Die Mao Tsetung Ideen

- widersprechen dem Marxismus-Leninismus -



Aus Anlaß des 30. Geburtstags der KPD/ML veröffentlichen wir ein wichtiges Dokument unseres IV.Parteitags, der am 10. Geburtstag der KPD/ML stattfand (1978/79).

Bis dahin hatten wir also 10 Jahre seit Gründung unserer Partei die Mao-Tsetung-Ideen propagiert und die Kommunistische Partei Chinas verteidigt, weil wir der Überzeugung waren, daß sie sich als eine wichtige Hilfe im Kampf gegen den sowjetischen Revisionismus erweisen würden. Im Laufe unserer Parteigeschichte kamen wir selber, aber auch unter Einfluß der albanischen Genossen und anderer Bruderparteien immer mehr zu der Erkenntnis, daß hier nur ein neu entstehender Revisionismus mit einem alten Revisionismus konkurierte, daß sich der chinesische Revisionismus immer offener entwickelte und nicht nur in Abgrenzung, sondern in Anlehnung an die Mao Tsetung Ideen auftrat, daß die Mao Tsetung Ideen selbst die entscheidende ideologische Grundlage für den chinesischen Revisionismus waren.

Die KPD/ML ging auf ihrem IV.Parteitag selbstkritisch auf die Rolle der Mao-Tse-tung-Ideen ein. Wir bekundeten damals ( und das tun wir auch heute noch!) unsere Solidarität mit dem sozialistischen Albanien Enver Hoxhas, das die Mao - Tsetung- Ideen als antimarxistisch-leninistisch zurückwies, nachdem viele Jahre der Freundschaft mit der chinesischen Partei vorausgegangen waren.

Hier nun der getreue Wortlaut des Beschlusses des IV.Parteitags der KPD/ML zur Mao-Tsetung- Frage:

Seit ihrem Bestehen hat unsere Partei, die KPD/ML, an der Auffassung festgehalten, daß es für die Arbeiterklasse unmöglich ist, über den Imperialismus zu siegen, ohne den Revisionismus zu schlagen. Sie hält fest an der Auffassung, daß der moderne Revisionismus die Hauptgefahr in den Reihen der Arbeiterbewegung ist. Den Kampf gegen den modernen Revisionismus in allen seinen verschiedenen Spielarten, vor allem gegen den sowjetischen, betrachtet unsere Partei als eine ihrer vorrangigen Aufgaben.

Unter den gegenwärtigen Bedingungen erhält der Kampf gegen die chinesische Spielart des modernen Revisionismus besondere Bedeutung. Die revisionistische, chinesische Führung ist mit ihrer konterrevolutionären »Theorie der drei Welten« zum Frontalangriff auf den Marxismus-Leninismus und den proletarischen Internationalismus, auf die proletarische Revolution und die Befreiungskämpfe der Völker angetreten und hat der marxistisch-leninistischen Weltbewegung schweren Schaden zugefügt.

Die Untersuchungen und Diskussionen in unserer Partei haben ergeben, daß sich das Auftreten des heutigen chinesischen Revisionismus nicht von den sogenannten Mao Tsetung Ideen trennen läßt. Der Einfluß der Mao Tsetung Ideen hat bereits in den sechziger Jahren den Kampf der marxistisch-leninistischen Parteien gegen den Chruschtschow-Revisionismus erschwert. Er hat verhindert, daß von der marxistisch-leninistischen Weltbewegung insgesamt sämtliche antimarxistische Positionen verworfen wurden, sie sich enger zusammenschloß und Formen des multilateralen Erfahrungsaustauschs zwischen den marxistisch-leninistischen Bruderparteien geschaffen wurden.

Mit dem offenen Auftreten des chinesischen Revisionismus kam es in den letzten Jahren zu einer erneuten Differenzierung in der internationalen marxistisch-leninistischen Bewegung. War es den Chruschtschow-Revisionisten noch gelungen, die meisten kommunistischen und Arbeiterbewegungen vom Weg der Revolution abzubringen, schlugen in den letzten Jahren die meisten marxistisch-leninistischen Parteien den Angriff der neuen, chinesischen Spielart des modernen Revisionismus zurück und festigten ihre Einheit auf der Grundlage des Marxismus-Leninismus und des proletarischen Internationalismus. In mehreren Ländern entstanden und entstehen neue wahrhaft marxistisch-leninistische Parteien auf prinzipienfesten Grundlagen.

Unsere Partei sieht es als ihre unbedingte Aufgabe an, den Kampf gegen den modernen Revisionismus weiter zu vertiefen, insbesondere die Wurzeln des chinesischen Revisionismus und der konterrevolutionären »Theorie der drei Welten« als seinen krassesten Ausdruck bloßzulegen und sich von jeglichem Einfluß dieser neuen Strömung des modernen Revisionismus freizumachen. Sie hält dies für notwendig, um die marxistisch-leninistische Einheit in der Partei und auf internationaler Ebene unter den marxistisch-leninistischen Bruderparteien noch mehr zu festigen.

Die These, die Mao Tsetung Ideen seien die »höchste Stufe des Marxismus-Leninismus« oder auch die davon abgeleitete These, der »Marxismus, der Leninismus und die Mao Tsetung Ideen« müßten in der heutigen Zeit die ideologische Grundlage einer marxistisch-leninistischen Partei sein, sind zutiefst antimarxistisch-leninistische Thesen. Sie behaupten fälschlicherweise eine neue Epoche der gesellschaftlichen Entwicklung. Mit diesen Thesen wurde und wird das Ziel verfolgt, die Mao Tsetung Ideen zu glorifizieren, blinde Anhänger der Mao Tsetung Ideen zu schaffen und die Revolutionäre vom Marxismus-Leninismus abzuhalten. In Übereinstimmung mit ihren eigenen Klassenwurzeln sind diese Thesen vor allem im »revolutionären« Kleinbürgertum auf fruchtbaren Boden gefallen. Sie haben aber auch in unserer Partei Schaden angerichtet. Die Epoche, in der wir leben, hat sich entgegen obiger Thesen seit der Zeit Lenins und Stalins prinzipiell nicht verändert, sondern ist immer noch die Epoche des Imperialismus und der proletarischen Revolution. Der Leninismus ist der Marxismus dieser Epoche. Die theoretische Grundlage der Partei des Proletariats kann in dieser Epoche nichts anderes sein als der Marxismus-Leninismus.

Mit diesen Thesen steht die »Theorie der drei Welten« im Zusammenhang, die dem Supermachtstreben der revisionistischen chinesischen Führung dient. Sie leugnet eben den Charakter unserer Epoche, leugnet die vier wesentlichen Widersprüche dieser Epoche.( heute nur noch drei - Anmerkung der Redaktion) An die Stelle des Proletariats als sozialistischer Haupttriebkraft unserer Epoche setzt sie die sogenannte Dritte Welt, an die Stelle der proletarischen Revolution setzt sie die Annäherung an den USA-Imperialismus, die Zusammenarbeit mit dem Imperialismus und der schwärzesten Reaktion. Sie leitet die proletarische Revolution und die nationalen Befreiungskämpfe der Völker in die Irre, indem sie nicht die beiden Supermächte als gefährlichste und Hauptfeinde der Völker bezeichnet, sondern nur den sowjetischen Sozialimperialismus. Sie bedeutet reinsten Sozialchauvinismus, empfiehlt sie doch dem Proletariat der imperialistischen Länder das Bündnis mit der Bourgeoisie im Interesse angeblich nur noch »vom sowjetischen Sozialimperialismus ausgehenden Kriegsgefahr«. Diese konterrevolutionäre Theorie ist von den Mao Tsetung Ideen beeinflußt und auf sie zurückzuführen.

Die Mao Tsetung Ideen sind gekennzeichnet von Versöhnlertum gegenüber der Bourgeoisie und Leugnung der Hegemonie des Proletariats. So treten sie nicht für die ungeteilte führende Rolle der Partei des Proletariats in der Revolution und beim Aufbau des Sozialismus und für das historische Ziel des Proletariats und seiner Partei ein, während der Übergangsperiode des Sozialismus die Bourgeoisie als Klasse zu liquidieren, um zur klassenlosen Gesellschaft, dem Kommunismus, zu gelangen. Sie treten stattdessen ein für den Parteienpluralismus und die Erhaltung der Bourgeoisie im Sozialismus, ja entsprechend der These, die Bourgeoisie sei selbst im Sozialismus Teil des Volkes, sind sie nicht nur nicht für die Unterdrückung der Bourgeoisie und ihrer Liquidierung als Klasse, sondern für die Teilung der Macht mit ihr. Das widerspricht den Lehren des Marxismus-Leninismus von Grund auf. Sie sind nicht für das marxistisch-leninistische Prinzip, daß im Sozialismus die marxistisch-leninistische Ideologie die einziege herrschende Ideologie sein muß, sondern vertreten stattdesen den bürgerlichen liberalen Grundsatz: »Laßt 100 Blumen blühen, laßt 100 Schulen miteinander wetteifern!«

Ebenso gehen die Mao Tsetung Ideen in bezug auf die Lehre von der Partei nicht aus von dem marxistisch-leninistischen Prinzip der Einheit des Willens und des Handelns, der ideologischen Geschlossenheit der Partei und ihrer Reinhaltung von feindlichen Elementen, sondern vom antimarxistischen Prinzip des sogenannten Kampfes zweier Linien, das dem Fraktionismus, Liberalismus und Auflösungserscheinungen in der Partei Tür und Tor öffnet, zur Mißachtung der Normen und Prinzipien der Partei leninistischen Typs führt und ihren bolschewistischen Charakter leugnet.

Der Zerfall der Partei in verschiedene Fraktionen trat in China insbesondere in der Kulturrevolution zutage, die keineswegs unter der Führung der Arbeiterklasse und der Partei stand, sondern von den Roten Garden der Jugendlichen und von der Armee angeführt wurde. Die schweren Abweichungen der Mao Tsetung Ideen vom Marxismus-Leninismus in Kernfragen der Revolution und des sozialistischen Aufbaus wurden in der Kulturrevolution nicht verworfen, so daß diese das von ihr selbst propagierte Ziel, die Verhütung der Machtergreifung des Revisionismus, nicht erreichte. Im Gegenteil, ihr Abschluß wurde durch die Machtergreifung der offen reaktionären und revisionistischen Teng-Hua-Clique besiegelt, die die Entwicklung des Kapitalismus in China mit technokratischen Methoden rasch vorantreibt und mit ihrer großmachtchauvinistischen Politik auf der Grundlage der »Drei Welten Theorie« die Strategie verfolgt, China möglichst schnell in eine imperialistische Supermacht zu verwandeln.

Auch mit ihrer Kritik an Stalin greifen die Mao Tsetung Ideen den Marxismus-Leninismus in wesentlichen Fragen an. In der Praxis wurden in China insbesondere die allgemeingültigen Erfahrungen der Sowjetunion Lenins und Stalins beim Aufbau des Sozialismus entstellt, so das Lenin`sche Prinzip der Politik für die Kollektivierung der Landwirtschaft, »Stützen auf die Dorfarmut, Bündnis mit den Mittelbauern, Kampf dem Kulakentum«, das Prinzip des Primats der Produktion von Produktionsmitteln gegenüber der Produktion von Konsumtionsmitteln, das Prinzip des Aufbaus der Wirtschaft nach einem einheitlichen, zentralisierten Plan und das Prinzip der ständigen Festigung des staatlichen Sektors der Wirtschaft.

Die Mao Tsetung Ideen übernehmen in diesen Fragen stattdessen verschiedene Positionen des Chruschtschow- Revisionismus und des Tito-Revisionismus. Die Erfahrungen beim Aufbau des Sozialismus in der Sowjetunion Lenins und Stalins und in Albanien ebenso wie die negativen Erfahrungen der Entartung des Sozialismus in den revisionistischen Ländern haben bestätigt, daß der Sozialismus nur aufgebaut werden kann, wenn die Arbeiterklasse unter der ungeteilten Führung ihrer marxistisch-leninistischen Vorhutpartei in der gewaltsamen Revolution die proletarische Diktatur errichtet und ständig festigt und sich auf allen Gebieten, in Politik, Wirtschaft, Kultur, Gesellsachaft und Militärwesen, vom Marxismus-Leninismus, von den Lehren von Marx, Engels, Lenin und Stalin leiten läßt und ihn prinzipienfest und schöpferisch auf die konkreten Bedingungen des Landes anwendet.

Unsere Partei stellt fest, daß die Mao Tsetung Ideen den Lehren des Marxismus-Leninismus widersprechen und nicht die theoretische Grundlage der Politik unserer Partei sein können. Allein der Marxismus-Leninismus, die von Marx, Engels, Lenin und Stalin ausgearbeitete Theorie des wissenschaftlichen Sozialismus, ist der unfehlbare Kompaß jeder wahren marxistisch-leninistischen Partei. Der Marxismus-Leninismus weist wissenschaftlich nach, daß der Untergang des Kapitalismus und der Sieg des Sozialismus gleichermaßen unausweichlich sind. Heute ist die Revolution ein Problem, das zur Lösung ansteht. Der Marxismus-Leninismus ist die sichere Waffe in den Händen unserer Partei, um die deutsche Arbeiterklasse im Bündnis mit den anderen werktätigen Klassen und Schichten im Kampf zu führen für den Sieg in der proletarischen Revolution über die einheimische Monopolbourgeoisie, über den Imperialismus, Sozialimperialismus und Revisionismus, für ein vereintes, unabhängiges, sozialistisches Deutschland, für das große Ziel aller Ausgebeuteten und Unterdrückten: den Kommunismus.

In diesem Kampf stellt sich unsere Partei die Aufgabe, sich einzusetzen für die Stärkung der Einheit des internationalen Proletariats und seiner marxistisch-leninistischen Vorhutpartei. Die Stärkung der Einheit der Zusammenarbeit der wahren marxistisch-leninistischen Parteien - auch in geeigneten organisatorischen Formen - ist gerade heute eine gebieterische Notwendigkeit, da sie von den chinesischen Führern jahrelang gehemmt und gespalten wurde. Der international zusammenarbeitenden Bourgeoisie muß die Einheit des Weltproletariats entgegengestellt werden. Dabei gilt es, die Versuche der Bourgeoisie und der verschiedenen Spielarten des Revisionismus, diese Einheit zu spalten, zurückzuschlagen und in dem Bewußtsein vorwärtszuschreiten, daß diese auf der Grundlage des Marxismus-Leninismus und des proletarischen Internationalismus festgefügte Einheit ein unüberwindliches Hindernis für alle Feinde und eine Notwendigkeit für den Sieg der großen Sache der Revolution und der Befreiung der Völker ist.



Es geht uns nicht darum, die Verdienste um die chinesische revolutionäre Befreiung und die fortschrittliche Rolle Mao Tsetungs zu leugnen. Es gab auch viele fortschrittliche Errungenschaften und zum Teil sozialistische Umgestaltungen, aber sie können nicht mit der Sowjetunion Lenins und Stalins auf eine Stufe gehoben werden. China wurde nie konsequent auf den Weg des Sozialismus gebracht. Die zusammengewürfelten »Theorien« Mao Tsetungs konnten dem befreiten China niemals eine klare marxistisch-leninistische Perspektive geben. Mao sagte »Man muß verwirren, um zu klären.« Mao war gegenüber den Klassenfeinden zu nachsichtig und opportunistisch. Zu den Klassenfeinden meinte er: Sie geben ihre Fehler zu und schlagen den richtigen Weg ein. Mit einem Wort, die Ultrareaktionäre ändern sich.« (Mao Band 3) Mao nahm die Konterrevolutionäre offen in Schutz als er sagte: »...keinen einzigen hinrichten, die meisten nicht verhaften..., die Sicherheitsorgane verhaften sie nicht, die Staatsanwälte erheben keine Klage gegen sie, und die Gerichtshöfe verurteilen sie nicht. Von hundert Konterrevolutionären sollen über neunzig so behandelt werden.« (Mao Band 5) Mao sagte außerdem, daß sich » die Arbeitsgesetze in der Volksrepublik nicht gegen die Bereicherung der nationalen Bourgeoisie richten...(Mao Band 1)

Gegenüber Stalin erhob Mao vielerlei Vorwürfe, die nicht berechtigt sind. 1957 sagte er auf der Moskauer Beratung:«Als ich zu Stalin kam, fühlte ich mich wie ein Schüler vor dem Lehrer, jetzt dagegen, wenn wir uns mit Chruschtschow treffen, sind wir wie Genossen, sind wir frei.«

Mao kritisierte Stalin und die Komintern, die Mao und der KPCh zurecht vorwarfen, daß sie den Marxismus-Leninismus in vielen grundsätzlichen Fragen nicht konsequent anwandten. 1962 sagte Mao auf einer Arbeitskonferenz des ZK der KPCh: »Die Chinesen und nicht die Genossen der Komintern, die sich mit der chinesischen Frage befaßten, kannten China als objektive Welt. Diese Genossen der Komintern kannten die chinesische Gesellschaft, die chinesische Nation und die chinesische Revolution nicht oder nur wenig . Weshalb sollte hier also von diesen ausländischen Genossen die Rede sein?«

Mao nannte die Delegierten der Komintern in China »tölpelhaft«, »Ignoranten«, die »von der chinesischen Realität keine Ahnung hatten«, usw. Die Beschlüsse der Komintern waren korrekt, falsch lag Mao und die KPCh. Von den USA behauptete Mao, sie seien »klein wie eine Maus, wie ein Papiertiger«, usw.

Bezeichnend ist auch die Haltung Chinas zu den marxistisch-leninistischen Parteien - wie zu uns : Anfang der 70er Jahre begegneten wir in Peking Geng Biao. Er sagte: »China ist nicht einverstanden mit der Gründung der marxistisch-leninistischen Parteien und wünscht nicht, daß die Vertreter dieser Parteien nach China kommen. Ihr Kommen stört uns. Docj was sollen wir machen, wir können sie ja nicht hinauswerfen. Wir akzeptieren sie so, wie wir auch die Vertreter der bürgerlichen Parteien akzeptieren.« Damals hatten die Chinesen nicht nur uns eingeladen, sondern auch die opportunistische »KPD-Aufbauorganisation«, die heute nicht mehr existiert. Sie wurde von den Chinesen genauso behandelt wie wir Marxisten-Leninisten. Während wir bei den Chinesen in Ungnade fielen, wurden die Opportunisten der KPD/AO weiter hofiert. Sie treffen sich bis heute mit Reaktionären, Bürgerlichen, Faschisten und so weiter, aber nicht mit Marxisten-Leninisten.

Wir haben die Mao Tsetung Ideen lange Zeit als marxistisch-leninistisch bezeichnet. Die sektiererischen Fehler, die unsere Partei früher gemacht hat, sind nicht zuletzt auch auf die unkritische Übernahme der philosophischen Ansichten Mao Tsetungs zurückzuführen gewesen.

Studiert man Maos Schrift: »Über den Widerspruch«, dann könnte es auf den ersten Blick scheinen, daß Mao zumindest den dialektischen Satz vom »Widerspruch im Wesen der Dinge selbst«, von der »Entwicklung als `Kampf` der Gegensätze« große Bedeutung zumißt. Bei näherer Betrachtung stellt sich allerdings heraus, daß es sich bei Maos Philosophie nicht um Dialektik, sondern um die rein mechanische Verbindung zwischen den entgegengesetzten Seiten von Gegensatzpaaren handelt. Mao untersucht nicht die inneren Gesetzmäßigkeiten der Widersprüche, die zur Aufhebung beider Seiten führen, sondern er betrachtet die Einheit der Gegensätze als einfaches Nebeneinanderbestehen in einem Ding bzw in einem Prozeß. Es findet bei Mao nur ein Austausch der Plätze statt. So muß es seiner Meinung nach im Sozialismus immer wieder zur Entstehung einer neuen Bourgeoisie kommen, die dann immer wieder durch eine neue Kulturrevolution gestürzt werden soll.... » und so geht das immer weiter...«(Mao). Es ist bekannt, daß Mao auch in der Praxis den Widerspruch zwischen Bourgeoisie und Proletariat nicht zuspitzen wollte, um ihn schließlich durch Aufhebung beider Seiten zu lösen, sondern daß er ihn abschwächen und im Rahmen der kapitalistischen Verhältnisse durch »Umerziehung der Bourgeoisie« lösen wollte. Mao sagt:« Bekanntlich verwandeln sich Krieg und Frieden ineinander. Warum geschihet das? Weil in der Klassengesellschaft zwischen solchen gegensätzlichen Dingen wie Krieg und Frieden unter bestimmten Bedingungen eine Identität besteht.« Mao behauptet also allen Ernstes: Die Ursache für einen konkreten Krieg ist der vorherige Friedenszustand, die Ursache für einen Friedenszustand der vorherige Krieg. Die »Identität von Krieg und Frieden« bewirke einen konkreten Wechsel zwischen Krieg und Frieden. Das ist absurd. Ebenso geht die Nacht dem Morgen voraus, aber nicht als Ursache für den Morgen. Rein zeitliche Folgen von Ereignissen als Verhältnisse von Ursache und Wirkung zu betrachten, ist rein idealistisch und metaphysisch. Dafür gibt es bei Mao unzählig viele Beispiele. So erscheint bei Mao das rein logische Gegensatzpaar Haben/Nichthaben, Erwerb/Verlust, als Triebkraft der chinesischen Agrarrevolution. Auf diese Weise verwechselt Mao die Bewegung der Begriffe mit der Bewegung der Dinge selbst und nimmt somit einen idealistischen Standpunkt ein. Maos Platztausch bedeutet nur: zuerst gehen die meisten Impulse von der ersten Seite aus, sie ist vor allem Ursache und nur in zweiter Linie Wirkung; nach dem Platztausch ist die andere Seite vor allem Ursache und erst in zweiter Linie Wirkung. Es handelt sich also um eine rein quantitative Veränderung in einem rein kausalen Verhältnis. Die Kausalität allein kann aber die komplizierten Beziehungen zwischen den Dingen ebensowenig erklären wie die rein quantitativen Veränderungen die Bewegung der Dinge. Man kann nach Mao die Dinge immer so philosophisch hinbiegen wie es einem gerade in den Kram paßt. Und genau das hat Mao und die chinesische Führung immer getan. Die Philosophie muß stets vor den Karren der Tagespolitik gespannt werden - das ist der eigentliche Inhalt der maoistischen Philosophie. Es handelt sich noch nicht einmal um Philosophie, sondern um eine Rechtfertigungsideologie der chinesischen Führung.. Mao verlangt von dieser »Philosophie« lediglich, sie möge »elastisch« genug sein, um jede beliebige Politik zu rechtfertigen. Und in China wechselte die Politik häufig! Natürlich hat die Philosophie immer eine Klassenfrage zur Grundlage. Unbestreitbar, aber der Unterschied zwischen der bürgerlichen und der proletarischen Philosophie besteht im wesentlichen darin, daß die Philosophie des Proletariats mit den objektiven Klassenverhältnissen der Gesellschaft übereinstimmt, während die bürgerliche Philosophie dies nicht tut. Deshalb besteht die marxistisch-leninistische Philosophie letztendlich nur in der Forderung, die Gesetze der objektiven Entwicklung aufzudecken und für die praktische Veränderung der Gesellschaft im Interesse des Proletariats auszunutzen. In diesem Sinne dient die proletarische Philosophie der proletarischen Politik. Genau davon will Mao aber nichts wissen. Er behauptet vielmehr, wenn man nur wolle, könne man ohne Rücksicht auf objektive Gesetze alles erreichen. So war das klägliche Scheitern des »Großen Sprungs« in Wirklichkeit das Scheitern von Maos voluntaristischem Idealismus. Charakteristisch ist auch hier wieder die Berufung auf die »dynamische Rolle des Menschen«, »die Berge versetzen können«, und Wasser bergauf fließen lassen können. Dabei wurden die Menschen in China nicht zum Sozialismus gehoben, sondern den kapitalistischen Gesetzen unterworfen, wie man es heute nicht besser sehen kann. Engels schreibt im Gegensatz zu Mao:

»Nicht in der geträumten Unabhängigkeit von den Naturgesetzen liegt die Freiheit, sondern in der Erkenntnis dieser Gesetze und in der damit gegebenen Möglichkeit, sie planmäßig zu bestimmten Zwecken wirken zu lassen.«

Mao behauptet auch, daß sich während eines Entwicklungsprozesses der Hauptwiderspruch verändern kann, zB die verschiedenen Etappen der chinesischen Revolution. Das ist mit dem Materialismus nicht vereinbar. Wenn im Kapitalismus der Widerspruch zwischen Bourgeoisie und Proletariat nicht mehr der Hauptwiderspruch wäre, dann wäre es eben kein Kapitalismus mehr. Natürlich kann es gegenüber der Kuomigtang verschiedene Taktiken geben, aber das ändert nichts am gesellschaftlichen Hauptwiderspruch. Die Frage des Hauptkettenglieds, wie Stalin es anschaulich benutzt hat, ist aber überhaupt keine philosophische Kategorie, sondern eine rein taktische Kategorie. Die Behauptung Maos, daß die »politische Linie alles entscheidet«, hat mit dem leninistischen Prinzip des Primats der Politik gegenüber der Ökonomie nichts gemein. Politik ist konzentrierter Ausdruck der Ökonomie.

Maos Ansichten über die Wechselwirkung zwischen Gegensatzpaaren entlehnt er aus der chinesischen Mythologie, insbesondere im Taoismus finden wir die blumenreichen Vergleiche. In den Betrachtungen Laotses finden wir die wichtigsten Merkmale der maoistischen Philosophie wieder. Wie Laotse betrachtet Mao die Entwicklung nicht als Folge von qualitativen Veränderungen, als fortschreitende Bewegungen, als Entwicklung von Niederem zu Höherem, sondern als Abnahme und Zunahme, als einfache Wiederholung des Früheren, als Kreislauf, »steter Tropfen höhlt den Stein«.

Mao sagte mal:« Neulich sind manche schlechten Stücke auf die Bühne gebracht worden(...).Ich meine, es kann auch etwas davon geben, denn sonst würde man bald nicht mehr Gelegenheit haben, so etwas zu sehen (...)«. Mag der Taoismus in seiner Zeit gegenüber reaktionärem Zeitgeist eine begrenzt fortschrittliche Rolle gespielt haben, heute jedenfalls kann er nur noch eine reaktionäre Rolle spielen, wenn Mao ihn zu Lebzeiten salonfähig gemacht hat.

Die Philosophie Maos wurde den Massen als Zaubermittel verabreicht; wenn man sie studiert hat, kann man sofort jedes Problem lösen. Und wenn`s dann nicht richtig geklappt hat, dann hat man Mao nicht sorgfältig genug studiert, dann übt man Selbstkritik und vertieft sich erneut ins Studium. Wenn dann immer noch kein Erfolg da ist, bezichtigt man sich als Reaktionär oder wird als solcher kritisiert. Niemals aber kann man auf rein logischem Wege - auch nicht wenn man den Hörsaal ins Dorf verlegt - Schlußfolgerungen aus einer allgemeinen Theorie ableiten, so richtig diese Theorie auch sein mag. Niemals ist Marx von numerierten Lehrsätzen á la Mao-Bibel ausgegangen, um die Wirklichkeit in sie hineinzuzwängen. Der Prozeß ist ein geschichtlicher, und wenn er zugleich ein dialektischer ist, so ist das nicht die Schuld von Marx. Auch der dialektische Materialismus ist keine Wunderwaffe, die die Analyse der Realität ersetzt. Er hilft uns lediglich, bei der Analyse der Realität richtig vorzugehen, er kann uns vor Fehlern oder Einseitigkeit bewahren. Fehler haben wir in der Geschichte der Partei reichlich gemacht. Es waren vor allem unsere sektiererischen Fehler, die ihre Ursachen in den Mao Tsetung Ideen hatten.

Wir können bei aller Betrachtung nicht umhin zuzugeben, daß neben Idealismus und Metaphysik auch Materialismus und Dialektik einfließt. Aber das macht die Sache nicht besser. Im Gegenteil, durch die Vermischung von bürgerlicher und sozialistischer Ideologie werden revolutionäre Kräfte verwirrt - und das eben macht Revisionismus aus. Insofern sprechen wir auch von revisionistischen Mao Tsetung Ideen, können wir nachweisen, daß der Ursprung des chinesischen Revisionismus in den Mao Tsetung Ideen verwurzelt ist. Die ist um so wichtiger festzustellen, als viele Leute zu behaupten versuchen, Mao sei Marxist-Leninist, aber seine Gegener in der Chinesischen Partei hätten ihn »verfälscht« oder »mißbraucht« oder »unter den Teppich gekehrt«. Nach Ansicht dieser Leute bräuchte man nur die Mao Tsetung Ideen aus den Fängen der Opportunisten befreien und alles wäre wieder marxistisch-leninistisch. So ist es eben nicht. Und es wäre ein historisch nicht wieder gut zu machenden politischer Fehler, wieder auf Maos Gleis zurückzufahren. Der Revisionismus hat seine Chance vertan!

Dies ist keine allumfassende Kritik an Mao Tsetung. Wer sich also näher mit der Frage der Mao Tsetung Ideen aus Sicht des Marxismus-Leninismus noch intensiver beschäftigen möchte, kann bei unserer Kontaktadresse Literatur hierzu bestellen.