Schulungstext der Komintern / ML

gegen den Intellektualismus

Die Komintern /ML widmet diesem Kampf gegen den Intellektualismus stets besondere Aufmerksamkeit und der Genosse Wolfgang Eggers hat hier eine kleine , nützliche Zitatensammlung der Klassiker Marx, Engels, Lenin, Stalin und Enver Hoxha für uns zusammengestellt, die keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt.





Stalin

Kulturfront,

Intelligenz ,

Intellektualismus,

Kampf gegen die intelligenzlerisch-opportunistischen Elemente in der Kommunistischen Partei

Zitatensammlung

II. Teil





Stalin, An den Lehrerkongress, 10. Januar 1925:

Die Phalanx der Volksschullehrer bildet einen der notwendigsten Bestandteile der großen Armee der Werktätigen unseres Landes, die auf der Grundlage des Sozialismus ein neues Leben aufbauen.

Der Weg, den die Arbeiterklasse geht, um zum Sozialismus zu gelangen, kann nur dann zum Siege führen, wenn im gleichen Schritt mit der Arbeiterklasse die Millionenmassen der werktätigen Bauernschaft diesen Weg gehen, wenn die Arbeiterklasse unablässig die Führung der werktätigen Massen verwirklicht.

Der Dorfschullehrer muss wissen, dass es ohne eine solche Führung keine Diktatur des Proletariats geben und dass ohne diese Diktatur unser Land nicht frei und unabhängig sein kann.

Zu einem der Bindeglieder zu werden, die die Bauernmassen mit der Arbeiterklasse verbinden – das ist die Hauptaufgabe des Dorfschullehrers, wenn er der Sache seines Volkes, der Sache seiner Freiheit und Unabhängigkeit wirklich dienen will.“ (Stalin, Band 7, Seite 2).



Stalin, Über die Aufgaben der Zeitschrift „Krasnaja Molodjosh“, Januar 1925:

Die Zeitschrift muss es sich zur Hauptaufgabe machen, die proletarische parteilose Studentenschaft zur Arbeit der Sowjetmacht und der Kommunistischen Partei heranzuziehen. Das wird die Zeitschrift nur dann erreichen, wenn sie tatsächlich zu einer wirklichen sowjetischen Studentenzeitschrift wird. Die Arbeit an den Hochschulen, in den Organen des Volkskommissariats für Volksbildung usw. weist natürlich noch eine Reihe von Mängeln auf. Die Studentenschaft, die diese Mängel besser als irgend jemand anders kennt, muss sie systematisch aufdecken, kritisieren, auf sie hinweisen, damit wir unsere Arbeit mit vereinten Kräften verbessern können. Daher ist es notwendig, die Besten aus der parteilosen Studentenschaft weitgehend zur Mitarbeit an der Zeitschrift heranzuziehen. Die Studentenschaft muss fühlen, dass dies ihre Zeitschrift ist, die ihr hilft, zu arbeiten und sich zu entwickeln. (...)

Wenn die Zeitschrift die Losung ´Näher an die Studentenschaft` verwirklicht, wird sie ihre Aufgabe besser erfüllen und tatsächlich zu einem mit der sowjetischen Studentenschaft eng verbundenen Organ werden.“ (Stalin, Band 7, Seite 3/4).



Stalin, Rede auf der Plenartagung des ZK und der ZKK der KPR (B), (Über den Trotzkismus), Moskau 1925:

Er (Trotzki) hat nicht begriffen, dass in der Partei das Gefühl von Kraft und Würde erstarkt ist, dass die Partei sich als Herr des Hauses fühlt und von uns verlangt, dass wir den Kopf vor ihr zu beugen wissen, wenn die Umstände dies erfordern. Trotzki hat das nicht begriffen.“ (Stalin, Band 7, Seite 8).



Stalin, An die „Rabotschaja Gaseta“, 21. Januar 1925:

Lehnt niemals die Kleinarbeit ab, denn aus dem Kleinen entsteht das Große – darin besteht eins der wichtigsten Vermächtnisse Lenins.“ (Stalin, Band 7, Seite 13).



Stalin, Über „Dymowka“, (Die Bauernfrage), Moskau/Leningrad 1925:

Eine große Warnung war der transkaukasische, georgische Aufstand. Solche Aufstände sind aber auch in Zukunft möglich, wenn wir nicht lernen werden, unsere Eiterbeulen aufzudecken und auszumerzen, wenn wir nur darauf bedacht sein werden, nach außen hin den Anschein zu erwecken, als ob alles aufs Beste bestellt sei.

Darum glaube ich, dass man hier nicht von Mängeln und nicht von Übertreibungen einzelner Schriftsteller, die die Unzulänglichkeiten in unserer Arbeit aufdecken, sprechen soll, sondern von ihren Verdiensten.

Hier muss ich zur Frage unserer Schriftsteller, unserer Korreespondenten übergehen. Ich glaube, dass wir an eine Periode herangekommen sind, in der die Arbeiter- und Dorfkorrespondenten zu einem der wichtigsten Hebel zur Verbesserung unserer Aufbauarbeit im Dorf, zur Aufdeckung unserer Mängel und folglich zu ihrer Beseitigung und zur Verbesserung der Sowjetarbeit werden können. Wir sind uns dessen vielleicht nicht alle bewusst, aber für mich ist klar, dass die Verbesserung unserer Arbeit gerade von dieser Seite her begonnen werden muss. Diese in ihrer Mehrheit für Eindrücke empfänglichen, von Wahrheitsliebe durchglühten Menschen, die bestrebt sind, Missstände um jeden Preis zu beseitigen, Menschen, die keine Kugel fürchten – diese Menschen müssen meiner Meinung nach einen der wichtigsten Hebel bei der Aufdeckung unserer Mängel und der Verbesserung unserer örtlichen Partei- und Sowjetaufbauarbeit bilden.

Daher muss man auf die Stimme dieser Genossen hören, darf man die Mitarbeiter unserer Presse nicht schmähen. Durch sie könnten wir, wie durch eine Art Barometer, das Mängel unserer Aufbauarbeit unmittelbar anzeigt, sehr vieles an den Tag bringen und berichtigen.“ (Stalin, Band 7, Seite 20/21).



Stalin, Über die Perspektiven der KPD und über die Bolschewisierung, 3. Februar 1925:

... dass die Frage der führenden Kader der Kommunistischen Partei (...) eine der wesentlichen Fragen des Prozesses der Bolschewisierung darstellt.“ (Stalin, Band 7, Seite 32).

Um die Bolschewisierung durchzuführen, ist es notwendig, wenigstens einige grundlegende Voraussetzungen zu schaffen, ohne die überhaupt eine Bolschewisierung der Kommunistischen Parteien unmöglich ist:

    2. Es ist notwendig, dass die Partei, besonders ihre führenden Elemente, sich der revolutionären Theorie des Marxismus, die mit der revolutionären Praxis untrennbar verbunden ist, voll bemächtigen.

    3. Es ist notwendig, dass die Partei die Losungen und Direktiven nicht auf Grund eingelernter Formeln und geschichtlicher Parallelen, sondern als Ergebnis einer sorgfältigen Analyse der konkreten Bedingungen der revolutionären Bewegung im Lande und im internationalen Maßstab ausarbeitet, wobei die Erfahrungen der Revolutionen aller Länder unbedingt mit in Rechnung gestellt werden müssen.

    10. Es ist notwendig, dass die Partei die soziale Zusammensetzung ihrer Organisationen systematisch verbessert und sich von den zersetzenden opportunistischen Elementen reinigt, wobei sie die Erreichung einer maximalen Einheitlichkeit als Ziel vor Augen haben muss.“ (Stalin, Band 7, Seite 32).



Stalin, Brief an Genossen Me_rt, 28. Februar 1925:

Zweifellos gehören Brandler und Thalheimer zur Kategorie des alten Typus von Führern, deren Zeit vorbei ist und die von Führern des neuen Typs in den Hintergrund gedrängt werden. Bei uns in Russland fand der Prozess des Absterbens einer ganzen Reihe alter führender Funktionäre aus den Kreisen der Literaten und alter `Führer` ebenfalls statt. Er verschärfte sich in Perioden revolutionärer Krisen, er ließ nach in den Perioden der Sammlung der Kräfte, aber er fand statt.“ (Stalin, Band 7, Seite 37).

Es ist nicht gut, wenn man die Führer der Partei fürchtet, sie aber nicht achtet. Führer der Partei können nur in dem Falle wirkliche Führer sein, wenn man sie nicht nur fürchtet, sondern sie auch in der Partei achtet, ihre Autorität anerkennt. Solche Führer heranzubilden ist schwer, das ist eine langwierige und schwierige, aber unbedingt notwendige Sache, denn ohne diese Bedingung kann die Partei nicht als wirklich bolschewistische Partei bezeichnet werden, kann die Disziplin der Partei keine bewusste Disziplin sein.“ (Stalin, Band 7, Seite 38).

Die KPR (B) entwickelte sich stets durch Widersprüche, das heißt im Kampf gegen nichtkommunistische Strömungen, und nur in diesem Kampf wurde sie stark, schmiedete sie wirkliche Kader.“ (Stalin, Band 7, Seite 39).



Stalin, Über das Aktiv des Kommunistischen Jugendverbandes auf dem Lande, 15. April 1925:

Es steht außer Zweifel, dass es viel leichter ist, über die Weltrevolution zu schwätzen, als (...) gewöhnliche und alltägliche Aufgaben zu bewältigen.“ (Stalin, Band 7, Seite 68).

Sechstens. Es ist notwendig, das Aktiv des Kommunistischen Jugendverbandes im Dorf mit den erforderlichen Anweisungen und Materialien für den kulturellen Aufbau im Dorf, für den Aufbau von Lesestuben, für die Liquidierung des Analphabetentums usw. zu versehen. Der Aktivist des Jugendverbandes muss zum natürlichen Helfer der Sowjets und überhaupt der Kulturkräfte im Dorfe bei der Verbreitung der Sowjetkultur werden – darin besteht die Aufgabe.“ (Stalin, Band 7, Seite 70).

Achtens. Es ist notwendig, das Aktiv des Kommunistischen Jugendverbandes im Dorf mit populären Broschüren zu versorgen: über das Bündnis der Arbeiter und Bauern, über den Sinn und die Bedeutung dieses Bündnisses, über die Diktatur des Proletariats, über die Grundlagen des Kommunismus, schließlich über die Geschichte der Oktoberrevolution sowie darüber, wie die Bauern früher, unter dem Zaren und dem Gutsbesitzer, lebten, wie sie jetzt leben und wie sie leben werden, wenn der Zusammenschluss zwischen Arbeitern und Bauern gefestigt sein wird und der Sozialismus zur Entfaltung gelangt. Der Aktivist des Jugendverbands soll sich gar nicht den Vorurteilen des Bauern anpassen. Diesen Vorurteilen Rechnung tragen und sich ihnen anpassen – das sind zwei verschiedene Dinge. Er muss verstehen, mit Bauern als Kommunist zu sprechen. Er muss es verstehen, den Bauern an Hand konkreter Tatsachen davon zu überzeugen, dass es für ihn außerhalb des Sozialismus keine Rettung gibt.“ (Stalin, Band 7, Seite 71).



Stalin, An die Erste Unionskonferenz der proletarischen Studentenschaft, 15. April 1925:

Welche Rolle muss die proletarische Studentenschaft (...) spielen?

Ihr kommt zweifellos eine wichtige, wenn nicht erstrangige Rolle zu. Hochschulen und kommunistische Hochschulen, Arbeiterfakultäten und techniken – das sind Schulen zur Heranbildung der Kommandeurkader auf dem Gebiet der Wirtschaft und Kultur. Mediziner und Ökonomen, Genossenschaftler und Pädagogen, Bergbaufachleute und Statistiker, Techniker und Chemiker, Agronomen und Eisenbahner, Tierärzte und Forstwirtschaftler, Elektriker und Mechaniker – sie alle sind künftige Kommandeure bei der Errichtung der neuen Gesellschaft, beim Aufbau der sozialistischen Wirtschaft und der sozialistischen Kultur. Ohne neue Kommandeurkader kann man die neue Gesellschaft nicht errichten, ebenso wie man ohne Kommandeurkader auch keine neue Armee aufbauen kann. Die Überlegenheit der neuen Kommandeurkader besteht darin, dass sie berufen sind, nicht im Interesse der Ausbeutung der Werktätigen durch eine Handvoll Reicher zu wirken, sondern im Interesse der Befreiung der Werktätigen, gegen eine Handvoll von Ausbeutern. Es kommt nur darauf an, dass die Studenten der Hochschulen – Arbeiter und Bauern, Parteimitglieder und Parteilose – diese ihre ehrenvolle Rolle erkennen und sie bewusst, nach bestem Wissen und Gewissen durchführen.

Somit ist die erste Aufgabe der Partei, zu erreichen, dass die proletarische Studentenschaft zum bewussten Erbauer der sozialistischen Wirtschaft und der sozialistischen Kultur wird.

Aber mit den Kräften der Kommandeurkader allein, ohne die direkte Unterstützung durch die werktätigen Massen, kann man die neue Gesellschaft nicht aufbauen. Um den Sozialismus errichten zu können, genügen die Kenntnisse der neuen Kommandeurkader nicht. Dazu ist noch erforderlich, dass die werktätigen Massen diesen Kommandeurkadern Vertrauen entgegenbringen und sie unterstützen. Es war ein kennzeichnender Zug der alten Kommandeutkader, die unter dem Kapitalismus wirkten, dass sie von den Arbeitern und Bauern losgelöst waren, dass sie sich über die werktätigen Massen stellten, dass sie weder auf das Vertrauen noch auf die Unterstützung dieser Massen Wert legten und dass ihnen demzufolge weder das eine noch das andere zuteil wurde. Für unser Land ist dieser Weg völlig ungangbar. Die neuen Kommandeurkader, die die neue Wirtschaft und die neue Kultur aufbauen, heißen eigentlich eben deshalb neue, weil sie mit den alten Methoden des Kommandierens entschieden und ein für allemal brechen müssen. Nicht von den Massen losgelöst, sondern aufs Engste mit ihnen verbunden sein; sich nicht über die Massen stellen, sondern den Massen vorangehen, sie führen; sich nicht den Massen entfremden, sondern sich mit ihnen verschmelzen und sich das Vertrauen, die Unterstützung der Massen erringen – das sind die neuen Wege, die die neuen Kommandeurkader bei ihrer Tätigkeit gehen müssen. Anders als auf diesen Wegen ist kein sozialistischer Aufbau denkbar.

Somit ist die zweite Aufgabe der Partei, zu erreichen, dass die proletarische Studentenschaft sich als untrennbaren Teil der werktätigen Massen betrachtet, zu erreichen, dass die Studenten sich ihrer gesellschaftlichen Rolle bewusst werden und als wahrhaft aktive Teilnehmer am gesellschaftlichen Leben auftreten.

Schließlich speziell über die kommunistischen Studenten. Es heißt, dass die kommunistischen Studenten in der Wissenschaft nur geringe Fortschritte machen. Es heißt, dass sie in dieser Hinsicht ernstlich hinter den Parteilosen zurückbleiben. Es heißt, dass die kommunistischen Studenten es vorziehen, sich mit der ´hohen Politik` zu befassen, und zwei Drittel ihrer Zeit mit endlosen Debatten ´über die Weltprobleme` vergeuden.

Stimmt das alles? Ich glaube dass es stimmt. Wenn das aber stimmt, so ergeben sich daraus zum Mindesten zwei Schlussfolgerungen. Erstens, die kommunistischen Studenten laufen Gefahr, schlechte Leiter des sozialistischen Aufbaus zu werden, denn man kann den Aufbau der sozialistischen Gesellschaft nicht leiten, ohne die Wissenschaft gemeistert zu haben. Zweitens, wir laufen Gefahr, dass die Heranbildung der neuen Kommandeurkader zum Monopol in den Händen der alten Professoren wird, die neue Kräfte als Nachwuchs brauchen; denn Menschen, die die Wissenschaft nicht meistern wollen oder dies nicht fertigbringen, können nicht als Nachwuchs oder als neue Wissenschaftler herangebildet werden. Es erübrigt sich zu sagen, dass all das zu einer direkten Gefahr für das ganze Werk des sozialistischen Aufbaus werden muss. Kann man sich mit einer solchen Lage abfinden? Es ist klar, dass man das nicht kann. Darum müssen sich die kommunistischen Studenten und die Sowjetstudenten überhaupt klar und bestimmt als nächste Aufgabe stellen: die Wissenschaft zu meistern und einen Nachwuchs für den alten Professorenbestand aus neuen, aus Sowjetmenschen zu schaffen. Ich will damit keineswegs sagen, dass sich die Studenten nicht mit Politik beschäftigen sollen. Durchaus nicht. Ich spreche nur davon, dass die kommunistischen Studenten es verstehen müssen, die politische Arbeit mit der Meisterung der Wissenschaft zu verbinden. Es heißt, dass es schwer sei, eine solche Verbindung zu erreichen. Das ist natürlich richtig. Aber seit wann fürchten sich Kommunisten vor Schwierigkeiten? Die Schwierigkeiten auf dem Wege unseres Aufbaus sind ja gerade dazu da, von uns bekämpft und überwunden zu werden.

Außerdem muss noch ein Umstand in Betracht gezogen werden. Ich denke, dass unser Land mit seinen revolutionären Gepflogenheiten und Traditionen, mit seinem Kampf gegen Trägheit und geistiger Stagnation den denkbar günstigsten Boden für das Aufblühen der Wissenschaften abgibt. Es lässt sich wohl nicht bezweifeln, dass philisterhafte Beschränktheit und Routine, die den alten Professoren der kapitalistischen Schule eigen sind, ein Hemmschuh für die Wissenschaft sind. Es lässt sich wohl nicht bezweifeln, dass zu voll entfaltetem und freiem wissenschaftlichem Schaffen nur neue, von diesen Mängeln freie Menschen fähig sind. Unser Land hat in dieser Hinsicht eine große Zukunft als Hochburg und Pflanzstätte der von allen Fesseln befreiten Wissenschaften. Ich denke, dass wir bereits begonnen haben, diesen Weg zu beschreiten. Es wäre aber traurig und der kommunistischen Studenten unwürdig, wenn sie abseits des großen Entwicklungsweges der Wissenschaft blieben. Darum gewinnt die Losung der Meisterung der Wissenschaft besondere Bedeutung.

Somit ist die dritte Aufgabe der Partei, zu erreichen, dass die proletarische Studentenschaft und vor allem die kommunistischen Studenten die Notwendigkeit der Meisterung der Wissenschaft begreifen und dass sie sie meistern.

Nehmen Sie meinen Gruß entgegen.“ (Stalin, Band 7, Seite 73 – 76).



Stalin, Über die politischen Aufgaben der Universität der Völker des Ostens, 18. Mai 1925:

Die Sache ist nämlich die, dass die Hörerschaft der Universität aus zwei Hauptgruppen besteht, die zwei ganz verschiedene Entwicklungslinien verkörpern. Die erste Gruppe besteht aus Menschen, die aus dem Sowjet-osten zu uns gekommen sind, also aus Ländern, wo es keine Herrschaft der Bourgeoisie mehr gibt,, wo das imperialistische Joch bereits abgeschüttelt ist und die Arbeiter an der Macht stehen. Die zweite Gruppe der Hörer besteht aus Menschen, die aus kolonialen und abhängigen Ländern zu uns gekommen sind, also aus Ländern, wo immer noch der Kapitalismus herrscht, auf denen das Joch des Imperialismus weiterhin mit seiner ganzen Schwere lastet und wo es erst noch gilt, die Imperialisten hianuszujagen und die Unabhängigkeit zu erkämpfen.

Somit haben wir es mit zwei Osten zu tun, von denen jeder ein anderes Leben führt und sich unter anderen Verhältnissen entwickelt.

Diese Zwiespältigkeit der Zusammensetzung der Hörerschaft muss, das braucht man nicht zu betonen, der Arbeit der Universität der Werktätigen des Ostens natürlich ihren Stempel aufdrücken. Eben dadurch erklärt sich auch die Tatsache, dass diese Universität mit einem Bein auf sowjetischem Boden und mit dem anderen auf dem Boden der Kolonien und abhängigen Ländern steht.

Hieraus ergeben sich zwei Linien für die Tätigkeit der Universität:

Auf der einen Linie sind Kader für die Befriedigung der Bedürfnisse der Sowjetrepubliken des Ostens zu schaffen, auf der anderen Linie sind Kader für die Befriedigung der revolutionären Erfordernisse der werktätigen Massen der kolonialen und abhängigen Länder des Ostens zu schaffen.

Hieraus ergeben sich für die Universität der Werktätigen des Ostens auch zweierlei Aufgaben.

Betrachten wir nun diese Aufgaben der Kommunistischen Universität der Werktätigen des Ostens, und zwar jede für sich.

I

DIE AUFGABEN DER KOMMUNISTISCHEN UNIVERSITÄT DER WERKTÄTIGEN DES OSTENS HINSICHTLICH DER SOWJETREPUBLIKEN DES OSTENS

Worin bestehen die charakteristischen Besonderheiten, durch die sich diese Länder, diese Republiken, was ihre Existenz und Entwicklung anbelangt, von den kolonialen und abhängigen Ländern unterscheiden?

Erstens darin, dass diese Republiken von imperialistischer Unterdrückung frei sind.

Zweitens darin, dass ihre Entwicklung und Konsolidierung als Nationen nicht unter der Ägide eines bürgerlichen Regimes, sondern unter der Ägide der Sowjetmacht vor sich geht. Das ist eine in der Geschichte einzig dastehende Tatsache, aber es ist dennoch eine Tatsache.

Drittens darin, dass sie, die industriell schwach entwickelt sind, bei ihrer Entwicklung in vollem Umfang die Unterstützung des Industrieproletariats der Sowjetunion in Anspruch nehmen können.

Viertens darin, dass diese von kolonialer Unterdrückung freien, unter dem Schutz der Diktatur des Proletariats stehenden und zur Sowjetunion gehörenden Republiken sich in den sozialistischen Aufbau unseres Landes eingliedern können und müssen.

Die Hauptaufgabe besteht darin, die Eineziehung der Arbeiter und Bauern dieser Republiken in den Aufbau des Sozialismus in unserem Lande zu erleichtern, die den besonderen Existenzbedingungen dieser Republiken entsprechenden Voraussetzungen zu schaffen und zu entwickeln, um diese Eingliederung vorwärtszubringen und zu beschleunigen. Hieraus ergeben sich als nächste Aufgaben für die Funktionäre des Sowjet-Ostens:

  1. Industriestätten in den Sowjetrepubliken des Ostens als Basis für den Zusammenschluss der Bauern um die Arbeiterklasse schaffen. Sie wissen, dass dieses Werk bereits in Angriff genommen worden ist, und dass es entsprechend dem wirtschaftlichen Wachstum der Sowjetunion fortschreiten wird. Die Tatsache, dass diese Republiken die verschiedenartigsten Rohstoffe besitzen, bürgt dafür, dass dieses Werk mit der Zeit vollendet werden wird.

  2. Die Landwirtschaft heben und vor allem das Bewässerungswesen verbessern. Sie wissen, dass dieses Werk ebenfalls vorwärtsgebracht worden ist, wenigstens in Transkaukasien und Turkestan.

  3. Den genossenschaftlichen Zusammenschluss der breiten Massen der Bauern und Kleingewerbetreibenden verstärken und fördern, da dies der sicherste Weg zur Eingliederung der Sowjetrepubliken des Ostens in das allgemeine System des sowjetischen Wirtschaftsaufbaus ist.

  4. Die Sowjets den Massen näherbringen, erreichen, dass sie sich nach dem nationalen Grundsatz zusammensetzen, und somit ein nationales Sowjetstaatswesen schaffen, das den werktätigen Massen nahesteht und vertraut ist.

  5. Die nationale Kultur entwickeln, ein weitverzweigtes Netz von Kursen und Schulen sowohl allgemeinbildenden als auch berufstechnischen Charakters schaffen, die in der Muttersprache unterrichten und Sowjet- und Partei-, Gewerkschafts- und Wirtschaftskader aus der einheimischen Bevölkerung heranbilden.

Die Aufgaben erfüllen heißt eben, den sozialistischen Aufbau in den Sowjetrepubliken des Ostens erleichtern.

Man spricht von Musterrepubliken des Sowjet-Ostens. Was ist aber eine Musterrepublik? Eine Musterrepublik ist eine Republik, die alle diese Aufgaben ehrlich und gewissenhaft erfüllt und dadurch das Streben der Arbeiter und Bauern der benachbarten kolonialen und abhängigen Länder fördert, sich in die Befreiungsbewegung einzureihen.

Ich sprach oben von der Notwendigkeit, die Sowjets den werktätigen Massen der Nationalitäten nüherzubringen, die Sowjets zu nationalisieren.. Was heißt das nun, und wie sieht das in der Praxis aus? Ich glaube, als Musterbeispiel einer solchen Annäherung an die Massen könnte man die Festlegung der nationalen Grenzen in Turkestan betrachten, die vor kurzem ihren Abschluss fand. Die bürgerliche Presse erblickt in dieser Festlegung der Grenzen eine ´bolschewistische List.` Indes ist klar, dass hier keine ´List` zum Ausdruck kam, sondern der zutiefst empfundene Wunsch der Volksmassen Turkmenistans und Usbekistans, eigene Machtorgane zu besitzen, die ihnen nahestehen und vertraut sind. In der vorrevolutionären Epoche waren diese beiden Länder zerstückelt, sie gehörten zu verschiedenen Khanaten und Staaten und boten somit ein günstiges Feld für das ausbeuterische Treiben der ´Machthaber`. Jetzt ist der Augenblick gekommen, wo sich die Möglichkeit bietet, diese auseinandergerissenen Stücke zu unabhängigen Staaten wiederzuvereinigen, um die werktätigen Massen Usbekistans und Turkmenistans den Machtorganen näherzubringen und sie mit ihnen zusammenzuschweißen. Die Festlegung der Grenzen in Turkestan ist vor allem eine Wiedervereinigung der auseinandergerissenen Teile dieser Länder zu unabhängigen Staaten. Wenn diese Staaten nachher den Willen geäußert haben, der Sowjetunion als gleichberechtigte Mitglieder beizutreten, so zeugt das nur davon, dass die Bolschewiki den Schlüssel zu den tiefsten Bestrebungen der Volksmassen des Ostens gefunden haben und dass die Sowjetunion auf der ganzen Welt die einzige freiwillige Vereinigung der werktätigen Massen der verschiedenen Nationalitäten ist. Um die Einheit Polens wiederherzustellen, brauchte die Bourgeoisie eine ganze Reihe von Kriegen. Um die Einheit Turkmenistans und Usbekistans wiederherzustellen, brauchten die Kommunisten dagegen nur einige Monate Aufklärung und Propaganda.

Das ist die Art und Weise, wie man die Verwaltungsorgane, im gegebenen Fall die Sowjets, den breiten Massen der Werktätigen der verschiedenen Nationalitäten nahebringen muss.

Das ist ein Beweis dafür, dass die nationale Politik der Bolschewiki die einzig richtige Politik ist.

Ferner sprach ich von der Hebung der nationalen Kultur in den Sowjetrepubliken des Ostens. Was heißt aber nationale Kultur? Wie lässt sie sich mit der proletarischen Kultur vereinbaren? Hat denn nicht Lenin bereits vor dem Kriege gesagt,dass wir zwei Kulturen haben: eine bürgerliche und eine sozialistische, dass die Losung der nationalen Kultur eine reaktionäre Losung der Bourgeoisie ist, die bestrebt ist, das Bewusstsein der Werktätigen mit dem Gift des Nationalismus zu verseuchen? Wie lässt sich der Aufbau der nationalen Kultur, die Entwicklung von Schulen und Kursen in der Muttersprache und die Heranbildung von Kadern aus der einheimischen Bevölkerung mit dem Aufbau des Sozialismus, dem Aufbau der proletarischen Kultur vereinbaren? Besteht da nicht ein unüberbrückbarer Widerspruch? Natürlich nicht! Wir bauen die proletarische Kultur auf. Das ist vollkommen richtig. Richtig ist aber auch, dass die, ihrem Inhalt nach sozialistische, proletarische Kultur bei den verschiedenen Völkern, die in den sozialistischen Aufbau mit einbezogen sind, verschiedene Ausdrucksformen und eine unterschiedliche Ausdrucksweise annimmt, je nach den Unterschieden der Sprache, der Lebensweise usw. Proletarisch ihrem Inhalt, national ihrer Form nach – das ist die allgemeinmenschliche Kultur, der der Sozialismus entgegengeht. Die proletarische Kultur hebt die nationale Kultur nicht auf, sie verleiht ihr vielmehr den Inhalt. Und umgekehrt: Die nationale Kultur hebt die proletarische Kultur nicht auf, sie verleiht ihr vielmehr die Form. Die Losung der nationalen Kultur war eine bürgerliche Losung, solange die Bourgeoisie an der Macht war und die Konsolidierung der Nationen unter der Ägidedes bürgerlichen Regimes verlief. Die Losung der nationalen Kultur wurde zu einer proletarischen Losung, als das Proletariat an die Macht kam und die Konsolidierung der Nationen sich unter der Agide der Sowjetmacht zu vollziehen begann. [unterstrichen von der Redaktion]. Wer diesen prinzipiellen Unterschied zwischen den zwei verschiedenen Situationen nicht begriffen hat, wird weder den Leninismus noch das Wesen der nationalen Frage je begreifen.

Man redet davon (wie das zum Beispiel Kautsky tut), dass in der Periode des Sozialismus eine allgemeinmenschliche Einheitssprache geschaffen werden wird und alle anderen Sprachen absterben werden. Ich glaube nicht so recht an diese Theorie einer allumfassenden Einheitssprache. Die Erfahrungen jedenfalls spricht nicht dafür, sondern gegen diese Theorie. Bis jetzt ist es so gewesen, dass die sozialistische Revolution die Zahl der Sprachen nicht vermindert, sondern vermehrt hat, denn dadurch, dass sie die tiefsten Tiefen der Menschheit aufrüttelt und auf die politische Arena bringt, erweckt sie eine ganze Reihe neuer, früher gar nicht oder wenig bekannter Nationalitäten zu neuem Leben. Wer hätte gedacht, dass das alte zaristische Russland nicht weniger als 50 Nationen und nationale Gruppen umfasste? Die Oktoberrevolution hat jedoch dadurch, dass sie die alten Ketten gesprengt und eine ganze Reihe vergessener Völker und Völkerschaften auf den Plan gerufen hat, diese zu neuem Leben erweckt und ihnen neue Entwicklungsmöglichkeiten gegeben. Heute spricht man von Indien als einem einheitlichen Ganzen. Es ist jedoch kaum daran zu zweifeln, dass im Falle einer revolutionären Erschütterung in Indien Dutzende von bis bis dahin unbekannten Nationalitäten auf den Plan treten werden, die eine eigene Sprache sprechen, eine eigene Kultur besitzen. Und wenn es sich darum handelt, die proletarische Kultur zum Gemeingut der verschiedenen Nationalitäten zu machen, so kann kaum ein Zweifel darüber bestehen, dass dies in Formen vor sich gehen wird, die der Sprache und Lebensweise dieser Nationalitäten entsprechen. (...)

Die burjatischen Genossen stellen die Frage nach der Assimilierung der einzelnen Nationalitäten im Verlauf des Aufbaus der allgemeinmenschlichen proletarischen Kultur. Es steht außer Zweifel, dass manche Nationalitäten einen Assimilierungsprozess durchmachen können und wohl bestimmt auch durchmachen werden. Solche Prozesse hat es auch früher gegeben. Die Sache ist jedoch die, dass der Prozess der Assimilierung der einen Nationalitäten den entgegengesetzten Prozess, den Prozess des Erstarkens und der Entwicklung einer ganzen Reihe lebenskräftiger und entwicklungsfähiger Nationen nicht ausschließt, sondern voraussetzt, denn der Teilprozess der Assimilierung einzelner Nationalitäten ist das Ergebnis des gesamtprozesses der Entwicklung der Nationen. Gerade darum wird durch die eventuelle Assimilierung einiger einzelner Nationalitäten der absolut richtige Grundsatz nicht abgeschwächt, sondern vielmehr bestätigt, dass die proletarische allgemeinmenschliche Kultur die nationale Kultur der Völker nicht ausschließt, sondern voraussetzt und nährt, ebenso wie die nationale Kultur der Völker die allgemeinmenschliche proletarische Kultur nicht aufhebt, sondern ergänzt und bereichert. [hervorgehoben von der Redaktion]. Das sind im Großen und Ganzen die nächsten Aufgaben, vor denen die Funktionäre der Sowjetrepubliken des Ostens stehen. Das sind Charakter und Inhalt dieser Aufgabe. (...)“ (Stalin, Band 7, Seite 115 – 121).

(...) Demzufolge besteht die Aufgabe der Universität der Völker des Ostens hinsichtlich der Sowjetrepubliken des Ostens darin, der Erziehung der Kader für diese Republiken eine Richtung zu geben, die die Erfüllung der obenerwähnten nächsten Aufgaben gewährleistet.

Die Universität der Völker des Ostens darf sich nicht dem Leben entfremden. Sie ist keine und kann keine Institution sein, die abseits vom Leben steht. Sie muss mit allen Fasern ihrer Existenz mit dem realen Leben verbunden sein. Sie darf infolgedessen die nächsten Aufgaben nicht ignorieren, vor denen die Sowjetrepubliken des Ostens stehen. Darum besteht die Aufgabe der Universität der Völker des Ostens darin, bei der Erziehung der entsprechenden Kader für diese Republiken deren nächste Aufgaben in Betracht zu ziehen.

Dabei muss man im Auge haben, dass sich in der Praxis der Funktionäre des Sowjet-Ostens zwei Abweichungen geltend machen, gegen die in dieser Universität ein Kampf geführt werden muss, will man wirkliche Kader und wirkliche Revolutionäre für den Sowjet-Osten erziehen.

Die erste Abweichung besteht in der Versimpelung, in der Vereinfachung jener Aufgaben, von denen ich oben gesprochen habe, in dem Versuch einer mechanischen Übertragung des Wirtschaftsaufbaus, die im Zentrum der Sowjetunion durchaus angebracht und anwendbar, für die Entwicklungsbedingungen in den sogenannten Randgebieten aber vollkommen ungeeignet sind. Die Genossen, die sich diese Abweichung zu Schulden kommen lassen, begreifen zwei Dinge nicht. Sie begreifen nicht, dass die Bedingungen im Zentrum und die in den ´Randgebieten` nicht die gleichen und bei weitem nicht identisch sind. Außerdem begreifen sie nicht, dass die Sowjetrepubliken des Ostens selbst nicht gleichartig sind, dass einige von ihnen, wie zum Beispiel Georgien und Armenien, auf einer höheren Stufe der nationalen Gestaltung stehen, während die anderen, wie zum Beispiel Tschetschnja und Kabarda, auf der untersten Stufe der nationalen Gestaltung stehen, und die dritten, zum Beispiel Kirgisien, eine Mittelstellung zwischen diesen beiden Extremen einehmen. Diese Genossen begreifen nicht, dass ohne Anpassung an die lokalen Verhältnisse, ohne sorgfältige Berücksichtigung aller und jeglicher Eigentümlichkeiten eines jeden Landes sich nichts Bedeutsames aufbauen lässt. Die Folge dieser Abweichung ist eine Loslösung von den Massen und die Entartung zu linken Phrasendreschern. Die Aufgabe der Universität der Völker des Ostens besteht darin, die Kader im Geiste eines unversöhnlichen Kampfes gegen diese Versimpelung zu erziehen.

Die zweite Abweichung besteht umgekehrt in der Überschätzung der lokalen Eigentümlichkeiten, in dem Vergessen jenes Gemeinsamen und Hauptsächlichen, das die Sowjetrepubliken des Ostens mit den Industriegebieten der Sowjetunion verbindet, in dem Verschweigen der sozialistischen Aufgaben, in der Anpassung an die Aufgaben eines engen und beschränkten Nationalismus. Die Genossen, die sich diese Abweichung zu Schulden kommen lassen, kümmern sich wenig um den inneren Aufbau ihres Landes, sie ziehen es vor, diese Entwicklung dem natürlichen Lauf der Dinge zu überlassen. Für sie ist nicht der innere Aufbau ihres Landes, sondern die ´Außen`politik, die Erweiterung der Grenzen ihrer Republik, der Rechtsstreit mit den angrenzenden Republiken, die Sucht, ihren Nachbarn ein Stückchen mehr wegzunehmen, um auf diese Weise bei den bürgerlichen Nationalisten ihres Landes Gefallen zu finden. Die Folge dieser Abweichung ist eine Abkehr vom Sozialismus und die Entartung zu gewöhnlichen bürgerlichen Nationalisten. Die Aufgabe der Universität der Völker des Ostens besteht darin, die Kader im Geiste eines unversöhnlichen Kampfes gegen diesen versteckten Nationalismus zu erziehen.

Das sind die Aufgaben der Universität der Völker des Ostens hinsichtlich der Sowjetrepubliken des Ostens.

II

DIE AUFGABEN DER KOMMUNISTISCHEN UNIVERSITÄT DER WERKTÄTIGEN DES OSTENS HINSICHTLICH DER KOLONIALEN UND ABHÄNGIGEN LÄNDER DES OSTENS

Wir kommen nun zu der zweiten Frage, zur Frage nach den Aufgaben der Kommunistischen Universität des Ostens hinsichtlich der kolonialen und abhängigen Länder des Ostens.

Worin bestehen die charakteristischen Besonderheiten, durch die sich diese Länder, was ihre Existenz und Entwicklung anbelangt, von den Sowjetrepubliken des Ostens unterscheiden?

Erstens darin, dass durch durch die doppelte Unterdrückung, die innere Unterdrückung (durch die eigene Bourgeoisie) und die äußere Unterdrückung (durch die fremde, imperialistische Bourgeoisie), die revolutionäre krise in diesen Ländern verschärft und vertieft wird.

Drittens darin, dass in einigen dieser Länder, zum Beispiel in Indien, der Kapitalismus sich in verstärktem Tempo entwickelt und eine zahlenmäßig mehr oder minder starke Klasse einheimischer Proletarier hervorbringt und heranbildet.

Viertens darin, dass mit dem Anwachsen der revolutionären Bewegung die nationale Bourgeoisie solcher Länder sich in zwei Teile spaltet: in einen revolutionären (Kleinbourgeoisie) und einen paktiererischen (Großbourgeoisie), von denen der erste den revolutionären Kampf weiterführt, der zweite dagegen einen Block mit dem Imperialismus bildet.

Fünftens darin, dass sich in solchen Ländern neben dem imperialistischen Block noch ein anderer Block herausbildet, ein Block der Arbeiter und der revolutionären Kleinbourgeoisie, ein anti-imperialistischer Block, der sich die vollständige Befreiung vom Imperialismus zum Ziel setzt.

Sechstens darin, dass in solchen Ländern die Frage der Hegemonie des Proletariats und der Befreiung der Volksmassen von dem Einfluss der paktiererischen nationalen Bourgeoisie einen immer aktuelleren Charakter annimmt.

Daraus ergeb sich zum Mindesten drei Schlussfolgerungen:

  1. Die Befreiung der kolonialen und abhängigen Länder vom Imperialismus ist ohne eine siegreiche Revolution unmöglich: die Unabhängigkeit fällt einem nicht in den Schoß.

  2. Das Vorantreiben der Revolution und die Erkämpfung der vollen Unabhängigkeit der kapitalistisch entwickelten Kolonien und abhängigen Länder ist unmöglich ohne die Isolierung der paktiererischen nationalen Bourgeoisie, ohne die Befreiung der kleinbürgerlichen revolutionären Massen von dem Einfluss dieser Bourgeoisie, ohne die Durchführung der Politik der hegemonie des Proletariats, ohne die Organisierung der fortschrittlichen Elemente der Arbeiterklasse in einer selbstündigen kommunistischen Partei.

  3. Ein dauerhafter Sieg in den kolonialen und abhängigen Ländern ist unmöglich ohne den realen Zusammenschluss der Befreiungsbewegung dieser Länder mit der proletarischen

  4. Bewegung der fortgeschrittenen Länder des Westens.

Die Grundaufgabe der Kommunisten der kolonialen und abhängigen Länder besteht darin, diese Schlussfolgerungen zum Ausgangspunkt ihrer revolutionären Arbeit zu machen.(...)“; (Stalin, Band 7, Seite 122- 126).

... ergeben sich als nächste Aufgaben für die revolutionäre Bewegung der kapitalistisch entwickelten Kolonien und abhängigen Länder:

  1. Gewinnung der besten Elemente der Arbeiterklasse für den Kommunismus und Schaffung selbständiger Kommunistischer Parteien.

  2. Schaffung eines national-revolutionären Blocks der Arbeiter, Bauern und der revolutionären Intelligenz gegen den Block der paktiererischen nationalen Bourgeoisie und des Imperialismus.

  3. Sicherung der Hegemonie des Proletariats in diesem Block.

  4. Kampf für die Befreiung der städtischen und ländlichen Kleinbourgeoisie von dem Einfluss der paktiererischen nationalen Bourgeoisie.

  5. Sicherung des Zusammenschlusses der Befreiungsbewegung mit der proletarischen Bewegung der fortgeschrittenen Länder.

Das sind die drei Gruppen der nächsten Aufgaben, vor denen die Funktionäre in den kolonialen und abhängigen Ländern des Ostens stehen.(...)



(...) Es dürfte kaum zu bezweifeln sein, dass die Vorbereitung zu diesem Druck auf die Sowjetunion in den Reihen der Imperialisten bereits begonnen hat. Die Verleumdungskampagnen anlässlich des Aufstands in Estland, die abgefeimte Hetze gegen die Sowjetunion im Zusammenhang mit der Explosion in Sofia, der allgemeine Feldzug der bürgerlichen Presse gegen unser Land – all das ist die Vorbereitung zum Angriff. Das ist die artilleristische Vorbereitung der öffentlichen Meinung, darauf berechnet, die Spießbürger an Ausfälle gegen die Sowjetunion zu gewöhnen und die moralischen Voraussetzungen für eine Intervention zu schaffen. (...) Darum ist es gegenwärtig von besonderer Bedeutung, dass die nächsten Aufgaben der revolutionären Bewegung in den Kolonien und abhängigen Ländern unentwegt erfüllt werden.

Worin besteht nun in Anbetracht aller dieser Umstände die Mission der Universität der Völker des Ostens hinsichtlich der kolonialen und abhängigen Länder?

Diese Mission besteht darin, allen Besonderheiten der revolutionären Entwicklung dieser Länder Rechnung tragen und der Erziehung der aus diesen Ländern stammenden Kader eine Richtung zu geben, die die Erfüllung der obenerwähnten verschiedenartigen nächsten Aufgaben gewährleistet. [unterstrichen von der Redaktion].

In der Universität der Völker des Ostens gibt es ungefähr 10 verschiedene Gruppen von Hörern, die aus den kolonialen und abhängigen Ländern zu uns gekommen sind. Jedermann weiß, dass diese Genossen nach Aufklärung und Wissen dürsten. Die Aufgabe der Universität der Völker des Ostens besteht darin, aus ihnen wirkliche Revolutionäre zu schmieden, die, gewappnet mit der Theorie des Leninismus, ausgerüstet mit der praktischen Erfahrung des Leninismus, fähig sind, die nächsten Aufgaben der Befreiungsbewegung der Kolonien und abhängigen Länder nach bestem Wissen und Gewissen zu erfüllen.[unterstrichen von der Redaktion].

Dabei muss man im Auge haben, dass sich in der Praxis der Funktionäre des kolonialen Ostens zwei Abweichungen geltend machen, gegen die ein Kampf geführt werden muss, will man wirklich revolutionäre Kader erziehen.

Die erste Abweichung besteht in der Unterschätzung der revolutionären Möglichkeiten der Befreiungsbewegung und in der Überschätzung der Idee der allumfassenden nationalen Einheitsfront in den Kolonien und abhängigen Ländern, ohne Berücksichtigung des Zustands und der Entwicklungsstufe dieser Länder. Das ist eine Abweichung nach rechts, die die Gefahr in sich birgt, dass die revolutionäre Bewegung auf eine tiefere Stufe hinabgedrückt wird und die kommunistischen Elemente in dem allgemeinen Chorus der bürgerlichen Nationalisten aufgehen. Entschiedener Kampf gegen diese Abweichung ist die direkte Pflicht der Universität der Völker des Ostens.

Die zweite Abweichung besteht in der Überschätzung der revolutionären Möglichkeiten der Befreiungsbewegung und in der Unterschätzung des Bündnisses der Arbeiterklasse mit der revolutionären Bourgeoisie gegen den Imperialismus. An dieser Abweichung scheinen die Kommunisten in Java zu kranken, die unlängst fälschlicherweise die Losung der Sowjetmacht für ihr Land aufgestellt haben. Das ist eine Abweichung nach links, die die Gefahr in sich birgt, dass sich die kommunistische Partei von den Massen loslöst und in eine Sekte verwandelt. Entschiedener Kampf gegen diese Abweichung ist eine unerlässliche Bedingung für die Erziehung wirklich revolutionärer Kader für die Kolonien und abhängigen Länder des Ostens.

Das sind im Großen und Ganzen die politischen Aufgaben der Universität der Völker des Ostens hinsichtlich der Völker des Sowjet-Ostens und des kolonialen Ostens. Wir wollen hoffen, dass die Universität der Völker des Ostens es verstehen wird, diese Aufgaben in Ehren zu erfüllen.“ (Stalin, Band 7, Seite 129 – 131).



Stalin, An alle Mitglieder der Redaktion der „Konsomolskaja Prawda“, 2. Juni 1925:

5. Es wäre gut, den Stil der Artikel in der `Konsomolskaja Prawda` zu vereinfachen, die Mitglieder zu verpflichten, einfach, in kurzen Sätzen, möglichst ohne den Gebrauch von Fremdwörtern zu schreiben, so, wie Iljitsch zu schreiben verstand. Im äußersten Fall, wenn man schon nicht ohne Fremdwörter auskommen kann, könnte man, wiederum als Beilage zur ´Konsomolskaja Prawda`, ein Fremdwörterbuch bringen oder zumindest im Text der Asrtikel entsprechende Erläuterungen geben.“ (Stalin, Band 7, Seite 134).



Stalin, Fragen und Antworten, 28. Juni 1925:

Was die Maßnahmen zur Sicherung des Zusammenschlusses auf dem Gebiet der Kultur- und Bildungsarveit betrifft, so ist darüber nur wenig zu sagen, da diese Maßnahmen klar und allgemein bekannt sind und daher keiner Erläuterung bedürfen. Ich möchte nur die Grundlinie der auf diesem Gebiet in der nächsten Periode zu leistenden Arbeit hervorheben. Diese Grundlinie besteht darin, die Voraussetzungen zu schaffen, die zur Durchführung der allgemeinen Grundschulpflicht im ganzen Lande, in der ganzen Union unerlässlich sind. Das, Genossen, ist eine Reform von größter Bedeutung. Ihre Durchführung bedeutet einen gewaltigen Sieg nicht nur an der kulturellen, sondern auch an der politischen und wirtschaftlichen Front. Diese Reform muss als Grundlage für einen gewaltigen Aufschwung des Landes dienen. Aber sie wird Hunderte von Millionen Rubel kosten. Es genügt, darauf hinzuweisen, dass zu ihrer Durchführung eine ganze Armee, fast eine halbe Million, Lehrer und Lehrerinnen erforderlich sein wird. Aber trotz allem müssen wir die Durchführung dieser Reform in der nächsten Zeit gewährleisten, wenn wir tatsächlich das Land auf eine höhere Kulturstufe bringen wollen. Und wir werden das tun, Genossen. Daran kann kein Zweifel bestehen.“ (Stalin, Band 7, Seite 141).

Welche (3) Gefahren der Entartung drohen unserer Partei...?

a) die Gefahr des Verlustes der sozialistischen Perspektive beim Aufbau unseres Landes und das damit verbundene Liquidatorentum.

Die kapitalistischen Elemente führen den Kampf nicht nur auf wirtschaftlichem Gebiet. Sie sind bemüht, den Kampf auf das Gebiet der Ideologie des Proletariats zu tragen, indem sie versuchen, die am wenigsten standhaften Teile der Partei mit Unglauben an die Sache des sozialistischen Aufbaus, mit Skepsis gegenüber den sozialistischen Perspektiven unserer Aufbauarbeit zu verseuchen, und man kann nicht sagen, dass ihre Bemühungen absolut fruchtlos geblieben wären.

`Kein Gedanke daran, dass wir, ein rückständiges Land, die vollendere sozialistische Gesellschaft errichten könnten`, sagen manche dieser verseuchten ´Kommunisten`, ´der Zustand der Produktivkräfte unseres Landes lässt es nicht zu, dass wir uns derartige utopischen Ziele stellen; gebe Gott, dass wir uns irgendwie halten können; an Sozialismus ist jetzt nicht zu denken, bauen wir nur irgendwie, und dann werden wir weiter sehen...`

´Wir haben unsere revolutionäre Mission bereits erfüllt, indem wir die Oktoberrevolution vollbracht haben`, sagen andere,´jetzt hängt alles von der internationalen Revolution ab, denn ohne den vorherigen Sieg des westlichen Proletariats können wir den Sozialismus nicht errichten, und ein Revolutionär hat in Russland, streng genommen, nichts mehr zu tun`... Bekanntlich war im Jahre 1923, am Vorabend der deutschen Revolution, ein Teil unserer lernenden Jugend drauf und dran, die Bücher hinzuwerfen und nach Deutschland zu fahren, wobei sie sagten, ´ein Revolutionär hat in Russland nichts mehr zu tun, man muss die Bücher hinwerfen und nach Deutschland fahren, um dort Revolution zu machen.`

Wie Sie sehen, stehen diese beiden Gruppen von ´Kommunisten`, sowohl die erste als auch die zweite, auf dem Boden der Verneinung der sozialistischen Möglichkeiten unseres Aufbaus, auf dem Boden des Liquidatorentums. Der Unterschied zwischen ihnen besteht darin,dass die ersten ihr Liquidatorentum hinter einer ´wissenschaftlichen` `Theorie der Produktivekräfte` zuverbergen suchen (...), während die zweiten das Liquidatorentum hinter linken und ´schrecklich revolutionären` Phrasen über die Weltrevolution zu verbergen suchen.

b) die Gefahr des Verlustes der internationalen revolutionären Perspektive und den damit verbundenen Nationalismus;

Das charakteristische Merkmal dieser Gefahr ist der Unglaube an die internationale proletarische Revolution; der Unglaube an ihren Sieg ; das skeptische Verhalten gegenüber der nationalen Befreiungsbewegung in den Kolonien und abhängigen Ländern; das Nichtbegreifen der Tatsache, dass unser Land ohne die Unterstützung durch die revolutionäre Bewegung der anderen Länder dem Weltimperialismus nicht hätten standhalten können; das Nichtbegreifen der Tatsache, dass der Sieg des Sozialismus in einem Lande nicht endgültig sein kann, weil dieses Land nicht gegen eine Intervention gesichert ist, solange die Revolution nicht wenigstens in einer Reihe von Ländern gesiegt hat; das Nichtbegreifen jener elementaren Forderung des Internationalismus, der zufolge der Sieg des Sozialismus in einem Land nicht Selbstzweck sein kann, sondern Mittel zur Entwicklung und Unterstützung der Revolution in anderen Ländern sein muss.

Das ist der Weg des Nationalismus und der Entartung, der Weg der vollständigen Liquidierung der internationalen Politik des Proletariats, denn Leute, die von dieser Krankheit befallen sind, betrachten unser Land nicht als Teil des Ganzen, genannt internationale revolutionäre Bewegung, sondern als Beginn und Ende dieser Bewegung, da sie der Meinung sind, dass den Interessen unseres Landes die Interessen aller anderen Länder zum Opfer gebracht werden müssten.“ (Stalin, Band 7, Seite 141, 142, 143, 144, 145).

Ist die Quelle der ersten Gefahr, der gefahr des Liquidatorentums in der Verstärkung des bürgerlichen Einflusses auf die Partei auf dem Gebiet der Innenpolitik, auf dem Gebiet des Kampfes der kapitalistischen und der sozialistischen Elemente unserer Volkswirtschaft zu suchen, so muss die Quelle dieser zweiten Gefahr, der gefahr des Nationalismus, in der Verstärkung des bürgerlichen Einflusses auf die Partei auf dem gebiet der Außenpolitik, auf dem Gebiet des Kampfes der kapitalistischen Staaten gegen den Staat der proletarischen Diktatur gesucht werden. Es lässt sich wohl kaum bezweifeln, dass der Druck der kapitalistischen Staaten auf unseren Staat gewaltig ist, dass es den Funktionären, die auf dem gebiet unserer Außenpolitik arbeiten, nicht immer gelingt, diesem Druck standzuhalten, dass die gefahr von Komplikationen sie nicht selten in Versuchung bringt, den Weg des geringsten Widerstands, den Weg des Nationalismus einzuschlagen.

Andererseits ist es klar, dass das erste siegreiche Land nur auf der Grundlage des konsequenten Internationalismus, nur auf der Grundlage der Außenpolitik der Oktoberrevolution die Rolle des Bannerträgers der internationalen revolutionären Bewegung bewahren kann, dass der Weg des geringsten Widerstands und des Nationalismus in der Außenpolitik den Weg der Isolierung und Zersetzung des ersten siegreichen Landes bedeutet.“ (Stalin, Band 7, Seite 146).

Schließlich über die dritte Gefahr.

Das charakteristische Merkmal dieser Gefahr [die Gefahr, dass die Partei ihre führende Stellung einbüßt und die damit verbundene Möglichkeit, dass sich die Partei in ein Anhängsel des Staatsapparats verwandelt“ – siehe Seite 142 - die Redaktion] ist der Unglaube an die inneren Kräfte der Partei; der Unglaube an die führende Rolle der Partei; das bestreben des Staatsapparats, die führende Stellung der Partei zu schwächen, sich ihrer Führung zu entziehen; das Nichtbegreifen dessen, dass es keine Diktatur des Proletariats geben kann, ohne dass die Partei die führende Stellung innehat.

Diese Gefahr droht von drei Seiten: 1. Die Klassen, die es zu führen gilt, haben sich verändert. (...) Der Krieg ist vorüber.(...) Die Führung darf man jetzt nicht mehr nach militärischer Art ausüben. Notwendig ist erstens eine größtmögliche Elastizität in der Führung. Notwendig ist zweitens eine außerordentliche Feinfühligkeit gegenüber den bedürfnissen und Nöten der Arbeiter und Bauern. Notwendig ist drittens, dass man es versteht, die besten Arbeiter und Bauern, die sich infolge der Entwicklung der politischen Aktivität dieser Klassen hervorgetan haben, in die Partei einzureihen. Aber bekanntlich kann man nicht auf einmal diesen Bedingungen gerecht werdsen, diese Fähigkeiten erlangen. Daher das Missverhältnis zwischen den Anforderungen, die an die Partei gestellt werden, und den Möglichkeiten, die der Partei im gegebenen Augenblick zur Verfügung stehen. Daher auch die gefahr der Schwächung der führenden Stellung der Partei, die Gefahr, dass die Partei ihre führende Stellung verlustig geht.

Zweitens (...) ist der Apparat der staatlichen und der gesellschaftlichen Organisationen bedeutend gewachsen und erstarkt. (...) Und je größer ihre Bedeutung wird, desto fühlbarer wird ihr Druck auf die Partei, desto hartnäckiger trachten sie danach, die führende Stellung der Partei zu schwächen, desto stärker wird ihr Widerstand gegen die Partei. Es ist eine solche Umgruppierung der Kräfte und eine solche Verteilung der führenden Funktionäre innerhalb dieser Apparate notwendig, dass der Partei auch unter den neuen Verhältnissen die Führung gesichert wird. Aber das alles kann bekanntlich nicht mit einem Schlage erreicht werden. Daher die Gefahr der Loslösung des Staatsapparats von der Partei.

Drittens. Die Arbeit selbst ist komplizierter und differenzierter geworden. (...) Dementsprechend ist auch die Führung konkreter geworden. Früher war es üblich, von der Führung ´im Allgemeinen` zu sprechen. Führung ´im Allgemeinen` ist heute leeres Geschwätz, denn sie ist gar keine Führung. Jetzt ist eine konkrete, praktische Führung notwendig. Die verflossene Periode hat den Typ des allwissenden Funktionärs hervorgebracht, der für alle Fragen der Theorie und Praxis eine Antwort bereit hielt. Jetzt muss dieser Typ des allwissenden Funktionärs einem neuen Typ des Funktionärs Platz machen, dem Typ des Funktionärs, der bemüht ist, in einem bestimmten Arbeitszweig Meister seines Faches zu sein. Um wirklich führen zu können, muss man Sachkenntnisse haben, muss man sich gewissenhaft, geduldig, beharrlich Sachkenntnisse aneignen.(...)

Um die durch die Partei ausgeübte Führung auf das gebührende Niveau zu bringen, muss vor allem die Qualifikation der Parteifunktionäre verbessert werden. Die Frage der Qualifikation des Funktionärs muss jetzt an erster Stelle stehen. Diese Qualifikation der Parteifunktionäre aber mit einem Schlage zu verbessern, ist nicht so einfach. Die alten Gepflogenheiten des eilfertigen Administrierens, mit denen man die fehlenden Sachkenntnisse leider zu ersetzen suchte, sind in den Parteiorganisationen immer noch lebendig. Daraus erklärt sich eigentlich auch der Umstand, dass die sogenannte Führung durch die Partei mitunter zu einer lächerlichen Anhäufung von verfügungen, die niemandem nutzen, ausartet, zu einer ´Führung` wird, die keine Führung ist, sondern nur Geschwätz und die sich auf niemand und nichts erstreckt. Darin liegt eine der ernstesten Gefahren der Schwächung und der Einbuße der führenden Stellung der Partei.

Das sind im Allgemeinen die Gründe, warum die gefahr des verlustes der führenden Stellung der Partei zur zersetzung und Entartung der Partei führt. Darum ist der entschiedene Kampf gegen diese Gefahr eine dringliche Aufgabe unserer Partei.“ (Stalin, Band 7, Seite 146, 147 und 148).

Die Diktatur des Proletariats ist nicht nur Gewalt, sondern auch Führung der werktätigen Massen der nichtproletarischen Klassen.“ (Stalin, Band 7, Seite 161).

Es gibt Leute, die meinen, die Leninisten seien verpflichtet, jeden linken Schreihals und Neurastheniker zu unterstützen, die Leninisten seien überall und in allem die geschworenen Linken unter den Kommunisten. Das ist falsch Genossen.Wir sind Linke im Vergleich zu den nichtkommunistischen Parteien der Arbeiterklasse. Wir haben uns aber nie verpflichtet, ´am weitesten links` zu stehen, wie dies einst der nun verstorbene Parvus verlangte und wofür er damals auch gleich von Lenin tüchtig den Kopf gewaschen bekam. Unter den Kommunisten sind wir keine Linken und keine Rechten, wir sind einfach Leninisten. Lenin wusste, was er tat, als er an zwei Fronten kämpfte, sowohl gegen die linke Abweichung im Kommunismus als auch gegen die rechte Abweichung. Nicht umsonst hat Lenin eine seiner besten Schriften zu dem Thema `Der ´linke Radikalismus´, die Kinderkrankheit im Kommunismus` verfasst.“ (Stalin, Band 7, Seite 164).

Wehe den Führern, die auf diese Frage [die Frage des Zieles und der Perspektive beim Aufbau des Sozialismus- Red.] keine klare Anrwort geben können oder wollen, nach Ausflüchten suchen, die Leute von Pontius nach Pilatus schicken und die sozialistische Perspektive unseres Aufbaus in intelligenzlerischem Dkeptizismus ertränken. Die Große Bedeutung des Leninismus besteht unter anderem gerade darin, dass er einen Aufbau aufs Geratewohl, ins Blinde hinein nicht anerkennt, dass er sich einen Aufbau ohne Perspektive nicht denken kann, dass er auf die Frage nach der Perspektive unserer Arbeit eine klare und bestimmte Antwort gibt, indem er erklärt, dass wir alles haben, was notwendig ist, um die sozialistische Wirtschaft in unserem Lande zu errichten, dass wir die vollendete sozialistische Gesellschaft aufbauen können und müssen.“ (Stalin, Band 7, Seite 177).



Stalin, An die J. M. Swerdlow-Universität, 13. Juni 1925:

Die Swerdlow-Universität ist eins der mächtigsten Intsrumente zur Heranbildung der leitenden Kader der Partei, die die Massen führen sollen.

In den Jahren ihres Bestehes vermochte es die Swerdlow-Universität bereits, der Partei ganze Scharen von Funktionären zuzuführen, die an allen Fronten des sozialistischen Aufbaus tätig sind.“ (Stalin, Band 7, Seite 183).

Das ist drittens der Umstand, dass unsere Parteifunktionäre in letzter Zeit begonnen haben, über die Losung ´Das Gesicht dem Dorfe zu` die Arbeiter allmählich zu vergessen, und außer Acht ließen, dass wir, wenn wir das Gesicht dem Dorfe zuwenden, der Stadt und vor allem dem Proletariat nicht den Rücken kehren dürfen. Das ist gleichfalls eine neue Tatsache, die man keine Minute lang vergessen darf. Man muss dessen eingedenk sein, dass sich in der Arbeiterklasse in letzter Zeit das Gefühl der Kraft und das Gefühl der eigenen Würde besonders entwickelt und ausgeprägt haben. Das bedeutet, dass sich bei der Klasse, die bei uns die herrschende Klasse ist, das Gefühl, Herr des Landes zu sein, stärker herausgebildet hat. Das, Genossen, ist eine gewaltige Errungenschaft in unserer gesamten Arbeit, denn eine Arbeiterklasse, die sich nicht nur als arbeitende Klasse, sondern auch als regierende Klasse fühlt – eine solche Klasse ist fähig, Wunder zu vollbringen. Das heißt aber, dass derjenige unter den Kommunisten, der bei seiner Arbeit nicht dem Umstand Rechnung trägt, dass sich die Klasse der Proletarier als Herr des Landes fühlt, nichts von der neuen Situation begriffen hat, dass er, streng genommen, kein Kommunist ist, dass er sich unbedingt den Hals brechen wird. Daher muss man, wenn man über die Losung ´Das Gesicht dem Dorfe zu` spricht, zugleich dessen eingedenk sein, dass die Hauptklasse, die berufen ist, diese Losung zu verwirklichen, die Arbeiterklasse ist, dass diese Losung nur insofern verwirklicht werden kann, als die Arbeiterklasse ztur wirklich führenden Kraft im Lande wird. Daher besteht die nächste Aufgabe der Partei darin, zu erreichen, dass unsere Parteifunktionäre in den einzelnen Orten endlich begreifen, dass die größte Aufmerksamkeit und dad größte Verständnis für ausnahmslos alle Bedürfnisse der Arbeiterklasse, sowohl der materiellen als auch der kulturellen, absolut notwendig sind.

Die Aufgabe Ihrer Absolventengruppe besteht darin, alle diese Umstände bei der Arbeit draußen im Lande zu berücksichtigen.

Ich zweifle nicht daran, dass Sie es verstehen werden, diese Aufgabe zu erfüllen. Gestatten Sie mir, Ihnen bei der künftigen Arbeit vollen Erfolg zu wünschen.“ (Stalin, Band 7, Seite 184/185).



Stalin, Unterredung mit Teilnehmern einer Bratung der Agitpropabteilungen, 14. Oktober 1925:

Frage. Wie ist die Lage in der deutschen kommunistischen Partei im Zusammenhang mit der Entfernung der ´Ultralinken`?

Antwort. Zweifellos hat die Entfernung der ´Ultralinken` die Lage in der deutschen kommunistischen Partei verbessert. Die ´Ultralinken`- das sind der Arbeiterklasse fremde Elemente. Was können Ruth Fischer und Maslow mit der Arbeiterklasse Deutschlands gemein haben? Die Entfernung der ´Ultralinken` hat dazu geführt, dass neue Führer der Kommunistischen Partei aus den Reihen der Arbeiter hervorgegangen sind. Das ist ein großes Plus für die Arbeiterbewegung Deutschlands.“ (Stalin, Band 7, Seite 205).

... dass ein schnelles Wachstum der Partei zu einer gewissen Senkung des Bewusstseinsniveaus der Parteimitglieder, zu einer gewissen Qualitätsverschlechterung der Partei führt. Aber die Qualität muss für uns eine nicht geringere, wenn nicht eine größere Bedeutung haben als die Quantität. Um dieses Minus zu beseitigen, muss man der übermäßigen Begeisterung einiger unserer Genossen für das zahlenmäßige Wachstum der Partei ein Ende bereiten, muss man dem unregulierten Zustrom zur Partei Einhalt gebieten und sich zur Regel machen, in Zukunft neue Mitglieder nur nach sorgfältiger Auswahl in die Partei aufzunehmen. Das als erstes. Und zweitens muss man eine intensive politische Schulung unter den neuen Mitgliedern der Partei organisieren, um ihr politisches Bewusstsein auf das notwenige Niveau zu heben.“ (Stalin, Band 7, Seite 206/207).



Stalin, Über die Aufgaben des Kommunistischen Jugendverbands, 29. Oktober 1925:

Erstens eine kleine Bemerkung über Marxismus und Leninismus. Bei einer solchen Formulierung der Frage könnte man meinen, der Marxismus sein eines, der Leninismus aber etwas anderes, man könne Leninist sein, ohne Marxist zu sein. Eine derartige Vorstellung kann man jedoch keinesfalls als richtig gelten lassen. Der Leninismus ist nicht die Leninsche Lehre minus Marxismus. Der Leninismus ist der Marxismus der Epoche des Imperialismus und der proletarischen Revolutionen. Mit anderen Worten, der Leninismus schließt alles ein, was Marx geschaffen hat, plus das Neue, womit Lenin die Schatzkammer des Marxismus bereichert hat und was sich notwendig aus allem ergibt, was Marx geschaffen hat (die Lehre von der Diktatur des Proletariats, die Bauernfrage, die nationale Frage, die Partei, die Frage der sozialen Wurzeln des Reformismus, die Frage der Hauptabweichungen im Kommunismus usw.). Deshalb wäre es besser, die Frage so zu formulieren, dass man vom Marxismus oder Leninismus (was im Grunde genommen ein und dasselbe ist), nicht aber vom Marxismus und Leninismus spricht.“ (Stalin, Band 7, Seite 214/215).

Der Leninismus ist die Verallgemeinerung der Erfahrungen der revolutionären Bewegung der Arbeiter aller Länder. Diese Erfahrungen sind jener Leitstern, der den Praktikern bei ihrer täglichen Arbeit den Weg erhellt und ihnen die Richtung weist. Die Praktiker können weder Zutrauen zu ihrer Arbeit noch das Bewusstsein von der Richtigkeit dieser Arbeit haben, wenn sie sich diese Erfahrungen nicht wenigstens in einem Mindestmaß zu eigen gemacht haben. In der Arbeit im Dunkeln zu tappen – dazu sind die Praktiker verurteilt, wenn sie nicht den Leninismus studieren, wenn sie nicht bestrebt sind, den Leninismus zu meistern, wenn sie nicht willens sind, ihre praktische Arbeit mit der notwendigen theoretischen Schulung zu verbinden. Deshalb ist das Studium des Leninismus, die Aneignung der Leninschen Lehre die unerlässliche Voraussetzung dafür, dass das jetzige Aktiv des Kommunistischen Jugendverbandes zu einem wirklich leninistischen Aktiv wird, das fähig ist, die Millionen Jugendlichen des Kommunistischen Jugendverbandes im Geiste der Diktatur des Proletariats und des Kommunismus zu erziehen.“ (Stalin, Band 7, Seite 215).



Stalin, Rede bei der Beisetzung von M. W. Frunse,3. November 1925:

Genossen! Dieses Jahr war für uns ein Fluch. Es hat eine ganze Reihe führender Genossen aus unserer Mitte gerissen. Aber nicht genug damit, es forderte noch ein weiteres Opfer. Vielleicht muss es so sein, dass die alten Genossen so leicht und so einfach ins Grab sinken. Leider aber rücken unsere jungen Genossen nicht so leicht und bei weitem nicht so einfach nach, um die alten abzulösen. Wir wollen aber glauben und hoffen, dass die Partei und die Arbeiterklasse alle Maßnahmen ergreifen werden, um die Heranbildung neuer Kader, die die alten Kader ablösen, zu fördern.“ (Stalin, Band 7, Seite 217).



Stalin, Der XIV. Parteitag der KPdSU (B), 18. - 31. Dezember 1925:

Welches sind die Aufgaben (der Partei) auf dem Gebiet der internationalen revolutionären Bewegung?

Und viertens, zu arbeiten auf der Linie der Stärkung der sozialistischen Elemente unseres Landes im Sinne des Sieges dieser Elemente über die kapitalistischen Elemente, eines Sieges, der für die Revolutionierung der Arbeiter aller Länder von entscheidender Bedeutung ist. Gewöhnlich beschränken sich die Genossen, wenn sie über die Aufgaben unserer Partei auf dem Gebiet der internationalen revolutionären Bewegung sprechen, auf die drei ersten Aufgaben [1. Festigung der kommunistischen Parteien des Westens; 2. Festigung des Bündnisses zwischen der Arbeiterklasse des Westens und der Sowjetunion; 3.Festigung des Zusammenschlusses der Arbeiterklasse der Sowjetunion und der Befreiungsbewegung der unterdrückten Länder – Anmerkung der Redaktion] , sie vergessen, dass unser Kampf in unserem Lande, der Kampf für den Sieg der sozialistischen Elemente in unserem Lande über die kapitalistischen Elemente, dass unser Kampf um den Aufbau zugleich von weltumspannender, internationaler Bedeutung ist, denn unser Land ist die Basis der internationalen Revolution, denn unser Land ist der Haupthebel zur Entfaltung der internationalen revolutionären Bewegung, und wenn hier bei uns der Aufbau im erforderlichen Tempo vorwärtsgeht, so bedeutet das, dass wir unsere Arbeit in der internationalen revolutionären Bewegung auch auf allen anderen Gebieten gerade so durchführen, wie das die Partei von uns fordert.“ (Stalin, Band 7, Seite 256/257).

Wir sind in eine Periode der Belebung aller Klassen und aller sozialen Gruppierungen eingetreten. Belebt hat sich die Arbeiterklasse, belebt hat sich die Bauernschaft mit allen ihren Gruppierungen, belebt hat sich auch die neue Bourgeoisie, belebt haben sich ihre Agenten im Dorfe ( die Kulaken) und ihre Vertreter in der Intelligenz.“ (Stalin, Band 7, Seite 281).

Eine Abweichung ist eben eine Abweichung, eine Abweichung ist etwas, was noch keine feste Form gewonnen hat. Eine Abweichung ist der Beginn eines Fehlers. Entweder lassen wir diesen Fehler groß werden, dann steht die Sache schlecht, oder wir reißen diesen Fehler mit der Wurzel aus, und dann ist die Gefahr beseitigt. Eine Abweichung ist etwas Fehlerhaftes, was dann zu Weiterungen führt, wenn ihr nicht rechtzeitig Einhalt geboten wird.“ (Stalin, Band 7, Seite 290).

Ich möchte ein paar Worte über die neue Bourgeoisie und ihre Ideologen, die Smena-Wech-Leute, sagen. Die Smena – Wech - Strömung ist die Ideologie der neuen Bourgeoisie, die im Wachsen begriffen ist und sich allmählich mit den Kulaken und mit der beamteten Intelligenz zusammenfindet. Die neue Bourgeoisie hat ihre eigene Ideologie geschaffen, die Smena-Wech-Ideologie, die von der Annahme ausgeht, die Kommunistische Partei werde zwangsläufig entarten und die neue Bourgeoisie werde sich zwangsläufig konsolidieren, wobei wir Bolschewiki, ihrer Ansicht nach, ohne es selbst zu merken, an die Schwelle einer demokratischen Republik gelangen, sodann diese Schwelle überschreiten und mit Hilfe irgendeines ´Cäsaren`, der, man weiß nicht, ob aus den Reihen der Militärs oder aus der Zuvilbeamtenschaft, hervorgehen wird, uns eines schönen Tages in einer gewöhnlichen bürgerlichen Republik befinden müssen.

So sieht diese neue Ideologie aus, mit der man unsere beamtete Intelligenz, und nicht nur sie, sondern auch einige uns nahestehende Kreise, benebeln möchte. (...) Man kann schreien, sowviel man will, man kann versuchen, mit Zitaten bange zu machen, soviel man will, unsere einfachen Parteimitglieder werden sich das anhören und sich selbst ein Urteil bilden, weil sie jetzt Lenins Werke zur Hand haben. (Beifall.) Diese Tatsache ist eine der Hauptgarantien dafür, dass unsere Partei den Weg des Leninismus nicht verlassen wird. (Stürmischer Beifall.)

Wenn ich trotzdem die Smena-Wech-Leute erwähnt habe, so um mit ein paar Worten allen denen zu antworten, die auf eine Entartung unserer Partei und unseres ZK spekulieren. Ustrjalow ist der geistige Vater dieser Ideologie. Er ist bei uns im Verkehrswesen angestellt. Man sagt, dass er seinen Dienst gut versieht. Ich glaube, wenn er seinen Dienst gut versieht, soll er ruhig von einer Entartung unserer Partei träumen. Zu träumen ist bei uns nicht verboten. Mag er träumen, soviel er Lust hat. Aber er soll auch wissen, dass er über seinen Träumen von Entartung nicht vergessen darf, das Korn in unsere bolschewistische Mühle zu tragen. Sonst wird es ihm schlecht ergehen. (Beifall.)“ (Stalin, Band 7, Seite 297).

Es kann keine Gleichheit geben, solange es Klassen gibt und solange es qualifizierte und unqualifizierte Arbeit gibt (siehe Lenins ´Staat und Revolution`). Man darf nicht von einer verschwommenen Gleichheit reden, sondern muss von der Aufhebung der Klassen, vom Sozialismus sprechen“ (Stalin, Band 7, Seite 327).

Die Opposition spricht gern von Schwierigkeiten. Es gibt aber eine Schwierigkeit, die viel gefährlicher ist als alle anderen Schwierigkeiten und die die Opposition uns bereitet hat – das ist die Gefahr der Zerfahrenheit und die Desorganisierung der Partei.“ (Beifall.), (Stalin, Band 7, Seite 338).

Wir sind gegen das Absägen. Wir sind gegen die Politik des Absägens. Das bedeutet nicht, dass es den Führern erlaubt sein wird, sich ungestraft aufzuspielen und der Partei auf der Nase herumzutanzen. Auf keinen Fall! Verbeugungen vor Führern wird es nicht geben. (Zurufe: `Sehr richtig!` Beifall.) Wir sind für die Einheit, wir sind gegen das Absägen. Die Absägepolitik ist uns zuwider. Die Partei will die Einheit und wird sie durchsetzen – mit Kamenew und Sinowjew, wenn sie es wollen, ohne sie, wenn sie es nicht wollen. (Zurufe: `Sehr richtig!`Beifall.) Was aber erfordert die Einheit? Die Einheit erfordert, dass die Minderheit sich der Mehrheit unterordnet. Ohne das gibt es keine und kann es keine Einheit der Partei geben.“ (Stalin, Band 7, Seite 339).



Stalin, Über den Kampf gegen die rechten und „ultralinken“ Abweichungen, 18. Februar 1926:

Wer einen Kampf nur unter der Bedingung für zulässig hält, dass die Führer nicht auf diese oder jene Weise kompromittiert werden, der verneint faktisch die Möglichkeit jeglichen ideologischen Kampfes innerhalb der Partei. Müssen wir die Fehler dieser oder jener Parteiführer aufdecken? Müssen wir diese Fehler ans Tageslicht bringen, um die Parteimassen an Hand der Fehler der Führer zu erziehen?. Ich denke wir müssen das tun.“ (Stalin, Band 8, Seite 5).

Es gibt nur einen Ausweg: die Fehler der ´ultralinken` Führer aufzudecken und auf diese Weise den ehrlichen revolutionären Arbeitern zu helfen, auf den richtigen Weg zu gelangen.“ (Stalin, Band 8, Seite 7).

Man darf nicht vergessen, dass Rechte und ´Ultralinke` in Wirklichkeit Zwillingsbrüder sind, dass sie folglich auf dem opportunistischen Standpunkt stehen, mit dem Unterschied jedoch, dass die Rechten ihren Opportunismus nicht immer verbergen, während die Linken ihren Opportunismus stets mit ´revolutionären` Phrasen verhüllen. Wir können unsere Politik nicht danach bestimmen, was diese oder jene Schwätzer oder Spießbürger über uns sagen könnten. Wir müssen unbeirrt und sicher unseren Weg verfolgen, ohne darauf zu achten, welche Lügenmärchen müßige Leute über uns noch erfinden könnten. Die Russen haben ein gutes Sprichwort: `Die Hunde bellen, die Karawane zieht weiter.` Wir sollten uns dieses Sprichwort merken, es kann uns noch machens Mal von Nutzen sein.“ (Stalin, Band 8, Seite 7/8).



Stalin, Rede in der deutschen Kommission des VI. Erweiterten Plenums des EKKI, 8. März 1926:

2. Über das ZK der deutschen Kommunistischen Partei. Bei einigen Intellektuellen werden Stimmen laut, das ZK der deutschen Kommunistischen Partei sei schwach, es leite die Partei schwach an, das Fehlen der Intellektuellen im ZK wirke sich negativ auf seine Arbeiter aus, es existiere gar kein ZK usw. All das trifft nicht zu, Genossen. Derartige Redereien halte ich für eines Kommunisten ünwürdige Ausfälle von Intellektuellen. Das jetzige ZK der deutschen Kommunistischen Partei ist nicht durch Zufall zustande gekommen. Es wurde im Kampf gegen die rechten Fehler geboren. Es erstarkte im Kampf gegen die ´ultralinken` Fehler. Daher ist es weder ein rechtes noch ein ´ultralinkes` ZK. Es ist ein leninistisches ZK. Dies ist gerade die führende Arbeitergruppe, die die deutsche Kommunistische Partei jetzt braucht.

Man sagt, das jetzige ZK glänze nicht durch theoretische Kenntnisse. Nun, wenn nur die Politik richtig ist, an den theoretischen Kenntnissen soll es nicht liegen. Wissen kann man erwerben, hat man es heute nicht, so wird man es morgen erworben haben; sich aber die gegenwärtig vom ZK der deutschen Partei betriebene richtige Politik zu eigen zu machen, dürfte manchem hochnäsigen Intellektuellen durchaus nicht so leicht fallen. Die Stärke des jetzigen ZK besteht je eben darin, dass es eine richtige leninistische Politik durchführt, was die mit ihren ´Kenntnissen` prahlenden Intelligenzler nicht begreifen wollen. Es gibt Genossen, die da glauben, ein Intellektueller brauche nur zwei, drei Bücher mehr zu lesen oder ein paar Broschüren mehr verfassen, um das Recht auf die Führung der Partei beanspruchen zu können. Das ist falsch, Genossen. Das ist so falsch, dass es einfach lächerlich ist. Sie können ganze Bücher über Philosophie schreiben, wenn sie sich aber nicht die richtige Politik des ZK der Kommunistischen Partei Deutschlands zu eigen gemacht haben, darf man sie nicht an das Steuer der Partei heranlassen.

Genosse Thälmann! Nehmen Sie diese Intellektuellen in Dienst, wenn sie in der Tat der Arbeitersache dienen wollen, oder Sie können sie zum Teufel jagen, wenn sie um jeden Preis kommandieren wollen ... Die Tatsache, dass im jetzigen ZK Arbeiter überwiegen, ist ein großer Vorzug der deutschen Kommunistischen Partei.

Worin besteht die Aufgabe der Kommunistischen Partei Deutschlands? Sie besteht darin, sich den Weg zu den sozialdemokratisch eingestellten Arbeitermassen, die sich in dem Labyrinth der sozialdemokratischen Wirrnis verirrt haben, zu bahnen und auf diese Weise die Mehrheit der Arbeiterklasse für die Kommunistische Partei zu gewinnen. Ihre Aufgabe besteht darin, ihren auf Irrwege geratenen Brüder zu helfen, den richtigen Weg zu finden und mit der Kommunistischen Partei in Verbindung zu treten. Hierbei sind zwei Methoden des herangehens an die Arbeitermassen möglich. Die eine ist eine spezifisch intelligenzlerische Methode der ´Gewinnung` der Arbeiter sozusagen mit der Peitsche in der Hand. Es bedarf wohl nicht erst des Nachweises, dass diese Methode mit der kommunistischen Methode nichts gemein hat, da sie die Arbeiter nicht anzieht, sondern nur abstößt. Die andere Methode besteht darin, mit den verirrten, ins Lager der Sozialdemokraten geratenen Brüder eine gemeinsame Sprache zu finden, ihnen zu helfen, aus dem Labyrinth des Sozialdemokratismus herauszukommen, ihnen den Übergang auf die Seite des Kommunismus zu erleichtern. Diese Methode ist die einzig kommunistische Arbeitsmethode. Die Tatsache, dass das gegenwärtige ZK seiner Zusammensetzung nach proletarisch ist, diese Tatsache erleichtert erheblich die Anwendung dieser zweiten Methode in Deutschland. Daraus sind auch die Erfolge zu erklären, die das jetzige ZK der Kommunistischen Partei Deutschlands bei der Herstellung der Einheitsfront zweifellos zu verzeichnen hat.“ (Stalin, Band 8, Seite 97, 98 und 99).

Revolutionärer Geist ist eine gute Sache, Standhaftigkeit ist noch besser.“ (Stalin, Band 8, Seite 102).



Stalin, Über die wirtschaftliche Lage der Sowjetunion und die Politik der Partei, 18. April 1926:

V. KADER VON BAUMEISTERN DER INDUSTRIE MÜSSEN HERANGEBILDET WERDEN

Um die Direktive der Partei über die Industrialisierung unseres Landes durchführen zu können, ist neben allem anderen erforderlich, Kader neuer Menschen, Kader neuer Baumeister der Industrie heranzubilden.

Keine Aufgabe, und insbesondere keine so große Aufgabe wie die Industrialisierung unseres Landes, kann ohne lebendige Menschen durchgeführt werden, ohne neue Menschen, ohne Kader neuer Baumeister. Früher, in der Periode des Bürgerkriegs, brauchten wir besonders Kommandeurkader zum Aufbau der Armee und zur Führung des Krieges, Regiments- und Brigadekommandeure, Divisions- und Korpskommandeure. Ohne diese neuen Kommandeurkader, die aus der Masse des Volkes gekommen und dank ihren Fähigkeiten emporgestiegen sind, hätten wir keine Armee aufbauen können, hätten wir unsere zahlreichen Feinde nicht besiegen können. Sie, diese neuen Kommandeurkader, haben damals unsere Armee und unser Land gerettet, natürlich mit der allgemeinen Unterstützung der Arbeiter und Bauern. Aber jetzt leben wir in der Periode des Aufbaus der Industrie. Jetzt sind wir von den Fronten des Bürgerkriegs zur Front der Industrie übergegangen. Dementsprechend brauchen wir jetzt neue Kommandeurkader für die Industrie, tüchtige Fabrik- und Werkdirektoren, tüchtige Trustleiter, sachkundige Kaufleute, gescheite Planwirtschaftler für den Aufbau der Industrie. Jetzt müssen wir neue Regiments- und Brigadekommandeure, Divisions- und Korpskommandeure für die Wirtschaft, für die Industrie heranbilden. Ohne diese Kader können wir keinen Schritt vorankommen.

Daher besteht die Aufgabe darin, zahlreiche Kader von Baumeistern der Industrie aus den Reihen der Arbeiter und der Sowjetintelligenz heranzubilden, derselben Sowjetintelligenz, die ihr Geschick mit dem Geschick der Arbeiterklasse verbunden hat und gemeinsam mit uns das sozialistische Fundament unserer Wirtschaft aufbaut.

Die Aufgabe besteht darin, solche Kader heranzubilden und in den Vordergrund zu rücken, wobei ihnen jede nur mögliche Unterstützung erwiesen werden muss.

Bei uns ist es in letzter Zeit üblich geworden, auf die Wirtschaftler als auf korrupte Elemente einzuhaien, wobei man häufig geneigt ist, Einzelerscheinungen negativer Art auf alle Kader der Wirtschaftler auszudehnen. Manch einer, dem es gerade einfällt, hält es des öfteren für nötig, den Wirtschaftlern Hiebe zu versetzen, sie aller möglichen Todsünden zu bezichtigen. Diese hässliche Angewohnheit muss man ablegen, Genossen, ein für allemal. Man muss begreifen, dass es überall schwarze Schafe gibt. Man muss begreifen, dass die Aufgabe der Industrialisierung unseres Landes und der Förderung neuer Kader von Baumeistern der Industrie nicht erheischt, dass man die Wirtschaftler prügelt, sondern im Gegenteil, dass man sie beim Aufbau unserer Industrie mit allen Mitteln unterstützt. Die Wirtschaftler mit einer Atmosphäre des Vertrauens und der Unterstützung zu umgeben, ihnen zu helfen, neue Menschen, Baumeister der Industrie, heranzubilden, und den Posten eines Baumeisters der Industrie zu einem Ehrenposten im sozialistischen Aufbau zu machen – das ist die Richtung, in der unsere Parteiorganisationen jetzt arbeiten müssen.“ (Stalin, Band 8, Seite 123).

VIII. DIE INNERPARTEILICHE DEMOKRATIE MUSS VERWIRKLICHT WERDEN

Ich drenke an die Periode vor dem Parteitag, während des Parteitags und unmittelbar nach dem Parteitag, als man den Parteikollektiven in Leningrad verwehrte, sich zu versammeln, als die Organisatoren einiger Kollektive – verzeihen Sie meine Geradheit – den Kollektiven gegenüber die Rolle eines Polizeiaufsehers spielten, als sie den Kollektiven verboten, sich zu versammeln. Das hat auch die sogenannte ´neue Opposition` mit Sinowjew an der Spitze zu Fall gebracht.

Wenn es den Mitgliedern unseres ZK mit Hilfe des Leningrader Aktivs gelungen ist, die Opposition, die bei Ihnen einen Kampf gegen die Beschlüsse des XIV. Parteitags führte, innerhalb von zwei Wochen zum Rückzug zu zwingen und zu isolieren, so deshalb, weil sich die Aufklärungskampagne über die Beschlüsse des Parteitags auf den Drang zum Demokratismus stützen konnte, der in der Leningrader Organisation vorhanden war, der sich geltend machte und der sich schließlich Bahn brach.“ (Stalin, Band 8, Seite 127/128).

Innerparteiliche Demokratie und Freiheit fraktioneller Gruppierungen haben nichts miteinander gemein und können nichts miteinander gemein haben.

Was ist innerparteiliche Demokratie? Innerparteiliche Demokratie bedeutet Hebung der Aktivität der Parteimitgliedermassen und Festigung der Einheit der Partei, Festrigung der bewussten proletarischen Disziplin in der Partei.

Was ist Freiheit fraktioneller Gruppierungen? Freiheit fraktioneller Gruppierungen bedeutet Zersetzung, Schwächung der Partei, Schwächung der Diktatur des Proletariats. (...)

Bei uns in der Partei gibt es Leute, die davon träumen, in der Partei habe eine allgemeine Diskussion begonnen. Es gibt bei uns Leute, die sich die Partei ohne Diskussion nicht vorstellen können, die auf den Titel Berufsdiskutierer Anspruch erheben. Halten wir uns diese Berufsdiskutierer vom Leibe! [hervorgehoben von der Redaktion]. Was wir jetzt brauchen, ist nicht eine ausgeklügelte Diskussion und nicht die Verwandlung unserer Partei in einen Diskutierclub, sondern die Verstärkung unserer Aufbauarbeit im Allgemeinen, die Verstärkung des Industrieaufbaus im Besonderen, die Stärkung unserer geschlossenen, einheitlichen und festgefügten Kampfpartei, die unsere Aufbauarbeit sicher und siegesgewiss leitet. Wer endlose Diskussionen anstrebt, wer die Freiheit fraktioneller Gruppierungen anstrebt – der untergräbt die Einheit der Partei, der unterhöhlt die Macht unserer Partei.“ (Stalin, Band 8, Seite 128/129).



Stalin, An Genossen Kaganowitsch und andere Mitglieder des Politbüros, 26. April 1926:

Zweitens. Schumski hebt zwar den positiven Charakter der in der Ukraine zu beobachtenden neuen Bewegung für die ukrainische Kultur und ein ukrainisches öffentliches Leben völlig richtig hervor, sieht jedoch nicht die Schattenseiten dieser Bewegung. Schumski übersieht, dass diese Bewegung, die meistens von nichtkommunistischen Intellektuellen geleitet wird, angesichts der Schwäche der einheimischen kommunistishen Kader in der Ukraine mancherorts den Charakter eines Kampfes für die Absonderung der ukrainischen Kultur und des ukrainischen öffentlichen Lebens des gesamten Sowjetlandes, den Charakter eines Kampfes gegen `Moskau` überhaupt, gegen die Russen überhaupt, gegen die russische Kultur und ihre höchste Errungenschaft, den Leninismus, annehmen kann. Ich brauche nicht den Beweis zu führen, dass diese Gefahr in der Ukraine immer realer wird. Ich möchte nur sagen, dass selbst manche ukrainische Kommunisten von solchen Fehlern nicht frei sind. Ich denke dabei an eine solch allgemein bekannte Tatsache wie den Artikel des bekannten Kommunisten Chwilewoi in der ukrainischen Presse. Chwilewois Forderung nach ´unverzüglicher Entrussifizierung des Proletariats` in der Ukraine, seine Meinung, dass ´die ukrainische Poesie sich so schnell wie möglich von der russischen Literatur, von ihrem Stil frei machen muss`, seine Erklärung, dass ´die Ideen des Proletariats uns auch ohne die Moskauer Kunst bekannt sind`, seine Begeisterung für irgendeine Messiasrolle der ukrainischen ´jungen` Intelligenz, sein lächerlicher und unmarxistischer Versuch, die Kultur von der Politik zu trennen – all das und vieles Ähnliche mutet jetzt, von einem ukrainischen Kommunisten ausgesprochen, mehr als seltsam an (und kann nicht anders anmuten!).

Zu einer Zeit, da die westeuropäischen Proletarier und ihre kommunistischen Parteien von Sympathie füre ´Moskau`, die Zitadelle der internationalen revolutionären Bewegung und des Leninismus, erfüllt sind, zu einer Zeit, da die westeuropäischen Proletarier begeistert auf das Banner blicken, das über Moskau weht, weiß der ukrainische Kommunist Chwilewoi zu Gunsten ´Moskaus` nichts anderes zu sagen, als die ukrainischen Persönlichkeiten aufzufordern, sich ´so schnell wie möglich` von` Moskau` frei zu machen. Und das nennt sich Internationalismus! Was soll man da noch von den anderen ukraischen Intellektuellen aus dem nichtkommunistischen Lager sagen, wenn Kommunisten in der Sprache eines Chwilewoi zu reden, und nicht nur zu reden, sondern auch in unserer Sowjetpresse zu schreiben beginnen? Schumski begreift nicht, dass man die neue Bewegung für die ukrainische Kultur in der Ukraine nur dann in die Hand bekommen kann, wenn man die Auswüchse eines Chwilewoi in den Reihen der Kommunisten bekämpft. Schumski begreift nicht, dass man nur im Kampf gegen solche Auswüchse die im Aufstieg begriffene ukrainische Kultur in eine sowjetische Kultur und das im Aufstieg begriffene ukrainische Leben in ein sowjetisches öffentliches Leben verwandeln kann.“ (Stalin, Band 8, Seite 135/136).



Stalin, Antwort auf die Begrüßungsansprachen, 8. Juni 1926:

Ich erinnere mich des Jahres 1898, als man mir zum erstenmal einen Zirkel von Arbeitern der Eisenbahnwerkstätten zuteilte. Das war vor 28 Jahren. Ich erinnere mich, wie ich in der Wohnung des Genossen Sturua, in Anwesenheit von Dshibladse (er war damals auch einer meiner Lehrer), Tschodrischwili, Tscheïdse, Botschorischwili, Ninua und anderen fortgeschrittenen Tifliser Arbeitern meinen ersten Unterricht in der praktischen Arbeit erhielt. Im Vergleich zu diesen Genossen war ich damals recht jung. Vielleicht war ich damals ein wenig belesener als viele dieser Genossen, aber in der praktischen Arbeit war ich damals zweifellos ein Anfänger. Hier, im Kreise dieser Genossen, erhielt ich damals meine erste revolutionäre Feuertaufe. Hier, im kreise dieser Genossen, wurde ich damals ein Lehrling der Revolution. Sie sehen, meine ersten Lehrer waren die Tifliser Arbeiter.

Gestatten Sie mir, Ihnen meinen aufrichtigen, kameradschaftlichen Dank auszusprechen. (Beifall.)

Ich erinnere mich ferner der jahre 1907 – 1909, als ich durch den Willen der Partei nach Baku zur Arbeit entsandt worden war. Drei Jahre revolutionärer Arbeit unter den Arbeitern der Erdölindustriellen stählten mich als Kämpfer und einen der Leiter der praktischen Arbeit am Ort. Im Umgang mit so fortgeschrittenen Bakuer Arbeitern wie Wazek, Saratowez, Fioletow und anderen einerseits und im Sturm schwerster Konflikte zwischen Arbeitern und Erdölindustriellen andererseits erfuhr ich zum erstenal, was es heißt, große Arbeitermassen zu führen. Dort, in Baku, erhielt ich somit meine zweite revolutionäre Feuertaufe. Dort wurde ich ein Geselle der Revolution.

Gestatten Sie mir, meinen Bakuer Lehrern meinen aufrichtigen, kameradschaftlichen Dank auszusprechen. (Beifall.)

Schließlich erinnere ich mich des Jahres 1917, als ich durch den Willen der Partei, nach meinen Wanderungen durch Gefängnisse und Verbannungsorte, nach Leningrad entsandt worden war. Dort, im Kreise der russischen Arbeiter, in der unmittelbaren Nähe des großen Lehrers der Proletarier aller Länder, des Genossen Lenin, im Sturm der großen Schlachten zwischen Proletariat und Bourgeoisie, unter den Verhältnissen des imperialistischen Krieges, lernte ich zum erstenmal verstehen, was es heißt, einer der Führer der großen Partei der Arbeiterklasse zu sein. Dort, im kreise der russischen Arbeiter, der Befreier der unterdrückten Völker und der Vorkämpfer des Proletariats aller Länder und Völker, erhielt ich meine dritte revolutionäre Feuertaufe. Dort, in Russland, wurde ich unter Lenins Leitung einer der meister der Revolution.

Gestatten Sie mir, meinen russischen Lehrern meinen aufrichtigen, kameradschaftlichen Dank auszusprechen und mein Haupt zu neigen im Gedenken an meinen großen Lehrer Lenin. (Beifall.)

Vom Lehrling (Tiflis) über den Gesellen (Baku) zu einem der meister unserer Revolution (Leningrad) – das, Genossen, ist die Schule meiner revolutionären Lehrzeit.

Das, Genossen, ist das wirkliche Bild dessen, was ich war und was ich geworden bin, wenn man ohne Übertreibung, ganz ehrlich sprechen will. (Beifall, der in stürmische Ovationen übergeht.)“ , (Stalin, Band 8, Seite 154 -156).



Stalin, Über das Englisch-Russische Einheitskomitee, 15. Juli 1926:

Wie konnte es passieren, dass Sinowjew vor einem Jahr den anti-leninistischen Charakter der Theorie des Überspringens verstand, jetzt aber, ein Jahr später, ihn nicht mehr versteht? Das ist ihm deshalb passiert, weil er damals, sozusagen, Leninist war, jetzt aber sich hoffnungslos verstrickt hat und mit einem Bein im Lager des Trotzkismus und mit dem andern im Lager Schljapnikows, im Lager der ´Arbeiteropposition` steht. Und nun zappelt er zwischen diesen beiden Oppositionen und sieht sich veranlasst, hier, auf dieser Tribüne, unter Berufung auf Martow aufzutreten. Und gegen wen tritt er auf? Gegen Lenin. Für wen? Für die Trotzkisten. So tief ist Sinowjew gesunken.“ (Stalin, Band 8, Seite 162).

Trotzki geht bei seiner Politik der effektvollen Gesten nicht von konkreten Menschen aus, nicht von den konkreten und lebendigen Arbeitern, die in England leben und kämpfen, sondern von irgendwelchen idealen, körperlosen Menschen, die vom Scheitel bis zur Sohle revolutionär sind. Aber ist es denn so schwer zu begreifen, dass nur Toren in der Politik von idealen, körperlosen Menschen ausgehen können?“ (Stalin, Band 8, Seite 170).

Aber das ist nun einmal das Schicksal der ´ultralinken` Phrasendrescher. In ihren Phrasen, da sind sie links, in der Tat aber helfen sie den Feinden der Arbeiterklasse. Man geht nach links und gelangt nach rechts.“ (Stalin, Band 8, Seite 171).



Stalin, Über das Englisch-Russische Komitee, 7. August 1926:

Man darf nicht aus formalen Beweggründen den Inhalt der Sache, das Wesen der Sache vergessen. So kann ein Kommunist nicht handeln.“ (Stalin, Band 8, Seite 175).

Manche Pseudomarxisten glauben, eine ´revolutionäre` Geste genüge, ein Auftritt mit viel Geschrei genüge, um die Macht der reaktionären Führer zu brechen. Wirkliche Marxisten haben mit solchen Leuten nichts gemein und können mit ihnen nichts gemein haben.“ (Stalin, Band 8, Seite 179/180).

Damit die Partei die Millionenmassen führen könne, dazu genügt eine richtige Linie allein noch nicht – dazu gehört außerdem, dass sich die Massen an Hand ihrer eigenen Erfahrungen von der Richtigkeit dieser Linie überzeugen, dass die Massen die Politik der Partei und ihre Losungen als ihre Politik und als ihre eigenen Losungen aufnehmen und beginnen, sie in die Tat umzusetzen. Nur unter dieser Bedingung kann eine Partei mit einer richtigen Politik tatsächlich zur führenden Kraft der Klasse werden.“ (Stalin, Band 8, Seite 180).

Ich bin gegen die von Humboldt vorgeschlagene Methode der individuellen Kritik, wenn diese Methode als Hauptmethode vorgeschlagen wird. Ich bin der Meinung, dass unsere Kritik an den reaktionären Führern eine Kritik sein muss, die von der allgemeinen Linie der Führung, nicht aber von den individuellen Besonderheiten dieser Führer ausgeht. Ich bin nicht dagegen, dass in zweiter Linie, als Hilfsmittel, individuelle Kritik geübt wird. Aber ich bin dafür, dass unserer Kritik die grundsätzliche Linie zu Grunde gelegt wird. Andernfalls kann dabei statt einer grundsätzlichen Kritik Klatsch und persönliches Gezänk herauskommen, was das Niveau unserer Kritik zum Schaden der Sache unbedingt hinabdrücken würde.“ (Stalin, Band 8, Seite 182).



Stalin, Über den Oppositionsblock in der KpdSU (B), 26. Oktober 1926:

Gewisse, allerdings zahlenmäßig geringe, Teile unserer Partei schrecken vor den Schwierigkeiten zurück, sind von Müdigkeit und Schwankungen befallen, geraten in Verzweiflung und nähren Verfallsstimmungen, lassen sich vom Unglauben an die schöpferischen Kräfte des Proletariats anstecken und verfallen der Ideologie des Kapitulantentums.“ (Stalin, Band 8, Seite 192/193).

Um diese Schwierigkeiten aber bewältigen zu können, müssen vor allem die Verfallsstimmungen und die defaitistische Ideologie, die in den Reihen eines Teils der Partei herrschen, überwunden werden.“ (Stalin, Band 8, Seite 193).

Deshalb besteht die nächste Aufgabe der Partei darin, die prinzipielle Haltlosigkeit der grundlegenden Ansichten des Oppositionsblocks aufzudecken, ihre Unvereinbarkeit mit den Grundlagen des Leninismus klar aufzuzeigen und einen entschiedenen ideologischen Kampf gegen die prinzipiellen Fehler des Oppositionsblocks zu führen, mit dem Ziel, sie restlos zu überwinden.“ (Stalin, Band 8, Seite 193/194).

Die Konferenz erachtet es für notwendig, die Fragen, in denen Meinungsverschiedenheiten auftreten, in den theoretischen Zeitschriften unserer Partei offen zu diskutieren, und erkennt jedem Parteimitglied das Recht zu, Mängel in unserer Parteiarbeit offen zu kritisieren, erinnert aber gleichzeitig an die Worte Lenins, dass unsere Partei kein Diskussionsklub, sondern eine Kampforganisation des Proletariats ist. Die Konferenz ist der Ansicht, dass eine Diskussion im Unionsmaßstab nur dann als notwendig anerkannt werden kann, wenn a) diese Notwendigkeit mindestens von einigen Parteiorganisationen im Gouvernements- oder Gebietsmaßstab anerkannt wird; b) wenn innerhalb des ZK keine genügende feste Mehrheit in den wichtigsten Fragen der Parteipolitik vorhanden ist; c) wenn es das ZK, ungeachtet des Vorhandenseins einer festen, auf einem bestimmten Standpunkt stehenden Mehrheit im ZK dennoch für notwendig erachtet, die Richtigkeit seiner Politik durch eine Diskussion in der Partei zu überprüfen. Dabei kann in all diesen Fällen eine Diskussion im Unionsmaßstab nur nach einem entsprechenden Beswchluss des ZK begonnen und durchgeführt werden.

Die Konferenz stellt fest, dass zu dem Zeitpunkt, als der Oppositionsblock die Eröffnung einer Diskussion im Unionsmaßstab verlangte, keine einzige dieser Bedingungen gegeben war.

Die Konferenz ist deshalb der Ansicht, dass das ZK der Partei vollkommen richtig gehandelt hat, als es die Diskussion für unzweckmäßig erklärte und den Oppositionsblock wegen seiner versuche verurteilte, der Partei eine Diskussion im Unionsmaßstab über von der Partei bereits entschiedene Fragen aufzuzwingen.“ (Stalin, Band 8, Seite 203).



Stalin, Über die sozialdemokratische Abweichung in unserer Partei, 12. November 1926:

Darin eben besteht die Größe Lenins, dass er offen und ehrlich, ohne zu schwanken, die Frage der Notwendigkeit einer neuen Formel gestellt hat, die besagt, dass der Sieg der proletarischen Revolution in einzelnen Ländern möglich ist, ohne zu fürchten, dass sich die Opportunisten aller Länder im Bestreben, ihr opportunistisches Werk mit den Namen von Marx und Engels zu rechtfertigen, an die alte Formel klammern werden.“ (Stalin, Band 8, Seite 223).

Der Partei sind nicht wenig Fälle bekannt, wo Leute, die ein Lippenbekenntnis über ihre Solidarität mit der Partei ablegten, gleichzeitig weiterhin politische Freundschaft mit Elementen pflegten, die gegen die Partei kämpfen. Lenin pflegte in solchen Fällen zu sagen, dass solche `Anhänger` der Parteilinie schlimmer sind als Gegner der Parteilinie.“ (Stalin, Band 8, Seite 244).

... ausweichende Stellung, die Trotzki seinerzeit bei der Definition des Leninismus in seiner Schrift ´Der neue Kurs` einnahm. Man höre nur:

`Der Leninismus als System des revolutionären Handelns setzt einen durch Denken und Erfahrungen anerzogenen revolutionären Instinkt voraus, der auf gesellschaftlichem Gebiet das Gleiche ist, wie die Muskelreaktion in der physischen Arbeit. (L. Trotzki, ´Der neue Kurs`, Verlag ´Krasnaja Nowj`, 1924, Seite 47).

Der Leninismus als ´Muskelreaktion in der physischen Arbeit`. Nicht wahr, das ist neu und originell und tiefgründig. Haben Sie etwas davon verstanden? (Heiterkeit.) Das ist alles farbenprächtig, musikalisch und, wenn Sie wollen, sogar großartig. Nur eine ´Kleinigkeit` fehlt: eine einfache und allgemein verständliche Definition des Leninismus.“ (Stalin, Band 8, Seite 246).

Die Partei hat deshalb Recht, wenn sie behauptet, dass sich in den politischen und organisatorischen Fehlern der Opposition der Druck der nichtproletarischen Elemente auf unsere Partei, auf die Diktatur des Proletariats widerspiegelt.“ (Stalin, Band 8, Seite 261).

´Bei der jetzigen `Opposition` haben wir es nicht nur mit einem Versuch, den Bolschewismus zu revidieren, nicht nur mit einer direkten Abkehr vom Leninismus zu tun, sondern auch mit einer klar ausgeprägten kleinbürgerlichen Abweichung.[hervorgehoben von Stalin]. Es unterliegt keinem Zweifel, dass diese ´Opposition` objektiv den Druck des Kleinbürgertums auf die Positionen der proletarischen Partei widerspiegelt.`(Aus der Resolution des XIII. Parteitags – [von Stalin zitiert.])

Möge uns Trotzki erklären, inwiefern die kleinbürgerliche Abweichung besser ist als die sozialdemokratische Abweichung. Ist es denn so schwer zu begreifen, dass die sozialdemokratische Abweichung eine Abart der kleinbürgerlichen Abweichung ist?“ (Stalin, Band 8, Seite 262).

Jetzt ist nicht die Zeit für Geschwätz, es ist an der Zeit, unmittelbar an die sozialistische Aufbauarbeit zu gehen, Daher die Schlussfolgerung: Weniger Geschwätz, mehr schöpferische, positive Arbeit, vorwärts, an die die sozialistische Aufbauarbeit!“ (Stalin, Band 8, Seite 264).

SCHLUSSWORT

Welchem Kamenew soll man nur glauben: dem, der als Vorsitzender der XIV. Parteikonferenz für die Resolution der XIV. Parteikonferenz gestimmt hat [ ´...Die Erfahrung der russischen Revolution hat bewiesen, dass dieser ursprüngliche Sieg in einem Lande nicht nur möglich ist, sondern dass bei einer Reihe günstiger Umstände dieses erste Land der siegreichen proletarischen Revolution sich (bei gewisser Unterstützung durch das internationale Proletariat) auf lange Zeit behaupten und festigen kann, auch dann, wenn diese Unterstützung nicht die Form direkter proletarischer Revolutionen in anderen Ländern annimmt.` - Aus der Resolution der XIV. Parteikonferenz – zitiert bei Stalin, Band 8, Seite 289)], oder dem, der jetzt auf der XV. Parteikonferenz die Rolle des Hausknechts Trotzkis spielt? Es ergibt sich, dass der Kamenew der XIV. Parteikonferenz gegen den Kamenew der XV. Parteikonferenz Zeugnis ablegt.“ (Stalin, Band 8, Seite 288/289).



Stalin, Über die Perspektiven der Revolution in China, 10. Dezember 1926:

Die Frage der Jugend ist jetzt in China von erstrangiger Bedeutung. Die studierende Jugend (die revolutionären Studenten), die Arbeiterjugend, die Bauernjugend – sie alle stellen eine Kraft dar, die, wenn man sie unter den ideologischen und politischen Einfluss der Kuomintang bringt, bewirken könnte, dass die Revolution in Siebenmeilenstiefel voranschreitet. Es darf nicht außer Acht gelassen werden, dass niemand das imperialistische Joch so gründlich und so lebhaft verspürt und dass niemand die Notwendigkeit des Kampfes gegen dieses Joch so brennend und so schmerzlich empfindet wie die Jugend in China. Dieser Umstand muss von der chinesischen Kommunistischen Partei und den chinesischen Revolutionären weitgehend berücksichtigt werden im Sinne einer weitgehenden Verstärkung der Arbeit unter der Jugend. Die Jugend muss in den Thesen zur chinesischen Frage ihren Platz finden.“ (Stalin, Band 8, Seite 333).



Stalin, VII. Erweitertes Plenum des EKKI, 6. Dezember 1926:

Die ´mittlere` Linie in prinzipiellen Fragen ist die ´Linie` der Verkleisterung der Hirne, die ´Linie` der Vertuschung der Meinungsverschiedenheiten, die ´Linie` der ideologischen Entartung der Partei, die ´Linie` des ideologischen Todes der Partei.“ (Stalin, Band 9, Seite 4).

... ergibt (es) sich, dass die Überwindung der innerparteilichen Meinungsverschiedenheiten auf dem Wege des Kampfes ein Entwicklungsgesetz unserer Partei ist.“ (Stalin, Band 9, Seite 7).

Der Druck der Bourgeoisie und ihrer Ideologie auf das Proletariat und seine Partei kommt darin zum Ausdruck, dass nicht selten bürgerliche Ideen, Sitten, Gebräuche, Stimmungen durch bestimmte Schichten des Proletariats, die auf diese oder jene Weise mit der bürgerlichen Gesellschaft verbunden sind, in das Proletariat und seine Partei eindringen. (...) Ich glaube, man könnte das Proletariat in drei Schichten unterteilen.

Die zweite Schicht sind diejenigen, die erst kürzlich aus nichtproletarischen Klassen, aus der Bauernschaft, aus den Reihen der Kleinbürger, aus der Intelligenz hervorgegangen sind. Es sind Leute, die aus anderen Klassen kommen, erst unlängst zum Proletariat gestoßen sind und ihre Gebräuche, ihre Gewohnheiten, ihre Schwankungen und ihre Unschlüssigkeit in die Arbeiterklasse hineintragen. Diese Schicht bildet den günstigsten Boden für alle möglichen anarchistischen, halbanarchistischen und ´ultralinken` Gruppierungen.“ (Stalin, Band 9, Seite 9).

Die Tatsache, dass ´ultralinke` Stimmungen auf Schritt und Tritt mit offen opportunistischen Stimmungen zusammenfallen – diese Tatsache ist nicht verwunderlich. Lenin hat wiederholt erklärt, dass die ´ultralinke` Opposition die Kehrseite der rechten, menschewistischen, offen opportunistischen Opposition ist. Und das ist vollkommen richtig. Das der ´Ultralinke` für die Revolution nur deshalb eintritt, weil er den Sieg der Revolution bereits für morgen erwartet, ist es klar, dass er in Verzweiflung geraten und von der Revolution enttäuscht sein muss, wenn eine Verzögerung der Revolution eintritt, wenn die Revolution nicht bereits morgen siegt.

Es ist natürlich, dass bei jeder Wendung in der Entwicklung des Klassenkampfes, mit jeder Verschärfung des Kampfes und jeder Zunahme der Schwierigkeiten der Unterschied der Ansichten, Gewohnheiten und Stimmungen der verscheidenen Schichten des Proletariats unvermeidlich in Form bestimmter Meinungsverschiedenheiten unvermeidlich verschärfen, was dazu führt, dass sie innerhalb der proletarischen Partei durch Kampf ausgetragen werden. Das sind die Quellen der innerparteilichen Gegensätze und Meinungsverschiedenheiten.

Kann man diesen Gegensätzen und Meinungsverschiedenheiten aus dem Wege gehen? Nein, das kann man nicht. Glauben, man könne diese Gegensätze aus dem Wege gehen, heißt sich selbst betrügen. Engels hatte Recht, als er sagte, dass man Gegensätze innerhalb der Partei auf die Dauer nicht vertuschen kann, dass diese Gegensätze ausgefochten werden müssen.

Das bedeutet aber nicht, das die Partei in einen Diskussionsklub verwandelt werden soll. Im Gegenteil, die proletarische Partei ist eine Kampforganisation des Proletariats und muss es bleiben. Ich will damit lediglich sagen, dass man über die Meinungsverschiedenheiten innerhalb der Partei nicht hinweggehen und die Augen vor ihnen verschließen darf, wenn diese Meinungsverschiedenheiten prinzipiellen Charakter haben. Ich will damit lediglich sagen, dass nur durch den Kampf um die prinzipielle marxistische Linie die proletarische Partei gegen den Druck und den Einfluss der Bourgeoisie geschützt werden kann. Ich will damit lediglich sagen, dass nur durch die Überwindung der innerparteilichen Gegensätze die Gesundung und Festigung der Partei erreicht werden kann.“ (Stalin, Band 9, Seite 10/11).

... es gibt verschiedene Feinde. Es gibt Klassenfeinde, die sich mit der Sowjetmacht nicht abfinden und sie um jeden Preis zu stürzen versuchen. Es gibt aber auch Klassenfeinde, die sich so oder so mit der Sowjetmacht abfinden. Es gibt Feinde, die versuchen, Bedingungen für den Sturz der Diktatur des Proletariats vorzubereiten. Das sind die Menschewiki, die Sozialrevolutionäre, die Kadetten und andere. Es gibt aber auch Feinde, die, in der Hoffnung, dass die Diktatur des Proletariats allmählich schwäche werde, entarten und dann den Interessen der neuen Bourgeoisie entgegenkommen werde, mit der Sowjetmacht zusammenarbeiten und den Kampf führen gegen diejenigen, die den Standpunkt des Sturzes der Sowjetmacht vertreten. Zu dieser Kategorie von Feinden gehört Ustrjalow [Repräsentant der bürgerlichen Spezialisten und der neuen Bourgeoisie]“ (Stalin, Band 9, Seite 62). „Hierin liegt die Ursache dafür, dass die Menschewiki und die Kadetten die Opposition loben, die Herren Ustrjalow aber – unsere Partei. (...) „Gerade wegen dieser Zulassung der neuen Bourgeoisie zu einer gewissen bedingten Mitarbeit [NÖP], natürlich unter bestimmten Bedingungen und unter Kontrolle der Sowjetmacht – gerade deswegen lobt ja Ustrjalow unsere Partei, hofft er, dort anhaken und die Sowjetmacht für die Ziele der Bourgeoisie ausnutzen zu können. Wir aber, die Partei, haben andere Pläne: Wir wollen die Vertreter der neuen Bourgeoisie, ihre Erfahrungen, ihre Kenntnisse ausnutzen, um einen Teil von ihnen zu sowjetisieren, zu assimilieren, und den anderen Teil, der sich als unfähig erweist, sich zu sowjetisieren, beiseite zu schieben.“ (Stalin, Band 9, Seite 64).

Worin besteht die revisionistische Manier des Zitierens von Marx? Die revisionistische Manier des Zitierens von Marx besteht in der Verfälschung des Standpunktes von Marx durch Berufung auf Zitate aus einzelnen Thesen von Marx, die aus dem Zusammenhang mit den konkreten Bedingungen einer bestimmten Epoche herausgerissen werden.“ (Stalin, Band 9, Seite 78).

Es war im Jahre 1906 während des Stockholmer Parteitags unserer Partei. Dieser schwedische Genosse schilderte in seiner Erzählung recht belustigend die haarspalterische Manier einiger Sozialdemokraten, Marx und Engels zu zitieren, und wir Parteitagsdelegierten bogen uns vor Lachen beim Zuhören. Der Inhalt dieser ´Geschichte` war folgender:

Die Sache spielt sich in der Krim ab, während des Aufstands der Flotte und der Infanterie. Es erscheinen Vertreter der Flotte und der Infanterie und sagen zu den Sozialdemokraten: Ihr habt uns in den letzten Jahren zum Aufstand gegen den Zarismus aufgerufen, wir haben uns überzeugt, dass ihr mit eurem Aufruf Recht habt. Wir, Matrosen und Soldaten, sind übereingekommen, uns zu erheben, und wenden uns an euch um Rat. Die Sozialdemokraten wurden unruhig und antworteten, dass sie die Frage des Aufstandes nicht ohne eine Konferenz entscheiden könnten. Die Matrosen gaben ihnen zu verstehen, dass die Sache keinen Aufschub dulde, dass schon alles bereit sei und dass, wenn sie keine klare Antwort von den Sozialdemokraten bekämen und die Sozialdemokraten die Führung des Aufstands nicht übernähmen, die Sache schief gehen könne. Die Matrosen und Soldaten entfernten sich in Erwartung von Direktiven, die Sozialdemokraten aber beriefen eine Konferenz ein, um die Frage zu beraten. Man nahm den ersten Band des `Kapitals`, man nahm den zweiten Band des ´Kapitals` , man nahm schließlich den dritten Band des ´Kapitals`. Man sucht Hinweise auf die Krim, Sewastopol, auf einen Aufstand in der Krim. Aber kein einziger, buchstäblich kein einziger Hinweis findet sich in den drei Bänden des ´Kapitals`, weder auf Sewastopol noch auf die Krim, noch auf einen Aufstand der Matrosen und Soldaten. (Heiterkeit.) Man blättert in anderen Werken von Marx und Engels, sucht nach Hinweisen, aber alles vergebens – kein einziger Hinweis ist zu finden. (Heiterkeit.) Was nun? Die Matrosen sind aber bereits da und warten auf Antwort. Und was geschah? Die Sozialdemokraten mussten zugeben, dass sie bei einer solchen Sachlage nicht imstande wären, den Matrosen und Soldaten irgendwelche Anweisungen zu geben. `Auf diese Weise scheiterte der Aufstand der Flotte und der Infanterie`, schloss der schwedische Genosse seine Erzählung. (Heiterkeit.)“ , (Stalin, Band 9, Seite 82).



Stalin, Brief an Xenofontow, 30. Dezember 1926:

... rate ich Ihnen, ein für allemal die Gewohnheit abzulegen, eilfertig Bücher über den Leninismus zu fabrizieren. Das taugt nichts.“ (Stalin, Band 9, Seite 134).



Stalin, Zur Frage der Arbeiter- und Bauernregierung, 15. März 1927:

... beklagen sich gewisse ´Leser`, die wohl Buchstaben zu ´lesen` verstehen, aber das Gelesene nicht zu begreifen wünschen, immer noch darüber, dass Lenin sie in der Frage der Natur unseres Staates ´verwirrt` habe, due ´Schüler` aber nicht gewillt seien, das ´Verworrene` ´zu entwirren`. Das mutet etwas lächerlich an ...

Sie werden fragen: Wo ist denn ein Ausweg aus den ´Missverständnissen`?

Es gibt meiner Meinung nach nur einen Ausweg: Lenin nicht nach einzelnen Zitaten zu studieren, sondern in das Wesen einzudringen, ihn ernsthaft und gründlich, ohne Unterlass zu studieren. Einen anderen Ausweg sehe ich nicht.“ (Stalin, Band 9, Seite 164).



Stalin, Antwort an S. Pokrowski, 23. Juni 1927:

... Demnach wäre unser Streit um einen ´sprachlichen Ausdruck`, nicht aber um zwei prinzipiell verschiedene Auffassungen gegangen! Das nennt man bei uns, gelinde gesagt – eine Frechheit.“ (Stalin, Band 9, Seite 273).

Eins von beiden: Entweder sind Sie äußerst naiv, oder Sie markieren bewusst den Naiven zu irgendeinem, keineswegs wissenschaftlichen, Zweck.“ (Stalin, Band 9, Seite 274).

Man muss die Frechheit eines Ignoranten und die Selbstzufriedenheit eines beschränkten Äquilibristen [Seiltänzer – Red.] haben, um die Dinge so unverfroren auf den Kopf zu stellen, wie Sie das tun, verehrter Pokrowski. Ich glaube, dass es an der Zeit ist, den Briefwechsel mit Ihnen einzustellen.“ (Stalin, Band 9, Seite 277).



Stalin, Notizen über Gegenwartsfragen, 28. Juli 1927:

Die Opposition begreift nicht, dass es gar nicht darum geht, etwas ´als erster` auszusprechen, wenn man damit vorauseilt und der Sache der Revolution Schaden zufügt, sondern darum, es zur rechten Zeit zu sagen, es so zu sagen, dass es von den Massen aufgegriffen und in die Tat umgesetzt wird.“ (Stalin, Band 9, Seite 312).



Stalin, Vereinigtes Plenum des ZK und der ZKK der KPdSU (B), 29. Juli – 9. August 1927:

... der übliche ´ultralinke` Fehler der Opposition,die ihr eigenes Bewusstsein und ihre eigene Erkenntnis für das Bewusstsein und die Erkenntnis der Millionenmassen der Arbeiter und Bauern hält. (...) Das ist ja gerade das Unglück der Opposition, dass sie diese einfache Leninsche Regel der Führung der Millionenmassen nicht anerkennt und nicht begreift, dass die Partei allein, die Vorhut allein, ohne die Unterstützung der Millionenmassen nicht imstande ist, die Revolution zu führen, dass die Revolution in letzter Instanz von den Millionenmassen der Werktätigen ´gemacht` wird.“ (Stalin, Band 10, Seite 24 und 25).

Bis in die letzte Zeit hinein beschränkte sich die Autorität der UdSSR auf einen engen Kreis der Spitzen der chinesischen Gesellschaft, auf den engen Kreis der liberalen Intelligenz der Kuomintang, auf Persönlichkeiten wie Feng Yu-hsiang, die Kantoner Generäle usw. Das hat sich jetzt grundlegend geändert. Jetzt genießt die UdSSR in den Augen der Millionenmassen der Arbeiter und Bauern Chinas eine Autorität, um die sie jede Macht, jede politische Partei in der Welt beneiden könnte. Aber dafür ist die Autorität der UdSSR in den Augen der liberalen Intelligenz Chinas, aller möglichen Generäle usw. beträchtlich gesunken, und von den letzteren beginnen viele sogar, die UdSSR zu bekämpfen. Aber was ist denn daran verwunderlich, und was ist daran schlecht? Kann man denn von der UdSSR, von der Sowjetmacht, von unserer Partei verlangen, dass unser Land bei allen Schichten der chinesischen Gesellschaft moralische Autorität genießt? Wer außer hohlköpfigen Liberalen kann das von unserer Partei, von der Sowjetmacht verlangen? Was ist besser für uns: Aurorität bei der liberalen Intelligenz und bei allen möglichen reaktionären Generälen Chinas oder Autorität bei den Millionenmassen der Arbeiter und Bauern Chinas? Was ist vom Standpunkt unserer internationalen Lage, vom Standpunkt der Entwicklung der Revolution in der ganzen Welt entscheidend: das Anwachsen der Autorität der UdSSR unter den Millionenmassen der Werktätigen bei offensichtlichem Sinken der Autorität der UdSSR in den liberal-reaktionären Kreisen der chinesischen Gesellschaft oder Autorität in diesen letzteren liberal-raktionären Kreisen bei Sinken des moralischen Gewichts unter den breiten Massen der Bevölkerung?“ (Stalin, Band 10, Seite 39).

Mögen sich alle diese liberal-pazifistischen Philosophen mit ihrer ´Sympathie` für die UdSSR zum Teufel scheren. Wenn wir nur die Sympathie der Millionenmassen der Werktätigen haben – das Übrige wird sich finden, und wenn schon unbedingt jemand ´bluten` soll, so werden wir alles daransetzen, dass nicht die UdSSR, sondern irgendein bürgerliches Land blutig geschlagen wird und ´blutet`.“ (Stalin, Band 10, Seite 41).

Warum veröffentlichen wir keine menschewistischen Artikel? Weil es bei uns keine Presse´freiheit` für anti-sowjetische Strömungen ´von den Anarchisten bis zu den Monarchisten` gibt. Was wollen die Oppositionellen, die auf Veröffentlichung ihrer halbmenschewistischen, defaitistischen Artikel bestehen? Sie wollen der bürgerlichen Presse´freiheit` ein Hintertürchen öffnen, wobei sie nicht sehen, dass sie dadurch die anti-sowjetischen Elemente beleben, deren Druck auf die Diktatur des Proletariats verstärken und der bürgerlichen ´Demokratie` den Weg bahnen. An eine Tür klopfen sie, eine andere aber öffnen sie.“ (Stalin, Band 10, Seite 51/52).

Ich habe mich niemals für unfehlbar gehalten und halte mich nicht für unfehlbar. Nicht nur meine Fehler, auch flüchtige Schwankungen habe ich nie verheimlicht. Aber man darf auch nicht verheimlichen, dass ich nie auf meinen Fehlern beharrt und nie, von meinen flüchtigen Schwankungen ausgehend, eine Plattform, eine besondere Gruppe usw. geschaffen habe.“ (Stalin, Band 10, Seite 54).





Stalin, Die trotzkistische Opposition früher und jetzt, 2. November 1927:

Schwätzen ´darf` man, aber alles muss seine Grenzen haben. Man sagt, Genosse Lenin habe in diesem ´Testament` dem Parteitag vorgeschlagen, man solle sich in Hinblick auf Stalins ´Grobheit` überlegen, ob man nicht Stalin als Genralsekretär durch einen anderen Genossen ersetzen solle. Das stimmt durchaus. Ja, Genossen, ich bin grob gegen diejenigen, die grob und verräterisch die Partei zersetzen und spalten. Ich habe das nicht verheimlicht und verheimliche es nicht. Möglich, dass hier eine gewisse Milde gegenüber den Spaltern erforderlich ist. Aber das bringe ich nicht fertig. Gleich in der ersten Sitzung des ZK-Plenums nach dem XIII. Parteitag ersuchte ich das Plenum des ZK, mich von der Funktion des Generalsekretärs zu entbinden. Der Parteitag selbst behandelte diese Frage. Jede Delegation behandelte diese Frage, und alle Delegationen, unter ihnen auch Trotzki, Kamenwe, Sinowjew, verpflichteten Stalin einstimmig, auf seinem Posten zu bleiben.

Was konnte ich tun? Von meinem Posten davonlaufen? Das ist nicht meine Art, ich bin niemals von irgendeinem Posten davongelaufen, und ich habe kein Recht davonzulaufen, denn das wäre Desertation. Wie ich schon früher sagte, bin ich nicht frei in meinen Entschlüssen, und wenn die Partei mich zu etwa verpflichtet, so muss ich mich fügen.

Ein Jahr danach richtete ich erneut einen Antrag an das Plenum, mich von meiner Funktion zu entbinden, aber man verpflichtete mich erneut, auf meinem Posten zu bleiben. Was konnte ich weiter tun?“ (Stalin, Band 10, Seite 153).

Die Opposition versucht, mit dem ´Testament` Lenins aufzutrumpfen. Aber man braucht dieses ´Testament` nur durchzulesen, um zu begreifen, dass nichts da ist, womit sie auftrumpfen könnten. Im Gegenteil, das `Testament` Lenins ist der Tod der heutigen Führer der Opposition.

In der Tat, es ist eine Tatsache, dass Lenin in seinem ´Testament` Trotzki des ´Nichtbolschewismus` beschuldigt und in Bezug auf Kamenew und Sinowjew Fehler während des Oktobers feststellt, dass dieser Fehler kein ´Zufall` ist. Was bedeutet das? Das bedeutet, dass man weder Trotzki, der an ´Nichtbolschewismus` leidet, politisch vertrauen darf noch Kamenew und Sinowjew, deren Fehler kein ´Zufall` sind und sich wiederholen können und müssen. Es ist bezeichnend, dass über die Fehler Stalins in dem ´Testament` kein einziges Wort, keine einzige Andeutung enthalten ist. Dort ist nur von der Grobheit Stalins die Rede. Aber Grobheit ist kein Fehler in der politischen Linie beziehungsweise Position Stalins und kann es nicht sein.“ (Stalin, Band 10, Seite 154).

Es gibt bei uns zwei Verlautbarungen des ZK und der ZKK über die illegale parteifeindliche Druckerei und über die parteilosen Intellektuellen, die mit dieser Druckerei in Verbindung standen. Sie werden in diesen Dokumenten nicht einen Satz, nicht ein Wort darüber finden, dass wir die Opposition der Teilnahme an einer militärischen Verschwörung beschuldigen. Das ZK und die ZKK behaupten in diesen Dokumenten lediglich, dass die Opposition bei der Organisierung der illegalen Druckerei mit bürgerlichen Intellektuellen in Verbindung getreten ist und dass ein Teil dieser Intellektuellen seinerseits, wie sich zeigte, Verbindungen mit Weißgardisten hatte, die eine militärische Verschwörung planen. Ich würde Muralow bitten, die entsprechende Stelle in den vom Politbüro des ZK und dem Präsidium der ZKK zu dieser Frage herausgegebenen Dokumenten anzugeben. Muralow wird sie nicht angeben, denn solche Stellen gibt es überhaupt nicht.

Wessen haben wir dann die Opposition beschuldigt, und wessen beschuldigen wir sie auch weiterhin?

Erstens, dass die Opposition in Verfolgung ihrer Spalterpolitik eine parteifeindliche illegale Druckerei organisierte.

Zweitens, dass die Opposition zur Organisierung dieser Druckerei einen Block mit bürgerlichen Intellektuellen einging, von denen ein Teil, wie sich zeigte, in direkter Verbindung mit konterrevolutionären Verschwörern stand.

Drittens, dass die Opposition, indem sie bürgerliche Intellektuelle zu sich heranzog und mit ihnen gegen die Partei konspirierte, damit, ohne dass sie es wollte und wünschte, in den Bannkreis der sogenanntewn ´dritten Karft` geriet.

Es zeigte sich, dass die Opposition viel mehr Vertrauen zu diesen bürgerlichen Intellektuellen hat als zu ihrer eigenen Partei. Sonst hätte sie nicht die Freilassung ´aller Verhafteten`gefordert, die im Zusammenhang mit der illegalen Druckerei festgenommen worden sind, einschließlich Schtscherbakow, Twerskoi, Bolschakow und andere, die, wie sich zeigte, Verbindungen mit konterrevolutionären Elementen unterhielten.

Die Opposition wollte eine parteifeindliche illegale Druckerei haben; zu diesem Zweck wandte sie sich um Hilfe an bürgerliche Intellektuelle; ein Teil dieser letzteren nun hatte, wie sich zeigte, Verbindungen mit direkten Konterrevolutionären – eine solche Kette ergab sich, Genossen. An die Opposition heftete sich, ohne dass sie es wollte und wünschte, ein Schwarm sowjetfeindlicher Elemente, die bestrebt sind, die Spalterarbeit der Opposition für ihre Zwecke auszunutzen.

Somit bewahrheitete sich die Voraussage, die Lenin schon auf dem X. Parteitag unserer Partei machte ( siehe Resolution des X. Parteitags ´Über die Einheit der Partei`), wo er sagte, dass die ´dritte Kraft`, das heißt die Bourgeoisie, unbedingt bestrebt sein wird, bei einem Kampf innerhalb unserer Partei ihre Hände im Spiel zu haben, um die Arbeit der Opposition für ihre Klassenziele auszunutzen.

Man sagt, dass konterrevolutionäre Elemente bisweilen auch, ohne dass sie mit der Opposition in irgendeiner Verbindung stehen, in die Sowjetorgane, zum Beispiel an den Fronten, eindringen. Das stimmt. Aber dann werden sie von den Sowjetorganen verhaftet und erschossen. Was aber tat die Opposition? Sie forderte die Freilassung der bei der illegalen Druckerei verhafteten und mit konterrevolutionären Elementen in Verbindung stehenden bürgerlichen Intellektuellen. Das ist das Schlimme, Genossen. Das ist das Resultat, zu dem die Spalterarbeit der Opposition führt. Statt an all diese Gefahren zu denken, statt an den Abgrund zu denken, in den sie sich selbst hineintreiben, verlegen sich unsere Oppositionellen darauf, die Partei zu verleumden, und bemühen sich mit aller Kraft, unsere Partei zu desorganisieren, zu spalten.“ (Stalin, Band 10, Seite 162/163).

Die Spalterarbeit der Opposition führt zu ihrem Zusammenschluss mit bürgerlichen Intellektuellen, der Zusammenschluss mit bürgerlichen Intellektuellen aber erleichtert die Umwucherung der Opposition mit konterrevolutionären Elementen aller Art – das ist die bittere Wahrheit.“ (Stalin, Band 10, Seite 164).

Sie wissen, dass Lenin 1921 vorschlug, Schljapnikow aus dem ZK und aus der Partei auszuschließen, nicht wegen Organisierung einer parteifeindlichen Druckerei, und nicht wegen eines Bündnisses mit bürgerlichen Intellektuellen, sondern schon allein deswegen, weil Schljapnikow sich erdreistet hatte, in einer Parteizelle die Beschlüsse des Obersten Volkswirtschaftsrates zu kritisieren. Vergleichen Sie nun dieses Verhalten Lenins damit, wie die Partei jetzt mit der Opposition verfährt, und Sie werden verstehen, wie nachsichtig wir gegenüber den Desorganisatoren und Spaltern waren.“ (Stalin, Band 10, Seite 165/166).



Stalin, Unterredung mit ausländischen Arbeiterdelegationen, 13. und 15. November 1927:

... dass die besten Druckereien, die besten Verlagshäuser, ganze Fabriken für die Herstellung von Papier und Farben, die für die Presse notwendig sind, riesige Paläste für Versammlungen – dass all dies und vieles andere, was für die Pressefreiheit der Arbeiterklasse notwendig ist, der Arbeiterklasse und den werktätigen Massen voll und ganz zur Verfügung steht. Das eben heißt bei uns Pressefreiheit für die Arbeiterklasse. Bei uns gibt es keine Pressefreiheit für die Bourgeoisie.“ (Stalin, Band 10, Seite 183).

Wir sind ein Land, das von kapitalistischen Staaten umringt ist. Die inneren Feinde unserer Revolution sind eine Agentur der Kapitalisten aller Länder. Die kapitalistischen Staaten stellen die Basis und das Hinterland der inneren Feinde unserer Revolution dar. Indem wir gegen die inneren Feinde kämpfen, führen wir folglich den Kampf gegen die konterrevolutionären Elemente aller Länder.“ (Stalin, Band 10, Seite 206).



Stalin, Die Partei und die Opposition, 24. November 1927:

Das Fiasko der Opposition erklärt sich aus ihrer völligen Losgelöstheit von der Partei, von der Arbeiterklasse, von der Revolution. Die Opposition hat sich als ein Häuflein Intellektueller erwiesen, die sich vom Leben losgelöst, die sich von der Revolution losgelöst haben- hier liegt die Wurzel des schmählichen Fiaskos der Opposition.“ (Stalin, Band 10, Seite 220).

Lenin sagte: Lernt Gruppen, Strömungen, Parteien nicht auf Grund ihrer Versprechungen und ´Plattformen` prüfen, sondern auf Grund ihrer Taten.

Wenn die Opposition ´Plattformen` und Gegenthesen verfasst und zugleich mit großem Stimmaufwand über die Einheit der Partei redet, so ist das Betrug an der Partei, so ist das Pharisäertum, so sind das leere Worte. Wenn aber die Opposition eine neue Partei aufbaut, ein eigenes Zentralkomitee schafft, Gebietsbüros organisiert usw. und damit die Einheit und die proletarische Disziplin unserer Partei untergräbt – so sind das die Taten der Opposition, ihre schwarzen Taten. (...)

Aber wir haben es nicht nur mit der Partei zu tun. Bei uns gibt es noch Klassen, bei uns gibt es noch sowjetfeindliche Elemente. Und diese sowjet-feindlichen Elemente verfolgen das Spiel der Opposition und lernen von ihr, wie man gegen die Partei kämpft, gegen die Sowjetmacht kämpft, gegen unsere Revolution kämpft. Für diese Elemente ist das Parteispielen der Opposition, sind die Angriffe der Opposition gegen die Partei, die sowjetfeindlichen Ausfälle der Opposition eine gewisse Schule, eine gewisse Vorschule für den Kampf gegen die Sowjetmacht, für die Entfesselung der Kräfte der Konterrevolution.

Nicht von ungefähr heftet sich an die Opposition ein Schwarm aller möglichen sowjetfeindlichen Elemente. Das ist das Gefährliche an dem Parteispielen der Opposition. Und eben, weil hier eine ernste Gefahr besteht, eben deshalb kann die Partei diesen sowjetfeindlichen Exerzitien der Opposition nicht gleichgültig zusehen, eben deshalb muss sie ihnen ein für allemal ein Ende bereiten.“ (Stalin, Band 10, Seite 226/227).



Stalin, Der XV. Parteitag der KPdSU (B), 18. Dezember 1927:

c) Die neue Bourgeoisie. Die Intelligenz. Ein charakteristischer Zug der neuen Bourgeoisie ist der, dass sie, im Gegensatz zur Arbeiterklasse und zur Bauernschaft, keinen Grund hat, mit der Sowjetmacht zufrieden zu sein. Ihre Unzufriedenheit ist keine zufällige Erscheinung. Sie hat ihre Wurzeln im Leben.

Ich sprach vorhin über das Wachstum unserer Volkswirtschaft, ich sprach über das Wachstum der Industrie, über das Wachstum der sozialistischen Elemente der Volkswirtschaft, über den Rückgang der relativen Bedeutung des Privatunternehmers, über die Verdrängung der Kleinhändler. Was bedeutet das aber? Das bedeutet, dass, während unsere Industrie und unsere Handelsorgane wachsen, Zehntausende von kleinen und mittleren Kapitalisten ruiniert werden. Wie viele kleine und mittlere Läden sind in diesen Jahren geschlossen worden? Tausende. Und wie viele kleine Industrielle wurden proletarisiert? Tausende. Und wie viele Angestellte wurden beim Personalabbau aus unserem Staatsapparat entlassen? Tausende.

Die Vorwärtsentwicklung unserer Industrie, die Vorwärtsentwicklung unserer Handels- und Genossenschaftsorgane, die Verbesserung unseres Staatsapparates ist eine Vorwärtsentwicklung und eine Verbesserung mit einem Plus für die Arbeiterklasse, mit einem Plus für die Hauptmassen der Bauernschaft, aber mit einem Minus für die neue Bourgeoisie, mit einem Minus für die Mittelschichten überhaupt, für die städtischen Mittelschichten im Besonderen. Ist es da verwunderlich, dass die Unzufriedenheite mit der Sowjetmacht unter diesen Schichten wächst? Daher die konterrevolutionären Stimmungen in diesen Kreisen. Daher die Smena-Wech-Ideologie als Modeware auf dem politischen Markt der neuen Bourgeoisie.

Es wäre jedoch falsch, wollte man glauben, dass die gesamte Angestelltenschaft, die ganze Intelligenz sich in einem Zustand der Unzufriedenheit mit der Sowjetmacht, in einem Zustand des Murrens und der Gärung befindet. Neben steigender Unzufriedenheit innerhalb der neuen Bourgeoisie haben wir die Tatsache, der Differenzierung der Intelligenz, die Tatsache des Abrückens vom Smenowechismus, des Übergangs von Hunderten und Tausenden werktätiger Intellektueller zur Sowjetmacht. Diese Tatsache, Genossen, ist eine zweifellos positive Tatsache, die hervorgehoben werden muss.

Bahnbrecherin ist hier die technische Intelligenz, denn sie, die aufs Engste mit dem Produktionsprozess verknüpft ist, kann nicht umhin zu sehen, dass die Bolschewiki unser Land vorwärtsbringen, die Sache zum Besseren wenden. So gigantische Unternehmungen wie Wolchowstroi, Dnjeprostoi, Swirstroi, die Turkestanische Eisenbahn, der Wolga-Donau-Kanal, jene ganze Reihe neuer gigantischer Betriebe, mit denen das Schicksal ganzer Schichten der technischen Intelligenz verknüpft ist, können nicht ohne einen gewissen wohltuenden Einfluss auf diese Schichten bleiben. Das ist für sie nicht nur eine Brotfrage. Das ist für sie gleichzeitig eine Sache der Ehre, eine Sache des Schöpfertums, die sie auf natürliche Weise der Arbeiterklasse, der Sowjetmacht, näherbringt.

Ich rede schon gar nicht von der werktätigen Intelligenz auf dem Lande, insbesondere von der Dorflehrerschaft, die sich längst der Sowjetmacht zugewandt hat und nicht umhin kann, die Entwicklung des Schulwesens auf dem Lande zu begrüßen.

Deshalb haben wir neben steigender Unzufriedenheit unter gewissen Schichten der Intelligenz die Tatsache des Zusammenschlusses der werktätigen Intelligenz mit der Arbeiterklasse zu verzeichnen.

Die Aufgabe der Partei besteht darin, die auf Isolierung der neuen Bourgeoisie gerichtete Linie fortzusetzen und den Zusammenschluss der Arbeiterklasse mit der sowjetischen werktätigen Intelligenz in Stadt und Land zu festigen.“ (Stalin, Band 10, Seite 275 – 277).

Da haben wir einen Arbeiter, einen Werkzeugschlosser, der auf einen bestimmten Posten im Betrieb befördert wurde, weil er ein fähiger und unbestechlicher Mensch ist. Er arbeitet ein, zwei Jahre, arbeitet ehrlich, schafft Ordnung, beseitigt Misswirtschaft und Verschwendung. Aber dieses sein Wirken berührt die Interessen einer bestimmten trauten Kumpanei von ´Kommunisten`, es stört ihre Ruhe. Und was geschieht? Die traute Kumpanei von ´Kommunisten` wirft ihm Knüppel zwischen die Beine und zwingt ihn auf diese Weise zur ´Rückbeföderung`. ´Du wolltest klüger sein als wir, wolltest nicht, dass wir in Ruhe leben und unser Schäfchen ins Trockene bringen – zurück mit dir, mein Lieber!` (...)

Die Aufgabe der Partei besteht darin, im Kampf gegen den Bürokratismus und für die Verbesserung des Staatsapparats solche Schädlichkeiten, von denen ich eben gesprochen habe, mit glühenden Eisen aus unserer Praxis auszubrennen.

e) Über die Leninsche Losung der Kulturrevolution. Das sicherste Mittel gegen den Bürokratismus ist die Hebung des Kulturniveaus der Arbeiter und Bauern. Man kann den Bürokratismus im Staatsapparat schelten und heruntermachen, soviel man will, man kann den Bürokratismus in unserer Praxis brandmarken und an den Schandpfahl nageln, aber wenn es den breiten Arbeitermassen an einem bestimmten Kulturniveau fehlt, das die Möglichkeit, den Wunsch, die Fähigkeit schafft, den Staatsapparat von unten her, durch die Arbeitermassen selbst zu kontrollieren, dann wird der Bürokratismus trotz alledem bestehen bleiben. Deshalb ist die kulturelle Entwicklung der Arbeiterklasse und der werktätigen Massen der Bauernschaft, nicht nur im Sinne weiterer Entwicklung der Schulbildung, wenn auch die Schulbildung die Grundlage einer jeden Kultiviertheit ist, sondern vor allem im Sinne der Erlangung von Fertigkeiten und der Fähigkeit, sich in die Verwaltung des Landes einzuarbeiten, der Haupthebel zur Verbesserung des staatlichen und jedes anderen Apparats. Darin besteht der Sinn und die Bedeutung der Leninschen Losung von der Kulturrevolution.

Lenin sagte darüber im März 1922 vor Eröffnung unsres XI. Parteitags in seinem an Genossen Molotow adressierten Schreiben an das ZK folgendes:

`Das Wichtigste, was uns fehlt, ist Kultiviertheit, ist die Kunst, zu verwalten ... Ökonomisch und politisch sichert uns die NÖP vollauf die Möglichkeit, das Fundament der sozialistischen Ökonomik zu errichten [hervorgehoben von J. Stalin]. Es kommt ´nur` auf die kulturellen Kräfte des Proletariats und seiner Avantgarde an.`

Diese Worte Lenins dürfen wir nicht vergessen, Genossen. (Zurufe:´Sehr richtig!`)

Daher die Aufgabe der Partei: den Kampf für den kulturellen Aufschwung der Arbeiterklasse und der werktätigen Schichten der Bauernschaft zu verstärken. (Stalin, Band 10, Seite 279/280).

Wir haben gewisse Ansätze des Antisemitismus nicht nur in bestimmten Kreisen der Mittelschichten, sondern auch unter einem gewissen Teil der Arbeiterschaft und sogar an manchen Stellen in unserer Partei. Gegen dieses Übel müssen wir, Genossen, mit aller Unerbittlichkeit ankämpfen.

Wir haben ferner ein solches Minus wie die Abschwächung des antireligiösen Kampfes.

Wir haben schließlich eine schreckliche kulturelle Rückständigkeit, nicht nur im weiteren Sinne dieses Wortes, sondern auch im engeren Sinne, im Sinne der elementaren Schulbildung, denn der Prozentsatz der Analphabeten ist in der UdSSR immer noch nicht gering.

Alle diese und ähnliche Mängel, Genossen, müssen beseitigt werden, wenn wir in mehr oder weniger beschleunigtem Tempo vorwärtsschreiten wollen.“ (Stalin, Band 10, Seite 281).

Kurz erwähnen möchte ich drei Ernennungen, die sehr bezeichnend sind. Sie wissen, dass zum Vorsitzenden des Obersten Volkswirtschaftsrates der RSFSR Lobow ernannt worden ist. Er ist Metallarbeiter. Sie wissen, dass zum Vorsitzenden des Moskauer Sowjets an Stelle von Kamenew der Metallarbeiter Uchanow gewählt worden ist. Sie wissen ferner, dass zum Vorsitzenden des Leningrader Sowjets an Stelle von Sinowjew ebenfalls ein Metallarbeiter, Komarow, gewählt worden ist. Also bei uns sind die ´Lord-Mayors`beider Hauptstädte Metallarbeiter. (Beifall.) Allerdingssind sie keine Adligen, aber sie leiten die Wirtschaft der Hauptstädte besser als irgendein Adliger. (Beifall.) Sie werden sagen, das sei eine Tendenz zur Metallisierung. Ich glaube, daran ist nichts Schlechtes. (Zurufe: ´Im Gegenteil, das ist sehr gut!`)

Wünschen wir den kapitalistischen Ländern, wünschen wir London, wünschen wir Paris, dass sie uns endlich einholen und ihre Metallarbeiter zu ´Lord-Mayors` machen. (Beifall.); (Stalin, Band 10, Seite 282).

Man schwätzt über Demokratie. Aber was ist die Demokratie in der Partei? Eine Demokratie für wen? Versteht man unter Demokratie die Freiheit für ein paar von der Revolution losgelöste Intellektuelle, ohne Ende zu schwätzen, ein eigenes Presseorgan zu besitzen usw., so brauchen wir eine solche ´Demokratie` nicht, denn sie ist eine Demokratie für eine verschwindende Minderheit, die den Willen der großen Mehrheit durchbricht. Versteht man dagegen unter Demokratie die Freiheit für die Parteimassen, über die Fragen unseres Aufbaus zu entscheiden, den Aufschwung der Aktivität der Parteimassen, ihre Heranziehung zur Führung der Partei, die Entwicklung ihres Gefühls, Herr in der Partei zu sein, so haben wir eine solche Demokratie, wir brauchen sie, und wir werden sie unbeirrbar weiterentwickeln, was auch kommen mag. (Beifall.)“ ; (Stalin, Band 10, Seite 284).

Wenn wir Bolschewiki, die alle Welt kritisieren, die, um mit Marx zu reden, den Himmel stürmen, wenn wir um der Ruhe dieser oder jener Genossen willen auf Selbstkritik verzichten – ja, ist es da nicht klar, dass wir nichts als den Untergang unserer großen Sache zu erwarten hätten? (Zurufe: ´Sehr richtig!` Beifall.)

Marx sagte, die proletarische Revolution unterscheidet sich unter anderem dadurch von jeder anderen Revolution, dass sie sich selbst kritisiert und sich durch die Selbstkritik stärkt. Das ist ein sehr wichtiger Hinweis von Marx. Wenn wir, die Vertreter der proletarischen Revolution, vor unseren Mängeln die Augen verschließen, wenn wir Fragen auf familiäre Art entscheiden, unsere Fehler gegenseitig decken und die Krankheit in das Innere unseres Parteiorganismus treiben – wer wird dann diese Fehler, diese Mängel korrigieren?

Ist es nicht klar, dass wir aufhören würden, proletarische Revolutionäre zu sein, und dass wir dem sicheren Untergang verfallen würden, wenn wir nicht aus unserer Mitte dieses Spießertum, diese Vetternwirtschaft bei der Entscheidung wichtiger Fragen unseres Aufbaus ausmerzten?“ (Stalin, Band 10, Seite 286).

Niemals, solange es Klassen gibt, wird sich ein Zustand herbeiführen lassen, wo man wird sagen können: Nun, Gott sei Dank, jetzt ist alles gut. Niemals wird das bei uns der Fall sein, Genossen. Stets wird bei uns im Leben irgend etwas absterben. Was aber stirbt, will nicht einfach sterben, sondern es kämpft um seine Existenz, es verteidigt seine überlebte Sache.

Stets wird bei uns im Leben irgend etwas Neues geboren. Was aber geboren wird, wird nicht einfach geboren, sondern es kreischt, es schreit, es verteidigt sein Recht auf Existenz. (Zurufe: ´Sehr richtig!` Beifall.)

Kampf zwischen dem Alten und dem Neuen, zwischen dem Absterbenden und dem zur Welt Kommenden – das ist die Grundlage unserer Entwicklung. Wenn wir nicht offen und ehrlich, wie es Bolschewiki geziemt, die Fehler und Mängel unserer Arbeit feststellen und aufdecken, dann versperren wir uns selbst den Weg nach vorn. Wir wollen aber vorwärtsschreiten. Und gerade, weil wir vorwärtsschreiten wollen, müssen wir die ehrliche und revolutionäre Selbstkritik zu einer unserer wichtigsten Aufgaben machen. Ohne das gibt es keinen Vormarsch. Ohne das gibt es keine Entwicklung.“ (Stalin, Band 10, Seite 287).

Sie [einige unserer Genossen] rudern rechtschaffen, unermüdlich, sie gleiten glatt dahin, sie überlassen sich der Strömung, aber wohin sie getrieben werden, das wissen sie nicht und wollen sie nicht einmal wissen. Eine Arbeit ohne Perspektive, eine Arbeit ohne Steuer und Segel – dazu führt der Wunsch, unbedingt mit der Strömung zu schwimmen.

Und die Resultate? Die Resultate sind klar: Zuerst schimmeln sie an, dann werden sie ganz grau, dann bleiben sie im Schlamm des Spießertums stecken und schließlich verwandeln sie sich in echte Spießer. Das ist der Weg wirklicher Entartung. Da haben Sie, Genossen, einige Mängel in unserer Parteipraxis und unserem Parteileben, von denen ich Ihnen ein paar bittere Worte sagen wollte.“ (Stalin, Band 10, Seite 289).

Wenn die Diskussion im Rahmen der Kameradschaftlichkeit, im Parteirahmen geführt wird, wenn sie sich ehrliche Selbstkritik, wenn sie sich die Kritik der Parteimängel zum Ziel setzt, wenn sie also unser Werk bessert und die Arbeiterklasse wappnet, dann ist eine solche Diskussion notwendig und nützlich.

Es gibt aber auch eine anders geartete Diskussion, die sich nicht die Besserung unseres gemeinsamen Werkes zum Ziel setzt, sondern seine Verschlechterung, nicht die Stärkung unserer Partei, sondern ihre Zersetzung und Diskreditierung. Eine solche Diskussion führt gewöhnlich nicht dazu, das Proletariat zu wappnen, sondern es zu entwaffnen“ (Stalin, Band 10, Seite 290).

Wie konnte es kommen, dass die Partei in ihrer Gesamtheit und mit ihr die Arbeiterklasse die Opposition so unsanft isoliert hat? Dort, an der Spitze der Opposition, stehen doch bekannte Leute mit Namen, Leute, die es verstehen, Reklame für sich zu machen (Zurufe: ´Sehr richtig!`), Leute, die nicht an Bescheidenheit kranken (Beifall), die es verstehen, sich anzupreisen und die Ware von der vorteilhaften Seite zu zeigen.

Das geschah deshalb, weil die führende Gruppe der Opposition sich als eine Gruppe kleinbürgerlicher Intellektueller entpuppte, losgerissen vom Leben, losgerissen von der Revolution, losgerissen von der Partei, von der Arbeiterklasse. (Zurufe: ´Sehr richtig!` Beifall.)

Ich sprach vorhin über die Erfolge unserer Arbeit, über unsere Errungenschaften auf dem Gebiet der Industrie, auf dem Gebiet des Handels, auf dem Gebiet der gesamten Wirtschaft, auf dem Gebiet der Außenpolitik. Aber die Opposition kümmert sich nicht um diese Errungenschaften. Sie sieht sie nicht oder will sie nicht sehen. Sie will diese Erfolge nicht sehen, teilweise aus Ignoranz, teilweise kraft einer gewissen Halsstarrigkeit vom Leben losgerissenner Intellektueller.“ (Stalin, Band 10, Seite 292).

Rütteln Sie unsere Opposition tüchtig, schütteln Sie ihr die revolutionäre Phraseologie ab – und Sie werden sehen, wie bei ihr das Kapitulantentum zum Vorschein kommt. (Beifall.)“; (Stalin, Band 10, Seite 297).

Sie werden sagen: Wie konnte bei uns eine solche Opposition aufkommen, wo sind ihre sozialen Wurzeln? Ich glaube, die sozialen Wurzeln der Opposition liegen im Ruin der kleinbürgerlichen Stadtschichten angesichts unserer Entwicklung, in der Unzufriedenheit dieser Schichten mit dem Regime der Diktatur des Proletariats, in dem Sterben dieser Schichten nach Änderung dieses Regimes, nach seiner ´Verbesserung` im Geiste der Einführung der bürgerlichen Demokratie.

Ich habe bereits gesagt, dass infolge unseres Vormarsches, infolge des Wachstums unserer Idustrie, infolge des steigenden Anteils der sozialistischen Wirtschaftsformen ein Teil der Kleinbourgeoisie, besonders der städtischen Bourgeoisie, ruiniert wird und untergeht. Die Opposition widerspiegelt das Murren und die Unzufriedenheit dieser Schichten mit dem Regime der proletarischen Revolution. Da stecken die sozialen Wurzeln der Opposition.“ (Stalin, Band 10, Seite 301).

Glaubt man denn wirklich, wir Bolschewiki, die wir den Adelsstand mit den Wurzeln ausgerodet haben, würden ihn jetzt in unserer Partei wieder herstellen? (Beifall.)“; (Stalin, Band 10, Seite 304).

Wenn die Opposition die Waffen streckt – gut. Wenn sie nicht die Waffen strecken will – dann werden wir sie selbst entwaffnen. (Zurufe: ´Sehr richtig!` Beifall.)“; (Stalin, Band 10, Seite 320).

Geht man die Geschichte unserer Partei durch, so wird einem klar, dass jedesmal bei bestimmten Wendungen unserer Partei ein gewisser Teil der alten Führer aus dem Wagen der bolschewistischen Partei hinauskippte und neuen Leuten Platz machte. Eine Wendung ist eine ernste Sache, Genossen Eine Wendung ist gefährlich für Leute, die im Parteiwagen nicht fest sitzen. Bei einer Wendung kann nicht jeder das Gleichgewicht behalten. Man macht mit dem Wagen eine Wendung, man sieht sich um, und einer oder der andere ist aus ihm hinausgekippt. (Beifall.)“ ; Stalin, Band 10, Seite 321).



Stalin, Die ersten Ergebnisse der Beschaffungskampagne, 13. Februar, 1928:

8. Was die Selbstbesteuerung anbetrifft, ist die Progression der Besteuerung der kulakischen und wohlhabenden Schichten des Dorfes im Vergleich zur landwirtschaftlichen Steuer zu erhöhen. Für die ärmsten Schichten des Dorfes ist eine Befreiung von der Selbstbesteuerung und für die wirtschaftlich schwächeren Mittelbauern und die Familien der Rotarmisten sind Erleichterungen zu gewährleisten. Die Kampagne für die Selbstbesteuerung ist überall zu entfalten, wobei die gesellschaftliche Initiative zu heben ist und die Dorfarmut, der Kommunistische Jugendverband, Frauendelegierte und die Dorfintelligenz hierzu auf breiter Grundlage heranzuziehen sind.“ (Stalin, Band 11, Seite 17).



Stalin, Über die Arbeiten des vereinigten Aprilplenums des ZK und der ZKK, 18. April, 1928:

Sie müssen wissen, dass die Arbeiter sich manchmal scheuen, die Wahrheit über die Mängel unserer Arbeit auszusprechen. Sie scheuen sich nicht nur, weil sie deswegen etwas ´abbekommen` können, sondern auch, weil man sich wegen einer unvollkommenen Kritik über sie ´lustig machen` kann. Wie sollte auch der einfache Arbeiter oder der einfache Bauer, der die Mängel unserer Arbeit und unserer Planung am eigenen Leibe spürt, seine Kritik nach allen Regeln der Kunst begründen können? Wenn Sie von ihnen eine hundertprozentig richtige Kritik verlangen, dann machen Sie damit die Möglichkeit jeder Kritik von unten, die Möglichkeit jeder Selbstkritik zunichte. Darum denke ich, dass man auch eine Kritik, die 5 – 10 Prozent Wahrheit enthält, begrüßen, sie aufmerksam anhören und ihren gesunden Kern berücksichtigen müssen. Sonst müssten Sie, wie gesagt, all den Hunderten und Tausenden dem Sowjetregime treu ergebenen Menschen den Mund verschließen, die in der Kritik noch nicht genügend erfahren sind, aus deren Mund aber die Wahrheit selbst spricht. (...) Die Kritik eines Konterrevolutionärs ist ebenfalls Kritik. Aber sie bezweckt die Diffamierung der Sowjetmacht, die Untergrabung unserer Industrie und die Desorganisierung unserer Parteiarbeit.“ (Stalin, Band 11, Seite 30 und 31).

Um zu führen, muss man voraussehen können.. Aber voraussehen, Genossen, ist nicht immer leicht.

Eine Sache ist es, wenn ein, zwei Dutzend führender Genossen um sich schauen und die Mängel in unserer Arbeit bemerken, die Arbeitermassen aber weder um sich schauen noch die Mängel bemerken wollen oder können. Hier bestehen alle Aussichten, dass ganz bestimmt mancherlei übersehen, nicht alles bemerkt wird. Etwas anderes ist es, wenn zusammen mit ein, zwei Dutzend führender Genossen Hunderttausende und Millionen Arbeiter um sich schauen und die Mängel in unserer Arbeit bemerken, unsere Fehler aufdecken, sich aktiv in das allgemeine Aufbauwerk einschalten und Wege zur Verbesserung dieses Werks aufzeigen. Dann ist eher die Gewähr gegeben, dass es keine Überraschungen geben wird, dass negative Erscheinungen rechtzeitig erkannt und rechtzeitig Maßnahmen zur Beseitigung dieser Erscheinungen ergriffen werden.“ (Stalin, Band 11, Seite 32).

Das aber stärkt bei den Arbeitern das Gefühl, Herr im Lande zu sein, hebt ihre Aktivität, ihre Wachsamkeit und ihr kulturelles Niveau.

Die Frage der kulturellen Kräfte der Arbeiterklasse ist eine der entscheidenden Fragen. Warum? Weil von allen herrschenden Klassen, die es bisher gegeben hat, die Arbeiterklasse als herrschende Klasse in der Geschichte eine gewisse – und nicht ganz günstige – Sonderstellung einnimmt. Alle herrschenden Klassen, die es bisher gegeben hat – die Sklavenhalter, die Grundherren, die Kapitalisten -, waren gleichzeitig Klassen der Reichen. Sie hatten die Möglichkeit, ihren Kindern die für die Verwaltung notwendigen Kenntnisse und Fertigkeiten zu vermitteln. Die Arbeiterklasse unterscheidet sich von ihnen unter anderem dadurch, dass sie keine reiche Klasse ist, dass sie früher nicht die Möglichkeit hatte, ihren Kindern die für die Verwaltung notwendigen Kenntnisse und Fertigkeiten zu vermitteln, sie hat diese Möglichkeiten erst jetzt, nach ihrem Machtantritt erhalten.

Eben hieraus ergibt sich unter anderem die Dringlichkeit, die der Frage der Kulturrevolution bei uns zukommt. Deshalb muss jedes Mittel, das den Entwicklungsstand der kulturellen Kräfte der Arbeiterklasse heben kann, jedes Mittel, das in der Arbeiterklasse die Ausbildung der Fertigkeiten und des Könnens, die zur Verwaltung des Landes, der Industrie notwendig sind, erleichtern kann – muss ein jedes derartiges Mittel von uns restlos ausgenutzt werden.

Aus dem Gesagten geht jedoch hervor, dass die Losung der Selbstkritik eins der wichtigsten Mittel ist, um die kulturellen Kräfte des Proletariats zu entfalten und in der Arbeiterklasse die zur Verwaltung notwendigen Fertigkeiten auszubilden.“ (Stalin, Band 11, Seite 34).

Gibt es bei uns überhaupt Gruppen bürgerlicher Spezialisten, die sich zu einer ökonomischen Intervention, zur Untergrabung der Sowjetmacht bereit finden? Ich glaube, es gibt sie. Ich glaube nicht, dass es viele sein können. Dass es aber bei uns einige unbedeutende Gruppen konterrevolutionärer bürgerlicher Spezialisten gibt, deren Zahl viel geringer ist als während der militärischen Intervention – darüber kann es keinen Zweifel geben.“ (Stalin, Band 11, Seite 51).

Man sagt, es sei den Kommunisten, besonders aber den kommunistischen Wirtschaftlern, die aus den Reihen der Arbeiter kommen, unmöglich, chemische Formeln zu bewältigen und überhaupt sich technische Kenntnisse anzueignen. Das ist nicht richtig, Genossen. Es gibt keine Festung auf der Welt, die die Werktätigen, die Bolschewiki nicht nehmen könnten. (Beifall.) Wir haben in unserm Kampf gegen die Bourgeoisie schon ganz andere Festungen genommen. Alles kommt darauf an, dass man den Wunsch hat, sich technische Kenntnisse anzueignen, und dass man sich mit Beharrlichkeit und bolschewistischer Geduld wappnet. Um aber die Arbeitsbedingungen unserer Wirtschaftskader zu ändern und ihnen zu helfen, wirkliche und vollberechtigte Meister ihres Faches zu werden, ist es notwendig, die alten Musterrichtlinien aufzuheben und sie durch neue zu ersetzen. Andernfalls laufen wir Gefahr, dass unsere Kader verkümmern.

Waren etwa manche unserer Wirtschaftler, die jetzt heruntergekommen sind, früher schlechter als irgend jemand von uns? Wodurch ist es zu erklären, dass solche und ähnliche Genossen auf die schiefe Ebene kamen und sich zu zersetzen begannen, dass sie die Lebensweise der bürgerlichen Spezialisten annahmen? Das erklärt sich aus unserer falschen Wirtschaftspraxis, das erklärt sich aus der Art der Auswahl unserer Wirtschaftsfunktionäre und aus den Bedingungen ihrer Arbeit, die ihre Entwicklung erschweren, die sie in ein Anhängsel der bürgerlichen Spezialisten verwandeln. Mit einer solchen Praxis muss Schluss gemacht werden, Genossen.

Die zweite Schlussfolgerung, die uns die Schachty-Affäre signalisiert, besteht darin, dass wir die Kader in unseren technischen Hochschulen schlecht unterrichten, dass wir unsere roten Spezialisten schlechter ausbilden. Das ist eine Schlussfolgerung, um die wir auf keinen Fall herumkommen. Warum sind zum Beispiel viele unserer jungen Spezialisten ihren Aufgaben nicht gewachsen, warum taugen sie nicht für die Industrie? Weil sie nur aus Büchern gelernt haben, weil sie Spezialisten nur mit Bücherweisheiten sind, weil sie keine praktischen Erfahrungen haben, weil sie von der Produktion losgelöst sind und daher natürlich Schiffbruch erleiden. Brauchen wir aber etwa solche Spezialisten? Nein, nicht solche Spezialisten brauchen wir, mögen sie zehnmal junge Spezialisten sein. Wir brauchen Spezialisten – ganz gleich, ob Kommunisten oder nicht Kommunisten -, die nicht nur in der Theorie stark sind, sondern auch praktische Erfahrungen haben und mit der Produktion verbunden sind.

Der junge Spezialist, der noch keine Grube gesehen hat und in keine Grube hinuntersteigen will, der junge Spezialist, der noch keine Fabrik gesehen hat und sich in keiner Fabrik schmutzig machen will, ein solcher Spezialist wird nie mit den alten, in der praktischen Erfahrung gestählten, aber unserer Sache feindlich gegenüberstehenden Spezialisten fertig werden. Es ist darum leicht zu erklären, dass nicht nur die alten Spezialisten und nicht nur unsere Wirtschaftler, sondern auch die Arbeiter solchen jungen Spezialisten nicht selten feindlich begegnen. Damit es aber solche Überraschungen mit den jungen Spezialisten nicht mehr gibt, muss ihre Ausbildung geändert werden, und zwar so geändert werden, dass die jungen Spezialisten gleich von ihren ersten Studienjahren in den technischen Hochschulen an mit der Produktion, mit der Fabrik, mit der Grube usw. unlöslich verbunden sind.“ (Stalin, Band 11, Seite 53/54).



Stalin, Rede auf dem VIII. Kongress des Kommunistischen Jugendverbands, 17. Mai 1928:

Wir sind in diesen 5 Jahren glatt vorangekommen, wie auf Schienen. Im Zusammenhang damit ist bei einer Reihe unserer Funktionäre die Stimmung aufgekommen, alles werde wie geölt gehen, wir säßen sozusagen in einem Extrazug und führen, ohne umzusteigen, direkt in den Sozialismus hinein.(...)

Worin besteht die Gefahr solcher Stimmungen? Darin, dass sie der Arbeiterklasse den Blick trüben, sie hindern, ihre Feinde zu erkennen, dass die Arbeiterklasse mit prahlerischen Reden über die Schwäche unserer Feinde eingelullt und ihre Kampfbereitschaft geschwächt wird. (...) Die Geschichte lehrt, dass die größten Armeen zu Grunde gingen, wenn sie überheblich werden, zu sehr auf die eigenen Kräfte vertrauten, die Kraft der Feinde zuwenig in Rechnung stellten, sich dem Schlummer hingaben, die Kampfbereitschaft einbüßten und im kritischen Moment überrumpelt wurden.“ (Stalin, Band 11, Seite 60/61). „Davon zeugt die Schachty-Affäre, die ein Ausdruck ist für das gemeinsame Vorgehen des internationalen Kapitals und der Bourgeoisie unseres Landes gegen die Sowjetmacht. (...) Man darf über diese Feinde der Arbeiterklasse nicht schweigen. Die Kräfte der Klassenfeinde der Arbeiterklasse zu unterschätzen ist ein verbrechen. Man darf über all das nicht schweigen, besonders jetzt, in der Periode unserer friedlichen Entwicklung, da die Schlummertheorie, die Theorie des `Selbstlaufs`, die die Kampfbereitschaft der Arbeiterklasse schwächt, einen verhältnismäßig günstigen Boden findet“ (Stalin, Band 11, Seite 62).

Wenn man von Bürokraten spricht, so weist man in der Regel mit dem Finger auf die alten parteilosen Beamten, die in unseren Karrikaturen gewöhnlich als Leute mit einer Brille dargestellt werden. (Heiterkeit.) Das ist nicht ganz richtig, Genossen. Wenn es sich nur um die alten Bürokraten handelte, so wäre der Kampf gegen den Bürokratismus die leichteste Sache der Welt. Das Schlimme ist, dass es sich nicht um die alten Bürokraten handelt. Es handelt sich um die neuen Bürokraten, Genossen, es handelt sich um Bürokraten, die mit der Sowjetmacht sympathisieren, es handelt sich schließlich um Bürokraten aus den Reihen der Kommunisten. Der kommunistische Bürokrat ist der gefährlichste Typ des Bürokraten. Warum? Weil er seinen Bürokratismus mit seiner Parteimitgliedschaft maskiert. Und solche kommunistischen Bürokraten gibt es bei uns leider nicht wenig.“ (Stalin, Band 11, Seite 63).

Menschen, die gern aufbauen und den Aufbau leiten möchten, haben wir zur Genüge, sowohl auf dem Gebiet der Landwirtschaft als auch auf dem Gebiet der Industrie. Aber Menschen, die aufzubauen und zu leiten verstehen, haben wir unerhört wenig. Im Gegenteil, Ignorantentum auf diesem Gebiet gibt es bei uns noch und nöcher. Mehr als das, es gibt bei uns Leute, die bereit sind, unsere kulturelle Rückständigkeit zu verherrlichen. Bist du Analphabet oder schreibst du falsch und brüstest dich mit deiner Rückständigkeit, so bist du ein Arbeiter ´von der Werkbank`, so genießt du Ehre und Achtung. Hast du aber die kulturelle Rückständigkeit überwunden, hast du lesen und schreiben gelernt, hast du die Wissenschaft gemeistert, so bist du ein Fremdling, so hast du dich von den Massen ´losgelöst`, hast aufgehört, ein Arbeiter zu sein.

Ich denke, dass wir nicht einen Schritt vorwärtskommen werden, solange wir diese Barbarei und Wildheit, diese barbarische Einstellung zur Wissenschaft und zu gebildeten Menschen nicht ausgemerzt haben. Die Arbeiterklasse kann nicht zum wirklichen Herrn des Landes werden, wenn sie es nicht versteht, ihre kulturelle Rückständigkeit zu überwinden, wenn sie es nicht versteht, eine eigene Intelligenz heranzubilden, wenn sie die Wissenschaft nicht meistert und wenn sie es nicht versteht, die Wirtschaft auf wissenschaftlichen Grundlagen zu leiten. (...)

Um aufzubauen, muss man etwas wissen, muss man die Wissenschaft meistern. Um aber etwas zu wissen, muss man lernen. Beharrlich, geduldig lernen. Bei allen lernen – sowohl bei den Feinden als auch bei den Freunden, besonders bei den Feinden. Lernen mit zusammengebissenen Zähnen, ohne Furcht, dass die Feinde über uns, über unsere Unwissenheit, über unsere Rückständigkeit lachen werden.

Vor uns steht eine Festung. Ihr Name, der Name dieser Festung, ist Wissenschaft mit ihren zahlreichen Wissenszweigen. Diese Festung müssen wir um jeden Preis nehmen. Diese Festung muss die Jugend nehmen, wenn sie der Erbauer eines neuen Lebens sein, wenn sie zu einem wirklichen Nachwuchs der alten Garde werden will. Wir können uns jetzt nicht auf die Heranbildung kommunistischer Kader überhaupt, bolschewistischer Kader überhaupt beschränken, die über alles ein wenig zu schwätzen verstehen. Dilettantismus und Alleswisserei sind jetzt Fesseln für uns. Was wir jetzt brauchen, sind bolschewistische Spezialisten für die Metallindustrie, die Textilindustrie, die Brennstoffindustrie, für Chemie, für die Landwirtschaft, das Verkehrswesen, den Handel, für Buchhaltung usw. usf. Wir brauchen jetzt ganze Gruppen, Hunderte und Tausende neuer Kader aus den Reihen der Bolschewiki, die auf den verschiedensten Wissensgebieten ihr Fach beherrschen. Ohne das kann von einem schnellen Tempo des sozialistischen Aufbaus in unserem Lande gar keine Rede sein. Ohne das kann gar keine Rede davon sein, dass wir die fortgeschrittenen kapitalistischen Länder werden einholen und überholen können.

Die Wissenschaft meistern, neue Kader bolschewistischer Spezialisten in allen Wissenszweigen schmieden, lernen, lernen, mit größter Beharrlichkeit lernen – das ist jetzt die Aufgabe.

Ein Massenfeldzug der revolutionären Jugend für die Meisterung der Wissenschaft – das ist es, was wir jetzt brauchen, Genossen. (Stürmischer Beifall, Rufe: ´Hurra!`, ´Bravo!` Alle erheben sich von ihren Plätzen.)“; (Stalin, Band 11, Seite 68/69).



Stalin, An die „Komsomolskaja Prawda“, 26. Mai 1928:

Die Stärke unserer Revolution besteht darin, dass es bei uns keine Kluft zwischen der alten und der neuen Generation der Revolutionäre gibt. Wir siegen deshalb, weil die alte und die junge Garde bei uns gemeinsam marschieren, in einer einheitlichen Front, in einem Glied sowohl gegen die inneren als auch gegen die äußeren Feinde.“ (Stalin, Band 11, Seite 70).



Stalin, An die Swerdlow-Universität, 27. Mai 1928:

Die Arbeiterfunktionäre der Partei lehren, die wissenschaftliche Methode von Marx und Lenin zu meistern und sie beim sozialistischen Aufbau richtig anzuwenden – das ist die Aufgabe, die die Swerdlow-Universität in Ehren erfüllt hat, erfüllt und erfüllen wird.“ (Stalin, Band 11, Seite 71).



Stalin, An die Mitglieder des Politbüros des ZK, 20. Juni 1928:

Wir sind es gewöhnt, aus dem Munde der Oppositionellen intelligenzlerisches Gejammer über einen ´Untergang` der UdSSR zu hören. Steht es aber Frumkin an, sich an der Opposition ein Beispiel zu nehmen?“ (Stalin, Band 11, Seite 104).

Sein Fehler besteht darin, dass er das Neue nicht begreift.“ (Stalin, Band 11, Seite 112).

Wer das Bündnis mit dem Mittelbauern festigen will, der kann nicht eine Abschwächung des Kampfes gegen das Kulakentums fordern.

Die Sicherung des festen Bündnis mit dem Mittelbauern ist eine überaus wichtige Aufgabe unserer Partei. Dieses Bündnis können wir aber nur sichern, wenn wir einen entschiedenen Kampf gegen das Kulakentum führen, wenn wir die Dorfarmut zu einer Stütze des Proletariats auf dem Lande machen, schließlich, wenn wir bereit sind und es verstehen, zu einer dauerhaften Verständigung mit dem Mittelbauern zu kommen, zu einer Verständigung, die dazu angetan ist, das Bündnis mit dem Mittelbauern zu festigen und die Positionen des Proletariats im Kampf für den sozialistischen Aufbaus zu stärken.“ (Stalin, Band 11, Seite 112).



Stalin, Gegen die Vulgarisierung der Losung der Selbstkritik, 26. Juni 1928:

Die einen meinen, wenn einmal Selbstkritik vorhanden ist, dann braucht man keine Arbeitsdisziplin, dann könne man die Arbeit im Stich lassen und sich mit Geschwätz über alle möglichen Dinge befassen.Das wäre keine Selbstkritik, sondern eine Verhöhnung der Arbeiterklasse. Selbstkritik ist notwendig, nicht um die Arbeitsdisziplin zu zerstören, sondern um sie zu festigen, um sie zu einer bewussten Arbeitsdisziplin zu machen, die der kleinbürgerlichen Schlamperei zu widerstehen vermag.“ (Stalin, Band 11, Seite 118).

Es ist schließlich notwendig, hervorzuheben, dass bei einer ganzen Reihe unserer Organisationen eine bestimmte Neigung besteht, die Selbstkritik in eine Hetze gegen unsere Wirtschaftler zu verwandeln, sie zur Diskreditierung der Wirtschaftler in den Augen der Arbeiterklasse auszunutzen. (...) Ist es denn schwer zu verstehen dass wir die Selbstkritik nicht zu einer Hetze gegen die Wirtschaftskader, sondern zu ihrer Verbesserung und Stärkung brauchen? (...) Kritisiert die Mängel unseres Aufbaus, aber diskreditiert nicht die Losung der Selbstkritik und verwandelt sie nicht in eine Garküche zur Zubereitung billiger Sensationen. (...)

Und die Hauptsache: Ersetzt die Massenkritik von unten nicht durch ´kritisches` Wortgeprassel von oben, gebt den Massen der Arbeiterklasse die Möglichkeit, ihre Aktivität zu entfalten und zur Behebung unserer Mängel, zur Verbesserung unseres Aufbaus ihre schöpferische Initiative zu offenbaren.“ (Stalin, Band 11, Seite 122).



Stalin, Über die Ergebnisse des Juliplenums des ZK der KPdSU (B), 14. Juli 1928:

Gehen wir nunmehr zur Frage der Heranbildung neuer Kader der technischen Intelligenz für unsere Industrie über. Es handelt sich um unsere Schwierigkeiten auf dem Gebiet der Industrie, um Schwierigkeiten, die im Zusammenhang mit der Schachty-Affäre zu Tage getreten sind.

Worin besteht, unter dem Gesichtswinkel der Besserung der Lage in der Industrie, das Wesen der Schachty-Affäre? Das Wesen und die Bedeutung der Schachty-Affäre bestehen darin, dass wir, was die Heranbildung eines bestimmten Minimums der Sache der Arbeiterklasse ergebener Spezialisten für unsere Industrie betrifft, uns als nahezu ungerüstet und völlig rückständig, als schändlich rückständig erwiesen haben. Die Lehre, die sich aus der Schachty-Affäre ergibt, besteht darin, dass das Tempo der Ausbildung, der Heranbildung einer neuen technischen Intelligenz aus Angehörigen der Arbeiterklasse, die der Sache des Sozialismus ergeben sind und die die technische Leitung unserer sozialistischen Industrie zu übernehmen vermögen, beschleunigt werden muss.

Das bedeutet nicht, dass wir die Spezialisten, die nicht sowjetisch denken oder die keine Kommunisten sind, die aber bereit sind, mit der Sowjetmacht zusammenzuarbeiten, von uns stoßen. Nein, das bedeutet es nicht. Wir werden auch weiterhin mit allen Mitteln, mit aller Kraft parteilose Spezialisten, parteilose Techniker heranziehen, die bereit sind, beim Aufbau unserer Industrie mit der Sowjetmacht Hand in Hand zu arbeiten. Wir verlangen durchaus nicht, dass sie sogleich ihre sozialen und politischen Anschauungen abschwören oder sie sofort ändern. Wir verlangen nur das eine – dass sie ehrlich mit der Sowjetmacht zusammenarbeiten, wenn sie sich einmal freiwillig dazu bereit erklärt haben.

Die Sache ist aber die, dass die Zahl dieser alten Spezialisten, die bereit sind, mit der Sowjetmacht Hand in Hand zu arbeiten, relativ immer geringer werden. Die Sache ist die, dass es unbedingt notwendig ist, für sie eine aus jungen Spezialisten bestehende Ablösung zu schaffen. Und die Partei ist nun der Auffassung, dass diese Ablösung in beschleunigtem Tempo geschaffen werden muss, wenn wir nicht neue Überraschungen erleben wollen, und dass sie aus den Reihen der Arbeiterklasse, aus der Mitte der Werktätigen hervorgehen muss. Das eben heißt eine neue technische Intelligenz heranbilden, die fähig ist, den Bedürfnissen unserer Industrie gerecht zu werden.

Die Tatsache hat gezeigt, dass das Volkskommissariat für Bildungswesen mit dieser wichtigen Aufgabe nicht fertiggeworden ist. Wir haben in Anbetracht seiner Trägheit und seines Konservatismus keinen Grund zu der Annahme, dass es, auf sich selbst gestellt und zudem noch mit der Produktion wenig verbunden, in nächster Zukunft mit dieser Aufgabe fertigwerden wird. Daher ist die Partei zu dem Schluss gekommen, dass die Arbeit zur beschleunigten Heranbildung einer neuen technischen Intelligenz auf drei Volkskommissariate verteilt werden muss: auf das Volkskommissariat für Bildungswesen, den Obersten Volkswirtschaftsrat und das Volkskommissariat für Verkehrswesen. Die Partei ist der Auffassung, dass dies der zweckmäßigste Weg ist, um in dieser wichtigen Angelegenheit das notwendige Arbeitstempo zu sichern. Daher die Unterstellung einiger technischer Hochschulen unter die Zuständigkeit des Obersten Volkswirtschaftsrats und des Volkskommissariats für Verkehrswesen.

Das bedeutet natürlich nicht, dass die Aufgabe der beschleunigten Heranbildung neuer Kader der technischen Intelligenz in dieser Unterstellung der technischen Hochschulen erschöpft wäre. Ohne Zweifel muss auch die materielle Sicherstellung der Studierenden dabei eine große Rolle spielen. Daher hat die Sowjetmacht die Ausgaben für die Ausbildung neuer Kader anteilsmäßig für industrielle Neubauten gleichgesetzt und beschlossen, dafür jährlich über 40 Millionen Rubel zusätzlich bereitzustellen.“ (Stalin, Band 11, Seite 191/192).



Stalin, Dem Andenken des Genossen I. I. Skworzow-Stepanow, 9. Oktober, 1928:

Der Tod hat einen standhaften und festen Leninisten, Mitglied des ZK unserer Partei, Genossen Skworzow-Stepanow, aus unseren Reihen gerissen.

Jahrzehntelang kämpfte Genosse Skworzow-Stepanow in unseren Reihen und erfuhr alle Unbill, die das Leben eines Berufsrevolutionärs mit sich bringt. Viele tausend Genossen kennen ihn als einen der ältesten und populärsten marxistischen Schriftsteller. Sie kennen ihn auch als aktiven Teilnehmer der Oktobertage. Sie kennen ihn schließlich auch als treu ergebenen Kämpfer für die Leninsche Einheit der Partei und für ihre eiserne Geschlossenheit.

Dem Sieg der Diktatur des Proletariats widmete Genosse Skworzow-Stepanow sein ganzes lauteres arbeitsreiches Leben.

Möge das Andenken an Genossen Skworzow-Stepanow in den Herzen der Arbeiterklasse lebendig bleiben.“ (Stalin, Band 11, Seite 196).



Stalin, Über die rechte Gefahr in der KPdSU (B), 19. Oktober 1928:

Aber alles mit Zänkereien zu erklären und hinter den Zänkereien das Wesen der Frage nicht zu sehen, das bedeutet, vom richtigen, vom marxistischen Weg abzugehen.“ (Stalin, Band 11, Seite 197).

Ich verstehe Fruntow durchaus, der so tief in der praktischen Tagesarbeit steckt, dass er keine Zeit hat, über die Perspektiven unserer Entwicklung nachzudenken. Das aber bedeutet noch nicht, dass wir den engen und geschäftigen Praktizismus mancher Parteiarbeiter in ein Dogma unseres Aufbaus verwandeln sollen. Eine gesunde praktische Einstellung ist eine gute Sache, wenn man aber dabei die Perspektive in der Arbeit verliert und die Arbeit nicht der Grundlinie der Partei unterordnet, so verwandelt sie sich in einen Nachteil. (...)

Im Unrecht sind auch Genossen, die bei der Erörterung des Problems der rechten Abweichung die Frage auf die Personen zuspitzen, die die rechte Abweichung vertreten. Zeigt uns die Rechten oder die Versöhnler, sagen sie, nennt die Personen, damit wir mit ihnen abrechnen können. Das ist eine falsche Fragestellung. Personen spielen natürlich eine gewisse Rolle. Doch handelt es sich hier nicht um Personen, sondern um die Umstände, um die Verhältnisse, die die rechte Gefahr in der Partei erzeugen. Man kann die Personen entfernen, aber das bedeutet noch nicht, dass wir damit die rechte Gefahr in unserer Partei mit der Wurzel ausgerottet haben. Die Personenfrage entscheidet daher die Sache nicht, wenn sie auch zweifellos von Interesse ist. Im Zusammenhang damit fällt mir unwillkürlich eine Episode ein, die sich Ende 1919 und Anfang 1920 in Odessa zugetragen hat, als unsere Truppen, die die Denikinleute aus der Ukraine vertrieben hatten, mit den letzten Resten der Denikintruppen in der Umgebung von Odessa aufräumten. Eine Abteilung Rotarmisten suchte damals in Odessa voller Grimm nach der Entente, überzeugt, dass der Krieg ein Ende nehmen würde, wenn sie die Entente erwischten. (Allgemeine Heiterkeit.) Man kann sich vorstellen, dass die Rotarmisten irgendeinen von den Vertretern der Entente in Odessa hätten erwischen können. Damit wäre aber die Frage der Entente natürlich nicht erledigt gewesen, da die Entente, obwohl Odessa damals das letzte Territorium der Denikinleute war, ihre Wurzeln nicht in Odessa hat, sondern im Weltkapitalismus.

Das gleiche kann man von manchem unserer Genossen sagen, die in der Frage der rechten Abweichung die Sache auf die rechte Abweichung vertretenden Personen zuspitzen und die Verhältnisse vergessen, die diese Abweichung erzeugen. Deshalb müssen wir hier vor allem die Frage klären, unter welchen Bedingungen die rechte und auch die ´linke` (trotzkistische) Abweichung von der Leninschen Linie entstehen.“ (Stalin, Band 11, Seite 198/199).

Die rechte Abweichung im Kommunismus bedeutet unter den sowjetischen Entwicklungsbedingungen, wo der Kapitalismus bereits gestürzt, aber noch nicht mit der Wurzel ausgerottet ist, die Tendenz, die Neigung, die wenn auch nicht herausgebildete und wohl auch noch nicht zum Bewusstsein gelangte, immerhin aber vorhandene Neigung eines Teils der Kommunisten, von der Generallinie unserer Partei zur bürgerlichen Ideologie hin abzuschwenken.(...)

... dass es in den Reihen unserer Partei Leute gibt, die, vielleicht ohne es selber zu bemerken, bemüht sind, die Sache unseres sozialistischen Aufbaus dem Geschmack und den Bedürfnissen der ´Sowjet`bourgeoisie anzupassen.

Ein Sieg der rechten Abweichung in unserer Partei würde eine gewaltige Stärkung der kapitalistischen Elemente in unserem Lande bedeuten. Was bedeutet aber die Stärkung der kapitalistischen Elemente in unserem Lande? Sie bedeutet die Schwächung der proletarischen Diktatur und die Erhöhung der Chancen für die Wiederherstellung des Kapitalismus.

Folglich würde ein Sieg der rechten Abweichung in unserer Partei bedeuten, dass die Vorbedingungen gefördert werden, die für die Wiederherstellung des Kapitalismus in unserem Lande nötig sind. (...)

Gibt es bei uns, in unserem Sowjetlande, die Mittel und Kräfte, die notwendig sind, um die Möglichkeit der Wiederherstellung des Kapitalismus zunichte zu machen, zu beseitigen? Ja, die gibt es.“ (Stalin, Band 11, Seite 200/201).

... solange wir in einem kleinbäuerlichen Lande leben, solange wir die Wurzeln des Kapitalismus noch nicht ausgerodet haben, für den Kapitalismus eine festere ökonomische Basis besteht als für den Kommunismus. Es kommt vor, dass man einen Baum fällt, die Wurzeln aber nicht ausrodet, weil die Kräfte nicht ausreichen. Daraus eben ergibt sich die Möglichkeit der Wiederherstellung des Kapitalismus in unserem Lande.

Daraus folgt zweitens, dass bei uns außer der Möglichkeit der Wiederherstellung des Kapitalismus auch die Möglichkeit des Sieges des Sozialismus besteht, denn wir können die Möglichkeit der Wiederherstellung des Kapitalismus beseitigen, können die Wurzeln des Kapitalismus ausroden und den endgültigen Sieg über den Kapitalismus in unserem Lande erringen...

Zwischen der Möglichkeit der Errichtung des Sozialismus und seiner wirklichen Errichtung besteht ein großer Unterschied. Man darf die Möglichkeit nicht mit der Wirklichkeit verwechseln. (...)

Und da unser Proletariat nicht im luftleeren Raum lebt, sondern mitten im wirklichen, realen Leben mit all seinen Mannigfaltigkeiten, umgeben die auf der Basis der Kleinproduktion entstehenden bürgerlichen Elemente ´das Proletariat von allen Seiten mit einer kleinbürgerlichen Atmosphäre, durchtränken es mit ihr, demoralisieren es, rufen beständig innerhalb des Proletariats Rückfälle in kleinbürgerliche Charakterlosigkeit, Zersplitterung, Individualismus, wechselnde Begeisterung und Mutlosigkeit hervor`(Lenin) und tragen auf diese Weise in das Proletariat und seine Partei gewisse Schwankungen, einen gewissen Wankelmut hinein. Hier sind die Wurzeln und die Grundlage für die verschiedenen Schwankungen und Abweichungen von der Leninschen Linie in den Reihen unserer Partei.“ (Stalin, Band 11, Seite202 – 204).

Worin besteht die Gefahr der rechten, offen opportunistischen Abweichung in unserer Partei? Darin, dass sie die Kraft unserer Feinde, die Kraft des Kapitalismus unterschätzt, die Gefahr der Wiederherstellung des Kapitalismus nicht sieht, die Mechanik des Klasenkampfes unter den Bedingungen der Diktatur des Proletariats nicht versteht...“

Worin besteht die Gefahr der ´linken` Abweichung in unserer Partei? Darin, dass sie die Kraft unserer Feinde, die Kraft des Kapitalismus überschätzt, nur die Möglichkeit der Wiederherstellung des Kapitalismus sieht, aber die Möglichkeit der Errichtung des Sozialismus mit den Kräften unseres Landes nicht sieht, der Verzweiflung verfällt und gezwungen ist, sich mit dem Geschwätz von Thermidorianertum in unserer Partei zu trösten.“ (Stalin, Band 11, Seite 205).

Welche von diesen Gefahren ist schlimmer? Ich glaube, beide sind ´schlimmer`“. (Stalin, Band 11, Seite 206).

Gemeint ist natürlich ein wirklicher Kampf, kein Kampf gegen die rechte Abweichung, der nur ein Lippenbekenntnis ist und nur auf dem Papier steht. Es gibt in unserer Partei Leute, die nicht abgeneigt sind, zur Erleichterung ihres Gewissens den Kampf gegen die rechte gefahr zu verkünden, in der Art, wie Pfaffen manchmal `Halleluja, Halleluja` rufen, die aber keinerlei, auch nicht die geringsten praktischen Maßnahmen ergreifen, um den Kampf gegen die rechte Abweichung in der nötigen Weise in Gange zu bringen und diese Abweichung in der Tat zu überwinden. Diese Strömung wird bei uns eine gegenüber der rechten, der offenen opportunistischen Abweichung versöhnlerische Strömung genannt. Es ist nicht schwer zu begreifen, dass der Kampf gegen ein solches Versöhnlertum ein Bestandteil des allgemeinen Kampfes gegen die rechte Abweichung, gegen die rechte Gefahr ist. Denn es ist unmöglich, die rechte, die opportunistische Abweichung zu überwinden, wenn man nicht einen systematischen Kampf gegen das Versöhnlertum führt, das die Opportunisten unter seine Fittiche nimmt.“ (Stalin, Band 11, Seite 208).



Stalin, Über die Industrialisierung des Landes, 24. November 1928:

Die soziale Basis der Abweichungen ist in der Tatsache zu suchen, dass in unserem Lande die Kleinproduktion vorherrscht, dass aus der Kleinproduktion kapitalistische Elemente hervorwachsen, dass unsere Partei vom kleinbürgerlichen Element umgeben ist, und schließlich, dass einzelne Glieder unserer Partei von diesem Element angesteckt sind. Das ist im Grunde genommen die soziale Basis der Abweichungen. Alle diese Abweichungen tragen kleinbürgerlichen Charakter. Worauf läuft die rechte Abweichung hinaus, von der hier hauptsächlich die Rede ist? Worauf zielt sie ab? Sie zielt auf die Anpassung unserer Politik an den Geschmack und die Bedürfnisse der ´Sowjet`bourgeoisie.

Was droht uns, wenn die rechte Abweichung un unserer Partei den Sieg davonträgt? Das wäre der ideologische Zusammenbruch unserer Partei, die Entfesselung der kapitalistischen Elemente, das Steigen der Chancen für eine Restauration des Kapitalismus oder, wie Lenin sagte, für eine `Rückkehr zum Kapitalismus`.“(Stalin, Band 11, Seite 239).

Über die Theorie von der `Degradation`habe ich bereits gesprochen. Es kann kein Zweifel geben, dass diese Theorie eine Erfindung bürgerlicher Spezialisten ist, die sich bemüßigt fühlen, von einem Untergang der Sowjetmacht zu schreien. Frumkin hat sich von den bürgerlichen Spezialisten, die im Bereich des Volkskommissariats für Finanzen untergeschlüpft sind, einschüchtern lassen, und jetzt versucht er selbst, die Partei zu schrecken, um sie nachgiebig zu machen gegenüber der rechten Abweichung.“ (Stalin, Band 11, Seite 243).

Wir blieben nicht in der II. Internationale, und wir propagierten die Spaltung in der II. Internationale, weil wir eben als äußerste linke Fraktion nicht mit kleinbürgerlichen Verrätern des Marxismus, mit Sozialpazifisten und Sozialchauvinisten in einer Partei sein wollten.

Diese Taktik und diese Ideologie wurden später zur Grundlage der bolschewistischen Parteien der ganzen Welt. In unserer Partei sind wir Leninisten die einzigen Linken ohne Anführungszeichen. Daher sind wir Leninisten keine ´Linken` und keine Rechten in unserer eigenen Partei. Wir sind die Partei der Marxisten-Leninisten. Und wir kämpfen in unserer Partei nicht nur gegen diejenigen, die wir als offen opportunistische Abweichler bezeichnen, sondern auch gegen diejenigen, die ´linker` sein wollen als der Marxismus, ´linker` als der Leninismus und ihre rechte, opportunistische Natur hinter tönenden ´linken` Phrasen verbergen.“ (Stalin, Band 11, Seite 248/249).

Der Zentrismus darf nicht als räumlicher Begriff betrachtet werden: An einer Stelle sitzen, sagen wir, die rechten, an der anderen die ´Linken` und in der Mitte die Zentristen. Zentrismus ist ein politischer Begriff. Seine Ideologie ist die Ideologie der Anpassung, die Ideologie der Unterordnung der proletarischen Interessen unter die Interessen der Kleinbourgeoisie innerhalb einer gemeinsamen Partei. Diese Ideologie ist dem Leninismus fremd und widerwärtig.“ (Stalin, Band 11, Seite 250).



Stalin, Über die rechte Gefahr in der deutschen Kommunistischen Partei, 19. Dezember 1928:

Versöhnlertum ist feiger Opportunismus.“ (Stalin, Band 11, Seite 263).

In Gestalt der Rechten haben wir es jetzt mit Leuten zu tun, die wirklich (und nicht angeblich) sogar gegen die Grundlagen der Kommunistischen Internationale verstoßen. (...) Serra muss schon entschuldigen, wenn ich hier gerade heraus sage, dass sein Standpunkt in dieser Frage mich an den Standpunkt der Winkeladvokaten erinnert, die bemüht sind, das Weiße schwarz und das Schwarze weiß erscheinen zu lassen. Das eben heißt bei uns, die opportunistischen Elemente nach Advokatenart zu verteidigen. (...) ... ist der Standpunkt einer feigen, advokatenhaften Verteidigung der Rechten gegen die KPD und die Komintern.“ (Stalin, Band 11, Seite 272 und 273).



(ENDE II. Teil)