verfügte zudem über eine mächtige Doppelmacht in Partei und Staat, hatte also seinen berijanischen Staat im Staat“ schon heimlich aufgebaut, bevor ihn Stalin an die Kandarre zog. Das zeigt, welche innenpolitische und militärische Macht er hinter dem Rücken Stalins und unter den misstrauischen Augen der Roten Armee aufgebaut hatte und wie gefährlich seine außenpolitischen Verbrechen gegen die Sowjetunion waren, die er vorher innenpolitisch absicherte. Wenn Stalin also das Todesurteil über Berija vorbereitet hatte, dann wissen wir heute, dass dies zu Recht geschah, dass dies zum Schutz der Sowjetunion unvermeidlich war. Und genau das wirft ein bezeichnendes Licht auf die heutigen Berijaner – genau das macht sie schuldig, die Verbrechen Berijas zu verteidigen. Weswegen wir sie anklagen, das ist die Tatsache, dass sie diese Verbrechen Berijas auch noch als „marxistisch-leninistische“ Tat gerechtfertigt haben ! Kann denn jeglicher Antistalinismus tiefer sinken als berijanische Heuchelei?

Weil es für die Verschwörer von 1953 viel schwieriger war, für ihre Konterrevolution aus den Massen zu schöpfen als das 1933 der Fall war für die Verschwörer des Blocks der Rechten und Trotzkisten (Kulakenaufstände), verlegten sie sich auf die Stärkung der nationalistischen Organisationen und ihren Agenturen in der Georgischen Kommunistischen Partei (Berija) und in der ukrainischen Kommunistischen Partei (Chruschtschow) , also auf die antisowjetischen Unabhänggkeitsbestrebungen in den Randgebieten im Innern , kombiniert mit der Annäherung an den Kosmopolitismus der Westmächte nach Außen, wobei Berija wohl mehr auf England und Chruschtschow mehr auf die USA setzte (?). Die Differenzen der amerikanischen und englischen Interessen gegenüber der Sowjetunion sind bekannt und das musste sich auch auf den Einfluss auf das Präsidium der KPdSU niederschlagen. Die modernen Revisionisten mussten also mit verschiedenen Karten spielen, um ihre Fühler zum Westen auszustrecken, was nicht ohne Widersprüche im eigenen Lager abging, ja das Lager des modernen Revisionisten zu spalten drohte. Der Reformismus Berijas hat seine tiefen Wurzeln im Einfluss der II. Internationale, die auf Georgien stets nachhaltige Wirkung hinterlassen hatte. Berijas Menschewismus war ein gehäuteter Menschewismus, ein verkappter Menschewismus. Berija war in Worten gegen den Menschewismus aber in Taten verteidigte er ihn gegen Stalin, indem er Stalins Kampf gegen den Menschewismus als „veraltet“ abwertete und den Kampf gegen die USA für „viel wichtiger“ hielt. Das ist ja alles ganz schön und gut, aber Berija tat so als wenn er nicht wüsste, dass die Menschewisten die Wegbereiter der USA-Einverleibung waren. Die Einstellung des Kampfes gegen den Menschewismus würde die USA gerade dazu auffordern, sich leichter an der UdSSR zu bedienen, sich sozialer Stützen in Georgien zu bedienen. In Georgien befand sich von Haus aus ein starkes Lager des Menschewismus, die alten Seilschaften zum Westen, der östliche antibolschewistische Hebel der internationalen Sozialdemokratie. Und eben deswegen musste Stalin hier eingreifen, musste er den menschewistischen Einfluss Berijas stoppen und Berija zur Rechenschaft ziehen und ihn seiner Verbrechen überführen. Stalin tat also alles, um dem Menchewismus im Kaukasus die Wurzeln auszureißen – von Anfang bis zum Ende. Wir, die wir das Banner Stalins hochhalten, haben die Pflicht übernommen, Stalins Anklage gegen Berija zum historischen Abschluss zu bringen. Das sind wir Stalin und dem Weltproletariat schuldig geblieben.

Es gab und gibt aber auch nationalistische Gruppierungen in Georgien, die sich weder vor den Karren irgendeiner westlichen Macht spannen lassen, weder der UdSSR und dem Sozialismus angeschlossen sein wollten oder sich vor dem Karren des russischen Imperialismus spannen lassen, sondern einen „souveränen und unabhängigen kapitalistischen Staat Georgien“ herstellen wollen. Es war kein Zufall, dass die politische Fäulnis der schwankenden Elemente der Nationalisten in den Randgebieten von Berija ausgenutzt wurde, um sie gegen Stalin zu richten. Während die Nationalisten der Randunionen auf den Zusammenbruch der Sowjetunion hofften, um sich bei bester Gelegenheit von ihr loszureißen, vertraten die sowjetischen Konterrevolutionäre den Standpunkt, dass sich die Nationalisten der Führung der gesamten antisowjetischen Konterrevolution zur Verwandlung des ganzen sowjetischen Sozialismus in den Kapitalismus unterordnen sollten. So wie der Block der Rechten und Trotzkisten bei der antisowjetischen Vereinigung der sich untereinander bekämpfenden verschiedensten nationalistischen Gruppierungen eine wichtige Rolle gespielt hatte, so betrieb Berija - ganz besonders nach Stalins Tod – die Unabhängigkeitsbestrebungen der nichtrussischen Unionsrepubliken im Interesse der Schwächung der Sowjetmacht – versuchte er, der nationalistischen Politik der nichtrussischen Unionsrepubliken „von oben“ die Tür zu öffnen, um die Restauration des Kapitalismus in den Randgebieten einzuführen und damit als Hebel zu benutzen, das sowjetische Zentrum in den Kapitalismus zu verwandeln (spalte und herrsche!). Wir gehen davon aus, dass Berija mit dem Ausland zusammengearbeitet hatte, dass er den jugoslawischen Weg unterstützte. Berija spann die konterrevolutionären Fäden zwischen Georgien und Moskau. Er hat Zeit seines Lebens Georgien nur als Trittbrett für seine Macht in Moskau missbraucht.



Berija hatte in Georgien alle „Konkurrenten“ aus dem Weg geräumt. Berija leitete vom rechten Zentrum in Moskau aus die nationalistischen Verschwörergruppen in Georgien an. Er wollte Georgien in einen Pufferstaat zwischen Angloamerikanern und Sowjetrussland verwandeln. Berija verdrängte die Stalinisten systematisch aus dem georgischen Staats- und Parteiapparat, um die Posten mit seinen eigenen Leuten zu besetzen, um den georgischen Staat in seine Hände zu bekommen. Dazu formierte er die neuen Kader aus der bürgerlichen Jugend. Die wurden zum Teil sogar im westlichen Ausland geschult anstatt in der Sowjetunion. Er hat versucht, die georgische Miliz auf seine Seite zu bekommen, formierte gegen Stalin bewaffnete Kräfte in Georgien. Berija propagierte die nationale Abgrenzung ganz offen nach Stalins Tod – vorher doppelzünglerisch. Kontakte der nationalen Gruppierungen wurden unter dem Druck Berijas beschleunigt. Es gehörte zu Berijas Dualismus, dass er im Parteiapparat arbeitete, während die nationalistischen Gruppen außerhalb der Partei an der nationalistisch-faschistischen Front arbeiteten. Auf der einen Seite also die Verschwörung gegen die Partei – auf der anderen Seite die Verschwörung im Staat, in den Sowjetorganen - erst zusammen gegen Stalin und dann gegeneinander. Aus dem Nutznießen der Widersprüche zwischen Partei und Staat wurde die Spaltung von Staat und Partei, wurde die stalinsche Einheit von Staat und Partei zerschlagen. In Georgien gab es einen Widerspruch zwischen dem offenen und verdeckten Nationalismus, wurde die Lostrennung Georgiens arbeitsteilig vorbereitet. Dazu gab es natürlich stillschweigendes Einverständnis statt fomaler Vereinbarungen. Es gab einen offiziellen Scheinkampf „gegen den Nationalismus“, um dahinter den eigenen Nationalismus zu verbergen, aber auch um die nationalistische Bewegung vor Stalins Zugriff zu schützen, indem man die Leitung über den Kampf „gegen“ sie in eigenen Händen hielt und sie somit besser lenken und manipulieren zu können. Berija versuchte die Wirtschaftsunabhängigkeit Georgiens gegenüber den anderen Unionsrepubliken zu erreichen, was den Direktiven der georgischen Republik zuwiderlaufen sollte. Stalin durchschaute, dass Berija seinen eigenen georgischen Weg – unabhängig von der Sowjetunion – gehen wollte. Die Losung vom eigenen Weg zum Sozialismus“ war damals eine international verbreitete konterrevolutionäre, revisionistische Losung, die in der Absicht aufgestellt worden war, damit die Trennung von der Sowjetunion Stalins zu bewirken, die UdSSR zu isolieren, um sie angreifbarer zu machen.



Die jugoslawischen Parteiführer versuchen der Welt vorzutäuschen, dass sie einen eigenen, neuen Weg zum Sozialismus entdeckt haben. Dieser Weg, den sie in maßloser Überheblichkeit und Verblendung gehen, führt direkt in die Arme der imperialistischen Räuber. Daraus müssen wir die Lehre ziehen, dass es trotz der Verschiedenheit der Übergangsformen keinen besonderen nationalen Weg zum Sozialismus geben kann, der es ermöglicht, ohne Klassenkampf, unter Umgehung der politischen Macht der Arbeiterklasse, zum Sozialismus zu kommen“ („Über die Entartung der Führung der Kommunistischen Partei Jugoslawiens“, Dietz Verlag Berlin, 1948, Seite 14).

Sie enthält das titoistische Gift des Dezentralismus und den togliattischen Bazillus vom Polyzentralismus, die auf das Gleiche hinauslaufen, nämlich auf Spaltung und Abkehr vom Weltzentrum der revolutionären Bewegung des Proletariats. Sie hatte zur Zeit des Spätstalinismus in der kommunistischen Weltbewegung großen Schaden angerichtet , war dort weit verbreitet und manche Organisationen sind noch heute nicht von dieser Krankheit ganz geheilt. Wir wissen, dass diese Losung von Tito aufgestellt und ausgestreut wurde. Berija hat sich jedenfalls dieser Losung in seiner Nationalitätenpolitik bedient. Wie weit er mit Tito heimlich zusammenarbeitete und wie weit diese Losung: „Georgiens eigener Weg zum Sozialismus“ in der Mingrelischen Verschwörung eine Rolle gespielt hat, können wir zur Zeit nur vermuten.

Stalin hatte auch in Usbekistan diese sowjetfeindliche, nationalistische Bewegung in den 30er Jahren aufgedeckt. Danach wurde die Stalinsche Korrektur paralysiert durch deren schädliche, mutwillige Übertreibung. So sollte die Unzufriedenheit der Bevölkerung, die die völlig überzogenen Pläne natürlich gar nicht erfüllen konnten, gegen Stalin, gegen die Zentrale, gegen Sowjetrussland gebündelt werden. Wir kennen den Trick mit den Monokulturen von Chruschtschow aus Albanien und wissen, dass das Präsidium nach dem Tod Stalins überall so arbeitete, um die Länder wirtschaftlich abhängig zu machen, nicht ohne Zutun Berijas.

Berija war nach dem Tod Stalins aktiver bei der Umsetzung der Restauration des Kapitalismus als Chruschtschow. Dieser hatte seine Not, Berija zu bremsen. Und selbst Malenkow, der noch eine Zeit lang auf der Seite Berijas gestanden hatte, kam mit dem Tempo von Berija nicht mehr mit. Die Aktivitäten Berijas liefen immer frecher über die Köpfe der anderen Verschwörer hinweg. Sie hatten kein Interesse an einem Blitzkrieg gegen den stalinschen Sozialismus, weil sie diesen verloren hätten wie Hitlers Blitzkrieg gegen die Sowjetunion.

Vor dem Großen Vaterländischen Krieg konnte man noch die Widersprüche zwischen den imperialistischen Mächten für sich relativ gut ausnutzen, aber im Kalten Krieg führten die USA die ganze Welt gegen die Sowjetunion, war die antisowjetische internationale Front geschlossener, musste man Kompromisse schließen. Es waren eine Reihe bürgerlicher Historiker, die aus dem Studium der neuen Dokumente in Berija einen „Realpolitiker“, einen „Reformer“ erkannten und ihn als einen Politiker einschätzten, der wie kein anderer den „Mut“ gehabt hatte, die Sowjetunion vom Stalinismus zu befreien. Besonders Hochachtung zollen Berija solche deutschen bürgerliche Historiker, die ihn für jemanden halten, der sich eindeutig gegen ein sozialistisches und für ein kapitalistisches Nachkriegs-Deutschland eingesetzt habe. Berija beschränkte sich aber nicht nur auf die Schwächung und Liquidierung des sozialistischen Lagers, sondern versuchte auch die Unabhängigkeit und Selbständigkeit der nichtrussischen Republiken zu fördern und es ist klar, was damit gemeint war: diese Republiken auf eine Lostrennung vom Sozialismus vorzubereiten. Damit machte er sich zum Lakaien des Imperialismus der Westmächte. Schon die Trotzkisten versuchten in den 30er Jahren, den Interessen der Faschisten zu dienen, die darin bestanden, die Randrepubliken vom Sowjetsystem abzuschneiden, nicht nur um sie sich leichter einverleiben zu können, sondern um das sowjetische Zentrum zu schwächen, erobern und den Bolschewismus zu zerschlagen.

Berija betrachtete die Sowjetunion nicht anders als Georgien – nämlich nationalistisch. Und in der Deutschland-, Ungarn- und Jugoslawienfrage verhielt er sich nicht anders – ebenfalls nationalistisch. Was hatte er mit der Sowjetunion und Georgien vor? Es war Berijas Plan, den russischen Großmacht-Chauvinismus (RFSR) mit dem lokalem Nationalismus in den Randgebieten (z.B. SR Georgien) gegen das Weltproletariat, gegen die Weltrevolution zu vereinigen. Das bedeutete: ein konterrevolutionäres Bollwerk gegen den Weltsozialismus – und das mitten im Vaterland des Weltproletariats - zu errichten. Kann man den Interessen des Weltimperialismus unterwürfiger dienen als Berija es getan hat? Und die Interessen des Weltkapitals bestehen darin, die Sowjetunion - losgelöst vom Weltproletariat und isoliert von allen anderen Ländern – zu schlagen, also bevor es der Sowjetunion gelingt, die revolutionären Trupps zu einer großen internationalen Armee zu vereinigen.

Berija betrachtete die Sowjetunion nicht so wie Lenin und Stalin, nämlich als ein internationalistisches Land, dem Weltproletariat und der Weltrevolution verpflichtet, sondern er hatte vor Allem die Eigeninteressen der Sowjetunion als imperialistische Supermacht vor Augen, ging von einem absolut bürgerlichen Standpunkt aus, stellte die nationalen Interessen über die internationalistischen Interessen. Wenn man aber wie Berija die Interessen des Sozialismus „in einem“ Land dazu missbraucht, sie von den internationalistischen Interessen des Weltproletariats abzukoppeln, ja, sie sogar gegen die Interessen der Proletarier aller Länder einsetzt, so ist das Nationalismus von übelster Sorte, ist das eine Politik des russischen Großmacht-Chauvinismus, des russischen Imperialismus, die mit „linken“ Phrasen bemäntelt wird, ist das sowohl Verrat an den Sowjetvölkern als auch Verrat an allen Völkern der Welt. In Worten gegen den russischen Großmachtchauvinismus, in Taten für eine russische imperialistische Supermacht – das war es, was Berija auf dem schnellsten Wege umzusetzen versuchte mit Unterstützung der Nationalisten in den Randgebieten.

Am 10. Juli 1953 begann offiziell die Anti-Berija-Kampagne. Berija wurde vorgeworfen, mit imperialistischen Geheimdienstkreisen verkehrt zu haben. Dabei haben ihm Verwandte geholfen, die im Westen im Exil in Paris lebten, ebenso Angehörige der ehemaligen menschewistischen Regierung in Georgien. Radio Tiflis gab am 15. Juli 1953 bekannt, dass auf der Plenartagung des ZK der KP Georgiens und des Parteikomitees der Stadt Tiflis der bisherige Innenminister der georgischen Unionsrepublik, Dekanosow (bekannt für sein üppiges Luxusleben), und das Mitglied des Zentralkomitees der KP Georgiens, Mamulow, ihrer Ämter enthoben wurden (beides Berijaner). Oberst Ludwigow, Leiter von Berijas Sekretariat im Innenministerium, wurde inhaftiert, weil er zu viel über seinen Chef und dessen sexuellen Eskapaden wusste. Ludwigow war mit der Nichte Mikojans verheiratet und wurde nach Chruschtschows Sturz von Breschnew rehabilitiert. Sakisow, Chef der Leibwache Berijas, hatte auf Befehl Berijas seit vielen Jahren Frauen zu dessen „Vergnügen“ zuzuführen. Wer von Berijas Leuten nicht umgeschwenkt war, wurde von Chruschtschow kalt gestellt. Also Berijas Leute wurden vor Stalins Tod von Stalin gesäubert und nach Stalins Tod von Chruschtschow. Im ersteren Fall ging es um die Abwehr anti-stalinistischer Parteifeinde, im anderen Falle ging es um die Ausschaltung von solchen anti-stalinistischen Kräften, die sich nicht der Fraktion von Chruschtschow beugen , sondern dem Weg Berijas auch nach dessen Tod weitergehen wollten. Sudoplatow wurde 15 Jahre hinter Gitter gesetzt. Mamulow war Berijas Sekretär und fungierte auch in der KP Georgiens. Chruschtschow warf ihn ins Gefängnis, ebenso inhaftiert Scharija, georgischer Parteisekretär. Nach Verbüßung einer Gefängnisstrafe, zu der er auf Grund seiner Aktivitäten als mingrelischer Nationalist verurteilt worden war, wurde er – zu seinem Pech – als Berijas Mann für außenpolitische Angelegenheiten bestimmt - Opfer in dem um Berija geknüpften Netz.

Im September 1955 fand ein großer Prozess gegen Staatssicherheitsfunktionäre in Georgien statt, von dem die Öffentlichkeit allerdings erst am 22. November durch eine Radiomeldung aus Tiflis unterrichtet wurde“ (W. Leonhard, „Kreml ohne Stalin“, Seite 170, 1959). So wie vorher Berija im Juli und Dezember 1953 wurden diese beschuldigt, „Untersuchungsakten gefälscht und gegen Verhaftete verbrecherische Untersuchungsmethoden angewandt“ zu haben „gegen ehrliche Sowjetmenschen. Aber wer waren diese „ehrlichen Sowjetmenschen“ in Wirklichkeit? Es waren jene Verbrecher, die Stalin 1936-1938 zu Recht bestraft hatte und die nun von den Revisionisten rehabilitiert wurden. Nach einem jugoslawischen Bericht („Borba“, 13. Februar 1956) wurde Stalins georgische Säuberungswelle von den Chruschtschow-Revisionisten wieder vollständig rückgängig gemacht. Allein in Georgien wurden 2589 (!) Sekretäre der Grundorganisationen durch Anhänger Chruschtschows, durch rehabilitierte Verbrecher am Sozialismus, ausgewechselt. Alles, was in Georgien im Entferntesten an Stalin erinnerte, wurde auf Chruschtschows Weisung restlos beseitigt und ausgemerzt, was nicht ohne Protest unter den Georgiern abging. Im Rahmen der „Entstalinisierungs“-Kampagne in Georgien folgte der Prozess gegen Bagirow und fünf hohe Staatssicherheitsfunktionäre des Kaukasus vom 12. bis 26. April 1956. Bagirow galt als „eingefleischter Stalinist“, der von 1920 bis 1931 an führender Stelle im Staatssicherheitsdienst des Kaukasus tätig war und Stalins Säuberungen dort von 1950 bis 1953 durchführte. Auch auf dem XIX. Parteitag 1952 war er einer derjenigen, die die Kosmopoliten und bürgerlichen Nationalisten im Kaukasus am schärfsten verurteilt hatte. Bagirow (Aserbaidshan) wurde von Chruschtschow mit drei Kampfgenossen zum Tode verurteilt , zwei weitere erhielten Freiheitsstrafen von 25 Jahrenin Worten waren die Chruschtschow-Revisionisten gegen den Terror, ja stellten sich selber als Opfer des Terrors dar, aber in Taten machten sie Jagd auf die Stalinisten und verübten blutige Terrorakte gegen sie .

Der berühmt-berüchtigte kaukasische „Freiheitskämpfer“ Schamil aus dem 19. Jahrhundert, der 1950 von Bagirow völlig zu Recht als englischer Agent bezeichnet worden war, wurde von Chruschtschow rehabilitiert. Wenn man nun fragt, was Georgien mit Tito zu tun hat, so braucht man nur in den titoistischen Hetzschriften nachzublättern, die den Stalinisten Bagirow schon 1951 verunglimpften, also mitten in der Zeit, wo der Klassenkampf in Georgien zwischen Stalinisten und den Berijanern tobte (Zufall oder titoistische Schützenhilfe für Berija ?). Wenn man die Politik Titos mit der Politik Berijas vergleicht, dann sind da nicht nur zufällige Übereinstimmungen zu erkennen, sondern Tito hat sich in Georgien demonstrativ auf die Seite Berijas gestellt und diesen im Kampf gegen Stalin unterstützt!!! Und der „Marxist-Leninist“ Berija hat diese Hilfe Titos dankend angenommen. So drehten die Nationalisten Berija und Tito den Spieß um und beschuldigten Stalin dessen, wessen Stalin sie angeklagt hatte – des Nationalismus !!! Und da heißt es in der titoistischen Hetzschrift bei Najdan Paschitsch, Beograd, 1951, Seite 43 :

Wie tief die Sowjetpolitik und mit ihr auch die Sowjetwissenschaft in Großmachtsucht und finstersten Nationalismus gesunken sind, ersieht man daraus, dass heute ganz offen die imperialistische Politik des zaristischen Russlands in Schutz genommen, ja sogar gerühmt und verherrlicht wird. (...) Wem dies unglaubhaft erscheint (...) möge den Artikel von M. ad. Bagirew „Zur Frage des Charakters der Bewegung des Miriditismus und Schamils“ durchlesen, der in der 13. vorjährigen Nummer des `Bolschewik`, der `theoretischen und politischen Zeitschrift des ZK der KPdSU (B) veröffentlicht wurde.“

Stalin hatte Bagirow unterstützt und verteidigt, dass Schamil durchaus nicht der „Befreiungskämpfer“ des Kaukasus war, für den man ihn in Geschichtsbüchern bislang hielt. Chruschtschow erschoss Bagirow.

Es dürfte in diesem Zusammenhang nicht uninteressant sein darauf hinzuweisen, dass Spezialeinheiten der Nazis diesen historischen Namen „Schamil“ ganz bewusst in ihrem Interesse verwendeten, um aus Kaukasusstämmen sowjetfeindlichen Elementen als Partisaneneinheiten zu rekrutieren und diese hinter die Frontlinien der Roten Armee zu schleusen, um dort unter dem Kommando Gehlens Blutrache an den Rotarmisten zu verüben. Dieser Gehlen war als höchster deutscher Geheimdienstoffizier an der Ostfront für Hunderttausende Menschenleben verantwortlich. Er ist kein Anderer als der Gründer des Bundesnachrichtendienstes - ein Jahr nach Stalins Tod!! Die USA „retteten“ ihn vor dem Zugriff Stalins und und holten ihn nach Amerika, wo die von ihm geschürte Kommunisten-Phobie unter den Amerikaner fast einen Dritten Weltkrieg ausgelöst hatte und wo der CIA 10 000 (!) Nazi-Kriegsverbrecher als Geheimagenten ausbildete, um sie ( nun schon zum zweiten Mal!) an der antikommunistischen Front einzusetzen, also von der Ostfront des heißen Krieges der deutschen Imperialisten zur Ostfront des Kalten Krieges der US-Imperialisten !

Wenn nun der Name „Schamil“ zudem im Widerstandkampf der Tschetschenen gegen Putins imperialistische Armee wieder aufgetaucht war, zeigt das, welchen unterschiedlichen politisch-militärischen Interessen dieser Name gedient hat und weiter dient.

Auf dem XX. Parteitag verschleierte Chruschtschow wohlweislich und gut überlegt die Mingrelische Verschwörung als eine so genannte „Mingrelische Affäre“, weil er befürchten musste, dass sonst seine Lügen, seine Verbrechen, an die Öffentlichkeit gelangen könnten. Es war schon sehr verdächtig, dass er Berija , dem er schließlich alle möglichen Verbrechen unterjubelte, ausgerechnet aus der Mingrelischen Verschwörung heraus hielt. Wen wollte Chruschtschow damit decken? Sich selbst ? Das Berijanertum ? Es waren verschiedene stalinfeindliche Gruppen , die schon zu Lebzeiten Stalins untereinander um die Macht im Verborgenen gekämpft hatten und nach Stalins Tod diesen Kampf um die Macht ebenso offen wie verborgen weiterführten – auch und gerade im Geburtsland Stalins – in Georgien. Alles, was nach 1953 offen passierte, das spielte sich verdeckt zu Stalins Lebzeiten, also schon lange vorher ab. Die Fraktionskämpfe seit 1953 stimmten mit den Fraktionskämpfen bis 1953 überein, nur ihr Kräfteverhältnis veränderte sich nun zu Gunsten Chruschtschows.

Bakradze (war ein Mann Berijas und von Mgaladse gefeuert!) Tvaltsrelidse, Tschilajsvili , Tavadse, Tarba, Taktakisvili, Takidse – sie alle waren revisionistische Mitglieder des ZK der KP Georgiens gewählt 1956 (entsprechend dem XX. Parteitag der KPdSU – also zu Chruschtschow geschwenkt. Mshawadnadse - Mann Chruschtschows auf dem XX. Parteitag gegen die „parteifeindliche Gruppe“ um Molotow - war derjenige, der den Kurs Chruschtschows, den Kurs des modernen Revisionismus in Georgien auf verbrecherischste Art und Weise umgesetzt hat (Militarist). Er ist einer der größten Verräter Georgiens! 100 pensionierte Geheimdienstgeneräle und Offiziere, wurden von Chruschtschow während der Jahre 1955-57 degradiert und aus der Partei ausgeschlossen. Sie wussten zu viel über seine Verbrechen und Parteiintrigen und wurden getötet.

Während des XXII. Parteitags zogen immer noch endlose Menschenschlangen an Stalins Grab vorbei, um sich zu verabschieden. 1961 erfolgte eine erneute Säuberungswelle gegen die Stalinanhänger. Ab jetzt galten Stalinisten als Verbrecher, die von nun ab nicht nur heimlich sondern ganz offen verfolgt, gefoltert, gefangen oder ermordet wurden, während die Massenströme vor Stalins Sarg nicht aufhörten. Am Sonntag, den 29. Oktober 1961 wurde das Lenin-Stalin-Mausoleum wegen „Reparatur geschlossen“. Im Rahmen seiner „Entstalinisierung“ schlug Chruschtschow vor, ein Ehrenmal für die Opfer Stalins“ zu errichten. Am nächsten Nachmittag berichtete Radio Moskau, dass Stalins einbalsamierter Körper aus seiner Ruhestätte entfernt wurde. Arbeiter mussten Stalins Glassarg aus dem Kreml entfernen. Die Überreste ließ Chruschtschow hinter die Kremlmauer schütten.

In seinen Memoiren weist Chruschtschow zwischen 1967 und 1971 sämtliche Schuld an den Verbrechen von sich. Seine eigenen Verbrechen hat er bis zu seinem Lebensende verschwiegen und die KPdSU deckte diese bis zu ihrer Auflösung.

Natürlich konnte Chruschtschow in Georgien mit seinem „Personenkult“-Vorwurf gegen Stalin keine Begeisterungsstürme wecken. Im Gegenteil: die Mehrheit des georgischen Volkes war davon überzeugt, dass Stalin ermordet worden war, als es vom Tod Stalins erfuhr. Über die Geheimrede Chruschtschows reagierte das georgische Volk mit größter Empörung und es ging auf die Barrikaden.

Am 23. August 1956 berichtet das in Tiflis erscheinende Zentralorgan der KP Georgiens „Sarja Wostoka“ von einer Plenumssitzung des dortigen Zentralkomitees, dass eine ganze Reihe führender Parteigenossen nach dem XX. Parteitag scharf angegriffen wurden, weil sie Stalin verteidigt hatten. Wörtlich hieß es: , dass der Personenkult in Bezug auf Stalin im Bewusstsein der Bevölkerung Georgiens tiefe Wurzeln schlug, dass er bei uns besonders übertriebene Ausmaße erreichte“. Mit anderen Worten: Georgien war demonstrativ widerstrebt, die ungerechtfertigten Anschuldigungen des XX. Parteitags gegen Stalin stillschweigend hinzunehmen. Es hatte 1956 nicht nur Sympathiekundgebungen für Stalin gegeben, sondern den „ Aufstand von 1956“, der im Gegensatz zum ungarischen Aufstand, kein konterrevolutionärer, sondern revolutionärer Aufstand der Georgier war, den Chruschtschow mit Waffengewalt blutig niederschlagen ließ! Die „Entstalinisierung“ – eines der blutigsten Kapitel der Sowjetrevisionisten insbesondere in der Heimat Stalins! Dazu hieß es in der revisionistischen Presse, dass es sich um antiparteiliche Kundgebungen“ gehandelt habe, um gegen die Beschlüsse gegen den Personenkult zu opponieren“. Es gebe auch heute noch Menschen,die durch den Personenkult Stalins verblendet sind“. Die revisionistischen Blätter konnten also gegen Stalin hetzen so viel sie wollten, eins ist und bleibt eine historische Tatsache: Weder in Georgien noch in irgendeiner anderen Sowjetrepublik hat es jemals eine Massendemonstration zur Verurteilung des angeblichen „Personenkult Stalins“ gegeben und sie wird es niemals geben. Gegeben hat es aber in der ganzen Sowjetunion eine revolutionäre Bewegung zur Verteidigung Stalins, die sich von niemanden verschweigen lässt. Das sei zur Ehrenrettung Stalin treuer Parteigenossen, des sowjetischen Proletariats, zur Verteidigung der Sowjetvölker durch das Weltproletariat hervorgehoben. Wir können und werden nicht vergessen, wie sehr sich die Stalingenossen im Kampf gegen die modernen Revisionisten verdient gemacht haben und wir ehren ihre Opfer, indem wir ihren Kampf gegen die verhassten Revisionisten bis zu ihrer restlosen Vernichtung fortsetzen !

Was hat nun das Berijanertum mit dem heutigen Georgien zu tun ? Mehr als ihr vermutet, Genossen ! Oder glaubt ihr an einen Zufall, wenn ein Berijaner mit seiner liliputinschen Linie, also mit seiner Befürwortung und Verteidigung des imperialistischen Krieges gegen Georgien in der KPD/ML (Roter Stern) putschte, um sie zu spalten ? Zeigt das nicht in aller Deutlichkeit wie aktuell die Gefährlichkeit des Berijanertums ist, welchen zersetzenden Einfluss es auf die marxistisch-leninistische Bewegung hat und wie wichtig es ist, die eigenen Reihen vor Berijanern zu schließen und diese Leute in die Wüste zu schicken ? Können die Lehren aus Stalins Kampf gegen Berijas Mingrelischer Verschwörung noch aktueller sein ? Wird dadurch nicht deutlich, wie sich der Fehler Bill Blands auf die Berijaner positiv und auf die marxistisch-leninistische Weltbewegung verheerend auswirkt ?

Fortsetzung Teil 6