Teil 15
Viertens sind wir nicht der gleichen Meinung wie jene Genossen, die die Herrschaft der Revisionisten, angefangen vom Tod des Genossen Stalin bis zum Jahr 1956, leugnen. Wer behauptet, dass die Sowjetunion mit Stalins Tod nicht in die Hände der Revisionisten gefallen war – ist selber Revisionist!
Was ist denn nun schlimmer? Die Herrschaft der marxistisch-leninistischen Generallinie Stalins 19 Jahre lang zu leugnen oder die Herrschaft der Revisionisten 3 Jahre lang in revisionistischer Manier als „marxistisch-leninistisch“ auszugeben? Und wir stellen hier durchaus nicht irgendeine historische Gelehrtenfrage, sondern eine Frage zur prinzipiellen, marxistisch-leninistischen Haltung gegenüber der kritischsten Situation der ersten Periode des Sozialismus. Unsere Antwort lautet: beides ist schlimmer. Mehr noch: beide Auffassungen stimmen ideologisch darin überein, nicht nur die entscheidende Periode des Übergangs der Sowjetunion vom Sozialismus zum Kapitalismus von anti-marxistisch-leninistischen Positionen aus zu betrachten, sondern auch die damit verbundene heldenhafte Rolle Stalins in ein anti-marxistisch-leninistisches Licht zu rücken. Von überaus großer Bedeutung war die Rolle Lenins als Führer der Oktoberrevolution und der Errichtung des ersten sozialistischen Staates auf der Welt. Nicht minder bedeutend ist die Rolle Stalins, diesen zu großer Macht und Ansehen geführten und in der ganzen Welt geliebten ersten sozialistischen Staat sowohl gegen seine imperialistische Vernichtung von außen als auch gegen seine Liquidierung durch alle inneren Feinde, gegen seine revisionistische Entartung zu verteidigen.
Beide Positionen dieser Genossen scheinen äußerlich entgegengesetzt zu sein, in Wirklichkeit aber bilden sie eine innere Einheit – eine Einheit im Kampf gegen die Verteidigung der ersten herrschenden Diktatur des Proletariats – eine Einheit im Kampf gegen die Verteidigung Stalins – also: vereinigter Antistalinismus im Dienste des Weltimperialismus.
Es gab in der Vergangenheit andere Genossen, die eine Säuberung Ende der Vierziger, Anfang der Fünfziger Jahre für notwendig hielten. Diese Genossen hatten natürlich Recht. Ihnen sei heute verziehen, wenn sie auf Grund der jahrzehntelangen revisionistischen Vertuschung der tatsächlich stattgefundenen Säuberungen in diesem Zeitraum ahnungslos waren. Aber wer heute, wo die Dokumente für jeden auf dem Tisch liegen, jene bedeutsame Säuberungswelle Stalins Ende der Vierziger und Anfang der Fünfziger Jahre trotzdem weiter als Ausdruck des am höchsten entwickelten Klassenkampfes in der UdSSR leugnet, dem ist leider nicht zu helfen.
Stalin richtete sich mit seinem großen Schlag also gegen politischen Vertreter und Führer der bereits privilegierten und verbürgerlichten Schicht der sowjetischen Gesellschaft, gegen die aufkommende sozialistische Bourgeoisie, gegen ihre massive und im Inneren der Partei und des Staates gut organisierte Konterrevolution. Nach Auffassung der Komintern (ML) war dies der größte bolschewistische Schlag aufs Haupt des inneren Feindes seit Bestehen der Sowjetunion, war es der erste revolutionäre Schlag gegen die modernen Revisionisten in der Sowjetunion als logische Konsequenz aus dem vorangegangenen Schlag gegen den ersten Staat des modernen Revisionismus – Titos Jugoslawien, der ebenfalls mit einer Niederlage endete, „dank“ der Chruschtschow-Revisionisten. Die Konterrevolution schlug noch härter zurück als zwischen 1936 und 1938, nachdem die Verschwörer Chruschtschows geduldig auf den geeigneten Moment warteten, ihren lange vorher ausgeheckten und systematisch geplanten Putsch durchzuführen, um die Gefahr des vorzeitigen Scheiterns möglichst zu vermeiden . Die Säuberungswelle des Marxismus-Leninismus in der Sowjetunion verwandelte sich in eine Säuberungswelle gegen den Marxismus-Leninismus auf der ganzen Welt, denn es herrschten bereits die Verhältnisse einer nicht mehr schlagkräftigen und handlungsfähigen kommunistischen Partei als Führerin des Weltproletariats. In der Sowjetunion gingen die Verbindungen zwischen Führern, Klasse und Masse zusehends in die Hände der Partei- und Staatsbürokratie über, in den Hände einer neuen bürgerlichen Führungsschicht. Es war ein spät kommender Schlag unter Bedingungen einer kommunistischen Partei, wo der Entartungsprozess die Partei bereits ihre Grundfesten zu erfassen begann – und das – wohlgemerkt - auf der höchsten Stufe des fortgeschrittenen Sozialismus. Wie so oft in seinem Leben gab Stalin seine Entschlossenheit zum Ausdruck, den Sozialismus vor seinen Feinden zu retten: „Ich werde bedenkenlos 49 Prozent der Truppen opfern, wenn ich dadurch die 51 Prozent – und mit ihnen die Revolution – retten kann“ (Achmed Amba, „Ein Mensch sieht Stalin“, Rowohlt-Verlag 1951, Seite 183). Aus diesem Kampf gegen den inneren Klassenfeind auf der höchsten Stufe der historischen Entwicklung des Sozialismus in der Sowjetunion sind unbedingt historische Lehren zu ziehen, um einem nicht ausschließbaren Entartungsprozess von Weltpartei und Weltstaat des Weltsozialismus besser zu begegnen und um den modernen Revisionismus zu besiegen. Bis zum Tod Stalins blieb die Sowjetunion dem großen Banner von Marx, Engels, Lenin und Stalin treu, blieb sie dem proletarischen Internationalismus, dem brüderlichen Bündnis der Proletarier aller Länder treu. Mit dem Jahre 1953, mit dem Tod des Genossen Stalin, war die bolschewistische Generallinie von der Notwendigkeit der Politik der Offensive des Sozialismus, die Notwendigkeit des Vorantreibens des revolutionären Klassenkampfes, die Notwendigkeit des sozialistischen Weltkrieges gegen den Weltimperialismus, die Notwendigkeit der Politik der proletarischen Weltrevolution, beendet worden mit den revisionistischen, klassenversöhnlerischen und kapitulationistischen Parolen von „Friede, Freundschaft, Eierkuchen!“ Man kämpfte nicht mehr für den Sozialismus, sondern nur noch für „Frieden“ und „Demokratie“. Der Sozialismus würde dann schon von alleine hinterher kommen.
Da, wo man aber aufhört, für den Sozialismus zu kämpfen, hat man auch aufgehört, für Frieden und Demokratie zu kämpfen, passt man sich letztendlich dem Krieg und Faschismus des Kapitalismus an. Mit Stalin starb 1953 der erste proletarische Staat, verwandelte er sich in die staatskapitalistische Diktatur einer aus dem Sozialismus selber hervorgegangenen neuen Bourgeoisie.
Stalin sah in den Verschwörern Wölfe, die man vernichten musste, die das aber wüssten und sich dementsprechend benähmen, die bereit waren, ihn gleichzeitig von allen Seiten anzuspringen. Als Stalin zum Schlag ausholte, attackierten ihn diese angriffslustigen, Macht hungrigen Wölfe und überwältigten ihn hinterrücks. Die alte bolschewistische Garde jedoch fürchtete die Wölfe mehr als Stalins Zorn über ihre Kapitulation vor den Wölfen. So sehnten sie den Tag gerade zu herbei , an dem die Wölfe endlich ihr Opfer erledigt hatten, nur um Stalin nicht mehr in die Augen sehen zu müssen, nur um selber verschont zu bleiben, wenn der Machthunger der Wölfe gestillt sein würde. Im wahrsten Sinne des Wortes hatten diese Leichen des Bolschewismus nichts Anderes getan, als mit diesen Wölfen zu heulen. Der Rudelführer hieß nicht Chruschtschow, denn dieser sammelte das Wolfsrudel erst um sich, als es erstens stark genug war, den Rudelsführer zu vernichtet und zweitens schwach genug war, um ihn als den neuen Rudelsführer anzuerkennen.
Als Stalin mit der Säuberung begann, war die Bedrohung der UdSSR von außen und innen bereits weit vorangeschritten. Stalins Warnungen traf bei den Revisionisten auf taube Ohren, wobei sie aus taktischen Gründen in Worten der stalinschen Generallinie widerwillig folgen mussten, aber nur um tatsächlich effektiver gegen sie arbeiten zu können. Die modernen Revisionisten waren des Kommunismus überdrüssig und wollten sich nicht mehr für ihn abschuften. Sie beanspruchten die Früchte des Sozialismus für sich allein, für ihre privilegierten Schichten im Apparat, die ihnen die Stiefel leckten. Der Arbeiterklasse und den Bauern, den werktätigen Massen aber saugten sie das Blut aus.
Die Tendenz zur Restauration des Kapitalismus hatte bereits alle Partei-, Sowjet- und Armeeorganisationen der gesamten UdSSR in Mitleidenschaft gezogen. Die Revisionisten waren längst ins Politbüro vorgedrungen, um von dort aus Stalins Einfluss zu kontrollieren. Kein Mitglied des Präsidiums erhob nach dem XIX. Parteitag seine Stimme, um den Sozialismus und Stalin zu verteidigen. Auf der Präsidiumssitzung im Jahre 1952 bot Stalin aus taktischen Gründen sogar seinen Rücktritt an, um damit die rivalisierenden anti-stalinistischen Gruppen in Schach halten zu können. Stalin verfügte als dialektischer Taktiker über große Erfahrungen, die er im Kampf gegen die modernen Revisionisten voll ausschöpfte. Die Zeit dafür wurde schließlich reif um erbarmungslos zuzuschlagen. Er deckte aber seine Karten nie vorher auf und ließ die „Abtrünnigen“ stets bewusst im Unklaren. Damit zwang er sowohl den revisionistischen Feinden, wie auch den Kapitulierern und Versöhnlern gegenüber der revolutionären Sache der Arbeiterklasse eine permanente Situation der Verunsicherung auf. Sie mussten sich enorm in Acht nehmen, durften sich nach außen hin nichts zu Schulden kommen lassen, mussten auf der Hut sein und natürlich nach außen hin die Aufgaben des Sozialismus gewissenhaft erfüllen, um nicht in Ungnade zu fallen und damit Einfluss einzubüßen. Das hat Stalin geschickt ausgenutzt zum Vorteil der Stärkung des Sozialismus. Schon lange hatte Stalin die drohende Gefahr der stetig anwachsenden revisionistischen Tendenzen analysiert und wachsam verfolgt. Keiner war sich tiefer über die Gefahr der Restauration des Kapitalismus bewusst als Stalin. Er war entschlossen, mit allen Mitteln, auch mit den letzten, äußersten Mitteln dagegen vorzugehen - Liquidierung. Die Gefahr der Restauration des Kapitalismus war für Stalin nicht ein Fluch oder gar ein unausweichliches, immanentes Gesetz des Zerfallsprozesses des Sozialismus „in einem“ Land, so wie es Trotzki „voraussagte“. Für Stalin war diese Gefahr gleichzeitig eine große Schule der Prüfung und eine Bewährungsprobe für alle anti-revisionistischen Kräfte der Arbeiterklasse und des sowjetischen Volkes. Stalin hat den modernen Revisionismus bloßgestellt, hat ihm erbarmungslos alle Hüllen und Schleier heruntergerissen. Darin lag die einzig positive Seite der Restaurationsgefahr, nämlich die herrschende Arbeiterklasse, die Sowjetvölker zu wachsender Wachsamkeit zu zwingen und diese Gefahr aktiv zu bekämpfen.
Die Sowjetordnung zeigte sich im Krieg und nach dem Krieg als das stabilste System der Welt, aber die Sowjetvölker mussten auch ihre besten Söhne und Töchter im Krieg opfern, die sich nicht sofort ersetzen ließen. Der sozialistische Wiederaufbau des Landes musste neue Kräfte des Volkes heranbilden – realistisch gesehen, keine leichte Aufgabe und mit neuen Risiken behaftet. Der äußere Feind war geschlagen. Im Gefühl des Sieges, im patriotisch hohem Bewusstsein, im Bewusstsein von Einheit und Zusammengehörigkeit durfte man nicht die Fragen des Klassenkrieges unterschätzen. Die Mobilisierung des Volkes zur Wachsamkeit gegenüber dem inneren Feind durfte zu diesem Zeitpunkt nicht vernachlässigt werden. Die revisionistischen Tendenzen würden dadurch verstärkt werden. Wenn man sie nicht von Anfang in den Griff kriegen würde, wäre es immer schwieriger, diese aufzuhalten und einzudämmen.
Eine ungeheure Aufklärungskampagne ging durch alle Zeitungen und durch den Rundfunk. Es fanden hierzu Kundgebungen und Konferenzen statt. In den Organisationen der Partei, der Gewerkschaft, der Jugend wurde öffentlich Kritik und Selbstkritik geübt. Immer wieder wurde die schon von Stalin lange vorher kritisierte „mangelnde Wachsamkeit“ und „Schlafmützigkeit“ in den Mittelpunkt der Erziehung der Partei, der Arbeiterklasse und der Massen gestellt. Dass die Massen nicht im erforderlichen Umfang wachgerüttelt werden konnten, liegt sowohl an der tatsächlichen Schwäche der Partei und der bereits fortgeschrittenen Entwicklung der konterrevolutionären Elemente, die von den privilegierten Schichten im Sowjetvolk unterstützt wurden. Der Kampf gegen die Klassenfeinde wurde verschärft, so wie es Stalin gefordert und durchgesetzt hatte. Das ist eine historische Tatsache. Nach dem 6. Februar 1953 ( sic !! ) wurde diese Linie Stalins in der Sowjetpresse immer eindringlicher propagiert. Bis Mitte Februar 1953 ( sic !! ) wurden Listen von Schädlingen mit Namen, Wohnort und Arbeitsplatz in der Sowjetpresse veröffentlicht. Darunter befanden sich Personen aus der sowjetischen Intelligenz wie Wirtschaftswissenschaftler, Juristen, Hochschulprofessoren, Historiker, Naturwissenschaftler, Ärzte, Medienleute usw.
Ferner Wirtschaftsfunktionäre, mittlere und höhere Staatsfunktionäre, Parteifunktionäre, Funktionäre des sowjetischen Jugendverbandes, ehemalige Trotzkisten und Menschewiki.
Am 22. Februar 1953 wurde die größte Säuberungswelle seit den Jahren 1936 bis 1938 urplötzlich abgebrochen. Warum konnte so was in einer bolschewistischen Partei geschehen? Die Revisionisten schienen die Einzigen Lebewesen auf Erden gewesen zu sein, die den Tod eines Menschen auf den Tag genau „vorausdatieren“ konnten (?!). Am Morgen des 6. März der Tod Stalins bekanntgegeben. Moskau wurde von den MWD-Truppen des Innenministeriums umzingelt, die Straßen von Berija abgesperrt. Wie würde das Sowjetvolk auf den Putsch reagieren? Hatte Stalin für diesen Fall etwa schon vorgesorgt gehabt, ohne dass seine Mörder etwas davon wussten? Sicher ist sicher, dachten die Revisionisten und am gleichen Tag verteilten sie untereinander schnell ihre Ministerposten, um die Gunst der Stunde nicht verstreichen zu lassen und den Umsturz unnötig zu gefährden ! Das war also alles generalstabsmäßig geplant, lief alles ab wie am Schnürchen!
Kann man behaupten, dass die Gefahr der Restauration des Kapitalismus, die Gefahr der modernen Revisionisten unerwartet kam. Nein, das kann man nicht behaupten. Man studiere die Ergebnisse des XIX. Parteitags, der im Jahre 1952 stattfand und vergleiche sie mit Stalins Schrift „Die ökonomischen Probleme...“. Dieser Parteitag wagte nicht offen gegen die Linie Stalins aufzutreten, aber er deutete die Wende bereits mit mehr oder weniger versteckten Signalen an. Dieser Parteitag nahm zwar noch formal Rücksicht auf Stalin, aber dem Wesen nach wurde er zum Instrument in den Händen der Revisionisten: – in Worten stalinistisch – in Taten anti-stalinistisch.
Enver Hoxha schrieb 1976 in seinen Erinnerungen mit dem Titel „Die Chruschtschowianer“:
"Stalin war kein Tyrann, kein Despot. Er war ein Mann mit Prinzipien. Er war gerecht, bescheiden und sehr freundlich und rücksichtsvoll Menschen gegenüber, zu den Funktionären und seinen Kollegen." (E. Hoxha, 'Zusammen mit Stalin: Erinnerungen', Tirana 1979, S. 14f).
„Erst wenn wir uns klar machen, wie stark damals die äußeren und inneren Feinde der Sowjetunion waren, was für Intrigen, was für eine hemmungslose Propaganda sie betrieben, welch einer heimtückischen Taktik sie sich bedienten, können wir die korrekten Grundsätze und Handlungen Stalins an der Spitze der Kommunistischen Partei der Sowjetunion richtig ermessen. (Enver Hoxha, „Die Chruschtschowianer“, Seite 19-20, Tirana, 1980).
„Chruschtschow und seine engsten Mitputschisten gehörten schon vor Stalins Tod zu den hohen Führern, die hinter den Kulissen wirkten, die den geeigneten Moment für ein breit angelegtes, offenes Handeln vorbereiteten und abwarteten. Diese Verräter waren tatsächlich ausgekochte Verschwörer, die auf die Erfahrung der diversen russischen Konterrevolutionäre, die Erfahrung der Anarchisten, Trotzkisten und Bucharinisten zurückgriffen. Sie waren auch vertraut mit der Erfahrung der Revolution, der Bolschewistischen Partei, nur dass sie daraus nichts Gutes lernten, sondern all das, was sie brauchten, um die Revolution und den Sozialismus zu untergraben und dabei den Schlägen der Revolution und der Diktatur des Proletariats zu entgehen. Kurz, sie waren Konterrevolutionäre und Doppelzüngler. Auf der einen Seite brachten sie Lobeshymnen auf den Sozialismus, auf die Revolution, die Kommunistische Partei der Bolschewiki, auf Lenin und Stalin aus, und auf der anderen Seite bereiteten sie die Konterrevolution vor“ (ebenda, Seite 46-47).
„Wenn man die politischen, ideologischen und organisatorischen Direktiven Stalins zur Organisierung und Leitung der Partei, des Kampfes und der Arbeit eingehend analysiert, wird man im Großen und Ganzen keine prinzipiellen Fehler finden. Wenn man sich aber auch ansieht, wie sie von den Feinden entstellt und wie sie praktisch umgesetzt wurden, dann erkennt man die gefährlichen Auswirkungen dieser Entstellungen, dann wird deutlich, warum die Partei zu verbürokratisieren begann, in Routinearbeit, in gefährlichem Formalismus zu versacken anfing, die sie erdrückten, ihr den Atem und den revolutionären Schwung nahmen. Die Partei wurde von schwerem Rost, von politischer Apathie befallen“ (ebenda Seite 47-48).
Was lernt das Weltproletariat daraus?
Weder die Festigung noch die Verteidigung der Diktatur des Proletariats kommt von selbst. Sie muss in schwersten Klassenkämpfen stets erneuert werden. Wenn die Partei jene Stärke und Autorität verlieren würde, um die Massen zur Verteidigung der sozialistischen Macht zu mobilisieren, dann wäre die Niederlage gegenüber dem Kapitalismus unausbleiblich. Stalins bolschewistische Säuberungslinie war also klar: Rettung des Kommunismus und Verhinderung des Zusammenbruchs der Sowjetunion, Beseitigung der besorgniserregenden Sorglosigkeit und des Einlullens der ganzen sozialistischen Gesellschaft, Stärkung der Diktatur des Proletariats und der Parteidisziplin zur revolutionären Beseitigung der bürokratischen Verkrustungen und der aufkommenden neuen privilegierten Schichten in Partei und Staat, unter denen das sozialistische System zu ersticken drohte, Entfaltung des Klassenkampfes an der Basis, Mobilisierung der Arbeiterklasse, Kampf mit inneren wie mit äußeren Feinden, rücksichtslose Hinaussäuberungswelle gegen parteifeindliche Elemente, Erziehung der Massen, sich ideologisch mit dem Marxismus-Leninismus zu wappnen, selbstverantwortlich, selbstbewusst und eigenverantwortlich ihre sozialistischen Errungenschaften notfalls mit Waffengewalt zu verteidigen und Partei und Staat von unten strenger zu kontrollieren, vor allem aber auch das Weltproletariat aufzufordern, sich an der Rettung des Kommunismus zu beteiligen und solidarisch einzugreifen. So, wie es notwendig war, die Oktoberrevolution zur Beseitigung des Kapitalismus und Schaffung des Sozialismus durchzuführen, so, wie es notwendig war, den Sozialismus gegen den Überfall des Imperialismus mit dem Großen Vaterländischen Krieg zu beantworten, so wäre es auch historisch notwendig gewesen, mit einer zweiten Oktoberrevolution den Sozialismus gegen die drohende Gefahr der Restauration des Kapitalismus, gegen seine Verbürgerlichung und revisionistische Entartung, gegen seine Fäulnis im Inneren, die in der Parteispitze begann und sich von dort auszubreiten begann, zu verteidigen. Mit einem Wort: von Stalins Kampf lernen, heißt: die Bolschewisierung der Partei Lenins eisern zu festigen, um die halboffenen und getarnten innerparteilichen Gruppierungen zurückzuschlagen, die die Restauration des Kapitalismus „im Namen Stalins“ herbeizuführen versuchten.
Stalin hat immer wieder eindringlich vor der Entartung gewarnt. Dazu wollen wir einige Zitate zum Beweis heranziehen, doch lassen wir Lenin vorher sprechen, in dessen Sinne Stalin bei allen seinen Säuberungen gehandelt hatte:
Lenin: „... ein sehr hoher Prozentsatz der Kommunisten versteht es nicht, die Sowjetgesetze zum Kampf gegen Schlendrian, Bürokratismus oder gegen eine so echt russische Erscheinung wie die Bestechlichkeit auszunutzen ... Sie wissen, dass wir diese letztgenannten Kommunisten gegenwärtig einem Verfahren unterwerfen, mit dem sich die Kommission zur Reinigung der Partei befasst, und es besteht die Hoffnung, dass wir an die 100 000 aus unserer Partei entfernen werden. Manche sprechen von 200 000, und die so sprechen, gefallen mir besser. Ich hoffe sehr, dass wir aus unserer Partei 100 000 bis 200 000 Kommunisten hinauswerfen werden, die sich in die Partei eingeschlichen haben und die nicht nur nicht verstehen, gegen Schlendrian und Bestechlichkeit zu kämpfen, sondern den Kampf dagegen behindern“ (Lenin Werke Band 33, Seite 56). „Die Partei reinigen, indem man den Hinweisen der parteilosen Werktätigen Rechnung trägt, ist eine große Sache. Sie wird uns ernste Resultate bringen“ (ebenda, Seite 20).
Stalin:
„Parteimitglieder, die sich offenbar von der Partei losgelöst haben, entrüsten sich und können es nicht verwinden, dass sie von irgendeinem Chauffeur' gereinigt werden sollen. Solche Parteimitglieder müssen erzogen und unerzogen werden, mitunter durch Ausschluss aus der Partei. Das Wesentliche bei der Reinigung ist, solche Leute fühlen zu lassen, dass ein Herr im Hause ist, dass die Partei da ist, die Rechenschaft über die gegen die Partei begangenen Sünden fordern kann. Ich glaube, es wäre unbedingt notwendig, dass man wie der Herr im Hause mitunter, von Zeit zu Zeit, die Reihen der Partei mit einem Besen von Unrat säubert“ (Stalin Werke Band 6, Seite 204 f.).
„Man begreift, dass diese Überreste unvermeidlich einen günstigen Nährboden bilden, um die Ideologie der zerschlagenen anti-leninistischen Gruppen in den Köpfen einzelner Mitglieder unserer Partei neu zu beleben. Nimmt man noch das nicht sehr hohe theoretische Niveau der Mehrzahl der Mitglieder unserer Partei hinzu, die schwache ideologische Arbeit der Parteiorgane, die Überlastung unserer Parteifunktionäre mit rein praktischer Arbeit, die sie der Möglichkeit beraubt, ihr theoretisches Wissen zu vervollständigen, dann wird man verstehen, woher der Wirrwarr in einer Reihe von Fragen des Leninismus in den Köpfen einzelner Parteimitglieder kommt, der nicht selten in unsere Presse eindringt und die Belebung der Überreste der Ideologie der zerschlagenen antileninistischen Gruppen erleichtert“ (...) Es kann kein Zweifel darüber bestehen, dass dieser Wirrwarr in den Köpfen und diese Stimmungen den bekannten Ansichten der rechten Abweichler wie ein Ei dem andern gleichen, denen zufolge das Alte von selbst in das Neue hineinwachsen müsse und wir eines schönen Tages, ohne es zu merken, in der sozialistischen Gesellschaft anlangen würden. Wie Sie sehen, sind die Überreste der Ideologie der zerschlagenen anti-leninistischen Gruppen durchaus imstande, wieder aufzuleben, und haben ihre Zählebigkeit noch lange nicht eingebüßt. Es ist klar: Wenn dieser Wirrwarr in den Ansichten und diese unbolschewistischen Stimmungen die Mehrheit unserer Partei erfasst hätten, so würde die Partei demobilisiert und entwaffnet dastehen“ (Stalin, Band 13, Seite 310, 311 und 312).
„Ist es nicht klar, dass die Losung „Bereichert euch“ im Grunde genommen die Aufforderung bedeutete, den Kapitalismus wieder herzustellen (...)?“ (ebenda, Seite318).
Und hier fügen wir ein passendes Zitat von Lenin ein:
„Wollen wir die Wiederherstellung der Macht der Kapitalisten und der Bourgeoisie verhindern, so dürfen wir keinen Krämergeist (und Enver Hoxha spricht ja übereinstimmend vom „Krämer Mikojan“ - Anmerkung der Redaktion) dulden und nicht zulassen, dass sich einzelne Personen auf Kosten anderer bereichern, so müssen sich alle Werktätigen mit dem Proletariat zusammenschließen und gemeinsam die kommunistische Gesellschaft bilden“ (Lenin, Band 31, Seite 283).
„Die Hauptgefahr stellt diejenige Abweichung dar, gegen die man zu kämpfen aufgehört und die man dadurch zu einer staatsgefährdenden Erscheinung hat anwachsen lassen“ (Stalin Werke, Band 13, Seite 321)
. „Entfernung und Verjagung unverbesserlicher Bürokraten und Kanzleimenschen aus den Verwaltungsapparaten; Entfernung aller, die die Beschlüsse der Partei und der Regierung verletzen, sowie der Schönfärberei und Schwätzer von ihren Posten (...); die Reinigung der Sowjet- und Wirtschaftsorganisationen und die Einschränkung ihres Personalbestandes; die Reinigung der Partei von unzuverlässigen und entarteten Leuten“ (ebenda, Seite 327);
Stalin hat auf die Fragen wie dem Bürokratismus ein Ende gesetzt werden könne, betont:
„Dafür gibt es nur einen Weg – die Kontrolle von unten zu organisieren, die Kritik der Millionenmassen der Arbeiterklasse am Bürokratismus unserer Institutionen, an ihren Mängeln, ihren Fehlern. Nur durch die Organisierung eines Drucks von beiden Seiten, von oben sowohl als auch von unten, nur indem der Schwerpunkt auf die Kritik von unten verlegt wird, können wir hoffen, dass unser Kampf Erfolg haben und der Bürokratismus ausgemerzt wird“ (Stalin Werke, Band 11, S. 65).
Nachdem der Faschismus geschlagen und das vom Krieg zerstörte Sowjetland wieder aufgebaut war und Stalin höher zum Kommunismus strebte, erkannte er den gleichen Mangel in der Partei, der schon 1927 aufgetreten war, einen Mangel, der im Resultat zur Entartung des Parteilebens führen konnte. Dieser Mangel spürte Stalin auch im Politbüro kurz vor seinem Tod:
„Dieser Mangel besteht darin, dass eine Anzahl unserer Genossen leicht und ruhig mit dem Strom schwimmen wollen; ohne Perspektiven, ohne in die Zukunft zu blicken, auf solche Art, dass ringsum eine festliche und feierliche Stimmung herrsche, dass jeden Tag bei uns feierliche Sitzungen stattfinden, dass nur ja überall Beifall geklatscht und womöglich jeder von uns der Reihe nach als Ehrenmitglied in alle möglichen Präsidien gewählt werde. Eben dieser unbezwingliche Wunsch, überall eine festliche Stimmung zu finden, dieser Drang nach Aufmachung, nach allen möglichen Jubiläen, nötigen und unnötigen, dieser Wunsch, dahinzugleiten, wohin es eben geht, ohne Ausschau zu halten, wohin wir getrieben werden – alles das ist es, was (...) die Grundlage unserer Mängel in unserem Parteileben bildet (...) Und die Resultate? Die Resultate sind klar: Zuerst schimmeln sie an, dann werden sie ganz grau, dann bleiben sie im Schlamm des Spießertums stecken und schließlich verwandeln sie sich in echte Spießer. Das eben ist der Weg wirklicher Entartung“ (Stalin Werke, Band 10, Seite 288 f.)
„Man muss sie ohne Schwanken von den leitenden Posten absetzen, ohne Rücksicht auf ihre Verdienste in der Vergangenheit. Das ist notwendig, um diesen überheblichen Bürokraten und Würdenträgern den Hochmut auszutreiben und sie in die Schranken zu weisen. Das ist notwendig, um die Partei- und Sowjetdisziplin in unserer Arbeit zu stärken“(Stalin Werke, Band 13, Seite 328);
„Damit sie (die zentrale Kontrollkommission) genügend Autorität besitze und imstande sei, jeden beliebigen verantwortlichen Funktionär, der sich etwas zu Schulden kommen lässt, auch Mitglieder des ZK, zur Verantwortung zu ziehen, ist es notwendig, dass die Mitglieder dieser Kommission nur vom obersten Organ der Partei, vom Parteitag, gewählt und abgesetzt werden können“ (ebenda, Seite 332);
„Man darf also die Partei nicht einlullen, sondern muss in ihr die Wachsamkeit entwickeln, darf sie nicht einschläfern, sondern muss sie im Zustand der Kampfbereitschaft halten, darf sie nicht entwaffnen, sondern muss sie bewaffnen“ (ebenda, Seite 334).
Wenn man die Säuberungswelle, die Stalin noch vor seinem Tod in Gange brachte, verstehen will, sollte man außerdem unbedingt Stalins Schrift: „Über die Mängel der Parteiarbeit“ studieren, die er mit den Worten beendete: „Es ist Zeit, Genossen, höchste Zeit, mit diesen Schändlichkeiten Schluss zu machen“ (Stalin, Werke Band 14, Seite 160, herausgegeben, KPD/ML 1976). Wir wollen aus seiner Rede auf dem Plenum des ZK der KPdSU (B) vom 3. und 5. März 1937 das herausziehen, was wohl auch noch während der Säuberungswelle aktuell geblieben ist:
„Was bedeutet es, die Mitarbeiter richtig auszuwählen und auf den richtigen Arbeitsplatz zu stellen? (...) Meistens sucht man sich so genannte Bekannte, Freunde, Landsleute, persönlich ergebene Leute, Meister in der Lobpreisung ihrer Vorgesetzten aus – ohne Rücksicht auf ihre politische und fachliche Eignung. Es ist klar, dass auf diese Weise statt einer führenden Gruppe verantwortlicher Funktionäre eine Sippschaft einander nahestehender Leute, eine Innung herauskommt, deren Mitglieder darauf bedacht sind, in Frieden zu leben, einander nicht weh zu tun, nicht aus der Schule zu plaudern, einander zu lobpreisen und der Zentrale von Zeit zu Zeit völlig nichtssagende und Übelkeit erregende Berichte über Erfolge einzusenden. Es ist nicht schwer zu begreifen, dass es bei einer solchen Sippenwirtschaft weder für Kritik an den Mängeln der Arbeit noch für Selbstkritik der Leiter der Arbeit Platz geben kann. Es ist klar, dass eine solche Sippenwirtschaft einen günstigen Boden abgibt für die Züchtung von Speichelleckern, von Leuten, die jeglichen Gefühls eigener Würde bar sind und deshalb mit dem Bolschewismus nichts gemein haben“ (Stalin Werke, Band 14, Seite 147 – 148).
„Wer auf die Eigenliebe unserer Kader Rücksicht nehmen will und dabei ihre Fehler vertuscht, der richtet sowohl die Kader als auch die Eigenliebe der Kader zu Grunde, denn durch die Vertuschung ihrer Fehler begünstigt er die Wiederholung neuer, vielleicht schwerwiegenderer Fehler, die, wie anzunehmen ist, zu einem völligen Bankrott der Kader, zum Schaden ihrer „Eigenliebe“ und „Ruhe“ führen würden“ (ebenda, Seite 153).
„Wir, die Führer, sehen die Dinge, die Ereignisse, die Menschen nur von einer Seite, ich möchte sagen, von oben; unser Blickfeld ist also mehr oder minder begrenzt. Die Massen dagegen sehen die Dinge, die Ereignisse, die Menschen von einer anderen Seite, ich möchte sagen, von unten; ihr Blickfeld ist also in gewissem Grade ebenfalls begrenzt. Um die richtige Entscheidung in einer Frage zu treffen, muss man beide Erfahrungen miteinander vereinigen. Nur in einem solchen Fall wird die Führung richtig sein“ (ebenda, Seite 154).
„Die Bolschewiki brauchen sich nur von den Massen loszulösen, die Verbindung mit ihnen zu verlieren, sich mit bürokratischem Rost zu bedecken, um jegliche Kraft einzubüßen und sich in ein Nichts zu verwandeln“ (ebenda, Seite 156). Und was Stalin prophezeite wurde aller spätestens 1991 wahr als die Sowjetunion sich in ein Nichts verwandelt hatte.
„Zur Frage des Ausschlusses von Parteimitgliedern aus der Partei bzw. zur Frage der Wiedereinsetzung Ausgeschlossener (...) Tausende und Zehntausende aus der Partei auszuschließen, ist für sie ( für manche unserer führenden Parteifunktionäre) eine Lappalie, und sie trösten sich damit, dass unsere Partei zwei Millionen Mitglieder hat und Zehntausende Ausgeschlossener nichts an der Lage der Partei zu ändern vermögen. So aber können an Parteimitglieder nur Leute herangehen, die im Grunde genommen zutiefst parteifeindlich eingestellt sind. Durch ein solch herzloses Verhalten gegenüber den Menschen, gegenüber den Parteimitgliedern und den Parteifunktionären wird künstlich Unzufriedenheit und Erbitterung in einem Teil der Partei hervorgerufen, die trotzkistischen Doppelzüngler aber machen sich schlau an solche erbitterten Genossen heran und zerren sie geschickt mit sich in den Sumpf des trotzkistischen Schädlingswesens“ (ebenda Seite 157).
Und in dem „Kurzen Lehrgang“ schreibt Stalin:
„Man darf in seiner Mitte nicht den Opportunismus dulden, wie man in einem gesunden Organismus kein Geschwür dulden darf“ (Stalin, Band 15, Seite 448, KPD/ML)
„Die Partei geht zu Grunde, wenn sie ihre Fehler verheimlicht, wunde Punkte vertuscht, ihre Unzulänglichkeiten bemäntelt, indem sie ein falsches Bild wohlgeordneter Zustände zur Schau stellt, wenn sie keine Kritik und Selbstkritik duldet, sich von dem Gefühl der Selbstzufriedenheit durchdringen lässt, sich dem Gefühl der Selbstgefälligkeit hingibt und auf ihren Lorbeeren auszuruhen beginnt“ (Stalin, Band 15, Seite 449, KPD/ML).
Trifft das nicht 100 %ig auf die modernen Revisionisten zu, als sie die in der Partei die Macht eroberten? Genauso wie an folgender Stelle:
„Manche Genossen haben die These von der Aufhebung der Klassen, von der Schaffung einer klassenlosen Gesellschaft und vom Absterben des Staates als Rechtfertigung für Trägheit und Gleichmütigkeit aufgefasst, als Rechtfertigung der konterrevolutionären Theorie vom Erlöschen des Klassenkampfes und von der Schwächung der Staatsmacht. Es erübrigt sich zu sagen, dass solche Leute mit unserer Partei nichts gemein haben können. Das sind Entartete oder Doppelzüngler, die man aus der Partei verjagen muss. Die Aufhebung der Klassen wird nicht durch das Erlöschen des Klassenkampfes, sondern durch seine Verstärkung erreicht. Das Absterben des Staates wird nicht durch Schwächung der Staatsmacht erfolgen, sondern durch ihre maximale Verstärkung, die notwendig ist, um die Überreste der sterbenden Klassen zu vernichten und die Verteidigung gegen die kapitalistische Umkreisung zu organisieren, die noch bei Weitem nicht beseitigt ist, und noch nicht so bald beseitigt sein wird“ (Stalin, Band 13, Seite 188-189).
Stalin hob schon auf dem VIII. Parteitag das Axiom der marxistisch-leninistischen Erziehung der Parteimitglieder und Parteikader hervor und warnte vor ihrer Entartung:
„Je niedriger das politische Niveau und je weniger bewusst die marxistisch-leninistische Einstellung der Funktionäre, (...) um so wahrscheinlicher ist es, dass sie entarten“ (Stalin Werke, Band 14, Seite 219-220, KPD/ML 1976).
Stalins Verdienst war es, die KPdSU (B) tief in den Massen zu verankern. Er schuf die größte Massenpartei der Welt, eine Partei, die nicht nur die Massen lehrt, sondern vor Allem von ihnen lernt. Er richtete sich gegen eine solche massenfeindliche Politik, die die Partei zu einer Interessenvertreterin privilegierter Schichten der sozialistischen Gesellschaft machen würde:
„Unsere Politik besteht keineswegs darin, die Partei in eine abgesonderte Kaste zu verwandeln“ (Stalin Werke, Band 13, Seite 61). „... wählt dabei die ehrlichsten und standfestesten (Arbeiter) aus, so bedeutet dies, dass eine solche Partei unbesiegbar ist, denn die Partei ist dem Wesen der Sache nach zum gewählten Organ der Arbeiterklasse geworden, das das ungeteilte Vertrauen der Arbeiterklasse genießt“ (Stalin Werke, Band 6, Seite 206). Ausgewählt wurden nicht die ehrlichsten und standfestesten Arbeiter, sondern die korrupten und privilegierten Apparatschiks der Oberschicht.
Stalin stellte fest, dass die Notwendigkeit der verstärkten Arbeit der inneren Sicherheitsorgane des sozialistischen Staates unterschätzt wurden, dass es eine Tendenz gab, den ganzen “Plunder der Staatlichkeit“ auf dem Wege zum Kommunismus „über Bord zu werfen“, Aufweichungserscheinungen der Diktatur des Proletariats unter den Bedingungen eines fortgeschritteneren Sozialismus:
„In gewissem Maße lassen wir Bolschewiki alle ohne Ausnahme uns diese Unterschätzung zu Schulden kommen“ (Stalin Werke Band 14, Seite 223).
Um weiter zum Kommunismus emporzusteigen, spielte die Entfaltung der Wissenschaft eine gewaltige Rolle. Da Stalin sich darüber bewusst war, dass eine Säuberung von Verkrustungen in der damaligen Wissenschaft unvermeidlich war, bevor man zu neuen Ufern vorstoßen konnte, leitete er diese Anfang der 50er Jahre ein, und die so entfachte Diskussion wurde über seinen Tod hinaus heftig weitergeführt.
Was den ideologischen Kampf an der Front der Wissenschaften anbelangte, schaltete sich Stalin 1950 aktiv ein, so zum Beispiel mit seiner Veröffentlichung über „Der Marxismus und die Fragen der Sprachwissenschaft“.
An der Front der Wissenschaften spielten sich dramatische Szenen ab. Es hatte sich eine „wissenschaftliche Kaste“ herausgebildet, die Stalin auf dem XIX. Parteitag zum Gegenstand einer erneuten Kampfansage gegen den Bürokratismus machte.
Stalin sah in dem Meinungskampf, in der Kritik alter, in der Aufstellung neuer Theorien die spezifische Erscheinungsform eines allgemeinen Entwicklungsgesetzes, des Gesetzes vom Kampf zwischen Altem und Neuem, und das nicht nur in der Wissenschaft allein. Stalin läutete in seinen letzten Lebensjahren eine neue Etappe in der weiteren Entwicklung des Marxismus-Leninismus ein, indem er den bisherigen Stand der wissenschaftlichen Erkenntnisse einer kritischen Revision unterzog, die die Vertreter der Restauration des Kapitalismus empfindlich traf. Stalin wies ihnen nach, dass sie sich hinter dem Alten verdrückten und sich gegen die Neuerungen verschworen hätten. So beschäftigte er sich auch mit dem revisionistischen Sprach“theoretiker“ Marr. Dieser mochte sich mit seiner Kaukasuskunde vielleicht gut ausgekannt haben, aber Stalins sprachwissenschaftlichen Kritik an Marr war niederschmetternd. Damit hat Stalin für alle marxistisch-leninistischen Wissenschaftler eine Bresche geschlagen, die vor der „wissenschaftlichen“ Staatsbürokratie Spießruten laufen mussten. Stalin half nicht nur ihnen, sondern Millionen von Menschen in aller Welt, die sich von der Richtigkeit der wissenschaftlichen Lehre des Marxismus-Leninismus am konkreten Beispiel der Sowjetunion überzeugten. Alle strebten danach, von der Lehre Stalins, von den Errungenschaften der Sowjetunion zu lernen. Bevor es die Revisionisten verhindern konnten, wurden auch noch kurz nach Stalins Tod seine Werke in viele Sprachen der Welt übersetzt und überall in der Welt gelesen. Stalin starb, aber sein Geist verbreitete sich über den ganzen Erdball.
Was den Dogmatismusvorwurf anbelangt, den die modernen Revisionisten bevorzugt gegen Stalin und die Marxisten-Leninisten heranzogen (und weiterhin heranziehen), schrieb Stalin zum Schluss- und das Zitat beginnt mit der besten und berühmtesten Definition des Marxismus:
„Der Marxismus ist die Wissenschaft von den Entwicklungsgesetzen der Natur und der Gesellschaft, die Wissenschaft von der Revolution der unterdrückten und ausgebeuteten Massen, die Wissenschaft vom Siege des Sozialismus in allen Ländern, die Wissenschaft vom Aufbau der kommunistischen Gesellschaft. Der Marxismus als Wissenschaft kann nicht auf der Stelle stehen bleiben – er entwickelt und vervollkommnet sich. In seiner Entwicklung muss sich der Marxismus selbstverständlich mit neuen Erfahrungen und neuen Kenntnissen bereichern – folglich müssen sich selbstverständlich seine einzelnen Formeln und Schlussfolgerungen ersetzt werden, die den neuen historischen Aufgaben entsprechen. Der Marxismus erkennt keine unveränderlichen Schlussfolgerungen und Formeln an, die für alle Epochen und Perioden obligatorisch wären. Der Marxismus ist ein Feind jeglichen Dogmatismus“ (Stalin, Werke Band 17, Seite 253, KPD/ML 1973).
Die Abstempelung des Marxismus-Leninismus als „Dogmatismus“, die Abstempelung Stalins als „Dogmatiker“, dienten den modernen Revisionisten als Rechtfertigung ihrer bürgerlichen Revision des Marxismus-Leninismus, dienten ihnen dazu , den Stalinismus zu revidieren, Stalin zu „überwinden“. Die Revisionisten richteten die Waffen Lenins gegen Stalin, womit sie nichts anderes bezweckten als die Waffen des Marxismus-Leninismus gegen sich selbst zu richten, um ihn im Namen des „Marxismus-Leninismus“ zu vernichten. Die modernen Revisionisten waren weder bereit, noch in der Lage, Stalin auf neuen Wegen des Leninismus, auf immer fortgeschritteneren Wegen der sozialistischen Gesellschaft zu folgen. Sie wollten unterm Marxismus endgültig einen Schlussstrich ziehen, wollten sich mit der ersten Periode des Sozialismus in „einem“ Land begnügen und diesen in aller Ruhe „verkonsumieren“, wollten sich wie die „Couponabschneider“ und „Rentiers“ des Westens bereichern, den Sozialismus wie Parasiten auslutschen und dann – lästig geworden - loswerden, wollten die neue sozialistische Bourgeoisie mit ihrer Diktatur etablieren und die Sowjetvölker versklaven – kurz sie passten sich dem Kapitalismus an, um selber Kapitalisten, eine herrschende Bourgeoisie, zu sein. Kommunismus war für sie nur noch ein Werkzeug, um die Massen zu belügen und zu betrügen und ihre Verbrechen am Kommunismus zu tarnen. – Stalin für dieses Ziel zu missbrauchen, war ihnen gerade Recht - nach ihnen die Sintflut -. Deswegen nennen wir den modernen Revisionismus auch den faulenden, parasitären Sozialismus. Stagnation des Sozialismus bedeutet Fäulnis des Sozialismus, ist der Tod jeder revolutionären, sozialistischen Bewegung, ist der Tod der proletarischen Weltanschauung, bedeutet die Beerdigung des Marxismus-Leninismus, die Abkehr von der sozialistischen Wissenschaft – zwecks Anpassung an den Kapitalismus.
Stalin kämpfte vor und nach Lenins Tod siegreich gegen die Konterrevolution, die sich „im Namen Lenins“ gegen die Partei Lenins und Stalins richtete. Und Stalin kämpfte bis zu seinem Tode siegreich gegen die Konterrevolution, die sich „im Namen Stalins“ gegen Stalin richtete. Nach dem Tode Stalins aber siegte die Konterrevolution „im Namen Lenins“ . Und so lange es ein Weltproletariat, solange es uns Stalinisten, den Stalinismus gibt, wird die Konterrevolution niemals aufhören, „im Namen der 5 Klassiker des Marxismus-Leninismus“ heute gegen uns, gegen das Weltproletariat, zu kämpfen. Sie tut dies immer sowohl „in Namen der 5 Klassiker des Marxismus-Leninismus“ als auch gleichzeitig offen gegen den Marxismus-Leninismus. Vor und kurz nach Stalins Tod wagte es die Konterrevolution nicht, offen gegen Stalin aufzutreten. Als ihnen aber die Stalinisten keine Gefahr mehr zu sein schienen, als sie die Stalinisten von oben bis unten durch Revisionisten ersetzt hatten, als also die modernen Revisionisten die Macht erobert hatten, da begannen sie auch und vor allem offen gegen Stalin, gegen den Stalinismus aufzutreten (Chruschtschows so genannte „Geheimrede“ gegen Stalin auf dem XX. Parteitag). Mit dem Sieg der proletarischen Weltrevolution, mit dem Weltsozialismus wird die Konterrevolution ihren Kampf gegen den Stalinismus unvermeidlich verstärken, aber die Weltrevisionisten werden es dann nicht mehr wagen können, Stalin offen anzugreifen. Die internationale Konterrevolution ist inzwischen wieder von uns gezwungen worden, „im Namen Stalins“ aufzutreten, bis wir ihrem hinterhältigen endgültig ein Ende gemacht haben und die Lehren des Stalinismus zu den herrschenden Lehren des Weltproletariats gehören werden.
Stalin hatte einen solchen konsequenten Kampf gegen das Eindringen des Klassengegeners geführt, dass dieser nicht mehr offen auftreten konnte. Es ist ein großer Sieg Stalins, dass er seine Gegner zwang, sich hinter der Generallinie des Marxismus-Leninismus zu verbergen. Dass sich die Konterrevolution bis ins Präsidium verbergen musste, ist – dialektisch betrachtet - nicht unbedingt als Schwäche, sondern als Stärke Stalins zu werten. Die Konterrevolution war WIDER WILLEN GEZWUNGEN worden, etwas für das Präsidium, für das ZK, für die KPdSU (B) – etwas FÜR den Sozialismus zu tun, ansonsten konnten sie sich offen nirgends mehr blicken lassen, wenn sie das NICHT tun WÜRDEN, WAS MAN VON IHNEN VERLANGT – entweder drin bleiben und für den Kommunismus kämpfen oder raus fliegen und vor die Hunde gehen !!! Eine andere Alternative blieb der Konterrevolution nicht mehr. So hatte Stalin die Konterrevolution unter Kontrolle gekriegt !
Die Lehre daraus ist, dass wir Marxisten-Leninisten diesen Kampf Stalins permanent fortsetzen müssen. Wir müssen begreifen, dass der Kampf zwischen der kommunistischen und der kapitalistischen Ideologie den veränderten Klassenkampfbedingungen anzupassen ist. Vor dem Faschismus, im Faschismus und nach dem Faschismus änderten sich sowohl Inhalt und Form des ideologischen Klassenkampfes, veränderte sich auch die Entwicklung des Sozialismus „in einem“ Land im Kampf vor, während und nach dem Faschismus. Marx wies darauf hin, dass der Sozialismus aus dem Kapitalismus hervorgeht und dass der Sozialismus in der ganzen Übergangsperiode zum Kommunismus – also solange der Kapitalismus noch koexistiert – logischerweise auch weiter massiv vom Kapitalismus beeinflusst und unter Druck gesetzt wird. Die Muttermale des Kapitalismus sind dabei nichts Statisches, sie sind nicht unveränderlich. Es sterben alte Muttermerkmale ab und es entwickeln sich neue Merkmale dazu, die alten werden abgelöst, modifiziert usw. usf. Der Sozialismus ist also gezwungen, sich mit den Veränderungen des Kapitalismus klassenkämpferisch auseinanderzusetzen. Das heißt, das der Kapitalismus im Laufe seiner weiteren Entwicklung auch neue Ideologien entwickelt, die er im Kampf gegen den Sozialismus einsetzt. Wenn also die marxistisch-leninistische Ideologie die bürgerliche Ideologie zwingt, in ein rotes Gewand zu schlüpfen, dann wird die Bourgeoisie eben nur noch unter dem roten Gewand im sozialistischen Land kämpfen können, denn anders kann er es nicht mehr – das ist gut und nicht schlecht, denn freiwillig würden die Kapitalisten das nicht tun.
Mit dem Ende des Großen Vaterländischen Krieges war nicht nur Hitler, sondern auch die faschistische Ideologie des Imperialismus besiegt und wurde auch das rote Gewand des Faschismus – der Sozialfaschismus besiegt. Zum Beispiel wurden diejenigen entlarvt und bestraft, die unter dem Vorwand der Säuberungen gegen die Naziagenten, gegen den konterrevolutionären Block der Rechten und der Trotzkisten, diese schützten und stattdessen eine mörderische Hetzjagd auf die bolschewistischen Führer und das Volk des Sowjetlandes veranstalteten, die also unter dem Vorwand, „die Feinde zu liquidieren“, in Wirklichkeit die besten Genossen und die revolutionärsten Kräfte des Sozialismus liquidierten (Jagoda als Beispiel).
Nun trat der Imperialismus im Kalten Krieg mit neuen Ideologien auf, zum Beispiel mit dem Kosmopolitismus. Stalin führte dagegen einen konsequenten Kampf, so dass in der Sowjetunion niemand ungestraft die kosmopolitische Ideologie offen verbreiten konnte. Also schlüpfte die bürgerliche Ideologie des Kosmopolitismus in das Gewand des „Anti-Kosmopolitismus“, um den Kampf gegen den Kosmopolitismus zu paralysieren, um die Anhänger des Kosmopolitismus zu schützen und die wirklich revolutionären Kräfte gegen den Kosmopolitismus als angebliche „Agenten des Kosmopolitismus“ zu liquidieren.
Nehmen wir das Beispiel mit dem von den Zionisten eingeschmuggelten angeblichen „Antisemitismus“. Wer setzte diese Waffe des jüdischen Weltkapitals gegen die Sowjetvölker und ihre Führer ein ? Warum opferten die Zionisten vor allem Juden ? Um den „Antisemitismus“ der UdSSR und ihrer Regierung „nachzuweisen“, bedienten sich die Zionisten eines Berija und Malenkow.
Es ist auch völlig folgerichtig, dass der Klassengegner sich des Anti-Kosmopolitismus bedient, um damit das Eindringen des Nationalismus zu verbergen. Wurden diese nationalistischen Abweichungen enttarnt, so schwammen die konterrevolutionären Kräfte in der UdSSR auf der Welle des „anti-nationalistischen Kampfes“, um damit ihren imperialistischen Großmachtplänen näherzukommen usw. usf. Das Scheinmanöver der Mingrelischen Verschwörung zeigt anschaulich, wer hinter dem Kampf „gegen“ die Menschewisten, Nationalisten und Faschisten die heimlichen Fäden zogen - Berija und Malenkow !
Im ideologischen Kampf gegen den Formalismus bedienten sich die konterrevolutionären Kräfte gezwungenermaßen wiederum eines „roten“ Gewandes, und versuchten, den Kampf gegen den Formalismus in ihre Richtung zu lenken, bzw. unter dem Deckmantel des Kampfes gegen den Formalismus der Sowjetunion „die schöpferischen Ideen“ des Westens unterzujubeln. Das waren Malenkow und Berija.
Sie waren auch die Vertreter des Sozialpragmatismus innerhalb der staatlichen Organe der UdSSR (Sozialpragmatismus = in Worten gegen die imperialistische, angloamerikanische Ideologie des Pragmatismus – in Taten dafür!). Sie sind die Väter des heutigen russischen Pragmatikers Putins.
Entscheidend und am erbittertsten war Stalins Kampf gegen die Restauration des Kapitalismus. Zum Beispiel konnte in der UdSSR nach dem XIX. Parteitag niemand offen dafür auftreten (siehe Stalin, „Die ökonomischen Probleme des Sozialismus in der UdSSR“). Also verbargen sie ihre wahren Absichten eben hinter Stalins Kampf gegen die Restauration des Kapitalismus (Malenkows Rechenschaftsbericht an den XIX. Parteitag). In Worten gegen die Restauration des Kapitalismus – in Taten dafür.
Bestes Beispiel ist Tito, der Stalin offen „des modernen Revisionismus und der Restauration des Kapitalismus“ bezichtigte. Mit der Parole vom „Absterben des Staates“, mit der Parole vom „Absterben des Klassenkampfes“, wurde der Sozialismus im Grunde seiner revolutionären Mittel der Diktatur des Proletariats beraubt, um sich gegen Bürokratismus und Technokratismus erfolgreich zu wehren, wurde die sozialistische Gesellschaft von der Staatsgewalt der Bürokraten und Technokraten entwaffnet und erstickt.
Es waren in der UdSSR vor allem Berija und Malenkow, die auf dieser bürokratischen und technokratischen Klaviatur des Staates perfekt spielten und sich mit ihren Intrigen und Ränkeschmieden gegen die bolschewistischen Führer, vor allem gegen Stalin, schon seit Ende der 30er Jahre permanent verschworen hatten. Sie zettelten – wie wir gesehen haben - eine Verschwörung nach der anderen an, um die revolutionären Führer Schritt um Schritt aus dem Weg zu räumen. Das Proletariat hatte sich einen mächtigen Staat der Diktatur des Proletariats aufgebaut. Die Bürokraten und Technokraten entfremdeten diesen von seinen eigentlichen Zwecken, bemächtigten sich der Macht im Staat mit Hilfe des Staatsapparates, um damit die Diktatur des Proletariats zu zerschlagen und die Diktatur der neuen Bourgeoisie zu errichten. Sie „krönten“ ihre gesamte konterrevolutionäre Verschwörungstätigkeit schließlich mit dem Mord an Stalin und leiteten die „große Wende“, die Restauration des Kapitalismus ein. So „befreiten“ sie die Sowjetunion vom Sozialismus. Das Berijanertum ist eines der gefährlichsten „roten“ Gewänder der imperialistischen Staatsideologie. Das Berijanertum ist das Leichentuch, mit dem Genosse Stalin zugedeckt wurde.
Im Kampf gegen Bürokratismus und Technokratismus siegten die Bürokraten und Technokraten über die Kommunisten. Die Lehre aus der Geschichte der Sowjetunion Lenins und Stalins ist vor allem die Lehre der Verteidigung der Diktatur des Proletariats, des sowjetischen Staates, gegen Bürokratismus und Technokratismus. Ohne den Bürokratismus und Technokratismus zu besiegen, kann man nicht die Restauration des Kapitalismus verhindern, stirbt der Sozialismus ab, erstickt der Geist der Revolution. Der Kampf gegen Weltbürokratismus und Welttechnokratismus stellt für das Weltproletariat eine große Herausforderung dar, um seine Weltdiktatur zu errichten, zu festigen und zu verteidigen, vor allem aber um sie schließlich zu überwinden, zu beseitigen und abzuschaffen - im Weltkommunismus !
Unsere Lehre besteht darin, den allseitigen Kampf gegen den Revisionismus zu führen, das heißt, gegen ausnahmslos alle seine Strömungen und Verzweigungen. Man kann nicht den Kampf gegen den chruschtschowschen Revisionismus siegreich zu Ende führen, wenn man nicht das Berijanertum bekämpft, das Chruschtschow den Weg ebnete und dessen sich die Konterrevolution auf der ganzen Welt bis heute immer noch ungestraft bedienen konnte !
Der heutige Stalinismus
und die globalisierte, sozialistische Weltrevolution
Die Diktatur des Proletariats wie sie in der Pariser Kommune für kurze Zeit bestand, war nur von kurzer Dauer. Der Sozialismus „in einem“ Land bewies historisch, dass sich dort die Diktatur des Proletariats bereits Jahrzehnte lang behaupten konnte. Und Albanien hat bewiesen, dass der Sozialismus „in einem“ Land auch dann Jahrzehntelang aufgebaut werden konnte, trotz kapitalistisch-revisionistischer Umkreisung, trotz des revisionistischen Zerfalls des sozialistischen Lagers Stalins, trotz des Revisionismus an der Macht. Der Weltsozialismus bietet die Möglichkeit, die Übergangsperiode des Sozialismus zum Kommunismus im Weltmaßstab zu vollenden durch die Diktatur des Weltproletariats. Wir verwandeln den Sozialismus „auf Zeit“ oder den Sozialismus „an einem bestimmten Ort“, in einen dauerhaften Sozialismus und zwar auf jedem Fleckchen Erde, in den Weltsozialismus.
In der ersten Periode, der Periode des Sozialismus „in einem“ Land, glich der Sozialismus einer Festung gegen den Weltkapitalismus. Durch die Einkreisung des Weltkapitalismus war die Entwicklung des Sozialismus noch eingeengt. Die Frage: „Wer – wen ?“ prägte in Form eines Landes den Charakter in diesem ersten Entwicklungsstadium. Für Opfer durch Bürgerkrieg und Intervention, für den Sturz der Diktatur des Proletariats war der Weltimperialismus verantwortlich. Das entbindet uns aber nicht davon, auch einmal laut in der Öffentlichkeit über unsere eigenen Handlungs- und Sichtweisen selbstkritisch nachzudenken.
Kritische und selbstkritische Überlegungen:
Wer kann uns Selbstkritik verbieten? Doch nur wir selbst. Sollen unsere Gegner ruhig über unsere selbstkritischen Überlegungen herfallen, wir fürchten unserer Fehler genauso wenig wie die fehlerhafte Aufdeckung unserer Fehler. Wenn wir nach Fehlern suchen, dann mit dem Ziel, sie im Weltsozialismus nicht zu wiederholen. Das ist alles.
Wir wollen hier also nicht den Fehler machen und die Gesamtinteressen des Weltproletariats den Interessen der UdSSR Lenins und Stalins künstlich entgegenzustellen – die sind nämlich unzertrennlich, sind nahezu identisch. Lenin und Stalin haben eine korrekte Politik verfolgt, um diese Frage im Sinne des Marxismus-Leninismus einer Lösung zuzuführen. Daran halten wir fest. Und um daran weiter festhalten zu können, müssen wir uns damit ernster beschäftigen als wir es bislang getan haben oder tun konnten. Heute interessieren wir uns für die Lösung der globalen Frage der Weltrevolution und deswegen beschäftigen wir uns mit dem Stalinismus, um nach den richtigen Antworten zu suchen. Wir gehen als Suchende an diese Frage heran. Wer uns daraus gleich einen Strick zu drehen versucht, sollte aufpassen, dass es nicht sein eigener Hals ist, der in der Schlinge steckt.
Mit der Möglichkeit des Aufbaus des Sozialismus „in einem“ Land war auch die Möglichkeit des Aufbaus des Weltzentrums der proletarischen Revolution verbunden. Hieraus entwickelten die Bolschewiki damals ihren großartigen strategischen Plan zur Entfaltung der Oktoberrevolution im Weltmaßstab. Lenin fasste diesen Plan kurz und knapp in folgender Formulierung zusammen:
„..`ein Höchstmaß dessen durchzuführen, was in einem“ (dem eigenen – J. St.) „Lande für die Entwicklung, Unterstützung, Entfachung der Revolution in allen Ländern durchführbar ist`. Der Wert dieses strategischen Planes besteht nicht nur darin, dass er die Triebkräfte der Weltrevolution richtig in Rechnung stellte, sondern auch darin, dass er den erst später zu Tage getretenen Prozess voraus sah und erleichterte, durch den Sowjetrussland zum Mittelpunkt der Aufmerksamkeit für die revolutionäre Bewegung der ganzen Welt wurde, zum Befreiungsbanner der Arbeiter des Westens und der Kolonien des Ostens“ (Stalin, Band 5, Seite 158).
Die UdSSR erfüllte damals zur Zeit Lenins und Stalins „die Rolle eines Motors der internationalen proletarischen Revolution, der die Proletarier aller Länder zur Machteroberung antreibt; die Rolle des lebendigen Beispiels dafür, dass die Arbeiterklasse nicht nur fähig ist, den Kapitalismus zu zerstören, dass sie vielmehr auch fähig ist, den Sozialismus aufzubauen; die Rolle des Vorbildes der brüderlichen Beziehungen zwischen allen Völkern der Erde in der Union der Sozialistischen Räterepubliken der Welt und des wirtschaftlichen Zusammenschlusses der Werktätigen aller Länder in der einheitlichen Weltwirtschaft des Sozialismus, die das Weltproletariat nach der Eroberung der Staatsmacht verwirklichen wird“ (Programm der Komintern, 1928).
Als die modernen Revisionisten Sowjetrussland eroberten, hatten sie das Weltzentrum der proletarischen Revolution im harten Klassenkampf an die wahren Marxisten-Leninisten mit Genossen Enver Hoxha an der Spitze verloren. Das war der entbrannte Kampf zwischen beiden Lagern auf den „Beratungen“ der kommunistischen und Arbeiterparteien der ganzen Welt. Infolge der dort auftretenden Differenzen und sich der dort herausbildenden Demarkationslinie gegenüber dem Stalinismus, begann sich das revolutionäre Weltzentrum in den 50er Jahren nach Albanien zu verlagern. Unter Führung des Genossen Enver Hoxha war der strategische Plan der Bolschewiki ,wie er von Lenin und Stalin vorgezeichnet worden war, logischerweise nach wie vor gültig. Nur dass nicht mehr Moskau zum Mittelpunkt der Aufmerksamkeit für die revolutionäre Bewegung der ganzen Welt bleiben konnte, sondern dieses leninistisch-stalinistische Befreiungsbanner der Arbeiter des Westens und der Kolonien des Ostens in Tirana gehisst wurde.
Als die Revisionisten das sozialistische Albanien allerdings in ein kapitalistisches Land verwandelten, als diese vor der kapitalistisch-revisionistischen Umkreisung kapitulierten, fiel dieses Weltzentrum der proletarischen Revolution direkt in die Hände des Weltimperialismus. Seit dieser Zeit konnte der strategische Plan der Bolschewiki also gar nicht mehr funktionieren, denn das Weltproletariat war nun seines weltrevolutionären Zentrums beraubt.
Der Weltimperialismus konnte zwar das albanische Weltzentrum zerschlagen, das die Bolschewiki einst geschaffen und die Albaner mit Enver Hoxha an der Spitze fortgesetzt hatten, aber damit konnten sie natürlich nicht die marxistisch-leninistische Bewegung, nicht die Triebkräfte der Weltrevolution beseitigen, die nun das Banner – wenn auch schwer angeschlagen und fortan ohne Führung ergriffen.
In der Zwischenzeit haben die Weltimperialisten mit der Globalisierung selber dazu beigetragen, die Triebkräfte der Weltrevolution zu globalisieren und es ist nur eine Frage der Zeit, wann diese Triebkräfte durch den Aufbau eines globalen Weltzentrums der proletarischen Revolution erneut entfaltet werden, wenn sich die marxistisch-leninistische Weltbewegung als eine Bewegung einzelner Länder in eine globalisierte Bewegung mit zentraler Weltpartei verwandelt.
Mit dem Aufbau der bolschewistischen Weltpartei wurde der Weg geebnet, wieder ein neues Weltzentrum der proletarischen Weltrevolution zu schaffen. Doch noch stellt sich dieser Entwicklungsprozess des zu schaffenden Weltprozesses in zwei voneinander unabhängigen Bewegungen dar: auf der einen Seite, die Verfechter der Hoxhaistischen Weltpartei, die Komintern / ML, auf der anderen Seite die Überreste der marxistisch-leninistischen Bewegung, die in verschiedene Richtungen und Strömungen auseinander gesplittert ist. Unvermeidlich werden sich auf beiden Seiten jene Kräfte durchsetzen und verstärken, die die Notwendigkeit erkannt haben, dass sich beide Seiten auf einander zu bewegen müssen, um zusammen zu arbeiten, sich zu vereinheitlichen, zur einer geschlossenen Einheit zu kommen und sich zu verschmelzen - also zur Schaffung einer schlagkräftigen marxistisch-leninistischen Weltbewegung, die sich zu Recht das Weltzentrum der Revolution des Weltproletariats nennen kann. Dieser Prozess ist unvermeidlich, denn da wo sich die Triebkräfte global entfalten, entfaltet sich auch unvermeidlich ein globales Weltzentrum der revolutionären, der marxistisch-leninistischen Bewegung. Die Komintern / ML sieht diese Entwicklung klar und deutlich voraus und würde es sich wünschen und begrüßen, wenn der Einsicht Taten folgen, um diese Aufgabe gemeinsam zu bewältigen. Wir sind gerne bereit, mit jedem hierüber Kontakt aufzunehmen, der dies wünscht. Das ist zu jeder Zeit möglich. Als Grundlage dienen von unserer Seite aus die Dokumente der Komintern / ML, die wir auf unserer Homepage im Internet veröffentlicht haben – also auch das hier vorliegende Dokument.
Wir haben uns gefragt:
Stellt der alte strategische Plan der Bolschewiki die Triebkräfte der Weltrevolution heute immer noch richtig in Rechnung ? Ja oder nein ?
Wir sind zu dem Ergebnis gekommen, dass dieser Plan durch die Globalisierung der weltrevolutionären Triebkräfte grundsätzlich weiter Gültigkeit hat, aber nur wenn er unter den Bedingungen der Globalisierung unbedingt modifiziert worden ist, erstens, weil es heute kein sozialistisches Land mehr auf der Welt gibt, das wieder als Weltzentrum genutzt werden kann und zweitens, weil die Triebkräfte sich gegenüber damals verändert haben, sich globalisiert haben. Es ist das Weltproletariat, dass sich jetzt selber ein globales Weltzentrum aufbaut.
Wir versuchen, dies hier in unserem allerletzten Teil unserer Schrift ausführlich zu begründen.
Welche Schlussfolgerung haben wir daraus zu ziehen ? Wir haben daraus die Schlussfolgerung zu ziehen, dass der alte strategische Plan der Bolschewiki, nämlich ein einziges Land zum Mittelpunkt der revolutionären Bewegung der ganzen Welt zu machen, durch einen globalisierten strategischen Plan unbedingt ersetzt werden muss. Was wir heute brauchen, ist ein globaler Plan, eine globale Strategie, die Strategie der Komintern / ML: die Schaffung eines globalen Weltzentrums nicht in einem Land, nicht in einer Gruppe von Ländern, sondern in allen Ländern der Welt, also ein einziges globales Zentrum, das vom Weltproletariat selbst, also weltzentralistisch aufgebaut wird. Hebel und Basis der Weltrevolution „in einem“ Land sind als Weltzentrum veraltet, nicht in den Ländern. Dort erhalten sie ihren neuen Platz.
Was wir heute brauchen, ist ein globaler Hebel. Und die Basis „in einem“ Land muss ersetzt werden durch die Basis in allen Ländern, sprich: durch eine globale, zentralisierte Basis.
Wir sprechen daher zukünftig von der globalisierten proletarischen Weltrevolution des globalisierten Proletariats, von einer globalisierten Weltpartei, von einem globalisierten Weltzentrum, von einer globalisierten Weltbewegung usw. usf..
„Demgemäß ändert sich auch die Stellungnahme zur Frage der proletarischen Revolution, des Charakters der Revolution, ihres Umfangs, ihrer Tiefe, ändert sich das Schema der Revolution überhaupt“ (Stalin, Grundlagen des Leninismus, Peking 1969, Seite 30).
Die Restauration des Sozialismus „in einem“ Land ist nicht möglich durch eine erneute Revolution in diesem Land( für sich allein genommen), sondern diese Revolution braucht hierzu die revolutionäre Triebfeder des Weltproletariats:
„Jetzt [1924 !!! – Anmerkung der Redaktion] muss man von der proletarischen Weltrevolution sprechen,
denn die einzelnen nationalen Fronten des Kapitals haben sich in Glieder einer einheitlichen Kette verwandelt, genannt die Weltfront des Imperialismus, der die allgemeine Front der revolutionären Bewegung aller Länder entgegengestellt werden muss“ (Stalin, ebenda, Seite 31). Also heute als allgemeine globale Weltfront entgegengestellt werden muss – die globale Weltfront der Restauration des Sozialismus....
... Die Oktoberrevolution wird also nicht durch sich selbst, sondern mit Unterstützung der Weltrevolution restauriert (Negation der Negation der Oktoberrevolution); erst dadurch kann die Oktoberrevolution wieder zu einer erneuten Kraft für die (Festigung der) Weltrevolution werden.. Ein revisionistisches Land kann ohne die Unterstützung der Weltrevolution nicht den Sozialismus restaurieren. Jede andere Art der Herangehensweise ist durch die Globalisierung unzulänglich..
„Früher betrachtete man die proletarische Revolution ausschließlich als Ergebnis der inneren Entwicklung des betreffenden Landes. Jetzt muss man die proletarische Revolution vor allem als ein Ergebnis der Entwicklung des Widersprüche im Weltsystem des Imperialismus betrachten, als Ergebnis dessen, dass die Kette der imperialistischen Weltfront in diesem oder jenem Lande reißt“ (Stalin, ebenda, Seite 31).
Das trifft auch auf die erneute proletarische Revolution Zur Wiedererrichtung der Diktatur des Proletariats in den revisionistischen Ländern, das trifft auch auf das revisionistische Weltlager, das trifft auf die ganze Restauration des Sozialismus zu, und zwar nicht mehr in diesem oder jenen Land, sondern als Ergebnis der Entwicklung der globalisierten Weltrevolution in allen Ländern, als Ergebnis der Entwicklung der Diktatur des Weltproletariats.
Damals diente der Sozialismus „ in einem“ Land der Behauptung der proletarischen Macht bis zum Siege der sozialistischen Weltrevolution als die aussichtsreichste Grundlage, um den Sieg der sozialistischen Weltrevolution zu beschleunigen und zu erleichtern. Das war der weltrevolutionäre Plan, die weltrevolutionäre Strategie Lenins und Stalins, womit sie den Sozialismus „in einem“ Land aufbauten.
Man musste die Sowjetunion Lenins und Stalins als ein Teil des Organismus des Weltproletariats betrachten und zwar als sein stärkstes und führendes Teil, als sein Zentrum. Wenn aber nur ein einziges Teil das gesamte Weltzentrum übernimmt wie im Falle der Sowjetunion Lenins und Stalins, dann muss sowohl das Teil als auch das Zentrum irgendwann unvermeidlich in Schwierigkeiten kommen. Irgendwann ist das Ganze stärker als das Teil, übernimmt es die Führung selbst, tritt das Teil ins zweite Glied zurück, tritt das Teil das Weltzentrum an das Ganze wieder ab. Das Weltzentrum in den Händen der führenden Abteilung des Weltproletariats wird nunmehr zentralisiert in den Händen ALLER Abteilungen des Weltproletariats und konnte bis dahin nur eine Übergangslösung, keine endgültige Lösung sein.
Vergessen wir nicht, dass Lenin und Stalin auf dieses Problem selber hingewiesen haben, nämlich dass sie stets vor Augen hatten, der Weltrevolution alle erdenkliche Unterstützung zu geben, schon allein, weil davon auch das Schicksal der Sowjetunion abhing. Es war also Bestandteil von Lenins Plan, das Weltzentrum so schnell wie möglich in die Hände des ganzen Weltproletariats zu legen und es in ALLE Länder zu verlagern, schon allein um die Sowjetunion von dieser einseitigen „Bürde“ des Weltzentrums zu entlasten. Denn normalerweise ist es ja so, dass nicht das Proletariat eines Landes, sondern das Weltproletariat als Ganzes sein Weltzentrum aufbaut. Nur, anders war das damals leider nicht möglich und deswegen der bolschewistische Plan, die bolschewistische Strategie, das Weltzentrum in Moskau aufzubauen, eben damals die beste Lösung, und die sich historisch glänzend bewährt hatte. Diese Möglichkeit ist längst ausgeschöpft und kann heute nur noch als eine Übergangslösung der Vergangenheit betrachtet werden, die unter den heutigen Bedingungen ihre Gültigkeit verloren hat.
Denn heute ist haben wir da bessere Möglichkeiten – das ist das Entscheidende.
Man muss diese Entwicklung also positiv sehen und darf nicht jammern über das verlorene Weltzentrum. Wenn das Weltzentrum nicht auf Dauer von einem Teil gehalten werden kann, dann muss das Weltzentrum vom Ganzen aufgebaut werden, indem es sich nicht nur eines Teiles bedient, sondern der Zusammenarbeit aller Teile. Die Form des Weltzentrums war damals noch national aufgebaut, heute nutzen wir globale Formen des Weltzentrums, bringen wir globalen Inhalt und globale Form des Weltzentrums in Übereinstimmung, um auch die Form der revolutionären Weltbewegung ihrem internationalistischen Inhalt anzupassen. Das ist alles.
Damals war das stärkste und führende Teil gleichzeitig auch das potentiell gefährdetste Teil. Wieso?
Erstens zog es den geballten Hass der Weltbourgeoisie wie ein Magnet auf sich, da diese ein kolossales imperialistisches Glied aus seiner Kette verloren hatte. Zweitens konzentrierte sich der Weltimperialismus auf das Auslöschen der Basis und des Hebels der Weltrevolution, um seine eigene Haut vor der Weltrevolution zu retten. Drittens war die Sowjetunion dem permanenten weltimperialistischen Druck ausgesetzt, nämlich vom Weltproletariat, von der kommunistischen Weltbewegung isoliert und abgetrennt zu werden. Ein Weltzentrum hat die Aufgabe, die kapitalistisch-revisionistische Umkreisung zu sprengen. Das Weltzentrum „in einem“ umkreisten Land wie die UdSSR, aber konnte diese Aufgabe nicht alleine, für sich genommen, lösen.
All das machte das einseitige Weltzentrum, das nur in einem Land untergebracht ist, der proletarischen Bewegung angreifbar und verletzlich. Die Jahrzehnte lange Trennung des ersten sozialistischen Staates vom Weltproletariat war nicht nur eine Zerreißprobe und eine schwere Belastung für dieses stärkste Glied in der Kette der weltrevolutionären Bewegung, sondern auch für die weltrevolutionäre Bewegung als Ganzes. Das hat Spuren hinterlassen und der Politik Stalins den Stempel aufgedrückt, hat das Rückgrat der Weltrevolution in eine auf Dauer unerträgliche Schieflage gebracht, weil das Bewegungsmuster des internationalen Klassenkampfes einseitig belastet war. Störungen des weltrevolutionären Gesamtprozesses waren also durch diese Extremsituation vorprogrammiert. Erleichterung hätte sich höchstwahrscheinlich mit der Bildung des sozialistischen Weltlagers eingestellt, aber der Einfluss des Revisionismus, die Spaltung des sozialistischen Lagers, verhinderte die Korrektur dieser Schieflage.
Diese Dinge muss man im Hinterkopf haben, wenn man von einer gewissen Einseitigkeit der proletarischen Weltbewegung zur Zeit Stalins sprechen muss, die man natürlich nicht Stalin, sondern seinen Gegnern anlasten muss, die mit der Sowjetunion ja nicht nur das erste sozialistische Land auf der Welt, sondern auch das Weltzentrum der weltrevolutionären Bewegung angriffen.
Was die Umkreisung anbelangt, beschränkt sich diese also nicht nur auf den Sozialismus „in einem“ Land im Besonderen, sondern es handelte sich auch um eine Umkreisung der weltrevolutionären Bewegung im Allgemeinen. Also kann die Umkreisung des Weltzentrums der proletarischen Bewegung nicht von der Sowjetunion allein gesprengt werden, sondern nur von der proletarischen Weltbewegung selbst, wenn auch mit der entscheidender Hilfe der Sowjetunion. Dieses Verhältnis zwischen dem Weltzentrum „in einem“ Land und der weltrevolutionären Bewegung in allen übrigen Ländern, darf nicht umgekehrt werden, durfte nicht gestört werden. Es war also die strategische Aufgabe des Weltimperialismus, das Weltzentrum von seiner revolutionären Weltbewegung zu trennen, indem er seinen Hauptschlag auf die UdSSR Lenins und Stalins konzentrierte.
Grundsätzlich ist es so: Es ist nicht auszuschließen, dass ein starkes Glied durchaus die anderen Glieder, vor allem die schwächeren Glieder in der weltproletarischen Kette in ihrer Bewegungsfreiheit nicht unbedingt beflügeln kann, sondern auch umgekehrt beeinträchtigen kann, wenn es gravierende Fehler in der Führung des Weltzentrums gibt. Dies kann geschehen, wenn diesem starken Glied eine Rolle beigemessen wird, die es nicht erfüllen kann, die es überfordern (aber auch genauso unterfordern) kann. Wenn nämlich der Organismus des gesamten Weltproletariats noch nicht auf der Höhe seiner revolutionären Kräfte angelangt ist, um mit dem schnellen Wachstum des stärksten Gliedes mithalten zu können, wenn das führende, das stärkste und gesündeste Glied gegenüber allen anderen Gliedern überproportionale Dimensionen annimmt, dann muss der gesamte Organismus des Weltproletariats dafür sorgen, dass dadurch kein Schaden im Ganzen entsteht ( Wir bitten den Leser, dies nicht falsch auszulegen: wohlgemerkt betrachten wir hier den einzelnen Organismus in seinem relativen Verhältnis zum Gesamtorganismus!! Wir wollen damit nicht irgendeiner Schwächung der ersten Diktatur des Proletariats und damit der Schwächung des Weltzentrums das Wort reden, das wäre konterrevolutionär !!). Wir wollen nur die Aufmerksamkeit auf die Notwendigkeit lenken, dass der Hebel und die Basis der Weltrevolution auch unter den sich verändernden Bedingungen der internationalen Kräfteverhältnisse stets optimal in Takt bleiben muss, dass Hebel und Basis modifiziert werden und angepasst werden müssen an die Bedürfnisse und Interessen des Gesamtorganismus des Weltproletariats. Basis und Hebel dienen als Teile dem Ganzen, nicht umgekehrt. Basis und Hebel können ihren Zweck nicht erfüllen, solange sie vom Weltkapitalismus eingekreist sind. Nur eine globalisierte Basis, nur ein globalisierter Hebel ist für den Weltkapitalismus nicht einzukreisen.
Die Weltrevolution kann also nicht etwa umgekehrt zu einer Basis und einem Hebel für den Sozialismus „in einem“ Land umgemodelt werden. Die UdSSR Lenins und Stalins diente der Weltrevolution, nicht die Weltrevolution der UdSSR. Der Sieg der sozialistischen Revolution darf sich nicht als eine sich verselbständigende Größe betrachten, sondern ist und bleibt Hebel und Basis für die Weltrevolution. Etwas anderes zu behaupten, würde bedeuten, den Marxismus-Leninismus auf den Kopf zu stellen. Das lehren uns Lenin und Stalin.
Das Proletariat eines Landes ist Teil des Weltproletariats nicht umgekehrt. Wird Basis und Hebel der Weltrevolution also falsch angewandt, so verkehrt sich der gewünschte Erfolg ins Gegenteil. Man muss also in der Frage von Hebel und Basis der Weltrevolution das dialektische Verhältnis zwischen ihrer „absoluten und relativen“ Bedeutung beachten. Da gibt es keinen Automatismus, keine Garantie, dass Hebel und Basis von alleine und für alle Zeiten richtig funktionieren. Dieses Instrument der Weltrevolution musste von Lenin und Stalin gemeistert werden, indem man sie ihren Gesetzmäßigkeiten folgten und ihren bolschewistischen Plan, ihre bolschewistische WEeltstrategie auf die veränderte Weltsituation anpassten.
So ein Instrument des Weltproletariats darf man also weder dogmatisch noch opportunistisch einsetzen. Dieses Instrument gehört niemandem sonst als dem Weltproletariat selbst und es ist das Weltproletariat, das selbst dafür sorgen muss, dass ihm dieser Hebel und diese Basis SEINER Weltrevolution von niemandem aus der Hand gerissen wird, also nicht nur das führende Proletariat eines einzigen Landes. Es war in erster Linie die Schwäche des Weltproletariats, der Einfluss der Sozialdemokratie und des Revisionismus innerhalb der weltrevolutionären Bewegung, dass es seine Basis und seinen Hebel der Weltrevolution verloren hatte und nicht Stalin, der dieses Instrument einst so stark gemacht hatte, WEIL er dem Sozialdemokratismus und Revisionismus (in einem Land) keine Chance ließ, dieses Instrument dem Weltproletariat aus der Hand zu reißen. Er konnte aber nicht stellvertretend für die weltrevolutionäre Bewegung diesen Sieg im Weltmaßstab sichern. Diesen Sieg im Weltmaßstab zu sichern, das ist die Aufgabe, die das Weltproletariat heute ohne Hilfe Stalins, aber mit Hilfe des weiter entwickelten Stalinismus.
Als Marxisten-Leninisten wissen wir, dass über den richtigen und falschen Einsatz von Basis und Hebel der Weltrevolution der Klassenkampf entscheidet. Es ist also gestattet, die Frage zu stellen und ihr nachzugehen, wie der Klassenkampf eigentlich geführt wurde, um den Missbrauch von Hebel und Basis der Weltrevolution zu verhindern ? Wir machen darauf aufmerksam, dass darüber der Klassenkampf nicht nur in der UdSSR Lenins und Stalins geführt worden ist, sondern in allen Ländern, dass darüber ein Klassenkampf sowohl in der Komintern als auch unter ihren Mitgliedern außerhalb der Sowjetunion geführt worden ist.
Diese Dinge müssen also sorgsam und umfassend untersucht und beurteilt werden – eine anspruchsvolle Arbeit, die Zeit braucht und nicht mal eben locker aus dem Ärmel geschüttelt werden kann.
Wir sind aber schon jetzt der Überzeugung, dass allein die Fragestellung dem Weltproletariat hilft, sich über die Notwendigkeit der Restauration von Hebel und Basis der Weltrevolution bewusst zu werden.
Klar ist uns Marxisten-Leninisten ferner, dass dieser Hebel und diese Basis der Weltrevolution unter den heutigen globalen Bedingungen etwas anders aussehen wird als zur Zeit Lenins und Stalins. Damals musste diese Basis erst ausgebaut werden durch den Aufbau des Sozialismus „in einem“ Land und diese Basis konnte sich in ihrer Entwicklung sowohl vertiefen durch den Übergang zum Aufbau des Kommunismus „in einem“ Land als auch verbreitern durch den Aufbau des sozialistischen Weltlagers. Zwar wurde diese Basis durch die modernen Revisionisten zerschlagen, aber sie hat sich damit nicht etwa in Luft aufgelöst.
Gibt es heute eine Basis der Weltrevolution ?
Ja, die hat es schon immer gegeben, die Keimform dieser Basis gibt es im Grunde schon mit dem Beginn des Klassenwiderspruchs zwischen Bourgeoisie und Proletariat im Allgemeinen und dem Sieg der Oktoberrevolution im Besonderen. Für den Marxismus-Leninismus gibt es keine Weltrevolution ohne ihre ökonomische Basis und kann es sie nicht geben.
Was ist heute die Basis der Weltrevolution ?
Die Basis der Weltrevolution besteht aus der Gesamtheit der globalisierten Produktionsverhältnisse und ist also die Ökonomie der politischen, weltrevolutionären Umstrukturierung des Weltkapitalismus in der Etappe der Globalisierung. Diese ökonomische Struktur weist bereits alle Merkmale auf, um mehr als ausreichend als eine ökonomische Basis der Weltrevolution zu gelten durch die globale Aufhebung des Privateigentums an den Produktionsmitteln, durch die globale Vergesellschaftung der globalen Produktivkräfte, usw. usf. .
Wir wissen, dass der Weltimperialismus sehr wohl in diesem Klassenkampf um die Basis zur Zeit Lenins und Stalins involviert war und involviert bleiben wird, denn seine Basis der Konterrevolution wird global in die weltproletarische Basis der Revolution verwandelt werden.
Stets haben die Imperialisten versucht, Stalin zu beschuldigen, er würde die Basis der Weltrevolution nur als Vorwand gebrauchen, um die Sowjetunion zu einer imperialistischen Supermacht zu machen. Ja man hat ihm sogar Interviews angedichtet, wo er angeblich „seinen Verzicht auf die Weltrevolution“ selber „erklärt“ haben soll:
„Mir ist zum Beispiel bekannt, dass der `New York American` im Juni 1927 ein gefälschtes `Interview Stalins` mit irgendeinem Cecil Winchester anlässlich des `Bruches mit England` , über einen Verzicht auf die `Weltrevolution`, über eine Haussuchung in der Arcos usw. veröffentlicht hat. Das Ausschnittsbüro Argus richtete damals in Verbindung damit die Bitte an mich, die Echtheit des `Interviews` zu bestätigen und sein Kunde zu werden. Da ich nicht daran zweifelte, dass ich es mit einer Gaunerei zu tun hatte, sandte ich gleich damals folgendes Dementi an die New-Yorker Zeitung `Daily Worker` (Stalin, Band 10, Seite 326).
Was zeigt dieses Beispiel ? Es zeigt erstens, dass die Imperialisten Stalin die „Abkehr von der Weltrevolution“ anhängen wollten und zweitens, dass Stalins weltrevolutionäre Position moralisch sauber war, denn ansonsten wäre diese Gaunerei nicht notwendig gewesen.
Der Organismus des Weltproletariats ist nur so stark wie sein schwächste Glied. Das stärkste, das führende Glied stirbt ab, wenn es sich verselbständigt und den Organismus des Weltproletariats etwa als Anhängsel und Gefolgsmann der UdSSR „betrachtet“, oder wenn – umgekehrt - der Gesamtorganismus der „Auffassung“ ist, sich auf die UdSSR Lenins und Stalins zu verlassen und selber nichts zur eigenen Stärkung beizutragen. Im internationalen Klassenkampf muss die stärkste Abteilung des Weltproletariats in der Funktionskette zu Gunsten der schwächeren Abteilungen in gewisser Weise „ausgebremst“ werden, weil das Werk der Weltrevolution das gemeinsame Werk der Proletarier aller Länder ist und nicht das Werk des Proletariats eines einzelnen Landes. Das Höchstmaß an Anstrengungen für die Weltrevolution muss nicht nur das sozialistische Land, sondern die Proletarier aller Länder leisten – wie Lenin lehrt. Das ist also nicht als einseitiger Vorgang auf Seiten der Sowjetunion zu verstehen. Umgekehrt müssen die schwächeren Abteilungen des Gesamtorganismus der revolutionären Weltbewegung nämlich ihrerseits an ihrer eigenen Kräftigung arbeiten, sonst geht die ganze Sache nach hinten los.
Stalin hat dazu die entsprechend richtigen Maßnahmen ergriffen und die UdSSR stets davor gewarnt, sich vom Weltimperialismus provozieren und von dessen Provokationen hinreißen zu lassen. Andererseits hat niemand so viel zur Unterstützung der revolutionären Weltbewegung getan wie Lenin und Stalin. Stalin hat beides korrekt miteinander verbunden. Nehmen wir als Beispiel Stalins Friedenspolitik. Auf dem XV. Parteitag erklärt Stalin die leninsche These von der Hinauszögerung des Krieges wie folgt:
„Wir dürfen die Worte Lenins nicht vergessen, dass sehr viel für unseren Aufbau davon abhängt, ob es uns gelingen wird, den Krieg mit der kapitalistischen Welt hinauszuzögern, der unvermeidlich ist, den man aber hinauszögern kann, entweder bis zu dem Moment, da die proletarische Revolution in Europa herangereift ist, oder bis zu dem Moment, da die kolonialen Revolutionen vollständig reif geworden sind, oder endlich bis zu dem Moment, da die Kapitalisten einander wegen der Aufteilung der Kolonien in die Haare geraten“ (Stalin, Band 10, Seite 250).
Das ist es, was wir mit dem „Ausbremsen“ meinten.
Ausbremsen des Weltimperialismus, Hinauszögerung des Krieges (UND gleichzeitiges Ausbremsen und Hinauszögern seiner Agenturen innerhalb der Sowjetunion !!!), um dem Weltproletariat Zeit zu geben für das Heranreifen seiner Weltrevolution, um gleichzeitig den Hebel und die Basis der Weltrevolution, die UdSSR, für den Sturz des Weltimperialismus zu stärken, das war die Politik des größten proletarischen Internationalisten, das war die Politik des Führers der proletarischen Weltrevolution, das war die Politik Stalins. Dieses Ausbremsen des Weltimperialismus, dieses Hinauszögern des Krieges gelang Stalin nicht zuletzt im härtesten Klassenkampf der Welt – gegen die Klassenfeinde außerhalb und innerhalb des eigenen Landes !
Die Schwäche des internationalen Klassenkampfes wird in ihrem Zentrum am bewusstesten wahrgenommen, nämlich da, wo der Klassenkampf am stärksten geführt worden war, in der UdSSR. Es ist also meistens zuerst das starke Organ, das dem schwachen Organ Signale melden kann , wenn dieses zu weit hinterher hinkt und nicht umgekehrt, dass das schwächere Organ dem stärkeren Signale melden kann, zu weit vorausgeeilt zu sein und den Kontakt verloren zu haben.
Wenn das alte Bewegungsmuster des internationalen Klassenkampfes also immer schlechter funktioniert, muss rechtzeitig ein neues internationales Bewegungsmuster (vom Zentrum) aufgebaut werden. Nicht die kommunistische Bewegung in der UdSSR – für sich allein genommen - war wichtig, sondern diese als Teil, als führendes Teil, der gesamten kommunistischen Weltbewegung war wichtig. Nur in diesem Verhältnis von Basis und Hebel der Weltrevolution machte die UdSSR Lenins und Stalins einen Sinn, erfüllte sie ausgezeichnet ihre Rolle. Aber wenn das stärkste Teil das Ganze ersetzen will oder muss, dann schädigt sich damit nicht nur dieses Teil selbst, sondern dieses schädigt vor allem den revolutionären Gesamtorganismus des Weltproletariats. Der Sieg der Weltrevolution wird durch die Existenz eines sozialistischen Landes erleichtert, wenn dieses Verhältnis eines Teils vom Ganzen nicht umgekehrt wird, ansonsten wird der Sieg der Weltrevolution erschwert. Das gilt im übertragenen Sinne natürlich auch für das sozialistische Weltlager, das von der Sowjetunion Lenins und Stalins angeführt wurde.
Unter bestimmten Bedingungen kann sich die Existenz eines sozialistischen Landes sogar aus einer Triebfeder in einen Hemmschuh der Weltrevolution verwandeln, wenn nämlich die sozialistischen Länder aufhören, der Weltrevolution zu dienen und anfangen, die lebensnotwendigen Gesamtkräfte der Weltrevolution völlig zu absorbieren. Wenn sich jemand gegen diese Tendenz gestemmt hat -, die es tatsächlich gegeben hat und zu einer wachsenden Gefahr für die Weltrevolution geworden war -, dann war es der Genosse Stalin. Und dieser feindlichen Tendenz gegen die Weltrevolution ist Stalin nicht erst zum Schluss, sondern schon von Anfang an konsequent entgegengetreten. Nur weil er seine weltrevolutionäre Taktik auf Grund der sich verändernden Weltlage modifiziert hatte, weil sich die Bedingungen für die Weltrevolution geändert hatten, kann man Stalin also nicht eine „Abkehr von der Weltrevolution“ in die Schuhe schieben, denn das Gegenteil war der Fall. Es waren Andere, die sich von der Weltrevolution verabschiedet hatten, sowohl in der UdSSR als auch in allen übrigen Ländern, aber nicht Stalin und seine Anhänger in allen Ländern der Welt. Die Weiterentwicklung der Lehren über die Weltrevolution durch Stalin erschöpfen sich nicht in seiner altbekannten Abrechnung mit Trotzki, die der seiner Zeit schon gegen Lenin geführt hatte. Man würde einen großen Fehler machen, wenn man den Stalinismus in der Frage der Weltrevolution auf die historische Abgrenzung zu Trotzki in den 20er Jahren reduzieren würde.
Nicht der Sozialismus „in einem“ Land für sich genommen war für Stalin wichtig, sondern dessen Funktion in der gesamten kommunistischen Weltbewegung, seine Funktion zur Erleichterung des Sieges im Weltmaßstab. Stalin verstand den Aufbau der UdSSR als Beispiel, als Vorbild, als Hoffnung, als Triebfeder usw. - für die Anstrengungen der Proletarier aller anderen Länder, um es der UdSSR gleich zu tun und ihr nach zu eifern „Der Sozialismus wirkt durch das Beispiel“ (Lenin, Band 31, Seite 452). Und als Grundlage für den Sozialismus im Weltmaßstab hat der Sozialismus „in einem“ Land seine Beispielkraft nicht verloren, im Gegenteil: Es ist unsere internationalistische Pflicht als Kommunisten, es ist die Pflicht der Komintern / ML, diese Beispielkraft nicht versiegen zu lassen, sondern sie zu vermehren und in unserer marxistisch-leninistischen Weltbewegung, im Weltproletariat fest zu verankern. Hier stehen vor allem die Genossen in der ehemaligen Sowjetunion Lenins und Stalins und im Albanien Enver Hoxhas in der Pflicht; und die Aufgabe aller anderen Genossen ist es, sie dabei solidarisch zu unterstützen, damit die Beispielskraft in jedem Land der Welt unter den Massen weite Verbreitung findet und damit die Überlegenheit des Sozialismus über dem Kapitalismus überzeugend nachgewiesen wird.
Die Existenz des Sozialismus „in einem“ Land hängt in erster Linie von der Entwicklung der kommunistischen Weltbewegung, von der Stärke des Weltproletariats ab , und nicht umgekehrt. Nicht die Bewegung einer einzelnen Kampfabteilung des Weltproletariats, sei es auch die stärkste, ist entscheidend, sondern stets die Gesamtbewegung des Weltproletariats, der jede Kampfabteilung, sei es auch die führende, untergeordnet ist ! Ein Teil ist stets dem Ganzen untergeordnet, auch wenn er für das Ganze eine vorübergehend zentrale Rolle erfüllt. Auf Dauer kann das Teil aber niemals diese zentrale Aufgabe des Ganzen ausfüllen. Das Ganze muss irgendwann diese zentrale Aufgabe selber übernehmen. Das ist die Grundüberlegung, von der die Maus keinen Faden abbeißt, und die wir von der Komintern / ML für vernünftig und richtig halten.
Eine Kampfabteilung – und sei es auch die führende – arbeitet niemals alleine, sondern stets im Gesamtverbund aller Kampfabteilungen des Weltproletariats. Die isolierte Bewegung des Proletariats eines Landes und sei sie auch die stärkste Bewegung aller Länder, ist im Zeitalter der Globalisierung der sichere Tod der Gesamtbewegung des Weltproletariats.
Früher – als das Weltproletariat noch nicht als globale, selbständige Klasse herangewachsen war - verhielt sich der Trotzkismus feindlich gegenüber der Schaffung einer Basis und eines Hebels der Weltrevolution in Form des Sozialismus „in einem“ Land.
Heute – wo sich die Klasse des Weltproletariats als globale Kraft erweist - verhält sich der Trotzkismus feindlich gegenüber der Form einer globalen Basis und eines globalen Hebels der Weltrevolution, setzt er die Tarnkappe des „Stalinismus“ auf, um mit dem veralteten strategischen Plan der Bolschewiki die Weltrevolution in eine Sackgasse zu manövrieren.
Stalin prophezeite in seinem Artikel „Der internationale Charakter der Oktoberrevolution“:
„Gab es früher kein offenes Weltforum, von dem aus man die Hoffnungen und Bestrebungen der unterdrückten Klassen demonstrieren und gestalten konnte, so besteht heute ein solches Forum in Gestalt der ersten proletarischen Diktatur. Es ist kaum daran zu zweifeln, dass die Vernichtung dieses Forums das gesellschaftliche und politische Leben der `fortgeschrittenen Länder` für lange Zeit in das Dunkel einer hemmungslos wütenden Reaktion hüllen würden“ (Stalin, Band 10, Seite 213-214).
Wir müssen uns also einen neuen Hebel, eine neue Basis der Weltrevolution aufbauen. Nur wie? Müssen wir wieder auf die nächste Oktoberrevolution, auf eine Sowjetunion Lenins und Stalins, auf ein Albanien Enver Hoxhas warten ? Wir haben aufgezeigt, dass dem heute nicht mehr so ist.
Die kommunistische Weltbewegung ist daran erkrankt, dass sie immer noch daran glaubt, den Sozialismus als ihre Basis und ihren Hebel verloren zu haben. Wir haben ihn aber nicht verloren, sondern weigern uns nur, ihn zu erkennen, weil unserer Bewusstsein noch nicht auf der Höhe der Zeit angekommen ist. Dafür kann man aber nicht den Marxismus-Leninismus verantwortlich machen, sondern uns Marxisten-Leninisten, die sich weigern, auf eine höhere Stufe des Bewusstseins zu steigen. Um wieder gesund werden zu können, muss sich die kommunistische Weltbewegung endlich darüber im Klaren werden, dass sie das Weltproletariat in die Lage versetzt, selber Kontrolle über die Schaffung von Basis und Hebel der Weltrevolution zu gewinnen und diese Frage nicht auf die Initiative des Proletariats eines einzelnen Landes oder einer Gruppe verschiedener Länder vertröstet oder abschiebt. Unter den Bedingungen der Globalisierung schafft das Weltproletariat sich seine globale Basis und einen globalen Hebel der Weltrevolution selber, und zwar durch die Verwandlung der in den Ländern isoliert kämpfenden Proletarier in ein zentralisiertes Ensemble von Kampfabteilungen aller Länder. Die neue Basis und der neue Hebel der Weltrevolution wird heute durch nichts anderes geschaffen als eben durch dieses internationale Ensemble der Kampfabteilungen aller Länder. Dass die Basis und der Hebel der Weltrevolution nicht ewig das einzelne sozialistische Land sein konnte, haben wir Kommunisten leider viel zu spät bewusst wahrgenommen. Es war Stalin zu verdanken, dass er diese veralteten Vorstellungen spätestens nach dem Großen Vaterländischen Krieg über Bord warf und nicht mehr erwähnte. Er erkannte, dass sich unter den veränderten Bedingungen in der Welt auch die Frage der Basis und des Hebels der Weltrevolution verändert hatte und handelte entsprechend.
Unter der Führung Stalins errang der Sozialismus eine neue welthistorischer Bedeutung, indem er aus dem Rahmen eines einzigen Staates heraustrat und zum Weltsystem überging.
Die Lehre vom sozialistischen Übergang eines einzigen Staates zum Weltsystem – das ist einer der wichtigsten Grundlagen des Stalinismus.
Der Stalinismus lehrt, dass der Aufbau des Sozialismus und des Kommunismus in einem Land nicht Selbstzweck ist, dass sich die marxistisch-leninistische Lehre vom sozialistischen Staat darin nicht erschöpft wie es die modernen Revisionisten predigen, sondern dass der sozialistische Staat dazu dient, die Schaffung des Weltsystems sozialistischer Staaten zu erleichtern. Der Stalinismus, seine Orientierung des sozialistischen Staates auf die Schaffung des Weltsozialismus, entspricht zutiefst dem Geiste des proletarischen Internationalismus, stellt eine große Bereicherung der marxistisch-leninistischen Lehre vom proletarischen Internationalismus dar, ist eine große Bereicherung der marxistisch-leninistischen Lehre vom Weltsozialismus.
„In Revolutionszeiten hat der Klassenkampf stets und in allen Ländern die unvermeidliche Form des Bürgerkrieges angenommen, ein Bürgerkrieg jedoch ohne schwerste Zerstörungen, ohne Terror und ohne Einschränkung der formalen Demokratie im Interesse dieses Krieges ist undenkbar“ (Lenin, Band 28, Seite 55/56).
Lenin betont „in ALLEN Ländern“. In der Zeit der Weltrevolution wird der Klassenkampf also unvermeidlich die Form eines Weltbürgerkrieges annehmen.
Lenin wies hin auf die Mannigfaltigkeit der Formen des Übergangs der verschiedenen Länder zum Sozialismus.
Dies gab er auch im April 1921 den Sowjetrepubliken des Transkaukasus mit auf dem Weg:
„Indem ich den Sowjetrepubliken des Kaukasus heiße Grüße entbiete, gestatte ich mir, der Hoffnung Ausdruck zu verleihen, dass ihr enges Bündnis ein Vorbild nationalen Friedens schaffen wird, wie er unter der Bourgeoisie noch nie da gewesen und in einer bürgerlichen Gesellschaftsordnung unmöglich ist. Doch so wichtig der nationale Friede zwischen den Arbeitern und Bauern der Nationalitäten des Kaukasus auch ist, unvergleichlich wichtiger ist es noch, die Sowjetmacht als Übergang zum Sozialismus zu behaupten und zu entwickeln. (...) Am Wichtigsten für ihre erfolgreiche Lösung ist es, dass die Kommunisten Transkaukasiens die Eigenart ihrer Lage, der Lage ihrer Republiken, zum Unterschied von der Lage und den Verhältnissen der RSFSR, begreifen, dass sie die Notwendigkeit einsehen, unsere Taktik nicht zu kopieren, sondern sie entsprechend der Verschiedenartigkeit der konkreten Verhältnisse wohlüberlegt zu modifizieren“ (Lenin, Band 32, Seite 327).
Der Stalinismus ist die Lehre von der Modifizierung der Verschiedenartigkeit der konkreten Verhältnisse des sozialistischen Aufbaus in den einzelnen Ländern. Während der Sozialismus im ersten Land keinerlei politische und militärische Unterstützung von anderen Ländern erhielt, haben sich die sozialistischen Republiken des Transkaukasus beispielsweise bereits auf die politische und militärische Unterstützung der Diktatur des Proletariats in Russland erfolgreich stützen können. Und der Stalinismus setzte diese Taktik später außerhalb der Sowjetunion fort mit den Volksdemokratien, um das erste sozialistische Weltlager aufzubauen.
1902 schreibt Lenin in „Was tun?“ die prophetischen Worte:
„Die Geschichte hat uns jetzt die nächste Aufgabe gestellt, welche die revolutionärste von allen nächsten Aufgaben des Proletariats irgendeines anderen Landes ist. Die Verwirklichung dieser Aufgabe, die Zerstörung des mächtigsten Bollwerks nicht nur der europäischen, sondern (...) auch der asiatischen Reaktion, würde das russische Proletariat zur Avantgarde des internationalen revolutionären Proletariats machen“ (Lenin, „Was tun?“, Dietz Verlag Berlin, 1945, Seite 58).
Was Lenin damals über die welthistorische Bedeutung des Transkaukasus für die Vereinigung des proletarischen Klassenkampfes der unterdrückten und ausgebeuteten Länder des Ostens und der unterdrückenden und ausbeutenden Länder des Westens lehrte, um den Weltimperialismus in die Zange zu nehmen, das setzte Stalin zuerst im Inneren der UdSSR und dann außerhalb der UdSSR im Großen Vaterländischen Krieg um. Die Vereinigung des internationalen Klassenkampfes, des sozialen und nationalen Befreiungskrieges der Proletarier aller Länder erhielt also durch den Stalinismus eine Bedeutung, die die Welt grundlegend veränderte. Stalin entwickelte die Lehre Lenins weiter, den sozialen mit dem nationalen Revolutionskampf auf internationaler Stufe miteinander zu verknüpfen, also mit der revolutionären Lostrennung der Nationen aus der Kette des Weltimperialismus entsprechend der Verschiedenartigkeit der konkreten Verhältnisse einer jeden Nation, insbesondere der Nationen des sozialistischen Weltlagers.
Heute muss sich die Hauptaufmerksamkeit der Kommunisten auf das Weltproletariat und nicht mehr auf das sozialistische Proletariat „in einem“ Land richten, denn das Weltproletariat ist durch die Globalisierung inzwischen in jedem Land mannigfaltig vertreten und beflügelt, ermutigt und stärkt mit seiner internationalen Zusammensetzung das alte einheimische Proletariat, das seine internationalistische, revolutionäre Bewegung noch hauptsächlich unter den eng begrenzten nationalen Rahmenbedingungen entwickeln musste. Das Proletariat des 21. Jahrhunderts hat sich in seiner Zusammensetzung also gegenüber dem Proletariat des 19. und 20. Jahrhunderts grundlegend gewandelt – in dem einen Land mehr und in dem anderen Land weniger – ganz in dem Maße wie das eine oder andere Land in die Globalisierung eingebunden worden ist. Durch die Globalisierung wird das Weltproletariat zur weltrevolutionären Klasse in jedem Land. Ein neues internationalistisches Bewusstsein entwickelt sich mit der wachsenden internationalen Zusammensetzung des Proletariats in jedem Land. Die Bedeutung der Avantgarde des Weltproletariats nimmt in jedem Land zu, indem es dort die Abteilungen seiner revolutionären Weltarmee formiert. Die Geschichte hat dem Weltproletariat jetzt die nächste Aufgabe gestellt, welche die revolutionärste von allen nächsten Aufgaben ist. Die Verwirklichung dieser Aufgabe besteht in der Zerstörung der mächtigen Bollwerke des Weltimperialismus auf allen Kontinenten. Mit anderen Worten: Das Zentrum der revolutionären Bewegung verlagert sich nicht mehr wie bisher auf das nächste, einzelne „revolutionärste“ Land der Welt, Frankreich, England, Deutschland, Russland, Albanien ... ?, verschiebt sich nicht mehr zwischen Ländern, in denen sich das (nationale) Proletariat am weitesten internationalistisch entwickelt hat, um das Weltproletariat anzuführen, sondern umgekehrt, das Zentrum verschwindet für immer aus einem einzelnen Land, hat dort seine Kinderstube verlassen, um sich im Weltmaßstab selber – erwachsen geworden -zu einem globalisierten Weltzentrum zu emanzipieren. Das Zentrum geht nicht mehr von einem einzelnen Land oder von einer Gruppe von Ländern aus, sondern von allen Ländern gemeinsam, formt in allen Ländern weltproletarische Abteilungen, die auf allen Kontinenten einheitlich und geschlossen im globalen Klassenkampf koordiniert werden. Hierauf stützt sich die Generallinie der Komintern / ML, hierauf hat die Komintern / ML ihre neue Strategie und Taktik der proletarischen Weltrevolution konzentriert. Dadurch unterscheidet sich die Komintern / ML von allen revolutionären Organisationen auf der ganzen Welt. Damit bereitet sie sich auf ihre zukünftige Rolle als Avantgarde des Weltproletariats in jedem Land der Welt gewissenhaft vor.
Wir gehen davon aus, dass das Weltproletariat immer besser erkennen wird, welche Vorteile die besondere Konzeption der Komintern / ML ihm bei der globalisierten Zerschlagung des Weltimperialismus und beim globalisierten Übergang zum Weltsozialismus bietet. Die von der Komintern / ML entwickelte Generallinie der neuen marxistisch-leninistischen Weltbewegung macht das Weltproletariat unbesiegbar ! Die bisherige Generallinie, die für die erste Periode des Sozialismus von den Klassikern des Marxismus-Leninismus entwickelt wurde, litt unvermeidlich an einer gewissen Nichtübereinstimmung, an Einseitigkeit, denn sie ging stets von „einem“ sozialistischen Land als Basis und Hebel der proletarischen Weltrevolution aus. Heute wird der vollständige Sozialismus unter der Führung des Weltproletariats und seiner Vorhutpartei entstehen, wird Basis und Hebel von nun an nicht mehr unter der Nichtübereinstimmung, unter der Einseitigkeit, zu leiden haben, kann ihre Funktion im Weltmaßstab voll genutzt werden..
Der Leninismus besagt, „dass der vollständige Sozialismus nur entstehen wird aus der revolutionären Zusammenarbeit der Proletarier aller Länder, durch eine Reihe von Versuchen – von denen jeder, einzeln genommen, einseitig sein, an einer gewissen Nichtübereinstimmung leiden wird“ (Lenin, Band 27, Seite 338). Lenin hatte vollkommen Recht, und so suchte die Komintern / ML nach einem neuen Weg, machte sie einen neuen Versuch, um diese gewisse Nichtübereinstimmung, diese Einseitigkeit zu überwinden.
Der Stalinismus ist mit der Schaffung des sozialistischen Weltlagers, mit der Schaffung der volksdemokratischen Länder, den Versuchen näher gekommen, jene Einseitigkeit des Sozialismus „in einem“ Land, von denen Lenin sprach, zu minimieren durch die revolutionäre Zusammenarbeit des Proletariats in den vom Hitlerfaschismus befreiten Ländern. Genau dieser Grundpfeiler des Stalinismus widerlegt die Kritik des Anti-Stalinismus, dass die Sowjetunion „prinzipiell“ den Kurs der Einseitigkeit eingeschlagen habe, dass der Stalinismus die „Ursache“ für den Sozialimperialismus der modernen Revisionisten gewesen sei, dass der Stalinismus sich vom proletarischen Internationalismus „losgesagt“ und einer „nationalistischen“ Linie gefolgt sei usw. usf.
Davon abgesehen, dass es weder in der Natur noch in der Gesellschaft irgendwelche „vollkommenen“ Übereinstimmungen geben kann, so ändert dies nichts an der Wahrheit, dass die an Einseitigkeit leidende Entwicklung des Sozialismus „in einem“ Land in dem Maße verringert wird, in dem die Proletariern von immer mehr Ländern beim Aufbau des Weltsozialismus revolutionär zusammenarbeiten. Der Stalinismus hat sehr viel dazu beigetragen, dieses Prinzip der Überwindung der Einseitigkeit praktisch umzusetzen - unter den lange andauernden ungünstigen Bedingungen des Sozialismus „in einem“ Land.
In einem Gespräch, das der Genosse Stalin mit dem Genossen Enver Hoxha im März/April 1949 führte, sagte Stalin:
„Ich sage dies, um zu zeigen, wie wichtig es ist, dass man die konkreten Bedingungen jedes Landes berücksichtigt, denn die Bedingungen sind nicht stets in jedem Land die gleichen. Gerade deshalb darf niemand unsere Erfahrungen oder die Erfahrungen anderer kopieren, sondern man sollte sie nur studieren und nutzen, indem man sie unter den konkreten Bedingungen des eigenen Landes anwendet“ (Stalin zitiert von Enver Hoxha in: „Begegnungen mit Stalin“, Seite 95, KPD/ML, Dortmund, 1980).
Je einseitiger der revolutionäre Weltprozess, desto schwieriger ist es, ihn wieder zu vereinheitlichen. Und umgekehrt: Je mannigfaltiger der revolutionäre Weltprozess ist, desto größer ist die Basis für seine Einheit, desto größer ist die vereinigte Kraft des weltrevolutionären Prozesses. Die Mannigfaltigkeit verleiht der Einheit ihre Stärke. Die Einseitigkeit schwächt die Einheit des weltrevolutionären Prozesses. Der besondere Charakter der Einheit und Mannigfaltigkeit der sozialistischen Weltrevolution ergibt sich aus der einheitlichen Klasse des Weltproletariats, die sich aus der Mannigfaltigkeit der Proletarier aller Länder speist und stützt.
Wir warnen hier ausdrücklich vor der falschen Verwendung des Begriffs „Einseitigkeit“, weil unsere Gegner, die rechten wie die „linken“ Opportunisten, all zu leicht dazu neigen, uns genau damit „Sektierertum“ zu unterstellen. Wir erinnern hier nebenbei an die „wissenschaftliche Sachlichkeit“ des Genossen Bill Bland, aus der Hari Kumar (Alliance-Kanada) seinen „Sektierertum“-Vorwurf gegen die Komintern / ML schöpft. Einseitigkeit wird von uns als Klassenbegriff verstanden. Wenn wir uns also auf die eine Seite der Arbeiterklasse und gegen die andere Seite der Bourgeoisie stellen, dann ist das nicht einseitig im sektiererischen Sinne, sondern diese Einseitigkeit drückt unsere Parteilichkeit für die Arbeiterklasse aus – parteiliche Einseitigkeit – einseitige Parteilichkeit des Proletariats. Wer das ABC des Marxismus kennt, der weiß, dass das Proletariat die einzige Klasse ist, deren Interessen mit den Interessen der Mehrheit der Bevölkerung übereinstimmt, so dass also von irgendeiner „Einseitigkeit“ oder gar „Sektierertum“ der Arbeiterklasse und ihrer Partei überhaupt nicht die Rede sein kann. Die Arbeiterklasse ist also die Klasse, die schließlich jegliche Einseitigkeit der Klassen und ihrer Politik beseitigt. Um die Unvermeidbarkeit dieser Klassen-Einseitigkeit zu beseitigen, die sich besonders in der Einseitigkeit der Diktatur der proletarischen Klasse ausdrückt ( und die insbesondere vom Kleinbürgertum so gefürchtet wird, weswegen es unablässig „Sektierertum“! „Sektierertum!“ schreit), muss man die Bourgeoisie stürzen, muss man diese lästig gewordene Einseitigkeit mit der klassenlosen Gesellschaft abschaffen.
„Einseitig“ waren die Pariser Kommunarden, „einseitig“ war der Sozialismus „in einem“ Land, „einseitig“ war das sozialistische Weltlager Stalins usw. usf., aber all diese „Einseitigkeiten“ standen stets im Dienste der Sache des proletarischen Internationalismus, dienten stets der Überwindung der Widersprüche der kapitalistischen Gesellschaft, die nicht das ausgebeutete Proletariat erzeugt hatte, sondern die herrschende Bourgeoisie. Mit dem Begriff „Mannigfaltigkeit“ ging Lenin übrigens im Wesen nicht anders um und also auch mit dem dialektischen Verhältnis von Einseitigkeit und Mannigfaltigkeit. Stets verwendete er diese Begriffe im Interesse des revolutionären Proletariats.
Es ist also unvernünftig, die (unvermeidliche) Einseitigkeit der Entwicklung des Sozialismus „in einem“ Land (eine Einseitigkeit, die bekanntlich nicht etwa der Natur des Internationalismus entsprungen ist, sondern die dem Sozialismus damals durch den Kapitalismus im Weltmaßstab aufgezwungen war!), auf die Entwicklung des Sozialismus im Weltmaßstab auszudehnen. Im sozialistischen Weltmaßstab ist nämlich diese Einseitigkeit der sozialistischen Entwicklung „in einem“ Land mit all ihren negativen Erscheinungen und Hemmschuhen durchaus vermeidlich - eben durch die revolutionäre Zusammenarbeit der Proletarier aller Länder, wie Lenin betonte.
Um die Unvermeidlichkeit der Einseitigkeit der Entwicklung des Sozialismus „in einem“ Land zu beseitigen, müssen die weltkapitalistischen Ursachen dieser Einseitigkeit beseitigt werden, müssen dem Weltkapitalismus die internationalen Wurzeln in jedem Land der Welt in einem weltrevolutionären Prozess ausgerissen werden, ist es wichtig, „dass der wirtschaftliche Vorteil ebenso wie der Instinkt und das Bewusstsein des Internationalismus und des Demokratismus die rascheste Annäherung und Verschmelzung aller Nationen in der sozialistischen Gesellschaft erfordern“ (Lenin, Band 23, Seite 62).
„Alle Nationen werden zum Sozialismus gelangen, das ist unausbleiblich, aber keine auf genau die gleiche Art und Weise, jede wird zu dieser oder jener Form der Demokratie, zu dieser oder jener Abart der Diktatur des Proletariats, zu diesem oder jenem Tempo der sozialistischen Umgestaltung der verschiedenen Seiten des gesellschaftlichen Lebens etwas Eigenes beitragen“ (Lenin, Band 23, Seite 64).
Bei Wesensgleichheit aller weltsozialistischen Staaten haben sie alle zusammen mannigfaltige, verschiedene Formen ihres Übergangs aus der Welt des Imperialismus in die Welt des Sozialismus zurückgelegt. Und an dieser Mannigfaltigkeit der sozialistischen Entwicklung in den verschiedenen sozialistischen Ländern wird sich auch unter den Bedingungen des Weltsozialismus nichts ändern. Verschmelzung darf nicht als Gegensatz zur Mannigfaltigkeit der Formen auf höherer Stufe aufgefasst werden. Es gibt weder einen formlosen Sozialismus noch einen formlosen Kommunismus. Form und Inhalt können in harmonische Übereinstimmung, zu einer Einheit gebracht, aber nicht verschmolzen werden. Sie lösen sich nicht gegenseitig auf. Die Disharmonie zwischen Form und Inhalt des gesellschaftlichen Lebens lässt sich genauso wenig verewigen. Die gesellschaftliche Form der Nation wird abgeworfen von der klassenlosen Gesellschaft - Nationen existieren nicht ewig. Nationen sind vergängliche Formen der ebenso vergänglichen Klassengesellschaft. Es gibt Nationen - die einen früher, die anderen später- , die zum Kommunismus übergehen werden, aber es gibt keine einzige Nation mehr im Weltkommunismus selbst.
Stalinismus hieß nicht etwa die (gewaltsame) Einverleibung der ganzen Welt durch und in die Sowjetunion, sondern die Verwandlung der Sowjetunion in einen von vielen weltsozialistischen Staaten, die alle auf ihre Weise etwas Eigenes zur sozialistischen Umgestaltung der Welt beitragen. Die Vorstellungen von Stalin über den Weltsozialismus waren also weit entfernt von einer gewaltsamen Verschmelzung aller Nationen der Welt in der Sowjetunion. Stalin war stets ein Gegner der Assimilationspolitik der Imperialisten, so wie die Stalinisten heute zudem stets Gegner der Assimilationspolitik der Sozialimperialisten sind. Die freie und freiwillige Verschmelzung zu einer Weltrepublik aller weltsozialistischen Staaten entsteht nach Auffassung Stalins im internationalen Klassenkampf, im verschmolzenen, gegenseitigen Befreiungskrieg des Proletariats aller Nationen, entsteht durch ihre gemeinsamen Anstrengungen zur Beseitigung des Weltimperialismus, basiert auf gegenseitigem Vertrauen – nach dem Vorbild der Nationen der UdSSR.
Stalinismus – das heißt nicht etwa „Weltdiktatur des Proletariats des ersten sozialistischen Landes“ ; das heißt nicht Weltdiktatur des Proletariats irgend eines anderen Landes. Es ist überhaupt mit dem Marxismus-Leninismus völlig unvereinbar, dass die Proletarier irgendeines Landes oder mehrerer Länder ihre Weltdiktatur über alle anderen Proletarier der Welt, über das Weltproletariat, errichten. Nirgends haben die 5 Klassiker des Marxismus-Leninismus jemals solch völlig absurden Standpunkt vertreten - selbst nicht in der abgewandelten Form, dass das Proletariat eines Landes seine Diktatur über das Proletariat eines anderen Landes errichtet. Niemand kann eine Diktatur des Proletariats dazu missbrauchen, sie über die Proletarier aller Länder zu errichten, weder ein Sozialimperialist noch ein Imperialist, nicht einmal das ganze weltimperialistische System vermag das. Denn die Diktatur des Proletariats heißt Herrschaft über die ausbeutenden und unterdrückenden Klassen, aber niemals über die ausgebeuteten und unterdrückten Klassen selbst.
Schon Engels stellte mit seinen 22 Jahren fest, „dass die Herrschaft der Bourgeoisie nur auf der Konkurrenz der Arbeiter unter sich beruht, d.h. auf der Zersplitterung des Proletariats, aus der Entgegensetzung der einzelnen Arbeiter gegeneinander. Und gerade weil sie sich, wenn auch nur einseitig, nur auf beschränkte Weise gegen die Konkurrenz, gegen den Lebensnerv der jetzigen sozialen Ordnung richten, gerade deshalb sind sie dieser sozialen Ordnung so gefährlich. Der Arbeiter kann die Bourgeoisie und mit ihr die ganze bestehende Einrichtung der Gesellschaft an keinem wunderen Fleck angreifen als an diesem“ („Lage der arbeitenden Klassen in England“; MEW, Band 2, Seite 436).
Im verallgemeinernden Umkehrschluss heißt das, dass die Diktatur des Proletariats auf der Einheit und Zusammenarbeit der Arbeiter aller Länder beruht. Und gerade weil sich diese soziale Ordnung auf die Einheit und Zusammenarbeit der Arbeiter aller Länder stützt, ist sie von der Bourgeoisie nicht besiegbar. Und die Bourgeoisie kann die Diktatur des Proletariats an keinem wunderen Fleck angreifen als an ihrer Lostrennung und Spaltung von der Einheit und Zusammenarbeit der Proletarier aller Länder.
Auf der Herstellung dieser Einheit und Zusammenarbeit der Arbeiter aller Länder , darauf beruhte die Weltmacht Stalins. Es gibt keinen Zeitpunkt in der Geschichte der internationalen Arbeiterbewegung, der an die bisher größte Einheit und Zusammenarbeit der Proletarier aller Länder zur Zeit des Hochstalinismus heran reicht. Eben daran muss sich die gegenwärtige und jede zukünftige Einheit und Zusammenarbeit der Proletarier aller Länder unbedingt an diesem erreichten Höchststand orientieren, muss sie sich am internationalistischen Charakter des Stalinismus messen.
Die Weltdiktatur des Proletariats kann nur das Weltproletariat selbst errichten.
Man darf die Macht des Weltsozialismus nicht mit der Weltmacht der Sowjetunion Stalins verwechseln, sondern muss diese Dinge prinzipiell auseinander halten. Berija hatte kein Interesse daran, dies prinzipiell auseinander zu halten, denn er verzichtete „großzügig“ auf die Macht des Weltsozialismus und „gab sich“ mit der Macht der Sowjetunion „zufrieden“. Berija war für die Freiheit der Lostrennung der sowjetischen Republiken vom Sozialismus , um eine russische Supermacht zu schaffen, die sich vom „Ballast“ des internationalistischen Stalinismus „befreit“ hat.
Schon Lenins Zeiten war die Freiheit der Lostrennung aller unterdrückten Länder von den kapitalistischen Großmächten, ihre Herauslösung aus der weltimperialistischen Kette eine Frage des internationalen Klassenkampfes, also unzertrennlich verbunden mit der Freiheit der Lostrennung des Proletariats von der Bourgeoisie. Die Losung der Lostrennung aller unterdrückten und nicht gleichberechtigten Nationen war zu verbinden mit der Losung ihrer Lostrennung vom Kapitalismus, anders macht das für den Marxismus-Leninismus keinen Sinn.
Die Losung der Lostrennung stellte Lenin schließlich nur deshalb auf, weil er für die freie und freiwillige Annäherung und Verschmelzung der Nationen unter Führung des Proletariats war, nur deshalb ! (siehe Lenin, Band 23, Seite 62). Eben die Lostrennung als Voraussetzung der Verschmelzung, das ist die Dialektik der Klassenfrage, die Lenin hierbei stellte und die Stalin später im Weltmaßstab praktisch zu lösen versuchte. Mit dem Großen Vaterländischen Krieg wurden verschiedene kapitalistische Länder aus dem Weltkapitalismus heraus gelöst, die sich zu einem sozialistischen Weltlager vereinigten.
Dabei leugnete Lenin nicht die Möglichkeit von Einzelfällen und Ausnahmen: „z.B. in einem kleinen Staat, nachdem im großen Nachbarstaat die soziale Revolution gesiegt hat, [es] möglich ist, dass die Bourgeoisie friedlich die Macht ab tritt, wenn sie sich von der Aussichtslosigkeit des Widerstands überzeugt und es vorzieht, ihre Haut zu retten. Wahrscheinlicher ist es allerdings, dass auch in den kleinen Staaten der Sozialismus nicht ohne Bürgerkrieg verwirklicht wird, und deshalb muss das Programm der internationalen Sozialdemokratie einzig die Anerkennung eines solchen Krieges sein, wenn auch Gewalt gegen Menschen nicht unserem Ideal entspricht“ (Lenin, Band 23, Seite 63-64).
„In Wirklichkeit wissen wir nicht und können wir nicht wissen, wie viele unterdrückte Nationen in der Praxis die Lostrennung brauchen werden, um ihr Scherflein zur Mannigfaltigkeit der Formen der Demokratie und der Formen des Übergangs zum Sozialismus beizutragen“ (ebenda, Seite 65).
Hat sich jedoch das Kräfteverhältnis erst einmal zu Gunsten des sozialistischen Weltlagers und zu Ungunsten des kapitalistischen Lagers gewendet, dann ist es nicht nur möglich, sondern sogar höchst wahrscheinlich, dass auch die kleinen Staaten zur freien und freiwilligen Verschmelzung übergehen und sie sich ohne einen Bürgerkrieg in weltsozialistische Staaten verwandeln werden.
Der Stalinismus besagt, dass die Lostrennung vom Kapitalismus, die Schaffung des Sozialismus „in einem“ Land, die Voraussetzung für die Bildung des sozialistischen Weltlagers war, um das kapitalistische Weltlager zu besiegen und den Weltsozialismus zu errichten, der dann auch die letzte bürgerliche Nation in eine sozialistische Nationen verwandelt. Lostrennung der unterdrückten und nicht gleichberechtigten Nationen, ihr Übergang ins sozialistische Weltlager und schließlich ihre Annäherung und Verschmelzung im Weltmaßstab ist letzten Endes nur möglich im Kampf des Lostrennens der Arbeiterklasse von der Bourgeoisie im Weltmaßstab, ist eine Frage des internationalen Klassenkampfes, ist eine Frage der politischen Herrschaft des Weltproletariats, ist eine Frage der proletarischen Weltrevolution. Ob nun in der ersten oder in der zweiten Periode des Sozialismus, so waren und bleiben „die Bolschewiki Anhänger der Weltrevolution“ (Lenin, Band 25, Seite 315).
In diesem Sinne setzte Stalin das Werk Lenins fort mit der Vergrößerung des sozialistischen Weltlagers.
Die erste Periode des Sozialismus begann mit der politischen Lostrennung des Proletariats von der Bourgeoisie „ in einem“ Land. Sie war gekennzeichnet durch die Vereinigung der Arbeiter mit den Bauern zur Errichtung und Festigung der Diktatur des Proletariats „in einem“ Land, war gekennzeichnet durch den Kampf für die Beseitigung des Kapitalismus in einem Land.
Die zweite Periode des Sozialismus wird gekennzeichnet sein durch die Lostrennung des Weltproletariats von der Weltbourgeoisie im Weltmaßstab, um die Diktatur des Weltproletariats zu errichten. Die Diktatur des Proletariats im Weltmaßstab ist die Voraussetzung für die Beseitigung des Imperialismus im Weltmaßstab. Das ist für eine Diktatur des Proletariats „ in einem Land“ unmöglich. Selbst wenn sie ein sozialistisches Weltlager um sich vereinigt hat, führt dies nicht automatisch zur Weltdiktatur des Proletariats.
Der Übergang von der ersten in die zweite Periode des Sozialismus ist gekennzeichnet durch die revolutionäre Vereinigung zur Lostrennung der Arbeiterklasse von der Bourgeoisie in allen Ländern der Welt. Hat sich dann das gesamte Weltproletariat von der gesamten Weltbourgeoisie los getrennt, vereinigt es alle Länder zur Beseitigung des Weltimperialismus, vereinigt es alle Länder zur Schaffung des Weltsozialismus, entwickeln die einzelnen Länder der ganzen Welt auf der Basis und mit dem Hebel der Weltdiktatur des Proletariats den Sozialismus in einem Land – und zwar OHNE Anführungsstriche.
Das Weltproletariat hat schon begonnen zu wachsen mit der Entstehung allerersten bürgerlichen Nationen, sozusagen als „weltproletarisches Lager“ - freilich nur als lose Form der vereinigten Proletarier in einzelnen kapitalistischen Länder, die ihrerseits in loser Form als Lager verbunden waren und noch in Europa dem feudalen Lager feindlich gegenüberstanden. Das Weltproletariat hat noch in seiner Kinderstube die Nachwirkungen der Herrschaft der Feudalklassen miterlebt und schon an der Beseitigung dieser alten Herrschaft mitgewirkt. Das Weltproletariat hat den Übergang in den Imperialismus im Jugendalter miterlebt. Als es sich um die erste sozialistische Nation sammelte wurde es erwachsen und reifte zur Zeit des sozialistischen Lagers kräftig heran. Das Weltproletariat hat die sozialistischen Nationen der ersten Periode des Sozialismus erlebt und setzte an, die Welt zu erobern, als es das Ende dieser ersten sozialistischen Periode mit ansehen musste, ohne selber die zweite Periode des Sozialismus übernehmen zu können. Es erlebte den Zerfall des Sozialismus und durchleidet nunmehr die dunkelste Ära der totalen Weltreaktion. Aber es wird das Ende des Tunnels nicht nur herbeisehnen, sondern schließlich den Untergang der Ära der bürgerlichen Nationen feiern und seine volle Blütezeit in der Ära der weltsozialistischen Nationen entfalten als die herrschende Klasse der neuen Welt. Mit der Jahrtausende alten Klasse der Bauern überlebt das Weltproletariat alle Klassen, einschließlich der Bourgeoisie, mit der es einst die Bühne der Geschichte des Kapitalismus betrat. Das Weltproletariat beseitigt die ausbeutenden und unterdrückenden Klassen also erst im fortgeschrittenen Entwicklungsstadium. Alles was das Weltproletariat durch diese Weltpolarisierung der Klassengesellschaft um sich vereinigt hat, vor allem die werktätigen Bauern, tritt den Weg in den weltproletarischen Schmelztiegel an , in dem auch die letzten Wurzeln der Klassen der sozialistischen Gesellschaft vernichtet werden. Dieser Schmelztiegel reinigt die sozialistische Weltgemeinschaft von allen Klassenüberresten und heraus treten alles Menschen, die – im klassenlosen Stahl gehärtet und geschmiedet - , die neue kommunistische Welt erbauen, befreit von den schweren Ketten ihres einstigen Klassendaseins.
In der alten Welt sprach man in der Klassenanalyse vom Absteigen der privilegierten Klassen ins Proletariat. In der neuen Welt aber steigt man zum Weltproletariat auf.
Mit etwas anderen Worten ausgedrückt hört das Weltproletariat auf, im eigentlichen Sinne ein Weltproletariat zu sein, wenn auch der letzte Werktätige auf dieser Erde zum Weltproletariat aufgestiegen, wenn die alte Polarisierung / Verschmelzung von Klassen überflüssig und also abgeschlossen ist.
Das Weltproletariat erbaut den Sozialismus in allen Ländern der Welt, so zu sagen verwirklicht und vergegenständlicht sich die weltproletarische Sache in Länderformen. Es ist das Weltproletariat, das mit seiner Revolution in allen Ländern der Welt siegt. Es verwandelt die Welt der kapitalistischen Länder in sozialistische Länder seiner eigenen Welt, indem es das kapitalistische Welteigentum enteignet, um es zu vergesellschaften, um es für immer abzuschaffen.
Der Verschmelzungsprozess der weltsozialistischen Nationen vollzieht sich nicht ohne Klassenkampf gegen seine Widersacher. Der Übergang des Weltsozialismus zum Weltkommunismus formt sich als Verschmelzungsprozess der weltsozialistischen Länder, der wiederum übergeht in einen Auflösungsprozess der letzten und damit jeglicher Form der Nation.
Es ist die Beseitigung der Unvermeidbarkeit der Lostrennung und Vereinigung von Nationen, es ist die Periode der sterbenden Nation. Der Übergang vom Weltsozialismus zum Weltkommunismus ist ein Prozess, wo der alte Lostrennungsprozess nur auf höherer qualitativer Stufe wieder auftaucht (Negation der Negation) - nämlich als Auflösungsprozess von Nationen als politische Form der Klassengesellschaft. Auch diese Auflösungsprozesse der verschmolzenen weltsozialistischen Staaten vollziehen sich nicht ohne Klassenkampf, aber dieser Kampf ist dann auch der allerletzte Kampf für den Übergang in die klassenlose, nationslose, kommunistische Gesellschaft.
Der Stalinismus ist die weltproletarische Lehre des Kampfes des sozialistischen Lagers gegen das kapitalistische Lager im Weltmaßstab, der allerersten Stufe des Übergangs von der ersten in die zweite Periode des Sozialismus, des Übergangs vom Weltkapitalismus zum Weltsozialismus. Der Stalinismus lehrt, dass es keinen friedlichen Übergang von der ersten in die zweite Periode des Sozialismus gibt, dass die Diktatur der Weltbourgeoisie nur durch die proletarische, sozialistische Weltrevolution, nur durch die Errichtung der Weltdiktatur des Proletariats, nur mit Gewalt im Weltmaßstab zerschlagen und beseitigt werden kann. Diese Lehre Stalins wurde diktiert von den konkreten Bedingungen des Kalten Krieges, des Kalten Krieges zwischen dem kapitalistischen und dem sozialistischen Weltlager.
Der Übergang des Sozialismus „in einem“ Land in den Weltsozialismus vollzieht sich also durch einen weltrevolutionären Prozess auf der Basis der Weltdiktatur des Proletariats und nicht ( wie immer noch irrtümlich verbreitet wird) auf der Basis der Diktatur des Proletariats „in einem“ Land.
Stalin selbst hat sich eine Sowjetunion (mit garantiertem [ ! ] Sozialismus) stets als Staat einer zukünftigen sozialistischen Weltunion vorgestellt, als einen weltsozialistischen Staat. Dabei war es ihm als Führer des proletarischen Internationalismus vollkommen bewusst, dass die Verwandlung des ersten sozialistischen Staats „in einem“ Land in einen sozialistischen Staat in einem Land - also OHNE Anführungszeichen - niemals von diesem Land aus allein verwirklicht werden kann, sondern nur unter der Weltherrschaft des Proletariats, nur unter den Bedingungen der Diktatur des Weltproletariats, die von niemandem sonst als das Weltproletariat errichtet werden kann.
Sich auf diese Grundlage zu berufen ( die von Lenin und Stalin gemeinsam geschaffen wurde), ist eine ganz wesentliche Demarkationslinie der Komintern / ML gegenüber allen opportunistischen Strömungen, die sich immer noch von dem Irrglauben des Exports der Oktoberrevolution leiten lassen. Weder die Länder können Revolutionen importieren, noch die ein einzelnes Land seine Revolution exportieren.
Der Kalte Krieg wurde nach Stalins Tod vom kapitalistischen Weltlager gewonnen, so dass eine neue Situation eintrat, insbesondere nach der Niederlage des letzten sozialistischen Landes, nach der Restauration des Kapitalismus in Albanien nach dem Tod Enver Hoxhas.
Mit dem Wiederaufbau des kapitalistischen Lagers konnte die Weltbourgeoisie nach dem Krieg politische Erfolge ausbeuten. Die Ausbeutung politischer Erfolge mit dem globalisierten Aufschwung der kapitalistischen Weltwirtschaft hieß nichts Anderes als auf dem Weg der Reformen langsam globale Produktionsverhältnisse zu schaffen, die dem Charakter der sich globalisierenden Produktivkräfte entsprachen. Da das sozialistische Weltlager niedergeschlagen war, die Gefahr einer weltrevolutionären Umwälzung unter aktiver Beteiligung der Arbeiterklasse in allen Ländern der Welt vorerst beseitigt war, konzentrierte sich der amerikanische Imperialismus auf das Erlangen weltwirtschaftlicher Vorherrschaft und erreichte tatsächlich eine enorme Entwicklung der globalen Produktivkräfte. Die Fähigkeit, die weltweiten Arbeitskräfte ungehindert über alle nationalen Grenzen hinweg auszubeuten, war die erste Bedingung für die Entwicklung des globalisierten Imperialismus. Die globalisierten Produktivkräfte wurden somit zur beweglichsten und revolutionärsten Kraft der kapitalistischen Weltproduktion. Aber nun verlangen diese Produktivkräfte nach Produktionsverhältnissen, die dem globalen Charakter der neuen Produktivkräfte entsprechen. Stalin erklärte,
„dass die Produktionsverhältnisse nicht allzu lange hinter dem Wachstum der Produktivkräfte zurückbleiben und mit ihnen in Widerspruch stehen können, da sich die Produktivkräfte nur dann in vollem Umfange entwickeln können, wenn die Produktionsverhältnisse dem Charakter, dem Zustande der Produktivkräfte entsprechen und der Entwicklung der Produktivkräfte freien Spielraum gewähren. Wie sehr daher auch die Produktionsverhältnisse hinter der Entwicklung der Produktivkräfte zurückbleiben mögen, sie müssen früher oder später in Übereinstimmung kommen – und kommen wirklich in Übereinstimmung – mit dem Entwicklungsniveau der Produktivkräfte, mit dem Charakter der Produktivkräfte. Im entgegengesetzten Falle käme es zu einer tief gehenden Störung der Einheit der Produktivkräfte und der Produktionsverhältnisse im Produktionssystem, zu einer Sprengung der Produktion in ihrer Gesamtheit, zu einer Krise der Produktion, zu einer Zerstörung der Produktivkräfte“ (Stalin, „Über den dialektischen und historischen Materialismus“, Berlin, 5. Auflage, Seite 29/30).
Revolutionäre Beseitigung der einengenden weltbourgeoisen Beschränkungen sind in der Welt jetzt also notwendige Lebensbedingung für die Weltwirtschaft. Die gegenwärtige Demoralisierung des Weltproletariats durch die heutige Weltkrise nach langer Prosperität ist unvermeidlich, aber sie wird genauso unvermeidlich von seinem revolutionären Handeln abgelöst werden.
Ist der Sozialismus „in einem“ Land vorübergehend zerschlagen worden, so bedeutet das nicht, dass die Weltrevolution bei Adam und Eva wieder anfangen muss. Der weltrevolutionäre Prozess konnte weder durch den Kalten Krieg noch kann er überhaupt aufgehalten werden. Im Gegenteil, durch die Restauration der absoluten Weltherrschaft des Kapitalismus haben sich die Bedingungen – wenn auch unter einem qualvollen Weg - zu Gunsten des Weltsozialismus weiter verbessert, entsteht für das Weltproletariat die Möglichkeit, seine globale politische Macht zu erobern.
Mit der Globalisierung bedarf das revolutionäre Weltproletariat nicht mehr unbedingt eines Sozialismus „in einem“ Land, bedarf das Weltproletariat nicht mehr eines stellvertretenden Hebels und einer Basis in Formen wie sie in der ersten Periode des Sozialismus geschaffen werden mussten, unter den Bedingungen der weltkapitalistischen Umkreisung. Das Weltproletariat ist reif und stark genug, um selber Hebel und Basis für den Übergang des Weltkapitalismus in den Weltsozialismus zu werden, das heißt, einen anderen, einen globalisierten Weg zum Weltsozialismus einzuschlagen, neue Formen des Übergangs in die zweite Periode des Sozialismus zu schaffen, eine eigenständige Weltbewegung zu entwickeln, sich ein globales Zentrum mit einem globalen weltproletarischen Lager zu errichten usw. usf.
Was verstehen wir darunter ?
Dazu muss man wissen, was das neue weltsozialistische Lager vom alten stalinistischen sozialistischen Weltlager unterscheidet.
Das alte sozialistische Weltlager stand und fiel mit der Sowjetunion. Das ist der springende Punkt. Damit war das sozialistische Weltlager verwundbar. Mit der Sowjetunion zerfiel auch das sozialistische Weltlager, das Stalin aufgebaut hatte – und zwar durch den Verrat der modernen Revisionisten („Unbesiegbarkeit des Sozialismus `in einem` Land“, „garantierter Sozialismus“, „friedliche Koexistenz“, „friedlicher Weg“ usw. usf.). Was den Verrat der Revisionisten anbelangt, so müssen wir noch einmal unbedingt eine Anmerkung zur Zwei-Welten-Politik von Shdanow machen, weil wir, bei unserer Absicht uns abzugrenzen, auf die besonderen Eigenschaften und Gegebenheiten des stalinistischen Weltlagers nicht eingegangen sind. Dies ist aber unverzichtbar, wenn wir hier den Unterschied zum neu zu schaffenden weltsozialistischen Lager verdeutlichen wollen.
Es ist bekannt, dass die Chruschtschowianer den Begriff des sozialistischen Weltlagers gar nicht verwerfen konnten, da sie ihn brauchten, um
erstens dieses Lager der kommunistischen Weltbewegung zu untergraben, zu spalten, zu liquidieren, damit den Vormarsch der Weltrevolution aufzuhalten und schließlich den Weg des Übergangs vom Kapitalismus zum Sozialismus in den von der Sowjetunion befreiten Ländern rückgängig zu machen und umzukehren;
zweitens, um es hinten herum in ihr sowjet-revisionistisches Weltlager zu verwandeln zum Zwecke der Eroberung der Weltherrschaft des russischen Sozialimperialismus.
Die russischen Sozialimperialisten bedienten sich dabei gerne jahrelang eines Zitats von Lenin, um ihre expansionistische, kapitalistische Weltherrschaft zu rechtfertigen. Dieses Zitat ist kurz und knapp:
„Unsere Haupteinwirkung auf die internationale Revolution üben wir jetzt durch unsere Wirtschaftspolitik aus“ (Lenin, Band 32, Seite 458). Wann schrieb Lenin das ? Das schrieb er im Juni 1921 zur Zeit der NÖP. Zum genau den gleichen Zeitpunkt entstand der Entwurf zu Stalins Broschüre: „Über die politische Strategie und Taktik der russischen Kommunisten“ (Stalin, Band 5, Seite 53 ff.). Damals tat Lenin alles, was für die Wiederherstellung der Volkswirtschaft nach dem Krieg notwendig war. Der Leninismus befasst sich aber nicht mit einer Wirtschaftspolitik, die sich im Interessenkreis des „eigenen“ Landes einkapselt, „sondern im Gegenteil, unter Berücksichtigung der Verhältnisse und der Lage ihres eigenen Landes, die Interessen des internationalen Proletariats, die Interessen der Revolution in den anderen Ländern zum Ausgangspunkt machen, das heißt, wenn sie ihrem Wesen, ihrem Geiste nach internationalistisch sind“ (Stalin, Band 5, Seite 68-69).
Wenn wir von der Restauration des Kapitalismus „in einem“ Land sprechen, dann müssen wir, wenn auch nur bedingt, von der „Restauration des Kapitalismus des sozialistischen Weltlagers“ sprechen. Warum in eingeschränkter Weise ? In eingeschränkter Weise insofern, als es sich um ein Lager handelte, deren Mitglieder sehr unterschiedliche Bedingungen und Entwicklungen aufwiesen. Das waren noch gar keine sozialistischen Länder wie die Sowjetunion, wie sollten sie das denn auch in so kurzer Zeit sein ? Per Geburtsurkunde ? Es ist nach marxistisch-leninistischer Auffassung unstatthaft, ein vollkommen sozialistisches Land mit einem kapitalistischen Land, das sich gerade erst auf den Weg zum Sozialismus begeben hat, auf eine gleiche Entwicklungsstufe zu stellen. Hier darf man kein Gleichheitszeichen zulassen. Die Volksdemokratien konnten nicht mit ihrer Gründung fertige sozialistische Regierungsformen sein, sondern nur Regierungsformen des Übergangs vom Kapitalismus zum Sozialismus. Außer der sozialistischen Sowjetunion Lenins und Stalins handelte es sich alles um kleinere, zum größten Teil kapitalistische Länder Ost- und Südosteuropas, die im Zweiten Weltkrieg von der Hitlerarmee militärisch besetzt, vom deutschen Imperialismus ausgebeutet und bestialisch unterdrückt und dann von der Sowjetarmee befreit wurden, also von einem sozialistischen Land. Das war die besondere historische Situation, durch die (und nur durch die) die Schaffung des sozialistischen Weltlagers überhaupt in Angriff genommen werden konnte. Diese volksdemokratischen Länder konnten sich unmittelbar nach der Befreiung natürlich nicht von einem Tag auf den anderen in sozialistische Länder verwandeln. Der Übergang vom Kapitalismus zum Sozialismus findet – entsprechend den Lehren des Marxismus-Leninismus – innerhalb einer mehr oder weniger langen Periode statt, in der die Frage „Wer-wen?“ im harten Klassenkampf erst noch entschieden werden muss, wenn diese Periode auch zugegebener Maßen erheblich verkürzbar war durch die Erfahrung und partnerschaftliche (nicht zuletzt militärische) Unterstützung der Sowjetunion, durch die mehr oder weniger fortgeschrittene ökonomische Basis, das kulturelle Niveau und durch viele weitere Faktoren, die in diesen Ländern Möglichkeiten des rascheren Aufbaus des Sozialismus boten. Es gab jedoch auch entscheidende subjektive Faktoren, wie die Auswirkungen von Krieg und Faschismus auf die Arbeiterbewegung und vor allem auf deren revolutionäre Avantgarde in diesen Ländern.
Lenin und Stalin lehrten, dass das Proletariat den Sozialismus niemals ohne eine starke bolschewistische Partei aufbauen kann, die in der Klasse und unter den Massen fest verankert ist, also niemals ohne eine Partei, die die Arbeiterklasse zum Sozialismus führt ... und die war größtenteils geschwächt, ja fast völlig zerschlagen oder revisionistisch unterwandert worden. Die KPdSU (B) kann die Kommunistische Parteien in den Ländern des sozialistischen Weltlagers zwar nach Kräften unterstützen, aber diese niemals ersetzen. Das war der schwache Punkt, eine gravierende Schwäche des ersten sozialistischen Weltlagers, was für die Entscheidung über Sieg und Niederlage des Aufbaus des Sozialismus ausschlaggebend war und schließlich auch zur Niederlage des ersten sozialistischen Weltlagers beigetragen hat.
Die marxistisch-leninistische Lehre daraus: Ein sozialistisches Lager braucht nicht nur ein starkes bolschewistisches Zentrum, sondern auch starke bolschewistische Parteien in allen ihren Mitgliedsländern, auf die sich das Zentrum stützen kann. Ein sozialistisches Weltlager ist nur so stark wie sein schwächstes Glied.
Es war vor allem diese ungünstige Bedingung, unter der in diesen Ländern der revolutionäre Klassenkampf statt, der zudem auf äußerst heftigen Widerstand der internationalen Klassenfeinde stieß – Kalter Krieg. Die innere Reaktion wurde vom Westen mit allen Mitteln unterstützt, um diese Länder im Inneren zu destabilisieren und vom Weg zum Sozialismus durch konterrevolutionäre Aktivitäten gewaltsam abzubringen, aber auch durch revisionistische Infiltration der sozialistischen Bewegung. Zweifellos konnte man die Machtverhältnisse des Proletariats der Sowjetunion überhaupt nicht mit denen der noch gar nicht gefestigten Macht der Proletarier in den Ländern des sozialistischen Weltlagers vergleichen. Der Revisionismus war im Lager von Anfang an stark verbreitet und vertiefte seinen Einfluss zusehends – in den einen Ländern schneller, in den anderen langsamer. Dieser sich breit machende Revisionismus (in Jugoslawien offen und in den anderen Ländern – außer Albanien – verdeckt) hielt diese Länder vom Weg des Sozialismus ab und stellten bereits vor dem Erreichen des sozialistischen Zieles (im Gegensatz zur Geschichte der Sowjetunion) wieder kapitalistische Verhältnisse her. Nur durch die starke Führung der bolschewistischen Partei war es in der Sowjetunion und in Albanien möglich, so ein vorzeitiges Ende des sozialistischen Aufbaus zu verhindern. In allen anderen Ländern des sozialistischen Weltlagers waren diese Bedingungen nicht annähernd vorhanden. Von einem Sozialismus wie er in der Sowjetunion Lenins und Stalins oder in Albanien Enver Hoxhas aufgebaut worden war, kann also in allen übrigen Ländern gar keine Rede sein und Berija, Malenkow, Chruschtschow und Konsorten haben dafür gesorgt, dass dies eintreten konnte !!
Von der Sowjetunion Lenins und Stalins und vom Albanien Enver Hoxhas als EINZIG WIRKLICHE sozialistische Länder in der bisherigen Geschichte des Sozialismus zu sprechen, das ist für uns Hoxhaisten heute die entscheidende Demarkationslinie bei der Restauration des stalinistischen Weltlagers in neuer Form eines globalisierten, weltsozialistischen Lagers. Diese Demarkationslinie ist diktiert von unserer Sorge, uns das, was wir uns wieder aufbauen werden, nicht noch einmal wegnehmen zu lassen. Ohne diese Demarkationslinie kann und wird es keinen Weltsozialismus für das Weltproletariat geben. Diese Demarkationslinie kann nur verteidigt werden, wenn sie erneuert, gefestigt und ständig höher gezogen wird, denn auf die Notwendigkeit des Überschreiten (zwecks Liquidierung) dieser Demarkationslinie wird der Klassenfeind bei Strafe seines Untergangs niemals verzichten können.
Wir dürfen dabei nicht vergessen, was Enver Hoxha den Sowjetvölkern zum 100. Geburtstag Stalins schrieb:
„Ihr stellt eine große Kraft dar, doch ihr müsst das Vertrauen des Weltproletariats, der Völker der Welt zurückgewinnen, jenes große Vertrauen, das Lenin und Stalin durch ihre Arbeit und ihren Kampf schufen“ (Enver Hoxha, „Begegnungen mit Stalin“, Seite 41-42), KPD/ML, 1980, Dortmund).
Und so rufen wir mit den Worten Enver Hoxhas dem albanischen Volk zum 100. Geburtstag des Genossen Enver Hoxha (16. 10. 2008) zu:
Als letztes Leuchtfeuer des Sozialismus wart ihr das Zentrum der proletarischen Weltrevolution und wir haben mit der ganzen Welt voller Achtung und Liebe zu Albanien hoch geschaut, doch ihr müsst das Vertrauen des Weltproletariats, der Völker der Welt, zurückgewinnen, jenes große Vertrauen, das Enver Hoxha durch seine Arbeit und seinen Kampf schuf.
Im Wesentlichen stützte sich die Macht des sozialistischen Weltlagers – wie gesagt - auf die Diktatur des Proletariats der Sowjetunion. Das war das Entscheidende. Nur dieser Umstand rechtfertigt den Namen sozialistisches Weltlager. Nur durch die Sowjetunion Lenins und Stalins war es korrekt, von einem ersten sozialistischen Weltlager zu sprechen, wäre es falsch gewesen vom Shdanowschen (volks)demokratischen Weltlager zu sprechen. Allerdings: Alle Mitglieder dieses Lagers für sich genommen (außer Sowjetunion und Albanien) haben im strengen Sinne des Marxismus-Leninismus noch nicht als sozialistisch bezeichnet werden können, hätte man höchstens von einem volksdemokratischen Weltlager reden können, hätte Shdanow durchaus Recht behalten mit seiner Weltlager“theorie“. Aber der positive Umstand der Herrschaft der sowjetischen Diktatur des Proletariats machte die volksdemokratischen Länder zu Mitgliedern des sozialistischen Weltlagers. Wie die Geschichte zeigt, hat es in den revisionistischen Ländern (also außer Sowjetunion Lenins und Stalins und Albaniens Enver Hoxhas) nie Sozialismus gegeben, sondern ein Staatskapitalismus mit „sozialistischem Antlitz“, hat sich dort ein übler Sozialfaschismus entwickelt, sind diese revisionistischen Länder allesamt im kapitalistischen Lager geendet. Das war ihr großer Verrat am sozialistischen Weltlager.
Nochmals: Nur bis zum Tod des Genossen Stalin, bis zur Machtübernahme der Sowjetunion durch die Sowjetrevisionisten, konnte man noch von Stalins sozialistischem Weltlager sprechen, danach nicht mehr, danach nur noch vom revisionistischen Weltlager der revisionistischen Sowjetunion.
Wenn man die besonderen Umstände des Zustandekommens, die Wesensmerkmale und Besonderheiten des stalinistischen Weltlagers nicht genauestens untersucht und differenziert, kommt man zu falschen Schlussfolgerungen, die unvermeidlich in einem neuen revisionistischen Lager enden (siehe das zum Scheitern verurteilte maoistische Lager), aber niemals zum Aufbau unseres neuen, weltsozialistischen Lagers führen können. Das muss man sich stets klar vor Augen halten, und deswegen muss hier weiter geforscht werden, sind unsere Erkenntnisse längst nicht ausreichend, um die revisionistischen Fehler und Schwächen des alten sozialistischen Weltlagers zu überwinden und auszumerzen.
Das sozialistische Albanien blieb tapfer und siegreich auf stalinistischem Kurs und erhob das stalinistische Banner des sozialistischen Weltlagers, das wiederum von den chinesischen Revisionisten verraten wurde. Aber man konnte die Möglichkeiten der riesigen Sowjetunion Lenins und Stalins im Weltmaßstab im Vergleich zu einem so kleinen Land wie Albanien nicht gleichsetzen. Die kapitalistischen Umkreisungsmöglichkeiten einer riesigen Sowjetunion waren viel eingeschränkter als die Umkreisungsmöglichkeiten des kapitalistisch-revisionistischen Lagers gegenüber dem kleinen Albanien. An diesen ungleichen Kräfteverhältnissen des sozialistischen Weltlagers Stalins und des sozialistischen Weltlagers Enver Hoxhas kann gar kein Zweifel bestehen. Aber ebenso wenig Zweifel kann daran bestehen, dass es sich bei Enver Hoxha um ein sozialistisches Weltlager handelte, das sich sowohl gegen den Kapitalismus als auch gegen den Revisionismus an der Macht entwickelte - also qualitativ schon auf höherer Stufe stand. Mit dem Sturz der Diktatur des albanischen Proletariats zerfiel auch das neue marxistisch-leninistische, das sozialistische Weltlager des Genossen Enver Hoxhas. In diesem Zerfallsprozess regenerierten sich einige der alten hoxhaistischen Parteien in der Welt, bzw. bildeten sich daraus neue hoxhaistische Organisationen. Diese Bewegung beginnt sich an den 5 Klassikern des Marxismus-Leninismus zu orientieren, um die Tradition der kommunistischen Weltbewegung auf festem ideologischen Fundament fortzusetzen. Der Führer dieser neuen weltsozialistischen Bewegung– wenn auch noch einer sehr kleinen und schwachen Bewegung - ist die Komintern / ML. Die Komintern / ML ist die Keimzelle des Führungsstabs eines neu entstehenden weltsozialistischen Lagers.
(- letzter Teil -)