DEUTSCH

 

 

Gesammelte

STALINWERKE :

 

 

 

 

Band 14

Februar 1934 - April 1945

Seite 180 - 235

 

RECHENSCHAFTSBERICHT AN DEN XVIII. PARTEITAG
ÜBER DIE ARBEIT DES ZK DER KPDSU(B)

10. März 1939

 

I
DIE INTERNATIONALE LAGE DER SOWJETUNION

 

Genossen!

Seit dem XVII. Parteitage sind fünf Jahre verflossen. Wie ihr seht, keine kurze Periode. Während dieser Zeit hat die Welt bedeutende Veränderungen erlebt. Staaten und Länder, ihre Beziehungen untereinander sind in vielem völlig andere geworden.

Welche Veränderungen haben sich in dieser Periode in der internationalen Lage vollzogen? Was hat sich in der äußeren und inneren Lage unseres Landes verändert?

Für die kapitalistischen Länder war dies eine Periode ernstester Erschütterungen sowohl auf dem Gebiete der Wirtschaft als auch auf dem Gebiete der Politik. Auf wirtschaftlichem Gebiete waren dies Jahre der Depression, und dann, angefangen mit der zweiten Hälfte 1937, Jahre einer neuen Wirtschaftskrise, Jahre eines neuen Niedergangs der Industrie in den Vereinigten Staaten von Amerika, England, Frankreich, folglich Jahre neuer wirtschaftlicher Verwicklungen. Auf politischem Gebiete waren dies Jahre ernster politischer Konflikte und Erschütterungen. Schon das zweite Jahr tobt der neue imperialistische Krieg, der sich auf dem gewaltigen Gebiete von Schanghai bis Gibraltar abspielt und eine Bevölkerung von mehr als 500 Millionen erfasst hat. Die Landkarte Europas, Afrikas, Asiens wird gewaltsam umgestaltet. Das gesamte System des so genannten Friedensregimes der Nachkriegszeit ist von Grund aus erschüttert.

Für die Sowjetunion dagegen waren dies Jahre ihres Wachstums und Aufblühens, Jahre ihres weiteren wirtschaftlichen und kulturellen Aufschwungs, Jahre des weiteren Wachstums ihrer politischen und militärischen Macht, Jahre ihres Kampfes um die Erhaltung des Friedens in der ganzen Welt.

Das ist das allgemeine Bild.

Betrachten wir nun die konkreten Tatsachen der Veränderungen in der internationalen Lage.

 

1. Die neue Wirtschaftskrise in den kapitalistischen Ländern.
Die Verschärfung des Kampfes um die Absatzmärkte,
um die Rohstoffquellen, um die Neuaufteilung der Welt

 

Die Wirtschaftskrise, die in den kapitalistischen Ländern in der zweiten Hälfte 1929 begann, dauerte bis Ende 1933. Dann ging die Krise in eine Depression über, worauf eine gewisse Belebung der Industrie, ein gewisser Aufschwung der Industrie einsetzte. Doch ging diese Belebung der Industrie nicht in eine Prosperität über, wie dies gewöhnlich in der Periode der Belebung geschieht. Im Gegenteil, angefangen mit der zweiten Hälfte 1937 setzte eine neue Wirtschaftskrise ein, die zunächst die Vereinigten Staaten von Amerika und sodann England, Frankreich und eine Reihe anderer Länder erfasste.

Somit sahen sich die kapitalistischen Länder, noch ehe sie sich von den Schlägen der jüngsten Wirtschaftskrise erholen konnten, einer neuen Wirtschaftskrise gegenüber.

Dieser Umstand führte naturgemäß zu einer Steigerung der Arbeitslosigkeit. Die Zahl der Arbeitslosen in den kapitalistischen Ländern, die von 30 Millionen im Jahre 1933 auf 14 Millionen im Jahre 1937 gesunken war, stieg infolge der neuen Krise wieder auf 18 Millionen.

Eine charakteristische Besonderheit der neuen Krise besteht darin, dass sie sich in vielem von der vorhergehenden Krise unterscheidet, und zwar nicht im Sinne einer Verbesserung, sondern einer Verschlechterung.

Erstens hat die neue Krise nicht nach einer Prosperität der Industrie begonnen, wie dies 1929 der Fall gewesen ist, sondern nach einer Depression und einer gewissen Belebung, die jedoch nicht in eine Prosperität umschlug. Das bedeutet, dass die jetzige Krise schwerer sein wird und dass sie schwieriger zu bekämpfen sein wird als die vorhergehende Krise.

Ferner begann die jetzige Krise nicht in Friedenszeiten, sondern in der Periode des bereits begonnenen zweiten imperialistischen Krieges, da Japan, das bereits das zweite Jahr gegen China Krieg führt, den unermesslichen chinesischen Markt desorganisiert und für Waren anderer Länder fast unzugänglich macht; da Italien und Deutschland ihre Volkswirtschaft bereits auf das Geleise der Kriegswirtschaft übergeleitet haben, wobei sie für diesen Zweck ihre Vorräte an Rohstoffen und Valuta aufgebraucht haben; da alle übrigen kapitalistischen Großmächte anfangen, sich auf den Krieg umzustellen. Dies bedeutet, dass der Kapitalismus für einen normalen Ausweg aus der jetzigen Krise viel weniger Hilfsquellen haben wird als in der Periode der vorhergehenden Krise.

Schließlich ist die jetzige Krise im Unterschied zu der vorhergehenden keine allgemeine Krise, sondern erfasst zunächst hauptsächlich die wirtschaftlich starken Länder, die noch nicht zur Kriegswirtschaft übergegangen sind. Was die aggressiven Länder betrifft, wie Japan, Deutschland und Italien, die ihre Wirtschaft bereits auf den Krieg umgestellt haben, so machen sie, da sie ihre Kriegsindustrie verstärkt entwickeln, noch nicht den Zustand einer Überproduktionskrise durch, obwohl sie sich diesem Zustande nähern. Das bedeutet, dass zu einer Zeit, da die wirtschaftlich starken, nichtaggressiven Länder beginnen werden, aus der Phase der Krise herauszukommen, die aggressiven Länder, nachdem sie ihre Gold- und Rohstoffvorräte während des Kriegsfiebers erschöpft haben, in eine Phase schärfster Krise geraten müssen.

Dies wird allein schon durch die Angaben über die vorhandenen sichtbaren Goldreserven in den kapitalistischen Ländern anschaulich illustriert.

Die sichtbaren Goldreserven in den kapitalistischen Ländern

(In Millionen alter Gold-Dollars)

 

 

Ende September 1936

September 1938

Insgesamt

12980

14301

USA

6649

8126

England

2029

2396

Frankreich

1769

1435

Holland

289

595

Belgien

373

318

Schweiz

387

407

Deutschland

16

17

Italien

123

124

Japan

273

97

 

Aus dieser Tabelle ist ersichtlich, dass die Goldreserven Deutschlands, Italiens und Japans insgesamt eine kleinere Summe ausmachen als die Goldreserven der Schweiz allein.

Hier einige Zahlen, die die Krisenlage der Industrie der kapitalistischen Länder in den letzten fünf Jahren und die Entwicklung des industriellen Aufschwungs in der Sowjetunion illustrieren.

Umfang der Industrieproduktion in Prozenten zu 1929

(1929 = 100)

 

1934

1935

1936

1937

1938

USA

66,4

75,6

88,1

92,2

72,0

England

98,8

105,8

115,9

123,7

112,0

Frankreich

71,0

67,4

79,3

82,8

70,0

Italien

80,0

93,8

87,5

99,6

96,0

Deutschland

79,8

94

106,3

117,2

125,0

Japan

128,7

141,8

151,1

170,8

165,0

UdSSR

238,3

293,4

382,3

424,0

477,0

 

Aus dieser Tabelle ist ersichtlich, dass die Sowjetunion das einzige Land der Welt ist, das keine Krisen kennt und dessen Industrie unausgesetzt aufwärts geht.

Aus dieser Tabelle ist ferner ersichtlich, dass in den USA, in England und in Frankreich bereits eine ernste Wirtschaftskrise begonnen hat und um sich greift.

Aus dieser Tabelle ist weiter ersichtlich, dass in Italien und Japan, die früher als Deutschland ihre Volkswirtschaft auf das Geleise der Kriegswirtschaft übergeleitet haben, im Jahre 1938 bereits die Periode der Abwärtsbewegung der Industrie eingesetzt hat.

Aus dieser Tabelle ist schließlich ersichtlich, dass in Deutschland, das später als Italien und Japan seine Wirtschaft auf den Krieg umgestellt hat, die Industrie vorläufig noch den Zustand einer gewissen, wenn auch geringen, aber immerhin einer Aufwärtsbewegung durchmacht, genau so, wie dies bis in die letzte Zeit in Japan und Italien der Fall war.

Es kann kein Zweifel darüber bestehen, dass die Industrie Deutschlands, wenn nicht etwas Unvorhergesehenes eintritt, dieselbe Abwärtsbewegung wird durchmachen müssen, die in Japan und Italien schon eingesetzt hat. Denn was heißt es, die Wirtschaft eines Landes auf das Geleise der Kriegswirtschaft überleiten? Das heißt, der Industrie eine einseitige, auf den Krieg eingestellte Richtung geben, die Produktion von Gegenständen für den Kriegsbedarf, die mit dem Verbrauch der Bevölkerung nichts zu tun haben, maximal erweitern, die Produktion und besonders die Belieferung des Marktes mit Massenbedarfsartikeln maximal einschränken, folglich also, den Verbrauch der Bevölkerung einschränken und über das Land eine Wirtschaftskrise heraufbeschwören.

Dies ist das konkrete Bild, das der Gang der neuen Wirtschaftskrise in den kapitalistischen Ländern bietet.

Es ist klar, dass eine solche ungünstige Wendung in der Wirtschaftslage zu einer Verschärfung der Beziehungen zwischen den Staaten führen musste. Schon die vorhergehende Krise hat alle Karten durcheinander geworfen und zu einer Verschärfung des Kampfes um die Absatzmärkte, um die Rohstoffquellen geführt. Die Annexion der Mandschurei und Nordchinas durch Japan, die Annexion Abessiniens durch Italien - all dies brachte die Schärfe des Kampfes zwischen den Mächten zum Ausdruck. Die neue Wirtschaftskrise muss zu einer weiteren Verschärfung des imperialistischen Kampfes führen und führt in der Tat dazu. Es handelt sich bereits nicht mehr um Konkurrenz auf den Märkten, nicht um Handelskrieg, nicht um Dumping. Diese Kampfmittel gelten schon längst als unzureichend. Es geht jetzt um die Neuaufteilung der Welt, der Einflusssphären, der Kolonien durch Kriegshandlungen.

Japan suchte seine aggressiven Handlungen damit zu rechtfertigen, dass man es beim Abschluss des Neunmächtepaktes übervorteilt und dass man ihm nicht gestattet habe, sein Territorium auf Kosten Chinas zu erweitern, während England und Frankreich gewaltige Kolonien besitzen. Italien besann sich darauf, dass man es bei der Teilung der Beute nach dem ersten imperialistischen Kriege übervorteilt habe und dass es sich auf Kosten der Einflusssphären Englands und Frankreichs entschädigen müsse. Deutschland, das durch den ersten imperialistischen Krieg und den Versailler Frieden ernsthaft Schaden gelitten hatte, schloss sich Japan und Italien an und forderte die Vergrößerung seines Territoriums in Europa und die Rückgabe der. Kolonien, die ihm die Sieger im ersten imperialistischen Krieg weggenommen hatten.

So begann sich der Block der drei aggressiven Staaten zu bilden. Die Frage der Neuaufteilung der Welt durch den Krieg wurde auf die Tagesordnung gesetzt.

 

2. Die Verschärfung der internationalen politischen Lage,
der Zusammenbruch des Nachkriegssystems der Friedensverträge,
der Beginn des neuen imperialistischen Krieges

 

Hier eine Aufzählung der wichtigsten Ereignisse in der Berichtsperiode, die den neuen imperialistischen Krieg einleiteten. Im Jahre 1935 überfiel Italien Abessinien und annektierte es. Im Sommer 1936 organisierten Deutschland und Italien die militärische Intervention in Spanien, wobei Deutschland sich im Norden Spaniens und in Spanisch-Marokko und Italien im Süden Spaniens und auf den Balearen festsetzte. Im Jahre 1937 brach Japan, nach der Annexion der Mandschurei, in Nord- und Zentralchina ein, besetzte Peking, Tientsin, Schanghai und begann seine ausländischen Konkurrenten aus der Okkupationszone zu verdrängen. Anfang 1938 annektierte Deutschland Osterreich und im Herbst 1938 das Sudetengebiet der Tschechoslowakei. Ende 1938 bemächtigte sich Japan Kantons und Anfang 1939 der Insel Hainan.

Somit zog der Krieg, der sich so unmerklich an die Völker herangeschlichen hat, mehr als 500 Millionen Menschen in seinen Bannkreis; der Krieg hat seine Aktionssphäre auf ein gewaltiges Gebiet ausgedehnt: von Tientsin, Schanghai und Kanton über Abessinien bis Gibraltar.

Nach dem ersten imperialistischen Kriege schufen die Siegerstaaten, hauptsächlich England, Frankreich und die USA, ein neues Regime der Beziehungen zwischen den Ländern: das Friedensregime der Nachkriegszeit. Die wichtigsten Grundpfeiler dieser Regimes waren im Fernen Osten der Neunmächtepakt und in Europa der Versailler Vertrag und eine ganze Reihe anderer Verträge. Der Völkerbund war dazu bestimmt, die Beziehungen zwischen den Ländern im Rahmen dieses Regimes auf der Grundlage einer Einheitsfront der Staaten, auf der Grundlage der kollektiven Verteidigung der Sicherheit der Staaten zu regeln. Die drei aggressiven Staaten und der von ihnen begonnene neue imperialistische Krieg haben jedoch dieses gesamte Friedensregime der Nachkriegszeit über den Haufen geworfen. Japan hat den Neunmächtepakt, Deutschland und Italien haben den Versailler Vertrag zerrissen. Um freie Hand zu bekommen, sind alle diese drei Staaten aus dem Völkerbund ausgetreten.

Der neue imperialistische Krieg wurde zur Tatsache.

In unseren Zeiten ist es nicht so leicht, sich mit einem Male von der Kette loszureißen und sich geradewegs in den Krieg zu stürzen, ohne auf Verträge verschiedener Art und auf die öffentliche Meinung Rücksicht zu nehmen. Den bürgerlichen Politikern ist dies sehr wohl bekannt. Auch den faschistischen Machthabern ist das bekannt. Daher entschlossen sich die faschistischen Machthaber, bevor sie sich in den Krieg stürzten, die öffentliche Meinung in bestimmter Weise zu bearbeiten, d. h. sie irrezuführen, sie zu betrügen.

Ein Kriegsblock Deutschlands und Italiens gegen die Interessen Englands und Frankreichs in Europa? Gott bewahre! Ist das etwa ein Block? „Wir“ haben keinerlei Kriegsblock. „Wir“ haben lediglich eine harmlose „Achse Berlin-Rom“, d. h. eine Art geometrische Formel für eine Achse. (Heiterkeit).

Ein Kriegsblock Deutschlands, Italiens und Japans gegen die Interessen der USA, Englands und Frankreichs im Fernen Osten? Nichts dergleichen! „Wir“ haben keinerlei Kriegsblock. „Wir“ haben lediglich ein harmloses „Dreieck Berlin-Rom-Tokio“ - das ist ein kleiner geometrischer Zeitvertreib. (Allgemeine Heiterkeit).

Ein Krieg gegen die Interessen Englands, Frankreichs, der USA? Unsinn! „Wir“ führen Krieg gegen die Komintern und nicht gegen diese Staaten. Glaubt ihr es nicht, so lest den „Antikomintern-Pakt“, den Italien, Deutschland und Japan miteinander abgeschlossen haben.

So gedachten die Herren Aggressoren die öffentliche Meinung zu bearbeiten, obwohl es nicht schwer war zu begreifen, dass all dies eine plumpe, durchsichtige Maskerade war, denn es ist lächerlich, „Stützpunkte“ der Komintern in den Wüsten der Mongolei, in den Bergen Abessiniens, in den Felsschluchten Spanisch-Marokkos zu suchen. (Heiterkeit).

Aber der Krieg ist unerbittlich. Man kann ihn hinter keinerlei Kulissen verstecken. Denn hinter keinerlei „Achsen“, „Dreiecken“ und „Antikomintern-Pakten“ läßt sich die Tatsache verstecken, dass Japan während dieser Zeit ein gewaltiges Gebiet Chinas, Italien - Abessinien, Deutschland - Österreich und das Sudetengebiet, Deutschland und Italien gemeinsam Spanien an sich gerissen haben, all dies entgegen den Interessen der nichtaggressiven Staaten. Der Krieg blieb Krieg, der Kriegsblock der Aggressoren blieb ein Kriegsblock und die Aggressoren blieben Aggressoren.

Ein kennzeichnender Zug des neuen imperialistischen Krieges besteht darin, dass er noch nicht zu einem allgemeinen, zu einem Weltkriege geworden ist. Der Krieg wird von den aggressiven Staaten geführt, die die Interessen der nichtaggressiven Staaten, vor allem Englands, Frankreichs und der USA, in jeder Weise schädigen; die letzteren weichen jedoch zurück, treten den Rückzug an, machen den Aggressoren ein Zugeständnis nach dem anderen.

Somit vollzieht sich vor unseren Augen eine offene Neuaufteilung der Welt und der Einflusssphären auf Kosten der Interessen der nichtaggressiven Staaten, wobei diese keinerlei Versuche zur Abwehr unternehmen, in gewisser Weise sogar jene begünstigen.

Unglaublich, aber wahr.

Wodurch ist dieser einseitige und seltsame Charakter des neuen imperialistischen Krieges zu erklären?

Wie konnte es geschehen, dass die nichtaggressiven Länder, die über gewaltige Möglichkeiten verfügen, so leicht und ohne Widerstand zugunsten der Angreifer ihre Positionen preisgaben und sich von ihren Verpflichtungen lossagten?

Ist dies etwa durch die Schwäche der nichtaggressiven Staaten zu erklären? Natürlich nicht! Die nichtaggressiven, demokratischen Staaten sind zusammen unzweifelhaft stärker als die faschistischen Staaten, sowohl in ökonomischer als auch in militärischer Hinsicht.

Wodurch sind also in diesem Falle die systematischen Zugeständnisse dieser Staaten an die Aggressoren zu erklären?

Man könnte dies zum Beispiel mit der Furcht vor der Revolution erklären, die ausbrechen könnte, wenn die nichtaggressiven Staaten in den Krieg eintreten und der Krieg zu einem Weltkriege wird. Die bürgerlichen Politiker wissen natürlich, dass der erste imperialistische Weltkrieg den Sieg der Revolution in einem der größten Länder mit sich gebracht hat. Sie fürchten, der zweite imperialistische Weltkrieg könnte ebenfalls zum Siege der Revolution in einem oder in mehreren Ländern führen.

Aber das ist zurzeit nicht die einzige und nicht einmal die wichtigste Ursache. Die wichtigste Ursache besteht darin, dass sich die meisten nichtaggressiven Länder und vor allem England und Frankreich von der Politik der kollektiven Sicherheit, von der Politik der kollektiven Abwehr der Aggressoren losgesagt haben, dass sie die Position der Nichteinmischung, die Position der „Neutralität“ bezogen haben.

Formal gesehen könnte man die Politik der Nichteinmischung wie folgt charakterisieren: „Jedes Land möge sich gegen die Aggressoren verteidigen wie es will und wie es kann, wir scheren uns nicht darum, wir werden sowohl mit den Aggressoren als auch mit ihren Opfern Handel treiben.“ In Wirklichkeit bedeutet jedoch die Politik der Nichteinmischung eine Begünstigung der Aggression, die Entfesselung des Krieges und folglich seine Umwandlung in einen Weltkrieg. In der Politik der Nichteinmischung macht sich das Bestreben, der Wunsch geltend, die Aggressoren bei der Ausführung ihres dunklen Werkes nicht zu hindern, zum Beispiel Japan nicht zu hindern, sich in einen Krieg gegen China, noch besser aber gegen die Sowjetunion einzulassen, zum Beispiel Deutschland nicht zu hindern, sich in die europäischen Angelegenheiten zu verstricken, sich in einen Krieg gegen die Sowjetunion einzulassen, alle Kriegsteilnehmer tief in dem Morast des Krieges versinken zu lassen, sie im stillen dazu anzuspornen, dazu zu bringen, dass sie einander schwächen und erschöpfen, dann aber, wenn sie genügend geschwächt sind, mit frischen Kräften auf dem Schauplatz zu erscheinen und, natürlich, „im Interesse des Friedens“ aufzutreten, um den geschwächten Kriegsteilnehmern die Bedingungen zu diktieren.

Wie billig und wie nett!

Nehmen wir zum Beispiel Japan. Es ist charakteristisch, dass alle einflussreichen französischen und englischen Zeitungen vor dem japanischen Einfall in Nordchina schreiend verkündeten, dass China schwach sei, dass es unfähig sei, Widerstand zu leisten, dass Japan mit seiner Armee in zwei, drei Monaten China unterwerfen könnte. Daraufhin nahmen die europäischen und amerikanischen Politiker eine abwartende Stellung ein und spielten den Beobachter. Und dann, als Japan die Kriegshandlungen entfaltete, trat man ihm Schanghai ab, das Herz des ausländischen Kapitals in China, trat man Kanton ab, den Stützpunkt des englischen Monopoleinflusses in Südchina, trat man Hainan ab, ließ man Hongkong einkreisen. Nicht wahr, all das sieht einer Ermunterung der Aggressoren sehr ähnlich: Mögen sie sich weiter in den Krieg verstricken, man wird dann schon sehen.

Oder nehmen wir zum Beispiel Deutschland. Man trat Deutschland Österreich ab, ungeachtet der Verpflichtung, die Selbständigkeit Österreichs zu verteidigen, man trat ihm das Sudetengebiet ab, überließ die Tschechoslowakei ihrem Schicksal, womit man allen und jeden Verpflichtungen zuwiderhandelte, und begann dann in der Presse lärmend zu lügen, dass die „russische Armee schwach“, die „russische Luftflotte zersetzt“ sei, dass es in der Sowjetunion „Unruhen“ gebe, wodurch man die Deutschen anstachelte, weiter nach Osten vorzustoßen, ihnen leichte Beute versprach und ihnen zuredete: Fangt nur den Krieg gegen die Bolschewiki an, weiter wird alles gut gehen. Man muss zugeben, dass dies ebenfalls einem Antreiben, einer Ermunterung des Aggressors sehr ähnlich sieht.

Kennzeichnend ist der Lärm, den die englische, französische und nordamerikanische Presse um die Sowjetukraine erhob. Die Vertreter dieser Presse schrieen sich heiser, dass die Deutschen gegen die Sowjetukraine marschieren, dass sie gegenwärtig die so genannte Karpato-Ukraine in Händen haben, die etwa 700000 Einwohner zählt, und dass die Deutschen nicht später als im Frühling dieses Jahres den Anschluss der Sowjetukraine mit mehr als 30 Millionen Einwohnern an die so genannte Karpato-Ukraine vollziehen würden. Es hat den Anschein, als ob dieser verdächtige Lärm den Zweck hatte, bei der Sowjetunion Wut gegen Deutschland zu erregen, die Atmosphäre zu vergiften und einen Konflikt mit Deutschland zu provozieren, ohne dass dazu sichtbare Gründe vorliegen.

Es ist allerdings sehr wohl möglich, dass es in Deutschland Verrückte gibt, die davon träumen, einen Elefanten, d. h. die Sowjetukraine, einer Mücke, d. h. der so genannten Karpato-Ukraine, anzugliedern. Wenn es dort wirklich solche wahnwitzigen Leute gibt, so ist nicht daran zu zweifeln, dass sich in unserem Lande in genügender Zahl Zwangsjacken für solche Verrückten finden würden. (Beifallssturm). Lassen wir aber die Verrückten beiseite und wenden wir uns normalen Menschen zu: Ist es etwa nicht klar, dass es lächerlich und dumm wäre, im Ernst von einem Anschluss der Sowjetukraine an die so genannte Karpato-Ukraine zu sprechen? Man bedenke nur. Die Mücke kommt zum Elefanten und sagt zu ihm, die Hände in die Seiten gestemmt: „He, du, mein lieber Bruder, wie tust du mir doch leid... Du lebst dahin ohne Gutsbesitzer, ohne Kapitalisten, ohne nationale Unterdrückung, ohne faschistische Machthaber, was ist das für ein Leben... Ich schaue dich an und kann nicht umhin zu bemerken: Es gibt keine Rettung für dich, als dich mir anzuschließen... (Allgemeine Heiterkeit). Wohlan denn, ich erlaube dir, dein kleines Gebiet meinem unermesslichen Territorium anzuschließen...“ (Allgemeine Heiterkeit und Beifall).

Noch kennzeichnender ist es, dass gewisse Politiker und Pressevertreter in Europa und in den Vereinigten Staaten, die in Erwartung eines „Feldzugs gegen die Sowjetukraine“ die Geduld verloren haben, selber dazu übergehen, die wahren Hintergründe der Nichteinmischungspolitik zu enthüllen. Sie erklären geradeheraus und geben es schwarz auf weiß zu, dass sie von den Deutschen schwer „enttäuscht“ seien, da diese, statt weiter nach Osten, gegen die Sowjetunion, vorzustoßen, sich - man denke nur - nach Westen wenden und Kolonien verlangen. Der Gedanke liegt nahe, man habe den Deutschen Gebiete der Tschechoslowakei als Kaufpreis für die Verpflichtung gegeben, den Krieg gegen die Sowjetunion zu beginnen, dass sich aber die Deutschen nunmehr weigern, den Wechsel einzulösen, und den Gläubigern die Türe weisen.

Ich bin weit davon entfernt, über die Nichteinmischungspolitik zu moralisieren, von Verrat, von Treubruch und dergleichen zu sprechen. Es wäre naiv, Leuten, die die menschliche Moral nicht anerkennen, Moral zu predigen. Politik ist Politik, wie die alten durchtriebenen bürgerlichen Diplomaten sagen. Es ist jedoch notwendig zu bemerken, dass das große und gefährliche politische Spiel, das die Anhänger der Nichteinmischungspolitik begonnen haben, für sie mit einem ernsten Fiasko enden kann.

So sieht in Wirklichkeit die heute herrschende Nichteinmischungspolitik aus.

Das ist die politische Lage in den kapitalistischen Ländern.

 

3. Die Sowjetunion und die kapitalistischen Länder

 

Der Krieg hat eine neue Lage in den Beziehungen zwischen den Ländern geschaffen. Er hat in diese Beziehungen eine Atmosphäre der Unruhe und Unsicherheit hineingetragen. Der Krieg hat die Grundlagen des Friedensregimes der Nachkriegszeit untergraben, die elementarsten Begriffe des Völkerrechts über den Haufen geworfen und dadurch den Wert internationaler Verträge und Verpflichtungen in Frage gestellt. Pazifismus und Abrüstungsprojekte sind begraben worden. An ihre Stelle ist das Rüstungsfieber getreten. Alle Staaten, die kleinen wie die großen, rüsten auf, darunter vor allem diejenigen Staaten, die Nichteinmischungspolitik betreiben. Niemand glaubt mehr den salbungsvollen Reden, dass die Münchener Zugeständnisse an die Aggressoren und das Münchener Abkommen eine neue Ära, eine Ära der „Befriedung“, eingeleitet hätten. Auch die Teilnehmer des Münchener Abkommens selbst, England und Frankreich, schenken ihnen keinen Glauben; sie steigern ihre Rüstungen nicht weniger als die anderen.

Es ist klar, dass die Sowjetunion über diese unheilschwangeren Ereignisse nicht hinwegsehen konnte. Es ist nicht zu bezweifeln, dass jeder, selbst der kleinste Krieg, der irgendwo in einem entfernten Weltwinkel von den Aggressoren begonnen wird, für die friedliebenden Länder eine Gefahr darstellt. Eine umso ernstere Gefahr bedeutet der neue imperialistische Krieg, der bereits mehr als 500 Millionen Menschen in Asien, Afrika und Europa in seinen Bannkreis gezogen hat. Infolgedessen hat unser Land, das unbeirrt die Politik der Erhaltung des Friedens betreibt, gleichzeitig auch eine große Arbeit zur Stärkung der Kampfbereitschaft unserer Roten Armee und unserer Roten Kriegsmarine entfaltet.

Zugleich entschloss sich die Sowjetunion im Interesse der Festigung ihrer internationalen Positionen, auch einige andere Schritte zu unternehmen. Ende 1934 trat unser Land dem Völkerbund bei, ausgehend davon, dass er sich, ungeachtet seiner Schwäche, als eine Stätte zur Entlarvung der Aggressoren eignen und als ein gewisses, wenn auch schwaches, Friedensinstrument dienen könne, das imstande wäre, die Entfesselung des Krieges zu hemmen. Die Sowjetunion ist der Ansicht, dass man in so unruhigen Zeiten auch eine so schwache internationale Organisation wie den Völkerbund nicht ignorieren soll. Im Mai 1935 wurde zwischen Frankreich und der Sowjetunion ein Beistandsvertrag für den Fall eines eventuellen Angriffs von Seiten der Aggressoren abgeschlossen. Gleichzeitig wurde ein analoger Vertrag mit der Tschechoslowakei unterzeichnet. Im März 1936 schloss die Sowjetunion einen Beistandsvertrag mit der Mongolischen Volksrepublik ab. Im August 1937 wurde ein auf Gegenseitigkeit beruhender Nichtangriffspakt zwischen der Sowjetunion und der Chinesischen Republik abgeschlossen.

Unter diesen schwierigen internationalen Verhältnissen führte die Sowjetunion ihre Außenpolitik durch, die Sache der Erhaltung des Friedens verfechtend.

Die Außenpolitik der Sowjetunion ist klar und verständlich:

1. Wir sind für den Frieden und für die Festigung sachlicher Beziehungen mit allen Ländern; auf diesem Standpunkt stehen wir und werden wir stehen, soweit diese Länder ebensolche Beziehungen zur Sowjetunion unterhalten werden, soweit sie nicht versuchen, die Interessen unseres Landes zu verletzen.

2. Wir sind für friedliche, freundschaftliche und gutnachbarliche Beziehungen mit allen Nachbarländern, die mit der Sowjetunion eine gemeinsame Grenze haben; auf diesem Standpunkt stehen wir und werden wir stehen, soweit diese Länder ebensolche Beziehungen zur Sowjetunion unterhalten werden, soweit sie nicht versuchen, sei es direkt oder indirekt, die Interessen der Unversehrtheit und Unantastbarkeit der Grenzen des Sowjetstaates zu verletzen.

3. Wir sind für die Unterstützung der Völker, die Opfer der Aggression geworden sind und für die Unabhängigkeit ihrer Heimat kämpfen.

4. Wir fürchten keine Drohungen der Aggressoren und sind bereit, auf einen Schlag der Kriegsbrandstifter, die versuchen sollten, die Unantastbarkeit der Sowjetgrenzen zu verletzen, mit einem doppelten Schlag zu antworten.

Das ist die Außenpolitik der Sowjetunion. (Stürmischer, anhaltender Beifall).

In ihrer Außenpolitik stützt sich die Sowjetunion:

1. auf ihre wachsende wirtschaftliche, politische und kulturelle Macht;

2. auf die moralische und politische Einheit unserer Sowjetgesellschaft;

3. auf die Freundschaft der Völker unseres Landes;

4. auf ihre Rote Armee und Rote Kriegsmarine;

5. auf ihre Friedenspolitik;

6. auf die moralische Unterstützung der Werktätigen aller Länder, deren ureigenstes Interesse die Erhaltung des Friedens ist;

7. auf die Einsicht der Länder, die aus diesen oder jenen Gründen an einer Verletzung des Friedens nicht interessiert sind.

Die Aufgaben der Partei auf dem Gebiet der Außenpolitik bestehen in folgendem:

1. auch in Zukunft eine Politik des Friedens und der Festigung sachlicher Beziehungen mit allen Ländern zu betreiben;

2. Vorsicht zu beobachten und den Kriegsprovokateuren, die es gewohnt sind, sich von anderen die Kastanien aus dem Feuer holen zu lassen, nicht die Möglichkeit zu geben, unser Land in Konflikte hineinzuziehen;

3. die Kampfkraft unserer Roten Armee und unserer Roten Kriegsmarine mit allen Mitteln zu stärken;

4. die internationalen Freundschaftsbeziehungen mit den Werktätigen aller Länder, die am Frieden und an der Freundschaft zwischen den Völkern interessiert sind, zu festigen.

 

II
DIE INNERE LAGE DER SOWJETUNION

 

Gehen wir zur inneren Lage unseres Landes über.

Vom Standpunkte der inneren Lage der Sowjetunion bietet die Berichtsperiode ein Bild des weiteren Aufschwungs der gesamten Volkswirtschaft, des Wachstums der Kultur, der Stärkung der politischen Macht des Landes.

Als das wichtigste Ergebnis auf dem Gebiete der Entwicklung der Volkswirtschaft in der Berichtsperiode ist die Vollendung der Rekonstruktion der Industrie und Landwirtschaft auf der Grundlage der neuen, der modernen Technik anzusehen. Bei uns gibt es bereits keine oder fast keine alten Betriebe mehr mit ihrer rückständigen Technik sowie keine alten Bauernwirtschaften mit ihrer vorsintflutlichen Ausrüstung. Die Grundlage unserer Industrie und Landwirtschaft ist jetzt die neue, die moderne Technik. Man kann ohne Übertreibung sagen, dass unser Land vom Standpunkte der Produktionstechnik, vom Standpunkte der Versorgung der Industrie und der Landwirtschaft mit neuer Technik, im Vergleich zu jedem anderen Lande das fortgeschrittenste ist, weil dort die alte Ausrüstung als Hemmschuh der Produktion wirkt und der Einbürgerung der neuen Technik im Wege steht.

In der gesellschaftlichen und politischen Entwicklung unseres Landes sind als die wichtigsten Errungenschaften in der Berichtsperiode anzusehen: die endgültige Liquidierung der Überreste der Ausbeuterklassen, der Zusammenschluss der Arbeiter, der Bauern und der Intelligenz zu einer gemeinsamen Front der Arbeit, die Festigung der moralischen und politischen Einheit der Sowjetgesellschaft, die Festigung der Freundschaft der Völker unseres Landes und als Ergebnis alles dessen die volle Demokratisierung des politischen Lebens des Landes, die Schaffung der neuen Verfassung. Niemand wagt zu bestreiten, dass unsere Verfassung die demokratischste der Welt ist; die Ergebnisse der Wahlen zum Obersten Sowjet der UdSSR sowie zu den Obersten Sowjets der Unionsrepubliken sind überaus kennzeichnend.

Als Ergebnis alles dessen haben wir eine völlige Stabilität der inneren Lage und eine Festigkeit der Macht im Lande zu verzeichnen, um die uns jede Regierung in der Welt beneiden könnte.

Untersuchen wir die konkreten Daten über die wirtschaftliche und politische Lage unseres Landes.

 

1. Der weitere Aufschwung der Industrie und Landwirtschaft

 

a) Die Industrie . Die Entwicklung unserer Industrie bietet in der Berichtsperiode ein Bild des ununterbrochenen Aufschwungs. Dieser Aufschwung bringt nicht nur das Anwachsen der Produktion überhaupt zum Ausdruck, sondern vor allem das Aufblühen der sozialistischen Industrie einerseits, den Untergang der Privatindustrie andererseits.

Hier die entsprechende Tabelle:

Das Wachstum der Industrie der UdSSR in den Jahren 1934-1938
(in Millionen Rubel in Preisen von 1926/27)

 

 

1933

1934

1935

1936

1937

1938

Gesamtproduktion

42030
(100%)

50477
(100%)

62137
(100%)

80929
(100%)

90166
(100%)

100375
(100%)

Sozialistische
Industrie

42002
(99,93%)

50443
(99,93%)

62114
(99,96%)

80898
(99,96%)

91138
(99,97%)

100349
(99,97%)

Private
Industrie

28
(0,07%)

34
(0,07%)

23
(0,04%)

31
(0,04%)

28
(0,03%)

26
(0,03%)

(in Prozenten zum vorhergehenden Jahr)

 

1934

1935

1936

1937

1938

1934 zu 1938

Gesamtproduktion

120,1

123,1

130,2

111,4

111,3

238,8

Sozialistische
Industrie

120,1

123,1

130,2

111,4

111,3

238,9

Private
Industrie

121,4

67,6

134,8

90,3

92,9

92,9

 

Aus dieser Tabelle ist ersichtlich, dass unsere Industrie in der Berichtsperiode auf mehr als das Doppelte gewachsen ist, wobei das gesamte Wachstum der Produktion auf das Konto der sozialistischen Produktion zu setzen ist.

Aus dieser Tabelle ist weiter ersichtlich, dass das sozialistische System das einzige System in der Industrie der Sowjetunion ist.

Aus dieser Tabelle ist ersichtlich, dass der endgültige Untergang der Privatindustrie eine Tatsache ist, die jetzt selbst Blinde nicht bestreiten können.

Der Untergang der Privatindustrie kann nicht als zufällig angesehen werden. Sie ging vor allem deshalb unter, weil das sozialistische Wirtschaftssystem im Vergleich zu dem kapitalistischen ein vollkommeneres System darstellt. Sie ging zweitens unter, weil uns das sozialistische Wirtschaftssystem die Möglichkeit bot, in einigen Jahren unsere gesamte sozialistische Industrie auf einer neuen, einer modernen technischen Basis neu auszurüsten. Eine solche Möglichkeit bietet das kapitalistische Wirtschaftssystem nicht und vermag das auch gar nicht. Es ist eine Tatsache, dass unsere Industrie vom Standpunkte der Produktionstechnik, vom Standpunkte des Umfangs ihrer technischen Neuausrüstung in der Welt an erster Stelle steht.

Nimmt man das Wachstumstempo unserer industriellen Produktion - in Prozenten zum Vorkriegsniveau ausgedrückt - und vergleicht es mit dem Wachstumstempo der industriellen Produktion der wichtigsten kapitalistischen Länder, so erhält man folgendes Bild:

Das Wachstum der Industrie der UdSSR und der wichtigsten kapitalistischen Länder
in den Jahren 1913-1938

 

 

1913

1933

1934

1935

1936

1937

1938

UdSSR

100,0

380,5

457,0

562,6

732,7

816,4

908,8

USA

100,0

108,7

112,9

128,6

149,8

156,9

120,0

England

100,0

87,0

97,1

104,0

114,2

121,9

113,3

Deutschland

100,0

75,4

90,4

105,9

118,1

129,3

131,6

Frankreich

100,0

107,0

99,0

94,0

98,0

101,0

93,2

 

Aus dieser Tabelle ist ersichtlich, dass unsere Industrie im Vergleich zum Vorkriegsniveau auf mehr als das Neunfache gewachsen ist, während die Industrie der wichtigsten kapitalistischen Länder auch weiterhin um das Vorkriegsniveau herum pendelt und dieses im ganzen nur um 20 bis 30 Prozent überschreitet.

Das bedeutet, dass unsere sozialistische Industrie dem Wachstumstempo nach in der Welt an erster Stelle steht.

Es ergibt sich also, dass wir in der Produktionstechnik und im Wachstumstempo unserer Industrie die wichtigsten kapitalistischen Länder schon eingeholt und überholt haben.

Worin aber bleiben wir noch zurück? Wir bleiben immer noch in ökonomischer Hinsicht, d. h. in dem Ausmaß unserer industriellen Produktion, pro Kopf der Bevölkerung gerechnet, zurück. Wir produzierten im Jahre 1938 ungefähr 15 Millionen Tonnen Roheisen, England 7 Millionen Tonnen. Es könnte also scheinen, dass es damit bei uns besser stehe als in England. Wenn man aber diese Tonnen Roheisen auf die Bevölkerungszahl aufteilt, so ergibt sich, dass im Jahre 1938 in England, pro Kopf der Bevölkerung gerechnet, 145 Kilogramm Roheisen erzeugt wurden, in der Sowjetunion aber nur 87 Kilogramm. Oder weiter: England produzierte im Jahre 1938 10800000 Tonnen Stahl und ungefähr 29 Milliarden Kilowattstunden (Produktion von elektrischer Energie), die Sowjetunion produzierte 18 Millionen Tonnen Stahl und mehr als 39 Milliarden Kilowattstunden. Es könnte also scheinen, dass es damit bei uns besser stehe als in England. Wenn man aber alle diese Tonnen und Kilowattstunden auf die Bevölkerungszahl aufteilt, so ergibt sich, dass in England im Jahre 1938, pro Kopf der Bevölkerung gerechnet, 226 Kilogramm Stahl und 620 Kilowattstunden, in der Sowjetunion aber, pro Kopf der Bevölkerung gerechnet, nur 107 Kilogramm Stahl und 233 Kilowattstunden erzeugt wurden.

Woran liegt das? Eben daran, dass die Bevölkerung bei uns um ein Mehrfaches größer ist als in England, also auch der Bedarf größer ist als in England: Die Sowjetunion hat eine Bevölkerung von 170 Millionen, England aber nicht mehr als 46 Millionen. Die ökonomische Leistungsfähigkeit der Industrie findet ihren Ausdruck nicht in dem Umfange der industriellen Produktion überhaupt, ohne Berücksichtigung der Bevölkerungszahl des Landes, sondern in dem Umfange der industriellen Produktion, in seinem direkten Verhältnis zur Höhe des Verbrauchs pro Kopf der Bevölkerung. Je mehr industrielle Produktion pro Kopf der Bevölkerung, umso höher ist die ökonomische Leistungsfähigkeit des Landes und umgekehrt, je weniger Produktion pro Kopf der Bevölkerung, umso niedriger ist die ökonomische Leistungsfähigkeit des Landes und seiner Industrie. Also, je größer die Bevölkerung des Landes, umso größer ist der Bedarf an Gebrauchsgegenständen im Lande, umso größer muss also auch der Umfang der industriellen Produktion dieses Landes sein.

Nehmen wir als Beispiel die Produktion von Roheisen. Um in der Roheisenerzeugung England ökonomisch zu überholen, dessen Produktion im Jahre 1938 7 Millionen Tonnen betrug, müssen wir die jährliche Gewinnung von Roheisen auf 25 Millionen Tonnen bringen. Um Deutschland, das im Jahre 1938 insgesamt 18 Millionen Tonnen Roheisen erzeugte, ökonomisch zu überholen, müssen wir die jährliche Roheisengewinnung auf 40 bis 45 Millionen Tonnen bringen. Um aber die USA ökonomisch zu überholen, wobei ich nicht das Niveau des Krisenjahres 1938 im Auge habe, als in den USA insgesamt 18,8 Millionen Tonnen Roheisen gewonnen wurden, sondern das Niveau des Jahres 1929, als in den USA ein Aufschwung der Industrie zu verzeichnen war und dort ungefähr 43 Millionen Tonnen Roheisen gewonnen wurden, müssen wir die jährliche Roheisengewinnung auf 50 bis 60 Millionen Tonnen bringen.

Das gleiche ist von der Produktion von Stahl, Walzeisen, vom Maschinenbau usw. zu sagen, da alle diese Industriezweige wie auch die übrigen Zweige in letzter Instanz von der Roheisenproduktion abhängen.

Wir haben die wichtigsten kapitalistischen Länder in der Produktionstechnik und im Entwicklungstempo der Industrie überholt. Das ist sehr gut. Das genügt aber nicht. Man muss sie auch in ökonomischer Hinsicht überholen. Wir können das tun, und wir müssen das tun. Nur dann, wenn wir die wichtigsten kapitalistischen Länder ökonomisch überholt haben, können wir darauf rechnen, dass unser Land mit Bedarfsgegenständen vollauf gesättigt sein wird, dass wir einen Überfluss an Produkten haben und die Möglichkeit erhalten werden, den Übergang von der ersten Phase des Kommunismus zu seiner zweiten Phase zu vollziehen.

Was ist erforderlich, um die wichtigsten kapitalistischen Länder ökonomisch zu überholen? Dazu ist vor allem das ernste und ungestüme Verlangen erforderlich, vorwärts zu schreiten, und die Bereitschaft, Opfer zu bringen, bedeutsame Kapitalinvestitionen vorzunehmen, um unsere sozialistische Industrie in jeder Weise zu erweitern. Haben wir diese Voraussetzungen? Wir haben sie unzweifelhaft! Dazu sind weiter eine hohe Produktionstechnik und ein hohes Entwicklungstempo der Industrie erforderlich. Haben wir diese Voraussetzungen? Wir haben sie unzweifelhaft! Dazu ist schließlich Zeit erforderlich. Ja, Genossen, Zeit. Es müssen neue Fabriken gebaut werden. Es müssen neue Kader für die Industrie geschaffen werden. Das erfordert jedoch Zeit, und zwar nicht wenig Zeit. Es ist unmöglich, die wichtigsten kapitalistischen Länder in zwei bis drei Jahren ökonomisch zu überholen. Dazu ist etwas mehr Zeit erforderlich. Nehmen wir zum Beispiel wiederum das Roheisen und seine Produktion. In welchem Zeitraum kann man die wichtigsten kapitalistischen Länder in der Roheisengewinnung überholen? Einige Funktionäre der Staatlichen Plankommission, in ihrer alten Zusammensetzung, machten bei der Aufstellung des zweiten Fünfjahrplans den Vorschlag, für das Ende des zweiten Fünfjahrplans eine Roheisengewinnung in Höhe von 60 Millionen Tonnen zu planen. Das bedeutet, dass sie von der Möglichkeit eines durchschnittlichen jährlichen Zuwachses der Roheisengewinnung in Höhe von 10 Millionen Tonnen ausgingen. Das war natürlich eine Phantasterei, wenn nicht Schlimmeres. Übrigens verstiegen sich diese Genossen nicht nur auf dem Gebiete der Roheisengewinnung zur Phantasterei. Sie waren zum Beispiel der Meinung, dass im Laufe des zweiten Fünfjahrplans der jährliche Bevölkerungszuwachs in der Sowjetunion drei bis vier Millionen Menschen oder sogar noch mehr betragen werde. Das war ebenfalls eine Phantasterei, wenn nicht Schlimmeres. Läßt man aber die Phantasten beiseite und betritt realen Boden, so kann man unter Berücksichtigung des heutigen Standes der Technik der Roheisengewinnung einen durchschnittlichen Jahreszuwachs an Roheisen in Höhe von 2 bis 2½ Millionen Tonnen als durchaus möglich annehmen. Die Geschichte der Industrie der wichtigsten kapitalistischen Länder ebenso wie die Industrie unseres Landes zeigt, dass diese Norm des jährlichen Zuwachses zwar angespannt, aber durchaus erreichbar ist.

Es ist also Zeit erforderlich, und nicht wenig Zeit, um die wichtigsten kapitalistischen Länder ökonomisch zu überholen. Und je höher bei uns die Arbeitsproduktivität sein wird, je mehr sich bei uns die Produktionstechnik vervollkommnen wird, um so schneller wird man diese überaus wichtige wirtschaftliche Aufgabe erfüllen, um so mehr wird man die Frist der Erfüllung dieser Aufgabe verkürzen können.

b) Die Landwirtschaft. Die Entwicklung der Landwirtschaft verlief in der Berichtsperiode ebenso wie die Entwicklung der Industrie in aufsteigender Linie. Dieser Aufstieg kommt nicht nur im Anwachsen der landwirtschaftlichen Produktion zum Ausdruck, sondern vor allem im Anwachsen und in der Festigung der sozialistischen Landwirtschaft einerseits, im Untergang der individuellen Bauernwirtschaft andererseits. Während die Getreideanbaufläche der Kollektivwirtschaften von 75 Millionen Hektar im Jahre 1933 auf 92 Millionen Hektar im Jahre 1938 anwuchs, verringerte sich die Getreideanbaufläche der Einzelbauern in derselben Periode von 15,7 Millionen Hektar auf 600000 Hektar, d. h. auf 0,6 Prozent der gesamten Getreideanbaufläche. Ich spreche schon gar nicht von den Anbauflächen gewerblicher Nutzpflanzen, bei denen die Rolle der Einzelwirtschaften auf Null gesunken ist. Es ist außerdem bekannt, dass in den Kollektivwirtschaften jetzt 18800000 Bauernhöfe vereinigt sind, d. h. 93,5 Prozent aller Bauernhöfe, die Fischerei- und Gewerbegenossenschaften nicht inbegriffen.

Das bedeutet, dass die Kollektivwirtschaften endgültig verankert und gefestigt sind und dass das sozialistische Wirtschaftssystem jetzt die einzige Form unserer Landwirtschaft ist.

Vergleicht man die Entwicklung der Anbauflächen aller Kulturen in der Berichtsperiode mit der Größe der Anbauflächen der vorrevolutionären Periode, so erhält man folgendes Bild:

Anbaufläche aller Kulturen in der UdSSR
(in Millionen Hektar)

 

 

1913

1934

1935

1936

1937

1938

1938 in % zu 1913

Gesamte Anbaufläche

105,0

131,5

132,8

133,8

135,3

136,9

130,4

Davon:
a) Getreide

94,4

104,7

103,4

102,4

104,4

102,4

108,5

b) Gewerbliche
Nutzpflanzen

4,5

10,7

10,6

10,8

11,2

11,0

244,4

c) Gartenbau-
und Gemüsekulturen

3,8

8,8

9,9

9,8

9,0

9,4

247,4

d) Futtermittel

2,1

7,1

10,6

10,6

10,6

14,1

671,4

 

Aus dieser Tabelle ist ersichtlich, dass bei uns die Anbauflächen aller Kulturen, und vor allem der Futtermittel, gewerblichen Nutzpflanzen, Gartenbau- und Gemüsekulturen, gewachsen sind.

Das bedeutet, dass unsere Landwirtschaft immer vielseitiger und produktiver wird und dass die Einbürgerung eines richtigen Fruchtwechsels eine reale Grundlage erhält.

Wie die Ausrüstung unserer Kollektiv- und Sowjetwirtschaften mit Traktoren, Mähdreschern und anderen Maschinen in der Berichtsperiode gewachsen ist, darüber geben die folgenden Tabellen Auskunft:

1. Der Traktorenpark in der Landwirtschaft der UdSSR
(in 1000 Stück)

 

 

1933

1934

1935

1936

1937

1938

1938 in % zu 1913

Traktoren insgesamt

210,9

276,4

363,3

422,7

454,5

483,5

229,3

Davon
a) In den MTS

123,2

177,3

254,7

328,5

365,8

394,0

319,8

b) In den Sowjetwirtschaften
und andwirtschaftlichen
Hilfsbetrieben

83,2

95,5

102,1

88,5

84,5

85,0

102,2

(Leistungsfähigkeit in 1000 PS)

 

1933

1934

1935

1936

1937

1938

1938 in % zu 1913

Traktoren insgesamt

3209,2

4462,8

6184,0

7672,4

8385,0

9256,2

288,4

Davon
a) In den MTS

1758,1

2753,9

4281,6

5856,0

6679,2

7437,0

423,0

b) In den Sowjetwirtschaften
und andwirtschaftlichen
Hilfsbetrieben

1401,7

1669,5

1861,4

1730,7

1647,5

1751,8

125,0

 

2. Park von Mähdreschern und anderen Maschinen in der
Landwirtschaft der UdSSR
(in 1000 Stück; am Jahresende)

 

 

1933

1934

1935

1936

1937

1938

1938 in % zu 1913

Mähdrescher

25,4

32,3

50,3

87,8

128,8

153,5

604,3

Verbrennungsmotoren und Lokomobilen

48,0

60,9

69,1

72,4

77,9

83,8

174,6

Getreide-Dreschmaschinen mit mehrfacher und einfacher Reinigung

120,6

121,9

120,1

123,7

126,1

130,8

108,7

Lastautomobile

26,6

40,3

63,7

96,2

144,5

194,8

736,1

Personenautomobile (in Stück)

3991,0

5533,0

7555,0

7630,0

8156,0

9594,0

240,4

 

Fügt man diesen Ziffern die Tatsache hinzu, dass die Zahl der Maschinen- und Traktorenstationen in der Berichtsperiode bei uns von 2900 im Jahre 1934 auf 6350 im Jahre 1938 gestiegen ist, so kann man aufgrund aller dieser Angaben mit Sicherheit sagen, dass die Rekonstruktion unserer Landwirtschaft auf der Grundlage der neuen, der modernen Technik im wesentlichen bereits beendet ist.

Unsere Landwirtschaft ist folglich nicht nur die Landwirtschaft der größten Betriebe, die am besten mechanisierte Landwirtschaft, also auch eine im weitesten Ausmaße warenproduzierende Landwirtschaft, sondern sie ist auch mit modernen technischen Ausrüstungen besser versehen als die Landwirtschaft jedes beliebigen anderen Landes.

Nimmt man die Entwicklung der Produktion von Getreide und gewerblichen Nutzpflanzen in der Berichtsperiode im Vergleich zur vorrevolutionären Periode, so ergibt sich folgendes Bild:

Bruttoproduktion von Getreide und gewerblichen Nutzpflanzen in der UdSSR
(in Millionen Zentner)

 

 

1913

1934

1935

1936

1937

1938

1938 in % zu 1913

Getreide

801,0

894,0

901,0

827,3

1202,9

949,9

118,6

Baumwolle (Rohbaumwolle)

7,4

11,8

17,2

23,9

25,5

26,9

363,5

Flachs (Fasern)

3,3

5,3

5,5

5,8

5,7

5,46

165,5

Zuckerrüben

109,0

113,6

162,1

168,3

218,6

166,8

153,0

Ölfrüchte

32,5

36,9

42,7

42,3

51,1

46,6

216,7

 

Aus dieser Tabelle ist ersichtlich, dass ungeachtet der Dürre in den Jahren 1936 und 1938 in den östlichen und südöstlichen Gebieten und ungeachtet der beispiellos reichen Ernte im Jahre 1913 die Bruttoproduktion an Getreide und gewerblichen Nutzpflanzen bei uns in der Berichtsperiode im Vergleich zum Niveau des Jahres 1913 ununterbrochen gestiegen ist.

Besonders interessant ist die Frage des Anteils der Produktion von Marktgetreide in den Kollektiv- und Sowjetwirtschaften. Der bekannte Statistiker Genosse Nemtschinow hat errechnet, dass von den fünf Milliarden Pud Getreide, die die Bruttoproduktion in der Vorkriegszeit betrug, nur ungefähr 1300 Millionen Pud Getreide auf den Markt gelangten, so dass der Marktanteil der damaligen Getreideproduktion 26 Prozent betrug. Genosse Nemtschinow ist der Meinung, dass der Marktanteil der Produktion der Kollektiv- und Sowjetwirtschaften, als einer Großproduktion, zum Beispiel in den Jahren 1926-1927 ungefähr 47 Prozent der Bruttoproduktion und der Marktanteil der individuellen Bauernwirtschaften ungefähr 12 Prozent betrug. Geht man an die Sache etwas vorsichtiger heran und nimmt den Marktanteil der Produktion der Kollektiv- und Sowjetwirtschaften im Jahre 1938 mit 40 Prozent der Bruttoproduktion an, so ergibt sich, dass unsere sozialistische Getreidewirtschaft in diesem Jahre ungefähr 2300 Millionen Pud Marktgetreide, d. h. um eine Milliarde Pud mehr als die Vorkriegs-Getreideproduktion liefern konnte und auch wirklich geliefert hat.

Der hohe Marktanteil der Produktion der Sowjet- und Kollektivwirtschaften ist folglich ihre wichtigste Besonderheit, die für die Versorgung des Landes von größter Bedeutung ist.

Eben in dieser Besonderheit der Kollektiv- und Sowjetwirtschaften liegt das Geheimnis, dass es unserem Lande gelungen ist, das Getreideproblem, das Problem der ausreichenden Versorgung eines riesigen Landes mit Marktgetreide, so leicht und rasch zu lösen.

Es muss hervorgehoben werden, dass die Jahresaufbringung von Getreide in den letzten drei Jahren bei uns nicht unter 1600 Millionen Pud Getreide gesunken ist und sich manchmal, zum Beispiel im Jahre 1937, bis auf 1800 Millionen Pud erhöht hat. Rechnet man die jährlichen Getreideaufkäufe von ungefähr 200 Millionen und die mehreren hundert Millionen Pud hinzu, die auf dem Wege des kollektivwirtschaftlichen Getreidehandels gekauft werden, so erhalten wir insgesamt die Summe des gelieferten Marktgetreides der Kollektiv- und Sowjetwirtschaften, von der oben die Rede war.

Es ist ferner von Interesse, dass sich die Basis des Marktgetreides in den letzten drei Jahren aus der Ukraine, die früher als die Kornkammer unseres Landes galt, nach dem Norden und Osten, d. h. in die RSFSR, verschoben hat. Bekanntlich bringt die Ukraine in den letzten zwei, drei Jahren jährlich nur etwa 400 Millionen Pud Getreide auf, während die RSFSR in diesen Jahren jährlich 1,1 bis 1,2 Milliarden Pud Marktgetreide aufbringt.

So ist es um die Getreideproduktion bestellt.

Was die Viehzucht betrifft, so sind auch in diesem rückständigsten Zweige der Landwirtschaft in den letzten Jahren bedeutsame Fortschritte zu verzeichnen. Allerdings bleiben wir in Bezug auf den Pferdebestand und die Schafzucht noch unter dem vorrevolutionären Niveau, aber in der Rindvieh- und Schweinezucht haben wir das vorrevolutionäre Niveau schon überschritten.

Hier die diesbezüglichen Angaben:

Viehbestand der UdSSR
(In Millionen Stück)

 

 

1916 lt.
Viehzählg.

1933

1934

1935

1936

1937

1938

1938 in %
zu 1916

1938 in % zu 1933

Pferde

35,8

16,6

15,7

15,9

16,6

16,7

17,5

48,9

105,4

Rinder

60,6

38,4

42,4

49,2

56,7

57,0

63,2

104,3

164,6

Schafe und
Ziegen

121,2

50,2

51,9

61,2

73,7

81,3

102,5

84,6

204,2

Schweine

20,9

12,1

17,4

22,5

30,5

22,8

30,6

146,4

252,9

 

Es kann keinem Zweifel unterliegen, dass unsere Rückständigkeit auf dem Gebiete der Pferdezucht und Schafzucht in kürzester Frist beseitigt werden wird.

c) Warenumsatz, Verkehrswesen. Zugleich mit dem Aufschwung der Industrie und Landwirtschaft ist auch der Warenumsatz im Lande gestiegen. Das Netz der Einzelverkaufsstellen des staatlichen und genossenschaftlichen Handels ist in der Berichtsperiode um 25 Prozent gewachsen. Der Umsatz des staatlichen und genossenschaftlichen Einzelhandels ist um 178 Prozent gewachsen. Der Handelsumsatz auf den kollektivwirtschaftlichen Märkten ist um 112 Prozent gestiegen.

Hier die entsprechende Tabelle:

Warenumsatz
(in Millionen Zentner)

 

 

1933

1934

1935

1936

1937

1938

1938 in %
zu 1913

1.Eizehladelsnetz des
staatl. u. genossenschaftl.
Handesl (Läden u- Ver-
kaufsstellen am Jahres-
ende

285355,0

286236,0

268713,0

289473,0

327361,0

356930,0

125,1

2.Einzelzums. d. staatl.
u. genossenschaftl. Han-
dels (einschl. öffentlicher
Speisehallen) in Millio-
nen Rubel)

49789,2

61814,7

82712,1

106760,9

125943,2

138574,3

278,3

3.Handelsumsatz d. kol-
lektivwirtschaftl. Märkte
in Millionen Rubel

11500,0

14000,0

14500,0

15607,2

17799,7

24399,2

212,2

4.Gebietshandelsstellen
d. Vokskommissariate. f.
Nahrungsmittelind., für
Leichtind., f. Schwerind.,
f. Holzind. u. f. örtliche
Ind. Der Unionsrepubli-
ken am Jahresende

718

836

1141

1798

1912

1994

277,7

 

Es ist klar, dass sich der Warenumsatz im Lande ohne ein bestimmtes Wachstum des Güterverkehrs nicht in diesem Maße hätte entwickeln können. Und in der Tat, bei allen Arten des Verkehrswesens, besonders im Eisenbahn- und Flugwesen, ist in der Berichtsperiode ein Ansteigen des Güterverkehrs zu verzeichnen. Der Güterverkehr ist auch in der Schifffahrt gestiegen, jedoch mit großen Schwankungen; im Jahre 1938 wies der Güterverkehr der Schifffahrt im Vergleich zum vorhergehenden Jahre leider einen gewissen Rückgang auf.

Hier die entsprechende Tabelle:

Güterverkehr

 

 

1933

1934

1935

1936

1937

1938

1938 in % zu 1913

Einsenbahnen (in Mrd. Tonnenkilometer)

169,5

205,7

258,1

323,4

354,8

369,1

217,7

Binnen- u.
Seeschifffahrt (in Mrd. Tonnenkilometer)

50,2

56,5

68,3

72,3

70,1

66,0

131,5

Zivilluftflotte (in Millionen Tonnenkilometer)

3,1

6,4

9,8

21,9

24,9

31,7

1022,6

 

Es kann keinem Zweifel unterliegen, dass das teilweise Zurückbleiben der Schifffahrt 1938 im Jahre 1939 behoben werden wird.

 

2. Der weitere Aufschwung der materiellen und
kulturellen Lage des Volkes

 

Der fortdauernde Aufschwung der Industrie und Landwirtschaft musste zu einer neuerlichen Hebung der materiellen und kulturellen Lage des Volkes führen und hat in der Tat auch dazu geführt.

Die Beseitigung der Ausbeutung und die Festigung des sozialistischen Systems in der Volkswirtschaft, das Fehlen der Arbeitslosigkeit und des mit ihr verbundenen Elends in Stadt und Land, die gewaltige Erweiterung der Industrie und das ununterbrochene Anwachsen der Zahl der Arbeiter, die steigende Arbeitsproduktivität der Arbeiter und Kollektivbauern, die Tatsache, dass den Kollektivwirtschaften der Boden für ewig zuerkannt ist und die Ausrüstung der Kollektivwirtschaften mit einer gewaltigen Anzahl erstklassiger Traktoren und landwirtschaftlicher Maschinen - all dies hat die realen Voraussetzungen für die weitere Hebung der materiellen Lage der Arbeiter und Bauern geschaffen. Die Verbesserung der materiellen Lage der Arbeiter und Bauern führte naturgemäß zur Verbesserung der materiellen Lage der Intelligenz, die einen bedeutenden Faktor in unserem Lande darstellt und den Interessen der Arbeiter und Bauern dient.

Jetzt handelt es sich schon nicht mehr darum, arbeitslose und obdachlose Bauern, die aus dem Dorfe geflohen sind und in Angst vor Hunger leben, irgendwie in der Industrie unterzubringen und ihnen aus Mitleid Arbeit zu geben. Solche Bauern gibt es in unserem Lande schon lange nicht mehr. Und das ist natürlich gut, denn das zeugt vom Wohlstand unseres Dorfes. Jetzt kann es sich nur darum handeln, den Kollektivwirtschaften nahe zu legen, unserer Bitte nachzukommen und uns für die wachsende Industrie alljährlich wenigstens ungefähr anderthalb Millionen junger Kollektivbauern zur Verfügung zu stellen. Die Kollektivwirtschaften, die bereits wohlhabend geworden sind, müssen im Auge behalten, dass es ohne diese Hilfe ihrerseits sehr schwer sein wird, unsere Industrie zu erweitern, ohne eine Erweiterung der Industrie aber werden wir nicht imstande sein, die wachsende Nachfrage der Bauern nach Massenbedarfsartikeln zu befriedigen. Die Kollektivwirtschaften haben vollauf die Möglichkeit, diese unsere Bitte zu erfüllen, da die reichen technischen Hilfsmittel der Kollektivwirtschaften einen Teil der im Dorfe Arbeitenden freisetzen, und diese könnten, in die Industrie übergeführt, unserer ganzen Volkswirtschaft gewaltigen Nutzen bringen.

Als Ergebnis haben wir die folgenden Kennziffern für die Verbesserung der materiellen Lage der Arbeiter und Bauern in der Berichtsperiode:

1. Das Volkseinkommen ist von 48,5 Milliarden Rubel im Jahre 1933 auf 105,0 Milliarden Rubel im Jahre 1938 gestiegen;

2. die Zahl der Arbeiter und Angestellten ist von über 22 Millionen im Jahre 1933 auf 28 Millionen im Jahre 1938 gestiegen;

3. die jährliche Lohnsumme der Arbeiter und Angestellten ist von 34953 Millionen Rubel auf 96425 Millionen Rubel gestiegen;

4. der mittlere Jahreslohn der Industriearbeiter, der im Jahre 1933 1513 Rubel betrug, hat sich auf 3447 Rubel im Jahre 1938 erhöht;

5. die Geldeinnahmen der Kollektivwirtschaften sind von 5661,9 Millionen Rubel im Jahre 1933 auf 14180,1 Millionen Rubel im Jahre 1937 gestiegen;

6. die durchschnittlich pro Kollektivbauernhof in den Getreidegebieten ausgefolgte Getreidemenge ist von 61 Pud im Jahre 1933 auf 144 Pud im Jahre 1937 gestiegen, nicht mit inbegriffen das Saatgut, die Saatenversicherungsfonds, den Futtermittelfonds für das vergesellschaftete Vieh, die Getreideablieferungen, die Naturalleistungen für die Arbeit der Maschinen- und Traktorenstationen;

7. die im Staatshaushalt vorgesehenen Aufwendungen für soziale und kulturelle Zwecke sind von 5.839,9 Millionen Rubel im Jahre 1933 auf 35.202,5 Millionen Rubel im Jahre 1938 gestiegen.

Was die kulturelle Lage des Volkes betrifft, so folgte ihre aufsteigende Entwicklung dem Aufschwung der materiellen Lage des Volkes auf dem Fuße.

Vom Standpunkt der kulturellen Entwicklung des Volkes war die Berichtsperiode wahrhaftig eine Periode der Kulturrevolution. Die Durchführung der allgemeinen Schulpflicht und des Unterrichts in den Sprachen der Nationalitäten der Sowjetunion, die steigende Zahl der Schulen und der Lernenden aller Stufen, das Anwachsen der Zahl der Spezialisten, die eine Hochschule absolviert haben, die Schaffung und Festigung einer neuen, einer Sowjetintelligenz - das ist das allgemeine Bild des kulturellen Aufschwungs des Volkes.

Hier die Angaben darüber:
1. Die Hebung des Kulturniveaus des Volkes

 

Zweige

Maßeinheit

1933/34

1938/39

1938/39 in %
zu 1933/34

Zahl der Lernenden i. d. Schulen aller Stufen

in Taus.

23814

33965,4

142,6

Davon:
In den Elementarschulen

in Taus.

17873,5

21288,4

119,1

In den Mittelschulen (für allgemeine und Fachbildung

in Taus.

5482,2

12076,0

220,3

In den Hochschulen

in Taus.

458,3

601,0

131,1

Zahl der Lernenden in der UdSSR (in den Schulen aller Arten)

in Taus.

---

47442,1

---

Zahl der Massenbibliotheken

in Taus.

40,3

70,0

173,7

Bücherbestände in ihnen

in Mill.

86,0

126,6

147,2

Zahl der Klubs

in Taus.

61,1

95,6

156,5

Zahl der Theater

in Einh.

587

790

134,6

Zahl der Kinoeinrichtungen (ohne Schmalfilmkinos)

in Einh.

27467

30461

110,9

Davon Tonfilmeinrichtungen

in Einh.

498

15202

d. 31fache

Zahl der Kinoeinrichtungen (ohne Schmalfilmkinos auf dem Lande

in Einh.

17470

18991

108,7

Davon Tonfilmeinrichtungen

in Einh.

24

6670

278fache

Jahresauflage der Zeitungen

in Mill.

4984,6

7092,4

142,3

2. Der Bau neuer Schulen 1933-1938 in der UdSSR
(Zahl der Schulen)

Jahre

In Städten und
Siedlungen städtischen Typs

In ländlichen
Ortschaften

Insgesamt

1933

326

3261

3587

1934

577

3488

4065

1935

533

2829

3362

1936

1505

4206

5711

1937

730

1323

2053

1938

853

1246

1829

Insgesamt 1933-1938

4254

16353

20607

3. Junge Spezialisten, die 1933-1938 die Hochschulen absolviert haben
(In Tausenden)

 

1933

1934

1935

1936

1937

1938

Insgesamt in der UdSSR (Militärspezialisten
nicht mitgerechnet)

34,6

49,2

83,7

97,6

104,8

106,7

1. Ingenieure d. Ind. u. d. Bauwesens

6,1

14,9

29,6

29,2

27,6

25,2

2. Ing. d. Verkehrs- u. Fernmeldewesen

1,8

4,0

7,6

6,6

7,0

6,1

3. Ing. f. Mechanisierg. D. Landwirtschaft,
Agronomen, Tierärzte u. Zootechniker

4,8

6,3

8,8

10,4

11,3

10,6

4. Ökonomisten und Juristen

2,5

2,5

5,0

6,4

5,0

5,7

5. Lehrer an Mittelschulen, Arbeiterfakultäten,
Techniken u. a. Bildungsarbeiter, Künstler mit
eingerechnet

10,5

7,9

12,5

21,6

31,7

35,7

6. Ärzte, Pharmazeuten u. Sportlehrer

4,6

2,5

7,5

9,2

12,3

13,6

7. Andere Spezialfächer

4,3

11,1

12,7

14,2

9,9

9,8

 

Dank dieser ganzen riesigen Kulturarbeit hat sich bei uns eine zahlreiche neue Intelligenz gebildet und entwickelt, die Sowjetintelligenz, die aus den Reihen der Arbeiterklasse, der Bauernschaft, der Sowjetangestellten hervorgegangen ist, die Fleisch vom Fleische und Blut vom Blute unseres Volkes ist, eine Intelligenz, die das Joch der Ausbeutung nicht kennt, die die Ausbeuter hasst und bereit ist, den Völkern der Sowjetunion treu und ehrlich zu dienen.

Ich denke, dass die Entstehung dieser neuen, sozialistischen Volksintelligenz eines der wichtigsten Ergebnisse der Kulturrevolution in unserem Lande ist.

 

3. Die weitere Festigung des Sowjetsystems

 

Eines der wichtigsten Ergebnisse der Berichtsperiode besteht darin, dass sie zur weiteren Festigung der inneren Lage des Landes, zur weiteren Festigung des Sowjetsystems geführt hat.

Anders konnte es auch nicht sein. Die Verankerung des sozialistischen Systems in allen Zweigen der Volkswirtschaft, der Aufschwung der Industrie und Landwirtschaft, die Hebung der materiellen Lage der Werktätigen, die Hebung des Kulturniveaus der Volksmassen, die Steigerung ihrer politischen Aktivität - alles das, unter der Führung der Sowjetmacht verwirklicht, musste eine weitere Festigung des Sowjetsystems zur Folge haben.

Die Besonderheit der Sowjetgesellschaft der Gegenwart besteht zum Unterschied zu jeder kapitalistischen Gesellschaft darin, dass es in ihr keine antagonistischen, feindlichen Klassen mehr gibt; die Ausbeuterklassen sind liquidiert, und die Arbeiter, die Bauern und die Intelligenz, die die Sowjetgesellschaft bilden, leben und wirken auf der Grundlage freundschaftlicher Zusammenarbeit. Während die kapitalistische Gesellschaft von unversöhnlichen Gegensätzen- zwischen Arbeitern und Kapitalisten, Bauern und Gutsbesitzern zerrissen wird, was ihre innere Lage so unsicher macht, kennt die vom Joche der Ausbeutung befreite Sowjetgesellschaft solche Gegensätze nicht, ihr sind Klassenzusammenstöße fremd, sie bietet das Bild freundschaftlicher Zusammenarbeit der Arbeiter, der Bauern und der Intelligenz. Auf der Grundlage dieser Gemeinschaft entwickelten sich solche Triebkräfte wie die moralische und politische Einheit der Sowjetgesellschaft, die Freundschaft der Völker der Sowjetunion, der Sowjetpatriotismus. Auf dieser Grundlage entstanden auch die Verfassung der Sowjetunion, die im November 1936 angenommen worden ist, sowie die volle Demokratisierung der Wahlen zu den obersten Organen des Landes.

Was die Wahlen zu den obersten Organen des Landes selbst anbelangt, so waren sie eine glänzende Kundgebung jener Einheit der Sowjetgesellschaft und jener Freundschaft der Völker der Sowjetunion, die eine charakteristische Besonderheit der inneren Lage unseres Landes darstellen. Bekanntlich stimmten bei den Wahlen zum Obersten Sowjet der UdSSR im Dezember 1937 für den Block der Kommunisten und Parteilosen fast 90 Millionen Wähler, d. h. 98,6 Prozent aller Wahlteilnehmer, und bei den Wahlen zu den Obersten Sowjets der Unionsrepubliken im Juni 1938 stimmten für den Block der Kommunisten und Parteilosen 92 Millionen Wähler, d. h. 99,4 Prozent aller Wahlteilnehmer.

Darin bestehen die Grundlage der Festigkeit des Sowjetsystems und die Quelle der unversiegbaren Kraft der Sowjetmacht.

Das bedeutet unter anderem, dass im Falle eines Krieges das Hinterland und die Front unserer Armee, dank ihrer Homogenität und inneren Einheit, fester sein werden als in irgendeinem anderen Lande, woran die ausländischen Liebhaber kriegerischer Zusammenstöße denken sollten.

Einige Vertreter der ausländischen Presse schwatzen davon, die Säuberung der Sowjetorganisationen von Spionen, Mördern und Schädlingen vom Schlage eines Trotzki, Sinowjew, Kamenew, Jakir, Tuchatschewski, Rosenholz, Bucharin und anderen Ungeheuern hätte das Sowjetsystem „erschüttert“, hätte „Zersetzung“ in dieses hineingetragen. Dieses alberne Geschwätz ist nur wert, dass man sich darüber lustig macht. Wie kann die Säuberung der Sowjetorganisationen von schädlichen und feindlichen Elementen das Sowjetsystem erschüttern und zersetzen? Das trotzkistisch-bucharinsche Häuflein von Spionen, Mördern und Schädlingen, das vor dem Ausland auf dem Bauche kroch, von dem sklavischen Gefühl devoter Ergebenheit gegenüber jeder ausländischen Beamtenkreatur durchdrungen und bereit war, für sie Spionagedienste zu leisten, dieses Häuflein von Leuten, das nicht begriff, dass der letzte Sowjetbürger, frei von den Ketten des Kapitals, turmhoch über jeder ausländischen hochgestellten Beamtenkreatur steht, die das Joch der kapitalistischen Sklaverei auf ihren Schultern trägt, - wer braucht diese jämmerliche Bande käuflicher Sklaven, welchen Wert kann sie für das Volk darstellen und wen vermag sie zu „zersetzen“? Im Jahre 1937 wurden Tuchatschewski, Jakir, Uborewitsch und andere Ungeheuer zur Erschießung verurteilt. Danach fanden die Wahlen zum Obersten Sowjet der UdSSR statt. Die Wahlen brachten der Sowjetmacht 98,6 Prozent der Stimmen aller Wahlteilnehmer. Anfang 1938 wurden Rosenholz, Rykow, Bucharin und andere Ungeheuer zur Erschießung verurteilt. Danach fanden die Wahlen zu den Obersten Sowjets der Unionsrepubliken statt. Die Wahlen brachten der Sowjetmacht 99,4 Prozent aller Stimmen der Wahlteilnehmer. Es fragt sich, wo sind denn hier die Anzeichen einer „Zersetzung“, und warum kam diese „Zersetzung“ nicht in den Wahlergebnissen zum Ausdruck?

Hört man diese ausländischen Schwätzer, dann könnte man zu dem Schluss gelangen, dass die Sowjetorganisationen bei weitem fester und stabiler wären, wenn man die Spione, Mörder und Schädlinge auf freiem Fuß gelassen und nicht daran gehindert hätte, zu schädigen, zu morden und zu spionieren. (Heiterkeit). Verraten sich diese Herrschaften, die die Spione, Mörder, Schädlinge so unverfroren verteidigen, nicht allzu früh?

Wäre es nicht richtiger zu sagen, dass die Säuberung der Sowjetorganisationen von Spionen, Mördern, Schädlingen zu einer weiteren Festigung dieser Organisationen führen musste und tatsächlich geführt hat?

Was besagen zum Beispiel die Ereignisse am Chassan-See anderes, als dass die Säuberung der Sowjetorganisationen von Spionen und Schädlingen das sicherste Mittel zur Festigung dieser Organisationen ist?

* * *

Die Aufgaben der Partei auf dem Gebiet der Innenpolitik sind:

1. Den Aufschwung unserer Industrie, das Wachstum der Arbeitsproduktivität, die Vervollkommnung der Produktionstechnik weiter zu fördern, um die wichtigsten kapitalistischen Länder, nachdem wir sie auf dem Gebiete der Produktionstechnik und des Wachstumstempos der Industrie überholt haben, in den nächsten 10 bis 15 Jahren auch ökonomisch zu überholen.

2. Den Aufschwung unserer Landwirtschaft und Viehzucht weiter zu fördern, um im Verlaufe der nächsten 3-4 Jahre eine Jahresproduktion von 8 Milliarden Pud Getreide bei einem Durchschnittsertrag von 12-13 Zentner pro Hektar zu erreichen, die Produktion gewerblicher Nutzpflanzen durchschnittlich um 30 bis 35 Prozent zu heben, die Stückzahl der Schafe und Schweine zu verdoppeln, die Stückzahl der Rinder um 40 Prozent, den Pferdebestand um 35 Prozent zu erhöhen.

3. Die materielle und kulturelle Lage der Arbeiter, der Bauern und der Intelligenz auch weiterhin zu verbessern.

4. Unsere sozialistische Verfassung unentwegt durchzuführen, die Demokratisierung des politischen Lebens des Landes restlos zu verwirklichen, die moralische und politische Einheit der Sowjetgesellschaft und die freundschaftliche Zusammenarbeit der Arbeiter, der Bauern und der Intelligenz zu festigen, die Freundschaft der Völker der Sowjetunion in jeder Weise zu festigen, den Sowjetpatriotismus zu entwickeln und zu pflegen.

5. Die kapitalistische Umwelt nicht zu vergessen, daran zu denken, dass die ausländischen Spionagedienste Spione, Mörder, Schädlinge in unser Land schicken werden, daran zu denken und unseren sozialistischen Abwehrdienst zu festigen, indem man ihm systematisch hilft, die Volksfeinde niederzuschlagen und auszurotten.

 

III
DIE WEITERE FESTIGUNG DER KPDSU(B)

 

Vorn Standpunkte der politischen Linie und der praktischen Alltagsarbeit war die Berichtsperiode eine Periode des vollen Sieges der Generallinie unserer Partei. (Stürmischer, anhaltender Beifall).

Die Verankerung des sozialistischen Systems in der gesamten Volkswirtschaft, die Vollendung der Rekonstruktion der Industrie und Landwirtschaft auf der Grundlage der neuen Technik, die vorfristige Erfüllung des zweiten Fünfjahrplans in der Industrie, die Hebung der jährlichen Getreideproduktion auf ein Niveau von 7 Milliarden Pud, die Beseitigung des Elends und der Arbeitslosigkeit und die Hebung der materiellen und kulturellen Lage des Volkes - das sind die Haupterrungenschaften, die die Richtigkeit der Politik unserer Partei, die Richtigkeit ihrer Führung demonstrieren.

Angesichts dieser grandiosen Errungenschaften waren die Gegner der Generallinie unserer Partei - die verschiedensten „linken“ und rechten Strömungen, allerlei Entartete vom Schlage der Trotzkisten und Pjatakowleute, der Bucharin- und Rykowleute - gezwungen, sich zu ducken, ihre abgegriffenen „Plattformen“ zu verstecken und in die Illegalität zu gehen. Da sie nicht den Mut hatten, sich dem Willen des Volkes zu unterwerfen, zogen sie es vor, sich mit den Menschewiki, Sozialrevolutionären und Faschisten zusammenzutun, bei ausländischen Spionageorganen in Dienst zu treten, sich als Spione zu verdingen und sich zu verpflichten, den Feinden der Sowjetunion zu helfen, unser Land zu zerstückeln und die kapitalistische Sklaverei in unserem Lande wiederherzustellen.

Das ist das ruhmlose Ende derer, die Gegner der Linie unserer Partei waren und dann zu Volksfeinden wurden.

Nachdem die Partei die Volksfeinde vernichtet und die Partei- und Sowjetorganisationen von entarteten Elementen gesäubert hatte, wurde sie noch einheitlicher in ihrer politischen und organisatorischen Arbeit, schloss sie sich noch fester um ihr Zentralkomitee zusammen. (Stürmischer Beifall. Alle Delegierten erheben sich von ihren Plätzen und bereiten stehend dem Berichterstatter eine Ovation. Rufe: „Dem Genossen Stalin, Hurra!“, „Es lebe Genosse Stalin!“, „Es lebe das Zentralkomitee unserer Partei! Hurra!“).

Betrachten wir die konkreten Angaben über die Entwicklung des inneren Lebens der Partei, ihre organisatorische und propagandistische Arbeit in der Berichtsperiode.

 

1. Maßnahmen zur Verbesserung der Zusammensetzung der Partei.
Die Aufteilung übergroßer Organisationen.
Das nähere Heranbringen der leitenden Organe an die Arbeit
der unteren Organisationen

 

Die Festigung der Partei und ihrer leitenden Organe wurde in der Berichtsperiode vor allem auf zwei Linien durchgeführt: auf der Linie der Regulierung der Zusammensetzung der Partei, der Hinausdrängung der Unzuverlässigen, der Auslese der Besten, und auf der Linie der Aufteilung übergroßer Organisationen, ihrer Verkleinerung und des näheren Heranbringens der leitenden Organe an die operative, konkrete Arbeit der unteren Organisationen.

Auf dem XVII. Parteitage waren 1874488 Parteimitglieder vertreten. Vergleicht man diese Zahl mit der Zahl der auf dem vorhergehenden, dem XVI. Parteitage vertretenen Mitglieder, so ergibt sich, dass der Partei in der Periode vom XVI. bis zum zum XVII. Parteitage 600000 neue Mitglieder beigetreten waren. Die Partei fühlte nur allzu gut, dass ein solcher Massenzustrom zur Partei unter den Verhältnissen, wie sie in den Jahren 1930 bis 1933 herrschten, eine ungesunde und unerwünschte Erweiterung ihres Mitgliederbestandes bedeutete. Die Partei wusste, dass nicht nur ehrliche und ergebene Menschen ihren Reihen beitreten, sondern auch zufällige Elemente, auch Karrieristen, die bestrebt sind, das Banner der Partei für ihre persönlichen Zwecke zu missbrauchen. Die Partei wusste sehr wohl, dass ihre Stärke nicht nur in der Zahl, sondern vor allem in der Qualität ihrer Mitglieder besteht. Im Zusammenhang damit erstand die Frage der Regulierung der Zusammensetzung der Partei. Es wurde beschlossen, die Parteireinigung, die sich auf die Mitglieder und Kandidaten der Partei erstreckte und bereits 1933 begonnen hatte, fortzusetzen, und sie wurde tatsächlich bis zum Mai 1935 fortgesetzt. Es wurde weiter beschlossen, die Aufnahme neuer Mitglieder in die Partei einzustellen, und sie wurde tatsächlich bis zum September 1936 eingestellt; die Aufnahme neuer Mitglieder in die Partei wurde erst am 1. November 1936 wieder freigegeben. Weiter wurde nach der ruchlosen Ermordung des Genossen Kirow, die davon zeugte, dass es in der Partei nicht wenige verdächtige Elemente gab, beschlossen, eine Überprüfung und einen Umtausch der Parteidokumente vorzunehmen; beides wurde erst im September 1936 abgeschlossen. Erst danach wurde die Aufnahme neuer Mitglieder und Kandidaten in die Partei freigegeben. Durch alle diese Maßnahmen erreichte es die Partei, dass sie ihre Reihen von zufälligen, passiven, karrieristischen und direkt feindlichen Elementen säuberte und gleichzeitig eine Auslese der standhaftesten und ergebensten Menschen vollzog. Es läßt sich nicht behaupten, dass die Reinigung ohne ernstliche Fehler durchgeführt wurde. Leider wurden mehr Fehler begangen, als anzunehmen war. Es unterliegt keinem Zweifel, dass wir die Methode der Reinigung im Massenmaßstab nicht mehr anzuwenden brauchen. Doch war die Reinigung in den Jahren 1933-1936 unerlässlich und zeitigte im Wesentlichen positive Ergebnisse. Auf dem gegenwärtigen, dem XVIII. Parteitage, sind ungefähr 1600000 Parteimitglieder vertreten, d. h. um 270000 Parteimitglieder weniger als auf dem XVII. Parteitage. Daran ist jedoch nichts Schlimmes. Das ist im Gegenteil gut, denn die Partei festigt sich dadurch, dass sie sich von Unrat säubert. Gegenwärtig ist unsere Partei etwas kleiner nach ihrer Mitgliederzahl, dafür aber besser ihrer Qualität nach.

Das ist eine große Errungenschaft.

Was die Verbesserung der tagtäglichen Leitung der Partei im Sinne ihres näheren Heranbringens an die Arbeit der unteren Organisationen, im Sinne ihrer weiteren Konkretisierung betrifft, so gelangte die Partei zu der Schlussfolgerung, dass die Aufteilung übergroßer Organisationen, ihre Verkleinerung, das beste Mittel ist, um den Parteiorganen die Leitung dieser Organisationen zu erleichtern und die Leitung selber konkret, lebendig, operativ zu gestalten. Diese Aufteilung wurde sowohl auf der Linie der Volkskommissariate als auch auf der Linie der administrativ-territorialen Organisationen, d. h. auf der Linie der Unionsrepubliken, Regionen, Gebiete, Rayons usw. durchgeführt. Dank der getroffenen Maßnahmen haben wir gegenwärtig anstatt 7 Unionsrepubliken 11 Unionsrepubliken, anstatt 14 Volkskommissariate der UdSSR 34 Volkskommissariate, anstatt 70 Regionen und Gebiete 110 Regionen und Gebiete, anstatt 2559 städtischer und ländlicher Rayons 3815. Dementsprechend gibt es heute im System der leitenden Parteiorgane 11 Zentralkomitees mit dem ZK der KPdSU(B) an der Spitze, 6 Regionalkomitees, 104 Gebietskomitees, 30 Kreiskomitees, 212 Stadtkomitees, 336 städtische Rayonkomitees, 3479 ländliche Rayonkomitees und 113060 primäre Parteiorganisationen.

Man kann nicht behaupten, dass die Aufteilung übergroßer Organisationen bereits abgeschlossen sei. Höchstwahrscheinlich wird die Aufteilung noch weitergehen. Aber wie dem auch sein mag, sie zeitigt bereits günstige Ergebnisse sowohl im Sinne der Verbesserung der tagtäglichen Leitung der Arbeit als auch im Sinne des näheren Heranbringens der Führung selbst an die konkrete Arbeit der unteren Organisationen. Ich spreche schon gar nicht davon, dass die Aufteilung übergroßer Organisationen die Möglichkeit geboten hat, Hunderte und Tausende neuer Menschen zu leitender Arbeit heranzuziehen.

Das ist ebenfalls eine große Errungenschaft.

 

2. Die Auslese der Kader, ihre Beförderung, ihre Verteilung

 

Die Regulierung der Zusammensetzung der Partei und das nähere Heranbringen der leitenden Organe an die konkrete Arbeit der unteren Organisationen waren nicht das einzige Mittel zur weiteren Festigung der Partei und ihrer Führung und konnten es auch nicht sein. Ein anderes Mittel zur Festigung der Partei war in der Berichtsperiode die radikale Verbesserung der Arbeit zur Schulung der Kader, die verbesserte Auslese der Kader, ihre Beförderung, Verteilung und Prüfung im Prozesse der Arbeit.

Die Parteikader sind der Kommandobestand der Partei, und da unsere Partei sich an der Macht befindet, stellen sie zugleich auch den Kommandobestand der leitenden Staatsorgane dar. Nachdem eine richtige politische Linie ausgearbeitet und in der Praxis erprobt ist, sind die Parteikader die entscheidende Kraft der Partei und Staatsführung. Eine richtige politische Linie haben - das ist natürlich das erste und wichtigste. Das ist aber dennoch ungenügend. Eine richtige politische Linie ist notwendig, nicht um sie zu deklarieren, sondern um sie in die Tat umzusetzen. Um aber die richtige politische Linie in die Tat umzusetzen, braucht man Kader, braucht man Menschen, die die politische Linie der Partei verstehen, die diese Linie als ihre eigene Linie betrachten, die bereit sind, sie in die Tat umzusetzen, die es verstehen, sie in der Praxis zu verwirklichen und fähig sind, diese Linie zu verantworten, zu verfechten, für sie zu kämpfen. Sonst läuft man Gefahr, dass die richtige politische Linie auf dem Papier bleibt. Hier ersteht eben die Frage der richtigen Kaderauslese, die Frage der Heranbildung von Kadern, des Aufrückens neuer Menschen, der richtigen Verteilung der Kader, ihrer Prüfung aufgrund der geleisteten Arbeit.

Was heißt richtige Kaderauslese?

Richtige Kaderauslese ist es noch nicht, wenn man sich Stellvertreter und Gehilfen zusammensucht, eine Kanzlei einrichtet und von dort aus verschiedene Weisungen erteilt. (Heiterkeit). Richtige Auswahl ist es ebenso wenig, wenn man seine Befugnisse missbraucht, wenn man sinnlose Dutzende und Hunderte von Menschen von einer Stelle auf die andere und wieder zurück versetzt, wenn man endlose „Reorganisationen“ vornimmt. (Heiterkeit).

Richtige Kaderauslese heißt:

Erstens, die Kader schätzen als den goldenen Fonds der Partei und des Staates, sorgsam mit ihnen umgehen, sie achten.

Zweitens, die Kader kennen, die Vorzüge und Mängel jedes Kaderarbeiters sorgfältig studieren und wissen, auf welchem Posten sich die Fähigkeiten des Mitarbeiters am leichtesten entfalten können.

Drittens, fürsorglich Kader heranbilden, jedem sich entwickelnden Mitarbeiter helfen, sich emporzuarbeiten, keinen Zeitaufwand scheuen, um sich mit solchen Mitarbeitern geduldig „abzugeben“ und ihre Entwicklung zu beschleunigen.

Viertens, rechtzeitig und kühn neue, junge Kader befördern, ohne sie an der alten Stelle einrosten, ohne sie versauern zu lassen.

Fünftens, die Mitarbeiter so auf die Arbeitsplätze verteilen, dass sich jeder am richtigen Platze fühlt, dass jeder Mitarbeiter für unsere gemeinsame Sache das Höchstmaß dessen leisten kann, wozu er seinen persönlichen Anlagen nach überhaupt fähig ist, dass die allgemeine Richtung der Arbeit zur Verteilung der Kader vollauf den Anforderungen der politischen Linie entspricht, zu deren Durchführung diese Verteilung vorgenommen wird.

Von besonderer Bedeutung ist hier die Frage der kühnen und rechtzeitigen Beförderung der neuen, der jungen Kader. Ich glaube, dass bei unseren Leuten über diese Frage noch keine volle Klarheit herrscht. Die einen meinen, dass man sich bei der Auslese von Menschen hauptsächlich auf die alten Kader orientieren müsse. Die anderen hingegen glauben, dass man sich hauptsächlich auf die jungen Kader orientieren solle. Mir scheint, dass sowohl die einen wie die anderen im Irrtum sind. Die alten Kader sind natürlich ein großer Schatz für die Partei und den Staat. Sie besitzen das, was die jungen Kader nicht besitzen: gewaltige Erfahrung in der Leitung, marxistisch-leninistische Prinzipienfestigkeit, Sachkenntnis, Orientierungsvermögen. Aber erstens sind die alten Kader stets gering an Zahl, es gibt ihrer weniger als nötig, und sie beginnen bereits teilweise, kraft elementarer Naturgesetze, aus der Arbeit auszuscheiden. Zweitens hat ein Teil der alten Kader zuweilen die Neigung, beharrlich in die Vergangenheit zu blicken, im Vergangenen, im Alten stecken zu bleiben und das Neue im Leben nicht zu bemerken. Das nennt man das Gefühl für das Neue einbüßen. Das ist ein sehr ernster und gefährlicher Mangel. Was die jungen Kader betrifft, so haben sie natürlich nicht die Erfahrung, die Stählung, die Sachkenntnis und das Orientierungsvermögen wie die alten Kader. Aber erstens bilden die jungen Kader die gewaltige Mehrheit, zweitens sind sie jung, und es droht ihnen vorläufig nicht die Gefahr, aus der Arbeit auszuscheiden, drittens quellen sie über vom Gefühl für das Neue, eine wertvolle Eigenschaft jedes bolschewistischen Funktionärs, und viertens wachsen sie und schulen sich in so raschem Tempo, entwickeln sich so stürmisch, dass die Zeit nicht fern ist, da sie die Alten eingeholt haben, als Gleichwertige an ihre Seite treten und eine ihnen würdige Ablösung sein werden. Folglich besteht die Aufgabe nicht darin, sich entweder auf die alten oder auf die neuen Kader zu orientieren, sondern darin, auf die Koordinierung, die Vereinigung der alten und jungen Kader zu einem gemeinsamen Orchester der leitenden Arbeit der Partei und des Staates Kurs zu halten. (Anhaltender Beifall).

Eben aus diesem Grunde ist es notwendig, die jungen Kader rechtzeitig und kühn auf leitende Posten zu befördern.

Eine der bedeutsamsten Errungenschaften bei der Festigung der Führung durch die Partei besteht in der Berichtsperiode darin, dass sie ebendiesen Kurs auf die Koordinierung der alten und jungen Funktionäre auf dem Gebiete der Kaderauslese erfolgreich von unten bis oben durchgeführt hat.

Im Zentralkomitee der Partei liegen Angaben vor, aus denen ersichtlich ist, dass die Partei es in der Berichtsperiode vermocht hat, mehr als 500000 junge Bolschewiki, Parteimitglieder und der Partei Nahestehende, darunter mehr als 20 Prozent Frauen, auf leitende Posten der Staats- und Parteiarbeit zu stellen.

Worin besteht gegenwärtig die Aufgabe?

Die Aufgabe besteht darin, die Kaderauslese von unten bis oben in vollem Umfange in ein und dieselben Hände zu legen und sie auf die gebührende Höhe, auf ein wissenschaftliches, bolschewistisches Niveau zu bringen.

Dazu ist es notwendig, Schluss zu machen mit der Zersplitterung des Studiums, der Beförderung und der Auslese der Kader in verschiedene Abteilungen und Sektoren und diese Tätigkeit an einer Stelle zu konzentrieren.

Diese Stelle muss die Kaderverwaltung beim ZK der KPdSU(B) und die entsprechende Kaderabteilung bei jeder Parteiorganisation der Republik, der Region und des Gebietes sein.

 

3. Die Parteipropaganda. Die marxistisch-leninistische Erziehung
der Parteimitglieder und Parteikader

 

Es gibt noch ein Gebiet der Parteiarbeit, ein sehr wichtiges und verantwortungsvolles Gebiet, auf dem in der Berichtsperiode die Partei und ihre leitenden Organe gefestigt wurden - die Parteipropaganda und Parteiagitation in Wort und Schrift, die Arbeit zur Erziehung der Parteimitglieder und Parteikader im Geiste des Marxismus-Leninismus, die Arbeit zur Hebung des politischen und theoretischen Niveaus der Partei und der Parteiarbeiter.

Es erübrigt sich wohl, sich über die außerordentliche Bedeutung der Parteipropaganda, der marxistisch-leninistischen Erziehung unserer Funktionäre zu verbreiten. Ich meine nicht nur die Funktionäre des Parteiapparats. Ich meine auch die Funktionäre der Komsomolorganisationen, der Gewerkschaften, der Handels-, Genossenschafts-, Wirtschafts-, Sowjet-, Bildungs-, Militärorganisationen u. a. Man kann die Regulierung der Zusammensetzung der Partei und das nähere Heranbringen der leitenden Organe an die Arbeit der unteren Organisationen befriedigend bewerkstelligen; man kann die Beförderung, die Auslese, die Verteilung der Kader befriedigend organisieren; wenn aber bei alledem unsere Parteipropaganda aus irgendwelchen Gründen zu hinken beginnt, wenn die marxistisch-leninistische Erziehung unserer Kader zu verkümmern beginnt, wenn unsere Arbeit zur Hebung des politischen und theoretischen Niveaus dieser Kader nachlässt und die Kader selber im Zusammenhang damit aufhören, sich für die Perspektive unseres Vormarsches zu interessieren, wenn sie aufhören zu begreifen, dass unsere Sache die einzig gerechte Sache ist, und sich in engstirnige Praktiker ohne Perspektive verwandeln, die die Weisungen von oben blind und mechanisch befolgen, dann muss unsere gesamte Staats- und Parteiarbeit unbedingt verkümmern. Es muss als Axiom gelten: Je höher das politische Niveau und je bewusster die marxistisch-leninistische Einstellung der Funktionäre des betreffenden Zweiges der Staats- und Parteiarbeit, um so höher steht die Arbeit, um so fruchtbringender ist sie, um so wirksamer ihre Resultate, und umgekehrt: Je niedriger das politische Niveau und je weniger bewusst die marxistisch-leninistische Einstellung der Funktionäre, um so wahrscheinlicher sind Versagen und Fehlschläge in der Arbeit, um so wahrscheinlicher ist es, dass die Funktionäre selber verflachen und zu kleinlichen Wichtigtuern werden, um so wahrscheinlicher ist es, dass sie entarten. Man kann mit Gewissheit sagen: Wenn wir es verstünden, unsere Kader in allen Zweigen der Arbeit ideologisch zu rüsten und sie in solchem Maße politisch zu stählen, dass sie sich in der inneren und internationalen Situation frei orientieren können, wenn wir es verstünden, sie zu völlig reifen Marxisten-Leninisten zu machen, fähig, die Frage der Leitung des Landes ohne ernsthafte Fehler zu entscheiden, so würden wir allen Grund haben, neun Zehntel aller unserer Fragen als bereits gelöst zu betrachten. Und diese Aufgabe können wir unbedingt lösen, denn wir haben alle Mittel und Möglichkeiten, die notwendig sind, um sie zu lösen.

Die Heranbildung und Formierung der jungen Kader erfolgt bei uns gewöhnlich nach einzelnen Zweigen der Wissenschaft und Technik, nach Spezialfächern. Das ist notwendig und zweckmäßig. Ein Spezialist der Medizin braucht nicht zugleich auch Spezialist der Physik oder Botanik zu sein und umgekehrt. Es gibt aber einen Zweig der Wissenschaft, dessen Beherrschung für die Bolschewiki aller Zweige der Wissenschaft obligatorisch sein muss. Das ist die marxistisch-leninistische Wissenschaft von der Gesellschaft, von den Entwicklungsgesetzen der Gesellschaft, von den Entwicklungsgesetzen der proletarischen Revolution, von den Entwicklungsgesetzen des sozialistischen Aufbaus, vom Siege des Kommunismus. Denn man kann doch einen Menschen, der sich Leninist nennt, sich aber in seinem Spezialfach, zum Beispiel Mathematik, Botanik oder Chemie, abkapselt und über sein Spezialfach hinaus nichts weiter sieht, nicht für einen wirklichen Leninisten halten. Ein Leninist soll nicht bloß Spezialist auf dem von ihm bevorzugten wissenschaftlichen Gebiete sein, er muss zugleich auch ein politisch und gesellschaftlich aktiver Mensch sein, der sich für das Schicksal seines Landes lebhaft interessiert, der in den Entwicklungsgesetzen der Gesellschaft bewandert ist, der es versteht, von diesen Gesetzen Gebrauch zu machen, und bestrebt ist, aktiver Teilnehmer an der politischen Leitung des Landes zu sein. Das bedeutet natürlich für die Spezialisten unter den Bolschewiki eine zusätzliche Arbeit. Doch ist das eine Arbeit, die hundertfach Früchte trägt.

Die Aufgabe der Parteipropaganda, die Aufgabe der marxistisch-leninistischen Erziehung der Kader besteht darin, unseren Kadern in allen Arbeitszweigen behilflich zu sein, sich die marxistisch-leninistische Wissenschaft von den Entwicklungsgesetzen der Gesellschaft anzueignen.

Die Frage der Maßnahmen zur Verbesserung der Propaganda und der marxistisch-leninistischen Erziehung der Kader war Gegenstand wiederholter Beratungen des ZK der KPdSU(B) unter Teilnahme von Propagandisten verschiedener Gebiets-Parteiorganisationen. Hierbei wurde dem Erscheinen des „Kurzen Lehrgangs der Geschichte der KPdSU(B)“ im September 1938 Rechnung getragen. Es wurde festgestellt, dass das Erscheinen des „Kurzen Lehrgangs der Geschichte der KPdSU(B)“ einen neuen Aufschwung der marxistisch-leninistischen Propaganda in unserem Lande einleitet. Die Ergebnisse der Arbeit des ZK der KPdSU(B) wurden in seinem bekannten Beschluss „Über die Gestaltung der Parteipropaganda im Zusammenhang mit dem Erscheinen des Kurzen Lehrgangs der Geschichte der KPdSU(B)“ veröffentlicht.

Ausgehend von diesem Beschluss und unter Berücksichtigung der bekannten Beschlüsse des Märzplenums des ZK der KPdSU(B) im Jahre 1937 „Über die Mängel der Parteiarbeit“ hat das ZK der KPdSU(B) folgende Hauptmaßnahmen zur Beseitigung der Mängel auf dem Gebiete der Propaganda und zur Verbesserung der marxistisch-leninistischen Erziehung der Parteimitglieder und Parteikader vorgesehen:

1. Die Leitung der Parteipropaganda und Parteiagitation wird an einer Stelle konzentriert, und die Propaganda- und Agitationsabteilungen sowie die Presseabteilungen werden zu einer einheitlichen Verwaltung für Propaganda und Agitation beim ZK der KPdSU(B) vereinigt, wobei entsprechende Propaganda- und Agitationsabteilungen bei jeder Parteiorganisation der Republik, der Region und des Gebietes organisiert werden;

2. die einseitige Bevorzugung des Zirkelsystems in der Propaganda wird für unrichtig erklärt und die Methode des individuellen Studiums der Grundlagen des Marxismus-Leninismus durch die Parteimitglieder für zweckmäßiger erachtet, weshalb die Aufmerksamkeit der Partei auf die Propaganda in der Presse und auf die Organisierung eines Propagandasystems in der Form von Vorlesungen zu konzentrieren ist;

3. in jedem Gebietszentrum werden Jahreskurse zur Fortbildung unserer unteren Kader organisiert;

4. in einer Reihe von Zentren unseres Landes werden zweijährige Leninschulen für unsere mittleren Kader organisiert;

5. zur Ausbildung qualifizierter theoretischer Parteikader wird beim ZK der KPdSU(B) eine Hochschule für Marxismus-Leninismus mit dreijähriger Dauer organisiert;

6. in einer Reihe von Zentren unseres Landes werden Jahreskurse für die Fortbildung von Propagandisten und Mitarbeitern der Presse geschaffen;

7. bei der Hochschule für Marxismus-Leninismus werden Sechsmonatskurse zur Fortbildung der Lehrer für Marxismus-Leninismus in den Hochschulen geschaffen.

Ohne Zweifel wird die Verwirklichung dieser Maßnahmen, die bereits durchgeführt werden, aber noch nicht in genügendem Maße durchgeführt sind, nicht verfehlen, günstige Resultate zu zeitigen.

 

4. Einige Fragen der Theorie

 

Zu den Mängeln unserer propagandistischen und ideologischen Arbeit ist auch der Umstand zu zählen, dass es unter unseren Genossen an voller Klarheit über einige Fragen der Theorie fehlt, die von großer praktischer Bedeutung sind, dass in diesen Fragen eine gewisse Verwirrung herrscht. Ich meine die Frage des Staates im Allgemeinen, die Frage unseres sozialistischen Staates im Besonderen und die Frage unserer Sowjetintelligenz.

Manchmal wird gefragt: „Die Ausbeuterklassen sind bei uns aufgehoben, feindliche Klassen gibt es im Lande nicht mehr, es gibt niemanden mehr, der zu unterdrücken wäre, also braucht man den Staat nicht mehr, er muss absterben - warum tragen wir denn nicht zum Absterben unseres sozialistischen Staates bei, warum bemühen wir uns nicht, mit ihm Schluss zu machen, ist es nicht an der Zeit, diesen ganzen Plunder der Staatlichkeit über Bord zu werfen?“

Oder auch: „Die Ausbeuterklassen sind bei uns bereits aufgehoben, der Sozialismus ist im wesentlichen errichtet, wir marschieren zum Kommunismus, die marxistische Lehre vom Staat aber besagt, dass es unter dem Kommunismus keinerlei Staat geben soll - warum tragen wir nicht zum Absterben unseres sozialistischen Staates bei, ist es nicht an der Zeit, den Staat in ein Museum für Altertümer abzuschieben?“

Diese Fragen zeugen davon, dass die Fragesteller einzelne Sätze der Lehre von Marx und Engels vom Staat gewissenhaft auswendig gelernt haben. Sie zeugen aber auch davon, dass diese Genossen das Wesen dieser Lehre nicht begriffen haben, dass sie nicht darüber Bescheid wissen, unter welchen geschichtlichen Bedingungen die einzelnen Sätze dieser Lehre ausgearbeitet wurden und dass sie insbesondere die gegenwärtige internationale Situation nicht verstanden haben, dass sie die Tatsache, dass eine kapitalistische Umwelt besteht, und die sich daraus ergebenden Gefahren für das Land des Sozialismus übersehen haben. In diesen Fragen kommt nicht nur die Unterschätzung des Bestehens der kapitalistischen Umwelt zum Ausdruck. In ihnen offenbart sich ebenso wohl die Unterschätzung der Rolle und Bedeutung der bürgerlichen Staaten und ihrer Organe, die in unser Land Spione, Mörder und Schädlinge entsenden und nur auf den Moment lauern, um einen militärischen Überfall auf unser Land zu unternehmen; ebenso offenbart sich in ihnen die Unterschätzung der Rolle und Bedeutung unseres sozialistischen Staates und seiner Militär-, Straf- und Abwehrdienstorgane, die zum Schutze des Landes des Sozialismus gegen Überfälle von außen notwendig sind. Man muss feststellen, dass sich nicht nur die eben erwähnten Genossen diese Unterschätzung zuschulden kommen lassen. In gewissem Maße lassen wir Bolschewiki alle ohne Ausnahme uns diese Unterschätzung zuschulden kommen. Ist es denn nicht verwunderlich, dass wir von der Spionage- und Verschwörertätigkeit der Anführer der Trotzkisten und Bucharinleute erst in der letzten Zeit, in den Jahren 1937 und 1938, erfahren haben, obwohl diese Herren, wie das aus den Materialien ersichtlich ist, schon in den ersten Tagen der Oktoberrevolution als Spione bei den ausländischen Spionageapparaten in Dienst standen und ihre Verschwörertätigkeit ausübten? Wie konnten wir diese ernste Tatsache übersehen? Wodurch ist dieses Versagen zu erklären? Gewöhnlich antwortet man auf diese Frage folgendermaßen: Wir konnten nicht annehmen, dass diese Leute so tief sinken können. Das ist aber keine Erklärung und noch viel weniger eine Rechtfertigung, denn die Tatsache des Versagens bleibt eben eine Tatsache. Womit ist dieses Versagen zu erklären? Dieses Versagen erklärt sich aus der Unterschätzung der Kraft und Bedeutung des Mechanismus der uns umgebenden bürgerlichen Staaten und ihrer Spionageorgane, die bestrebt sind, die Schwächen der Menschen, ihre Eitelkeit, ihre Charakterlosigkeit auszunutzen, um sie in ihre Spionagenetze zu verstricken und diese Netze um die Organe des Sowjetstaates zu ziehen. Es erklärt sich aus der Unterschätzung der Rolle und Bedeutung des Mechanismus unseres sozialistischen Staates und seines Abwehrdienstes, aus der Unterschätzung dieses Abwehrdienstes, aus dem Geschwätz, dass der Abwehrdienst im Sowjetstaate nebensächlich und bedeutungslos sei, dass man den sowjetischen Abwehrdienst, ebenso wie den Sowjetstaat selber, bald in ein Museum für Altertümer abschieben müsse.

Auf welchem Boden konnte bei uns diese Unterschätzung aufkommen?

Auf dem Boden der ungenügenden Ausarbeitung und Unvollständigkeit einiger allgemeiner Sätze der Lehre des Marxismus vom Staate. Sie fand Verbreitung infolge unseres sträflich sorglosen Verhaltens zu den Fragen der Staatstheorie, obwohl wir über die praktische Erfahrung einer zwanzigjährigen staatlichen Tätigkeit verfügen, die ein reiches Material für theoretische Verallgemeinerungen liefert, obwohl wir die Möglichkeit haben, diese theoretische Lücke, bei richtigem Willen unsererseits, erfolgreich auszufüllen. Wir hatten den überaus wichtigen Hinweis Lenins auf die theoretischen Pflichten der russischen Marxisten vergessen, die berufen sind, die Theorie des Marxismus weiter auszuarbeiten. Lenin sagt darüber:

„Wir betrachten die Marxsche Theorie durchaus nicht als etwas Abgeschlossenes und Unantastbares: Wir sind im Gegenteil überzeugt, dass sie nur die Grundpfeiler jener Wissenschaft geschaffen hat, die die Sozialisten in allen Richtungen weiterentwickeln müssen, wenn sie nicht hinter dem Leben zurückbleiben wollen. Wir sind der Meinung, dass für die russischen Sozialisten eine selbständige Ausarbeitung der Marxschen Theorie besonders notwendig ist, denn diese Theorie liefert nur die allgemeinen leitenden Sätze, die im besonderen in England anders als in Frankreich, in Frankreich anders als in Deutschland, in Deutschland anders als in Rußland anzuwenden sind.“ (Lenin; GW, Bd. IV, Berlin 1968, S. 205f).

Man nehme zum Beispiel die von Engels gegebene klassische Formel der Theorie der Entwicklung des sozialistischen Staates:

„Sobald es keine Gesellschaftsklasse mehr in der Unterdrückung zu halten gibt, sobald mit der Klassenherrschaft und dem in der bisherigen Anarchie der Produktion begründeten Kampfe ums Einzeldasein auch die daraus entspringenden Kollisionen und Exzesse beseitigt sind, gibt es nichts mehr zu reprimieren, das eine besondre Repressionsgewalt, einen Staat, nötig machte. Der erste Akt, worin der Staat wirklich als Repräsentant der ganzen Gesellschaft auftritt - die Besitzergreifung der Produktionsmittel im Namen der Gesellschaft - ist zugleich sein letzter selbständiger Akt als Staat. Das Eingreifen einer Staatsgewalt in gesellschaftliche Verhältnisse wird auf einem Gebiete nach dem andern überflüssig und schläft dann von selbst ein. An die Stelle der Regierung über Personen tritt die Verwaltung von Sachen und die Leitung von Produktionsprozessen. Der Staat wird nicht ‚abgeschafft’, er stirbt ab.“ (Friedrich Engels; Herrn Eugen Dührings Umwälzung der Wissenschaft, Berlin 1970, S. 262).

Ist diese These von Engels richtig?

Ja, sie ist richtig, jedoch nur unter einer von den beiden Bedingungen: a) wenn man den sozialistischen Staat nur vom Standpunkte der inneren Entwicklung des Landes studiert, dabei von vornherein vom internationalen Faktor absieht und das Land sowie den Staat zur Vereinfachung der Untersuchung isoliert von der internationalen Situation betrachtet, oder b) wenn man voraussetzt, dass der Sozialismus bereits in allen Ländern oder in den meisten Ländern gesiegt hat, dass es statt der kapitalistischen eine sozialistische Umwelt gibt, dass keine Gefahr eines Überfalls von außen mehr besteht und die Stärkung der Armee und des Staates nicht mehr nötig ist.

Wie aber, wenn der Sozialismus nur in einem einzelnen Lande gesiegt hat und es angesichts dessen in keiner Weise möglich ist, von den internationalen Bedingungen abzusehen - was dann? Auf diese Frage gibt die Formel von Engels keine Antwort. Engels stellt sich eigentlich auch gar nicht diese Frage, folglich konnte es bei ihm auch keine Antwort auf diese Frage geben. Engels geht von der Voraussetzung aus, dass der Sozialismus bereits, mehr oder minder gleichzeitig, in allen Ländern oder in den meisten Ländern gesiegt hat. Folglich untersucht hier Engels nicht den einen oder den andern konkreten sozialistischen Staat dieses oder jenes einzelnen Landes, sondern die Entwicklung des sozialistischen Staates überhaupt, unter der Voraussetzung, dass der Sozialismus in den meisten Ländern gesiegt hat - nach der Formel: „Nehmen wir an, der Sozialismus habe in den meisten Ländern gesiegt; es fragt sich: Welche Veränderungen muss in diesem Falle der proletarische, der sozialistische Staat erfahren?“ Nur durch diesen allgemeinen und abstrakten Charakter der Problemstellung ist die Tatsache zu erklären, dass Engels bei der Untersuchung der Frage des sozialistischen Staates von einem solchen Faktor wie den internationalen Bedingungen, der internationalen Lage, völlig absieht.

Daraus folgt aber, dass sich die allgemeine Formel von Engels für das Schicksal des sozialistischen Staates schlechthin nicht auf den besonderen und konkreten Fall anwenden läßt, wo der Sozialismus in einem einzelnen Lande gesiegt hat, das von einer kapitalistischen Umwelt umgeben und der Gefahr eines kriegerischen Überfalls von außen ausgesetzt ist, und das infolgedessen von der internationalen Lage nicht absehen kann; dieses Land muss sowohl eine gut ausgebildete Armee als auch gut organisierte Straforgane und einen starken Abwehrdienst, folglich einen genügend starken Staat haben, um in der Lage zu sein, die Errungenschaften des Sozialismus vor einem Angriff von außen zu schützen.

Man kann von den Klassikern des Marxismus, die von unserer Zeit durch eine Periode von 45-55 Jahren getrennt sind, nicht verlangen, dass sie alle und jede Zickzackwendungen der Geschichte in jedem besonderen Lande in der fernen Zukunft hätten voraussehen sollen. Es wäre lächerlich zu verlangen, dass die Klassiker des Marxismus uns fertige Lösungen für alle und jede theoretischen Fragen hätten liefern sollen, die in jedem einzelnen Lande nach Ablauf von 50-100 Jahren auftauchen können, damit wir, die Nachfahren der Klassiker des Marxismus, die Möglichkeit haben, uns ruhig auf die Bärenhaut zu legen und fertige Lösungen wiederzukauen. (Allgemeine Heiterkeit). Aber wir können und müssen von den Marxisten-Leninisten unserer Zeit verlangen, dass sie sich nicht darauf beschränken, einzelne allgemeine Sätze des Marxismus auswendig zu lernen, sondern dass sie in das Wesen des Marxismus eindringen, dass sie lernen, den Erfahrungen des zwanzigjährigen Bestehens des sozialistischen Staates in unserem Lande Rechnung zu tragen, dass sie schließlich lernen, gestützt auf diese Erfahrungen und ausgehend vom Wesen des Marxismus, die einzelnen allgemeinen Sätze des Marxismus zu konkretisieren, zu präzisieren und zu verbessern. Lenin schrieb sein berühmtes Buch „Staat und Revolution“ im August 1917, das heißt einige Monate vor der Oktoberrevolution und der Schaffung des Sowjetstaates. Die Hauptaufgabe dieses Buches sah Lenin in der Verteidigung der Lehre von Marx und Engels vom Staat gegen die Entstellung und Verflachung seitens der Opportunisten. Lenin beabsichtigte, einen zweiten Teil von „Staat und Revolution“ zu schreiben, in dem er die Hauptlehren aus den Erfahrungen der russischen Revolution von 1905 und 1917 ziehen wollte. Es kann kein Zweifel darüber bestehen, dass Lenin die Absicht hatte, im zweiten Teile seines Buches, gestützt auf die Erfahrungen der Sowjetmacht in unserem Lande, die Theorie des Staates auszuarbeiten und weiterzuentwickeln. Doch hinderte ihn der Tod an der Erfüllung dieser Aufgabe. Aber was Lenin nicht mehr zu vollbringen vermochte, das müssen seine Schüler tun. (Stürmischer Beifall).

Der Staat entstand auf der Grundlage der Spaltung der Gesellschaft in feindliche Klassen, er entstand, um die ausgebeutete Mehrheit im Interesse der ausbeutenden Minderheit im Zaume zu halten. Die Machtmittel des Staates konzentrierten sich hauptsächlich in der Armee, in den Straforganen, im Polizeiapparat, in den Gefängnissen. Zwei Hauptfunktionen kennzeichnen die Tätigkeit des Staates: die innere (die hauptsächliche) - die ausgebeutete Mehrheit im Zaume zu halten, und die äußere (die nicht hauptsächliche) - das Territorium seiner herrschenden Klasse auf Kosten des Territoriums der anderen Staaten zu erweitern oder das Territorium seines Staates gegen Überfälle anderer Staaten zu verteidigen. So lagen die Dinge in der Sklavenhaltergesellschaft und unter dem Feudalismus. So liegen die Dinge unter dem Kapitalismus.

Um den Kapitalismus zu stürzen, war es nicht nur nötig, die Bourgeoisie von der Macht zu entfernen, nicht nur die Kapitalisten zu expropriieren, sondern auch die Staatsmaschine der Bourgeoisie, ihre alte Armee, ihren bürokratischen Beamtenapparat, ihre Polizei, gänzlich zu zerschlagen und an ihre Stelle das neue, das proletarische Staatswesen, den neuen sozialistischen Staat zu setzen. Bekanntlich sind die Bolschewiki gerade in dieser Weise vorgegangen. Daraus folgt aber durchaus nicht, dass sich im neuen, im proletarischen Staat nicht gewisse Funktionen des alten Staates erhalten können, die entsprechend den Erfordernissen des proletarischen Staates verändert werden. Daraus folgt erst recht nicht, dass die Formen unseres sozialistischen Staates unverändert bleiben müssen, dass alle ursprünglichen Funktionen unseres Staates auch weiterhin restlos erhalten bleiben müssen In der Tat ändern sich die Formen unseres Staates und werden sich ändern, je nach der Entwicklung unseres Landes und der Veränderung der äußeren Lage.

Lenin hat vollkommen Recht, wenn er sagt:

„Die Formen der bürgerlichen Staaten sind außerordentlich mannigfaltig, aber ihr Wesen ist das gleiche: Alle diese Staaten sind auf eine oder die andere Weise, aber in letzter Instanz unbedingt eine Diktatur der Bourgeoisie. Der Übergang vom Kapitalismus zum Kommunismus muss natürlich eine ungeheure Fülle und Mannigfaltigkeit politischer Formen hervorbringen, aber das Wesentliche wird dabei unbedingt gleich bleiben: die Diktatur des Proletariats.“ (Lenin; AW, Bd. II, Berlin 1970, S. 346).

Seit der Oktoberrevolution hat unser sozialistischer Staat in seiner Entwicklung zwei Hauptphasen durchgemacht.

Die erste Phase ist die Periode von der Oktoberrevolution bis zur Liquidierung der Ausbeuterklassen. Die Hauptaufgabe dieser Periode bestand in der Unterdrückung des Widerstandes der gestürzten Klassen, in der Organisierung der Verteidigung des Landes gegen Überfälle der Interventen, in der Wiederherstellung der Industrie und Landwirtschaft, in der Vorbereitung der Bedingungen für die Liquidierung der kapitalistischen Elemente. Dementsprechend erfüllte unser Staat in dieser Periode zwei Hauptfunktionen. Die erste Funktion war die Unterdrückung der gestürzten Klassen innerhalb des Landes. Darin erinnerte unser Staat äußerlich an die früheren Staaten, deren Funktion in der Unterdrückung jener bestand, die sich widersetzten, jedoch mit dem grundsätzlichen Unterschied, dass unser Staat die ausbeutende Minderheit im Interesse der werktätigen Mehrheit unterdrückte, während die früheren Staaten die ausgebeutete Mehrheit im Interesse der ausbeutenden Minderheit unterdrückten. Die zweite Funktion war die Verteidigung des Landes gegen Überfälle von außen. Darin erinnerte er ebenfalls äußerlich an die früheren Staaten, die sich auch mit dem bewaffneten Schutze ihrer Länder befassten, jedoch mit dem grundsätzlichen Unterschied, dass unser Staat die Errungenschaften der werktätigen Mehrheit vor Überfällen von außen schützte, während die früheren Staaten in solchen Fällen die Reichtümer und Privilegien der ausbeutenden Minderheit schützten. Es gab auch eine dritte Funktion, und zwar die wirtschaftlich-organisatorische und kulturell-erzieherische Arbeit der Organe unseres Staates, die die Entwicklung der Keime der neuen, der sozialistischen Wirtschaft und die Umerziehung der Menschen im Geiste des Sozialismus bezweckte. Doch erfuhr diese neue Funktion in dieser Periode keine erhebliche Entwicklung.

Die zweite Phase ist die Periode von der Liquidierung der kapitalistischen Elemente in Stadt und Land bis zum vollen Siege des sozialistischen Wirtschaftssystems und der Annahme der neuen Verfassung. Die Hauptaufgabe dieser Periode war die Organisierung der sozialistischen Wirtschaft im ganzen Lande und die Liquidierung der letzten Überreste der kapitalistischen Elemente, die Organisierung der Kulturrevolution, die Organisierung einer völlig modernen Armee für die Verteidigung des Landes. Dementsprechend veränderten sich auch die Funktionen unseres sozialistischen Staates. Die Funktion der militärischen Unterdrückung innerhalb des Landes kam in Wegfall - starb ab -, denn die Ausbeutung ist vernichtet, Ausbeuter gibt es keine mehr und daher auch niemanden, der zu unterdrücken wäre. Anstelle der Funktion der Unterdrückung erhielt der Staat die Funktion, das sozialistische Eigentum vor Dieben und Plünderern des Volksguts zu schützen. Die Funktion des militärischen Schutzes des Landes vor Überfällen von außen blieb völlig erhalten, es blieben folglich auch die Rote Armee, die Kriegsmarine, ebenso wie die Straforgane und der Abwehrdienst, die notwendig sind zur Aufdeckung und Bestrafung von Spionen, Mördern und Schädlingen, die von den ausländischen Spionagediensten in unser Land geschickt werden. Die Funktion der wirtschaftlich-organisatorischen und kulturell-erzieherischen Arbeit der Staatsorgane blieb erhalten und kam vollauf zur Entfaltung. Jetzt besteht die Hauptaufgabe unseres Staates im Innern des Landes in der friedlichen wirtschaftlich-organisatorischen und kulturell-erzieherischen Arbeit. Was unsere Armee, die Straforgane und den Abwehrdienst anbelangt, so ist nun ihre Spitze nicht nach dem Innern des Landes gerichtet, sondern nach außen, gegen die äußeren Feinde.

Wie ihr seht, haben wir jetzt einen völlig neuen, sozialistischen Staat, wie ihn die Geschichte noch nicht gekannt hat, der sich in seiner Form und in seinen Funktionen vom sozialistischen Staat der ersten Phase bedeutend unterscheidet.

Doch kann die Entwicklung dabei nicht stehen bleiben. Wir schreiten weiter, vorwärts, zum Kommunismus. Wird bei uns der Staat auch in der Periode des Kommunismus erhalten bleiben?

Ja, er wird erhalten bleiben, wenn die kapitalistische Umkreisung nicht beseitigt, wenn die Gefahr kriegerischer Überfälle von außen nicht überwunden wird; dabei ist es klar, dass sich die Formen unseres Staates neuerlich verändern werden, entsprechend den Veränderungen der inneren und äußeren Situation.

Nein, er wird nicht erhalten bleiben, sondern absterben, wenn die kapitalistische Umkreisung beseitigt, wenn sie durch eine sozialistische Umwelt abgelöst wird.

So steht es um die Frage des sozialistischen Staates.

Die zweite Frage ist die Frage der Sowjetintelligenz.

In dieser Frage besteht ebenso wie in der Frage des Staates in unserer Partei eine gewisse Unklarheit, ein gewisses Durcheinander.

Obwohl der Standpunkt der Partei in der Frage der Sowjetintelligenz völlig klar ist, sind in unserer Partei immer noch Anschauungen verbreitet, die der Sowjetintelligenz feindlich und mit dem Standpunkte der Partei unvereinbar sind. Die Träger dieser unrichtigen Anschauungen legen bekanntlich der Sowjetintelligenz gegenüber ein verächtliches, geringschätziges Verhalten an den Tag, betrachten sie als einen der Arbeiterklasse und der Bauernschaft fremden und sogar feindlichen Faktor. Wohl hat sich die Intelligenz während der Periode der Sowjetentwicklung ihrer Zusammensetzung wie ihrer Lage nach von Grund aus verändert, da sie sich dem Volke genähert hat und mit ihm ehrlich zusammenarbeitet, wodurch sie sich von der alten, bürgerlichen Intelligenz prinzipiell unterscheidet. Aber darum scheren sich diese Genossen offensichtlich nicht. Sie setzen ihre alte Leier fort und lassen zu Unrecht der Sowjetintelligenz gegenüber ein Verhalten und Anschauungen gelten, wie sie in der alten Zeit ihre Berechtigung hatten, als die Intelligenz im Dienste der Gutsbesitzer und Kapitalisten stand.

In der alten, der vorrevolutionären Zeit, unter den Bedingungen des Kapitalismus, bestand die Intelligenz vor allem aus Vertretern der besitzenden Klassen - aus Adligen, Industriellen, Kaufleuten, Kulaken u. dgl. m. Es gab in den Reihen der Intelligenz auch Abkömmlinge von Kleinbürgern, kleinen Beamten und selbst von Bauern und Arbeitern, aber sie spielten dort keine entscheidende Rolle und konnten sie auch nicht spielen. Die Intelligenz als Ganzes lebte von den besitzenden Klassen und arbeitete für sie. Deshalb war jenes nicht selten zum Hass gesteigerte Misstrauen verständlich, das die revolutionären Elemente unseres Landes und vor allem die Arbeiter ihr gegenüber empfanden. Zwar brachte die alte Intelligenz einzelne und auch Dutzende kühner und revolutionärer Männer hervor, die sich auf den Standpunkt der Arbeiterklasse stellten und ihr Schicksal restlos mit dem Schicksal der Arbeiterklasse verbanden. Aber solche Männer gab es unter der Intelligenz nur allzu wenige, und sie konnten die Physiognomie der Intelligenz in ihrer Gesamtheit nicht verändern.

Die Frage der Intelligenz änderte sich jedoch von Grund aus nach der Oktoberrevolution, nach der Zerschmetterung der ausländischen militärischen Intervention, besonders nach dem Siege der Industrialisierung und Kollektivierung, als die Beseitigung der Ausbeutung und die Verankerung des sozialistischen Wirtschaftssystems die reale Möglichkeit geschaffen hatten, dem Lande eine neue Verfassung zu geben und sie zu verwirklichen. Der einflussreichste und qualifizierteste Teil der alten Intelligenz spaltete sich schon in den ersten Tagen der Oktoberrevolution von der übrigen Masse der Intelligenz ab, sagte der Sowjetmacht den Kampf an und betrieb Sabotage. Er erhielt dafür die verdiente Strafe, wurde von den Organen der Sowjetmacht zerschlagen und zerstreut. In der Folge wurde die Mehrheit derjenigen, die unversehrt geblieben waren, von den Feinden unseres Landes als Schädlinge und Spione angeworben, womit sie sich selbst außerhalb der Reihen der Intelligenz stellten. Ein anderer Teil der alten Intelligenz, weniger qualifiziert aber zahlreicher, fuhr noch lange fort, in Erwartung „besserer Zeiten“ auf der Stelle zu treten, gab aber dann offenbar alle seine Hoffnungen auf und entschloss sich, in den Dienst des Staates zu treten und mit der Sowjetmacht in Frieden zu leben. Ein großer Teil dieser Gruppe der alten Intelligenz ist schon alt geworden und beginnt, aus der Arbeit auszuscheiden. Der dritte Teil der alten Intelligenz, hauptsächlich die unteren Schichten der Intellektuellen, die eine noch geringere Qualifikation als der vorher genannte Teil hatten, schlossen sich dem Volke an und folgten der Sowjetmacht. Sie mussten noch lernen und begannen in der Tat, auf unseren Hochschulen zu lernen. Aber neben diesem qualvollen Prozess der Differenzierung und Auflösung der alten Intelligenz vollzog sich der stürmische Prozess der Formierung, Mobilisierung und Sammlung der Kräfte der neuen Intelligenz. Hunderttausende junger Menschen, hervorgegangen aus den Reihen der Arbeiterklasse, der Bauernschaft und der werktätigen Intelligenz, gingen in die Hochschulen und Techniken und füllten nach Beendigung der Schulen die gelichteten Reihen der Intelligenz auf. Sie brachten neues Blut in die Intelligenz, belebten sie auf neue Art, auf Sowjetart. Sie veränderten von Grund aus die gesamte Physiognomie der Intelligenz nach ihrem Vorbild und Ebenbild. Die Überreste der alten Intelligenz gingen in der neuen, der Volksintelligenz, der Sowjetintelligenz auf. Auf diese Weise entstand eine neue, die Sowjetintelligenz, die mit dem Volke eng verbunden und in ihrer Masse bereit ist, ihm treu und ehrlich zu dienen.

Infolgedessen haben wir jetzt eine zahlreiche, neue, sozialistische Volksintelligenz, die sich sowohl ihrer Zusammensetzung wie ihrer sozialen und politischen Physiognomie nach von der alten, der bürgerlichen Intelligenz von Grund aus unterscheidet.

Auf die alte, die vorrevolutionäre Intelligenz, die den Gutsbesitzern und Kapitalisten diente, passte durchaus die alte Theorie über die Intelligenz, die auf die Notwendigkeit des Misstrauens und des Kampfes gegen sie hinwies. Jetzt ist diese Theorie überholt und passt bereits nicht mehr auf unsere neue, die Sowjetintelligenz. Für die neue Intelligenz ist eine neue Theorie nötig, die auf die Notwendigkeit des freundschaftlichen Verhaltens zu ihr, der Sorge um sie, der Achtung vor ihr und der Zusammenarbeit mit ihr im Namen der Interessen der Arbeiterklasse und der Bauernschaft hinweist.

Ich glaube, dass dies klar ist.

Um so erstaunlicher und befremdlicher ist es, dass es nach allen diesen radikalen Veränderungen in der Stellung der Intelligenz bei uns in der Partei, wie sich erweist, noch Leute gibt, welche die alte, gegen die bürgerliche Intelligenz gerichtete Theorie auf unsere neue, die Sowjetintelligenz, anzuwenden suchen, die in ihrem Wesen eine sozialistische Intelligenz ist. Diese Leute behaupten, wie sich herausstellt, dass die Arbeiter und Bauern, die noch unlängst auf Stachanowart in Fabriken und Kollektivwirtschaften arbeiteten und dann auf die Hochschulen geschickt wurden, um sich auszubilden, damit aufhören, wirkliche Menschen zu sein und zu Menschen zweiten Ranges werden. Es kommt so heraus, als ob Bildung eine schädliche und gefährliche Sache wäre. (Heiterkeit). Wir wollen alle Arbeiter und alle Bauern zu gebildeten, zu Kulturmenschen machen, und wir werden das mit der Zeit schaffen. Nach den Auffassungen dieser sonderbaren Genossen ergibt sich aber, dass ein solches Beginnen eine große Gefahr in sich berge, denn nachdem die Arbeiter und Bauern Menschen von Bildung und Kultur geworden sind, können sie sich der Gefahr gegenübersehen, in die Gruppe von Menschen zweiten Ranges eingereiht zu werden. (Allgemeine Heiterkeit). Es ist nicht ausgeschlossen, dass diese sonderbaren Genossen mit der Zeit so weit hinabsinken können, dass sie die Rückständigkeit, die Kulturlosigkeit, die Unwissenheit und das Dunkelmännertum verherrlichen. Das ist auch verständlich. Theoretische Verrenkungen führten noch nie und können auch nicht zu Gutem führen.

So ist es um die Frage unserer neuen, der sozialistischen Intelligenz bestellt.

*

Unsere Aufgaben auf dem Gebiete der weiteren Festigung der Partei:

1. Die Zusammensetzung der Partei dadurch systematisch zu verbessern, dass wir das politische Niveau der Parteimitglieder heben und durch individuelle Auslese nur die erprobten und der Sache des Kommunismus ergebenen Genossen in die Reihen der Partei aufnehmen;

2. die leitenden Organe näher an die Arbeit der unteren Organisationen heranzubringen, um ihre leitende Arbeit immer operativer und konkreter, immer weniger sitzungs- und kanzleimäßig zu gestalten;

3. die Kaderauslese zu zentralisieren, fürsorglich Kader heranzubilden, sorgfältig ‘die Vorzüge und Mängel der Mitarbeiter zu studieren, kühn junge Mitarbeiter auf leitende Posten aufrücken zu lassen, die Auslese und Verteilung der Kader mit den Erfordernissen der politischen Linie der Partei in Einklang zu bringen;

4. die Propaganda- und Agitationsarbeit der Partei zu zentralisieren, die Propaganda der Ideen des Marxismus-Leninismus zu erweitern, das theoretische Niveau zu heben und die politische Stählung unserer Kader zu steigern.

*

Genossen! Ich komme zum Ende meines Rechenschaftsberichts.

Ich habe in allgemeinen Zügen den Weg skizziert, den unsere Partei in der Berichtsperiode zurückgelegt hat. Die Ergebnisse der Arbeit der Partei und ihres Zentralkomitees in dieser Periode sind bekannt. Es gab bei uns Unzulänglichkeiten und Fehler. Die Partei und ihr Zentralkomitee haben sie nicht verheimlicht und haben sich bemüht, sie zu beheben. Es gibt auch ernste Erfolge und große Errungenschaften, die uns nicht zu Kopfe steigen sollen.

Das Hauptergebnis besteht darin, dass die Arbeiterklasse unseres Landes durch die Beseitigung der Ausbeutung des Menschen durch den Menschen und die Verankerung des sozialistischen Systems die Richtigkeit ihrer Sache der ganzen Welt bewiesen hat. Darin liegt das Hauptergebnis, da es den Glauben an die Kraft der Arbeiterklasse und an die Unvermeidlichkeit ihres endgültigen Sieges festigt.

Die Bourgeoisie aller Länder behauptet immer wieder, dass das Volk ohne Kapitalisten und Gutsbesitzer, ohne Händler und Kulaken nicht auskommen könne. Die Arbeiterklasse unseres Landes hat durch die Tat bewiesen, dass das Volk erfolgreich ohne Ausbeuter auskommen kann.

Die Bourgeoisie aller Länder behauptet immer wieder, dass die Arbeiterklasse, wenn sie die alten bürgerlichen Zustände zerstört hat, nicht fähig sei, etwas Neues anstelle des Alten aufzubauen. Die Arbeiterklasse unseres Landes hat durch die Tat bewiesen, dass sie durchaus fähig ist, nicht nur die alte Ordnung zu zerstören, sondern auch eine neue, bessere, die sozialistische Gesellschaftsordnung zu errichten, und zwar eine Gesellschaftsordnung, die weder Krisen noch Arbeitslosigkeit kennt.

Die Bourgeoisie aller Länder behauptet immer wieder, dass die Bauernschaft nicht fähig sei, den Weg des Sozialismus zu beschreiten. Die Kollektivbauernschaft unseres Landes hat durch die Tat bewiesen, dass sie mit Erfolg den Weg des Sozialismus beschreiten kann.

Das Wichtigste, was die Bourgeoisie aller Länder und ihr reformistischer Nachtrab besonders erstreben, besteht darin, in der Arbeiterklasse den Glauben an die eigene Kraft, den Glauben an die Möglichkeit und Unvermeidlichkeit ihres Sieges auszurotten und damit die kapitalistische Sklaverei zu verewigen. Denn die Bourgeoisie weiß: Wenn der Kapitalismus noch nicht gestürzt ist und nach wie vor besteht, so verdankt er dies nicht seinen guten Eigenschaften, sondern dem Umstand, dass das Proletariat noch nicht genügend festen Glauben an die Möglichkeit seines Sieges hat. Man kann nicht sagen, dass die Bemühungen der Bourgeoisie in dieser Richtung gänzlich erfolglos geblieben seien. Man muss zugeben, dass es der Bourgeoisie und ihren Agenten in der Arbeiterklasse bis zu einem gewissen Grade gelungen ist, die Seele der Arbeiterklasse mit Zweifel und Unglauben zu vergiften. Wenn die Erfolge der Arbeiterklasse unseres Landes, wenn ihr Kampf und ihr Sieg dazu dienen werden, den Geist der Arbeiterklasse der kapitalistischen Länder zu heben und in ihr den Glauben an ihre Kraft, den Glauben an ihren Sieg zu festigen, so kann unsere Partei sagen, dass sie nicht umsonst arbeitet. Es ist nicht daran zu zweifeln, dass es so sein wird. (Stürmischer, anhaltender Beifall).

Es lebe unsere siegreiche Arbeiterklasse! (Beifall).

Es lebe unsere siegreiche Kollektivbauernschaft! (Beifall).

Es lebe unsere sozialistische Intelligenz! (Beifall).

Es lebe die große Freundschaft der Völker unseres Landes! (Beifall).

Es lebe die Kommunistische Partei der Bolschewiki der Sowjetunion! (Beifall).

(Alle Delegierten erheben sich, begrüßen stehend Genossen Stalin und bereiten ihm eine andauernde Ovation. Rufe: „Hurra!“, Es lebe Genosse Stalin!“, „Dem großen Stalin Hurra!“, „Unserem geliebten Stalin Hurra!“).

 

 

Anmerkungen Band 14

 

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