Schulungstext der Komintern / ML

gegen den Intellektualismus

Die Komintern /ML widmet diesem Kampf gegen den Intellektualismus stets besondere Aufmerksamkeit und der Genosse Wolfgang Eggers hat hier eine kleine , nützliche Zitatensammlung der Klassiker Marx, Engels, Lenin, Stalin und Enver Hoxha für uns zusammengestellt, die keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt.



Stalin

Kulturfront,

Intelligenz ,

Intellektualismus,

Kampf gegen die intelligenzlerisch-opportunistischen Elemente in der Kommunistischen Partei

Zitatensammlung

I. Teil (von 3 Teilen)



Stalin, Die Sozialdemokratische Partei Russlands und ihre nächsten Aufgaben, November/ Dezember 1901:

Das menschliche Denken hatte viele Mühseligkeiten, Qualen und Wandlungen durchzumachen, bevor es zu dem wissenschaftlich ausgearbeiteten und begründeten Sozialismus gelangte. Die westeuropäischen Sozialisten hatten sehr lange in der Wüste des utopischen (unerfüllbaren, nicht zu verwirklichenden) Sozialismus umherzuirren, bis sie sich den Weg bahnten, bis sie die Gesetze des gesellschaftlichen Lebens erforschten und begründeten und aus ihnen die Notwendigkeit des Sozialismus für die Menschheit ableiteten. Europa hat seit Beginn des vorigen Jahrhunderts viele tapfere, selbstlose, ehrliche Männer der Wissenschaft hervorgebracht, die danach strebten, die Frage zu klären und zu beantworten, was die Menschheit von dem Übel erlösen kann, das mit der Entwicklung von Handel und Industrie immer stärker und schlimmer wird.“ (Stalin, Werke, Band 1, Seite 10).

... gab es Sozialismus (utopischer Traum (ebenda, Seite 11)), gab es eine Arbeiterbewegung (spontane Rebellion (ebenda, Seite 11)), aber sie gingen unabhängig voneinander ihren Weg (...) , ohne einander zu kennen.“ (Stalin, Band 1, Seite 11).

Aber die ersten Siege verwirrten manche schwache Menschen und stiegen ihnen zu Kopf. Wie einst die utopischen Sozialisten ihre Aufmerksamkeit nur auf das Endziel gerichtet und, durch dieses Endziel geblendet, die reale Arbeiterbewegung, die sich vor ihren Augen entfaltete, gar nicht bemerkt oder abgelehnt hatten, so wandten einige russische Sozialdemokraten umgekehrt alle ihre Aufmerksamkeit ausschließlich der spontanen Arbeiterbewegung, ihren Tagesbedürfnissen zu.“ (Stalin, Band 1, Seite 14).

... eine große Energie wird nur für ein großes Ziel geboren.“ (Stalin, Band 1, Seite 18).

Es stöhnt ein Teil der kleinen und sogar der mittleren Bourgeoisie, der sich mit der Knute des Zaren nicht abfinden kann, besonders der gebildete Teil der Bourgeoisie, die sogenannten Vertreter der freien Berufe (Lehrer, Ärzte, Advokaten, Studenten und Lernende überhaupt).“ (Stalin, Band 1, Seite 19).

Von den Vertretern des privilegierten Standes hat nur ein Teil der Studentenschaft seine Entschlossenheit gezeigt, bis zu Ende für seine Forderungen zu kämpfen. Wir dürfen aber nicht vergessen, dass auch dieser Teil der Studentenschaft aus den Söhnen derselben unterdrückten Bürger besteht; dabei neigt die Studentenschaft, als die studierende Jugend, solange sie noch nicht im praktischen Leben aufgegangen ist und dort noch nicht eine bestimmte gesellschaftliche Stellung eingenommen hat, am meisten idealen Bestrebungen zu, die sie zum Kampf für die Freiheit rufen.

Wie dem auch sei, gegenwärtig tritt die Studentenschaft in der Bewegung der `Gesellschaft` fast als Leiter, als Vortrupp auf. Um sie gruppiert sich heute der unzufriedene Teil der verschiedenen Gesellschaftsklassen. Anfänglich versuchte die Studentenschaft, mit Hilfe eines von den Arbeitern übernommenen Mittels zu kämpfen – mit Hilfe der Streiks. Als aber die Regierung auf ihre Streiks mit einem bestialischen Gesetz (...) antwortete, laut welchem streikende Studenten als Rekruten eingezogen werden, blieb der Studentenschaft nur ein einziges Kampfmittel übrig – von der russischen Gesellschaft Hilfe zu verlangen und von Streiks überzugehen zu Straßendemonstrationen. So ging die Studentenschaft denn auch vor.Sie streckte die Waffen nicht, sondern im Gegenteil, sie begann noch mutiger und entschlossener zu kämpfen. Um sie gruppierten sich die unterjochten Bürger, die Arbeiterklasse reichte ihnen die helfende Hand, und die Bewegung wurde machtvoll und für die Staatsgewalt bedrohlich.

Die von der Studentenschaft erhobenen Forderungen aber, die Forderungen der Lehrfreiheit, der Freiheit des inneren Universitätslebens sind für eine breite gesellschaftliche Bewegung zu eng. Um alle Teilnehmer dieser Bewegung zusammenzuschließen, braucht man ein Banner, das allen verständlich ist und nahesteht, das alle Forderungen vereinigt. Ein solches Banner ist der Sturz der Selbstherrschaft.

Natürlich kann die Studentenschaft nicht mit eigenen Kräften diesen grandiosen Kampf führen, ihre schwachen Hände werden dieses schwere Banner nicht halten können. Um es zu halten, braucht man stärkere Hände, und eine solche Kraft findet man unter den heutigen Verhältnissen nur in der vereinigten Kraft des arbeitenden Volkes. Folglich muss die Arbeiterklasse der Studentenschaft das Banner ganz Russlands aus den schwachen Händen nehmen, die Losungen `Nieder mit der Selbstherrschaft! Es lebe die demokratische Verfassung!`darauf schreiben und das russische Volk zur Freiheit führen. Den Studenten aber müssen wir dankbar sein für die uns erteilte Lehre: sie haben gezeigt, von welch großer Bedeutung die politische Demonstration im revolutionären Kampf ist.“ (Stalin, Band 1, Seite 21 und 22).

Die Bourgeoisie bedient sich gewöhnlich mit Vergnügen der muskulösen Fäuste der Arbeiter im Kampf gegen die Selbstherrschaft, und wenn der Sieg bereits erkämpft ist, eignet sie sich seine Resultate an und lässt die Arbeiter leer ausgehen. (...) Was die Studenten und die anderen Protestierenden aus der Gesellschaft anbelangt, so gehören ja auch sie zu der nämlichen Bourgeoisie. Man braucht ihnen nur eine absolut harmlose ´gerupfte Verfassung` zu bieten, die dem Volke ganz geringfügige Rechte gewährt, damit alle diese Protestierenden ein anderes Lied anstimmen und das ´neue Regime` zu lobpreisen beginnen. Die Bourgeoisie lebt in ständiger Furcht vor dem ´roten Gespenst` des Kommunismus und bemüht sich in allen Revolutionen, die Sache dort enden zu lassen, wo sie eigentlich erst beginnt. Hat sie ein unbedeutendes, für sie vorteilhaftes Zugeständnis erlangt, so reicht sie, durch die Arbeiter erschreckt, der Staatsgewalt die Hand der Versöhnung und verrät schamlos die Sache der Freiheit¹.

¹) Wir haben hier natürlich nicht jene Intelligenz im Auge, die sich bereits von ihrer Klasse lossagt und in den Reihen der Sozialdemokratie kämpft. Solche Intellektuelle aber sind nur eine Ausnahme, sie sind ´weiße Raben`.

Nur die Arbeiterklasse ist eine zuverlässige Stütze der wahren Demokratie. Nur sie kann auf keine Verständigung mit der Selbstherrschaft um irgendeines Zugeständnisses willen eingehen und wird sich nicht einschläfern lassen, wenn man ihr ein süßes Lied unter den Klängen der konstitutionellen Laute zu singen beginnt.

Für die Sache der Demokratie in Russland ist es deshalb von außerordentlich großer Bedeutung, ob die Arbeiterklasse es verstehen wird, an die Spitze der demokratischen Gesamtbewegung zu treten, oder aber ob sie im Nachtrab der Bewegung einhertrotten wird als Hilfskraft der ´Intelligenz`, dh. der Bourgeoisie.

Um jedoch diese führende Rolle spielen zu können, muss sich die Arbeiterklasse zu einer selbständigen politischen Partei zusammenschließen. Dann werden ihr Verrätereien und Treuebrüche ihres zeitweiligen Verbündeten, der ´Gesellschaft`, im Kampf gegen den Absolutismus nichts anhaben können. Von dem Augenblick an, wo diese ´Gesellschaft` die Sache der Demokratie verrät, wird die Arbeiterklasse selbst, mit ihren eigenen Kräften, dieses Werk voranführen – die selbständige politische Partei wird ihr hierzu die notwendige Kraft verleihen“ (Stalin, Band 1, Seite 26).

Stalin, Brief aus Kutais, September/Oktober 1904:

Heutzutage wissen auch Gymnasiasten, dass ´Ideen nicht vom Himmel fallen`.(...) Diese alte Formel haben wir schon lange verdaut, die Zeit ist gekommen, diese allgemeine Frage zu detaillieren. Jetzt interessiert uns, wie aus einzelnen Ideen ein System von Ideen (die Theorie des Sozialismus) herausgearbeitet wird, die die einzelnen Ideen und Ideechen zu einem harmonischen System verbunden werden – der Theorie des Sozialismus, und wer sie herausarbeitet und verbindet. Gibt die Masse ihren Führern das Programm und die Begründung des Programms oder die Führer den Massen? Wenn die Masse selbst und ihre spontane Bewegung uns die Theorie des Sozialismus geben, so braucht man die Masse nicht vor dem schädlichen Einfluss des Revisionismus, des Terrorismus, der Subatowerei, des Anarchismus zu schützen. (...) Wenn aber die spontane Bewegung nicht aus sich selbst die Theorie des Sozialismus gebiert (vergiss nicht, dass bei Lenin von der Theorie des Sozialismus die Rede ist), so heißt das, dass die Letztere außerhalb der spontanen Bewegung geboren wird, aus der Beobachtung und Erforschung der spontanen Bewegung durch Männer, die mit dem Wissen unserer Zeit gewappnet sind. Also wird die Theorie des Sozialismus ´ganz unabhängig von der Entwicklung der spontane Bewegung´ausgearbeitet, sogar trotz dieser Bewegung, und danach erst in diese Bewegung von außen hineingetragen, wobei sie die Bewegung entsprechend ihrem Inhalt korrigiert, d.h. entsprechend den objektiven Anforderungen des Klassenkampfes des Proletariats.

Die Schlussfolgerung (der praktische Schluss) hieraus ist dies: Wir müssen das Proletariat bis zum Bewusstsein der wahren Klasseninteressen, bis zur Erkenntnis des sozialistischen Ideals heben, nicht aber dieses Ideal gegen Kleinigkeiten eintauschen oder es sogar der spontanen Bewegung anpassen. Lenin hat die theoretische Basis geschaffen, auf der denn auch diese praktische Schlussfolgerung beruht. Man braucht nur diese theoretische Voraussetzung anzunehmen, und keinerlei Opportunismus wird an einen herankommen können. Darin liegt die Bedeutung der Leninschen Idee.“ (Stalin, Band 1, Seite 50/51).



Stalin, Brief aus Kutais, (von dem gleichen Genossen), Oktober 1904:

Verwirrung der Fragen ist ein Charakterzug der Opportunisten.“ (Stalin, Band 1, Seite 53).



Stalin, Die Klasse der Proletarier und die Partei der Proletarier, 1. Januar 1905:

Kann man vereinzelt, kann man getrennt kämpfen? Natürlich nicht. Im Gegenteil, zuerst vereinigen sich die Menschen, zuerst organisieren sie sich, und erst dann ziehen sie in den Kampf! (...) Ist unsere Partei keine Anhäufung schwatzender Einzelgänger, sondern eine Organisation von Führern, die vermittels des Zentralkomitees die Armee der Proletarier würdig vorwärtsführt.“ (Stalin, Band 1, Seite 58).



Stalin, Kurze Darlegung der Meinungsverschiedenheiten in der Partei, Mai 1905:

Die Sozialdemokratie ist der Vortrupp des Proletariats. Diesem Trupp gehört jeder sozialdemokratische Kämpfer an, sei er nun Arbeiter oder Intellektueller.“ (Stalin, Band 1, Seite 79).

... es die direkte Pflicht der Sozialkdemokratie Russlands ist, die einzelnen Vortrupps des Proletariats zu sammeln, sie zu einer einheitlichen Partei zusammenzuschließen und dadurch der Zerfahrenheit in der Partei ein für allemal ein Ende zu setzen.“ (Stalin, Band1, Seite 81).

Es ist klar, jeder, der die spontane Bewegung verherrlicht und anbetet, der reißt, ob er will oder nicht, eine Kluft auf zwischen dem Sozialismus und der Arbeiterbewegung, mindert die Bedeutung der sozialistischen Ideologie herab, vertreibt sie aus dem Leben und unterwirft, ob er will oder nicht, die Arbeiter der bürgerlichen Ideologie, denn er begreift nicht, dass die `Sozialdemokratie die Vereinigung von Arbeiterbewegung und Sozialismus` ist.“ (Stalin, Band 1, Seite 83).

Man darf nicht vergessen, dass zu gleicher Zeit die bürgerlichen Ideologen nicht schlummern, dass sie sich auf ihre Art als Sozialisten verkleiden und unermüdlich versuchen, die Arbeiterklasse der bürgerlichen Ideologie zu unterwerfen.“ (Stalin, Band 1, Seite 84).

´Die Geschichte aller Länder zeugt davon, dass die Arbeiterklasse aus eigenen Kräften nur ein tradeunionistisches Bewusstsein herauszuarbeiten vermag, d.h., die Überzeugung von der Notwendigkeit, sich in Verbänden zusammenzuschließen, einen Kampf gegen die Unternehmer zu führen, der Regierung diese oder jene für die Arbeiter notwendigen Gesetze abzutrotzen u.a.m. Die Lehre des Sozialismus ist hingegen aus philosophischen, historischen und ökonomischen Theorien hervorgewachsen, die von den gebildeten Vertretern der besitzenden Klassen, der Intelligenz, ausgearbeitet wurden. Auch die Begründer des modernen wissenschaftlichen Sozialismus, Marx und Engels, gehörten ihrer sozialen Stellung nach der bürgerlichen Intelligenzt an` [Lenin, Was tun?]. Dies heißt selbstverständlich nicht, fährt Lenin fort, `dass die Arbeiter an dieser Ausarbeitung nicht teilnehmen. Aber sie nehmen daran nicht als Arbeiter teil, sondern als Theoretiker des Sozialismus, als die Proudhons und Weitlings (die beide Arbeiter waren), mit anderen Worten, sie nehmen nur dann und so weit daran teil, als es ihnen in höherem oder geringerem Maße gelingt, sich das Wissen ihres Zeitalters anzueignen und dieses Wissen zu bereichern.`[Lenin, Was tun?].

Alles dies kann man sich annähernd wie folgt vorstellen.Es existieren kapitalistische Zustände. Es gibt Arbeiter und Unternehmer. Sie kämpfen gegeneinander. Der wissenschaftliche Sozialismus ist vorläufig nirgends zu sehen. Von einem wissenschaftlichen Sozialismus gab es nirgends auch nur eine Spur, als die Arbeiter bereits den Kampf führten ... Jawohl, die Arbeiter kämpfen. Aber sie kämpfen isoliert gegen ihre Unternehmer, sie geraten in Konflikt mit den örtlichen Behörden: dort veranstalten sie Streiks, hier erscheinen sie in Versammlungen und auf Demonstrationen, dort verlangen sie von den Behörden Rechte, hier erklären sie den Boykott, die einen reden vom politischen Kampf, die anderen vom ökonomischen u. dgl. m. Aber das bedeutet noch nicht, dass die Arbeiter ein sozialdemokratisches Bewusstsein haben, das bedeutet noch nicht, dass das Ziel ihrer Bewegung die Abschaffung der kapitalistischen Ordnung ist, dass sie von dem Sturz des Kapitalismus und der Errichtung der sozialistischen Ordnung ebenso überzeugt sind, wie sie von der Unvermeidlichkeit des Sonnenuntergangs überzeugt sind, dass sie die Eroberung ihrer politischen Herrschaft (der Diktatur des Proletariats) als das notwendige Werkzeug für den Sieg des Sozialismus betrachten usw.

Unterdessen entwickelt sich die Wissenschaft. Die Arbeiterbewegung lenkt allmählich ihre Aufmerksamkeit auf sich. Der größte Teil der Gelehrten gelangt zu dem Gedanken, dass die Arbeiterbewegung eine Rebellion Widerspenstiger sei, die man mit der Peitsche zur Vernunft bringen sollte. Andere wiederum meinen, es sei die Pflicht der Reichen, den Armen irgendwelche Brosamen zuzuteilen, d.h. die Arbeiterbewegung sei eine Bewegung von Bettlern, deren Ziel es sei, Almosen zu erhalten. Und unter tausend solchen Gelehrten wird sich vielleicht nur einer finden, der an die Arbeiterbewegung wissenschaftlich herangeht, das ganze gesellschaftliche Leben wissenschaftlich erforscht, den Zusammenstoß der Klassen verfolgt, auf das Murren der Arbeiterklasse lauscht und schließlich wissenschaftlich beweist, dass die kapitalistische Ordnung durchaus nicht etwas Ewiges ist, dass sie ebenso vorübergehend ist wie der Feudalismus, dass ihr unvermeidlich die sie negierende sozialistische Ordnung folgen muss, die nur vom Proletariat vermittels der sozialen Revolution errichtet werden kann. Mit einem Wort, der wissenschaftliche Sozialismus wird herausgearbeitet.

Es versteht sich, dass es, wenn es keinen Kapitalismus und keinen Klassenkampf gäbe, auch keinen wissenschaftlichen Sozialismus gäbe. Wahr ist aber auch, dass jene wenigen, sagen wir Marx und Engels, den wissenschaftlichen Sozialismus nicht herausgearbeitet hätten, wenn sie nicht über wissenschaftliche Kenntnisse verfügt hätten.

Was ist wissenschaftlicher Sozialismus ohne Arbeiterbewegung? Ein Kompass, der, macht man von ihm keinen Gebrauch, nur verrosten kann, und dann müsste er über Bord geworfen werden.

Was ist Arbeiterbewegung ohne Sozialismus? Ein Schiff ohne Kompass, das auch so am anderen Ufer landen wird, das jedoch, wenn es einen Kompass hat, das Ufer bedeutend schneller erreichen und weniger Gefahren ausgesetzt sein würde.

Vereinigt beides, und ihr erhaltet ein prächtiges Schiff, das direkt nach dem anderen Ufer steuert und den Hafen unbeschädigt erreicht.

Vereinigt die Arbeiterbewegung mit dem Sozialismus, und ihr erhaltet die sozialdemokratische Bewegung, die auf direktem Wege dem ´gelobten Land` entgegenstreben wird. [unterstrichen von der Redaktion].

Da ist es nun die Pflicht der Sozialdemokratie (und nicht nur der sozialdemokratischen Intellektuellen), Sozialismus und Arbeiterbewegung zu vereinigen, sozialistisches Bewusstsein in die Bewegung hineinzutragen und der spontanen Arbeiterbewegung auf diese Weise sozialdemokratischen Charakter zu verleihen.

So sagt Lenin.

(...) Also: die spontane Arbeiterbewegung, die Arbeiterbewegung ohne den Sozialismus, verflacht unvermeidlich und nimmt trade-unionistischen Charakter an – sie unterwirft sich der bürgerlichen Ideologie. Darf man hieraus den Schluss ziehen, der Sozialismus sei alles und die Arbeiterbewegung sei nichts? Natürlich nicht! So sprechen nur Idealisten. Irgendwann einmal, nach sehr langer Zeit, wird die ökonomische Entwicklung die Arbeiterklasse unvermeidlich zur sozialen Revolution führen und sie folglich veranlassen, ganz und gar mit der bürgerlichen Ideologie zu brechen. Es handelt sich nur darum, dass dieser Weg sehr langwierig und schmerzhaft sein wird.

Andererseits wird der Sozialismus ohne die Arbeiterbewegung, auf welchem wissenschaftlichen Boden er auch entstanden sein möge, dennoch eine leere Phrase bleiben und seine Bedeutung verlieren. Kann man hieraus den Schluss ziehen, die Bewegung sei alles und der Sozialismus nichts? Natürlich nicht. So räsonieren nur Quasimarxisten, für die das Bewusstsein keinerlei Bedeutung hat, da es vom gesellschaftlichen Sein selbst geboren werde. Den Sozialismus kann man mit der Arbeiterbewegung vereinigen und dadurch aus einer leeren Phrase zu einer scharfen Waffe machen.

Die Schlussfolgerung?

Die Schlussfolgerung lautet: Die Arbeiterbewegung muss mit dem Sozialismus vereinigt werden, die praktische Tätigkeit und das theoretische Denken müssen in eins verschmelzen und dadurch der spontanen Arbeiterbewegung sozialdemokratischen Charakter verleihen, denn ´die Sozialdemokratie ist die Vereinigung der Arbeiterbewegung und Sozialismus´ [Erfurter Programm]. Dann wird der mit der Arbeiterbewegung vereinigte Sozialismus aus einer leeren Phrase in den Händen der Arbeiter zu der größten Macht werden. Dann wird die spontane Bewegung, zu einer sozialdemokratischen Bewegung geworden, mit raschen Schritten und auf sicherem Wege zur sozialistischen Ordnung schreiten.

Worin besteht also die Bestimmung der Sozialdemokratie Russlands? Was müssen wir tun?

Es ist unsere Pflicht, die Pflicht der Sozialdemokratie, die spontane Bewegung der Arbeiter von dem trade-unionistischen Wege abzubringen und sie auf den sozialdemokratischen Weg zu bringen. Es ist unsere Pflicht, in diese Bewegung das sozialistische Bewusstsein (das Marx und Engels herausgearbeitet haben) hineinzutragen und die fortgeschrittenen Kräfte der Arbeiterklasse zu einer einzigen zentralisierten Partei zu vereinigen. Es ist unsere Aufgabe, stets an der Spitze der Bewegung zu marschieren und unermüdlich alle zu bekämpfen – ob Feind oder `Freund`-, die die Verwirklichung dieser Aufgabe behindern.“ (Stalin, Band 1, Seite 84 – 92).

Man denke nur, welche heroische Tat: seine eigene ´Theorie` erdichten, sie dem Gegner zuschreiben und dann selbst die Frucht der eigenen Phantasie zu bombardieren. Auch eine Kritik!“ (Stalin, Band 1, Seite 93).

Welcher Dummkopf kann sagen, der Arbeiter sei seiner Lage nach Bourgeois – der Arbeiter, der der Produktionsinstrumente beraubt ist und vom Verkauf seiner Arbeitskraft lebt? Nein! Lenin sagt etwas ganz anderes. Die Sache ist die, dass ich meiner Lage nach Proletarier und nicht nicht Bourgeois sein kann, mir hierbei jedoch meiner Lage nicht bewusst sein und mich deshalb der bürgerlichen Ideologie unterwerfen kann.“ (Stalin, Band 1, Seite 94).

..., wenn die Arbeiterbewegung sich nicht mit dem wissenschaftlichen Sozialismus vereinigt, so verflacht sie unvermeidlich, nimmt einen ´nur-gewerkschaftlichen` Charakter an, unterwirft sich folglich der trade- unionistischen Ideologie.

`Das ist eine Erniedrigung der Arbeiter, eine Verherrlichung der Intelligenz!` zetert unser ´Kritiker` (...) Sie halten das Proletariat für ein launenhaftes Fräulein, dem man nicht die Wahrheit sagen darf, dem man ewig Komplimente machen muss, damit es nicht davonläuft. (...) Somit ist der wissenschaftliche Sozialismus ohne die Arbeiterbewegung nichts als ein leeres Wort, das immer leicht in den Wind geredet werden kann.“ (Stalin, Band 1, Seite 98/99).

(Marx) spricht davon, dass die theoretischen Vertreter der Kleinbourgeoisie `zu denselben Aufgaben und Lösungen theoretisch getrieben werden, wohin jene das materielle Interesse und die gesellschaftliche Lage praktisch treiben. Dies ist überhaupt das Verhältnis der politischen und literarischen Vertreter einer Klasse zu der Klasse, die sie vertreten.` [`18. Brumaire`].

Welchen Gedanken entwickelt Marx in dem angeführten Satz? Nur den, dass der Theoretiker dieser oder jener Klasse ein Ideal nicht schaffen kann, es sei denn, dass seine Elemente im Leben existieren, dass er die Elemente des Zukünftigen nur wahrzunehmen und auf diesem Boden das Ideal theoretisch zu schaffen vermag, zu dem diese oder jene Klasse praktisch kommt. Der Unterschied ist der, dass der Theoretiker der Klasse voraneilt und früher als sie den Keim des Zukünftigen wahrnimmt. Eben das heißt `theoretisch zu etwas kommen`.

Hören wir, was Marx und Engels in ihrem `Manifest` sagen: ´Die Kommunisten (...) sind also praktisch der entschiedenste, immer weiter treibende Teil der Arbeiterparteien aller Länder; sie haben theoretisch vor der übrigen Masse des Proletariats die Einsicht in die Bedingungen, den Gang und die allgemeinen Resultate der proletarischen Bewegung voraus.` [Marx, Engels, Manifest der Kommunistischen Partei].

Jawohl, die Ideologen ´treiben weiter´, sie sehen bedeutend weiter als die ´übrige Masse des Proletariats`, und hierauf kommt alles an. Die Ideologen treiben weiter, und eben deshalb ist die Idee, das sozialistische Bewusstsein, von großer Bedeutung für die Bewegung. (Stalin, Band 1, Seite 100/101).

Auf der historischen Arena erschienen Marx und Engels (...) Sie bewiesen, dass das gesellschaftliche Sein die Quelle der Ideen ist, dass deshalb das Sein der Gesellschaft die Grundlage ist, auf der das gesellschaftliche Bewusstsein beruht. Damit gruben sie dem Idealismus das Grab und ebneten den Weg für den Materialismus. Manche Halbmarxisten verstanden dies so, als ob das Bewusstsein, die Ideen im Leben nur eine sehr geringe Bedeutung hätten.

Es galt, die große Bedeutung dieser Ideen zu beweisen.

Und da kam Engels und betonte in seinen Briefen (1891 -1894), dass die Ideen gewiss nicht vom Himmel fallen, sondern vom Leben selbst hervorgebracht werden, dass sie aber, einmal hervorgebracht, große Bedeutung gewinnen, die Menschen vereinigen, sie organisieren und dem gesellschaftlichen Leben, das sie hervorgebracht hat, ihren Stempel aufdrücken, dass die Ideen in der historischen Bewegung von großer Bedeutung sind.“ (Stalin, Band 1, Seite 102).

Zwar haben sie den gleichen Gedanken aus Lenins Buch, gegen den sie heute zu Felde ziehen, gestern noch verteidigt, aber was ist da zu machen: ein Opportunist heißt eben deshalb Opportunist, weil Prinzipientreue bei ihm nicht hoch im Kurs steht.

Welchen anderen Namen als Opportunismus aber kann man dafür finden, wenn sie ihre eigenen Worte abschwören, wenn sie sich von einer Seite auf die andere werfen, wenn sie ewig schwanken und wanken? Ist es möglich, dass ein wahrer Sozialdemokrat dauernd seine Überzeugung wechselt? So häufig werden ja nicht einmal die Taschentücher gewechselt.“ (Stalin, Band 1, Seite 108 und 109/110).

Ja gewiss, in einigen Städten stehen die Arbeiter auf der Seite der ´Minderheit`, aber das beweist nichts. Die Arbeiter folgen in einigen Städten auch den Revisionisten (Opportunisten in Deutschland), aber das heißt noch nicht, dass ihr Standpunkt ein proletarischer ist, dies heißt noch nicht, dass sie keine Opportunisten sind. Einmal fand auch die Krähe eine Rose, aber dies bedeutet noch nicht, dass die Krähe eine Nachtigall ist. Nicht umsonst heißt es:

Fand die Krähe eine Rose, dünkt sie sich schon Nachtigall.

Jetzt ist es klar, auf welchem Boden die Meinungsverschiedenheiten in der Partei entstanden sind. Wie man sieht, sind in unserer Partei zwei Tendenzen zum Vorschein gekommen: die Tendenz der proletarischen Standhaftigkeit und die Tendenz der intelligenzlerischen Wankelmütigkeit. (...) Das ist das Wesen der ganzen Sache. [unterstrichen von der Redaktion]. Allerdings machen unsere Quasimarxisten häufig ein Geschrei davon, sie seien gegen die´intelligenzlerische Denkart`, und versuchen hierbei, die ´Mehrheit`der ´intelligenzlerischen Wankelmütigkeit` zu zeihen, aber dies erinnert an den Fall mit dem Dieb, der Geld stahl und dann ein Geschrei erhob: ´Haltet den Dieb!` Außerdem weiß man: Wes das Herz voll ist, des geht der Mund über.“ (Stalin, Band 1, Seite 111/112).



Stalin, Antwort an den `Sozialdemokrat`, 15. August 1905:

Somit wird das sozialistische Bewusstsein von einigen wenigen sozialdemokratischen Intellektuellen herausgearbeitet. In die Arbeiterbewegung hineingetragen aber wird dieses Bewusstsein von der ganzen Sozialdemokratie, die dem spontanen Kampf des Proletariats einen bewussten Charakter verleiht. Hiervon ist in meiner Broschüre die Rede. Was führt mein Gegner hiergegen ins Feld?

... anstatt zu kritisieren, umgeht er diese Frage [Herausarbeitung des sozialistischen Bewusstseins- Anmerkung der Redaktion], vielleicht deshalb, weil er sich von seinem Irrtum überzeugt hat, nur kann er sich nicht entschließen, diesen Irrtum offen zuzugeben.

Was sagt der Autor vom Hineintragen des Bewusstseins? (...) Wieso können Sie nicht begreifen, dass unserer Meinung nach, der Meinung der Bolschewiki nach, das sozialistische Bewusstsein in die Arbeiterbewegung von der Sozialdemokratie hineingetragen wird, und nicht nur von sozialdemokratischen Intellektuellen? Weshalb glauben Sie, dass es nur Intellektuelle in der sozialdemokratischen Partei gibt? Wissen Sie denn etwa nicht, dass es in den reihen der Sozialdemokratie bedeutend mehr fortgeschrittene Arbeiter gibt als Intellektuelle? Können denn etwa die sozialdemokratischen Arbeiter nicht das sozialistische Bewusstsein in die Arbeiterbewegung hineintragen?

Unser ´Kritiker` bildet sich ein, er habe die Frage geklärt. Was bedeuten Kautskys Worte? Nur dies, dass sozialistische Bestrebungen im Proletariat von selbst entstehen. Und das ist natürlich richtig. Wir aber streiten ja nicht über sozialistische Bestrebungen, sondern über das sozialistische Bewusstsein! Was gibt es Gemeinsames zwischen diesem und jenem? Sind etwa Bestrebungen und Bewusstsein ein und dasselbe? Sollte der Autor nicht die ´sozialistische Tendenz` von dem ´sozialistischen Bewusstsein` unterscheiden können?“ (Stalin, Band 1, Seite140, 141, 142/143).

Nimmt man solche Züge zusammen, wie politische Charakterlosigkeit, Kampf um der Sitze willen, Unstandhaftigkeit, Prinzipienlosigkeit und andere derartige Eigenschaften, so erhalten wir eine gewisse allgemeine Eigenschaft – intelligenzlerische Wankelmütigkeit, an der vor allem Intellektuelle leiden. Es ist klar, dass intelligenzlerische Wankelmütigkeit der Boden (die Basis) ist, auf der der ´Kampf um der Sitze willen` , ´Prinzipienlosigkeit` und dergleichen mehr entsteht. Die Unstandhaftigkeit der Intellektuellen aber ist bedingt durch ihre gesellschaftliche Lage. So erklären wir die Parteispaltung. Haben Sie, unser Autor, endlich begriffen, was für ein Unterschied besteht zwischen der Ursache der Spaltung und ihren Formen? Ich bezweifle das. (Stalin, Band 1, Seite145).

Die dritte Lüge. Nach der Meinung des Autors ´verlangt Lenin die Aufrichtung der Herrschaft der Intellektuellen in der Partei`(S. 5). Lenin aber sagt: `Dem Komitee müssen ... nach Möglichkeit alle bedeutenden Führer der Arbeiterbewegung aus der Mitte der Arbeiterschaft selbst angehören`(siehe `Brief an einen Genossen`, S.7-8); d.h. nicht nur in allen anderen Organisationen, sondern auch im Komitee müssen die Stimmen der fortgeschrittenen Arbeiter überwiegen.“ (Stalin, Band 1, Seite 146).

Die sechste Lüge. Der Autor schreibt mit den Gedanken zu, meiner Meinung nach werde ´der Sozialismus von außen her durch die Intelligenz in die Arbeiterklasse hineingetragen`(S.7). Während ich sage, dass die Sozialdemokratie (und nicht nur sozialdemokratische Intellektuelle) in die Bewegung sozialistisches Bewusstsein hineintrage (S.18)“;

Die siebte Lüge. Nach der Meinung des Autors sagt Lenin, die sozialistische Ideologie sei ´ganz unabhängig von der Arbeiterbewegung` entstanden (S.9). Lenin aber ist ein solcher Gedanke zweifellos gar nicht in den Kopf gekommen. Er sagt, dass die sozialistische Ideologie ´ganz unabhängig von dem spontanen Anwachsen der Arbeiterbewegung entstanden ist (Was tun?`, S.21 [deutsche Neuausgabe S.63]); (Stalin, Band 1, Seite 147).

Plechanow sagt: ´... Ich verstehe ferner nicht, weshalb man glaubt, dass das Projekt Lenins [Lenins Formulierung von § 1 des Parteistatuts- Anmerkung], einmal angenommen, die Tore unserer Partei vielen Arbeitern verschließen würde. Die Arbeiter, die in die Partei eintreten wollen, werden sich nicht fürchten, einer Organisation beizutreten. Sie haben keine Angst vor der Disziplin. Ihr beizutreten werden sich viele Intellektuelle fürchten, die durch und durch von bürgerlichem Individualismus durchdrungen sind. Aber das ist gerade gut. Diese bürgerlichen Individualisten sind gewöhnlich auch Vertreter des Opportunismus jeder Art. Wir müssen sie von uns fernhalten. Lenins Projekt kann als ein Bollwerk gegen ihren Einbruch in die Partei dienen, und schon allein deswegen müssen alle Gegner des Opportunimsus für dies Projekt stimmen.`(Siehe das ´Protokoll`, S. 246). Wir hoffen, dass Sie,, mein Herr ´Kritiker`, die Maske abwerfen und mit proletarischer Geradlinigkeit diese Worte Plechanows wiederholen werden. Tun Sie dies nicht, so wird dies bedeuten, dass Ihre Erklärungen in der Presse unüberlegt und verantwortungslos sind.“ (Stalin, Band 1, Seite 148/149).



Stalin, Die Bourgeoisie stellt eine Falle, 15. Oktober 1905:

Was sind das, liberale Bourgeoisie?

Bewusste Vertreter der vermögenden Bourgeoisie.

Die vermögende Bourgeoisie ist unser unversöhnlicher Feind, ihr Reichtum beruht auf unserer Armut, ihre Freude auf unserem Leid. Es ist klar, dass ihre bewussten Vertreter unsere geschworenen Feinde sind und versuchen werden, uns bewusst zu zerschlagen.

Sie sind keine Sozialisten, sie hassen die sozialistische Bewegung.

Sie sind keine Demokraten. Sie hassen die demokratische Republik.

Sie wollen die Rechte des Zaren nur ein wenig beschneiden, und auch das nur unter der Bedingung, dass diese Rechte in die Hände der Bourgeoisie übergehen.“ (Stalin, Band 1, Seite 155/156).

Es erübrigt sich zu sagen, dass die Wahl ´fortschrittlicher Kandidaten`ein leeres Wort bleibt, wenn nur die Besitzenden das Wahlrecht erhalten.Von zwei Dingen eins: entweder haben sich die liberalen Bourgeois menschewisiert oder die kaukasische ´Minderheit` hat sich liberalisiert. So oder so, kein Zweifel, dass die soeben aus dem Ei gekrochene ´Partei` der liberalen Bourgeois ihre Falle schlau aufstellt... Diese Falle zerschlagen, sie allen sichtbar machen, schonungsloser Kampf gegen die liberalen Feinde des Volkes, - das ist es, was wir jetzt brauchen.“ (Stalin, Band 1, Seite 159).



Stalin, Tiflis, den 20. November 1905, 20. November 1905:

Das Schicksal der Revolution lag niemals in der Hand des Liberalismus. Gang und Ausgang der russischen Revolution hängen ganz und gar von der Haltung des revolutionären Proletariats und der revolutionären Bauernschaft ab.“ (Stalin, Band 1, Seite 169).



Stalin, Zwei Schlachten, 7. Januar 1906:

Drittens ist es unsere Aufgabe, mit allen Schwankungen Schluss zu machen, jede Unbestimmtheit zu verurteilen und entschlossen die Angriffspolitik durchzuführen... Kurzum, eine geschlossene Partei, ein von der Partei organisierter Aufstand und eine Angriffspolitik – das ist es, was für heute für den Aufstand nötig haben.“ (Stalin, Band 1, Seite 177).



Stalin, Anarchismus oder Sozialismus? Dezember 1906 – Januar 1907:

In den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts entstand unter der russischen Intelligenz ein großer Streit. Die Volkstümler behaupteten,der Hauptfaktor, der die ´Befreiung Russlands` bewerkstelligen könne, sei die Kleinbourgeoisie in Dorf und Stadt. Wieso? Fragten die Marxisten sie. Weil die Kleinbourgeoisie in Dorf und Stadt, sagten die Volkstümler, jetzt die Mehrheit bildet und außerdem, weil sie arm ist und im Elend lebt.

Die Marxisten erwiderten: Richtig ist, dass die Kleinbourgeoisie in Dorf und Stadt heute die Mehrheit bildet und dass sie tatsächlich arm ist, aber kommt es denn darauf an? Die Kleinbourgeoisie bildet schon lange die Mehrheit, doch hat sie bis jetzt ohne die Hilfe des Proletariats keinerlei Initiative im Kampf für die ´Freiheit` an den Tag gelegt. Und warum? Weil die Kleinbourgeoisie als Klasse nicht wächst, sondern sich im Gegenteil von Tag zu Tag zersetzt und in Bourgeoisie und Proletarier zerfällt. Auf der anderen Seite kommt selbstverständlich auch der Armut hier nicht die entscheidende Bedeutung zu: die ´Barfüßler` sind noch ärmer als die Kleinbourgeoisie, doch wird niemand behaupten, dass sie die ´Befreiung Russlands` bewerkstelligen können. Es kommt, wie man sieht, nicht darauf an, welche Klasse heute die Mehrheit bildet oder welche Klasse ärmer ist, sondern darauf, welche Klasse erstarkt und welche sich zersetzt. Da nun das Proletariat die einzige Klasse ist, die unaufhörlich wächst und erstarkt, die das gesellschaftliche Leben vorantreibt und alle revolutionären Elemente um sich sammelt, so ist es unsere Pflicht, es als Hauptfaktor in der heutigen Bewegung anzuerkennen, sich seinen Reihen anzuschließen und seine fortschrittlichen Bestrebungen zu unseren eigenen Bestrebungen zu machen. So erwiderten die Marxisten. Die Marxisaten betrachteten offensichtlich das Leben dialektisch, während die Volkstümler metaphysisch urteilten – sie stellten das gesellschaftliche Leben als auf einem Punkt erstarrt dar.“ (Stalin, Band 1, Seite 261/262).

Allerdings hat Marx ´die Bestrebungen und den Willen der Menschen` durch die ökonomische Entwicklung erklärt, und wenn die Bestrebungen mancher Stubenhocker der ökonomischen Situation nicht entsprachen, so nannte er sie utopisch.“ (Stalin, Band 1, Seite 285).

Wie man sieht, ist nach Ansicht von Marx die höhere Phase der kommunistischen (d.h. sozialistischen) Gesellschaft eine Ordnung, in der die Teilung in ´schwarze` und ´weiße` Arbeit und der Gegensatz zwischen geistiger und körperlicher Arbeit restlos beseitigt, die Arbeit gleichgestellt ist und in der Gesellschaft das wahrhaft kommunistische Prinzip herrscht: Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen. Hier gibt es keinen Platz für die Lohnarbeit.“ (Stalin, Band 1, Seite 314).

Die Sache ist die, dass die Diktatur des Proletariats nicht nur unter den Anarchisten auf Einwände stößt, sondern auch unter den städtischen Kleinbürgern, darunter allerlei Fleischern und Kneipenwirten – unter allen denjenigen, die von Marx und Engels als Philister bezeichnet wurden. Hören wir was Engels, an solche Philister gewandt, über die Diktatur des Proletariats sagte: „Der deutsche Philister ist neuerdings wieder in heilsamen Schrecken geraten bei dem Wort: Diktatur des Proletariats. Nun gut, ihr Herren, wollt ihr wissen, wie diese Diktatur aussieht? Seht euch die Pariser Kommune an. Das war die Diktatur des Proletariats“ (Siehe ´Der Bürgerkrieg in Frankreich`. Einleitung von Engels ); (Stalin, Band 1, Seite 319).



Stalin, Vorwort zur Broschüre K. Kautskys, 10. Februar 1907:

Dort, wo das Proletariat bewusst kämpft, hört die librale Bourgeoisie auf, revolutionär zu sein.“ (Stalin, Band 2, Seite 4).

Die Menschewiki behaupten, der Klassenkampf dürfe niemals den allgemeinen Kampf überschattem.“ (Stalin, Band 1, Seite 5).



Stalin, Dem Genossen G. Telija zum Gedenken, 22. März 1907:

Genosse Telija gehörte nicht zu den `Gelehrten`. Als Autodidakt meisterte er die Kunst des Lesens und Schreibens und wurde klassenbewusst.

(...) Diese Werkstätten [Tischlerei der Eisenbahnwerkstätten- Redaktion] leisteten Genossen Telija große Dienste. Sie waren seine Schule, hier wurde er zum Sozialdemokraten, hier stählte er sich und wurde ein standhafter Kämpfer, hier tat er sich auch als fähiger und klassenbewusster Arbeiter hervor. (...) Flammende Propaganda, Schaffung von Organisationen, Teilnahme an verantwortlichen Versammlungen, beharrliche Arbeit an der Selbstaneignung einer sozialistischen Bildung – dem allen widmete er seine ganze freie Zeit. (...)

Das Gefängnis wurde zu seiner zweiten Schule. Durch ständiges Lernen, durch Lesen sozialistischer Bücher und Beteiligung an den Diskussionen vermehrte er seinen Wissensschatz bedeutend. Aber das gleiche Gefängnis drückte ihm auch den Stempel des Todes auf, das gleiche Gefängnis traf ihn mit der tödlichen Krankheit ( der Schwindsucht), die unseren besten Genossen ins Grab gebracht hat. (...)

Telija ähnelte auch denjenigen ´fortschrittlichen` Arbeitern nicht, die sich als `Sozialdemokraten von Geburt` hinstellen und, obgleich völlige Ignoranten, so albern schreien: Wir brauchen keine Kenntnisse, wir sind Arbeiter. Eine kennzeichnende Eigenschaft Telijas war es gerade, dass er den fraktionellen Fanatismus ablehnte, von ganzen Herzen die blinde Nachahmung verachtete und alles mit seinem Verstand ergründen wollte. Eben deshalb stürzte er sich nach seiner Flucht aus dem Gefängnis sofort auf die Bücher: `Protokoll des II. Parteitags`, Martows ´Belagerungszustand`, Lenins `Was tun?` und ´Ein Schritt vorwärts`. Man musste den ausgemergelten, gelb gewordenen Telija gesehen haben, der, beharrlich über den Büchern hockend, lächelnd sagte: ´Wie ich sehe, ist es gar nicht so leicht zu unterscheiden, ob man Bolschewik oder Menschewik sein soll; solange ich diese Bücher nicht durchstudiert habe, solange ist mein Menschewismus auf Sand gebaut`. Nachdem also Genosse Telija die notwendige Literatur studiert und sich in die Streitigkeiten zwischen Bolschewiki und Menschewiki hineingedacht hatte, hat er alles abgewogen und erst dann gesagt: ´Ich, Genossen, bin Bolschewik; wie mir scheint, übt derjenige, der nicht Bolschewik ist, unzweifelhaft Verrat am revolutionären Geist des Marxismus.` Hierauf wurde er ein Apostel des revolutionären Marxismus (Bolschewismus).

(...) Doch das Unglück lag ja eben darin, dass er sich gleich nach seiner Rückkehr aus Russland ins Bett legen musste und nicht mehr aufstand. Erst jetzt begann er eine ernsthafte literarische Tätigkeit.

Nur in den Reihen des Proletariats trifft man Menschen wie Telija, nur das Proletariat bringt Helden wie Telija hervor, und das Proletariat wird auch bestrebt sein, an der verfluchten Ordnung Rache zu nehmen, der unser Genosse – der Arbeiter G. Telijazum Opfer gefallen ist.“ (Stalin, Band 2, Seite 24 – 27).



Stalin, Das fortgeschrittene Proletariat und der fünfte Parteitag, 8. April 1907:

Es gab eine Zeit, wo die Sozialdemokratie Russlands nur eine Handvoll Mitglieder hatte.Damals trug die intelligenzlerischen Charakter und war nicht imstande, dem Kampf des Proletariats ihren Stempel aufzudrücken. Damals betrieben nicht mehr als ein paar Personen die Parteipolitik, die Stimme der proletarischen Parteimassen war kaum vernehmbar... Ganz anders heute. Heute steht vor uns eine großartige Partei- die Sozialdemokratische Arbeiterpartei Russlands -, die an die 200 000 Mitglieder in ihren Reihen zählt, dem Kampf des Proletariats ihren Stempel aufdrückt, die revolutionäre Demokratie ganz Russlands um sich sammelt und den ´Mächtigen dieser Welt` Angst einjagt. Und diese großartige Partei ist um so großartiger und hervorragender, als das Steuer ihrer Leitung von der Parteimasse und nicht von ein paar ´aufgeklärten Personen` geführt wird. (...) Allerdings nennen die Genossen Menschewiki unsere Partei trotzdem eine Intellektuellenpartei, aber das geschieht wahrscheinlich deshalb, weil die Partei in ihrer Mehrheit nicht menschewistisch ist. (...) Somit ist die sozialdemokratische Partei Russlands auch noch dadurch groß, dass sie eine wahrhaft proletarische Partei ist, die ihren Weg in die Zukunft beschreitet und sich den Einflüsterungen ihrer alten ´Führer` [Plechanow usw. - Redaktion] gegenüber kritisch verhält.“ (Stalin, Band 2, Seite 28-29).



Stalin, Der Londoner Parteitag der SDAPR, Baku 1907:

Das rote Banner des Proletariats wird von den Schönrednern des Liberalismus nicht mehr gesenkt werden. Gegen die intelligenzlerischen Schwankungen, die sich für das Proletariat nicht ziemen, ist ein tödlicher Schlag geführt worden. Das ist das zweite, nicht minder wichtige Ergebnis des Londoner Parteitags unserer Partei.“ (Stalin, Band 2, Seite 43).

(I) Die Zusammensetzung des Parteitags

Wir alle waren über die Statistik ´verblüfft`. Wie denn? Die Menschewiki hatten doch doch so viel darüber geschrien, dass unsere Partei aus Intellektuellen bestünde; sie hatten die Bolschewiki Tag und Nacht als Intellektuelle beschimpft, sie hatten gedroht, alle Intellektuellen aus der Partei hinauszujagen, sie hatten die Berufsrevolutionäre fortwährend verächtlich behandelt – und nun erwies sich plötzlich, dass in ihrer Fraktion weitaus weniger Arbeiter waren als bei den ´Intellektuellen` , den Bolschewiki! Es erwies sich, dass es bei ihnen weit mehr Berufsrevolutionäre gab als bei den Bolschewiki! Wir aber haben uns das menschewistische Geschrei mit dem Sprichwort erklärt: ´Die Zunge geht d hin, wo der Zahn schmerzt`... (Stalin, Band 2, Seite 44).

Offensichtlich ist die Taktik der Bolschewiki die Taktik der Proletarier der Großindustrie, die Taktik derjenigen Gebiete, wo die Klassengegensätze besonders klar sind und der Klassenkampf besonders scharf ist. Der Bolschewismus – das ist die Taktik der echten Proletarier.

Andererseits ist nicht weniger offensichtlich, dass die Taktik der Menschewiki vorwiegend eine Taktik der im Handwerk beschäftigten Arbeiter und der bäuerlichen Halbproletarier ist, eine Taktik derjenigen Gebiete, wo die Klassengegensätze nicht ganz klar sind und der Klassenkampf verschleiert ist. Der Menschewismus – das ist die Taktik der halbbürgerlichen Elemente des Proletariats.“ (Stalin, Band 2, Seite 45).

Diese Zusammensetzung der Fraktionen aber ist nicht schwer zu erklären: die Hochburgen des Bolschewismus sind hauptsächlich großindustrielle Gebiete, die, mit Ausnahme Polens, rein russische Gebiete sind, während die Gebiete des Menschewismus Gebiete der Kleinproduktion und zugleich auch Gebiete der Juden, Georgier usw. sind.“ (Stalin, Band 2, Seite 46).

`Das ist es ja gerade, dass wir keine Partei haben` , sagten uns auf dem Parteitag die Menschewiki, ´wir haben nur eine Organisation der kleinbürgerlichen Intelligenz`, die man mit Hilfe des Arbeiterkongresses durch eine Partei ersetzen müsse. (...) Das hieße, alle die Aufrufe, mit denen die Partei das Proletariat zum Kampf rief, Aufrufe, die auch die Menschewiki unterschrieben haben; alle die Streiks und Aufstände in den Jahren 1905, 1906 und 1907, die unter Führung der Partei standen und zu denen es häufig auf Initiative der Partei kam; alle die Siege des Proletariats unter Führung der Partei; alle die Tausende von Opfern des Proletariats, die in den Straßen Petersburgs, Moskaus usw. gefallen, in Sibirien dahingesiecht, in den Kerkern zu Grunde gegangen sind im Namen der Partei, unter dem Banner der Partei – alles das wäre nur Komödie und Betrug? Und das hieße, wir hätten keine Partei, wir hätten nur eine ´Organisation der kleinbürgerlichen Intelligenz`?

Das war natürlich eine direkte Unwahrheit, eine empörende, unverschämte Unwahrheit. Daraus erklärt sich wohl auch die grenzenlose Empörung, die die obenerwähnte Erklärung Axelrods unter den Petersburger und Moskauer Arbeiterdelegierten hervorrief. Von ihren Sitzen aufspringend, erwiderten sie dem Referenten Axelrod energisch: ´Der Bourgeois bist du, der du im Ausland sitzt, und nicht wir; wir sind Arbeiter und wir haben unsere sozialdemokratische Partei, die wir von niemandem herabwürdigen lassen`...“ (Stalin, Band 2, Seite 64/65).

Offensichtlich sind sich die in einigen Fragen, wie den Zielen und den Methoden der Einberufung des Arbeiterkongresses, untereinander uneinigen Menschewiki darin einig, dass ´wir keine Partei haben, sondern nur eine Organisation der kleinbürgerlichen Intelligenz, die man zum alten Eisen werfen muss`... (Stalin, Band 2, Seite 65/66).

Die bolschewistischen Arbeiterdelegierten (...) erhoben sich energisch ´zur Verteidigung der Partei`: `Wir sind Patrioten der Partei`, erklärten sie,´wir lieben unsere Partei, und wir lassen sie nicht von müde gewordenen Intellektuellen diskreditieren.`

Es ist interessant, dass sich die Vertreterin der deutschen Sozialdemokratie, Genossin Rosa Luxemburg, mit den den Bolschewiki völlig einverstanden erklärte. ´Wir deutschen Sozialdemokraten`, sagte sie, ´können die lächerliche Kopflosigkeit der Genossen Menschewiki nicht verstehen, die tastend nach den Massen suchen, während die Massen selber die Partei suchen und unaufhaltsam zu ihr hindrängen`...“ (Stalin, Band 2, Seite 68).

Die Menschewiki hatten aber doch fortwährend geschrien, die Idee eines Arbeiterkongresses sei eine Idee der Arbeiter, nur ´die Intellektuellen`, die Bolschewiki, wirkten der Einberufung eines Kongresses entgegen u. dgl. m. Nach dieser Abstimmung zu urteilen, müsste man eher feststellen, dass umgekehrt die Idee eines Arbeiterkongresses eine Idee der intelligenzlerischen Phantasten ist.. Haben doch offenbar sogar die Arbeiter unter den Menschewiki nicht für einen Arbeiterkongress gestimmt: von 39 Arbeiterdelegierten (30 Menschewiki plus 9 Bundisten) stimmten nur 24 dafür.“ (Stalin, Band 2, Seite 69/70).



Stalin, Wählerauftrag an die sozialdemokratischen Deputierten, September 1907:

Gleichzeitig muss die sozialdemokratische Fraktion den Kampf gegen die reaktionären pseudo-sozialistischen Utopien führen, in die die Sozialrevolutionäre, Volkssozialisten und andere ihre im Wesen kleinbürgerlichen Forderungen kleiden und mit deren Hilfe sie das rein klassenmäßige proletarisch-sozialistische Bewusstsein der Arbeiterklasse trüben.“ (Stalin, Band 2, Seite 72).



Stalin, Die Erdölindustriellen über den ökonomischen Terror, 21. April, 4. und 18. Mai 1908:

Sie flöten vom ´Gewissen` usw. Weshalb schweigt Ihr gläsernes Gewissen über alle diese Repressalien der Herren Erdölindustriellen? (...) Es ist wohl klar, dass die Hauptursache des ´ökonomischen Totschlags` nicht die Arbeiter und nicht ihre Organisationen sind, sondern die aufreizenden und erbitterten Handlungen der Herren Erdölindustriellen.

Nicht weniger klar ist es auch, dass Herr K-sa ein kläglicher Söldling der Herren Erdölindustriellen ist, der alles auf die Arbeiterorganisationen abwälzt und sich auf diese Weise bemüht, die Taten seiner Herren in den Augen des ´Publikums` zu rechtfertigen.“ (Stalin, Band 2, Seite 112).

Was aber folgt nun daraus, aus der Lakaienrolle K-sas?

Hieraus folgt: Was Herr K-sa sagt, gehört nicht ihm selbst, sondern den Erdölindustriellen, die ihn ´inspirieren`. Folglich ist der Artikel K-sas nicht seine Philosophie, sondern die Philosophie der Herrn Erdölindustriellen. Offenbar sprechen durch den Mund K-sas die Erdölindustriellen selber, K-sa gibt nur ihre ´Gedanken, Wünsche und Stimmungen` wieder.“ (Stalin, Band 2, Seite 115).

Die Erdölindustriellen werden angreifen, die Erdölindustriellen müssen angreifen, ihr aber, Arbeiter und Gewerkschaften, zieht euch freundlichst zurück – das sagt uns der Artikel des Hernn K-sa, das sagen uns die Erdölindustriellen durch den Mund ihres ´Flötenbläsers`.“ (Stalin, Band 2, Seite 116).



Stalin, Die Parteikrise und unsere Aufgaben, 1. und 27. August 1909:

Von noch größerer Bedeutung bei der Überwindung der Krise ist die Zusammensetzung der Parteiorganisation. Notwendig ist, dass die erfahrensten und einflussreichsten fortgeschrittenen Arbeiter in allen örtlichen Organisationen vertreten sind, dass die Angelegenheiten der Parteiorganisation in ihren kräftigen Händen konzentriert werden, dass sie, und niemand anders als sie, in der Organisation die wichtigsten Posten einnehmen, von den praktischen und organisatorischen bis zu den journalistischen. Es ist ein Unglück, wenn sich die Arbeiter, die wichtige Posten inneehaben, als ungenügend erfahren und geschult erweisen, mögen sie sogar in der ersten Zeit stolpern – die Praxis und die Ratschläge der erfahrenen Genossen werden ihren Gesichtskreis erweitern und aus ihnen schließlich richtige Journalisten und Führer der Bewegung machen. Man darf nicht vergessen, dass die Bebels nicht vom Himmel fallen, dass sie nur im Prozess der Arbeit, in der Praxis, herangebildet werden; unsere Bewegung aber bedarf jetzt mehr als irgendwann sonst russische Bebels, erfahrener und erprobter Führer aus der Mitte der Arbeiter.“ (Stalin, Band 2, Seite 137).

Es versteht sich von selbst, dass die fortgeschrittenen Arbeiter außer dem Willen und der Initiative zur Führung noch bedeutende Kenntnisse brauchen. Arbeiter mit Kenntnissen aber haben wir wenig. Jedoch gerade hier kommt uns die Hilfe erfahrener und aktiver Intellektueller zustatten. Man muss höhere Zirkel, `Besprechungen` mit den fortgeschrittenen Arbeitern schaffen, wenn auch nur eine in jedem Bezirk, und Theorie und Praxis des Marxismus systematisch ´durchnehmen` - alles dies würde die Lücken der fortgeschrittenen Arbeiter in bedeutendem Maße ausfüllen und aus ihnen künftige Lehrer und ideologische Führer machen. Gleichzeitig müssen die fortgeschrittenen Arbeiter möglichst oft in ihren Werken und Fabriken Referate halten, ´sich tüchtig üben` und nicht vor der Gefahr zurückschrecken, vor dem Auditorium ´durchzufallen`. Ein für alle Mal muss man die überflüssige Bescheidenheit und Angst vor dem Auditorium beiseite werfen, muss man sich mit Wagemut, mit Glauben an seine Kräfte wappnen: es ist kein Unglück, wenn man zu Anfang vorbeihaut, einpaar Mal stolpert, danach wird man sich gewöhnen, selbständig zu schreiten, wie ´Christus auf dem Wasser`.

Kurzum: 1. verstärkte Agitation auf dem Boden der tagtäglichen Bedürfnisse, die mit den Bedürfnissen der gesamten Klasse des Proletariats verbunden werden, 2. Organisierung und Festigung der Fabrik- und Werkkomitees als der wichtigsten Zentren der Partei in den Bezirken, 3. ´Übergabe` der wichtigsten Parteifunktionen an die fortgeschrittenen Arbeiter, 4. Organisierung von ´Besprechungen` mit den fortgeschrittenen Arbeitern – das sind die Wege, mit deren Hilfe es unsere Organisationen verstehen werden, breite Massen um sich zusammenzuschließen.“

Es muss unbedingt gesagt werden, dass uns das Leben selbst die erwähnten Wege zur Überwindung der Parteikrise weist. Das Zentralgebiet und der Ural kommen schon lange ohne Intellektuelle aus, dort erledigen die Arbeiter selbst die Angelegenheiten der Organisation.“ (Stalin, Band 2, Seite 138).



Stalin, August Bebel, der Führer der deutschen Arbeiter, 23. März 1910:

Offensichtlich haben Not und Entbehrungen den jungen Bebel nicht nur nicht zerbrochen, das Streben zum Licht in ihm nicht nur nicht abgetötet, sondern im Gegenteil – sie haben seinen Willen noch mehr gestählt, seinen Wissensdurst gesteigert und in ihm Fragen aufkommen lassen, auf die er in den Büchern gierig nach Antwort suchte.“ (Stalin, Band 2, Seite 183).

Die Regierung hingegen belohnte ihn mit zwei Jahren Festung, wo er aber nicht müßig dasaß, sondern das berühmte Buch `Die Frau und der Sozialismus` schrieb.“ (Stalin, Band 2, Seite 185).

Nur die Theorie des wissenschaftlichen Sozialismus konnte der rastlosen Natur Bebels, der unermüdlich zur Zerstörung der alten, verfaulenden, kapitalistischen Welt drängt, diesen weiten Schwung verleihen. Möge er uns russischen Arbeitern, die solche Bebels der Arbeiterbewegung besonders nötig haben, als Vorbild dienen!“ (Stalin, Band 2, Seite 188).



Stalin, Für die Partei, März 1912:

Es ist notwendig, vor allem die örtlichen Parteiorganisationen zu festigen. In kleine und kleinste Gruppen zersplittert, von einem Meer der Verzweiflung und des Unglaubens an die Sache umgeben, intellektueller Kräfte bar und nicht selten von Provokateuren gesprengt – wer kennt nicht dieses unerfreuliche Bild des Lebens der örtlichen Organisationen? Man muss und kann dieser Zerfahrenheit der Kräfte ein Ende setzen!“ (Stalin, Band 2, Seite 195).



Stalin, Parteilose Sonderlinge, 15. April 1912:

Der parteilose Progressismus ist Mode geworden. Das ist nun einmal die Natur des russischen Intellektuellen – er braucht eine Mode. Man begeisterte sich für den Typ Sanin, verfiel der Dekadenz – jetzt ist die Parteilosigkeit an der Reihe. (...)

Verkleisterung der Klassengegensätze, Verschweigen des Klassenkampfes, Fehlen einer Physiognomie, Bekämpfung des Programmprinzips, Streben nach Chaos und Vermengen der Interessen – das ist die Parteilosigkeit.“ (Stalin, Band 2, Seite 208).

Ein Mensch ohne Kopf oder, genauer gesprochen, mit einer Rübe auf den Schultern an Stelle des Kopfes – das ist die Parteilosigkeit.“ (ebenda, Seite 209).



Stalin, Sie arbeiten gut..., 17. April 1912:

Die Lena-Kannibalen sind nicht zufriedengestellt, denn der Streik auf den Goldfeldern geht weiter [es geht um die Niederschießung der unbewaffneten, streikenden Lena- Arbeiter – Anmerkung der Redaktion] . Die Arbeiter der anderen Städte aber sind nicht nur nicht eingeschüchtert, sondern zum Zeichen des Protests gegen das Blutbad führen sie im Gegenteil einen Streik nach dem anderen durch.

Mehr noch. Russlands Hauptstadt, Petersburg, hat Makarows ´Erläuterungen` mit einer Demonstration von tausenden Studenten und Arbeitern beantwortet.

Der feinfühligste Teil der russischen Gesellschaft, die studierende Jugend, hat dem revolutionärsten Teil des russischen Volkes, dem Proletariat, die Hand hingestreckt, die roten Banner erhoben und verkündet: Jawohl, ´so war es` , aber so darf es nicht mehr sein!

Von dem friedlichen ökonomischen Streik an der Lena zu politischen Streiks über ganz Russland, von politischen Streiks über ganz Russland zu einer vieltausendköpfigen Demonstration von Studenten und Arbeitern direkt im Zentrum Russlands – das haben die Vertreter der Staatsmacht in ihrem Kampf gegen die Arbeiter erreicht. Jawohl, brav ´wühlt der Maulwurf` der Befreiungsbewegung, die weitblickende russische Regierung!“ (Stalin, Band 2, Seite 214).



Stalin, Wie sich für die Wahlen rüsten, 19. April 1912:

Andererseits sind die ´kleinen und mittleren Städter` der ´zweiten Kurie` , die Intelligenz, die Handlungsgehilfen und andere, inzwischen erheblich nach links gerückt, besonders in Verbindung mit den um sich greifenden Ereignissen an der Lena.“ (Stalin, Band 2, Seite 220).



Stalin, Schließt die Reihen! 15. Juli 1917:

... hemmungslose Ausfälle von Piraten der Feder in den käuflichen Zeitungen, Entwaffnung revolutionärer Arbeiter und Auflösung von Regimentern, Wiedereinführung der Todesstrafe – das ist sie, die ´Arbeit` der Militärdiktatur.“ (Stalin, Band 3, Seite 98).



Stalin, An alle Werktätigen, an alle Arbeiter und Soldaten Petrograds, 24. Juli 1917:

All dies geschieht unter der Beteiligung der Menschewiki und der Sozialrevolutionäre, die eine Position nach der anderen feige preisgeben, sich selbst und ihre eigenen Organisationen demütig geißeln, die Errungenschaften der Revolution in verbrecherischer Weise mit Füßen treten...

Noch nie war die Haltung der ´Vertreter` der Demokratie so unwürdig wie jetzt, in diesen historischen Tagen!

Noch nie waren sie so schmachvoll, so tief gesunken wie jetzt!

Kann man sich nach alledem noch wundern, dass die Konterrevolution dreist geworden ist und alles Ehrliche und Revolutionäre mit Schmutz bewirft?

Kann man sich hiernach wundern, dass wohlfeile Söldlinge und feige Verleumder sich erdreisten, die Führer unserer Partei offen ´des Verrats zu beschuldigen`, dass die Piraten der Feder in den bürgerlichen Zeitungen diese ´Beschuldigungen` unverfroren breittreten und dass die sogenannte Staatsanwaltschaft mit frecher Stirn sogenanntes Material ´in Sachen gegen Lenin` veröffentlicht usw.?

Diese Herrschaften spekulieren allem Anschein nach darauf, unsere Reihen zu desorganisieren, Zweifel und Verwirrung unter uns zu säen, Misstrauen gegen unsere Führer zu entfachen.

Diese Elenden! Sie wissen nicht, dass die Namen unsrer Führer dem Herzen der Arbeiterklasse noch nie so teuer und nah gewesen sind wie jetzt, wo das frech gewordene bürgerliche Pack sie mit Schmutz bewirft!

Diese käuflichen Seelen! Sie ahnen nicht, dass, je gröber die Verleumdungen der bürgerlichen Söldlinge sind, um so stärker die Liebe der Arbeiter zu den Führern, um so grenzenloser ihr Vertrauen zu ihnen ist; denn die Arbeiter wissen aus Erfahrung, dass, wenn die Feinde die Führer des Proletariats schmähen, dies ein sicheres Anzeichen dafür ist, dass die Führer ehrlich der Sache des Proletariats dienen.“ (Stalin, Band 3, Seite 129/130).



Stalin, Heute sind Wahlen, 20. August 1917:

Diese Gruppe [„Nowaja Shisn“ (Neues Leben) menschewistische Zeitung, die ab April 1917 in Petrograd erschien. Um sie gruppierten sich die zu Martow haltenden Menschewiki und intellektuelle Einzelgänger halbmenschewistischer Richtung. Die Gruppe „Nowaja Shisn“ schwankte ständig zwischen den Paktierern und den Bolschewiki; nach den Julitagen nahmen die Mitglieder der Gruppe gemeinsam mit den menschewistischen „Vaterlandsverteidigern“ an einem Vereinigungskongress teil. Nach der Oktoberrevolution bezog die Gruppe mit Ausnahme einiger Personen, die sich den Bolschewiki anschlossen, eine feindliche Stellung gegenüber der Sowjetmacht. Die Zeitung „Nowaja Shisn“ wurde im Sommer 1918 verboten- Redaktion] bringt die Stimmungen entwurzelter Intellektueller, die jede Beziehung zum Leben und zur Bewegung verloren haben, zum Ausdruck. Deshalb pendelt sie dauernd hin und her zwischen Revolution und Konterrevolution, zwischen Krieg und Frieden, zwischen Arbeitern und Kapitalisten, zwischen Gutsherren und Bauern.

Einerseits ist sie für die Arbeiter, andrerseits will sie auch mit den Kapitalisten nicht brechen – deshalb rückt sie so schmählich von der Julidemonstration der Arbeiter und Soldaten ab.

Einerseits ist sie für die Bauern, andrerseits möchte sie auch mit den Gutsbesitzern nicht brechen – deshalb ist sie gegen die sofortige Übergabe des gutsherrlichen Bodens an die Bauern und tritt dafür ein, die Konstituierende Versammlung abzuwarten, deren Einberufung vielleicht auf immer verschoben worden ist.

In Worten ist die Gruppe `Nowaja Shisn` für den Frieden, in der Tat aber ist sie gegen den Frieden, denn sie fordert auf zur Unterstützung der `Freiheitsanleihe`, die den imperialistischen Krieg verlängern soll. Wer aber die ´Freiheitsanleihe ` unterstützt, der trägt dazu bei, den Krieg in die Länge zu ziehen, der hilft den Imperialisten, der kämpft in der Tat gegen den Internationalismus.

In Worten ist die Gruppe `Nowaja Shisn` gegen Repressalien und Gefängnisse, in der Tat ist sie aber für Repressalien und Gefängnisse, denn sie ist ein Bündnis mit den ´Vaterlandsverteidigern` eingegangen, die sich sowohl für die Repressalien als auch für die Gefängnisse einsetzen.

Wer aber ein Bündnis mit den ´Vaterlandsverteidigern` eingeht, der hilft der Konterrevolution, der kämpft in der Tat gegen die Revolution!

Lernt es, Genossen, die Menschen an ihren Taten und nicht an ihren Worten zu erkennen!

Lernt es, die Parteien und Gruppen nach ihren Handlungen und nicht nach ihren Verheißungen zu beurteilen.

Alle bürgerlichen Parteien, alle bürgerliche Zeitungen, alle schwankenden Gruppen, alle Gruppen, die nichts Halbes und nichts Ganzes sind, hassen und verleumden unsere Partei.“ (Stalin, Band 3, Seite 224 und 225).



Stalin, Wir fordern, 28. August 1917:

Tatsache ist, dass die gesamte bürgerliche Presse, von der ´Russkaja Wolja` und der ´Birshowka` bis zum ´Nowoje Wremja` und zur ´Rjetsch`, Kornilow geholfen hat, indem sie in diesen Tagen eifrig Gerüchte über eine ´Verschwörung der Bolschewiki` verbreitete.“ (Stalin, Band 3, Seite 242).



Stalin, Die Verschwörung geht weiter, 28. August 1917:

Mögen sie wissen, dass mit dem provokatorischen Geschrei der bürgerlichen Presse vom ´Verrat` der Soldaten und der Bolschewiki nur der wirkliche Verrat der Generäle und der ´Männer der Öffentlichkeit` aus der Kadettenpartei verhüllt werden sollte.

Mögen sie wissen, dass das Geheul der bürgerlichen Presse vom ´Verrat` der Soldaten jedesmal ein sicheres Anzeichen dafür ist, dass die Inspiratoren dieser Presse den Verrat bereits vorbereitet haben und die Schuld daran den Soldaten in die Schuhe zu schieben versuchen.“ (Stalin, Band 3, Seite 247).



Stalin, Die Ausländer und die Verschwörung Kornilows, 12. September 1917:

Die Gelben aller Länder vereinigen sich und schmieden ein Komplott gegen die russische Revolution; die Federfuchser der Bankorgane bemühen sich, diese ´Arbeit` durch einen Höllenlärm verlogener Phrasen über die ´bolschewistische Gefahr` zu tarnen; und Regierungs´kreise`, die niemand kennt, kommen den Wünschen der englischen und französischen Imperialisten nach und deuten pharisäisch auf die Bolschewiki, machen also den plumpen Versuch, die ausreißenden Verbrecher durch verlogene Sentenzen über eine ´unausgeglichene Lage` in Russland zu decken.

Ein schönes Bild...“ (Stalin, Band 3, Seite 270).



Stalin, Über die revolutionäre Front, 19. September 1917:

Sie wollen die revolutionäre Einheitsfront? Unterstützen Sie die Sowjets, brechen Sie mit der Kerenskiregierung, und die Einheit kommt von selbst. Die Einheitsfront wird nicht in Diskussionen, sondern im Kampf geschaffen.(Stalin, Band 3, Seite 283). [unterstrichen von der Redaktion]



Stalin, Sie schmieden Ketten, 24. September 1917:

Unsere Partei hatte Recht, als sie behauptete, dass die kleinbürgerlichen Sozialrevolutionäre und Menschewiki, die ihre Kraft nicht aus der revolutionären Bewegung der Massen, sondern aus spaltiererischen Kombinationen der bürgerlichen Politikaster schöpfen, zu einer selbständigen Politik unfähig sind. Unsere Partei hatte Recht, als sie behauptete, dass die Politik des Paktierens zum Verrat an den Interessen der Revolution führt.“ (Stalin, Band 3, Seite 288).



Stalin, „Gewaltige Stiere haben moch umringt!“, 20. Oktober 1917:

Die Bolschewiki haben die Parole ausgegeben, bereit zu sein! Diese Parole ist hervorgerufen durch die Verschärfung der Lage und die Mobilisierung der Kräfte der Konterrevolution, die einen Angriff auf die Revolution plant, die die Revolution durch die Auslieferung der Hauptstadt an Wilhelm zu enthaupten sucht, die durch die Entfernung der revolutionären Armee aus Petrograd ein Blutbad in der Hauptstadt anrichten will.

Aber nicht alle haben ihn auf ´ihre` Art verstanden und begannen sich zu bewaffnen. Sie, die Arbeiter, sehen viel schärfer als sehr viele ´kluge` und ´gebildete` Intellektuelle. Die Soldaten sind nicht hinter den Arbeitern zurückgeblieben.“ (Stalin, Band 3, Seite 360).

Was die Neurasteniker [Nervenleidenden – Redaktion] von der ´Nowaja Shisn` betrifft, so wissen wir nicht recht, was sie eigentlich von uns wollen.

Wenn sie den ´Tag` des Aufstandes erfahren wollen, um im Voraus die Kräfte der erschrockenen Intellektuellen zur rechtzeitigen ... Flucht, sagen wir nach Finnland, zu mobilisieren, so können wir sie dafür nur ... loben, denn wir sind ´überhaupt` für die Mobilisierung der Kräfte.

Wenn sie jedoch nach dem ´Tag` des Aufstandes fragen, um ihre ´eisernen` Nerven zu beruhigen, so versichern wir ihnen, dass, selbst wenn der ´Tag` des Aufstands festgesetzt wäre und die Bolschewiki ihnen den Termin ´ins Ohr` geflüstert hätten, es unseren Neurastenikern darum doch nicht um einen Deut ´leichter` ums Herz wäre: es gäbe nur neue ´Fragen`, Hysterie usw.

Wenn sie aber nichts anderes im Sinn haben als eine Demonstration gegen uns, um sich von unserer Partei zu distanzieren, so können wir sie dafür wiederum nur loben: Denn erstens wird ihnen dieser vernünftige Schritt bei eventuellen ´Komplikationen` und ´Misserfolgen` von entsprechender Stelle zweifelsohne nicht vergessen werden; zweitens wird er Klarheit in das bewusstsein der Arbeiter und Soldaten bringen, die endlich begreifen werden, dass die ´Nowaja Shisn` zum zweiten Male (Julitage!) aus den Reihen der Revolution zu der schwarzen Heerschar der Burzew und Suworin desertiert. Und es ist ja allbekannt, dass wir überhaupt für Klarheit sind.

Aber vielleicht können sie nicht ´schweigen`, weil jetzt überhaupt alle im vaterländischen Sumpf der intellektuellen Zerfahrenheit ein Geschnatter erhoben haben? Erklärt sich nicht daraus auch Gorkis `Man darf nicht schweigen`? Unglaublich, aber wahr. Sie saßen still und schwiegen, als die Gutsherren und deren Speichellecker die Bauern zur Verzweiflung und zu Hunger´revolten` trieben. Sie saßen still und schwiegen, als die Kapitalisten und ihre Handlanger den Arbeitern Aussperrung und Arbeitslosigkeit in ganz Russland bereiteten. Sie verstanden zu schweigen, als die Konterrevolution danach trachtete, die Hauptstadt auszuliefern und die Armee von dort abzuziehen. Nun aber, wo sich der Petrograder Sowjet, diese Avantgarde der Revolution, zum Schutze der betrogenen Arbeiter und Bauern erhoben hat, da ´können sie nicht länger schweigen`! Und das erste Wort, das sie finden, ist ein Vorwurf nicht gegen die Konterrevolution, nein, sondern gegen dieselbe Revolution, von der sie zwar bei einer Tasse Tee schwärmen, die sie aber in den verantwortungsschwersten Stunden wir die Pest fliehen! Ist das etwa nicht ´sonderbar`?

Die russische Revolution hat nicht wenig Autoritäten gestürzt. Ihre Stärke kommt unter anderem darin zum Ausdruck, dass sie sich nie vor ´großen Namen` gebeugt hat, sie stellte diese in ihren Dienst oder stieß sie ins Nichts hinab, wenn sie nicht bei ihr lernen wollten. Ihrer, der von der Revolution nachher beiseite geworfenen ´großen Namen`, gibt es eine ganze Schar. Plechanow, Kropotkin, Breschkowskaja, Sassulitsch und überhaupt alle jene alten Revolutionäre, an denen nur das bemerkenswert ist, dass sie eben alt sind. Wir fürchten, die Lorbeeren dieser ´Säulen` lassen Gorki nicht schlafen. Wir fürchten, es zieht Gorki ´zum Sterben gern` zu ihnen, ins Archiv.

Nun wohl, des Menschen Wille ist sein Himmelsreich ... Die Revolution versteht weder ihre Toten zu bemitleiden, noch sie zu Grabe zu tragen ...“ (Stalin, Band 3, Seite 362/363).



Stalin, Die Konterrevolutionäre Transkaukasiens, 26. und 27. März 1918:

Für sie [die besitzenden Klassen – die Redaktion] wurde der Kampf gegen die Sowjetmacht deshalb zu einer Frage von Sein und Nichtsein. Und die ´sozialistische` sozialrevolutionär-menschewistische Intelligenz, die schon vom Baume der Erkenntnis der Macht gegessen hatte und sich jetzt vor die Perspektive gestellt sah, die Macht zu verlieren, geriet automatisch in ein Bündnis mit den besitzenden Klassen. So entstand in Transkaukasien eine anti-sowjetische Koalition.“ (Stalin, Band 4, Seite 46).

Das sind die Tatsachen. Nun, und wer wüsste nicht, dass Phrasen und Schlagworte verhallen, Tatsachen und Taten aber bleiben...“ (Stalin, Band 4, Seite 57).



Stalin, Eine der aktuellen Aufgaben, 9. April 1918:

Es gilt, die Massen zur Sowjetmacht emporzuheben und ihre besten Vertreter mit dieser zu verschmelzen. Das ist jedoch ohne die Autonomie dieser Randgebiete unmöglich, das heißt ohne die Organisierung einer einheimischen Schule, eines einheimischen Gerichts, einer einheimischen Verwaltung, einheimischer Machtorgane, einheimischer gesellschaftlich-politischer Institutionen und Bildungsstätten, wobei in allen Sphären der gesellschaftlichen und politischen Arbeit die Vollberechtigung der einheimischen Sprache, der Muttersprache der werktätigen Massen des Gebiets garantiert werden muss.“

... muss die Autonomie nicht den Oberschichten der gegebenen Nation, sondern ihren unteren Schichten die Macht sichern. Das ist der Kern der ganzen Sache.“ (Stalin, Band 4, Seite 66 und 67).



Stalin, Brief an W. I. Lenin, 7. Juli 1918:

Wenn unsere militärischen ´Spezialisten` (Schuster!) nicht geschlafen und gefaulenzt hätten, wäre die Linie nicht unterbrochen worden, und wenn die Linie wieder hergestellt wird, dann nicht dank den Militärs, sondern trotz ihnen.“ (Stalin, Band 4, Seite 102).



Stalin, Brief an W. I. Lenin, 10. Juli 1918:

Die Lebensmittelfrage ist natürlich mit der militärischen Frage verflochten. Um die Sache fördern zu können, brauche ich militärische Vollmachten. Ich habe schon darüber geschrieben, aber keine Antwort erhalten. Nun gut. Dann werde ich eben selbst, ohne Förmlichkeiten, diejenigen Armeebefehlshaber und Kommissare absetzen, die die Sache zu Grunde richten. Das gebietet mir die Sache, und das Fehlen eines Papierchens von Trotzki wird mich natürlich nicht davon abhalten.“ (Stalin, Band 4, Seite 104/105).



Stalin, Brief an W. I. Lenin, 4. August 1918:

Als positive Seite der Front von Zarizyn-Gaschun muss die völlige Liquidierung der Abteilungsmisswirtschaft und die rechtzeitige Entfernung der sogenannten Spezialisten (großer Anhänger teils der Kosaken, teils der Engländer und Franzosen) betrachtet werden, wodurch es ermöglicht wurde, die Truppenteile für uns zu gewinnen und dort eine eiserne Disziplin herzustellen.“ (Stalin, Band 4, Seite 108).



Stalin, An der Südfront, 21. September 1918:

Erstens sind im rückwärtigen Frontgebiet aus den Reihen der Arbeiter Verwaltungsfunktionäre hervorgegangen, die es nicht nur verstehen, für die Sowjetmacht zu agitieren, sondern auch den Staat auf neuen, kommunistischen Grundlagen aufzubauen, und zweitens ist ein neuer Stamm von Offizieren entstanden, die aus den Reihen der Soldaten hervorgegangen sind, im imperialistischen Krieg praktische Erfahrungen erworben haben und das volle Vertrauen der Soldaten der Roten Armee genießen.“ (Stalin, Band 4, Seite 114).



Stalin, Die Logik der Dinge, 29. Oktober 1918:

Aber das ist ja gerade das Unglück, dass wir es in diesem Fall mit einer Partei kleinbürgerlicher Intellektueller [Menschewiki – Redaktion] zu tun haben, die ewig zwischen dem Proletariat und der Bourgeoisie, zwischen Revolution und Konterrevolution hin und her pendeln. Hieraus die unvermeidlichen Widersprüche zwischen Wort und Tat, die ewige Ratlosigkeit und die Unschlüssigkeit des Denkens.“

Wird das menschewistische ZK sich jemals aus diesem Labyrinth des kleinbürgerlichen Wirrwarrs herausfinden?“ (Stalin, Band 4, Seite 122 und 123).

Indessen steht außer Zweifel, dass nur ein entschiedener Bruch mit den konterrevolutionären Elementen des Menschewismus imstande wäre, die gegenwärtig vom menschewistischen ZK proklamierte ´gegenseitige Verständigung` wirklich vorwärtszubringen.“ (Stalin, Band 4, Seite 126).



Stalin, Rede in der Plenarsitzung des Moskauer Sowjets der Arbeiter-, Soldaten- und Bauerndeputierten über die Lage an der Südfront, 29. Oktober 1918:

Die Kraft unserer Armee liegt in ihrer Bewusstheit und Disziplin. Bewusstheit und proletarische Disziplin – das ist eine der Ursachen unseres Erfolges an der Südfront.

Die zweite Ursache ist das Entstehen eines neuen, roten Offizierskorps. Es handelt sich größtenteils um ehemalige Soldaten, die in einer ganzen Reihe von Schlachten ihre Feuertaufe erhalten haben und das Kriegshandwerk gut kennen. Sie führen unsere Truppen zum Sieg.

Das sind die Hauptfaktoren, die den Erfolg unserer Armee bestimmen. Und deswegen, denke ich, wird es den schwarzen Banden niemals gelingen, unsere Armee im Süden zu besiegen.“ (Stalin, Band 4, Seite 128).



Stalin, Über den Süden Russlands, 30. Oktober 1918:

Diese roten Offiziere bilden das Hauptbindemittel unserer Armee, das sie zu einem homogenen disziplinierten Organismus zusammenschweißt.“

Eine Armee kann nicht lange ohne festes Hinterland existieren. Für eine stabile Front ist es notwendig, dass die Armee regelmäßig Ersatz, Munition und Proviant aus dem Hinterland erhält. Eine große Rolle spielte in dieser Hinsicht die im Hinterland erfolgte Heranbildung tüchtiger und kundiger Verwaltungsfunktionäre, hauptsächlich aus fortgeschrittenen Arbeitern, die gewissenhaft und unermüdlich auf dem Gebiet der Mobilmachung und Versorgung arbeiten. Man kann mit Gewissheit sagen, dass Zarizyn ohne diese Verwaltungsfunktionäre nicht zu retten gewesen wäre.“ (Stalin, Band 4, Seite 131).



Stalin, Bericht an W. I. Lenin, 19. Januar 1919:

Außerdem ist es notwendig: 1. den Armeebefehlshaber zu wechseln, 2. drei tüchtige politische Funktionäre herzuschicken, 3. das Gebietskomitee, den Gebietssowjet und anderes mehr schnellstens aufzulösen, um die Mobilmachung der evakuierten Arbeiter zu beschleunigen.“ (Stalin, Band 4, Seite 169).



Stalin, Bericht an Genossen Lenin über die Ursachen des Falls von Perm, 31. Januar 1919:

Zu dem Bild des allgemeinen Zerfalls und der Zerrüttung der Armee und des rückwärtigen Gebietes, der Misswirtschaft und Verantwortungslosigkeit der Armee-, Partei- und Sowjetinstitutionen kommt noch das unerhörte, fast überall beobachtete Überlaufen einer ganzen Reihe verantwortlicher Funktionäre auf die Seite des Gegners. Der Leiter der Verteidigungsanlagen Ingenieur Banin und alle seine Mitarbeiter, der Eisenbahningenieur Adrianowski und der gesamte Spezialistenstab der Eisenbahnverwaltung, der Leiter der Abteilung Heerestransportwesen Suchorski und seine Mitarbeiter, der Leiter der Abteilung für Mobilmachung beim Gebiets- Militärkommissariat Bukin und seine Mitarbeiter, der Kommandeur des Wachbataillons Ufimzew und der Chef der Artelleriebrigade Walkjushenitsch, der Chef der Abteilung für Sonderformationen Eskin und der Kommandeur des Pionierbataillons mit seinem Gehilfen, die Kommandanten der Bahnhöfe Perm I und Perm II, die ganze Registraturabteilung der Versorgundsverwaltung der Armee und die Hälfte der Mitglieder des Zentralkollegiums – sie alle und viele andere sind in Perm zurückgeblieben und zum Gegner übergelaufen.“ (Stalin, Band 4, Seite 177/178).

Zur Festigung des rückwärtigen Gebiets ist es notwendig (...) eine Schule für Parteifunktionäre (hauptsächlich aus den Reihen der Arbeiter) zu schaffen und für richtige Verteilung der Funktionäre zu sorgen.“ (Stalin, Band 4, Seite 190).



Stalin, Unsere Aufgaben im Osten, 2. März 1919:

Unsere Aufgabe besteht darin:

1. mit allen Kräften das kulturelle Niveau der rückständigen Völker zu heben, ein umfassendes Netz von Schulen und Bildungsstätten zu organisieren und die Sowjetagitation in Wort und Schrift in der Sprache zu entwickeln, die der dort lebenden werktätigen Bevölkerung verständlich und vertraut ist; 2. (...); 3. (...)

Nur dadurch kann eine Brücke zwischen der proletarischen Revolution des Westens und der anti-imperialistischen Bewegung des Ostens geschlagen und so ein allumfassender Ring um den verendenden Imperialismus gelegt werden.“ (Stalin, Band 4, Seite 210 und 211); [unterstrichen von der Redaktion].



Stalin, Telegramm an W. I. Lenin, 21. Dezember 1919:

Unmittelbar nach Krasnaja Gorka wurde Seraja Loschadj liquidiert. Die Geschütze in ihnen sind in voller Ordnung. Eine eilige Überprüfung aller Forts und Festungen ist im Gange.

Die Marinespezialisten versichern, dass die Einnahme von Krasnaja Gorka von der Seeseite her die Marinewissenschaft über den Haufen wirft. Mit bleibt nichts übrig, als die sogenannte Wissenschaft zu bedauern. Die rasche Einnahme von Gorka erklärt sich durch das rücksichtslose Eingreifen meinerseits und überhaupt der Zivilisten in die operativen Dinge, das so weit geht, dass die Befehle zu Wasser und zu Lande aufgehoben und unsere eigenen aufgezwungen wurden.

Ich halte es für meine Pflicht, zu erklären, dass ich auch weiterhin so handeln werde, trotz all meiner Hochachtung vor der Wissenschaft.“ (Stalin, Band 4, Seite 231).



Stalin, Reden auf der IV. Konferenz der KP (B) der Ukraine, 19. März 1920:

Jetzt müssen wir aus den Reihen der Arbeiter unsere eigenen Wirtschaftsoffiziere und – unteroffiziere hervorbringen, die das Volk unterweisen werden, wie der Kampf gegen die Zerrüttung zu führen und eine neue Wirtschaft aufzubauen ist. Nur im Kampf gegen die Zerrüttung ist ein Neuaufbau möglich, dazu aber müssen wir unsere eigenen Arbeitsoffiziere großziehen.“ (Stalin, Band 4, Seite 266).



Stalin, Lenin als Organisator und Führer der KPR, 23. April 1920:

Es gibt zwei Gruppen von Marxisten. Beide arbeiten unter der Fahne des Marxismus, beide halten sich für ´wahrhaft` marxistisch. Und doch sind sie bei weitem nicht identisch. Mehr noch: Zwischen ihnen liegt ein ganzer Abgrund, denn ihre Arbeitsmethoden stehen in diametralem Gegensatz zueinander.

Die eine Gruppe pflegt sich auf die äußerliche Anerkennung des Marxismus, auf seine feierliche Verkündung zu beschränken. Da sie nicht fähig oder nicht willens sind, in das Wesen des Marxismus einzudringen, da sie nicht fähig oder nicht willens sind, ihn in die Tat umzusetzen, verwandelt sie die lebendigen und revolutionären Leitsätze des Marxismus in tote, nichtssagende Formeln. Sie gründet ihre Tätigkeit nicht auf die Erfahrung, nicht auf die Berücksichtigung der praktischen Arbeit, sondern auf Marx-Zitate. Sie schöpft Weisungen und Direktiven nicht aus der Analyse der lebendigen Wirklichkeit, sondern aus Analogien und historischen Parallelen. Zwiespalt zwischen Wort und Tat – das ist die Hauptkrankheit dieser Gruppe. Daher die Enttäuschungen und die ewige Unzufriedenheit mit dem Schicksal, von dem sie immer wieder zum Besten gehalten, ´genasführt` wird. Der Name dieser Gruppe ist Menschewismus (in Russland), Opportunismus (in Europa). Genosse Tyszko (Jogiches) hat diese Gruppe auf dem Londoner Parteitag recht treffend charakterisiert, als er sagte, sie stehe nicht, sondern liege auf dem Standpunkt des Marxismus.

Die andere Gruppe verlegt dagegen das Schwergewicht der Sache von der äußerlichen Anerkennung des Marxismus auf seine Durchführung, auf seine Umsetzung in die Tat. Der Situation entsprechende Wege und Mittel zur Verwirklichung des Marxismus festzulegen, diese Wege und Mittel zu ändern, wenn die Situation sich ändert – das ist es, worauf diese Gruppe hauptsächlich ihre Aufmerksamkeit richtet. Diese Gruppe schöpft ihre Direktiven und Weisungen nicht aus historischen Analogien und Parallelen, sondern aus dem Studium der sie umgebenden Verhältnisse. Sie stützt sich in ihrer Tätigkeit nicht auf Zitate und Aussprüche, sondern auf die praktische Erfahrung, indem sie jeder ihrer Schritte an Hand der Erfahrung prüft, aus ihren Fehlern lernt und andere lehrt, das neue Leben aufzubauen. Eben dadurch erklärt es sich auch, dass es in der Tätigkeit dieser Gruppe keinen Zwiespalt zwischen Wort und Tat gibt und dass die Marxsche Lehre ihre lebendige revolutionäre Kraft in vollem Umfang bewahrt. Auf diese Gruppe passen durchaus die Worte von Marx, dass die Marxisten nicht dabei haltmachen können, die Welt zu interpretieren, sondern weitergehen müssen, um sie zu verändern. Der Name dieser Gruppe ist Bolschewismus, Kommunismus. Der Organisator und Führer dieser Gruppe ist W. I. Lenin.“ (Stalin, Band 4, Seite 271/272).

Nicht selten beschuldigten unsere Genossen (nicht nur die Menschewiki!) Lenin der übermäßigen Neigung zur Polemik und Spaltung, des unversöhnlichen Kampfes gegen Versöhnler und andere. Zweifellos gab es seinerzeit sowohl das eine als auch das andere. Es ist aber nicht schwer zu begreifen, dass unsere Partei die innere Schwäche und Verschwommenheit nicht hätte überwinden und die ihr eigene Kraft und Festigkeit nicht hätte erlangen können, wenn sie die nichtproletarischen, opportunistischen Elemente aus ihren Reihen nicht verjagt hätte. In der Epoche der Herrschaft der Bourgeoisie kann die proletarische Partei nur in dem Maße wachsen und erstarken, in dem sie den Kampf gegen die opportunistischen, anti-revolutionären und parteifeindlichen Elemente in ihrer Mitte und in der Arbeiterklasse führt. Lasalle hatte recht, als er sagte, ´dass sich eine Partei stärkt, indem sie sich purifiziert.`“ (Stalin, Band 4, Seite 274/275).

Die Bewegung in ihrer Gesamtheit kann nicht nur von Erinnerungen leben: sie braucht ein klares Ziel (Programm) und eine feste Linie (Taktik).

Es gibt auch eine andere Art Führer in Friedenszeiten, stark in der Theorie, aber schwach in den Fragen der Organisation und der praktischen Arbeit. Solche Führer sind nur in der Oberschicht des Proletariats populär, und auch dort nur bis zu einem gewissen Zeitpunkt. Mit dem Anbruch einer revolutionären Epoche, da von den Führern revolutionär-praktische Losungen gefordert werden, treten die Theoretiker vom Schauplatz ab, um neuen Männern Platz zu machen. Solche Führer waren zum Beispiel Plechanow in Russland, Kautsky in Deutschland.

Um sich als Führer der proletarischen Revolution und der proletarischen Partei zu behaupten, muss man theoretische Stärke mit der praktisch-organisatorischen Erfahrung der proletarischen bewegung in sich vereinen. (...) Wir (...) zweifeln nicht daran, dass Lenin diese seine alte Eigenschaft vollkommen bewahrt hat. Darin ist, unter anderem, die Erklärung der Tatsache zu suchen, dass Lenin, und gerade er, heute der Führer der stärksten und gestähltesten proletarischen Partei der Welt ist.“ (Stalin, Band 4, Seite 278/279).



Stalin, Über die Schaffung von Kampfreserven der Republik, 30. August 1920:

Eine ebenso große (ebenfalls negative) Rolle hat die Tatsache gespielt, dass der Ersatz nicht ausgebildet war: der nur halb ausgebildete, nicht zusammengeschweißte Ersatz, der im Verlauf einer allgemeinen Angriffswelle brauchbar ist, hielt einer ernsthaften Gegenwehr des Gegners gewöhnlich nicht stand, lieferte fast das gesamte Material aus und gab sich dem Gegner zu Zehntausenden gefangen. Deswegen muss die Frist für die Ausbildung und die Auffüllung ebenfalls von vornherein als höchst wichtiger Faktor berücksichtigt werden.“ (Stalin, Band 4, Seite 307).



Stalin, Die Politik der Sowjetmacht in der nationalen Frage in Russland, 10. Oktober 1920:

Aber die Verkündung dieser oder jener Form der sowjetischen Autonomie, der Erlass entsprechender Dekrete und Beschlüsse, ja sogar die Schaffung von Regierungen der Randgebiete in Gestalt von regionalen Räten der Volkskommissare für die autonomen Republiken sind bei weitem nicht ausreichend zur Festigung des Bündnisses zwischen den Randgebieten und dem Zentrum. Um dieses Bündnis zu festigen, gilt es vor allem, die Entfremdung und Abgeschlossenheit der Randgebiete, die patriarchalischen Zustände und die Kulturlosigkeit sowie das Misstrauen gegen das Zentrum zu überwinden, die die bestialische Politik des Zarismus in den Randgebieten als Erbe hinterlassen hat. Der Zarismus kultivierte in den Randgebieten vorsätzlich die patriarchalisch-feudale Unterdrückung, um die Massen in Sklaverei und Unwissenheit zu halten. Der Zarismus siedelte vorsätzlich an den besten Stellen der Randgebiete kolonisatorische Elemente an, um die einheimischen nationalen Massen in die schlechteren Gebiete abzudrängen und den nationalen Hader zu verstärken. Der Zarismus bedrängte die einheimische Schule, das Theater, die Bildungsstätten, ja mitunter beseitigte er sie einfach, um die Massen in Finsternis zu halten. Der Zarismus erstickte jede Initiative der besten Elemente der einheimischen Bevölkerung. Schließlich tötete der Zarismus jede Aktivität der Volksmassen der Randgebiete. Durch all dies rief der Zarismus unter den einheimischen nationalen Massen tiefstes Misstrauen gegenüber allem Russischen hervor, ein Misstrauen, das zuweilen in Feindseligkeit überging. Um das Bündnis zwischen Zentralrussland und den Randgebieten zu festigen, muss dieses Misstrauen beseitigt, muss eine Atmosphäre des gegenseitigen Verständnisses und des brüderlichen Vertrauens geschaffen werden. Um aber das Misstrauen zu beseitigen, gilt es vor allem, den Volksmassen der Randgebiete zu helfen, sich von den Überresten des feudal-patriarchalischen Jochs zu befreien, gilt es, alle und jedwede Privilegien der kolonisatorischen Elemente in der Tat, und nicht nur in Worten, abzuschaffen, gilt es, die Volksmassen in den Genuss der materiellen Güter der Revolution zu setzen.

Kurzum: Man muss den Massen beweisen, dass das proletarische Zentralrussland ihre und nur ihre Interessen vertritt, und zwar muss man dies nicht allein durch Repressalien gegen die Kolonisatoren und die bürgerlichen Nationalisten beweisen, die den Massen mitunter ganz unverständlich sind, sondern vor allem durch eine konsequente und durchdachte Wirtschaftspolitik.

Die von den Liberalen erhobene Forderung nach allgemeiner Schulpflicht ist allen bekannt. Die Kommunisten in den Randgebieten können nicht rechts von den Liberalen stehen; sie müssen dort die allgemeine Schulpflicht durchführen, wenn sie die Unwissenheit des Volkes aus der Welt schaffen, wenn sie das Zentrum und die Randgebiete Russlands geistig einander näherbringen wollen. Dazu müssen aber die einheimische nationale Schule, das nationale Theater, die nationalen Bildungsstätten entwickelt und das Kulturniveau der Volksmassen in den Randgebieten gehoben werden, denn es braucht wohl kaum bewiesen zu werden, dass Kulturlosigkeit und Unwissenheit der gefährlichste Feind der Sowjetmacht sind [unterstrichen von der Redaktion]. Wir wissen nicht, mit welchem Erfolg unsere Arbeit im Allgemeinen in dieser Richtung vor sich geht, doch wird uns mitgeteilt, dass das Gebietsvolkskommissariat für Bildungswesen in einem der wichtigsten Randgebiete für die einheimischen Schulen insgesamt nur zehn Prozent seiner Kredite verausgabt. Wenn das zutrifft, so muss man zugeben, dass wir uns auf diesem Gebiet vom ´alten Regime` leider nicht weit entfernt haben. Die Sowjetmacht darf nicht als eine vom Volk losgelöste Macht betrachtet werden – im Gegenteil, sie ist eine in ihrer Art einzig dastehende, aus den russischen Volksmassen hervorgegangene, ihnen vertraute und nahestehende Macht. Es ist notwendig, dass die Sowjetmacht den Volksmassen der Randgebiete ebenso vertraut wird und ihnen ebenso nahekommt (...) damit die Massen sehen, dass die Sowjetmacht und ihre Organe das Werk ihrer eigenen Bemühungen, die Verkörperung ihrer Hoffnungen sind. Nur auf diese Weise kann ein unzerstörbares geistiges Band [unterstrichen von der Redaktion] zwischen den Massen und der Staatsmacht den werktätigen Massen der Randgebiete verständlich machen und sie ihnen nahebringen.“ (Stalin, Band 4, Seite 313 und 314/315).

Ein ernstes Hindernis auf dem Wege zur Durchführung der sowjetischen Autonomie ist der große Mangel an intellektuellen Kräften aus den Reihen der einheimischen Bevölkerung in den Randgebieten, der Mangel an Instrukteuren für ausnahmslos alle Zweige der Sowjet- und Parteiarbeit. Dieser Mangel muss unvermeidlich sowohl die Bildungsarbeit als auch die revolutionäre Aufbauarbeit in den Randgebieten hemmen. Gerade deshalb wäre es aber unvernünftig und für die Sache verhängnisvoll, diese zahlenmäßig ohnehin schwachen Gruppen einheimischer Intellektueller von sich zu stoßen, die vielleicht den guten Willen hätten, den Volksmassen zu dienen, dies aber nicht können, vielleicht darum nicht, weil sie sich als Nichtkommunisten von einer Atmosphäre des Misstrauens umgeben glauben und eventuelle Repressalien befürchten. Gegenüber diesen Gruppen kann mit Erfolg die Politik ihrer Heranziehung zu Funktionen in der Industrie, der Landwirtschaft, im Ernährungswesen usw., zum Zwecke ihrer allmählichen Sowjetisierung. Denn man kann wohl schwerlich behaupten, dass diese Intellektuellengruppen weniger zuverlässig seien, als, sagen wir, die konterrevolutionären Militärfachleute, die trotz ihrer konterrevolutionären Gesinnung dennoch zur Arbeit herangezogen und dann auf den wichtigsten Posten sowjetisiert wurden.

Der Einsatz der nationalen Intellektuellengruppen reicht jedoch noch bei weitem nicht aus, um den Bedarf an Instrukteuren zu decken. Gleichzeitig muss in den Randgebieten ein umfassendes Netz von Kursen und Schulen für alle Verwaltungszweige eingerichtet werden, um Kader von Instrukteuren aus der einheimischen Bevölkerung zu schaffen. Denn es ist klar, dass ohne solche Kader die Organisierung von einheimischen Schulen (...) in der Muttersprache aufs Äußerste erschwert wird.

Von den Husarenritten, die die ´sofortige Kommunisierung` der rückständigen Volksmassen bezwecken, muss man zu einer besonnenen und durchdachten Politik allmählicher Hinüberleitung dieser Massen in die gemeinsame Bahn der sowjetischen Entwicklung übergehen.“ (Stalin, Band 4, Seite 318 und319).



Stalin, Rede bei der Eröffnung der I. Allrussischen Beratung der verantwortlichen Funktionäre der Arbeiter- und Bauerninspektion, November – Dezember 1920:

Um das zu erreichen (dass die Arbeiterklasse Herr und Meister im Staat geworden ist), muss man für die Verwaltung des Landes Instrukteurkader in genügender Stärke haben. Die Hauptaufgabe der Arbeiter- und Bauerninspektion besteht darin, durch Heranziehung breiter Schichten der Arbeiter und Bauern zu ihrer Arbeit solche Kader großzuziehen und zu schulen. Die Arbeiter- und Bauerninspektion muss eine Schule für solche Kader aus den Reihen der Arbeiter und Bauern sein.“ (Stalin, Band 4, Seite 322).

Die Hauptsache besteht nicht darin, einzelne Verbrecher zu ertappen, sondern vor allem darin, die zu revidierenden Institutionen kennenzulernen, sich in ihre Arbeit hineinzudenken, sie ernstlich zu studieren, ihre negativen und ihre positiven Seiten zu studieren und die Vervollkommnung dieser Institutionen zu fördern. Am schlimmsten und am unerwünschtesten wäre es, wenn sich die Inspektion zu Polizeimethoden hinreißen ließe, wenn sie sich darauf verlegte, ihr Nadelstiche zu versetzen, wenn sie nur über die Oberfläche der Erscheinungen hinwegglitte, ohne auf die Hauptmängel einzugehen.

Wenn der Arbeiter- und Bauerninspektion die Aufgabe gestellt worden ist, niemanden zu schonen, welche Stellung er auch immer einnehmen möge, und immer auf die Sache, nur auf die Interessen der Sache bedacht zu sein, so liegt es klar auf der Hand, dass die Funktionäre der Arbeiter- und Bauerninspektion selbst sauber, untadelig und schonungslos bei der Verfechtung der Wahrheit sein müssen. Das ist absolut notwendig, damit sie nicht nur das formale, sondern auch das moralische Recht haben, andere zu revidieren, andere zu lehren.“ (Stalin, Band 4, Seite 322- 324).



Stalin, Kongress der Völker Daghestans, 17. November 1920:

Die Sowjetmacht weiß, dass Unwissenheit der schlimmste Feind des Volkes ist.“ (Stalin, Band 4, Seite 349).



Stalin, Rede bei der Eröffnung der Beratung der Kommunisten der Turkvölker der RSFSR, 1. Januar 1921:

Die Entwicklung des Kommunismus in Russland hat eine lange, mehrere Jahrzehnte währende Geschichte theoretischer Arbeit und theoretischen Kampfes innerhalb des russischen Sozialismus. Aus diesem Kampf ging eine festgefügte Gruppe führender Elemente hervor, die genügend stark in der Theorie und standhaft in prinzipieller Hinsicht waren, um die Parteimassen führen zu können.

Zum Unterschied davon ist der Kommunismus im Osten unseres Landes erst vor kurzem entstanden, im Verlauf des praktischen revolutionären Kampfes um den Sozialismus, ohne vorher ein Stadium der theoretischen Entwicklung durchgemacht zu haben. Hieraus enstspringt die theoretische Schwäche des Kommunismus in den Turkländern, eine Schwäche, die nur durch die Schaffung einer auf den Prinzipien des Kommunismus fußenden Literatur in den Turksprachen unseres Landes beseitigt werden kann.“ (Stalin, Band 5, Seite 1).



Stalin, Über die nächsten Aufgaben der Partei in der nationalen Frage, 10. Februar 1921:

Der Parteitag [X. Parteitag der KPR (B) – Redaktion] ruft zum entschiedenen Kampf gegen alle pseudokommunistischen Elemente auf, die sich an die Partei des Proletariats anbiedern, und warnt die Partei vor einer ´Erweiterung` durch kleinbürgerlich-nationalistische Intellektuellenelemente. Der Parteitag ist der Ansicht, dass die Partei in den Randgebieten hauptsächlich aus den Reihen der Proletarier, der Dorfarmut und der werktätigen Bauern dieser Randgebiete aufgefüllt werden muss, wobei gleichzeitig daran gearbeitet werden muss, die Parteiorganisationen der Randgebiete durch Verbesserung ihrer qualitativen Zusammensetzung zu festigen.“ (Stalin, Band 5, Seite 25).



Stalin, Brief an W. I. Lenin, März 1921:

Meine Meinung:

  1. Es darf keine einzige Minute mehr mit Geschwätz über den Plan verloren werden; 2. wir müssen sofort mit der p r a k t i s c h e n Inangriffnahme der Sache b e g i n n e n .

    ... dass es n u r e i n e n e i n z i g e n ´einheitlichen Wirtschaftsplan` gibt – den ´Plan der Elektrifizierung`, und dass alle übrigen ´Pläne` ein leeres und schädliches Geschwätz sind.“ (Stalin, Band 5, Seite 44).



Stalin, Über die politische Strategie und Taktik der russischen Kommunisten, 13. Juli 1921:

9. Die Schwankungen des Kleinbürgertums insbesondere bei der Verschärfung der politischen Krise (...), Schwankungen, die sorgfältig studiert, ausgenutzt und berücksichtigt werden müssen, denen nachzugeben aber für die Sache des Proletariats gefährlich, verderblich ist. Man darf nicht auf Grund dieser Schwankungen die Agitationslosungen ändern, man kann und muss mitunter diese oder jene Direktive und vielleicht auch (Aktions-)Losungen ändern oder hinausschieben. Die Taktik ´in 24 Stunden` ändern heißt eben, die Direktive oder sogar die Aktionslosung, keineswegs aber die Agitationslosung ändern.“ (Stalin, Band 5, Seite 57).

Die von den Bolschewiki vorgeschlagene Taktik der Vereinbarungen hat aber, im Gegensatz zur Taktik der Menschewiki, einen ganz anderen Charakter, denn sie setzt eine ganz andere Situation voraus, in der nicht die Bourgeoisie, sondern das Proletariat an der Macht steht, wobei eine Verständigung einzelner bürgerlicher Gruppen mit der proletarischen Macht unvermeidlich zur Festigung der proletarischen Macht auf der einen, zur Zersetzung der Bourgeoisie und zur Unterwerfung einzelner ihrer Gruppen auf der anderen Seite führen muss.“ (Stalin, Band 5, Seite 80).

Also die Standhaftigkeit und Reinheit der Partei bewahren, nicht nach einer großen Parteimitgliederzahl jagen, die qualitative Zusammensetzung der Partei systematisch verbessern, die Partei vor dem Zustrom von kleinbürgerlich-nationalistischen Intellektuellen-Elementen bewahren – das ist die dritte und letzte dringliche Aufgabe der Kommunistischen Partei Georgiens.“ (Stalin, Band 5, Seite 86).



Stalin, Zum 10. Jahrestag der „Prawda“, 5. Mai 1922:

Die ´Prawda` sollte den fortgeschrittenen Arbeitern helfen, die zu neuem Kampf erwachten, aber politisch zurückgebliebenen breiten Schichten der russischen Arbeiterklasse um das Banner der Partei zu scharen. Gerade darum betrachtete die ´Prawda` es damals als eine ihrer Aufgaben, Literaten aus der Mitte der Arbeiter selbst heranzubilden und sie in die Leitung der Zeitung einzubeziehen.

´Wir möchten`, schrieb die ´Prawda`, gleich in der ersten Nummer, ´dass sich die Arbeiter nicht auf die Sympathie beschränken, sondern an der Leitung unserer Zeitung aktiv mitarbeiten. Mögen die Arbeiter nicht sagen, Schriftstellerei sei für sie eine ´ungewohnte` Arbeit: Die Arbeiterliteraten fallen nicht fertig vom Himmel, sie werden nur nach und nach, im Laufe der literarischen Arbeit herangebildet. Man muss nur mutig ans Werk gehen: ein paarmal wird man stolpern, und dann lernt man schreiben...`“ (Stalin, Band 5, Seite 115).



Stalin, Der XII. Parteitag der KPR (B), Zum 10. Jahrestag der „Prawda“, 17. April 1923:

Ich gehe zur Schule über. Ich spreche von den politischen Schulen, von Schulen zur Heranbildung von Sowjet- und Parteifunktionären sowie von den kommunistischen Universitäten. Das ist ebenfalls ein Apparat, mit dessen Hilfe die Partei die kommunistische Schulung entfaltet, einen Funktionärkörper für Schulungswesen heranbildet, der unter der Arbeiterbevölkerung die Saat des Sozialismus, die Saat des Kommunismus ausstreut und so die Partei durch geistige Bande mit der Arbeiterklasse verbindet [unterstrichen von der Redaktion]. (...) Die Aufgabe der Partei besteht darin, alle Kräfte an dieser Front anzuspannen und die Arbeit zu verstärken, die die Heranbildung und Ausbildung eines Funktionärkörpers für die kommunistische Schulung bezweckt.“ (Stalin, Band 5, Seite 178/179).

Die Presse ist die stärkste Waffe, durch sie spricht die Partei täglich, stündlich zur Arbeiterklasse in ihrer eigenen, ihr vertrauten Sprache. Andere Mittel, geistige Fäden zwischen der Partei und der Klasse [unterstrichen von der Redaktion] zu ziehen, einen anderen so elastischen Apparat gibt es nun einmal nicht.“ (Stalin, Band 5, Seite 179).

Das sind die Transmissionsriemen, die die Massen erfassenden Apparate, die unsere Partei umgeben, die die Partei mit der Arbeiterklasse verbinden und es ihr möglich machen, zur Vorhut zu werden und die Arbeiterklasse in eine Armee zu verwandeln. So sieht das Verbindungsnetz und das Netz der Übertragungspunkte aus, mit deren Hilfe die Partei, zum Unterschied vom militärischen Kommandeurkorps, zur Vorhut, die Arbeiterklasse aber aus einer zersplitterten Masse zu einer wirklich politischen Armee wird“ (Stalin, Band 5, Seite 181).

Es wird wohl niemand von Ihnen behaupten wollen, dass es genüge, eine gute politische Linie festzulegen, und damit sei die Sache erledigt. Nein, das ist nur die Hälfte der Arbeit. Nachdem die richtige politische Linie festgelegt ist, gilt es, die Funktionäre so auszulesen, dass die Posten von Menschen bekleidet werden, die es verstehen, die Direktiven zu verwirklichen, die Direktiven zu begreifen, diese Direktiven als ihre ureigenen anzusehen und sie in die Wirklichkeit umzusetzen.“ (Stalin, Band 5, Seite 185).

In diesem Jahr ist die Mitgliederzahl der Partei weiter zurückgegangen, da sich die Partei in einer ganzen Reihe von Gebieten von nichtproletarischen Elementen befreit hat - (...) Das ist kein Minus, das ist ein Plus, denn die soziale Zusammensetzung der Partei hat sich verbessert. Das Interessante an der Entwicklung unserer Partei im Sinne der Verbesserung ihrer sozialen Zusammensetzung ist, dass die früher vorhandene Tendenz des Wachstums der nichtproletarischen Elemente in der Partei auf Kosten des proletarischen Elements im Berichtsjahr nicht mehr zu verzeichnen ist, dass eine bestimmte Tendenz zur Vergrößerung des Prozentsatzes der Arbeiter in unserer Partei auf Kosten der nichtproletarischen Elemente festzustellen ist. Das ist eben der Erfolg, den wir vor der Reinigung erreichen wollten und den wir jetzt erreicht haben. (...) Offenbar wird man die Schranken gegen den Zustrom nichtproletarischer Elemente verstärken müssen.“ (Stalin, Band 5, Seite 188 und 189).

Parteiführer heranzubilden ist sehr schwer, dazu braucht man Jahre, 5 bis 10 Jahre, mehr als 10 Jahre. Es ist viel leichter, mit Hilfe der Kavallerie des Genossen Budjonny dieses oder jenes Land zu erobern, als zwei, drei Führer von unten herauf heranzubilden, Menschen, die in Zukunft wahre Führer des Landes werden können. Es ist aber an der Zeit, daran zu denken, eine Ablösung heranzubilden. Dazu gibt es nur ein einziges Mittel – neue, frische Funktionäre in die Arbeit des ZK einzubeziehen und sie im Laufe der Arbeit emporzuheben – die begabtesten und unabhängigsten, die einen Kopf auf den Schultern haben, aufsteigen zu lassen. Das Buch hilft uns vorwärts, aber allein bildet es noch keinen Führer heran. Nur wenn wir neue Genossen in das ZK wählen und sie die ganze Schwere der Leitung spüren lassen, können wir erreichen, dass eine Ablösung herangebildet wird, die wir beim jetzigen Stand der Dinge so sehr nötig haben.“ (Stalin, Band 5, Seite 193).

Über Lutowinow. Er ist mit dem Regime unserer Partei nicht zufrieden: Es gebe keine Redefreiheit in unserer Partei, keine Legalität, keinen Demokratismus. (...) Er will den ´wahren` Demokratismus, damit alle, mindestens aber die wichtigsten Fragen in allen Zellen von unten bis oben beraten werden, damit die ganze Partei in jeder Frage in Bewegung gerate und an der Besprechung der Frage teilnehme. Aber Genossen, jetzt, da wir an der Macht sind, da wir nicht weniger als 400 000 Parteimitglieder haben, da wir nicht weniger als 20 ooo Zellen haben, weiß ich nicht, wohin ein derartiges Regime führen würde. Bei einem derartigen Regime würde sich unsere Partei in einen Diskussionsklub von Menschen verwandeln, in dem ewig geschwatzt und nichts entschieden wird. Indessen muss unsere Partei vor allem eine handelnde Partei sein, denn wir sind an der Macht. (...) Was wäre aus uns geworden, wenn wir die Frage von krieg und Frieden, die wichtigsten aller Fragen, vorher an die große Glocke gehängt hätten, denn, wie gesagt, diese Frage von 20 000 Zellen beraten zu lassen heißt, die Fragen an die große Glocke hängen. Man hätte uns im Nu fertiggemacht. Es ist klar, Genossen, dass der sogenannte Demokratismus Lutowinows sowohl aus organisatorischen als auch aus politischen Gründen eine Phantasie, eine demokratische Manilowerei ist. Er ist falsch und gefährlich. Lutowinows We ist nicht unser Weg.“ (Stalin, Band 5, Seite 196, 197 und 198).



Stalin, Vierte Beratung des ZK der KPR (B) mit den verantwortlichen Funktionären der nationalen Republiken und Gebiete, 9. - 12. Juni 1923:

Was nun die Kommunisten in den Republiken und Gebieten selbst betrifft, so müssen sie daran denken, dass sich die Situation bei ihnen, schon allein infolge der abweichenden sozialen Zusammensetzung der Bevölkerung, stark von der Situation in den Industriezentren der Union der Republiken unterscheidet, dass darum in den Randgebieten häufig andere Arbeitsmethoden angewandt werden müssen. Insbesondere muss man hier in dem Bestreben, die Unterstützung der werktätigen Massen der einheimischen Bevölkerung zu gewinnen, den revolutionär-demokratischen oder auch nur loyal zur Sowjetmacht eingestellten Elementen in höherem Maße als in den zentralen Gebieten entgegenkommen. Die einheimische Intelligenz spielt in den Republiken und Gebieten in vieler Hinsicht eine andere Rolle als die Intelligenz der zentralen Gebiete der Union der Republiken. Die Randgebiete sind so arm an einheimischen Intellektuellen, dass keine Mühe gescheut werden darf, um jeden von ihnen für die Sowjetmacht zu gewinnen.“ (Stalin, Band 5, Seite 257/258).

b)... die verantwortlichen Funktionäre verpflichtet werden, die Muttersprache der einheimischen Bevölkerung zu erlenen.

c) Auslese und Einbeziehung der mehr oder weniger loyalen Elemente der einheimischen Intelligenz in die Sowjetinstitutionen, wobei unsere verantwortlichen Funktionäre in den Republiken und Gebieten gleichzeitig an der Heranbildung von Sowjet- und Parteifunktionärkadern aus der Mitte der Parteimitglieder arbeiten müssen.

Maßnahmen zur Hebung des Kulturniveaus der einheimischen Bevölkerung

Notwendig ist etwa folgendes:

a) Klubs (für Parteilose) und andere Aufklärungsstellen, die in der Muttersprache der einheimischen Bevölkerung tätig sind, einzurichten;

b) das Netz der in der Muttersprache der einheimischen Bevölkerung tätigen Lehranstalten aller Stufen zu erweitern;#

c) die mehr oder weniger loyalen einheimischen Volksschullehrer zur Arbeit in der Schule heranzuziehen;

d) ein Netz von Vereinigungen zu schaffen, die in der Muttersprache der einheimischen Bevölkerung Lese- und Schreibunterricht erteilen;

e) ein Verlagswesen aufzubauen. (Stalin, Band 5, Seite 261).



g) Berufsschulen und technische Schulen für die einheimische Bevölkerung ins Leben zu rufen;

h) landwirtschaftliche Kurse für die einheimische Bevölkerung einzurichten. (Stalin, Band 5, Seite 262).

Die Organisierung der Erziehungsarbeit der Partei

Notwendig ist etwa folgendes:

a) Schulen ins Leben rufen, die in der Muttersprache der einheimischen Bevölkerung politisches Grundwissen vermitteln:

b) eine marxistische Literatur in der Muttersprache der einheimischen Bevölkerung zu schaffen;

c) eine gut geleitete periodische Presse in der Muttersprache der einheimischen Bevölkerung zu haben;

d) die Tätigkeit der Universität der Völker des Ostens im Zentrum und in den Ländern zu erweitern und diese Universität materiell sicherzustellen;

e) einen Diskussionsklub der Partei an der Universität der Völker des Ostens zu gründen, zu dessen Arbeit die in Moskau wohnenden Mitglieder des ZK heranzuziehen sind;

f) die Arbeit im Jugendverband und unter den Frauen in den Republiken und Gebieten zu verstärken.

Auslese der Partei- und Sowjetfunktionäre zwecks Verwirklichung der vom XII. Parteitag beschlossenen Resolution zur nationalen Frage

Eine bestimmte Anzahl von nationalen Funktionären (je zwei oder drei) muss in die Abteilung für Registrierung und Verteilung, in die Abteilung für Agitation und Propaganda, in die Organisationsabteilung, in die Frauenabteilung und in den Instrukteurapparat des ZK in den Randgebieten zu erleichtern, die Partei- und Sowjetfunktionäre richtig auf die Republiken und Gebiete zu verteilen und dadurch die Linie des XII. Parteitags der KPR in der nationalen Frage zu sichern.“ (Stalin, Band 5, Seite 263).

Es gibt in den östlichen Gebieten so wenige Intellektuelle, geistig rege, ja überhaupt lese- und schreibkundige Menschen, dass man sie an den Fingern abzählen kann – wie sollte man sie unter solchen Umständen nicht hochschätzen? Es wäre geradezu verbrecherisch, wollte man nicht alle Maßnahmen ergreifen, um nützliche Menschen aus dem Osten vor der Zersetzung zu bewahren und sie der Partei zu erhalten. Aber alles hat seine Grenzen.“ (Stalin, Band 5, Seite 266). [unterstrichen von der Redaktion].

Das Kulturniveau ist überhaupt niedrig. Das alles trifft zu. Aber kann man etwa ernsthaft erwarten, das ZK oder die Partei in ihrer Gesamtheit könnten die Kultur Turkestans in zwei, drei Jahren heben? Wir alle jammern und klagen darüber, dass die russische Kultur, die Kultur des russischen Volkes, das in kultureller Hinsicht den anderen Völkern der Union der Republiken voran ist, auf einem niedrigen Niveau steht. Iljitsch hat wiederholt erklärt, dass wir in kultureller Hinsicht wenig entwickelt sind, dass es nicht möglich ist, die russische Kultur in zwei, drei, ja nicht einmal in 10 Jahren wesentlich zu heben. Wenn sich aber die russische Kultur nicht in zwei, drei, ja nicht einmal in zehn Jahren wesentlich heben lässt, wie kann man da verlangen, dass das Kulturniveau der nichtrussischen, zurückgebliebenen, halbalphabetischen Gebiete im Handumdrehen gehoben werde? Ist es nicht klar, dass neun Zehntel der ´Schuld` hier den Verhältnissen, der Rückständigkeit zufallen, dass man das, wie man so sagt, in Rechnung zu stellen nicht umhinkann.“ (Stalin, Band 5, Seite 269/270).

Jetzt, da die Arbeiterklasse, die die Mehrheit der Bevölkerung um sich geschart hat, an der Macht steht, haben wir keinen Grund, die Heranziehung mehr oder weniger loyaler Elemente, einschließlich ehemaliger ´Oktobristen`, zum Sowjetaufbau zu scheuen. Im Gegenteil, alle diese Elemente müssen unbedingt in den nationalen Gebieten und Republiken zur Arbeit herangezogen werden, damit sie im Prozess der Arbeit selbst umgemodelt und sowjetisiert werden.“ (Stalin, Band 5, Seite 280).

Je höher also das Bildungs- und Kulturniveau eines Landes, einer Republik, eines Gebietes ist, desto näher steht der Partei- und Sowjetapparat dem Volk, seiner Sprache, seiner Lebensweise. All das natürlich unter sonst gleichen Umständen. Das ist klar, und an dieser Schlussfolgerung ist nichts Neues, und eben darum, weil hier nichts Neues ist, wird diese Schlussfolgerung häufig vergessen, und man sucht nicht selten die kulturelle und folglich auch die staatliche Rückständigkeit ´Irrtümern` in der Politik der Partei, Konflikten usw. zuzuschreiben, während die Grundlage all dessen darin liegt, dass es an Bildung und Kultur gebricht. Willst du dein Land zu einem fortschrittlichen Land machen und sein Staatswesen heben, so hebe das Bildungsniveau der Bevölkerung, hebe die Kultur deines Landes, und alles Übrige wird sich finden.“ [hervorgehoben von der Redaktion]; (Stalin, Band 5, Seite 287).

Indes ist klar, dass von allen Sowjetrepubliken Turkestan vom Standpunkt der Revolutionierung des Ostens die wichtigste Republik ist, nicht nur, weil Turkestan eine Kombination von Nationalitäten darstellt, die mit dem Osten am meisten verbunden sind, sondern auch, weil es seiner geographischen Lage nach mitten in das Herz des Ostens hineinragt, der am meisten ausgebeutet wird und die größte Menge Explosionsstoff für den Kampf gegen den Imperialismus aufgespeichert hat. Das ist der Grund, warum das heutige Turkestan den schwächsten Punkt der Sowjetmacht bildet. Die Aufgabe besteht darin, Turkestan in eine mustergültige Republik zu verwandeln, es zu einem Vorposten der Revolutionierung des Ostens zu machen. Eben darum ist es notwendig, das Augenmerk auf Turkestan zu konzentrieren, um das Kulturniveau der Massen zu heben, den Staatsapparat zu nationalisieren usw. Dieser Aufgabe müssen wir um jeden Preis gerecht werden, ohne unsere Kräfte zu schonen, ohne Opfer zu scheuen.“ (Stalin, Band 5, Seite 288).



Stalin, Zum fünften Jahrestag des 1. Kongresses der Arbeiterinnen und Bäuerinnen, 10. November 1923:

Die Arbeiterinnen und Bäuerinnen können, wenn sie politisch aufgeklärt sind, unsere Sowjets und Genossenschaften verbessern, sie festigen und weiterentwickeln. Die Arbeiterinnen und Bäuerinnen können, wenn sie unaufgeklärt und unwissend sind, die Sowjets und Genossenschaften schwächen und untergraben.

Schließlich sind die Arbeiterinnen und Bäuerinnen Mütter, sie erziehen unsere Jugend – die Zukunft unseres Landes. Sie können das Kind seelisch verkrüppeln oder uns eine geistig gesunde Jugend erziehen, die imstande ist, unser Land vorwärtszubringen, je nachdem, ob die Frau, die Mutter, mit dem Sowjetregime sympathisiert, oder ob sie sich im Schlepptau des Popen, des Kulaken, der Bourgeoisie befindet.

Das ist der Grund, warum die politische Aufklärung der Arbeiterinnen und Bäuerinnen jetzt, da die Arbeiter und Bauern den Aufbau des neuen Lebens in Angriff genommen haben, eine Sache von erstrangiger Bedeutung, eine äußerst wichtige Voraussetzung für den wirklichen Sieg über die Bourgeoisie ist.“ (Stalin, Band 5, Seite 306/307).



Stalin, Über die Aufgaben der Partei, 2. Dezember 1923:

Sie wissen, dass einige Tausend Parteimitglieder aus der Partei ausgeschieden sind oder hinausgeworfen wurden. Ferner hat sich die Partei während dieser Zeit in ihrer Zusammensetzung verbessert und qualitativ ein höheres Niveau erreicht, da sich die materielle Lage der Arbeiterklasse im Zusammenhang mit dem Aufschwung in der Industrie verbessert hat, da die alten qualifizierten Arbeiter aus den Dörfern zurückgekehrt sind, da eine neue Welle kulturellen Aufschwungs unter den Industriearbeitern eingesetzt hat.

Mit einem Wort, infolge all dieser Umstände ist die Partei gewachsen, hat sie qualitativ ein höheres Niveau erreicht, sind ihre Bedürfnisse größer geworden, stellt sie höhere Anforderungen, will sie mehr wissen, als sie bisher gewusst hat, und will sie mehr entscheiden, als sie bisher entschieden hat.

Die begonnene Diskussion ist nicht ein Zeichen von Schwäche der Partei, geschweige denn ein Zeichen ihrer Zersetzung oder Entartung, sondern ein Zeichen von Kraft, ein Zeichen der Stärke, ein Zeichen der Verbesserung der qualitativen Zusammensetzung der Partei, ein Zeichen ihrer erhöhten Aktivität.“ (Stalin, Band 5, Seite 311).

Die Parteilinie legt fest, dass die verantwortlichen Funktionäre der verschiedenen Arbeitszweige, ob es nun Parteiarbeiter, Wirtschaftler, Gewerkschaftler oder Militärs sind, trotz aller Spezialisierung, zu der sie in ihrer eigenen Arbeit gelangen, untereinander verbunden sind und unzerreißbare Teile eines Ganzen bilden; denn sie alle arbeiten für ein und dieselbe Sache, die Sache des Proletariats, die sich nicht in Teile zerreißen lässt. In der Parteipraxis wird hingegen die folgende Ansicht vertreten: Da ja eine Spezialisierung der Arbeit, eine Arbeitsteilung in eigentliche Parteiarbeit, in Wirtschafts-, Militärarbeit usw. vorhanden ist, so trügen die Parteiarbeiter keine Verantwortung für die Wirtschaftler, die Wirtschaftler keine Verantwortung für die Parteiarbeiter, und überhaupt sei eine Lockerung und selbst ein Schwinden der Bindung unter ihnen unvermeidlich. Genossen, das sind im Allgemeinen die Widersprüche zwischen der Parteilinie (...) und der Parteipraxis.“ (Stalin, Band 5, Seite 314).

Unsere Parteizellen würden kulturell auf einer weit höheren Stufe stehen, als sie jetzt stehen, und unter den Parteilosen eine weit größere Autorität genießen, wenn wir diese Zellen nicht auspumpten, wenn wir aus diesen Zellen nicht die Kräfte herauszögen, die wir gezwungenermaßen in der wirtschaftlichen, administrativen, gewerkschaftlichen und aller möglichen anderen Arbeit einsetzen müssen. Wenn alle unsere Arbeitergenossen, wenn die Kader, die wir in diesen 6 Jahren aus den Zellen herausgezogen haben, zu ihren Zellen zurückkehrten, bedürfte es dann noch eines Beweises, dass diese Zellen beliebige, selbst sehr entwickelte parteilose Arbeiter um ganze drei Köpfe überragen würden? Eben weil die Partei keine anderen Kader zur Verbesserung des Staatsapparates besitzt, gerade weil die Partei genötigt ist, auch weiterhin aus dieser Quelle zu schöpfen – eben darum werden unsere Zellen, was ihr kulturelles Niveau betrifft, auch weiterhin etwas nachhinken, falls wir nicht dringende Maßnahmen zur Verbesserung ihrer qualitativen Zusammensetzung ergreifen.“ (Stalin, Band 5, Seite 320).

... dass manche Genossen eine schrankenlose Diskussion haben wollen. (...) Die Partei ist nicht nur ein Bund Gleichgesinnter, sie ist außerdem ein Bund Gleichhandelnder, ein Kampfbund Gleichhandelnder, die auf der Grundlage einer gemeinsamen ideologischen Basis (Programm, Taktik) kämpfen.“ (Stalin, Band 5, Seite 323).

Entweder entartet die Partei zu einer Sekte, zu einer philosophischen Schule, denn nur in so engen Organisationen ist eine völlige Gesinnungsgleichheit möglich, oder sie verwandelt sich in einen ständigen Diskussionsklub, der ewig berät und ewig räsoniert, der sich bis zur Bildung von Fraktionen, ja bis zur Spaltung der Partei versteigt. Keine dieser Möglichkeiten kann von unserer Partei akzeptiert werden. Darum bin ich der Meinung, dass eine Beratung der Fragen notwendig, dass eine Diskussion notwendig ist, aber auch Grenzen gezogen werden müssen, die die Partei, diesen Kampftrupp des Proletariats, vor Ausartung in einen Diskussionsklub bewahren.“ (Stalin, Band 5, Seite 324).



Stalin, Die XIII. Konferenz der KPR (B), 16. - 18. Januar 1924:

Schließlich gibt es noch ein drittes Hindernis, das der Verwirklichung der Demokratie im Wege steht – das niedrige Kulturniveau einer ganzen Reihe unserer Organisationen, unserer Zellen, besonders in den Randgebieten (ich sage das nicht, um sie zu kränken), das unsere Parteiorganisationen daran hindert, die innerparteiliche Demokratie restlos zu verwirklichen. Um die Demokratie verwirklichen zu können, ist, wie Sie wissen, erforderlich, dass die Zellenmitglieder und die Organisation als Ganzes gewisses Mindestmaß an Bildung besitzen und dass eine gewisse Mindestzahl an aktiven Funtkionären vorhanden ist, die gewählt werden und verantwortliche Posten bekleiden können. Was aber, wenn diese Mindestzahl aktiver Funktionäre in der Organisation nicht vorhanden, wenn das Kulturniveau der Organisation selbst niedrig ist? Es versteht sich, dass man dann von der Demokratie abgehen und zur Enennung der Funktionäre u.a. schreiten muss.

Ich habe Sie in diese Hindernisse, die vor uns stehen, und an die äußeren und inneren Bedingungen, ohne die die Demokratie zu einer leeren demagogischen Phrase wird, deshalb erinnert, weil einige Genossen aus der Frage der Demokratie einen Fetisch, etwas Absolutes machen, in der Meinung, Demokratie sei immer und unter allen Bedingungen möglich, ihre Verwirklichung werde allein durch den ´bösen` Willen der ´Apparatleute` gestört. Und gegen diese idealistische Ansicht, eine Ansicht, die nicht die unsere ist, die nicht marxistisch, nicht leninistisch ist, wende ich mich, wenn ich Sie, Genossen, an die Bedingungen, ohne die die Demokratie nicht verwirklicht werden kann, und an die Hindernisse, die gegenwärtig vor uns stehen, erinnere. (Stalin, Band 6, Seite 10/11).“

Haben wir ein ZK als führendes Organ oder haben wir es nicht mehr, gibt es ein ZK, dessen einstimmigen Beschlüsse von den Mitgliedern des ZK geachtet werden, oder gibt es nur einen Übermenschen, der über dem ZK steht, einen Übermenschen, für den keine Gesetze geschrieben sind, der es sich erlauben kann, heute für die Resolution des ZK zu stimmen, morgen aber eine neue Plattform gegen diese Resolution aufzustellen und zu veröffentlichen? Man kann von den Arbeitern nicht verlangen, Genossen, dass sie sich der Parteidisziplin unterordnen, wenn eins der Mitglieder des ZK offen, vor aller Augen des ZK und seinen einstimmig angenommenen Beschluss ignoriert. Man kann nicht zwei Disziplinen haben: eine für Arbeiter und eine andere für Würdenträger. Es kann nur eine Disziplin geben.

Der Fehler Trotzkis besteht eben darin, dass er sich dem ZK gegenüberstellte und sich ein Übermensch zu sein dünkte, der über dem ZK, über seinen Gesetzen, über seinen Beschlüssen steht, womit er einen gewissen Teil der Partei Veranlassung gab, auf Untergrabung des Vertrauens zu diesem ZK hinzuarbeiten.“ (Stalin, Band 6, Seite 13).

... Losung des Kampfes gegen die ´Apparatleute` herausgab. Der Bolschewismus kann nicht zulassen, dass die Partei dem Parteiapparat gegenübergestellt wird. (...) Ich fürchte, dass dieser Fehler Trotzkis für die unerfahrenen Mitglieder der Partei, für unseren ganzen Parteiapparat eine Gefahr bedeutet – für den Apprat, ohne den die Partei undenkbar ist.

Der vierte Fehler, den Trotzki beging, besteht darin, dass er die Jugend den Kadern unserer Partei gegenüberstellte.“ (Stalin, Band 6, Seite 15).

Wie kann man Kader, die im Kampf für das Revolutionäre aufgewachsen sind, Kader, die den Kampf für das Revolutionäre geführt haben, Kader, die im Kampf gegen den Imperialismus zur Macht gekommen sind, Kader, die die Grundfesten des Weltimperialismus erschüttern, wie kann man diese Kader, wenn man offen, ohne Falsch spricht – wie kann man diese Kader auf die Stufe stellen mit solchen Kadern, wie sie die deutsche Sozialdemokratie besitzt, die früher mit Wilhelm gegen die Arbeiterklasse gemeinsame Sache machte und heute mit Seeckt gemeinsame Sache macht, die im Kampf gegen den revolutionären Geist des Proletariats erstarkte und sich herausbildete – wie kann man diese prinzipiell verschiedenartigen Kader auf eine Stufe stellen, wie kann man sie durcheinanderbringen? Ist es denn schwer zu verstehen, dass zwischen diesen Kadern ein unüberbrückbarer Abgrund liegt? Ist es denn schwer zu verstehen, dass diese grobe Fälschung, diese grobe Verdrehung, die Trotzki beging, darauf berechnet ist, die Autorität unserer revolutionären Kader, des Kerns unserer Partei, zu untergraben? Ist es denn nicht klar, dass diese Fälschung nur die Leidenschaften entfachen und den innerparteilichen Kampf verschärfen konnte?

Der fünfte Fehler, den Trotzki beging, besteht darin, dass er in seinen Briefen Veranlassung gab, ja die Losung aufstellte, sich nach der studierenden Jugend zu richten, nach diesem ´sichersten Barometer unserer Partei`. ´Die Jugend ist das sicherste Barometer der Partei, sie reagiert auf den Parteibürokratismus am empfindlichsten`- schreibt er in seinem ersten Artikel. Und damit kein Zweifel übrigbleibt, um welche Jugend es sich handelt, fügt Trotzki in dem zweiten Brief hinzu: ´Besonders empfindlich reagiert, wie wir gesehen haben, auf den Bürokratismus die studierende Jugend.` Wenn man von dieser These ausgeht, die absolut unrichtig, theoretisch falsch, praktisch schädlich ist, so muss man weitergehen und die Losung ausgeben: ´Mehr studierende Jugend in unsere Partei, die Tore unserer Partei weiter auf für die studierende Jugend.`

Bisher war es so, dass wir uns auf den proletarischen Sektor unserer Partei orientierten und sagten: Die Tore der Partei weiter auf für die proletarischen Elemente, unsere Partei möge wachsen, indem ihr proletarischer Teil wächst. Jetzt stellt Trotzki diese Formel auf den Kopf.

Die Frage der Intelligenz und der Arbeiter in unserer Partei ist für uns nicht neu. Sie stand bereits auf dem II. Parteitag unserer Partei, als über die Formulierung des ersten Paragraphen des Statuts, über die Parteimitgliedschaft, gesprochen wurde. Es ist bekannt, dass Martow damals die Erweiterung des Rahmens der Partei für nichtproletarische Elemente verlangte, entgegen Genossen Lenin, der eine entschiedene Einschränkung des Zutritts nichtproletarischer Elemente zur Partei forderte. Später, auf dem III. Parteitag unserer Partei, wird diese Frage erneut und mit großem Nachdruck aufgeworfen. Ich erinnere mich, wie scharf dort Genosse Lenin die Frage der Arbeiter und der Intelligenz in unserer Partei stellte. [Stalin führt das Leninzitat an: auf je 2 Intellektuelle = 8 Arbeiter – siehe Lenins Zitatensammlung zur Frage der Intellektuellen – Anmerkung der Redaktion].

So stand die Frage schon im Jahre 1905. Seitdem diente uns dieser Hinweis des Genossen Lenin als Leitidee für den Parteiaufbau. Jetzt aber schlägt uns Trotzki im Grunde vor, mit der organisatorischen Linie des Bolschewismus zu brechen.

Und schließlich der sechste Fehler Trotzkis, der darin besteht, dass er die Freiheit der Gruppierungen proklamiert.“ (Stalin, Band 6, Seite 17/18).

Trotzki behauptet, Gruppierungen entstünden infolge des bürokratischen Regimes des Zentralkomitees, wenn es bei uns kein bürokratisches Regime gäbe, würde es auch keine Gruppierungen geben. Das ist eine unmarxistische Fragestellung, Genossen. Gruppierungen entstehen bei uns und werden entstehen, weil wir im Lande die verschiedenartigsten Wirtschaftsformen haben, von Keimformen des Sozialismus bis zu mittelalterlichen Wirtschaftsformen. Das als erstes. Ferner haben wir die NÖP, das heißt, wir haben den Kapitalismus, ein Wiederaufleben des Privatkapitals und ein Wiederaufleben der emtsprechenden Ideen, die in die Partei eindringen, zugelassen. Das als zweites. Und drittens, weil unsere Partei aus drei Bestandteilen besteht: Es gibt Arbeiter, es gibt Bauern, es gibt Intellektuelle in der Partei. Das sind, wenn man an die Frage marxistisch herangeht, die Ursachen dafür, dass sich in der Partei gewisse Elemente für die Schaffung von Gruppierungen finden, die wir manchmal durch chirurgische Maßnahmen entfernen müssen und manchmal durch ideologische Beieinflussung auf dem Wege der Diskussion zum Verschwinden bringen müssen.

Nicht um das Regime geht es hier. Wenn wir ein Regime maximaler Freiheit hätten, so gäbe es weit mehr Gruppierungen. Also nicht das Regime ist schuld, sondern schuld sind die Bedingungen, in deren Rahmen wir leben, die Bedingungen, die wir in unserem Lande haben, die Entwicklungsbedingungen der Partei selbst.

Wenn wir in einer solchen Lage, angesichts einer solchen Kompliziertheit auch noch Gruppierungen zuzulassen, so werden wir die Partei zu Grunde richten, sie aus einer fest geschlossenen Organisation, einer Organisation aus einem Guss in einen Bund von Gruppen und Fraktionen verwandeln, die untereinander Vereinbarungen treffen und zeitweilige Vereinigungen und Abkommen eingehen. Das wird keine Partei, das wird der Zerfall der Partei sein. Niemals, nicht für eine Minute, dachten sich die Bolschewiki die Partei anders denn als Organisation aus einem Guss, geschmiedet aus einem Stück, die einen Willen hat und in ihrer Arbeit alle Gedankenschattierungen in einem Strom praktischer Handlungen vereint.

Das aber, was Trotzki vorschlägt, ist grundfalsch, steht im Widerspruch zu den bolschewistischen Organisationsprinzipien und wird unvermeidlich zur Zersetzung der Partei, zu ihrer Zermürbung,zu ihrer Verwässerung, zur Verwandlung der einheitlichen Partei in eine Földeration von Gruppen führen. Wir, in unserer Lage, unter den Bedingungen der kapitalistischen Umkreisung, brauchen sogar nicht nur eine einheitliche, nicht nur eine fest zusammengeschlossene, sondern eine wirklich stählerne Partei, die fähig ist, dem Ansturm der Feinde des Proletariats standzuhalten, die fähig ist, die Arbeiter in den entscheidenden Kampf zu führen.

Was ist das Fazit?

Gruppierungen und Fraktionen können wir nicht dulden, die Partei muss eine einheitliche Partei, eine Partei aus einem Guss sein, man darf die Partei nicht dem Apparat gegenüberstellen, man darf nicht über die Gefahr einer Entartung der Kader schwatzen, denn diese Kader sind revolutionär, man darf nicht Risse finden wollen zwischen diesen revolutionären Kadern und der Jugend, die mit diesen Kadern gleichen Schritt hält und auch in Zukunft gleichen Schritt halten wird.

Wir haben auch eine positive Schlussfolgerung. Die erste und grundlegende Schlussfolgerung besteht darin, dass die Partei sich künftig entschieden nach dem proletarischen Sektor unserer Partei orientieren und richten muss, dass der Zugang für nichtproletarische Elemente eingeschränkt, erschwert und überhaupt gesperrt werden muss, während die Tore für proletarische Elemente weit geöffnet werden müssen.“ (Stalin, Band 6, Seite 20 und 21).

Ich denke, dass die Opposition die Stimmungen des nichtproletarischen Sektors unsrer Partei zum Ausdruck bringt. Ich denke, dass die Opposition, vielleicht ohne das selbst zu erkennen, ohne ihren Willen, unwillkürlich der Schrittmacher der Stimmungen des nichtproletarischen Elements unserer Partei ist. Ich denke, dass die Opposition mit ihrer zügellosen Agitation für die Demokratie, die sie oft zu etwas Absolutem macht und zum Fetisch erhebt, die kleinbürgerliche Elementargewalt entfesselt. (...)

Aber Genossen, in unserer Partei gibt es insgesamt nicht weniger als 50 000 Zellen; wenn jede Zelle so mit dem ZK umginge und meinte, dass es die Sache der Zellen sei, zu beschließen, die Sache des ZK aber, keine Überlegungen anzustellen, so fürchte ich, dass wir niemals zu irgendeiner Entscheidung gelangen werden. (...) [„Dass das ZK zu schweigen habe, die Zellen aber beschließen müssten... das ist doch Anarcho-Menschewismus vom reinsten Wasser.“] (Stalin, Band 6, Seite 39)].

Ich frage: Welche Stimmungen bringen die Martynows und die Kasarjans zum Ausdruck? Die proletarischen? Natürlich nicht. Welche denn? Die Stimmungen der nichtproletarischen Elemente der Partei und des Landes. Ist es ein Zufall, dass diese Wortführer nichtproletarischer Stimmungen für die Opposition stimmen? Nein, das ist kein Zufall.“ (Stalin, Band 6, Seite 22/23).

Er (Trotzki) braucht die Demokratie als Steckenpferd, als strategisches Manöver. Das ist die ganze Geschichte.“ Stalin, Band 6, Seite 26).

Revolutionäre der Tat stellen das Wesen der Sache höher als deren Form.“ (ebenda, Seite 26).

Man will mit einem Wortschwall von der Genialität des Genossen Lenin die Abkehr von Lenin verbergen und gleichzeitig die Schwäche seiner Schüler unterstreichen.“ (ebenda, Seite 30/31).

Ist die Tatsache ein Zufall, dass die Partei in allen diesen Fällen hinter den Ereignissen zurückblieb, sich etwas verspätete? Nein, das ist kein Zufall. Wir hatten es hier mit einer Gesetzmäßigkeit zu tun. Es liegt auf der Hand, dass, da es sich hier nicht um allgemeine theoretische Voraussichten, sondern um die unmittelbare praktische Führung handelt, die regierende Partei, die am Steuer steht und von den Tagesereignissen in Anspruch genommen ist, nicht die Möglichkeit hat, die Prozesse, die tief unter der Oberfläche des Lebens vor sich gehen, sofort wahrzunehmen und zu erfassen, und dass es eines Anstoßes von außen und eines gewissen Entwicklungsgrades der neuen Prozesse bedarf, damit die Partei diese Prozesse wahrnimmt und sich auf sie orientiert. Eben deshalb blieb unsere Partei in der Vergangenheit hinter den Ereignissen etwas zurück und wird auch in Zukunft zurückbleiben. Und es geht hier gar nicht um das Zurückbleiben, sondern darum, den Sinn der Geschehnisse, den Sinn der neuen Prozesse zu erfassen und sie dann entsprechend der allgemeinen Entwicklungstendenz geschickt zu lenken. Gerade so ist es um die Frage bestellt, wenn man die Dinge mit den Augen eines Marxisten betrachtet und nicht mit den Augen eines Fraktionsmachers, der überall Schuldige sucht.“ (Stalin, Band 6, Seite 33).

Er (Preobrashenski) entrüstet sich, dass die Vertreter des ZK über die Abweichungen Trotzkis vom Leninismus sprechen. Er entrüstet sich, hat aber, was das Wesen der Sache betrifft, keine Entgegnungen vorgebracht und überhaupt nicht versucht, seine Entrüstung zu begründen, er hat vergessen, dass Entrüstung kein Argument ist.

Ich sagte gestern und muss heute wiederholen, dass solche Schritte Trotzkis, wie die, dass er sich dem Zentralkomitee gegenüberstellt, dass er den Willen einer Reihe von Organisationen, die eine klare Antwort von Trotzki verlangen, ignoriert, dass er die Partei dem Apparat gegenüberstellt, dass er die Jugend den Kadern der Partei gegenüberstellt, dass er die Partei auf die studierende Jugend orientieren will und die Freiheit der Gruppierungen proklamiert – dass soclhe Schritte mit den Organisationsprinzipien des Leninismus unvereinbar sind.“ (Stalin, Band 6, Seite 33/34).

Wir verstehen unter Demokratie Hebung der Aktivität und der Bewusstheit der Parteimasse, systematische Heranziehung der Parteimasse nicht nur zur Erörterung von Fragen, sondern auch zur Leitung der Arbeit. Die Freiheit der Gruppierungen, das heißt die Freiheit der Fraktionen – das ist ein und dasselbe – ist ein Übel, das die Partei zu zersplittern und in einen Diskussionsklub zu verwandeln droht. (...) Die Parteimasse versteht unter Demokratie die Schaffung von Bedingungen, die eine aktive Teilnahme der Parteimitglieder an der Führung unseres Landes gewährleisten, ein paar Intellektuelle aus der Opposition aber fassen die Sache so auf, dass man ihnen die Möglichkeit geben müsse, eine Fraktion zu schaffen.“ (Stalin, Band 6, Seite 35).

Ein Mensch, dem die Zunge gegeben ist, nicht um sie in seiner Gewalt zu haben, sondern um sich von seiner eigenen Zunge beherrschen zu lassen, wird nicht wissen können, wann und was diese Zunge schwatzt.“ (ebenda, Seite 37).

... dass bei einem Teil der Hochschüler nicht alles wohlbestellt ist, dass der Parteikern in ihnen schon verfault ist, dass sie innerlich bereits mit der Partei gebrochen haben und eben deshalb mit Vergnügen für die Opposition stimmen. (...) Bei uns, in unseren Reihen, gibt es keinen, der sagen würde: ´Was haben wir denn eigentlich – die Diktatur des Proletariats oder die Diktatur der Kommunistischen Partei über das Proletariat?` (...) Wenn diese Leute, die den Kopf verloren haben und in parteilicher Hinsicht durch und durch verfault sind, bei Ihnen in der Fraktion sitzen, was ist dann Ihre Fraktion wert?“ (Stalin, Band 6, Seite 39).



Stalin, Zum Tode Lenins, Rede am 26. Januar 1924:

Genossen! Wir Kommunisten sind Menschen von besonderem Schlag. Wir sind aus besonderem Material geformt. Wir sind diejenigen, die die Armee des großen proletarischen Strategen bilden, die Armee des Genossen Lenin. Es gibt nichts Höheres als die Ehre, dieser Armee anzugehören. Es gibt nichts Höheres als den Namen eines Mitglieds der Partei, deren Gründer und Führer Genosse Lenin ist. Nicht jedem ist es gegeben, die Unbilden und Stürme zu bestehen, die mit der Mitgliedschaft in dieser Partei verbunden sind. Die Söhne der Arbeiterklasse, die Söhne der Not und des Kampfes, die Söhne unsagbarer Entbehrungen und heroischer Anstrengungen – sie vor allem sollen Mitglieder dieser Partei sein. Deswegen nennt sich die Partei der Leninisten, die Partei der Kommunisten, zugleich die Partei der Arbeiterklasse.“ (Stalin, Band 6, Seite 41).

Stalin, Über Lenin, Rede am 28. Januar 1924:

Hass gegen lamentierende Intellektuelle, Glauben an die eigene Kraft, Glauben an den Sieg – darüber sprach damals Lenin mit uns. `Nicht lamentieren im Falle einer Niederlage`- das ist gerade jene Besonderheit in Lenins Wirken, die ihm half, eine grenzenlose ergebene und auf ihre Kräfte vertrauende Armee um sich zusammenzuschweißen.“ (Stalin, Band 6, Seite 51).

Theoretiker und Parteiführer, die die Geschichte der Völker kennen, die die Geschichte der Revolutionen von Anfang bis Ende studiert haben, sind zuweilen von einer peinlichen Krankheit befallen. Diese Krankheit heißt Scheu vor den Massen, Unglaube an die schöpferischen Fähigkeiten der Massen. Auf diesem Boden entsteht manchmal ein gewisser Aristokratismus der Führer den Massen gegenüber, die zwar in der Geschichte der Revolutionen nicht bewandert, aber berufen sind, das Alte niederzureißen und das Neue aufzubauen. Die Furcht, dass das spontane Element entfesselt werden könnte, dass die Massen ´allzuviel zerstören` könnten, der Wunsch, die Rolle eines Schulmeisters zu spielen, der die Massen nach Büchern zu lehren sucht, aber nicht von den Massen lernen will – das ist die Grundlage dieser Art von Aristokratismus.

Lenin war das gerade Gegenteil solcher Führer. Ich kenne keinen anderen Revolutionär, der so fest an die schöpferischen Kräfte des Proletariats und an die revolutionäre Zweckmäßigkeit des proletarischen Klasseninstinkts geglaubt hätte wie Lenin. Ich kenne keinen anderen Revolutionär, der so schonungslos die selbstgefälligen Kritiker des ´Chaos der Revolution` und der ´Bacchanalien der eigenmächtigen Aktionen der Massen` zu geißeln verstanden hätte wie Lenin. Ich erinnere mich, wie Lenin während eines Gesprächs auf die Äußerung eines Genossen, dass ´nach der Revolution die normale Ordnung wiederhergestellt werden muss`, sarkastisch bemerkte: ´Es ist schlimm, wenn Menschen, die Revolutionäre sein wollen, vergessen, dass die normalste Ordnung in der Geschichte die Ordnung der Revolution ist.`

Daher Lenins Geringschätzung gegen alle diejenigen,die auf die Massen von oben herabsahen und sie nach Büchern lehren wollten. Daher Lenins unermüdliche Mahnung: Von den Massen lernen, den Sinn ihres Handelns erfassen, die praktische Erfahrung des Kampfes der Massen sorgfältig studieren.

Glaube an die schöpferische Kraft der Massen – das ist gerade jene Besonderheit im Wirken Lenins, die es ihm ermöglichte, das Walten des spontanen Elements zu erfassen und seine Bewegung in die Bahn der proletarischen Revolution zu leiten.“ (Stalin, Band 6, Seite 54/55).



Stalin, Über die Widersprüche im Kommunistischen Jugendverband, 3. April 1924:

Viele erhoben ein Geschrei und sagten: `(...) Lasst uns hundert- oder zweihunderttausend Bauern aufnehmen.` Das ZK ist dagegen, weil unsere Partei eine Arbeiterpartei sein muss. Etwa 70 oder 80 Prozent Arbeiter und etwa 20 bis 25 % Nichtarbeiter – das ist das ungefähre Verhältnis, das wir in der Partei haben müssen. Etwas anders als mit der Partei verhält es sich mit dem Kommunistischen Jugendverband. Der Kommunistische Jugendverband ist eine freiwillige, freie Organisation der revolutionären Elemente der Arbeiter- und Bauernjugend. Ohne die Bauern, ohne die Masse der bäuerlichen Jugend wird er aufhören, ein Arbeiter- und Bauernverband zu sein. Dabei muss die Sache aber so eingerichtet werden, dass das proletarische Element die führende Rolle behält.“ (Stalin, Band 6, Seite 61).



Stalin, Über die Grundlagen des Leninismus, April-Mai 1924:

Ich habe bereits gesagt, dass zwischen Marx und Engels einerseits und Lenin andererseits ein ganzer Zeitabschnitt der Herrschaft des Opportunismus der II. Internationale liegt. (...) Die Opportunisten passten sich infolge ihrer anpassungssüchtigen, kleinbürgerlichen Natur der Bourgeoisie an, die ´Orthodoxen` aber passten sich ihrerseits den Opportunisten an, im Interesse der ´Wahrung der Einheit` mit den Opportunisten, im Interesse des ´Friedens in der Partei`. Das Ergebnis war die Herrschaft des Opportunismus, denn die Kette zwischen der Politik der Bourgeoisie und der Politik der ´Orthodoxen` erwies sich als geschlossen. (...)

Statt einer revolutionären Theorie aus einem Guss – einander widersprechende theoretische Sätze und Bruchstücke einer Theorie, die vom lebendigen revolutionären Kampf der Massen losgelöst waren und sich in morsche Dogmen verwandelt hatten. Zur Wahrung des Scheins gedachte man natürlich zuweilen der Theorie von Marx, aber nur, um aus ihr den lebendigen revolutionären Geist auszutreiben.

Statt einer revolutionären Politik – welkes Philistertum und ´nüchterne` Politikasterei, parlamentarische Diplomatie und parlamentarische Kombinationen. Zur Wahrung des Scheins wurden natürlich ´revolutionäre` Beschlüsse und Losungen angenommen, aber nur, um sie zu den Akten zu legen.

Statt die Partei an Hand ihrer eigenen Fehler zu erziehen und sie eine richtige revolutionäre Taktik zu lehren – geflissentliches Umgehen der brennenden Fragen, ihre Vertuschung und Verkleisterung. Zur Wahrung des Scheins war man natürlich nicht abgeneigt, über heikle Fragen auch mal zu reden, aber nur, um die Sache mit irgendeiner ´Kautschuk`-Resolution abzutun.“ (Stalin, Band 6, Seite 71/72).

Diese Ehre der Generalüberprüfung und der Generalsäuberung der Augiusställe der II. Internationale fiel dem Leninismus zu.

Das war die Lage, in der die Methode des Leninismus geboren und geschmiedet wurde. Worin bestehen die Erfordernisse dieser Methode? Erstens in der Überprüfung der theoretischen Dogmen der II. Internationale im Feuer des revolutionären Kampfes der Massen, im Feuer der lebendigen Praxis, das heißt in der Wiederherstellung der gestörten Einheit von Theorie und Praxis, in der Beseitigung der Kluft zwischen beiden, denn nur so ist es möglich, eine wirklich proletarische Partei zu schaffen, die mit der revolutionären Theorie gewappnet ist.““ (Stalin, Band 6, Seite 73).

Deshalb sagte Lenin, dass ´die revolutionäre Theorie kein Dogma ist`, dass sie ´nur in engem Zusammenhang mit der Praxis einer wirklichen Massenbewegung und einer wirklich revolutionären Bewegung endgültige Gestalt annimmt`(´Die Kinderkrankheit`), denn die Theorie muss der Praxis dienen, denn ´die Theorie soll auf die von der Praxis gestellten Fragen Antwort geben`(´Die Volksfreunde`), denn sie muss an Hand der Praxis überprüft werden.“ (Stalin, Band 6, Seite 76).

Es ist bekannt, dass Plechanow sich mehr als einmal über die ´Unbekümmertheit` Lenins bezüglich der Theorie und besonders der Philosophie lustig machte. Es ist auch bekannt, dass viele unter den heutigen praktisch tätigen Leninisten der Theorie nicht sehr gewogen sind, besonders angesichts der Unmasse praktischer Arbeit, die die Umstände ihnen aufzwingen. Ich muss erklären, dass diese mehr als sonderbare Meinung über Lenin und den Leninismus ganz falsch ist und in keiner Weise der Wirklichkeit entspricht, dass das Bestreben der Praktiker, sich über die Theorie hinwegzusetzen, dem ganzen Geist des Leninismus widerspricht und große Gefahren für unsere Sache in sich birgt.

Die Theorie ist die Erfahrung der Arbeiterbewegung aller Länder, in ihrer allgemeinen Form genommen. Natürlich wird die Theorie gegenstandslos, wenn sie nicht mit der revolutionären Praxis verknüpft wird, genauso wie die Praxis blind wird, wenn sie ihren Weg nicht durch die revolutionäre Theorie beleuchtet. Aber die Theorie kann zu einer gewaltigen Kraft der Arbeiterbewegung werden, wenn sie sich in untrennbarer Verbindung mit der revolutionären Praxis herausbildet, denn sie, und nur sie, kann der Bewegung Sicherheit, Orientierungsvermögen und Verständnis für den inneren Zusammenhang der sich rings um sie abspielenden Ereignisse verleihen, denn sie, und nur sie, kann der Praxis helfen zu erkennen, nicht nur wie und wohin sich die Klassen in der Gegenwart bewegen, sondern auch, wie und wohin sie sich in der nächsten Zukunft werden bewegen müssen. Kein anderter als Lenin prägte und wiederholte Dutzende Male den bekannten Leitsatz: `Ohne revolutionäre Theorie kann es auch keine revolutionäre Bewegung geben.`

Lenin verstand besser als jeder andere die große Bedeutung der Theorie, besonders für eine Partei wie die unsrige, angesichts der ihr zugefallenen Rolle, Vorkämpfer des internationalen Proletariats zu sein, und angesichts der komplizierten inneren und internationalen Lage, in der sie sich befindet. Lenin sah diese besondere Rolle unserer Partei bereits im Jahre 1902 voraus und hielt es schon damals für notwendig, darauf hinzuweisen, dass

`die Rolle des Vorkämpfers nur eine Partei erfüllen kann, die von einer fortgeschrittenen Theorie geleitet wird.`

Es erübrigt sich wohl nachzuweisen,dass jetzt, wo die Voraussage Lenins über die Rolle unserer Partei bereits zur Wirklichkeit geworden ist, dieser Leitsatz Lenins besondere Kraft und Bedeutung gewinnt.

Als den prägnantesten Ausdruck der hohen Bedeutung, die Lenin der Theorie beimaß, sollte man vielleicht die Tatsache betrachten, dass kein anderer als Lenin die Lösung der überaus ernsten Aufgabe in Angriff nahm, das Wichtigste von dem, was die Wissenschaft in der Periode von Engels bis Lenin gezeitigt hatte, auf dem Gebiet der materialistischen Philosophie zu verallgemeinern und die antimaterialistischen Strömungen unter den Marxisten einer allseitigen Kritik zu unterziehen. Engels sagte vom Materialismus: ´Mit jeder epochemachenden Entdeckung ... muss er seine Form ändern.`

Es ist bekannt, dass diese Aufgabe für seine Zeit kein anderer als Lenin in seinem vortrefflichen Buch ´Materialismus und Empiriokritizismus` gelöst hat. Man weiß, dass Plechanow, der sich gern über die´Unbekümmertheit` Lenins bezüglich der Philosophie lustig machte, es nicht einmal gewagt hat, ernsthaft an die Lösung einer solchen Aufgabe heranzugehen.“ (Stalin, Band 6, Seite79/80).

Die Partei ist der organisierte Trupp der Arbeiterklasse. Die Idee von der Partei als einem organisierten Ganzen ist in der bekannten Leninschen Formulierung des ersten Punktes unseres Parteistatuts verankert, wo die Partei als Summe von Organisationen und die Mitglieder der Partei als Mitglieder einer der Parteiorganisationen betrachtet werden. Die Menschewiki, die sich bereits im Jahre 1903 gegen diese Formulierung wandten, schlugen statt dessen ein ´System` vor, bei dem man sich selbst zum Parteimitglied auf jeden ´Professor` und `Gymnasiasten` , jeden ´Sympathisierenden` und ´Streikenden` , der die Partei in irgendeiner Weise unterstützt, aber keiner Parteiorganisation angehört noch ihr anzugehören wünscht. Es erübrigt sich wohl nachzuweisen, dass dieses originelle ´System`, falls es sich in unsrer Partei durchgesetzt hätte, unausbleiblich zur Überfüllung der Partei mit Professoren und Gymnasiasten und zu ihrer Ausartung in ein verschwommenes, formloses, desorganisierendes ´Gebilde` geführt hätte, das im im Meer der ´Sympathisierenden` untergegangen wäre, die Grenzen zwischen Partei und Klasse verwischt und der Partei die Lösung der Aufgabe, die unorganisierten Massen auf das Nievau des Vortrupps zu heben, unmöglich gemacht hätte. Es erübrigt sich zu sagen, dass bei einem solchen opportunistischen ´System` unsere Partei ihre Rolle als organisierender Kern der Arbeiterklasse in unserer Revolution nicht hätte erfüllen können.

Deshalb ist die opportunistische Theorie von der ´Unabhängigkeit` und ´Neutralität` der parteilosen Organisationen, die unabhängige Parlamentarier und von der Partei losgelöste Journalisten, engstirnige Gewerkschaftler und verspießerte Genossenschaftler züchtet, völlig unvereinbar mit der Theorie und Praxis des Leninismus. (Stalin, Band 6, Seite 158).

Was heißt aber, die Diktatur ´behaupten` und ´ausbauen`? Das heißt, die Millionenmassen der Proletarier mit dem Geist der Disziplin und Organisiertheit beseelen; das heißt, in den proletarischen Massen eine Schutzwehr und ein Bollwerk gegen die zerfressenden Einflüsse der kleinbürgerlichen Elementargewalt und der kleinbürgerlichen Gewohnheiten schaffen; das heißt, die organisatorische Arbeit der Proletarier zur Umerziehung und Ummodelung der kleinbürgerlichen Schichten unterstützen; das heißt den proletarischen Massen helfen, sich selbst zu erziehen, als die Kraft, die fähig ist, die Klassen aufzuheben und die Bedingungen für die Organisierung der sozialistischen Produktion vorzubereiten. Aber das alles durchzuführen ist unmöglich ohne eine Partei, die durch ihre Geschlossenheit und Disziplin stark ist.“ (Stalin, Band 6, Seite 159).

6. Die Partei wird dadurch gestärkt, dass sie sich von opportunistischen Elementen säubert. Die Quelle der Fraktionsmacherei in der Partei sind ihre opportunistischen Elemente. Das Proletariat ist keine nach außen abgeschlossene Klasse. Es erhält ständigen Zustrom durch Elemente aus der Bauernschaft, dem Kleinbürgertum, der Intelligenz, die durch die Entwicklung des Kapitalismus proletarisiert wurden. (...)

Alle diese kleinbürgerlichen Gruppen dringen auf eine oder die andere Weise in die Partei ein und tragen in sie den Geist des Schwankens und des Opportunismus, den Geist der Zersetzung und der Unsicherheit hinein. Sie sind es hauptsächlich, die die Quelle der Fraktionsmacherei und des Zerfalls bilden, die Quelle der Desorganisation und Sprengung der Partei von innen heraus. Gegen den Imperialismus kämpfen, wenn man solche ´Bundesgenossen` im Rücken hat, heißt in die Lage von Leuten geraten, die von zwei Seiten beschossen werden – von der Front und vom Hinterland. Deshalb ist der schonungslose Kampf gegen solche Elemente, ihre Verjagung aus der Partei die Vorbedingung für den erfolgreichen Kampf gegen den Imperialismus.

Die Theorie der ´Überwältigung` der opportunistischen Elemente durch ideologischen Kampf innerhalb der Partei, die Theorie der ´Überwindung` dieser Elemente im Rahmen ein und derselben Partei ist eine faule und gefährliche Theorie, die die Gefahr haraufbeschwört, die Partei zu einem Zustand der Lähmung und des chronischen Siechtums zu verurteilen, sie mit Haut und Haar dem Opportunismus auszuliefern, das Proletariat ohne revolutionäre Partei zu lassen, das Proletariat der wichtigsten Waffe im Kampf gegen den Imperialismus zu berauben.(...) Der Weg zur Entwicklung und Festigung der proletarischen Parteien führt über ihre Säuberung von den Opportunisten und Reformisten, den Sozialimperialisten, den Sozialpatrioten und Sozialpazifisten. Die Partei wird gestärkt dadurch, dass sie sich von den opportunistischen Elementen reinigt.“ (Stalin, Band 6, Seite 162/163).

Dem ´revolutionären` Wortgeklingel stellte Lenin gewöhnlich die einfachen und alltäglichen Taten gegenüber und unterstrich damit, dass ´revolutionäre` Projektemacherei sowohl dem Geist wie dem Buchstaben des wahren Leninismus widerspricht.

`Weniger schwülstige Phrasen`, sagte Lenin, ´und mehr einfache, alltägliche Arbeit...`

´Weniger politisches Wortgeprassel und mehr Aufmerksamkeit für die einfachsten, aber lebendigen ... Tatsachen des kommunistischen Aufbaus...`“ (Stalin, Band 6, Seite 165).



Stalin, Der XIII. Parteitag der KPR (B), 23. - 31. Mai 1924:

Die kommunistische Schulungsarbeit. Auffallend ist der große Prozentsatz der politisch Ungeschulten in der Partei: in einigen Gouvernements erreicht ihre Zahl 70 %. In einigen Gouvernements Zentralrusslands gibt es durchschnittlich 57% politisch Ungeschulte (geprüft wurden 60 000 Personen); im vergangenen Jahr waren es etwa 60 %. Das ist einer der grundlegenden Mängel unserer Arbeit. Offenbar geht unsere Arbeit nicht so sehr in die Tiefe als vielmehr in die Breite. Die Zahl der Schulen zur Herausbildung von Sowjet- und Parteifunktionären, eigentlich der Schüler dieser Schulen, hat sich infolge der Tatsache, dass für einen Teil dieser Schulen jetzt der örtliche Haushalt aufkommen muss, etwas verringert. Die Zahl der Studenten der kommunistischen Hochschulen hat sich gegenüber dem vergangenen Jahr vergrößert. Sie wird aber etwas verringert werden müssen, damit die materielle Lage der Studenten entsprechend den zur Verfügung stehenden Mitteln verbessert und der Nachdruck auf die Vertiefung der kommunistischen Schulungsarbeit gelegt wird. Besonders zu betonen ist die Propaganda des Leninismus, die bei der kommunistischen Schulungsarbeit von entscheidender Bedeutung ist.“ (Stalin, Band 6, Seite 183/184).

Schlecht ist es um das politische Wissensniveau der Parteimitglieder bestellt (60% sind politisch ungeschult). Das Lenin- Aufgebot vergrößert den Prozentsatz der politisch Ungeschulten. Eine systematische Arbeit zur Behebung dieses Mangels ist erforderlich. Unsere Aufgabe ist es, diese Sache voranzutreiben.“ (Stalin, Band 6, Seite 193).

Zweite Frage: die studierende Jugend, die das sicherste Barometer sein soll. Wer behielt in dieser Frage recht? Wiederum offenbar nicht die Opposition. Betrachten wir das Wachstum unserer Partei während dieser Zeit, die Aufnahmen von 200 000 neuen Mitgliedern, so ergibt sich, dass das Barometer nicht in den Reihen der studierenden Jugend, sondern in den Reihen des Proletariats zu suchen ist, dass die Partei sich nicht auf die studierende Jugend, sondern auf den proletarischen Kern der Partei orientieren muss. 200 000 neue Parteimitglieder – das ist das Barometer. Auch hier zeigte sich, dass die Opposition unrecht hat.“ (Stalin, Band 6, Seite 200).

Preobrashenski ist der Ansicht, die Reinigung sei ein Instrument der Parteimehrheit gegen die Opposition, und billigt offenbar die Methoden der Reinigung nicht. Das ist eine prinzipielle Frage. Es ist ein großer Fehler Preobrashenskis, dass er nicht versteht, dass sich die Partei ohne eine periodische Reinigung ihrer Reihen von unzuverlässigen Elementen nicht festigen kann. Genosse Lenin lehrte, dass sich die Partei nur festigen kann, wenn sie sich Schritt für Schritt von unzuverlässigen Elementen, die in die Partei eindringen und noch eindringen werden, frei macht. Wir würden uns gegen den Leninismus vergehen, wenn wir eine Reinigung überhaupt ablehnen wollten.

Was nun die gegenwärtige Reinigung betrifft, so frage ich, was ist an ihr schlecht? Man sagt, es gebe einzelne Fehler. Gewiss gibt es sie. Hat es jemals bei einem großen Werk keine einzelnen Fehler gegeben? Das war noch nie der Fall. Einzelne Fehler kann es geben und muss es geben: im Wesentlichen aber ist die Reinigung richtig.

Mir wurde erzählt, dass manche nichtproletarischen Elemente aus den Reihen der Intellektuellen und Angestellten mit Zittern und Zagen der Parteireinigung entgegensahen. Man schilderte mir folgenden Vorfall. In einem Zimmer sitzen Leute, die zur Parteireinigung gekommen sind. Es handelt sich um die Parteizelle einer Sowjetinstitution. In einem anderen Zimmer sitzt die Kommission für die Parteireinigung. Ein Mitglied der Zelle stürzt, nachdem es die Reinigung hinter sich hat, ganz in Schweiß gebadet heraus. Man bittet ihn zu erzählen, was los sei. ´Lasst mich zu Atem kommen`, gibt er zur Antwort, ´lasst mich zu Atem kommen – ich kann nicht.` (Heiterkeit.) Leuten, die sich so quälen und so schwitzen, tut die Reinigung vielleicht nicht gut, der Partei aber tut sie sehr gut. (Beifall.) Leider gibt es bei uns noch eine gewisse Anzahl von Parteimitgliedern, die ein Monatsgehalt von 1000 und 2000 Rubel beziehen, als Mitglieder der Partei gelten und vergessen, dass die Partei existiert. Mir sind Tatsachen bekannt, zum Beispiel, dass die Zelle eines Kommissariats, in dem solche Parteimitglieder tätig sind, eine Zelle, der unter anderem auch Chauffeure angehören, einen Chauffeur zur Duchführung der Parteireinigung entsandte und eine Reihe von Vorwürfen der Art heraufbeschwor, ein Chauffeur dürfe keine sowjetischen Würdenträger reinigen. Solche Tatsachen hat es bei uns in Moskau gegeben. Parteimitglieder, die sich offenbar von der Partei losgelöst haben, entrüsten sich und können es nicht verwinden, dass sie von ´irgendeinem Chauffeur` gereinigt werden sollen. Solche Parteimitglieder müssen erzogen und umerzogen werden, mitunter durch Ausschluss aus der Partei.

Das Wesentliche bei der Reinigung ist, solche Leute fühlen zu lassen, dass ein Herr im Hause ist, dass die Partei da ist, die Rechenschaft über die gegen die Partei begangenen Sünden fordern kann. Ich glaube, es wäre unbedingt notwendig, dass man wie der Herr im Hause mitunter, von Zeit zu Teit, die Reihen der Partei mit einem Besen von Unrat säuberte. (Beifall.)

Preobrashenski erklärt: Eure Politik ist richtig, aber die organisatorische Linie ist falsch, und darin liegt die Möglichkeit eines Untergangs begründet. Das ist dummes Zeug, Genossen. (...) Ist die Politik der Partei richtig, handhabt sie die politischen und wirtschaftlichen Fragen, die für die Arbeiterklasse von entscheidender Bedeutung sind, richtig, so können die organisatorischen Mängel nicht von ausschlaggebender Bedeutung sein – die Politik gleicht sie aus. So war es immer und so wird es auch in Zukunft bleiben. Leute, die das nicht verstanden haben, sind schlechte Marxisten, sie vergessen das ABC des Marxismus.“ (Stalin, Band 6, Seite 204/205).

Das Malheur unserer Opposition besteht darin, dass sie an die Fragen der Partei, an die Fragen der Diskussionsergebnisse nicht vom Standpunkt eines Marxisten herangegangen ist, der das Gewicht der Partei unter dem Gesichtswinkel ihres Einflusses unter den Massen beurteilt – denn die Partei ist für die Massen da und nicht umgekehrt [unterstrichen von der Redaktion] -, sondern von einem formalen Standpunkt, vom Standpunkt des ´reinen` Apparats.

Wer einen einfachen und direkten Schlüssel zum Verständnis der Diskussionsergebnisse finden will, darf sich nicht mit dem Geschwätz über den Apparat hingeben, sondern muss sich den 200 000 zuwenden, die in die Partei eingetreten sind und die den tiefgreifenden Demokratismus der Partei dargetan haben. Die Äußerungen der oppositionellen Redner über Demokratie sind leeres Geschwätz, wenn aber die Arbeiterklasse 200 000 neue Mitglieder in die Partei schickt, so ist das wirklicher Demokratismus. Unsere Partei ist zum gewählten Organ der Arbeiterklasse geworden. Zeigen Sie mir eine andere solche Partei auf der Welt. Aber seltsamerweise gefällt selbst eine so mächtige Partei unseren Oppositionellen nicht.

Die letzte Frage: über die kleinbürgerliche Abweichung der Opposition, über die Behauptung, es sei ungerecht, die Opposition einer kleinbürgerlichen Abweichung zu beschuldigen. Ist dem so? Nein, dem ist nicht so. Woher kam eine solche Beschuldigung, worauf beruht diese Beschuldigung? Diese Beschuldigung beruht darauf, dass die Oppositionellen durch ihre hemmungslose Agitation für Demokratie in der Partei unwillkürlich, ohne es zu wollen, zu einer Art Sprachrohr der neuen Bourgeoisie wurden, die auf die Demokratie in unserer Partei pfeift, aber gern, sehr gern eine Demokratie im Lande haben möchte. Der Teil der Partei, der das Geschrei um die Fragen der Demokratie erhob, diente unwillkürlich als ein Sprachrohr der neuen Bourgeoisie, als ein Kanal für die Agitation, die im Lande durch die neue Bourgeoisie entfaltet wird und auf die Schwächung der Diktatur, auf die ´Erweiterung` der Sowjetverfassung und die Wiederherstellung der politischen Rechte der Ausbeuter abzielt. Hier liegt die Triebfeder und das Geheimnis, dass die Mitglieder der Opposition, denen die Partei zweifellos teuer ist usw. usw., ohne es selbst zu bemerken, zum Sprachrohr für diejenigen geworden sind, die außerhalb der Partei stehen und die die Diktatur schwächen und zersetzen wollen. [unterstrichen von der Redaktion]

Nicht umsonst sympathisieren die Menschewiki und Sozialrevolutionäre mit der Opposition. Ist das ein Zufall? Nein, das ist kein Zufall. Die Kräfteverteilung im internationalen Maßstab ist derart, dass jeder Versuch, die Autorität unserer Partei und die Festigkeit der Diktatur in unserem Land zu schwächen, von den Feinden der Revolution unbedingt als vorteilhaft für sie aufgegriffen werden wird, ganz gleich, ob dieser Versuch von unserer Opposition oder den Sozialrevolutionären nebst Menschewiki unternommen wird. Wer das nicht begreift, der hat die Logik des Fraktionskampfes in unserer Partei nicht begriffen, der hat nicht begriffen, dass die Ergebnisse dieses Kampfes nicht von Personen und Wünschen abhängen, sondern von den Resultaten, die sich auf Grund der Gesamtbilanz des Kampfes der sowjetischen und anti-sowjetischen Elemente ergeben. Hier liegt der Grund dafür, dass wir es bei der Opposition mit einer kleinbürgerlichen Abweichung zu tun haben. [unterstrichen von der Redaktion].

Lenin sagte einst über die Parteidisziplin und über die Geschlossenheit unserer Reihen: ´Wer auch nur im Geringsten die eiserne Disziplin der Partei des Proletariats (besonders während seiner Diktatur) schwächt, der hilft faktisch der Bourgeoisie gegen das Proletariat`).

Lenin erklärte auf dem X. Parteitag, dass eine Abweichung etwas noch nicht Abgeschlossenes, nicht endgültig Geformtes ist. Wenn Sie, Genossen von der Opposition, auf dieser kleinbürgerlichen Abweichung, auf diesen Fehler, die keine großen Fehler sind, nicht beharren, dann wird alles behoben werden, und die Arbeit der Partei wird vorangehen. Wenn Sie aber darauf beharren, so kann sich die kleinbürgerliche Abweichung zu einer kleinbürgerlichen Politik entwickeln.

Die Mehrheit will die Einheit in der Arbeit. Ob die Minderheit dies aufrichtig will, weiß ich nicht. Das hängt ganz und gar von den Genossen der Opposition ab.“ (Stalin, Band 6, Seite 206, 207, 208 und 209).

FRAGEN DER ERZIEHUNG UND UMERZIEHUNG DER WERKTÄTIGEN MASSEN

Eine der wesentlichen Aufgaben der Partei in der Epoche der Diktatur des Proletariats besteht darin, die Arbeit zur Umerziehung der alten und zur Erziehung der neuen Generationen im Geiste der Diktatur des Proletariats und des Sozialismus zu entfalten.Die alten Gepflogenheiten und Gewohnheiten, Traditionen und Vorurteile, die uns die alte Gesellschaft als Erbteil hinterlassen hat, sind ein überaus gefährlicher Feind des Sozialismus. Sie, diese Traditionen und Gepflogenheiten, halten Millionenmassen von Werktätigen in ihrem Bann, sie überfluten mitunter ganze Schichten des Proletariats, sie beschwören mitunter eine gewaltige Gefahr für die Existenz der Diktatur des Proletariats herauf. Daher stellen der Kampf gegen diese Traditionen und Gepflogenheiten, ihre unbedingte Überwindung in allen Sphären unserer Arbeit, schließlich die Erziehung neuer Generationen im Geiste des proletarischen Sozialismus die nächsten Aufgaben unserer Partei dar, ohne deren Durchführung der Sieg des Sozialismus unmöglich ist. [unterstrichen von der Redaktion]; (Stalin, Band 6, Seite 222).

Es kommt nicht darauf an, welche Ziele sich dieser oder jener Genosse beziehungsweise diese oder jene oppositionelle Gruppe stellt. Es geht um die objektiven Ergebnisse, die sich unvermeidlich aus den Handlungen der betreffenden Gruppe ergeben. Denn was bedeutet es, dem Parteiapparat den Krieg zu erklären? Es bedeutet, die Partei zu zerstören. Was bedeutet es, die Jugend gegen die Kader aufzubringen? Es bedeutet, die Partei zu zersetzen. Was bedeutet es, für die Freiheit der Gruppierungen zu kämpfen? Es bedeutet, den Versuch zu unternehmen, die Partei, ihre Einheit zu zerschlagen. Was bedeutet es, die Parteikader durch das Geschwätz über ihre Entartung zu diskreditieren? Es bedeutet den Versuch, die Partei zu Grunde zu richten, ihr das Rückgrat zu brechen. Ja, Genossen, es ging um Sein und Nichtsein der Partei. Die überaus ernste Gefahr schmiedete die Partei zu einem festen eisernen Ring zusammen.“ (Stalin, Band 6, Seite 227).

Wie muss nun unsere Politik gegenüber solchen Oppositionellen oder, genauer, früheren Oppositionellen sein? Sie muss äußerst kameradschaftlich sein. Es müssen alle Maßnahmen getroffen werden, um solchen Genossen den Übergang zum Grundkern der Partei, eine gemeinsame und einträchtige Arbeit mit diesem Kern, zu erleichtern.“ (Stalin, Band 6, Seite 228).

60 % politisch Ungeschulter – das war vor dem Lenin-Aufgebot, und nach dem Lenin-Aufgebot werden es, fürchte ich, 80 % sein. Ist es nicht an der Zeit, sich auf die 800 000 Mitglieder zu beschränken und scharf und bestimmt die Frage der Verbesserung der qualitativen Zusammensetzung der Partei, der Unterweisung des Lenin-Aufgebots in den Grundlagen des Leninismus, der Erziehung dieser Mitglieder zu bewussten Leninisten auf die Tagesordnung zu setzen? Ich denke, dass es an der Zeit ist.“ (Stalin, Band 6, Seite 229).

d) Über die Theorie im Allgemeinen und die Propagierung des Leninismus im Besonderen. Ein gefährlicher Mangel unserer Partei besteht in dem Sinken des theoretischen Niveaus ihrer Mitglieder. Der Grund ist die Unmasse praktischer Arbeit, die die Lust zum theoretischen Studium vertreibt und einer gewissen Sorglosigkeit – um nicht mehr zu sagen – gegenüber Fragen der Theorie Vorschub leistet.“ (Stalin, Band 6, Seite 230).

Aber wodurch und auf welche Weise drang dieser Unsinn in die Partei ein? Durch die übermäßige Begeisterung für die ´Parteilichkeit` , eine Begeisterung, die ja gerade der Parteilichkeit ohne Anführungszeichen den größten Schaden zufügt, durch die Sorglosigkeit gegenüber Fragen der Theorie, dadurch dass man sich nicht daran gewöhnt, die Losungen zu durchdenken, bevor man sie in Umlauf bringt...“

... vermochte ein Teil der Partei bekanntlich nicht, das wahre Gesicht der Opposition sofort zu erkennen. Wodurch ist das zu erklären? Das ist wiederum durch die Sorglosigkeit gegenüber der Theorie, durch das niedrige theoretische Niveau der Mitglieder unserer Partei zu erklären. Man darf die Worte Lenins nicht vergessen, dass es ohne eine klare und richtige Theorie keine richtige Praxis geben kann.“ ( (Stalin, Band 6, Seite 231/232).



Stalin, Über die Arbeiterkorrespondenten, Juni 1924:

Die Mitarbeit von Arbeitern an der Leitung einer Zeitung ist vor allem deshalb von Bedeutung, weil sie – diese Mitarbeit – es ermöglicht, eine so scharfe Waffe des Klassenkampfes, wie die Zeitung aus einer Waffe der Versklavung des Volkes zu einer Waffe der Befreiung zu machen. Nur die Arbeiter- und Dorfkorrespondenten können diese große Umwandlung vollbringen. Nur als organisierte Kraft sind die Arbeiter- und Dorfkorrespondenten imstande, im Verlauf der Entwicklung der Presse ihrer Rolle gerecht zu werden, nämlich Willenskünder und Sprachrohr der proletarischen öffentlichen Meinung zu sein, Mängels des sowjetischen gesellschaftlichen Lebens aufzudecken und unermüdlich für die Verbesserung unseres Aufbaus zu kämpfen.

Das Grundlegende besteht darin, dass die Arbeiter- und Dorfkorrespondenten sich im Verlauf ihrer Arbeit schulen und das Fingerspitzengefühl eines Journalisten und Vertreters der Öffentlichkeit erwerben müssen, ohne das ein Korrespondent seine Mission nicht erfüllen kann und das ihm durch keinerlei künstliche Schulungsmaßnahmen im technischen Sinne dieses Wortes anerzogen werden kann. Die unmittelbare ideologische Anleitung der Arbeiter- und Dorfkorrespondenten müssen sich die Zeitungsredaktionen, die mit der Partei verbunden sind, angelegen sein lassen. Die Zensur der Korrespondenzen muss in den Händen der Zeitungsredaktionen konzentriert sein.

Die Verfolgung von Arbeiter- und Dorfkorrespondenten ist eine Barbarei, ein Überbleibsel bürgerlicher Sitten. Den Schutz ihres Korrespondenten vor Verfolgung muss die Zeitung übernehmen, die allein imstande ist, eine unnachgiebige Enthüllungskampagne gegen den Obskurantismus [Volksverdummung - Red.] zu eröffnen.“ (Stalin, Band 6, Seite 234/235).



Stalin, Über die Kommunistische Partei Polens, 20. September 1924:

Er (Pruchniak) begreift nicht, dass die Grundlage der Führung nicht in der Ausarbeitung von Resolutionen, sondern in ihrer Durchführung, in ihrer Verwirklichung besteht.“ (Stalin, Band 6, Seite 241).

Es sind hier Zweifel laut geworden hinsichtlich der theoretischen Kenntnisse und der Parteierfahrungen der neuen Führer, die der revolutionäre Kampf in Polen hervorgebracht hat. Ich glaube, dass dieser Umstand keine ausschlaggebende Bedeutung haben kann. Im Leben der KPR (B) ist es vorgekommen, dass Arbeiter mit einem unzureichenden theoretischen und politischen Rüstzeug an die Spitze gewaltiger Gebietsorganisationen gestellt wurden. Es zeigte sich jedoch, dass diese Arbeiter bessere Führer sind als viele Intellektuelle, denen der erforderliche revolutionäre Instinkt abgeht. Es ist durchaus möglich, dass es in der ersten Zeit mit den neuen Führern nicht ganz glatt gehen wird; das ist aber nicht schlimm, ein-zweimal werden sie stolpern, und dann werden sie lernen, die revolutionäre Bewegung zu führen. Fertige Führer fallen nie vom Himmel. Sie bilden sich erst im Laufe des Kampfes heraus.“ (Stalin, Band 6, Seite 242/243).



Stalin, Zur internationalen Lage, 20. September 1924:

Darum besteht die nächste Aufgabe darin, die Kommunistischen Parteien des Westens zu wirklich bolschewistischen Parteien zu machen, in ihrer Mitte wahrhaft revolutionäre Kader zu schmieden, die fähig sind, die gesamte Parteipraxis im Geiste der revolutionären Erziehung der Massen, im Geiste der Vorbereitung der Revolution umzustellen.“ (Stalin, Band 6, Seite 162).

Zweifellos haben die Fehler der opportunistischen Führer eine bedeutende Rolle bei der Beschleunigung der Bolschewisierung der Kommunistischen Parteien des Westens gespielt. Aber ebenso zweifellos haben hier auch andere, tiefere Ursachen gewirkt: die erfolgreiche Offensive des Kapitals in den letzten Jahren, die Verschlechterung der Lebensbedingungen der Arbeiterklasse, das Vorhandensein einer ungeheuren Arbeitslosenarmee, der Zustand allgemeiner wirtschaftlicher Labilität des Kapitalismus, das Anwachsen der revolutionären Empörung unter den breiten Arbeitermassen. Die Arbeiter schreiten zur Revolution, und sie wollen revolutionäre Führer haben.“ (Stalin, Band 6, Seite 263).



Stalin, Über J. M. Swerdlow, November 1924:

Die ideologen und Agenten der Bourgeoisie wiederholengern die abgedroschene Phrase, die Bolschewiki verstünden nicht aufzubauen, sie seien nur fähig zu zerstören. Eine Partei, die einen so großen Baumeister wie j. M. Swerdlow hervorgebracht hat, kann ohne Weiteres sagen, dass sie ebensogut Neues zu erbauen wie Altes zu zerstören versteht.“ (Stalin, Band 6, Seite 249).



Stalin, Trotzkismus oder Leninismus? 26. November 1924:

Überhaupt muss ich sagen, dass es in der Periode des siegreichen Aufstands, wenn der Feind isoliert ist und der Aufstand immer größere Ausmaße annimmt, nicht schwer ist, gut zu kämpfen In solchen Augenblicken werden sogar Rückständige zu Helden.

Der Kampf des Proletariats ist jedoch keine durchgehende Offensive, keine ununterbrochene Kette von Erfolgen. Im Kampf des Proletariats gibt es auch Prüfungen, gibt es auch Niederlagen. Ein echter Revolutionär ist nicht derjenige, der in der Periode des siegreichen Aufstands mannhaft kämpft, sondern derjenige, der es versteht, bei der siegreichen Offensive der Revolution gut zu kämpfen, der zugleich aber auch in der Periode des Rückzugs der Revolution, in der Periode der Niederlage des Proletariats mannhaft ist, der den Kopf nicht verliert und bei Rückschlägen der Revolution, bei Erfolgen des Feindes, nicht schlappmacht, der in der Periode des Rückzugs der Revolution nicht in Panik verfällt und in Verzweiflung gerät.“ (Stalin, Band 6, Seite 295). „Noch schlimmer aber ist es, wenn man bei den schweren Prüfungen der Revolution, nach der Machtergreifung schlappmacht. Die Macht am Tage nach der Revolution zu behaupten ist nicht minder wichtig, als die Macht zu ergreifen.“ (Stalin, Band 6, Seite 296).

Auf organisatorischem Gebiet ist der Trotzkismus die Theorie des Nebeneinanderlebens von Revolutionären und Opportunisten, ihrer Gruppierungen und Grüppchen im Schoße einer gemeinsamen Partei.“ (Stalin, Band 6, Seite 312).

Weshalb ist der neue Trotzkismus gefährlich? Weil der Trotzkismus seinem ganzen inneren Gehalt nach alle Chancen hat, zum Mittelpunkt und Sammelbecken nichtproletarischer Elemente zu werden, die die Schwächung, die Zersetzung der Diktatur des Proletariats anstreben. Die Aufgabe der Partei besteht darin, den Trotzkismus als ideologische Strömung zu begraben.“ (Stalin, Band 6, Seite 319).



Stalin, Die Oktoberrevolution und die Taktik der russischen Kommunisten, 17. Dezember 1924:

Die Frage der werktätigen Massen des städtischen und ländlichen Kleinbürgertums, die Frage der Gewinnung dieser Massen für das Proletariat ist eine höchst wichtige Frage der proletarischen Revolution. Wen das werktätige Volk in Stadt und Land im Kampfe um die Macht unterstützen wird, die Bourgeoisie oder das Proletariat, wessen Reserve es bilden wird, die Reserve der Bourgeoisie oder die Reserve des Proletariats – davon hängt das Schicksal der Revolution und die Festigkeit der Diktatur des Proletariats ab.“ (Stalin, Band 6, Seite 324).

´Die Diktatur des Proletariats`, sagt Lenin, ´ist eine besondere Form des Klassenbündnisses zwischen dem Proletariat, der Avantgarde der Werktätigen, und den zahlreichen nichtproletarischen Schichten der Werktätigen (Kleinbürgertum, Kleineigentümer, Bauernschaft, Intelligenz usw.) oder deren Mehrheit, eines Bündnisses gegen das Kapital, eines Bündnisses zum Zweck des völligen Sturzes des Kapitals, der völligen Unterdrückung des Widerstands der Bourgeoisie und ihrer Restaurationsversuche, eines Bündnisses zum Zwecke der endgültigen Errichtung und Festigung des Sozialismus.` Und weiter:

´Diktatur des Proletariats bedeutet, wenn man diesen lateinischen, wissenschaftlichen, historisch-philosophischen Ausdruck in eine einfachere Sprache übersetzt:

Nur eine bestimmte Klasse, nämlich die städtischen Arbeiter und überhaupt die Fabrikarbeiter, die Industriearbeiter, ist imstande, die ganze Masse der Werktätigen und Ausgebeuteten zu führen im Kampf für das Abwerfen des kapitalistischen Jochs, im Verlauf des Abwerfens selbst, im Kampfe um die Sicherung und Festigung des Sieges, bei der Schaffung der neuen, der sozialistischen Gesellschaftsordnung, in dem Kampfe für die völlige Aufhebung der Klassen`. Das ist die Theorie der Diktatur des Proletariats, wie sie von Lenin gegeben wurde.“ (Stalin, Band 6, Seite 325).



(ENDE I. Teil)