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Diese Webseite wurde veröffentlicht aus Anlass des

155. Geburtstags und 75. Todestags von Nadeshda Krupskaja

 

 

Stellungnahme der Komintern (SH)

vom 26. Februar 2014

 

 

Im Winter 1894 lernte Lenin Nadeshda Konstantinowna Krupskaja kennen. Sie war Lehrerin an der Abendschule im Newski-Vorort von Petersburg. Seitdem war N. K. Krupskaja engster Freund und Genossin Lenins während seines gesamten revolutionären Kampfes - bis zu seinem Lebensende.

Krupskaja stimmte nicht immer mit dem Genossen Stalin und der Mehrheit der bolschewistischen Partei überein, vor allem nicht kurz vor und nach dem Tod von Lenin. Die Feinde des Leninismus versuchten, diese kritische Zeit für sich auszunutzen, als die Frage auf der Tagesordnung stand: "Wer wird Nachfolger von Lenin ?"
Im Verlauf des innerparteilichen Kampfes wurde der Block der Trotzkisten und Rechten von Stalin vernichtend geschlagen.

Bis auf den heutigen Tag wird von verschiedenen Seiten versucht, mit Hilfe der Figur Krupskaja einen Keil zwischen Lenin und Stalin, einen Keil zwischen Leninismus und Stalinismus zu treiben. Verschiedene Lakaien der Bourgeoisie sind weiterhin bemüht, den Kommunismus und seine Führer zu diskreditieren, die kommunistische Bewegung von ihren Führern zu spalten und sie der Arbeiterklasse zu entfremden, den Kommunismus zu shwächen und zu liquidieren. Dies ist der Grund, warum wir hier auf dieser Webseite unsere eigene Stellungnahme über Krupskaja als Vorwort veröffentlichen.

Was die Einschätzung der Genossin Krupskaja anbelangt, so grenzt sich die Komintern (SH) heute von zweierlei politischen Strömungen ab, die sich beide nur scheinbar widersprechen, sich in Wahrheit aber ergänzen - zwei Strömungen also, die sich gemeinsam gegen den Leninismus-Stalinismus und letztlich auch gegen Krupskaja selbst richten.

(1)

Wir verteidigen Krupskaja erstens gegen diejenigen, die sie fälschlicherweise als "Revisionistin" abzustempeln versuchen. Allein der Gedanke, dass Lenin sein ganzes Leben mit einer angeblichen "Revisionistin" geteilt haben soll, ist völlig absurd. Diese Beschuldigung ist also nicht nur ein Angriff auf Krupskaja, sondern letztendlich auch auf Lenin. Es ist also eine völlig ungerechtfertigte Beschuldigung, die wir entschieden zurückweisen müssen, auch wenn diese politische Strömung nur von einer sehr kleinen Minderheit vertreten wird.

Krupskaja war nicht nur die Frau Lenins, sondern eine Genossin der bolschewistischen Partei - und das bis zu ihrem Lebensende. Sie hat an der Seite Lenins wichtige Arbeit zum Aufbau der bolschewistischen Partei geleistet, und auch nach Lenins Tod hat sie aktiv am Aufbau des Sozialismus teilgenommen - trotz ihrer Krankheit, unter der sie seit 1912 zu leiden hatte. Selbst Stalin, der - wie jeder weiß - nicht immer mit Krupskaja einverstanden war und sich oftmals gezwungen sah, sie in ihre Schranken weisen zu müssen, hat die Parteiarbeit von Krupskaja durchaus geschätzt. Wer also Krupskaja als angebliche "Revisionistin" abstempelt, stellt sich nicht nur gegen Lenin, sondern auch gegen Stalin, der ist kein Stalinist. Die Geschichte hat bewiesen, dass es die bolschewistische Partei mit Stalin an der Spitze war, die das Erbe Lenins nicht nur ehrenvoll verteidigt, sondern auch glänzend bereichert hat.

Krupskaja darf also weder den Trotzkisten, noch den Revisionisten zugeordnet werden. Sie gehörte nicht wie die Trotzkisten und Revisionisten dem konterrevolutionären Lager der Bourgeoisie an, sondern dem Lager des Proletariats, dem Lager des Kommunismus, dem Lager der Revolution.

Kurz:

Krupskaja war eine gute Kommunistin, wenn auch zum Teil mit schwer wiegenden Fehlern behaftet.

Ebenso wie Rosa Luxemburg Fehler begangen hat, hat auch Krupskaja Fehler gemacht. Aber deswegen sind und bleiben sie für uns Revolutionärinnen und keine Konterrevolutionärinnen - wie es einige "Edelkommunisten" frech behaupten. Lenin hat Rosa Luxemburg niemals als Konterrevolutionärin abgestempelt. Und genauso wenig hat dies Stalin gegenüber Krupskaja getan.

Stalin liquidierte Konterrevolutionäre, aber nicht Kommunisten wie Krupskaja.

Was unsere Gegner mit ihre abenteurlichen Behauptung bezwecken, ist doch klar - die Diskreditierung von kommunistischen Führern - allein deswegen, weil sie schwere Fehler begangen haben. Diese falsche und gefährliche Haltung gegenüber den Fehlern Krupskajas entspricht der politischen Strömung des Liquidatorentums.

Dazu hat Stalin Folgendes gesagt:

"Die Politik des Absägens birgt in sich große Gefahren für die Partei - heute hat man den einen abgesägt, morgen kommt der andere, übermorgen ein dritter dran, und was bleibt dann in der Partei?" (Stalin, Band 7, Seite 330).

Krupskaja unterscheidet sich von den Feinden der Arbeiterklasse dadurch, dass sie fähig und bereit war, ihre schwer wiegenden Fehler abzulegen und zu korrigieren.

Verräter an der Arbeiterklasse sind hingegen weder fähig noch bereit, von ihrem Verrat abzurücken, geschweige denn ihren Verrat in der Praxis zu korrigieren und zu überwinden.

Das eben unterscheidet solche Genossen und Genossinnen wie Krupskaja von Verrätern an der Arbeiterklasse.

Wer diesen gravierenden Unterschied nicht sieht oder nicht sehen will, wer Genossinnen und Genossen wegen ihrer Fehler in einen Topf wirft mit den Verrätern an der Arbeiterklasse, hat das Wesen bolschewistischer Kritik und Selbstkritik nicht verstanden, leugnet die Grundprinzipien des Marxismus-Leninismus.

 

(2)

Und zweitens verteidigen wir Krupskaja gegen diejenigen, die ihre schwer wiegenden Fehler vertuschen bzw., sie von ihren Fehlern freizusprechen versuchen.

Diese letztere politische Strömung wurde damals von den modernen Revisionisten, insbesondere von den Chruschtschowianern, vertreten (siehe Chruschtschows Geheimbericht auf dem XX. Parteitag). Heute haben die Maoisten dieses revisionistische Banner erneut erhoben, weswegen wir der zweiten politischen Strömung, dem Neo-Revisionismus, unsere besondere Aufmerksamkeit zuwenden müssen.

Die Maoisten (MLPD in Deutschland) nehmen in ihrer "Krupskaja-Biografie" (von Volker Hoffmann) eine anti-stalinistische Haltung ein, die wir so nicht kritiklos unbeantwortet stehen lasssen können.

Die MLPD beschreibt Krupskaja als eine "unerschrockene Kritikerin mancher Entscheidungen des von Stalin geführten ZK."

"Nichts liegt uns ferner, als Nadezhda Konstantinovna dafür zu tadeln, nicht entschieden und offen genug mit der Bürokratie zu brechen." Dieses typisch kritische "Bürokratie"-Zitat von der MLPD ist aber nicht von der MLPD, sondern stammt von Trotski (4. März 1939). Die verblüffende Ähnlichkeit beider Zitate ist unübersehbar. Offensichtlich folgen die Maoisten den Spuren Trotskis. Das ist nichts Neues. Und so kann es auch nicht wundern, dass die MLPD Krupskajas Fehler eben in der Manier eines Trotzki in den Himmel loben.

Seit wann aber lobt eine marxistisch-leninistische Partei die "Unerschrockenheit" von Stalin-Kritikern ? Damit leitet die MLPD in Wahrheit Wasser auf die Mühlen der Trotzkisten und Revisionisten. Und damit unterscheidet sich die MLPD im Wesentlichen in Nichts vom Anti-Stalinismus der Bourgeoisie ! Die MLPD ist eine anti-stalinistische Partei, ist eine anti-marxistisch-leninistische Partei, die den Namen "Marxistisch-Leninistische Partei" nicht verdient. Das ist die Auffassung der Komintern (SH).

Hat es denn jemals Entscheidungen des von Stalin geführten ZK's gegeben, die sich gegen den Marxismus-Leninismus gerichtet haben ? Bitte schön, wir sind ganz Ohr, verehrte Damen und Herren von der MLPD. Ihr wisst doch genau, dass eine Kritik an dem von Stalin geführten ZK sich stets als nichts Anderes herausgestellt hat, als eine Kritik am Leninismus. Solche Leute wie die von der MLPD kritisieren den Stalinismus, wobei sie in Wirklichkeit den Leninismus treffen wollen.

Stalin und mit ihm übrigens das ganze ZK und die ganze Partei haben Krupskajas anti-leninistische Position vollkommen zu Recht kritisiert und übrigens auch die Komintern. Dies ist durch Dokumente eindeutig bewiesen und hält somit jeglicher Kritik stand. Es ist also völlig klar, dass wir Stalinisten-Hoxhaisten diese stalinistische Kritik an Krupskaja voll und ganz verteidigen gegenüber den Maoisten und anderen Anti-Stalinisten.

Übrigens, mit keinem Wort hatte Krupskaja Stalins führende Stellung in der Oktoberrevolution gewürdigt (zum Beispiel wird Stalin mit keinem Wort in dem Vorwort erwähnt , das Krupskaja zum Buch von John Reed geschrieben hatte, in dem Trotzki in höchsten Tönen gepriesen wird und das Wort "Stalin" gar nicht vorkam ["10 Tage, die die Welt erschütterten"].

Zweifellos. Krupskaja kollaborierte verdeckt und schließlich auch offen mit den Trotzkisten, mit Kamenew und Sinowjew usw., die ja nicht nur Stalins Nachfolge von Lenin verhindern wollten, sondern die der Bourgeoisie dabei halfen, die junge Sowjetrepublik von ihrem Weg zum Sozialismus abzuhalten und die boloschewistische Partei zu liquidieren.

Es ist doch klar, dass wir Stalinisten-Hoxhaisten nicht die Verdienste von Krupskaja würdigen können, ohne über Krupskajas Fehler aufzuklären.

Die Maoisten schwimmen in ihrer Haltung zu Krupskaja im Fahrwasser der modernen Revisionisten. In Worten kritisieren sie zwar die Chruschtschowianer, aber in ihrer "Krupskaja-Biografie" teilen sie im Grunde genommen deren Kritik an Stalin. Die Maoisten folgen damit treu der Kritik Maos an Stalin. Den Stalinismus in Worten anerkennen, ihn aber in Taten bekämpfen, das macht die ganze Doppelzüngelei, den heutigen Verrat der Neo-Revisionisten an Stalin aus.

Auf die Person Krupskajas zurückgreifend rehabilitierten damals die Chruschtschowianer den Trotzkismus.

Auf die Person Krupskajas zugreifend rehabilitieren heute die Maoisten die Chruschtschowianer.

Krupskaja wird gern pauschal von fast allen Gegnern des Stalinismus herangezogen, obwohl Krupskaja in ihrem gesamten Leben nur für eine relativ kurze Zeit eine offen anti-leninistische Haltung eingenommen hatte.

 

* * *

 

Wir nehmen also weder eine rechte noch eine "linke" oder gar eine zentristische Stellung gegenüber Krupskaja ein.

Wir nehmen nur die einzig richtige revolutionäre Haltung ein, wie sie auch Stalin eingenommen hatte, der nämlich die gemachten Fehler von Krupskaja offen und schonungslos kritisierte und ihr bei der Überwindung ihrer Fehler solidarisch die Hand reichte. Stalin und die bolschewistische Partei führten Krupskaja wieder zurück auf den richtigen Weg und halfen ihr, sich wieder voll in den Dienst der bolschewistischen Partei zu stellen und bis zum Schluss für den Kommunismus zu kämpfen.

Die Kritik an Krupskaja hat Stalin und die bolschewistische Partei also überhaupt nicht davon abgehalten, sie als stellvertretende Bildungskomissarin auf einen verantwortungsvollen, führenden Posten der Sowjetunion zu stellen, nachdem sich Krupskaja von der parteifeindlichen "Opposition" selbstkritisch abgekehrt hatte.

Der Einschätzung des Genossen Stalin und der bolschewistischen Partei folgend möchte die Komintern (SH) am heutigen Tage die Verdienste der Genossin Nadeshda Krupskajas würdigen, ohne dabei zu versäumen, auf ihre schwer wiegenden Fehler hinzuweisen.

Komintern (SH) - 26. Februar 2014

 

 

 

Nadeshda Krupskaja

26. 2. 1869 - 27. 2. 1939

 

Zum 155. Geburtstags und 75. Todestag von

Nadeshda Krupskaja

26. Februar 2014

 

Der Name Nadeshda Konstantinowa Krupskaja ist für immer in die Geschichte der Kommunistischen Partei der Sowjetunion, ja der ganzen internationalen kommunistischen und Arbeiterbewegung eingeschrieben. Nicht allein bei den Völkern der Sowjetunion, sondern in allen Ländern der Erde hat er einen guten Klang. […] Schon in jungen Jahren reihte sich Nadeshda Krupskaja unter die Kämpfer gegen Zarismus und Kapitalismus ein; sie verbreitete die Ideen des Marxismus bei den Arbeitern, setzte all ihre Kräfte und Kenntnisse für die Befreiung der Arbeiterklasse und aller Werktätigen von Unterdrückung und Ausbeutung ein. Für Wladimir Iljitsch Lenin war Nadeshda Krupskaja als seine Ehefrau zugleich auch der engste Freund und Kampfgefährte. Seite an Seite mit ihm ging sie seinen schwierigen und ruhmvollen Weg. Tapfer ertrug sie alle Verfolgungen durch das Zarenregime, nahm sie Gefängnishaft, Verbannung und lange Jahre unfreiwilliger Emigration auf sich. Clara Zetkin sagte von ihr: ‘Die innigste Gemeinschaft des Lebensweges und Lebenswerkes vereinigte sie mit Lenin … Sie war >Lenins rechte Hand< , sein oberster und bester Sekretär, seine überzeugteste Ideengenossin.' Besonders bedeutsam ist, was Nadeshda Krupskaja für den Sieg der Kulturrevolution im Sowjetland getan hat, das heißt für das Volksbildungswesen, die politische Bildungsarbeit und die kommunistische Erziehung. Sie war eine hervorragende Theoretikerin der marxistischen Pädagogik. Daher erwarb sie sich große Verdienste um die Entwicklung der pädagogischen Wissenschaft wie auch um den Aufbau des Schulwesens und des Systems der Erwachsenenbildung in der Sowjetunion. Nadeshda Krupskaja hat ihr ganzes Leben der Partei Lenins und dem Wohl der Werktätigen gewidmet.

 

 

Biographische Notizen

Wir unterscheiden drei politische Zeitabschnitte auf ihrem Lebensweg, wobei der zweite (kurze) Zeitabschnitt nicht im Dienste der Revolution, sondern im Dienste der Konterrevolution stand.

 

1. Zeitabschnitt:

Krupskajas Parteiarbeit bis kurz vor Lenins Tod


Krupskaja, geboren 1869, wurde in den ersten Jahren ihres Lebens hauptsächlich in ihrer Familie unterrichtet: Mit 10 Jahren besuchte sie das Gymnasium, wobei ihr Vater es ihr ermöglicht, von einer konservativen auf eine eher demokratisch gesinnte Schule zu wechseln. Mit 14 Jahren beginnt Krupskaja selber Stunden zu geben, um nach dem Tod des Vaters zum Unterhalt der Familie beizutragen und vor allem ihren Schulbesuch zu finanzieren. Mit 18 erwirbt sie mit einem ausgezeichneten Abschluss der Schule das Recht, als Hauslehrerin zu arbeiten, erhält aber keine Stellung. Vielmehr beginnt sie 1891 für insgesamt fünf Jahre als Lehrerin an einer Arbeiterabend- und Sonntagsschule in einen Vorort von Petrograd zu arbeiten. Krupskaja hat also pädagogische Praxis, die sie in ihre Politik einbringt.
Ihre Familie stammt aus dem verarmten Landadel Russlands, ihr Vater ist zeitweise in Polen eingesetzt und wird wegen demokratischer Bestrebungen aus dem Dienst entlassen.
In ihrer Zeit als Lehrerin der Arbeiterabend- und Sonntagsschule versteht sie sich schon als Marxistin.
Unumstritten ist , dass Krupskaja in den Schriften von Marx und Engels den allein gangbaren Weg zur Befreiung der Menschheit erblickt. Für sie galt, dass die von Marx und Engels dargelegten Analysen eine exakte wissenschaftliche Analyse der gesellschaftlichen Verhältnisse darstellen. In ihrer Hochschätzung der Wissenschaft galt für sie als ausgemacht, dass es nicht nur eine Wissenschaft von der Befreiung der Menschheit geben müsste, sondern dass diese, wenn sie einmal verfasst wirden war, auch revolutionär umgesetzt werden müsse.
Als Krupskaja 1891 begann, als Lehrerin zu arbeiten, war sie schon an der illegalen Arbeit der russischen Sozialdemokratie beteiligt. Sie war politisch aktiv und machte ihre Schüler mit dem sozialdemokratischen Gedankengut vertraut.

Sie lernte in diesen Jahren ihren zukünftigen Mann, Wladimir Iljitsch Uljanow Lenin, kennen. Dies tat sie in erster Linie als politische Person, die mit Lenin zusammenarbeitete und zwar zu einer Zeit, als dieser sich noch mit dem Aufbau von sozialdemokratischen Zirkeln beschäftigte. Krupskaja übernahm die Rolle des Stellvertreters, der bei einer Verhaftung Lenins die Leitung des sozialdemokratischen Zirkels „Kampfbund zur Befreiung der Arbeiterklasse“ in St. Petersburg übernehmen sollte. Diese Aufgabe erfüllte Krupskaja dann auch als Lenin 1895 verhaftet wurde. Im Jahr 1895 nahm Krupskaja an der Arbeit der Organisation "Kampfbund zur Befreiung der Arbeiterklasse" in St. Petersburg großen Anteil. Im August 1896 wurde auch sie festgenommen.

Bis zur Revolution 1917 hatte Krupskaja beständig ähnlich verantwortungsvolle Posten in der bolschewistischen Bewegung inne. So war sie beispielsweise Sekretärin der Zeitschrift „Iskra“, die von Lenin geleitet wurde, und organisierte das Netz der Informatinnen und Informanten in Russland. Nach der „bürgerlichen Revolution“ von 1905 koordinierte sie ebenso die legalen und später illegalen Aktivitäten der „Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Russlands“ (SDAPR), der späteren KPdSU. Obgleich die Ehe mit Lenin ihr einen Zugang zur Einflussmöglichkeiten verschaffte, den andere nicht hatten, wäre es dennoch vollkommen falsch, sie als Anhängsel zu betrachten. Sie arbeitete eng mit Lenin zusammen, trug aber auch selber Verantwortung und prägte selbstständig die kommunistische Bewegung und später vor allem den Bildungsbereich in der Sowjetunion mit.

Ab 1897 wurde Lenin für drei Jahre in das sibirische Dorf Schuschenskoje verbannt. 1898 wurde auch Krupskaja für drei Jahre verbannt, allerdings in das Gouvernement Ufa (südliches Uralgebirge). Eine Möglichkeit, ebenfalls nach Schuschenskoje zu gelangen, war die Heirat mit Lenin, die polizeilich beantragt und kirchlich vollzogen werden musste.

Krupskaja war seit 1898 Mitglied der Kommunistischen Partei.

 

Arbeit in der Emigration


1901 befinden sich Krupskaja, Lenin und zahlreiche andere russische Revolutionärinnen und Revolutionäre im Ausland. Lenin und seine Gruppe arbeiten daran, die SDAPR vom Ausland aus zu leiten. Sie gründen eine Zeitschrift, die Iskra, und versuchen von dieser ausgehend, eine größere Organisation aufzubauen. Dabei sind Krupskaja, Lenin und der Rest der Gruppe schon damals von einer Avantgarde-Funktion der Partei überzeugt. Krupskaja organisiert die Kontakte zu verschiedenen Gruppen, insbesondere zu denen nach Russland, mit denen nur codiert kommuniziert werden konnte. Die Gruppen liefern Informationen und erhalten in gewisser Weise eine systematisierte Sicht auf die Lage der Dinge von der Iskra zurück. Aus diesem Zusammenhang und anderen Gruppen, die in der Emigration arbeiten, formiert sich die SDAPR.

Krupskaja beginnt, selber publizistisch tätig zu sein. Die ersten Artikel hat sie noch in der Verbannung veröffentlicht, ebenso hat sie dort ihre erste Broschüre „Die Arbeiterin“ bzw. „Die arbeitende Frau“ geschrieben, die 1901 veröffentlicht wird. Die meisten ihrer Arbeiten beschäftigen sich mit pädagogischen Fragen.
Nach dem Ende ihrer Verbannungszeit reist Krupskaja aus, trifft sich mit Lenin und ist ab diesem Zeitpunkt fast immer dort, wo ihr Mann ist. Gleichzeitig übernimmt Krupskaja wichtige Posten in der Partei. Nach der bürgerlichen Revolution 1905 kehren sie nach Russland zurück, bis sie nach Monaten in der Illegalität 1907 wieder ausreisen. Ende 1906 ist sie in Kuokkala (Finnland) als Sekretärin des Zentralkomitees der Partei tätig.

In Genf war Krupskaja Sekretärin der Zeitung "Proletariat " und der Zeitung " Sozialdemokrat " .

Im Exil, in der Schweiz, besichtigte sie etliche Schulen, um diese mit den Schulen in Russland zu vergleichen. Sie beschäftigte sich auch mit anderen Schulprojekten, insbesondere der Reformpädagogik und arbeitet die Leitlinien einer polytechnischen Erziehung aus. Nicht zuletzt waren sie und Lenin eifrige Nutzerinnnen der Bibliotheken in der Schweiz, in Großbritannien und überall anders, wo sie sich im Exil befanden. Sie beide lernten relativ gut funktionierende Bibliothekssysteme kennen, die sie für ihre regelmäßige Arbeit – und das war nun mal die Revolution und die Organisation des Proletariats – benutzten.


Spätestens während dieser Zeit eignete sich Krupskaja aber auch eine Denkweise an, die der bolschewistischen Bewegungen an sich eigenen war und späterhin auch das gesamte Bildungswesen der Sowjetunion prägte: die Idee der proletarischen Parteilichkeit.

Im Jahr 1911 war sie Lehrerin an der Parteischule . Ab 1912 half sie Lenin in Krakau bei der Verbindung mit der Zeitung die "Wahrheit" und der bolschewistischen Fraktion der 4. Staatsduma . Am Ende 1913 - Anfang 1914 beteiligte sie sich an der Organisierung der Veröffentlichung der bolschewistischen Zeitschrift " Arbeiter. "
Krupskaja war Delegierte auf dem vierten Parteitagund auf dem 6. Parteitag (Prag) . Sie war die Verantwortliche für viele Parteiversammlungen bis 1917 (zB. Delegierte auf der 7. April -Konferenz.


Bei der Schaffung der sozialistischen Jugendverbände war sie ebenfalls aktiv beteiligt.

In den Tagen des Oktober- Aufstandesals war Krupskaja Mitglied des Vyborger Bezirkskomitees der SDAPR (B).

Krupskaja war an der Revolution 1917 selbstverständlich beteiligt. Sie war damals in der Duma eines St. Petersburgers Stadtbezirk Abgeordnete, leitet dort die „Kommission für Kultur und Aufklärung“. Sie hatte den Kontakt zwischen der Parteiführung und Lenin aufrecht erhalten, der im Juni wieder untertauchen musste.

Nach der Errichtung der Sowjetmacht war Krupskaja Mitglied des Volkskommissariats der RSFSR und arbeitete die ersten Dekrete über öffentliche Bildung aus. Sie war einer der Organisatoren der politischen Öffentlichkeitsarbeit. Im Jahre 1918 wurde sie zum ordentlichen Mitglied der Sozialistischen Akademie der Sozialwissenschaften gewählt.
Sofort nach der Machtübernahme übernahm sie das Volkskommissariat für Bildungswesen (Narodny Kommissariat Prosweschtschenija) und dort praktisch die Kontrolle über die gesamte außerschulische Bildung. Sie ist praktisch stellvertretende Bildungsministerin Sowjetrusslands ab 20. November 1920. Nicht nur die Berufsausbildung, sondern auch die Bibliotheken sind ihr untergeordnet.

Seit 1921 ist sie Vorsitzende der wissenschaftlichen und methodischen Abteilung der staatlichen Bildungsinstitutionen.

Es ist ihr Verdienst, dass sie immer wieder die Bedeutung der Bildung in den obersten Gremien betonte und Beschlüsse anstieß. Dabei war es sicherlich nicht von Nachteil, dass Lenin sie dabei immer wieder unterstützte, indem er beispielsweise Beschlussvorlagen selber übernahm oder sich explizit für sie aussprach. Aber darauf lässt sich der Einfluss von Krupskaja nicht beschränken. Sie schaffte es, Bildungsthemen beständig neu anzusprechen und Diskussionen um die Gestaltung des Bildungswesens zu führen. Sie war der Überzeugung, dass der Marxismus-Leninismus Grundvoraussetzung für die Schaffung einer gebildeten Bevölkerung ist. Eine möglichst breite Bildung ist Grundlage des sozialistischen Wirtschaftsaufbaus und der späteren kommunistischen Gesellschaft.

 

 

2. Zeitabschnitt:

Krupskajas Abkehr vom Leninismus kurz vor und nach Lenins Tod.


1923 wurde Lenin nach einem (weiteren) Schlaganfall für rund ein halbes Jahr ans Bett gefesselt und war auch nicht mehr in der Lage, zu sprechen. In dieser Zeit pflegte Krupskaja ihn. Diese Monate entschieden über den weiteren Verlauf der Geschichte.
Nachdem Lenin im Januar 1924 starb, trat Krupskaja oppositionell zu Stalin auf, stellt sich einige Monate auf die Seite Trotzkis. Auf dem XIV. Parteitag der KPdSU (B) im Januar 1925, auf dem die „linke Opposition“ um Trotzki vernichtend geschlagen wurde, musste auch Krupskaja eine Niederlage einstecken. Sie wurde nicht gehört und bejubelt, wie bei den Parteitagen zuvor, sondern wurde als Gegnerin der Revolution kritisiert.

Nach Lenins Tod im Jahre 1924 beteiligte sich Krupskaja aktiv und offen an der anti-leninistischen Opposition. Krupskaja gehörte bis Oktober 1926 zur Opposition. Sie unterzeichnete den wichtigsten politischen Aufruf, den die Trotzki-Sinowjew-Opposition in dieser Zeit herausbrachte, die 'Erklärung der Dreizehn' (außerdem ein Protestschreiben gegen die sowjetische Politik in der Frage des Englischen Generalstreiks von 1926 usw.).

Sie widersetzte sich der Generallinie der Partei, den Sozialismus "in einem" Land aufzubauen. Auf dem XIV. Parteitag der KPdSU (B) - [ 18. - 31. Dezember 1925 ] - wurden die Kapitulantenpläne der Oppositionellen ( die auch von Krupskaja unterzeichnet worden waren !) zurückgewiesen. Der Parteitag beauftragte das ZK, alle Versuche, die Einheit der Partei zu untergraben, entschlossen zu bekämpfen. Stalin fasste die Ergebnisse des XIV. Prteitags in seiner Scvhrift: "Fragen des Leninismus" wie folgt zusammen:

"Die historische Bedeutung des XIV. Parteitags der Kommunistischen Partei der Sowjetunion besteht darin, dass er es verstand, die Fehler der neuen Opposition bis auf die Wurzeln aufzudecken, dass er ihren Unglauben und ihr Flennen völlig unbeachtet ließ, klar und deutlich den Weg des weiteren Kampfes für den Sozialismus vorzeichnete, der Partei die Perspektive des Sieges gab und damit das Proletariat mit dem unerschütterlichen Glauben an den Sie des sozialistischen Aufbaus ausgerüstet hat." (zitiert aus: "Geschichte der KPdSU (B) [Kurzer Lehrgang] , Seite 347).

 

Krupskaja stellte sich offen gegen den Genossen Stalin, der die Anpassung des Leninismus an den Trotzkismus vereitelte. Die bolschewistische Partei war nicht nur durch die Krankheit und den Tod des Genossen Lenin schwer getroffen und geschwächt, sondern auch durch wirtschaftliche und viele andere Schwierigkeiten der jungen Sowjetrepublik. In dieser gefährlichen Situation sahen die Trotzkisten ihre Stunde gekommen, die Sowjetrepublik samt leninistischer Partei mit ins Grab von Lenin zu versenken. Trotski sammelte alle anti-leninistischen Elemente in der Partei um sich und schusterte eine "Plattform von 46 Oppositionellen" um sich, um die Parteiführung zu stürzen. Diese Opposition setzte sich aus Elementen der verschiedenen anti-leninistischen Gruppierungen zusammen wie die Trotzkisten, die Dezisten, die Überreste der "linken Kommunisten" und der "Arbeiteropposition". Krupskaja stand mitten im Lager dieser anti-leninistischen Opposition. So unterstützte sie die von den Trotzkisten initiierte Diskussion zur Wiederherstellung der Fraktionen, die Lenin mit dem X. Parteitag verboten hatte. Das war also eine parteifeindliche Diskussion, die der Partei aufgezwungen worden war. Aber die Diskussion verhalf den Trotzkisten nicht zur gewünschten Machtübernahme. Unter Führung des Genossen Stalin wurden die Trotzkisten im Januar 1924 aufs Haupt geschlagen. Die Opposition wurde von der XIII. Parteikonferenz als "kleinbürgerliche Abweichung vom Marxismus" verurteilt. Die Beschlüsse dieser Konferenz wurden in der Folge vom XIII. Parteitag und vom V. Weltkongress der Komintern gebilligt:

"Die von Trotzki provozierte Parteidiskussion war nicht nur ein Versuch, die Reihen der KPR zu desorganisieren, sie hat auch der gesamten Kommunistischen Internationale im höchsten Grade geschadet. Das erweiterte Plenum des EKKI stellt sich daher voll und ganz hinter die Beschlüsse des Plenums des ZK der KPR." (RESOLUTION DES 5. PLENUMS ÜBER DIE DISKUSSION IN DER KOMMUNISTISCHEN PARTEI RUSSLANDS - veröffentlicht am 11. Mai 1925).

Somit hatte auch das internationale kommunistische Proletariat die bolschewistische Partei in ihrem Kampf gegen den Trotzkismus unterstützt und sich somit gegen Krupskaja gestellt. Krupskaja nahm als Delegierte am II., IV., VI. und VII.Kongresses der Komintern teil, aber eben zum V. Weltkongress, der mit dem Trotzkismus abrechnete, war Krupskaja nicht als Delegierte gewählt worden.

 

Stalins Kritik an Krupskaja:

Stalins Schlusswort zum politischen Rechenschaftsbericht des Zentralkomitees auf dem XIV. Parteitag der KPdSU (B) vom 23. Dezember 1926:

 

6. Über die NÖP
Die Frage der NÖP. Ich denke hier an Genossin Krupskaja und ihre Rede zur Frage der NÖP.
Sie sagt: „Die NÖP ist im Grunde genommen Kapitalismus, der unter gewissen Bedingungen
zugelassen wird, ein Kapitalismus, den der proletarische Staat an der Kette hält...” Ist das
richtig? Ja und nein. Dass wir den Kapitalismus an der Kette halten und halten werden,
solange er existiert, das ist eine Tatsache, das ist richtig. Dass aber die NÖP Kapitalismus sei,
das ist Unsinn, blühender Unsinn. Die NÖP ist eine besondere Politik des proletarischen
Staates, berechnet auf die Zulassung des Kapitalismus, wobei sich die Kommandohöhen in
den Händen des proletarischen Staates befinden, berechnet auf den Kampf zwischen den
kapitalistischen und den sozialistischen Elementen, berechnet auf die wachsende Rolle der
sozialistischen Elemente zum Nachteil der kapitalistischen Elemente, berechnet auf den Sieg
der sozialistischen Elemente über die kapitalistischen Elemente, berechnet auf die
Abschaffung der Klassen, auf den Aufbau des Fundaments der sozialistischen Ökonomik.
Wer diese Übergangsnatur, diese zwiespältige Natur der NÖP nicht begreift, der wendet sich
vom Leninismus ab. Wenn die NÖP Kapitalismus wäre, so wäre das Rußland der NÖP, von
dem Lenin sprach, ein kapitalistisches Rußland. Aber ist etwa das heutige Rußland ein
kapitalistisches und nicht ein im Übergang vom Kapitalismus zum Sozialismus befindliches
Rußland? Weshalb hat dann Lenin nicht einfach gesagt: „Aus dem kapitalistischen Rußland
wird das sozialistische Rußland werden”, sondern es vorgezogen, eine andere Formel zu
geben:
„Aus dem Rußland der NÖP wird das sozialistische Rußland werden”? Ist die Opposition mit
Genossin Krupskaja einverstanden in der Behauptung, dass die NÖP Kapitalismus sei, oder
nicht? Ich glaube, auf dem Parteitag wird sich kein Delegierter finden, der mit der Formel der
Genossin Krupskaja einverstanden wäre. Genossin Krupskaja hat über die NÖP (möge sie mir
verzeihen) reinen Unsinn geredet. Man kann hier nicht Lenin gegen Bucharin mit solchem
Unsinn verteidigen.

 

9. Zur Geschichte der Meinungsverschiedenheiten

Gestatten Sie mir, jetzt zur Geschichte unseres internen Kampfes innerhalb der Mehrheit des
Zentralkomitees überzugehen. ...

Ferner die Frage Bucharin. Ich denke an die Losung „Bereichert euch!” Ich habe Bucharins
Aprilrede im Auge, in der ihm der Ausdruck „Bereichert euch!” entschlüpfte. Zwei Tage
später wurde die Aprilkonferenz unserer Partei eröffnet. Niemand anders als ich erklärte im
Präsidium dieser Konferenz in Anwesenheit Sokolnikows, Sinowjews, Kamenews und
Kalinins, dass die Losung „Bereichert euch!” nicht unsere Losung ist. Ich erinnere mich nicht,
von Bucharin einen Einwand gegen diesen Protest gehört zu haben. Als Genosse Larin auf der
Konferenz das Wort verlangte, offenbar gegen Bucharin, da war es kein anderer als Sinowjew,
der damals forderte, man solle ein Auftreten gegen Bucharin nicht zulassen. Danach aber
sendet Genossin Krupskaja einen Artikel gegen Bucharin ein und fordert seine
Veröffentlichung. Bucharin will natürlich nicht die Antwort schuldig bleiben und schreibt
seinerseits einen Artikel gegen Genossin Krupskaja. Die Mehrheit des ZK beschließt, keinen
einzigen Diskussionsartikel zu veröffentlichen, keine Diskussion zu eröffnen und es Bucharin
nahe zu legen, die Unrichtigkeit der Losung „Bereichert euch!” in der Presse einzugestehen,
womit er sich einverstanden erklärt und was er dann, nach seiner Rückkehr vom Urlaub, in
seinem Artikel gegen Ustrjalow, auch tut. Jetzt glauben Kamenew und Sinowjew,
irgendjemand mit dem Popanz eines „Verbots” einschüchtern zu können, indem sie sich in
der Manier von Liberalen darüber entrüsten, dass wir die Veröffentlichung des Artikels der
Genossin Krupskaja verboten haben. Damit werden Sie niemand einschüchtern. Erstens haben
wir nicht nur den Artikel der Genossin Krupskaja, sondern auch den Artikel Bucharins nicht
veröffentlichen lassen. Zweitens frage ich, warum wir nicht das Recht haben sollen, die
Veröffentlichung eines Artikels der Genossin Krupskaja zu verbieten, wenn die Interessen der
Parteieinheit das von uns fordern? Und wodurch unterscheidet sich eigentlich Genossin
Krupskaja von jedem anderen verantwortlichen Genossen? Glauben Sie etwa, die Interessen
einzelner Genossen müssten höhergestellt werden als die Interessen der Partei und ihrer
Einheit? Wissen denn die Genossen von der Opposition nicht, dass für uns Bolschewiki der
formale Demokratismus keinen Pfifferling wert ist, die realen Interessen der Partei aber alles
bedeuten? (Beil all.)
Mögen uns die Genossen auch nur einen Artikel im Zentralorgan der Partei, in der „Prawda”,
nennen, der die Losung „Bereichert euch!” direkt oder indirekt rechtfertigte. Sie können uns
keinen solchen Artikel nennen, weil solche Artikel nicht existieren. Es gab einen Fall, einen
einzigen Fall, wo Stezki in der „Komsomolskaja Prawda” einen Artikel schrieb, in dem er die
Losung „Bereichert euch!” in milder, kaum merklicher Form zu verteidigen suchte. Und was
geschah? Gleich am nächsten Tage wies das Sekretariat des ZK die Redaktion dieser Zeitung
in einem besonderen, von Molotow, Andrejew und Stalin unterzeichneten Schreiben zurecht.
Das war am 2. Juni 1925. Einige Tage später entschied dann das Orgbüro des ZK in vollem
Einverständnis mit Bucharin, dass der Redakteur dieser Zeitung von seinem Posten entfernt
werden müsste. Hier ein Auszug aus diesem Schreiben:
„Moskau, 2. Juni 1925. An alle Mitglieder der Redaktion der ‚Komsomolskaja Prawda’.
Wir sind der Ansicht, dass einige Stellen in Stezkis Artikeln ‚Eine neue Etappe der Neuen
Ökonomischen Politik’ Zweifel hervorrufen. In diesen Artikeln wird, allerdings in milder
Form, für die Losung ‚Bereichert euch!’ Stellung genommen. Diese Losung ist nicht unsere
Losung; sie ist falsch, sie gibt Anlass zu einer ganzen Reihe von Zweifeln und
Missverständnissen und darf in einem richtunggebenden Artikel der ‚Komsomolskaja
Prawda’ nicht vorkommen. Unsere Losung ist die sozialistische Akkumulation. Wir
beseitigen die administrativen Schranken, die der Hebung des Wohlstands auf dem Lande im
Wege stehen. Diese Maßnahme erleichtert zweifellos jegliche Akkumulation, sowohl die
privatkapitalistische als auch die sozialistische. Aber noch niemals hat die Partei gesagt, dass
sie die private Akkumulation zu ihrer Losung mache...“
Sind alle diese Tatsachen der Opposition bekannt? Natürlich sind sie es. Warum aber stellen
sie dann die Hetze gegen Bucharin nicht ein? Wie lange werden sie noch über den Fehler
Bucharins schreien?

Ich kenne Fehler, die einige Genossen zum Beispiel im Oktober 1917 begangen haben, an
denen gemessen der Fehler Bucharins gar nicht der Beachtung wert ist. Diese Genossen
begingen damals nicht nur einen Fehler, sondern sie hatten auch den „Mut”, einen äußerst
wichtigen Beschluss des ZK, der unter Führung und in Anwesenheit Lenins angenommen
worden war, zweimal zu verletzen. Und dennoch vergaß die Partei diese Fehler, sobald die
betreffenden Genossen ihre Fehler zugegeben hatten. Bucharin hat, gemessen an den Fehlern
dieser Genossen, einen unbedeutenden Fehler begangen. Auch hat er keinen einzigen
Beschluss des ZK verletzt. Wodurch ist es zu erklären, dass trotzdem noch immer die wüste
Hetze gegen Bucharin fortgesetzt wird? Was will man eigentlich von Bucharin?
So verhält es sich mit der Frage betreffend Bucharins Fehler." (Stalin Band 8, XIV. Parteitag)

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Auf dem 14. Parteitag am 14. Dezember 1925 sagte Nadeschda Krupskaja:  

"Wir können uns nicht darauf verlassen, dass die Mehrheit immer Recht hat. ..Erinnern wir uns an den Stockholmer Parteitag"

(N. Krupskaja, Rede auf dem 14. Parteitag, 20. Dezember 1925, in: ebd., S. 117).

Darauf Stalin:  

"Krupskaja ist eine Spalterin. Wenn wir die Einheit der Partei bewahren wollen, müssen wir sie als Spalterin bekämpfen."

(Josef W. Stalin, Brief an Molotow, 16. September 1925, in: ebd., S. 127).

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Auf dem 15. Parteitag der KPdSU im November 1926 sagte Stalin:

"Ist es nicht eine Tatsache, dass die Genossin Krupskaja zum Beispiel dabei ist, den Oppositionsblock zu verlassen? (Stürmischer Applaus)."

(J.W. Stalin, Beitrag zur Diskussion zum Bericht über 'Die sozialdemokratische

Abweichung in unserer Partei', in: 'Werke', Band 8, S. 371).

Krupskaja bestätigte die Abkehr von der Opposition offiziell am 20. Mai 1927 in der 'Prawda'.

 

(zur Kritik am trotzkistischen, angeblichen "Testament Lenins" und die Rolle Krupskyjas siehe Artikel der Komintern (SH):

"Über die Grundlagen und zu den Fragen des Stalinismus")

 

 

 

 

3. Zeitabschnitt:

Krupskajas Verdienste beim Aufbau des sozialistischen Bildungswesens

 

Krupskaja korrigierte ihren parteifeindlichen Standpunkt, übte Selbstkritik gegenüber ihren Fehlern und unterstützte fortan bis zu ihrem Tod den Aufbau des sowjetischen Bildungssystems als stellvertretende Volkskomissarin.

Krupskaja und ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind es nun, welche das Bildungswesen in Sowjetrussland und dann der Sowjetunion planen, strukturieren und anleiten.
Mehr oder weniger ist sie auch für die außerschulische Bildung von Kinder und Jugendlichen zuständig, wobei für sie insbesondere der Komsomol (der Pionierorganisation) und das Problem der durch den Bürgerkrieg 1971-1921 elternlos gewordenen Kinder, die teilweise Banden gebildet hatten und zumeist auf der Straße lebten, relevant war. Nicht zuletzt hatte sie auch Einfluss auf die Gestaltung des Schulwesens.
Das Krupskaja dieser Posten zugeteilt wurde, hatte seine Gründe: Sie war eine der wenigen Bolschewiki, die sich tiefergehend mit Fragen der Pädagogik auseinandergesetzt hatten. Zudem war sie keine Bürokratin in einer Bildungsverwaltung, sondern tatsächlich immer wieder mit pädagogischen Debatten beschäftigt. Regelmäßig besprach sie pädagogische Literatur, initiierte Debatten und auch Projekte.

Sie war Herausgeberin verschiedener Zeitschriften wie: " Öffentliche Bildung ", " Volkslehrer", " Auf dem Weg zu einer neuen Schule ", " unsere Kinder ", " Selbsthilfe zur Erziehung", " Der Rote Bibliothekar ", " Volkshochschule ", " kommunistischen Erziehung ", " Leseecke"

Wichtig ist ihre Arbeit für den Aufbau des Bildungssektors, bei der Steuerung dieses Aufbaus, beim Anstoßen von Entwicklungen und Diskussionen sowie bei der Initiierung und Durchführung der Kampagnen zur Alphabetisierung der Bevölkerung.

Sie lehrte an der Akademie für kommunistische Erziehung.

Außerdem war sie der Organisatorin einer Reihe von freiwilligen Gesellschaften:

"Nieder mit Analphabetismus ", "Freund der Kinder " , Vorsitzende der Gesellschaft der marxistischen Lehrer.

Seit 1929 war Krupskaja stellvertretende Kommissarin für Bildung der RSFSR .
Sie leistete wichtige Beiträge zur Entwicklung der brennendsten Probleme der marxistischen Pädagogik - Definition der Ziele und Aufgaben der kommunistischen Erziehung, Schule im Zusammenhang mit der Praxis des sozialistischen Aufbaus, Arbeits-und Fachhochschulbildung , die Definition der Inhalte von Bildung, Fragen der Pädagogik, Grundlagen der Organisationsformen der kommunistischen Kinder-Bewegung , Bildung und Kollektivismus usw..
Krupskaja legte großen Wert auf den Kampf gegen die Obdachlosigkeit und Verwahrlosung der Kinder. Sie gründete Waisenhäuser und viele andere staatliche Einrichtungen für Kinder und Mütter.


Auf dem 17. Parteitag war Krupskaja Delegierte.

Seit 1924 war sie Mitglied der ZKK (Zentrale Kontrollkommission). Sie war Mitglied des Zentralen Exekutivkomitees und Zentralen Exekutivkomitees der UdSSR und nahm an allen Versammlungen teil.

Krupskaja war Mitglied des Präsidiums des Obersten Sowjets der UdSSR.

Sie nahm an allen Kongressen des Komsomol Kongresses teil ( außer am Dritten ).

Krupskaja war aktive Führerin der internationalen kommunistischen Bewegung.

Sie wurde delegiert zum 2., 4. , 6. und 7. Weltkongress der Komintern.


Krupskaja war eine prominente Schriftstellerin und Rednerin. Sie sprach auf zahlreichen Parteiversammlungen, auf Versammlungen des Komsomol, auf gewerkschaftlichen Kongressen und Tagungen und Sitzungen der Arbeiter, Bauern und Lehrer.

Sie war Autor vieler Werke über Lenin und über die Partei, und machte sich besonders verdient, die Ideen Lenins in der öffentlichen Bildung und kommunistischen Erziehung zu verankern.

Die Erinnerungen von Krupskaja an Lenin gehören zu den wertvollste historischen Quellen.

Sie beleuchtete das Leben und die Aktivitäten von Lenin und viele wichtige Ereignisse in der Geschichte der Kommunistischen Partei .

Im Jahre 1931 wurde Krupskaja Ehrenmitglied der Akademie der Wissenschaften der UdSSR.
Krupskaja wurde ausgezeichnet mit dem Lenin-Orden und dem Orden des Roten Banners der Arbeit (1935).

Krupskaja starb am 27. Februar 1939 . Sie wurde auf dem Roten Platz an der Kremlmauer beigesetzt.

Stalin selbst war es, der nach ihrem Tod die letzte Nachtwache bei ihrem Leichnam übernahm und auch ihre Urne mit beisetzte.

 

 

 

 

 

 

1890

 

 

1895

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zetkin - Krupskaja

 

on the Second World Congress of the Comintern

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

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AUSWAHL VERSCHIEDENER SCHRIFTEN VON KRUPSKAJA

 

Die internationale Kinderwoche

Krupskaja

1923

[ wir bitten die Unterstreichungen im Text zu entschuldigen ]

 

 

Zur Frage der antireligiösen Propaganda

Krupskaja

1924

 

 

Wie Lenin Marx studierte

Krupskaja

1933

[ wir bitten die Unterstreichungen im Text zu entschuldigen ]

 

 

 

 

Zum 25. Jahrestag des Erscheinens von Lenins Werk

"Materialismus und Empiriokritizismus"

Krupskaja

1934

 

 

Lenin

über die Kinder und über die Erziehung der heranwachsenden Generation zu kommunistischer Moral

Krupskaja

Januar 1935

 

 

Ein Buch im Kampfe geboren

Lenin: "Staat und Revolution"

Krupskaja

1935

 

 

Die gesellschaftliche Funktion der Frau

beim Aufbau des Sozialismus

Krupskaja

1937

 

 

Lenin über die kommunistische Moral

Krupskaja

2. Oktober 1937

 

 

Wie man selbständig an einem Buch arbeitet

Über das selbständige Lernen

Krupskaja

1939

 

 

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ZITATE VON KRUPSKAJA

 

„Und dann wird unser Land der Sowjets nicht nur ein schriftkundiges Land werden, sondern es wird ein lesendes Land sein, das alle Errungenschaften der Wissenschaft ausnutzt, das alles, was in Jahrhunderten von der Menschheit auf dem Gebiet der Wissenschaft, der Technik und der Kunst erreicht worden ist, nutzt, das in sich die gesamte Erfahrung der Anwendung des Wissens und der Praxis aufnimmt. Die Masse wird lernen, richtig zu lernen.“ [Krupskaja 1933]

Autor - Nadeschda Konstantinowna Krupskaja (1869-1939)