Schulungstext der Komintern / ML

gegen den Intellektualismus

Die Komintern /ML widmet diesem Kampf gegen den Intellektualismus stets besondere Aufmerksamkeit und der Genosse Wolfgang Eggers hat hier eine kleine , nützliche Zitatensammlung der Klassiker Marx, Engels, Lenin, Stalin und Enver Hoxha für uns zusammengestellt, die keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt.



Stalin

Kulturfront,

Intelligenz ,

Intellektualismus,

Kampf gegen die intelligenzlerisch-opportunistischen Elemente in der Kommunistischen Partei

Zitatensammlung

I. Teil (von 3 Teilen)



Stalin, Die Sozialdemokratische Partei Russlands und ihre nächsten Aufgaben, November/ Dezember 1901:

Das menschliche Denken hatte viele Mühseligkeiten, Qualen und Wandlungen durchzumachen, bevor es zu dem wissenschaftlich ausgearbeiteten und begründeten Sozialismus gelangte. Die westeuropäischen Sozialisten hatten sehr lange in der Wüste des utopischen (unerfüllbaren, nicht zu verwirklichenden) Sozialismus umherzuirren, bis sie sich den Weg bahnten, bis sie die Gesetze des gesellschaftlichen Lebens erforschten und begründeten und aus ihnen die Notwendigkeit des Sozialismus für die Menschheit ableiteten. Europa hat seit Beginn des vorigen Jahrhunderts viele tapfere, selbstlose, ehrliche Männer der Wissenschaft hervorgebracht, die danach strebten, die Frage zu klären und zu beantworten, was die Menschheit von dem Übel erlösen kann, das mit der Entwicklung von Handel und Industrie immer stärker und schlimmer wird.“ (Stalin, Werke, Band 1, Seite 10).

... gab es Sozialismus (utopischer Traum (ebenda, Seite 11)), gab es eine Arbeiterbewegung (spontane Rebellion (ebenda, Seite 11)), aber sie gingen unabhängig voneinander ihren Weg (...) , ohne einander zu kennen.“ (Stalin, Band 1, Seite 11).

Aber die ersten Siege verwirrten manche schwache Menschen und stiegen ihnen zu Kopf. Wie einst die utopischen Sozialisten ihre Aufmerksamkeit nur auf das Endziel gerichtet und, durch dieses Endziel geblendet, die reale Arbeiterbewegung, die sich vor ihren Augen entfaltete, gar nicht bemerkt oder abgelehnt hatten, so wandten einige russische Sozialdemokraten umgekehrt alle ihre Aufmerksamkeit ausschließlich der spontanen Arbeiterbewegung, ihren Tagesbedürfnissen zu.“ (Stalin, Band 1, Seite 14).

... eine große Energie wird nur für ein großes Ziel geboren.“ (Stalin, Band 1, Seite 18).

Es stöhnt ein Teil der kleinen und sogar der mittleren Bourgeoisie, der sich mit der Knute des Zaren nicht abfinden kann, besonders der gebildete Teil der Bourgeoisie, die sogenannten Vertreter der freien Berufe (Lehrer, Ärzte, Advokaten, Studenten und Lernende überhaupt).“ (Stalin, Band 1, Seite 19).

Von den Vertretern des privilegierten Standes hat nur ein Teil der Studentenschaft seine Entschlossenheit gezeigt, bis zu Ende für seine Forderungen zu kämpfen. Wir dürfen aber nicht vergessen, dass auch dieser Teil der Studentenschaft aus den Söhnen derselben unterdrückten Bürger besteht; dabei neigt die Studentenschaft, als die studierende Jugend, solange sie noch nicht im praktischen Leben aufgegangen ist und dort noch nicht eine bestimmte gesellschaftliche Stellung eingenommen hat, am meisten idealen Bestrebungen zu, die sie zum Kampf für die Freiheit rufen.

Wie dem auch sei, gegenwärtig tritt die Studentenschaft in der Bewegung der `Gesellschaft` fast als Leiter, als Vortrupp auf. Um sie gruppiert sich heute der unzufriedene Teil der verschiedenen Gesellschaftsklassen. Anfänglich versuchte die Studentenschaft, mit Hilfe eines von den Arbeitern übernommenen Mittels zu kämpfen – mit Hilfe der Streiks. Als aber die Regierung auf ihre Streiks mit einem bestialischen Gesetz (...) antwortete, laut welchem streikende Studenten als Rekruten eingezogen werden, blieb der Studentenschaft nur ein einziges Kampfmittel übrig – von der russischen Gesellschaft Hilfe zu verlangen und von Streiks überzugehen zu Straßendemonstrationen. So ging die Studentenschaft denn auch vor.Sie streckte die Waffen nicht, sondern im Gegenteil, sie begann noch mutiger und entschlossener zu kämpfen. Um sie gruppierten sich die unterjochten Bürger, die Arbeiterklasse reichte ihnen die helfende Hand, und die Bewegung wurde machtvoll und für die Staatsgewalt bedrohlich.

Die von der Studentenschaft erhobenen Forderungen aber, die Forderungen der Lehrfreiheit, der Freiheit des inneren Universitätslebens sind für eine breite gesellschaftliche Bewegung zu eng. Um alle Teilnehmer dieser Bewegung zusammenzuschließen, braucht man ein Banner, das allen verständlich ist und nahesteht, das alle Forderungen vereinigt. Ein solches Banner ist der Sturz der Selbstherrschaft.

Natürlich kann die Studentenschaft nicht mit eigenen Kräften diesen grandiosen Kampf führen, ihre schwachen Hände werden dieses schwere Banner nicht halten können. Um es zu halten, braucht man stärkere Hände, und eine solche Kraft findet man unter den heutigen Verhältnissen nur in der vereinigten Kraft des arbeitenden Volkes. Folglich muss die Arbeiterklasse der Studentenschaft das Banner ganz Russlands aus den schwachen Händen nehmen, die Losungen `Nieder mit der Selbstherrschaft! Es lebe die demokratische Verfassung!`darauf schreiben und das russische Volk zur Freiheit führen. Den Studenten aber müssen wir dankbar sein für die uns erteilte Lehre: sie haben gezeigt, von welch großer Bedeutung die politische Demonstration im revolutionären Kampf ist.“ (Stalin, Band 1, Seite 21 und 22).

Die Bourgeoisie bedient sich gewöhnlich mit Vergnügen der muskulösen Fäuste der Arbeiter im Kampf gegen die Selbstherrschaft, und wenn der Sieg bereits erkämpft ist, eignet sie sich seine Resultate an und lässt die Arbeiter leer ausgehen. (...) Was die Studenten und die anderen Protestierenden aus der Gesellschaft anbelangt, so gehören ja auch sie zu der nämlichen Bourgeoisie. Man braucht ihnen nur eine absolut harmlose ´gerupfte Verfassung` zu bieten, die dem Volke ganz geringfügige Rechte gewährt, damit alle diese Protestierenden ein anderes Lied anstimmen und das ´neue Regime` zu lobpreisen beginnen. Die Bourgeoisie lebt in ständiger Furcht vor dem ´roten Gespenst` des Kommunismus und bemüht sich in allen Revolutionen, die Sache dort enden zu lassen, wo sie eigentlich erst beginnt. Hat sie ein unbedeutendes, für sie vorteilhaftes Zugeständnis erlangt, so reicht sie, durch die Arbeiter erschreckt, der Staatsgewalt die Hand der Versöhnung und verrät schamlos die Sache der Freiheit¹.

¹) Wir haben hier natürlich nicht jene Intelligenz im Auge, die sich bereits von ihrer Klasse lossagt und in den Reihen der Sozialdemokratie kämpft. Solche Intellektuelle aber sind nur eine Ausnahme, sie sind ´weiße Raben`.

Nur die Arbeiterklasse ist eine zuverlässige Stütze der wahren Demokratie. Nur sie kann auf keine Verständigung mit der Selbstherrschaft um irgendeines Zugeständnisses willen eingehen und wird sich nicht einschläfern lassen, wenn man ihr ein süßes Lied unter den Klängen der konstitutionellen Laute zu singen beginnt.

Für die Sache der Demokratie in Russland ist es deshalb von außerordentlich großer Bedeutung, ob die Arbeiterklasse es verstehen wird, an die Spitze der demokratischen Gesamtbewegung zu treten, oder aber ob sie im Nachtrab der Bewegung einhertrotten wird als Hilfskraft der ´Intelligenz`, dh. der Bourgeoisie.

Um jedoch diese führende Rolle spielen zu können, muss sich die Arbeiterklasse zu einer selbständigen politischen Partei zusammenschließen. Dann werden ihr Verrätereien und Treuebrüche ihres zeitweiligen Verbündeten, der ´Gesellschaft`, im Kampf gegen den Absolutismus nichts anhaben können. Von dem Augenblick an, wo diese ´Gesellschaft` die Sache der Demokratie verrät, wird die Arbeiterklasse selbst, mit ihren eigenen Kräften, dieses Werk voranführen – die selbständige politische Partei wird ihr hierzu die notwendige Kraft verleihen“ (Stalin, Band 1, Seite 26).

Stalin, Brief aus Kutais, September/Oktober 1904:

Heutzutage wissen auch Gymnasiasten, dass ´Ideen nicht vom Himmel fallen`.(...) Diese alte Formel haben wir schon lange verdaut, die Zeit ist gekommen, diese allgemeine Frage zu detaillieren. Jetzt interessiert uns, wie aus einzelnen Ideen ein System von Ideen (die Theorie des Sozialismus) herausgearbeitet wird, die die einzelnen Ideen und Ideechen zu einem harmonischen System verbunden werden – der Theorie des Sozialismus, und wer sie herausarbeitet und verbindet. Gibt die Masse ihren Führern das Programm und die Begründung des Programms oder die Führer den Massen? Wenn die Masse selbst und ihre spontane Bewegung uns die Theorie des Sozialismus geben, so braucht man die Masse nicht vor dem schädlichen Einfluss des Revisionismus, des Terrorismus, der Subatowerei, des Anarchismus zu schützen. (...) Wenn aber die spontane Bewegung nicht aus sich selbst die Theorie des Sozialismus gebiert (vergiss nicht, dass bei Lenin von der Theorie des Sozialismus die Rede ist), so heißt das, dass die Letztere außerhalb der spontanen Bewegung geboren wird, aus der Beobachtung und Erforschung der spontanen Bewegung durch Männer, die mit dem Wissen unserer Zeit gewappnet sind. Also wird die Theorie des Sozialismus ´ganz unabhängig von der Entwicklung der spontane Bewegung´ausgearbeitet, sogar trotz dieser Bewegung, und danach erst in diese Bewegung von außen hineingetragen, wobei sie die Bewegung entsprechend ihrem Inhalt korrigiert, d.h. entsprechend den objektiven Anforderungen des Klassenkampfes des Proletariats.

Die Schlussfolgerung (der praktische Schluss) hieraus ist dies: Wir müssen das Proletariat bis zum Bewusstsein der wahren Klasseninteressen, bis zur Erkenntnis des sozialistischen Ideals heben, nicht aber dieses Ideal gegen Kleinigkeiten eintauschen oder es sogar der spontanen Bewegung anpassen. Lenin hat die theoretische Basis geschaffen, auf der denn auch diese praktische Schlussfolgerung beruht. Man braucht nur diese theoretische Voraussetzung anzunehmen, und keinerlei Opportunismus wird an einen herankommen können. Darin liegt die Bedeutung der Leninschen Idee.“ (Stalin, Band 1, Seite 50/51).



Stalin, Brief aus Kutais, (von dem gleichen Genossen), Oktober 1904:

Verwirrung der Fragen ist ein Charakterzug der Opportunisten.“ (Stalin, Band 1, Seite 53).



Stalin, Die Klasse der Proletarier und die Partei der Proletarier, 1. Januar 1905:

Kann man vereinzelt, kann man getrennt kämpfen? Natürlich nicht. Im Gegenteil, zuerst vereinigen sich die Menschen, zuerst organisieren sie sich, und erst dann ziehen sie in den Kampf! (...) Ist unsere Partei keine Anhäufung schwatzender Einzelgänger, sondern eine Organisation von Führern, die vermittels des Zentralkomitees die Armee der Proletarier würdig vorwärtsführt.“ (Stalin, Band 1, Seite 58).



Stalin, Kurze Darlegung der Meinungsverschiedenheiten in der Partei, Mai 1905:

Die Sozialdemokratie ist der Vortrupp des Proletariats. Diesem Trupp gehört jeder sozialdemokratische Kämpfer an, sei er nun Arbeiter oder Intellektueller.“ (Stalin, Band 1, Seite 79).

... es die direkte Pflicht der Sozialkdemokratie Russlands ist, die einzelnen Vortrupps des Proletariats zu sammeln, sie zu einer einheitlichen Partei zusammenzuschließen und dadurch der Zerfahrenheit in der Partei ein für allemal ein Ende zu setzen.“ (Stalin, Band1, Seite 81).

Es ist klar, jeder, der die spontane Bewegung verherrlicht und anbetet, der reißt, ob er will oder nicht, eine Kluft auf zwischen dem Sozialismus und der Arbeiterbewegung, mindert die Bedeutung der sozialistischen Ideologie herab, vertreibt sie aus dem Leben und unterwirft, ob er will oder nicht, die Arbeiter der bürgerlichen Ideologie, denn er begreift nicht, dass die `Sozialdemokratie die Vereinigung von Arbeiterbewegung und Sozialismus` ist.“ (Stalin, Band 1, Seite 83).

Man darf nicht vergessen, dass zu gleicher Zeit die bürgerlichen Ideologen nicht schlummern, dass sie sich auf ihre Art als Sozialisten verkleiden und unermüdlich versuchen, die Arbeiterklasse der bürgerlichen Ideologie zu unterwerfen.“ (Stalin, Band 1, Seite 84).

´Die Geschichte aller Länder zeugt davon, dass die Arbeiterklasse aus eigenen Kräften nur ein tradeunionistisches Bewusstsein herauszuarbeiten vermag, d.h., die Überzeugung von der Notwendigkeit, sich in Verbänden zusammenzuschließen, einen Kampf gegen die Unternehmer zu führen, der Regierung diese oder jene für die Arbeiter notwendigen Gesetze abzutrotzen u.a.m. Die Lehre des Sozialismus ist hingegen aus philosophischen, historischen und ökonomischen Theorien hervorgewachsen, die von den gebildeten Vertretern der besitzenden Klassen, der Intelligenz, ausgearbeitet wurden. Auch die Begründer des modernen wissenschaftlichen Sozialismus, Marx und Engels, gehörten ihrer sozialen Stellung nach der bürgerlichen Intelligenzt an` [Lenin, Was tun?]. Dies heißt selbstverständlich nicht, fährt Lenin fort, `dass die Arbeiter an dieser Ausarbeitung nicht teilnehmen. Aber sie nehmen daran nicht als Arbeiter teil, sondern als Theoretiker des Sozialismus, als die Proudhons und Weitlings (die beide Arbeiter waren), mit anderen Worten, sie nehmen nur dann und so weit daran teil, als es ihnen in höherem oder geringerem Maße gelingt, sich das Wissen ihres Zeitalters anzueignen und dieses Wissen zu bereichern.`[Lenin, Was tun?].

Alles dies kann man sich annähernd wie folgt vorstellen.Es existieren kapitalistische Zustände. Es gibt Arbeiter und Unternehmer. Sie kämpfen gegeneinander. Der wissenschaftliche Sozialismus ist vorläufig nirgends zu sehen. Von einem wissenschaftlichen Sozialismus gab es nirgends auch nur eine Spur, als die Arbeiter bereits den Kampf führten ... Jawohl, die Arbeiter kämpfen. Aber sie kämpfen isoliert gegen ihre Unternehmer, sie geraten in Konflikt mit den örtlichen Behörden: dort veranstalten sie Streiks, hier erscheinen sie in Versammlungen und auf Demonstrationen, dort verlangen sie von den Behörden Rechte, hier erklären sie den Boykott, die einen reden vom politischen Kampf, die anderen vom ökonomischen u. dgl. m. Aber das bedeutet noch nicht, dass die Arbeiter ein sozialdemokratisches Bewusstsein haben, das bedeutet noch nicht, dass das Ziel ihrer Bewegung die Abschaffung der kapitalistischen Ordnung ist, dass sie von dem Sturz des Kapitalismus und der Errichtung der sozialistischen Ordnung ebenso überzeugt sind, wie sie von der Unvermeidlichkeit des Sonnenuntergangs überzeugt sind, dass sie die Eroberung ihrer politischen Herrschaft (der Diktatur des Proletariats) als das notwendige Werkzeug für den Sieg des Sozialismus betrachten usw.

Unterdessen entwickelt sich die Wissenschaft. Die Arbeiterbewegung lenkt allmählich ihre Aufmerksamkeit auf sich. Der größte Teil der Gelehrten gelangt zu dem Gedanken, dass die Arbeiterbewegung eine Rebellion Widerspenstiger sei, die man mit der Peitsche zur Vernunft bringen sollte. Andere wiederum meinen, es sei die Pflicht der Reichen, den Armen irgendwelche Brosamen zuzuteilen, d.h. die Arbeiterbewegung sei eine Bewegung von Bettlern, deren Ziel es sei, Almosen zu erhalten. Und unter tausend solchen Gelehrten wird sich vielleicht nur einer finden, der an die Arbeiterbewegung wissenschaftlich herangeht, das ganze gesellschaftliche Leben wissenschaftlich erforscht, den Zusammenstoß der Klassen verfolgt, auf das Murren der Arbeiterklasse lauscht und schließlich wissenschaftlich beweist, dass die kapitalistische Ordnung durchaus nicht etwas Ewiges ist, dass sie ebenso vorübergehend ist wie der Feudalismus, dass ihr unvermeidlich die sie negierende sozialistische Ordnung folgen muss, die nur vom Proletariat vermittels der sozialen Revolution errichtet werden kann. Mit einem Wort, der wissenschaftliche Sozialismus wird herausgearbeitet.

Es versteht sich, dass es, wenn es keinen Kapitalismus und keinen Klassenkampf gäbe, auch keinen wissenschaftlichen Sozialismus gäbe. Wahr ist aber auch, dass jene wenigen, sagen wir Marx und Engels, den wissenschaftlichen Sozialismus nicht herausgearbeitet hätten, wenn sie nicht über wissenschaftliche Kenntnisse verfügt hätten.

Was ist wissenschaftlicher Sozialismus ohne Arbeiterbewegung? Ein Kompass, der, macht man von ihm keinen Gebrauch, nur verrosten kann, und dann müsste er über Bord geworfen werden.

Was ist Arbeiterbewegung ohne Sozialismus? Ein Schiff ohne Kompass, das auch so am anderen Ufer landen wird, das jedoch, wenn es einen Kompass hat, das Ufer bedeutend schneller erreichen und weniger Gefahren ausgesetzt sein würde.

Vereinigt beides, und ihr erhaltet ein prächtiges Schiff, das direkt nach dem anderen Ufer steuert und den Hafen unbeschädigt erreicht.

Vereinigt die Arbeiterbewegung mit dem Sozialismus, und ihr erhaltet die sozialdemokratische Bewegung, die auf direktem Wege dem ´gelobten Land` entgegenstreben wird. [unterstrichen von der Redaktion].

Da ist es nun die Pflicht der Sozialdemokratie (und nicht nur der sozialdemokratischen Intellektuellen), Sozialismus und Arbeiterbewegung zu vereinigen, sozialistisches Bewusstsein in die Bewegung hineinzutragen und der spontanen Arbeiterbewegung auf diese Weise sozialdemokratischen Charakter zu verleihen.

So sagt Lenin.

(...) Also: die spontane Arbeiterbewegung, die Arbeiterbewegung ohne den Sozialismus, verflacht unvermeidlich und nimmt trade-unionistischen Charakter an – sie unterwirft sich der bürgerlichen Ideologie. Darf man hieraus den Schluss ziehen, der Sozialismus sei alles und die Arbeiterbewegung sei nichts? Natürlich nicht! So sprechen nur Idealisten. Irgendwann einmal, nach sehr langer Zeit, wird die ökonomische Entwicklung die Arbeiterklasse unvermeidlich zur sozialen Revolution führen und sie folglich veranlassen, ganz und gar mit der bürgerlichen Ideologie zu brechen. Es handelt sich nur darum, dass dieser Weg sehr langwierig und schmerzhaft sein wird.

Andererseits wird der Sozialismus ohne die Arbeiterbewegung, auf welchem wissenschaftlichen Boden er auch entstanden sein möge, dennoch eine leere Phrase bleiben und seine Bedeutung verlieren. Kann man hieraus den Schluss ziehen, die Bewegung sei alles und der Sozialismus nichts? Natürlich nicht. So räsonieren nur Quasimarxisten, für die das Bewusstsein keinerlei Bedeutung hat, da es vom gesellschaftlichen Sein selbst geboren werde. Den Sozialismus kann man mit der Arbeiterbewegung vereinigen und dadurch aus einer leeren Phrase zu einer scharfen Waffe machen.

Die Schlussfolgerung?

Die Schlussfolgerung lautet: Die Arbeiterbewegung muss mit dem Sozialismus vereinigt werden, die praktische Tätigkeit und das theoretische Denken müssen in eins verschmelzen und dadurch der spontanen Arbeiterbewegung sozialdemokratischen Charakter verleihen, denn ´die Sozialdemokratie ist die Vereinigung der Arbeiterbewegung und Sozialismus´ [Erfurter Programm]. Dann wird der mit der Arbeiterbewegung vereinigte Sozialismus aus einer leeren Phrase in den Händen der Arbeiter zu der größten Macht werden. Dann wird die spontane Bewegung, zu einer sozialdemokratischen Bewegung geworden, mit raschen Schritten und auf sicherem Wege zur sozialistischen Ordnung schreiten.

Worin besteht also die Bestimmung der Sozialdemokratie Russlands? Was müssen wir tun?

Es ist unsere Pflicht, die Pflicht der Sozialdemokratie, die spontane Bewegung der Arbeiter von dem trade-unionistischen Wege abzubringen und sie auf den sozialdemokratischen Weg zu bringen. Es ist unsere Pflicht, in diese Bewegung das sozialistische Bewusstsein (das Marx und Engels herausgearbeitet haben) hineinzutragen und die fortgeschrittenen Kräfte der Arbeiterklasse zu einer einzigen zentralisierten Partei zu vereinigen. Es ist unsere Aufgabe, stets an der Spitze der Bewegung zu marschieren und unermüdlich alle zu bekämpfen – ob Feind oder `Freund`-, die die Verwirklichung dieser Aufgabe behindern.“ (Stalin, Band 1, Seite 84 – 92).

Man denke nur, welche heroische Tat: seine eigene ´Theorie` erdichten, sie dem Gegner zuschreiben und dann selbst die Frucht der eigenen Phantasie zu bombardieren. Auch eine Kritik!“ (Stalin, Band 1, Seite 93).

Welcher Dummkopf kann sagen, der Arbeiter sei seiner Lage nach Bourgeois – der Arbeiter, der der Produktionsinstrumente beraubt ist und vom Verkauf seiner Arbeitskraft lebt? Nein! Lenin sagt etwas ganz anderes. Die Sache ist die, dass ich meiner Lage nach Proletarier und nicht nicht Bourgeois sein kann, mir hierbei jedoch meiner Lage nicht bewusst sein und mich deshalb der bürgerlichen Ideologie unterwerfen kann.“ (Stalin, Band 1, Seite 94).

..., wenn die Arbeiterbewegung sich nicht mit dem wissenschaftlichen Sozialismus vereinigt, so verflacht sie unvermeidlich, nimmt einen ´nur-gewerkschaftlichen` Charakter an, unterwirft sich folglich der trade- unionistischen Ideologie.

`Das ist eine Erniedrigung der Arbeiter, eine Verherrlichung der Intelligenz!` zetert unser ´Kritiker` (...) Sie halten das Proletariat für ein launenhaftes Fräulein, dem man nicht die Wahrheit sagen darf, dem man ewig Komplimente machen muss, damit es nicht davonläuft. (...) Somit ist der wissenschaftliche Sozialismus ohne die Arbeiterbewegung nichts als ein leeres Wort, das immer leicht in den Wind geredet werden kann.“ (Stalin, Band 1, Seite 98/99).

(Marx) spricht davon, dass die theoretischen Vertreter der Kleinbourgeoisie `zu denselben Aufgaben und Lösungen theoretisch getrieben werden, wohin jene das materielle Interesse und die gesellschaftliche Lage praktisch treiben. Dies ist überhaupt das Verhältnis der politischen und literarischen Vertreter einer Klasse zu der Klasse, die sie vertreten.` [`18. Brumaire`].

Welchen Gedanken entwickelt Marx in dem angeführten Satz? Nur den, dass der Theoretiker dieser oder jener Klasse ein Ideal nicht schaffen kann, es sei denn, dass seine Elemente im Leben existieren, dass er die Elemente des Zukünftigen nur wahrzunehmen und auf diesem Boden das Ideal theoretisch zu schaffen vermag, zu dem diese oder jene Klasse praktisch kommt. Der Unterschied ist der, dass der Theoretiker der Klasse voraneilt und früher als sie den Keim des Zukünftigen wahrnimmt. Eben das heißt `theoretisch zu etwas kommen`.

Hören wir, was Marx und Engels in ihrem `Manifest` sagen: ´Die Kommunisten (...) sind also praktisch der entschiedenste, immer weiter treibende Teil der Arbeiterparteien aller Länder; sie haben theoretisch vor der übrigen Masse des Proletariats die Einsicht in die Bedingungen, den Gang und die allgemeinen Resultate der proletarischen Bewegung voraus.` [Marx, Engels, Manifest der Kommunistischen Partei].

Jawohl, die Ideologen ´treiben weiter´, sie sehen bedeutend weiter als die ´übrige Masse des Proletariats`, und hierauf kommt alles an. Die Ideologen treiben weiter, und eben deshalb ist die Idee, das sozialistische Bewusstsein, von großer Bedeutung für die Bewegung. (Stalin, Band 1, Seite 100/101).

Auf der historischen Arena erschienen Marx und Engels (...) Sie bewiesen, dass das gesellschaftliche Sein die Quelle der Ideen ist, dass deshalb das Sein der Gesellschaft die Grundlage ist, auf der das gesellschaftliche Bewusstsein beruht. Damit gruben sie dem Idealismus das Grab und ebneten den Weg für den Materialismus. Manche Halbmarxisten verstanden dies so, als ob das Bewusstsein, die Ideen im Leben nur eine sehr geringe Bedeutung hätten.

Es galt, die große Bedeutung dieser Ideen zu beweisen.

Und da kam Engels und betonte in seinen Briefen (1891 -1894), dass die Ideen gewiss nicht vom Himmel fallen, sondern vom Leben selbst hervorgebracht werden, dass sie aber, einmal hervorgebracht, große Bedeutung gewinnen, die Menschen vereinigen, sie organisieren und dem gesellschaftlichen Leben, das sie hervorgebracht hat, ihren Stempel aufdrücken, dass die Ideen in der historischen Bewegung von großer Bedeutung sind.“ (Stalin, Band 1, Seite 102).

Zwar haben sie den gleichen Gedanken aus Lenins Buch, gegen den sie heute zu Felde ziehen, gestern noch verteidigt, aber was ist da zu machen: ein Opportunist heißt eben deshalb Opportunist, weil Prinzipientreue bei ihm nicht hoch im Kurs steht.

Welchen anderen Namen als Opportunismus aber kann man dafür finden, wenn sie ihre eigenen Worte abschwören, wenn sie sich von einer Seite auf die andere werfen, wenn sie ewig schwanken und wanken? Ist es möglich, dass ein wahrer Sozialdemokrat dauernd seine Überzeugung wechselt? So häufig werden ja nicht einmal die Taschentücher gewechselt.“ (Stalin, Band 1, Seite 108 und 109/110).

Ja gewiss, in einigen Städten stehen die Arbeiter auf der Seite der ´Minderheit`, aber das beweist nichts. Die Arbeiter folgen in einigen Städten auch den Revisionisten (Opportunisten in Deutschland), aber das heißt noch nicht, dass ihr Standpunkt ein proletarischer ist, dies heißt noch nicht, dass sie keine Opportunisten sind. Einmal fand auch die Krähe eine Rose, aber dies bedeutet noch nicht, dass die Krähe eine Nachtigall ist. Nicht umsonst heißt es:

Fand die Krähe eine Rose, dünkt sie sich schon Nachtigall.

Jetzt ist es klar, auf welchem Boden die Meinungsverschiedenheiten in der Partei entstanden sind. Wie man sieht, sind in unserer Partei zwei Tendenzen zum Vorschein gekommen: die Tendenz der proletarischen Standhaftigkeit und die Tendenz der intelligenzlerischen Wankelmütigkeit. (...) Das ist das Wesen der ganzen Sache. [unterstrichen von der Redaktion]. Allerdings machen unsere Quasimarxisten häufig ein Geschrei davon, sie seien gegen die´intelligenzlerische Denkart`, und versuchen hierbei, die ´Mehrheit`der ´intelligenzlerischen Wankelmütigkeit` zu zeihen, aber dies erinnert an den Fall mit dem Dieb, der Geld stahl und dann ein Geschrei erhob: ´Haltet den Dieb!` Außerdem weiß man: Wes das Herz voll ist, des geht der Mund über.“ (Stalin, Band 1, Seite 111/112).



Stalin, Antwort an den `Sozialdemokrat`, 15. August 1905:

Somit wird das sozialistische Bewusstsein von einigen wenigen sozialdemokratischen Intellektuellen herausgearbeitet. In die Arbeiterbewegung hineingetragen aber wird dieses Bewusstsein von der ganzen Sozialdemokratie, die dem spontanen Kampf des Proletariats einen bewussten Charakter verleiht. Hiervon ist in meiner Broschüre die Rede. Was führt mein Gegner hiergegen ins Feld?

... anstatt zu kritisieren, umgeht er diese Frage [Herausarbeitung des sozialistischen Bewusstseins- Anmerkung der Redaktion], vielleicht deshalb, weil er sich von seinem Irrtum überzeugt hat, nur kann er sich nicht entschließen, diesen Irrtum offen zuzugeben.

Was sagt der Autor vom Hineintragen des Bewusstseins? (...) Wieso können Sie nicht begreifen, dass unserer Meinung nach, der Meinung der Bolschewiki nach, das sozialistische Bewusstsein in die Arbeiterbewegung von der Sozialdemokratie hineingetragen wird, und nicht nur von sozialdemokratischen Intellektuellen? Weshalb glauben Sie, dass es nur Intellektuelle in der sozialdemokratischen Partei gibt? Wissen Sie denn etwa nicht, dass es in den reihen der Sozialdemokratie bedeutend mehr fortgeschrittene Arbeiter gibt als Intellektuelle? Können denn etwa die sozialdemokratischen Arbeiter nicht das sozialistische Bewusstsein in die Arbeiterbewegung hineintragen?

Unser ´Kritiker` bildet sich ein, er habe die Frage geklärt. Was bedeuten Kautskys Worte? Nur dies, dass sozialistische Bestrebungen im Proletariat von selbst entstehen. Und das ist natürlich richtig. Wir aber streiten ja nicht über sozialistische Bestrebungen, sondern über das sozialistische Bewusstsein! Was gibt es Gemeinsames zwischen diesem und jenem? Sind etwa Bestrebungen und Bewusstsein ein und dasselbe? Sollte der Autor nicht die ´sozialistische Tendenz` von dem ´sozialistischen Bewusstsein` unterscheiden können?“ (Stalin, Band 1, Seite140, 141, 142/143).

Nimmt man solche Züge zusammen, wie politische Charakterlosigkeit, Kampf um der Sitze willen, Unstandhaftigkeit, Prinzipienlosigkeit und andere derartige Eigenschaften, so erhalten wir eine gewisse allgemeine Eigenschaft – intelligenzlerische Wankelmütigkeit, an der vor allem Intellektuelle leiden. Es ist klar, dass intelligenzlerische Wankelmütigkeit der Boden (die Basis) ist, auf der der ´Kampf um der Sitze willen` , ´Prinzipienlosigkeit` und dergleichen mehr entsteht. Die Unstandhaftigkeit der Intellektuellen aber ist bedingt durch ihre gesellschaftliche Lage. So erklären wir die Parteispaltung. Haben Sie, unser Autor, endlich begriffen, was für ein Unterschied besteht zwischen der Ursache der Spaltung und ihren Formen? Ich bezweifle das. (Stalin, Band 1, Seite145).

Die dritte Lüge. Nach der Meinung des Autors ´verlangt Lenin die Aufrichtung der Herrschaft der Intellektuellen in der Partei`(S. 5). Lenin aber sagt: `Dem Komitee müssen ... nach Möglichkeit alle bedeutenden Führer der Arbeiterbewegung aus der Mitte der Arbeiterschaft selbst angehören`(siehe `Brief an einen Genossen`, S.7-8); d.h. nicht nur in allen anderen Organisationen, sondern auch im Komitee müssen die Stimmen der fortgeschrittenen Arbeiter überwiegen.“ (Stalin, Band 1, Seite 146).

Die sechste Lüge. Der Autor schreibt mit den Gedanken zu, meiner Meinung nach werde ´der Sozialismus von außen her durch die Intelligenz in die Arbeiterklasse hineingetragen`(S.7). Während ich sage, dass die Sozialdemokratie (und nicht nur sozialdemokratische Intellektuelle) in die Bewegung sozialistisches Bewusstsein hineintrage (S.18)“;

Die siebte Lüge. Nach der Meinung des Autors sagt Lenin, die sozialistische Ideologie sei ´ganz unabhängig von der Arbeiterbewegung` entstanden (S.9). Lenin aber ist ein solcher Gedanke zweifellos gar nicht in den Kopf gekommen. Er sagt, dass die sozialistische Ideologie ´ganz unabhängig von dem spontanen Anwachsen der Arbeiterbewegung entstanden ist (Was tun?`, S.21 [deutsche Neuausgabe S.63]); (Stalin, Band 1, Seite 147).

Plechanow sagt: ´... Ich verstehe ferner nicht, weshalb man glaubt, dass das Projekt Lenins [Lenins Formulierung von § 1 des Parteistatuts- Anmerkung], einmal angenommen, die Tore unserer Partei vielen Arbeitern verschließen würde. Die Arbeiter, die in die Partei eintreten wollen, werden sich nicht fürchten, einer Organisation beizutreten. Sie haben keine Angst vor der Disziplin. Ihr beizutreten werden sich viele Intellektuelle fürchten, die durch und durch von bürgerlichem Individualismus durchdrungen sind. Aber das ist gerade gut. Diese bürgerlichen Individualisten sind gewöhnlich auch Vertreter des Opportunismus jeder Art. Wir müssen sie von uns fernhalten. Lenins Projekt kann als ein Bollwerk gegen ihren Einbruch in die Partei dienen, und schon allein deswegen müssen alle Gegner des Opportunimsus für dies Projekt stimmen.`(Siehe das ´Protokoll`, S. 246). Wir hoffen, dass Sie,, mein Herr ´Kritiker`, die Maske abwerfen und mit proletarischer Geradlinigkeit diese Worte Plechanows wiederholen werden. Tun Sie dies nicht, so wird dies bedeuten, dass Ihre Erklärungen in der Presse unüberlegt und verantwortungslos sind.“ (Stalin, Band 1, Seite 148/149).



Stalin, Die Bourgeoisie stellt eine Falle, 15. Oktober 1905:

Was sind das, liberale Bourgeoisie?

Bewusste Vertreter der vermögenden Bourgeoisie.

Die vermögende Bourgeoisie ist unser unversöhnlicher Feind, ihr Reichtum beruht auf unserer Armut, ihre Freude auf unserem Leid. Es ist klar, dass ihre bewussten Vertreter unsere geschworenen Feinde sind und versuchen werden, uns bewusst zu zerschlagen.

Sie sind keine Sozialisten, sie hassen die sozialistische Bewegung.

Sie sind keine Demokraten. Sie hassen die demokratische Republik.

Sie wollen die Rechte des Zaren nur ein wenig beschneiden, und auch das nur unter der Bedingung, dass diese Rechte in die Hände der Bourgeoisie übergehen.“ (Stalin, Band 1, Seite 155/156).

Es erübrigt sich zu sagen, dass die Wahl ´fortschrittlicher Kandidaten`ein leeres Wort bleibt, wenn nur die Besitzenden das Wahlrecht erhalten.Von zwei Dingen eins: entweder haben sich die liberalen Bourgeois menschewisiert oder die kaukasische ´Minderheit` hat sich liberalisiert. So oder so, kein Zweifel, dass die soeben aus dem Ei gekrochene ´Partei` der liberalen Bourgeois ihre Falle schlau aufstellt... Diese Falle zerschlagen, sie allen sichtbar machen, schonungsloser Kampf gegen die liberalen Feinde des Volkes, - das ist es, was wir jetzt brauchen.“ (Stalin, Band 1, Seite 159).



Stalin, Tiflis, den 20. November 1905, 20. November 1905:

Das Schicksal der Revolution lag niemals in der Hand des Liberalismus. Gang und Ausgang der russischen Revolution hängen ganz und gar von der Haltung des revolutionären Proletariats und der revolutionären Bauernschaft ab.“ (Stalin, Band 1, Seite 169).



Stalin, Zwei Schlachten, 7. Januar 1906:

Drittens ist es unsere Aufgabe, mit allen Schwankungen Schluss zu machen, jede Unbestimmtheit zu verurteilen und entschlossen die Angriffspolitik durchzuführen... Kurzum, eine geschlossene Partei, ein von der Partei organisierter Aufstand und eine Angriffspolitik – das ist es, was für heute für den Aufstand nötig haben.“ (Stalin, Band 1, Seite 177).



Stalin, Anarchismus oder Sozialismus? Dezember 1906 – Januar 1907:

In den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts entstand unter der russischen Intelligenz ein großer Streit. Die Volkstümler behaupteten,der Hauptfaktor, der die ´Befreiung Russlands` bewerkstelligen könne, sei die Kleinbourgeoisie in Dorf und Stadt. Wieso? Fragten die Marxisten sie. Weil die Kleinbourgeoisie in Dorf und Stadt, sagten die Volkstümler, jetzt die Mehrheit bildet und außerdem, weil sie arm ist und im Elend lebt.

Die Marxisten erwiderten: Richtig ist, dass die Kleinbourgeoisie in Dorf und Stadt heute die Mehrheit bildet und dass sie tatsächlich arm ist, aber kommt es denn darauf an? Die Kleinbourgeoisie bildet schon lange die Mehrheit, doch hat sie bis jetzt ohne die Hilfe des Proletariats keinerlei Initiative im Kampf für die ´Freiheit` an den Tag gelegt. Und warum? Weil die Kleinbourgeoisie als Klasse nicht wächst, sondern sich im Gegenteil von Tag zu Tag zersetzt und in Bourgeoisie und Proletarier zerfällt. Auf der anderen Seite kommt selbstverständlich auch der Armut hier nicht die entscheidende Bedeutung zu: die ´Barfüßler` sind noch ärmer als die Kleinbourgeoisie, doch wird niemand behaupten, dass sie die ´Befreiung Russlands` bewerkstelligen können. Es kommt, wie man sieht, nicht darauf an, welche Klasse heute die Mehrheit bildet oder welche Klasse ärmer ist, sondern darauf, welche Klasse erstarkt und welche sich zersetzt. Da nun das Proletariat die einzige Klasse ist, die unaufhörlich wächst und erstarkt, die das gesellschaftliche Leben vorantreibt und alle revolutionären Elemente um sich sammelt, so ist es unsere Pflicht, es als Hauptfaktor in der heutigen Bewegung anzuerkennen, sich seinen Reihen anzuschließen und seine fortschrittlichen Bestrebungen zu unseren eigenen Bestrebungen zu machen. So erwiderten die Marxisten. Die Marxisaten betrachteten offensichtlich das Leben dialektisch, während die Volkstümler metaphysisch urteilten – sie stellten das gesellschaftliche Leben als auf einem Punkt erstarrt dar.“ (Stalin, Band 1, Seite 261/262).

Allerdings hat Marx ´die Bestrebungen und den Willen der Menschen` durch die ökonomische Entwicklung erklärt, und wenn die Bestrebungen mancher Stubenhocker der ökonomischen Situation nicht entsprachen, so nannte er sie utopisch.“ (Stalin, Band 1, Seite 285).

Wie man sieht, ist nach Ansicht von Marx die höhere Phase der kommunistischen (d.h. sozialistischen) Gesellschaft eine Ordnung, in der die Teilung in ´schwarze` und ´weiße` Arbeit und der Gegensatz zwischen geistiger und körperlicher Arbeit restlos beseitigt, die Arbeit gleichgestellt ist und in der Gesellschaft das wahrhaft kommunistische Prinzip herrscht: Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen. Hier gibt es keinen Platz für die Lohnarbeit.“ (Stalin, Band 1, Seite 314).

Die Sache ist die, dass die Diktatur des Proletariats nicht nur unter den Anarchisten auf Einwände stößt, sondern auch unter den städtischen Kleinbürgern, darunter allerlei Fleischern und Kneipenwirten – unter allen denjenigen, die von Marx und Engels als Philister bezeichnet wurden. Hören wir was Engels, an solche Philister gewandt, über die Diktatur des Proletariats sagte: „Der deutsche Philister ist neuerdings wieder in heilsamen Schrecken geraten bei dem Wort: Diktatur des Proletariats. Nun gut, ihr Herren, wollt ihr wissen, wie diese Diktatur aussieht? Seht euch die Pariser Kommune an. Das war die Diktatur des Proletariats“ (Siehe ´Der Bürgerkrieg in Frankreich`. Einleitung von Engels ); (Stalin, Band 1, Seite 319).



Stalin, Vorwort zur Broschüre K. Kautskys, 10. Februar 1907:

Dort, wo das Proletariat bewusst kämpft, hört die librale Bourgeoisie auf, revolutionär zu sein.“ (Stalin, Band 2, Seite 4).

Die Menschewiki behaupten, der Klassenkampf dürfe niemals den allgemeinen Kampf überschattem.“ (Stalin, Band 1, Seite 5).



Stalin, Dem Genossen G. Telija zum Gedenken, 22. März 1907:

Genosse Telija gehörte nicht zu den `Gelehrten`. Als Autodidakt meisterte er die Kunst des Lesens und Schreibens und wurde klassenbewusst.

(...) Diese Werkstätten [Tischlerei der Eisenbahnwerkstätten- Redaktion] leisteten Genossen Telija große Dienste. Sie waren seine Schule, hier wurde er zum Sozialdemokraten, hier stählte er sich und wurde ein standhafter Kämpfer, hier tat er sich auch als fähiger und klassenbewusster Arbeiter hervor. (...) Flammende Propaganda, Schaffung von Organisationen, Teilnahme an verantwortlichen Versammlungen, beharrliche Arbeit an der Selbstaneignung einer sozialistischen Bildung – dem allen widmete er seine ganze freie Zeit. (...)

Das Gefängnis wurde zu seiner zweiten Schule. Durch ständiges Lernen, durch Lesen sozialistischer Bücher und Beteiligung an den Diskussionen vermehrte er seinen Wissensschatz bedeutend. Aber das gleiche Gefängnis drückte ihm auch den Stempel des Todes auf, das gleiche Gefängnis traf ihn mit der tödlichen Krankheit ( der Schwindsucht), die unseren besten Genossen ins Grab gebracht hat. (...)

Telija ähnelte auch denjenigen ´fortschrittlichen` Arbeitern nicht, die sich als `Sozialdemokraten von Geburt` hinstellen und, obgleich völlige Ignoranten, so albern schreien: Wir brauchen keine Kenntnisse, wir sind Arbeiter. Eine kennzeichnende Eigenschaft Telijas war es gerade, dass er den fraktionellen Fanatismus ablehnte, von ganzen Herzen die blinde Nachahmung verachtete und alles mit seinem Verstand ergründen wollte. Eben deshalb stürzte er sich nach seiner Flucht aus dem Gefängnis sofort auf die Bücher: `Protokoll des II. Parteitags`, Martows ´Belagerungszustand`, Lenins `Was tun?` und ´Ein Schritt vorwärts`. Man musste den ausgemergelten, gelb gewordenen Telija gesehen haben, der, beharrlich über den Büchern hockend, lächelnd sagte: ´Wie ich sehe, ist es gar nicht so leicht zu unterscheiden, ob man Bolschewik oder Menschewik sein soll; solange ich diese Bücher nicht durchstudiert habe, solange ist mein Menschewismus auf Sand gebaut`. Nachdem also Genosse Telija die notwendige Literatur studiert und sich in die Streitigkeiten zwischen Bolschewiki und Menschewiki hineingedacht hatte, hat er alles abgewogen und erst dann gesagt: ´Ich, Genossen, bin Bolschewik; wie mir scheint, übt derjenige, der nicht Bolschewik ist, unzweifelhaft Verrat am revolutionären Geist des Marxismus.` Hierauf wurde er ein Apostel des revolutionären Marxismus (Bolschewismus).

(...) Doch das Unglück lag ja eben darin, dass er sich gleich nach seiner Rückkehr aus Russland ins Bett legen musste und nicht mehr aufstand. Erst jetzt begann er eine ernsthafte literarische Tätigkeit.

Nur in den Reihen des Proletariats trifft man Menschen wie Telija, nur das Proletariat bringt Helden wie Telija hervor, und das Proletariat wird auch bestrebt sein, an der verfluchten Ordnung Rache zu nehmen, der unser Genosse – der Arbeiter G. Telijazum Opfer gefallen ist.“ (Stalin, Band 2, Seite 24 – 27).



Stalin, Das fortgeschrittene Proletariat und der fünfte Parteitag, 8. April 1907:

Es gab eine Zeit, wo die Sozialdemokratie Russlands nur eine Handvoll Mitglieder hatte.Damals trug die intelligenzlerischen Charakter und war nicht imstande, dem Kampf des Proletariats ihren Stempel aufzudrücken. Damals betrieben nicht mehr als ein paar Personen die Parteipolitik, die Stimme der proletarischen Parteimassen war kaum vernehmbar... Ganz anders heute. Heute steht vor uns eine großartige Partei- die Sozialdemokratische Arbeiterpartei Russlands -, die an die 200 000 Mitglieder in ihren Reihen zählt, dem Kampf des Proletariats ihren Stempel aufdrückt, die revolutionäre Demokratie ganz Russlands um sich sammelt und den ´Mächtigen dieser Welt` Angst einjagt. Und diese großartige Partei ist um so großartiger und hervorragender, als das Steuer ihrer Leitung von der Parteimasse und nicht von ein paar ´aufgeklärten Personen` geführt wird. (...) Allerdings nennen die Genossen Menschewiki unsere Partei trotzdem eine Intellektuellenpartei, aber das geschieht wahrscheinlich deshalb, weil die Partei in ihrer Mehrheit nicht menschewistisch ist. (...) Somit ist die sozialdemokratische Partei Russlands auch noch dadurch groß, dass sie eine wahrhaft proletarische Partei ist, die ihren Weg in die Zukunft beschreitet und sich den Einflüsterungen ihrer alten ´Führer` [Plechanow usw. - Redaktion] gegenüber kritisch verhält.“ (Stalin, Band 2, Seite 28-29).



Stalin, Der Londoner Parteitag der SDAPR, Baku 1907:

Das rote Banner des Proletariats wird von den Schönrednern des Liberalismus nicht mehr gesenkt werden. Gegen die intelligenzlerischen Schwankungen, die sich für das Proletariat nicht ziemen, ist ein tödlicher Schlag geführt worden. Das ist das zweite, nicht minder wichtige Ergebnis des Londoner Parteitags unserer Partei.“ (Stalin, Band 2, Seite 43).

(I) Die Zusammensetzung des Parteitags

Wir alle waren über die Statistik ´verblüfft`. Wie denn? Die Menschewiki hatten doch doch so viel darüber geschrien, dass unsere Partei aus Intellektuellen bestünde; sie hatten die Bolschewiki Tag und Nacht als Intellektuelle beschimpft, sie hatten gedroht, alle Intellektuellen aus der Partei hinauszujagen, sie hatten die Berufsrevolutionäre fortwährend verächtlich behandelt – und nun erwies sich plötzlich, dass in ihrer Fraktion weitaus weniger Arbeiter waren als bei den ´Intellektuellen` , den Bolschewiki! Es erwies sich, dass es bei ihnen weit mehr Berufsrevolutionäre gab als bei den Bolschewiki! Wir aber haben uns das menschewistische Geschrei mit dem Sprichwort erklärt: ´Die Zunge geht d hin, wo der Zahn schmerzt`... (Stalin, Band 2, Seite 44).

Offensichtlich ist die Taktik der Bolschewiki die Taktik der Proletarier der Großindustrie, die Taktik derjenigen Gebiete, wo die Klassengegensätze besonders klar sind und der Klassenkampf besonders scharf ist. Der Bolschewismus – das ist die Taktik der echten Proletarier.

Andererseits ist nicht weniger offensichtlich, dass die Taktik der Menschewiki vorwiegend eine Taktik der im Handwerk beschäftigten Arbeiter und der bäuerlichen Halbproletarier ist, eine Taktik derjenigen Gebiete, wo die Klassengegensätze nicht ganz klar sind und der Klassenkampf verschleiert ist. Der Menschewismus – das ist die Taktik der halbbürgerlichen Elemente des Proletariats.“ (Stalin, Band 2, Seite 45).

Diese Zusammensetzung der Fraktionen aber ist nicht schwer zu erklären: die Hochburgen des Bolschewismus sind hauptsächlich großindustrielle Gebiete, die, mit Ausnahme Polens, rein russische Gebiete sind, während die Gebiete des Menschewismus Gebiete der Kleinproduktion und zugleich auch Gebiete der Juden, Georgier usw. sind.“ (Stalin, Band 2, Seite 46).

`Das ist es ja gerade, dass wir keine Partei haben` , sagten uns auf dem Parteitag die Menschewiki, ´wir haben nur eine Organisation der kleinbürgerlichen Intelligenz`, die man mit Hilfe des Arbeiterkongresses durch eine Partei ersetzen müsse. (...) Das hieße, alle die Aufrufe, mit denen die Partei das Proletariat zum Kampf rief, Aufrufe, die auch die Menschewiki unterschrieben haben; alle die Streiks und Aufstände in den Jahren 1905, 1906 und 1907, die unter Führung der Partei standen und zu denen es häufig auf Initiative der Partei kam; alle die Siege des Proletariats unter Führung der Partei; alle die Tausende von Opfern des Proletariats, die in den Straßen Petersburgs, Moskaus usw. gefallen, in Sibirien dahingesiecht, in den Kerkern zu Grunde gegangen sind im Namen der Partei, unter dem Banner der Partei – alles das wäre nur Komödie und Betrug? Und das hieße, wir hätten keine Partei, wir hätten nur eine ´Organisation der kleinbürgerlichen Intelligenz`?

Das war natürlich eine direkte Unwahrheit, eine empörende, unverschämte Unwahrheit. Daraus erklärt sich wohl auch die grenzenlose Empörung, die die obenerwähnte Erklärung Axelrods unter den Petersburger und Moskauer Arbeiterdelegierten hervorrief. Von ihren Sitzen aufspringend, erwiderten sie dem Referenten Axelrod energisch: ´Der Bourgeois bist du, der du im Ausland sitzt, und nicht wir; wir sind Arbeiter und wir haben unsere sozialdemokratische Partei, die wir von niemandem herabwürdigen lassen`...“ (Stalin, Band 2, Seite 64/65).

Offensichtlich sind sich die in einigen Fragen, wie den Zielen und den Methoden der Einberufung des Arbeiterkongresses, untereinander uneinigen Menschewiki darin einig, dass ´wir keine Partei haben, sondern nur eine Organisation der kleinbürgerlichen Intelligenz, die man zum alten Eisen werfen muss`... (Stalin, Band 2, Seite 65/66).

Die bolschewistischen Arbeiterdelegierten (...) erhoben sich energisch ´zur Verteidigung der Partei`: `Wir sind Patrioten der Partei`, erklärten sie,´wir lieben unsere Partei, und wir lassen sie nicht von müde gewordenen Intellektuellen diskreditieren.`

Es ist interessant, dass sich die Vertreterin der deutschen Sozialdemokratie, Genossin Rosa Luxemburg, mit den den Bolschewiki völlig einverstanden erklärte. ´Wir deutschen Sozialdemokraten`, sagte sie, ´können die lächerliche Kopflosigkeit der Genossen Menschewiki nicht verstehen, die tastend nach den Massen suchen, während die Massen selber die Partei suchen und unaufhaltsam zu ihr hindrängen`...“ (Stalin, Band 2, Seite 68).

Die Menschewiki hatten aber doch fortwährend geschrien, die Idee eines Arbeiterkongresses sei eine Idee der Arbeiter, nur ´die Intellektuellen`, die Bolschewiki, wirkten der Einberufung eines Kongresses entgegen u. dgl. m. Nach dieser Abstimmung zu urteilen, müsste man eher feststellen, dass umgekehrt die Idee eines Arbeiterkongresses eine Idee der intelligenzlerischen Phantasten ist.. Haben doch offenbar sogar die Arbeiter unter den Menschewiki nicht für einen Arbeiterkongress gestimmt: von 39 Arbeiterdelegierten (30 Menschewiki plus 9 Bundisten) stimmten nur 24 dafür.“ (Stalin, Band 2, Seite 69/70).



Stalin, Wählerauftrag an die sozialdemokratischen Deputierten, September 1907:

Gleichzeitig muss die sozialdemokratische Fraktion den Kampf gegen die reaktionären pseudo-sozialistischen Utopien führen, in die die Sozialrevolutionäre, Volkssozialisten und andere ihre im Wesen kleinbürgerlichen Forderungen kleiden und mit deren Hilfe sie das rein klassenmäßige proletarisch-sozialistische Bewusstsein der Arbeiterklasse trüben.“ (Stalin, Band 2, Seite 72).



Stalin, Die Erdölindustriellen über den ökonomischen Terror, 21. April, 4. und 18. Mai 1908:

Sie flöten vom ´Gewissen` usw. Weshalb schweigt Ihr gläsernes Gewissen über alle diese Repressalien der Herren Erdölindustriellen? (...) Es ist wohl klar, dass die Hauptursache des ´ökonomischen Totschlags` nicht die Arbeiter und nicht ihre Organisationen sind, sondern die aufreizenden und erbitterten Handlungen der Herren Erdölindustriellen.

Nicht weniger klar ist es auch, dass Herr K-sa ein kläglicher Söldling der Herren Erdölindustriellen ist, der alles auf die Arbeiterorganisationen abwälzt und sich auf diese Weise bemüht, die Taten seiner Herren in den Augen des ´Publikums` zu rechtfertigen.“ (Stalin, Band 2, Seite 112).

Was aber folgt nun daraus, aus der Lakaienrolle K-sas?

Hieraus folgt: Was Herr K-sa sagt, gehört nicht ihm selbst, sondern den Erdölindustriellen, die ihn ´inspirieren`. Folglich ist der Artikel K-sas nicht seine Philosophie, sondern die Philosophie der Herrn Erdölindustriellen. Offenbar sprechen durch den Mund K-sas die Erdölindustriellen selber, K-sa gibt nur ihre ´Gedanken, Wünsche und Stimmungen` wieder.“ (Stalin, Band 2, Seite 115).

Die Erdölindustriellen werden angreifen, die Erdölindustriellen müssen angreifen, ihr aber, Arbeiter und Gewerkschaften, zieht euch freundlichst zurück – das sagt uns der Artikel des Hernn K-sa, das sagen uns die Erdölindustriellen durch den Mund ihres ´Flötenbläsers`.“ (Stalin, Band 2, Seite 116).



Stalin, Die Parteikrise und unsere Aufgaben, 1. und 27. August 1909:

Von noch größerer Bedeutung bei der Überwindung der Krise ist die Zusammensetzung der Parteiorganisation. Notwendig ist, dass die erfahrensten und einflussreichsten fortgeschrittenen Arbeiter in allen örtlichen Organisationen vertreten sind, dass die Angelegenheiten der Parteiorganisation in ihren kräftigen Händen konzentriert werden, dass sie, und niemand anders als sie, in der Organisation die wichtigsten Posten einnehmen, von den praktischen und organisatorischen bis zu den journalistischen. Es ist ein Unglück, wenn sich die Arbeiter, die wichtige Posten inneehaben, als ungenügend erfahren und geschult erweisen, mögen sie sogar in der ersten Zeit stolpern – die Praxis und die Ratschläge der erfahrenen Genossen werden ihren Gesichtskreis erweitern und aus ihnen schließlich richtige Journalisten und Führer der Bewegung machen. Man darf nicht vergessen, dass die Bebels nicht vom Himmel fallen, dass sie nur im Prozess der Arbeit, in der Praxis, herangebildet werden; unsere Bewegung aber bedarf jetzt mehr als irgendwann sonst russische Bebels, erfahrener und erprobter Führer aus der Mitte der Arbeiter.“ (Stalin, Band 2, Seite 137).

Es versteht sich von selbst, dass die fortgeschrittenen Arbeiter außer dem Willen und der Initiative zur Führung noch bedeutende Kenntnisse brauchen. Arbeiter mit Kenntnissen aber haben wir wenig. Jedoch gerade hier kommt uns die Hilfe erfahrener und aktiver Intellektueller zustatten. Man muss höhere Zirkel, `Besprechungen` mit den fortgeschrittenen Arbeitern schaffen, wenn auch nur eine in jedem Bezirk, und Theorie und Praxis des Marxismus systematisch ´durchnehmen` - alles dies würde die Lücken der fortgeschrittenen Arbeiter in bedeutendem Maße ausfüllen und aus ihnen künftige Lehrer und ideologische Führer machen. Gleichzeitig müssen die fortgeschrittenen Arbeiter möglichst oft in ihren Werken und Fabriken Referate halten, ´sich tüchtig üben` und nicht vor der Gefahr zurückschrecken, vor dem Auditorium ´durchzufallen`. Ein für alle Mal muss man die überflüssige Bescheidenheit und Angst vor dem Auditorium beiseite werfen, muss man sich mit Wagemut, mit Glauben an seine Kräfte wappnen: es ist kein Unglück, wenn man zu Anfang vorbeihaut, einpaar Mal stolpert, danach wird man sich gewöhnen, selbständig zu schreiten, wie ´Christus auf dem Wasser`.

Kurzum: 1. verstärkte Agitation auf dem Boden der tagtäglichen Bedürfnisse, die mit den Bedürfnissen der gesamten Klasse des Proletariats verbunden werden, 2. Organisierung und Festigung der Fabrik- und Werkkomitees als der wichtigsten Zentren der Partei in den Bezirken, 3. ´Übergabe` der wichtigsten Parteifunktionen an die fortgeschrittenen Arbeiter, 4. Organisierung von ´Besprechungen` mit den fortgeschrittenen Arbeitern – das sind die Wege, mit deren Hilfe es unsere Organisationen verstehen werden, breite Massen um sich zusammenzuschließen.“

Es muss unbedingt gesagt werden, dass uns das Leben selbst die erwähnten Wege zur Überwindung der Parteikrise weist. Das Zentralgebiet und der Ural kommen schon lange ohne Intellektuelle aus, dort erledigen die Arbeiter selbst die Angelegenheiten der Organisation.“ (Stalin, Band 2, Seite 138).



Stalin, August Bebel, der Führer der deutschen Arbeiter, 23. März 1910:

Offensichtlich haben Not und Entbehrungen den jungen Bebel nicht nur nicht zerbrochen, das Streben zum Licht in ihm nicht nur nicht abgetötet, sondern im Gegenteil – sie haben seinen Willen noch mehr gestählt, seinen Wissensdurst gesteigert und in ihm Fragen aufkommen lassen, auf die er in den Büchern gierig nach Antwort suchte.“ (Stalin, Band 2, Seite 183).

Die Regierung hingegen belohnte ihn mit zwei Jahren Festung, wo er aber nicht müßig dasaß, sondern das berühmte Buch `Die Frau und der Sozialismus` schrieb.“ (Stalin, Band 2, Seite 185).

Nur die Theorie des wissenschaftlichen Sozialismus konnte der rastlosen Natur Bebels, der unermüdlich zur Zerstörung der alten, verfaulenden, kapitalistischen Welt drängt, diesen weiten Schwung verleihen. Möge er uns russischen Arbeitern, die solche Bebels der Arbeiterbewegung besonders nötig haben, als Vorbild dienen!“ (Stalin, Band 2, Seite 188).



Stalin, Für die Partei, März 1912:

Es ist notwendig, vor allem die örtlichen Parteiorganisationen zu festigen. In kleine und kleinste Gruppen zersplittert, von einem Meer der Verzweiflung und des Unglaubens an die Sache umgeben, intellektueller Kräfte bar und nicht selten von Provokateuren gesprengt – wer kennt nicht dieses unerfreuliche Bild des Lebens der örtlichen Organisationen? Man muss und kann dieser Zerfahrenheit der Kräfte ein Ende setzen!“ (Stalin, Band 2, Seite 195).



Stalin, Parteilose Sonderlinge, 15. April 1912:

Der parteilose Progressismus ist Mode geworden. Das ist nun einmal die Natur des russischen Intellektuellen – er braucht eine Mode. Man begeisterte sich für den Typ Sanin, verfiel der Dekadenz – jetzt ist die Parteilosigkeit an der Reihe. (...)

Verkleisterung der Klassengegensätze, Verschweigen des Klassenkampfes, Fehlen einer Physiognomie, Bekämpfung des Programmprinzips, Streben nach Chaos und Vermengen der Interessen – das ist die Parteilosigkeit.“ (Stalin, Band 2, Seite 208).

Ein Mensch ohne Kopf oder, genauer gesprochen, mit einer Rübe auf den Schultern an Stelle des Kopfes – das ist die Parteilosigkeit.“ (ebenda, Seite 209).



Stalin, Sie arbeiten gut..., 17. April 1912:

Die Lena-Kannibalen sind nicht zufriedengestellt, denn der Streik auf den Goldfeldern geht weiter [es geht um die Niederschießung der unbewaffneten, streikenden Lena- Arbeiter – Anmerkung der Redaktion] . Die Arbeiter der anderen Städte aber sind nicht nur nicht eingeschüchtert, sondern zum Zeichen des Protests gegen das Blutbad führen sie im Gegenteil einen Streik nach dem anderen durch.

Mehr noch. Russlands Hauptstadt, Petersburg, hat Makarows ´Erläuterungen` mit einer Demonstration von tausenden Studenten und Arbeitern beantwortet.

Der feinfühligste Teil der russischen Gesellschaft, die studierende Jugend, hat dem revolutionärsten Teil des russischen Volkes, dem Proletariat, die Hand hingestreckt, die roten Banner erhoben und verkündet: Jawohl, ´so war es` , aber so darf es nicht mehr sein!

Von dem friedlichen ökonomischen Streik an der Lena zu politischen Streiks über ganz Russland, von politischen Streiks über ganz Russland zu einer vieltausendköpfigen Demonstration von Studenten und Arbeitern direkt im Zentrum Russlands – das haben die Vertreter der Staatsmacht in ihrem Kampf gegen die Arbeiter erreicht. Jawohl, brav ´wühlt der Maulwurf` der Befreiungsbewegung, die weitblickende russische Regierung!“ (Stalin, Band 2, Seite 214).



Stalin, Wie sich für die Wahlen rüsten, 19. April 1912:

Andererseits sind die ´kleinen und mittleren Städter` der ´zweiten Kurie` , die Intelligenz, die Handlungsgehilfen und andere, inzwischen erheblich nach links gerückt, besonders in Verbindung mit den um sich greifenden Ereignissen an der Lena.“ (Stalin, Band 2, Seite 220).



Stalin, Schließt die Reihen! 15. Juli 1917:

... hemmungslose Ausfälle von Piraten der Feder in den käuflichen Zeitungen, Entwaffnung revolutionärer Arbeiter und Auflösung von Regimentern, Wiedereinführung der Todesstrafe – das ist sie, die ´Arbeit` der Militärdiktatur.“ (Stalin, Band 3, Seite 98).



Stalin, An alle Werktätigen, an alle Arbeiter und Soldaten Petrograds, 24. Juli 1917:

All dies geschieht unter der Beteiligung der Menschewiki und der Sozialrevolutionäre, die eine Position nach der anderen feige preisgeben, sich selbst und ihre eigenen Organisationen demütig geißeln, die Errungenschaften der Revolution in verbrecherischer Weise mit Füßen treten...

Noch nie war die Haltung der ´Vertreter` der Demokratie so unwürdig wie jetzt, in diesen historischen Tagen!

Noch nie waren sie so schmachvoll, so tief gesunken wie jetzt!

Kann man sich nach alledem noch wundern, dass die Konterrevolution dreist geworden ist und alles Ehrliche und Revolutionäre mit Schmutz bewirft?

Kann man sich hiernach wundern, dass wohlfeile Söldlinge und feige Verleumder sich erdreisten, die Führer unserer Partei offen ´des Verrats zu beschuldigen`, dass die Piraten der Feder in den bürgerlichen Zeitungen diese ´Beschuldigungen` unverfroren breittreten und dass die sogenannte Staatsanwaltschaft mit frecher Stirn sogenanntes Material ´in Sachen gegen Lenin` veröffentlicht usw.?

Diese Herrschaften spekulieren allem Anschein nach darauf, unsere Reihen zu desorganisieren, Zweifel und Verwirrung unter uns zu säen, Misstrauen gegen unsere Führer zu entfachen.

Diese Elenden! Sie wissen nicht, dass die Namen unsrer Führer dem Herzen der Arbeiterklasse noch nie so teuer und nah gewesen sind wie jetzt, wo das frech gewordene bürgerliche Pack sie mit Schmutz bewirft!

Diese käuflichen Seelen! Sie ahnen nicht, dass, je gröber die Verleumdungen der bürgerlichen Söldlinge sind, um so stärker die Liebe der Arbeiter zu den Führern, um so grenzenloser ihr Vertrauen zu ihnen ist; denn die Arbeiter wissen aus Erfahrung, dass, wenn die Feinde die Führer des Proletariats schmähen, dies ein sicheres Anzeichen dafür ist, dass die Führer ehrlich der Sache des Proletariats dienen.“ (Stalin, Band 3, Seite 129/130).



Stalin, Heute sind Wahlen, 20. August 1917:

Diese Gruppe [„Nowaja Shisn“ (Neues Leben) menschewistische Zeitung, die ab April 1917 in Petrograd erschien. Um sie gruppierten sich die zu Martow haltenden Menschewiki und intellektuelle Einzelgänger halbmenschewistischer Richtung. Die Gruppe „Nowaja Shisn“ schwankte ständig zwischen den Paktierern und den Bolschewiki; nach den Julitagen nahmen die Mitglieder der Gruppe gemeinsam mit den menschewistischen „Vaterlandsverteidigern“ an einem Vereinigungskongress teil. Nach der Oktoberrevolution bezog die Gruppe mit Ausnahme einiger Personen, die sich den Bolschewiki anschlossen, eine feindliche Stellung gegenüber der Sowjetmacht. Die Zeitung „Nowaja Shisn“ wurde im Sommer 1918 verboten- Redaktion] bringt die Stimmungen entwurzelter Intellektueller, die jede Beziehung zum Leben und zur Bewegung verloren haben, zum Ausdruck. Deshalb pendelt sie dauernd hin und her zwischen Revolution und Konterrevolution, zwischen Krieg und Frieden, zwischen Arbeitern und Kapitalisten, zwischen Gutsherren und Bauern.

Einerseits ist sie für die Arbeiter, andrerseits will sie auch mit den Kapitalisten nicht brechen – deshalb rückt sie so schmählich von der Julidemonstration der Arbeiter und Soldaten ab.

Einerseits ist sie für die Bauern, andrerseits möchte sie auch mit den Gutsbesitzern nicht brechen – deshalb ist sie gegen die sofortige Übergabe des gutsherrlichen Bodens an die Bauern und tritt dafür ein, die Konstituierende Versammlung abzuwarten, deren Einberufung vielleicht auf immer verschoben worden ist.

In Worten ist die Gruppe `Nowaja Shisn` für den Frieden, in der Tat aber ist sie gegen den Frieden, denn sie fordert auf zur Unterstützung der `Freiheitsanleihe`, die den imperialistischen Krieg verlängern soll. Wer aber die ´Freiheitsanleihe ` unterstützt, der trägt dazu bei, den Krieg in die Länge zu ziehen, der hilft den Imperialisten, der kämpft in der Tat gegen den Internationalismus.

In Worten ist die Gruppe `Nowaja Shisn` gegen Repressalien und Gefängnisse, in der Tat ist sie aber für Repressalien und Gefängnisse, denn sie ist ein Bündnis mit den ´Vaterlandsverteidigern` eingegangen, die sich sowohl für die Repressalien als auch für die Gefängnisse einsetzen.

Wer aber ein Bündnis mit den ´Vaterlandsverteidigern` eingeht, der hilft der Konterrevolution, der kämpft in der Tat gegen die Revolution!

Lernt es, Genossen, die Menschen an ihren Taten und nicht an ihren Worten zu erkennen!

Lernt es, die Parteien und Gruppen nach ihren Handlungen und nicht nach ihren Verheißungen zu beurteilen.

Alle bürgerlichen Parteien, alle bürgerliche Zeitungen, alle schwankenden Gruppen, alle Gruppen, die nichts Halbes und nichts Ganzes sind, hassen und verleumden unsere Partei.“ (Stalin, Band 3, Seite 224 und 225).



Stalin, Wir fordern, 28. August 1917:

Tatsache ist, dass die gesamte bürgerliche Presse, von der ´Russkaja Wolja` und der ´Birshowka` bis zum ´Nowoje Wremja` und zur ´Rjetsch`, Kornilow geholfen hat, indem sie in diesen Tagen eifrig Gerüchte über eine ´Verschwörung der Bolschewiki` verbreitete.“ (Stalin, Band 3, Seite 242).



Stalin, Die Verschwörung geht weiter, 28. August 1917:

Mögen sie wissen, dass mit dem provokatorischen Geschrei der bürgerlichen Presse vom ´Verrat` der Soldaten und der Bolschewiki nur der wirkliche Verrat der Generäle und der ´Männer der Öffentlichkeit` aus der Kadettenpartei verhüllt werden sollte.

Mögen sie wissen, dass das Geheul der bürgerlichen Presse vom ´Verrat` der Soldaten jedesmal ein sicheres Anzeichen dafür ist, dass die Inspiratoren dieser Presse den Verrat bereits vorbereitet haben und die Schuld daran den Soldaten in die Schuhe zu schieben versuchen.“ (Stalin, Band 3, Seite 247).



Stalin, Die Ausländer und die Verschwörung Kornilows, 12. September 1917:

Die Gelben aller Länder vereinigen sich und schmieden ein Komplott gegen die russische Revolution; die Federfuchser der Bankorgane bemühen sich, diese ´Arbeit` durch einen Höllenlärm verlogener Phrasen über die ´bolschewistische Gefahr` zu tarnen; und Regierungs´kreise`, die niemand kennt, kommen den Wünschen der englischen und französischen Imperialisten nach und deuten pharisäisch auf die Bolschewiki, machen also den plumpen Versuch, die ausreißenden Verbrecher durch verlogene Sentenzen über eine ´unausgeglichene Lage` in Russland zu decken.

Ein schönes Bild...“ (Stalin, Band 3, Seite 270).



Stalin, Über die revolutionäre Front, 19. September 1917:

Sie wollen die revolutionäre Einheitsfront? Unterstützen Sie die Sowjets, brechen Sie mit der Kerenskiregierung, und die Einheit kommt von selbst. Die Einheitsfront wird nicht in Diskussionen, sondern im Kampf geschaffen.(Stalin, Band 3, Seite 283). [unterstrichen von der Redaktion]



Stalin, Sie schmieden Ketten, 24. September 1917:

Unsere Partei hatte Recht, als sie behauptete, dass die kleinbürgerlichen Sozialrevolutionäre und Menschewiki, die ihre Kraft nicht aus der revolutionären Bewegung der Massen, sondern aus spaltiererischen Kombinationen der bürgerlichen Politikaster schöpfen, zu einer selbständigen Politik unfähig sind. Unsere Partei hatte Recht, als sie behauptete, dass die Politik des Paktierens zum Verrat an den Interessen der Revolution führt.“ (Stalin, Band 3, Seite 288).



Stalin, „Gewaltige Stiere haben moch umringt!“, 20. Oktober 1917:

Die Bolschewiki haben die Parole ausgegeben, bereit zu sein! Diese Parole ist hervorgerufen durch die Verschärfung der Lage und die Mobilisierung der Kräfte der Konterrevolution, die einen Angriff auf die Revolution plant, die die Revolution durch die Auslieferung der Hauptstadt an Wilhelm zu enthaupten sucht, die durch die Entfernung der revolutionären Armee aus Petrograd ein Blutbad in der Hauptstadt anrichten will.

Aber nicht alle haben ihn auf ´ihre` Art verstanden und begannen sich zu bewaffnen. Sie, die Arbeiter, sehen viel schärfer als sehr viele ´kluge` und ´gebildete` Intellektuelle. Die Soldaten sind nicht hinter den Arbeitern zurückgeblieben.“ (Stalin, Band 3, Seite 360).

Was die Neurasteniker [Nervenleidenden – Redaktion] von der ´Nowaja Shisn` betrifft, so wissen wir nicht recht, was sie eigentlich von uns wollen.

Wenn sie den ´Tag` des Aufstandes erfahren wollen, um im Voraus die Kräfte der erschrockenen Intellektuellen zur rechtzeitigen ... Flucht, sagen wir nach Finnland, zu mobilisieren, so können wir sie dafür nur ... loben, denn wir sind ´überhaupt` für die Mobilisierung der Kräfte.

Wenn sie jedoch nach dem ´Tag` des Aufstandes fragen, um ihre ´eisernen` Nerven zu beruhigen, so versichern wir ihnen, dass, selbst wenn der ´Tag` des Aufstands festgesetzt wäre und die Bolschewiki ihnen den Termin ´ins Ohr` geflüstert hätten, es unseren Neurastenikern darum doch nicht um einen Deut ´leichter` ums Herz wäre: es gäbe nur neue ´Fragen`, Hysterie usw.

Wenn sie aber nichts anderes im Sinn haben als eine Demonstration gegen uns, um sich von unserer Partei zu distanzieren, so können wir sie dafür wiederum nur loben: Denn erstens wird ihnen dieser vernünftige Schritt bei eventuellen ´Komplikationen` und ´Misserfolgen` von entsprechender Stelle zweifelsohne nicht vergessen werden; zweitens wird er Klarheit in das bewusstsein der Arbeiter und Soldaten bringen, die endlich begreifen werden, dass die ´Nowaja Shisn` zum zweiten Male (Julitage!) aus den Reihen der Revolution zu der schwarzen Heerschar der Burzew und Suworin desertiert. Und es ist ja allbekannt, dass wir überhaupt für Klarheit sind.

Aber vielleicht können sie nicht ´schweigen`, weil jetzt überhaupt alle im vaterländischen Sumpf der intellektuellen Zerfahrenheit ein Geschnatter erhoben haben? Erklärt sich nicht daraus auch Gorkis `Man darf nicht schweigen`? Unglaublich, aber wahr. Sie saßen still und schwiegen, als die Gutsherren und deren Speichellecker die Bauern zur Verzweiflung und zu Hunger´revolten` trieben. Sie saßen still und schwiegen, als die Kapitalisten und ihre Handlanger den Arbeitern Aussperrung und Arbeitslosigkeit in ganz Russland bereiteten. Sie verstanden zu schweigen, als die Konterrevolution danach trachtete, die Hauptstadt auszuliefern und die Armee von dort abzuziehen. Nun aber, wo sich der Petrograder Sowjet, diese Avantgarde der Revolution, zum Schutze der betrogenen Arbeiter und Bauern erhoben hat, da ´können sie nicht länger schweigen`! Und das erste Wort, das sie finden, ist ein Vorwurf nicht gegen die Konterrevolution, nein, sondern gegen dieselbe Revolution, von der sie zwar bei einer Tasse Tee schwärmen, die sie aber in den verantwortungsschwersten Stunden wir die Pest fliehen! Ist das etwa nicht ´sonderbar`?

Die russische Revolution hat nicht wenig Autoritäten gestürzt. Ihre Stärke kommt unter anderem darin zum Ausdruck, dass sie sich nie vor ´großen Namen` gebeugt hat, sie stellte diese in ihren Dienst oder stieß sie ins Nichts hinab, wenn sie nicht bei ihr lernen wollten. Ihrer, der von der Revolution nachher beiseite geworfenen ´großen Namen`, gibt es eine ganze Schar. Plechanow, Kropotkin, Breschkowskaja, Sassulitsch und überhaupt alle jene alten Revolutionäre, an denen nur das bemerkenswert ist, dass sie eben alt sind. Wir fürchten, die Lorbeeren dieser ´Säulen` lassen Gorki nicht schlafen. Wir fürchten, es zieht Gorki ´zum Sterben gern` zu ihnen, ins Archiv.

Nun wohl, des Menschen Wille ist sein Himmelsreich ... Die Revolution versteht weder ihre Toten zu bemitleiden, noch sie zu Grabe zu tragen ...“ (Stalin, Band 3, Seite 362/363).



Stalin, Die Konterrevolutionäre Transkaukasiens, 26. und 27. März 1918:

Für sie [die besitzenden Klassen – die Redaktion] wurde der Kampf gegen die Sowjetmacht deshalb zu einer Frage von Sein und Nichtsein. Und die ´sozialistische` sozialrevolutionär-menschewistische Intelligenz, die schon vom Baume der Erkenntnis der Macht gegessen hatte und sich jetzt vor die Perspektive gestellt sah, die Macht zu verlieren, geriet automatisch in ein Bündnis mit den besitzenden Klassen. So entstand in Transkaukasien eine anti-sowjetische Koalition.“ (Stalin, Band 4, Seite 46).

Das sind die Tatsachen. Nun, und wer wüsste nicht, dass Phrasen und Schlagworte verhallen, Tatsachen und Taten aber bleiben...“ (Stalin, Band 4, Seite 57).



Stalin, Eine der aktuellen Aufgaben, 9. April 1918:

Es gilt, die Massen zur Sowjetmacht emporzuheben und ihre besten Vertreter mit dieser zu verschmelzen. Das ist jedoch ohne die Autonomie dieser Randgebiete unmöglich, das heißt ohne die Organisierung einer einheimischen Schule, eines einheimischen Gerichts, einer einheimischen Verwaltung, einheimischer Machtorgane, einheimischer gesellschaftlich-politischer Institutionen und Bildungsstätten, wobei in allen Sphären der gesellschaftlichen und politischen Arbeit die Vollberechtigung der einheimischen Sprache, der Muttersprache der werktätigen Massen des Gebiets garantiert werden muss.“

... muss die Autonomie nicht den Oberschichten der gegebenen Nation, sondern ihren unteren Schichten die Macht sichern. Das ist der Kern der ganzen Sache.“ (Stalin, Band 4, Seite 66 und 67).



Stalin, Brief an W. I. Lenin, 7. Juli 1918:

Wenn unsere militärischen ´Spezialisten` (Schuster!) nicht geschlafen und gefaulenzt hätten, wäre die Linie nicht unterbrochen worden, und wenn die Linie wieder hergestellt wird, dann nicht dank den Militärs, sondern trotz ihnen.“ (Stalin, Band 4, Seite 102).



Stalin, Brief an W. I. Lenin, 10. Juli 1918:

Die Lebensmittelfrage ist natürlich mit der militärischen Frage verflochten. Um die Sache fördern zu können, brauche ich militärische Vollmachten. Ich habe schon darüber geschrieben, aber keine Antwort erhalten. Nun gut. Dann werde ich eben selbst, ohne Förmlichkeiten, diejenigen Armeebefehlshaber und Kommissare absetzen, die die Sache zu Grunde richten. Das gebietet mir die Sache, und das Fehlen eines Papierchens von Trotzki wird mich natürlich nicht davon abhalten.“ (Stalin, Band 4, Seite 104/105).



Stalin, Brief an W. I. Lenin, 4. August 1918:

Als positive Seite der Front von Zarizyn-Gaschun muss die völlige Liquidierung der Abteilungsmisswirtschaft und die rechtzeitige Entfernung der sogenannten Spezialisten (großer Anhänger teils der Kosaken, teils der Engländer und Franzosen) betrachtet werden, wodurch es ermöglicht wurde, die Truppenteile für uns zu gewinnen und dort eine eiserne Disziplin herzustellen.“ (Stalin, Band 4, Seite 108).



Stalin, An der Südfront, 21. September 1918:

Erstens sind im rückwärtigen Frontgebiet aus den Reihen der Arbeiter Verwaltungsfunktionäre hervorgegangen, die es nicht nur verstehen, für die Sowjetmacht zu agitieren, sondern auch den Staat auf neuen, kommunistischen Grundlagen aufzubauen, und zweitens ist ein neuer Stamm von Offizieren entstanden, die aus den Reihen der Soldaten hervorgegangen sind, im imperialistischen Krieg praktische Erfahrungen erworben haben und das volle Vertrauen der Soldaten der Roten Armee genießen.“ (Stalin, Band 4, Seite 114).



Stalin, Die Logik der Dinge, 29. Oktober 1918:

Aber das ist ja gerade das Unglück, dass wir es in diesem Fall mit einer Partei kleinbürgerlicher Intellektueller [Menschewiki – Redaktion] zu tun haben, die ewig zwischen dem Proletariat und der Bourgeoisie, zwischen Revolution und Konterrevolution hin und her pendeln. Hieraus die unvermeidlichen Widersprüche zwischen Wort und Tat, die ewige Ratlosigkeit und die Unschlüssigkeit des Denkens.“

Wird das menschewistische ZK sich jemals aus diesem Labyrinth des kleinbürgerlichen Wirrwarrs herausfinden?“ (Stalin, Band 4, Seite 122 und 123).

Indessen steht außer Zweifel, dass nur ein entschiedener Bruch mit den konterrevolutionären Elementen des Menschewismus imstande wäre, die gegenwärtig vom menschewistischen ZK proklamierte ´gegenseitige Verständigung` wirklich vorwärtszubringen.“ (Stalin, Band 4, Seite 126).



Stalin, Rede in der Plenarsitzung des Moskauer Sowjets der Arbeiter-, Soldaten- und Bauerndeputierten über die Lage an der Südfront, 29. Oktober 1918:

Die Kraft unserer Armee liegt in ihrer Bewusstheit und Disziplin. Bewusstheit und proletarische Disziplin – das ist eine der Ursachen unseres Erfolges an der Südfront.

Die zweite Ursache ist das Entstehen eines neuen, roten Offizierskorps. Es handelt sich größtenteils um ehemalige Soldaten, die in einer ganzen Reihe von Schlachten ihre Feuertaufe erhalten haben und das Kriegshandwerk gut kennen. Sie führen unsere Truppen zum Sieg.

Das sind die Hauptfaktoren, die den Erfolg unserer Armee bestimmen. Und deswegen, denke ich, wird es den schwarzen Banden niemals gelingen, unsere Armee im Süden zu besiegen.“ (Stalin, Band 4, Seite 128).



Stalin, Über den Süden Russlands, 30. Oktober 1918:

Diese roten Offiziere bilden das Hauptbindemittel unserer Armee, das sie zu einem homogenen disziplinierten Organismus zusammenschweißt.“

Eine Armee kann nicht lange ohne festes Hinterland existieren. Für eine stabile Front ist es notwendig, dass die Armee regelmäßig Ersatz, Munition und Proviant aus dem Hinterland erhält. Eine große Rolle spielte in dieser Hinsicht die im Hinterland erfolgte Heranbildung tüchtiger und kundiger Verwaltungsfunktionäre, hauptsächlich aus fortgeschrittenen Arbeitern, die gewissenhaft und unermüdlich auf dem Gebiet der Mobilmachung und Versorgung arbeiten. Man kann mit Gewissheit sagen, dass Zarizyn ohne diese Verwaltungsfunktionäre nicht zu retten gewesen wäre.“ (Stalin, Band 4, Seite 131).



Stalin, Bericht an W. I. Lenin, 19. Januar 1919:

Außerdem ist es notwendig: 1. den Armeebefehlshaber zu wechseln, 2. drei tüchtige politische Funktionäre herzuschicken, 3. das Gebietskomitee, den Gebietssowjet und anderes mehr schnellstens aufzulösen, um die Mobilmachung der evakuierten Arbeiter zu beschleunigen.“ (Stalin, Band 4, Seite 169).



Stalin, Bericht an Genossen Lenin über die Ursachen des Falls von Perm, 31. Januar 1919:

Zu dem Bild des allgemeinen Zerfalls und der Zerrüttung der Armee und des rückwärtigen Gebietes, der Misswirtschaft und Verantwortungslosigkeit der Armee-, Partei- und Sowjetinstitutionen kommt noch das unerhörte, fast überall beobachtete Überlaufen einer ganzen Reihe verantwortlicher Funktionäre auf die Seite des Gegners. Der Leiter der Verteidigungsanlagen Ingenieur Banin und alle seine Mitarbeiter, der Eisenbahningenieur Adrianowski und der gesamte Spezialistenstab der Eisenbahnverwaltung, der Leiter der Abteilung Heerestransportwesen Suchorski und seine Mitarbeiter, der Leiter der Abteilung für Mobilmachung beim Gebiets- Militärkommissariat Bukin und seine Mitarbeiter, der Kommandeur des Wachbataillons Ufimzew und der Chef der Artelleriebrigade Walkjushenitsch, der Chef der Abteilung für Sonderformationen Eskin und der Kommandeur des Pionierbataillons mit seinem Gehilfen, die Kommandanten der Bahnhöfe Perm I und Perm II, die ganze Registraturabteilung der Versorgundsverwaltung der Armee und die Hälfte der Mitglieder des Zentralkollegiums – sie alle und viele andere sind in Perm zurückgeblieben und zum Gegner übergelaufen.“ (Stalin, Band 4, Seite 177/178).

Zur Festigung des rückwärtigen Gebiets ist es notwendig (...) eine Schule für Parteifunktionäre (hauptsächlich aus den Reihen der Arbeiter) zu schaffen und für richtige Verteilung der Funktionäre zu sorgen.“ (Stalin, Band 4, Seite 190).



Stalin, Unsere Aufgaben im Osten, 2. März 1919:

Unsere Aufgabe besteht darin:

1. mit allen Kräften das kulturelle Niveau der rückständigen Völker zu heben, ein umfassendes Netz von Schulen und Bildungsstätten zu organisieren und die Sowjetagitation in Wort und Schrift in der Sprache zu entwickeln, die der dort lebenden werktätigen Bevölkerung verständlich und vertraut ist; 2. (...); 3. (...)

Nur dadurch kann eine Brücke zwischen der proletarischen Revolution des Westens und der anti-imperialistischen Bewegung des Ostens geschlagen und so ein allumfassender Ring um den verendenden Imperialismus gelegt werden.“ (Stalin, Band 4, Seite 210 und 211); [unterstrichen von der Redaktion].



Stalin, Telegramm an W. I. Lenin, 21. Dezember 1919:

Unmittelbar nach Krasnaja Gorka wurde Seraja Loschadj liquidiert. Die Geschütze in ihnen sind in voller Ordnung. Eine eilige Überprüfung aller Forts und Festungen ist im Gange.

Die Marinespezialisten versichern, dass die Einnahme von Krasnaja Gorka von der Seeseite her die Marinewissenschaft über den Haufen wirft. Mit bleibt nichts übrig, als die sogenannte Wissenschaft zu bedauern. Die rasche Einnahme von Gorka erklärt sich durch das rücksichtslose Eingreifen meinerseits und überhaupt der Zivilisten in die operativen Dinge, das so weit geht, dass die Befehle zu Wasser und zu Lande aufgehoben und unsere eigenen aufgezwungen wurden.

Ich halte es für meine Pflicht, zu erklären, dass ich auch weiterhin so handeln werde, trotz all meiner Hochachtung vor der Wissenschaft.“ (Stalin, Band 4, Seite 231).



Stalin, Reden auf der IV. Konferenz der KP (B) der Ukraine, 19. März 1920:

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