Schulungstext der Komintern / ML
gegen den Intellektualismus
Die Komintern /ML widmet diesem Kampf gegen den Intellektualismus stets besondere Aufmerksamkeit und der Genosse Wolfgang Eggers hat hier eine kleine , nützliche Zitatensammlung der Klassiker Marx, Engels, Lenin, Stalin und Enver Hoxha für uns zusammengestellt, die keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt.
Stalin
Kulturfront,
Intelligenz ,
Intellektualismus,
Kampf gegen die intelligenzlerisch-opportunistischen Elemente in der Kommunistischen Partei
Zitatensammlung
II. Teil
Stalin, An den Lehrerkongress, 10. Januar 1925:
„Die Phalanx der Volksschullehrer bildet einen der notwendigsten Bestandteile der großen Armee der Werktätigen unseres Landes, die auf der Grundlage des Sozialismus ein neues Leben aufbauen.
Der Weg, den die Arbeiterklasse geht, um zum Sozialismus zu gelangen, kann nur dann zum Siege führen, wenn im gleichen Schritt mit der Arbeiterklasse die Millionenmassen der werktätigen Bauernschaft diesen Weg gehen, wenn die Arbeiterklasse unablässig die Führung der werktätigen Massen verwirklicht.
Der Dorfschullehrer muss wissen, dass es ohne eine solche Führung keine Diktatur des Proletariats geben und dass ohne diese Diktatur unser Land nicht frei und unabhängig sein kann.
Zu einem der Bindeglieder zu werden, die die Bauernmassen mit der Arbeiterklasse verbinden – das ist die Hauptaufgabe des Dorfschullehrers, wenn er der Sache seines Volkes, der Sache seiner Freiheit und Unabhängigkeit wirklich dienen will.“ (Stalin, Band 7, Seite 2).
Stalin, Über die Aufgaben der Zeitschrift „Krasnaja Molodjosh“, Januar 1925:
„Die Zeitschrift muss es sich zur Hauptaufgabe machen, die proletarische parteilose Studentenschaft zur Arbeit der Sowjetmacht und der Kommunistischen Partei heranzuziehen. Das wird die Zeitschrift nur dann erreichen, wenn sie tatsächlich zu einer wirklichen sowjetischen Studentenzeitschrift wird. Die Arbeit an den Hochschulen, in den Organen des Volkskommissariats für Volksbildung usw. weist natürlich noch eine Reihe von Mängeln auf. Die Studentenschaft, die diese Mängel besser als irgend jemand anders kennt, muss sie systematisch aufdecken, kritisieren, auf sie hinweisen, damit wir unsere Arbeit mit vereinten Kräften verbessern können. Daher ist es notwendig, die Besten aus der parteilosen Studentenschaft weitgehend zur Mitarbeit an der Zeitschrift heranzuziehen. Die Studentenschaft muss fühlen, dass dies ihre Zeitschrift ist, die ihr hilft, zu arbeiten und sich zu entwickeln. (...)
Wenn die Zeitschrift die Losung ´Näher an die Studentenschaft` verwirklicht, wird sie ihre Aufgabe besser erfüllen und tatsächlich zu einem mit der sowjetischen Studentenschaft eng verbundenen Organ werden.“ (Stalin, Band 7, Seite 3/4).
Stalin, Rede auf der Plenartagung des ZK und der ZKK der KPR (B), (Über den Trotzkismus), Moskau 1925:
„Er (Trotzki) hat nicht begriffen, dass in der Partei das Gefühl von Kraft und Würde erstarkt ist, dass die Partei sich als Herr des Hauses fühlt und von uns verlangt, dass wir den Kopf vor ihr zu beugen wissen, wenn die Umstände dies erfordern. Trotzki hat das nicht begriffen.“ (Stalin, Band 7, Seite 8).
Stalin, An die „Rabotschaja Gaseta“, 21. Januar 1925:
„Lehnt niemals die Kleinarbeit ab, denn aus dem Kleinen entsteht das Große – darin besteht eins der wichtigsten Vermächtnisse Lenins.“ (Stalin, Band 7, Seite 13).
Stalin, Über „Dymowka“, (Die Bauernfrage), Moskau/Leningrad 1925:
„Eine große Warnung war der transkaukasische, georgische Aufstand. Solche Aufstände sind aber auch in Zukunft möglich, wenn wir nicht lernen werden, unsere Eiterbeulen aufzudecken und auszumerzen, wenn wir nur darauf bedacht sein werden, nach außen hin den Anschein zu erwecken, als ob alles aufs Beste bestellt sei.
Darum glaube ich, dass man hier nicht von Mängeln und nicht von Übertreibungen einzelner Schriftsteller, die die Unzulänglichkeiten in unserer Arbeit aufdecken, sprechen soll, sondern von ihren Verdiensten.
Hier muss ich zur Frage unserer Schriftsteller, unserer Korreespondenten übergehen. Ich glaube, dass wir an eine Periode herangekommen sind, in der die Arbeiter- und Dorfkorrespondenten zu einem der wichtigsten Hebel zur Verbesserung unserer Aufbauarbeit im Dorf, zur Aufdeckung unserer Mängel und folglich zu ihrer Beseitigung und zur Verbesserung der Sowjetarbeit werden können. Wir sind uns dessen vielleicht nicht alle bewusst, aber für mich ist klar, dass die Verbesserung unserer Arbeit gerade von dieser Seite her begonnen werden muss. Diese in ihrer Mehrheit für Eindrücke empfänglichen, von Wahrheitsliebe durchglühten Menschen, die bestrebt sind, Missstände um jeden Preis zu beseitigen, Menschen, die keine Kugel fürchten – diese Menschen müssen meiner Meinung nach einen der wichtigsten Hebel bei der Aufdeckung unserer Mängel und der Verbesserung unserer örtlichen Partei- und Sowjetaufbauarbeit bilden.
Daher muss man auf die Stimme dieser Genossen hören, darf man die Mitarbeiter unserer Presse nicht schmähen. Durch sie könnten wir, wie durch eine Art Barometer, das Mängel unserer Aufbauarbeit unmittelbar anzeigt, sehr vieles an den Tag bringen und berichtigen.“ (Stalin, Band 7, Seite 20/21).
Stalin, Über die Perspektiven der KPD und über die Bolschewisierung, 3. Februar 1925:
„... dass die Frage der führenden Kader der Kommunistischen Partei (...) eine der wesentlichen Fragen des Prozesses der Bolschewisierung darstellt.“ (Stalin, Band 7, Seite 32).
„Um die Bolschewisierung durchzuführen, ist es notwendig, wenigstens einige grundlegende Voraussetzungen zu schaffen, ohne die überhaupt eine Bolschewisierung der Kommunistischen Parteien unmöglich ist:
2. Es ist notwendig, dass die Partei, besonders ihre führenden Elemente, sich der revolutionären Theorie des Marxismus, die mit der revolutionären Praxis untrennbar verbunden ist, voll bemächtigen.
3. Es ist notwendig, dass die Partei die Losungen und Direktiven nicht auf Grund eingelernter Formeln und geschichtlicher Parallelen, sondern als Ergebnis einer sorgfältigen Analyse der konkreten Bedingungen der revolutionären Bewegung im Lande und im internationalen Maßstab ausarbeitet, wobei die Erfahrungen der Revolutionen aller Länder unbedingt mit in Rechnung gestellt werden müssen.
10. Es ist notwendig, dass die Partei die soziale Zusammensetzung ihrer Organisationen systematisch verbessert und sich von den zersetzenden opportunistischen Elementen reinigt, wobei sie die Erreichung einer maximalen Einheitlichkeit als Ziel vor Augen haben muss.“ (Stalin, Band 7, Seite 32).
Stalin, Brief an Genossen Me_rt, 28. Februar 1925:
„Zweifellos gehören Brandler und Thalheimer zur Kategorie des alten Typus von Führern, deren Zeit vorbei ist und die von Führern des neuen Typs in den Hintergrund gedrängt werden. Bei uns in Russland fand der Prozess des Absterbens einer ganzen Reihe alter führender Funktionäre aus den Kreisen der Literaten und alter `Führer` ebenfalls statt. Er verschärfte sich in Perioden revolutionärer Krisen, er ließ nach in den Perioden der Sammlung der Kräfte, aber er fand statt.“ (Stalin, Band 7, Seite 37).
„Es ist nicht gut, wenn man die Führer der Partei fürchtet, sie aber nicht achtet. Führer der Partei können nur in dem Falle wirkliche Führer sein, wenn man sie nicht nur fürchtet, sondern sie auch in der Partei achtet, ihre Autorität anerkennt. Solche Führer heranzubilden ist schwer, das ist eine langwierige und schwierige, aber unbedingt notwendige Sache, denn ohne diese Bedingung kann die Partei nicht als wirklich bolschewistische Partei bezeichnet werden, kann die Disziplin der Partei keine bewusste Disziplin sein.“ (Stalin, Band 7, Seite 38).
„Die KPR (B) entwickelte sich stets durch Widersprüche, das heißt im Kampf gegen nichtkommunistische Strömungen, und nur in diesem Kampf wurde sie stark, schmiedete sie wirkliche Kader.“ (Stalin, Band 7, Seite 39).
Stalin, Über das Aktiv des Kommunistischen Jugendverbandes auf dem Lande, 15. April 1925:
„Es steht außer Zweifel, dass es viel leichter ist, über die Weltrevolution zu schwätzen, als (...) gewöhnliche und alltägliche Aufgaben zu bewältigen.“ (Stalin, Band 7, Seite 68).
„Sechstens. Es ist notwendig, das Aktiv des Kommunistischen Jugendverbandes im Dorf mit den erforderlichen Anweisungen und Materialien für den kulturellen Aufbau im Dorf, für den Aufbau von Lesestuben, für die Liquidierung des Analphabetentums usw. zu versehen. Der Aktivist des Jugendverbandes muss zum natürlichen Helfer der Sowjets und überhaupt der Kulturkräfte im Dorfe bei der Verbreitung der Sowjetkultur werden – darin besteht die Aufgabe.“ (Stalin, Band 7, Seite 70).
„Achtens. Es ist notwendig, das Aktiv des Kommunistischen Jugendverbandes im Dorf mit populären Broschüren zu versorgen: über das Bündnis der Arbeiter und Bauern, über den Sinn und die Bedeutung dieses Bündnisses, über die Diktatur des Proletariats, über die Grundlagen des Kommunismus, schließlich über die Geschichte der Oktoberrevolution sowie darüber, wie die Bauern früher, unter dem Zaren und dem Gutsbesitzer, lebten, wie sie jetzt leben und wie sie leben werden, wenn der Zusammenschluss zwischen Arbeitern und Bauern gefestigt sein wird und der Sozialismus zur Entfaltung gelangt. Der Aktivist des Jugendverbands soll sich gar nicht den Vorurteilen des Bauern anpassen. Diesen Vorurteilen Rechnung tragen und sich ihnen anpassen – das sind zwei verschiedene Dinge. Er muss verstehen, mit Bauern als Kommunist zu sprechen. Er muss es verstehen, den Bauern an Hand konkreter Tatsachen davon zu überzeugen, dass es für ihn außerhalb des Sozialismus keine Rettung gibt.“ (Stalin, Band 7, Seite 71).
Stalin, An die Erste Unionskonferenz der proletarischen Studentenschaft, 15. April 1925:
„Welche Rolle muss die proletarische Studentenschaft (...) spielen?
Ihr kommt zweifellos eine wichtige, wenn nicht erstrangige Rolle zu. Hochschulen und kommunistische Hochschulen, Arbeiterfakultäten und techniken – das sind Schulen zur Heranbildung der Kommandeurkader auf dem Gebiet der Wirtschaft und Kultur. Mediziner und Ökonomen, Genossenschaftler und Pädagogen, Bergbaufachleute und Statistiker, Techniker und Chemiker, Agronomen und Eisenbahner, Tierärzte und Forstwirtschaftler, Elektriker und Mechaniker – sie alle sind künftige Kommandeure bei der Errichtung der neuen Gesellschaft, beim Aufbau der sozialistischen Wirtschaft und der sozialistischen Kultur. Ohne neue Kommandeurkader kann man die neue Gesellschaft nicht errichten, ebenso wie man ohne Kommandeurkader auch keine neue Armee aufbauen kann. Die Überlegenheit der neuen Kommandeurkader besteht darin, dass sie berufen sind, nicht im Interesse der Ausbeutung der Werktätigen durch eine Handvoll Reicher zu wirken, sondern im Interesse der Befreiung der Werktätigen, gegen eine Handvoll von Ausbeutern. Es kommt nur darauf an, dass die Studenten der Hochschulen – Arbeiter und Bauern, Parteimitglieder und Parteilose – diese ihre ehrenvolle Rolle erkennen und sie bewusst, nach bestem Wissen und Gewissen durchführen.
Somit ist die erste Aufgabe der Partei, zu erreichen, dass die proletarische Studentenschaft zum bewussten Erbauer der sozialistischen Wirtschaft und der sozialistischen Kultur wird.
Aber mit den Kräften der Kommandeurkader allein, ohne die direkte Unterstützung durch die werktätigen Massen, kann man die neue Gesellschaft nicht aufbauen. Um den Sozialismus errichten zu können, genügen die Kenntnisse der neuen Kommandeurkader nicht. Dazu ist noch erforderlich, dass die werktätigen Massen diesen Kommandeurkadern Vertrauen entgegenbringen und sie unterstützen. Es war ein kennzeichnender Zug der alten Kommandeutkader, die unter dem Kapitalismus wirkten, dass sie von den Arbeitern und Bauern losgelöst waren, dass sie sich über die werktätigen Massen stellten, dass sie weder auf das Vertrauen noch auf die Unterstützung dieser Massen Wert legten und dass ihnen demzufolge weder das eine noch das andere zuteil wurde. Für unser Land ist dieser Weg völlig ungangbar. Die neuen Kommandeurkader, die die neue Wirtschaft und die neue Kultur aufbauen, heißen eigentlich eben deshalb neue, weil sie mit den alten Methoden des Kommandierens entschieden und ein für allemal brechen müssen. Nicht von den Massen losgelöst, sondern aufs Engste mit ihnen verbunden sein; sich nicht über die Massen stellen, sondern den Massen vorangehen, sie führen; sich nicht den Massen entfremden, sondern sich mit ihnen verschmelzen und sich das Vertrauen, die Unterstützung der Massen erringen – das sind die neuen Wege, die die neuen Kommandeurkader bei ihrer Tätigkeit gehen müssen. Anders als auf diesen Wegen ist kein sozialistischer Aufbau denkbar.
Somit ist die zweite Aufgabe der Partei, zu erreichen, dass die proletarische Studentenschaft sich als untrennbaren Teil der werktätigen Massen betrachtet, zu erreichen, dass die Studenten sich ihrer gesellschaftlichen Rolle bewusst werden und als wahrhaft aktive Teilnehmer am gesellschaftlichen Leben auftreten.
Schließlich speziell über die kommunistischen Studenten. Es heißt, dass die kommunistischen Studenten in der Wissenschaft nur geringe Fortschritte machen. Es heißt, dass sie in dieser Hinsicht ernstlich hinter den Parteilosen zurückbleiben. Es heißt, dass die kommunistischen Studenten es vorziehen, sich mit der ´hohen Politik` zu befassen, und zwei Drittel ihrer Zeit mit endlosen Debatten ´über die Weltprobleme` vergeuden.
Stimmt das alles? Ich glaube dass es stimmt. Wenn das aber stimmt, so ergeben sich daraus zum Mindesten zwei Schlussfolgerungen. Erstens, die kommunistischen Studenten laufen Gefahr, schlechte Leiter des sozialistischen Aufbaus zu werden, denn man kann den Aufbau der sozialistischen Gesellschaft nicht leiten, ohne die Wissenschaft gemeistert zu haben. Zweitens, wir laufen Gefahr, dass die Heranbildung der neuen Kommandeurkader zum Monopol in den Händen der alten Professoren wird, die neue Kräfte als Nachwuchs brauchen; denn Menschen, die die Wissenschaft nicht meistern wollen oder dies nicht fertigbringen, können nicht als Nachwuchs oder als neue Wissenschaftler herangebildet werden. Es erübrigt sich zu sagen, dass all das zu einer direkten Gefahr für das ganze Werk des sozialistischen Aufbaus werden muss. Kann man sich mit einer solchen Lage abfinden? Es ist klar, dass man das nicht kann. Darum müssen sich die kommunistischen Studenten und die Sowjetstudenten überhaupt klar und bestimmt als nächste Aufgabe stellen: die Wissenschaft zu meistern und einen Nachwuchs für den alten Professorenbestand aus neuen, aus Sowjetmenschen zu schaffen. Ich will damit keineswegs sagen, dass sich die Studenten nicht mit Politik beschäftigen sollen. Durchaus nicht. Ich spreche nur davon, dass die kommunistischen Studenten es verstehen müssen, die politische Arbeit mit der Meisterung der Wissenschaft zu verbinden. Es heißt, dass es schwer sei, eine solche Verbindung zu erreichen. Das ist natürlich richtig. Aber seit wann fürchten sich Kommunisten vor Schwierigkeiten? Die Schwierigkeiten auf dem Wege unseres Aufbaus sind ja gerade dazu da, von uns bekämpft und überwunden zu werden.
Außerdem muss noch ein Umstand in Betracht gezogen werden. Ich denke, dass unser Land mit seinen revolutionären Gepflogenheiten und Traditionen, mit seinem Kampf gegen Trägheit und geistiger Stagnation den denkbar günstigsten Boden für das Aufblühen der Wissenschaften abgibt. Es lässt sich wohl nicht bezweifeln, dass philisterhafte Beschränktheit und Routine, die den alten Professoren der kapitalistischen Schule eigen sind, ein Hemmschuh für die Wissenschaft sind. Es lässt sich wohl nicht bezweifeln, dass zu voll entfaltetem und freiem wissenschaftlichem Schaffen nur neue, von diesen Mängeln freie Menschen fähig sind. Unser Land hat in dieser Hinsicht eine große Zukunft als Hochburg und Pflanzstätte der von allen Fesseln befreiten Wissenschaften. Ich denke, dass wir bereits begonnen haben, diesen Weg zu beschreiten. Es wäre aber traurig und der kommunistischen Studenten unwürdig, wenn sie abseits des großen Entwicklungsweges der Wissenschaft blieben. Darum gewinnt die Losung der Meisterung der Wissenschaft besondere Bedeutung.
Somit ist die dritte Aufgabe der Partei, zu erreichen, dass die proletarische Studentenschaft und vor allem die kommunistischen Studenten die Notwendigkeit der Meisterung der Wissenschaft begreifen und dass sie sie meistern.
Nehmen Sie meinen Gruß entgegen.“ (Stalin, Band 7, Seite 73 – 76).
Stalin, Über die politischen Aufgaben der Universität der Völker des Ostens, 18. Mai 1925:
Die Sache ist nämlich die, dass die Hörerschaft der Universität aus zwei Hauptgruppen besteht, die zwei ganz verschiedene Entwicklungslinien verkörpern. Die erste Gruppe besteht aus Menschen, die aus dem Sowjet-osten zu uns gekommen sind, also aus Ländern, wo es keine Herrschaft der Bourgeoisie mehr gibt,, wo das imperialistische Joch bereits abgeschüttelt ist und die Arbeiter an der Macht stehen. Die zweite Gruppe der Hörer besteht aus Menschen, die aus kolonialen und abhängigen Ländern zu uns gekommen sind, also aus Ländern, wo immer noch der Kapitalismus herrscht, auf denen das Joch des Imperialismus weiterhin mit seiner ganzen Schwere lastet und wo es erst noch gilt, die Imperialisten hianuszujagen und die Unabhängigkeit zu erkämpfen.
Somit haben wir es mit zwei Osten zu tun, von denen jeder ein anderes Leben führt und sich unter anderen Verhältnissen entwickelt.
Diese Zwiespältigkeit der Zusammensetzung der Hörerschaft muss, das braucht man nicht zu betonen, der Arbeit der Universität der Werktätigen des Ostens natürlich ihren Stempel aufdrücken. Eben dadurch erklärt sich auch die Tatsache, dass diese Universität mit einem Bein auf sowjetischem Boden und mit dem anderen auf dem Boden der Kolonien und abhängigen Ländern steht.
Hieraus ergeben sich zwei Linien für die Tätigkeit der Universität:
Auf der einen Linie sind Kader für die Befriedigung der Bedürfnisse der Sowjetrepubliken des Ostens zu schaffen, auf der anderen Linie sind Kader für die Befriedigung der revolutionären Erfordernisse der werktätigen Massen der kolonialen und abhängigen Länder des Ostens zu schaffen.
Hieraus ergeben sich für die Universität der Werktätigen des Ostens auch zweierlei Aufgaben.
Betrachten wir nun diese Aufgaben der Kommunistischen Universität der Werktätigen des Ostens, und zwar jede für sich.
I
DIE AUFGABEN DER KOMMUNISTISCHEN UNIVERSITÄT DER WERKTÄTIGEN DES OSTENS HINSICHTLICH DER SOWJETREPUBLIKEN DES OSTENS
Worin bestehen die charakteristischen Besonderheiten, durch die sich diese Länder, diese Republiken, was ihre Existenz und Entwicklung anbelangt, von den kolonialen und abhängigen Ländern unterscheiden?
Erstens darin, dass diese Republiken von imperialistischer Unterdrückung frei sind.
Zweitens darin, dass ihre Entwicklung und Konsolidierung als Nationen nicht unter der Ägide eines bürgerlichen Regimes, sondern unter der Ägide der Sowjetmacht vor sich geht. Das ist eine in der Geschichte einzig dastehende Tatsache, aber es ist dennoch eine Tatsache.
Drittens darin, dass sie, die industriell schwach entwickelt sind, bei ihrer Entwicklung in vollem Umfang die Unterstützung des Industrieproletariats der Sowjetunion in Anspruch nehmen können.
Viertens darin, dass diese von kolonialer Unterdrückung freien, unter dem Schutz der Diktatur des Proletariats stehenden und zur Sowjetunion gehörenden Republiken sich in den sozialistischen Aufbau unseres Landes eingliedern können und müssen.
Die Hauptaufgabe besteht darin, die Eineziehung der Arbeiter und Bauern dieser Republiken in den Aufbau des Sozialismus in unserem Lande zu erleichtern, die den besonderen Existenzbedingungen dieser Republiken entsprechenden Voraussetzungen zu schaffen und zu entwickeln, um diese Eingliederung vorwärtszubringen und zu beschleunigen. Hieraus ergeben sich als nächste Aufgaben für die Funktionäre des Sowjet-Ostens:
Industriestätten in den Sowjetrepubliken des Ostens als Basis für den Zusammenschluss der Bauern um die Arbeiterklasse schaffen. Sie wissen, dass dieses Werk bereits in Angriff genommen worden ist, und dass es entsprechend dem wirtschaftlichen Wachstum der Sowjetunion fortschreiten wird. Die Tatsache, dass diese Republiken die verschiedenartigsten Rohstoffe besitzen, bürgt dafür, dass dieses Werk mit der Zeit vollendet werden wird.
Die Landwirtschaft heben und vor allem das Bewässerungswesen verbessern. Sie wissen, dass dieses Werk ebenfalls vorwärtsgebracht worden ist, wenigstens in Transkaukasien und Turkestan.
Den genossenschaftlichen Zusammenschluss der breiten Massen der Bauern und Kleingewerbetreibenden verstärken und fördern, da dies der sicherste Weg zur Eingliederung der Sowjetrepubliken des Ostens in das allgemeine System des sowjetischen Wirtschaftsaufbaus ist.
Die Sowjets den Massen näherbringen, erreichen, dass sie sich nach dem nationalen Grundsatz zusammensetzen, und somit ein nationales Sowjetstaatswesen schaffen, das den werktätigen Massen nahesteht und vertraut ist.
Die nationale Kultur entwickeln, ein weitverzweigtes Netz von Kursen und Schulen sowohl allgemeinbildenden als auch berufstechnischen Charakters schaffen, die in der Muttersprache unterrichten und Sowjet- und Partei-, Gewerkschafts- und Wirtschaftskader aus der einheimischen Bevölkerung heranbilden.
Die Aufgaben erfüllen heißt eben, den sozialistischen Aufbau in den Sowjetrepubliken des Ostens erleichtern.
Man spricht von Musterrepubliken des Sowjet-Ostens. Was ist aber eine Musterrepublik? Eine Musterrepublik ist eine Republik, die alle diese Aufgaben ehrlich und gewissenhaft erfüllt und dadurch das Streben der Arbeiter und Bauern der benachbarten kolonialen und abhängigen Länder fördert, sich in die Befreiungsbewegung einzureihen.
Ich sprach oben von der Notwendigkeit, die Sowjets den werktätigen Massen der Nationalitäten nüherzubringen, die Sowjets zu nationalisieren.. Was heißt das nun, und wie sieht das in der Praxis aus? Ich glaube, als Musterbeispiel einer solchen Annäherung an die Massen könnte man die Festlegung der nationalen Grenzen in Turkestan betrachten, die vor kurzem ihren Abschluss fand. Die bürgerliche Presse erblickt in dieser Festlegung der Grenzen eine ´bolschewistische List.` Indes ist klar, dass hier keine ´List` zum Ausdruck kam, sondern der zutiefst empfundene Wunsch der Volksmassen Turkmenistans und Usbekistans, eigene Machtorgane zu besitzen, die ihnen nahestehen und vertraut sind. In der vorrevolutionären Epoche waren diese beiden Länder zerstückelt, sie gehörten zu verschiedenen Khanaten und Staaten und boten somit ein günstiges Feld für das ausbeuterische Treiben der ´Machthaber`. Jetzt ist der Augenblick gekommen, wo sich die Möglichkeit bietet, diese auseinandergerissenen Stücke zu unabhängigen Staaten wiederzuvereinigen, um die werktätigen Massen Usbekistans und Turkmenistans den Machtorganen näherzubringen und sie mit ihnen zusammenzuschweißen. Die Festlegung der Grenzen in Turkestan ist vor allem eine Wiedervereinigung der auseinandergerissenen Teile dieser Länder zu unabhängigen Staaten. Wenn diese Staaten nachher den Willen geäußert haben, der Sowjetunion als gleichberechtigte Mitglieder beizutreten, so zeugt das nur davon, dass die Bolschewiki den Schlüssel zu den tiefsten Bestrebungen der Volksmassen des Ostens gefunden haben und dass die Sowjetunion auf der ganzen Welt die einzige freiwillige Vereinigung der werktätigen Massen der verschiedenen Nationalitäten ist. Um die Einheit Polens wiederherzustellen, brauchte die Bourgeoisie eine ganze Reihe von Kriegen. Um die Einheit Turkmenistans und Usbekistans wiederherzustellen, brauchten die Kommunisten dagegen nur einige Monate Aufklärung und Propaganda.
Das ist die Art und Weise, wie man die Verwaltungsorgane, im gegebenen Fall die Sowjets, den breiten Massen der Werktätigen der verschiedenen Nationalitäten nahebringen muss.
Das ist ein Beweis dafür, dass die nationale Politik der Bolschewiki die einzig richtige Politik ist.
Ferner sprach ich von der Hebung der nationalen Kultur in den Sowjetrepubliken des Ostens. Was heißt aber nationale Kultur? Wie lässt sie sich mit der proletarischen Kultur vereinbaren? Hat denn nicht Lenin bereits vor dem Kriege gesagt,dass wir zwei Kulturen haben: eine bürgerliche und eine sozialistische, dass die Losung der nationalen Kultur eine reaktionäre Losung der Bourgeoisie ist, die bestrebt ist, das Bewusstsein der Werktätigen mit dem Gift des Nationalismus zu verseuchen? Wie lässt sich der Aufbau der nationalen Kultur, die Entwicklung von Schulen und Kursen in der Muttersprache und die Heranbildung von Kadern aus der einheimischen Bevölkerung mit dem Aufbau des Sozialismus, dem Aufbau der proletarischen Kultur vereinbaren? Besteht da nicht ein unüberbrückbarer Widerspruch? Natürlich nicht! Wir bauen die proletarische Kultur auf. Das ist vollkommen richtig. Richtig ist aber auch, dass die, ihrem Inhalt nach sozialistische, proletarische Kultur bei den verschiedenen Völkern, die in den sozialistischen Aufbau mit einbezogen sind, verschiedene Ausdrucksformen und eine unterschiedliche Ausdrucksweise annimmt, je nach den Unterschieden der Sprache, der Lebensweise usw. Proletarisch ihrem Inhalt, national ihrer Form nach – das ist die allgemeinmenschliche Kultur, der der Sozialismus entgegengeht. Die proletarische Kultur hebt die nationale Kultur nicht auf, sie verleiht ihr vielmehr den Inhalt. Und umgekehrt: Die nationale Kultur hebt die proletarische Kultur nicht auf, sie verleiht ihr vielmehr die Form. Die Losung der nationalen Kultur war eine bürgerliche Losung, solange die Bourgeoisie an der Macht war und die Konsolidierung der Nationen unter der Ägidedes bürgerlichen Regimes verlief. Die Losung der nationalen Kultur wurde zu einer proletarischen Losung, als das Proletariat an die Macht kam und die Konsolidierung der Nationen sich unter der Agide der Sowjetmacht zu vollziehen begann. [unterstrichen von der Redaktion]. Wer diesen prinzipiellen Unterschied zwischen den zwei verschiedenen Situationen nicht begriffen hat, wird weder den Leninismus noch das Wesen der nationalen Frage je begreifen.
Man redet davon (wie das zum Beispiel Kautsky tut), dass in der Periode des Sozialismus eine allgemeinmenschliche Einheitssprache geschaffen werden wird und alle anderen Sprachen absterben werden. Ich glaube nicht so recht an diese Theorie einer allumfassenden Einheitssprache. Die Erfahrungen jedenfalls spricht nicht dafür, sondern gegen diese Theorie. Bis jetzt ist es so gewesen, dass die sozialistische Revolution die Zahl der Sprachen nicht vermindert, sondern vermehrt hat, denn dadurch, dass sie die tiefsten Tiefen der Menschheit aufrüttelt und auf die politische Arena bringt, erweckt sie eine ganze Reihe neuer, früher gar nicht oder wenig bekannter Nationalitäten zu neuem Leben. Wer hätte gedacht, dass das alte zaristische Russland nicht weniger als 50 Nationen und nationale Gruppen umfasste? Die Oktoberrevolution hat jedoch dadurch, dass sie die alten Ketten gesprengt und eine ganze Reihe vergessener Völker und Völkerschaften auf den Plan gerufen hat, diese zu neuem Leben erweckt und ihnen neue Entwicklungsmöglichkeiten gegeben. Heute spricht man von Indien als einem einheitlichen Ganzen. Es ist jedoch kaum daran zu zweifeln, dass im Falle einer revolutionären Erschütterung in Indien Dutzende von bis bis dahin unbekannten Nationalitäten auf den Plan treten werden, die eine eigene Sprache sprechen, eine eigene Kultur besitzen. Und wenn es sich darum handelt, die proletarische Kultur zum Gemeingut der verschiedenen Nationalitäten zu machen, so kann kaum ein Zweifel darüber bestehen, dass dies in Formen vor sich gehen wird, die der Sprache und Lebensweise dieser Nationalitäten entsprechen. (...)
Die burjatischen Genossen stellen die Frage nach der Assimilierung der einzelnen Nationalitäten im Verlauf des Aufbaus der allgemeinmenschlichen proletarischen Kultur. Es steht außer Zweifel, dass manche Nationalitäten einen Assimilierungsprozess durchmachen können und wohl bestimmt auch durchmachen werden. Solche Prozesse hat es auch früher gegeben. Die Sache ist jedoch die, dass der Prozess der Assimilierung der einen Nationalitäten den entgegengesetzten Prozess, den Prozess des Erstarkens und der Entwicklung einer ganzen Reihe lebenskräftiger und entwicklungsfähiger Nationen nicht ausschließt, sondern voraussetzt, denn der Teilprozess der Assimilierung einzelner Nationalitäten ist das Ergebnis des gesamtprozesses der Entwicklung der Nationen. Gerade darum wird durch die eventuelle Assimilierung einiger einzelner Nationalitäten der absolut richtige Grundsatz nicht abgeschwächt, sondern vielmehr bestätigt, dass die proletarische allgemeinmenschliche Kultur die nationale Kultur der Völker nicht ausschließt, sondern voraussetzt und nährt, ebenso wie die nationale Kultur der Völker die allgemeinmenschliche proletarische Kultur nicht aufhebt, sondern ergänzt und bereichert. [hervorgehoben von der Redaktion]. Das sind im Großen und Ganzen die nächsten Aufgaben, vor denen die Funktionäre der Sowjetrepubliken des Ostens stehen. Das sind Charakter und Inhalt dieser Aufgabe. (...)“ (Stalin, Band 7, Seite 115 – 121).
„ (...) Demzufolge besteht die Aufgabe der Universität der Völker des Ostens hinsichtlich der Sowjetrepubliken des Ostens darin, der Erziehung der Kader für diese Republiken eine Richtung zu geben, die die Erfüllung der obenerwähnten nächsten Aufgaben gewährleistet.
Die Universität der Völker des Ostens darf sich nicht dem Leben entfremden. Sie ist keine und kann keine Institution sein, die abseits vom Leben steht. Sie muss mit allen Fasern ihrer Existenz mit dem realen Leben verbunden sein. Sie darf infolgedessen die nächsten Aufgaben nicht ignorieren, vor denen die Sowjetrepubliken des Ostens stehen. Darum besteht die Aufgabe der Universität der Völker des Ostens darin, bei der Erziehung der entsprechenden Kader für diese Republiken deren nächste Aufgaben in Betracht zu ziehen.
Dabei muss man im Auge haben, dass sich in der Praxis der Funktionäre des Sowjet-Ostens zwei Abweichungen geltend machen, gegen die in dieser Universität ein Kampf geführt werden muss, will man wirkliche Kader und wirkliche Revolutionäre für den Sowjet-Osten erziehen.
Die erste Abweichung besteht in der Versimpelung, in der Vereinfachung jener Aufgaben, von denen ich oben gesprochen habe, in dem Versuch einer mechanischen Übertragung des Wirtschaftsaufbaus, die im Zentrum der Sowjetunion durchaus angebracht und anwendbar, für die Entwicklungsbedingungen in den sogenannten Randgebieten aber vollkommen ungeeignet sind. Die Genossen, die sich diese Abweichung zu Schulden kommen lassen, begreifen zwei Dinge nicht. Sie begreifen nicht, dass die Bedingungen im Zentrum und die in den ´Randgebieten` nicht die gleichen und bei weitem nicht identisch sind. Außerdem begreifen sie nicht, dass die Sowjetrepubliken des Ostens selbst nicht gleichartig sind, dass einige von ihnen, wie zum Beispiel Georgien und Armenien, auf einer höheren Stufe der nationalen Gestaltung stehen, während die anderen, wie zum Beispiel Tschetschnja und Kabarda, auf der untersten Stufe der nationalen Gestaltung stehen, und die dritten, zum Beispiel Kirgisien, eine Mittelstellung zwischen diesen beiden Extremen einehmen. Diese Genossen begreifen nicht, dass ohne Anpassung an die lokalen Verhältnisse, ohne sorgfältige Berücksichtigung aller und jeglicher Eigentümlichkeiten eines jeden Landes sich nichts Bedeutsames aufbauen lässt. Die Folge dieser Abweichung ist eine Loslösung von den Massen und die Entartung zu linken Phrasendreschern. Die Aufgabe der Universität der Völker des Ostens besteht darin, die Kader im Geiste eines unversöhnlichen Kampfes gegen diese Versimpelung zu erziehen.
Die zweite Abweichung besteht umgekehrt in der Überschätzung der lokalen Eigentümlichkeiten, in dem Vergessen jenes Gemeinsamen und Hauptsächlichen, das die Sowjetrepubliken des Ostens mit den Industriegebieten der Sowjetunion verbindet, in dem Verschweigen der sozialistischen Aufgaben, in der Anpassung an die Aufgaben eines engen und beschränkten Nationalismus. Die Genossen, die sich diese Abweichung zu Schulden kommen lassen, kümmern sich wenig um den inneren Aufbau ihres Landes, sie ziehen es vor, diese Entwicklung dem natürlichen Lauf der Dinge zu überlassen. Für sie ist nicht der innere Aufbau ihres Landes, sondern die ´Außen`politik, die Erweiterung der Grenzen ihrer Republik, der Rechtsstreit mit den angrenzenden Republiken, die Sucht, ihren Nachbarn ein Stückchen mehr wegzunehmen, um auf diese Weise bei den bürgerlichen Nationalisten ihres Landes Gefallen zu finden. Die Folge dieser Abweichung ist eine Abkehr vom Sozialismus und die Entartung zu gewöhnlichen bürgerlichen Nationalisten. Die Aufgabe der Universität der Völker des Ostens besteht darin, die Kader im Geiste eines unversöhnlichen Kampfes gegen diesen versteckten Nationalismus zu erziehen.
Das sind die Aufgaben der Universität der Völker des Ostens hinsichtlich der Sowjetrepubliken des Ostens.
II
DIE AUFGABEN DER KOMMUNISTISCHEN UNIVERSITÄT DER WERKTÄTIGEN DES OSTENS HINSICHTLICH DER KOLONIALEN UND ABHÄNGIGEN LÄNDER DES OSTENS
Wir kommen nun zu der zweiten Frage, zur Frage nach den Aufgaben der Kommunistischen Universität des Ostens hinsichtlich der kolonialen und abhängigen Länder des Ostens.
Worin bestehen die charakteristischen Besonderheiten, durch die sich diese Länder, was ihre Existenz und Entwicklung anbelangt, von den Sowjetrepubliken des Ostens unterscheiden?
Erstens darin, dass durch durch die doppelte Unterdrückung, die innere Unterdrückung (durch die eigene Bourgeoisie) und die äußere Unterdrückung (durch die fremde, imperialistische Bourgeoisie), die revolutionäre krise in diesen Ländern verschärft und vertieft wird.
Drittens darin, dass in einigen dieser Länder, zum Beispiel in Indien, der Kapitalismus sich in verstärktem Tempo entwickelt und eine zahlenmäßig mehr oder minder starke Klasse einheimischer Proletarier hervorbringt und heranbildet.
Viertens darin, dass mit dem Anwachsen der revolutionären Bewegung die nationale Bourgeoisie solcher Länder sich in zwei Teile spaltet: in einen revolutionären (Kleinbourgeoisie) und einen paktiererischen (Großbourgeoisie), von denen der erste den revolutionären Kampf weiterführt, der zweite dagegen einen Block mit dem Imperialismus bildet.
Fünftens darin, dass sich in solchen Ländern neben dem imperialistischen Block noch ein anderer Block herausbildet, ein Block der Arbeiter und der revolutionären Kleinbourgeoisie, ein anti-imperialistischer Block, der sich die vollständige Befreiung vom Imperialismus zum Ziel setzt.
Sechstens darin, dass in solchen Ländern die Frage der Hegemonie des Proletariats und der Befreiung der Volksmassen von dem Einfluss der paktiererischen nationalen Bourgeoisie einen immer aktuelleren Charakter annimmt.
Daraus ergeb sich zum Mindesten drei Schlussfolgerungen:
Die Befreiung der kolonialen und abhängigen Länder vom Imperialismus ist ohne eine siegreiche Revolution unmöglich: die Unabhängigkeit fällt einem nicht in den Schoß.
Das Vorantreiben der Revolution und die Erkämpfung der vollen Unabhängigkeit der kapitalistisch entwickelten Kolonien und abhängigen Länder ist unmöglich ohne die Isolierung der paktiererischen nationalen Bourgeoisie, ohne die Befreiung der kleinbürgerlichen revolutionären Massen von dem Einfluss dieser Bourgeoisie, ohne die Durchführung der Politik der hegemonie des Proletariats, ohne die Organisierung der fortschrittlichen Elemente der Arbeiterklasse in einer selbstündigen kommunistischen Partei.
Ein dauerhafter Sieg in den kolonialen und abhängigen Ländern ist unmöglich ohne den realen Zusammenschluss der Befreiungsbewegung dieser Länder mit der proletarischen
Bewegung der fortgeschrittenen Länder des Westens.
Die Grundaufgabe der Kommunisten der kolonialen und abhängigen Länder besteht darin, diese Schlussfolgerungen zum Ausgangspunkt ihrer revolutionären Arbeit zu machen.(...)“; (Stalin, Band 7, Seite 122- 126).
„... ergeben sich als nächste Aufgaben für die revolutionäre Bewegung der kapitalistisch entwickelten Kolonien und abhängigen Länder:
Gewinnung der besten Elemente der Arbeiterklasse für den Kommunismus und Schaffung selbständiger Kommunistischer Parteien.
Schaffung eines national-revolutionären Blocks der Arbeiter, Bauern und der revolutionären Intelligenz gegen den Block der paktiererischen nationalen Bourgeoisie und des Imperialismus.
Sicherung der Hegemonie des Proletariats in diesem Block.
Kampf für die Befreiung der städtischen und ländlichen Kleinbourgeoisie von dem Einfluss der paktiererischen nationalen Bourgeoisie.
Sicherung des Zusammenschlusses der Befreiungsbewegung mit der proletarischen Bewegung der fortgeschrittenen Länder.
Das sind die drei Gruppen der nächsten Aufgaben, vor denen die Funktionäre in den kolonialen und abhängigen Ländern des Ostens stehen.(...)
(...) Es dürfte kaum zu bezweifeln sein, dass die Vorbereitung zu diesem Druck auf die Sowjetunion in den Reihen der Imperialisten bereits begonnen hat. Die Verleumdungskampagnen anlässlich des Aufstands in Estland, die abgefeimte Hetze gegen die Sowjetunion im Zusammenhang mit der Explosion in Sofia, der allgemeine Feldzug der bürgerlichen Presse gegen unser Land – all das ist die Vorbereitung zum Angriff. Das ist die artilleristische Vorbereitung der öffentlichen Meinung, darauf berechnet, die Spießbürger an Ausfälle gegen die Sowjetunion zu gewöhnen und die moralischen Voraussetzungen für eine Intervention zu schaffen. (...) Darum ist es gegenwärtig von besonderer Bedeutung, dass die nächsten Aufgaben der revolutionären Bewegung in den Kolonien und abhängigen Ländern unentwegt erfüllt werden.
Worin besteht nun in Anbetracht aller dieser Umstände die Mission der Universität der Völker des Ostens hinsichtlich der kolonialen und abhängigen Länder?
Diese Mission besteht darin, allen Besonderheiten der revolutionären Entwicklung dieser Länder Rechnung tragen und der Erziehung der aus diesen Ländern stammenden Kader eine Richtung zu geben, die die Erfüllung der obenerwähnten verschiedenartigen nächsten Aufgaben gewährleistet. [unterstrichen von der Redaktion].
In der Universität der Völker des Ostens gibt es ungefähr 10 verschiedene Gruppen von Hörern, die aus den kolonialen und abhängigen Ländern zu uns gekommen sind. Jedermann weiß, dass diese Genossen nach Aufklärung und Wissen dürsten. Die Aufgabe der Universität der Völker des Ostens besteht darin, aus ihnen wirkliche Revolutionäre zu schmieden, die, gewappnet mit der Theorie des Leninismus, ausgerüstet mit der praktischen Erfahrung des Leninismus, fähig sind, die nächsten Aufgaben der Befreiungsbewegung der Kolonien und abhängigen Länder nach bestem Wissen und Gewissen zu erfüllen.[unterstrichen von der Redaktion].
Dabei muss man im Auge haben, dass sich in der Praxis der Funktionäre des kolonialen Ostens zwei Abweichungen geltend machen, gegen die ein Kampf geführt werden muss, will man wirklich revolutionäre Kader erziehen.
Die erste Abweichung besteht in der Unterschätzung der revolutionären Möglichkeiten der Befreiungsbewegung und in der Überschätzung der Idee der allumfassenden nationalen Einheitsfront in den Kolonien und abhängigen Ländern, ohne Berücksichtigung des Zustands und der Entwicklungsstufe dieser Länder. Das ist eine Abweichung nach rechts, die die Gefahr in sich birgt, dass die revolutionäre Bewegung auf eine tiefere Stufe hinabgedrückt wird und die kommunistischen Elemente in dem allgemeinen Chorus der bürgerlichen Nationalisten aufgehen. Entschiedener Kampf gegen diese Abweichung ist die direkte Pflicht der Universität der Völker des Ostens.
Die zweite Abweichung besteht in der Überschätzung der revolutionären Möglichkeiten der Befreiungsbewegung und in der Unterschätzung des Bündnisses der Arbeiterklasse mit der revolutionären Bourgeoisie gegen den Imperialismus. An dieser Abweichung scheinen die Kommunisten in Java zu kranken, die unlängst fälschlicherweise die Losung der Sowjetmacht für ihr Land aufgestellt haben. Das ist eine Abweichung nach links, die die Gefahr in sich birgt, dass sich die kommunistische Partei von den Massen loslöst und in eine Sekte verwandelt. Entschiedener Kampf gegen diese Abweichung ist eine unerlässliche Bedingung für die Erziehung wirklich revolutionärer Kader für die Kolonien und abhängigen Länder des Ostens.
Das sind im Großen und Ganzen die politischen Aufgaben der Universität der Völker des Ostens hinsichtlich der Völker des Sowjet-Ostens und des kolonialen Ostens. Wir wollen hoffen, dass die Universität der Völker des Ostens es verstehen wird, diese Aufgaben in Ehren zu erfüllen.“ (Stalin, Band 7, Seite 129 – 131).
Stalin, An alle Mitglieder der Redaktion der „Konsomolskaja Prawda“, 2. Juni 1925:
„5. Es wäre gut, den Stil der Artikel in der `Konsomolskaja Prawda` zu vereinfachen, die Mitglieder zu verpflichten, einfach, in kurzen Sätzen, möglichst ohne den Gebrauch von Fremdwörtern zu schreiben, so, wie Iljitsch zu schreiben verstand. Im äußersten Fall, wenn man schon nicht ohne Fremdwörter auskommen kann, könnte man, wiederum als Beilage zur ´Konsomolskaja Prawda`, ein Fremdwörterbuch bringen oder zumindest im Text der Asrtikel entsprechende Erläuterungen geben.“ (Stalin, Band 7, Seite 134).
Stalin, Fragen und Antworten, 28. Juni 1925:
„Was die Maßnahmen zur Sicherung des Zusammenschlusses auf dem Gebiet der Kultur- und Bildungsarveit betrifft, so ist darüber nur wenig zu sagen, da diese Maßnahmen klar und allgemein bekannt sind und daher keiner Erläuterung bedürfen. Ich möchte nur die Grundlinie der auf diesem Gebiet in der nächsten Periode zu leistenden Arbeit hervorheben. Diese Grundlinie besteht darin, die Voraussetzungen zu schaffen, die zur Durchführung der allgemeinen Grundschulpflicht im ganzen Lande, in der ganzen Union unerlässlich sind. Das, Genossen, ist eine Reform von größter Bedeutung. Ihre Durchführung bedeutet einen gewaltigen Sieg nicht nur an der kulturellen, sondern auch an der politischen und wirtschaftlichen Front. Diese Reform muss als Grundlage für einen gewaltigen Aufschwung des Landes dienen. Aber sie wird Hunderte von Millionen Rubel kosten. Es genügt, darauf hinzuweisen, dass zu ihrer Durchführung eine ganze Armee, fast eine halbe Million, Lehrer und Lehrerinnen erforderlich sein wird. Aber trotz allem müssen wir die Durchführung dieser Reform in der nächsten Zeit gewährleisten, wenn wir tatsächlich das Land auf eine höhere Kulturstufe bringen wollen. Und wir werden das tun, Genossen. Daran kann kein Zweifel bestehen.“ (Stalin, Band 7, Seite 141).
Welche (3) Gefahren der Entartung drohen unserer Partei...?
a) die Gefahr des Verlustes der sozialistischen Perspektive beim Aufbau unseres Landes und das damit verbundene Liquidatorentum.
„Die kapitalistischen Elemente führen den Kampf nicht nur auf wirtschaftlichem Gebiet. Sie sind bemüht, den Kampf auf das Gebiet der Ideologie des Proletariats zu tragen, indem sie versuchen, die am wenigsten standhaften Teile der Partei mit Unglauben an die Sache des sozialistischen Aufbaus, mit Skepsis gegenüber den sozialistischen Perspektiven unserer Aufbauarbeit zu verseuchen, und man kann nicht sagen, dass ihre Bemühungen absolut fruchtlos geblieben wären.
`Kein Gedanke daran, dass wir, ein rückständiges Land, die vollendere sozialistische Gesellschaft errichten könnten`, sagen manche dieser verseuchten ´Kommunisten`, ´der Zustand der Produktivkräfte unseres Landes lässt es nicht zu, dass wir uns derartige utopischen Ziele stellen; gebe Gott, dass wir uns irgendwie halten können; an Sozialismus ist jetzt nicht zu denken, bauen wir nur irgendwie, und dann werden wir weiter sehen...`
´Wir haben unsere revolutionäre Mission bereits erfüllt, indem wir die Oktoberrevolution vollbracht haben`, sagen andere,´jetzt hängt alles von der internationalen Revolution ab, denn ohne den vorherigen Sieg des westlichen Proletariats können wir den Sozialismus nicht errichten, und ein Revolutionär hat in Russland, streng genommen, nichts mehr zu tun`... Bekanntlich war im Jahre 1923, am Vorabend der deutschen Revolution, ein Teil unserer lernenden Jugend drauf und dran, die Bücher hinzuwerfen und nach Deutschland zu fahren, wobei sie sagten, ´ein Revolutionär hat in Russland nichts mehr zu tun, man muss die Bücher hinwerfen und nach Deutschland fahren, um dort Revolution zu machen.`
Wie Sie sehen, stehen diese beiden Gruppen von ´Kommunisten`, sowohl die erste als auch die zweite, auf dem Boden der Verneinung der sozialistischen Möglichkeiten unseres Aufbaus, auf dem Boden des Liquidatorentums. Der Unterschied zwischen ihnen besteht darin,dass die ersten ihr Liquidatorentum hinter einer ´wissenschaftlichen` `Theorie der Produktivekräfte` zuverbergen suchen (...), während die zweiten das Liquidatorentum hinter linken und ´schrecklich revolutionären` Phrasen über die Weltrevolution zu verbergen suchen.
b) die Gefahr des Verlustes der internationalen revolutionären Perspektive und den damit verbundenen Nationalismus;
Das charakteristische Merkmal dieser Gefahr ist der Unglaube an die internationale proletarische Revolution; der Unglaube an ihren Sieg ; das skeptische Verhalten gegenüber der nationalen Befreiungsbewegung in den Kolonien und abhängigen Ländern; das Nichtbegreifen der Tatsache, dass unser Land ohne die Unterstützung durch die revolutionäre Bewegung der anderen Länder dem Weltimperialismus nicht hätten standhalten können; das Nichtbegreifen der Tatsache, dass der Sieg des Sozialismus in einem Lande nicht endgültig sein kann, weil dieses Land nicht gegen eine Intervention gesichert ist, solange die Revolution nicht wenigstens in einer Reihe von Ländern gesiegt hat; das Nichtbegreifen jener elementaren Forderung des Internationalismus, der zufolge der Sieg des Sozialismus in einem Land nicht Selbstzweck sein kann, sondern Mittel zur Entwicklung und Unterstützung der Revolution in anderen Ländern sein muss.
Das ist der Weg des Nationalismus und der Entartung, der Weg der vollständigen Liquidierung der internationalen Politik des Proletariats, denn Leute, die von dieser Krankheit befallen sind, betrachten unser Land nicht als Teil des Ganzen, genannt internationale revolutionäre Bewegung, sondern als Beginn und Ende dieser Bewegung, da sie der Meinung sind, dass den Interessen unseres Landes die Interessen aller anderen Länder zum Opfer gebracht werden müssten.“ (Stalin, Band 7, Seite 141, 142, 143, 144, 145).
„Ist die Quelle der ersten Gefahr, der gefahr des Liquidatorentums in der Verstärkung des bürgerlichen Einflusses auf die Partei auf dem Gebiet der Innenpolitik, auf dem Gebiet des Kampfes der kapitalistischen und der sozialistischen Elemente unserer Volkswirtschaft zu suchen, so muss die Quelle dieser zweiten Gefahr, der gefahr des Nationalismus, in der Verstärkung des bürgerlichen Einflusses auf die Partei auf dem gebiet der Außenpolitik, auf dem Gebiet des Kampfes der kapitalistischen Staaten gegen den Staat der proletarischen Diktatur gesucht werden. Es lässt sich wohl kaum bezweifeln, dass der Druck der kapitalistischen Staaten auf unseren Staat gewaltig ist, dass es den Funktionären, die auf dem gebiet unserer Außenpolitik arbeiten, nicht immer gelingt, diesem Druck standzuhalten, dass die gefahr von Komplikationen sie nicht selten in Versuchung bringt, den Weg des geringsten Widerstands, den Weg des Nationalismus einzuschlagen.
Andererseits ist es klar, dass das erste siegreiche Land nur auf der Grundlage des konsequenten Internationalismus, nur auf der Grundlage der Außenpolitik der Oktoberrevolution die Rolle des Bannerträgers der internationalen revolutionären Bewegung bewahren kann, dass der Weg des geringsten Widerstands und des Nationalismus in der Außenpolitik den Weg der Isolierung und Zersetzung des ersten siegreichen Landes bedeutet.“ (Stalin, Band 7, Seite 146).
„Schließlich über die dritte Gefahr.
Das charakteristische Merkmal dieser Gefahr [ „die Gefahr, dass die Partei ihre führende Stellung einbüßt und die damit verbundene Möglichkeit, dass sich die Partei in ein Anhängsel des Staatsapparats verwandelt“ – siehe Seite 142 - die Redaktion] ist der Unglaube an die inneren Kräfte der Partei; der Unglaube an die führende Rolle der Partei; das bestreben des Staatsapparats, die führende Stellung der Partei zu schwächen, sich ihrer Führung zu entziehen; das Nichtbegreifen dessen, dass es keine Diktatur des Proletariats geben kann, ohne dass die Partei die führende Stellung innehat.
Diese Gefahr droht von drei Seiten: 1. Die Klassen, die es zu führen gilt, haben sich verändert. (...) Der Krieg ist vorüber.(...) Die Führung darf man jetzt nicht mehr nach militärischer Art ausüben. Notwendig ist erstens eine größtmögliche Elastizität in der Führung. Notwendig ist zweitens eine außerordentliche Feinfühligkeit gegenüber den bedürfnissen und Nöten der Arbeiter und Bauern. Notwendig ist drittens, dass man es versteht, die besten Arbeiter und Bauern, die sich infolge der Entwicklung der politischen Aktivität dieser Klassen hervorgetan haben, in die Partei einzureihen. Aber bekanntlich kann man nicht auf einmal diesen Bedingungen gerecht werdsen, diese Fähigkeiten erlangen. Daher das Missverhältnis zwischen den Anforderungen, die an die Partei gestellt werden, und den Möglichkeiten, die der Partei im gegebenen Augenblick zur Verfügung stehen. Daher auch die gefahr der Schwächung der führenden Stellung der Partei, die Gefahr, dass die Partei ihre führende Stellung verlustig geht.
Zweitens (...) ist der Apparat der staatlichen und der gesellschaftlichen Organisationen bedeutend gewachsen und erstarkt. (...) Und je größer ihre Bedeutung wird, desto fühlbarer wird ihr Druck auf die Partei, desto hartnäckiger trachten sie danach, die führende Stellung der Partei zu schwächen, desto stärker wird ihr Widerstand gegen die Partei. Es ist eine solche Umgruppierung der Kräfte und eine solche Verteilung der führenden Funktionäre innerhalb dieser Apparate notwendig, dass der Partei auch unter den neuen Verhältnissen die Führung gesichert wird. Aber das alles kann bekanntlich nicht mit einem Schlage erreicht werden. Daher die Gefahr der Loslösung des Staatsapparats von der Partei.
Drittens. Die Arbeit selbst ist komplizierter und differenzierter geworden. (...) Dementsprechend ist auch die Führung konkreter geworden. Früher war es üblich, von der Führung ´im Allgemeinen` zu sprechen. Führung ´im Allgemeinen` ist heute leeres Geschwätz, denn sie ist gar keine Führung. Jetzt ist eine konkrete, praktische Führung notwendig. Die verflossene Periode hat den Typ des allwissenden Funktionärs hervorgebracht, der für alle Fragen der Theorie und Praxis eine Antwort bereit hielt. Jetzt muss dieser Typ des allwissenden Funktionärs einem neuen Typ des Funktionärs Platz machen, dem Typ des Funktionärs, der bemüht ist, in einem bestimmten Arbeitszweig Meister seines Faches zu sein. Um wirklich führen zu können, muss man Sachkenntnisse haben, muss man sich gewissenhaft, geduldig, beharrlich Sachkenntnisse aneignen.(...)
Um die durch die Partei ausgeübte Führung auf das gebührende Niveau zu bringen, muss vor allem die Qualifikation der Parteifunktionäre verbessert werden. Die Frage der Qualifikation des Funktionärs muss jetzt an erster Stelle stehen. Diese Qualifikation der Parteifunktionäre aber mit einem Schlage zu verbessern, ist nicht so einfach. Die alten Gepflogenheiten des eilfertigen Administrierens, mit denen man die fehlenden Sachkenntnisse leider zu ersetzen suchte, sind in den Parteiorganisationen immer noch lebendig. Daraus erklärt sich eigentlich auch der Umstand, dass die sogenannte Führung durch die Partei mitunter zu einer lächerlichen Anhäufung von verfügungen, die niemandem nutzen, ausartet, zu einer ´Führung` wird, die keine Führung ist, sondern nur Geschwätz und die sich auf niemand und nichts erstreckt. Darin liegt eine der ernstesten Gefahren der Schwächung und der Einbuße der führenden Stellung der Partei.
Das sind im Allgemeinen die Gründe, warum die gefahr des verlustes der führenden Stellung der Partei zur zersetzung und Entartung der Partei führt. Darum ist der entschiedene Kampf gegen diese Gefahr eine dringliche Aufgabe unserer Partei.“ (Stalin, Band 7, Seite 146, 147 und 148).
„Die Diktatur des Proletariats ist nicht nur Gewalt, sondern auch Führung der werktätigen Massen der nichtproletarischen Klassen.“ (Stalin, Band 7, Seite 161).
„Es gibt Leute, die meinen, die Leninisten seien verpflichtet, jeden linken Schreihals und Neurastheniker zu unterstützen, die Leninisten seien überall und in allem die geschworenen Linken unter den Kommunisten. Das ist falsch Genossen.Wir sind Linke im Vergleich zu den nichtkommunistischen Parteien der Arbeiterklasse. Wir haben uns aber nie verpflichtet, ´am weitesten links` zu stehen, wie dies einst der nun verstorbene Parvus verlangte und wofür er damals auch gleich von Lenin tüchtig den Kopf gewaschen bekam. Unter den Kommunisten sind wir keine Linken und keine Rechten, wir sind einfach Leninisten. Lenin wusste, was er tat, als er an zwei Fronten kämpfte, sowohl gegen die linke Abweichung im Kommunismus als auch gegen die rechte Abweichung. Nicht umsonst hat Lenin eine seiner besten Schriften zu dem Thema `Der ´linke Radikalismus´, die Kinderkrankheit im Kommunismus` verfasst.“ (Stalin, Band 7, Seite 164).
„Wehe den Führern, die auf diese Frage [die Frage des Zieles und der Perspektive beim Aufbau des Sozialismus- Red.] keine klare Anrwort geben können oder wollen, nach Ausflüchten suchen, die Leute von Pontius nach Pilatus schicken und die sozialistische Perspektive unseres Aufbaus in intelligenzlerischem Dkeptizismus ertränken. Die Große Bedeutung des Leninismus besteht unter anderem gerade darin, dass er einen Aufbau aufs Geratewohl, ins Blinde hinein nicht anerkennt, dass er sich einen Aufbau ohne Perspektive nicht denken kann, dass er auf die Frage nach der Perspektive unserer Arbeit eine klare und bestimmte Antwort gibt, indem er erklärt, dass wir alles haben, was notwendig ist, um die sozialistische Wirtschaft in unserem Lande zu errichten, dass wir die vollendete sozialistische Gesellschaft aufbauen können und müssen.“ (Stalin, Band 7, Seite 177).
Stalin, An die J. M. Swerdlow-Universität, 13. Juni 1925:
„Die Swerdlow-Universität ist eins der mächtigsten Intsrumente zur Heranbildung der leitenden Kader der Partei, die die Massen führen sollen.
In den Jahren ihres Bestehes vermochte es die Swerdlow-Universität bereits, der Partei ganze Scharen von Funktionären zuzuführen, die an allen Fronten des sozialistischen Aufbaus tätig sind.“ (Stalin, Band 7, Seite 183).
„Das ist drittens der Umstand, dass unsere Parteifunktionäre in letzter Zeit begonnen haben, über die Losung ´Das Gesicht dem Dorfe zu` die Arbeiter allmählich zu vergessen, und außer Acht ließen, dass wir, wenn wir das Gesicht dem Dorfe zuwenden, der Stadt und vor allem dem Proletariat nicht den Rücken kehren dürfen. Das ist gleichfalls eine neue Tatsache, die man keine Minute lang vergessen darf. Man muss dessen eingedenk sein, dass sich in der Arbeiterklasse in letzter Zeit das Gefühl der Kraft und das Gefühl der eigenen Würde besonders entwickelt und ausgeprägt haben. Das bedeutet, dass sich bei der Klasse, die bei uns die herrschende Klasse ist, das Gefühl, Herr des Landes zu sein, stärker herausgebildet hat. Das, Genossen, ist eine gewaltige Errungenschaft in unserer gesamten Arbeit, denn eine Arbeiterklasse, die sich nicht nur als arbeitende Klasse, sondern auch als regierende Klasse fühlt – eine solche Klasse ist fähig, Wunder zu vollbringen. Das heißt aber, dass derjenige unter den Kommunisten, der bei seiner Arbeit nicht dem Umstand Rechnung trägt, dass sich die Klasse der Proletarier als Herr des Landes fühlt, nichts von der neuen Situation begriffen hat, dass er, streng genommen, kein Kommunist ist, dass er sich unbedingt den Hals brechen wird. Daher muss man, wenn man über die Losung ´Das Gesicht dem Dorfe zu` spricht, zugleich dessen eingedenk sein, dass die Hauptklasse, die berufen ist, diese Losung zu verwirklichen, die Arbeiterklasse ist, dass diese Losung nur insofern verwirklicht werden kann, als die Arbeiterklasse ztur wirklich führenden Kraft im Lande wird. Daher besteht die nächste Aufgabe der Partei darin, zu erreichen, dass unsere Parteifunktionäre in den einzelnen Orten endlich begreifen, dass die größte Aufmerksamkeit und dad größte Verständnis für ausnahmslos alle Bedürfnisse der Arbeiterklasse, sowohl der materiellen als auch der kulturellen, absolut notwendig sind.
Die Aufgabe Ihrer Absolventengruppe besteht darin, alle diese Umstände bei der Arbeit draußen im Lande zu berücksichtigen.
Ich zweifle nicht daran, dass Sie es verstehen werden, diese Aufgabe zu erfüllen. Gestatten Sie mir, Ihnen bei der künftigen Arbeit vollen Erfolg zu wünschen.“ (Stalin, Band 7, Seite 184/185).
Stalin, Unterredung mit Teilnehmern einer Bratung der Agitpropabteilungen, 14. Oktober 1925:
„Frage. Wie ist die Lage in der deutschen kommunistischen Partei im Zusammenhang mit der Entfernung der ´Ultralinken`?
Antwort. Zweifellos hat die Entfernung der ´Ultralinken` die Lage in der deutschen kommunistischen Partei verbessert. Die ´Ultralinken`- das sind der Arbeiterklasse fremde Elemente. Was können Ruth Fischer und Maslow mit der Arbeiterklasse Deutschlands gemein haben? Die Entfernung der ´Ultralinken` hat dazu geführt, dass neue Führer der Kommunistischen Partei aus den Reihen der Arbeiter hervorgegangen sind. Das ist ein großes Plus für die Arbeiterbewegung Deutschlands.“ (Stalin, Band 7, Seite 205).
„... dass ein schnelles Wachstum der Partei zu einer gewissen Senkung des Bewusstseinsniveaus der Parteimitglieder, zu einer gewissen Qualitätsverschlechterung der Partei führt. Aber die Qualität muss für uns eine nicht geringere, wenn nicht eine größere Bedeutung haben als die Quantität. Um dieses Minus zu beseitigen, muss man der übermäßigen Begeisterung einiger unserer Genossen für das zahlenmäßige Wachstum der Partei ein Ende bereiten, muss man dem unregulierten Zustrom zur Partei Einhalt gebieten und sich zur Regel machen, in Zukunft neue Mitglieder nur nach sorgfältiger Auswahl in die Partei aufzunehmen. Das als erstes. Und zweitens muss man eine intensive politische Schulung unter den neuen Mitgliedern der Partei organisieren, um ihr politisches Bewusstsein auf das notwenige Niveau zu heben.“ (Stalin, Band 7, Seite 206/207).
Stalin, Über die Aufgaben des Kommunistischen Jugendverbands, 29. Oktober 1925:
„Erstens eine kleine Bemerkung über Marxismus und Leninismus. Bei einer solchen Formulierung der Frage könnte man meinen, der Marxismus sein eines, der Leninismus aber etwas anderes, man könne Leninist sein, ohne Marxist zu sein. Eine derartige Vorstellung kann man jedoch keinesfalls als richtig gelten lassen. Der Leninismus ist nicht die Leninsche Lehre minus Marxismus. Der Leninismus ist der Marxismus der Epoche des Imperialismus und der proletarischen Revolutionen. Mit anderen Worten, der Leninismus schließt alles ein, was Marx geschaffen hat, plus das Neue, womit Lenin die Schatzkammer des Marxismus bereichert hat und was sich notwendig aus allem ergibt, was Marx geschaffen hat (die Lehre von der Diktatur des Proletariats, die Bauernfrage, die nationale Frage, die Partei, die Frage der sozialen Wurzeln des Reformismus, die Frage der Hauptabweichungen im Kommunismus usw.). Deshalb wäre es besser, die Frage so zu formulieren, dass man vom Marxismus oder Leninismus (was im Grunde genommen ein und dasselbe ist), nicht aber vom Marxismus und Leninismus spricht.“ (Stalin, Band 7, Seite 214/215).
„Der Leninismus ist die Verallgemeinerung der Erfahrungen der revolutionären Bewegung der Arbeiter aller Länder. Diese Erfahrungen sind jener Leitstern, der den Praktikern bei ihrer täglichen Arbeit den Weg erhellt und ihnen die Richtung weist. Die Praktiker können weder Zutrauen zu ihrer Arbeit noch das Bewusstsein von der Richtigkeit dieser Arbeit haben, wenn sie sich diese Erfahrungen nicht wenigstens in einem Mindestmaß zu eigen gemacht haben. In der Arbeit im Dunkeln zu tappen – dazu sind die Praktiker verurteilt, wenn sie nicht den Leninismus studieren, wenn sie nicht bestrebt sind, den Leninismus zu meistern, wenn sie nicht willens sind, ihre praktische Arbeit mit der notwendigen theoretischen Schulung zu verbinden. Deshalb ist das Studium des Leninismus, die Aneignung der Leninschen Lehre die unerlässliche Voraussetzung dafür, dass das jetzige Aktiv des Kommunistischen Jugendverbandes zu einem wirklich leninistischen Aktiv wird, das fähig ist, die Millionen Jugendlichen des Kommunistischen Jugendverbandes im Geiste der Diktatur des Proletariats und des Kommunismus zu erziehen.“ (Stalin, Band 7, Seite 215).
Stalin, Rede bei der Beisetzung von M. W. Frunse,3. November 1925:
„Genossen! Dieses Jahr war für uns ein Fluch. Es hat eine ganze Reihe führender Genossen aus unserer Mitte gerissen. Aber nicht genug damit, es forderte noch ein weiteres Opfer. Vielleicht muss es so sein, dass die alten Genossen so leicht und so einfach ins Grab sinken. Leider aber rücken unsere jungen Genossen nicht so leicht und bei weitem nicht so einfach nach, um die alten abzulösen. Wir wollen aber glauben und hoffen, dass die Partei und die Arbeiterklasse alle Maßnahmen ergreifen werden, um die Heranbildung neuer Kader, die die alten Kader ablösen, zu fördern.“ (Stalin, Band 7, Seite 217).
Stalin, Der XIV. Parteitag der KPdSU (B), 18. - 31. Dezember 1925:
„Welches sind die Aufgaben (der Partei) auf dem Gebiet der internationalen revolutionären Bewegung?
Und viertens, zu arbeiten auf der Linie der Stärkung der sozialistischen Elemente unseres Landes im Sinne des Sieges dieser Elemente über die kapitalistischen Elemente, eines Sieges, der für die Revolutionierung der Arbeiter aller Länder von entscheidender Bedeutung ist. Gewöhnlich beschränken sich die Genossen, wenn sie über die Aufgaben unserer Partei auf dem Gebiet der internationalen revolutionären Bewegung sprechen, auf die drei ersten Aufgaben [1. Festigung der kommunistischen Parteien des Westens; 2. Festigung des Bündnisses zwischen der Arbeiterklasse des Westens und der Sowjetunion; 3.Festigung des Zusammenschlusses der Arbeiterklasse der Sowjetunion und der Befreiungsbewegung der unterdrückten Länder – Anmerkung der Redaktion] , sie vergessen, dass unser Kampf in unserem Lande, der Kampf für den Sieg der sozialistischen Elemente in unserem Lande über die kapitalistischen Elemente, dass unser Kampf um den Aufbau zugleich von weltumspannender, internationaler Bedeutung ist, denn unser Land ist die Basis der internationalen Revolution, denn unser Land ist der Haupthebel zur Entfaltung der internationalen revolutionären Bewegung, und wenn hier bei uns der Aufbau im erforderlichen Tempo vorwärtsgeht, so bedeutet das, dass wir unsere Arbeit in der internationalen revolutionären Bewegung auch auf allen anderen Gebieten gerade so durchführen, wie das die Partei von uns fordert.“ (Stalin, Band 7, Seite 256/257).
Wir sind in eine Periode der Belebung aller Klassen und aller sozialen Gruppierungen eingetreten. Belebt hat sich die Arbeiterklasse, belebt hat sich die Bauernschaft mit allen ihren Gruppierungen, belebt hat sich auch die neue Bourgeoisie, belebt haben sich ihre Agenten im Dorfe ( die Kulaken) und ihre Vertreter in der Intelligenz.“ (Stalin, Band 7, Seite 281).
„Eine Abweichung ist eben eine Abweichung, eine Abweichung ist etwas, was noch keine feste Form gewonnen hat. Eine Abweichung ist der Beginn eines Fehlers. Entweder lassen wir diesen Fehler groß werden, dann steht die Sache schlecht, oder wir reißen diesen Fehler mit der Wurzel aus, und dann ist die Gefahr beseitigt. Eine Abweichung ist etwas Fehlerhaftes, was dann zu Weiterungen führt, wenn ihr nicht rechtzeitig Einhalt geboten wird.“ (Stalin, Band 7, Seite 290).
„Ich möchte ein paar Worte über die neue Bourgeoisie und ihre Ideologen, die Smena-Wech-Leute, sagen. Die Smena – Wech - Strömung ist die Ideologie der neuen Bourgeoisie, die im Wachsen begriffen ist und sich allmählich mit den Kulaken und mit der beamteten Intelligenz zusammenfindet. Die neue Bourgeoisie hat ihre eigene Ideologie geschaffen, die Smena-Wech-Ideologie, die von der Annahme ausgeht, die Kommunistische Partei werde zwangsläufig entarten und die neue Bourgeoisie werde sich zwangsläufig konsolidieren, wobei wir Bolschewiki, ihrer Ansicht nach, ohne es selbst zu merken, an die Schwelle einer demokratischen Republik gelangen, sodann diese Schwelle überschreiten und mit Hilfe irgendeines ´Cäsaren`, der, man weiß nicht, ob aus den Reihen der Militärs oder aus der Zuvilbeamtenschaft, hervorgehen wird, uns eines schönen Tages in einer gewöhnlichen bürgerlichen Republik befinden müssen.
So sieht diese neue Ideologie aus, mit der man unsere beamtete Intelligenz, und nicht nur sie, sondern auch einige uns nahestehende Kreise, benebeln möchte. (...) Man kann schreien, sowviel man will, man kann versuchen, mit Zitaten bange zu machen, soviel man will, unsere einfachen Parteimitglieder werden sich das anhören und sich selbst ein Urteil bilden, weil sie jetzt Lenins Werke zur Hand haben. (Beifall.) Diese Tatsache ist eine der Hauptgarantien dafür, dass unsere Partei den Weg des Leninismus nicht verlassen wird. (Stürmischer Beifall.)
Wenn ich trotzdem die Smena-Wech-Leute erwähnt habe, so um mit ein paar Worten allen denen zu antworten, die auf eine Entartung unserer Partei und unseres ZK spekulieren. Ustrjalow ist der geistige Vater dieser Ideologie. Er ist bei uns im Verkehrswesen angestellt. Man sagt, dass er seinen Dienst gut versieht. Ich glaube, wenn er seinen Dienst gut versieht, soll er ruhig von einer Entartung unserer Partei träumen. Zu träumen ist bei uns nicht verboten. Mag er träumen, soviel er Lust hat. Aber er soll auch wissen, dass er über seinen Träumen von Entartung nicht vergessen darf, das Korn in unsere bolschewistische Mühle zu tragen. Sonst wird es ihm schlecht ergehen. (Beifall.)“ (Stalin, Band 7, Seite 297).
„Es kann keine Gleichheit geben, solange es Klassen gibt und solange es qualifizierte und unqualifizierte Arbeit gibt (siehe Lenins ´Staat und Revolution`). Man darf nicht von einer verschwommenen Gleichheit reden, sondern muss von der Aufhebung der Klassen, vom Sozialismus sprechen“ (Stalin, Band 7, Seite 327).
„Die Opposition spricht gern von Schwierigkeiten. Es gibt aber eine Schwierigkeit, die viel gefährlicher ist als alle anderen Schwierigkeiten und die die Opposition uns bereitet hat – das ist die Gefahr der Zerfahrenheit und die Desorganisierung der Partei.“ (Beifall.), (Stalin, Band 7, Seite 338).
„Wir sind gegen das Absägen. Wir sind gegen die Politik des Absägens. Das bedeutet nicht, dass es den Führern erlaubt sein wird, sich ungestraft aufzuspielen und der Partei auf der Nase herumzutanzen. Auf keinen Fall! Verbeugungen vor Führern wird es nicht geben. (Zurufe: `Sehr richtig!` Beifall.) Wir sind für die Einheit, wir sind gegen das Absägen. Die Absägepolitik ist uns zuwider. Die Partei will die Einheit und wird sie durchsetzen – mit Kamenew und Sinowjew, wenn sie es wollen, ohne sie, wenn sie es nicht wollen. (Zurufe: `Sehr richtig!`Beifall.) Was aber erfordert die Einheit? Die Einheit erfordert, dass die Minderheit sich der Mehrheit unterordnet. Ohne das gibt es keine und kann es keine Einheit der Partei geben.“ (Stalin, Band 7, Seite 339).
Stalin, Über den Kampf gegen die rechten und „ultralinken“ Abweichungen, 18. Februar 1926:
„Wer einen Kampf nur unter der Bedingung für zulässig hält, dass die Führer nicht auf diese oder jene Weise kompromittiert werden, der verneint faktisch die Möglichkeit jeglichen ideologischen Kampfes innerhalb der Partei. Müssen wir die Fehler dieser oder jener Parteiführer aufdecken? Müssen wir diese Fehler ans Tageslicht bringen, um die Parteimassen an Hand der Fehler der Führer zu erziehen?. Ich denke wir müssen das tun.“ (Stalin, Band 8, Seite 5).
„Es gibt nur einen Ausweg: die Fehler der ´ultralinken` Führer aufzudecken und auf diese Weise den ehrlichen revolutionären Arbeitern zu helfen, auf den richtigen Weg zu gelangen.“ (Stalin, Band 8, Seite 7).
„Man darf nicht vergessen, dass Rechte und ´Ultralinke` in Wirklichkeit Zwillingsbrüder sind, dass sie folglich auf dem opportunistischen Standpunkt stehen, mit dem Unterschied jedoch, dass die Rechten ihren Opportunismus nicht immer verbergen, während die Linken ihren Opportunismus stets mit ´revolutionären` Phrasen verhüllen. Wir können unsere Politik nicht danach bestimmen, was diese oder jene Schwätzer oder Spießbürger über uns sagen könnten. Wir müssen unbeirrt und sicher unseren Weg verfolgen, ohne darauf zu achten, welche Lügenmärchen müßige Leute über uns noch erfinden könnten. Die Russen haben ein gutes Sprichwort: `Die Hunde bellen, die Karawane zieht weiter.` Wir sollten uns dieses Sprichwort merken, es kann uns noch machens Mal von Nutzen sein.“ (Stalin, Band 8, Seite 7/8).
Stalin, Rede in der deutschen Kommission des VI. Erweiterten Plenums des EKKI, 8. März 1926:
2. Über das ZK der deutschen Kommunistischen Partei. Bei einigen Intellektuellen werden Stimmen laut, das ZK der deutschen Kommunistischen Partei sei schwach, es leite die Partei schwach an, das Fehlen der Intellektuellen im ZK wirke sich negativ auf seine Arbeiter aus, es existiere gar kein ZK usw. All das trifft nicht zu, Genossen. Derartige Redereien halte ich für eines Kommunisten ünwürdige Ausfälle von Intellektuellen. Das jetzige ZK der deutschen Kommunistischen Partei ist nicht durch Zufall zustande gekommen. Es wurde im Kampf gegen die rechten Fehler geboren. Es erstarkte im Kampf gegen die ´ultralinken` Fehler. Daher ist es weder ein rechtes noch ein ´ultralinkes` ZK. Es ist ein leninistisches ZK. Dies ist gerade die führende Arbeitergruppe, die die deutsche Kommunistische Partei jetzt braucht.
Man sagt, das jetzige ZK glänze nicht durch theoretische Kenntnisse. Nun, wenn nur die Politik richtig ist, an den theoretischen Kenntnissen soll es nicht liegen. Wissen kann man erwerben, hat man es heute nicht, so wird man es morgen erworben haben; sich aber die gegenwärtig vom ZK der deutschen Partei betriebene richtige Politik zu eigen zu machen, dürfte manchem hochnäsigen Intellektuellen durchaus nicht so leicht fallen. Die Stärke des jetzigen ZK besteht je eben darin, dass es eine richtige leninistische Politik durchführt, was die mit ihren ´Kenntnissen` prahlenden Intelligenzler nicht begreifen wollen. Es gibt Genossen, die da glauben, ein Intellektueller brauche nur zwei, drei Bücher mehr zu lesen oder ein paar Broschüren mehr verfassen, um das Recht auf die Führung der Partei beanspruchen zu können. Das ist falsch, Genossen. Das ist so falsch, dass es einfach lächerlich ist. Sie können ganze Bücher über Philosophie schreiben, wenn sie sich aber nicht die richtige Politik des ZK der Kommunistischen Partei Deutschlands zu eigen gemacht haben, darf man sie nicht an das Steuer der Partei heranlassen.
Genosse Thälmann! Nehmen Sie diese Intellektuellen in Dienst, wenn sie in der Tat der Arbeitersache dienen wollen, oder Sie können sie zum Teufel jagen, wenn sie um jeden Preis kommandieren wollen ... Die Tatsache, dass im jetzigen ZK Arbeiter überwiegen, ist ein großer Vorzug der deutschen Kommunistischen Partei.
Worin besteht die Aufgabe der Kommunistischen Partei Deutschlands? Sie besteht darin, sich den Weg zu den sozialdemokratisch eingestellten Arbeitermassen, die sich in dem Labyrinth der sozialdemokratischen Wirrnis verirrt haben, zu bahnen und auf diese Weise die Mehrheit der Arbeiterklasse für die Kommunistische Partei zu gewinnen. Ihre Aufgabe besteht darin, ihren auf Irrwege geratenen Brüder zu helfen, den richtigen Weg zu finden und mit der Kommunistischen Partei in Verbindung zu treten. Hierbei sind zwei Methoden des herangehens an die Arbeitermassen möglich. Die eine ist eine spezifisch intelligenzlerische Methode der ´Gewinnung` der Arbeiter sozusagen mit der Peitsche in der Hand. Es bedarf wohl nicht erst des Nachweises, dass diese Methode mit der kommunistischen Methode nichts gemein hat, da sie die Arbeiter nicht anzieht, sondern nur abstößt. Die andere Methode besteht darin, mit den verirrten, ins Lager der Sozialdemokraten geratenen Brüder eine gemeinsame Sprache zu finden, ihnen zu helfen, aus dem Labyrinth des Sozialdemokratismus herauszukommen, ihnen den Übergang auf die Seite des Kommunismus zu erleichtern. Diese Methode ist die einzig kommunistische Arbeitsmethode. Die Tatsache, dass das gegenwärtige ZK seiner Zusammensetzung nach proletarisch ist, diese Tatsache erleichtert erheblich die Anwendung dieser zweiten Methode in Deutschland. Daraus sind auch die Erfolge zu erklären, die das jetzige ZK der Kommunistischen Partei Deutschlands bei der Herstellung der Einheitsfront zweifellos zu verzeichnen hat.“ (Stalin, Band 8, Seite 97, 98 und 99).
„Revolutionärer Geist ist eine gute Sache, Standhaftigkeit ist noch besser.“ (Stalin, Band 8, Seite 102).
Stalin, Über die wirtschaftliche Lage der Sowjetunion und die Politik der Partei, 18. April 1926:
V. KADER VON BAUMEISTERN DER INDUSTRIE MÜSSEN HERANGEBILDET WERDEN
Um die Direktive der Partei über die Industrialisierung unseres Landes durchführen zu können, ist neben allem anderen erforderlich, Kader neuer Menschen, Kader neuer Baumeister der Industrie heranzubilden.
Keine Aufgabe, und insbesondere keine so große Aufgabe wie die Industrialisierung unseres Landes, kann ohne lebendige Menschen durchgeführt werden, ohne neue Menschen, ohne Kader neuer Baumeister. Früher, in der Periode des Bürgerkriegs, brauchten wir besonders Kommandeurkader zum Aufbau der Armee und zur Führung des Krieges, Regiments- und Brigadekommandeure, Divisions- und Korpskommandeure. Ohne diese neuen Kommandeurkader, die aus der Masse des Volkes gekommen und dank ihren Fähigkeiten emporgestiegen sind, hätten wir keine Armee aufbauen können, hätten wir unsere zahlreichen Feinde nicht besiegen können. Sie, diese neuen Kommandeurkader, haben damals unsere Armee und unser Land gerettet, natürlich mit der allgemeinen Unterstützung der Arbeiter und Bauern. Aber jetzt leben wir in der Periode des Aufbaus der Industrie. Jetzt sind wir von den Fronten des Bürgerkriegs zur Front der Industrie übergegangen. Dementsprechend brauchen wir jetzt neue Kommandeurkader für die Industrie, tüchtige Fabrik- und Werkdirektoren, tüchtige Trustleiter, sachkundige Kaufleute, gescheite Planwirtschaftler für den Aufbau der Industrie. Jetzt müssen wir neue Regiments- und Brigadekommandeure, Divisions- und Korpskommandeure für die Wirtschaft, für die Industrie heranbilden. Ohne diese Kader können wir keinen Schritt vorankommen.
Daher besteht die Aufgabe darin, zahlreiche Kader von Baumeistern der Industrie aus den Reihen der Arbeiter und der Sowjetintelligenz heranzubilden, derselben Sowjetintelligenz, die ihr Geschick mit dem Geschick der Arbeiterklasse verbunden hat und gemeinsam mit uns das sozialistische Fundament unserer Wirtschaft aufbaut.
Die Aufgabe besteht darin, solche Kader heranzubilden und in den Vordergrund zu rücken, wobei ihnen jede nur mögliche Unterstützung erwiesen werden muss.
Bei uns ist es in letzter Zeit üblich geworden, auf die Wirtschaftler als auf korrupte Elemente einzuhaien, wobei man häufig geneigt ist, Einzelerscheinungen negativer Art auf alle Kader der Wirtschaftler auszudehnen. Manch einer, dem es gerade einfällt, hält es des öfteren für nötig, den Wirtschaftlern Hiebe zu versetzen, sie aller möglichen Todsünden zu bezichtigen. Diese hässliche Angewohnheit muss man ablegen, Genossen, ein für allemal. Man muss begreifen, dass es überall schwarze Schafe gibt. Man muss begreifen, dass die Aufgabe der Industrialisierung unseres Landes und der Förderung neuer Kader von Baumeistern der Industrie nicht erheischt, dass man die Wirtschaftler prügelt, sondern im Gegenteil, dass man sie beim Aufbau unserer Industrie mit allen Mitteln unterstützt. Die Wirtschaftler mit einer Atmosphäre des Vertrauens und der Unterstützung zu umgeben, ihnen zu helfen, neue Menschen, Baumeister der Industrie, heranzubilden, und den Posten eines Baumeisters der Industrie zu einem Ehrenposten im sozialistischen Aufbau zu machen – das ist die Richtung, in der unsere Parteiorganisationen jetzt arbeiten müssen.“ (Stalin, Band 8, Seite 123).
VIII. DIE INNERPARTEILICHE DEMOKRATIE MUSS VERWIRKLICHT WERDEN
„Ich drenke an die Periode vor dem Parteitag, während des Parteitags und unmittelbar nach dem Parteitag, als man den Parteikollektiven in Leningrad verwehrte, sich zu versammeln, als die Organisatoren einiger Kollektive – verzeihen Sie meine Geradheit – den Kollektiven gegenüber die Rolle eines Polizeiaufsehers spielten, als sie den Kollektiven verboten, sich zu versammeln. Das hat auch die sogenannte ´neue Opposition` mit Sinowjew an der Spitze zu Fall gebracht.
Wenn es den Mitgliedern unseres ZK mit Hilfe des Leningrader Aktivs gelungen ist, die Opposition, die bei Ihnen einen Kampf gegen die Beschlüsse des XIV. Parteitags führte, innerhalb von zwei Wochen zum Rückzug zu zwingen und zu isolieren, so deshalb, weil sich die Aufklärungskampagne über die Beschlüsse des Parteitags auf den Drang zum Demokratismus stützen konnte, der in der Leningrader Organisation vorhanden war, der sich geltend machte und der sich schließlich Bahn brach.“ (Stalin, Band 8, Seite 127/128).
„Innerparteiliche Demokratie und Freiheit fraktioneller Gruppierungen haben nichts miteinander gemein und können nichts miteinander gemein haben.
Was ist innerparteiliche Demokratie? Innerparteiliche Demokratie bedeutet Hebung der Aktivität der Parteimitgliedermassen und Festigung der Einheit der Partei, Festrigung der bewussten proletarischen Disziplin in der Partei.
Was ist Freiheit fraktioneller Gruppierungen? Freiheit fraktioneller Gruppierungen bedeutet Zersetzung, Schwächung der Partei, Schwächung der Diktatur des Proletariats. (...)
Bei uns in der Partei gibt es Leute, die davon träumen, in der Partei habe eine allgemeine Diskussion begonnen. Es gibt bei uns Leute, die sich die Partei ohne Diskussion nicht vorstellen können, die auf den Titel Berufsdiskutierer Anspruch erheben. Halten wir uns diese Berufsdiskutierer vom Leibe! [hervorgehoben von der Redaktion]. Was wir jetzt brauchen, ist nicht eine ausgeklügelte Diskussion und nicht die Verwandlung unserer Partei in einen Diskutierclub, sondern die Verstärkung unserer Aufbauarbeit im Allgemeinen, die Verstärkung des Industrieaufbaus im Besonderen, die Stärkung unserer geschlossenen, einheitlichen und festgefügten Kampfpartei, die unsere Aufbauarbeit sicher und siegesgewiss leitet. Wer endlose Diskussionen anstrebt, wer die Freiheit fraktioneller Gruppierungen anstrebt – der untergräbt die Einheit der Partei, der unterhöhlt die Macht unserer Partei.“ (Stalin, Band 8, Seite 128/129).
Stalin, An Genossen Kaganowitsch und andere Mitglieder des Politbüros, 26. April 1926:
„Zweitens. Schumski hebt zwar den positiven Charakter der in der Ukraine zu beobachtenden neuen Bewegung für die ukrainische Kultur und ein ukrainisches öffentliches Leben völlig richtig hervor, sieht jedoch nicht die Schattenseiten dieser Bewegung. Schumski übersieht, dass diese Bewegung, die meistens von nichtkommunistischen Intellektuellen geleitet wird, angesichts der Schwäche der einheimischen kommunistishen Kader in der Ukraine mancherorts den Charakter eines Kampfes für die Absonderung der ukrainischen Kultur und des ukrainischen öffentlichen Lebens des gesamten Sowjetlandes, den Charakter eines Kampfes gegen `Moskau` überhaupt, gegen die Russen überhaupt, gegen die russische Kultur und ihre höchste Errungenschaft, den Leninismus, annehmen kann. Ich brauche nicht den Beweis zu führen, dass diese Gefahr in der Ukraine immer realer wird. Ich möchte nur sagen, dass selbst manche ukrainische Kommunisten von solchen Fehlern nicht frei sind. Ich denke dabei an eine solch allgemein bekannte Tatsache wie den Artikel des bekannten Kommunisten Chwilewoi in der ukrainischen Presse. Chwilewois Forderung nach ´unverzüglicher Entrussifizierung des Proletariats` in der Ukraine, seine Meinung, dass ´die ukrainische Poesie sich so schnell wie möglich von der russischen Literatur, von ihrem Stil frei machen muss`, seine Erklärung, dass ´die Ideen des Proletariats uns auch ohne die Moskauer Kunst bekannt sind`, seine Begeisterung für irgendeine Messiasrolle der ukrainischen ´jungen` Intelligenz, sein lächerlicher und unmarxistischer Versuch, die Kultur von der Politik zu trennen – all das und vieles Ähnliche mutet jetzt, von einem ukrainischen Kommunisten ausgesprochen, mehr als seltsam an (und kann nicht anders anmuten!).
Zu einer Zeit, da die westeuropäischen Proletarier und ihre kommunistischen Parteien von Sympathie füre ´Moskau`, die Zitadelle der internationalen revolutionären Bewegung und des Leninismus, erfüllt sind, zu einer Zeit, da die westeuropäischen Proletarier begeistert auf das Banner blicken, das über Moskau weht, weiß der ukrainische Kommunist Chwilewoi zu Gunsten ´Moskaus` nichts anderes zu sagen, als die ukrainischen Persönlichkeiten aufzufordern, sich ´so schnell wie möglich` von` Moskau` frei zu machen. Und das nennt sich Internationalismus! Was soll man da noch von den anderen ukraischen Intellektuellen aus dem nichtkommunistischen Lager sagen, wenn Kommunisten in der Sprache eines Chwilewoi zu reden, und nicht nur zu reden, sondern auch in unserer Sowjetpresse zu schreiben beginnen? Schumski begreift nicht, dass man die neue Bewegung für die ukrainische Kultur in der Ukraine nur dann in die Hand bekommen kann, wenn man die Auswüchse eines Chwilewoi in den Reihen der Kommunisten bekämpft. Schumski begreift nicht, dass man nur im Kampf gegen solche Auswüchse die im Aufstieg begriffene ukrainische Kultur in eine sowjetische Kultur und das im Aufstieg begriffene ukrainische Leben in ein sowjetisches öffentliches Leben verwandeln kann.“ (Stalin, Band 8, Seite 135/136).
Stalin, Antwort auf die Begrüßungsansprachen, 8. Juni 1926:
„Ich erinnere mich des Jahres 1898, als man mir zum erstenmal einen Zirkel von Arbeitern der Eisenbahnwerkstätten zuteilte. Das war vor 28 Jahren. Ich erinnere mich, wie ich in der Wohnung des Genossen Sturua, in Anwesenheit von Dshibladse (er war damals auch einer meiner Lehrer), Tschodrischwili, Tscheïdse, Botschorischwili, Ninua und anderen fortgeschrittenen Tifliser Arbeitern meinen ersten Unterricht in der praktischen Arbeit erhielt. Im Vergleich zu diesen Genossen war ich damals recht jung. Vielleicht war ich damals ein wenig belesener als viele dieser Genossen, aber in der praktischen Arbeit war ich damals zweifellos ein Anfänger. Hier, im Kreise dieser Genossen, erhielt ich damals meine erste revolutionäre Feuertaufe. Hier, im kreise dieser Genossen, wurde ich damals ein Lehrling der Revolution. Sie sehen, meine ersten Lehrer waren die Tifliser Arbeiter.
Gestatten Sie mir, Ihnen meinen aufrichtigen, kameradschaftlichen Dank auszusprechen. (Beifall.)
Ich erinnere mich ferner der jahre 1907 – 1909, als ich durch den Willen der Partei nach Baku zur Arbeit entsandt worden war. Drei Jahre revolutionärer Arbeit unter den Arbeitern der Erdölindustriellen stählten mich als Kämpfer und einen der Leiter der praktischen Arbeit am Ort. Im Umgang mit so fortgeschrittenen Bakuer Arbeitern wie Wazek, Saratowez, Fioletow und anderen einerseits und im Sturm schwerster Konflikte zwischen Arbeitern und Erdölindustriellen andererseits erfuhr ich zum erstenal, was es heißt, große Arbeitermassen zu führen. Dort, in Baku, erhielt ich somit meine zweite revolutionäre Feuertaufe. Dort wurde ich ein Geselle der Revolution.
Gestatten Sie mir, meinen Bakuer Lehrern meinen aufrichtigen, kameradschaftlichen Dank auszusprechen. (Beifall.)
Schließlich erinnere ich mich des Jahres 1917, als ich durch den Willen der Partei, nach meinen Wanderungen durch Gefängnisse und Verbannungsorte, nach Leningrad entsandt worden war. Dort, im Kreise der russischen Arbeiter, in der unmittelbaren Nähe des großen Lehrers der Proletarier aller Länder, des Genossen Lenin, im Sturm der großen Schlachten zwischen Proletariat und Bourgeoisie, unter den Verhältnissen des imperialistischen Krieges, lernte ich zum erstenmal verstehen, was es heißt, einer der Führer der großen Partei der Arbeiterklasse zu sein. Dort, im kreise der russischen Arbeiter, der Befreier der unterdrückten Völker und der Vorkämpfer des Proletariats aller Länder und Völker, erhielt ich meine dritte revolutionäre Feuertaufe. Dort, in Russland, wurde ich unter Lenins Leitung einer der meister der Revolution.
Gestatten Sie mir, meinen russischen Lehrern meinen aufrichtigen, kameradschaftlichen Dank auszusprechen und mein Haupt zu neigen im Gedenken an meinen großen Lehrer Lenin. (Beifall.)
Vom Lehrling (Tiflis) über den Gesellen (Baku) zu einem der meister unserer Revolution (Leningrad) – das, Genossen, ist die Schule meiner revolutionären Lehrzeit.
Das, Genossen, ist das wirkliche Bild dessen, was ich war und was ich geworden bin, wenn man ohne Übertreibung, ganz ehrlich sprechen will. (Beifall, der in stürmische Ovationen übergeht.)“ , (Stalin, Band 8, Seite 154 -156).
Stalin, Über das Englisch-Russische Einheitskomitee, 15. Juli 1926:
„Wie konnte es passieren, dass Sinowjew vor einem Jahr den anti-leninistischen Charakter der Theorie des Überspringens verstand, jetzt aber, ein Jahr später, ihn nich