Stalin gegen den Trotzkismus

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Stalin

gegen den Trotzkismus

 

Texte und Zitate

zusammengestellt von Wolfgang Eggers

veröffentlicht von der Komintern (SH) am 6. 7. 2016

 

"Der Trotzkismus ist ein Vortrupp der konterrevolutionären Bourgeoisie.

Deshalb ist der Liberalismus gegenüber dem Trotzkismus, auch wenn dieser geschlagen ist und sich maskiert, eine Torheit, die an ein Verbrechen, an einen Verrat an der Arbeiterklasse grenzt."

“Es ist die Pflicht der Partei, den Trotzkismus als ideologische Strömung zu begraben.”

– Josef Stalin

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Was ist Trotzkismus ?

 

STALIN:

Das Wort „Trotzkismus“ ist nicht von mir erfunden. Es wurde erstmalig von Genossen Lenin gebraucht als etwas dem Leninismus Entgegengesetztes.

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Es kann keinen Trotzkismus geben ohne Träger des Trotzkismus, das heißt ohne Trotzkisten, ebenso wie es auch keine Trotzkisten geben kann ohne den Trotzkismus - sei es auch ein verschleierter und verhüllter, aber immerhin Trotzkismus -, andernfalls würden sie aufhören, Trotzkisten zu sein.

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Worin besteht die Hauptsünde des Trotzkismus ? Die Hauptsünde des Trotzkismus besteht darin, dass er nicht an die Kraft und an die Fähigkeit des Proletariats der UdSSR glaubt, die Bauernschaft, die Hauptmassen der Bauernschaft, zu führen sowohl im Kampf für die Festigung der Macht des Proletariats als auch insbesondere im Kampf für den Sieg des sozialistischen Aufbaus in unserem Lande.

Die Hauptsünde des Trotzkismus besteht darin, dass er die Leninsche Idee der Hegemonie des Proletariats (in Bezug auf die Bauernschaft) beider Erkämpfung und Festigung der Diktatur des Proletariats, bei der Errichtung der sozialistischen Gesellschaft in den einzelnen Ländern nicht begreift und, im Grunde genommen, nicht anerkennt.

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Für denTrotzkismus ist die Partei eine Art Föderation fraktioneller Gruppen mit einzelnen fraktionellen Zentren.

Für den Trotzkismus ist die proletarische Disziplin der Partei unerträglich.

Der Trotzkismus kann das proletarische Regime in der Partei nicht ausstehen.

Der Trotzkismus begreift nicht, dass die Ausübung der Diktatur des Proletariats ohne eiserne Parteidisziplin unmöglich ist.

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Worin besteht das Wesen des Trotzkismus?

Das Wesen des Trotzkismus besteht vor allem darin, dass er die Möglichkeit leugnet, den Sozialismus in der UdSSR mit den Kräften der Arbeiterklasse und der Bauernschaft unseres Landes zu errichten. Was bedeutet das? Es bedeutet, dass wir, wenn uns nicht in nächster Zeit die siegreiche Weltrevolution zu Hilfe kommt, vor der Bourgeoisie kapitulieren und den Weg frei machen müssten für eine bürgerlich-demokratische Republik. Wir haben hier also eine bürgerliche Leugnung der Möglichkeit, den Sozialismus in unserem Lande zu errichten, getarnt durch eine „revolutionäre“ Phrase vom Sieg der Weltrevolution.

Ist es bei solchen Auffassungen möglich, die Millionenmassen der Arbeiterklasse zum Arbeitsenthusiasmus, zum sozialistischen Wettbewerb, zu einer Massenbewegung der Stoßarbeiter, zur entfalteten Offensive gegen die kapitalistischen Elemente zu begeistern? Natürlich ist das nicht möglich. Es wäre dumm, annehmen zu wollen, dass sich unsere Arbeiterklasse, die drei Revolutionen gemacht hat, für den Arbeitsenthusiasmus und die Massenbewegung der Stoßarbeiter gewinnen lassen würde, um den Boden für den Kapitalismus zu düngen. Unsere Arbeiterklasse will mit ihrem Arbeitsenthusiasmus nicht dem Kapitalismus dienen, sondern den Kapitalismus endgültig begraben und den Sozialismus in der UdSSR errichten. Man nehme ihr die feste Überzeugung, dass es möglich ist, den Sozialismus zu errichten, und man vernichtet damit jeden Boden für den Wettbewerb, für den Arbeitsenthusiasmus, für die Stoßarbeiterbewegung.

Daher die Schlussfolgerung: Um die Arbeiterklasse zum Arbeitsenthusiasmus und zum Wettbewerb begeistern und die entfaltete Offensive organisieren zu können, musste man vor allem die bürgerliche Theorie des Trotzkismus begraben, nach der es unmöglich ist, den Sozialismus in unserem Lande zu errichten.

Das Wesen des Trotzkismus besteht zweitens darin, dass er die Möglichkeit leugnet, die Hauptmassen der Bauernschaft für den sozialistischen Aufbau im Dorf zu gewinnen. Was bedeutet dies? Es bedeutet, dass er behauptet, die Arbeiterklasse sei nicht imstande, die Bauernschaft bei der Überleitung der individuellen Bauernwirtschaften auf die kollektiven Geleise mitzureißen, die Bauernschaft werde, wenn der Arbeiterklasse nicht in kürzester Frist der Sieg der Weltrevolution zu Hilfe kommt, die alten bürgerlichen Zustände wiederherstellen. Wir haben hier also eine bürgerliche Leugnung der Kräfte und Möglichkeiten der proletarischen Diktatur, die Bauernschaft zum Sozialismus zu führen, getarnt durch die Maske „revolutionärer“ Phrasen vom Sieg der Weltrevolution.

Ist es bei solchen Auffassungen möglich, die Bauernmassen für die Kollektivwirtschaftsbewegung zu mobilisieren, eine kollektivwirtschaftliche Massenbewegung zu organisieren, die Liquidierung des Kulakentums als Klasse zu organisieren? Natürlich ist das nicht möglich.

Daher die Schlussfolgerung: Um die kollektivwirtschaftliche Massenbewegung der Bauernschaft zu organisieren und das Kulakentum liquidieren zu können, musste man vor allem die bürgerliche Theorie des Trotzkismus begraben, nach der es unmöglich ist, die werktätigen Massen der Bauernschaft in den Sozialismus einzugliedern.

Das Wesen des Trotzkismus besteht schließlich darin, dass er die Notwendigkeit einer eisernen Disziplin in der Partei leugnet, die Freiheit fraktioneller Gruppierungen in der Partei fordert und es für notwendig hält, eine trotzkistische Partei zu bilden. Der Trotzkismus will, dass die KPdSU(B) keine einheitliche und fest zusammengefügte Kampfpartei sei, sondern ein Sammelsurium von Gruppen und Fraktionen mit eigenen Zentralen, mit eigener Disziplin, mit eigener Presse usw. Was aber bedeutet dies? Es bedeutet die Verkündung der Freiheit politischer Fraktionen in der Partei. Es bedeutet, dass der Freiheit politischer Gruppierungen in der Partei die Freiheit politischer Parteien im Lande, das heißt die bürgerliche Demokratie, folgen muss. Demnach haben wir hier eine Anerkennung der Freiheit fraktioneller Gruppierungen in der Partei, einbegriffen die Zulassung politischer Parteien im Lande der Diktatur des Proletariats, getarnt mit der Phrase von „innerparteilicher Demokratie“, von „Verbesserung des Regimes“ in der Partei. Dass die Freiheit fraktionellen Gezänks von Intellektuellengruppen noch keine innerparteiliche Demokratie ist, dass aber die entfaltete Selbstkritik, die von der Partei durchgeführt wird, und die kolossale Aktivität der Parteimassen die Erscheinungsform einer tatsächlichen und wahren innerparteilichen Demokratie sind - das zu verstehen ist dem Trotzkismus nicht gegeben.

Ist es bei solchen Auffassungen von der Partei möglich, die eiserne Disziplin in der Partei, die eiserne Einheit der Partei zu sichern, die für den erfolgreichen Kampf gegen den Klassenfeind notwendig ist? Natürlich ist das nicht möglich.

Daher die Schlussfolgerung: Um die eiserne Einheit der Partei und die proletarische Disziplin in ihr zu sichern, musste man vor allem die Organisationstheorie des Trotzkismus begraben.

Kapitulantentum in der Tat als Inhalt, „linke“ Phrasen und „revolutionär“-abenteuerliche Allüren als eine Form, die den kapitulantenhaften Inhalt verhüllt und für ihn Reklame machen soll - das ist das Wesen des Trotzkismus.

Diese Zwiespältigkeit des Trotzkismus widerspiegelt die zwiespältige Lage des dem Ruin verfallenen städtischen Kleinbürgertums, das das „Regime“ der Diktatur des Proletariats nicht erträgt und sich bemüht, entweder „sofort“ in den Sozialismus hinüber zu springen, um dem Ruin zu entgehen (daher Abenteurertum und Hysterie in der Politik), oder, wenn dies nicht möglich ist, dem Kapitalismus jedwede Konzession zu machen (daher Kapitulantentum in der Politik).

Diese Zwiespältigkeit des Trotzkismus erklärt die Tatsache, dass der Trotzkismus seine „rasenden“ Scheinangriffe gegen die rechten Abweichler in der Regel durch einen Block mit ihnen als den Kapitulanten ohne Maske krönt.

Was aber stellen die „linken“ Überspitzungen dar, die wir in der Partei auf dem Gebiet der kollektivwirtschaftlichen Bewegung hatten? Sie stellen einen gewissen, allerdings unbewussten Versuch dar, die Traditionen des Trotzkismus bei uns in der Praxis wiederaufleben zu lassen, die trotzkistische Einstellung zum Mittelbauern wiederaufleben zu lassen. Sie sind das Resultat jenes Fehlers in der Politik, den Lenin „Überadministrierung“ nennt. Dies bedeutet, dass einige unserer Genossen, berauscht von den Erfolgen der Kollektivwirtschaftsbewegung, das Problem des kollektivwirtschaftlichen Aufbaus nicht als Baumeister, sondern vornehmlich als Administratoren anzupacken begannen, weswegen sie eine Reihe gröbster Fehler begingen.

Es gibt bei uns in der Partei Leute, die glauben, man hätte die „linken“ Überspitzer nicht zur Ordnung zu rufen brauchen. Sie meinen, man hätte unsere Funktionäre nicht kränken und ihrem Übereifer nicht entgegenwirken dürfen, selbst wenn dieser Übereifer zu Fehlern führte. Das sind Kindereien, Genossen. So können nur Leute reden, die unbedingt mit dem Strom schwimmen wollen. Es sind die gleichen Leute, die nie imstande sein werden, sich die Leninsche Linie zu Eigen zu machen - gegen den Strom zu schwimmen, wenn die Lage es erfordert, wenn die Interessen der Partei es erfordern. Es sind Nachtrabpolitiker und keine Leninisten. Der Partei gelang es gerade deswegen, ganze Gruppen unserer Genossen auf den richtigen Weg zu bringen, es gelang ihr gerade deswegen, die Fehler zu korrigieren und Erfolge zu erzielen, weil sie im Interesse der Verwirklichung der Generallinie entschlossen gegen den Strom ankämpfte. Das eben ist Leninismus in der Praxis, Leninismus in der Führung.

Deswegen glaube ich, dass wir ohne Überwindung der „linken“ Überspitzungen nicht jene Erfolge in der kollektivwirtschaftlichen Bewegung, die wir heute haben, hätten erzielen können.

So verhält es sich mit dem Kampf gegen die Überreste des Trotzkismus und ihre Nachwirkungen in der Praxis.

Etwas anders verhält es sich mit der Frage des Rechtsopportunismus, an dessen Spitze Bucharin, Rykow und Tomski standen oder stehen.

Von den rechten Abweichlern läßt sich nicht sagen, dass sie die Möglichkeit, den Sozialismus in der UdSSR zu errichten, nicht zugeben. Nein, sie geben sie zu, und darin unterscheiden sie sich von den Trotzkisten. Das Malheur der rechten Abweichler ist jedoch, dass sie, obgleich sie die Möglichkeit der Errichtung des Sozialismus in einem Lande formal zugeben, die Mittel und Wege des Kampfes, ohne die die Errichtung des Sozialismus unmöglich ist, nicht anerkennen wollen. Sie wollen nicht anerkennen, dass die mit allem Nachdruck betriebene Entwicklung der Industrie der Schlüssel ist zur Umgestaltung der gesamten Volkswirtschaft auf den Grundlagen des Sozialismus. Sie wollen den unversöhnlichen Klassenkampf gegen die kapitalistischen Elemente und die entfaltete Offensive des Sozialismus gegen den Kapitalismus nicht anerkennen. Sie begreifen nicht, dass alle diese Mittel und Wege jenes System von Maßnahmen darstellen, ohne die es unmöglich ist, die Diktatur des Proletariats zu behaupten und den Sozialismus in unserem Lande zu errichten. Sie glauben, man könne den Sozialismus in aller Stille errichten, im Selbstlauf, ohne Klassenkampf, ohne Offensive gegen die kapitalistischen Elemente. Sie glauben, die kapitalistischen Elemente würden entweder selbst unmerklich absterben oder in den Sozialismus hineinwachsen. Da aber solche Wunder in der Geschichte nicht vorkommen, so ergibt sich, dass die rechten Abweichler in der Praxis zu einer Auffassung abgleiten, die die Möglichkeit leugnet, den Sozialismus in unserem Lande zu errichten.

Von den rechten Abweichlern kann man auch nicht sagen, dass sie die Möglichkeit verneinen, die Hauptmassen der Bauernschaft in den Aufbau des Sozialismus im Dorf einzubeziehen. Nein, sie erkennen diese Möglichkeit an, und darin unterscheiden sie sich von den Trotzkisten. Aber bei formaler Anerkennung dieser Möglichkeit lehnen sie gleichzeitig die Mittel und Wege ab, ohne die die Einbeziehung der Bauernschaft in den Aufbau des Sozialismus unmöglich ist. Sie wollen nicht zugeben, dass die Sowjet- und Kollektivwirtschaften das grundlegende Mittel und die „Heerstraße“ zur Einbeziehung der Hauptmassen der Bauernschaft in das sozialistische Aufbauwerk sind. Sie wollen nicht zugeben, dass ohne Durchführung der Politik der Liquidierung des Kulakentums als Klasse die Umgestaltung des Dorfes auf den Grundlagen des Sozialismus nicht zu erreichen ist. Sie glauben, man könne das Dorf in aller Stille, im Selbstlauf, ohne Klassenkampf, nur durch die Einkaufs- und Absatzgenossenschaften auf die Geleise des Sozialismus überleiten - sind sie doch überzeugt, der Kulak werde von selbst in den Sozialismus hineinwachsen. Sie glauben, die Hauptsache bestehe jetzt nicht in dem hohen Entwicklungstempo der Industrie und nicht in den Kollektiv- und Sowjetwirtschaften, sondern darin, die Elementarkräfte des Marktes zu „entfesseln“, den Markt „freizugeben“ und den individuellen Wirtschaften, die kapitalistischen Elemente im Dorf nicht ausgenommen, „die Fesseln abzunehmen“. Da aber der Kulak nicht in den Sozialismus hineinwachsen kann und die „Freigabe“ des Marktes die Bewaffnung des Kulakentums und die Entwaffnung der Arbeiterklasse bedeutet, so ergibt sich, dass die rechten Abweichler in der Praxis zu einer Auffassung abgleiten, die die Möglichkeit leugnet, die Hauptmassen der Bauernschaft in den Aufbau des Sozialismus einzubeziehen.

Dies gibt denn auch die Erklärung für die Tatsache, dass die rechten Abweichler ihre Hahnenkämpfe gegen die Trotzkisten gewöhnlich hinter den Kulissen durch Verhandlungen krönen, die sie mit den Trotzkisten über Blockbildung führen.

Das Grundübel des Rechtsopportunismus besteht darin, dass er mit der Leninschen Auffassung vom Klassenkampf bricht und auf den Standpunkt eines kleinbürgerlichen Liberalismus hinabsinkt.

Es kann keinem Zweifel unterliegen, dass ein Sieg der rechten Abweichung in unserer Partei die vollständige Entwaffnung der Arbeiterklasse, die Bewaffnung der kapitalistischen Elemente im Dorf und wachsende Aussichten für eine Restaurierung des Kapitalismus in der UdSSR bedeuten würde.

Die rechten Abweichler vertreten nicht die Bildung einer anderen Partei, und dies ist ein weiteres Merkmal, das sie von den Trotzkisten unterscheidet. Die Führer der rechten Abweichler haben offen ihre Fehler bekannt und vor der Partei kapituliert. Es wäre jedoch töricht, aus diesem Grunde glauben zu wollen, dass die rechte Abweichung bereits begraben sei. Die Kraft des Rechtsopportunismus darf nicht an diesem Umstand gemessen werden. Die Kraft des Rechtsopportunismus besteht in der Stärke des kleinbürgerlichen Elements, in der Stärke des Drucks, den die kapitalistischen Elemente überhaupt und das Kulakentum im Besonderen auf die Partei ausüben. Und gerade weil die rechte Abweichung den Widerstand der entscheidenden Elemente der ablebenden Klassen widerspiegelt, gerade deswegen ist die rechte Abweichung zurzeit die Hauptgefahr in der Partei.

Daher erachtete es die Partei für notwendig, einen entschlossenen und unversöhnlichen Kampf gegen die rechte Abweichung zu führen.

Es kann keinem Zweifel unterliegen, dass wir es ohne den entschlossenen Kampf gegen die rechte Abweichung, ohne die Isolierung ihrer führenden Elemente nicht fertig gebracht hätten, die Kräfte der Partei und der Arbeiterklasse zu mobilisieren, die armen Bauern und die Masse der Mittelbauern zu mobilisieren für die entfaltete Offensive des Sozialismus, für die Organisierung von Sowjet- und Kollektivwirtschaften, für den Wiederaufbau unserer Schwerindustrie, für die Liquidierung des Kulakentums als Klasse.

So verhält es sich mit der „linken“ und mit der rechten Abweichung in der Partei.

Die Aufgabe besteht darin, den unversöhnlichen Kampf an zwei Fronten auch in Zukunft fortzusetzen, sowohl gegen die „Linken“, die den kleinbürgerlichen Radikalismus vertreten, als auch gegen die Rechten, die den kleinbürgerlichen Liberalismus vertreten.

Die Aufgabe besteht darin, den unversöhnlichen Kampf gegen jene versöhnlerischen Elemente in der Partei auch in Zukunft fortzusetzen, die die Notwendigkeit des entschlossenen Zweifrontenkampfes nicht begreifen oder so tun, als ob sie diese Notwendigkeit nicht begriffen.

 

 

 

 

 

Band 2, Seite 236 - 237

ZU DEN ERGEBNISSEN DER WAHLEN
IN DER ARBEITERKURIE PETERSBURGS

"Prawda" Nr. 151,
24. Oktober 1912

3. ZWEI EINHEITEN

Bevor wir zur Wahl des Deputierten übergehen, müssen wir ein paar Worte von der "Einheit" sagen, die bei der Wahl der Wahlmänner eine verhängnisvolle Rolle gespielt hat und an die sich die Liquidatoren wie ein Ertrinkender an einen Strohhalm klammern.

Trotzki schrieb kürzlich im "Lutsch", die "Prawda" sei einstmals für die Einheit gewesen, jetzt aber sei sie gegen die Einheit. Ist das wahr? Es ist sowohl wahr als auch unwahr. Wahr ist, dass die "Prawda" für die Einheit war. Unwahr ist, dass sie jetzt gegen die Einheit ist: die "Prawda" ruft die konsequente Arbeiterdemokratie stets zur Einheit auf.

Worum handelt es sich also? Darum, dass die "Prawda" und der "Lutsch" samt Trotzki ganz verschiedene Ansichten über die Einheit haben. Es gibt offensichtlich verschiedene Einheiten.

Die "Prawda" meint, dass nur die Bolschewiki und die Parteianhänger unter den Menschewiki zu einem einheitlichen Ganzen zusammengeschlossen werden können. Einheit auf dem Boden der Abgrenzung von den parteifeindlichen Elementen, den Liquidatoren! Für eine solche Einheit ist die "Prawda" stets eingetreten und wird sie stets eintreten.

Trotzki aber sieht die Sache anders an: er wirft alle, sowohl die Gegner des Parteiprinzips als auch dessen Anhänger, in einen Topf. Selbst-verständlich ergibt sich bei ihm keinerlei Einheit: fünf Jahre hält er diese kindische Predigt von der Vereinigung des Unvereinbaren, und jetzt hat er es erreicht, dass wir zwei Zeitungen, zwei Plattformen, zwei Konferenzen und keinen Tropfen Einheit zwischen der Arbeiterdemokratie und den Liquidatoren haben!

Während sich die Bolschewiki und die Parteianhänger unter den Menschewiki immer mehr zu einem einheitlichen Ganzen zusammenschließen, reißen die Liquidatoren einen Abgrund zwischen sich und diesem Ganzen auf.

Die Praxis der Bewegung bestätigt den Einheitsplan der "Prawda". Die Praxis der Bewegung zerschlägt den kindischen Plan Trotzkis von der Vereinigung des Unvereinbaren.

Noch mehr. Aus einem Prediger der phantastischen Einheit wird Trotzki zu einem Kommis der Liquidatoren, der ein den Liquidatoren genehmes Werk verrichtet.

Trotzki hat alles Erdenkliche getan, dass wir zwei miteinander konkurrierende Zeitungen, zwei konkurrierende Plattformen, zwei einander ablehnende Konferenzen bekamen - und jetzt singt uns dieser Athlet mit den falschen Muskeln selber Lieder über die Einheit!

Das ist keine Einheit, sondern ein Spiel, eines Komödianten würdig.

Und wenn dieses Spiel den Liquidatoren die Möglichkeit gegeben hat, drei Wahlmänner durchzubringen, so geschah das, weil es in der kurzen Zeit nicht möglich war, die Komödianten der Einheit, die ihr Banner vor den Arbeitern versteckt haben, zu entlarven...

 

 

 

Gegen Trotzki in der Gewerkschaftsfrage

UNSERE MEINUNGSVERSCHIEDENHEITEN

Band 5, Seite 3 - 12

Unsere Meinungsverschiedenheiten in der Gewerkschaftsfrage drehen sich nicht um die prinzipielle Beurteilung der Gewerkschaften. Die von Trotzki des öfteren zitierten bekannten Punkte unseres Programms über die Rolle der Gewerkschaften und die Resolution des IX. Parteitags über die Gewerkschaften

Gemeint ist das vom VIII. Parteitag angenommene Programm der KPR(B), Abschnitt "Auf ökonomischem Gebiet", und die Resolution des IX. Parteitags der KPR(B) "Zur Frage der Gewerkschaften und ihrer Organisation" (siehe "Die KPdSU(B) in Resolutionen und Beschlüssen der Parteitage, Parteikonferenzen und Plenartagungen des ZK", Teil I, 1941, 5.289-291, 337-340, russ.).

bleiben in Kraft (und werden in Kraft bleiben). Niemand bestreitet, dass die Gewerkschaften und die Wirtschaftsorgane einander wechselseitig durchdringen müssen und durchdringen werden ("das Zusammenwachsen"). Niemand bestreitet, dass der gegenwärtige Augenblick der wirtschaftlichen Wiedergeburt des Landes eine allmähliche Umwandlung der Industriegewerkschaften, die dies vorerst nur dem Namen nach sind, in wirkliche Industriegewerkschaften erheischt, die fähig sind, die wichtigsten Zweige unserer Industrie auf die Beine zu stellen. Kurzum, unsere Meinungsverschiedenheiten sind nicht prinzipieller Natur.

Ebensowenig berühren unsere Meinungsverschiedenheiten die Frage, ob in den Gewerkschaften und in der Arbeiterklasse überhaupt eine Arbeitsdisziplin notwendig ist. Das Gerede darüber, dass ein Teil unserer Partei "die Zügel schießen lässt" und die Massen dem Spiel von Elementargewalten überlässt, ist ein Resultat geistiger Beschränktheit. Die führende Rolle der Parteielemente innerhalb der Gewerkschaften sowie der Gewerkschaften innerhalb der Arbeiterklasse bleibt eine unbestreitbare Wahrheit.

Noch weniger berühren unsere Meinungsverschiedenheiten die Frage der qualitativen Zusammensetzung der Zentralkomitees der Gewerkschaften und des Allrussischen Zentralrats der Gewerkschaften. Alle stimmen darin überein, dass die Zusammensetzung dieser Institutionen bei weitem nicht ideal ist, dass sich eine Reihe militärischer und anderer Mobilmachungen verheerend auf die Gewerkschaften ausgewirkt hat, dass man den Gewerkschaften ihre alten Funktionäre zurückgeben und neue zuführen, dass man ihnen technische Mittel zur Verfügung stellen muss usw.

Nein, nicht auf diesem Gebiet liegen unsere Meinungsverschiedenheiten.

 

I
ZWEI METHODEN
DES HERANGEHENS AN DIE ARBEITERMASSEN

Unsere Meinungsverschiedenheiten drehen sich um die Fragen nach der Art und Weise, wie die Arbeitsdisziplin in der Arbeiterklasse zu festigen ist, nach den Methoden, wie an die Arbeitermassen heranzugehen ist, um sie zur Wiederherstellung der Industrie heranzuziehen, und nach den Wegen, die einzuschlagen sind, um die jetzt schwachen Gewerkschaften zu mächtigen, wirklichen Industriegewerkschaften zu machen, die fähig sind, unsere Industrie zu neuem Leben zu erwecken.

Es gibt zwei Methoden: die Methode des Zwanges (die militärische Methode) und die Methode der Überzeugung (die gewerkschaftliche Methode). Die erste Methode schließt keineswegs Elemente der Überzeugung aus, doch sind hier die Elemente der Überzeugung den Erfordernissen der Methode des Zwanges untergeordnet und bilden ein Hilfsmittel für diese. Die zweite Methode schließt ihrerseits Elemente des Zwanges nicht aus, doch sind hier die Elemente des Zwanges den Erfordernissen der Methode der Überzeugung untergeordnet und bilden ein Hilfsmittel für diese. Diese beiden Methoden miteinander zu verwechseln ist ebenso unzulässig, wie es unzulässig ist, die Armee und die Arbeiterklasse in einen Topf zu werfen.

Eine Gruppe von Parteiarbeitern, mit Trotzki an der Spitze, die von den Erfolgen der militärischen Methoden innerhalb der Armee berauscht ist, meint, man könne und müsse diese Methoden in die Arbeitermassen, In die Gewerkschaften verpflanzen, um bei der Festigung der Gewerkschaften, bei der Wiedergeburt der Industrie die gleichen Erfolge zu erzielen. Diese Gruppe vergisst jedoch, dass die Armee und die Arbeiter zwei verschiedenartige Sphären darstellen, dass eine Methode, die für die Armee tauglich ist, sich für die Arbeiterklasse und ihre Gewerkschaften als untauglich, als schädlich erweisen kann.

Die Armee ist keine homogene Größe, sie setzt sich aus zwei grundlegenden sozialen Gruppen zusammen, aus Bauern und Arbeitern, von denen die ersten die zweiten um ein Mehrfaches überwiegen. Als der VIII. Parteitag

die Notwendigkeit vorwiegender Anwendung der Methoden des Zwanges in der Armee begründete, ging er davon aus, dass unsere Armee hauptsächlich aus Bauern besteht, dass die Bauern für den Sozialismus nicht kämpfen werden, dass man sie zwingen kann und muss, für den Sozialismus zu kämpfen, indem man Methoden des Zwanges anwendet. Hieraus erwuchsen solche rein militärische Methoden der Einwirkung wie das System der Kommissare mit den politischen Abteilungen, die Revolutionstribunale, die Disziplinarstrafen, die Besetzung aller Posten durch Ernennungen usw.

Im Gegensatz zur Armee ist die Arbeiterklasse sozial homogen, sie neigt kraft ihrer ökonomischen Lage zum Sozialismus hin, ist der kommunistischen Agitation leicht zugänglich, organisiert sich freiwillig in Gewerkschaften und bildet infolge all dessen die Grundlage, das Salz des Sowjetstaates. Es ist darum nicht verwunderlich, dass der praktischen Arbeit unserer Industriegewerkschaften die überwiegende Anwendung von Methoden der Überzeugung zugrunde gelegt wurde. Hieraus erwuchsen solche rein gewerkschaftliche Methoden der Einwirkung wie die Aufklärung, die Massenpropaganda, die Entfaltung der Initiative und Selbsttätigkeit der Arbeitermassen, die Wählbarkeit usw.

Trotzkis Fehler besteht darin, dass er den Unterschied zwischen Armee und Arbeiterklasse unterschätzt, die militärischen Organisationen und die Gewerkschaften auf die gleiche Stufe stellt und - wohl aus Gewohnheit - versucht, die militärischen Methoden aus der Armee auf die Gewerkschaften, auf die Arbeiterklasse zu übertragen.

"Die nackte Gegenüberstellung der militärischen Methoden (Befehl, Strafe) und der gewerkschaftlichen Methoden (Aufklärung, Propaganda, Selbsttätigkeit)", sagt Trotzki in einem der Dokumente, "ist ein Ausdruck kautskyanischmenschewistisch-sozialrevolutionärer Vorurteile... Allein schon die Gegenüberstellung der Arbeits- und der Militärorganisation im Arbeiterstaat bedeutet eine schmähliche Kapitulation vor dem Kautskyanertum."

So spricht Trotzki.

Lässt man das unnötige Wortgeprassel über "Kautskyanertum", "Menschewismus" usw. beiseite, so ist klar, dass Trotzki den Unterschied nicht begriffen hat, der zwischen den Arbeiterorganisationen und den Militärorganisationen besteht, nicht begriffen hat, dass zu einem Zeitpunkt, da der Krieg beendet ist und die Industrie zu neuem Leben erweckt werden muss, die Gegenüberstellung der militärischen Methoden und der demokratischen (gewerkschaftlichen) Methoden notwendig, unumgänglich ist, dass infolgedessen die Übertragung der militärischen Methoden auf die Gewerkschaften falsch, schädlich ist.

Dieses Nichtbegreifen liegt den kürzlich erschienenen polemischen Broschüren Trotzkis über die Gewerkschaften zugrunde.

In diesem Nichtbegreifen ist die Quelle der Fehler Trotzkis zu suchen.

 

II
BEWUSSTER DEMOKRATISMUS
UND ERZWUNGENER "DEMOKRATISMUS"

Manche glauben, das Reden über Demokratismus in den Gewerkschaften sei eine hohle Deklamation, eine Mode, hervorgerufen durch gewisse Erscheinungen des innerparteilichen Lebens, man werde das "Geschwätz" über Demokratismus mit der Zeit satt bekommen und alles werde seinen "alten Gang" gehen.

Andere wiederum meinen, der Demokratismus in den Gewerkschaften sei im Grunde genommen ein Zugeständnis, ein erzwungenes Zugeständnis an die Forderungen der Arbeiter, wir hätten es hier eher mit Diplomatie als mit etwas Wirklichem, etwas Echtem zu tun.

Es erübrigt sich zu sagen, dass sowohl die einen als auch die anderen Genossen sich gründlich irren. Der Demokratismus in den Gewerkschaften, das heißt das, was man als "normale Methoden der proletarischen Demokratie innerhalb der Gewerkschaften" zu bezeichnen pflegt, ist ein den proletarischen Massenorganisationen eigener bewusster Demokratismus, der das Bewusstsein der Notwendigkeit und Nützlichkeit einer systematischen Anwendung der Methoden der Überzeugung gegenüber den Millionenmassen gewerkschaftlich organisierter Arbeiter voraussetzt. Ohne dieses Bewusstsein wird der Demokratismus zu leerem Schall.

Solange Krieg war und Gefahr vor der Tür stand, fanden die Appelle unserer Organisationen "Der Front zu Hilfe" lebhaften Widerhall bei den Arbeitern, war doch die Gefahr des Untergangs allzu greifbar, hatte doch diese Gefahr eine ganz konkrete und für alle sichtbare Form in Gestalt der Armeen Koltschaks, Judenitschs, Denikins, Pilsudskis und Wrangels, die vorrückten und die Macht der Gutsbesitzer und Kapitalisten wiederherstellten. Damals war es nicht schwer, die Massen zu mobilisieren. Jetzt jedoch, da die Kriegsgefahr beseitigt, die neue Gefahr aller, die wirtschaftliche Gefahr (wirtschaftliche Zerrüttung), für die Massen bei weitem nicht so greifbar ist, lassen sich die breiten Massen durch Appelle allein nicht mobilisieren. Gewiss, der Mangel an Brot und Textilien wird von allen empfunden, aber erstens wissen sich die Menschen trotzdem zu helfen und treiben irgendwie Brot und Textilien für sich auf, so dass die Gefahr des Brot- und Warenmangels die Massen lange nicht so antreibt, wie sie die Kriegsgefahr angetrieben hatte; zweitens wird niemand behaupten wollen, dass die wirtschaftliche Gefahr (der Mangel an Lokomotiven, landwirtschaftlichen Maschinen, Textilfabriken, Hüttenwerken, Mangel an Ausrüstung für Kraftwerke usw.) im Bewusstsein der Massen ebenso real ist, wie es die Kriegsgefahr in jüngster Vergangenheit war. Um die Millionenmassen der Arbeiterklasse gegen die wirtschaftliche Zerrüttung in Bewegung zu setzen, gilt es, die Initiative, die Bewusstheit, die Selbsttätigkeit der breiten Massen zu heben, gilt es, sie an Hand konkreter Tatsachen davon zu überzeugen, dass die wirtschaftliche Zerrüttung eine ebenso reale und tödliche Gefahr ist, wie es gestern die Kriegsgefahr war, gilt es, durch demokratisch aufgebaute Gewerkschaften Millionen Arbeiter zur Wiederherstellung der Wirtschaft heranzuziehen. Nur so kann man den Kampf der Wirtschaftsorgane gegen die wirtschaftliche Zerrüttung zur ureigenen Angelegenheit der ganzen Arbeiterklasse machen. Geschieht das nicht, ist ein Sieg an der Wirtschaftsfront unmöglich.

Kurzum: Bewusster Demokratismus, die Methode der proletarischen Demokratie innerhalb der Gewerkschaften ist die einzig richtige Methode der Industriegewerkschaften.

Mit diesem Demokratismus hat der erzwungene "Demokratismus" nichts gemein.

Liest man die Broschüre Trotzkis "Die Rolle und die Aufgaben der Gewerkschaften", dann könnte man meinen, Trotzki sei im Grunde genommen "ebenfalls" für die "demokratische" Methode. Aus diesem Grunde glauben manche Genossen, es handle sich bei unseren Meinungsverschiedenheiten nicht um die Methoden der Gewerkschaftsarbeit. Das ist jedoch völlig falsch. Denn der "Demokratismus" Trotzkis ist ein erzwungener, halber, prinzipienloser Demokratismus und ergänzt als solcher lediglich die militär-bürokratische Methode, die für die Gewerkschaften unbrauchbar ist.

Man urteile selber.

In Ausführung eines Anfang November 1920 vom ZK gefassten Beschlusses nimmt die kommunistische Fraktion der V. Allrussischen Gewerkschaftskonferenz eine Resolution an, dass "es notwendig ist, den energischsten und planmäßigsten Kampf gegen die Ausartung des Zentralismus und der militarisierten Arbeitsformen in Bürokratismus, bornierte Selbstherrlichkeit, Beamtendünkel und kleinliche Bevormundung der Gewerkschaften zu führen..., dass auch für das Zektran (das von Trotzki geleitete ZK der Arbeiter des Verkehrswesens) die Zeit der durch besondere Bedingungen hervorgerufenen spezifischen Verwaltungsmethoden, um derentwillen der Glawpolitputj. (Politische Hauptverwaltung des Eisenbahnwesens. Der Übers.) geschaffen worden war, nunmehr zu Ende geht", dass die kommunistische Fraktion der Konferenz infolgedessen "dem Zektran empfiehlt, die normalen Methoden der proletarischen Demokratie innerhalb der Gewerkschaft zu verstärken und zu entwickeln", und das Zektran verpflichtet, "aktiv an der gesamten Tätigkeit dem Allrussischen Zentralrats der Gewerkschaften teilzunehmen und ihm mit gleichen Rechten wie auch die anderen Gewerkschaftsverbände anzugehören" (siehe "Prawda" Nr.255). Doch ungeachtet dieses Beschlusses verfolgen Trotzki und das Zektran den ganzen November hindurch die alte halbbürokratische, halbmilitärische Linie und versuchen, nach wie vor gestützt auf den Glawpolitputj und den Glawpolitwod (Politische Hauptverwaltung des Schifffahrtswesens. Der Übers.), den Allrussischen Zentralrat der Gewerkschaften "durchzurütteln", zu sprengen und auf einer privilegierten Stellung des Zektrans unter den anderen Gewerkschaftsverbänden zu beharren. Mehr noch, in einem Schreiben "An die Mitglieder des Politbüros des ZK" vom 30. November erklärt Trotzki ebenso "unerwartet", dass "der Glawpolitwod ... zumindest in den nächsten zwei bis drei Monaten auf keinen Fall aufgelöst werden kann". Und nun? Sechs Tage nach diesem Schreiben (am 7.Dezember) stimmt derselbe Trotzki ebenso "unerwartet" im ZK dafür, dass "der Glawpolitputj und der Glawpolitwod unverzüglich aufgelöst werden und alle ihre Kräfte und Mittel auf der Grundlage des normalen Demokratismus der Gewerkschaftsorganisation übergeben werden". Und 8 Mitglieder des ZK, darunter Trotzki, stimmen dafür, gegen 7 Mitglieder, die eine Auflösung dieser Institutionen bereits für ungenügend halten und fordern, dass außerdem die gegenwärtige Zusammensetzung des Zektrans geändert werde. Um das Zektran in seiner gegenwärtigen Zusammensetzung zu retten, stimmt Trotzki für eine Auflösung der politischen Hauptverwaltungen im Zektran.

Was hat sich in diesen sechs Tagen geändert? Vielleicht sind die Eisenbahn- und Schifffahrtsarbeiter in diesen sechs Tagen so gewachsen, dass der Glawpolitputj und der Glawpolitwod für sie nicht mehr notwendig sind? Oder vielleicht ist in dieser kurzen Zeitspanne eine wichtige Veränderung in der innen- oder außenpolitischen Situation eingetreten? Natürlich nicht. Es handelt sich darum, dass die Schifffahrtsarbeiter vom Zektran entschieden die Auflösung der politischen Hauptverwaltung und eine Veränderung der Zusammensetzung des Zektrans gefordert haben und die Gruppe Trotzkis, die ein Fiasko fürchtete und bestrebt war, wenigstens das Zektran in seiner alten Zusammensetzung zu erhalten, sich gezwungen sah, zurückzuweichen und Teilzugeständnisse zu machen, die übrigens niemand befriedigten.

Das sind die Tatsachen.

Es bedarf wohl kaum eines Beweises, dass dieser erzwungene, halbe, prinzipienlose "Demokratismus" nichts gemein hat mit den "normalen Methoden der proletarischen Demokratie innerhalb der Gewerkschaften", die vom ZK der Partei schon Anfang November empfohlen wurden und die so notwendig sind, um unsere Industriegewerkschaften zu neuem Leben zu erwecken.

*

In seinem Schlusswort in der Diskussionsversammlung der kommunistischen Fraktion des Sowjetkongresses

Gemeint ist die gemeinsame Sitzung der Fraktionen der KPR(B) des VIII. Sowjetkongresses, des Allrussischen Zentralrats der Gewerkschaften und des Gewerkschaftsrats der Stadt Moskau, die am 30. Dezember 1920 stattfand.

protestierte Trotzki dagegen, dass in die Diskussionen über die Gewerkschaften ein politisches Element hineingetragen werde, und behauptete, Politik hätte hier nichts zu suchen. Man muss feststellen, dass Trotzki hier absolut unrecht hat. Es braucht wohl kaum bewiesen zu werden, dass in einem Arbeiter- und Bauernstaat kein einziger wichtiger Beschluss von gesamtstaatlicher Bedeutung, besonders wenn er die Arbeiterklasse unmittelbar betrifft, durchgeführt werden kann, ohne dass er sich in dieser oder jener Form auf den politischen Zustand des Landes auswirkt. Und es ist überhaupt lächerlich und nicht seriös, die Politik von der Ökonomie trennen zu wollen. Gerade darum aber ist es notwendig, dass jeder derartige Beschluss vorher auch vom politischen Standpunkt aus bewertet wird.

Man urteile selber.

Es kann jetzt als erwiesen betrachtet werden, dass die Methoden des von Trotzki geleiteten Zektrans durch die Praxis des Zektrans selbst verurteilt worden sind. Durch seine Leitung des Zektrans und durch seine Einwirkung auf andere Gewerkschaften mittels des Zektrans wollte Trotzki eine Belebung und Erneuerung der Gewerkschaften, die Heranziehung der Arbeiter zur Wiederherstellung der Industrie erreichen. Was aber hat er in Wirklichkeit erreicht? Einen Konflikt mit der Mehrheit der Kommunisten innerhalb der Gewerkschaften, einen Konflikt der Mehrheit der Gewerkschaften mit dem Zektran, eine faktische Spaltung des Zektrans, eine Erbittung der "unteren Schichten" der gewerkschaftlich organisierten Arbeiter gegen die "Kommissare". Mit anderen Worten: Nicht nur, dass keine Erneuerung der Gewerkschaften erreicht wurde, auch das Zektran selbst geriet in Zersetzung. Zweifellos hätten wir, wenn die Methoden des Zektrans auch auf andere Gewerkschaften übertragen worden waren, dort das gleiche Bild der Konflikte, der Spaltung und der Zersetzung. Als Resultat hätten wir Zerfall und Spaltung in der Arbeiterklasse.

Kann denn die politische Partei der Arbeiterklasse an diesen Tatsachen vorübergehen? Kann man denn behaupten, dass es für den politischen Zustand unseres Landes gleichgültig sei, ob wir es mit einer in einheitlichen Gewerkschaften zusammengeschlossenen Arbeiterklasse zu tun haben öder mit einer Arbeiterklasse, die in verschiedene einander feindliche Gruppen gespalten ist? Kann man denn davon reden, dass bei der Beurteilung der Methoden des Herangehens an die Massen das politische Moment keine Rolle spielen solle, dass die Politik hier nichts zu suchen habe?

Es ist klar, dass man das nicht kann.

Die RSFSR und die mit ihr verbündeten Republiken haben jetzt eine Bevölkerung von etwa 140 Millionen. Davon sind 80 Prozent Bauern. Um ein solches Land regieren zu können, muss die Sowjetmacht das feste Vertrauen der Arbeiterklasse besitzen, denn nur durch die Arbeiterklasse und mit den Kräften der Arbeiterklasse lässt sich ein solches Land verwalten. Um aber das Vertrauen der Mehrheit der Arbeiter zu behalten und zu festigen, ist es notwendig, die Bewusstheit, die Selbsttätigkeit und die Initiative der Arbeiterklasse systematisch zu entfalten, ist es notwendig, die Arbeiterklasse systematisch im Geiste des Kommunismus zu erziehen, sie dazu in Gewerkschaften zu organisieren und zum Aufbau der kommunistischen Wirtschaft heranzuziehen.

Diese Aufgabe mit Methoden des Zwanges und der "Durchrüttelung" der Gewerkschaften von oben durchzuführen, ist offensichtlich unmöglich, denn diese Methoden spalten die Arbeiterklasse (das Zektran!) und erzeugen Misstrauen gegen die Sowjetmacht. Außerdem ist es leicht zu begreifen, dass es eigentlich undenkbar ist, mit Methoden des Zwanges die Bewusstheit der Massen zu entwickeln oder ihr Vertrauen zur Sowjetmacht zu stärken.

Es ist klar, dass nur "mit den normalen Methoden der proletarischen Demokratie innerhalb der Gewerkschaften", nur mit den Methoden der Überzeugung die Aufgabe zu verwirklichen ist, die Arbeiterklasse zusammenzuschließen, ihre Selbsttätigkeit zu heben und ihr Vertrauen zur Sowjetmacht zu festigen, das Vertrauen, das jetzt so notwendig ist, um das Land zum Kampf gegen die wirtschaftliche Zerrüttung zu mobilisieren.

Wie man sieht, spricht die Politik ebenfalls für die Methoden der Überzeugung.

5. Januar 1921.

"Prawda" Nr. 12,
19. Januar 1921.
Unterschrift: J. Stalin.

 

 

Gegen die "Diskussion"

 

Band 5, Seite 323 - 324

Über die Aufgaben der Partei

Referat in der erweiterten Versammlung des KPR(B)-Bezirkskomitees
Krasnaja Presnja mit den Gruppenorganisatoren, den Mitgliedern
des Diskussionsklubs und der Zellenbüros

2. Dezember 1923

 

Das zweite Extrem betrifft die Grenzen der Diskussion. Es besteht darin, dass manche Genossen eine schrankenlose Diskussion haben wollen, Genossen, die das A und 0 der Parteiarbeit in der Besprechung von Fragen erblicken und die andere Seite der Parteiarbeit vergessen, nämlich ihre aktive Seite, die die Verwirklichung der Parteibeschlüsse verlangt. Eben diesen Eindruck hat wenigstens der Artikel Radsins auf mich gemacht, der sich bemüht, das Prinzip der schrankenlosen Diskussion mit Berufung auf Trotzki zu begründen, der gesagt haben soll: "Die Partei ist ein freiwilliger Bund Gleichgesinnter." Ich habe diesen Satz in Trotzkis Schriften gesucht, habe ihn aber nicht finden können. Trotzki hat hiermit wohl auch kaum eine abgeschlossene Formel geben wollen, die die Partei definiert, und wenn er es gesagt hat, so hat er hier wohl kaum einen Schlusspunkt gesetzt. Die Partei ist nicht nur ein Bund Gleichgesinnter, sie ist außerdem ein Bund Gleichhandelnder, ein Kampfbund Gleichhandelnder, die auf der Grundlage einer gemeinsamen ideologischen Basis (Programm, Taktik) kämpfen. Ich halte die Berufung auf Trotzki für falsch, denn ich kenne Trotzki als eins der Mitglieder des ZK, die am meisten die aktive Seite der Parteiarbeit unterstreichen. Ich glaube darum, dass Radsin für seine Definition selbst einstehen muss. Aber wozu führt sie, diese Definition? Zu einer von zwei Möglichkeiten: Entweder entartet die Partei zu einer Sekte, zu einer philosophischen Schule, denn nur in so engen Organisationen ist eine völlige Gesinnungsgleichheit möglich, oder sie verwandelt sich in einen ständigen Diskussionsklub, der ewig berät und ewig räsoniert, der sich bis zur Bildung von Fraktionen, ja bis zur Spaltung der Partei versteigt. Keine dieser Möglichkeiten kann von unserer Partei akzeptiert werden. Darum bin ich der Meinung, dass eine Beratung der Fragen notwendig, dass eine Diskussion notwendig ist, dass der Diskussion aber auch Grenzen gezogen werden müssen, die die Partei, diesen Kampftrupp des Proletariats, vor Ausartung in einen Diskussionsklub bewahren.

"Prawda" Nr. 277,
6. Dezember 1923

 

 

Band 5, Seite 336 - 339

ÜBER DEN BRIEF TROTZKIS

 

Die am 7. Dezember veröffentlichte Resolution des ZK und der ZKK über die innerparteiliche Demokratie wurde einstimmig angenommen. Trotzki hat für diese Resolution gestimmt. Man konnte deshalb annehmen, dass die Mitglieder des ZK, darunter auch Trotzki, in einheitlicher Front auftreten und die Parteimitglieder zur einmütigen Unterstützung des ZK und seiner Resolution auffordern würden. Diese Annahme hat sich jedoch nicht bewahrheitet. Trotzki hat sich dieser Tage an die Parteiberatungen mit einem Brief gewandt, der nur als ein Versuch gedeutet werden kann, den Einheitswillen der Parteimitglieder hinsichtlich der Unterstützung des ZK und seiner Position zu schwächen.

Man urteile selbst.

Trotzki spricht von Bürokratismus des Parteiapparats und von einer Gefahr der Entartung der alten Garde, das heißt der Leninisten, des Grundkerns unserer Partei, und schreibt:

"Eine Entartung der ´alten Garde´ wurde in der Geschichte wiederholt beobachtet. Nehmen wir das frischeste und krasseste geschichtliche Beispiel: die Führer und die Parteien der II. Internationale. Wir wissen doch, dass Wilhelm Liebknecht, Bebel, Singer, Viktor Adler, Kautsky, Bernstein, Lafargue, Guesde und andere direkte und unmittelbare Schüler von Marx und Engels waren. Wir wissen jedoch, dass alle diese Führer - die einen teilweise, die anderen ganz - zum Opportunismus entartet sind"... "Wir, und gerade wir ´Alten´, müssen sagen, dass unsere Generation, die natürlicherweise die führende Rolle in der Partei spielt, doch keine absolute Gewähr gegen eine allmähliche und unmerkliche Schwächung des proletarischen und des revolutionären Geistes bietet, wenn man annimmt, dass die Partei ein weiteres Anwachsen und Erstarken der apparat-bürokratischen Methoden der Politik erführe, die die junge Generation in ein passives Erziehungsmaterial verwandelt und unweigerlich eine Entfremdung zwischen dem Apparat und der Masse, zwischen den Alten und den Jungen hervorruft" ... "Die Jugend - das sicherste Barometer der Partei - reagiert am schärfsten auf den Parteibürokratismus" ... "Es ist notwendig, dass die Jugend die revolutionären Formeln im Kampf erobert..."

Erstens muss ich ein eventuelles Missverständnis zerstreuen. Trotzki zählt sich selbst, wie aus seinem Brief ersichtlich ist, zu der alten Garde der Bolschewiki und zeigt sich damit bereit, die eventuellen Anschuldigungen auf sich zu nehmen, deren man die alte Garde bezichtigen könnte, falls sie in der Tat den Weg der Entartung beschreiten sollte. Es muss anerkannt werden, dass diese Opferbereitschaft unzweifelhaft ein edler Zug ist. Ich muss aber Trotzki vor Trotzki in Schutz nehmen, denn aus begreiflichen Gründen kann und soll er nicht die Verantwortung für eine eventuelle Entartung der Hauptkader der alten bolschewistischen Garde tragen. Ein Opfer ist natürlich etwas Gutes, aber brauchen die alten Bolschewiki dieses Opfer? Ich glaube, sie brauchen es nicht.

Zweitens ist es unbegreiflich, wie man solche Opportunisten und Menschewiki, wie Bernstein, Adler, Kautsky, Guesde und andere, auf eine Stufe stellen kann mit der alten Garde der Bolschewiki, die die ganze Zeit hindurch gegen den Opportunismus, gegen die Menschewiki, gegen die II. Internationale kämpfte und, wie ich hoffe, auch weiter in allen Ehren kämpfen wird. Wodurch sind dieses Durcheinander und dieser Mischmasch hervorgerufen, wer braucht sie, wenn man die Interessen der Partei im Auge hat und nicht irgendwelche Nebenabsichten, die keineswegs den Schutz der alten Garde bezwecken? Wie sind diese Anspielungen auf Opportunismus hinsichtlich der alten Bolschewiki, die im Kampf gegen den Opportunismus großgeworden sind, zu verstehen?

Drittens bin ich keineswegs der Meinung, dass die alten Bolschewiki vor der Gefahr einer Entartung absolut gesichert seien, ebenso wie ich keinen Grund habe zu behaupten, dass wir; sagen wir, vor einem Erdbeben absolut gesichert seien. Die Möglichkeit einer solchen Gefahr, die eventuell eintreten könnte, kann und muss zugegeben werden. Aber bedeutet das denn, dass diese Gefahr real vorhanden ist? Ich denke, das bedeutet es nicht. Auch Trotzki selbst hat ja keinerlei Tatsachen angeführt, die von der Gefahr einer Entartung als einer realen Gefahr zeugen würden. Wir haben indes in der Partei eine Reihe von Elementen, die wirklich gewisse Reihen unserer Partei mit Entartung bedrohen können. Ich meine einen Teil der Menschewiki, die notgedrungen in unsere Partei eingetreten sind und die alten opportunistischen Gepflogenheiten noch nicht überwunden haben. Genosse Lenin schrieb in der Periode der Reinigung unserer Partei über diese Menschewiki und über diese Gefahr folgendes:

"Jeder Opportunist zeichnet sich durch Anpassungsfähigkeit aus... und die Menschewiki als Opportunisten passen sich sozusagen, ´aus Prinzip´ an die unter den Arbeitern herrschende Richtung an, nehmen eine Schutzfarbe an wie der Hase, der im Winter weiß wird. Diese Besonderheit der Menschewiki muss man kennen, und man muss sie in Rechnung stellen. Sie in Rechnung stellen heißt aber die Partei reinigen von ungefähr neunundneunzig von hundert aller Menschewiki, die sich nach 1918 der KPR angeschlossen haben, das heißt zu einer Zeit, als der Sieg der Bolschewiki zunächst wahrscheinlich, dann unzweifelhaft zu werden anfing." (Siehe 4. Ausgabe, Bd. 33, S. 19/20 [deutsch in "Ausgewählte Werke" in zwei Bänden, Bd. II, S. 881/882].)

Wie konnte es geschehen, dass Trotzki, der diese und ähnliche real existierenden Gefahren außer acht gelassen hat, eine eventuelle Gefahr, die Gefahr der Entartung der alten Garde der Bolschewiki, in den Vordergrund geschoben hat? Wie kann man die Augen vor der realen Gefahr verschließen und eine, im Grunde genommen, irreale, eventuelle Gefahr in den Vordergrund schieben, wenn man die Interessen der Partei im Auge hat und nicht Erwägungen verfolgt, die darauf abzielen, die Autorität der ZK-Mehrheit, die den führenden Kern der alten Garde der Bolschewiki darstellt, zu untergraben? Ist denn nicht klar, dass derartige "Methoden" nur Wasser auf die Mühle der Opposition leiten können?

Viertens, wie kommt Trotzki zu dieser Gegenüberstellung der "Alten", die entarten könnten, und der "Jugend", die das "sicherste Barometer" der Partei sei, der "alten Garde", die verbürokratisieren könne und der "jungen Garde", die "die revolutionären Formeln im Kampf erobern" müsse? Woher diese Gegenüberstellung, wozu war sie nötig? Marschierten denn die Jugend und die alte Garde nicht stets in einheitlicher Front gegen innere und äußere Feinde? Bildet denn die Einheit der "Alten" und der "Jungen" nicht die grundlegende Kraft unserer Revolution? Woher dieser Versuch, die alte Garde zu diffamieren und sich in demagogischer Weise bei der Jugend anzubiedern, um zwischen diesen Haupttrupps unserer Partei ein Spältchen aufzureißen und es auszuweiten? Wer braucht all das, wenn man die Interessen der Partei, ihre Einheit, ihre Geschlossenheit im Auge hat und nicht auf einen Versuch aus ist, diese Einheit zu Nutz und Frommen der Opposition zu erschüttern?

Setzt man sich so für das ZK und seine Resolution über die innerparteiliche Demokratie ein, die noch dazu einstimmig angenommen worden ist?

Übrigens stellte sich Trotzki diese Aufgabe offenbar auch gar nicht, als er sich mit dem Brief an die Parteiberatungen wandte. Hier scheint eine andere Absicht vorgelegen zu haben, und zwar: unter dem Deckmantel einer Verteidigung der Resolution des ZK die Opposition in ihrem Kampf gegen das ZK der Partei diplomatisch zu unterstützen.

Daraus ist eigentlich auch der Stempel der Heuchelei zu erklären, den der Brief Trotzkis trägt.

Trotzki steht in einem Block mit den demokratischen Zentralisten und einem Teil der "linken" Kommunisten - darin liegt der politische Sinn der Aktion Trotzkis.

"Prawda" Nr. 285,
15. Dezember 1923.
Unterschrift: J. Stalin.

 

 

 

Band 6, Seite 5 - 40

DIE XIII. KONFERENZ DER KPR(B)

1. REFERAT ÜBER
DIE NÄCHSTEN AUFGABEN DES PARTEIAUFBAUS

17. Januar 1924

Die XIII. Konferenz der KPR(B) tagte vom 16. bis zum 18. Januar 1924 in Moskau. Es waren 128 Delegierte mit beschließender Stimme und 222 mit beratender Stimme anwesend. Die Konferenz erörterte Fragen des Parteiaufbaus, der internationalen Lage und die nächsten Aufgaben der Wirtschaftspolitik. Zu dem Referat J. W. Stalins "Über die nächsten Aufgaben des Parteiaufbaus" nahm die Konferenz zwei Resolutionen an: "Über den Parteiaufbau" und "über die Ergebnisse der Diskussion und über die klein-bürgerliche Abweichung in der Partei".
Die Konferenz verurteilte die trotzkistische Opposition und erklärte, dass die Partei es in dieser Opposition mit einer kleinbürgerlichen Abweichung vom Marxismus zu tun habe; sie schlug dem Zentralkomitee vor, Punkt 7 der Resolution "Über die Einheit der Partei", die auf Vorschlag W.I. Lenins vom X. Parteitag der KPR(B) angenommen worden war, zu veröffentlichen. Diese Beschlüsse der Konferenz wurden vom XIII. Parteitag und vom V. Kongress der Komintern gebilligt. (Die Resolutionen der Konferenz siehe in "Die KPdSU(B) in Resolutionen und Beschlüssen der Parteitage, Parteikonferenzen und Plenartagungen des ZK", Teil I, 1941, S. 535-556, russ.)

 

Genossen!

Gewöhnlich beginnen unsere Redner in Diskussionsversammlungen mit der Geschichte der Frage: Wie ist die Frage der innerparteilichen Demokratie aufgekommen, wer hat als erster A, wer danach B gesagt, usw. Ich denke, diese Methode taugt nicht für uns, weil sie ein Element des Gezänks und gegenseitiger Beschuldigungen hereinbringt und nichts Brauchbares ergibt. Ich denke, es wird viel besser sein, wenn wir mit der Frage beginnen, wie die Partei die Resolution des Politbüros über die Demokratie

Gemeint ist die Resolution über den Parteiaufbau, die in der gemeinsamen Sitzung des Politbüros des ZK und des Präsidiums der ZKK der KPR(B) am 5. Dezember 1923 angenommen und in Nr. 278 der "Prawda" vom 7. Dezember 1923 veröffentlicht worden war. Das Plenum des ZK der KPR(B), das vom 14. bis zum 15. Januar 1924 tagte, zog die Bilanz der Parteidiskussion, billigte die Resolution des Politbüros des ZK und des Präsidiums der ZKK über den Parteiaufbau und beschloss, diese Resolution der XIII. Parteikonferenz zu unterbreiten (siehe "Die KPdSU(B) in Resolutionen und Beschlüssen der Parteitage, Parteikonferenzen und Plenartagungen des ZK", Teil I, 1941, S. 533-540, russ.).

, die dann vom Plenum des ZK bestätigt wurde, aufgenommen hat.

Ich muss feststellen, dass diese Resolution wohl die einzige in der ganzen Geschichte unserer Partei ist, die nach einer erbitterten Diskussion über die Frage der Demokratie die volle - ich möchte sagen: buchstäblich die einmütige - Billigung der gesamten Partei gefunden hat. Selbst die oppositionellen Organisationen und Zellen, die überhaupt gegen die Mehrheit der Partei und gegen das ZK eingestellt waren, selbst sie fanden trotz all ihres Bestrebens, an der Resolution etwas auszusetzen, keinen Anlass und keinen Grund zum Nörgeln, und diese Organisationen und Zellen waren allgemein bestrebt, sich in ihren Resolutionen, in denen sie die Grundthesen der vom Politbüro beschlossenen Resolution über die innerparteiliche Demokratie als richtig anerkannten, durch irgend etwas von den anderen Organisationen zu unterscheiden, indem sie ihr ein gewisses Schwänzchen anhängten, etwa der Art: Bei euch ist ja alles gut, aber stoßt Trotzki nicht vor den Kopf, oder auch der Art: Bei euch ist alles richtig, aber ihr seid ein klein wenig zu spät gekommen, hättet all dies schon früher tun sollen. Ich will hier nicht die Frage aufwerfen, wer wen vor den Kopf stößt. Ich denke, wenn man der Sache richtig auf den Grund geht, dann dürfte sich erweisen, dass der bekannte Ausspruch über Titus Titytsch (Gestalt aus einigen Schauspielen A. N. Ostrowskis. Der Übers.) ziemlich treffend auf Trotzki passt: "Wer wird dich, Titus Titytsch, schon vor den Kopf stoßen? Du selbst stößt ja alle anderen vor den Kopf." (Heiterkeit.) Aber wie gesagt, ich will auf diese Frage nicht eingehen. Ich halte es sogar für möglich, dass dieser oder jener Trotzki wirklich vor den Kopf stößt. Aber geht es etwa darum? Was gibt es denn hier Prinzipielles an der Frage, wer wen vor den Kopf stößt? Es geht doch um die prinzipielle Seite der Resolution, nicht aber darum, wer wen vor den Kopf gestoßen hat. Damit will ich sagen, dass selbst die Zellen und Organisationen, die in scharfer und entschiedener Opposition stehen, dass selbst sie es nicht wagten, irgend etwas Prinzipielles gegen die Resolution des Politbüros des ZK und des Präsidiums der ZKK vorzubringen. Ich stelle das als Tatsache fest, um nochmals zu betonen, dass sich in der ganzen Geschichte unserer Partei schwerlich ein ähnlicher Fall finden lässt, wo eine Resolution, die durch die Gewitter und Stürme einer erbitterten Diskussion gegangen ist, nicht nur bei der Mehrheit, sondern buchstäblich in der gesamten Partei überhaupt so eine einmütige Billigung gefunden hätte.

Hieraus ziehe ich zwei Schlussfolgerungen. Die erste Schlussfolgerung ist, dass die Resolution des Politbüros und der ZKK also den gegenwärtigen Erfordernissen und Bedürfnissen der Partei voll und ganz entspricht. Und die zweite Schlussfolgerung ist, dass die Partei also aus dieser Diskussion über die Frage der innerparteilichen Demokratie gestärkt und geschlossener hervorgehen wird. Diese Schlussfolgerung ist sozusagen ein Schlag ins Gesicht jener Leute im Ausland, die uns übelwollen und sich angesichts unserer Diskussion schon lange die Hände reiben, in dem Glauben, dass unsere Partei durch die Diskussion schwächer werde und dass die Staatsmacht zerfallen werde.

Ich will mich nicht über das Wesen der innerparteilichen Demokratie verbreiten. Die Grundlagen dieser Demokratie sind in der Resolution dargelegt, die Resolution ist des langen und breiten von der gesamten Partei durchdiskutiert worden - warum sollte ich das hier nochmals wiederholen? Ich will nur eins sagen: Eine voll entfaltete, vollständige Demokratie wird es offenbar nicht geben. Offenbar wird sich diese Demokratie in den vom X., XI. und XII. Parteitag umrissenen Grenzen halten. Worin diese Grenzen bestehen, wissen Sie sehr gut, und ich will es hier nicht wiederholen. Ich will mich auch nicht darüber verbreiten, dass die wichtigste Garantie dafür, dass unserer Partei die innerparteiliche Demokratie in Fleisch und Blut übergeht, in der Stärkung der Aktivität und der Bewusstheit der Parteimassen besteht. Auch hierüber wird in unserer Resolution ausführlich genug gesprochen.

Ich komme nun zu der Frage, wie bei uns einige Genossen und einige Organisationen aus der Frage der Demokratie einen Fetisch machen, indem sie diese als etwas Absolutes, außerhalb von Zeit und Raum, betrachten. Ich will damit sagen, dass die Demokratie nicht etwas für alle Zeiten und Bedingungen Gegebenes ist, denn es gibt Augenblicke, in denen es unmöglich und sinnlos ist, sie zu verwirklichen. Soll sie, diese innerparteiliche Demokratie, möglich werden, so sind zwei Bedingungen oder zwei Gruppen von Bedingungen, inneren und äußeren Charakters, notwendig, ohne die es müßig ist, von Demokratie zu reden.

Notwendig ist erstens, dass sich die Industrie entwickelt, dass sich die materielle Lage der Arbeiterklasse nicht verschlechtert, dass die Arbeiterklasse zahlenmäßig wächst, dass sich das Kulturniveau der Arbeiterklasse hebt und dass die Arbeiterklasse auch qualitativ wächst. Notwendig ist, dass die Partei als Vorhut der Arbeiterklasse gleichfalls wächst, vor allem qualitativ und vor allem durch die Aufnahme proletarischer Elemente des Landes. Diese Bedingungen inneren Charakters sind absolut notwendig, damit es möglich wird, die Frage der tatsächlichen und nicht papiernen Verwirklichung der innerparteilichen Demokratie aufzuwerfen.

Aber diese Bedingungen allein reichen nicht aus. Ich sagte schon, dass es noch eine zweite Gruppe von Bedingungen gibt, Bedingungen äußeren Charakters, ohne deren Vorhandensein eine Demokratie innerhalb der Partei unmöglich ist. Ich meine bestimmte internationale Bedingungen, Bedingungen, die den Frieden, die friedliche Entwicklung, ohne die die Demokratie in der Partei undenkbar ist, mehr oder weniger gewährleisten. Mit anderen Worten, wenn man uns überfällt und wir das Land mit der Waffe in der Hand werden verteidigen müssen, dann kann von Demokratie gar keine Rede sein, denn wir werden sie dann einschränken müssen. Die Partei mobilisiert dann ihre Reihen, wir militarisieren sie wahrscheinlich, und die Frage der innerparteilichen Demokratie wird von selbst entfallen.

Daher glaube ich, dass die Demokratie in Abhängigkeit von den jeweiligen Bedingungen betrachtet werden muss, dass es in Fragen der innerparteilichen Demokratie keinen Fetischismus geben darf, denn die Verwirklichung der innerparteilichen Demokratie hängt, wie Sie sehen, von den konkreten Bedingungen der Zeit und des Ortes in jedem gegebenen Augenblick ab.

Damit es keine unangebrachten Übertreibungen und unbegründeten Beschuldigungen mehr gebe, muss ich ferner an die Hindernisse erinnern, die der Partei bei der Verwirklichung der Demokratie im Wege stehen - Hindernisse, die die Verwirklichung der Demokratie selbst dann erschweren, wenn die beiden oben umrissenen günstigen Hauptbedingungen, inneren und äußeren Charakters, vorhanden sind. Solche Hindernisse gibt es, Genossen, sie haben tiefgehenden Einfluss auf unsere Parteiarbeit, und ich habe nicht das Recht, sie zu verschweigen. Worin bestehen diese Hindernisse?

Diese Hindernisse, Genossen, bestehen erstens darin, dass ein Teil unserer Funktionäre noch mit Überresten der alten, der Kriegsperiode, in der unsere Partei militarisiert war, behaftet ist - Überreste, die gewisse unmarxistische Anschauungen hervorbringen, die Anschauung, unsere Partei sei kein selbsttätiger Organismus mit selbständigem Leben, sowohl was die Ideen als auch was die Praxis betrifft, sondern so etwas wie ein System von Institutionen, unteren, mittleren und höheren. Diese absolut unmarxistische Anschauung hat zwar noch nirgends ihre vollendete Form erhalten, sie ist nirgends voll ausgesprochen worden, aber ein Teil unserer Funktionäre, die Parteiarbeit leisten, ist mit Elementen dieser Anschauung behaftet und wird dadurch gehindert, die innerparteiliche Demokratie konsequent zu verwirklichen. Daher ist der Kampf gegen solche Anschauungen, der Kampf gegen die Überreste der Kriegsperiode sowohl im Zentrum als auch draußen im Lande die nächste Aufgabe der Partei.

Das zweite Hindernis, das der Verwirklichung der Demokratie in der Partei im Wege steht, ist der Druck, den der bürokratische Staatsapparat auf den Parteiapparat, auf unsere Parteifunktionäre ausübt. Der Druck dieses schwerfälligen Apparats auf unsere Parteifunktionäre ist nicht immer zu bemerken und springt nicht immer ins Auge, aber er hört auch nicht für eine Sekunde auf. Dieser Druck des schwerfälligen bürokratischen Staatsapparats kommt in letzter Instanz darin zum Ausdruck, dass eine ganze Reihe unserer Funktionäre sowohl im Zentrum als auch draußen im Lande des öfteren, ungewollt und völlig unbewusst, von der innerparteilichen Demokratie, von der Linie abweichen, an deren Richtigkeit sie glauben, die sie jedoch des öfteren nicht restlos zu verwirklichen vermögen. Sie können sich den nicht weniger als eine Million Angestellte umfassenden bürokratischen Staatsapparat vorstellen, bestehend aus Elementen, die der Partei größtenteils fremd sind, und unseren Parteiapparat, der nicht mehr als 20000 bis 30000 Personen umfasst, die berufen sind, den Staatsapparat der Partei unterzuordnen, die berufen sind, ihn zu sozialisieren. Was ist unser Staatsapparat wert ohne die Hilfe der Partei? Ohne die Unterstützung, die Hilfe unseres Parteiapparats ist er leider wenig wert. Und so kommt es immer wieder dazu, dass unser Parteiapparat, wenn er mit seinen Fühlern in alle Zweige der Staatsverwaltung eindringt, seine Parteiarbeit in diesen Organen häufig auf die Linie der Staatsapparate ausrichten muss. Konkret: Die Partei muss an der politischen Aufklärung der Arbeiterklasse, an der Vertiefung des Bewusstseins der Arbeiterklasse arbeiten, zugleich aber muss die Naturalsteuer eingebracht und die und die Kampagne durchgeführt werden, denn ohne die Kampagnen, ohne die Hilfe der Partei sind die Staatsapparate nicht imstande, ihre Aufgaben zu bewältigen. Und dabei geraten unsere Funktionäre zwischen zwei Feuer: die Notwendigkeit, die Tätigkeit der in alter Weise arbeitenden Staatsapparate zu korrigieren, und die Notwendigkeit, die Verbindung mit den Arbeitern zu behalten. Und hierbei verfallen sie oft selbst in Bürokratismus.

Das ist das zweite Hindernis, das schwer zu überwinden ist, das man aber um jeden Preis überwinden muss, um die Verwirklichung der innerparteilichen Demokratie zu erleichtern.

Schließlich gibt es noch ein drittes Hindernis, das der Verwirklichung der Demokratie im Wege steht - das niedrige Kulturniveau einer ganzen Reihe unserer Organisationen, unserer Zellen, besonders in den Randgebieten (ich sage das nicht, um sie zu kränken), das unsere Parteiorganisationen daran hindert, die innerparteiliche Demokratie restlos zu verwirklichen. Um die Demokratie verwirklichen zu können, ist, wie Sie wissen, erforderlich, dass die Zellenmitglieder und die Organisation als Ganzes ein gewisses Mindestmaß an Bildung besitzen und dass eine gewisse Mindestzahl an aktiven Funktionären vorhanden ist, die gewählt werden und verantwortliche Posten bekleiden können. Was aber, wenn diese Mindestzahl aktiver Funktionäre in der Organisation nicht vorhanden, wenn das Kulturniveau der Organisation selbst niedrig ist? Es versteht sich, dass man dann von der Demokratie abgehen und zur Ernennung der Funktionäre u. a. schreiten muss.

Das sind die Hindernisse, die vor uns standen, die noch vor uns stehen werden und die wir überwinden müssen, um die innerparteiliche Demokratie ehrlich und restlos verwirklichen zu können.

Ich habe Sie an diese Hindernisse, die vor uns stehen, und an die äußeren und inneren Bedingungen, ohne die die Demokratie zu einer leeren demagogischen Phrase wird, deshalb erinnert, weil einige Genossen aus der Frage der Demokratie einen Fetisch, etwas Absolutes machen, in der Meinung, Demokratie sei immer und unter allen Bedingungen möglich, ihre Verwirklichung werde allein durch den "bösen" Willen der "Apparatleute" gestört. Und gegen diese idealistische Ansicht, eine Ansicht, die nicht die unsere ist, die nicht marxistisch, nicht leninistisch ist, wende ich mich, wenn ich Sie, Genossen, an die Bedingungen, ohne die die Demokratie nicht verwirklicht werden kann, und an die Hindernisse, die gegenwärtig vor uns stehen, erinnere.

Hiermit könnte ich mein Referat beenden, Genossen, aber ich glaube, dass wir verpflichtet sind, die Bilanz der Diskussion zu ziehen und aus dieser Bilanz einige Schlussfolgerungen abzuleiten, die von erheblicher Bedeutung für uns sein können. Ich könnte unseren ganzen Diskussionskampf, unseren Kampf in der Frage der Demokratie, in drei Perioden unterteilen.

Die erste Periode war die Zeit, als die Opposition das ZK angriff und es beschuldigte, dass während der letzten zwei Jahre, während der Periode der NÖP überhaupt, die gesamte Linie des ZK falsch gewesen wäre. Es war die Periode vor Veröffentlichung der Resolution des Politbüros und des Präsidiums der ZKK. Ich will hier nicht auf die Frage eingehen, wer dabei recht und wer unrecht hatte. Die Angriffe waren heftig und, wie Sie wissen, nicht immer begründet. Eins aber ist klar, dass diese Periode sich als Periode der größten Angriffe der Opposition gegen das ZK charakterisieren lässt.

Die zweite Periode begann in dem Augenblick, als die Resolution des Politbüros und der ZKK veröffentlicht wurde, als sich die Opposition vor die Notwendigkeit gestellt sah, der Resolution des ZK irgend etwas in sich Geschlossenes, Konkretes gegenüberzustellen, und als die Opposition weder etwas in sich Geschlossenes noch etwas Konkretes aufzuweisen hatte. Es war die Periode der größten Annäherung zwischen dem ZK und der Opposition. Offensichtlich liefen die Dinge darauf hinaus oder hätten darauf hinauslaufen können, dass eine gewisse Aussöhnung der Opposition mit der Linie des ZK erfolgen würde. Ich erinnere mich gut, wie in Moskau, im Zentrum des Diskussionskampfes, Preobrashenski, ich glaube am 12. Dezember in der Sitzung im Kolonnensaal, eine Resolution einbrachte, die aus irgendeinem Grunde abgelehnt wurde, sich aber nur wenig von der Resolution des ZK unterschied. Diese Resolution wies in ihrer Grundlage und sogar in einigen untergeordneten Punkten überhaupt keine Differenz gegenüber der Resolution des ZK auf. Und damals schien es mir, dass es eigentlich nichts mehr gäbe, worum man noch streiten müsse: es liegt die Resolution des ZK vor, sie befriedigt alle, mindestens zu neun Zehntel, die Opposition fühlt das offenbar selbst, sie kommt uns entgegen, und damit würden wir vielleicht die Meinungsverschiedenheiten beilegen. Dies war die zweite, die Versöhnungsperiode.

Aber dann begann die dritte Periode. Diese Periode setzte mit dem Auftreten Trotzkis, mit seinem Aufruf an die Rayons ein, einem Auftreten, das die Aussöhnungstendenzen im Nu beseitigte und alles wieder umwarf. Nach diesem Auftreten Trotzkis begann die Periode des erbittertsten innerparteilichen Kampfes - eines Kampfes, zu dem es nicht gekommen wäre, wenn Trotzki nicht, nachdem er für die Resolution des Politbüros gestimmt hatte, am nächsten Tage mit seinem Brief hervorgetreten wäre. Sie wissen, dass dem ersten Auftreten Trotzkis ein zweites, dem zweiten ein drittes folgte und dass sich der Kampf im Zusammenhang hiermit noch mehr verschärfte.

Ich denke, Genossen, Trotzki hat bei diesem seinem wiederholten Auftreten zumindest sechs ernste Fehler begangen. Diese Fehler haben zu einer Verschärfung des innerparteilichen Kampfes geführt. Ich gehe zur Analyse dieser Fehler über.

Der erste Fehler Trotzkis liegt schon in der Tatsache selbst, dass er am Tage nach Veröffentlichung der Resolution des Politbüros des ZK und der ZKK mit einem Artikel hervortrat, einem Artikel, den man nur als eine der Resolution des ZK gegenübergestellte Plattform qualifizieren kann. Ich wiederhole und betone, dass dies ein Artikel war, den man nur als eine neue, der einstimmig angenommenen Resolution des ZK gegenübergestellte Plattform betrachten kann. Bedenken Sie nur, Genossen: An dem und dem Tage treten das Politbüro und das Präsidium der ZKK zusammen, die Frage einer Resolution über die innerparteiliche Demokratie wird erörtert, die Resolution wird einstimmig angenommen, und nur einen Tag danach wird, unabhängig vom ZK, ungeachtet des Willens des ZK, über den Kopf des ZK hinweg, ein Artikel Trotzkis an die Rayons versandt - eine neue Plattform, die die Frage Apparat und Partei, Kader und Jugend, Fraktionen und Einheit der Partei, usw. usw. erneut aufwirft -, eine Plattform, die von der gesamten Opposition aufgegriffen und der Resolution des ZK gegenübergestellt wird. Das kann man nur so einschätzen, dass Trotzki sich dem Zentralkomitee gegenüberstellt. Das bedeutet, dass Trotzki sich offen und schroff dem gesamten ZK gegenüberstellt. Vor der Partei erhob sich die Frage: Haben wir ein ZK als führendes Organ oder haben wir es nicht mehr, gibt es ein ZK, dessen einstimmige Beschlüsse von den Mitgliedern dieses ZK geachtet werden, oder gibt es nur einen Übermenschen, der über dem ZK steht, einen Übermenschen, für den keine Gesetze geschrieben sind, der es sich erlauben kann, heute für die Resolution des ZK zu stimmen, morgen aber eine neue Plattform gegen diese Resolution aufzustellen und zu veröffentlichen? Man kann von den Arbeitern nicht verlangen, Genossen, dass sie sich der Parteidisziplin unterordnen, wenn eins der Mitglieder des ZK offen, vor aller Augen das Zentralkomitee und seinen einstimmig angenommenen Beschluss ignoriert. Man kann nicht zwei Disziplinen haben: eine für Arbeiter und eine andere für Würdenträger. Es kann nur eine Disziplin geben.

Der Fehler Trotzkis besteht eben darin, dass er sich dem ZK gegenüberstellte und sich ein Übermensch zu sein dünkte, der über dem ZK, über seinen Gesetzen, über seinen Beschlüssen steht, womit er einem gewissen Teil der Partei Veranlassung gab, auf Untergrabung des Vertrauens zu diesem ZK hinzuarbeiten.

Einige Genossen äußerten ihre Unzufriedenheit darüber, dass diese parteifeindliche Handlung Trotzkis in einigen Artikeln der "Prawda" und verschiedener Mitglieder des ZK hervorgehoben wurde. Genossen, ich muss diesen Genossen entgegnen, dass keine Partei ein ZK achten kann, das in einem so schwierigen Moment nicht die Fähigkeit zeigt, die Würde der Partei zu verteidigen, wenn ein Mitglied des ZK sich über das gesamte ZK zu stellen versucht. Das ZK hätte über sich selbst moralisch den Stab gebrochen, wenn es an diesem Versuch Trotzkis vorübergegangen wäre.

Der zweite Fehler, den Trotzki beging, besteht darin, dass er sich während der ganzen Periode der Diskussion zweideutig benahm, dass er den Willen der Partei, die seinen wirklichen Standpunkt zu erfahren wünschte, gröblich ignorierte und der von einer ganzen Reihe von Organisationen klar und deutlich gestellten Frage diplomatisch auswich: Für wen ist Trotzki denn zu guter Letzt - für das ZK oder für die Opposition? Eine Diskussion wird nicht geführt, um Ausflüchte zu machen, sondern um offen und ehrlich die ganze Wahrheit vor der Partei darzulegen, so, wie Iljitsch es zu tun versteht, so, wie das jeder Bolschewik zu tun verpflichtet ist. Man sagt, Trotzki sei ernstlich krank. Nehmen wir an, er ist ernstlich krank. Aber während seiner Krankheit hat er drei Artikel und vier neue Kapitel seiner heute erschienenen Broschüre geschrieben. Ist es dann nicht klar, dass Trotzki durchaus die Möglichkeit hat, die Fragen der Organisationen mit ein paar Zeilen zu beantworten, ob er für die Opposition oder gegen die Opposition ist? Man braucht kaum zu beweisen, dass diese Ignorierung des Willens einer Reihe von Organisationen zwangsläufig den innerparteilichen Kampf verschärfen musste.

Der dritte Fehler, den Trotzki beging, besteht darin, dass er bei seinem wiederholten Auftreten den Parteiapparat der Partei gegenüberstellte, indem er die Losung des Kampfes gegen die "Apparatleute" herausgab. Der Bolschewismus kann nicht zulassen, dass die Partei dem Parteiapparat gegenübergestellt wird. Woraus besteht unser Parteiapparat tatsächlich? Der Apparat der Partei - das ist das ZK, das sind die Gebietskomitees, die Gouvernementskomitees, die Kreiskomitees. Sind sie der Partei unterstellt? Natürlich sind sie ihr unterstellt, denn zu 90 Prozent werden sie von der Partei gewählt. Unrecht haben diejenigen, die behaupten, die Gouvernementskomitees seien durch Ernennung besetzt worden. Sie haben unrecht. Genossen, Sie wissen, dass die Gouvernementskomitees bei uns gewählt werden, ebenso wie die Kreiskomitees und das ZK. Sie sind der Partei unterstellt. Aber nachdem sie gewählt sind, müssen sie die Arbeit leiten - darum handelt es sich. Ist denn eine Parteiarbeit denkbar, ohne dass, nachdem das ZK vom Parteitag gewählt ist, nachdem das Gouvernementskomitee von der Gouvernementskonferenz gewählt ist, das ZK und die Gouvernementskomitees die Arbeit leiten? Ohne das ist doch eine Parteiarbeit bei uns undenkbar. Das ist doch eine leichtfertige anarchistisch-menschewistische Anschauung, die das Prinzip der Leitung der Parteiarbeit als solches verneint. Ich fürchte, dass Trotzki, den ich natürlich nicht mit den Menschewiki auf eine Stufe stellen will, dadurch, dass er den Parteiapparat der Partei gegenüberstellt, einigen unerfahrenen Elementen unserer Partei Anlass gibt, sich auf den Standpunkt der anarchistisch-menschewistischen Zerfahrenheit und organisatorischen Verlotterung zu stellen. Ich fürchte, dass dieser Fehler Trotzki für die unerfahrenen Mitglieder der Partei, für unseren ganzen Parteiapparat eine Gefahr bedeutet - für den Apparat, ohne den die Partei undenkbar ist.

Der vierte Fehler, den Trotzki beging, besteht darin, dass er die Jugend den Kadern unserer Partei gegenüberstellte, dass er die grundlose Beschuldigung erhob, unsere Kader entarteten. Trotzki hat unsere Partei mit der Partei der Sozialdemokraten in Deutschland auf eine Stufe gestellt, er hat sich auf Beispiele berufen, die zeigen, wie einige Schüler von Marx, alte Sozialdemokraten, entarteten, und hat daraus die Schlussfolgerung gezogen, dass unsere Parteikader vor der gleichen Gefahr der Entartung stehen. Eigentlich müsste man ja darüber lachen, wenn eins der Mitglieder des ZK, das gestern noch Hand in Hand mit den Opportunisten und Menschewiki gegen den Bolschewismus kämpfte, wenn es jetzt im siebenten Jahr der Sowjetmacht versucht, und sei es auch nur in Form einer Annahme, zu behaupten, die Kader unserer Partei, die im Kampf gegen den Menschewismus und Opportunismus entstanden, gewachsen und erstarkt sind, diese Kader stünden vor der Entartung. Man müsste, wie gesagt, über einen solchen Versuch lachen. Da aber diese Behauptung nicht in gewöhnlichen Zeiten aufgestellt wurde, sondern in Zeiten einer Diskussion, und da wir vor der Tatsache stehen, dass Kader, die entarten können, der Jugend, die von einer solchen Gefahr angeblich frei oder fast frei ist, gewissermaßen gegenübergestellt werden, so kann diese Annahme, die ihrem Wesen nach lächerlich und nicht ernst zu nehmen ist, gewisse praktische Bedeutung gewinnen und hat sie bereits gewonnen. Daher glaube ich, dass wir auf diese Frage eingehen müssen.

Bisweilen wird gesagt, man müsse die Alten achten, da sie schon länger lebten als die Jungen, mehr wüssten und besser beraten könnten. Ich muss sagen, Genossen, dass diese Ansicht völlig falsch ist. Nicht jeden Alten muss man achten, und nicht jede Erfahrung ist für uns wichtig. Was das für eine Erfahrung ist - das ist der springende Punkt. Die deutsche Sozialdemokratie hat ihre Kader, sehr erfahrene Kader: Scheidemann, Noske, Wels und andere, Kader, die in höchstem Maße erfahren, die auf den Kampf eingefuchst sind... Aber auf den Kampf gegen was? Auf den Kampf gegen wen? Was das für eine Erfahrung ist - das ist der springende Punkt. Dort haben sich die Kader im Kampf gegen das Revolutionäre, im Kampf nicht für die Diktatur des Proletariats, sondern gegen die Diktatur des Proletariats herausgebildet. Das ist eine riesige Erfahrung, aber diese Erfahrung ist eine negative Erfahrung. Diese Erfahrung zu zerschlagen, Genossen, sie zu zerstören und solche Alten zu verjagen, dazu ist die Jugend verpflichtet. Dort, in der deutschen Sozialdemokratie, wo die Jugend frei ist von der Erfahrung des Kampfes gegen das Revolutionäre, dort ist diese Jugend dem revolutionären Geist oder dem Marxismus näher als die alten Kader, die mit der Erfahrung des Kampfes gegen den revolutionären Geist des Proletariats belastet sind, die mit der Erfahrung des Kampfes für den Opportunismus, gegen den Revolutionismus belastet sind. Solche Kader muss man zerschlagen, und alle unsere Sympathien müssen auf der Seite jener Jugend sein, die, wie gesagt, von dieser Erfahrung des Kampfes gegen das Revolutionäre frei ist und die sich infolgedessen um so leichter die neuen Mittel und neuen Methoden des Kampfes für die Diktatur des Proletariats, gegen den Opportunismus, zu eigen macht. Dort, in Deutschland, ist mir diese Fragestellung verständlich. Wenn Trotzki von der Sozialdemokratie Deutschlands und von den Kadern einer solchen Partei gesprochen hätte, so würde ich seine Erklärung mit beiden Händen unterschreiben. Bei uns aber handelt es sich doch um eine andere Partei - um eine kommunistische Partei, um die Partei der Bolschewiki, deren Kader im Kampf gegen den Opportunismus entstanden sind, die im Kampf gegen den Opportunismus erstarkten, die wuchsen und die Macht erkämpften im Kampf gegen den Imperialismus, im Kampf gegen jederlei opportunistische Trabanten des Imperialismus. Ist es etwa nicht klar, dass wir es hier mit einem prinzipiellen Unterschied zu tun haben? Wie kann man Kader, die im Kampf für das Revolutionäre aufgewachsen sind, Kader, die den Kampf für das Revolutionäre geführt haben, Kader, die im Kampf gegen den Imperialismus zur Macht gekommen sind, Kader, die die Grundfesten des Weltimperialismus erschüttern, wie kann man diese Kader, wenn man offen, ohne Falsch spricht - wie kann man diese Kader auf eine Stufe stellen mit solchen Kadern, wie sie die deutsche Sozialdemokratie besitzt, die früher mit Wilhelm gegen die Arbeiterklasse gemeinsame Sache machte und heute mit Seeckt gemeinsame Sache macht, die im Kampf gegen den revolutionären Geist des Proletariats erstarkte und sich herausbildete - wie kann man diese prinzipiell verschiedenartigen Kader auf eine Stufe stellen, wie kann man sie durcheinanderbringen? Ist es denn schwer zu verstehen, dass zwischen diesen Kadern ein unüberbrückbarer Abgrund liegt? Ist es denn schwer zu verstehen, dass diese grobe Fälschung, diese grobe Verdrehung, die Trotzki beging, darauf berechnet ist, die Autorität unserer revolutionären Kader, des Kerns unserer Partei, zu untergraben? Ist es denn nicht klar, dass diese Fälschung nur die Leidenschaften entfachen und den innerparteilichen Kampf verschärfen konnte?

Der fünfte Fehler, den Trotzki beging, besteht darin, dass er in seinen Briefen Veranlassung gab, ja die Losung aufstellte, sich nach der studierenden Jugend zu richten, nach diesem "sichersten Barometer unserer Partei". "Die Jugend ist das sicherste Barometer der Partei, sie reagiert auf den Parteibürokratismus am empfindlichsten" - schreibt er in seinem ersten Artikel. Und damit kein Zweifel übrig bleibt, um welche Jugend es sich handelt, fügt Trotzki in dem zweiten Brief hinzu: "Besonders empfindlich reagiert, wie wir gesehen haben, auf den Bürokratismus die studierende Jugend." Wenn man von dieser These ausgeht, die absolut unrichtig, theoretisch falsch, praktisch schädlich ist, so muss man weiter gehen und die Losung ausgeben: "Mehr studierende Jugend in unsere Partei, die Tore unserer Partei weiter auf für die studierende Jugend."

Bisher war es so, dass wir uns auf den proletarischen Sektor unserer Partei orientierten und sagten: Die Tore der Partei weiter auf für die proletarischen Elemente, unsere Partei möge wachsen, indem ihr proletarischer Teil wächst. Jetzt stellt Trotzki diese Formel auf den Kopf.

Die Frage der Intelligenz und der Arbeiter in unserer Partei ist für uns nicht neu. Sie stand bereits auf dem II. Parteitag unserer Partei, als über die Formulierung des ersten Paragraphen des Statuts, über die Parteimitgliedschaft, gesprochen wurde. Es ist bekannt, dass Martow damals die Erweiterung des Rahmens der Partei für nichtproletarische Elemente verlangte, entgegen Genossen Lenin, der eine entschiedene Einschränkung des Zutritts nichtproletarischer Elemente zur Partei forderte. Später, auf dem III. Parteitag unserer Partei, wird diese Frage erneut und mit großem Nachdruck aufgeworfen. Ich erinnere mich, wie scharf dort Genosse Lenin die Frage der Arbeiter und der Intelligenz in unserer Partei stellte. Folgendes sagte damals Genosse Lenin:

"Es wurde darauf hingewiesen, dass an der Spitze der Spaltungen gewöhnlich Intellektuelle standen. Dieser Hinweis ist sehr wichtig, er löst aber die Frage nicht... Ich denke, die Sache muss weiter gefasst werden. Arbeiter in die Komitees aufzunehmen, ist nicht nur eine pädagogische, sondern auch eine politische Aufgabe. Die Arbeiter haben Klasseninstinkt, und bei einiger politischer Übung werden sie ziemlich schnell standhafte Sozialdemokraten. Ich wäre sehr dafür, dass in unseren Komitees auf je 2 Intellektuelle 8 Arbeiter kämen." (Siehe 4. Ausgabe, Bd. 8, S. 375, 376, russ.)

So stand die Frage schon im Jahre 1905. Seitdem diente uns dieser Hinweis des Genossen Lenin als Leitidee für den Parteiaufbau. Jetzt aber schlägt uns Trotzki im Grunde vor, mit der organisatorischen Linie des Bolschewismus zu brechen.

Und schließlich der sechste Fehler Trotzkis, der darin besteht, dass er die Freiheit der Gruppierungen proklamiert. Jawohl, die Freiheit der Gruppierungen! Ich erinnere mich, wie wir bereits in der Unterkommission, die den Entwurf der Resolution über die Demokratie ausarbeitete, mit Trotzki über Gruppierungen und Fraktionen stritten. Während Trotzki gegen das Verbot von Fraktionen keine Einwände erhob, verteidigte er entschieden die Idee Zulassung von Gruppierungen innerhalb der Partei. Denselben Standpunkt vertritt die Opposition. Diese Leute begreifen offenbar nicht, dass sie mit der Freiheit der Gruppierungen den Mjasnikow-Elementen eine Hintertür öffnen, da sie es ihnen erleichtern, die Partei zu betrügen und eine Fraktion für eine Gruppierung auszugeben. Denn welcher Unterschied besteht zwischen einer Gruppierung und einer Fraktion? Doch nur ein äußerlicher. Folgendermaßen definiert Genosse Lenin die Fraktionsmacherei, die er mit Gruppenbildung auf eine Stufe stellt:

"Schon vor der allgemeinen Parteidiskussion über die Gewerkschaften sind einige Anzeichen der Fraktionsmacherei in der Partei festzustellen gewesen, d. h. die Entstehung von Gruppen mit besonderen Plattformen und mit dem Bestreben, sich bis zu einem bestimmten Grade abzuschließen und eine eigene Gruppendisziplin zu schaffen." (Siehe den stenographischen Bericht des X. Parteitags der KPR(B), S.309 [deutsch in "Ausgewählte Werke" in zwei Bänden, Bd. II, S. 801].)

Wie Sie sehen, gibt es hier im Grunde keinen Unterschied zwischen Fraktion und Gruppe. Als die Opposition hier, in Moskau, ein besonderes Büro mit Serebrjakow an der Spitze schuf, als sie ihre Redner aussandte und sie verpflichtete, in den und den Versammlungen aufzutreten und die und die Einwände zu erheben, und als die Oppositionellen im Verlauf des Kampfes gezwungen waren zurückzuweichen und ihre Resolutionen auf Kommando änderten, war hier natürlich sowohl eine Gruppierung als auch eine Gruppendisziplin vorhanden. Man sagt, das wäre keine Fraktion, was aber dann eine Fraktion ist, das möge Preobrashenski erklären. Das Auftreten Trotzkis, seine Briefe, seine Artikel zur Frage der Generationen und der Fraktionen sollen die Partei dahin bringen, dass sie in ihrem Schoß Gruppierungen duldet. Das ist ein Versuch, die Fraktionen, vor allem die Fraktion Trotzkis, zu legalisieren.

Trotzki behauptet, Gruppierungen entstünden infolge des bürokratischen Regimes des Zentralkomitees, wenn es bei uns kein bürokratisches Regime gäbe, würde es auch keine Gruppierungen geben. Das ist eine unmarxistische Fragestellung, Genossen. Gruppierungen entstehen bei uns und werden entstehen, weil wir im Lande die verschiedenartigsten Wirtschaftsformen haben, von Keimformen des Sozialismus bis zu mittelalterlichen Wirtschaftsformen. Das als erstes. Ferner haben wir die NÖP, das heißt, wir haben den Kapitalismus, ein Wiederaufleben des Privatkapitals und ein Wiederaufleben der entsprechenden Ideen, die in die Partei eindringen, zugelassen. Das als zweites. Und drittens, weil unsere Partei aus drei Bestandteilen besteht: Es gibt Arbeiter, es gibt Bauern, es gibt Intellektuelle in der Partei. Das sind, wenn man an die Frage marxistisch herangeht, die Ursachen dafür, dass sich in der Partei gewisse Elemente für die Schaffung von Gruppierungen finden, die wir manchmal durch chirurgische Maßnahmen entfernen müssen und manchmal durch ideologische Beeinflussung auf dem Wege der Diskussion zum Verschwinden bringen müssen.

Nicht um das Regime geht es hier. Wenn wir ein Regime maximaler Freiheit hätten, so gäbe es weit mehr Gruppierungen. Also nicht das Regime ist schuld, sondern schuld sind die Bedingungen, in deren Rahmen wir leben, die Bedingungen, die wir in unserem Lande haben, die Entwicklungsbedingungen der Partei selbst.

Wenn wir in einer solchen Lage, angesichts einer solchen Kompliziertheit auch noch Gruppierungen zulassen, so werden wir die Partei zugrunde richten, sie aus einer fest geschlossenen Organisation, einer Organisation aus einem Guss in einen Bund von Gruppen und Fraktionen verwandeln, die untereinander Vereinbarungen treffen und zeitweilige Vereinigungen und Abkommen eingehen. Das wird keine Partei, das wird der Zerfall der Partei sein. Niemals, nicht für eine Minute, dachten sich die Bolschewiki die Partei anders denn als Organisation aus einem Guss, geschmiedet aus einem Stück, die einen Willen hat und in ihrer Arbeit alle Gedankenschattierungen in einem Strom praktischer Handlungen vereint.

Das aber, was Trotzki vorschlägt, ist grundfalsch, steht im Widerspruch zu den bolschewistischen Organisationsprinzipien und wird unvermeidlich zur Zersetzung der Partei, zu ihrer Zermürbung, zu ihrer Verwässerung, zur Verwandlung der einheitlichen Partei in eine Föderation von Gruppen führen. Wir, in unserer Lage, unter den Bedingungen der kapitalistischen Umkreisung, brauchen sogar nicht nur eine einheitliche, nicht nur eine fest zusammengeschlossene, sondern eine wirklich stählerne Partei, die fähig ist, dem Ansturm der Feinde des Proletariats standzuhalten, die fähig ist, die Arbeiter in den entscheidenden Kampf zu führen.

Was ist das Fazit?

Das Fazit besteht erstens darin, dass wir eine konkrete und bestimmte Resolution über die Ergebnisse dieser Diskussion ausgearbeitet haben, dass wir gesagt haben: Gruppierungen und Fraktionen können wir nicht dulden, die Partei muss eine einheitliche Partei, eine Partei aus einem Guss sein, man darf die Partei nicht dem Apparat gegenüberstellen, man darf nicht über die Gefahr einer Entartung der Kader schwatzen, denn diese Kader sind revolutionär, man darf nicht Risse finden wollen zwischen diesen revolutionären Kadern und der Jugend, die mit diesen Kadern gleichen Schritt hält und auch in Zukunft gleichen Schritt halten wird:

Wir haben auch einige positive Schlussfolgerungen. Die erste und grundlegende Schlussfolgerung besteht darin, dass die Partei sich künftig entschieden nach dem proletarischen Sektor unserer Partei orientieren und richten muss, dass der Zugang für nichtproletarische Elemente eingeschränkt, erschwert oder überhaupt gesperrt werden muss, während die Tore für proletarische Elemente weit geöffnet werden müssen.

Was die Gruppierungen und Fraktionen betrifft, so glaube ich, dass es an der Zeit für uns ist, jenen Punkt der Resolution über die Einheit zu veröffentlichen, der auf Vorschlag des Genossen Lenin vom X. Parteitag unserer Partei angenommen wurde, aber nicht zur Veröffentlichung bestimmt war. Die Mitglieder der Partei haben diesen Punkt vergessen. Ich fürchte, dass ihn nicht alle im Gedächtnis haben. Dieser Punkt, der bisher geheim geblieben ist, muss öffentlich bekannt werden und einen Platz in der Resolution finden, die wir zu den Ergebnissen der Diskussion annehmen werden. Wenn Sie gestatten, werde ich ihn verlesen. Er lautet:

,,Um innerhalb der Partei und in der gesamten Sowjetarbeit strenge Disziplin herbeizuführen und die größte Einheit bei Ausmerzung jeglicher Fraktionsmacherei zu erzielen, bevollmächtigt der Parteitag das ZK, im Falle (in Fällen) eines Disziplinbruchs oder des Wiederauflebens oder der Zulassung der Fraktionsmacherei, alle Disziplinarmaßnahmen der Partei, bis zum Ausschluss aus der Partei, und gegenüber Mitgliedern des ZK ihre Überführung in den Kandidatenstand und, als äußerste Maßnahme, sogar den Ausschluss aus der Partei in Anwendung zu bringen. Die Anwendung dieser äußersten Maßnahme (gegen Mitglieder des ZK, Kandidaten des ZK und Mitglieder der Kontrollkommission) kann nur unter der Bedingung erfolgen, dass ein Plenum des ZK einberufen wird, zu dem alle Kandidaten des ZK sowie alle Mitglieder der Kontrollkommission geladen werden. Erachtet diese gemeinsame Tagung der verantwortlichsten Leiter der Partei mit Zweidrittelmehrheit der Stimmen die Überführung eines ZK-Mitglieds in den Kandidatenstand oder den Ausschluss aus der Partei für notwendig, so muss diese Maßregel unverzüglich durchgeführt werden."

Ich denke, dass wir diesen Punkt in die Resolution über die Ergebnisse der Diskussion aufnehmen und ihn bekanntmachen müssen.

Schließlich eine Frage, die von der Opposition in einem fort gestellt wird und auf die sie offenbar nicht immer eine befriedigende Antwort erhält. Wessen Stimmungen bringen wir, die Opposition, denn zum Ausdruck? - fragen sie oft. Ich denke, dass die Opposition die Stimmungen des nichtproletarischen Sektors unserer Partei zum Ausdruck bringt. Ich denke, dass die Opposition, vielleicht ohne das selbst zu erkennen, ohne ihren Willen, unwillkürlich der Schrittmacher der Stimmungen des nicht-proletarischen Elements unserer Partei ist. Ich denke, dass die Opposition mit ihrer zügellosen Agitation für die Demokratie, die sie oft zu etwas Absolutem macht und zum Fetisch erhebt, die kleinbürgerliche Elementargewalt entfesselt.

Kennen Sie die Stimmungen solcher Genossen, wie die der Studenten Martynow, Kasarjan und anderer? Haben Sie Chodorowskis Feuilleton in der "Prawda" gelesen, in dem er Zitate aus Reden dieser Genossen wiedergab? Hier zum Beispiel ein Ausspruch Martynows (er ist, wie sich herausstellt, Mitglied der Partei): "Unsere Sache ist es, zu beschließen, die Sache des ZK aber ist es, den Beschluss auszuführen und weniger Überlegungen anzustellen." Es handelt sich hier um die Zelle der Hochschule beim Volkskommissariat für Verkehrswesen. Aber, Genossen, in unserer Partei gibt es insgesamt nicht weniger als 50000 Zellen; wenn jede Zelle so mit dem ZK umginge und meinte, dass es die Sache der Zellen sei, zu beschließen, die Sache des ZK aber, keine Überlegungen anzustellen, so fürchte ich, dass wir niemals zu irgendeiner Entscheidung gelangen werden. Woher kommt diese Stimmung bei den Martynows? Was gibt es dabei Proletarisches? Die Martynows aber sind für die Opposition - beachten Sie das. Gibt es einen Unterschied zwischen Martynow und Trotzki? Der Unterschied besteht nur darin, dass Trotzki die Attacke auf den Parteiapparat eröffnet hat, während Martynow ihn endgültig zerschlagen möchte.

Und hier ein anderer Hochschüler, Kasarjan, gleichfalls, wie sich herausstellt, Mitglied der Partei. "Was haben wir", fragt er, "die Diktatur des Proletariats oder die Diktatur der Kommunistischen Partei über das Proletariat?" Das, Genossen, sagt nicht der Menschewik Martow, sondern der "Kommunist" Kasarjan. Der Unterschied zwischen Trotzki und Kasarjan besteht darin, dass nach Trotzki die Kader entarten, während nach Kasarjan die Kader verjagt werden müssen, denn sie sitzen seiner Meinung nach dem Proletariat auf dem Nacken.

Ich frage: Welche Stimmungen bringen die Martynows und die Kasarjans zum Ausdruck? Die proletarischen? Natürlich nicht. Welche denn? Die Stimmungen der nichtproletarischen Elemente der Partei und des Landes. Ist es ein Zufall, dass diese Wortführer nichtproletarischer Stimmungen für die Opposition stimmen? Nein, das ist kein Zufall. (Beifall.)

2. SCHLUSSWORT

18. Januar

Ich sagte bereits im Referat, dass ich die Geschichte der Frage nicht berühren wollte, dass ich das nicht wollte, weil dadurch, wie ich mich ausdrückte, Elemente des Gezänks und gegenseitiger Beschuldigungen hereingebracht werden. Da aber Preobrashenski dies nun einmal wünscht, da er es nun einmal fordert, bin ich bereit, nachzugeben und ein paar Worte über die Geschichte der Frage der innerparteilichen Demokratie zu sagen.

Wie ist die Frage der innerparteilichen Demokratie im ZK aufgekommen? Sie kam erstmals auf dem ZK-Plenum im September auf, sie kam im Zusammenhang mit den Konflikten auf, die sich in den Betrieben ereigneten, und im Zusammenhang mit der von uns damals aufgedeckten Losgelöstheit einiger Partei- und Gewerkschaftsorganisationen von den Massen. Das ZK erkannte damals, dass es sich um eine ernste Sache handelte, dass sich in der Partei Mängel angehäuft hatten, dass es notwendig war, eine spezielle autoritative Kommission zu schaffen, die der Sache auf den Grund gehen, die Tatsachen studieren und konkrete Vorschläge zur Verbesserung der Lage in der Partei einbringen sollte. Dasselbe gilt für die Frage der Absatzkrise, der "Schere". Sowohl die Erörterung der Fragen als auch die Wahl der Kommission zur Frage der innerparteilichen Lage und zur Frage der "Schere" erfolgten ohne jede Teilnahme der Opposition. Wo war damals die Opposition? Wenn ich nicht irre, war Preobrashenski damals auf der Krim, Sapronow in Kislowodsk, Trotzki beendete in Kislowodsk seine Artikel über Kunst und schickte sich an, nach Moskau zu fahren. Noch vor ihrer Ankunft erörterte das ZK diese Frage in einer seiner Sitzungen. Sie, die bei ihrer Ankunft die Dinge fertig vorfanden, mischten sich mit keinem einzigen Wort ein, brachten keinen einzigen Einwand gegen den Plan des ZK vor. Zur Frage der Lage in der Partei wurde im September auf der Beratung der Sekretäre der Gouvernementskomitees das Referat des Genossen Dzierzynski verlesen. Ich behaupte, dass weder auf dem Septemberplenum noch auf der Beratung der Sekretäre die heutigen Mitglieder der Opposition auch nur mit einem einzigen Wort auf die "schwere Wirtschaftskrise" oder auf die "Krise in der Partei" und die "Demokratie" hindeuteten.

Wie Sie sehen, wurden die Fragen der Demokratie und der "Schere" vom Zentralkomitee selbst aufgeworfen, die Initiative lag voll und ganz in den Händen des ZK, die Mitglieder der Opposition aber schwiegen, denn sie glänzten durch Abwesenheit.

Das war sozusagen der erste Akt, das erste Stadium der Geschichte der Frage.

Der zweite Akt begann mit dem Plenum des ZK und der ZKK im Oktober. Als die Opposition mit Trotzki an der Spitze sah, dass das Vorhandensein von Mängeln innerhalb der Partei festgestellt worden war, dass das ZK sich dieser Sache bereits angenommen und Kommissionen geschaffen hatte und dass die Initiative - da sei Gott vor - in den Händen des ZK bleiben würde, versuchte sie, ja stellte sich das Ziel, dem ZK die Initiative zu entreißen und sich auf das Steckenpferd der Demokratie zu setzen, denn dieses Pferdchen ist bekanntlich hurtig, und man kann versuchen, mit ihm dem ZK zuvorzukommen. Auf dieser Grundlage entstanden jene Dokumente, über die sich Preobrashenski hier verbreitete - das Dokument der 46

Über das Dokument der 46 Oppositionellen siehe "Geschichte der KPdSU(B), Kurzer Lehrgang", S. 253/254 [deutsche Ausgabe, Berlin 1951, S. 331/332].

und der Brief Trotzkis. Derselbe Trotzki, der im September, einige Tage vor seinem fraktionellen Auftreten, auf dem Plenum geschwiegen und jedenfalls keine Einwände gegen die Beschlüsse des ZK erhoben hatte, entdeckte plötzlich, zwei Wochen danach, dass das Land und die Partei zugrunde gehen und dass er, Trotzki, dieser Patriarch der Bürokraten, ohne Demokratie nicht leben kann.

Uns mutete es etwas lächerlich an, aus dem Munde Trotzkis Reden über Demokratie zu hören, desselben Trotzki, der auf dem X. Parteitag die Durchrüttelung der Gewerkschaften von oben gefordert hatte. Aber wir wussten, dass zwischen dem Trotzki aus der Zeit des X. Parteitags und dem Trotzki unserer Tage kein großer Unterschied ist, denn sowohl damals als auch heute ist er für die Durchrüttelung der Leninschen Kader. Der Unterschied besteht lediglich darin, dass er auf dem X. Parteitag die Leninschen Kader auf dem Gebiet der Gewerkschaften von oben durchrütteln wollte, während er jetzt dieselben Leninschen Kader auf dem Gebiet der Partei von unten durchrütteln will. Er braucht die Demokratie als Steckenpferd, als strategisches Manöver. Das ist die ganze Geschichte.

Denn wenn die Opposition der Sache wirklich hätte helfen wollen, wenn sie sachlich, kameradschaftlich an die Sache hätte herangehen wollen, so hätte sie sich mit ihrer Erklärung vor allem an die Kommissionen des Septemberplenums wenden und beispielsweise sagen müssen: "Wir sind der Meinung, dass eure Arbeit unbefriedigend ist, wir fordern, dass dem Politbüro über die Resultate eurer Arbeit Bericht erstattet und ein Plenum des ZK einberufen wird, dem wir unsere neuen Vorschläge unterbreiten werden" usw. Und wenn die Kommissionen sie nicht angehört hätten, oder wenn das Politbüro sie nicht angehört hätte, wenn es die Meinung der Opposition ignoriert oder sich geweigert hätte, das Plenum zur Prüfung der Vorschläge Trotzkis und überhaupt der Opposition einzuberufen, dann - und nur dann - hätte die Opposition das volle Recht gehabt, offen, über den Kopf des ZK hinweg an die Mitglieder der Partei zu appellieren und der Partei zu sagen: "Das Land steht vor dem Untergang, die Wirtschaftskrise greift um sich, die Partei geht zugrunde, wir haben die Kommissionen des ZK ersucht, diese Fragen zu prüfen - sie haben sich geweigert, uns anzuhören, wir haben versucht, uns an das Politbüro zu wenden - dabei ist nichts herausgekommen, wir sehen uns jetzt gezwungen, an die Partei zu appellieren, damit die Partei selbst sich der Sache annimmt." Ich zweifle nicht, dass die Partei hierauf geantwortet hätte: "Ja, das sind Revolutionäre der Tat, denn sie stellen das Wesen der Sache höher als deren Form."

Aber hat etwa die Opposition derart gehandelt? Hat sie auch nur ein einziges Mal versucht, sich mit ihren Vorschlägen an die Kommissionen des ZK zu wenden? Hat sie etwa daran gedacht, hat sie etwa versucht, die Fragen im Rahmen des ZK oder seiner Organe aufzuwerfen und zu lösen? Nein, einen solchen Versuch hat die Opposition nicht unternommen. Offenbar ging es der Opposition nicht darum, die innerparteiliche Lage zu verbessern, der Partei bei der Verbesserung der wirtschaftlichen Lage zu helfen, sondern darum, der Arbeit der Kommission und des ZK-Plenums zuvorzukommen, dem ZK die Initiative zu entreißen, sich auf das Steckenpferd der Demokratie zu setzen und, ehe es zu spät ist, recht viel Lärm zu machen, um zu versuchen, damit das Vertrauen zum ZK zu untergraben. Die Opposition hatte es offenbar eilig, "Dokumente" gegen das ZK fertig zustellen, wie Trotzkis Brief und die Erklärung der 46, um sie an die Studenten der Swerdlow-Universität, an die Rayons versenden und erklären zu können, sie, die Opposition, sei für die Demokratie, für die Verbesserung der Wirtschaft, das ZK aber hindere sie daran, sie brauche Hilfe gegen das ZK usw.

Das sind die Tatsachen.

Ich verlange, dass Preobrashenski diese meine Behauptungen widerlege. Ich verlange, dass er sie wenigstens in der Presse widerlege. Soll Preobrashenski die Tatsache widerlegen, dass das ZK-Plenum im September ohne die Opposition, vor dem Auftreten der Opposition, Kommissionen geschaffen hat. Soll Preobrashenski die Tatsache widerlegen, dass weder Trotzki noch die übrigen Oppositionellen versucht haben, sich mit ihren Vorschlägen an diese Kommissionen zu wenden. Soll Preobrashenski die Tatsache widerlegen, dass die Opposition von der Existenz dieser Kommissionen wusste, dass sie ihre Arbeit ignorierte, dass sie nicht versucht hat, die Angelegenheit im Rahmen des ZK zu erledigen.

Darum hat das ZK, als Preobrashenski und Trotzki im Oktober vor dem Plenum erklärten, sie wollten die Partei durch die Demokratie retten, das ZK aber sei blind und sehe nichts, sie ausgelacht und gesagt: Nein, Genossen, wir, das ZK, sind voll und ganz für die Demokratie, aber an eure Demokratie glauben wir nicht, denn wir sind der Ansicht, dass eure "Demokratie" ein strategisches Manöver gegen das ZK ist, ein Manöver, das von eurer Fraktionsmacherei diktiert ist.

Was beschloss nun damals die gemeinsame Plenartagung des ZK und der ZKK zur Frage der innerparteilichen Demokratie? Sie beschloss folgendes:

"Die gemeinsame Plenartagung billigt voll und ganz den vom Politbüro rechtzeitig festgelegten Kurs auf die innerparteiliche Demokratie sowie die vom Politbüro vorgeschlagene Verstärkung des Kampfes gegen jeden überflüssigen Aufwand und den zersetzenden Einfluss der NÖP auf einzelne Elemente der Partei.

Die gemeinsame Plenartagung beauftragt das Politbüro, alles Notwendige zu unternehmen, um die Arbeit der vom Politbüro und vom Septemberplenum eingesetzten Kommissionen zu beschleunigen: der Kommissionen 1. zur Frage der ´Schere´, 2. zur Frage des Arbeitslohns, 3. zur Frage der innerparteilichen Lage.

Das Politbüro soll nach Ausarbeitung der notwendigen Maßnahmen zu diesen Fragen beginnen, sie unverzüglich in die Tat umzusetzen, und hierüber auf dem nächsten ZK-Plenum Bericht erstatten."

Trotzki schreibt in einem seiner Briefe an das ZK, das Oktoberplenum sei der "krasseste Ausdruck des bürokratischen Kurses des Apparats" gewesen. Ist es nicht klar, dass diese Erklärung Trotzkis eine Verleumdung des ZK ist? Nur ein Mensch, der den Kopf verloren hat und von Fraktionsmacherei verblendet ist, kann nach dem verlesenen Dokument sagen, das Oktoberplenum sei der krasseste Ausdruck des Bürokratismus gewesen.

Was aber beschloss damals die gemeinsame Plenartagung des ZK und der ZKK über die "demokratischen" Manöver Trotzkis und der 46? Sie beschloss folgendes:

"Die gemeinsame Plenartagung des ZK und der ZKK mit Vertretern von 10 Parteiorganisationen erachtet das Auftreten Trotzkis in einer für die internationale Revolution und die Partei höchst verantwortungsvollen Zeit für einen schweren politischen Fehler, insbesondere weil der gegen das Politbüro gerichtete Angriff Trotzkis objektiv den Charakter eines fraktionellen Auftretens angenommen hat, das die Einheit der Partei zu gefährden droht und eine Parteikrise herbeiführt. Die gemeinsame Plenartagung stellt mit Bedauern fest, dass Trotzki zur Behandlung der von ihm aufgeworfenen Fragen den Weg gewählt hat, an einzelne Mitglieder der Partei zu appellieren, anstatt den einzig zulässigen Weg zu gehen diese Fragen zuvor in den Kollegien, deren Mitglied Trotzki ist, zur Diskussion zu stellen.

Der von Trotzki gewählte Weg war das Signal zu einer fraktionellen Gruppenbildung (Erklärung der 46).

Die gemeinsame Plenartagung des ZK und der ZKK und die Vertreter der 10 Parteiorganisationen verurteilen entschieden die Erklärung der 46 als Schritt fraktioneller Spaltungspolitik, die, wenn auch ohne den Willen der Unterzeichner dieser Erklärung, einen solchen Charakter angenommen hat. Diese Erklärung droht, dem gesamten Leben der Partei für die nächsten Monate den Stempel des innerparteilichen Kampfes aufzudrücken und so die Partei in einer für das Schicksal der internationalen Revolution höchst verantwortungsschweren Zeit zu schwächen."

Wie Sie sehen, Genossen, widerlegen die oben dargelegten Tatsachen entschieden das Bild der Lage, das Preobrashenski hier gezeichnet hat.

Der dritte Akt oder das dritte Stadium der Geschichte der Frage ist die Periode nach dem Oktoberplenum. Das Oktoberplenum beschloss, dem Politbüro vorzuschlagen, alle Maßnahmen zu treffen, um eine einträchtige Arbeit zu gewährleisten. Ich muss erklären, Genossen, dass wir in der Periode nach dem Oktober alle Maßnahmen getroffen haben, um eine einträchtige Arbeit mit Trotzki in Gang zu bringen, wenn ich auch sagen muss, dass dies nicht gerade eine leichte Sache ist. Wir hatten zwei inoffizielle Beratungen mit Trotzki, wir gingen alle Fragen der Wirtschaft und der Partei durch, wobei wir zu bestimmten Auffassungen gelangten, die keinerlei Meinungsverschiedenheiten hervorriefen. Die Fortsetzung dieser inoffiziellen Beratungen und dieser Versuche, innerhalb des Politbüros eine einträchtige Arbeit in Gang zu bringen, war, worüber ich schon gestern berichtete, die Schaffung einer Unterkommission aus drei Mitgliedern. Diese Unterkommission arbeitete auch den Resolutionsentwurf aus, der später vom ZK und von der ZKK als Resolution über die Demokratie angenommen wurde.

So war es.

Uns schien, dass nach der einstimmigen Annahme der Resolution kein Grund für Streitigkeiten, kein Grund für einen innerparteilichen Kampf mehr vorhanden sei. Und so war es auch in der Tat, bis Trotzki erneut auftrat und an die Rayons appellierte. Das unabhängig vom ZK und über den Kopf des ZK hinweg erfolgte Auftreten Trotzkis am Tage nach der Veröffentlichung der ZK-Resolution verdarb alles, änderte die Lage radikal und warf die Partei zurück, zurück zu neuen Diskussionen, zu neuem Kampf, einem schärferen Kampf als vorher. Man sagt, das ZK hätte die Veröffentlichung des Artikels Trotzkis verbieten sollen. Das ist falsch, Genossen. Das wäre von seiten des ZK ein überaus gefährlicher Schritt gewesen. Versuchen Sie mal, einen Artikel Trotzkis zu verbieten, der in den Rayons von Moskau bereits publik gemacht ist! Das ZK konnte sich auf solch einen unüberlegten Schritt nicht einlassen.

Das ist die Geschichte der Frage.

Aus dem Gesagten folgt, dass es der Opposition nicht so sehr um die Demokratie als darum ging, die Idee der Demokratie dazu auszunutzen, das ZK zu erschüttern, dass wir es bei der Opposition nicht mit Menschen zu tun haben, die der Partei zu helfen gewillt sind, sondern mit einer Fraktion, die dem ZK auflauerte: "Hoffentlich begeht es einen Fehler, verpasst etwas, dann werden wir ihm eins versetzen." Das ist eben eine Fraktion, wenn eine Gruppe von Parteimitgliedern gegen zentrale Parteiinstitutionen an einer Ecke auf der Lauer liegt, um entweder aus einer Missernte oder aus dem Fallen des Tscherwonzen oder aus anderen Schwierigkeiten der Partei Kapital zu schlagen, um dann hinter der Ecke, aus dem Hinterhalt hervorzuspringen und der Partei einen Schlag zu versetzen. Ja, das ZK hatte im Oktober recht, als es Ihnen, Genossen von der Opposition, sagte, dass die Demokratie eine Sache ist, eine andere Sache aber das Ränkeschmieden gegen die Partei, dass die Demokratie eine Sache ist, eine andere Sache aber - die Ausnutzung einer Sensationsmache mit Demokratie gegen die Mehrheit der Partei.

Das, Preobrashenski, ist die Geschichte der Frage, über die ich hier nicht sprechen wollte, über die zu sprechen ich aber gezwungen war, um Ihrem ausdrücklichen Wunsch nachzukommen.

Die Opposition hat es sich zur Regel gemacht, Genossen Lenin als den genialsten aller genialen Männer zu preisen. Ich fürchte, dass dieses Lob unaufrichtig ist und dass sich auch dahinter eine strategische List verbirgt: Man will mit einem Wortschwall von der Genialität des Genossen Lenin die Abkehr von Lenin verbergen und gleichzeitig die Schwächeseiner Schüler unterstreichen. Natürlich, wie sollten wir, die Schüler des Genossen Lenin, nicht wissen, dass Genosse Lenin der genialste aller genialen Männer ist und dass solche Männer nur einmal in Jahrhunderten geboren werden. Aber gestatten Sie, Preobrashenski, das ich Sie frage, warum Sie in der Frage des Brester Friedens mit diesem genialsten Mann auseinandergingen? Warum haben Sie diesen genialsten Mann in einem schwierigen Augenblick verlassen und nicht auf ihn gehört? Wo, in welchem Lager befanden Sie sich damals?

Und Sapronow, der jetzt heuchlerisch und pharisäisch Loblieder auf Genossen Lenin singt, ist derselbe Sapronow, der die Stirn hatte, Genossen Lenin auf einem der Parteitage einen "Ignoranten" und "Oligarchen" zu nennen! Warum unterstützte er den genialen Lenin zum Beispiel nicht auf dem X. Parteitag, warum fand man ihn in schwierigen Augenblicken stets im entgegengesetzten Lager, wenn er wirklich glaubt, dass Genosse Lenin der genialste aller genialen Männer ist? Weiß Sapronow, dass Genosse Lenin, als er auf dem X. Parteitag die Resolution über die Einheit einbrachte, die den Ausschluss der Fraktionsmacher aus der Partei forderte, unter anderem auch Sapronow im Auge hatte?

Und weiter: Warum fand man Preobrashenski nicht nur in der Periode des Brester Friedens, sondern auch später, in der Periode der Gewerkschaftsdiskussion, im Lager der Gegner des genialen Lenin? Ist das alles ein Zufall? Gibt es hier nicht eine gewisse Gesetzmäßigkeit? (Preobrashenski: "Ich habe versucht, mich nach meinem eigenen Verstand zu richten.")

Das ist sehr löblich, Preobrashenski, dass Sie sich nach Ihrem eigenen Verstand richten wollten. Aber sehen Sie, was dabei herauskommt: In der Brester Frage haben Sie sich nach Ihrem eigenen Verstand gerichtet und danebengehauen; dann bei der Diskussion über die Gewerkschaften haben Sie wiederum versucht, sich nach Ihrem eigenen Verstand zu richten, und haben wiederum danebengehauen; jetzt weiß ich nicht, ob Sie sich nach Ihrem eigenen oder einem fremden Verstand richten, aber anscheinend haben Sie doch wieder danebengehauen. (Heiterkeit.) Immerhin glaube ich, wenn sich Preobrashenski jetzt mehr nach seinem eigenen Verstand als nach dem Verstand Trotzkis richtete - einem Verstand, der in seinem Brief vom 8. Oktober Ausdruck gefunden hat -, so stünde er näher zu uns als zu Trotzki.

Preobrashenski hat dem ZK vorgeworfen, dass, solange bei uns Iljitsch an der Spitze stand, die Fragen rechtzeitig und ohne Verspätung entschieden worden wären, da Iljitsch es verstand, die neuen Ereignisse im Keim zu erfassen und Losungen auszugeben, die den Ereignissen vorgriffen, dass das ZK jetzt aber, nach Iljitsch, hinter den Ereignissen zurückzubleiben beginne. Was will Preobrashenski hiermit sagen? dass Iljitsch seine Schüler überragt? Aber zweifelt denn jemand daran? Hat denn irgendjemand Zweifel daran, dass Iljitsch im Vergleich zu seinen Schülern ein Goliath ist? Wenn es sich um den Führer der Partei handelt, nicht um einen Zeitungshelden, der einen Haufen Begrüßungen erhält, sondern um den wirklichen Führer, so gibt es bei uns nur einen Führer - Genossen Lenin. Eben deshalb wurde bei uns wiederholt betont, dass wir unter den gegenwärtigen Verhältnissen, da Genosse Lenin zeitweilig abwesend ist, auf ein Kollegium Kurs halten müssen. Was aber die Schüler des Genossen Lenin betrifft, so könnte man zum Beispiel auf die Ereignisse hinweisen, die mit dem Ultimatum Curzons

Der englische Außenminister Curzon richtete am 8. Mai 1923 an die Sowjetregierung ein Ultimatum mit verleumderischen Beschuldigungen gegen die Sowjetregierung. In dem Ultimatum wurde gefordert, die bevollmächtigten Sowjetvertreter aus Persien und Afghanistan abzuberufen, die englischen Fischkutter, die wegen unerlaubten Fischfangs in den nördlichen Territorialgewässern der UdSSR beschlagnahmt worden waren, freizugeben usw. Für den Fall, dass die Bedingungen des Ultimatums nicht innerhalb 10 Tagen angenommen werden würden, drohte Curzon mit dem Abbruch der Handelsbeziehungen. Curzons Ultimatum beschwor die Gefahr einer neuen Intervention herauf. Die Sowjetregierung wies die unberechtigten Forderungen der englischen Regierung zurück, brachte aber gleichzeitig ihre völlige Bereitschaft zum Ausdruck, die gegenseitigen Beziehungen zwischen den Ländern auf friedlichem Wege zu regeln, und ergriff Maßnahmen zur Verstärkung der Wehrkraft des Landes.

im Zusammenhang standen und die eine Art Prüfung, ein Examen für sie darstellten. Die Tatsache, dass wir damals ohne Schaden für die Sache aus den Schwierigkeiten herausgekommen sind, zeugt zweifellos davon, dass die Schüler des Genossen Lenin bei ihrem Lehrer bereits einiges gelernt haben.

Preobrashenski hat Unrecht, wenn er behauptet, dass unsere Partei in den früheren Jahren nicht hinter den Ereignissen zurückgeblieben wäre. Er hat Unrecht, weil diese Behauptung faktisch unwahr und theoretisch falsch ist. Man kann auf eine Reihe von Beispielen verweisen. Nehmen wir beispielsweise den Brester Frieden. Haben wir uns mit Brest etwa nicht verspätet? Bedurfte es etwa nicht solcher Tatsachen wie der Offensive der Deutschen und der allgemeinen Flucht unserer Soldaten, damit wir endlich die Notwendigkeit des Friedens einsahen? Der Zerfall der Front, die Offensive Hoffmanns,

Gemeint ist die Offensive deutscher Truppen unter dem Kommando des Generals Hoffmann auf sowjetischem Territorium im Februar 1918. (Über die Offensive Hoffmanns siehe J. W. Stalin, "Werke", Bd. 4, S.38-48 [deutsche Ausgabe S. 33-41].)

sein Vormarsch auf Petrograd, der Druck der Bauern auf uns - bedurfte es etwa nicht aller dieser Tatsachen, damit wir einsahen, dass das Tempo der internationalen Revolution nicht so schnell ist, wie wir es wünschten, dass unsere Armee nicht so stark ist, wie wir glaubten, und dass die Bauernschaft nicht so geduldig ist, wie einige von uns glaubten, dass sie den Frieden will und dass sie den Frieden mit Gewalt herbeiführen wird?

Oder nehmen wir als Beispiel die Aufhebung der Ablieferungspflicht. Haben wir uns etwa mit der Aufhebung der Ablieferungspflicht nicht verspätet? Bedurfte es etwa nicht solcher Tatsachen wie Kronstadt und Tambow,

Gemeint sind die konterrevolutionäre Meuterei in Kronstadt im Jahre 1921 und der Kulakenaufstand im Gouvernement Tambow in den Jahren 1919 bis 1921.

damit wir einsahen, dass es unmöglich war, unter den Bedingungen des Kriegskommunismus weiterzuleben? Hat etwa Iljitsch nicht selbst zugegeben, dass wir an dieser Front eine ernstlichere Niederlage erlitten hatten als jemals an den Fronten gegen Denikin und Koltschak?

Ist die Tatsache ein Zufall, dass die Partei in allen diesen Fällen hinter den Ereignissen zurückblieb, sich etwas verspätete? Nein, das ist kein Zufall. Wir hatten es hier mit einer Gesetzmäßigkeit zu tun. Es liegt auf der Hand, dass, da es sich hier nicht um allgemeine theoretische Voraussichten, sondern um die unmittelbare praktische Führung handelt, die regierende Partei, die am Steuer steht und von den Tagesereignissen in Anspruch genommen ist, nicht die Möglichkeit hat, die Prozesse, die tief unter der Oberfläche des Lebens vor sich gehen, sofort wahrzunehmen und zu erfassen, und dass es eines Anstoßes von außen und eines gewissen Entwicklungsgrades der neuen Prozesse bedarf, damit die Partei diese Prozesse wahrnimmt und sich auf sie orientiert. Eben deshalb blieb unsere Partei in der Vergangenheit hinter den Ereignissen etwas zurück und wird auch in Zukunft zurückbleiben. Und es geht hier gar nicht um das Zurückbleiben, sondern darum, den Sinn der Geschehnisse, den Sinn der neuen Prozesse zu erfassen und sie dann entsprechend der allgemeinen Entwicklungstendenz geschickt zu lenken. Gerade so ist es um die Frage bestellt, wenn man die Dinge mit den Augen eines Marxisten betrachtet und nicht mit den Augen eines Fraktionsmachers, der überall Schuldige sucht.

Preobrashenski entrüstet sich, dass die Vertreter des ZK über die Abweichungen Trotzkis vom Leninismus sprechen. Er entrüstet sich, hat aber, was das Wesen der Sache betrifft, keine Entgegnungen vorgebracht und überhaupt nicht versucht, seine Entrüstung zu begründen, er hat vergessen, dass Entrüstung kein Argument ist. Jawohl, es stimmt, dass Trotzki in Organisationsfragen vom Leninismus abweicht. Wir haben das behauptet und werden das weiter behaupten. Die bekannten Artikel in der "Prawda" mit der Überschrift "Nieder mit der Fraktionsmacherei", die der Feder Bucharins entstammen, sind voll und ganz der Frage der Abweichungen Trotzkis vom Leninismus gewidmet. Warum hat Preobrashenski, was das Wesen der Sache betrifft, keine Entgegnungen gegen die Grundgedanken dieser Artikel vorgebracht? Warum hat Preobrashenski nicht versucht, seine Entrüstung durch Beweisgründe oder durch etwas Ähnliches wie Beweisgründe zu erhärten? Ich sagte gestern und muss heute wiederholen, dass solche Schritte Trotzkis, wie die, dass er sich dem Zentralkomitee gegenüberstellt, dass er den Willen einer Reihe von Organisationen, die eine klare Antwort von Trotzki verlangen, ignoriert, dass er die Partei dem Apparat der Partei gegenüberstellt, dass er die Jugend den Kadern der Partei gegenüberstellt, dass er die Partei auf die studierende Jugend orientieren will und die Freiheit der Gruppierungen proklamiert - dass solche Schritte mit den Organisationsprinzipien des Leninismus unvereinbar sind. Warum hat denn Preobrashenski nicht versucht, diese meine Behauptung zu widerlegen?

Man spricht von einer Hetze gegen Trotzki. Hiervon haben Preobrashenski und Radek gesprochen. Genossen, ich muss erklären, dass die Erklärungen dieser Genossen über Hetze der Wirklichkeit keineswegs entsprechen. Ich will Sie an zwei Tatsachen erinnern, damit Sie die Möglichkeit haben, hierüber zu urteilen. Die erste Tatsache ist der Zwischenfall, zu dem es auf dem Septemberplenum des ZK kam, als Trotzki die Erklärung des ZK-Mitglieds Komarow, dass die ZK-Mitglieder die Ausführung der ZK-Beschlüsse nicht verweigern dürfen, damit beantwortete, dass er aufsprang und die Plenarsitzung verließ. Sie werden sich erinnern, dass das ZK-Plenum damals eine "Delegation" zu Trotzki sandte mit dem Ersuchen, zur Plenarsitzung zurückzukehren. Sie werden sich erinnern, dass Trotzki sich weigerte, dem Ersuchen des Plenums nachzukommen, und damit bekundete, dass er auch nicht die geringste Dosis Achtung für sein ZK hat.

Oder weiter die Geschichte einer anderen Tatsache, die darin besteht, dass Trotzki sich entschieden weigert, in den zentralen Sowjetorganen, im Rat für Arbeit und Verteidigung und im Rat der Volkskommissare, zu arbeiten, obwohl das ZK zweimal beschlossen hat, dass Trotzki endlich die Arbeit in den Sowjetorganen aufnehmen soll. Sie wissen, dass Trotzki nicht versucht hat, auch nur einen Finger zu rühren, um den Beschluss des ZK auszuführen. Wahrhaftig, warum sollte Trotzki nicht im Rat für Arbeit und Verteidigung, im Rat der Volkskommissare arbeiten? Warum sollte Trotzki, der sich darin gefällt, so viel über den Plan zu sprechen, warum sollte er nicht einmal in unsere Staatliche Plankommission hineinschauen? Kann man eine Lage als normal ansehen, wenn ein Mitglied des ZK einen Beschluss des ZK ignoriert? Zeugen nicht alle diese Tatsachen davon, dass das Gerede von Hetze leeres Geschwätz ist, dass, wenn es schon gilt, jemand zu beschuldigen, Trotzki selbst beschuldigt werden muss, dessen Verhalten man nur als eine Verhöhnung des ZK ansehen kann?

Völlig falsch sind die Betrachtungen Preobrashenskis über Demokratie. Preobrashenski stellt die Frage so: Entweder gibt es bei uns Gruppierungen, und dann gibt es eine Demokratie, oder man verbietet die Gruppierungen, und dann gibt es keine Demokratie. Freiheit der Gruppierungen und Demokratie sind bei ihm untrennbar miteinander verbunden. Wir fassen die Demokratie nicht so auf. Wir verstehen unter Demokratie Hebung der Aktivität und der Bewusstheit der Parteimasse, systematische Heranziehung der Parteimasse nicht nur zur Erörterung von Fragen, sondern auch zur Leitung der Arbeit. Die Freiheit der Gruppierungen, das heißt die Freiheit der Fraktionen - das ist ein und dasselbe - ist ein Übel, das die Partei zu zersplittern und in einen Diskussionsklub zu verwandeln droht. Sie haben sich selbst entlarvt, Preobrashenski, denn Sie verteidigen die Freiheit der Fraktionen. Die Parteimasse versteht unter Demokratie die Schaffung von Bedingungen, die eine aktive Teilnahme der Parteimitglieder an der Führung unseres Landes gewährleisten, ein paar Intellektuelle aus der Opposition aber fassen die Sache so auf, dass man ihnen die Möglichkeit geben müsse, eine Fraktion zu schaffen. Sie haben sich selbst entlarvt, Preobrashenski.

Und woher kommt bei Ihnen diese Angst vor dem siebenten Punkt über die Einheit der Partei, was gibt es hier zu fürchten? Der siebente Punkt besagt: "Um innerhalb der Partei und in der gesamten Sowjetarbeit strenge Disziplin herbeizuführen und die größte Einheit bei Ausmerzung jeglicher Fraktionsmacherei zu erzielen"... Aber sind Sie etwa gegen eine "strenge Disziplin innerhalb der Partei und in der Sowjetarbeit", Genossen von der Opposition, sind Sie etwa gegen all das? Ich habe ja gar nicht gewusst, Genossen, dass Sie dagegen sind. Und sind Sie, Sapronow und Preobrashenski, etwa dagegen, eine maximale Einheit und die "Ausmerzung der Fraktionsmacherei" zu erzielen? Sagen Sie es offen - vielleicht nehmen wir dann einige kleine Abänderungen vor. (Heiterkeit.)

Weiter: "Der Parteitag bevollmächtigt das ZK, im Falle eines Bruchs der Parteidisziplin oder des Wiederauflebens der Fraktionsmacherei, Disziplinarmaßnahmen der Partei in Anwendung zu bringen"... Fürchten Sie sich denn auch hiervor? Haben denn Sie, Preobrashenski, Radek, Sapronow, wirklich die Absicht, die Parteidisziplin zu verletzen, die Fraktionsmacherei wieder aufleben zu lassen? Nun, und wenn Sie das nicht beabsichtigen, was haben Sie dann zu fürchten? Sie entlarven sich selbst, Genossen, durch die Panik, die Sie ergriffen hat. Da Sie den siebenten Punkt der Resolution über die Einheit fürchten, sind Sie offenbar für die Fraktionsmacherei, für den Disziplinbruch, gegen die Einheit. Wenn Sie aber nicht gegen all das sind, warum geraten Sie dann in Panik? Wenn Sie ein reines Gewissen haben, wenn Sie für die Einheit, gegen die Fraktionsmacherei und gegen den Disziplinbruch sind, ist es dann nicht klar, dass die strafende Hand der Partei Sie nicht treffen wird? Was gibt es da zu fürchten? (Zwischenruf: "Warum kommen Sie denn damit, wenn man keine Angst zu haben braucht?")

Wir wollen es Ihnen ins Gedächtnis rufen. (Heiterkeit, Beifall. Preobrashenski: "Sie schrecken die Partei.")

Wir schrecken die Fraktionsmacher, aber nicht die Partei. Glauben Sie wirklich, Preobrashenski, dass Partei und Fraktionsmacher ein und dasselbe seien? Man sieht, ein schlechtes Gewissen verrät sich selbst. (Heiterkeit.)

Weiter: "Und, gegenüber Mitgliedern des ZK Überführung in den Kandidatenstand und, als äußerste Maßnahme, sogar den Ausschluss aus der Partei ... Die Anwendung dieser äußersten Maßnahme gegen Mitglieder des ZK, Kandidaten des ZK und Mitglieder der ZKK kann nur unter der Bedingung erfolgen, dass ein Plenum des ZK einberufen wird."

Was ist hieran schrecklich? Wenn Sie nicht Fraktionsmacher sind, wenn Sie gegen die Freiheit der Gruppierungen sind, wenn Sie für die Einheit sind, so müssen Sie, Genossen von der Opposition, für den siebenten Punkt der Resolution des X. Parteitags stimmen, denn er ist ausschließlich gegen Fraktionsmacher gerichtet, ausschließlich gegen diejenigen, die die Einheit der Partei, ihre Stärke beeinträchtigen, ihre Disziplin verletzen. Ist das etwa nicht klar?

Ich komme zu Radek. Es gibt Menschen, denen die Zunge gegeben ist, um ihrer Herr zu sein und sie in Gewalt zu haben. Das sind gewöhnliche Menschen. Und es gibt Menschen, die ihrer eigenen Zunge unterliegen und in ihrer Gewalt sind. Das sind ungewöhnliche Menschen. Zu dieser Art ungewöhnlicher Menschen gehört Radek. Ein Mensch, dem die Zunge gegeben ist, nicht um sie in seiner Gewalt zu haben, sondern um sich von seiner eigenen Zunge beherrschen zu lassen, wird nicht wissen können, wann und was diese Zunge schwatzt. Wenn Sie die Möglichkeit gehabt hätten, die Reden Radeks in verschiedenen Versammlungen zu hören, so würden Sie über sein heutiges Auftreten erstaunt sein. In einer der Diskussionsversammlungen behauptete Radek, die Frage der innerparteilichen Demokratie sei eine belanglose Frage, er, Radek, sei eigentlich gegen die Demokratie, es gehe jetzt im Grunde genommen nicht um die Demokratie, sondern darum, was das ZK mit Trotzki zu tun gedenke. In einer anderen Diskussionsversammlung erklärte derselbe Radek, der Demokratie innerhalb der Partei komme keine große Bedeutung zu, die Demokratie innerhalb des ZK hingegen sei von allergrößter Wichtigkeit, denn im ZK habe sich seiner Meinung nach ein Direktorium gebildet. Heute aber erklärt derselbe Radek unumwunden, dass die innerparteiliche Demokratie ebenso notwendig sei wie Luft und Wasser, denn ohne Demokratie gäbe es, wie sich herausstellt, keine Möglichkeit, die Partei zu leiten. Welchem von diesen drei Radeks soll man nun glauben - dem ersten, dem zweiten oder dem dritten? Wo ist die Garantie dafür, dass Radek, beziehungsweise seine Zunge, nicht in der nächsten Zukunft neue unerwartete Erklärungen abgeben wird, die alle vorangegangenen Erklärungen widerlegen? Kann man sich auf einen Menschen wie Radek verlassen? Kann man hiernach zum Beispiel der Erklärung Radeks, Boguslawski und Antonow seien aus "fraktionellen Erwägungen" bestimmter Funktionen enthoben worden, einen Wert beimessen?

Über Boguslawski habe ich bereits gesprochen, Genossen... Was Antonow-Owsejenko betrifft, so gestatten Sie mir, Ihnen folgendes mitzuteilen. Antonow ist auf Grund eines vom ZK-Plenum bestätigten Beschlusses des Orgbüros des ZK seines Postens in der PUR (Abkürzung für Polititscheskoje Uprawlenije rabotsche-krestjanskoi Krasnoi Armii = Politische Verwaltung der Roten Arbeiter- und Bauernarmee. Der Übers) enthoben worden. Er ist vor allem deshalb seines Postens enthoben worden, weil er ohne Wissen des ZK und ohne Vereinbarung mit dem ZK ein Rundschreiben über die Einberufung einer Konferenz der Zellen der Militärhochschulen und der Luftflotte versandte, auf deren Tagesordnung die internationale Lage, der Parteiaufbau usw. stehen sollten, obwohl Antonow wusste, dass die PUR einer Abteilung des ZK gleichkommt. Er ist ferner deshalb seines Postens in der PUR enthoben worden, weil er an alle Militärzellen ein Rundschreiben über die Formen der Anwendung der innerparteilichen Demokratie versandte, entgegen dem Willen des ZK und ungeachtet der vorherigen Aufforderung des ZK, dieses Rundschreiben mit den Plänen des ZK in Einklang zu bringen. Er ist schließlich deshalb seines Postens enthoben worden, weil er an das ZK und die ZKK einen im Ton völlig ungehörigen und dem Inhalt nach absolut unzulässigen Brief sandte, der dem ZK und der ZKK androhte, die "überheblich gewordenen Führer" zur Ordnung rufen zu wollen.

Genossen! Man kann und muss Oppositionelle zu verantwortlichen Funktionen zulassen. Man kann und muss zulassen, dass die Abteilungsleiter des ZK die Arbeit des ZK kritisieren. Aber man kann nicht zulassen, dass der Leiter der PUR, die einer Abteilung des ZK gleichkommt, sich systematisch weigert, in der Arbeit Kontakt mit seinem ZK herzustellen, man kann nicht zulassen, dass ein verantwortlicher Funktionär die elementaren Anstandsregeln mit Füßen tritt. Man kann einem solchen Genossen nicht die Erziehung der Roten Armee anvertrauen. So verhält es sich mit Antonow.

Schließlich muss ich einige Worte zu der Frage sagen, wessen Stimmungen eigentlich die Genossen von der Opposition bei ihrem Auftreten zum Ausdruck bringen. Ich muss zu dem "Fall" der Genossen Kasarjan und Martynow aus der Hochschule des Volkskommissariats für Verkehrswesen zurückkehren. Dieser "Fall" zeugt davon, dass bei einem Teil der Hochschüler nicht alles wohlbestellt ist, dass der Parteikern in ihnen schon verfault ist, dass sie innerlich bereits mit der Partei gebrochen haben und eben deshalb mit Vergnügen für die Opposition stimmen. Ich bitte um Entschuldigung, Genossen, aber Leute, die in parteilicher Hinsicht durch und durch verfault sind, gibt es nicht unter denen, die für die Resolution des ZK gestimmt haben, und kann es nicht geben. Bei uns gibt es solche Menschen nicht, Genossen. Bei uns, in unseren Reihen, gibt es keinen, der sagen würde: "Was haben wir denn eigentlich - die Diktatur des Proletariats oder die Diktatur der Kommunistischen Partei über das Proletariat?" Das ist ein Satz von Martow und Dan. Das ist ein Satz aus den "Dni"

der Sozialrevolutionäre, und wenn Sie in Ihren Reihen solche Verteidiger haben, was ist dann Ihre Position wert, Genossen von der Opposition? Oder zum Beispiel ein anderer Genosse, Genosse Martynow, der glaubt, dass das ZK zu schweigen habe, die Zellen aber beschließen müssten. Ihr, das ZK, so sagen sie, könnt das ausführen, was wir, die Zellen, beschlossen haben. Bei uns gibt es aber 50000 Zellen. Wenn sie zum Beispiel die Frage des Ultimatums Curzons zu entscheiden hätten, so würden wir in zwei Jahren zu keiner Entscheidung in dieser Frage kommen. Das ist doch Anarcho-Menschewismus von reinstem Wasser. Wenn diese Leute, die den Kopf verloren haben und in parteilicher Hinsicht durch und durch verfault sind, bei Ihnen in der Fraktion sitzen, was ist dann Ihre Fraktion wert? (Zwischenruf: "Sind sie Mitglieder der Partei?")

Ja, leider sind sie Mitglieder der Partei, aber ich bin bereit, alle Maßnahmen zu ergreifen, damit solche Menschen nicht weiterhin Mitglieder unserer Partei bleiben. (Beifall.) Ich sagte, dass die Opposition die Stimmungen und Bestrebungen der nichtproletarischen Elemente in der Partei und außerhalb der Partei zum Ausdruck bringt. Ohne sich dessen bewusst zu sein, entfesselt die Opposition die kleinbürgerliche Elementargewalt. Die Fraktionsarbeit der Opposition ist Wasser auf die Mühle der Feinde unserer Partei, auf die Mühle derjenigen, die die Diktatur des Proletariats schwächen, die sie stürzen wollen. Ich habe dies gestern gesagt und ich bestätige dies heute.

Aber vielleicht möchten Sie andere, neue Zeugen hören? Nun wohl, ich kann Ihnen dieses Vergnügen bereiten und zum Beispiel auf die Aussagen des Ihnen bekannten S. Iwanowitsch verweisen. Wer ist dieser S. Iwanowitsch? Er ist ein Menschewik und war Mitglied der Partei, als wir zusammen mit den Menschewiki noch eine Partei bildeten. Später geriet er in Differenzen mit dem ZK der Menschewiki und wurde ein rechter Menschewik. Die rechten Menschewiki aber sind eine Gruppe menschewistischer Interventionisten, deren Tagesaufgabe darin besteht, die Sowjetmacht zu stürzen, und sei es mit Hilfe ausländischer Bajonette. Ihr Organ ist die "Sarja".

"Sarja" (Die Morgenröte) - Zeitschrift rechtsmenschewistischer weißer Emigranten, die von April 1922 bis Januar 1924 in Berlin erschien.

Redakteur dieses Organs ist S. Iwanowitsch. Wie steht nun dieser rechte Menschewik zu unserer Opposition, was für ein Zeugnis stellt er ihr aus? Hören Sie:

"Wir wollen der Opposition dankbar sein, dass sie in so markanter Weise das Bild der grauenerregenden moralischen Kloake, die sich KPR betitelt, wiedergegeben hat. Wir wollen ihr dankbar sein, dass sie der KPR einen ernstlichen moralischen und organisatorischen Schlag versetzt hat. Wir wollen ihr dankbar sein, dass ihre Arbeit die Sache aller derer erleichtert, die im Sturz der Sowjetmacht die Aufgabe der sozialistischen Parteien sehen."

Da haben Sie Ihr Zeugnis, Genossen von der Opposition.

Zum Schluss meiner Rede möchte ich den Genossen von der Opposition dennoch wünschen, dieser Kuss S. Iwanowitschs möge nicht allzu fest an ihnen haften bleiben. (Anhaltender Beifall.)

 

 

Trotzkismus oder Leninismus

Stalin, Band 6, Seite 290 - 319

 

 

DIE OKTOBERREVOLUTION
UND DIE TAKTIK DER RUSSISCHEN KOMMUNISTEN

17. Dezember 1924

 

 

Band 7 , Seite 5 - 8

REDE AUF DER PLENARTAGUNG
DES ZK UND DER ZKK DER KPR(B)

17. Januar 1925

Vom 17. bis zum 20. Januar 1925 tagte das Plenum des ZK der KPR(B). Am 17. Januar fand eine gemeinsame Sitzung des Plenums des ZK und der ZKK der KPR(B) statt. Nach Entgegennahme einer Mitteilung J. W. Stalins über die von den Ortsorganisationen anlässlich des Auftretens Trotzkis angenommenen Resolutionen wurde auf dieser gemeinsamen Plenartagung eine Resolution angenommen, in der Trotzkis Auftreten als Revision des Bolschewismus, als Versuch, den Leninismus durch den Trotzkismus zu ersetzen, verurteilt wurde. Am 19. Januar hielt J. W. Stalin auf der Plenartagung des ZK der KPR(B) eine Rede zu dem Referat M. W. Frunses „Über die Bewilligung von Mitteln für das Volkskommissariat für Heeres- und Marinewesen der UdSSR" (siehe den vorliegenden Band, S. 11-14 [deutsche Ausgabe S.9 bis 12]).

 

Genossen! Im Auftrag des Sekretariats des ZK habe ich eine notwendige Mitteilung zu machen über Dinge, die die Diskussion betreffen, und über die Resolutionen, die mit der Diskussion zusammenhängen. Leider sind wir gezwungen, die Frage des Auftretens Trotzkis ohne seine Teilnahme zu erörtern, da er, wie man heute mitteilte, infolge Krankheit verhindert ist, auf dem Plenum zu erscheinen.

Sie wissen, Genossen, dass die Diskussion mit dem Auftreten Trotzkis, mit seinen „Lehren des Oktober”, begann.

Die Diskussion hat Trotzki begonnen. Die Diskussion wurde der Partei aufgezwungen.

Als Antwort auf das Auftreten Trotzkis erhob die Partei zwei grundsätzliche Beschuldigungen gegen ihn. Die erste - Trotzki versucht, den Leninismus zu revidieren; die zweite - Trotzki versucht, eine grundlegende Änderung der Parteiführung herbeizuführen.

Trotzki hat auf diese Beschuldigungen von seiten der Partei nichts zu seiner Rechtfertigung vorgebracht.

Es ist schwer zu sagen, warum er nichts zu seiner Rechtfertigung vorgebracht hat. Die übliche Erklärung beschränkt sich darauf, dass er erkrankt sei und daher nicht die Möglichkeit gehabt habe, etwas zu seiner Rechtfertigung zu sagen. Aber daran ist die Partei natürlich nicht schuld. Wenn Trotzki nach jeder Attacke gegen die Partei einen Fieberanfall erleidet, so ist hieran die Partei nicht schuld.

Heute erhielt das Zentralkomitee eine Erklärung Trotzkis (Erklärung an das ZK vom 15. Januar), in der es heißt, dass er deshalb nicht Stellung genommen und nichts zu seiner Rechtfertigung vorgebracht habe, weil er die Polemik nicht vertiefen und die Frage nicht zuspitzen wollte. An die Stichhaltigkeit einer solchen Erklärung kann man natürlich glauben oder auch nicht glauben. Ich persönlich glaube nicht daran. Erstens, seit wann sollte Trotzki begriffen haben, dass sein wiederholtes Auftreten gegen die Partei das gegenseitige Verhältnis zuspitzt? Und wann eigentlich sollte Trotzki diese Wahrheit begriffen haben? Es ist doch nicht das erste Mal, dass Trotzki gegen die Partei auftritt, und nicht zum ersten Mal ist er erstaunt oder bedauert er, dass sein Auftreten eine Zuspitzung hervorrief. Zweitens, wenn er wirklich darum besorgt ist, dass sich das gegenseitige Verhältnis in der Partei nicht verschlechtert, warum gab er dann die „Lehren des Oktober” heraus, die gegen den führenden Kern der Partei gerichtet und dazu angetan sind, das gegenseitige Verhältnis zu verschlechtern und zuzuspitzen? Darum bin ich der Meinung, dass diese Erklärungen Trotzkis absolut nicht stichhaltig sind.

Einige Worte zu der Erklärung Trotzkis an das ZK vom 15. Januar, über die ich oben sprach und die an die Mitglieder des ZK und der ZKK verteilt worden ist. Zu beachten und zur Kenntnis zu nehmen ist vor allem die Erklärung Trotzkis, dass er bereit sei, auf Weisung der Partei jeden beliebigen Posten anzunehmen, dass er bereit sei, sich jeder beliebigen Kontrolle zu unterwerfen, insofern es sich um seine zukünftigen Reden und Artikel handelt, und dass er es im Interesse der Sache für absolut notwendig halte, ihn schnellstens vom Posten des Vorsitzenden des Revolutionären Kriegsrats abzuberufen.

Das alles muss man natürlich zur Kenntnis nehmen.

Was das Wesen der Sache betrifft, so sind zwei Punkte zu beachten: bezüglich der „permanenten Revolution” und der Änderung der Parteiführung. Trotzki erklärt, wenn es überhaupt vorgekommen sei, dass er nach dem Oktober gelegentlich zu der Formel der „permanenten Revolution” zurückkehrte, so nur, wenn er sich mit der Parteigeschichte befasst habe, wenn er sich der Vergangenheit zuwandte, nicht aber, wenn er die heutigen politischen Aufgaben klarlegte. Diese Frage ist wichtig, denn sie berührt die Grundlagen der leninistischen Ideologie. Ich bin der Ansicht, dass man diese Erklärung Trotzkis weder als Klarstellung noch als Rechtfertigung gelten lassen kann. Sie enthält nicht einmal eine Spur der Anerkennung seiner Fehler. Das ist ein Ausweichen vor der Frage. Was bedeutet die Erklärung, dass die Theorie der „permanenten Revolution” etwas sei, was sich auf die Parteigeschichte beziehe? Wie soll man das verstehen? Die Parteigeschichte ist nicht nur ein Hort, sondern auch ein Interpret der Parteidokumente. Da gibt es Dokumente, die seinerzeit Geltung hatten und dann außer Geltung kamen. Da gibt es auch solche Dokumente, die für die Partei maßgebende Bedeutung hatten und auch weiterhin haben. Da gibt es ferner solche Dokumente, die ausschließlich negativen Charakter, negative Bedeutung hatten und mit denen die Partei nicht einverstanden sein kann. Zu welcher Kategorie von Dokumenten rechnet Trotzki seine Theorie der „permanenten Revolution”? Zur Kategorie der positiven oder der negativen? Hierüber hat Trotzki in seiner Erklärung nichts gesagt. Er ist der Frage ausgewichen. Er hat sie umgangen. Daher bleibt die Beschuldigung der Revision des Leninismus bestehen.

Trotzki erklärt weiter, er sei, was die durch den XIII. Parteitag entschiedenen Fragen betrifft, weder im ZK, noch im Rat für Arbeit und Verteidigung, geschweige denn vor dem Lande auch nur ein einziges Mal mit irgendwelchen Vorschlägen aufgetreten, die bereits entschiedene Fragen direkt oder indirekt wieder aufgeworfen hätten. Das ist nicht wahr. Wovon sprach Trotzki vor dem XIII. Parteitag? Von der Untauglichkeit der Kader und der Notwendigkeit einer grundlegenden Änderung der Parteiführung. Wovon spricht er jetzt in den „Lehren des Oktober”? Von der Untauglichkeit des führenden Kerns der Partei und der Notwendigkeit seiner Ablösung. Das ist die Schlussfolgerung aus den „Lehren des Oktober”. Die „Lehren des Oktober” sind herausgegeben worden, um diese Schlussfolgerung zu begründen. Das ist der Zweck der „Lehren des Oktober”. Daher bleibt die Beschuldigung, dass Trotzki eine grundlegende Änderung der Parteiführung herbeizuführen sucht, bestehen.

Insgesamt gesehen, stellt die Erklärung Trotzkis folglich keine Klarstellung im wahren Sinne dieses Wortes dar, sondern eine Sammlung diplomatischer Ausflüchte und eine Wiederaufnahme des alten Streits um Fragen, die von der Partei bereits entschieden sind.

Nicht ein solches Dokument forderte die Partei von Trotzki.

Trotzki hat offensichtlich nicht begriffen, und ich zweifle, dass er jemals begreifen wird, dass die Partei von ihren ehemaligen oder jetzigen Führern nicht diplomatische Ausflüchte, sondern ehrliche Anerkennung ihrer Fehler verlangt. Trotzkii hatte offenbar nicht den Mut, seine Fehler offen anzuerkennen. Er hat nicht begriffen, dass in der Partei das Gefühl von Kraft und Würde erstarkt ist, dass die Partei sich als Herr des Hauses fühlt und von uns verlangt, dass wir den Kopf vor ihr zu beugen wissen, wenn die Umstände dies erfordern. Trotzki hat das nicht begriffen.

Wie haben unsere Organisationen auf das Auftreten Trotzkis reagiert? Sie wissen, dass eine ganze Reihe Resolutionen von Ortsorganisationen zu dieser Frage vorliegen. Sie sind in der „Prawda” veröffentlicht worden. Man könnte sie in drei Kategorien einteilen. Die eine Kategorie dieser Resolutionen fordert den Ausschluss Trotzkis aus der Partei. Die andere Kategorie fordert die Entfernung Trotzkis aus dem Revolutionären Kriegsrat und seine Abberufung aus dem Politbüro. Die dritte Kategorie der Resolutionen, zu der auch der letzte Resolutionsentwurf gehört, den heute das ZK von Genossen aus Moskau, Leningrad, dem Ural, der Ukraine zugeschickt erhielt, fordert die Entfernung Trotzkis aus dem Revolutionären Kriegsrat und seine bedingte Belassung im Politbüro.

Das sind die drei Hauptgruppen von Resolutionen zur Frage des Auftretens Trotzkis.

Das Zentralkomitee und die ZKK haben zwischen diesen Resolutionen zu wählen.

Das ist alles, was ich Ihnen über die Angelegenheiten, die die Diskussion betreffen, mitzuteilen hatte.

J. Stalin,
Über den Trotzkismus. Moskau 1925.

 

 

Trotzkismus und Bauernfrage

Band 7 , Seite 27 - 28

ZUR FRAGE DES PROLETARIATS
UND DER BAUERNSCHAFT

Rede auf der XIII. Gouvernementskonferenz der Moskauer
Organisation der KPR(B)

27. Januar 1925

 

Die größte Gefahr besteht heute darin, dass viele unserer Genossen diese Besonderheit der gegenwärtigen Lage nicht begreifen.

Steht diese Frage - die Frage der Bauernschaft - in irgendeinem Zusammenhang mit der Frage des Trotzkismus, mit der Frage, die Sie hier erörtert haben? Zweifellos ja.

Was ist Trotzkismus?

Trotzkismus bedeutet Unglaube an die Kräfte unserer Revolution, Unglaube an das Bündnis der Arbeiter und Bauern, Unglaube an den Zusammenschluss. Worin besteht jetzt unsere Hauptaufgabe? Sie besteht, um mit den Worten Iljitschs zu sprechen, darin, das Rußland der NÖP in ein sozialistisches Rußland zu verwandeln. Kann man diese Aufgabe bewältigen, ohne den Zusammenschluss herzustellen? Nein, das kann man nicht. Kann man den Zusammenschluss, das Bündnis der Arbeiter und Bauern, verwirklichen, ohne die Theorie des Unglaubens an dieses Bündnis, das heißt die Theorie des Trotzkismus, zu zerschlagen? Nein, das kann man nicht. Die Schlussfolgerung ist klar: Wer aus der NÖP als Sieger hervorgehen will, der muss den Trotzkismus als ideologische Strömung begraben.

Vor der Revolution im Oktober sagte Iljitsch oft, dass von allen ideologischen Gegnern die Menschewiki die gefährlichsten sind, da sie Unglauben an den Sieg des Oktobers zu verbreiten suchen. Daher, so sagte er, kann man, ohne den Menschewismus zu zerschlagen, den Sieg des Oktober nicht erringen. Ich denke, dass wir eine gewisse Analogie zwischen dem Menschewismus von damals, während der Periode des Oktobers, und dem Trotzkismus von heute, während der Periode der NÖP, zu verzeichnen haben. Ich denke, dass von allen ideologischen Strömungen im Kommunismus im gegebenen Moment, nach dem Siege des Oktober, unter den gegenwärtigen Bedingungen der NÖP, der Trotzkismus als die gefährlichste angesehen werden muss, denn er sucht Unglauben an die Kräfte unserer Revolution, Unglauben an das Bündnis der Arbeiter und Bauern zu verbreiten, Unglauben an das Werk der Verwandlung des Rußlands der NÖP in ein sozialistisches Rußland. Daher kann man, ohne den Trotzkismus zu zerschlagen, unter den Bedingungen der NÖP nicht den Sieg erringen, kann man nicht die Verwandlung des heutigen Rußlands in ein sozialistisches Rußland erreichen.

Das ist der Zusammenhang zwischen der Politik der Partei gegenüber der Bauernschaft und dem Trotzkismus.

„Prawda” Nr. 24,
30. Januar 1925.

 

 

Band 7 , Seite 96 - 101

ZU DEN ERGEBNISSEN DER ARBEITEN DER
XIV. KONFERENZ DER KPR(B)

IV
ÜBER DAS SCHICKSAL DES SOZIALISMUS
IN DER SOWJETUNION

 

Deshalb sagt der Leninismus, dass wir zusammen mit der Bauernschaft, auf der Grundlage des Bündnisses der Arbeiter und Bauern die vollendete sozialistische Gesellschaft errichten können und errichten müssen.

Deshalb sagt der Leninismus, ausgehend von den gemeinsamen Interessen der Proletarier und Bauern, dass wir die zwischen Proletariat und Bauernschaft bestehenden Gegensätze aus eigener Kraft überwinden können und überwinden müssen.

Das ist der Standpunkt des Leninismus zu dieser Frage. Augenscheinlich sind aber nicht alle Genossen mit dem Leninismus einverstanden. Trotzki zum Beispiel schreibt über die Gegensätze zwischen Proletariat und Bauernschaft folgendes:

„Die Widersprüche in der Stellung der Arbeiterregierung in einem rückständigen Lande mit einer erdrückenden Mehrheit bäuerlicher Bevölkerung werden nur - im internationalen Maßstab, in der Arena der Weltrevolution des Proletariats ihre Lösung finden können.” (Siehe Vorwort zum Buch Trotzkis „Das Jahr 1905“.)

Mit anderen Worten, wir vermögen nicht, sind nicht imstande, die inneren Gegensätze in unserem Lande, die Gegensätze zwischen dem Proletariat und der Bauernschaft aus eigener Kraft zu überwinden und aufzuheben, denn, so erfährt man, nur im Ergebnis der Weltrevolution und nur auf der Grundlage der Weltrevolution werden wir diese Gegensätze aufheben und den Sozialismus schließlich errichten können.

Es erübrigt sich zu sagen, dass diese These mit dem Leninismus nichts gemein hat.

Derselbe Trotzki fährt dann fort:

„Ohne direkte staatliche Unterstützung durch das europäische Proletariat wird die Arbeiterklasse Rußlands nicht imstande sein, die Macht zu behaupten und ihre zeitweilige Herrschaft in eine dauernde, sozialistische Diktatur zu verwandeln. Daran darf man nicht einen Augenblick zweifeln.” (Siehe Trotzki „Unsere Revolution”, S. 278.)

Mit anderen Worten, solange das westliche Proletariat nicht die Macht ergreift und uns keine staatliche Unterstützung gewährt, dürfen wir nicht einmal davon träumen, die Macht für eine auch nur einigermaßen lange Periode zu behaupten.

Weiter:

„Aussichtslos, zu glauben..., dass zum Beispiel ein revolutionäres Rußland einem konservativen Europa gegenüber sich behaupten könnte” (siehe Trotzkis Schriften, Bd. III, Teil I, S. 90).

Mit anderen Worten, wir können, so erfährt man, den Sozialismus nicht nur nicht errichten, sondern wir können uns auch nicht einmal für eine kurze Zeit, „einem konservativen Europa gegenüber” behaupten, obwohl die ganze Welt weiß, dass wir uns nicht nur behauptet, sondern dass wir auch eine Reihe wütender Attacken des konservativen Europas auf unser Land zurückgeschlagen haben.

Und schließlich:

„Ein wirklicher Aufschwung der sozialistischen Wirtschaft in Rußland”, sagt Trotzki, „wird erst nach dein Siege - des Proletariats in den wichtigsten Ländern Europas möglich sein” (ebenda S. 93).

Das ist wohl klar.

Ich habe diese Zitate angeführt, Genossen, um sie Zitaten aus den Werken Lenins gegenüberzustellen und Ihnen auf diese Weise zu ermöglichen, den Grundkern der Frage der Möglichkeit der Errichtung der vollendeten sozialistischen Gesellschaft in einem von kapitalistischen Staaten umgebenen Lande der proletarischen Diktatur zu erfassen.

Wenden wir uns nun Zitaten aus den Werken Lenins zu.

Schon im Jahre 1915, während des imperialistischen Krieges, schrieb Lenin:

„Die Ungleichmäßigkeit der ökonomischen und politischen Entwicklung ist ein unbedingtes Gesetz des Kapitalismus. Hieraus folgt, dass der Sieg des Sozialismus ursprünglich in wenigen kapitalistischen Ländern oder sogar in einem einzeln genommenen Lande möglich ist. Das siegreiche Proletariat dieses Landes würde sich nach Enteignung der Kapitalisten und nach Organisierung der sozialistischen Produktion im eigenen Lande der übrigen, der kapitalistischen Welt entgegenstellen und würde die unterdrückten Klassen der anderen Länder auf seine Seite ziehen, in ihnen den Aufstand gegen die Kapitalisten entfachen und im Notfall sogar mit Waffengewalt gegen die Ausbeuterklassen und ihre Staaten vorgehen"... Denn „die freie Vereinigung der Nationen im Sozialismus ist unmöglich ohne einen mehr oder weniger langwierigen, hartnäckigen Kampf der sozialistischen Republiken gegen die rückständigen Staaten”. (Siehe 4. Ausgabe, Bd. 21, S.311 [deutsch in „Ausgewählte Werke” in zwei Bänden, Bd. I, S. 753].)

Mit anderen Worten, das Land der proletarischen Diktatur, von Kapitalisten umgeben, ist, wie es sich erweist, nicht nur imstande, die inneren Gegensätze zwischen dem Proletariat und der Bauernschaft aus eigener Kraft aufzuheben, sondern es kann und muss auch den Sozialismus errichten, eine sozialistische Wirtschaft im eigenen Lande organisieren und eine bewaffnete Macht aufstellen, um den Proletariern der Nachbarländer in ihrem Kampfe um den Sturz des Kapitals zu Hilfe zu eilen.

Das ist die Grundthese des Leninismus über den Sieg des Sozialismus in einem Lande.

Das gleiche sagt Lenin, wenn auch in etwas anderer Form, im Jahre 1920 auf dem VIII. Sowjetkongress in Verbindung mit der Frage der Elektrifizierung unseres Landes:

„Kommunismus - das ist Sowjetmacht plus Elektrifizierung des ganzen Landes. Sonst wird das Land ein kleinbäuerliches Land bleiben, und das müssen wir klar erkennen. Wir sind schwächer als der Kapitalismus, nicht nur im Weltmaßstab, sondern auch im Innern unseres Landes. Das ist allbekannt. Wir haben das erkannt, und wir werden es dahin bringen, dass die wirtschaftliche Grundlage aus einer kleinbäuerlichen zu einer großindustriellen wird. Erst dann, wenn das Land elektrifiziert ist, wenn die Industrie, die Landwirtschaft und das Verkehrswesen eine moderne großindustrielle technische Grundlage erhalten, erst dann werden wir endgültige gesiegt haben.” (Siehe 4. Ausgabe, Bd. 31, S. 484, russ.)

Mit anderen Worten, Lenin ist sich über die technischen Schwierigkeiten der Errichtung des Sozialismus in unserem Lande durchaus im klaren, aber er zieht daraus keineswegs die absurde Schlussfolgerung, dass „ein wirklicher Aufschwung der sozialistischen Wirtschaft in Rußland erst nach dem Siege des Proletariats in den wichtigsten Ländern Europas möglich sein wird”, sondern er ist der Auffassung, dass wir diese Schwierigkeiten aus eigener Kraft überwinden können und den „endgültigen Sieg” erringen, das heißt den vollendeten Sozialismus errichten können.

Und ein Jahr später, im Jahre 1921, sagt Lenin:

„10-20 Jahre richtiger Beziehungen zur Bauernschaft, und der Sieg ist im Weltmaßstab (sogar bei einer Verzögerung der proletarischen Revolutionen, die anwachsen) gesichert.” („Plan und Konspekte für die Broschüre ‚Über die Naturalsteuer’“, 1921 - siehe 4. Ausgabe, Bd. 32, S. 302/303, russ.)

Mit anderen Worten, Lenin ist sich über die politischen Schwierigkeiten der Errichtung des Sozialismus in unserem Lande durchaus im klaren, aber er zieht daraus keineswegs die falsche Schlussfolgerung, dass „ohne direkte staatliche Unterstützung durch das europäische Proletariat die Arbeiterklasse Rußlands nicht imstande sein wird, die Macht zu behaupten”, sondern er ist der Auffassung, dass wir bei einer richtigen Politik gegenüber der Bauernschaft den „Sieg im Weltmaßstab” durchaus erringen, das heißt den vollendeten Sozialismus errichten können.

Was bedeutet aber eine richtige Politik gegenüber der Bauernschaft? Eine richtige Politik gegenüber der Bauernschaft ist etwas, was voll und ganz von uns und nur von uns abhängt, von der Partei, die die führende Kraft bei der Errichtung des Sozialismus in unserem Lande ist.

Dasselbe, aber mit noch größerer Bestimmtheit, sagt Lenin im Jahre 1922 in seinen Bemerkungen über das Genossenschaftswesen:

„In der Tat, die Verfügungsgewalt des Staates über alle großen Produktionsmittel, die Staatsmacht in den Händen des Proletariats, das Bündnis dieses Proletariats mit den vielen Millionen Klein- und Zwergbauern, die Sicherung der Führerstellung dieses Proletariats gegenüber der Bauernschaft usw. - ist das nicht alles, was notwendig ist, um aus den Genossenschaften, allein aus den Genossenschaften, die wir früher geringschätzig als Krämerei behandelt haben und die wir in gewisser Hinsicht jetzt, unter der NÖP, ebenso zu behandeln berechtigt sind, ist das nicht alles, was notwendig ist, um die vollendete sozialistische Gesellschaft zu errichten? Das ist noch nicht die Errichtung der sozialistischen Gesellschaft, aber es ist alles, was zu dieser Errichtung notwendig und hinreichend ist.” (Siehe 4. Ausgabe, Bd. 33, S. 428 [deutsch in „Ausgewählte Werke” in zwei Bänden, Bd. II, S. 989].)

Mit anderen Worten, unter der Diktatur des Proletariats sind bei uns, wie es sich erweist, alle Vorbedingungen gegeben, die notwendig sind, um die vollendete sozialistische Gesellschaft zu errichten, wobei alle und jegliche inneren Schwierigkeiten überwunden werden, denn wir können und müssen sie aus eigener Kraft überwinden. Das ist wohl klar.

Dem Einwand, dass die verhältnismäßige ökonomische Rückständigkeit unseres Landes die Möglichkeit der Errichtung des Sozialismus ausschließe, tritt Lenin aufs entschiedenste entgegen und verwirft ihn als etwas, was sich mit dem Sozialismus nicht vereinbaren lässt:

„Unendlich schablonenhaft ist... ihr Argument“, sagt Lenin, „das sie im Verlauf der Entwicklung der westeuropäischen Sozialdemokratie auswendig gelernt haben und das darin besteht, dass wir für den Sozialismus noch nicht reif seien, dass uns, wie sich die verschiedenen ‚gelehrten’ Herren unter ihnen ausdrücken, die objektiven ökonomischen Voraussetzungen für den Sozialismus fehlen.” (Siehe 4. Ausgabe, Bd. 33, S. 437 [deutsch in „Ausgewählte Werke” in zwei Bänden, Bd. II, S. 997].)

Andernfalls hätte es ja keinen Sinn gehabt, im Oktober die Macht zu ergreifen und die Oktoberrevolution durchzuführen. Denn wenn die Möglichkeit und die Notwendigkeit der Errichtung der vollendeten sozialistischen Gesellschaft aus diesen oder jenen Erwägungen ausgeschlossen wird, so verliert damit auch die Oktoberrevolution ihren Sinn. Wer die Möglichkeit der Errichtung des Sozialismus in einem Lande leugnet, der muss auch zwangsläufig die Rechtmäßigkeit der Oktoberrevolution leugnen. Und umgekehrt: Wer nicht an den Oktober glaubt, der kann auch die Möglichkeit des Sieges des Sozialismus unter den Verhältnissen der kapitalistischen Umkreisung nicht anerkennen. Es besteht ein enger und unmittelbarer Zusammenhang zwischen dem Unglauben an den Oktober und der Nichtanerkennung der sozialistischen Möglichkeiten in unserem Lande.

„Ich weiß”, sagt Lenin, „dass es natürlich Neunmalweise gibt, die sich für sehr gescheit halten und sich sogar Sozialisten nennen, die behaupten, man hätte die Macht nicht ergreifen dürfen, solange die Revolution nicht in allen Ländern ausgebrochen wäre. Diese Leute ahnen nicht, dass sie mit diesem Gerede der Revolution den Rücken kehren und auf die Seite der Bourgeoisie übergehen. Zu warten, bis die werktätigen Klassen die Revolution im internationalen Maßstab durchführen, hieße, dass alle in Erwartung zu erstarren hätten. Das ist Unsinn.” (Siehe 4. Ausgabe, Bd. 27, S. 336, russ.)

So verhält es sich mit der ersten Gruppe von Gegensätzen, mit den Gegensätzen innerer Natur, mit der Frage der Möglichkeit der Errichtung des Sozialismus unter den Verhältnissen der kapitalistischen Umkreisung.

 

 

 

 

 

Band 7 , Seite 53 - 54

ÜBER DIE TSCHECHOSLOWAKISCHE
KOMMUNISTISCHE PARTEI

Rede in der tschechoslowakischen Kommission des EKKI

27. März 1925

 

Bekämpft Genosse Smeral die Gefahr von rechts? Ja, er bekämpft sie. Aber er bekämpft sie so, dass statt einer Überwindung der Rechten bei ihm letzten Endes eine Kultivierung, eine Unterstützung, eine Verteidigung der Rechten gegen die Schläge der Linken herauskommt. Das ist etwas seltsam, Genossen, aber es ist eine Tatsache. Darin besteht der zweite und grundlegende Fehler des Genossen Smeral.

Urteilen Sie selbst.

1. Es ist eine Tatsache, dass ein Artikel des Genossen Kreibich existiert, in dem er für den Trotzkismus Stellung nimmt. Es ist eine Tatsache, dass dieses Dokument in Parteikreisen bekannt ist und von Hand zu Hand geht. Es wäre notwendig gewesen, dieses Dokument ans Tageslicht zu bringen und seinen Verfasser zu zerschmettern, ideologisch zu zerschmettern, vor den Augen der Arbeiter, um der Partei die Möglichkeit zu geben, sich über die Gefahr des Trotzkismus klar zu werden und ihre Kader im Geiste des Bolschewismus zu erziehen. Denn was ist der Trotzkismus anderes als der rechte Flügel im Kommunismus, als die Gefahr von rechts? Wie aber handelte Genosse Smeral in diesem Fall? Anstatt den Trotzkismus des Genossen Kreibich der ganzen Partei zur Kenntnis zu bringen, hat er die Frage kurzerhand vertuscht und verschleiert, hinter den Kulissen der Partei behandelt und dort in aller Stille „gelöst”, in der gleichen Weise, wie gewöhnliche „Missverständnisse” beigelegt werden. Den Gewinn davon hatten der Trotzkismus und der Genosse Kreibich. Den Verlust hatte die Partei. Anstatt des Kampfes gegen die Rechten ergab sich eine Beschützung der Rechten.

 

 

Band 7 , Seite 202

BRIEF AN GENOSSEN JERMAKOWSKI

15. September 1925

 

Es kann keine Rede davon sein, dass „die Theorie Trotzkis mit der Lehre von Engels identisch ist”. Engels hatte allen Grund, in der Periode des vormonopolistischen Kapitalismus, in den vierziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts, als von dem Gesetz der ungleichmäßigen Entwicklung der kapitalistischen Länder noch keine Rede sein konnte, eine verneinende Antwort auf die 19. Frage (siehe seine „Grundsätze des Kommunismus”) zu geben. Trotzki aber hat ganz im Gegenteil keinerlei Grund, im 20. Jahrhundert die alte Antwort von Engels, die einer bereits hinter uns liegenden Epoche entnommen ist, zu wiederholen und sie mechanisch auf die neue, die imperialistische Epoche anzuwenden, in der das Gesetz der ungleichmäßigen Entwicklung zu einer allgemein bekannten Tatsache geworden ist. Engels gründet seine Antwort auf die Analyse des vormonopolistischen Kapitalismus seiner Zeit. Trotzki hingegen analysiert die gegenwärtige Epoche nicht, sondern ignoriert sie, er vergisst, dass er nicht in den vierziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts lebt, sondern im zwanzigsten Jahrhundert, in der Epoche des Imperialismus; er wendet einen schlauen Trick an und versetzt die Nase des Iwan Iwanowitsch aus den vierziger Jahren des 19. Jahrhunderts auf das Kinn Iwan Nikiforowitschs, der zu Beginn des 20. Jahrhunderts lebt, offenbar in der Annahme, dass man auf diese Weise die Geschichte überlisten könne. Ich glaube nicht, dass diese zwei einander diametral entgegengesetzten Methoden dazu berechtigen könnten, von einer „Identität der Theorie Trotzkis mit der Lehre von Engels” zu sprechen.

Mit kommunistischem Gruß

J. Stalin

15. IX. 25.

 

 

Band 7, Seite 329 - 330

DER XIV. PARTEITAG DER KPdSU(B)

18.-31. Dezember 1925

SCHLUSSWORT ZUM
POLITISCHEN RECHENSCHAFTSBERICHT DES
ZENTRALKOMITEES

23. Dezember

9. Zur Geschichte der Meinungsverschiedenheiten

Gestatten Sie mir, jetzt zur Geschichte unseres internen Kampfes innerhalb der Mehrheit des Zentralkomitees überzugehen. Womit begannen unsere Unstimmigkeiten? Sie begannen mit der Frage, „was mit Trotzki geschehen soll”. Das war Ende 1924. Eine Gruppe der Leningrader beantragte anfangs, Trotzki aus der Partei auszuschließen. Ich habe hier die Diskussionsperiode des Jahres 1924 im Auge. Das Leningrader Gouvernementskomitee nahm eine Resolution an, die den Ausschluss Trotzkis aus der Partei forderte. Wir, das heißt die Mehrheit des ZK, waren damit nicht einverstanden (Zwischenrufe: „Sehr richtig!”) und konnten nach einigem Kampf die Leningrader Genossen dazu überreden, in ihrer Resolution den Absatz über den Ausschluss zu streichen. Nach einiger Zeit, als das ZK zu seiner Plenartagung zusammentrat und die Leningrader gemeinsam mit Kamenew den sofortigen Ausschluss Trotzkis aus dem Politbüro beantragten, waren wir auch mit diesem Vorschlag der Opposition nicht einverstanden. Wir erhielten die Mehrheit im ZK und beschränkten uns darauf, Trotzki vom Posten des Volkskommissars für Kriegswesen abzusetzen. Wir waren mit Sinowjew und Kamenew nicht einverstanden, da wir wussten, dass die Politik des Absägens große Gefahren für die Partei in sich birgt, dass die Methode des Absägens, des Aderlassens - und sie forderten Blut - gefährlich und ansteckend ist: heute hat man den einen abgesägt, morgen kommt der andere, übermorgen ein dritter dran, und was bleibt dann in der Partei? (Beifall.)

In diesem ersten Zusammenstoß innerhalb der ZK-Mehrheit zeigte sich der grundlegende Unterschied zwischen uns in den Fragen der Organisationspolitik der Partei.

 

 

 

Fragen des Leninismus (1926)

 

 

 

Stalin Werke Band 8, Seite 158 - 171

ÜBER DAS ENGLISCH-RUSSISCHE EINHEITSKOMITEE

Rede auf der gemeinsamen Plenartagung des ZK und der ZKK
der KPdSU(B)
15. Juli 1926

 

"Sich auf den Standpunkt Trotzkis stellen, bedeutet den Kommunisten den Weg zu den Millionenmassen verschließen, bedeutet die Massen der Arbeiter Amsterdam (...) auszuliefern."

Können wir als Leninisten, als Marxisten überhaupt über eine noch nicht überholte Bewegung, über die Rückständigkeit der Massen hinweg springen, können wir ihnen den Rücken kehren, sie ignorieren, oder müssen wir derartige Erscheinungen dadurch überwinden, dass wir unter den Massen unermüdlich gegen diese Erscheinungen kämpfen? Das ist eine der grundlegenden Fragen der kommunistischen Politik, eine der grundlegenden Fragen der Leninschen Lehre von der Führung der Massen. Die Oppositionellen sprachen hier vom Leninismus. Gestatten Sie, dass ich mich auf die Urquelle, auf Lenin, berufe.

Es ist im April 1917. Lenin polemisiert gegen Kamenew. Lenin ist nicht einverstanden mit Kamenew, der die Rolle der kleinbürgerlichen Demokratie überschätzte. Lenin ist aber auch nicht einverstanden mit Trotzki, der die Rolle der Bauernbewegung unterschätzte und über die Bauernbewegung in Rußland „hinweg sprang”. Hier die Worte Lenins: 

„Der Trotzkismus sagt: ‚Weg mit dem Zaren, her mit der Arbeiterregierung’. Das ist falsch. Das Kleinbürgertum existiert, man darf es nicht ignorieren. Aber es besteht aus zwei Teilen. Sein ärmerer Teil geht mit der Arbeiterklasse.” (Siehe Rede Lenins, Protokolle der Petrograder Konferenz im April 1917, S. 17, russ.)

„Hätten wir gesagt: ‚Weg mit dem Zaren, her mit der Diktatur des Proletariats’ - nun, das wäre ein Sprung über das Kleinbürgertum hinweg.” (Siehe Rede Lenins, Protokolle der Allrussischen Aprilkonferenz 1917, S. 76, russ..) 

Und weiter: 

„Laufen wir aber nicht Gefahr, in Subjektivismus zu verfallen, in den Wunsch, über die unvollendete Revolution bürgerlich-demokratischen Charakters, die die Bauernbewegung noch nicht überholt hat, in die sozialistische Revolution ‚hinüber zu springen’? Hätte ich gesagt: ‚Weg mit dem Zaren, her mit der Arbeiterregierung’ - so würde mir diese Gefahr drohen. Doch ich habe nicht das gesagt, ich habe etwas anderes gesagt... Ich habe mich in meinen Thesen absolut gegen jegliches Überspringen der noch nicht überholten bäuerlichen oder überhaupt kleinbürgerlichen Bewegung, gegen jedes Spiel mit der ;Machtergreifung’ durch eine Arbeiterregierung, gegen jedes wie auch immer geartete blanquistische Abenteuer verwahrt, denn ich habe direkt auf die Erfahrungen der Pariser Kommune hingewiesen.” (Siehe 4. Ausgabe, Bd. 24, S. 28/29, russ.) 

Das ist doch wohl klar. Die Theorie des Überspringens einer noch nicht überholten Bewegung ist eine Theorie des Trotzkismus. Lenin ist mit dieser Theorie nicht einverstanden. Er hält sie für abenteuerlich.

Und hier noch einige Zitate, allerdings aus anderen Schriften, aus den Schriften eines „sehr prominenten” Bolschewiks, dessen Namen und Vornamen ich vorläufig nicht nennen will, der aber auch gegen die Theorie des Überspringens ins Feld zieht. 

„In der Frage der Bauernschaft, die Trotzki fortwährend ‚überspringt’, hätten wir die größten Fehler begangen. An Stelle der Ansätze eines Zusammenschlusses zwischen Arbeitern und Bauern hätten wir jetzt gerade das Gegenteil eines Zusammenschlusses.” 

Weiter: 

„Das ist die ‚theoretische’ Grundlage des Parvusismus und des Trotzkismus. Diese ‚theoretische’ Grundlage wurde später in politische Losungen umgemünzt, wie zum Beispiel in die Losung: ‚Weg mit dem Zaren, her mit der Arbeiterregierung’. Diese Losung nimmt sich jetzt - nachdem wir im Bündnis mit der Bauernschaft nach 15 Jahren die Sowjetmacht errungen haben - nicht übel aus. Weg mit dem Zaren! - das ist gut. Her mit der Arbeiterregierung - noch besser. Wenn man sich aber ins Gedächtnis ruft, dass diese Losung im Jahre 1905 aufgestellt wurde, so wird jeder Bolschewik zugeben, dass diese Losung damals die Bauernschaft völlig ‚übersprang’.” 

Weiter: 

„Aber die ‚Permanenzler’ wollten uns im Jahre 1905 die Losung ‚Nieder mit dem Zaren, her mit der Arbeiterregierung’ aufzwingen. Wo bleibt aber die Bauernschaft? Sticht denn hier nicht die Tatsache des völligen Nichtverstehens und der Ignorierung der Bauernschaft in einem Land wie Rußland ins Auge? Wenn das kein ‚Überspringen’ der Bauernschaft ist, was ist es dann?” 

Weiter: 

„Der Trotzkismus, der die Rolle der Bauernschaft in Rußland nicht begriffen hat, der die Bauernschaft in einem bäuerlichen Lande ‚überspringt’, konnte um so weniger die Rolle der Bauernschaft in der internationalen Revolution begreifen.” 

Sie werden fragen: Wer ist denn der Verfasser dieser gewichtigen Zitate gegen den Trotzkismus und gegen die trotzkistische Theorie des Überspringens? Der Verfasser dieser gewichtigen Zitate ist kein anderer als Sinowjew. Diese Zitate sind seinem Buch „Leninismus” und dem Artikel Sinowjews „Bolschewismus oder Trotzkismus” entnommen.

Wie konnte es passieren, dass Sinowjew vor einem Jahr den antileninistischen Charakter der Theorie des Überspringens verstand, jetzt aber, ein Jahr später, ihn nicht mehr versteht? Das ist ihm deshalb passiert, weil er damals, sozusagen, Leninist war, jetzt aber sich hoffnungslos verstrickt hat und mit einem Bein im Lager des Trotzkismus und mit dem andern im Lager Schljapnikows, im Lager der „Arbeiteropposition” steht. Und nun zappelt er zwischen diesen beiden Oppositionen und sieht sich veranlasst, hier, auf dieser Tribüne, unter Berufung auf Martow aufzutreten. Und gegen wen tritt er auf? Gegen Lenin. Für wen? Für die Trotzkisten.

So tief ist Sinowjew gesunken.

Man könnte sagen, das alles betreffe die Frage der Bauernschaft, das habe nichts mit den Gewerkschaften in England zu tun. Aber das ist falsch, Genossen. Das, was ich über die Untauglichkeit der Theorie des Überspringens in der Politik gesagt habe, hat unmittelbar Bezug auf die Gewerkschaften in England und in Europa überhaupt, hat unmittelbar Bezug auf die Frage der Führung der Massen, auf die Frage, wie man die Massen von dem Einfluss der reaktionären, reformistischen Führer befreien kann. Getreu der Theorie des Überspringens, versuchen Trotzki und Sinowjew, über die Rückständigkeit der englischen Gewerkschaften, über ihr reaktionäres Wesen hinweg zu springen, und drängen darauf, dass wir den Generalrat von Moskau aus, ohne die englischen Gewerkschaftsmassen stürzen. Wir aber behaupten, dass eine solche Politik dumm und abenteuerlich ist, dass die reaktionären Führer der englischen Gewerkschaftsbewegung von den englischen Gewerkschaftsmassen selbst, mit unserer Hilfe, gestürzt werden müssen, dass wir über das reaktionäre Wesen der Gewerkschaftsführer nicht hinweg springen dürfen, sondern den englischen Gewerkschaftsmassen helfen müssen, es zu überwinden.

Sie sehen, dass zwischen der Politik im Allgemeinen und der Politik gegenüber den Gewerkschaftsmassen zweifellos ein Zusammenhang besteht.

Gibt es dazu keine Hinweise bei Lenin? Hören Sie bitte: 

„Zu Beginn der Entwicklung des Kapitalismus bedeuteten die Gewerkschaften als Übergang von der Zersplitterung und Hilflosigkeit der Arbeiter zu den Anfängen einer Klassenvereinigung einen riesigen Fortschritt der Arbeiterklasse. Als die höchste Form der Klassenvereinigung der Proletarier, die revolutionäre Partei des Proletariats (die ihren Namen nicht verdient, solange sie es nicht gelernt hat, die Führer mit der Klasse und mit den Massen zu einem Ganzen, zu etwas Untrennbarem zu verbinden), sich herauszubilden anfing, da begannen die Gewerkschaften unvermeidlich gewisse reaktionäre Züge zu offenbaren, eine gewisse zünftlerische Beschränktheit, eine gewisse Neigung zum Apolitizismus, eine gewisse Stagnation usw. Aber anders als vermittels der Gewerkschaften, durch ihr Zusammenwirken mit der Partei der Arbeiterklasse ging die Entwicklung des Proletariats nirgendwo in der Welt vor sich und konnte auch nicht anders vor sich gehen.” (Siehe 4. Ausgabe, Bd. 31, S. 32/33 [deutsch in „Ausgewählte Werke” in zwei Bänden, Bd. 11, S. 697].) 

Und weiter: 

„Fürchtet man diese ,reaktionären Züge’, sucht man, sie zu ignorieren, über sie hinwegzuspringcn1, so ist das die größte Dummheit, denn das bedeutet, vor der Rolle der proletarischen Avantgarde zurückzuschrecken, die darin besteht, die rückständigsten Schichten und die Massen der Arbeiterklasse und der Bauernschaft zu schulen, aufzuklären, zu erziehen und dem neuen Leben zuzuführen.” (Ebenda, S. 33, russ. [S. 697, deutsch].) 

So ist es um die Theorie des Überspringens auf dem Gebiet der Gewerkschaftsbewegung bestellt.

Sinowjew täte besser daran, hier nicht unter Berufung auf Martow aufzutreten. Er täte besser daran, von der Theorie des Überspringens zu schweigen. Das wäre für ihn viel besser. Sinowjew brauchte nicht auf den Namen Trotzkis zu schwören: Wir wissen auch ohnehin, dass er vom Leninismus zum Trotzkismus übergegangen ist.

So, Genossen, ist es bestellt um die trotzkistische Theorie des Überspringens der Rückständigkeit der Gewerkschaften, der Rückständigkeit der Gewerkschaftsbewegung, der Rückständigkeit einer Massenbewegung überhaupt.

Leninismus und Trotzkismus sind zwei ganz verschiedene Dinge.

Damit sind wir bei der Frage des Englisch-Russischen Komitees angelangt. Hier wurde gesagt, dass das Englisch-Russische Komitee ein Übereinkommen, ein Block der Gewerkschaften unseres Landes mit den Gewerkschaften Englands sei. Das ist völlig richtig. Das Englisch-Russische Komitee ist der Ausdruck eines Blocks, der Ausdruck eines Übereinkommens unserer Gewerkschaften mit den Gewerkschaften Englands, und dieser Block trägt auch politischen Charakter.

Dieser Block stellt sich zwei Aufgaben. Die erste Aufgabe besteht in der Herstellung der Verbindung zwischen unseren Gewerkschaften und den Gewerkschaften Englands, in der Organisierung der Einheitsbewegung gegen die Offensive des Kapitals, in der Vertiefung des Risses, der zwischen Amsterdam und der englischen Gewerkschaftsbewegung entstanden ist und den wir mit allen Mitteln vertiefen werden, schließlich in der Schaffung der Voraussetzungen, die notwendig sind, um die Reformisten aus den Gewerkschaften zu verdrängen und die Gewerkschaften der kapitalistischen Länder für den Kommunismus zu gewinnen.

Die zweite Aufgabe dieses Blocks besteht in der Organisierung einer breiten Bewegung der Arbeiterklasse gegen neue imperialistische Kriege im Allgemeinen und gegen eine Intervention (ganz besonders) der stärksten imperialistischen Macht Europas, Englands, gegen unser Land im Besonderen.

Über die erste Aufgabe wurde hier ausführlich genug gesprochen. Ich werde deshalb nicht darauf eingehen. Ich möchte hier einige Worte über die zweite Aufgabe sagen, besonders soweit sie die Intervention der englischen Imperialisten gegen unser Land betrifft. Manche Oppositionellen sagen, es lohne nicht, über die letzte Aufgabe, die Aufgabe des Blocks zwischen unseren und den englischen Gewerkschaften zu sprechen, diese Aufgabe sei unwichtig. Es fragt sich warum? Warum sollte es sich nicht lohnen, darüber zu sprechen? Ist etwa die Aufgabe, sich für die Sicherheit der ersten Sowjetrepublik der Welt einzusetzen, die zudem noch das Bollwerk und die Basis der internationalen Revolution ist, keine revolutionäre Aufgabe? Sind etwa unsere Gewerkschaftsverbände von der Partei unabhängig? Stehen wir etwa auf dem Standpunkt der Unabhängigkeit unserer Gewerkschaftsverbände: der Staat sei eins, die Gewerkschaftsverbände aber seien etwas ganz anderes? Nein, auf einem solchen Standpunkt stehen wir nicht und können wir als Leninisten nicht stehen. Jeder Arbeiter, jeder gewerkschaftlich organisierte Arbeiter muss sich die Verteidigung der ersten Sowjetrepublik der Welt gegen eine Intervention angelegen sein lassen. Wenn die Gewerkschaften unseres Landes hierbei von den englischen Gewerkschaften, auch wenn sie reformistisch sind, unterstützt werden, ist dann etwa nicht klar, dass man das nur begrüßen kann?

Wer da glaubt, unsere Gewerkschaftsverbände könnten sich keine staatlichen Aufgaben stellen, gleitet auf den Standpunkt des Menschewismus hinab. Das ist der Standpunkt des „Sozialistitscheski Wjestnik”. Wir können diesen Standpunkt nicht einnehmen. Und wenn die reaktionären Gewerkschaften Englands bereit sind, mit den revolutionären Gewerkschaften unseres Landes einen Block gegen die konterrevolutionären Imperialisten ihres Landes zu bilden - warum sollte man diesen Block nicht begrüßen? Ich betone diese Seite der Sache deshalb, damit unsere Opposition, die bemüht ist, das Englisch-Russische Komitee zu sprengen, endlich begreifen möge, dass sie Wasser auf die Mühle der Interventionisten leitet.

Also, das Englisch-Russische Komitee ist ein Block unserer Gewerkschaften mit den reaktionären Gewerkschaften Englands mit dem Ziel, erstens die Verbindungen zwischen unseren Gewerkschaften und der Gewerkschaftsbewegung des Westens zu festigen und diese zu revolutionieren, und zweitens den Kampf gegen imperialistische Kriege überhaupt, gegen eine Intervention im Besonderen, zu führen.

Aber sind überhaupt - und das ist eine prinzipielle Frage - sind überhaupt politische Blocks mit reaktionären Gewerkschaften möglich? Sind solche Blocks für Kommunisten überhaupt zulässig?

Das ist für uns eine höchst aktuelle Frage, die wir hier lösen müssen. Die einen meinen, sie seien unmöglich - das sind unsere Oppositionellen. Das Zentralkomitee unserer Partei aber ist der Meinung, dass solche Blocks zulässig sind.

Die Oppositionellen haben hier den Namen Lenins erwähnt. Wenden wir uns Lenin zu. 

„Der Kapitalismus wäre nicht Kapitalismus, wenn das ,reine’ Proletariat nicht von einer Masse außerordentlich mannigfaltiger Übergangstypen vom Proletarier zum Halbproletarier (der seinen Lebensunterhalt zur Hälfte durch Verkauf seiner Arbeitskraft erwirbt), vom Halbproletarier zum Kleinbauern (und kleinen Handwerker, Heimarbeiter, kleinen Eigentümer überhaupt), vom Kleinbauern zum Mittelbauern usw. umgeben wäre; wenn es innerhalb des Proletariats selbst nicht Gliederungen in mehr oder minder entwickelte Schichten, Gliederungen nach Landsmannschaften, nach Berufen, manchmal nach Konfessionen usw. gäbe. Aus alledem aber ergibt sich für die Vorhut des Proletariats, für seinen klassenbewussten Teil, für die Kommunistische Partei absolut unumgänglich die Notwendigkeit, die unbedingte Notwendigkeit, zu lavieren, Übereinkommen, Kompromisse mit verschiedenen proletarischen Gruppen, mit verschiedenen Parteien der Arbeiter und der kleinen Besitzer zu schließen. Es kommt nur darauf an, zu verstehen, diese Taktik so anzuwenden, dass sie zur Hebung und nicht zur Senkung des allgemeinen Niveaus des proletarischen Klassenbewusstseins, des revolutionären Geistes, der Kampf- und Siegesfähigkeit beiträgt.” (Siehe 4.Ausgabe, Bd.31, 5.55/56 [deutsch in „Ausgewählte Werke” in zwei Bänden, Bd. II, S.719/720].) 

Und weiter: 

„Dass die Henderson, Clynes, MacDonald und Snowden hoffnungslos reaktionär sind, stimmt. Ebenso stimmt es, dass sie in den Besitz der Macht kommen wollen (dabei aber, nebenbei bemerkt, eine Koalition mit der Bourgeoisie vorziehen), dass sie nach denselben althergebrachten bürgerlichen Regeln ,regieren’ wollen, dass sie, einmal zur Macht gelangt, sich unvermeidlich ebenso verhalten werden wie die Scheidemann und Noske. Das alles stimmt. Aber daraus folgt keineswegs, dass eine Unterstützung dieser Leute Verrat an der Revolution sei, vielmehr folgt daraus, dass die Revolutionäre aus der Arbeiterklasse im Interesse der Revolution diesen Herrschaften eine gewisse parlamentarische Unterstützung gewähren müssen.” (Ebenda, S.62, russ. [S. 726, deutsch].) 

Also nach Lenin ergibt sich, dass politische Übereinkommen, politische Blocks der Kommunisten mit reaktionären Führern der Arbeiterklasse durchaus möglich und zulässig sind.

Mögen Trotzki und Sinowjew sich das merken.

Aber wozu brauchen wir eigentlich solche Übereinkommen?

Um zu den Arbeitermassen Zugang zu erhalten, um diese Massen über das reaktionäre Wesen ihrer politischen Führer und Gewerkschaftsführer aufzuklären, um die Teile der Arbeiterklasse, die sich im Prozess der Linksentwicklung und der Revolutionierung befinden, von den reaktionären Führern loszureißen, um somit die Kampffähigkeit der Arbeiterklasse im ganzen zu steigern.

Daher darf man sich auf solche Blocks nur unter zwei Hauptbedingungen einlassen: Wenn die Freiheit unserer Kritik an den reformistischen Führern gewährleistet ist, und wenn die für die Loslösung der Massen von den reaktionären Führern notwendigen Voraussetzungen gewährleistet sind.

Hierüber sagt Lenin folgendes: 

„Die Kommunistische Partei schlägt den Henderson und Snowden ein ,Kompromiss’, ein Wahlabkommen vor: Wir kämpfen gemeinsam gegen das Bündnis Lloyd Georges und der Konservativen, verteilen die Parlamentssitze entsprechend der Zahl der von den Arbeitern für die Arbeiterpartei bzw. die Kommunisten abgegebenen Stimmen (nicht bei den Wahlen, sondern in einer besonderen Abstimmung), behalten uns aber die vollste Freiheit der Agitation, Propaganda und politischen Tätigkeit vor. Ohne die letzte Bedingung darf man sich natürlich nicht auf einen Block einlassen, denn das wäre Verrat: Die vollste Freiheit der Entlarvung der Henderson und Snowden müssen die englischen Kommunisten ebenso unbedingt verfechten und durchsetzen, wie die russischen Bolschewiki sie (fünfzehn Jahre lang, von 1903 bis 1917) gegenüber den russischen Henderson und Snowden, d. h. gegenüber den Menschewiki, verfochten und durchgesetzt haben.” (Siehe 4. Ausgabe, Bd. 31, S. 66/67 [deutsch in „Ausgewählte Werke” in zwei Bänden, Bd. II, S. 730/731].) 

Und weiter: 

„Die kleinbürgerlichen Demokraten (darunter auch die Menschewiki) schwanken unvermeidlich zwischen der Bourgeoisie und dem Proletariat, zwischen der bürgerlichen Demokratie und dem Sowjetsystem, zwischen Reformismus und Revolutionarismus, zwischen der Liebe zu den Arbeitern und der Furcht vor der proletarischen Diktatur usw. Die richtige Taktik der Kommunisten muss darin bestehen, dass man diese Schwankungen ausnutzt, sie aber keineswegs ignoriert; um sie auszunutzen, muss man Zugeständnisse an die Elemente machen, die sich dem Proletariat zuwenden, und zwar dann, wenn diese sich dem Proletariat zuwenden, und insoweit, wie diese sich dem Proletariat zuwenden - gleichzeitig aber muss man den Kampf gegen diejenigen führen, die zur Bourgeoisie abschwenken. Das Ergebnis der Anwendung der richtigen Taktik war, dass der Menschewismus bei uns immer mehr zerfiel und auch weiter zerfällt, wobei die verbohrten opportunistischen Führer isoliert und die besten Arbeiter, die besten Elemente aus der kleinbürgerlichen Demokratie in unser Lager geführt werden.“ (Siehe 4. Ausgabe, Bd. 31, S. 56 [deutsch in „Ausgewählte Werke” in zwei Bänden, Bd. II, S. 720].) 

Hier haben wir die Bedingungen für einen Block, ohne die keinerlei Blocks, keinerlei Übereinkommen mit reaktionären Gewerkschaftsführern zulässig sind.

Möge die Opposition sich auch das merken.

Es fragt sich nun: Entspricht die Politik unserer Gewerkschaften den Bedingungen, von denen Genosse Lenin spricht?

Ich bin der Meinung, dass sie ihnen durchaus entspricht. Erstens haben wir uns die volle Freiheit der Kritik an den reformistischen Führern der englischen Arbeiterklasse voll und ganz bewahrt und diese Freiheit restlos ausgenutzt, so, wie sie keine andere kommunistische Partei der Welt ausgenutzt hat. Zweitens haben wir zu den Arbeitermassen Englands Zugang erhalten und unsere Verbindungen mit ihnen gefestigt. Drittens haben wir mit Erfolg begonnen, und es ist uns auch bereits gelungen, ganze Trupps der Arbeiterklasse Englands von den reaktionären Führern loszureißen. Ich denke an die Loslösung der Bergarbeiter von den Führern des Generalrats.

Trotzki, Sinowjew und Kamenew haben hier die Frage der Konferenz der russischen und englischen Bergleute in Berlin und ihren Aufruf wohlweislich umgangen. Das ist aber doch eins der wichtigsten Ereignisse der letzten Zeit. Wer sind denn die Richardson, Cook, Smith, Richards? Opportunisten, Reformisten. Die einen nennen sich Linke, die anderen Rechte. Sollen sie das! Die Geschichte wird klarstellen, wer von ihnen weiter links steht. Für uns ist es sehr schwierig, das jetzt zu klären; die Angelegenheit ist in Dunkel gehüllt. Eins aber ist klar: Wir haben diese schwankenden reformistischen Führer, denen eine Million zweihunderttausend streikende Bergarbeiter folgen, vorn Generalrat losgerissen und mit unseren Gewerkschaften zusammengebracht. Ist das etwa nicht Tatsache? Warum schweigt sich die Opposition darüber aus? Sollte sie sich etwa nicht über die Erfolge unserer Politik freuen? Und wenn Citrine jetzt schreibt, dass er und der Generalrat mit der Einberufung des Englisch-Russischen Komitees einverstanden sind, ist das nicht das Ergebnis dessen, dass es Schwarz und Akulow gelungen ist, Cook und Richardson auf ihre Seite zu ziehen, und dass der Generalrat aus Furcht vor einem offenen Kampf gegen die Bergarbeiter gezwungen war, der Einberufung des Englisch-Russischen Komitees zuzustimmen? Wer kann leugnen, dass alle diese Tatsachen von den Erfolgen’ unserer Politik zeugen, dass all das von dem völligen Zusammenbruch der Politik der Opposition zeugt?

Also Blocks mit reaktionären Führern der Gewerkschaften sind zulässig. Sie sind unter bestimmten Bedingungen notwendig. Freiheit der Kritik ist die erste Bedingung. Sie wird von unserer Partei erfüllt. Die Loslösung der Arbeitermassen von den reaktionären Führern ist die zweite Bedingung. Diese Bedingung wird ebenfalls von unserer Partei erfüllt. Unsere Partei hat Recht. Die Opposition hat Unrecht.

Es fragt sich: Was wollen Sinowjew und Trotzki noch von uns?

Sie wollen, dass unsere sowjetischen Gewerkschaften entweder mit dem Englisch-Russischen Komitee brechen oder von hier, von Moskau aus, den Generalrat stürzen. Aber das ist doch eine Dummheit, Genossen. Von uns zu verlangen, dass wir die Gewerkschaften der englischen Arbeiter übergehen, dass wir die englischen Gewerkschaftsmassen übergeben, dass wir die englischen Gewerkschaftskader übergeben, sie überspringen und von hier, von Moskau aus, den Generalrat stürzen - ist das etwa keine Dummheit, Genossen?

Sie verlangen einen demonstrativen Bruch. Aber ist es denn so schwer zu begreifen, dass dabei nichts herauskommen wird außer Konfusion? Ist es denn so schwer zu verstehen, dass wir im Falle des Bruchs die Verbindung mit der englischen Gewerkschaftsbewegung verlieren, die englischen Gewerkschaften den Sassenbach und Oudegeest in die Arme treiben, die Grundlagen der Taktik der Einheitsfront ins Wanken bringen, dass wir den Churchill und Thomas Freude bereiten und nichts dabei gewinnen außer Konfusion?

Trotzki geht bei seiner Politik der effektvollen Gesten nicht von konkreten Menschen aus, nicht von den konkreten und lebendigen Arbeitern, die in England leben und kämpfen, sondern von irgendwelchen idealen, körperlosen Menschen, die vom Scheitel bis zur Sohle revolutionär sind. Aber ist es denn so schwer zu begreifen, dass nur Toren in der Politik von idealen, körperlosen Menschen ausgehen können?

Aus diesem Grunde sind wir der Meinung, dass die Politik der effektvollen Gesten, die Politik, durch die man den Generalrat von Moskau aus, und nur mit den Kräften Moskaus, stürzen will, eine lächerliche, abenteuerliche Politik ist.

Die Politik der Gesten ist ein Charakterzug der gesamten Politik Trotzkis, seit er bei uns in der Partei ist. Die erstmalige Anwendung dieser Politik erlebten wir zur Zeit des Brester Friedens, als Trotzki das deutsch-russische Friedensabkommen nicht unterzeichnete und das Abkommen mit einer effektvollen Geste von sich wies in der Meinung, man könne die Proletarier aller Länder mit einer Geste dahin bringen, sich gegen den Imperialismus zu erheben. Das war die Politik der Gesten. Wie teuer uns diese Geste zu stehen kam, wissen Sie sehr wohl, Genossen. Wem hat diese effektvolle Geste in die Hände gespielt? Den Imperialisten, den Menschewiki, den Sozialrevolutionären und all denen, die bemüht waren, die damals noch nicht erstarkte Sowjetmacht zu erdrosseln.

Jetzt schlägt man uns die gleiche Politik der effektvollen Gesten gegenüber dem Englisch-Russischen Komitee vor. Man verlangt einen demonstrativen und effektvollen Bruch. Aber wem würde diese effektvolle Geste zum Nutzen gereichen? Churchill und Chamberlain, Sassenbach und Oudegeest. Das wollen sie nur. Darauf warten sie nur. Sie, die Sassenbach und Oudegeest wollen nur, dass wir demonstrativ mit der englischen Arbeiterbewegung brechen und Amsterdam dadurch die Sache erleichtern. Sie, die Churchill und Chamberlain, wollen nur den Bruch, weil ihnen dadurch die Intervention erleichtert und ein moralisches Argument zugunsten der Interventionisten gegeben wird.

Da sehen wir, auf wessen Mühle unsere Oppositionellen Wasser leiten.

Nein, Genossen, wir können diesen abenteuerlichen Weg nicht beschreiten.

Aber das ist nun einmal das Schicksal der „ultralinken” Phrasendrescher. In ihren Phrasen, da sind sie links, in der Tat aber helfen sie den Feinden der Arbeiterklasse. Man geht nach links und gelangt nach rechts.

Nein, Genossen, wir werden uns auf diese Politik der effektvollen Gesten nicht einlassen, wir werden uns heute ebensowenig darauf ein-lassen, wie wir uns zur Zeit des Brester Friedens darauf eingelassen haben. Wir werden uns nicht darauf einlassen, weil wir nicht wollen, dass unsere Partei ein Spielball in den Händen unserer Feinde werde.

Zuerst veröffentlicht in dem Buch:
J. Stalin, Über die Opposition.
Artikel und Reden aus den Jahren 1921-1927.
Moskau/Leningrad 1928.

 

 

 

 

Band 8, Seite 185 - 187

BRIEF AN SLEPKOW

Ich habe heute Ihren Artikel in der „Prawda” (Nr. 232 vom 8. Oktober 1926) gelesen. Der Artikel ist meiner Meinung nach gut. Aber es gibt dort eine falsche Stelle, die das Bild verdirbt.

Sie schreiben, Trotzki habe erst vor einem Jahr „unterstrichen, dass das Proletariat keinerlei Zweifel darüber haben darf, dass wir in unserem technisch rückständigen Land den Sozialismus bauen können, dass wir mit unseren inneren Kräften die siegreiche Offensive der sozialistischen Elemente der Wirtschaft auf den Bahnen der NÖP sichern können”. Sie stellen diesen Satz dann Smilgas These gegenüber, dass „in unserem technisch rückständigen Land die Errichtung des Sozialismus unmöglich ist” und behaupten, zwischen Smilga und Trotzki gäbe es in dieser Frage einen Widerspruch.

Das trifft natürlich nicht zu, es gibt hier keinen Widerspruch.

Erstens. Trotzki hat noch nie, weder in der Broschüre „Zum Sozialismus oder zum Kapitalismus?” noch in den darauffolgenden Schriften, gesagt, dass wir in unserem technisch rückständigen Land den Sozialismus errichten können. Den Sozialismus bauen und den Sozialismus errichten - das sind zwei verschiedene Dinge. Weder Sinowjew noch Kamenew leugnen oder haben je geleugnet, dass wir beginnen können, den Sozialismus in unserem Lande zu bauen, denn es wäre eine Idiotie, die für alle offensichtliche Tatsache des Aufbaus des Sozialismus in unserem Lande zu leugnen. Aber sie stellen die These entschieden in Abrede, dass wir den Sozialismus errichten können. Sinowjew, Kamenew, Trotzki, Smilga und andere vereinigt in der gegebenen Frage ihre ablehnende Einstellung zu Lenins These, dass wir den Sozialismus errichten können, dass wir „alles haben, was notwendig ist, um die vollendete sozialistische Gesellschaft zu errichten”. Sie vereinigt die Auffassung, dass es nur im Falle des Sieges der sozialistischen Revolution in den ausschlaggebenden Ländern Europas möglich sei, „die vollendete sozialistische Gesellschaft zu errichten”. Deshalb ist es völlig falsch, Trotzki und Smilga in der Frage der Errichtung des Sozialismus in unserem Lande einander entgegenzustellen.

Zweitens. Wenn man genau sein will, so muss man feststellen, dass Trotzki niemals gesagt hat, dass „wir in unserem technisch rückständigen Land... mit unseren inneren Kräften die siegreiche Offensive der sozialistischen Elemente der Wirtschaft auf den Bahnen der NÖP sichern können”. Trotzkis Phrase von der „historischen Musik des wachsenden Sozialismus” ist ein nichts sagendes diplomatisches Herumreden um die positive Lösung der Frage des siegreichen Aufbaus des Sozialismus in unserem Land. Trotzki redet hier um die Frage herum, und Sie nehmen dieses Herumreden für bare Münze. Trotzkis andere Phrase, dass es „keinerlei Grund geben kann, irgendwelche Überraschungen zu befürchten, soweit es um die inneren Faktoren unserer Wirtschaft geht” - ist keine Lösung, sondern eine feige Verkleisterung der Frage. Trotzki kann gesagt haben, dass wir zum Sozialismus schreiten. Aber er hat niemals gesagt und wird, wenn er auf seinem gegenwärtigen Standpunkt verharrt, nie sagen, dass wir „mit unseren inneren Kräften die siegreiche Offensive der sozialistischen Elemente der Wirtschaft auf den Bahnen der NÖP sichern können”, dass wir somit ohne vorherigen Sieg des Sozialismus in den fortgeschrittenen Ländern Europas zum Sozialismus gelangen können. Dafür aber hat Trotzki wiederholt das Gegenteil von dem gesagt, was Sie ihm zuschreiben. Erinnern Sie sich nur an Trotzkis Rede auf der Plenartagung des ZK im April (1926), wo Trotzki die Möglichkeit einer wirtschaftlichen Offensive in unserem Land, wie sie für den siegreichen Aufbau des Sozialismus notwendig ist, in Abrede stellte.

Daraus ergibt sich, dass Sie Trotzki ungewollt schöngefärbt haben, ihn sozusagen - verleumdet haben.

J. Stalin

8. Oktober 1926.

 

 

Band 8 , Seite 194 - 198

ÜBER DEN OPPOSITIONSBLOCK IN DER KPdSU(B)

Thesen zur XV. Unionskonferenz der KPdSU(B),
angenommen von der Konferenz und bestätigt
vom ZK der KPdSU(B)

I
DER ÜBERGANG DER „NEUEN OPPOSITION” ZUM
TROTZKISMUS IN DER GRUNDLEGENDEN FRAGE,
IN DER FRAGE DES CHARAKTERS UND DER
PERSPEKTIVEN UNSERER REVOLUTION

Die Partei geht davon aus, dass unsere Revolution eine sozialistische Revolution ist, dass die Oktoberrevolution nicht nur Signal, Anstoß und Ausgangspunkt für die sozialistische Revolution im Westen ist, sondern dass sie gleichzeitig erstens die Basis für die weitere Entfaltung der internationalen revolutionären Bewegung ist und zweitens die Übergangsperiode vom Kapitalismus zum Sozialismus in der UdSSR (Diktatur des Proletariats) eröffnet, in deren Verlauf das Proletariat, bei einer richtigen Politik gegenüber der Bauernschaft, die vollendete sozialistische Gesellschaft erfolgreich aufbauen kann und wird, vorausgesetzt natürlich, dass die Macht der internationalen revolutionären Bewegung einerseits und die Macht des Proletariats der UdSSR anderseits groß genug sein werden, um die UdSSR vor einer militärischen Intervention des Imperialismus zu schützen.

Der Trotzkismus hat über den Charakter und die Perspektiven unserer Revolution völlig andere Ansichten. Obgleich der Trotzkismus im Oktober 1917 mit der Partei mitging, ging er und geht er auch weiter davon aus, dass unsere Revolution an und für sich, dem Wesen der Sache nach, keine sozialistische Revolution sei, dass die Oktoberrevolution nur Signal, Anstoß und Ausgangspunkt für die sozialistische Revolution im ‘Westen sei, dass, wenn sich die Weltrevolution verzögert und die siegreiche sozialistische Revolution im Westen nicht in allernächster Zeit erfolgt, die proletarische Macht in Rußland zusammenbrechen oder (was ein und dasselbe ist) unter dem Druck unvermeidlicher Zusammenstöße zwischen Proletariat und Bauernschaft entarten müsse.

Während die Partei bei der Organisierung der Oktoberrevolution davon ausging, dass „der Sieg des Sozialismus ursprünglich in wenigen kapitalistischen Ländern oder sogar in einem einzeln genommenen Lande möglich ist”, dass „das siegreiche Proletariat dieses Landes sich nach Enteignung der Kapitalisten und nach Organisierung der sozialistischen Produktion im eigenen Lande der übrigen, der kapitalistischen Welt entgegenstellen” kann und muss „und die unterdrückten Klassen der anderen Länder auf seine Seite ziehen, in ihnen den Aufstand gegen die Kapitalisten entfachen und im Notfall sogar mit Waffengewalt gegen die Ausbeuterklassen und ihre Staaten vorgehen würde” (Lenin, 4. Ausgabe, Bd. 21, S. 311 [deutsch in „Ausgewählte Werke” in zwei Bänden, Bd. I, S. 753]), ging der Trotzkismus, als er in der Periode des Oktober mit den Bolschewiki zusammenarbeitete, umgekehrt davon aus, dass „es aussichtslos wäre, zu glauben..., dass zum Beispiel ein revolutionäres Rußland einem konservativen Europa gegenüber sich behaupten könnte” (Trotzki, Bd. III, Teil 1, S. 90, „Das Friedensprogramm”, erstmalig im August 1917 erschienen).

Während die Partei davon ausgeht, dass die Sowjetunion „alles” hat, was „notwendig und hinreichend ist”, „um die vollendete sozialistische Gesellschaft zu errichten” (Lenin „Über das Genossenschaftswesen“), geht der Trotzkismus umgekehrt davon aus, dass „ein wirklicher Aufschwung der sozialistischen Wirtschaft in Rußland erst nach dem Siege des Proletariats in den wichtigsten Ländern Europas möglich sein wird” (Trotzki, Bd. III, Teil 1, S.93, „Nachwort” zum „Friedensprogramm”, geschrieben 1922).

Während die Partei von folgendem ausgeht: „10-20 Jahre richtiger Beziehungen zur Bauernschaft, und der Sieg ist im Weltmaßstab gesichert” (Lenin, Plan für die Broschüre „Über die Naturalsteuer“ [76]), geht der Trotzkismus umgekehrt davon aus, dass das Proletariat vor dem Sieg der Weltrevolution keine richtigen Beziehungen zur Bauernschaft haben kann, dass das Proletariat, nachdem es die Macht ergriffen hat, „in feindliche Zusammenstöße nicht nur mit allen Gruppierungen der Bourgeoisie geraten wird, die es im Anfang seines revolutionären Kampfes unterstützt haben, sondern auch mit den breiten Massen der Bauernschaft, mit deren Beihilfe es zur Macht gekommen ist”, dass „die Widersprüche in der Stellung der Arbeiterregierung in einem rückständigen Lande mit einer erdrückenden Mehrheit bäuerlicher Bevölkerung nur im internationalen Maßstab, in der Arena der Weltrevolution des Proletariats ihre Lösung werden finden können”. (Trotzki, „Vorwort” zu dem Buch „1905”, geschrieben 1922.)

Die Konferenz stellt fest, dass diese Anschauungen Trotzkis und seiner Gesinnungsgenossen über die grundlegende Frage, die Frage des Charakters und der Perspektiven unserer Revolution, mit den Anschauungen unserer Partei, mit dem Leninismus, nichts gemein haben.

Die Konferenz ist der Ansicht, dass solche Anschauungen den Prinzipien des wirklichen Internationalismus und der Grundlinie der Kommunistischen Internationale widersprechen, da sie die historische Rolle und die Bedeutung unserer Revolution als Basis für die weitere Entwicklung der internationalen revolutionären Bewegung herabsetzen, den Willen des sowjetischen Proletariats zum weiteren Aufbau des Sozialismus schwächen und somit die Entfaltung der Kräfte der internationalen Revolution behindern.

Die Konferenz ist der Ansicht, dass diese Anschauungen Trotzkis und seiner Gesinnungsgenossen eine direkte Annäherung an die Anschauungen der Sozialdemokratie sind, wie sie von ihrem jetzigen Führer, Otto Bauer, vertreten werden, der behauptet, dass „in Rußland, wo das Proletariat nur eine kleine Minderheit der Nation darstellt, das Proletariat seine Herrschaft nur vorübergehend behaupten kann”, dass „es sie wieder verlieren muss, sobald die bäuerliche Masse der Nation kulturell reif genug wird, selbst die Herrschaft zu übernehmen”, dass „die vorübergehende Herrschaft des industriellen Sozialismus im agrarischen Rußland nur ein Flammenzeichen ist, das das Proletariat des industriellen Westens zum Kampfe ruft”, dass „erst die Eroberung der politischen Macht durch das Proletariat des industriellen Westens die dauernde Herrschaft des industriellen Sozialismus” in Rußland „begründen kann”. (Siehe O. Bauer, „Bolschewismus oder Sozialdemokratie?”, in deutscher Sprache.)

Die Konferenz beurteilt deshalb dergleichen Anschauungen Trotzkis und seiner Gesinnungsgenossen als sozialdemokratische Abweichung in unserer Partei in der grundlegenden Frage, in der Frage des Charakters und der Perspektiven unserer Revolution.

Die wichtigste Tatsache in der Entwicklung der innerparteilichen Beziehungen in der KPdSU(B) nach dem XIV. Parteitag (der die grundsätzlichen Anschauungen der „neuen Opposition” verurteilt hat) ist der Umstand, dass die „neue Opposition” (Sinowjew, Kamenew), die früher gegen den Trotzkismus, gegen die sozialdemokratische Abweichung in unserer Partei gekämpft hat, auf die ideologischen Positionen des Trotzkismus übergegangen ist, dass sie ihre früheren Positionen, die Positionen der gesamten Partei, vollständig und restlos aufgegeben hat und zum Trotzkismus hinübergewechselt ist und sich jetzt mit dem gleichen Feuereifer für den Trotzkismus einsetzt, mit dem sie früher gegen den Trotzkismus auftrat.

Für den Übergang der „neuen Opposition” auf die Seite des Trotzkismus waren zwei Hauptmomente bestimmend:

a) die Müdigkeit, die Schwankungen, die dem Proletariat fremden Verfallsstimmungen und der Defätismus, die sich im Hinblick auf die neuen Schwierigkeiten der gegenwärtigen Wendeperiode der Anhänger der „neuen Opposition” bemächtigt haben, wobei die jetzigen Schwankungen und der jetzige Defätismus Kamenews und Sinowjews kein Zufall sind, sondern eine Wiederholung, ein Rückfall jener Schwankungen und Verfallsstimmungen, die sie vor neun Jahren, im Oktober 1917, angesichts der Schwierigkeiten der damaligen Periode der Wende an den Tag legten;

b) die völlige Niederlage der „neuen Opposition” auf dem XIV. Parteitag und im Zusammenhang damit das Bestreben, um jeden Preis eine Vereinigung mit den Trotzkisten herbeizuführen, um durch die Vereinigung der beiden Gruppen, der Trotzkisten und der „neuen Opposition”, die Schwäche und Losgelöstheit dieser Gruppen von den proletarischen Massen wettzumachen, um so mehr, als die ideologischen Positionen des Trotzkismus den gegenwärtigen Verfallsstimmungen der „neuen Opposition” völlig entsprachen.

Daraus ist auch die Tatsache zu erklären, dass sich der Oppositionsblock in ein Sammelbecken aller und jeglicher von der Partei und der Komintern verurteilten bankrotten Strömungen innerhalb und außerhalb der KPdSU(B) verwandelt hat, von den „demokratischen Zentralisten” [77] und der „Arbeiteropposition” in der KPdSU(B) bis zu den „ultralinken” Opportunisten in Deutschland und den Liquidatoren vom Schlage eines Souvarine [78] in Frankreich.

Daraus ergibt sich auch jene Skrupellosigkeit in den Mitteln und jene Prinzipienlosigkeit in der Politik, auf die sich die Existenz des Blocks der Trotzkisten und der „neuen Opposition” gründet und ohne die sie die verschiedenartigen parteifeindlichen Strömungen nicht unter einen Hut hätten bringen können.

So haben sich die Trotzkisten einerseits und die „neue Opposition” anderseits durchaus gesetzmäßig auf einer gemeinsamen Plattform sozial-demokratischer Abweichung und prinzipienloser Vereinigung der verschiedenartigen parteifeindlichen Elemente im Kampf gegen die Partei zusammengefunden und somit einen Oppositionsblock gebildet, der - in neuer Form - eine Art Rückfall in den Augustblock (1912-1914) darstellt.

 

 

Band 8, Seite 209 - 265

ÜBER DIE SOZIALDEMOKRATISCHE ABWEICHUNG
IN UNSERER PARTEI

Referat auf der XV. Unionskonferenz der KPdSU(B)
1. November 1926

 

 

Band 8 , Seite 266 - 318

SCHLUSSWORT ZU DEM REFERAT
„ÜBER DIE SOZIALDEMOKRATISCHE ABWEICHUNG
IN UNSERER PARTEI”

3. November 1926

 

 

Band 9, Seite 1 - 132

VII. ERWEITERTES PLENUM DES EKKI

22. November-16. Dezember 1926

Noch einmal über die sozialdemokratische Abweichung in unserer Partei

 

keine einzige oppositionelle Strömung in unserer Partei versteht so geschickt und kunstvoll durch ´linke` und rrrrevolutionäre Phrasen ihren Opportunismus zu maskieren wie der Trotzkismus(Stalin, Band 9, Seite 13).

 

 

Band 9 , Seite 235 - 236

ÜBER DIE
LOSUNG DER DIKTATUR DES PROLETARIATS UND
DER ARMEN BAUERNSCHAFT IN DER PERIODE
DER VORBEREITUNG DES OKTOBERS

Antwort an S. Pokrowski

20. Mai 1927

 

Von der gleichen These ging Lenin aus, als er im April 1917 schrieb:

„Wer jetzt lediglich von ‚revolutionär-demokratischer Diktatur des Proletariats und der Bauernschaft’ spricht, der ist hinter dem Leben zurückgeblieben, der ist damit faktisch zum Kleinbürgertum übergegangen, der ist gegen den proletarischen Klassenkampf, der gehört in ein Archiv für ‚bolschewistische’ vorrevolutionäre Raritäten (Archiv ‚alter Bolschewiki’ könnte man es nennen).“ (Siehe 4. Ausgabe, Bd. 24, S. 26, russ.)

Auf dieser Grundlage entstand denn auch die Losung: Diktatur des Proletariats und der armen Bauernschaft, an Stelle der alten Losung: Diktatur des Proletariats und der Bauernschaft.

Sie könnten erwidern, was Sie ja auch in Ihrem Brief tun, dies sei ein trotzkistisches Überspringen der noch nicht abgeschlossenen Bauernrevolution, das wird jedoch geradeso überzeugend sein, wie ein ähnlicher, im April 1917 gegen Lenin gerichteter Einwand Kamenews überzeugend war.

Lenin hat mit einem solchen Einwand durchaus gerechnet, als er erklärte:

„Der Trotzkismus sagt: ‚Weg mit dem Zaren, her mit der Arbeiterregierung’. Das ist falsch. Das Kleinbürgertum existiert, man darf es nicht ignorieren. Aber es besteht aus zwei Teilen. Sein ärmerer“ Teil geht mit der Arbeiterklasse.“ (Siehe 4. Ausgabe, Bd. 24, S. 123, russ.)

Kamenews Fehler, und jetzt Ihr Fehler, besteht in der Unfähigkeit, den Unterschied zwischen zwei Teilen des Kleinbürgertums, im gegebenen Fall der Bauernschaft, wahrzunehmen und zu unterstreichen, in der Unfähigkeit, den armen Teil der Bauernschaft aus der gesamten Masse der Bauernschaft als Ganzes auszusondern und darauf die Politik der Partei unter den Verhältnissen des Übergangs von der ersten Etappe der Revolution im Jahre 1917 zu ihrer zweiten Etappe aufzubauen, in der Unfähigkeit, daraus die neue Losung, die zweite strategische Losung der Partei - Diktatur des Proletariats und der armen Bauernschaft - abzuleiten.

 

 

Band 9 , Seite 245 - 271

DIE REVOLUTION IN CHINA
UND DIE AUFGABEN DER KOMINTERN

Rede in der X. Sitzung des VIII. Plenums des EKKI
24. Mai 1927

 

 

Band 10, Seite 3 - 80

VEREINIGTES PLENUM DES ZK UND DER ZKK
DER KPdSU(B)

29. Juli-9. August 1927

Das vereinigte Plenum des ZK und der ZKK der KPdSU(B) tagte vom 29. Juli bis zum 9. August 1927. Das Plenum behandelte die Fragen: über die internationale Lage, über die wirtschaftlichen Direktiven für das Jahr 1927/28, über die Arbeit der ZKK - Arbeiter- und Bauerninspektion, über den XV. Parteitag, über die Verletzung der Parteidisziplin durch Sinowjew und Trotzki. In der Sitzung des Plenums am 1. August hielt J. W. Stalin die Rede „Die internationale Lage und die Verteidigung der UdSSR“. Am 2. August wählte das Plenum J. W. Stalin zum Mitglied der Kommission für die Ausarbeitung einer Resolution über die internationale Lage. Nachdem das Plenum die Verstärkung der Gefahr eines neuen kriegerischen Überfalls auf die Sowjetunion festgestellt hatte, verurteilte es die defätistische Position des trotzkistisch-sinowjewistischen Blocks und stellte die Aufgabe, die Wehrkraft der Sowjetunion mit allen Mitteln zu festigen. Das Plenum gab die wirtschaftlichen Direktiven für das Jahr 1927/28 und konstatierte den völligen Bankrott der Kapitulantenlinie der Opposition auf dem Gebiet der Wirtschaftspolitik. In dem Beschluss über die Arbeit der ZKK - Arbeiter- und Bauerninspektion umriss das Plenum das Programm zur weiteren Verbesserung der Arbeit des Staatsapparats. Bei der Erörterung des Berichts von G. K. Ordshonikidse über die Verletzung der Parteidisziplin durch Sinowjew und Trotzki hielt J. W. Stalin in der Sitzung des Plenums am 5. August eine Rede. Am 6. August wählte das Plenum J. W. Stalin in die Kommission für die Ausarbeitung eines Resolutionsentwurfs zum Bericht G. K. Ordshonikidses. Das Plenum entlarvte die verbrecherische Tätigkeit der Führer des trotzkistisch-sinowjewistischen Blocks und stellte die Frage des Ausschlusses Trotzkis und Sinowjews aus dem ZK der KPdSU(B). Erst danach überreichten die Führer der Opposition dein Plenum am 8. August eine „Erklärung“, in der sie doppelzünglerisch ihr Verhalten verurteilten und die Fraktionstätigkeit abschworen. In der Sitzung des Plenums am 9. August ergriff J. W. Stalin anlässlich der „Erklärung“ der Opposition das Wort. Das Plenum erteilte Trotzki und Sinowjew eine strenge Rüge mit Verwarnung, verpflichtete die Führer des trotzkistisch-sinowjewistischen Blocks, die Fraktion sofort aufzulösen und rief alle Organisationen und alle Mitglieder der Partei auf, die Einheit und die eiserne Disziplin in der Partei zu verteidigen. (Die Resolutionen des Plenums des ZK und der ZKK der KPdSU(B), siehe in „Die KPdSU(B) in Resolutionen und Beschlüssen der Parteitage, Parteikonferenzen und Plenartagungen des ZK“, Teil II, 1941, S. 170-194, russ.)

 

REDE AM 5. AUGUST

 

Genossen! Sinowjew hat sich diesem Plenum gegenüber höchst illoyal verhalten, als er in seiner Rede auf die bereits entschiedene Frage der internationalen Lage zurückkam.

Wir behandeln jetzt den vierten Punkt der Tagesordnung, „Über die Verletzung der Parteidisziplin durch Trotzki und Sinowjew“. Sinowjew indes umgeht den zur Diskussion stehenden Punkt, kommt auf die Frage der internationalen Lage zurück und versucht, eine bereits entschiedene Frage erneut zur Diskussion zu stellen. Dabei richtet er in seiner Rede die Frage mit ihrer Spitze gegen Stalin und vergisst, dass wir nicht über Stalin diskutieren, sondern über die Verletzung der Parteidisziplin durch Sinowjew und Trotzki.

Ich sehe mich daher veranlasst, in meiner Rede auf einige Seiten der bereits entschiedenen Frage zurückzukommen, um die Haltlosigkeit der Ausführungen Sinowjews aufzuzeigen.

Ich bitte um Entschuldigung, Genossen, aber ich werde auch einige Worte zu den Ausfällen Sinowjews gegen Stalin sagen müssen. (Zurufe: „Wir bitten darum!“)

Erstens. Sinowjew hat in seiner Rede aus irgendeinem Grunde an die Schwankungen Stalins im März 1917 erinnert und dabei ganze Märchen zusammengedichtet. Ich habe niemals geleugnet, dass bei mir im März 1917 gewisse Schwankungen aufgetreten waren, dass diese Schwankungen insgesamt ein bis zwei Wochen anhielten, dass diese Schwankungen mit der Ankunft Lenins im April 1917 aufhörten, und auf der Aprilkonferenz im Jahre 1917 stand ich in einer Front mit Genossen Lenin gegen Kamenew und seine oppositionelle Gruppe. Über alles das habe ich mehrmals in unserer Parteipresse geschrieben. (Siehe „Auf dem Wege zum Oktober“, „Trotzkismus oder Leninismus?“ u.a.)

Ich habe mich niemals für unfehlbar gehalten und halte mich nicht für unfehlbar. Nicht nur meine Fehler, auch flüchtige Schwankungen habe ich nie verheimlicht. Aber man darf auch nicht verheimlichen, dass ich nie auf meinen Fehlern beharrt und nie, von meinen flüchtigen Schwankungen ausgehend, eine Plattform, eine besondere Gruppe usw. geschaffen habe.

Aber was hat diese Frage mit der zur Diskussion stehenden Frage der Verletzung der Parteidisziplin durch Sinowjew und Trotzki zu tun? Weshalb umgeht Sinowjew die zur Diskussion stehende Frage und greift auf Erinnerungen an den März 1917 zurück? Sollte er wirklich seine eigenen Fehler, seinen Kampf gegen Lenin und seine besondere Plattform gegen die Partei Lenins im August, im September, Oktober, November 1917 vergessen haben? Oder glaubt Sinowjew vielleicht, durch Erinnerungen an die Vergangenheit die jetzt zur Diskussion stehende Frage der Verletzung der Parteidisziplin durch Sinowjew und Trotzki in den Hintergrund drängen zu können? Nein, dieser Trick wird Sinowjew nicht gelingen.

Zweitens. Sinowjew hat ferner ein Zitat aus meinem Brief angeführt, den ich ihm im Sommer 1923, einige Monate vor der deutschen Revolution von 1923, geschrieben hatte. Ich erinnere mich nicht an die Geschichte dieses Briefes. Eine Kopie dieses Briefes besitze ich nicht und kann deshalb nicht mit Sicherheit sagen, dass Sinowjew ihn richtig zitiert hat. Ich habe ihn, glaube ich, Ende Juli oder Anfang August 1923 geschrieben. Aber ich muss sagen, dass dieser Brief zweifellos von Anfang bis Ende richtig ist. Mit der Berufung auf diesen Brief will Sinowjew offenbar sagen, dass ich mich gegenüber der deutschen Revolution von 1923 überhaupt skeptisch verhalten habe. Das ist natürlich Unsinn.

In dem Brief wurde vor allem die Frage der sofortigen Nachtergreifung durch die Kommunisten berührt. Im Juli oder Anfang August 1923 bestand in Deutschland noch nicht jene tiefe revolutionäre Krise, die Millionenmassen auf die Beine bringt, das Paktierertum der Sozialdemokratie entlarvt, die Bourgeoisie vollends desorganisiert und die Frage der sofortigen Machtergreifung durch die Kommunisten auf die Tagesordnung setzt. Natürlich konnte bei der Lage im Juli-August in Deutschland keine Rede sein von einer sofortigen Machtergreifung durch die Kommunisten, die noch dazu in den Reihen der Arbeiterklasse in der Minderheit waren.

Ist ein solcher Standpunkt richtig? Ich denke, er ist richtig. Denselben Standpunkt vertrat damals das Politbüro.

Die zweite in dem Brief berührte Frage betrifft die Demonstration der kommunistischen Arbeiter in dem Augenblick, als die bewaffneten Faschisten danach trachteten, die Kommunisten zu einer vorzeitigen Aktion zu provozieren. Ich trat damals dafür ein, dass die Kommunisten sich nicht provozieren lassen dürfen. Und nicht nur ich, sondern das gesamte Politbüro vertrat diesen Standpunkt.

Aber zwei Monate später vollzieht sich in Deutschland eine schroffe Veränderung der Lage in der Richtung, dass sich die revolutionäre Krise verschärft. Poincare unternimmt einen militärischen Angriff auf Deutschland; die Finanzkrise in Deutschland nimmt katastrophalen Charakter an; innerhalb der deutschen Regierung beginnen Zerfall und ständiger Ministerwechsel; die revolutionäre Welle steigt und droht die Sozialdemokratie zu sprengen; es beginnt ein Massenübertritt der Arbeiter von der Sozialdemokratie zu den Kommunisten; die Frage der Machtergreifung durch die Kommunisten tritt auf die Tagesordnung. In dieser Situation trat ich, ebenso wie die anderen Mitglieder der Kommission der Komintern, entschieden und bestimmt für die sofortige Machtergreifung durch die Kommunisten ein.

Bekanntlich gab es in der damals geschaffenen deutschen Kommission der Komintern, der Sinowjew, Bucharin, Stalin, Trotzki, Radek und eine Reihe deutscher Genossen angehörten, eine Anzahl konkreter Beschlüsse über die direkte Hilfe für die deutschen Genossen bei der Machtergreifung.

Stimmten die Mitglieder dieser Kommission in jener Zeit in allem miteinander überein? Nein, das war nicht der Fall. Die Meinungsverschiedenheiten gingen damals um die Frage der Organisierung von Sowjets in Deutschland. Ich und Bucharin behaupteten, dass die Betriebsräte die Sowjets nicht ersetzen können, und schlugen die sofortige Organisierung proletarischer Sowjets in Deutschland vor. Trotzkii und Radek, sowie auch einige deutsche Genossen, waren gegen die Organisierung von Sowjets, da sie glaubten, dass die Betriebsräte für die Übernahme der Macht ausreichen würden. Sinowjew schwankte zwischen diesen beiden Gruppen.

Beachten Sie, Genossen, damals war nicht von China die Rede, wo es insgesamt nur einige Millionen Proletarier gibt, sondern von Deutschland, einem industriell hochentwickelten Land, wo es damals etwa 15 Millionen Proletarier gab.

Womit endeten damals diese Meinungsverschiedenheiten? Damit, dass Sinowjew auf die Seite Trotzki und Radeks überlief und die Frage der Sowjets negativ entschieden wurde.

Sinowjew hat zwar diese seine Sünden später reumütig zugegeben. Aber das schafft nicht die Tatsache aus der Welt, dass Sinowjew damals in einer der grundlegenden Fragen der deutschen Revolution auf dem rechten, dem opportunistischen Flügel stand, während Bucharin und Stalin auf dem revolutionären, dem kommunistischen Flügel standen.

Folgendes hat Sinowjew später darüber gesagt:

„In der Frage der Sowjets“ (in Deutschland. J. St.) „haben wir einen Fehler begangen, als wir Trotzki und Radek nachgaben. Jedesmal, wenn man in diesen Fragen nachgibt, überzeugt man sich davon, dass man einen Fehler begeht. Damals konnten keine Arbeitersowjets geschaffen werden, aber dies war der Prüfstein, um festzustellen, ob es sich um eine sozialdemokratische oder um eine kommunistische Einstellung handelte. Wir hätten in dieser Frage nicht nachgeben dürfen. Das Nachgeben war ein Fehler unserseits. So verhält es sich mit dieser Sache, Genossen.“ (Stenographisches Protokoll der 5. Sitzung des Präsidiums des EKKI mit den Vertretern der KP Deutschlands am 19. Januar 1924, S.70.)

Sinowjew spricht in diesem Zitat davon, dass „wir einen Fehler begingen“. Wer ist das „wir“? Es gab damals kein „wir“ und konnte es nicht geben. Einen Fehler begangen hat, um es genau zu sagen, Sinowjew, der auf die Seite Trotzkis und Radeks überlief und ihre falsche Position bezog.

Das sind die Tatsachen.

Sinowjew sollte lieber nicht an die deutsche Revolution von 1923 erinnern und sich vor dem Plenum blamieren, um so mehr, als die von ihm aufgeworfene Frage der deutschen Revolution, wie Sie sehen, gar nichts mit dem vierten Punkt der Tagesordnung des Plenums, den wir jetzt behandeln, zu tun hat.

Die Chinafrage. Sinowjew stellt die Dinge so hin, als habe Stalin in seinem Rechenschaftsbericht an den XIV. Parteitag angeblich China mit Amerika identifiziert. Das ist natürlich Unsinn. Von einer Identifizierung Chinas mit Amerika war in meinem Bericht überhaupt nicht die Rede und konnte keine Rede sein. In Wirklichkeit war in meinem Bericht lediglich vom Recht des chinesischen Volkes auf nationale Vereinigung und nationale Befreiung vom ausländischen Joch die Rede. Ich hatte die Frage mit ihrer Spitze gegen die imperialistische Presse gerichtet und gesagt: Wenn Sie, meine Herren Imperialisten, den nationalen Krieg in Italien, den nationalen Krieg in Amerika, den nationalen Krieg in Deutschland für die Vereinigung und für die Befreiung vom ausländischen Joch, zumindest in Worten, für richtig halten, inwiefern ist China schlechter als diese Länder, und warum hat das chinesische Volk kein Recht auf seine nationale Vereinigung und Befreiung?

Das habe ich in meinem Bericht gesagt, ohne dabei die Frage der Perspektiven und der Aufgaben der chinesischen Revolution vom Standpunkt des Kommunismus überhaupt zu berühren.

Ist eine solche Fragestellung im Kampf gegen die bürgerliche Presse berechtigt? Natürlich ist sie berechtigt. Sinowjew begreift diese einfache Sache nicht, aber daran ist schon seine eigene Begriffsstutzigkeit schuld, und sonst nichts.

Wie sich herausstellt, hält Sinowjew die Politik für falsch, die darauf gerichtet war, die Wuhaner Kuomintang zu einer Zeit, da sie revolutionär war, zum Kern der künftigen revolutionär-demokratischen Diktatur des Proletariats und der Bauernschaft zu machen. Es fragt sich, was ist denn hieran falsch? Ist es etwa nicht Tatsache, dass die Wuhaner Kuomintang zu Beginn dieses Jahres revolutionär war? Warum ist denn Sinowjew so lärmend für eine „allseitige Unterstützung“ der Wuhaner Kuomintang eingetreten, wenn die Wuhaner Kuomintang nicht revolutionär war? Warum hat denn die Opposition geschworen, dass sie für das Verbleiben der Kommunistischen Partei in der Wuhaner Kuomintang ist, wenn diese damals nicht revolutionär war? Was wären denn Kommunisten wert, die der Wuhaner Kuomintang angehören und dort Einfluss haben, aber nicht versuchten, die Mitläufer aus den Reihen der Kuomintang voranzutreiben, und nicht den Versuch unternähmen, die Wuhaner Kuomintang zum Kern der revolutionär-demokratischen Diktatur zu machen? Ich würde sagen, dass solche Kommunisten keinen Groschen wert sind.

Dieser Versuch ist zwar nicht gelungen, da die Imperialisten und die Feudalherren Chinas sich im gegebenen Stadium als stärker erwiesen haben als die Revolution und die chinesische Revolution infolgedessen eine zeitweilige Niederlage erlitt. Aber folgt daraus etwa, dass die Politik der Kommunistischen Partei falsch war?

Im Jahre 1905 versuchten die russischen Kommunisten ebenfalls, die damals bestehenden Sowjets zum Kern der künftigen revolutionär-demokratischen Diktatur des Proletariats und der Bauernschaft zu machen. Dieser Versuch gelang jedoch damals ebenfalls nicht, da das Verhältnis der Klassenkräfte ungünstig war, da sich der Zarismus und die Feudalherren als stärker erwiesen als die Revolution. Folgt daraus etwa, dass die Politik der Bolschewiki falsch war? Natürlich folgt das nicht daraus.

Sinowjew behauptet ferner, Lenin sei für die sofortige Organisierung von Sowjets der Arbeiterdeputierten in China gewesen. Dabei beruft sich Sinowjew auf Lenins Thesen zur kolonialen Frage, die auf dem II. Kongress der Komintern angenommen wurden. Aber hier führt Sinowjew die Partei einfach irre.

Es ist mehrmals in der Presse darüber gesprochen worden und muss hier wiederholt werden, dass in Lenins Thesen kein einziges Wort über Sowjets der Arbeiterdeputierten in China steht.

Es ist in der Presse mehrmals darüber gesprochen worden und muss hier wiederholt werden, dass Lenin in seinen Thesen nicht Sowjets der Arbeiterdeputierten meinte, sondern „Bauernsowjets“, „Volkssowjets“, „Sowjets der Werktätigen“, wobei er ausdrücklich den Vorbehalt machte, dass es sich um solche Länder handelt, „in denen es kein oder fast kein Industrieproletariat gibt“.

Kann man China zur Kategorie der Länder zählen, in denen es „kein oder fast kein Industrieproletariat gibt“? Natürlich kann man das nicht. Kann man in China Bauernsowjets, Sowjets der Werktätigen, Volkssowjets bilden, ohne vorher Klassensowjets der Arbeiterklasse zu bilden? Natürlich kann man das nicht. Wozu also betrügt die Opposition die Partei mit der Berufung auf Lenins Thesen?

Die Frage der Atempause. Lenin sagte im Jahre 1921, nach Beendigung des Bürgerkriegs, dass wir nunmehr eine gewisse Atempause vom Krieg hätten, eine Atempause, die zum Aufbau des Sozialismus benutzt werden müsse. Sinowjew hat jetzt an Stalin herumzunörgeln und behauptet, Stalin habe aus dieser Atempause eine Periode der Atempause gemacht, was angeblich der These von der Gefahr eines Krieges zwischen der UdSSR und den Imperialisten widerspricht.

Es braucht nicht betont zu werden, dass dies eine dumme und alberne Nörgelei von Sinowjew ist. Aber ist es etwa nicht Tatsache, dass wir nun schon seit sieben Jahren keine kriegerischen Zusammenstöße zwischen den Imperialisten und der UdSSR haben? Kann man diese siebenjährige Periode eine Periode der Atempause nennen? Natürlich kann und muss man sie so nennen. Lenin sprach wiederholt von der Periode des Brester Friedens, indes weiß ein jeder, dass diese Periode nicht länger als ein Jahr währte. Warum kann man die einjährige Periode des Brester Friedens eine Periode nennen, während man die siebenjährige Periode der Atempause nicht eine Periode der Atempause nennen darf? Wie kann man das vereinigte Plenum des ZK und der ZKK mit einer so albernen und dummen Nörgelei aufhalten?

Über die Diktatur der Partei. Mehrmals ist in unserer Parteipresse darüber gesprochen worden, dass Sinowjew den Leninschen Begriff der „Diktatur“ der Partei entstellt, indem er die Diktatur des Proletariats mit der Diktatur der Partei identifiziert. Mehrmals ist in unserer Parteipresse darüber gesprochen worden, dass Lenin unter „Diktatur“ der Partei die Führung der Partei in Bezug auf die Arbeiterklasse verstand, das heißt nicht Gewaltanwendung seitens der Partei gegenüber der Arbeiterklasse, sondern Führung durch Überzeugung, durch politische Erziehung der Arbeiterklasse, und zwar Führung durch eine Partei, die die Führung mit anderen Parteien weder teilt noch teilen will.

Sinowjew begreift das nicht, er entstellt die Leninsche Auffassung. Durch die Entstellung der Leninschen Auffassung von der „Diktatur“ der Partei aber macht Sinowjew, vielleicht ohne es selbst zu begreifen, den Weg frei für das Eindringen von „Araktschejewtum“ in die Partei, für die Rechtfertigung der Verleumdung Lenins durch Kautsky, wonach Lenin angeblich eine „Diktatur der Partei über die Arbeiterklasse“ errichtet hat. Kann man das gutheißen? Natürlich kann man das nicht. Aber wer ist denn schuld daran, wenn Sinowjew diese einfachen Dinge nicht begreift?

Über die nationale Kultur. Das, was Sinowjew hier über nationale Kultur zusammengeredet hat, sollte für alle Zeiten festgehalten werden, damit die Partei weiß, dass Sinowjew ein Gegner der Entwicklung der nationalen Kultur der Völker der UdSSR auf sowjetischer Grundlage, dass er in Wirklichkeit ein Anhänger der Kolonisationspolitik ist.

Wir hielten und halten die Losung der nationalen Kultur in einem Nationalitätenstaat in der Epoche der Herrschaft der Bourgeoisie für eine bürgerliche Losung. Warum? Weil die Losung der nationalen Kultur in einem solchen Staat in der Periode der Herrschaft der Bourgeoisie die geistige Unterwerfung der werktätigen Massen aller Nationalitäten unter die Führung der Bourgeoisie, unter ihre Herrschaft, unter ihre Diktatur bedeutet.

Nach der Machtergreifung durch das Proletariat haben wir die Losung der Entwicklung der nationalen Kultur der Völker der UdSSR auf der Grundlage der Sowjets proklamiert. Was heißt das? Das heißt, dass wir die Entwicklung der nationalen Kultur unter den Völkern der UdSSR den Interessen und Erfordernissen des Sozialismus, den Interessen und Erfordernissen der proletarischen Diktatur, den Interessen und Bedürfnissen der Werktätigen aller Nationalitäten der UdSSR anpassen.

Heißt das, dass wir jetzt gegen die nationale Kultur überhaupt sind? Nein, das heißt es nicht. Das heißt lediglich, dass wir jetzt für die Entwicklung der nationalen Kultur der Völker der UdSSR, der nationalen Sprache, der Schule, der Presse usw. auf der Grundlage der Sowjets sind. Aber was bedeutet der Vorbehalt „auf der Grundlage der Sowjets“? Er bedeutet, dass die Kultur der Völker der UdSSR, die die Sowjetmacht entwickelt, ihrem Inhalt nach eine allen Werktätigen gemeinsame Kultur, eine sozialistische Kultur sein muss, während sie ihrer Form nach eine für jedes Volk der UdSSR unterschiedliche Kultur ist und sein wird, eine nationale Kultur, eine für die Völker der UdSSR entsprechend der Verschiedenheit in der Sprache und in den nationalen Besonderheiten unter-schiedliche Kultur. Darüber habe ich auch in meiner Rede in der Kommunistischen Universität der Werktätigen des Ostens vor ungefähr drei Jahren gesprochen.

J.W. Stalin, „Über die politischen Aufgaben der Universität der Völker des Ostens“ (siehe „Werke“, Bd.7, S. 133-152 [deutsche Ausgabe S. 115 bis 1311).

In diesem Geiste hat unsere Partei auch die ganze Zeit hindurch gehandelt, indem sie die Entwicklung der nationalen Sowjetschulen, der nationalen Sowjetpresse und anderer kultureller Einrichtungen, die „Nationalisierung“ des Parteiapparats, die „Nationalisierung“ des Sowjetapparats usw. usf. förderte.

Eben deshalb hat Lenin in seinen Briefen an die in den nationalen Gebieten und Republiken tätigen Genossen dazu aufgefordert, die nationale Kultur dieser Gebiete und Republiken auf der Grundlage der Sowjets zu entwickeln.

Eben deshalb sind wir nach der Machtergreifung durch das Proletariat immer diesen Weg gegangen, eben deshalb ist es uns gelungen, ein internationales Gebäude zu errichten, das ohne Beispiel in der Welt dasteht und den Namen Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken trägt.

Und Sinowjew glaubt nun, all das über den Haufen werfen, auslöschen, begraben zu können, indem er der nationalen Kultur den Krieg erklärt. Und dieses Kolonisatorengerede über die nationale Frage nennt er Leninismus! Ist das nicht lächerlich, Genossen!

Über den Aufbau des Sozialismus in einem Lande. Sinowjew und die Opposition überhaupt (Trotzki, Kamenew) klammern sich trotz einer Reihe schwerer Niederlagen in dieser Frage immer und immer wieder an diese Frage und stehlen dem Plenum die Zeit. Sie versuchen, die Sache so darzustellen, als wäre die These von der Möglichkeit des Sieges des Sozialismus in der UdSSR keine Theorie Lenins, sondern eine „Theorie“ Stalins.

Es braucht wohl kaum nachgewiesen zu werden, dass eine solche Behauptung der Opposition einen Versuch der Opposition darstellt, die Partei zu betrügen. Ist es etwa nicht Tatsache, dass gerade Lenin, und niemand anders, bereits im Jahre 1915 den Sieg des Sozialismus in einem Lande für möglich erklärte?

W. I. Lenin, „Über die Losung der Vereinigten Staaten von Europa“ (siehe „Werke“, 3. Ausgabe, Bd. XVIII, S. 232/233 und 4. Ausgabe, Bd. 21, S. 311 [deutsch in „Ausgewählte Werke“ in zwei Bänden, Bd. I, S. 753]).

Ist es etwa nicht Tatsache, dass gerade Trotzki, und niemand anders, gleich damals gegen Lenin auftrat und die Erklärung Lenins als „nationale Beschränktheit“ bezeichnete? Was hat denn das mit einer „Theorie“ Stalins zu tun?

Ist es etwa nicht Tatsache, dass gerade Kamenew und Sinowjew, und niemand anders, im Jahre 1925 hinter Trotzki einher trotteten und Lenins Lehre von der Möglichkeit des Sieges des Sozialismus in einem Lande als „nationale Beschränktheit“ bezeichneten? Ist es etwa nicht Tatsache, dass unsere Partei auf ihrer XIV. Konferenz eine besondere Resolution über die Möglichkeit des siegreichen Aufbaus des Sozialismus in der UdSSR

Gemeint ist die Resolution „Über die Aufgaben der Komintern und der KPR(B) im Zusammenhang mit dem erweiterten Plenum des EKKI“, angenommen von der XIV. Konferenz der KPR(B), die vom 27. bis zum 29. April 1925 tagte. (Siehe „Die KPdSU(B) in Resolutionen und Beschlüssen der Parteitage, Parteikonferenzen und Plenartagungen des ZK“, Teil II, 1941, S.25-31, russ.)

angenommen hat, entgegen der halbmenschewistischen Theorie Trotzkis?

Warum übergehen Trotzki, Sinowjew und Kamenew diese Resolution der XIV. Parteikonferenz?

Ist es etwa nicht Tatsache, dass unsere Partei die Entschließung der XIV. Konferenz auf ihrem XIV. Parteitag bestätigt und diese Bestätigung mit ihrer Spitze gegen Kamenew und Sinowjew gerichtet hat?

Es handelt sich um die Resolution zum Rechenschaftsbericht des Zentralkomitees, angenommen vom XIV. Parteitag der KPdSU(B), der vom 18. bis zum 31. Dezember 1925 tagte. (Siehe „Die KPdSU(B) in Resolutionen und Beschlüssen der Parteitage, Parteikonferenzen und Plenartagungen des ZK“, Teil II, 1941, S. 47-53, russ.)

Ist es etwa nicht Tatsache, dass unsere XV. Parteikonferenz eine eingehend begründete Entschließung über die Möglichkeit des Sieges des Sozialismus in der UdSSR

Gemeint ist die Resolution „über den Oppositionsblock in der KPdSU(B)“, angenommen von der XV. Konferenz der KPdSU(B), die vom 26. Oktober bis zum 3. November 1926 tagte. (Siehe „Die KPdSU(B) in Resolutionen und Beschlüssen der Parteitage, Parteikonferenzen und Plenartagungen des ZK“, Teil II, 1941, S. 148-155, russ.)

angenommen und sie mit ihrer Spitze gegen den Oppositionsblock und dessen Haupt, Trotzki, gerichtet hat?

Ist es etwa nicht Tatsache, dass das VII. erweiterte Plenum des EKKI diese Resolution der XV. Konferenz der KPdSU(B) bestätigt und Trotzki, Sinowjew und Kamenew der sozialdemokratischen Abweichung überführt hat?

Gemeint ist die Resolution zur russischen Frage, angenommen vom VII. erweiterten Plenum des Exekutivkomitees der Komintern, das vom 22. November bis zum 16. Dezember 1926 tagte. (Siehe „Thesen und Resolutionen des VII. erweiterten Plenums des Exekutivkomitees der Komintern“, Moskau/ Leningrad 1927, S.60-70, russ.)

Es fragt sich, was hat denn das mit einer „Theorie“ Stalins zu tun?

Hat denn Stalin jemals etwas anderes von der Opposition verlangt, als dass sie die Richtigkeit dieser Beschlüsse der höchsten Instanzen unserer Partei und der Komintern anerkennt?

Warum übergehen die Führer der Opposition alle diese Tatsachen, wenn sie ein reines Gewissen haben? Worauf spekulieren sie? Darauf, die Partei zu betrügen? Aber ist es etwa schwer, zu begreifen, dass es niemand gelingen wird, unsere bolschewistische Partei zu betrügen?

Das sind die Fragen, Genossen, die mit dem zur Diskussion stehenden Punkt über die Verletzung der Parteidisziplin durch Trotzki und Sinowjew eigentlich gar nichts zu tun haben, die Sinowjew aber trotzdem wieder hervorgeholt hat, um uns Sand in die Augen zu streuen und die zur Diskussion stehende Frage zu vertuschen.

Ich bitte nochmals um Entschuldigung, dass ich Ihre Zeit in Anspruch genommen und diese Fragen analysiert habe. Aber ich konnte nicht anders handeln, denn es gibt keinen anderen Weg, um unseren Oppositionellen die Lust auszutreiben, die Partei zu betrügen.

Jetzt aber, Genossen, gestatten Sie mir, von der „Verteidigung“ zum Angriff überzugehen.

Das eigentliche Unglück der Opposition besteht darin, dass sie bis zum heutigen Tage noch nicht begreifen kann, wodurch sie „es so weit gebracht hat“.

In der Tat, warum sind ihre Führer, die gestern noch zu den Führern der Partei zählten, „plötzlich“ Renegaten geworden? Wodurch ist das zu erklären? Die Opposition selbst möchte diese Tatsache gern mit Gründen persönlicher Art erklären: Stalin „hat nicht geholfen“, Bucharin „hat ein Bein gestellt“, Rykow „hat nicht unterstützt“, Trotzki „hat es verpasst“, Sinowjew „hat es übersehen“ und ähnliches. Aber diese billige ‘ „Erklärung“ enthält auch nicht die Spur einer Erklärung. Die Tatsache, dass die heutigen Führer der Opposition von der Partei isoliert sind, ist keine unbedeutende Tatsache. Noch weniger kann man sie als Zufall bezeichnen. Die Tatsache, dass die jetzigen Führer der Opposition der Partei abtrünnig geworden sind, hat tief liegende Ursachen. Offenbar sind Sinowjew, Trotzki und Kamenew durch irgend etwas auf die schiefe Bahn geraten, haben sie sich durch irgend etwas ernstlich versündigt - sonst hätte sich die Partei nicht von ihnen abgewandt, als von Renegaten. Und da erhebt sich die Frage: Wodurch sind die Führer der jetzigen Opposition auf die schiefe Bahn geraten, wodurch erklärt es sich, dass sie „es so weit gebracht haben“?

Die erste grundlegende Frage, in der sie auf die schiefe Bahn geraten sind, ist die Frage des Leninismus, die Frage der leninistischen Ideologie unserer Partei. Sie sind dadurch auf die schiefe Bahn geraten, dass sie versuchten und weiter versuchen, den Leninismus durch denTrotzkismus zu ergänzen, im Grunde genommen den Leninismus durch denTrotzkismus zu ersetzen. Das aber, Genossen, ist eine schwere Sünde der Führer der Opposition, die ihnen die Partei nicht verzeihen konnte noch verzeihen kann. Es ist klar, dass die Partei ihnen bei diesem Versuch, eine Wendung vom Leninismus zumTrotzkismus herbeizuführen, nicht folgen konnte, und infolgedessen sahen sich die Führer der Opposition von der Partei isoliert.

Was ist der jetzige Block der Trotzkisten mit den ehemaligen Leninisten aus der Opposition? Ihr jetziger Block ist der materielle Ausdruck des Versuchs, den Leninismus durch denTrotzkismus zu ergänzen. Das Wort „Trotzkismus“ ist nicht von mir erfunden. Es wurde erstmalig von Genossen Lenin gebraucht als etwas dem Leninismus Entgegengesetztes.

Worin besteht die Hauptsünde des Trotzkismus ? Die Hauptsünde des Trotzkismus besteht darin, dass er nicht an die Kraft und an die Fähigkeit des Proletariats der UdSSR glaubt, die Bauernschaft, die Hauptmassen der Bauernschaft, zu führen sowohl im Kampf für die Festigung der Macht des Proletariats als auch insbesondere im Kampf für den Sieg des sozialistischen Aufbaus in unserem Lande.

Die Hauptsünde des Trotzkismus besteht darin, dass er die Leninsche Idee der Hegemonie des Proletariats (in Bezug auf die Bauernschaft) beider Erkämpfung und Festigung der Diktatur des Proletariats, bei der Errichtung der sozialistischen Gesellschaft in den einzelnen Ländern nicht begreift und, im Grunde genommen, nicht anerkennt.

Waren diese organischen Mängel des Trotzkismus den früheren Leninisten Sinowjew und Kamenew bekannt? Ja, sie waren ihnen bekannt. Gestern noch haben sie an allen Ecken und Enden geschrieen, der Leninismus sei eins und der Trotzkismus etwas anderes. Gestern noch haben sie geschrieen, der Trotzkismus sei unvereinbar mit dem Leninismus. Aber sie brauchten nur mit der Partei in Konflikt zu geraten und in der Minderheit zu bleiben, und schon vergaßen sie das alles und wandten sich dem Trotzkismus zu, um gemeinsam mit ihm gegen die Leninsche Partei, gegen ihre Ideologie, gegen den Leninismus zu kämpfen.

Sie erinnern sich wahrscheinlich unseres Streits auf dem XIV. Parteitag. Worüber stritten wir damals mit der so genannten „neuen Opposition“? Über die Rolle und Bedeutung des Mittelbauern, über die Rolle und Bedeutung der Hauptmassen der Bauernschaft, über die Möglichkeit, dass das Proletariat ungeachtet der technischen Rückständigkeit unseres Landes die Hauptmassen der Bauernschaft beim sozialistischen Aufbau führt.

Mit anderen Worten: Wir stritten mit ihnen darüber, worüber unsere Partei seit langem mit dem Trotzkismus streitet. Sie wissen, dass das Ergebnis des Streits auf dem XIV. Parteitag für die „neue Opposition“ kläglich war. Sie wissen, dass die „neue Opposition“ im Ergebnis dieses Streits in der grundlegenden Frage, in der Frage der Leninschen Idee der Hegemonie des Proletariats in der Epoche der proletarischen Revolution, ins Lager des Trotzkismus hinüberwechselte. Auf diesem Boden entstand auch der so genannte Oppositionsblock der Trotzkisten mit den ehemaligen Leninisten aus der Opposition.

War der „neuen Opposition“ bekannt, dass der V. Kongress der Komintern den Trotzkismus als kleinbürgerliche Abweichung charakterisiert hat ?

Es handelt sich um die Resolution zur russischen Frage, angenommen vom V. Kongress der Kommunistischen Internationale, der vom 17. Juni bis zum 8. Juli 1924 tagte. (Siehe „Der V. Weltkongress der Kommunistischen Internationale. Thesen, Resolutionen und Beschlüsse“, Moskau 1924, S. 175-186, russ.)

Natürlich war ihr das bekannt. Mehr noch, sie selbst setzte sich auf dem V. Kongress der Komintern für die Annahme einer entsprechenden Resolution ein. Wusste die „neue Opposition“, dass Leninismus und kleinbürgerliche Abweichung unvereinbar sind? Natürlich wusste sie das. Mehr noch, vor den Augen der gesamten Partei schrie sie darüber an allen Ecken und Enden.

Jetzt urteilen Sie selbst: Konnte die Partei anders handeln, als sich von solchen Führern abzuwenden, die heute verbrennen, was sie gestern verehrten, die heute verleugnen, wozu sie die Partei gestern mit lauter Stimme aufriefen, die versuchen, den Leninismus durch den Trotzkismus zu ergänzen, obwohl sie einen solchen Versuch gestern noch Verrat am Leninismus nannten? Es ist klar, dass die Partei sich von solchen Führern abwenden musste.

In ihrer Sucht, alles auf den Kopf zu stellen, ging die Opposition sogar so weit, die Tatsache zu leugnen, dass Trotzki in der Periode vor der Oktoberrevolution zu den Menschewiki gehörte. Wundern Sie sich nicht, Genossen - sie erklärt direkt, Trotzki sei seit dem Jahre 1904 niemals Menschewik gewesen. Verhält sich das wirklich so? Wenden wir uns Lenin zu.

Lenin sagte im Jahre 1914, dreieinhalb Jahre vor der Oktoberrevolution, folgendes über Trotzki:

„Die alten Teilnehmer an der marxistischen Bewegung in Rußland kennen die Figur Trotzkis genau, und für sie lohnt es nicht, von ihr zu sprechen. Aber die junge Arbeitergeneration kennt sie nicht, und man muss von ihr sprechen, denn dies ist eine Figur, die typisch ist für alle jene fünf ausländischen Grüppchen, die faktisch ebenfalls zwischen den Liquidatoren und der Partei schwanken.

In den Zeiten der alten ‚Iskra (1901 bis 1903) gab man diesen Schwankenden und von den ‚Ökonomisten’ zu den ‚Iskra’-Leuten und umgekehrt Überlaufenden den Namen ‚Tuschinoer Überläufer’ (so nannte man in der Zeit der Wirren in Rußland die Krieger, die von dem einen Lager ins andere überliefen)...

Die ‚Tuschinoer Überläufer’ erklären sich als über den Fraktionen stehend, und das aus dem einzigen Grunde, weil sie ihre Ideen heute der einen, morgen der anderen Fraktion ‚entlehnen’. Trotzki war in den Jahren 1901 bis 1903 ein eifriger ‚Iskra’-Anhänger, und Rjasanow bezeichnete seine Rolle auf dem Parteitag von 1903 als die Rolle des ,Leninschen Knüppels’. Ende 1903 ist Trotzki eifriger Menschewik, das heißt, er ist von den Iskra-Leuten zu den ,Ökonomisten’ übergelaufen; er verkündet: ,Zwischen der alten und der neuen „Iskra“ liegt ein Abgrund’. Im Jahre 1904/05 rückt er von den Menschewiki ab und nimmt eine schwankende Haltung ein, wobei er bald mit Martynow (dem ‚Ökonomisten’) zusammenarbeitet, bald die absurd linke ‚permanente Revolution’ verkündet. Im Jahre 1906/07 nähert er sich den Bolschewiki, und im Frühjahr 1907 erklärt er sich mit Rosa Luxemburg solidarisch.

In der Periode des Zerfalls geht er, nach langen ‚nichtfraktionellen’ Schwankungen, wiederum nach rechts, und im August 1912 geht er einen Block mit den Liquidatoren ein. Jetzt rückt er wiederum von ihnen ab, wobei er jedoch dem ‘Wesen der Sache nach ihre armseligen Gedanken wiederholt...

Derartige Typen sind charakteristisch als Trümmer geschichtlicher Gestaltungen und Formationen von gestern, als die proletarische Massenbewegung in Rußland noch schlief und ein beliebiges Grüppchen ,genügend Platz’ hatte, um sich als Strömung, als Gruppe, als Fraktion, mit einem Wort, als eine ,Macht’ hinzustellen, die von Vereinigung mit anderen redet.

Es ist notwendig, dass die junge Arbeitergeneration genau wisse, mit wem sie es zu tun hat, wenn mit unglaublichen Ansprüchen Leute auftreten, die weder den Parteibeschlüssen, die seit dem Jahre 1908 das Verhältnis zum Liquidatorentum bestimmt und festgelegt haben, auch nur im geringsten Rechnung tragen wollen noch der Erfahrung der modernen Arbeiterbewegung Rußlands, die in der Tat die Einheit der Mehrheit auf dem Boden der restlosen Anerkennung der genannten Beschlüsse hergestellt hat.“ (Siehe 4. Ausgabe, Bd. 20, S.321/322 [deutsch in „Ausgewählte Werke“ in zwei Bänden, Bd. I, S. 631/632].)

Daraus geht hervor, dass sich Trotzki in der Zeit nach 1903 dauernd außerhalb des bolschewistischen Lagers aufhielt, wobei er bald ins Lager der Menschewiki überlief, bald von ihnen abrückte, sich jedoch niemals den Bolschewiki anschloss, sondern im Jahre 1912 den Block mit den menschewistischen Liquidatoren gegen Lenin und seine Partei organisierte und mit den Menschewiki in einem Lager blieb.

Ist es da verwunderlich, wenn eine solche „Figur“ unserer bolschewistischen Partei kein Vertrauen einflößt?

Ist es da verwunderlich, wenn sich der von eben dieser „Figur“ geführte Oppositionsblock als isoliert erwies und von der Partei beiseite geschleudert wurde?

Die zweite grundlegende Frage, in der die Führer der Opposition auf die schiefe Bahn geraten sind, ist die Frage der Möglichkeit des Sieges des Sozialismus in einem Lande in der Periode des Imperialismus. Der Fehler der Opposition besteht darin, dass sie versucht hat, die Lehre Lenins von der Möglichkeit des Sieges des Sozialismus in einem Lande unmerklich zu liquidieren.

Für niemand ist heute die Tatsache ein Geheimnis, dass Lenin bereits im Jahre 1915, zwei Jahre vor der Oktoberrevolution, ausgehend vom Gesetz der Ungleichmäßigkeit der ökonomischen und politischen Entwicklung unter den Bedingungen des Imperialismus, die These aufstellte, dass „der Sieg des Sozialismus ursprünglich in wenigen kapitalistischen Ländern oder sogar in einem einzeln genommenen Lande möglich ist“. (Lenin, 4. Ausgabe, Bd. 21, S. 311 [deutsch in „Ausgewählte Werke“ in zwei Bänden, Bd. 1, S. 753].)

Für niemand ist heute die Tatsache ein Geheimnis, dass gerade Trotzki, und niemand anders, in dem gleichen Jahr 1915 in der Presse gegen diese These Lenins auftrat und erklärte, die Möglichkeit des Sieges des Sozialismus in einzelnen Ländern anerkennen, „würde bedeuten, ein Opfer jener nationalen Beschränktheit zu werden, die das Wesen des Sozialpatriotismus ist“ (Trotzki, „Das Jahr 1917“, Bd. III, Teil 1, S. 89190, russ.).

Ebenso ist die allbekannte Tatsache kein Geheimnis, dass diese Polemik zwischen Lenin und Trotzki in der Folge eigentlich nicht abriss bis zum Erscheinen von Lenins letzter Schrift „Über das Genossenschaftswesen“

Siehe W. I. Lenin, „Werke“, 4. Ausgabe, Bd. 33, S.427-435 [deutsch in „Ausgewählte Werke“ in zwei Bänden, Bd. II, S. 988-995].

im Jahre 1923, in der er immer wieder von neuem die Möglichkeit der Errichtung der „vollendeten sozialistischen Gesellschaft“ in unserem Lande verkündet.

Welche Veränderungen traten im Zusammenhang mit dieser Frage nach Lenins Tod in der Geschichte unserer Partei ein? Auf unserer XIV. Parteikonferenz im Jahre 1925 erkannten Kamenew und Sinowjew nach einer Reihe von Schwankungen Lenins Lehre von der Möglichkeit des Sieges des Sozialismus in einem Lande an und grenzten sich zusammen mit der Partei in dieser Frage vom Trotzkismus ab. Aber einige Monate später, vor dem XIV. Parteitag, als sie im Kampf gegen die Partei in der Minderheit blieben und sich genötigt sahen, mit Trotzki einen Block zu bilden - schwenkten sie „plötzlich“ zum Trotzkismus ab, brachen mit der Resolution der XIV. Konferenz unserer Partei und kehrten sich von der Leninschen Lehre von der Möglichkeit des Sieges des Sozialismus in einem Lande ab. Das Ergebnis ist, dass die Opposition das halbmenschewistische Geschwätz Trotzkis über die nationale Beschränktheit der Theorie Lenins als Nebelschleier benutzt, hinter dem sie ihre Arbeit zur Liquidierung des Leninismus in der Frage des sozialistischen Aufbaus zu verbergen sucht.

Es fragt sich: Ist es da verwunderlich, wenn die im Geiste des Leninismus erzogene und zusammengeschweißte Partei es für nötig hielt, sich nach alledem von solchen Liquidatoren abzuwenden, und die Führer der Opposition sich von der Partei isoliert sahen?

Die dritte grundlegende Frage, in der die Führer der Opposition auf die schiefe Bahn geraten sind, ist die Frage unserer Partei, die Frage ihrer Geschlossenheit, die Frage ihrer ehernen Einheit.

Der Leninismus lehrt, dass die Partei des Proletariats einheitlich und aus einem Guss sein muss, ohne Fraktionen, ohne fraktionelle Zentren, mit einem einheitlichen Parteizentrum, mit einem einheitlichen Willen. Der Leninismus lehrt, dass die Interessen der proletarischen Partei eine bewusste Erörterung der Fragen der Parteipolitik erfordern, ein bewusstes Verhältnis der Mitgliedermassen der Partei zur Parteiführung, Kritik an den Mängeln der Partei, Kritik an ihren Fehlern. Aber der Leninismus fordert gleichzeitig, dass die Parteibeschlüsse von allen Parteimitgliedern widerspruchslos durchgeführt werden, sobald diese Beschlüsse von den leitenden Organen der Partei angenommen und gebilligt sind.

Der Trotzkismus hat eine andere Auffassung hiervon. Für den Trotzkismus ist die Partei eine Art Föderation fraktioneller Gruppen mit einzelnen fraktionellen Zentren. Für den Trotzkismus ist die proletarische Disziplin der Partei unerträglich. Der Trotzkismus kann das proletarische Regime in der Partei nicht ausstehen. Der Trotzkismus begreift nicht, dass die Ausübung der Diktatur des Proletariats ohne eiserne Parteidisziplin unmöglich ist.

Waren diese organischen Defekte desTrotzkismus den ehemaligen Leninisten aus der Opposition bekannt? Natürlich waren sie ihnen bekannt. Mehr noch, sie schrien an allen Ecken und Enden, dass das „Organisationsschema“ des Trotzkismus mit den Organisationsprinzipien des Leninismus unvereinbar ist. Die Tatsache, dass die Opposition sich in ihrer Erklärung vom 16. Oktober 1926 von der Auffassung, nach der die Partei eine Föderation von Gruppen ist, lossagte, diese Tatsache bestätigt ein übriges Mal, dass die Opposition auf diesem Gebiet auf beiden Beinen hinkte und hinkt. Aber dieses Lossagen erfolgte nur in Worten, es war unaufrichtig. In Wirklichkeit haben die Trotzkisten niemals ihre Versuche aufgegeben, unserer Partei die trotzkistische Organisationslinie aufzuzwingen, Sinowjew und Kamenew aber helfen ihnen bei diesem unrühmlichen Werk. Sinowjew und Kamenew brauchten in ihrem Kampf gegen die Partei nur in der Minderheit zu bleiben, und schon schwenkten sie zu dem trotzkistischen, halbmenschewistischen Organisationsplan ab und verkündeten zusammen mit den Trotzkisten den Kampf gegen das proletarische Regime in der Partei als Tageslosung.

Kann es da wundernehmen, wenn unsere Partei es nicht für möglich erachtete, die Organisationsprinzipien des Leninismus zu begraben, wenn sie die jetzigen Führer der Opposition beiseite schleuderte?

Das, Genossen, sind die drei grundlegenden Fragen, in denen die jetzigen Führer der Opposition auf die schiefe Bahn geraten sind und mit dem Leninismus gebrochen haben.

Kann man sich danach wundern, dass die Leninsche Partei ihrerseits mit diesen Führern gebrochen hat?

Aber leider fand das Hinabsinken der Opposition damit kein Ende. Die Opposition sank noch tiefer und erreichte eine Grenze, über die man nicht hinausgehen darf, ohne Gefahr zu laufen, sich außerhalb der Reihen der Partei zu stellen.

Urteilen Sie selbst.

Bisher konnte man schwerlich annehmen, dass die Opposition, wie tief sie auch gesunken sein mag, in der Frage der bedingungslosen Verteidigung unseres Landes schwanken würde. Aber jetzt muss man nicht nur annehmen, sondern sogar behaupten, dass die Position der jetzigen Führer der Opposition eine defätistische Position ist. Wie anders kann man die dumme und absurde These Trotzkis von dem Clemenceauschen Experiment im Falle eines neuen Krieges gegen die UdSSR verstehen? Kann es etwa einen Zweifel geben, dass dies ein Symptom für das weitere Hinabsinken der Opposition ist?

Bisher konnte man schwerlich annehmen, dass die Opposition jemals die dumme und absurde Beschuldigung des Thermidorianertums gegen unsere Partei erheben würde. Im Jahre 1925, als Saluzki zum erstenmal von thermidorianischen Tendenzen in unserer Partei zu sprechen begann, grenzten sich die jetzigen Führer der Opposition entschieden von ihm ab. Aber jetzt ist die Opposition so tief gesunken, dass sie weiter geht als Saluzki und die Partei des Thermidorianertums beschuldigt. Unbegreiflich ist mir nur, wie Leute, die behaupten, unsere Partei sei thermidorianisch geworden, in unserer Partei bleiben können.

Bisher war die Opposition „lediglich“ darauf aus, einzelne fraktionelle Gruppierungen in den Sektionen der Komintern zu organisieren. Aber jetzt ist sie so weit gegangen, dass sie in Deutschland als Gegengewicht zu der dort bestehenden deutschen Kommunistischen Partei vor aller Augen eine neue Partei organisiert hat, die Partei der konterrevolutionären Spitzbuben Maslow und Ruth Fischer. Das aber ist eine Position der direkten Spaltung der Komintern. Von fraktionellen Gruppierungen in den Sektionen der Komintern zur Spaltung der Komintern - das ist der Weg des Hinabsinkens der Oppositionsführer.

Es ist charakteristisch, dass Sinowjew in seiner Rede die Tatsache des Vorhandenseins einer Spaltung in Deutschland nicht geleugnet hat. Dass aber diese selbe antikommunistische Partei von unserer Opposition organisiert worden ist, das ist schon allein daraus ersichtlich, dass die parteifeindlichen Artikel und Reden der Führer unserer Opposition von Maslow und Ruth Fischer als Sonderbroschüren gedruckt und verbreitet werden. (Zwischenruf: „Eine Schande!“)

Was aber bedeutet die Tatsache, dass der Oppositionsblock in unserer Presse Wujowitsch das Wort gegeben hat zur politischen Verteidigung dieser zweiten Partei in Deutschland, der Partei Maslows und Ruth Fischers? Das bedeutet, dass unsere Opposition Maslow und Ruth Fischer offen unterstützt, unterstützt gegen die Komintern, gegen ihre proletarischen Sektionen. Das aber ist schon nicht mehr einfach Fraktionsmacherei, Genossen. Das ist eine Politik der offenen Spaltung der Komintern. (Zurufe: „Sehr richtig!“)

Früher forderte die Opposition Freiheit für fraktionelle Gruppierungen in unserer Partei. Jetzt ist ihr das zuwenig. Jetzt beschreitet sie den Weg der direkten Spaltung, indem sie in der UdSSR eine neue Partei mit einem eigenen ZK, mit eigenen Ortsorganisationen gründet. Von der Politik der Fraktionsmacherei zur Politik der direkten Spaltung, zur Politik der Gründung einer neuen Partei, zu einer Politik, die der Ossowski-“Konzeption“

Ossowskitum“ - konterrevolutionäre „Theorie“, die die Bildung einer trotzkistischen Partei in der UdSSR zu begründen versuchte. Der Urheber dieser „Theorie“, der Trotzkist Ossowski, wurde im August 1926 aus der KPdSU(B) ausgeschlossen.

entspricht - so tief sind die Führer unserer Opposition gesunken.

Das sind die Marksteine, die den Weg des weiteren Hinabsinkens der Opposition kennzeichnen, den Weg des Abfalls von der Partei und der Komintern, den Weg der Spaltungspolitik in der Komintern und der KPdSU(B).

Kann man eine solche Lage länger dulden? Es ist klar, dass man das nicht kann. Man kann eine Spaltungspolitik weder in der Komintern noch in der KPdSU(B) zulassen. Dieses Übel muss unverzüglich ausgerottet werden, wenn uns die Interessen der Partei und der Komintern, die Interessen ihrer Einheit, am Herzen liegen.

Das sind die Umstände, die das ZK gezwungen haben, die Frage des Ausschlusses Trotzkis und Sinowjews aus dem ZK zu stellen. Wo ist nun der Ausweg? - werden Sie fragen.

Die Opposition hat sich in eine Sackgasse verrannt. Die Aufgabe besteht darin, einen letzten Versuch zu machen und der Opposition zu helfen, aus dieser Sackgasse herauszukommen. Das, was Genosse Ordshonikidse hier im Namen der ZKK vorgeschlagen hat, ist das Verfahren und ist das Maximum an Zugeständnissen, auf das die Partei eingehen könnte, um die Sache des Friedens in der Partei zu erleichtern.

Erstens muss die Opposition entschieden und unwiderruflich das „thermidorianische“ Geschwätz und die absurde Losung hinsichtlich des Clemenceauschen Experiments aufgeben. Die Opposition muss begreifen, dass man mit solchen Anschauungen und mit solchen Tendenzen unser Land angesichts der drohenden Kriegsgefahr nicht verteidigen kann. Die Opposition muss begreifen, dass man mit solchen Anschauungen und mit solchen Tendenzen nicht länger im Zentralkomitee unserer Partei verbleiben kann. (Zurufe: „Sehr richtig!“)

Zweitens muss die Opposition offen und unumwunden die antileninistische Spaltergruppe Maslow-Ruth Fischer in Deutschland verurteilen und jede Verbindung mit ihr abbrechen. Die Unterstützung der Spaltungspolitik in der Komintern kann nicht länger geduldet werden. (Zurufe: „Sehr richtig!“)

Man kann die UdSSR nicht verteidigen, wenn man die Spaltung in der Komintern unterstützt und die Sektionen der Komintern desorganisiert.

Drittens muss die Opposition sich entschieden und unwiderruflich von jeglicher Fraktionsmacherei und von allem lossagen, was zur Schaffung einer neuen Partei in der KPdSU(B) führen kann. Eine Spaltungspolitik darf in unserer Partei weder zwei Monate noch zwei Stunden vor dem Parteitag zugelassen werden. (Zurufe: „Sehr richtig!“)

Das, Genossen, sind die drei grundlegenden Bedingungen, ohne deren Annahme wir ein weiteres Verbleiben Trotzkis und Sinowjews im ZK unserer Partei nicht zulassen können.

Man wird sagen, das sei eine Repressalie. Ja, das ist eine Repressalie. Repressalien galten im Arsenal unserer Partei niemals als ausgeschlossen. Wir handeln hier auf der Grundlage der bekannten Resolution des X. Parteitags, auf der Grundlage der Resolution, die von Genossen Lenin verfasst und auf dem X. Parteitag von ihm zur Annahme gebracht wurde

Gemeint ist die Resolution „Über die Einheit der Partei“, angenommen vom X. Parteitag der KPR(B), der vom B. bis zum 16. März 1921 tagte. (Siehe „Die KPdSU(B) in Resolutionen und Beschlüssen der Parteitage, Parteikonferenzen und Plenartagungen des ZK“, Teil I, 1941, S. 364-366, russ.)

. Punkt 6 und 7 dieser Resolution lauten:

Punkt 6: „Der Parteitag ordnet die sofortige Auflösung ausnahmslos aller Gruppen an, die sich auf der einen oder der anderen Plattform gebildet haben, und beauftragt alle Organisationen, strengstens darüber zu wachen, dass keinerlei fraktionelle Kundgebungen zugelassen werden. Die Nichterfüllung dieses Parteitagsbeschlusses zieht den unbedingten und sofortigen Ausschluss aus der Partei nach sich.“

Punkt 7: „Um innerhalb der Partei und in der gesamten Sowjetarbeit strenge Disziplin herbeizuführen und die größte Einheit bei Ausmerzung jeglicher Fraktionsmacherei zu erzielen, bevollmächtigt der Parteitag das ZK, im Falle (in Fällen) eines Disziplinbruchs oder des Wiederauflebens oder der Zulassung der Fraktionsmacherei, alle Disziplinarmaßnahmen der Partei, bis zum Ausschluss aus der Partei, und gegenüber Mitgliedern des ZK ihre Überführung in den Kandidatenstand und, als äußerste Maßnahme, sogar den Ausschluss aus der Partei in Anwendung zu bringen. Die Anwendung dieser äußersten Maßnahme (gegen Mitglieder des ZK, Kandidaten des ZK und Mitglieder der Kontrollkommission) kann nur unter der Bedingung erfolgen, dass ein Plenum des ZK einberufen wird, zu dem alle Kandidaten des ZK sowie alle Mitglieder der Kontrollkommission geladen werden. Erachtet diese gemeinsame Tagung der verantwortlichsten Leiter der Partei mit Zweidrittelmehrheit der Stimmen die Überführung eines ZK-Mitglieds in den Kandidatenstand oder den Ausschluss aus der Partei für notwendig, so muss diese Maßregel unverzüglich durchgeführt werden.“

Zurufe. Das muss sofort durchgeführt werden.

Stalin. Warten Sie, Genossen, beeilen Sie sich nicht. Das hat Lenin geschrieben und uns als Vermächtnis hinterlassen, denn er wusste, was das heißt eiserne Parteidisziplin, was das heißt Diktatur des Proletariats. Denn er wusste, dass die Diktatur des Proletariats durch die Partei verwirklicht wird, dass es ohne einheitliche und aus einem Guss geformte Partei keine Diktatur des Proletariats geben kann.

Das sind die Bedingungen, ohne deren Annahme ein weiteres Verbleiben Trotzkis und Sinowjews im ZK unserer Partei unmöglich ist. Nimmt die Opposition diese Bedingungen an, so ist es gut. Nimmt sie sie nicht an - umso schlimmer für sie. (Beifall.)

 

 

 

NOTIZEN ÜBER GEGENWARTSTHEMEN

Band 9, Seite 278 - 312

28. Juli 1927

 

 

Band 10, Seite 103 - 104

UNTERREDUNG MIT DER ERSTEN
AMERIKANISCHEN ARBEITERDELEGATION

I
FRAGEN DER DELEGATION UND ANTWORTEN
DES GENOSSEN STALIN

 

Fünfte Frage.

Können Sie uns kurz die Hauptdifferenzen zwischen Ihnen und Trotzki darlegen?

Antwort. Ich muss vor allem sagen, dass die Differenzen mit Trotzki keine persönlichen Differenzen sind. Trügen diese Differenzen einen persönlichen Charakter, so würde sich die Partei damit keine einzige Stunde befassen, denn sie duldet es nicht, dass einzelne Personen sich in den Vordergrund drängen.

Es handelt sich offenbar um Meinungsverschiedenheiten in der Partei. So fasse ich diese Frage auf. Ja, diese Meinungsverschiedenheiten bestehen in der Partei. Über den Charakter dieser Meinungsverschiedenheiten haben Rykow in Moskau und Bucharin in Leningrad unlängst in ihren Referaten ziemlich ausführlich gesprochen. Diese Referate sind veröffentlicht worden. Zu dem, was in diesen Referaten über die Meinungsverschiedenheiten gesagt worden ist, habe ich nichts hinzuzufügen. Wenn Sie diese Dokumente nicht haben, so kann ich sie Ihnen besorgen.

(Die Delegation erklärt, dass sie diese Dokumente besitzt.)

Ein Delegierter. Man wird uns nach unserer Rückkehr über diese Meinungsverschiedenheiten fragen, aber wir besitzen nicht alle Dokumente. Wir besitzen zum Beispiel nicht die „Plattform der 83“.

Stalin. Ich habe diese „Plattform“ nicht unterschrieben. Ich habe kein Recht, über fremde Dokumente zu verfügen. (Heiterkeit.)

 

 

Band 10, Seite 133 - 145

DIE POLITISCHE PHYSIOGNOMIE
DER RUSSISCHEN OPPOSITION

Aus der Rede in der gemeinsamen Sitzung des Präsidiums des EKKI
und der Internationalen Kontrollkommission

27. September 1927

 

 

Band 10, Seite 150 - 179

DIE TROTZKISTISCHE OPPOSITION
FRÜHER UND JETZT

Rede in der Sitzung des vereinigten Plenums
des ZK und der ZKK der KPdSU(B)

23. Oktober 1927

Die XVI. Moskauer Gouvernementskonferenz der KPdSU(B) tagte vom 20. bis zum 28. November 1927. Die Konferenz nahm die Berichte des ZK und der ZKK der KPdSU(B) entgegen, erörterte die Perspektiven des wirtschaftlichen Aufbaus des Moskauer Gouvernements in Verbindung mit dem allgemeinen Plan zur Entwicklung der Volkswirtschaft der UdSSR, die Rechenschaftsberichte des Moskauer Komitees und der Moskauer Kontrollkommission der KPdSU(B), den Bericht über die Arbeit» auf dem Lande und andere Fragen. J. W. Stalin hielt in der Vormittagssitzung der Konferenz am 23. November eine Rede. In der Resolution zum Bericht des ZK der KPdSU(B) billigte die Konferenz die politische und organisatorische Tätigkeit des Zentralkomitees und seine Beschlüsse über die trotzkistische Opposition. Die Konferenz wählte J. W. Stalin zum Delegierten für den XV. Parteitag der KPdSU(B).

 

 

Band 10, Seite 218 - 232

DIE PARTEI UND DIE OPPOSITION

Rede auf der XVI. Moskauer Gouvernementsparteikonferenz

23. November 1927

 

Die XVI. Moskauer Gouvernementskonferenz der KPdSU(B) tagte vom 20. bis zum 28. November 1927. Die Konferenz nahm die Berichte des ZK und der ZKK der KPdSU(B) entgegen, erörterte die Perspektiven des wirtschaftlichen Aufbaus des Moskauer Gouvernements in Verbindung mit dem allgemeinen Plan zur Entwicklung der Volkswirtschaft der UdSSR, die Rechenschaftsberichte des Moskauer Komitees und der Moskauer Kontrollkommission der KPdSU(B), den Bericht über die Arbeit» auf dem Lande und andere Fragen. J. W. Stalin hielt in der Vormittagssitzung der Konferenz am 23. November eine Rede. In der Resolution zum Bericht des ZK der KPdSU(B) billigte die Konferenz die politische und organisatorische Tätigkeit des Zentralkomitees und seine Beschlüsse über die trotzkistische Opposition. Die Konferenz wählte J. W. Stalin zum Delegierten für den XV. Parteitag der KPdSU(B).

 

 

Band 10, Seite 233 - 323

DER XV. PARTEITAG DER KPdSU(B)

2. - 19. Dezember 1927

Trotzkismus betreffender Auszug:

ab dem Kapitel III:

Die Partei und die Opposition

 

Der XV. Parteitag der KPdSU(B) tagte in Moskau vom 2. bis zum 19. Dezember 1927. Der Parteitag erörterte den politischen und den organisatorischen Rechenschaftsbericht des Zentralkomitees, die Rechenschaftsberichte der Zentralen Revisionskommission, der ZKK - Arbeiter- und Bauerninspektion, der Delegation der KPdSU(B) im Exekutivkomitee der Komintern, die Direktiven für die Ausarbeitung eines Fünfjahrplans zur Entwicklung der Volkswirtschaft, einen Bericht über die Arbeit auf dem Lande sowie ein Referat der Parteitagskommission über die Frage der Opposition und wählte die Zentralinstanzen der Partei. J. W. Stalin erstattete am 3. Dezember den politischen Rechenschaftsbericht des ZK der KPdSU(B) und hielt am 7. Dezember das Schlusswort. Am 12. Dezember wählte der Parteitag J.W. Stalin in die Kommission, die eine Resolution zu dem Bericht über die Tätigkeit der Delegation der KPdSU(B) im Exekutivkomitee der Komintern ausarbeiten sollte. Der Parteitag billigte die politische und die organisatorische Linie des Zentralkomitees der Partei und erteilte diesem den Auftrag, auch weiterhin eine Politik des Friedens und der Festigung der Wehrkraft der UdSSR durchzuführen, die sozialistische Industrialisierung des Landes in ungeschwächtem Tempo fortzusetzen, den sozialistischen Sektor in Stadt und Land zu erweitern und zu festigen sowie auf die Liquidierung der kapitalistischen Elemente in der Volkswirtschaft hinzusteuern. Der Parteitag fasste den Beschluss über die allseitige Entfaltung der Kollektivierung der Landwirtschaft, er legte einen Plan zur Erweiterung der Kollektivwirtschaften und Sowjetwirtschaften fest und gab Anweisungen über die Methoden zum Kampfe für die Kollektivierung der Landwirtschaft. Der XV. Parteitag der KPdSU(B) ist in die Geschichte der Partei als der Parteitag der Kollektivierung eingegangen. Der Parteitag erteilte die Direktive zur Ausarbeitung des ersten Fünfjahrplans der Volkswirtschaft der UdSSR. In seinen Beschlüssen über die Opposition, die auf die Liquidierung des trotzkistisch-sinowjewistischen Blocks gerichtet waren, konstatierte der Parteitag, dass die Meinungsverschiedenheiten zwischen der Partei und der Opposition in programmatische Meinungsverschiedenheiten umgeschlagen sind, dass die trotzkistische Opposition den Weg des antisowjetischen Kampfes betreten hat, und erklärte die Zugehörigkeit zur trotzkistischen Opposition und die Propagierung ihrer Anschauungen für unvereinbar mit dem Verbleiben in den Reihen der bolschewistischen Partei. Der Parteitag billigte den gemeinsamen Beschluss des ZK und der ZKK der KPdSU(B) (vom November 1927) über den Ausschluss Trotzkis und Sinowjews aus der Partei und beschloss, alle aktiven Teilnehmer des trotzkistisch-sinowjewistischen Blocks aus der Partei auszuschließen. (über den XV. Parteitag der KPdSU(B) siehe „Geschichte der KPdSU(B), Kurzer Lehrgang“, S. 2751276 [deutsche Ausgabe, Berlin 1951, S.359-3611. Die Resolutionen und Beschlüsse des Parteitags siehe in „Die KPdSU(B) in Resolutionen und Beschlüssen der Parteitage, Parteikonferenzen und Plenartagungen des ZK“, Teil II, 1941, S. 222-262, russ.)

 

 

 

Band 11, Seite 205 - 206

ÜBER DIE RECHTE GEFAHR IN DER KPdSU(B)

Rede auf dem Plenum des Moskauer Komitees und der
Moskauer Kontrollkommission der KPdSU(B)
19. Oktober 1928

 

Hier sind die Wurzeln und die Grundlage für die verschiedenen Schwankungen und Abweichungen von der Leninschen Linie in den Reihen unserer Partei.

Deshalb darf man die Frage der rechten oder „linken“ Abweichung in unserer Partei nicht als belanglose Frage betrachten.

Worin besteht die Gefahr der rechten, offen opportunistischen Abweichung in unserer Partei? Darin, dass sie die Kraft unserer Feinde, die Kraft des Kapitalismus unterschätzt, die Gefahr der Wiederherstellung des Kapitalismus nicht sieht, die Mechanik des Klassenkampfes unter den Bedingungen der Diktatur des Proletariats nicht versteht und daher so leicht auf Zugeständnisse an den Kapitalismus eingeht, indem sie fordert, das Entwicklungstempo unserer Industrie zu verlangsamen, den kapitalistischen Elementen in Stadt und Land Erleichterungen zu gewähren, die Frage der Kollektiv- und Sowjetwirtschaften in den Hintergrund zu rücken, das Außenhandelsmonopol zu lockern usw. usf.

Es steht außer Zweifel, dass ein Sieg der rechten Abweichung in unserer Partei die Kräfte des Kapitalismus entfesseln, die revolutionären Positionen des Proletariats untergraben und die Chancen für die Wiederherstellung des Kapitalismus in unserem Lande erhöhen würde.

Worin besteht die Gefahr der „linken“ (trotzkistischen) Abweichung in unserer Partei? Darin, dass sie die Kraft unserer Feinde, die Kraft des Kapitalismus überschätzt, nur die Möglichkeit der Wiederherstellung des Kapitalismus sieht, aber die Möglichkeit der Errichtung des Sozialismus mit den Kräften unseres Landes nicht sieht, der Verzweiflung verfällt und gezwungen ist, sich mit dem Geschwätz von Thermidorianertum in unserer Partei zu trösten.

Aus den Worten Lenins, „solange wir in einem kleinbäuerlichen Lande leben, besteht für den Kapitalismus in Rußland eine festere ökonomische Basis als für den Kommunismus“ - aus diesen Worten Lenins ziehen die Vertreter der „linken“ Abweichung den falschen Schluss, dass es in der UdSSR überhaupt unmöglich sei, den Sozialismus zu errichten, dass mit der Bauernschaft nichts zu machen sei, dass die Idee des Bündnisses der Arbeiterklasse und der Bauernschaft eine überholte Idee sei, dass, wenn uns von der siegreichen Revolution im Westen keine Hilfe zuteil wird, die Diktatur des Proletariats in der UdSSR zu Fall kommen oder entarten müsse und dass, wenn der phantastische Plan der Überindustrialisierung, der selbst um den Preis des Bruchs mit der Bauernschaft durchgeführt werden soll, nicht angenommen wird, die Sache des Sozialismus in der UdSSR als verloren zu betrachten sei.

Daher das Abenteurertum in der Politik der „linken“ Abweichung. Daher die „übermenschlichen“ Sprünge in der Politik.

Es steht außer Zweifel, dass ein Sieg der „linken“ Abweichung in unserer Partei zur Loslösung der Arbeiterklasse von ihrer bäuerlichen Basis, zur Loslösung der Avantgarde der Arbeiterklasse von den übrigen Arbeitermassen und folglich zu einer Niederlage des Proletariats sowie zur Förderung der Vorbedingungen für eine Wiederherstellung des Kapitalismus führen würde.

Wie Sie sehen, führen beide Gefahren, die „linke“ wie die rechte, beide Abweichungen von der Leninschen Linie, die rechte wie die „linke“, zu ein und demselben Ergebnis, wenn auch von verschiedenen Seiten her.

Welche von diesen Gefahren ist schlimmer? Ich glaube, beide sind „schlimmer“.

Der Unterschied zwischen diesen Abweichungen, vom Standpunkt ihrer erfolgreichen Bekämpfung, besteht darin, dass die Gefahr der „linken“ Abweichung gegenwärtig für die Partei klarer ist als die Gefahr der rechten Abweichung. Der Umstand, dass wir schon einige Jahre lang einen verstärkten Kampf gegen die „linke“ Abweichung führen, konnte natürlich für die Partei nicht ergebnislos bleiben. Es ist klar, dass die Partei in den Jahren des Kampfes gegen die „linke“, die trotzkistische Abweichung viel gelernt hat, und es ist nicht mehr leicht, sie mit „linken“ Phrasen zu täuschen.

 

 

Band 11, Seite 212 - 214

ANTWORT AN GENOSSEN SCH.

Genosse Sch.!

Ich habe Ihren Brief erhalten und muss sagen, dass ich Ihnen keineswegs zustimmen kann.

1. Aus dem Lenin-Zitat geht klar hervor, dass, solange wir ein kleinbäuerliches Land bleiben, die Gefahr einer Restauration des Kapitalismus bei uns bestehen bleibt. Sie sagen, dass man diesen Gedanken Lenins „nicht auf die heutige Periode in der UdSSR anwenden darf“. Warum eigentlich? Sind wir denn nicht immer noch ein kleinbäuerliches Land?

Natürlich, in dem Maße, wie unsere sozialistische Industrie sich entwickelt und die kollektiven Wirtschaftsformen auf dem Lande Wurzel fassen, verringern sich die Chancen für eine Restauration des Kapitalismus. Das ist eine Tatsache. Bedeutet das aber, dass wir bereits aufgehört haben, ein kleinbäuerliches Land zu sein? Bedeutet das, dass sich die sozialistischen Formen bei uns so weit entwickelt haben, dass die UdSSR nicht mehr als kleinbäuerliches Land zu betrachten ist? Es ist klar, dass es das nicht bedeutet.

Was aber folgt daraus? Daraus folgt nur das eine - dass die Gefahr einer Restauration des Kapitalismus bei uns existiert. Wie kann man diese offensichtliche Tatsache bestreiten?

2. Sie schreiben in Ihrem Brief: „Als Sie über die rechte und die ‚linke’ Abweichung sprachen, ergab sich bei Ihnen, dass wir sowohl mit den Rechten als auch mit den ‚Linken’ nur in der Frage des Tempos der Industrialisierung auseinandergehen. Die Frage der Bauernschaft aber wurde von Ihnen bei der Einschätzung der trotzkistischen Position nur flüchtig berührt. Das führt dazu, dass Ihrer Rede eine sehr üble Deutung gegeben wird.“

Es ist durchaus möglich, dass meine Rede verschieden gedeutet wird. Das ist Geschmackssache. Dass aber die in Ihrem Brief dargelegten Gedanken nicht der Wirklichkeit entsprechen - das ist für mich offensichtlich. Ich sage in meiner Rede direkt, dass die rechte Abweichung „die Kraft des Kapitalismus bei uns unterschätzt“, dass sie „die Gefahr der Wiederherstellung des Kapitalismus nicht sieht“, „die Mechanik des Klassenkampfes nicht versteht“ „und daher so leicht auf Zugeständnisse an den Kapitalismus eingeht“. Ich sage in meiner Rede direkt, dass „ein Sieg der rechten Abweichung in unserer Partei“ „die Chancen für die Wiederherstellung des Kapitalismus in unserem Lande erhöhen würde“. Sie werden natürlich begreifen, dass hier nicht nur vom Tempo der Industrialisierung die Rede ist.

Was muss man denn noch über die rechte Abweichung sagen, um Sie zufrieden zu stellen?

Was die „linke“, trotzkistische Abweichung betrifft, so sage ich in meiner Rede direkt, dass sie die Möglichkeit der Errichtung des Sozialismus in unserem Lande verneint, dass sie die Idee des Bündnisses der Arbeiterklasse und der Bauernschaft verneint und bereit ist, ihren phantastischen Plan der Industrialisierung um den Preis des Bruchs mit der Bauernschaft durchzuführen. In meiner Rede heißt es (wenn Sie sie gelesen haben), dass „ein Sieg der ‚linken’ Abweichung in unserer Partei zur Loslösung der Arbeiterklasse von ihrer bäuerlichen Basis, zur Loslösung der Avantgarde der Arbeiterklasse von den übrigen Arbeitermassen und folglich zu einer Niederlage des Proletariats sowie zur Förderung der Vorbedingungen für eine Wiederherstellung des Kapitalismus führen würde“. Sie werden natürlich begreifen, dass hier nicht nur vom Tempo der Industrialisierung die Rede ist.

Ich glaube, dass hier alles Wesentliche gesagt ist, was bei uns überhaupt gegen den Trotzkismus gesagt wurde.

Natürlich sprach ich in meiner Rede über die „linke“ Abweichung weniger als über die rechte: Das aber darum, weil das Thema meiner Rede die Frage der rechten Abweichung war, was ich auch zu Beginn meiner Rede vorausgeschickt habe und was der Tagesordnung des vereinigten Plenums des Moskauer Komitees und der Moskauer Kontrollkommission völlig entsprach. Eins aber kann man nicht abstreiten, dass ungeachtet dessen in meiner Rede all das Wesentliche über den Trotzkismus gesagt ist, wodurch sich der Trotzkismus überhaupt vom Leninismus einerseits und von der rechten Abweichung anderseits unterscheidet.

Was muss man denn noch in einer der rechten Abweichung gewidmeten Rede über den Trotzkismus sagen, um Sie zufrieden zu stellen?

3. Sie sind nicht mit meiner Erklärung zufrieden, dass es im Politbüro bei uns weder eine rechte noch eine „linke“ Abweichung oder Versöhnlertum ihnen gegenüber gibt. War ich zu einer solchen Erklärung berechtigt? Ja, das war ich. Warum? Weil, als der Wortlaut des Aufrufs des ZK an die Mitglieder der Moskauer Organisation im Politbüro angenommen wurde, von den anwesenden Mitgliedern des Politbüros nicht eins dagegen stimmte. Ist das gut oder schlecht? Ich glaube, das ist gut. Kann man bei einer Charakteristik des Politbüros im Oktober 1928 von einer solchen Tatsache absehen? Es ist klar, dass man das nicht kann.

Mit kommunistischem Gruß

J. Stalin

27. Oktober 1928.

 

Band 11, Seite 232

ÜBER DIE INDUSTRIALISIERUNG DES LANDES
UND ÜBER DIE
RECHTE ABWEICHUNG IN DER KPdSU(B)

Rede auf dem Plenum des ZK der KPdSU(B)
19. November 1928

 

Aber es ist nicht ausgeschlossen, dass wir trotz unserer Maßnahmen erneut von einer teilweisen Missernte, von Frühfrost oder Dürre in diesen oder jenen Gebieten betroffen werden, und es ist möglich, dass diese Umstände zu einem gewissen Zurückbleiben der Bruttoproduktion an Getreide hinter unseren Plänen oder sogar hinter der Bruttoproduktion dieses Jahres führen werden. Würde das aber bedeuten, dass die Landwirtschaft „degradiert“, dass an dieser „Degradation“ die Politik der Sowjetmacht schuld ist, dass wir den Bauern des wirtschaftlichen Ansporns „beraubt“, dass wir ihm die wirtschaftliche Perspektive „genommen“ haben?

Vor einigen Jahren verfiel Trotzki in den gleichen Fehler, als er behauptete, der „Regen“ habe keine Bedeutung für die Landwirtschaft. Rykow nahm, unterstützt von der gewaltigen Mehrheit der Mitglieder des ZK, dagegen Stellung. Jetzt verfällt Frumkin in den gleichen Fehler, indem er von den Bedingungen des Klimas, die für die Landwirtschaft von entscheidender Bedeutung sind, absieht und alles auf die Politik unserer Partei zu schieben sucht.

(...)

Seite 246 - 258

Was ist die „linke“ Abweichung? Gibt es bei uns wirklich eine so genannte „linke“ Abweichung in der Partei? Gibt es bei uns in der Partei gegen die Mittelbauernschaft gerichtete Tendenzen, wie es in unseren Thesen heißt, Tendenzen der Überindustrialisierung usw.? Ja, die gibt es. Worauf laufen sie hinaus? Sie laufen auf eine Abweichung zum Trotzkismus hinaus. Bereits das Juliplenum hat das festgestellt. Ich denke an die bekannte Resolution des Juliplenums über die Getreidebeschaffungspolitik, in der vom Kampf an zwei Fronten gesprochen wird: gegen diejenigen, die uns vom XV. Parteitag zurückzerren - das sind die Rechten -, und gegen diejenigen, die die außerordentlichen Maßnahmen zu einem ständigen Kurs der Partei machen wollen - das sind die „Linken“, das ist die Tendenz zum Trotzkismus.

Es ist klar, dass es innerhalb unserer Partei Elemente des Trotzkismus und eine Tendenz zur trotzkistischen Ideologie gibt. Ich glaube, während der Diskussion vor dem XV. Parteitag haben etwa viertausend Mitglieder gegen unsere Plattform gestimmt. (Zwischenruf: „Zehntausend.“) Ich glaube, wenn zehntausend dagegen gestimmt haben, so haben zweimal zehntausend mit dem Trotzkismussympathisierende Parteimitglieder überhaupt nicht gestimmt, weil sie nicht in die Versammlungen gekommen sind. Das sind eben die trotzkistischen Elemente, die nicht aus der Partei ausgeschieden sind und die sich, wie man annehmen muss, noch nicht von der trotzkistischen Ideologie frei gemacht haben. Außerdem glaube ich, dass der Teil der Trotzkisten, der sich dann von der trotzkistischen Organisation gelöst hat und in die Partei zurückgekehrt ist, es noch nicht vermocht hat, sich von der trotzkistischen Ideologie zu trennen, und vermutlich ebenfalls nicht abgeneigt ist, seine Anschauungen unter den Parteimitgliedern zu verbreiten. Schließlich haben wir die Tatsache eines gewissen Wiederauflebens der trotzkistischen Ideologie in einigen Organisationen unserer Partei. Fassen Sie all das zusammen, und Sie haben alle Elemente, die erforderlich sind, um in der Partei eine Abweichung zum Trotzkismus konstatieren zu können.

Das ist auch begreiflich: Es kann nicht anders sein, als dass es beim Vorhandensein des kleinbürgerlichen Elements und bei dem Druck, den dieses Element auf unsere Partei ausübt, trotzkistische Tendenzen in unserer Partei gibt. Die Kader der Trotzkisten verhaften oder aus der Partei ausschließen - das ist eins. Mit der Ideologie des Trotzkismuss Schluss machen - das ist etwas anderes. Das dürfte schwieriger sein. Und wir sagen: Wo es eine rechte Abweichung gibt, dort muss es auch eine „linke“ Abweichung geben. Die „linke“ Abweichung ist der Schatten der rechten Abweichung. Lenin sagte im Hinblick auf die Otsowisten, dass die „Linken“ ebenfalls Menschewiki sind, nur umgestülpte. Das ist völlig richtig. Das gleiche gilt auch für die heutigen „Linken“. Leute mit einer Abweichung zum Trotzkismus sind im Grunde genommen ebenfalls Rechte, nur umgestülpte, Rechte, die sich hinter „linken“ Phrasen verbergen.

Daher der Kampf an zwei Fronten, sowohl gegen die rechte Abweichung als auch gegen die „linke“ Abweichung.

Man kann sagen: Wenn die „linke“ Abweichung im Grunde genommen dasselbe ist wie die opportunistische rechte Abweichung, wo ist denn dann der Unterschied zwischen ihnen und wo sind hier eigentlich zwei Fronten? In der Tat, wenn ein Sieg der Rechten die Erhöhung der Chancen für eine Restauration des Kapitalismus bedeutet, ein Sieg der „Linken“ aber zu den gleichen Resultaten führt, welchen Unterschied gibt es dann zwischen ihnen, und warum nennt man die einen Rechte, die anderen „Linke“? Und wenn es einen Unterschied zwischen ihnen gibt, worin besteht er dann? Stimmt es etwa nicht, dass beide Abweichungen die gleiche soziale Wurzel haben, dass sie beide kleinbürgerliche Abweichungen sind? Stimmt es etwa nicht, dass beide Abweichungen im Falle ihres Sieges zu ein und denselben Resultaten führen? Worin besteht denn dann der Unterschied zwischen ihnen?

Der Unterschied besteht darin, dass ihre Plattformen verschieden, ihre Forderungen verschieden, ihre Wege und Methoden verschieden sind.

Wenn die Rechten zum Beispiel sagen: „Man hätte das Dnjepr-Kraftwerk nicht bauen sollen“, die „Linken“ aber im Gegenteil einwenden: „Was nützt uns ein Dnjepr-Kraftwerk? Gebt uns jedes Jahr ein neues Dnjepr-Kraftwerk“ (Heiterkeit) - dann muss man zugeben, dass es offen-sichtlich einen Unterschied gibt.

Wenn die Rechten sagen: „Tastet den Kulaken nicht an, lasst ihn sich frei entwickeln“, die „Linken“ aber im Gegenteil einwenden: „Schlagt nicht nur den Kulaken, sondern auch den Mittelbauern, denn er ist ebenso ein Privateigentümer wie der Kulak“ - dann muss man zugeben, dass es offensichtlich einen Unterschied gibt.

Wenn die Rechten sagen: „Es sind Schwierigkeiten aufgetreten, ist es nicht an der Zeit, die Segel zu streichen“, die „Linken“ aber im Gegenteil einwenden: „Was kümmern uns die Schwierigkeiten, wir pfeifen auf eure Schwierigkeiten, wir fahren mit Volldampf voraus“ (Heiterkeit) - dann muss man zugeben, dass es offensichtlich einen Unterschied gibt.

Da haben Sie ein Bild von der spezifischen Plattform und den spezifischen Methoden der „Linken“. Daraus erklärt sich denn auch, dass es den „Linken“ zuweilen gelingt, einen Teil der Arbeiter mit Hilfe tönender „linker“ Phrasen auf ihre Seite zu locken und sich als die entschiedensten Gegner der Rechten aufzuspielen, obwohl alle Welt weiß, dass sie, die „Linken“, die gleichen sozialen Wurzeln haben wie die Rechten und dass sie nicht selten mit den Rechten ein Abkommen, einen Block schließen zum Kampf gegen die leninistische Linie.

Das ist der Grund, weshalb wir Leninisten den Kampf an zwei Fronten führen müssen - sowohl gegen die rechte Abweichung als auch gegen die „linke“ Abweichung.

Wenn aber die trotzkistische Tendenz eine „linke“ Abweichung darstellt, heißt das nicht, dass die „Linken“ weiter links stehen als der Leninismus? Nein, das heißt` es nicht. Der Leninismus ist die äußerste linke (ohne Anführungszeichen) Strömung in der internationalen Arbeiterbewegung. Wir Leninisten gehörten der II. Internationale bis zum Beginn des imperialistischen Krieges als äußerste linke Fraktion der Sozialdemokraten an. Wir blieben nicht in der II. Internationale, und wir propagierten die Spaltung in der 11. Internationale, weil wir eben als äußerste linke Fraktion nicht mit kleinbürgerlichen Verrätern des Marxismus, mit Sozialpazifisten und Sozialchauvinisten in einer Partei sein wollten.

Diese Taktik und diese Ideologie wurden später zur Grundlage der bolschewistischen Parteien der ganzen Welt. In unserer Partei sind wir Leninisten die einzigen Linken ohne Anführungszeichen. Daher sind wir Leninisten keine „Linken“ und keine Rechten in unserer eigenen Partei. Wir sind die Partei der Marxisten-Leninisten. Und wir kämpfen in unserer Partei nicht nur gegen diejenigen, die wir als offen opportunistische Abweichler bezeichnen, sondern auch gegen diejenigen, die „linker“ sein wollen als der Marxismus, „linker“ als der Leninismus und ihre rechte, opportunistische Natur hinter tönenden „linken“ Phrasen verbergen.

Ein jeder wird begreifen, dass es ironisch gemeint ist, wenn man Leute, die sich noch nicht von trotzkistischen Tendenzen befreit haben, als „Linke“ bezeichnet. Lenin nannte die „linken Kommunisten“ Linke, und zwar manchmal mit und manchmal ohne Anführungszeichen. Ein jeder wird aber begreifen, dass Lenin sie nur ironisch Linke nannte und damit unterstrich, dass sie nur in Worten, nur scheinbar Linke sind, in Wirklichkeit aber kleinbürgerliche rechte Tendenzen vertreten.

Wie kann von einer linken (ohne Anführungszeichen) Einstellung der trotzkistischen Elemente die Rede sein, wenn sie sich gestern noch mit offen opportunistischen Elementen in einem antileninistischen Block vereinigten und sich direkt und unmittelbar mit den antisowjetischen Schichten des Landes zusammenschlossen? Ist es denn nicht Tatsache, dass wir gestern noch einen offenen Block der „Linken“ und der Rechten gegen die leninistische Partei hatten und dass dieser Block ohne Zweifel von den bürgerlichen Elementen unterstützt wurde? Und ist das nicht ein Beweis dafür, dass sie, die „Linken“ und die Rechten, sich nicht in einem Block hätten vereinigen können, wenn sie nicht gemeinsame soziale Wurzeln hätten, wenn sie nicht von der gleichen opportunistischen Natur wären? Der Block der Trotzkisten ist vor einem Jahr zerfallen. Ein Teil der Rechten, wie Schatunowski, hat sich von dem Block abgekehrt. Die rechten Blockleute werden also von nun an eben als Rechte auftreten, und die „linken“ werden ihre rechte Einstellung hinter „linken“ Phrasen verbergen. Welche Garantie gibt es aber, dass die „Linken“ und die Rechten nicht wiederum zueinander finden? (Heiterkeit.) Es ist klar, dass es hier keine Garantie gibt noch geben kann.

Wenn wir aber für die Losung des Kampfes an zwei Fronten sind, heißt das nicht, dass wir damit die Notwendigkeit des Zentrismus in unserer Partei verkünden? Was heißt Kampf an zwei Fronten? Ist das nicht Zentrismus? Sie wissen, dass die Trotzkisten die Sache gerade so hinstellen: Es gibt, so meinen sie, „Linke“, das sind „wir“, die Trotzkisten, die „wahren Leninisten“; es gibt „Rechte“, das sind alle übrigen; schließlich gibt es „Zentristen“, die zwischen den „Linken“ und den Rechten hin und her schwanken. Kann man eine solche Auffassung von unserer Partei für richtig halten? Es ist klar, dass man das nicht kann. So können nur Leute reden, bei denen sich alle Begriffe verwirrt haben und die schon längst mit dem Marxismus gebrochen haben. So können nur Leute reden, die den prinzipiellen Unterschied zwischen der sozialdemokratischen Partei der Vorkriegsperiode, die eine Partei des Blocks proletarischer und kleinbürgerlicher Interessen war, und der Kommunistischen Partei, die eine aus einem Guss geformte Partei des revolutionären Proletariats ist, nicht sehen und nicht verstehen.

Der Zentrismus darf nicht als räumlicher Begriff betrachtet werden: An einer Stelle sitzen, sagen wir, die Rechten, an einer anderen die „Linken“ und in der Mitte die Zentristen. Zentrismus ist ein politischer Begriff. Seine Ideologie ist die Ideologie der Anpassung, die Ideologie der Unterordnung der proletarischen Interessen unter die Interessen der Kleinbourgeoisie innerhalb einer gemeinsamen Partei. Diese Ideologie ist dem Leninismus fremd und widerwärtig.

Der Zentrismus ist eine für die II. Internationale der Vorkriegszeit natürliche Erscheinung. Da gab es Rechte (die Mehrheit), da gab es Linke (ohne Anführungszeichen), und da gab es Zentristen, deren ganze Politik darin bestand, den Opportunismus der Rechten mit linken Phrasen zu verbrämen und die Linken den Rechten unterzuordnen.

Worin bestand damals die Politik der Linken, deren Kern die Bolschewiki bildeten? Im entschiedenen Kampf gegen die Zentristen, im Kampf für den Bruch mit den Rechten (besonders nach Beginn des imperialistischen Krieges) und in der Organisierung einer neuen, revolutionären Internationale aus wirklich linken, wirklich proletarischen Elementen.

Warum konnte damals eine solche Kräftegruppierung innerhalb der II. Internationale entstehen, und warum wurde eine solche Politik von den Bolschewiki in der II. Internationale verfolgt? Weil die II. Internationale damals eine Partei des Blocks proletarischer und kleinbürgerlicher Interessen zu Nutz und Frommen der kleinbürgerlichen Sozialpazifisten, Sozialchauvinisten war. Weil die Bolschewiki damals das Feuer auf die Zentristen konzentrieren mussten, die die proletarischen Elemente den Interessen der Kleinbourgeoisie unterzuordnen versuchten. Weil die Bolschewiki damals verpflichtet waren, die Idee der Spaltung zu propagieren, denn ohne dies hätten die Proletarier nicht ihre eigene, aus einem Guss geformte revolutionäre marxistische Partei zu organisieren vermocht.

Kann man behaupten, dass es in unserer Kommunistischen Partei die gleiche Kräftegruppierung gibt und dass in ihr die gleiche Politik betrieben werden muss, die die Bolschewiki in den Parteien der II. Internationale während der Vorkriegszeit betrieben haben? Es ist klar, dass man das nicht kann. Das kann man nicht, denn das hieße den prinzipiellen Unterschied nicht verstehen zwischen der Sozialdemokratie als einer Partei des Blocks proletarischer und kleinbürgerlicher Elemente und der aus einem Guss geformten Kommunistischen Partei des revolutionären Proletariats. Dort (bei der Sozialdemokratie) hatte die Partei eine bestimmte Klassengrundlage. Hier (bei den Kommunisten) hat die Partei eine völlig andere Grundlage. Dort (bei der Sozialdemokratie) war der Zentrismus eine natürliche Erscheinung, da eine Partei des Blocks verschiedenartiger Interessen nicht ohne Zentristen auskommen kann, und die Bolschewiki waren verpflichtet, auf die Spaltung hinzuarbeiten. Hier (bei den Kommunisten) ist der Zentrismus gegenstandslos und unvereinbar mit dem Leninschen Parteiprinzip, da die Kommunistische Partei eine aus einem Guss geformte Partei des Proletariats ist und nicht eine Partei des Blocks verschiedenartiger Klassenelemente.

Und da die herrschende Kraft in unserer Partei die äußerste linke Strömung der internationalen Arbeiterbewegung ist (Leninisten), hat eine Politik der Spaltung in unserer Partei vom Standpunkt des Leninismus keinerlei Berechtigung und kann sie nicht haben. (Zwischenruf: „Ist eine Spaltung in der Partei bei uns möglich oder nicht?“) Es geht nicht um die Möglichkeit einer Spaltung, sondern darum, dass eine Politik der Spaltung in unserer aus einem Guss geformten leninistischen Partei vom Standpunkt des Leninismus nicht zu rechtfertigen ist.

Wer diesen prinzipiellen Unterschied nicht begreift, der handelt dem Leninismus zuwider, der bricht mit dem Leninismus.

Deshalb glaube ich, dass nur Leute, die den Verstand verloren und die letzten Reste des Marxismus über Bord geworfen haben, ernsthaft behaupten können, dass die Poetik unserer Partei, die Politik des Kampfes an zwei Fronten, eine Politik des Zentrismus sei.

Lenin hat in unserer Partei den Kampf stets an zwei Fronten geführt, sowohl gegen die „linken“ als auch gegen die offen menschewistischen Abweichungen. Sehen Sie sich Lenins Schrift „Der ‚linke Radikalismus’, die Kinderkrankheit im Kommunismus“ an, betrachten Sie die Geschichte unserer Partei, und Sie werden begreifen, dass unsere Partei wuchs und erstarkte im Kampf gegen beide Abweichungen, sowohl gegen die rechte als auch gegen die „linke“. Kampf gegen die Otsowisten und die „linken“ Kommunisten einerseits, Kampf gegen die offen opportunistische Abweichung vor der Oktoberrevolution, während der Oktoberrevolution und danach anderseits - das sind die Phasen, die unsere Partei in ihrer Entwicklung durchlief. Allen bekannt sind Lenins Worte, dass wir den Kampf führen müssen sowohl gegen den offenen Opportunismus als auch gegen die „linken“ Doktrinäre.

Heißt das etwa, das Lenin ein Zentrist war, dass er eine Politik des Zentrismus betrieb? Es ist klar, dass es das nicht heißt.

Was stellen nun unsere rechten und „linken“ Abweichler dar?

Was die rechte Abweichung betrifft, so ist sie natürlich nicht das gleiche wie der Opportunismus der Sozialdemokraten in der Vorkriegszeit. Eine Abweichung zum Opportunismus ist noch nicht Opportunismus. Wir wissen, wie Lenin seinerzeit den Begriff Abweichung erklärte. Eine Abweichung nach rechts - das ist etwas, was noch nicht die Form des Opportunismus angenommen hat und was noch korrigiert werden kann. Deshalb darf man eine Abweichung nach rechts nicht mit vollendetem Opportunismus identifizieren.

Was die „linke“ Abweichung anbelangt, so ist sie gerade das Gegenteil von dem, was die äußersten Linken in der II. Internationale der Vorkriegszeit, das heißt die Bolschewiki, darstellten. Die „linken“ Abweichler sind nicht nur keine Linken ohne Anführungszeichen, sie sind im Grunde genommen ebenfalls Vertreter der rechten Abweichung, nur mit dem Unterschied, dass sie ihre wirkliche Natur unbewusst hinter „linken“ Phrasen verbergen. Es wäre ein Verbrechen an der Partei, nicht zu sehen, wie gewaltig der Unterschied zwischen den „linken“ Abweichlern und den wahren Leninisten, den einzigen Linken (ohne Anführungszeichen) in unserer Partei ist. (Zwischenruf: „Und die Legalisierung der Abweichungen?“) Wenn der offene Kampf gegen die Abweichungen ihre Legalisierung ist, dann muss man zugeben, dass Lenin sie längst „legalisiert“ hat.

Sie, diese Abweichler, sowohl die rechten als auch die „linken“, rekrutieren sich aus den verschiedenartigsten Elementen der nichtproletarischen Schichten, aus Elementen, die den Druck der kleinbürgerlichen Anarchie auf die Partei und die Zersetzung einzelner Glieder der Partei widerspiegeln. Ein Teil von Leuten, die aus anderen Parteien kommen; Leute mit trotzkistischen Tendenzen in der Partei; Splitter früherer Fraktionen in der Partei; verbürokratisierende (und schon verbürokratisierte) Parteimitglieder im Staats-, Wirtschafts-, Genossenschafts- und Gewerkschaftsapparat, die sich mit den ausgesprochen bürgerlichen Elementen dieser Apparate zusammenschließen; wohlhabende Parteimitglieder in unseren Dorforganisationen, die mit dein Kulakentum verwachsen usw. usf. - das ist der Nährboden für die Abweichungen von der leninistischen Linie. Es ist klar, dass diese Elemente nichts wirklich Linkes und Leninistisches aufnehmen können. Sie können nur eine offen opportunistische Abweichung nähren oder die so genannte „linke“ Abweichung, die ihren Opportunismus mit linken Phrasen maskiert.

Deshalb ist der Kampf an zwei Fronten die einzig richtige Politik der Partei.

Weiter. Ist es richtig, wenn in den Thesen gesagt wird, dass die Hauptmethode unseres Kampfes gegen die rechte Abweichung die Methode des voll entfalteten ideologischen Kampfes sein muss? Ich glaube, das ist richtig. Es wäre gut, sich hier der Erfahrungen des Kampfes gegen den Trotzkismus zu erinnern. Womit begannen wir den Kampf gegen ihn? Vielleicht mit organisatorischen Maßnahmen? Natürlich nicht! Wir begannen mit dem ideologischen Kampf. Dieser wurde bei uns von 1918 bis 1925 geführt. Bereits im Jahre 1924 nahmen unsere Partei und der V. Kongress der Komintern eine Resolution an über den Trotzkismus als kleinbürgerliche Abweichung. Dennoch saß Trotzki bei uns sowohl im ZK als auch im Politbüro. Ist das eine Tatsache oder nicht? Es ist eine Tatsache. Wir „duldeten“ also Trotzki und die Trotzkisten im ZK. Warum ließen wir ihr Verbleiben in den führenden Organen der Partei zu? Weil die Trotzkisten sich damals ungeachtet der Meinungsverschiedenheiten mit der Partei den Beschlüssen des ZK unterordneten und sich loyal verhielten. Wann begannen wir, in nennenswertem Maße organisatorische Maßnahmen anzuwenden? Erst nachdem die Trotzkisten sich zu einer Fraktion organisiert, ein eigenes fraktionelles Zentrum geschaffen, ihre Fraktion zu einer neuen Partei gemacht hatten und anfingen, zu antisowjetischen Demonstrationen aufzurufen.

Ich glaube, dass wir den gleichen Weg auch im Kampf gegen die rechte Abweichung gehen müssen. Die rechte Abweichung darf vorerst noch nicht als etwas betrachtet werden, was schon feste Form angenommen und sich herauskristallisiert hat, wenn sie sich auch in der Partei verstärkt. Sie nimmt erst feste Form an und kristallisiert sich erst heraus. Gibt es bei den rechten Abweichlern eine Fraktion? Ich glaube nicht. Kann man sagen, dass sie sich den Beschlüssen unserer Partei nicht unterordnen? Ich glaube, dass wir noch keinen Grund haben, sie dessen zu beschuldigen. Kann man behaupten, dass die rechten Abweichler sich unbedingt zu einer eigenen Fraktion organisieren werden? Ich zweifle daran. Daher die Schlussfolgerung: Die Hauptmethode unseres Kampfes gegen die rechte Abweichung muss im gegenwärtigen Stadium die Methode des voll entfalteten ideologischen Kampfes sein. Dies ist umso richtiger, als bei manchen Mitgliedern unserer Partei die entgegengesetzte Tendenz besteht - den Kampf gegen die rechte Abweichung nicht mit dem ideologischen Kampf, sondern mit organisatorischen Maßnahmen zu beginnen. Sie sagen direkt: Überlasst uns so 10 oder 20 Mann von diesen Rechten, wir zerfetzen sie im Nu und machen so Schluss mit der rechten Abweichung. Ich bin der Meinung, Genossen, dass solche Stimmungen falsch und gefährlich sind. Gerade um uns nicht von solchen Stimmungen treiben zu lassen, sondern den Kampf gegen die rechte Abweichung ins richtige Geleise zubringen, gerade darum müssen wir klar und entschieden sagen, dass die Hauptmethode unseres Kampfes gegen die rechte Abweichung im gegenwärtigen Stadium der ideologische Kampf ist.

Heißt das nun, dass wir organisatorische Maßnahmen überhaupt ablehnen? Nein, das heißt es nicht. Aber das heißt zweifellos, dass organisatorische Maßnahmen hier eine untergeordnete Rolle spielen müssen und dass wir die rechten Abweichler, wenn sie die Parteibeschlüsse nicht verletzen, nicht aus diesen oder jenen leitenden Organisationen und Institutionen hinauswerfen sollen. (Zwischenruf: „Und die Moskauer Praxis?“)

Ich glaube, dass wir unter den führenden Moskauer Genossen keine Rechten hatten. Was dort vorlag, war ein falsches Verhalten zu den rechten Stimmungen. Am ehesten kann man sagen, dass es dort eine versöhnlerische Tendenz gab. Ich kann aber nicht sagen, dass im Moskauer Komitee eine rechte Abweichung bestand. (Zwischenruf: „Aber einen organisatorischen Kampf gab es?“)

Einen organisatorischen Kampf gab es, wenn er auch einen untergeordneten Platz einnahm. Es gab ihn, weil in Moskau auf der Grundlage der Selbstkritik Neuwahlen stattfinden und die Bezirksaktivs das Recht haben, ihre Sekretäre abzusetzen. (Heiterkeit.) (Zwischenruf: „Waren denn Neuwahlen der Sekretäre bei uns angesetzt?“) Niemand hat die Neuwahl der Sekretäre verboten. Wir haben den Juni-Aufruf des ZK, in dem es ausdrücklich heißt, dass die Entfaltung der Selbstkritik zu einer leeren Phrase werden kann, wenn den unteren Organisationen nicht das Recht gewährleistet ist, jeden beliebigen Sekretär, jedes beliebige Parteikomitee abzusetzen. Was können Sie gegen einen solchen Aufruf einwenden? (Zwischenruf: „Vor der Parteikonferenz?“) Ja, auch vor der Parteikonferenz.

Ich sehe ein Augurenlächeln auf den Gesichtern mancher Genossen. Das ist schlecht, Genossen. Ich sehe, dass manche von Ihnen den sehnlichen Wunsch haben, diese oder jene Vertreter der rechten Abweichung so rasch wie möglich ihrer Posten zu entheben. Aber das ist keine Lösung der Frage, liebe Genossen. Natürlich ist es leichter, Postenenthebungen vorzunehmen, als eine breit angelegte und wohldurchdachte Aufklärungskampagne über die rechte Abweichung, über die rechte Gefahr und über den Kampf gegen sie durchzuführen. Das Leichteste ist aber nicht das Beste. Bemühen Sie sich einmal, eine breit angelegte Aufklärungskampagne gegen die rechte Gefahr zu organisieren, bemühen Sie sich, dafür keine Zeit zu sparen, und dann werden Sie sehen, je breiter und tiefer diese Kampagne ist, um so schlimmer wird es für die rechte Abweichung sein. Deshalb glaube ich, dass im Mittelpunkt unseres Kampfes gegen die rechte Abweichung der ideologische Kampf stehen muss.

Was das Moskauer Komitee betrifft, so weiß ich nicht, was man dem noch hinzufügen soll, was Uglanow in seinem Schlusswort auf dem Plenum des Moskauer Komitees und der Moskauer Kontrollkommission der KPdSU(B) gesagt hat. Er erklärte unumwunden:

„Wenn ich ein wenig an die Geschichte zurückdenke, daran zurückdenke, wie ich mich 1921 in Leningrad mit Sinowjew herumschlug, so gab es damals eine etwas heftigere ‚Keilerei’. Damals gingen wir als Sieger hervor, weil wir im Recht waren. Jetzt wurden wir geschlagen, weil wir uns geirrt haben. Das wird uns eine Lehre sein.“

Daraus geht hervor, dass Uglanow den Kampf jetzt ebenso führte, wie er ihn seinerzeit gegen Sinowjew geführt hat. Gegen wen führte er denn eigentlich in der letzten Zeit den Kampf? Offenbar gegen die Politik des ZK. Gegen wen denn sonst? Auf welcher Basis konnte dieser Kampf geführt werden? Offenbar auf der Basis des Versöhnlertums gegenüber der rechten Abweichung.

Deshalb heben die Thesen ganz richtig die Notwendigkeit des Kampfes gegen das Versöhnlertum gegenüber den Abweichungen von der leninistischen Linie, besonders aber gegen das Versöhnlertum gegenüber der rechten Abweichung, als eine der aktuellen Aufgaben unserer Partei hervor.

Schließlich die letzte Frage. In den Thesen heißt es, dass wir gegenwärtig die Notwendigkeit des Kampfes gegen die rechte Abweichung besonders hervorheben müssen. Was heißt das? Das heißt, dass die rechte Gefahr gegenwärtig die Hauptgefahr in unserer Partei ist. Den Kampf gegen die trotzkistischen Tendenzen, und zwar einen konzentrierten Kampf, führen wir nunmehr schon ein Jahrzehnt lang. Das Ergebnis dieses Kampfes ist die Zerschlagung der Hauptkader des Trotzkismus. Man kann nicht sagen, dass der Kampf gegen die offen opportunistische Abweichung in der letzten Zeit ebenso intensiv geführt worden wäre. Und er wurde deshalb nicht besonders intensiv geführt, weil sich die rechte Abweichung bei uns noch im Zustand der Herausbildung und Kristallisierung befindet, wobei sie erstarkt und anwächst angesichts des Erstarkens der kleinbürgerlichen Anarchie, die im Zusammenhang mit unseren Schwierigkeiten bei der Getreidebeschaffung größer geworden ist. Deshalb muss der Hauptschlag gegen die rechte Abweichung gerichtet werden.

Zum Schluss, Genossen, möchte ich noch eine Tatsache hervorheben, von der hier nicht gesprochen wurde und die meines Erachtens von nicht geringer Bedeutung ist. Wir, die Mitglieder des Politbüros, haben Ihnen unsere Thesen über die Kontrollzahlen vorgelegt. Ich habe diese Thesen in meiner Rede als unbedingt richtig verteidigt. Ich spreche nicht von einzelnen Verbesserungen, die an diesen Thesen vorgenommen werden können. Dass sie aber im Wesentlichen richtig sind und uns eine richtige Durchführung der leninistischen Linie gewährleisten - darüber kann es keinen Zweifel geben. Und ich muss Ihnen erklären, dass wir diese Thesen im Politbüro einstimmig angenommen haben. Ich glaube, dass diese Tatsache von einiger Bedeutung ist in Anbetracht der Gerüchte, die immer wieder von verschiedenen übel wollenden Elementen, Gegnern und Feinden unserer Partei in unseren Reihen verbreitet werden. Ich denke da an die Gerüchte, wonach es bei uns, im Politbüro, eine rechte Abweichung, eine „linke“ Abweichung, Versöhnlertum und, der Teufel weiß, was noch alles geben soll. Mögen diese Thesen ein weiterer, hundertster oder hundertunderster Beweis dafür sein, dass wir uns im Politbüro alle einig sind.

 

 

Band 11, Seite 280 - 284

SO TIEF SIND SIE GESUNKEN

1929

 

Die Notwendigkeit, die Frage der illegalen trotzkistischen Organisation mit aller Klarheit zu behandeln, wird diktiert durch die ganze Tätigkeit, die diese. in letzter Zeit entfaltet hat und die die Partei und die Sowjetmacht zwingt, sich den Trotzkisten gegenüber prinzipiell anders zu verhalten, als es die Partei vor dem XV. Parteitag tat.

Das offene Auftreten der Trotzkisten auf der Straße am 7. November 1927 war der Wendepunkt, an dem die trotzkistische Organisation zeigte, dass sie nicht nur mit der Partei, sondern auch mit dem Sowjetregime bricht.

Diesem Auftreten ging eine ganze Reihe parteifeindlicher und sowjetfeindlicher Handlungen voraus: die gewaltsame Beschlagnahme eines staatlichen Gebäudes für eine Versammlung (Moskauer Technische Hochschule), die Organisierung illegaler Druckereien usw. Vor dem XV. Parteitag jedoch ergriff die Partei gegenüber der trotzkistischen Organisation immer noch Maßnahmen, die davon zeugten, dass die Parteiführung den Trotzkisten helfen wollte, sich zu bessern, dass sie ihnen helfen wollte, ihre Fehler zu erkennen und auf den Weg der Partei zurückzufinden. Mehrere Jahre hindurch, beginnend mit der Diskussion von 1923, verfolgte die Partei geduldig diese Linie - die Linie hauptsächlich des ideologischen Kampfes. Und selbst auf dem XV. Parteitag war noch von eben diesen Maßnahmen gegen die trotzkistischeOrganisation die Rede, obgleich die Trotzkisten „von Meinungsverschiedenheiten taktischen Charakters zu Meinungsverschiedenheiten programmatischen Charakters übergegangen sind, Lenins Anschauungen revidieren und auf die Position des Menschewismus hinab geglitten sind“. (Resolution des XV. Parteitags.)

Die Resolution des XV. Parteitags „Über die Opposition“ siehe in „Die KPdSU(B) in Resolutionen und Beschlüssen der Parteitage, Parteikonferenzen und Plenartagungen des ZK“, Teil II, 1941, S. 259-261 (russ.).

Das seit dem XV. Parteitag vergangene Jahr hat gezeigt, dass der Beschluss des XV. Parteitags, der die aktiven Trotzkisten aus der Partei ausschloss, richtig war. Im Laufe des Jahres 1928 verwandelten sich die Trotzkisten vollends aus einer illegalen parteifeindlichen Gruppe in eine illegale antisowjetische Organisation. Darin besteht das Neue, das die Organe der Sowjetmacht im Laufe des Jahres 1928 zwang, Repressalien gegen die Funktionäre dieser illegalen antisowjetischen Organisation zu ergreifen.

Die Machtorgane der proletarischen Diktatur können es nicht zulassen, dass im Lande der Diktatur des Proletariats eine illegale antisowjetische Organisation besteht, die, wenn auch ihrer Mitgliederzahl nach völlig unbedeutend, doch immerhin über eigene Druckereien, eigene Komitees verfügt, die antisowjetische Streiks zu organisieren versucht und so tief sinkt, dass sie ihre Anhänger für einen Bürgerkrieg gegen die Organe der proletarischen Diktatur vorbereitet. Aber eben so tief sind die Trotzkisten gesunken, die ehemals eine Fraktion innerhalb der Partei waren und jetzt zu einer illegalen antisowjetischen Organisation geworden sind.

Es versteht sich, dass alles, was im Lande sowjetfeindlich, was menschewistisch ist, seine Sympathie für die Trotzkisten zum Ausdruck bringt und sich jetzt um die Trotzkisten gruppiert.

Der Kampf der Trotzkisten gegen die KPdSU(B) hatte seine eigene Logik, und diese Logik hat die Trotzkisten in das antisowjetische Lager geführt. Trotzki begann damit, dass er im Januar 1928 seinen Gesinnungsgenossen riet, den Schlag gegen die Führung der KPdSU(B) zu richten, ohne sich in Gegensatz zur UdSSR zu stellen. Die Logik des Kampfes hat jedoch dazu geführt, dass Trotzki seine Schläge gegen die Führung der KPdSU(B), gegen die führende Kraft der proletarischen Diktatur unvermeidlich gegen die Diktatur des Proletariats selbst, gegen die UdSSR, gegen unsere gesamte Sowjetgesellschaft richtete.

Die Trotzkistenn versuchten, die im Lande führende Partei und die Organe der Sowjetmacht in den Augen der Arbeiterklasse mit allen Mitteln zu diskreditieren. In einem Direktivschreiben vom 21.10.1928, das ins Ausland geschickt und nicht nur im Presseorgan des Renegaten Maslow, sondern auch in weißgardistischen Organen („Rulj“u. a.)

„Rulj“ (Das Steuer) - Zeitung der kadettischen weißen Emigranten, die von November 1920 bis Oktober 1931 in Berlin erschien.

veröffentlicht wurde, stellt Trotzki die verleumderische sowjetfeindliche Behauptung auf, dass die in der UdSSR bestehende Ordnung ein „umgestülptes Kerenskiregime“ sei, ruft er zur Organisierung von Streiks, zur Hintertreibung der Kampagne für den Abschluss von Kollektivverträgen auf und bereitet im Grunde genommen seine Kader auf die Möglichkeit eines neuen Bürgerkriegs vor.

Andere Trotzkisten erklären direkt, man solle bei der Vorbereitung zum Bürgerkrieg „vor nichts, vor keinerlei geschriebenen oder ungeschriebenen Gesetzen haltmachen“.

Die Verleumdungen über die Rote Armee und ihre Führer, die von den Trotzkisten in der illegalen und ausländischen Renegatenpresse - und über diese in der weißgardistischen Presse des Auslands - verbreitet werden, zeugen davon, dass die Trotzkisten nicht davor haltmachen, die internationale Bourgeoisie direkt gegen den Sowjetstaat aufzuhetzen. Die Rote Armee und ihre Führer werden in diesen Dokumenten als die Armee eines künftigen bonapartistischen Umsturzes hingestellt. Dabei versucht die trotzkistische Organisation einerseits, die Sektionen der Komintern zu spalten, Zersetzung in die Reihen der Komintern zu tragen und überall ihre Fraktionen zu bilden, anderseits hetzt sie die dem Sowjetstaat ohnehin feindlichen Elemente gegen die UdSSR auf.

Die revolutionären Phrasen in den trotzkistischen Schriften können das konterrevolutionäre Wesen der trotzkistischen Aufrufe bereits nicht mehr verbergen. Lenin warnte die Partei auf dein X. Parteitag im Zusammenhang mit der Kronstädter Meuterei, dass selbst „die Weißgardisten bestrebt sind und es verstehen, sich einen solchen Anstrich zu geben, dass sie als Kommunisten erscheinen, ja sogar ‚linker’ als die Kommunisten, nur um es zuwege zu bringen, das Bollwerk der proletarischen Revolution in Rußland zu schwächen und zu stürzen“. Lenin führte damals auch als Beispiel an, wie die Menschewiki die Meinungsverschiedenheiten innerhalb der KPR(B) ausnutzten, um die Kronstädter Meuterer, die Sozial-revolutionäre und Weißgardisten, faktisch vorwärtszutreiben und zu unterstützen, wobei sie sich für den Fall eines Scheiterns der Meuterei als Anhänger der Sowjetmacht, nur einer Sowjetmacht mit angeblich kleinen Korrekturen, ausgaben.

W.I. Lenin, „Ursprünglicher Entwurf der Resolution des X. Parteitags der KPR über die Einheit der Partei“ (siehe „Werke“, 4. Ausgabe, Bd. 32, S. 217/218 [deutsch in „Ausgewählte Werke“ in zwei Bänden, Bd. II, S. 801/802]).

Die illegale Organisation der Trotzkisten hat voll und ganz bewiesen, dass sie eine solche maskierte Organisation ist, die gegenwärtig alle der proletarischen Diktatur feindlichen Elemente um sich konzentriert. Die trotzkistische Organisation spielt jetzt faktisch die gleiche Rolle, die seinerzeit in der UdSSR die Partei der Menschewiki in ihrem Kampf gegen das Sowjetregime spielte.

Die Unterminierungsarbeit der trotzkistischen Organisation erfordert von den Organen der Sowjetmacht einen schonungslosen Kampf gegen diese antisowjetische Organisation. Hieraus erklären sich die in letzter Zeit von der OGPU ergriffenen Maßnahmen zur Liquidierung dieser antisowjetischen Organisation (Verhaftungen und Ausweisungen).

Offenbar legen sich bei weitem nicht alle Mitglieder der Partei klare Rechenschaft darüber ab, dass zwischen der früheren trotzkistischen Opposition innerhalb der KPdSU(B) und der heutigen illegalen antisowjetischen trotzkistischen Organisation außerhalb der KPdSU(B) bereits ein unüberbrückbarer Abgrund liegt. Indes wäre es an der Zeit, diese offenkundige Wahrheit zu begreifen und sie sich zu Eigen zu machen. Daher ist das „liberale“ Verhalten gegenüber Funktionären der illegalen trotzkistischen Organisation, das einzelne Parteimitglieder zuweilen an den Tag legen, völlig unzulässig. Darüber müssen sich alle Mitglieder der Partei klar werden. Mehr noch, dem ganzen Lande, den breiten Schichten der Arbeiter und Bauern muss klargemacht werden, dass die illegale trotzkistische Organisation eine antisowjetische Organisation, eine der proletarischen Diktatur feindliche Organisation ist.

Mögen diejenigen Trotzkisten, die noch auf halbem Wege stehen, gleichfalls diese neue Lage bedenken, die durch ihre Führer und durch die Tätigkeit der illegalen antisowjetischen trotzkistischen Organisation hervorgerufen worden ist.

Eins von beiden: Entweder mit der illegalen trotzkistischen antisowjetischen Organisation gegen die KPdSU(B) und gegen die proletarische Diktatur in der UdSSR oder völliger Bruch mit der illegalen antisowjetischen Organisation der Trotzkisten und völliger Verzicht auf jedwede Unterstützung dieser Organisation.

 

Band 12, Seite 69 - 70

ÜBER DIE
RECHTE ABWEICHUNG IN DER KPdSU(B)

IV
DIE MEINUNGSVERSCHIEDENHEITEN IN DEN FRAGEN
DER INNEREN POLITIK

1929

 

Es ist klar, dass man das Auftreten Bucharins gegen Lenin nicht für einen Zufall halten darf.

Es stellt sich somit heraus, dass Bucharin und nicht Lenin Recht hat, dass nicht Lenin, sondern Bucharin der Inspirator der marxistischen Staatstheorie ist.

Das, Genossen, ist das Bild der theoretischen Verrenkungen und der theoretischen Prätensionen Bucharins.

Und dieser Mensch besitzt die Kühnheit, nach all dem hier in seiner Rede zu sagen, dass in der theoretischen Einstellung unserer Partei „etwas faul“ sei, dass es in der theoretischen Einstellung unserer Partei eine Abweichung zum Trotzkismus gebe!

Und das sagt derselbe Bucharin, der eine Reihe gröbster theoretischer und praktischer Fehler begeht (und in der Vergangenheit begangen hat), der noch vor kurzem ein Schüler Trotzkis war, der noch gestern einen Block mit den Trotzkisten gegen die Leninisten anstrebte und durch die Hintertür zu ihnen schlich!

Ist das denn nicht lächerlich, Genossen?

(...)

Seite 87:

Bucharin sagte, dass es bei uns in der Partei keine Opposition gebe, dass sie, die Bucharingruppe, keine Opposition darstelle. Das stimmt nicht, Genossen. Aus der Diskussion auf dem Plenum ging mit aller Deutlichkeit hervor, dass wir es bei der Bucharingruppe mit einer neuen Opposition zu tun haben. Die oppositionelle Tätigkeit dieser Gruppe besteht darin, dass sie versucht, die Linie der Partei zu revidieren, dass sie versucht, die Linie der Partei zu ändern, und den Boden dafür bereitet, die Linie der Partei durch eine andere Linie, die Linie der Opposition, zu ersetzen, die nichts anderes sein kann als eine Linie der rechten Abweichung.

Hat es Fälle gegeben, dass Trotzkisten oder Sinowjewleute versucht hätten, diesen ernsten Aufstand in Kronstadt gegen das ZK, gegen die Partei auszunutzen? Man muss zugeben, Genossen, dass es solche Fälle nicht gegeben hat. Im Gegenteil, die oppositionellen Gruppen, die wir in der Periode dieses ernsten Aufstands in der Partei hatten, halfen der Partei, ihn niederzuwerfen, und wagten es nicht, ihn gegen die Partei auszunutzen.

Wie aber verhält sich jetzt die Bucharingruppe? Sie hatten bereits Gelegenheit, sich davon zu überzeugen, dass sie versucht, diesen mikroskopischen „Aufstand“ in Adsharien in erbärmlichster, schändlichster Weise gegen die Partei auszunutzen. Was ist das anders als fraktionelle Verblendung und fraktionelle Niedertracht in höchstem Grade?

Rykow hat hier beteuert, dass Bucharin in seinem Verhalten zum ZK unserer Partei eins der „untadligsten“ und „loyalsten“ Parteimitglieder sei.

Gestatten Sie, das zu bezweifeln. Wir können Rykow nicht aufs Wort glauben. Wir verlangen Tatsachen. Aber gerade Tatsachen kann Rykow nicht anführen.

Nehmen wir zum Beispiel eine Tatsache wie die hinter den Kulissen geführten Verhandlungen Bucharins mit der Kamenewgruppe, die mit den Trotzkisten in Verbindung steht, Verhandlungen über die Organisierung eines fraktionellen Blocks, über die Änderung der Politik des ZK, über die Änderung der Zusammensetzung des Politbüros, über die Ausnutzung der Getreidebeschaffungskrise zu einem Vorstoß gegen das ZK. Es fragt sich, wo bleibt denn hier die „Loyalität“, die „Untadligkeit“ Bucharins im Verhalten zu seinem ZK?

Ist das nicht im Gegenteil Verletzung jeder Loyalität durch ein Mitglied des Politbüros gegenüber seinem ZK, gegenüber seiner Partei? Wenn sich das Loyalität gegenüber dem ZK nennt, was nennt sich dann Verrat an seinem ZK?

 

 

Band 12

POLITISCHER RECHENSCHAFTSBERICHT
DES ZENTRALKOMITEES
AN DEN XVI. PARTEITAG DER KPdSU(B

(Auszüge - den Trotzkismus betreffend)

 

b) Ist aber überhaupt eine Offensive, und zwar eine Offensive an der ganzen Front unter den Bedingungen der NÖP zulässig?

Manche glauben, die Offensive sei unvereinbar mit der NÖP, die NÖP sei im Wesen der Sache ein Rückzug, und da der Rückzug beendet sei, müsse mit der NÖP Schluss gemacht werden. Das ist natürlich Unsinn. Ein Unsinn, ausgehend entweder von den Trotzkisten, die vom Leninismus nichts begriffen haben und die NÖP „im Handumdrehen“ „abschaffen“ möchten, oder von den Rechtsopportunisten, die ebenfalls vom Leninismus nichts begriffen haben und glauben, durch ihr Geschwätz von der „Gefahr der Abschaffung der NÖP“ sich den Verzicht auf die Offensive erhandeln zu können. Wenn es bei der NÖP mit dem Rückzug sein Bewenden hätte, dann hätte Lenin auf dem XI. Parteitag, als die NÖP bei uns mit aller Konsequenz durchgeführt wurde, nicht gesagt, dass der „Rückzug beendet ist“. Hat Lenin, als er von der Beendigung des Rückzuges sprach, denn nicht gleichzeitig erklärt, dass wir die NÖP „ernstlich und auf lange“ durchführen wollen? Man braucht nur diese Frage zu stellen, um die ganze Ungereimtheit des Geschwätzes von der Unvereinbarkeit der NÖP mit einer Offensive zu begreifen. In Wirklichkeit sieht die NÖP nicht nur einen Rückzug und die Zulassung einer Belebung des Privathandels vor, die Zulassung einer Belebung des Kapitalismus bei Sicherung einer regulierenden Rolle des Staates (Anfangsstadium der NÖP). In Wirklichkeit sieht die NÖP gleichzeitig in einem bestimmten Entwicklungsstadium die Offensive des Sozialismus gegen die kapitalistischen Elemente vor, die Einengung des Betätigungsfeldes des Privathandels, die relative und absolute Einschränkung des Kapitalismus, das wachsende Übergewicht des vergesellschafteten Sektors über den nicht vergesellschafteten Sektor, den Sieg des Sozialismus über den Kapitalismus (gegenwärtiges Stadium der NÖP). Die NÖP wurde eingeführt im Interesse des Sieges des Sozialismus über die kapitalistischen Elemente. Mit dem Übergang zur Offensive an der ganzen Front schaffen wir die NÖP noch nicht ab, denn der Privathandel und die kapitalistischen Elemente bleiben noch bestehen, der „freie“ Warenumsatz bleibt noch bestehen - wir machen aber eindeutig Schluss mit dem Anfangsstadium der NÖP, indem wir ihr nächstes Stadium entwickeln, das gegenwärtige Stadium der NÖP, das das letzte Stadium der NÖP ist.

(...)

Seite 271

Was wäre geschehen, wenn wir auf die Rechtsopportunisten aus der Gruppe Bucharins gehört hätten, wenn wir auf die Offensive verzichtet, das Entwicklungstempo der Industrie gedrosselt, die Entwicklung der Kollektivwirtschaften und Sowjetwirtschaften gehemmt und uns auf die individuelle Bauernwirtschaft gestützt hätten?

Wir wären unweigerlich mit unserer Industrie gescheitert, hätten die Sache der sozialistischen Rekonstruktion der Landwirtschaft zugrunde gerichtet, wären ohne Getreide geblieben und hätten der Vorherrschaft des Kulakentums den Weg geebnet. Wir säßen jetzt vor einem Scherbenhaufen.

Was wäre geschehen, wenn wir auf die „linken“ Opportunisten aus der Gruppe Trotzki-Sinowjew gehört und die Offensive 1926/27 eröffnet hätten, als wir keine Möglichkeit besaßen, die kulakische Produktion durch die Produktion der Kollektiv- und Sowjetwirtschaften zu ersetzen?

Wir hätten dabei unweigerlich Fiasko erlitten, hätten unsere Schwäche demonstriert, die Positionen des Kulakentums und der kapitalistischen Elemente überhaupt gestärkt, den Mittelbauern dem Kulaken in die Arme getrieben, wir hätten unseren sozialistischen Aufbau vereitelt und wären ohne Getreide geblieben. Wir säßen jetzt vor einem Scherbenhaufen.

Die Resultate wären die gleichen.

Nicht umsonst sagen unsere Arbeiter: „Gehst du nach ‚links', kommst du nach rechts.“ (Beifall.)

Das Wesen der bolschewistischen Offensive besteht schließlich darin, dass man die Partei selbst zur Organisierung der Offensive in ihrer Gesamtheit mobilisiert; dass man die Parteiorganisationen festigt und ihnen die nötige Schärfe verleiht, indem man die Elemente des Bürokratismus und der Entartung aus ihnen vertreibt; dass man die Träger der rechten und der „linken“ Abweichung, der Abweichung von der Leninschen Linie, isoliert und beiseite drängt und wirkliche, standhafte Leninisten aufrücken lässt.

(...) Seite 300

Die Kapitalisten und ihre Lakaien schmähen unsere Partei - folglich ist die Generallinie unserer Partei richtig. (Beifall.)

Davon zeugt das jetzt allen bekannte Schicksal des Trotzkismus. Die Herrschaften aus dem Lager der Trotzkisten schwatzten von einer „Entartung“ der Sowjetmacht, von einem „Thermidor“, von einem „unausbleiblichen Sieg“ des Trotzkismus usw. Was aber ist tatsächlich eingetreten? Eingetreten ist der Zerfall, das Ende des Trotzkismus. Ein Teil der Trotzkisten hat bekanntlich mit dem Trotzkismus gebrochen, hat in zahlreichen Erklärungen seiner Vertreter bekannt, dass die Partei im Recht ist, und hat den konterrevolutionären Charakter des Trotzkismus bescheinigt. Der andere Teil der Trotzkisten ist tatsächlich zu typischen kleinbürgerlichen Konterrevolutionären entartet und hat sich praktisch in ein Büro verwandelt, das der kapitalistischen Presse Spitzelinformationen über die KPdSU(B) liefert. Die Sowjetmacht dagegen, die „entarten“ sollte (oder „bereits entartet ist“), erfreut sich nach wie vor bester Gesundheit, arbeitet nach wie vor am Aufbau des Sozialismus und bricht mit Erfolg den kapitalistischen Elementen unseres Landes sowie ihren kleinbürgerlichen Nachbetern das Rückgrat.

Davon zeugt das jetzt allgemein bekannte Schicksal der rechten Abweichler. Sie zeterten und schwatzten von „Verderblichkeit“ der Parteilinie, von einer „wahrscheinlichen Katastrophe“ in der UdSSR, von der Notwendigkeit, das Land vor der Partei und ihrer Führung zu „retten usw. Was aber ist tatsächlich eingetreten? Tatsächlich hat die Partei an allen Fronten des sozialistischen Aufbaus größte Erfolge erzielt, während die Gruppe der rechten Abweichler, die das Land „retten“ wollte, dann aber die Fehlerhaftigkeit ihrer Auffassungen zugab, jetzt auf der Sandbank sitzt.

(...) Seite 306 - 307

Bekanntlich hat Trotzki diese Kapitulantentheorie der erlöschenden Kurve in seinem Büchlein „Zum Sozialismus oder zum Kapitalismus?“ speziell verteidigt. Er sagt dort direkt: Da „vor dem Kriege die Erweiterung der Industrie im Wesentlichen im Bau neuer Betriebe bestand“, während „in unserer Zeit die Erweiterung in viel höherem Grade in der Ausnutzung der alten Werke und der vollen Belastung der alten Anlagen besteht“, so „ist es folglich natürlich, dass mit Abschluss des Wiederherstellungsprozesses der Wachstumskoeffizient bedeutend sinken muss“, wobei er vorschlägt, „in den nächsten Jahren den industriellen Wachstumskoeffizienten nicht nur auf das Doppelte, sondern auch auf das Dreifache der 6 Prozent vor dem Kriege und vielleicht noch mehr zu steigern“.

Also dreimal 6 Prozent an jährlichem Zuwachs der Industrie. Wie viel macht das aber aus? Nur 18 Prozent Zuwachs pro Jahr. Demnach halten die Trotzkisten einen Jahreszuwachs der staatlichen Industrieproduktion von 18 Prozent für das Höchstmögliche dessen, was der Planung im Interesse eines beschleunigten Entwicklungstempos in der Periode der Rekonstruktion zugrunde gelegt werden kann und als Ideal angestrebt werden sollte. Man vergleiche diese Knickerweisheit der Trotzkisten mit dem tatsächlichen Zuwachs der Produktion in den letzten drei Jahren (1927/28 - 26,3 Prozent, 1928/29 - 24,3 Prozent, 1929/30 - 32 Prozent), man vergleiche diese Kapitulantenphilosophie der Trotzkisten mit den von der Staatlichen Plankommission für 1930/31 veranschlagten Kontrollzahlen: 47 Prozent Zuwachs, also mehr als zur Zeit der raschesten Produktionszunahme in der Wiederherstellungsperiode - und man wird den ganzen reaktionären Charakter der trotzkistischen Theorie von der „erlöschenden Kurve“, die ganze Tiefe des Unglaubens der Trotzkisten an die Möglichkeiten der Rekonstruktionsperiode ermessen können.

Hier liegt die Ursache dafür, dass die Trotzkisten jetzt lamentieren über die „Maßlosigkeit“ des bolschewistischen Tempos in der Entwicklung der Industrie und des kollektivwirtschaftlichen Aufbaus.

Hier liegt die Ursache dafür, dass man die Trotzkisten heute nicht mehr von unseren rechten Abweichlern unterscheiden kann.

Selbstverständlich hätten wir ohne Zertrümmerung der trotzkistisch-rechtsabweichlerischen Theorie der „erlöschenden Kurve“ weder eine tatsächliche Planung noch eine Steigerung des Tempos und eine Verkürzung der Baufristen erreichen können. Um die Verwirklichung der Generallinie der Partei zu leiten, um den Fünfjahrplan des Aufbaus zu berichtigen und zu verbessern, um das Tempo zu erhöhen und Fehler im Aufbau zu verhüten, musste man vor allem die reaktionäre Theorie der „erlöschenden Kurve“ zerschlagen und liquidieren.

Wie schon früher gesagt, hat das ZK dementsprechend gehandelt.

(...) Seite 309 - 313

Kann man einen erfolgreichen Kampf gegen die Klassenfeinde führen, ohne gleichzeitig gegen die Abweichungen in unserer Partei zu kämpfen, ohne diese Abweichungen zu überwinden? Nein, das geht nicht. Das geht nicht, weil es unmöglich ist, einen wirklichen Kampf gegen die Klassenfeinde zu entfalten, wenn man im Rücken ihre Agenten hat, wenn man Leute im Rücken belässt, die nicht an unsere Sache glauben und in jeder Weise bestrebt sind, unseren Vormarsch zu hemmen.

Daher der unversöhnliche Kampf gegen die Abweichungen von der Leninschen Linie als nächste Aufgabe der Partei.

Warum ist jetzt die rechte Abweichung die Hauptgefahr in der Partei? Weil diese Abweichung die Kulakengefahr widerspiegelt, die Kulakengefahr aber im gegenwärtigen Moment, im Augenblick der entfalteten Offensive und der Ausrodung der Wurzeln des Kapitalismus, die größte Gefahr im Lande ist.

Was musste das ZK tun, um die rechte Abweichung zu überwinden, der „linken“ Abweichung den Rest zu geben und den Weg frei zu machen für den maximalen Zusammenschluss der Partei um die Leninsche Linie?

a) Es galt vor allem aufzuräumen mit den Überresten des Trotzkismus in der Partei, mit den Überbleibseln der trotzkistischen Theorie. Die trotzkistische Gruppe als Opposition haben wir schon lange zerschlagen und hinausgeworfen. Jetzt stellt die trotzkistische Gruppe eine antiproletarische und sowjetfeindliche, konterrevolutionäre Gruppe dar, die der Bourgeoisie in Angelegenheiten unserer Partei geflissentlich als Spitzelagentur dient. Aber die Überreste der trotzkistischen Theorie, die Überbleibsel des Trotzkismus sind aus der Partei noch nicht ganz verschwunden. Also galt es vor allem mit diesen Überresten aufzuräumen.

Worin besteht das Wesen des Trotzkismus?

Das Wesen des Trotzkismus besteht vor allem darin, dass er die Möglichkeit leugnet, den Sozialismus in der UdSSR mit den Kräften der Arbeiterklasse und der Bauernschaft unseres Landes zu errichten. Was bedeutet das? Es bedeutet, dass wir, wenn uns nicht in nächster Zeit die siegreiche Weltrevolution zu Hilfe kommt, vor der Bourgeoisie kapitulieren und den Weg frei machen müssten für eine bürgerlich-demokratische Republik. Wir haben hier also eine bürgerliche Leugnung der Möglichkeit, den Sozialismus in unserem Lande zu errichten, getarnt durch eine „revolutionäre“ Phrase vom Sieg der Weltrevolution.

Ist es bei solchen Auffassungen möglich, die Millionenmassen der Arbeiterklasse zum Arbeitsenthusiasmus, zum sozialistischen Wettbewerb, zu einer Massenbewegung der Stoßarbeiter, zur entfalteten Offensive gegen die kapitalistischen Elemente zu begeistern? Natürlich ist das nicht möglich. Es wäre dumm, annehmen zu wollen, dass sich unsere Arbeiterklasse, die drei Revolutionen gemacht hat, für den Arbeitsenthusiasmus und die Massenbewegung der Stoßarbeiter gewinnen lassen würde, um den Boden für den Kapitalismus zu düngen. Unsere Arbeiterklasse will mit ihrem Arbeitsenthusiasmus nicht dem Kapitalismus dienen, sondern den Kapitalismus endgültig begraben und den Sozialismus in der UdSSR errichten. Man nehme ihr die feste Überzeugung, dass es möglich ist, den Sozialismus zu errichten, und man vernichtet damit jeden Boden für den Wettbewerb, für den Arbeitsenthusiasmus, für die Stoßarbeiterbewegung.

Daher die Schlussfolgerung: Um die Arbeiterklasse zum Arbeitsenthusiasmus und zum Wettbewerb begeistern und die entfaltete Offensive organisieren zu können, musste man vor allem die bürgerliche Theorie des Trotzkismus begraben, nach der es unmöglich ist, den Sozialismus in unserem Lande zu errichten.

Das Wesen des Trotzkismus besteht zweitens darin, dass er die Möglichkeit leugnet, die Hauptmassen der Bauernschaft für den sozialistischen Aufbau im Dorf zu gewinnen. Was bedeutet dies? Es bedeutet, dass er behauptet, die Arbeiterklasse sei nicht imstande, die Bauernschaft bei der Überleitung der individuellen Bauernwirtschaften auf die kollektiven Geleise mitzureißen, die Bauernschaft werde, wenn der Arbeiterklasse nicht in kürzester Frist der Sieg der Weltrevolution zu Hilfe kommt, die alten bürgerlichen Zustände wiederherstellen. Wir haben hier also eine bürgerliche Leugnung der Kräfte und Möglichkeiten der proletarischen Diktatur, die Bauernschaft zum Sozialismus zu führen, getarnt durch die Maske „revolutionärer“ Phrasen vom Sieg der Weltrevolution.

Ist es bei solchen Auffassungen möglich, die Bauernmassen für die Kollektivwirtschaftsbewegung zu mobilisieren, eine kollektivwirtschaftliche Massenbewegung zu organisieren, die Liquidierung des Kulakentums als Klasse zu organisieren? Natürlich ist das nicht möglich.

Daher die Schlussfolgerung: Um die kollektivwirtschaftliche Massenbewegung der Bauernschaft zu organisieren und das Kulakentum liquidieren zu können, musste man vor allem die bürgerliche Theorie des Trotzkismus begraben, nach der es unmöglich ist, die werktätigen Massen der Bauernschaft in den Sozialismus einzugliedern.

Das Wesen des Trotzkismus besteht schließlich darin, dass er die Notwendigkeit einer eisernen Disziplin in der Partei leugnet, die Freiheit fraktioneller Gruppierungen in der Partei fordert und es für notwendig hält, eine trotzkistische Partei zu bilden. Der Trotzkismus will, dass die KPdSU(B) keine einheitliche und fest zusammengefügte Kampfpartei sei, sondern ein Sammelsurium von Gruppen und Fraktionen mit eigenen Zentralen, mit eigener Disziplin, mit eigener Presse usw. Was aber bedeutet dies? Es bedeutet die Verkündung der Freiheit politischer Fraktionen in der Partei. Es bedeutet, dass der Freiheit politischer Gruppierungen in der Partei die Freiheit politischer Parteien im Lande, das heißt die bürgerliche Demokratie, folgen muss. Demnach haben wir hier eine Anerkennung der Freiheit fraktioneller Gruppierungen in der Partei, einbegriffen die Zulassung politischer Parteien im Lande der Diktatur des Proletariats, getarnt mit der Phrase von „innerparteilicher Demokratie“, von „Verbesserung des Regimes“ in der Partei. Dass die Freiheit fraktionellen Gezänks von Intellektuellengruppen noch keine innerparteiliche Demokratie ist, dass aber die entfaltete Selbstkritik, die von der Partei durchgeführt wird, und die kolossale Aktivität der Parteimassen die Erscheinungsform einer tatsächlichen und wahren innerparteilichen Demokratie sind - das zu verstehen ist dem Trotzkismus nicht gegeben.

Ist es bei solchen Auffassungen von der Partei möglich, die eiserne Disziplin in der Partei, die eiserne Einheit der Partei zu sichern, die für den erfolgreichen Kampf gegen den Klassenfeind notwendig ist? Natürlich ist das nicht möglich.

Daher die Schlussfolgerung: Um die eiserne Einheit der Partei und die proletarische Disziplin in ihr zu sichern, musste man vor allem die Organisationstheorie des Trotzkismus begraben.

Kapitulantentum in der Tat als Inhalt, „linke“ Phrasen und „revolutionär“-abenteuerliche Allüren als eine Form, die den kapitulantenhaften Inhalt verhüllt und für ihn Reklame machen soll - das ist das Wesen des Trotzkismus.

Diese Zwiespältigkeit des Trotzkismus widerspiegelt die zwiespältige Lage des dem Ruin verfallenen städtischen Kleinbürgertums, das das „Regime“ der Diktatur des Proletariats nicht erträgt und sich bemüht, entweder „sofort“ in den Sozialismus hinüber zu springen, um dem Ruin zu entgehen (daher Abenteurertum und Hysterie in der Politik), oder, wenn dies nicht möglich ist, dem Kapitalismus jedwede Konzession zu machen (daher Kapitulantentum in der Politik).

Diese Zwiespältigkeit des Trotzkismus erklärt die Tatsache, dass der Trotzkismus seine „rasenden“ Scheinangriffe gegen die rechten Abweichler in der Regel durch einen Block mit ihnen als den Kapitulanten ohne Maske krönt.

Was aber stellen die „linken“ Überspitzungen dar, die wir in der Partei auf dem Gebiet der kollektivwirtschaftlichen Bewegung hatten? Sie stellen einen gewissen, allerdings unbewussten Versuch dar, die Traditionen des Trotzkismus bei uns in der Praxis wiederaufleben zu lassen, die trotzkistische Einstellung zum Mittelbauern wiederaufleben zu lassen. Sie sind das Resultat jenes Fehlers in der Politik, den Lenin „Überadministrierung“ nennt. Dies bedeutet, dass einige unserer Genossen, berauscht von den Erfolgen der Kollektivwirtschaftsbewegung, das Problem des kollektivwirtschaftlichen Aufbaus nicht als Baumeister, sondern vornehmlich als Administratoren anzupacken begannen, weswegen sie eine Reihe gröbster Fehler begingen.

Es gibt bei uns in der Partei Leute, die glauben, man hätte die „linken“ Überspitzer nicht zur Ordnung zu rufen brauchen. Sie meinen, man hätte unsere Funktionäre nicht kränken und ihrem Übereifer nicht entgegenwirken dürfen, selbst wenn dieser Übereifer zu Fehlern führte. Das sind Kindereien, Genossen. So können nur Leute reden, die unbedingt mit dem Strom schwimmen wollen. Es sind die gleichen Leute, die nie imstande sein werden, sich die Leninsche Linie zu Eigen zu machen - gegen den Strom zu schwimmen, wenn die Lage es erfordert, wenn die Interessen der Partei es erfordern. Es sind Nachtrabpolitiker und keine Leninisten. Der Partei gelang es gerade deswegen, ganze Gruppen unserer Genossen auf den richtigen Weg zu bringen, es gelang ihr gerade deswegen, die Fehler zu korrigieren und Erfolge zu erzielen, weil sie im Interesse der Verwirklichung der Generallinie entschlossen gegen den Strom ankämpfte. Das eben ist Leninismus in der Praxis, Leninismus in der Führung.

Deswegen glaube ich, dass wir ohne Überwindung der „linken“ Überspitzungen nicht jene Erfolge in der kollektivwirtschaftlichen Bewegung, die wir heute haben, hätten erzielen können.

So verhält es sich mit dem Kampf gegen die Überreste des Trotzkismus und ihre Nachwirkungen in der Praxis.

Etwas anders verhält es sich mit der Frage des Rechtsopportunismus, an dessen Spitze Bucharin, Rykow und Tomski standen oder stehen.

Von den rechten Abweichlern läßt sich nicht sagen, dass sie die Möglichkeit, den Sozialismus in der UdSSR zu errichten, nicht zugeben. Nein, sie geben sie zu, und darin unterscheiden sie sich von den Trotzkisten. Das Malheur der rechten Abweichler ist jedoch, dass sie, obgleich sie die Möglichkeit der Errichtung des Sozialismus in einem Lande formal zugeben, die Mittel und Wege des Kampfes, ohne die die Errichtung des Sozialismus unmöglich ist, nicht anerkennen wollen. Sie wollen nicht anerkennen, dass die mit allem Nachdruck betriebene Entwicklung der Industrie der Schlüssel ist zur Umgestaltung der gesamten Volkswirtschaft auf den Grundlagen des Sozialismus. Sie wollen den unversöhnlichen Klassenkampf gegen die kapitalistischen Elemente und die entfaltete Offensive des Sozialismus gegen den Kapitalismus nicht anerkennen. Sie begreifen nicht, dass alle diese Mittel und Wege jenes System von Maßnahmen darstellen, ohne die es unmöglich ist, die Diktatur des Proletariats zu behaupten und den Sozialismus in unserem Lande zu errichten. Sie glauben, man könne den Sozialismus in aller Stille errichten, im Selbstlauf, ohne Klassenkampf, ohne Offensive gegen die kapitalistischen Elemente. Sie glauben, die kapitalistischen Elemente würden entweder selbst unmerklich absterben oder in den Sozialismus hineinwachsen. Da aber solche Wunder in der Geschichte nicht vorkommen, so ergibt sich, dass die rechten Abweichler in der Praxis zu einer Auffassung abgleiten, die die Möglichkeit leugnet, den Sozialismus in unserem Lande zu errichten.

Von den rechten Abweichlern kann man auch nicht sagen, dass sie die Möglichkeit verneinen, die Hauptmassen der Bauernschaft in den Aufbau des Sozialismus im Dorf einzubeziehen. Nein, sie erkennen diese Möglichkeit an, und darin unterscheiden sie sich von den Trotzkisten. Aber bei formaler Anerkennung dieser Möglichkeit lehnen sie gleichzeitig die Mittel und Wege ab, ohne die die Einbeziehung der Bauernschaft in den Aufbau des Sozialismus unmöglich ist. Sie wollen nicht zugeben, dass die Sowjet- und Kollektivwirtschaften das grundlegende Mittel und die „Heerstraße“ zur Einbeziehung der Hauptmassen der Bauernschaft in das sozialistische Aufbauwerk sind. Sie wollen nicht zugeben, dass ohne Durchführung der Politik der Liquidierung des Kulakentums als Klasse die Umgestaltung des Dorfes auf den Grundlagen des Sozialismus nicht zu erreichen ist. Sie glauben, man könne das Dorf in aller Stille, im Selbstlauf, ohne Klassenkampf, nur durch die Einkaufs- und Absatzgenossenschaften auf die Geleise des Sozialismus überleiten - sind sie doch überzeugt, der Kulak werde von selbst in den Sozialismus hineinwachsen. Sie glauben, die Hauptsache bestehe jetzt nicht in dem hohen Entwicklungstempo der Industrie und nicht in den Kollektiv- und Sowjetwirtschaften, sondern darin, die Elementarkräfte des Marktes zu „entfesseln“, den Markt „freizugeben“ und den individuellen Wirtschaften, die kapitalistischen Elemente im Dorf nicht ausgenommen, „die Fesseln abzunehmen“. Da aber der Kulak nicht in den Sozialismus hineinwachsen kann und die „Freigabe“ des Marktes die Bewaffnung des Kulakentums und die Entwaffnung der Arbeiterklasse bedeutet, so ergibt sich, dass die rechten Abweichler in der Praxis zu einer Auffassung abgleiten, die die Möglichkeit leugnet, die Hauptmassen der Bauernschaft in den Aufbau des Sozialismus einzubeziehen.

Dies gibt denn auch die Erklärung für die Tatsache, dass die rechten Abweichler ihre Hahnenkämpfe gegen die Trotzkisten gewöhnlich hinter den Kulissen durch Verhandlungen krönen, die sie mit den Trotzkisten über Blockbildung führen.

Das Grundübel des Rechtsopportunismus besteht darin, dass er mit der Leninschen Auffassung vom Klassenkampf bricht und auf den Standpunkt eines kleinbürgerlichen Liberalismus hinabsinkt.

Es kann keinem Zweifel unterliegen, dass ein Sieg der rechten Abweichung in unserer Partei die vollständige Entwaffnung der Arbeiterklasse, die Bewaffnung der kapitalistischen Elemente im Dorf und wachsende Aussichten für eine Restaurierung des Kapitalismus in der UdSSR bedeuten würde.

Die rechten Abweichler vertreten nicht die Bildung einer anderen Partei, und dies ist ein weiteres Merkmal, das sie von den Trotzkisten unterscheidet. Die Führer der rechten Abweichler haben offen ihre Fehler bekannt und vor der Partei kapituliert. Es wäre jedoch töricht, aus diesem Grunde glauben zu wollen, dass die rechte Abweichung bereits begraben sei. Die Kraft des Rechtsopportunismus darf nicht an diesem Umstand gemessen werden. Die Kraft des Rechtsopportunismus besteht in der Stärke des kleinbürgerlichen Elements, in der Stärke des Drucks, den die kapitalistischen Elemente überhaupt und das Kulakentum im Besonderen auf die Partei ausüben. Und gerade weil die rechte Abweichung den Widerstand der entscheidenden Elemente der ablebenden Klassen widerspiegelt, gerade deswegen ist die rechte Abweichung zurzeit die Hauptgefahr in der Partei.

Daher erachtete es die Partei für notwendig, einen entschlossenen und unversöhnlichen Kampf gegen die rechte Abweichung zu führen.

Es kann keinem Zweifel unterliegen, dass wir es ohne den entschlossenen Kampf gegen die rechte Abweichung, ohne die Isolierung ihrer führenden Elemente nicht fertig gebracht hätten, die Kräfte der Partei und der Arbeiterklasse zu mobilisieren, die armen Bauern und die Masse der Mittelbauern zu mobilisieren für die entfaltete Offensive des Sozialismus, für die Organisierung von Sowjet- und Kollektivwirtschaften, für den Wiederaufbau unserer Schwerindustrie, für die Liquidierung des Kulakentums als Klasse.

So verhält es sich mit der „linken“ und mit der rechten Abweichung in der Partei.

Die Aufgabe besteht darin, den unversöhnlichen Kampf an zwei Fronten auch in Zukunft fortzusetzen, sowohl gegen die „Linken“, die den kleinbürgerlichen Radikalismus vertreten, als auch gegen die Rechten, die den kleinbürgerlichen Liberalismus vertreten.

Die Aufgabe besteht darin, den unversöhnlichen Kampf gegen jene versöhnlerischen Elemente in der Partei auch in Zukunft fortzusetzen, die die Notwendigkeit des entschlossenen Zweifrontenkampfes nicht begreifen oder so tun, als ob sie diese Notwendigkeit nicht begriffen.

 

 

Band 13, Seite 76 - 91

ÜBER EINIGE FRAGEN
DER GESCHICHTE DES BOLSCHEWISMUS

Brief an die Redaktion der Zeitschrift „Proletarskaja Rewoluzija“

1931

(Auszüge - den Trotzkismus betreffend)

Jedermann ist bekannt, dass der Leninismus im schonungslosen Kampf gegen den Opportunismus aller Schattierungen, darunter auch gegen den Zentrismus im Westen (Kautsky), gegen den Zentrismus bei uns (Trotzki u. a.), entstand, wuchs und erstarkte. Das können selbst die direkten Feinde des Bolschewismus nicht leugnen. Das ist ein Axiom. Sie aber zerren uns zurück, indem Sie versuchen, ein Axiom zu einem Problem zu machen, das der „weiteren Bearbeitung“ bedürfe. Warum? Aus welchem Grunde? Vielleicht aus Unkenntnis der Geschichte des Bolschewismus? Vielleicht um eines faulen Liberalismus willen, damit die Sluzki und die sonstigen Schüler Trotzkis nicht sagen können, dass man ihnen den Mund verbiete? Ein recht sonderbarer Liberalismus, der praktiziert wird auf Kosten der ureigensten Interessen des Bolschewismus...

Von allen Gruppierungen der II. Internationale waren die russischen Bolschewiki damals die einzige Gruppierung, die auf Grund ihrer organisatorischen Erfahrung und ideologischen Rüstung fähig war, etwas Ernstes im Sinne eines direkten Bruches, einer Trennung von ihren eigenen Opportunisten in ihrer russischen Sozialdemokratie zu unternehmen. Hätten die Sluzki nun versucht, nicht etwa zu beweisen, sondern einfach nur anzunehmen, dass Lenin und die russischen Bolschewiki nicht ihre ganze Kraft eingesetzt hätten, um den Bruch mit den Opportunisten (Plechanow, Martow, Dan) zu organisieren und die Zentristen (Trotzki und die sonstigen Anhänger des Augustblocks) davonzujagen, dann könnte man über den Bolschewismus Lenins, über den Bolschewismus der Bolschewiki streiten. Das ist es ja aber gerade, dass die Sluzki es nicht wagen, zugunsten einer solchen hirnverbrannten Annahme auch nur ein Sterbenswörtchen vorzubringen. Sie wagen es nicht, weil sie wissen, dass die jedermann bekannten Tatsachen der entschiedenen Politik des Bruches mit den Opportunisten aller Schattierungen, die die russischen Bolschewiki durchführten (1904-1912), eine solche Annahme schlagend widerlegen. Sie wagen es nicht, weil sie wissen, dass man sie schon am nächsten Tage an den Pranger stellen würde.

(...)

Welches war damals die Stellung der linken Sozialdemokraten im Westen? Sie entwickelten eine halbmenschewistische Theorie des Imperialismus, lehnten das Prinzip der Selbstbestimmung der Nationen in seiner marxistischen Auffassung (einschließlich der Lostrennung und der Bildung selbständiger Staaten) ab, wiesen die These von der großen revolutionären Bedeutung der Befreiungsbewegung der Kolonien und unterdrückten Länder zurück, wiesen die These von der Möglichkeit der Einheitsfront zwischen der proletarischen Revolution und der nationalen Befreiungsbewegung zurück und stellten diesen ganzen halbmenschewistischen Mischmasch, der nichts als eine einzige Unterschätzung der nationalen und kolonialen Frage ist, dem marxistischen Schema der Bolschewiki entgegen. Es ist bekannt, dass Trotzki später diesen halbmenschewistischen Mischmasch aufgriff und als Kampfmittel gegen den Leninismus ausnutzte.

(...)

Weil das Zurückgreifen auf die wirklichen Taten und die wirkliche Geschichte der Bolschewiki gezeigt hätte, dass die Lehrer Sluzkis, die Trotzkisten, die Haupt- und Stammgruppe waren, die in Rußland den Zentrismus züchtete und zu diesem Zweck eine besondere Organisation als Herd des Zentrismus, in Gestalt des Augustblocks, schuf.

Weil die Prüfung der Bolschewiki auf Grund ihrer Taten Sluzki endgültig als einen Fälscher der Geschichte unserer Partei entlarvt hätte, der das zentristische Wesen des Trotzkismus der Vorkriegsperiode dadurch zu bemänteln versucht, dass er Lenin und die Bolschewiki verleumderisch beschuldigt, sie hätten die Gefahr des Zentrismus unterschätzt.

So, Genossen Redakteure, verhält es sich mit Sluzki und seinem Artikel.

Sie sehen, dass die Redaktion einen Fehler begangen hat, als sie eine Diskussion mit einem Fälscher der Geschichte unserer Partei zuließ.

Was konnte die Redaktion auf diesen falschen Weg bringen?

Ich glaube, dass sie auf diesen Weg durch den faulen Liberalismus gebracht wurde, der gegenwärtig unter einem Teil der Bolschewiki eine gewisse Verbreitung gefunden hat. Manche Bolschewiki meinen, der Trotzkismus sei eine Fraktion des Kommunismus, die zwar irrt, nicht wenig Dummheiten macht, mitunter sogar sowjetfeindlich ist, aber immerhin eine Fraktion des Kommunismus sei. Daher ein gewisser Liberalismus gegenüber den Trotzkisten und trotzkistisch denkenden Leuten. Es erübrigt sich wohl nachzuweisen, dass eine solche Auffassung vom Trotzkismus äußerst falsch und schädlich ist. In Wirklichkeit hat der Trotzkismus schon lange aufgehört, eine Fraktion des Kommunismus zu sein. In Wirklichkeit ist der Trotzkismus ein Vortrupp der konterrevolutionären Bourgeoisie, die den Kampf führt gegen den Kommunismus, gegen die Sowjetmacht, gegen den Aufbau des Sozialismus in der UdSSR.

Wer hat der konterrevolutionären Bourgeoisie eine geistige, ideologische Waffe gegen den Bolschewismus geliefert in Gestalt der These von der Unmöglichkeit der Errichtung des Sozialismus in unserem Lande, in Gestalt der These von der Unvermeidlichkeit der Entartung der Bolschewiki und dergleichen mehr? Diese Waffe hat ihr der Trotzkismus geliefert. Man kann die Tatsache nicht als Zufall betrachten, dass alle sowjetfeindlichen Gruppierungen in der UdSSR bei ihren Versuchen, die Unvermeidlichkeit des Kampfes gegen die Sowjetmacht zu begründen, sich auf die bekannte These des Trotzkismus von der Unmöglichkeit der Errichtung des Sozialismus in unserem Lande, von der Unvermeidlichkeit der Entartung der Sowjetmacht, von der Wahrscheinlichkeit der Rückkehr zum Kapitalismus beriefen.

Wer hat der konterrevolutionären Bourgeoisie in der UdSSR eine taktische Waffe geliefert in Form von Versuchen offener Aktionen gegen die Sowjetmacht? Diese Waffe haben ihr die Trotzkisten geliefert, die in Moskau und Leningrad am 7. November 1927 sowjetfeindliche Demonstrationen zu veranstalten versuchten. Es ist eine Tatsache, dass die sowjetfeindlichen trotzkistischen Aktionen der Bourgeoisie den Nacken steiften und die Schädlingsarbeit der bürgerlichen Spezialisten entfesselten.

Wer hat der konterrevolutionären Bourgeoisie eine organisatorische Waffe geliefert in Form von Versuchen, unterirdische sowjetfeindliche Organisationen zu bilden? Diese Waffe haben ihr die Trotzkisten geliefert, die ihre eigene antibolschewistische illegale Gruppe organisierten. Es ist eine Tatsache, dass die unterirdische sowjetfeindliche Arbeit der Trotzkisten die organisatorische Formierung der sowjetfeindlichen Gruppierungen in der UdSSR erleichterte.

Der Trotzkismus ist ein Vortrupp der konterrevolutionären Bourgeoisie.

Deshalb ist der Liberalismus gegenüber dem Trotzkismus, auch wenn dieser geschlagen ist und sich maskiert, eine Torheit, die an ein Verbrechen, an einen Verrat an der Arbeiterklasse grenzt.

Deshalb müssen die Versuche mancher „Literaten“ und „Historiker“, in unsere Literatur maskierten trotzkistischen Plunder einzuschmuggeln, auf die entschiedene Abfuhr der Bolschewiki stoßen.

Deshalb darf man keine literarische Diskussion mit trotzkistischen Schmugglern zulassen.

Mir scheint, dass die „Historiker“ und „Literaten“ von der Art der trotzkistischen Schmuggler ihre Schmugglerarbeit vorläufig in zwei Richtungen zu betreiben bemüht sind.

Erstens bemühen sie sich um den Nachweis, dass Lenin in der Vorkriegsperiode die Gefahr des Zentrismus unterschätzt hätte, wobei es dem unerfahrenen Leser überlassen bleibt zu vermuten, dass folglich Lenin damals noch kein echter Revolutionär gewesen, dass er es erst nach dem Kriege geworden wäre, nachdem er mit Trotzkis Hilfe „umgerüstet“ hätte. Als typischen Vertreter von Schmugglern dieser Art kann man Sluzki betrachten.

Wir haben oben gesehen, dass Sluzki und Konsorten nicht wert sind, dass man sich lange mit ihnen abgibt.

Zweitens bemühen sie sich um den Nachweis, dass Lenin in der Vorkriegsperiode die Notwendigkeit des Hinüberwachsens der bürgerlich-demokratischen Revolution in die sozialistische Revolution nicht verstanden hätte, wobei es dem unerfahrenen Leser überlassen bleibt zu vermuten, dass folglich Lenin damals noch kein echter Bolschewik gewesen, dass er die Notwendigkeit eines solchen Hinüberwachsens erst nach dem Kriege begriffen hätte, nachdem er mit Trotzkis Hilfe „umgerüstet“ hätte. Als typischen Vertreter von Schmugglern dieser Art kann man Wolossewitsch, den Verfasser des „Lehrgangs der Geschichte der KPdSU(B)“, betrachten.

Zwar schrieb Lenin bereits 1905: „Von der demokratischen Revolution werden wir sofort, und zwar nach Maßgabe unserer Kraft, der Kraft des klassenbewussten und organisierten Proletariats, den Übergang zur sozialistischen Revolution beginnen. Wir sind für die ununterbrochene Revolution. Wir werden nicht auf halbem Wege stehen bleiben.“ Zwar könnte man Tatsachen und Dokumente analoger Art in den Werken von Lenin in großer Menge finden. Aber was kümmern die Wolossewitsch die Tatsachen aus dem Leben und Wirken Lenins? Die Wolossewitsch schreiben, um, nachdem sie sich bolschewistisch maskiert haben, ihre antileninistische Schmuggelware durchzubringen, über die Bolschewiki Lügen zu verbreiten und die Geschichte der bolschewistischen Partei zu falschen.

Sie sehen, die Wolossewitsch und die Sluzki sind einander wert.

Das sind so die „Wege und Kreuzwege“ der trotzkistischen Schmuggler.

 

 

 

Band 13, Seite 99

UNTERREDUNG
MIT DEM DEUTSCHEN SCHRIFTSTELLER
EMIL LUDWIG

13. Dezember 1931

 

Sie haben mich soeben gefragt, ob bei uns alles von einem einzelnen entschieden wird. Niemals, unter keinen Umständen würden unsere Arbeiter heutzutage die Macht eines einzelnen dulden. Selbst die größten Autoritäten verlieren jegliche Bedeutung, verwandeln sich in ein Nichts, sobald die Arbeitermassen aufhören, ihnen zu vertrauen, sobald sie den Kontakt mit den Arbeitermassen verlieren. Plechanow genoss außerordentlich große Autorität. Und was geschah? Sobald er in politischer Hinsicht zu hinken begann, vergaßen ihn die Arbeiter, sie wandten sich von ihm ab und vergaßen ihn einfach. Ein anderes Beispiel: Trotzki. Trotzki genoss ebenfalls große Autorität, wenn auch bei weitem nicht die gleiche wie Plechanow. Und was geschah? Sobald er sich von den Arbeitern abwandte, vergaßen sie ihn.

Ludwig. Vergaßen ihn völlig?

Stalin. Zuweilen erinnern sie sich seiner - voll Ingrimm.

Ludwig. Alle voll Ingrimm?

Stalin. Was unsere Arbeiter betrifft, so erinnern sie sich Trotzkis mit Ingrimm, Zorn und Hass.

Es gibt allerdings einen gewissen geringen Teil der Bevölkerung, der die Sowjetmacht tatsächlich fürchtet und gegen sie kämpft. Ich meine die Überreste der sterbenden Klassen, der Klassen, die wir liquidieren, und vor allem einen unbedeutenden Teil der Bauernschaft - das Kulakentum. Hier handelt es sich aber nicht nur um eine Politik der Einschüchterung dieser Gruppen, die wir tatsächlich betreiben. Es ist allgemein bekannt, dass wir Bolschewiki uns hierbei nicht auf eine Einschüchterung beschränken, sondern weiter gehen und auf die Liquidierung dieser bürgerlichen Schicht hinarbeiten.

Nimmt man aber die werktätige Bevölkerung der UdSSR, die Arbeiter und werktätigen Bauern, die nicht weniger als 90 Prozent der Bevölkerung ausmachen, so stehen diese fest hinter der Sowjetmacht, und ihre erdrückende Mehrheit unterstützt aktiv die Sowjetordnung. Sie unterstützen die Sowjetordnung aber deshalb, weil diese Gesellschaftsordnung die Lebensinteressen der Arbeiter und Bauern wahrnimmt.

Das ist die Grundlage für die Festigkeit der Sowjetmacht, und nicht eine Politik der so genannten Einschüchterung.

 

 

Band 13, Seite 112 - 117

ANTWORT AN OLECHNOWITSCH UND ARISTOW

Anlässlich des Briefes an die Redaktion der Zeitschrift
„Proletarskaja Rewoluzija“:
„Über einige Fragen der Geschichte des Bolschewismus“

 

An Genossen Olechnowitsch

Ihren Brief habe ich erhalten. Infolge Arbeitsüberlastung antworte ich mit Verspätung.

Ich kann mich mit Ihnen, Genosse Olechnowitsch, keineswegs einverstanden erklären. Und zwar aus folgenden Gründen:

1. Es ist nicht wahr, dass „der Trotzkismus niemals eine Fraktion des Kommunismus war“. Insofern als die Trotzkisten mit dem Menschewismus - wenn auch nur vorübergehend - organisatorisch gebrochen hatten, mit ihren antibolschewistischen Anschauungen - wenn auch nur vorübergehend - nicht hervortraten, in die KPdSU(B) und in die Komintern aufgenommen worden waren und sich deren Beschlüssen fügten, war der Trotzkismus zweifellos ein Teil, eine Fraktion des Kommunismus.

Der Trotzkismus war eine Fraktion des Kommunismus sowohl im weiten Sinne des Wortes, das heißt als Teil der internationalen kommunistischen Bewegung, der seine gruppenmäßige Besonderheit bewahrte, als auch im engen Sinne des Wortes, das heißt als eine mehr oder minder organisierte Traktion innerhalb der KPdSU(B), die um den Einfluss in der Partei kämpfte. Es wäre lächerlich, die allen bekannten Tatsachen über die Trotzkisten als eine Fraktion in der KPdSU(B) zu leugnen, Tatsachen, die in den Resolutionen der Parteitage und Konferenzen der KPdSU(B) festgehalten sind.

Stimmt es, dass die KPdSU(B) keine Fraktionen duldet und auf deren Legalisierung nicht eingehen kann? Ja, das stimmt, sie duldet sie nicht und kann auf ihre Legalisierung nicht eingehen. Das bedeutet aber noch nicht, dass die Trotzkistenn in der Tat keine Fraktion bildeten. Gerade weil die Trotzkisten in der Tat eine eigene Fraktion bildeten, für deren Legalisierung sie kämpften - gerade deshalb, unter anderem deshalb, wurden sie später aus der Partei hinausgeworfen.

Sie versuchen, Ihre Positionen dadurch zu retten, dass Sie bestrebt sind, den Trotzkismus von den Trotzkisten zu trennen, in der Meinung, dass das, was für den Trotzkismus gilt, nicht für die Trotzkisten gelten könne. Mit anderen Worten, Sie wollen sagen, dass der Trotzkismus niemals eine Fraktion des Kommunismus gewesen sei, Trotzki aber und die Trotzkisten seien eine Fraktion des Kommunismus gewesen. Das ist Scholastik und Selbstbetrug, Genosse Olechnowitsch! Es kann keinen Trotzkismus geben ohne Träger des Trotzkismus, das heißt ohne Trotzkisten, ebenso wie es auch keine Trotzkisten geben kann ohne den Trotzkismus - sei es auch ein verschleierter und verhüllter, aber immerhin Trotzkismus -, andernfalls würden sie aufhören, Trotzkisten zu sein.

Worin bestand der charakteristische Zug der Trotzkisten, als sie eine Fraktion des Kommunismus bildeten? Er bestand darin, dass die Trotzkisten „permanent“ schwankten zwischen dem Bolschewismus und dem Menschewismus, wobei diese Schwankungen bei jeder Wendung der Partei, und der Komintern einen Höhepunkt erreichten und in einen Fraktionskampf gegen die Partei umschlugen. Was bedeutet das? Das bedeutet, dass die Trotzkisten keine wirklichen Bolschewiki waren, auch wenn sie der Partei angehörten und sich deren Beschlüssen fügten, dass man sie aber auch nicht als wirkliebe Menschewiki bezeichnen konnte, obwohl sie oft nach der Seite des Menschewismus hin schwankten. Eben diese Schwankungen bildeten die Grundlage des innerparteilichen Kampfes zwischen Leninisten und Trotzkisten in der Periode, als die Trotzkisten unserer Partei angehörten (1917-1927). Den Schwankungen der Trotzkisten selbst aber lag die Tatsache zugrunde, dass die Trotzkisten, die mit ihren antibolschewistischen Anschauungen zwar nicht hervortraten und so in die Partei gekommen waren, sich von diesen Anschauungen dennoch nicht lossagten, so dass sich diese Anschauungen bei jeder Wendung der Partei und der Komintern besonders nachdrücklich geltend machten.

Sie sind mit einer solchen Erläuterung der Frage des Trotzkismus offenbar nicht einverstanden. Dann müssen Sie aber zu einer von zwei falschen Schlussfolgerungen gelangen. Entweder müssen Sie zu der Schlussfolgerung gelangen, dass Trotzki und die Trotzkisten sich nach ihrem Eintritt in die Partei von ihren Anschauungen völlig losgesagt haben und wirkliche Bolschewiki geworden sind; das aber ist falsch, denn bei einer solchen Annahme wäre der ununterbrochene innerparteiliche Kampf, den die Trotzkisten gegen die Partei führten und der die ganze Periode der Zugehörigkeit der Trotzkisten zu unserer Partei ausfüllt, unbegreiflich und unerklärlich. Oder Sie müssen zu der Schlussfolgerung gelangen, dass der Trotzkismus (die Trotzkisten) „immer eine Fraktion des Menschewismus war“, was ebenfalls falsch ist, denn Lenin und die Leninsche Partei hätten einen grundsätzlichen Fehler begangen, wenn sie Menschewiki, und sei es auch nur für eine Minute, in die Kommunistische Partei aufgenommen hätten.

2. Es ist nicht wahr, dass der Trotzkismus „immer eine Fraktion des Menschewismus, eine der Abarten der bürgerlichen Agentur in der Arbeiterbewegung war“, ebenso wie es auch falsch ist, wenn Sie versuchen, „die Stellung der Partei zum Trotzkismus, als Theorie und Praxis einer bürgerlichen Agentur in der Arbeiterbewegung“, von „der Stellung der Partei zu Trotzki und den Trotzkisten in einem bestimmten historischen Zeitabschnitt“ zu trennen.

Erstens begehen Sie, wie ich bereits gesagt habe, einen Fehler, einen scholastischen Fehler, wenn Sie den Trotzkismus von den Trotzkisten und umgekehrt die Trotzkisten vom Trotzkismus künstlich trennen. Die Geschichte unserer Partei lehrt, dass eine solche Trennung, soweit sie von dem einen oder dem anderen Teil unserer Partei vorgenommen wurde, stets und ausschließlich dem Trotzkismus zum Nutzen gereichte, da sie es ihm erleichterte, bei seinen Ausfällen gegen die Partei die Spuren zu verwischen. Ich kann Ihnen im Vertrauen sagen, dass Sie Trotzki und den trotzkistischen Schmugglern den größten Dienst erweisen, wenn Sie die Methode der künstlichen Trennung der Frage des Trotzkismus von der Frage der Trotzkisten in unsere politische Praxis einführen.

Zweitens haben Sie nach diesem Fehler einen zweiten Fehler begangen, der sich zwangsläufig aus dem ersten ergibt, indem Sie nämlich annehmen, dass die Partei „in einem bestimmten historischen Zeitabschnitt“ Trotzki und die Trotzkisten als wirkliche Bolschewiki betrachtet habe. Eine solche Annahme ist aber völlig falsch und absolut unvereinbar mit den Tatsachen aus der Geschichte des innerparteilichen Kampfes zwischen Trotzkisten und Leninisten. Wie wäre dann der ununterbrochene Kampf zwischen der Partei und den Trotzkisten zu erklären, der während der ganzen Periode der Zugehörigkeit der Trotzkisten zur Partei geführt wurde? Glauben Sie etwa, das sei Zänkerei gewesen und nicht ein prinzipieller Kampf?

Sie sehen, dass Ihre „Berichtigung“ zu meinem „Brief an die Redaktion der ‚Proletarskaja Rewoluzija’“ zu einer Absurdität führt.

In Wirklichkeit war der Trotzkismus eine Fraktion des Menschewismus bis zum Eintritt der Trotzkisten in unsere Partei, er wurde vorübergehend zu einer Fraktion des Kommunismus nach dem Eintritt der Trotzkisten in unsere Partei, er ist von neuem zu einer Fraktion des Menschewismus geworden nach der Vertreibung der Trotzkisten aus unserer Partei. „Der Hund ist zu seinem Auswurf zurückgekehrt.“

Folglich:

a) kann man nicht behaupten, dass die Partei Trotzki und die Trotzkisten „in einem bestimmten historischen Zeitabschnitt“ als wirkliche Bolschewiki betrachtet habe, denn eine solche Annahme widerspricht völlig den Tatsachen aus der Geschichte unserer Partei während der Periode 1917-1927;

b) kann man nicht der Ansicht sein, dass der Trotzkismus (die Trotzkisten) „immer- eine Fraktion des Menschewismus war“, denn eine solche Annahme würde zu der Schlussfolgerung führen, dass unsere Partei in der Periode 1917-1927 eine Partei des Blocks zwischen Bolschewiki und Menschewiki gewesen wäre und nicht eine aus einem Guss geformte bolschewistische Partei, was absolut falsch und unvereinbar ist mit den Grundlagen des Bolschewismus;

c) kann man die Frage des Trotzkismus nicht künstlich von der Frage der Trotzkisten trennen, ohne Gefahr zu laufen, unwillkürlich zu einem Werkzeug der trotzkistischen Machenschaften zu werden.

Was für ein Ausweg bleibt nun? Es bleibt nur das eine übrig: beizupflichten, dass der Trotzkismus „in einem bestimmten historischen Zeitabschnitt“ eine Fraktion des Kommunismus darstellte - eine Fraktion, die zwischen Bolschewismus und Menschewismus schwankte.

J. Stalin

15. Januar 1932.

 

An Genossen Aristow

Ihrerseits liegt ein Missverständnis vor, Genosse Aristow.

Es gibt keinen Widerspruch zwischen dem Artikel „Die Oktoberrevolution und die Taktik der russischen Kommunisten“ (1924) und dem „Brief an die Redaktion der ‚Proletarskaja Rewoluzija’“ (1931). Diese zwei Dokumente behandeln verschiedene Seiten der Frage, und das erschien Ihnen als „Widerspruch“. Einen „Widerspruch“ gibt es hier aber nicht.

Im Artikel „Die Oktoberrevolution“ wird davon gesprochen, dass im Jahre 1905 nicht Rosa Luxemburg, sondern Parvus und Trotzki für die Theorie der „permanenten“ Revolution gegen Lenin zu Felde zogen. Das entspricht voll und ganz der historischen Wirklichkeit. Gerade Parvus, der im Jahre 1905 nach Rußland kam und als Redakteur einer speziellen Zeitung tätig war, in der er aktiv die „permanente“ Revolution gegen die Leninsche „Konzeption“ verfocht, gerade Parvus und dann, nach Parvus und zusammen mit ihm, Trotzki - gerade dieses Zweigespann bombardierte damals das Leninsche Revolutionsschema und stellte ihm die Theorie der „permanenten“ Revolution entgegen. Was Rosa Luxemburg anbelangt, so blieb sie damals hinter den Kulissen, hielt sich vom aktiven Kampf gegen Lenin in dieser Frage zurück und zog es offenbar vor, sich zunächst nicht in den Kampf einzumischen.

In der Polemik gegen Radek im Artikel „Die Oktoberrevolution und die Taktik der russischen Kommunisten“ spitzte ich die Frage deshalb auf Parvus zu, weil Radek, als er über das Jahr 1905 und die „permanente“ Revolution sprach, Parvus geflissentlich mit Stillschweigen überging. Und er überging Parvus deshalb mit Stillschweigen, weil Parvus nach 1905 zu einer anrüchigen Figur wurde, Millionär, ein direkter Agent der deutschen Imperialisten wurde, Radek aber die Theorie der „permanenten“ Revolution nicht mit dem anrüchigen Namen Parvus in Verbindung bringen und so die Geschichte umgehen wollte. Nun, ich stellte die historische Wahrheit wieder her, gab Parvus, was ihm gebührt, und durchkreuzte und vereitelte somit Radeks Manöver.

So verhält es sich mit dem Artikel „Die Oktoberrevolution und die Taktik der russischen Kommunisten“.

Was den „Brief an die Redaktion der ‚Proletarskaja Rewoluzija’“ anbelangt, so wird dort bereits von einer anderen Seite der Frage gesprochen, nämlich, dass die Theorie der „permanenten“ Revolution von Rosa Luxemburg und Parvus ersonnen wurde. Und das entspricht gleichfalls der historischen Wirklichkeit. Nicht Trotzki, sondern Rosa Luxemburg und Parvus haben die Theorie der „permanenten“ Revolution ersonnen. Nicht Rosa Luxemburg, sondern Parvus und Trotzki sind im Jahre 1905 für die Theorie der „permanenten“ Revolution gegen Lenin zu Felde gezogen und haben aktiv für sie gekämpft.

Später begann Rosa Luxemburg gleichfalls, aktiv gegen das Leninsche Revolutionsschema zu kämpfen. Das war aber bereits nach 1905.

J. Stalin

25. Januar 1932.

„Bolschewik“ Nr. 16,
30. August 1932

 

 

Band 13, Seite 132

HERR CAMPBELL SCHNEIDET AUF

23. November 1932.

 

Herr Campbell schneidet ein übriges Mal auf, wenn er Stalin die Worte unterschiebt, dass „man zur Zeit Trotzkis wirklich bemüht war, den Kommunismus in der ganzen Welt zu verbreiten, dass dies der Hauptgrund war, der zum Bruch zwischen Trotzki und ihm (das heißt Stalin) geführt hat, dass Trotzki an den Weltkommunismus glaubte, während er, Stalin, seine Tätigkeit auf das eigene Land beschränken wollte“. An diese ungereimte Lügengeschichte, die die Tatsachen völlig auf den Kopf stellt, können nur Überläufer glauben, die im Lager der Kautsky und Wels gelandet sind. In Wirklichkeit stand die Unterredung mit Campbell in keinerlei Beziehung zur Frage Trotzki, und der Name Trotzkis wurde während der Unterredung überhaupt nicht erwähnt.

Und so weiter in der gleichen Weise...

Herr Campbell erwähnt in seinem Buch die Niederschrift der Unterredung mit Stalin, aber er hielt es nicht für notwendig, sie in seinem Buch zu veröffentlichen. Weshalb? Nicht vielleicht deshalb, weil die Veröffentlichung der Niederschrift den Plan des Herrn Campbell durchkreuzen und seine auf Sensation berechneten Lügengeschichten über das „Interview“ mit Stalin entlarven würde, die bei den amerikanischen Spießern Reklame für das Buch Campbells machen sollen?

Ich glaube, die beste Strafe für Herrn Campbell, der so faustdick lügt, dürfte sein, wenn man den Wortlaut der Niederschrift der Unterredung zwischen Herrn Campbell und Stalin veröffentlicht. Das dürfte das wirksamste Mittel sein, um die Lügen zu entlarven und die Tatsachen wiederherzustellen.

J. Stalin

23. November 1932.

 

 

Band 13, Seite 321

RECHENSCHAFTSBERICHT AN DEN XVII. PARTEITAG
ÜBER DIE ARBEIT DES ZK DER KPdSU(B)

III
DIE PARTEI

 

Dasselbe ist von der rechten und der „linken“ Abweichung auf dem Gebiet der allgemeinen Politik zu sagen. Auch hier besteht ebenso wie auf anderen Gebieten ein nicht geringer Wirrwarr in den Anschauungen einzelner Mitglieder unserer Partei. Manchmal läßt man im Kampf gegen die rechte Abweichung die „linke“ Abweichung gewähren und schwächt den Kampf gegen sie ab, weil man glaubt, dass sie nicht gefährlich oder nur wenig gefährlich sei. Das ist ein ernster und gefährlicher Fehler. Das ist ein Zugeständnis an die „linke“ Abweichung, das für Parteimitglieder unzulässig ist. Es ist umso unzulässiger, als in der letzten Zeit die „Linken“ endgültig zu den Positionen der Rechten hinab geglitten sind und sich im Grunde genommen von ihnen durch nichts mehr unterscheiden.

Wir haben stets erklärt, dass die „Linken“ dasselbe sind wie die Rechten, nur dass sie ihre rechte Politik mit linken Phrasen maskieren. Jetzt bestätigen die „Linken“ selbst diese unsere Behauptung. Nehmen Sie die Nummern des trotzkistischen „Bulletins“ vom vorigen Jahr. Was fordern und worüber schreiben dort die Herren Trotzkisten, worin besteht ihr „linkes“ Programm? Sie fordern: die Auflösung der Sowjetwirtschaften, weil sie nicht rentabel seien, die Auflösung des größeren Teils der Kollektivwirtschaften, weil sie künstliche Gebilde seien, den Verzicht auf die Politik der Liquidierung des Kulakentums, die Rückkehr zur Konzessionspolitik und die Übergabe einer ganzen Reihe unserer Industriebetriebe, weil sie nicht rentabel seien, an Konzessionäre.

Da haben Sie ein Programm verächtlicher Feiglinge und Kapitulanten, ein konterrevolutionäres Programm zur Wiederherstellung des Kapitalismus in der UdSSR!

Wodurch unterscheidet sich dieses Programm von dem Programm der äußersten Rechten? Es ist klar, dass es sich durch nichts davon unterscheidet. Die „Linken“ haben sich also offen dem konterrevolutionären Programm der Rechten angeschlossen, um mit ihnen einen Block zu bilden und einen gemeinsamen Kampf gegen die Partei zu führen.

Wie kann man nach alledem sagen, dass die „Linken“ nicht gefährlich oder wenig gefährlich seien? Ist es nicht klar, dass Leute, die solchen Unsinn reden, den geschworenen Feinden des Leninismus Wasser auf die Mühle leiten?

 

 

Band 14, Seite 119 - 160

ÜBER DIE MÄNGEL DER PARTEIARBEIT
UND DIE MASSNAHMEN ZUR LIQUIDIERUNG DER
TROTZKISTISCHEN UND SONSTIGEN DOPPELZÜNGLER

Referat und Schlusswort auf dem Plenum des ZK der KPdSU(B)

3. und 5. März 1937

 

 

Band 14, Seite 180 - 235

RECHENSCHAFTSBERICHT AN DEN XVIII. PARTEITAG
ÜBER DIE ARBEIT DES ZK DER KPDSU(B)

am 10. März 1939

(Auszüge - den trotzkistisch-rechten Block betreffend)

 

Einige Vertreter der ausländischen Presse schwatzen davon, die Säuberung der Sowjetorganisationen von Spionen, Mördern und Schädlingen vom Schlage eines Trotzki, Sinowjew, Kamenew, Jakir, Tuchatschewski, Rosenholz, Bucharin und anderen Ungeheuern hätte das Sowjetsystem „erschüttert“, hätte „Zersetzung“ in dieses hineingetragen. Dieses alberne Geschwätz ist nur wert, dass man sich darüber lustig macht. Wie kann die Säuberung der Sowjetorganisationen von schädlichen und feindlichen Elementen das Sowjetsystem erschüttern und zersetzen? Das trotzkistisch-bucharinsche Häuflein von Spionen, Mördern und Schädlingen, das vor dem Ausland auf dem Bauche kroch, von dem sklavischen Gefühl devoter Ergebenheit gegenüber jeder ausländischen Beamtenkreatur durchdrungen und bereit war, für sie Spionagedienste zu leisten, dieses Häuflein von Leuten, das nicht begriff, dass der letzte Sowjetbürger, frei von den Ketten des Kapitals, turmhoch über jeder ausländischen hochgestellten Beamtenkreatur steht, die das Joch der kapitalistischen Sklaverei auf ihren Schultern trägt, - wer braucht diese jämmerliche Bande käuflicher Sklaven, welchen Wert kann sie für das Volk darstellen und wen vermag sie zu „zersetzen“? Im Jahre 1937 wurden Tuchatschewski, Jakir, Uborewitsch und andere Ungeheuer zur Erschießung verurteilt. Danach fanden die Wahlen zum Obersten Sowjet der UdSSR statt. Die Wahlen brachten der Sowjetmacht 98,6 Prozent der Stimmen aller Wahlteilnehmer. Anfang 1938 wurden Rosenholz, Rykow, Bucharin und andere Ungeheuer zur Erschießung verurteilt. Danach fanden die Wahlen zu den Obersten Sowjets der Unionsrepubliken statt. Die Wahlen brachten der Sowjetmacht 99,4 Prozent aller Stimmen der Wahlteilnehmer. Es fragt sich, wo sind denn hier die Anzeichen einer „Zersetzung“, und warum kam diese „Zersetzung“ nicht in den Wahlergebnissen zum Ausdruck?

Hört man diese ausländischen Schwätzer, dann könnte man zu dem Schluss gelangen, dass die Sowjetorganisationen bei weitem fester und stabiler wären, wenn man die Spione, Mörder und Schädlinge auf freiem Fuß gelassen und nicht daran gehindert hätte, zu schädigen, zu morden und zu spionieren. (Heiterkeit). Verraten sich diese Herrschaften, die die Spione, Mörder, Schädlinge so unverfroren verteidigen, nicht allzu früh?

Wäre es nicht richtiger zu sagen, dass die Säuberung der Sowjetorganisationen von Spionen, Mördern, Schädlingen zu einer weiteren Festigung dieser Organisationen führen musste und tatsächlich geführt hat?

 

 

 

 

 

Geschichte der KPdSU (B)

 

(Auszüge - Trotzki und den Trotzkismus betreffend)

 

KAPITEL II
Die Bildung der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Russlands. Die Entstehung der Fraktionen der Bolschewiki und der Menschewiki innerhalb der Partei
(1901-1904)

4
Die Spaltungstätigkeit der menschewistischen Führer und die Verschärfung des Kampfes innerhalb der Partei nach dem II. Parteitag
Der Opportunismus der Menschewiki
Lenins Werk „Ein Schritt vorwärts, zwei Schritte zurück“
Die organisatorischen Grundlagen der marxistischen Partei

Nach dem II. Parteitag verschärfte sich der Kampf innerhalb der Partei noch mehr. Die Menschewiki waren aus allen Kräften bemüht, die Beschlüsse des II. Parteitags zu durchkreuzen und sich der Parteizentren zu bemächtigen. Die Menschewiki forderten, dass in die Redaktion der „Iskra“ und in das Zentralkomitee ihre Vertreter in einer Anzahl aufgenommen werden, dass sie in der Redaktion die Mehrheit und im Zentralkomitee ebensoviel Mitglieder hätten wie die Bolschewiki. Da dies den direkten Beschlüssen des II. Parteitags widersprach, lehnten die Bolschewiki die Forderung der Menschewiki ab. Daraufhin gründeten die Menschewiki unter Geheimhaltung vor der Partei ihre parteifeindliche fraktionelle Organisation, an deren Spitze Martow, Trotzki und Axelrod standen, und „begannen“, wie Martow schrieb, „den Aufstand gegen den Leninismus“. Als Kampfmethode gegen die Partei wählten sie „die Desorganisierung der gesamten Parteiarbeit, Schadenstiftung, Sabotage auf Schritt und Tritt“ (Ausspruch Lenins). Sie verschanzten sich in der „Auslandsliga“ der russischen Sozialdemokraten, die zu neun Zehnteln aus emigrierten, von der Arbeit in Russland losgelösten Intellektuellen bestand, und eröffneten von hier aus das Feuer gegen die Partei, gegen Lenin und die Leninisten.

 

KAPITEL III
Menschewiki und Bolschewiki in der Periode des Russisch- Japanischen Krieges und der ersten russischen Revolution
(1904-1907)

1
Der Russisch-Japanische Krieg

Die Menschewiki, darunter Trotzki, sanken auf die Position der Vaterlandsverteidigung hinab, das heißt der Verteidigung des „Vaterlandes“ des Zaren, der Gutsbesitzer und der Kapitalisten.

Lenin und die Bolschewiki hielten im Gegenteil die Niederlage der zaristischen Regierung in diesem räuberischen Kriege für nützlich, da sie zur Schwächung des Zarismus und zur Stärkung der Revolution führen werde.

6

Der V. Parteitag

Trotzki versuchte, auf dem Parteitag ein eigenes zentristisches, das heißt halbmenschewistisches Sondergrüppchen zusammenzustoppeln; mit ihm ging jedoch niemand.

KAPITEL IV
Menschewiki und Bolschewiki in der Periode der Stolypinschen Reaktion. Formierung der Bolschewiki zu einer selbständigen marxistischen Partei
(1908-1912)

4
Der Kampf der Bolschewiki gegen den Trotzkismus
Der parteifeindliche Augustblock

Während die Bolschewiki an zwei Fronten - gegen Liquidatoren und Otsowisten - einen unversöhnlichen Kampf für die feste Linie der proletarischen Partei führten, unterstützte Trotzki die Liquidatoren in den Reihen der Menschewiki. Eben in diesen Jahren nannte Lenin ihn „Judas Trotzki“. Trotzki organisierte in Wien eine literarische Gruppe und ging daran, eine „außerfraktionelle“, in Wirklichkeit aber menschewistische Zeitung herauszugeben. Lenin schrieb damals über Trotzki: „Trotzki hat sich benommen wie der niederträchtigste Karrierist und Fraktionsmacher … Schwatzt von der Partei, benimmt sich aber schlimmer als alle übrigen Fraktionsmacher.“

Späterhin, im Jahre 1912, war Trotzki der Organisator des Augustblocks, das heißt eines Blocks aller antibolschewistischen Gruppen und Strömungen gegen Lenin, gegen die bolschewistische Partei. In diesem dem Bolschewismus feindlichen Block schlossen sich sowohl Liquidatoren als auch Otsowisten zusammen, womit sie ihre enge Verwandtschaft bewiesen. Trotzki und die Trotzkisten bezogen in allen grundlegenden Fragen eine liquidatorische Position. Aber Trotzki maskierte sein Liquidatorentum durch Zentrismus, das heißt durch Versöhnlertum, indem er vorgab, außerhalb der Bolschewiki und der Menschewiki zu stehen und angeblich ihre Versöhnung anzustreben. Lenin sagte aus diesem Anlass, dass Trotzki niederträchtiger und schädlicher ist als die offenen Liquidatoren, weil er den Arbeitern vorlügt, dass er „außerhalb der Fraktionen“ stehe, in Wirklichkeit aber restlos die Liquidatoren unter den Menschewiki unterstützt. Der Trotzkismus war der Hauptherd für die Verbreitung des Zentrismus.

„Zentrismus“, schreibt Genosse Stalin, „ist ein politischer Begriff. Seine Ideologie ist die Ideologie der Anpassung, die Ideologie der Unterordnung der proletarischen Interessen unter die Interessen der Kleinbourgeoisie innerhalb einer gemeinsamen Partei. Diese Ideologie ist dem Leninismus fremd und widerwärtig.“ (Stalin, Probleme des Leninismus, Zweite Folge, 1934, S. 77.)

In dieser Periode erwiesen sich Kamenew, Sinowjew, Rykow in Wirklichkeit als verkappte Agenten Trotzkis, da sie ihm nicht selten gegen Lenin Hilfe leisteten. Unter Mitwirkung Sinowjews, Kamenews, Rykows und anderer verkappter Bundesgenossen Trotzkis wurde gegen Lenins Willen im Januar 1910 ein Plenum des Zentralkomitees einberufen. Um diese Zeit hatte sich die Zusammensetzung des Zentralkomitees infolge der Verhaftung einer Reihe von Bolschewiki geändert, und die schwankenden Elemente erhielten die Möglichkeit, antileninsche Beschlüsse durchzubringen. So wurde auf diesem Plenum beschlossen, das Erscheinen der bolschewistischen Zeitung „Proletari“ einzustellen und einer Zeitung Trotzkis, der „Prawda“, die dieser in Wien herausgab, Geldunterstützung zu gewähren. Kamenew trat in die Redaktion von Trotzkis Zeitung ein und trachtete im Verein mit Sinowjew danach, Trotzkis Zeitung in ein Organ des Zentralkomitees zu verwandeln.

Erst auf Drängen Lenins nahm das Januarplenum des Zentralkomitees den Beschluss an, das Liquidatorentum und den Otsowismus zu verurteilen, aber auch hier beharrten Sinowjew und Kamenew auf dem trotzkistischen Antrag, die Liquidatoren nicht bei ihrem wahren Namen zu nennen.

Es kam so, wie Lenin es vorausgesehen und wovor er gewarnt hatte: nur die Bolschewiki fügten sich dem Beschluss des ZK-Plenums, stellten das Erscheinen ihres Organs, des „Proletari“ ein, die Menschewiki aber fuhren fort, ihr fraktionelles, liquidatorisches Organ „Golos Sozialdemokrata“ (Stimme des Sozialdemokraten) herauszugeben.

Der Standpunkt Lenins wurde restlos unterstützt von Genossen Stalin, der in Nr. 11 des „Sozialdemokrat“ einen besonderen Artikel veröffentlichte. In diesem Artikel wurde das Verhalten der Helfershelfer des Trotzkismus verurteilt und von der Notwendigkeit gesprochen, die in der bolschewistischen Fraktion infolge des verräterischen Verhaltens Kamenews, Sinowjews, Rykows entstandene unnormale Lage zu beseitigen. In dem Artikel wurden die aktuellen Aufgaben dargelegt, die später auf der Prager Parteikonferenz verwirklicht wurden: Einberufung einer Konferenz der Gesamtpartei, Herausgabe einer legalen Parteizeitung und Schaffung eines illegalen, mit der praktischen Leitung beauftragten Parteizentrums in Russland. Der Artikel des Genossen Stalin fußte auf Beschlüssen des Bakuer Komitees, das in vollem Umfang Lenin unterstützte.

Als Gegengewicht zum parteifeindlichen Augustblock Trotzkis, dem ausschließlich parteifeindliche Elemente, von den Liquidatoren und Trotzkisten bis zu den Otsowisten und Gottbildnern, angehörten, wurde ein Parteiblock der Anhänger der Erhaltung und Stärkung der illegalen proletarischen Partei geschaffen. Diesen Block bildeten die Bolschewiki mit Lenin an der Spitze und eine kleine Anzahl Menschewiki, die für die Erhaltung der Partei waren und an deren Spitze Plechanow stand. Plechanow und seine Gruppe der Parteianhänger unter den Menschewiki, die in einer Reihe von Fragen auf ihrem menschewistischen Standpunkt verblieben, rückten von dem Augustblock und den Liquidatoren entschieden ab und strebten ein Abkommen mit den Bolschewiki an. Lenin nahm den Vorschlag Plechanows an und ging auf einen zeitweiligen Block mit Plechanow gegen die parteifeindlichen Elemente ein, in der Erwägung, dass ein solcher Block für die Partei vorteilhaft und für die Liquidatoren verderblich war.

Genosse Stalin unterstützte diesen Block in vollem Maße. Er befand sich zu dieser Zeit in der Verbannung. In einem Brief aus der Verbannung an Lenin schrieb Genosse Stalin:

„Meiner Meinung nach ist die Linie des Blocks (Lenin-Plechanow) die einzig richtige: 1. entspricht sie, und nur sie, den wirklichen Interessen der Arbeit in Russland, die den Zusammenschluss aller wirklich zur Partei stehenden Elemente erfordern; 2. beschleunigt sie, und nur sie, den Prozess der Befreiung der legalen Organisationen vom Joche der Liquidatoren, indem sie zwischen den menschewistischen Arbeitern und den Liquidatoren eine Kluft aufreißt und die letzteren zerstreut und tödlich trifft.“ (,;Lenin und Stalin“, Bd. I, S. 529/30 russ.)

Dank geschickter Verbindung der illegalen Arbeit mit der legalen Arbeit gelang es den Bolschewiki, zu einer bedeutenden Kraft in den offen tätigen Arbeiterorganisationen zu werden. Dies äußerte sich unter anderem in dem gewichtigen Einfluss, den die Bolschewiki auf die Arbeitergruppen der vier legalen Kongresse - der Volkshochschulen, der Frauen, der Fabrikärzte und der Alkoholgegner - ausübten, die in dieser Periode stattfanden. Das Auftreten der Bolschewiki auf diesen legalen Kongressen hatte große politische Bedeutung, es fand Widerhall im ganzen Land. So entlarvte zum Beispiel die bolschewistische Arbeiterdelegation auf dem Kongress der Volkshochschulen die Politik des Zarismus, der jede Bildungsarbeit erstickte, und wies nach, dass ohne die Beseitigung des Zarismus ein wahrer Kulturaufschwung im Lande undenkbar war. Die auf dem Kongress der Fabrikärzte auftretende Arbeiterdelegation berichtete von den fürchterlichen sanitären Verhältnissen, unter denen die Arbeiter arbeiten und leben mussten, und kam zu dem Schluss, dass ohne den Sturz des zaristischen Regimes die Gewerbehygiene nicht richtig organisiert werden konnte.

Die Bolschewiki verdrängten die Liquidatoren allmählich aus den verschiedenen unversehrt gebliebenen legalen Organisationen. Die eigenartige Taktik der Einheitsfront mit der Plechanowschen Parteigruppe ermöglichte es den Bolschewiki, eine Reihe menschewistischer Arbeiterorganisationen zu erobern (Wiborger Rayon in Petersburg, Jekaterinoslaw u. a.).

In dieser schwierigen Periode boten die Bolschewiki durch ihre Arbeit ein Musterbeispiel dafür, wie man die legale mit der illegalen Arbeit verbinden muss.

5
Die Prager Parteikonferenz von 1912
Die Formierung der Bolschewiki zu einer selbständigen marxistischen Partei

Der Kampf mit den Liquidatoren und Otsowisten sowie der Kampf mit den Trotzkisten stellte den Bolschewiki die dringliche Aufgabe, alle Bolschewiki zu einer Einheit zusammenzuschließen und eine selbständige bolschewistische Partei aus ihnen zu formieren. Dies war dringend notwendig nicht nur, um mit den opportunistischen Strömungen in der Partei, die die Arbeiterklasse spalteten, Schluss zu machen. Dies musste man außerdem tun, um die Sammlung der Kräfte der Arbeiterklasse zu Ende zu führen und die Arbeiterklasse für den neuen revolutionären Aufschwung vorzubereiten.

Um aber diese Aufgabe zu erfüllen, war es vor allem notwendig, die Partei von den Opportunisten, von den Menschewiki zu säubern. (...)

Die ganze Geschichte des Kampfes mit den „Ökonomisten“, den Menschewiki, den Trotzkisten, den Otsowisten, den Idealisten aller Spielarten bis zu den Empiriokritizisten - war die Geschichte der Vorbereitung eben einer solchen Partei.

Zusammenfassung

Die Menschewiki wenden sich in dieser Periode immer mehr von der Revolution ab. Sie werden zu Liquidatoren, fordern die Liquidierung, die Vernichtung der illegalen, revolutionären Partei des Proletariats, sagen sich immer offener von dem Parteiprogramm, von den revolutionären Aufgaben und Losungen der Partei los, versuchen ihre eigene, eine reformistische Partei zu organisieren, welche die Arbeiter „Stolypinsche Arbeiterpartei“ tauften. Trotzki unterstützt die Liquidatoren und maskiert sich dabei pharisäisch mit der Losung der „Einheit der Partei“ - was in Wirklichkeit die Einheit mit den Liquidatoren bedeutete.

Auf der anderen Seite fordert ein Teil der Bolschewiki, der die Notwendigkeit einer Wendung zu neuen Wegen, zu Umgehungsmethoden im Kampf gegen den Zarismus nicht verstanden hat, den Verzicht auf die Ausnutzung legaler Möglichkeiten, fordert die Abberufung der Arbeiterdeputierten aus der Reichsduma. Die Otsowisten drängen die Partei zur Loslösung von den Massen, stören die Sammlung der Kräfte für den neuen revolutionären Aufschwung. Sich mit „linken“ Phrasen drapierend, verzichten die Otsowisten im Grunde ebenso wie die Liquidatoren auf den revolutionären Kampf.

Die Liquidatoren und Otsowisten vereinigen sich gegen Lenin zu einem gemeinsamen Block, dem von Trotzki organisierten Augustblock.

Im Kampfe gegen Liquidatoren und Otsowisten, im Kampfe gegen den Augustblock gewinnen die Bolschewiki die Oberhand und verteidigen erfolgreich die illegale proletarische Partei.

Das wichtigste Ereignis dieser Periode ist die Prager Parteikonferenz der SDAPR (Januar 1912). Auf dieser Konferenz wurden die Menschewiki aus der Partei verjagt, wurde mit der formalen Vereinigung der Bolschewiki mit den Menschewiki in einer Partei für immer Schluss gemacht. Aus einer politischen Gruppe formieren sich die Bolschewiki zu der selbständigen Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Russlands (Bolschewiki). Die Prager Konferenz legte den Grundstein zu einer Partei von neuem Typus, der Partei des Leninismus, der bolschewistischen Partei.

Die von der Prager Konferenz durchgeführte Säuberung der proletarischen Partei von den Opportunisten, von den Menschewiki, hatte große, entscheidende Bedeutung für die weitere Entwicklung der Partei und der Revolution. Hätten die Bolschewiki die Verräter an der Arbeitersache, die menschewistischen Paktierer, nicht aus der Partei vertrieben, so hätte die proletarische Partei im Jahre 1917 die Massen nicht zur Erkämpfung der Diktatur des Proletariats führen können.

KAPITEL VI
Die Partei der Bolschewiki in der Periode des imperialistischen Krieges. Die zweite Revolution in Russland
(1914 bis März 1917)

2
Der Übergang der Parteien der II. Internationale auf die Seite ihrer imperialistischen Regierungen
Der Zerfall der II .Internationale in einzelne sozialchauvinistische Parteien

Nicht weniger gefährlich für die Sache des Proletariats waren die versteckten Sozialchauvinisten, die so genannten Zentristen. Die Zentristen - Kautsky, Trotzki, Martow und andere - rechtfertigten und verteidigten die offenen Sozialchauvinisten und verrieten somit im Verein mit den Sozialchauvinisten das Proletariat, wobei sie ihren Verrat mit „linken“, auf Betrug an der Arbeiterklasse berechneten Phrasen vom Kampf gegen den Krieg verschleierten. In der Tat unterstützten die Zentristen den Krieg, denn der Vorschlag der Zentristen, nicht gegen die Kriegskredite zu stimmen und sich bei der Abstimmung über die Kriegskredite auf Stimmenthaltung zu beschränken, bedeutete die Unterstützung des Krieges. Sie forderten ebenso wie die Sozialchauvinisten den Verzicht auf den Klassenkampf während des Krieges, um ihre imperialistische Regierung nicht an der Kriegführung zu behindern. Der Zentrist Trotzki war in allen wichtigen Fragen des Krieges und des Sozialismus gegen Lenin, gegen die bolschewistische Partei.

 

KAPITEL VII
Die Partei der Bolschewiki in der Periode der Vorbereitung und Durchführung der sozialistischen Oktoberrevolution
(April 1917-1918)

4
Der Kurs der Partei der Bolschewiki auf die Vorbereitung des bewaffneten Aufstands
Der VI. Parteitag

Die Partei ging dem bewaffneten Aufstand entgegen.

Auf dem Parteitag fanden sich Leute, die, den Einfluss der Bourgeoisie widerspiegelnd, gegen den Kurs auf die sozialistische Revolution auftraten.

Der Trotzkist Preobrashenski stellte den Antrag, in der Revolution über die Eroberung der Macht zu sagen, man könnte nur im Falle der proletarischen Revolution im Westen das Land auf den sozialistischen Weg lenken.

Gegen diesen trotzkistischen Antrag trat Genosse Stalin auf.

„Die Möglichkeit ist nicht ausgeschlossen“, sagte Genosse Stalin, „dass gerade Russland das Land sein wird, das den Weg zum Sozialismus bahnt... Man muss die überlebte Vorstellung fallen lassen, dass nur Europa uns den Weg weisen könne. Es gibt einen dogmatischen Marxismus und einen schöpferischen Marxismus. Ich stehe auf dem Boden des letzteren.“ (Ebenda, S. 172 und 173.)

Bucharin, der auf dem Boden des Trotzkismus stand, behauptete, dass die Bauern zugunsten der „Vaterlandsverteidiger“ gestimmt seien, dass sie sich in einem Block mit der Bourgeoisie befänden und der Arbeiterklasse nicht folgen würden.

Genosse Stalin trat Bucharin entgegen und legte dar, dass es verschiedene Bauern gibt: wohlhabende Bauern, die die imperialistische Bourgeoisie unterstützen, und eine arme Bauernschaft, die nach dem Bündnis mit der Arbeiterklasse strebt und sie im Kampfe um den Sieg der Revolution unterstützen wird.

Der Parteitag verwarf die Abänderungsanträge Preobrashenskis und Bucharins und nahm den Resolutionsentwurf des Genossen Stalin an.

(...)

Auf dem Parteitag wurde die Frage behandelt, ob sich Lenin dem Gerichte stellen solle. Kamenew, Rykow, Trotzki und andere vertraten schon vor dem Parteitag die Auffassung, dass sich Lenin dem Gericht der Konterrevolutionäre stellen solle. Genosse Stalin sprach sich entschieden gegen das Erscheinen Lenins vor Gericht aus. Der VI. Parteitag sprach sich ebenfalls dagegen aus, da er der Auffassung war, dass man dort nicht Gericht halten, sondern Henkerwerk verrichten werde. Der Parteitag zweifelte nicht daran, dass die Bourgeoisie nur das eine anstrebte - mit Lenin, als ihrem gefährlichsten Feind, physisch abzurechnen.

Der VI. Parteitag nahm die Mitglieder der „Zwischengruppe“ („Meshrajonzi“) samt ihrem Führer Trotzki in die Partei auf. Das war eine kleine Gruppe, die seit 1913 in Petrograd existierte und aus trotzkistischen Menschewiki und einem Teil ehemaliger Bolschewiki bestand, die sich von der Partei abgespalten hatten. Die „Zwischengruppe“ war während des Krieges eine zentristische Organisation. Sie kämpfte gegen die Bolschewiki, war aber auch mit den Menschewiki in vielem nicht einverstanden und nahm somit eine zentristische, schwankende Zwischenstellung ein. Während des VI. Parteitags erklärte die „Zwischengruppe“, dass sie mit den Bolschewiki in allem einverstanden sei, und bat um Aufnahme in die Partei. Der Parteitag kam ihrer Bitte nach, da er darauf rechnete, dass ihre Mitglieder mit der Zeit zu wirklichen Bolschewiki werden könnten. Manche Mitglieder dieser „Zwischengruppe“, zum Beispiel Wolodarski, Uritzki und andere, wurden in der Tat nachher Bolschewiki. Was Trotzki und das Häuflein seiner engeren Freunde betrifft, so traten diese, wie sich später zeigte, in die Partei ein, nicht um für die Partei zu arbeiten, sondern um sie zu erschüttern und von innen zu sprengen.

6
Der Oktoberaufstand in Petrograd und die Verhaftung der Provisorischen Regierung
Der II. Sowjetkongress und die Bildung der Sowjetregierung
Die Dekrete des II. Sowjetkongresses über den Frieden und über den Grund und Boden
Der Sieg der sozialistischen Revolution
Die Ursachen des Sieges der sozialistischen Revolution

Am 10. Oktober 1917 fand die historische Sitzung des Zentralkomitees der Partei statt, in der beschlossen wurde, in den nächsten Tagen den bewaffneten Aufstand zu beginnen. Gegen diesen historischen Beschluss sprachen und stimmten zwei Mitglieder des Zentralkomitees, Kamenew und Sinowjew. Sie schwärmten ebenso wie die Menschewiki für eine bürgerliche parlamentarische Republik und verleumdeten die Arbeiterklasse durch die Behauptung, sie hätte nicht die Kräfte, die sozialistische Revolution durchzuführen, sie wäre für die Machtübernahme noch nicht reif.

In dieser Sitzung stimmte Trotzki zwar nicht direkt gegen die Resolution, beantragte aber zur Resolution eine solche Abänderung, dass dadurch der Aufstand vereitelt und zum Scheitern gebracht werden musste. Er beantragte, den Aufstand nicht vor der Eröffnung des II. Sowjetkongresses zu beginnen - was bedeutet hätte, die Durchführung des Aufstands hinauszuziehen, den Tag des Aufstands vorher zu verraten, die Provisorische Regierung davon in Kenntnis zu setzen.

In der Sitzung des Zentralkomitees traten die Kapitulanten Sinowjew und Kamenew neuerlich gegen den Aufstand auf. Nachdem sie zurückgewiesen worden waren, gingen sie so weit, in der Presse offen gegen den Aufstand, gegen die Partei Stellung zu nehmen. Am 18. Oktober erschien in der menschewistischen Zeitung „Nowaja Shisn“ (Das neue Leben) eine Erklärung Kamenews und Sinowjews, dass die Bolschewiki einen Aufstand vorbereiten, sie hingegen den Aufstand für ein Abenteuer halten. Damit enthüllten Kamenew und Sinowjew dem Feind den Beschluss des Zentralkomitees über den Aufstand, über die unmittelbar bevorstehende Organisierung des Aufstandes. Das war Verrat. Lenin schrieb im Zusammenhang damit: „Kamenew und Sinowjew haben den Beschluss des Zentralkomitees ihrer Partei über den bewaffneten Aufstand an Rodsjanko und Kerenski verraten.“ Lenin warf vor dem Zentralkomitee die Frage auf, Sinowjew und Kamenew aus der Partei auszuschließen.

In der Sitzung des Petrograder Sowjets posaunte Trotzki vor dem Feinde großmäulig den Termin des Aufstands aus, den Tag, für den die Bolschewiki den Beginn des Aufstands angesetzt hatten. Um der Regierung Kerenski nicht die Möglichkeit zu bieten, den bewaffneten Aufstand zu vereiteln, beschloss das Zentralkomitee der Partei, den Aufstand vor dem festgesetzten Termin, und zwar einen Tag vor der Eröffnung des II. Sowjetkongresses, zu beginnen und durchzuführen.

Am 15. November 1917 nahm das Zentralkomitee der Partei der Bolschewiki eine Resolution an, in der eine Verständigung mit diesen konterrevolutionären Parteien abgelehnt wurde und Kamenew und Sinowjew als Streikbrecher der Revolution gekennzeichnet wurden. Am 17. November erklärten Kamenew, Sinowjew, Rykow und Miljutin, die mit der Politik der Partei nicht einverstanden waren, ihren Austritt aus dem Zentralkomitee. An demselben Tage, am 17. November, gab Nogin in seinem Namen und im Namen Rykows, W. Miljutins, Theodorowitschs, A. Schljapnikows, D. Rjasanows, Jurenews und Larins, die dem Rat der Volkskommissare angehörten, eine Erklärung ab, dass sie mit der Politik des Zentralkomitees der Partei nicht einverstanden seien und dass die genannten Personen aus dem Rat der Volkskommissare austreten. Die Flucht einer Handvoll Feiglinge löste bei den Feinden der Oktoberrevolution Jubel aus. Die gesamte Bourgeoisie und ihre Helfershelfer erhoben ein schadenfrohes Geschrei, sprachen von einem Zerfall des Bolschewismus und prophezeiten den Untergang der bolschewistischen Partei. Aber die Handvoll Deserteure konnte die Partei auch nicht für einen Augenblick ins Wanken bringen. Das Zentralkomitee der Partei stellte sie voller Verachtung an den Pranger, als Deserteure der Revolution und Helfershelfer der Bourgeoisie, und ging zur Tagesordnung über.

 

7
Der Kampf der bolschewistischen Partei für die Festigung der Sowjetmacht
Der Brester Friede
Der VII. Parteitag

 

Alle Konterrevolutionäre, von den Menschewiki und Sozialrevolutionären bis zu den abgefeimtesten Weißgardisten, betrieben eine wütende Agitation gegen die Unterzeichnung des Friedens. Ihre Linie war klar: sie wollten die Friedensverhandlungen vereiteln, eine Offensive der Deutschen provozieren und die Existenz der noch nicht gefestigten Sowjetmacht aufs Spiel setzen, die Errungenschaften der Arbeiter und Bauern in Gefahr bringen.

Ihre Verbündeten bei diesem ruchlosen Treiben waren Trotzki und dessen Handlanger Bucharin, der zusammen mit Radek und Pjatakow an der Spitze einer parteifeindlichen Gruppe stand, die sich zur Tarnung Gruppe „linker Kommunisten“ nannte. Trotzki und die Gruppe „linker Kommunisten“ eröffneten innerhalb der Partei einen wütenden Kampf gegen Lenin und forderten die Fortführung des Krieges. Diese Leute arbeiteten offenkundig den deutschen Imperialisten und den Konterrevolutionären innerhalb des Landes in die Hände, da sie darauf ausgingen, die junge Sowjetrepublik, die noch keine Armee hatte, den Schlägen des deutschen Imperialismus auszusetzen.

Das war eine provokatorische Politik eigentümlicher Art, die mit linken Phrasen raffiniert verhüllt war.

Am 10. Februar 1918 wurden die Friedensverhandlungen in Brest-Litowsk abgebrochen. Ungeachtet dessen, dass Lenin und Stalin im Namen des Zentralkomitees der Partei auf der Unterzeichnung des Friedens bestanden, setzte sich Trotzki, der Vorsitzender der Sowjetdelegation in Brest-Litowsk war, verräterisch über die ausdrücklichen Direktiven der bolschewistischen Partei hinweg. Er erklärte, dass die Sowjetrepublik die Unterzeichnung des Friedens zu den von Deutschland vorgeschlagenen Bedingungen ablehne, und teilte zugleich den Deutschen mit, dass die Sowjetrepublik keinen Krieg führen werde und die Demobilisierung der Armee fortsetze.

Das war ungeheuerlich. Mehr konnten die deutschen Imperialisten von einem Verräter an den Interessen des Sowjetlandes gar nicht verlangen.

Lenin, Stalin und Swerdlow hatten im Zentralkomitee einen hartnäckigen Kampf gegen Trotzki, Bucharin und andere Trotzkisten zu bestehen, um den Beschluss über den Frieden durchzusetzen. Lenin wies darauf hin, dass Bucharin und Trotzki „in Wirklichkeit den deutschen Imperialisten geholfen und das Wachstum und die Entwicklung der Revolution in Deutschland behindert haben“. (Lenin, Ausgew. Werke in zwei Blinden, Bd. II, S. 325.)

Am 23. Februar fasste das Zentralkomitee den Beschluss, die Bedingungen der deutschen Heeresleitung anzunehmen und den Friedensvertrag zu unterzeichnen. Der Verrat Trotzkis und Bucharins kam der Sowjetrepublik teuer zu stehen. Lettland, Estland, ganz zu schweigen von Polen, fielen Deutschland zu, die Ukraine wurde von der Sowjetrepublik losgetrennt und in einen deutschen Vasallenstaat verwandelt. Die Sowjetrepublik übernahm die Verpflichtung, den Deutschen eine Kontribution zu zahlen.

Unterdessen setzten die „linken Kommunisten“ den Kampf gegen Lenin fort und glitten immer tiefer und tiefer in den Sumpf des Verrats hinab.

Das Moskauer Gebietsbüro der Partei, das die „linken Kommunisten“ (Bucharin, Ossinski, Jakowlewa, Stukow, Manzew) vorübergehend an sich gerissen hatten, nahm eine auf die Spaltung der Partei abzielende Resolution an, in der es dem Zentralkomitee das Misstrauen aussprach und erklärte, dass es „die Spaltung der Partei in der nächsten Zeit für kaum abwendbar“ halte. Sie verstiegen sich in dieser Resolution zu der Annahme eines antisowjetischen Beschlusses: „Im Interesse der internationalen Revolution“, schrieben die „linken Kommunisten“ in diesem Beschluss, „halten wir es für zweckmäßig, es auf die Möglichkeit der Preisgabe der Sowjetmacht, die jetzt rein formal wird, ankommen zu lassen.“

Lenin nannte diesen Beschluss „seltsam und ungeheuerlich“.

Damals war die wirkliche Ursache dieses parteifeindlichen Verhaltens Trotzkis und der „linken Kommunisten“ für die Partei noch nicht klar. Wie aber vor kurzem der Prozess gegen den antisowjetischen „Block der Rechten und Trotzkisten“ (Anfang 1938) festgestellt hat, hatten damals Bucharin und die von ihm geleitete Gruppe „linker Kommunisten“ zusammen mit Trotzki und den „linken“ Sozialrevolutionären, wie offenbar wurde, eine geheime Verschwörung gegen die Sowjetregierung angezettelt. Bucharin, Trotzki und ihre Mitverschworenen setzten sich, wie sich herausgestellt hat, das Ziel, den Brester Friedensvertrag zu vereiteln, W.I. Lenin, J.W. Stalin, J. M. Swerdlow zu verhaften, sie zu ermorden und eine neue Regierung aus Bucharinleuten, Trotzkisten und „linken“ Sozialrevolutionären zu bilden.

Gleichzeitig mit der Organisierung der geheimen konterrevolutionären Verschwörung unternahm die Gruppe „linker Kommunisten“ mit Unterstützung Trotzkis einen offenen Angriff gegen die bolschewistische Partei, in dem Bestreben, die Partei zu spalten und die Parteireihen zu zersetzen. Die Partei schloss sich aber in diesem schweren Moment um Lenin, Stalin, Swerdlow zusammen und unterstützte das Zentralkomitee in der Frage des Friedens ebenso wie in allen anderen Fragen.

Die Gruppe „linker Kommunisten“ war somit isoliert und geschlagen. Zur endgültigen Beschlussfassung über die Frage des Friedens wurde der VII. Parteitag einberufen.

Der VII. Parteitag wurde am 6. März 1918 eröffnet. Das war der erste Parteitag, der nach der Machtübernahme durch unsere Partei einberufen wurde. Der Parteitag bestätigte die Richtigkeit der Leninschen Linie in der Frage des Brester Friedens, verurteilte die Haltung Trotzkis und Bucharins und brandmarkte den Versuch der „linken Kommunisten“, die eine Niederlage erlitten hatten, die Spaltungsarbeit auf dem Parteitag selbst fortzusetzen. Der VII. Parteitag vollbrachte somit ein gewaltiges historisches Werk: er zerschlug die versteckten Feinde innerhalb der Partei, die „linken Kommunisten“ und Trotzkisten, er errang den Ausweg aus dem imperialistischen Krieg, er führte den Frieden herbei, eine Atempause, er gab der Partei die Möglichkeit, Zeit zu gewinnen, um die Rote Armee zu organisieren, und verpflichtete die Partei, in der Volkswirtschaft sozialistische Ordnung zu schaffen.

 

8
Der Leninsche Plan der Inangriffnahme des sozialistischen Aufbaus
Die Komitees der Dorfarmut und die Bändigung des Kulakentums
Die Meuterei der „linken“ Sozialrevolutionäre und ihre Niederschlagung
Der V. Sowjetkongress und die Annahme der Verfassung der Russischen
Sozialistischen Föderativen Sowjetrepublik

Die „linken Kommunisten“, die zusammen mit den Sozialrevolutionären und Menschewiki vorgingen, führten auch in diesen Fragen einen Kampf gegen Lenin. Bucharin, Ossinski und andere wandten sich gegen die Einführung der Arbeitsdisziplin, gegen die individuelle Leitung in den Betrieben, gegen die Verwendung von Spezialisten in der Industrie, gegen die Durchführung des Rentabilitätsprinzips. Sie verleumdeten Lenin durch die Behauptung, dass eine solche Politik die Rückkehr zu bürgerlichen Zuständen bedeute. Gleichzeitig propagierten die „linken Kommunisten“ die trotzkistischen Auffassungen, dass der sozialistische Aufbau und der Sieg des Sozialismus in Russland unmöglich seien.

Hinter den „linken“ Phrasen der „linken Kommunisten“ verbarg sich die Verteidigung der Kulaken, der Tagediebe, der Spekulanten, die gegen die Disziplin waren und sich zur staatlichen Regulierung des Wirtschaftslebens, zur Registrierung und Kontrolle feindselig verhielten. (...)

Am 4. Juli 1918 wurde der V. Sowjetkongress eröffnet. Auf dem Kongress entfalteten die „linken“ Sozialrevolutionäre zur Verteidigung der Kulaken einen wütenden Kampf gegen Lenin. Sie forderten die Einstellung des Kampfes gegen das Kulakentum und den Verzicht auf die Entsendung von Arbeiterabteilungen für Lebensmittelbeschaffung ins Dorf. Als sich die „linken“ Sozialrevolutionäre überzeugt hatten, dass ihre Linie bei der Kongressmehrheit auf harten Widerstand stieß, organisierten sie in Moskau einen Putsch, besetzten die Trjochswjatitelski-Gasse und eröffneten von dort aus Artilleriefeuer auf den Kreml. Dieses Abenteuer der „linken’“ Sozialrevolutionäre wurde jedoch von den Bolschewiki im Laufe weniger Stunden niedergeschlagen. An einigen Stellen des Landes unternahmen die örtlichen Organisationen der „linken“ Sozialrevolutionäre ebenfalls Putschversuche, doch wurde diesem Abenteuer überall rasch ein Ende bereitet.

Wie nunmehr im Prozess gegen den antisowjetischen „Block der Rechten und Trotzkisten“ festgestellt worden ist, war die Meuterei der „linken“ Sozialrevolutionäre mit Wissen und Einverständnis von Bucharin und Trotzki angezettelt worden und bildete einen Teil des Gesamtplanes einer konterrevolutionären Verschwörung der Bucharinleute, Trotzkisten und „linken“ Sozialrevolutionäre gegen die Sowjetmacht.

In derselben Zeit drang der „linke“ Sozialrevolutionär Blumkin - in der Folge ein Agent Trotzkis - in die deutsche Botschaft ein und ermordete den deutschen Botschafter in Moskau, Mirbach, um einen Krieg mit Deutschland zu provozieren. Der Sowjetregierung gelang es jedoch, den Krieg abzuwenden und die Provokation der Konterrevolutionäre zu durchkreuzen.

 

KAPITEL VIII
Die Partei der Bolschewiki in der Periode der ausländischen militärischen Intervention und des Bürgerkrieges
(1918-1920)

2
Die militärische Niederlage Deutschlands
Die Revolution in Deutschland
Die Gründung der III. Internationale - Der VIII. Parteitag

Der Parteitag nahm den Vorschlag Lenins an, neben der Definition des Imperialismus als des höchsten Stadiums des Kapitalismus eine Beschreibung des Industriekapitalismus und der einfachen Warenwirtschaft in das Programm aufzunehmen, wie sie schon in dem alten, vom II. Parteitag angenommenen Programm enthalten war. Lenin hielt es für notwendig, die Kompliziertheit unseres Wirtschaftslebens im Programm zu berücksichtigen und darauf hinzuweisen, dass es im Lande verschiedene Wirtschaftsformationen gab, darunter die kleine Warenwirtschaft, deren Träger der Mittelbauer war. Daher trat Lenin bei Erörterung des Programms entschieden gegen die antibolschewistischen Auffassungen Bucharins auf, der beantragte, aus dem Programm die Punkte für den Kapitalismus, über die kleine Warenproduktion, über die Wirtschaft des Mittelbauern zu streichen. Die Auffassungen Bucharins bedeuteten die menschewistisch-trotzkistische Verneinung der Rolle des Mittelbauern in der Aufbauarbeit des Sowjetlandes. Gleichzeitig vertuschte Bucharin die Tatsache der Entstehung und des Wachstums kulakischer Elemente aus der kleinen, bäuerlichen Warenwirtschaft. (...)

Besondere Behandlung fand auf dem Parteitag die Frage des Aufbaus der Roten Armee. Auf dem Parteitag trat eine so genannte „militärische Opposition“ auf. Sie vereinigte eine nicht geringe Anzahl früherer „linker Kommunisten“. Aber außer Vertretern des zertrümmerten „linken Kommunismus“ gehörten der „militärischen Opposition“ auch Parteiarbeiter an, die niemals an irgendeiner Opposition teilgenommen hatten, aber unzufrieden waren mit Trotzkis Leitung in der Armee. Die meisten militärischen Delegierten waren schroff gegen Trotzki eingestellt, gegen seine Liebedienerei vor den militärischen Spezialisten aus der alten zaristischen Armee, von denen ein Teil uns während des Bürgerkrieges direkt verriet, gegen das hochmütige und feindliche Verhalten Trotzkis zu den alten bolschewistischen Kadern in der Armee. Auf dem Parteitag wurden Beispiele „aus der Praxis“ dafür angeführt, wie Trotzki eine ganze Reihe ihm missliebiger verantwortlicher Kommunisten, die als militärische Funktionäre an der Front standen, erschießen lassen wollte, womit er dem Feind in die Hände arbeitete, und wie nur die Einmischung des Zentralkomitees und die Proteste der militärischen Funktionäre den Tod dieser Genossen abwendeten.

Im Kampfe gegen die Entstellung der Militärpolitik der Partei durch Trotzki verfocht die „militärische Opposition“ jedoch unrichtige Auffassungen in einer Reihe von Fragen des militärischen Aufbaus. Lenin und Stalin traten entschieden gegen die „militärische Opposition“ auf, die die Überbleibsel des Partisanentums in der Armee verteidigte und gegen die Schaffung einer regulären Roten Armee, gegen die Ausnutzung militärischer Spezialisten und gegen die eiserne Disziplin kämpfte, ohne die eine Armee keine wirkliche Armee sein kann. Der „militärischen Opposition“ entgegentretend, forderte Genosse Stalin die Schaffung einer vom Geiste strengster Disziplin durchdrungenen regulären Armee.

„Entweder bringen wir es fertig“, sagte Genosse Stalin, „eine streng disziplinierte wirkliche Arbeiter- und Bauernarmee, vorwiegend aus Bauern bestehend, zu schaffen und behaupten die Republik, oder wir gehen zugrunde.“

Der Parteitag, der eine Reihe von Anträgen der „militärischen Opposition“ ablehnte, versetzte gleichzeitig Trotzki einen Hieb, und zwar dadurch, dass er eine Verbesserung der Arbeit der zentralen militärischen Institutionen und eine Verstärkung der Rolle der Kommunisten in der Armee forderte.

Infolge der Arbeit der auf dem Parteitag eingesetzten militärischen Kommission wurde ein einmütiger Beschluss des Parteitags zur Militärfrage erreicht.

Die Beschlüsse des Parteitags zur Militärfrage führten zur Stärkung der Roten Armee und zu ihrer weiteren Annäherung an die Partei.

 

4
Der Überfall der polnischen Barone auf das Sowjetland
Der Vorstoß des Generals Wrangel
Das Scheitern des polnischen Plans
Die Vernichtung Wrangels
Das Ende der Intervention

Im April 1920 brachen die polnischen Truppen in das Gebiet der Sowjetukraine ein und besetzten Kiew. Gleichzeitig ging Wrangel zur Offensive über und bedrohte das Donezbecken.

Als Antwort auf den Überfall der polnischen Truppen entfalteten die roten Truppen an der ganzen Front eine Gegenoffensive. Nach Befreiung Kiews und Vertreibung der polnischen Barone aus der Ukraine und Bjelorussland stürmten die roten Truppen der Südfront im Schwung ihrer Offensive bis vor die Tore von Lemberg in Galizien, während die Truppen der Westfront sich Warschau näherten. Eine völlige Niederlage der Truppen der polnischen Barone stand bevor.

Aber die verdächtigen Handlungen Trotzkis und seiner Anhänger im Generalstab der Roten Armee vereitelten die Erfolge der Roten Armee. Die Offensive der roten Truppen an der Westfront, auf Warschau, verlief durch Verschulden Trotzkis und Tuchatschewskis völlig unorganisiert: man ließ die Truppen nicht die eroberten Positionen befestigen, die vordersten Truppeneinheiten wurden zu weit vorgeschickt, Reserven und Munition wurden zu weit in der Etappe belassen, so dass die vordersten Truppenteile ohne Munition, ohne Reserven blieben, die Frontlinie wurde endlos verlängert und infolgedessen die Durchbrechung der Front erleichtert. Infolge aller dieser Umstände waren unsere Truppen, als ein kleiner Teil der polnischen Truppen unsere Westfront an einem Punkte durchbrach, von der Munitionszufuhr abgeschnitten, zum Rückzug gezwungen. Was die Truppen der Südfront betrifft, die vor den Toren von Lemberg standen und dort die Polen bedrängten, so verbot der „Chef“ des Revolutionären Kriegsrats, Trotzki, diesen Truppen, Lemberg einzunehmen, und erteilte ihnen den Befehl, die Reiterarmee, das heißt die Hauptkraft der Südfront, weit nach Nordosten zu werfen, angeblich zur Unterstützung der Westfront, obwohl es nicht schwer war zu begreifen, dass die Einnahme Lembergs die einzig mögliche und beste Hilfe für die Westfront gewesen wäre. Aber die Abkommandierung der Reiterarmee aus dem Heeresbestand der Südfront und ihr Abzug von Lemberg bedeuteten in Wirklichkeit einen Rückzug unserer Truppen auch an der Südfront. Auf diese Weise wurde durch den Schädlingsbefehl Trotzkis den Truppen unserer Südfront ein unverständlicher und durch gar nichts begründeter Rückzug aufgezwungen, zum Jubel der polnischen Barone. Das war eine direkte Hilfe, aber nicht für unsere Westfront, sondern für die polnischen Barone und für die Entente.

 

KAPITEL IX
Die Partei der Volkswirtschaft
(1921-1925)

2
Die Parteidiskussion über die Gewerkschaften
Der X. Parteitag
Die Niederlage der Opposition
Der Übergang zur Neuen Ökonomischen Politik (NÖP)

Dem Zentralkomitee der Partei, seiner Leninschen Mehrheit war es klar, dass es nach Beendigung des Krieges und nach dem Übergang zu friedlichem wirtschaftlichem Aufbau keinen Grund mehr gab, das durch die Verhältnisse des Krieges und der Blockade bedingte harte Regime des Kriegskommunismus beizubehalten. (...)

Aber nicht alle Parteimitglieder dachten so wie das Zentralkomitee. Die oppositionellen Grüppchen - Trotzkisten, „Arbeiteropposition“, „linke Kommunisten“, „demokratische Zentralisten“ usw. - befanden sich in einem Zustand der Zerfahrenheit und machten angesichts der Schwierigkeiten des Übergangs auf die Bahnen des friedlichen wirtschaftlichen Aufbaus Schwankungen durch. In der Partei gab es nicht wenige frühere Menschewiki, frühere Sozialrevolutionäre, frühere Bundisten, frühere Borotbisten [Borotbisten - linker Flügel der nationalchauvinistischen Partei der ukrainischen Sozialrevolutionäre, benannt nach ihrem Zentralorgan „Borotba“ (Der Kampf), das bis zum Jahre 1918 erschien. Die Red.] und Halbnationalisten aller Art aus den Randgebieten Russlands. Sie gehörten zum größten Teil diesen oder jenen oppositionellen Grüppchen an. Da sie keine wirklichen Marxisten waren, da sie die ökonomischen Entwicklungsgesetze nicht kannten, da sie nicht die parteifeste Leninsche Stählung hatten, so steigerten diese Leute nur die Zerfahrenheit und die Schwankungen der oppositionellen Grüppchen. Die einen von ihnen meinten, dass man das harte Regime des Kriegskommunismus nicht abzuschwächen brauche, dass es im Gegenteil nötig sei, „die Schrauben fester anzuziehen“. Die anderen meinten, dass die Partei und der Staat sich der Wiederherstellung der Volkswirtschaft fernzuhalten hätten, dass diese Sache ganz und gar in die Hand der Gewerkschaften zu legen wäre.

Es war klar, dass sich bei solcher Zerfahrenheit in einigen Schichten der Partei Leute finden würden, Liebhaber von Parteidiskussionen, verschiedenartige oppositionelle „Anführer“, die danach trachten, der Partei eine Diskussion aufzuzwingen.

So geschah es auch.

Die Diskussion begann mit der Frage über die Rolle der Gewerkschaften, obwohl die Frage der Gewerkschaften damals nicht die Hauptfrage der Politik der Partei war.

Einpeitscher der Diskussion und des Kampfes gegen Lenin, gegen die Leninsche Mehrheit des Zentralkomitees war Trotzki. Bestrebt, die Lage zu verschärfen, trat er in der Sitzung der kommunistischen Fraktion der V. Allrussischen Gewerkschaftskonferenz Anfang November 1920 mit der bedenklichen Losung der „Anziehung der Schrauben“ und der „Durchrüttelung der Gewerkschaften“ hervor. Trotzki stellte die Forderung nach sofortiger „Verstaatlichung der Gewerkschaften“ auf. Er war gegen die Methode der Überzeugung der Arbeitermassen. Er war für das Hineintragen der militärischen Methode in die Gewerkschaften. Trotzki war gegen die Entfaltung der Demokratie in den Gewerkschaften, gegen die Wählbarkeit der Gewerkschaftsorgane.

An Stelle der Methode der Überzeugung, ohne die die Tätigkeit der Arbeiterorganisationen undenkbar ist, schlugen die Trotzkisten die nackte Zwangsmethode, die nackte Kommandomethode vor. Durch ihre Politik trugen die Trotzkisten dort, wo sie in die Führung der Gewerkschaften gelangten, Konflikte, Spaltunisteng und Zersetzung in die Gewerkschaften hinein. Die Trotzkisten suchten durch ihre Politik die parteilose Masse der Arbeiter gegen die Partei aufzuputschen, die Arbeiterklasse zu spalten.

Die Parteidiskussion über die Gewerkschaften hatte in Wirklichkeit eine Bedeutung, die weit über die Gewerkschaftsfrage hinausging. Wie später in der Resolution des Plenums des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Russlands (Bolschewiki) (vom 17. Januar 1925) aufgezeigt wurde, ging der Streit in Wirklichkeit „um das Verhältnis zur Bauernschaft, die sich gegen den Kriegskommunismus wandte, um das Verhältnis zur parteilosen Arbeitermasse, überhaupt um das Herangehen der Partei an die Masse in einem Zeitabschnitt, wo der Bürgerkrieg bereits zu Ende ging“. (Die KPdSU[B] in Resolutionen, Teil 1., S. 651 russ.)

Im Anschluss an Trotzki traten auch die anderen parteifeindlichen Gruppen auf: die „Arbeiteropposition“ (Schljapnikow, Medwedew, Kollontaj und andere), die „demokratischen Zentralisten“ (Sapronow, Drobnis, Boguslawski, Ossinski, W. Smirnow und andere), die „linken Kommunisten“ (Bucharin, Preobrashenski).

Die „Arbeiteropposition“ stellte die Losung der Übergabe der Verwaltung der gesamten Volkswirtschaft an einen „Allrussischen Kongress der Produzenten“ auf. Sie wollte die Rolle der Partei auf ein Nichts reduzieren, sie verneinte die Bedeutung der Diktatur des Proletariats im wirtschaftlichen Aufbau. Die „Arbeiteropposition“ stellte die Gewerkschaften dem Sowjetstaat und der Kommunistischen Partei entgegen. Sie hielt nicht die Partei, sondern die Gewerkschaften für die höchste Organisationsform der Arbeiterklasse. Die „Arbeiteropposition“ war im Grunde eine anarcho-syndikalistische parteifeindliche Gruppe.

Die Gruppe des „demokratischen Zentralismus“ („Dezisten“) forderte volle Freiheit für Fraktionen und Gruppierungen. Die Dezisten trachteten ebenso wie die Trotzkisten danach, die führende Rolle der Partei in den Sowjets und Gewerkschaften zu untergraben. Lenin bezeichnete die Dezisten als eine Fraktion „der lautesten Schreihälse“ und die Plattform der Dezisten als sozialrevolutionär-menschewistisch.

Trotzki fand in seinem Kampf gegen Lenin und die Partei bei Bucharin Hilfe. Bucharin schuf im Verein mit Preobrashenski, Serebrjakow, Sokolnikow eine „Puffergruppe“. Diese Gruppe verteidigte und deckte die schlimmsten Fraktionsmacher, die Trotzkisten. Lenin nannte das Verhalten Bucharins den „Gipfel ideologischer Verkommenheit“. Bald danach vereinigten sich die Bucharinleute offen mit den Trotzkisten gegen Lenin.

Lenin und die Leninisten richteten den Hauptschlag gegen die Trotzkisten als gegen die Hauptkraft der parteifeindlichen Gruppierungen. Sie überführten die Trotzkisten der Verwechslung der Gewerkschaften mit militärischen Organisationen und wiesen ihnen nach, dass man die Methoden der militärischen Organisationen nicht in die Gewerkschaften hineintragen darf. Als Gegengewicht zu den Plattformen der oppositionellen Gruppen arbeiteten Lenin und die Leninisten ihre eigene Plattform aus. In dieser Plattform wurde darauf hingewiesen, dass die Gewerkschaften eine Schule der Verwaltung, eine Schule der Wirtschaftsführung, eine Schule des Kommunismus sind. Die Gewerkschaften müssen ihre gesamte Arbeit auf der Methode der Überzeugung aufbauen. Nur unter dieser Bedingung werden die Gewerkschaften imstande sein, alle Arbeiter zum Kampf gegen die wirtschaftliche Zerrüttung in Bewegung zu setzen, sie in den sozialistischen Aufbau hineinzuziehen.

Im Kampf mit den oppositionellen Gruppierungen schlossen sich die Parteiorganisationen um Lenin zusammen. Besonders heftigen Charakter nahm der Kampf in Moskau an. Hier hatte die Opposition ihre Hauptkräfte zusammengezogen und sich das Ziel gesteckt, die Organisation der Hauptstadt zu erobern. Aber die Moskauer Bolschewiki wiesen diese Umtriebe der Fraktionsmacher entschieden zurück. Ein scharfer Kampf entbrannte auch in den ukrainischen Parteiorganisationen. Unter Führung des Genossen Molotow, der damals Sekretär des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei der Ukraine (Bolschewiki) war, schlugen die Bolschewiki der Ukraine die Trotzkisten und Schljapnikowleute. Die Kommunistische Partei der Ukraine blieb eine treue Stütze der Leninschen Partei. In Baku wurde die Zerschlagung der Opposition unter der Führung des Genossen Ordshonikidse organisiert. In Mittelasien leitete Genosse L. Kaganowitsch den Kampf gegen die parteifeindlichen Gruppierungen.

Alle maßgebenden örtlichen Parteiorganisationen schlossen sich der Leninschen Plattform an. (...)

In Anbetracht der gewaltigen Gefahr, die das Vorhandensein fraktioneller Gruppen für die bolschewistische Partei und für die Diktatur des Proletariats darstellte, widmete der X. Parteitag der Frage der Einheit der Partei besondere Aufmerksamkeit. Das Referat zu dieser Frage hielt Lenin. Der Parteitag verurteilte alle oppositionellen Gruppierungen und betonte, dass diese „in Wirklichkeit den Klassenfeinden der proletarischen Revolution helfen“.

Der Parteitag gab die strikte Weisung, alle fraktionellen Gruppen sofort aufzulösen, und beauftragte alle Organisationen, streng darüber zu wachen, dass keinerlei fraktionelle Handlungen zugelassen werden, wobei die Nichterfüllung des Parteitagsbeschlusses den unbedingten und unverzüglichen Parteiausschluss nach sich zog. Der Parteitag bevollmächtigte das Zentralkomitee, im Falle eines Disziplinbruchs durch Mitglieder des Zentralkomitees und im Falle des Wiederauflebens oder der Zulassung der Fraktionsmacherei alle Disziplinarmaßnahmen der Partei bis zum Ausschluss aus dem Zentralkomitee und aus der Partei anzuwenden.

Der Kriegskommunismus war ein Versuch, die Festung der kapitalistischen Elemente in Stadt und Land im Sturm, durch einen Frontalangriff, zu nehmen. In dieser Offensive war die Partei weit vorausgeeilt und lief dabei Gefahr, sich von ihrer Basis zu lösen. Jetzt schlug Lenin vor, etwas zurückzugehen, sich zeitweilig etwas tiefer in das eigene Hinterland zurückzuziehen, vom Sturme zu einer langwierigeren Belagerung der Festung überzugehen, um nach Sammlung der Kräfte die Offensive von neuem zu beginnen.

Die Trotzkisten und die anderen Oppositionellen waren der Auffassung, dass die NÖP nur ein Rückzug sei. Eine solche Deutung war für sie vorteilhaft, weil sie auf die Wiederherstellung des Kapitalismus hinsteuerten. Dies war eine zutiefst schädliche, antileninistische Deutung der NÖP. In der Tat erklärte Lenin bereits ein Jahr nach Einführung der NÖP auf dem XI. Parteitag, dass der Rückzug beendet sei, und stellte die Losung auf „Vorbereitung der Offensive gegen das privatwirtschaftliche Kapital“. (Lenin, Sämtl. Werke, Bd. XXVII, S. 213 russ.)

 

3
Die ersten Ergebnisse der NÖP
Der XI. Parteitag
Die Bildung der Union der SSR
Lenins Krankheit
Der Genossenschaftsplan Lenins
Der XII. Parteitag

Die Durchführung der Neuen Ökonomischen Politik stieß auf den Widerstand der wankelmütigen Elemente der Partei. Der Widerstand kam von zwei Seiten. Auf der einen Seite operierten die „linken“ Schreihälse, politische Missgeburten vom Schlage eines Lominadse, Schatzkin und anderer, die zu „beweisen“ suchten, dass die NÖP ein Verzicht auf die Errungenschaften der Oktoberrevolution, eine Rückkehr zum Kapitalismus, der Untergang der Sowjetmacht sei. Infolge ihrer Unwissenheit in der Politik und ihrer Unkenntnis der ökonomischen Entwicklungsgesetze verstanden diese Leute die Politik der Partei nicht, verfielen sie in Panik und verbreiteten nach allen Seiten Verfallsstimmungen. Auf der anderen Seite operierten die direkten Kapitulanten vom Schlage eines Trotzki, Radek, Sinowjew, Sokolnikow, Kamenew, Schljapnikow, Bucharin, Rykow und anderer, die nicht an die Möglichkeit der sozialistischen Entwicklung unseres Landes glaubten und die „Allmacht“ des Kapitalismus anbeteten: in dem Bestreben, die Positionen des Kapitalismus im Sowjetlande zu festigen, forderten sie große Zugeständnisse an das Privatkapital sowohl innerhalb als auch außerhalb des Landes, forderten sie die Übergabe einer Reihe von Kommandohöhen der Sowjetmacht in der Volkswirtschaft an das Privatkapital - auf der Grundlage von Konzessionen oder gemischter Aktiengesellschaften unter Teilnahme des Privatkapitals.

Die einen wie die anderen standen dem Marxismus, dem Leninismus fremd gegenüber.

Die Partei entlarvte und isolierte die einen wie die anderen. Die Partei wies die Panikmacher und Kapitulanten entschieden zurück.

Das Vorhandensein eines solchen Widerstands gegen die Politik der Partei führte ein übriges Mal die Notwendigkeit einer Reinigung der Partei von den wankelmütigen Elementen vor Augen. In diesem Zusammenhang leistete das Zentralkomitee eine große Arbeit zur Festigung der Partei, indem es im Jahre 1921 eine Parteireinigung organisierte. Die Parteireinigung erfolgte unter Teilnahme von Parteilosen in offenen Versammlungen. Lenin riet, die Partei gründlich zu reinigen „... von Gaunern, von Verbürokratisierten, von Unehrlichen, von unbeständigen Kommunisten und von Menschewiki, die ihre ‚Fassade’ übertüncht haben, aber im Herzen Menschewiki geblieben sind“. (Lenin, Ausgew. Werke in zwei Bänden, Bd. II, S. 882.) (...)

Im April 1923 fand der XII. Parteitag statt. Das war der erste Parteitag nach der Machtergreifung durch die Bolschewiki, dem Lenin nicht beiwohnen konnte.

Der Parteitag wies alle diejenigen, die die NÖP als einen Rückzug von den sozialistischen Positionen, als eine Preisgabe dieser Positionen an den Kapitalismus auffassten, alle, die mit dem Vorschlag kamen, das Land solle sich unter das Sklavenjoch des Kapitalismus begeben, aufs schärfste zurück. Solche Vorschläge wurden auf dem Parteitag von Anhängern Trotzkis, Radek und Krassin, gemacht. Sie schlugen vor, sich den ausländischen Kapitalisten auf Gnade und Ungnade zu ergeben, ihnen für den Sowjetstaat lebensnotwendige Industriezweige in Konzessionen zu geben. Sie schlugen vor, die Schulden der zaristischen Regierung, die von der Oktoberrevolution annulliert waren, zu bezahlen. Die Partei brandmarkte diese Kapitulantenvorschläge als verräterisch. Sie verzichtete nicht darauf, von der Konzessionspolitik Gebrauch zu machen, jedoch nur in solchen Wirtschaftszweigen und in solchen Ausmaßen, wie das für den Sowjetstaat vorteilhaft war. (...)

Der Parteitag wies auch den Versuch Trotzkis, der Partei eine verderbliche Politik gegenüber der Bauernschaft aufzuzwingen, entschieden zurück. Der Parteitag wies darauf hin, dass man die Tatsache des Überwiegens der bäuerlichen Kleinwirtschaft im Lande nicht übersehen dürfe. Er hob hervor, dass die Entwicklung der Industrie, darunter der Schwerindustrie, nicht im Widerspruch zu den Interessen der Bauernmassen, sondern in engster Gemeinschaft mit ihnen, im Interesse der gesamten werktätigen Bevölkerung verlaufen soll. Diese Beschlüsse waren gegen Trotzki gerichtet, der den Vorschlag machte, die Industrie auf dem Wege der Ausbeutung der bäuerlichen Wirtschaft aufzubauen, da er in Wirklichkeit die Politik des Bündnisses des Proletariats und der Bauernschaft nicht anerkannte.

Trotzki schlug gleichzeitig vor, Großbetriebe von solcher Bedeutung für die Landesverteidigung wie die Putilow-Werke, die Brjansker Werke und andere stillzulegen, da sie seiner Behauptung nach keine Gewinne erbrachten. Der Parteitag lehnte die Vorschläge Trotzkis mit Entrüstung ab. (...)

Auf dem Parteitag wurden die Träger nationalistischer Abweichungen und ihre Großmachtspolitik gegenüber den nationalen Minderheiten entlarvt. Die georgischen Vertreter der nationalistischen Abweichung wurden von Trotzki, Radek, Bucharin, Skrypnik und Rakowski unterstützt.

 

4
Der Kampf mit den Schwierigkeiten der Wiederherstellung der Volkswirtschaft
Die verstärkte Aktivität der Trotzkisten im Zusammenhang mit Lenins Krankheit
Die neue Parteidiskussion
Die Niederlage der Trotzkisten
Lenins Tod
Das Lenin-Aufgebot
Der XIII. Parteitag

Im Spätsommer 1923 erfuhren die wirtschaftlichen Schwierigkeiten infolge der Durchbrechung der von der Sowjetmacht betriebenen Preispolitik durch unsere Industrie- und Handelsorgane eine gewisse Verschärfung. Die Preise für Industriewaren und für Produkte der Landwirtschaft gingen stark auseinander. Die Getreidepreise waren niedrig, die Preise für Industriewaren aber übermäßig hoch. Die Verwaltungsausgaben der Industrie waren hoch, und dies verteuerte die Waren. Das Geld, das die Bauernschaft für das verkaufte Getreide erhielt, entwertete sich rasch. Zu alledem kam noch, dass der Trotzkist Pjatakow, der damals im Obersten Volkswirtschaftsrat (WSNCh) saß, den Wirtschaftlern die verbrecherische Direktive erteilte, aus dem Verkauf von Industriewaren soviel Gewinn wie möglich herauszuschlagen, die Preise rücksichtslos zu erhöhen, angeblich zugunsten der Entwicklung der Industrie. In Wirklichkeit konnte diese Nöpmannlosung nur zur Einengung der Basis der Industrieproduktion und zur Untergrabung der Industrie führen. Unter diesen Bedingungen war es für die Bauernschaft unvorteilhaft, städtische Waren zu erwerben, und die Bauern stellten den Ankauf solcher Waren ein. Es setzte eine Absatzkrise ein, die auf die Industrie zurückwirkte. In der Lohnzahlung entstanden Schwierigkeiten. Das rief Unzufriedenheit unter den Arbeitern hervor. Die rückständigsten Arbeiter in einigen Fabriken verließen die Arbeitsstätten.

Es galt, einmütig, mit aufgekrempelten Ärmeln, ans Werk zu gehen. So dachten und handelten die der Partei ergebenen Menschen. Aber anders benahmen sich die Trotzkisten. Die Abwesenheit Lenins, der infolge seiner schweren Krankheit nicht mehr an der Arbeit teilnehmen konnte, nutzten sie aus, um einen neuen Angriff gegen die Partei und ihre Führung zu unternehmen. Sie wähnten, dass der geeignete Augenblick gekommen sei, um die Partei zu zertrümmern und ihre Führung zu beseitigen. In ihrem Kampf gegen die Partei nutzten sie alles aus: sowohl die Niederlage der Revolution in Deutschland und Bulgarien im Herbst 1923 als auch die wirtschaftlichen Schwierigkeiten im Lande, sowie Lenins Krankheit. Gerade in diesem für den Sowjetstaat schwierigen Augenblick, als der Führer der Partei ans Krankenlager gefesselt war, begann Trotzki seine Attacke gegen die bolschewistische Partei. Er sammelte alle antileninistischen Elemente in der Partei um sich und schusterte eine oppositionelle, gegen die Partei, gegen ihre Führung, gegen ihre Politik gerichtete Plattform zusammen. Die Plattform nannte sich: Erklärung von 46 Oppositionellen. Im Kampfe gegen die Leninsche Partei vereinigten sich alle oppositionellen Gruppierungen - die Trotzkisten, die Dezisten, die Überreste der „linken Kommunisten“ und der „Arbeiteropposition“. Sie prophezeiten in ihrer Erklärung eine schwere Wirtschaftskrise und den Untergang der Sowjetmacht und forderten als einzigen Ausweg aus der Lage Freiheit für Fraktionen und Gruppierungen.

Das war ein Kampf für die Wiederherstellung der Fraktionen, die der X. Parteitag auf Vorschlag Lenins verboten hatte.

Von den Trotzkisten wurden keinerlei konkrete Fragen der Verbesserung der Industrie oder der Landwirtschaft, der Verbesserung des Warenumsatzes im Lande, der Verbesserung der Lage der Werk-tätigen aufgeworfen. Ja, dafür interessierten sie sich auch gar nicht. Sie waren nur an einem interessiert: die Abwesenheit Lenins auszunutzen, die Fraktionen innerhalb der Partei wiederherzustellen und die Grundlagen der Partei ins Wanken zu bringen, ihr Zentralkomitee zu erschüttern.

Gleich nach der Plattform der 46 wurde ein Brief Trotzkis in Umlauf gesetzt, worin er die Parteikader mit Schmutz bewarf und eine ganze Reihe neuer verleumderischer Beschuldigungen gegen die Partei erhob. In diesem Brief wiederholte Trotzki die alte menschewistische Litanei, die die Partei von ihm nicht das erste Mal zu hören bekam.

Vor allem fielen die Trotzkisten über den Parteiapparat her. Sie begriffen, dass die Partei ohne einen starken Parteiapparat nicht leben und arbeiten kann. Die Opposition versuchte diesen Apparat zu erschüttern, ihn zu zerstören, die Parteimitglieder dem Parteiapparat und die Jugend den alten Parteikadern gegenüberzustellen. Trotzkis Brief war eine Spekulation auf die studierende Jugend, auf die jungen Parteimitglieder, die die Geschichte des Kampfes der Partei gegen den Trotzkismus nicht kannten. Um die studierende Jugend zu gewinnen, schmeichelte ihr Trotzki, indem er sie „das sicherste Barometer der Partei“ nannte und gleichzeitig behauptete, dass die alte Leninsche Garde entartet sei. Mit einer Anspielung auf die entarteten Führer der II. Internationale machte er die niederträchtige Andeutung, dass die alte bolschewistische Garde denselben Weg gehe. Durch sein Geschrei über eine Entartung der Partei versuchte Trotzki seine eigene Entartung und seine parteifeindlichen Ränke zu maskieren.

Beide Dokumente der Oppositionellen, sowohl die Plattform der 46 als auch der Brief Trotzkis, wurden von den Trotzkisten an die Rayons und Zellen versandt und den Parteimitgliedern zur Erörterung unterbreitet.

Die Partei wurde zu einer Auseinandersetzung, zur Parteidiskussion, herausgefordert.

Somit wurde der Partei, wie vor dem X. Parteitag während der Gewerkschaftsdiskussion, auch jetzt von den Trotzkisten eine allgemeine Parteidiskussion aufgezwungen.

Obwohl die Partei von wichtigeren, von wirtschaftlichen Fragen in Anspruch genommen war, nahm sie die Herausforderung an und eröffnete die Diskussion.

Die Diskussion erfasste die gesamte Partei. Der Kampf trug sehr heftigen Charakter. Besondere Schärfe nahm der Kampf in Moskau an. Die Trotzkisten trachteten danach, vor allem die Organisation der Hauptstadt in die Hand zu bekommen. Aber die Diskussion half den Trotzkisten nicht. Sie brachte ihnen nur Schmach und Schande.

Die Trotzkisten wurden sowohl in Moskau als auch in der gesamten Sowjetunion aufs Haupt geschlagen. Für die Trotzkisten stimmte nur eine kleine Anzahl von Zellen in Hochschulen und Bürobetrieben.

Im Januar 1924 trat die XIII. Parteikonferenz zusammen. Sie nahm das Referat des Genossen Stalin entgegen, der die Bilanz der Diskussion zog. Die Konferenz verurteilte die trotzkistische Opposition und erklärte, dass die Partei es in dieser Opposition mit einer kleinbürgerlichen Abweichung vom Marxismus zu tun hatte. Die Beschlüsse der Konferenz wurden in der Folge vom XIII. Parteitag und vom V. Weltkongress der Komintern gebilligt. Das internationale kommunistische Proletariat unterstützte die bolschewistische Partei in ihrem Kampf gegen den Trotzkismus.

Die Trotzkisten stellten jedoch ihre Wühlarbeit nicht ein. Im Herbst 1924 veröffentlichte Trotzki seinen Artikel „Die Lehren des Oktober“, worin er den Versuch unternahm, den Leninismus durch den Trotzkismus zu ersetzen. Dieser Artikel war eine einzige Verleumdung unserer Partei und ihres Führers - Lenins. Dies verleumderische Machwerk wurde von allen Feinden des Kommunismus und der Sowjetmacht aufgegriffen. Die Partei nahm diese Verleumdung der heroischen Geschichte des Bolschewismus durch Trotzki mit Entrüstung auf. Genosse Stalin entlarvte den Versuch Trotzkis, den Leninismus durch den Trotzkismus zu ersetzen. In seinen Reden betonte Genosse Stalin, dass „die Aufgabe der Partei darin besteht, den Trotzkismus als ideologische Strömung zu begraben“.

Von großer Bedeutung für die ideologische Zertrümmerung des Trotzkismus und die Verfechtung des Leninismus war das theoretische Werk des Genossen Stalin. „Ober die Grundlagen des Leninismus“, das im Jahre 1924 erschien. Diese Schrift ist eine meisterhafte Darlegung und eine bündige theoretische Begründung des Leninismus. Sie wappnete damals und wappnet heute die Bolschewiki in der ganzen Welt mit der scharfen Waffe der marxistisch-leninistischen Theorie.

In den Kämpfen gegen den Trotzkismus schloss Genosse Stalin die Partei um ihr Zentralkomitee zusammen und mobilisierte sie zum weiteren Kampf für den Sieg des Sozialismus in unserem Lande. Genosse Stalin konnte den Beweis erbringen, dass die ideologische Zertrümmerung des Trotzkismus eine notwendige Bedingung für die Sicherung des Weiteren siegreichen Vormarsches zum Sozialismus war.

Bei der Zusammenfassung der Ergebnisse. dieser Periode des Kampfes gegen den Trotzkismus sagte Genosse Stalin:

„Ohne den Trotzkismus zu zerschlagen, kann man unter den Bedingungen der NÖP nicht den Sieg erringen, kann man nicht die Verwandlung des heutigen Russland in ein sozialistisches Russland erreichen.“

 

5
Die Sowjetunion gegen Ende der Wiederherstellungsperiode
Die Frage des sozialistischen Aufbaus und des Sieges des Sozialismus in unserem Lande
Die „Neue Opposition“ von Sinowjew-Kamenew
Der XIV. Parteitag
Der Kurs auf die sozialistische Industrialisierung des Landes

 

Es ist klar, dass, solange die kapitalistische Umkreisung der Sowjetunion besteht, die Gefahr einer kapitalistischen Intervention bestehen bleibt. Kann das Sowjetvolk allein, aus eigener Kraft, diese äußere Gefahr, die Gefahr der kapitalistischen Intervention gegen die Sowjetunion beseitigen? Nein, das kann es nicht. Das kann es nicht, da es zur Beseitigung der Gefahr einer kapitalistischen Intervention notwendig ist, die kapitalistische Umkreisung zu beseitigen, die kapitalistische Umkreisung zu beseitigen ist aber nur möglich im Ergebnis einer siegreichen proletarischen Revolution mindestens in einigen Ländern. Daraus folgt aber, dass der Sieg des Sozialismus in der Sowjetunion, der seinen Ausdruck findet in der Beseitigung des kapitalistischen Wirtschaftssystems und in der Errichtung des sozialistischen Wirtschaftssystems, dennoch nicht als endgültiger Sieg betrachtet werden kann, insofern die Gefahr einer bewaffneten ausländischen Intervention, die Gefahr von Versuchen zu r Restauration des Kapitalismus, noch nicht beseitigt ist, insofern das Land des Sozialismus gegen eine solche Gefahr auch weiterhin noch nicht gesichert ist. Um die Gefahr einer ausländischen kapitalistischen Intervention zu beseitigen, muss die kapitalistische Umkreisung beseitigt werden.

Diese Stellungnahme der Partei wirkte auf die Oppositionellen wie ein betäubender Schlag, vor allem dadurch, dass die Partei ihrer Stellungnahme konkret-praktischen Charakter verlieh, sie mit dem praktischen Plan der sozialistischen Industrialisierung des Landes verband und verlangte, dass sie in die Form eines Parteigesetzes, in die Form einer für alle Parteimitglieder bindenden Resolution der XIV. Parteikonferenz gekleidet werde.

Die Trotzkisten wandten sich gegen die Stellungnahme der Partei und stellten ihr die menschewistische „Theorie der permanenten Revolution“ entgegen, die nur zum Hohn auf den Marxismus eine marxistische Theorie genannt werden konnte, und die die Möglichkeit des Sieges des sozialistischen Aufbaus in der Sowjetunion verneinte.

Die Bucharinleute wagten es nicht, direkt gegen die Stellungnahme der Partei aufzutreten. Aber trotzdem begannen sie ihr unter der Hand ihre „Theorie“ des friedlichen Hineinwachsens der Bourgeoisie in den Sozialismus entgegenzustellen, die sie durch die „neue“ Losung „Bereichert euch!“ ergänzten. Die Behauptungen der Bucharinleute liefen darauf hinaus, dass der Sieg des Sozialismus nicht die Liquidierung der Bourgeoisie, sondern ihre Großzüchtung und Bereicherung bedeute.

Sinowjew und Kamenew wagten sich zwar einmal mit der Erklärung hervor, dass der Sieg des Sozialismus in der Sowjetunion infolge ihrer technisch-ökonomischen Rückständigkeit unmöglich sei, sahen sich aber dann gezwungen, sich seitwärts in die Büsche zu schlagen.

Die XIV. Parteikonferenz (April 1925) verurteilte alle diese Kapitulations„theorien“ der offenen und verkappten Oppositionellen, bestätigte die Stellungnahme der Partei für den Sieg des Sozialismus in der Sowjetunion und nahm eine entsprechende Resolution an.

An die Wand gedrückt, zogen Sinowjew und Kamenew es vor, für diese Resolution zu stimmen. Die Partei aber wusste, dass sie den Kampf gegen die Partei nur aufgeschoben, dass sie beschlossen hatten, auf dem XIV. Parteitag „der Partei eine Schlacht zu liefern“. Sie sammelten ihre Anhänger in Leningrad und bildeten die so genannte „neue Opposition“.

Im Dezember 1925 wurde der XIV. Parteitag eröffnet.

Der „neuen Opposition“ halfen auch solche Vorstöße nicht wie die Behauptung (entgegen Lenin!), dass unsere staatliche Industrie angeblich keine sozialistische Industrie sei, oder die Erklärung (ebenfalls entgegen Lenin!), dass der Mittelbauer angeblich kein Bundesgenosse der Arbeiterkasse in der sozialistischen Aufbauarbeit sein könne.

Der Parteitag brandmarkte diese Vorstöße der „neuen Opposition“ als antileninistisch.

Genosse Stalin entlarvte das trotzkistisch-menschewistische Wesen der „neuen Opposition“. Er zeigte, dass Sinowjew und Kamenew nur die Sprüchlein der Feinde der Partei nachbeteten, gegen die Lenin seinerzeit einen schonungslosen Kampf geführt hatte.

Es war klar, dass die Sinowjewleute nur schlecht maskierte Trotzkisten waren.

Bei Zusammenfassung der Ergebnisse der Arbeiten des XIV. Parteitags schrieb Genosse Stalin:

„Die historische Bedeutung des XIV. Parteitags der Kommunistischen Partei der Sowjetunion besteht darin, dass er es verstand, die Fehler der neuen Opposition bis auf die Wurzeln aufzudecken, dass er ihren Unglauben und ihr Flennen völlig unbeachtet ließ, klar und deutlich den Weg des weiteren Kampfes für den Sozialismus vorzeichnete, der Partei die Perspektive des Sieges gab und damit das Proletariat mit dem unerschütterlichen Glauben an den Sieg des sozialistischen Aufbaus ausgerüstet hat.“ (Stalin, Fragen des Leninismus, Dietz Verlag, Berlin 1950, S. 192.)

Kurze Zusammenfassung

Die Jahre des Übergangs zur friedlichen Arbeit an der Wiederherstellung der Volkswirtschaft sind eine der verantwortungsvollsten Perioden in der Geschichte der bolschewistischen Partei. In einer gespannten Situation verstand es die Partei, die schwierige Wendung von der Politik des Kriegskommunismus zur Neuen Ökonomischen Politik zu vollziehen. Die Partei stärkte das Bündnis der Arbeiter und Bauern auf der neuen ökonomischen Grundlage. Die Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken wurde geschaffen.

Auf den Bahnen der Neuen Ökonomischen Politik wurden entscheidende Erfolge in der Wiederherstellung der Volkswirtschaft erzielt. Das Land der Sowjets durchschritt erfolgreich die Wiederherstellungsperiode in der Entwicklung der Volkswirtschaft und begann zu einer neuen Periode, zur Periode der Industrialisierung des Landes, überzugehen.

Der Übergang vom Bürgerkrieg zum friedlichen sozialistischen Aufbau war, besonders in den ersten Zeiten, von großen Schwierigkeiten begleitet. Die Feinde des Bolschewismus, die parteifeindlichen Elemente in den Reihen der Kommunistischen Partei der Sowjetunion (Bolschewiki), führten im gesamten Verlauf dieser Periode einen verzweifelten Kampf gegen die Leninsche Partei. An der Spitze dieser parteifeindlichen Elemente stand Trotzki. Seine Handlanger in diesem Kampf waren Kamenew, Sinowjew, Bucharin. Die Oppositionellen beabsichtigten, nach dem Tode Lenins in die Reihen der bolschewistischen Partei Zersetzung hineinzutragen, die Partei zu spalten, sie mit Unglauben an den Sieg des Sozialismus in der Sowjetunion zu verseuchen. Im Grunde genommen versuchten die Trotzkisten, in der Sowjetunion eine politische Organisation der neuen Bourgeoisie, eine andere Partei - die Partei der kapitalistischen Restauration - zu schaffen.

Die Partei schloss sich unter dem Leninschen Banner um ihr Leninsches Zentralkomitee, um den Genossen Stalin zusammen und brachte sowohl den Trotzkisten als auch deren neuen Freunden in Leningrad - der neuen Opposition Sinowjews-Kamenews - eine Niederlage bei.

 

KAPITEL X
Die Partei der Bolschewiki im Kampfe für die sozialistische Industrialisierung des Landes
(1926-1929)

1
Die Schwierigkeiten in der Periode der sozialistischen Industrialisierung und der Kampf zu ihrer Überwindung
Die Bildung des trotzkistisch-sinowjewistischen parteifeindlichen Blocks
Die antisowjetischen Vorstöße des Blocks
Die Niederlage des Blocks

 

Nicht geringere Schwierigkeiten bereiteten der Partei und dem Sowjetstaat die Trotzkisten und andere Oppositionelle durch ihre Wühlarbeit. Nicht umsonst sagte damals Genosse Stalin, dass sich gegen die Sowjetmacht „eine Art Einheitsfront von Chamberlain bis Trotzki bildet“. Trotz der Beschlüsse des XIV. Parteitags und der Loyalitätserklärung der Opposition streckten die Oppositionellen nicht die Waffen. Im Gegenteil, sie verstärkten ihre Wühl- und Spaltungsarbeit noch mehr.

Im Sommer 1926 vereinigen sich die Trotzkisten und Sinowjewleute zu einem parteifeindlichen Block, scharen die Überreste aller zerschlagenen oppositionellen Gruppen um den Block und errichten die Grundlagen ihrer antileninistischen illegalen Partei unter grober Verletzung des Parteistatuts und der Beschlüsse der Parteitage, die die Bildung von Fraktionen verbieten. Das Zentralkomitee der Partei erklärt warnend: wenn dieser parteifeindliche Block, der einen Abklatsch des bekannten menschewistischen Augustblocks darstellt, nicht aufgelöst wird, kann die Sache für seine Anhänger einen üblen Ausgang nehmen. Aber die Anhänger des Blocks geben ihr Treiben nicht auf.

Im Herbst desselben Jahres, am Vorabend der XV. Parteikonferenz, unternehmen sie in Parteiversammlungen in Betrieben Moskaus, Leningrads und anderer Städte einen Vorstoß und versuchen, der Partei eine neue Diskussion aufzuzwingen. Sie legen dabei den Parteimitgliedern ihre Plattform vor, die eine Kopie der üblichen trotzkistisch-menschewistischen, antileninistischen Plattform darstellt. Die Parteimitglieder erteilen den Oppositionellen eine wuchtige Abfuhr und werfen sie manchenorts einfach aus den Versammlungen hinaus. Das Zentralkomitee warnt die Anhänger des Blocks neuerlich, dass die Partei ihre Wühlarbeit nicht weiter dulden könne.

Die Oppositionellen legen dem Zentralkomitee eine Erklärung mit den Unterschriften Trotzkis, Sinowjews, Kamenews, Sokolnikows vor, in der sie ihre fraktionelle Tätigkeit verurteilen und versprechen, künftighin loyal zu sein. Nichtsdestoweniger bleibt der Block in Wirklichkeit weiter bestehen, und seine Anhänger stellen ihre illegale parteifeindliche Tätigkeit nicht ein. Sie fahren fort, ihre antileninistische Partei aufzuziehen, richten eine illegale Druckerei ein, führen unter ihren Anhängern Mitgliedsbeiträge ein und verbreiten ihre Plattform.

Angesichts dieses Verhaltens der Trotzkisten und Sinowjewleute stellen die XV. Parteikonferenz (November 1926) und das erweiterte Plenum des Exekutivkomitees der Kommunistischen Internationale (Dezember 1926) die Frage des trotzkistisch-sinowjewistischen Blocks zur Behandlung und brandmarken in ihren Beschlüssen die Anhänger des Blocks als Spalter, die in ihrer Plattform auf menschewistische Positionen hinabgesunken sind.

Aber auch dadurch ließen sich die Anhänger des Blocks nicht zur Vernunft bringen. Im Jahre 1927, in dem Augenblick, als die englischen Konservativen die diplomatischen und Handelsbeziehungen mit der Sowjetunion abbrachen, verstärkten sie von neuem ihre Angriffe gegen die Partei. Sie heckten eine neue antileninistische Plattform aus, die so genannte „Plattform der 83“, verbreiteten sie unter den Parteimitgliedern und forderten vom Zentralkomitee eine neue allgemeine Parteidiskussion.

Von allen oppositionellen Plattformen war diese Plattform wohl die verlogenste und pharisäischste.

In Worten, das heißt in der Plattform, erhoben die Trotzkisten und Sinowjewleute keine Einwände gegen die Einhaltung der Parteibeschlüsse und sprachen sich für die Loyalität aus, in der Tat aber verletzten sie in gröbster Weise die Parteibeschlüsse und verhöhnten jegliche Loyalität gegenüber der Partei und ihrem Zentralkomitee.

In Worten, das heißt in der Plattform, erhoben sie keine Einwände gegen die Einheit der Partei und sprachen sich gegen die Spaltung aus, in der Tat aber verletzten sie in gröbster Weise die Einheit der Partei, steuerten auf die Spaltung hin und besaßen bereits ihre besondere, illegale antileninistische Partei, die alle Anlagen dazu hatte, sich zu einer antisowjetischen, konterrevolutionären Partei auszuwachsen.

In Worten, das heißt in der Plattform, sprachen sie sich für die Politik der Industrialisierung aus und beschuldigten sogar das Zentralkomitee, dass es die Industrialisierung in nicht genügend schnellem Tempo durchführe, in der Tat aber verunglimpften sie den Beschluss der Partei über den Sieg des Sozialismus in der Sowjetunion, verhöhnten sie die Politik der sozialistischen Industrialisierung, stellten sie die Forderung, eine ganze Reihe von Betrieben an Ausländer in Konzession zu geben, setzten sie ihre größten Hoffnungen auf die ausländischen kapitalistischen Konzessionsbetriebe in der Sowjetunion.

In Worten, das heißt in der Plattform, sprachen sie sich für die Bewegung zur Kollektivierung der Bauernwirtschaften aus und beschuldigten sogar das Zentralkomitee, dass es die Kollektivierung in nicht genügend schnellem Tempo durchführe, in der Tat aber verhöhnten sie die Politik der Einbeziehung der Bauern in den sozialistischen Aufbau, predigten sie die Unvermeidlichkeit „unlösbarer Konflikte“ zwischen der Arbeiterklasse und der Bauernschaft, setzten sie ihre Hoffnungen auf die „zivilisierten Pächter“ im Dorfe, das heißt auf die Kulakenwirtschaften.

Das war die verlogenste Plattform unter allen verlogenen Plattformen der Opposition.

Sie war darauf berechnet, die Partei zu betrügen.

Das Zentralkomitee lehnte eine sofortige Eröffnung der Diskussion ab und erklärte den Oppositionellen, dass eine Diskussion nur gemäß dem Parteistatut eröffnet werden könne, das heißt zwei Monate vor dem Parteitag.

Im Oktober 1927, das heißt zwei Monate vor dem XV. Parteitag, erklärte das Zentralkomitee der Partei die allgemeine Parteidiskussion für eröffnet. Die Diskussionsversammlungen begannen. Die Ergebnisse der Diskussion waren für den trotzkistisch-sinowjewistischen Block mehr als kläglich. Für die Politik des Zentralkomitees stimmten 724000 Parteimitglieder. Für den Block der Trotzkisten und Sinowjewleute stimmten 4000, das heißt weniger als ein Prozent. Der parteifeindliche Block war aufs Haupt geschlagen. Somit hatte die Partei in ihrer überwältigenden Mehrheit die Plattform des Blocks einmütig abgelehnt.

Das war der klar zum Ausdruck gebrachte Wille der Partei, an deren Entscheidung die Anhänger des Blocks selbst appelliert hatten.

Aber auch durch diese Lektion ließen sich die Anhänger des Blocks nicht zur Vernunft bringen. Statt sich dem Willen der Partei zu fügen, entschlossen sie sich, den Willen der Partei zu durchkreuzen. Noch vor dem Abschluss der Diskussion, als sie die Unvermeidlichkeit ihrer schmählichen Niederlage sahen, beschlossen sie, zu schärferen Formen des Kampfes gegen die Partei und die Sowjetregierung zu greifen. Sie beschlossen, in Moskau und Leningrad eine öffentliche Protestdemonstration durchzuführen. Zum Tage ihrer Demonstration wählten sie den 7. November, den Jahrestag der Oktoberrevolution, an dem die Werktätigen der Sowjetunion ihre revolutionäre Volksdemonstration veranstalten. Trotzkisten und Sinowjewleute machten sich also daran, eine Paralleldemonstration zu veranstalten. Aber wie zu erwarten war, gelang es den Anhängern des Blocks nur, das klägliche Häuflein ihrer wenigen Mitläufer auf die Straße zu bringen. Die Mitläufer und ihre Anführer wurden von der Volksdemonstration hinweggefegt und davongejagt.

Jetzt unterlag es bereits keinem Zweifel mehr, dass die Trotzkisten und Sinowjewleute in den antisowjetischen Sumpf geraten waren. Appellierten sie in der Parteidiskussion an die Partei gegen das Zentralkomitee, so gingen sie nun durch ihre klägliche Demonstration dazu über, an die feindlichen Klassen gegen die Partei und den Sowjetstaat zu appellieren. Da sie sich die Untergrabung der bolschewistischen Partei zum Ziele setzten, mussten sie unvermeidlich auf den Weg der Untergrabung des Sowjetstaates geraten, denn die Partei der Bolschewiki und der Staat sind im Sowjetlande nicht voneinander zu trennen. Dadurch stellten sich die Anführer des trotzkistisch: sinowjewistischen Blocks außerhalb der Partei, denn es war unmöglich, in den Reihen der bolschewistischen Partei weiter Leute zu dulden, die im antisowjetischen Sumpf versunken waren.

Am 14. November 1927 schloss die vereinigte Sitzung des Zentralkomitees und der Zentralen Kontrollkommission Trotzki und Sinowjew aus der Partei aus.

 

2
Die Erfolge der sozialistischen Industrialisierung
Das Zurückbleiben der Landwirtschaft
Der XV. Parteitag
Der Kurs auf die Kollektivierung der Landwirtschaft
Die Zerschmetterung des trotzkistisch-sinowjewistischen Blocks
Die politische Doppelzünglerei

 

Der XV. Parteitag wurde am 2. Dezember 1927 eröffnet.

Nach Behandlung der Fragen des sozialistischen Aufbaus ging der XV. Parteitag zur Frage der Liquidierung des trotzkistisch-sinowjewistischen Blocks über.

Der Parteitag stellte fest, dass „die Opposition mit dem Leninismus ideologisch gebrochen hat, zu einer menschewistischen Gruppe entartet ist, den Weg der Kapitulation vor der internationalen und inneren Bourgeoisie beschritten und sich objektiv in ein Werkzeug dieser dritten Kraft gegen das Regime der proletarischen Diktatur verwandelt hat“. (Ebenda, S. 232.)

Der Parteitag stellte fest, dass die Meinungsverschiedenheiten zwischen der Partei und der Opposition in programmatische Meinungsverschiedenheiten umgeschlagen waren, dass die trotzkistische Opposition den Weg des antisowjetischen Kampfes betreten hatte. Daher erklärte der XV. Parteitag die Zugehörigkeit zur trotzkistischen Opposition und die Propagierung ihrer Anschauungen für unvereinbar mit dem Verbleiben in den Reihen der bolschewistischen Partei.

Der Parteitag billigte den Beschluss der vereinigten Sitzung des Zentralkomitees und der Zentralen Kontrollkommission über den Ausschluss Trotzkis und Sinowjews aus der Partei und beschloss, alle aktiven Teilnehmer des trotzkistisch-sinowjewistischen Blocks, wie Radek, Preobrashenski, Rakowski, Pjatakow, Serebrjakow, I. Smirnow, Kamenew, Sarkis, Safarow, Lifschitz, Mdiwani, Smilga, und die ganze Gruppe des „demokratischen Zentralismus“ (Sapronow, W. Smirnow, Boguslawski, Drobnis u. a.) aus der Partei auszuschließen.

Ideologisch aufs Haupt geschlagen und organisatorisch zertrümmert, verloren die Anhänger des trotzkistisch-sinowjewistischen Blocks die letzten Reste ihres Einflusses im Volke.

Die aus der Partei ausgeschlossenen Antileninisten begannen einige Zeit nach dem XV. Parteitag, Erklärungen über ihren Bruch mit dem Trotzkismus abzugeben mit der Bitte, sie wieder in die Partei aufzunehmen. Natürlich konnte die Partei damals noch nicht wissen, dass Trotzki, Rakowski, Radek, Krestinski, Sokolnikow und andere schon seit langem Volksfeinde, von der ausländischen Spionage angeworbene Spione waren, dass Kamenew, Sinowjew, Pjatakow und andere bereits Verbindungen mit den Feinden der Sowjetunion in den kapitalistischen Ländern aufnahmen, um mit ihnen eine „Arbeitsgemeinschaft“ gegen das Sowjetvolk einzugehen. Die Partei hatte aber genügend Erfahrung darin, dass man von diesen Leuten, die wiederholt in den entscheidendsten Momenten gegen Lenin und die Leninsche Partei aufgetreten waren, jede Niederträchtigkeit erwarten konnte. Deshalb verhielt sich die Partei zu den Gesuchen der Ausgeschlossenen misstrauisch. Um die Aufrichtigkeit der Gesuchsteller einer ersten Prüfung zu unterziehen, stellte sie als Bedingungen für die Wiederaufnahme in die Partei folgende Forderungen:

a) offene Verurteilung des Trotzkismus als einer antibolschewistischen und antisowjetischen Ideologie;

b) offene Anerkennung der Politik der Partei als der einzig richtigen Politik;

c) unbedingte Unterwerfung unter die Beschlüsse der Partei und ihrer Organe;

d) die Verpflichtung, sich einer Prüfung während einer bestimmten Frist zu unterziehen, in deren Verlauf die Partei die Gesuchsteller überprüft und nach deren Ablauf die Partei, je nach den Ergebnissen der Überprüfung, die Frage der Wiederaufnahme jedes Ausgeschlossenen gesondert behandelt.

Die Partei ließ sich hierbei davon leiten, dass die offene Anerkennung dieser Punkte durch die Ausgeschlossenen unter allen Umständen von positiver Bedeutung für die Partei sein musste, da sie die Einheit der trotzkistisch-sinowjewistischen Reihen sprengen, in sie Zersetzung hineintragen sowie die Richtigkeit der Politik der Partei und die Macht der Partei nochmals demonstrieren und der Partei ermöglichen werde, im Falle der Aufrichtigkeit der Gesuchsteller, ehemalige Parteiarbeiter zur Partei zurückzubringen, im Falle ihrer Unaufrichtigkeit aber, sie in den Augen aller zu entlarven, und zwar schon nicht mehr als Leute, die irren, sondern als ideenlose Karrieristen, als Betrüger an der Arbeiterklasse und ausgemachte Doppelzüngler.

Die meisten Ausgeschlossenen nahmen die von der Partei aufgestellten Bedingungen für die Aufnahme in die Partei an und veröffentlichten in der Presse entsprechende Erklärungen.

Die Partei, die sie schonen und ihnen nicht die Möglichkeit versagen wollte, von neuem Menschen der Partei und der Arbeiterklasse zu werden, setzte sie wieder in die Rechte von Parteimitgliedern ein.

Im Laufe der Zeit stellte sich jedoch heraus, dass die Erklärungen der „aktiven Politiker“ des trotzkistisch-sinowjewistischen Blocks mit wenigen Ausnahmen durch und durch verlogene doppelzünglerische Erklärungen waren.

Es erwies sich, dass diese Herrschaften noch vor der Einreichung ihrer Gesuche aufgehört hatten, eine politische Strömung darzustellen, die bereit ist, ihre Anschauungen vor dem Volke zu vertreten, dass sie sich in eine Clique ideenloser Karrieristen verwandelt hatten, bereit, die Reste ihrer Anschauungen vor aller Augen mit Füßen zu treten, bereit, die ihr fremden Anschauungen der Partei vor aller Augen lobzupreisen, bereit, gleich Chamäleons jede beliebige Farbe anzunehmen, nur um sich in der Partei, in der Arbeiterklasse zu behaupten und die Möglichkeit zu haben, die Arbeiterklasse und ihre Partei heim-tückisch zu schädigen.

Die trotzkistisch-sinowjewistischen „Politiker“ erwiesen sich als politische Gauner, als politische Doppelzüngler.

Politische Doppelzüngler beginnen gewöhnlich mit Betrug und betreiben ihr dunkles Werk durch Betrug am Volke, an der Arbeiter-klasse, an der Partei der Arbeiterklasse. Aber politische Doppelzüngler kann man nicht lediglich als Betrüger betrachten. Politische Doppelzüngler bilden eine Clique ideenloser politischer Karrieristen, die schon längst das Vertrauen des Volkes verloren haben und bestrebt sind, sich durch Betrug, Schwindel und Gaunerei - mit allen erdenklichen Mitteln - neuerlich das Vertrauen zu erschleichen, nur um sich den Ruf von Politikern zu erhalten. Politische Doppelzüngler stellen eine Clique prinzipienloser politischer Karrieristen dar, die bereit sind, sich auf wen immer zu stützen, sei es auch auf kriminelle Elemente, sei es auf den Abschaum der Gesellschaft, sei es auf die geschworenen Feinde des Volkes, nur um im „geeigneten Moment“ erneut auf der politischen Bildfläche zu erscheinen und sich dem Volke als „Regierende“ auf den Nacken zu setzen.

Eben als solche politische Doppelzüngler erwiesen sich die trotzkistisch-sinowjewistischen „Politiker“.

 

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Die Offensive gegen das Kulakentum
Die parteifeindliche Bucharin-Rykow-Gruppe
Die Annahme des ersten Fünfjahrplans
Der sozialistische Wettbewerb
Der Beginn der kollektivwirtschaftlichen Massenbewegung

Vor dem Übergang der Partei zur Offensive gegen das Kulakentum, solange die Partei mit der Liquidierung destrotzkistisch-sinowjewistischen Blocks beschäftigt war, verhielt sich die Bucharin-Rykow-Gruppe mehr oder weniger ruhig, blieb sie in der Reserve der parteifeindlichen Kräfte, entschloss sie sich nicht, die Trotzkisten offen zu unterstützen, und trat sogar zuweilen zusammen mit der Partei gegen die Trotzkisten auf. Als jedoch die Partei zur Offensive gegen das Kulakentum überging und außerordentliche Maßnahmen gegen das Kulakentum anwendete, warf die Bucharin-Rykow-Gruppe die Maske ab und wandte sich offen gegen die Politik der Partei. Die Kulakenseele der Bucharin-Rykow-Gruppe bäumte sich auf, und die Anhänger dieser Gruppe gingen nunmehr zur offenen Verteidigung des Kulakentums über. Sie forderten die Aufhebung der außerordentlichen Maßnahmen, schreckten die Einfältigen, dass andernfalls eine „Degradation“ (Abwärtsbewegung, Niedergang, Zerfall) der Landwirtschaft einsetzen könne, und behaupteten, dass die Degradation bereits begonnen habe. Da sie das Wachstum der Kollektivwirtschaften und Sowjetwirtschaften, dieser höheren Formen der Landwirtschaft, nicht sahen, wohl aber den Niedergang der Kulakenwirtschaft, stellten sie die Degradation der Kulakenwirtschaft als Degradation der Landwirtschaft hin. Um sich eine theoretische Stütze zuzulegen, heckten sie die lächerliche „Theorie vom Erlöschen des Klassenkampfes“ aus und behaupteten auf Grund dieser Theorie, je mehr Erfolge der Sozialismus in seinem Kampfe gegen die kapitalistischen Elemente aufzuweisen haben werde, desto mehr werde sich der Klassenkampf mildern, der Klassenkampf werde bald vollständig erlöschen, und der Klassenfeind werde alle seine Positionen ohne Widerstand aufgeben, weshalb man keine Offensive gegen das Kulakentum zu unternehmen brauche. Dadurch stellten sie ihre fadenscheinige bürgerliche Theorie vom friedlichen Hineinwachsen des Kulakentums in den Sozialismus wieder her und traten den bekannten Leitsatz des Leninismus mit Füßen, dass der Widerstand des Klassenfeindes um so schärfere Formen annehmen wird, je mehr er den Boden unter den Füßen verliert, je mehr Erfolge der Sozialismus haben wird, und dass der Klassenkampf erst nach der Vernichtung des Klassenfeindes „erlöschen“ kann.

Es war nicht schwer zu verstehen, dass die Partei in der Bucharin-Rykow-Gruppe eine rechtsopportunistische Gruppe vor sich hatte, die sich vom trotzkistisch-sinowjewistischen Block nur der Form nach unterschied, nur dadurch, dass die Trotzkisten und Sinowjewleute gewisse Möglichkeiten hatten, ihre Kapitulantennatur durch linke, marktschreierisch-revolutionäre Phrasen über die „permanente Revolution“ zu maskieren, während die Bucharin-Rykow-Gruppe, die im Zusammenhang mit dem Übergang der Partei zur Offensive gegen das Kulakentum gegen die Partei Stellung nahm, nicht mehr die Möglichkeit hatte, ihr Kapitulantengesicht zu maskieren, und gezwungen war, die reaktionären Kräfte unseres Landes, vor allem das Kulakentum, offen, unverblümt, ohne Maske zu verteidigen.

Die Partei begriff, dass die Bucharin-Rykow-Gruppe früher oder später dazu kommen musste, den Überresten des trotzkistisch-sinowjewistischen Blocks zum gemeinsamen Kampf gegen die Partei die Hand zu reichen.

Kurze Zusammenfassung

Dieser Vormarsch auf dem Wege zum Sozialismus war von einer Verschärfung des Klassenkampfes innerhalb des Landes und von einer Verschärfung des innerparteilichen Kampfes begleitet. Die wichtigsten Ergebnisse dieses Kampfes waren: die Unterdrückung des Widerstands des Kulakentums, die Entlarvung des trotzkistisch-sinowjewistischen Kapitulantenblocks als eines antisowjetischen Blocks, die Entlarvung der rechten Kapitulanten als einer Kulakenagentur, die Verjagung der Trotzkisten aus der Partei, die Kennzeichnung der Anschauungen der Trotzkisten und rechten Opportunisten als unvereinbar mit der Zugehörigkeit zur KPdSU(B).

Die Trotzkisten, die von der bolschewistischen Partei ideologisch geschlagen waren und jeden Boden in der Arbeiterklasse verloren hatten, hörten auf, eine politische Strömung zu sein, und verwandelten sich in eine prinzipienlose Karrieristenclique politischer Gauner, in eine Bande politischer Doppelzüngler.

 

KAPITEL XI
Die Partei der Bolschewiki im Kampfe für die Kollektivierung der Landwirtschaft
(1930-1934)

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Die Entartung der Bucharinleute zu politischen Doppelzünglern
Die Entartung der trotzkistischen Doppelzüngler zu einer weißgardistischen Bande von Mördern und Spionen
Der ruchlose Mord an Genossen S. M. Kirow
Die Maßnahmen der Partei zur Verstärkung der Wachsamkeit der Bolschewiki

Auf dem XVII. Parteitag hielten Bucharin, Rykow und Tomski reuige Reden; sie sangen der Partei Loblieder und hoben die Errungenschaften der Partei in den Himmel. Der Parteitag fühlte jedoch, dass ihre Reden den Stempel der Unaufrichtigkeit und Doppelzünglerei trugen, denn die Partei fordert von ihren Mitgliedern keine Lobhudelei und Verherrlichung ihrer Errungenschaften, sondern ehrliche Arbeit an der Front des Sozialismus, von der jedoch bei den Bucharinleuten schon lange nichts zu merken war. Die Partei sah, dass diese Herrschaften in Wirklichkeit in ihren heuchlerischen Reden ihren Anhängern außerhalb des Parteitags Winke gaben, sie Doppelzünglerei lehrten und dazu aufriefen, nicht die Waffen zu strecken.

Auf dem XVII. Parteitag traten auch die Trotzkisten auf - Sinowjew und Kamenew -, die sich wegen ihrer Fehler über alle Maßen geißelten und die Errungenschaften der Partei - ebenso maßlos - lobpriesen. Der Parteitag konnte aber nicht übersehen, dass sowohl die Ekel erregende Selbstgeißelung wie die widerlich-süßliche Lobpreisung der Partei die Kehrseite des unruhigen und bösen Gewissens, dieser Herren darstellten. Die Partei wusste jedoch noch nicht, ahnte noch nicht, dass diese Herrschaften, die auf dem Parteitag mit süßlichen Reden auftraten, gleichzeitig den ruchlosen Mord an Genossen Kirow vorbereiteten.

Die Sinowjewleute, die vor Gericht die Reuigen spielten, setzten in der Tat auch in diesem Moment ihre Doppelzünglerei fort. Sie verheimlichten ihre Verbindung mit Trotzki. Sie verheimlichten, dass sie sich zusammen mit den Trotzkisten an die faschistische Spionage verkauft hatten, sie verheimlichten ihre Spionage- und Schädlingsarbeit. Die Sinowjewleute verheimlichten vor Gericht ihre Verbindungen mit den Bucharinleuten, das Bestehen einer vereinigten trotzkistisch-bucharinschen Bande von Söldlingen des Faschismus.

Der Mord an Genossen Kirow war, wie sich später herausstellte, von dieser vereinigten trotzkistisch-bucharinschen Bande verübt worden.

Schon damals, im Jahre 1935, wurde es klar, dass die Sinowjewgruppe eine maskierte weißgardistische Organisation war, die es vollauf verdiente, dass man mit ihren Mitgliedern wie mit Weißgardisten verfuhr.

Ein Jahr später wurde bekannt, dass Trotzki, Sinowjew, Kamenew und ihre Komplicen die eigentlichen, direkten und wirklichen Organisatoren des Mordes an Kirow und die Organisatoren der vorbereitenden Schritte zur Ermordung anderer Mitglieder des Zentralkomitees waren. Es wurden vor Gericht gestellt: Sinowjew, Kamenew, Bakajew, Jewdokimow, Pikel, I. N. Smirnow, Mratschkowski, Ter-Waganjan, Reinhold und andere. Die überführten Verbrecher mussten öffentlich, vor Gericht, eingestehen, dass sie nicht nur den Mord an Kirow organisiert hatten, sondern auch die Ermordung aller anderen Führer der Partei und der Regierung vorbereiteten. Die weitere Untersuchung ergab, dass diese verruchten Verbrecher den Weg der Organisierung von Zerstörungsakten, den Weg der Spionage betreten hatten. Der ungeheuerliche moralische und politische Fall dieser Leute, die niederträchtige Gemeinheit und Verräterei, die sich hinter doppelzünglerischen Erklärungen über die Ergebenheit gegenüber der Partei verbargen, wurden in dem im Jahre 1936 in Moskau verhandelten Prozess aufgedeckt.

Hauptinspirator und Hauptorganisator dieser ganzen Bande von Mördern und Spionen war der Judas Trotzki. Die Helfershelfer Trotzkis, die seine konterrevolutionären Direktiven ausführten, waren Sinowjew, Kamenew und ihre trotzkistischen Nachläufer. Sie bereiteten die Niederlage der Sowjetunion für den Fall eines Angriffs der Imperialisten vor, sie waren gegenüber dem Arbeiter- und Bauernstaat zu Defätisten, zu verabscheuungswürdigen Lakaien und Agenten der deutschen und japanischen Faschisten geworden.

Die wichtigste Lehre, die die Parteiorganisationen aus diesen Prozessen über den ruchlosen Mord an Genossen Kirow zu ziehen hatten, bestand darin, ihre eigene politische Blindheit, ihre politische Sorglosigkeit zu beseitigen und ihre Wachsamkeit, die Wachsamkeit aller Parteimitglieder zu erhöhen.

 

KAPITEL XII
Die Partei der Bolschewiki im Kampf für die Vollendung des Aufbaus der sozialistischen Gesellschaft und die Durchführung der neuen Verfassung
(1935-1937)

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Die Liquidierung der Überreste der bucharinschen-trotzkistischen Spione, Schädlinge und Landesverräter
Die Vorbereitung für die Wahlen zum Obersten Sowjet der UdSSR
Der Kurs der Partei auf die entfaltete innerparteiliche Demokratie
Die Wahlen zum Obersten Sowjet der UdSSR

Das Jahr 1937 erbrachte neue Beweise gegen die Scheusale aus der bucharinschen-trotzkistischen Bande. Der Prozess gegen Pjatakow, Radek und andere, der Prozess gegen Tuchatschewski, Jakir und’ andere, schließlich der Prozess gegen Bucharin, Rykow, Krestinski, Rosenholz und andere, alle diese Prozesse haben gezeigt, dass die Bucharinleute und Trotzkisten erwiesenermaßen schon lange eine gemeinsame Bande von Volksfeinden in Gestalt des „Blocks der Rechten und Trotzkisten“ gebildet hatten.

Die Prozesse zeigten, dass dieser Abschaum der Menschheit gemeinsam mit den Volksfeinden Trotzki, Sinowjew und Kamenew bereits seit den ersten Tagen der Sozialistischen Oktoberrevolution in einer Verschwörung gegen Lenin, gegen die Partei, gegen den Sowjetstaat gestanden hatten. Die provokatorischen Versuche zur Vereitelung des Brester Friedens Anfang 1918; die Verschwörung gegen Lenin und das Komplott mit den „linken“ Sozialrevolutionären zur Verhaftung und Ermordung Lenins, Stalins, Swerdlows im Frühjahr 1918; das frevelhafte Attentat auf Lenin und dessen Verwundung im Sommer 1918; der Aufruhr der „linken“ Sozialrevolutionäre im Sommer 1918; die vorsätzliche Zuspitzung der Meinungsverschiedenheiten in der Partei im Jahre 1921 mit dem Ziel, die Leninsche Führung zu erschüttern und von innen heraus zu stürzen; die Versuche, in der Zeit von Lenins Krankheit und nach seinem Tode die Parteiführung zu stürzen; die Auslieferung von Staatsgeheimnissen und die Belieferung ausländischer Spionagedienste mit Spionagematerial; die ruchlose Ermordung Kirows; Schädlingsarbeit, Sabotageakte, Sprengungen; die Meuchelmorde an Menshinski, Kujbyschew, Gorki - alle diese und ähnliche Freveltaten wurden, wie sich herausstellte, im Verlauf von 20 Jahren unter Teilnahme oder Führung Trotzkis, Sinowjews, Kamenews, Bucharins, Rykows und ihrer Handlanger im Auftrage ausländischer bürgerlicher Spionagedienste ausgeführt.

Die Prozesse stellten klar, dass sich die trotzkistisch-bucharinschen Scheusale in Erfüllung des Willens ihrer Auftraggeber - ausländischer bürgerlicher Spionagedienste - das Ziel gesteckt hatten, die Partei und den Sowjetstaat zu zerstören, die Landesverteidigung zu untergraben, die auswärtige militärische Intervention zu erleichtern, eine Niederlage der Roten Armee vorzubereiten, die Sowjetunion zu zerstückeln, an die Japaner das fernöstliche Küstengebiet der Sowjetunion, an die Polen das sowjetische Bjelorussland, an die Deutschen die Sowjetukraine auszuliefern, die Errungenschaften der Arbeiter und Kollektivbauern zunichte zu machen, die kapitalistische Sklaverei in der Sowjetunion wiederherzustellen.

Diese weißgardistischen Wichte, deren Kraft man höchstens mit der Kraft eines elenden Gewürms vergleichen kann, hielten sich, wie es scheint, komischerweise für die Herren des Landes und bildeten sich ein, dass sie in der Tat die Ukraine, Bjelorussland, das Küstengebiet an andere verteilen und verkaufen könnten.

Dieses weißgardistische Gezücht vergaß, dass niemand anders als das Sowjetvolk Herr des Sowjetlandes ist, während die Herrschaften Rykow, Bucharin, Sinowjew, Kamenew weiter nichts waren als Leute, die zeitweilig im Dienste des Staates standen, der sie jede Minute wie nutzloses Gerümpel aus seinen Kanzleien hinauswerfen konnte.

Diese nichtswürdigen Lakaien der Faschisten vergaßen, dass das Sowjetvolk nur einen Finger zu rühren brauchte, damit von ihnen nicht einmal eine Spur übrig bleibe.

Das Sowjetgericht verurteilte die bucharinschen-trotzkistischen Scheusale zur Erschießung.

Das Volkskommissariat für Innere Angelegenheiten vollstreckte das Urteil.

Das Sowjetvolk billigte die Vernichtung der bucharinschen-trotzkistischen Bande und ging zur Tagesordnung über.

 

Schlussfolgerungen

Ohne die Trotzkisten und Bucharinleute geschlagen zu haben, hätten wir nicht die für die Errichtung des Sozialismus notwendigen Bedingungen herbeiführen können.

Es könnte scheinen, dass die Bolschewiki dem Kampf gegen die opportunistischen Elemente in der Partei zu viel Zeit gewidmet, dass sie deren Bedeutung überschätzt hätten. Das ist jedoch völlig unrichtig. Man darf in seiner Mitte nicht den Opportunismus dulden, wie man in einem gesunden Organismus kein Geschwür dulden darf. Die Partei ist der führende Trupp der Arbeiterklasse, ihre vorgeschobene Festung, ihr Kampfstab. Man darf nicht zulassen, dass in dem führenden Stab der Arbeiterklasse Kleingläubige, Opportunisten, Kapitulanten, Verräter sitzen. Gegen die Bourgeoisie auf Leben und Tod kämpfen und Kapitulanten und Verräter in seinem eigenen Stabe, in seiner eigenen Festung haben - heißt in die Lage von Leuten geraten, die sowohl von der Front wie vom Rücken her beschossen werden. Es ist nicht schwer zu begreifen, dass ein solcher Kampf nur mit einer Niederlage enden kann. Festungen werden am leichtesten von innen genommen. Um den Sieg zu erringen, muss man vor allem die Partei der Arbeiterklasse, ihren führenden Stab, ihre vorgeschobene Festung von Kapitulanten, von Deserteuren, von Streikbrechern, von Verrätern säubern.

Man kann es nicht als Zufall ansehen, dass die Trotzkisten, die Bucharinleute, die Vertreter der nationalistischen Abweichungen im Kampfe gegen Lenin, im Kampfe gegen die Partei ebenso endeten wie die Parteien der Menschewiki und Sozialrevolutionäre, dass sie zu Agenten der faschistischen Spionagedienste wurden, zu Spionen, Schädlingen, Mördern, Zerstörungsagenten, Landesverrätern.