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Gesammelte

STALINWERKE :

 

 

 

 

Band 13

Juli 1930 - Januar 1934

Seite 143 - 209

 

VEREINIGTES PLENUM DES ZK UND DER ZKK
DER KPdSU(B)

7.-12. Januar 1933

Prawda“ Nr. 10 und 17,
10. und 17. Januar 1933.

 

[Inhalt]

 

 

DIE ERGEBNISSE DES ERSTEN FÜNFJAHRPLANS

Bericht am 7. Januar 1933

 

I
DIE INTERNATIONALE BEDEUTUNG
DES FÜNFJAHRPLANS

 

Genossen!

Als der Fünfjahrplan das Licht der Welt erblickte, nahm man wohl kaum an, dass er von gewaltiger internationaler Bedeutung sein könnte. Im Gegenteil, viele glaubten, der Fünfjahrplan sei eine Sonderangelegenheit der Sowjetunion, eine wichtige und ernste, aber immerhin eine nationale Sonderangelegenheit der Sowjetunion.

Die Geschichte hat jedoch gezeigt, dass die internationale Bedeutung des Fünfjahrplans unermesslich ist. Die Geschichte hat gezeigt, dass der Fünfjahrplan keine Sonderangelegenheit der Sowjetunion ist, sondern eine Angelegenheit des gesamten internationalen Proletariats.

Schon lange bevor der Fünfjahrplan das Licht der Welt erblickte, in der Periode, als wir den Kampf gegen die Interventen zu Ende führten und uns anschickten, den Weg des wirtschaftlichen Aufbaus zu betreten, schon zu jener Zeit sagte Lenin, dass unser wirtschaftlicher Aufbau von großer internationaler Bedeutung sei, dass jeder Schritt vorwärts, den die Sowjetmacht auf dem Wege des wirtschaftlichen Aufbaus mache, in den allerverschiedensten Schichten der kapitalistischen Länder starken Widerhall finde und die Menschen in zwei Lager spalte - in das Lager der Anhänger der proletarischen Revolution und in das Lager ihrer Gegner.

Lenin sagte damals:

„Jetzt wirken wir auf die internationale Revolution hauptsächlich durch unsere Wirtschaftspolitik ein. Auf die Russische Sowjetrepublik sind die Augen aller gerichtet, aller Werktätigen in allen Ländern der Welt ohne jede Ausnahme und ohne jede Übertreibung. Das ist erreicht... Der Kampf ist im Weltmaßstab auf dieses Gebiet übertragen. Lösen wir diese Aufgabe, dann haben wir im internationalen Maßstab bestimmt und endgültig gewonnen. Deshalb erlangen die Fragen des wirtschaftlichen Aufbaus für uns eine ganz außerordentliche Bedeutung. An dieser Front müssen wir durch eine langsame, allmähliche - rasch geht es nicht -, aber stetige Steigerung und Vorwärtsbewegung den Sieg davontragen.“ (Siehe Bd. XXVI, S. 410/411, russ. [38])

Das wurde zu einer Zeit gesagt, als wir den Krieg gegen die Interventen zu Ende führten, als wir vom militärischen Kampf gegen den Kapitalismus zum Kampf an der Wirtschaftsfront, zur Periode des wirtschaftlichen Aufbaus übergingen.

Seitdem sind viele Jahre verflossen, und jeder Schritt der Sowjetmacht auf dem Gebiet des wirtschaftlichen Aufbaus, jedes Jahr, jedes Vierteljahr hat die Richtigkeit dieser Worte des Genossen Lenin glänzend bestätigt.

Aber die glänzendste Bestätigung für die Richtigkeit der Worte Lenins ist der Fünfjahrplan unseres Aufbaus, die Entstehung dieses Plans, seine Entwicklung, seine Verwirklichung. Und in der Tat, offenbar hat kein einziger Schritt auf dem Wege des wirtschaftlichen Aufbaus in unserem Lande in den allerverschiedensten Schichten der kapitalistischen Länder Europas, Amerikas, Asiens einen solchen Widerhall gefunden wie die Frage des Fünfjahrplans, seiner Entwicklung, seiner Verwirklichung.

In der ersten Zeit wurde der Fünfjahrplan von der Bourgeoisie und ihrer Presse mit Spott. und Hohn aufgenommen. „Eine Phantasterei“, „ein Fieberwahn“,. „eine Utopie“, so tauften sie damals unseren Fünfjahrplan.

Nachher, als sich herauszustellen begann, dass die Verwirklichung des Fünfjahrplans reale Resultate zeitigt, fingen sie an, Sturm zu läuten, und behaupteten, der Fünfjahrplan bedrohe die Existenz der kapitalistischen Länder, seine Verwirklichung werde zur Überschwemmung der europäischen Märkte mit Waren, zu verstärktem Dumping und zur Vergrößerung der Arbeitslosigkeit führen.

Dann, als auch dieser gegen die Sowjetmacht angewandte Trick nicht die erhofften Resultate zeitigte, setzte eine Serie von Reisen aller möglichen Vertreter der verschiedensten Firmen, Presseorgane, Vereinigungen usw. nach der UdSSR ein, die mit eigenen Augen sehen wollten, was eigentlich in der UdSSR vorgeht. Ich spreche hier nicht von den Arbeiterdelegationen, die von Anfang an, gleich als der Fünfjahrplan veröffentlicht wurde, ihre Begeisterung für dieses Beginnen und für die Erfolge der Sowjetmacht zum Ausdruck brachten und ihre Bereitschaft zur Unterstützung der Arbeiterklasse der UdSSR bekundeten.

Seit dieser Zeit begann denn auch die Spaltung in der so genannten öffentlichen Meinung, in der bürgerlichen Presse, in den bürgerlichen Vereinigungen aller Art usw. Die einen behaupteten, dass der Fünfjahrplan vollständig gescheitert sei und dass die Bolschewiki am Rande des Abgrunds stünden. Die anderen versicherten im Gegenteil, wenn auch die Bolschewiki schlechte Leute seien, so gehe es bei ihnen mit dem Fünfjahrplan dennoch vorwärts, und sie würden allem Anschein nach ihr Ziel erreichen.

Es wird vielleicht nicht überflüssig sein, wenn ich Äußerungen verschiedener Organe der bürgerlichen Presse anführe.

Nehmen wir zum Beispiel die amerikanische Zeitung „The New York Times“ [39]. Ende November 1932 schrieb diese Zeitung:

„Der Fünfjahrplan der Industrie, der sich das Ziel gesetzt hat, das Gefühl für Proportion herauszufordern, und der seinem Ziel ‚ohne Rücksicht auf die Unkosten’ zustrebt, wie sich Moskau so häufig mit Stolz gerühmt hat, ist in Wirklichkeit kein Plan. Er ist eine Spekulation.“

Demnach wäre der Fünfjahrplan nicht einmal ein Plan, sondern eine leere Spekulation.

Weiter eine Äußerung der englischen bürgerlichen Zeitung „The Daily Telegraph“ [40] von Ende November 1932:

„Betrachten wir den Plan als Prüfstein für die ‚Planwirtschaft’, so müssen wir sagen, dass er vollständig gescheitert ist.“

Eine Äußerung der Zeitung „The New York Times“ im November 1932:

„Die Kollektivierung ist schmählich zusammengebrochen. Sie hat Rußland an den Rand der Hungersnot gebracht.“

Die Äußerung einer bürgerlichen Zeitung in Polen, der „Gazeta Polska“ [41], vom Sommer 1932:

„Die Lage scheint zu zeigen, dass die Regierung der Sowjets mit ihrer Politik der Kollektivierung des Dorfes in eine Sackgasse geraten ist.“

Eine Äußerung der englischen bürgerlichen Zeitung „The Financial Times“ [42] vom November 1932:

„Stalin und seine Partei stehen infolge ihrer Politik vor dem Bankrott des Fünfjahrplansystems und dem Scheitern aller Aufgaben, die der Fünfjahrplan erfüllen sollte.“

Eine Äußerung der italienischen Zeitschrift „Politica“ [43]:

„Es wäre absurd anzunehmen, dass vier Jahre Arbeit eines 160-Millionen-Volkes, vier Jahre übermenschlicher wirtschaftlicher und politischer Anstrengungen eines Regimes von solcher Stärke wie das bolschewistische nichts geschaffen hätten. Im Gegenteil, sie haben viel geschaffen... Und trotzdem ist die Katastrophe da, sie ist eine jedermann offensichtliche Tatsache. Davon haben sich Freunde und Feinde, Bolschewiki und Antibolschewisten, die Oppositionellen von rechts und von links überzeugt.“

Schließlich noch die Äußerung der amerikanischen bürgerlichen Zeitschrift „Current History“ [44]:

„Ein Überblick über die heutigen Zustände in Rußland führt also zu der Schlussfolgerung, dass das Fünfjahrprogramm hinsichtlich der angekündigten Ziele und noch gründlicher hinsichtlich seiner grundlegenden sozialen Prinzipien gescheitert ist.“

So lauten die Äußerungen eines Teils der bürgerlichen Presse.

Es lohnt sich wohl kaum, die Verfasser dieser Ausführungen einer Kritik zu unterziehen. Ich glaube, dass es sich nicht lohnt. Es lohnt sich nicht, da diese „Starrköpfe“ zu jenem fossilen Menschenschlag des Mittelalters gehören, für den Tatsachen keine Bedeutung haben, und wie immer unser Fünfjahrplan verwirklicht werden mag - sie werden dennoch bei ihren Behauptungen bleiben.

Nehmen wir jetzt die Äußerungen anderer Presseorgane, ebenfalls aus dem bürgerlichen Lager.

Zunächst eine Äußerung der bekannten französischen bürgerlichen Zeitung „Le Temps“ [45] vom Januar 1932:

„Die UdSSR hat die erste Runde gewonnen, sie führt die Industrialisierung ohne Hilfe des ausländischen Kapitals durch.“

Eine Äußerung derselben Zeitung „Le Temps“ vom Sommer 1932:

„Der Kommunismus wird mit einem Sprung die Rekonstruktionsperiode durchmessen haben, die die kapitalistische Gesellschaftsordnung nur mit langsamen Schritten zu bewältigen gestattet... Was uns in Frankreich, wo der Grundbesitz unendlich zersplittert ist, besonders im Wege steht, ist die Unmöglichkeit, die Landwirtschaft zu mechanisieren. Die Sowjets lösen dieses Problem durch Industrialisierung der Landwirtschaft... Im Wettbewerb mit uns haben die Bolschewiki die Partie gewonnen.“

Eine Äußerung der englischen bürgerlichen Zeitschrift „The Round Table“ [46]:

„Die Errungenschaften des Fünfjahrplans sind eine erstaunliche Erscheinung. Die Traktorenwerke in Charkow und Stalingrad, das Automobilwerk AMO in Moskau, das Automobilwerk in Nishni-Nowgorod, das Dnjepr-Wasserkraftwerk, die gewaltigen Stahlgießereien in Magnitogorsk und Kusnezk, ein ganzes Netz von Maschinenbauwerken und chemischen Werken im Ural, der zu einem Sowjet-Ruhrgebiet wird - all diese und noch andere industrielle Errungenschaften im ganzen Lande zeugen davon, dass die Sowjetindustrie trotz aller Schwierigkeiten wie eine gut begossene Pflanze wächst und erstarkt... Der Fünfjahrplan hat die Grundlagen für die künftige Entwicklung geschaffen und hat die Macht der UdSSR außerordentlich gesteigert.“

Eine Äußerung der englischen bürgerlichen Zeitung „The Financial Times“:

„Die Erfolge im Maschinenbau stehen außer Zweifel. Die Lobpreisung dieser Erfolge in der Presse und in Reden ist durchaus nicht unbegründet. Man darf nicht vergessen, dass Rußland früher nur ganz einfache Maschinen und Geräte produziert hat. Die absolute Zahl der eingeführten Maschinen und Instrumente nimmt zwar auch jetzt noch zu; aber der Anteil der importierten Maschinen, im Vergleich mit den Maschinen, die in der UdSSR selbst hergestellt werden, wird immer geringer. Die UdSSR produziert jetzt alle für ihre Hütten- und Elektroindustrie nötigen Maschineneinrichtungen. Sie hat es fertig gebracht, eine eigene Automobilindustrie zu schaffen. Sie hat die Produktion von Geräten und Instrumenten aufgenommen, und zwar auf der ganzen Stufenleiter von den kleinsten Präzisionsinstrumenten bis zu den schwersten Pressen. Was die landwirtschaftlichen Maschinen betrifft, so ist die UdSSR nicht mehr von der Einfuhr aus dem Auslande abhängig. Zugleich trifft die Sowjetregierung Maßnahmen, damit die Verzögerungen in der Produktion von Kohle und Eisen der Erfüllung des Fünfjahrplans in vier Jahren nicht im Wege stehen. Es besteht kein Zweifel, dass die neu aufgebauten gewaltigen Betriebe eine bedeutende Steigerung der Produktion der Schwerindustrie sichern.“

Eine Äußerung der österreichischen bürgerlichen Zeitung „Neue Freie Presse“ [47] zu Beginn des Jahres 1932:

„Mag man den Bolschewismus verfluchen, aber man muss ihn kennen... Der Fünfjahrplan ist eine neue Größe, die in jede Wirtschaftsberechnung eingestellt werden muss.“

Eine Äußerung des englischen Kapitalisten Gibson Jarvie, des Vorsitzenden der Bankfirma „United Dominions Trust“, vom Oktober 1932:

„Ich möchte erklären, dass ich nicht Kommunist und nicht Bolschewik bin. Ich bin ausgesprochener Kapitalist und Individualist... Rußland schreitet vorwärts, während allzu viele von unseren Betrieben stilliegen und ungefähr drei Millionen Menschen unseres Volkes verzweifelt Arbeit suchen. Der Fünfjahrplan ist ins Lächerliche gezogen worden, und man hat sein Scheitern prophezeit. Aber man kann es als außer jedem Zweifel stehend betrachten, dass unter den Bedingungen des Fünfjahrplans mehr geleistet worden ist als vorgesehen war... In allen Industriestädten, die ich besucht habe, erstehen neue, nach einem bestimmten Plan aufgebaute Viertel mit breiten Straßen, grünen Boulevards und Parkanlagen, mit ganz modernen Häusern, Schulen, Krankenhäusern, Arbeiterklubs und den obligaten Kinderkrippen und Kindergärten, wo man für die Kinder der arbeitenden Mütter sorgt... Man versuche nicht, die russischen Pläne zu unterschätzen, und gebe sich nicht dem irrigen Glauben hin, dass die Sowjetregierung scheitern könne... Das heutige Rußland ist ein Land mit Seele und mit einem Ideal. Rußland ist ein Land von erstaunlicher Aktivität. Ich bin überzeugt, dass die Bestrebungen Rußlands gesund sind... Das Wichtigste ist vielleicht, dass die gesamte Jugend und die Arbeiter Rußlands etwas haben, was in den kapitalistischen Ländern heute leider fehlt, nämlich die Hoffnung.“

Eine Äußerung der amerikanischen bürgerlichen Zeitschrift „The Nation“ [48] vom November 1932:

„In den vier Jahren des Fünfjahrplans sind wahrlich erstaunliche Erfolge erzielt worden. Die Sowjetunion arbeitete mit einer Intensität, wie sie sonst nur in Kriegszeiten üblich ist, an der Erfüllung der schöpferischen Aufgabe, die Grundlagen für ein neues Leben zu schaffen. Das Bild des Landes ändert sich buchstäblich bis zur Unkenntlichkeit... Das gilt von Moskau mit seinen Hunderten von neu asphaltierten Straßen und Plätzen, mit seinen neuen Häusern, neuen Vororten und dem Ring neuer Fabriken in den Vorstädten. Das gilt ebenso von weniger bedeutenden Städten. In Steppen und Wüsten sind neue Städte erstanden, und zwar nicht nur einige, sondern mindestens 50 mit einer Bevölkerungszahl von 50000 bis 250000 Menschen. Sie alle sind in den letzten vier Jahren erstanden, in jeder von ihnen finden wir einen neuen Betrieb oder eine Reihe von Betrieben, die zur Verarbeitung der Naturschätze erbaut wurden. Hunderte von neuen Überlandkraftwerken und eine ganze Reihe von Giganten wie das Dnjepr-Kraftwerk setzen allmählich Lenins Formel in die Tat um: ‚Sozialismus ist Sowjetmacht plus Elektrifizierung’... Die Sowjetunion hat jetzt die Massenproduktion einer unendlichen Zahl von Gegenständen in Angriff genommen, die Rußland vorher nie erzeugt hat: Traktoren, Mähdrescher, Qualitätsstahl, synthetischer Kautschuk, Kugellager, mächtige Dieselmotoren, 50000-Kilowatt-Turbinen, Telefonanlagen, elektrische Maschinen für den Bergbau, Flugzeuge, Automobile, Fahrräder und einige Hundert neuer Maschinentypen... Zum ersten Mal in der Geschichte werden in Rußland Aluminium, Magnesit, Apatite, Jod, Pottasche und viele andere wertvolle Produkte gewonnen. Nicht die Kuppeln und Kreuze der Kirchen sind nunmehr Wegweiser auf dem flachen Lande in der Sowjetunion, sondern Getreideelevatoren und Silotürme. Die Kollektivwirtschaften bauen Häuser, Stallungen und richten Schweinefarmen ein. Die Elektrizität dringt in das Dorf ein, das vom Radio und von der Presse erobert worden ist. Die Arbeiter lernen an den modernsten Maschinen arbeiten. Bauernburschen bauen und bedienen landwirtschaftliche Maschinen, die größer und komplizierter sind, als sie Amerika jemals gesehen hat. Rußland beginnt ‚in Maschinen zu denken’. Rußland geht rasch vom Zeitalter des Holzes zum Zeitalter des Eisens, des Stahls, des Betons, der Motoren über.“

Eine Äußerung der „links“-reformistischen Zeitschrift „Forward“ [49] in England vom September 1932:

„Die gewaltige Bauarbeit, die in der UdSSR geleistet wird, springt in die Augen. Neue Fabriken, neue Schulen, neue Kinotheater, neue Klubs, neue Großbauten - überall Neubauten. Viele sind schon fertig, andere stecken noch im Baugerüst. Es ist schwer, dem englischen Leser genau begreiflich zu machen, was in den letzten zwei Jahren geleistet worden ist und was weiter geleistet wird. Man muss es sehen, um es zu glauben. Unsere eigenen Errungenschaften während der Kriegszeit sind eine Bagatelle im Vergleich mit dem, was in der UdSSR geleistet wird. Die Amerikaner gestehen, dass es selbst zur Zeit der ungestümen Bautätigkeit in den Weststaaten nichts gegeben hat, was der gegenwärtigen fieberhaften Schöpfertätigkeit in der UdSSR gliche. In den letzten zwei Jahren sind so viele Veränderungen in der UdSSR vor sich gegangen, dass man es aufgibt, sich vorzustellen, was in diesem Lande nach zehn Jahren sein wird... Man schlage sich also die phantastischen Greuelgeschichten der englischen Zeitungen, die so hartnäckig unsinnige Lügen über die UdSSR verbreiten, aus dem Kopf. Man schlage sich auch alle halben Wahrheiten und auf Unverständnis beruhenden Eindrücke aus dem Kopf, deren Urheber dilettantenhafte Intellektuelle sind, die durch die Brille der Mittelklasse herablassend auf die UdSSR schauen, ohne die geringste Ahnung davon zu haben, was dort vorgeht... Die UdSSR baut eine neue Gesellschaft auf einer gesunden Grundlage auf. Um dieses Ziel zu erreichen, muss man ein Risiko eingehen, muss man mit Enthusiasmus arbeiten, mit einer Energie, wie sie die Welt bisher noch nicht gekannt hat, muss man mit ungeheuren Schwierigkeiten kämpfen, die unvermeidlich sind, wenn man den Sozialismus in einem gewaltigen, von der übrigen Welt isolierten Lande errichten will. Als ich aber zum zweiten Mal in zwei Jahren das Land besuchte, da sah ich, dass es den Weg des sicheren Fortschritts geht, dass es plant, schafft und baut - und all dies in einem Maßstab, der eine eindrucksvolle Herausforderung an die feindselige kapitalistische Welt ist.“

Solcherart sind die einander widersprechenden Meinungen und der Zwiespalt im Lager der bürgerlichen Kreise. Die einen sind für die Vernichtung der UdSSR mit ihrem angeblich gescheiterten Fünfjahrplan, die anderen aber sind offensichtlich für Handelsbeziehungen mit der UdSSR, augenscheinlich in der Berechnung, dass sie aus den Erfolgen des Fünfjahrplans auch für sich einigen Nutzen werden ziehen können.

Eine ganz andere Frage, ist die Stellungnahme der Arbeiterklasse der kapitalistischen Länder zum Fünfjahrplan, zu den Erfolgen des sozialistischen Aufbaus in der UdSSR. Man kann sich hier auf die Wiedergabe der Äußerung einer der vielen Arbeiterdelegationen beschränken, die jährlich in die UdSSR kommen, zum Beispiel auf die Äußerung der belgischen Arbeiterdelegation. Diese Äußerung ist für alle Arbeiterdelegationen ohne Ausnahme charakteristisch, gleichviel, ob es sich um englische oder französische, deutsche oder amerikanische, oder um Delegationen aus anderen Ländern handelt. Sie lautet:

„Wir sind begeistert von dem gewaltigen Aufbau, den wir auf unserer Reise beobachtet haben. In Moskau ebenso wie in Makejewka, Gorlowka, Charkow und Leningrad konnten wir feststellen, mit welchem Enthusiasmus dort gearbeitet wird. Die Maschinen sind alle von modernster Konstruktion. In den Betrieben ist alles sauber, viel Luft und Licht. Wir haben gesehen, wie in der UdSSR den Arbeitern ärztliche und sanitäre Hilfe erwiesen wird. Die Arbeiterwohnungen sind in der Nähe der Betriebe erbaut. Die Arbeitersiedlungen haben ihre Schulen und Kinderkrippen; für die Kinder wird außerordentlich gut gesorgt. Wir konnten den Unterschied zwischen den alten und den neu erbauten Betrieben, zwischen den alten und den neuen Wohnungen sehen. Alles, was wir gesehen haben, hat uns eine klare Vorstellung von der gewaltigen Kraft der Werktätigen gegeben, die unter Führung der Kommunistischen Partei eine neue Gesellschaft aufbauen. Wir haben in der UdSSR einen großen kulturellen Aufschwung festgestellt, während in den anderen Ländern auf allen Gebieten Verfall und Arbeitslosigkeit herrschen. Wir konnten sehen, auf welch ungeheure Schwierigkeiten die Werktätigen in der Sowjetunion auf ihrem Wege stoßen. Umso mehr verstehen wir den Stolz, mit dem sie auf ihre Siege weisen. Wir sind überzeugt, dass sie alle Hindernisse überwinden werden.“

Das ist also die internationale Bedeutung des Fünfjahrplans. Es genügten zwei bis drei Jahre unserer Aufbauarbeit, es genügte, dass die ersten Erfolge des Fünfjahrplans sichtbar wurden, und schon spaltete sich die ganze Welt in zwei Lager, in das Lager der Menschen, die uns unaufhörlich ankläffen, und in das Lager der Menschen, die von den Erfolgen unseres Fünfjahrplans in Staunen versetzt werden, ganz davon zu schweigen, dass wir auch unser eigenes, in ständigem Wachsen begriffenes Lager in der ganzen Welt haben, das Lager der Arbeiterklasse in den kapitalistischen Ländern, das sich über die Erfolge der Arbeiterklasse der UdSSR freut und bereit ist, zum Schrecken der Bourgeoisie der ganzen Welt, die UdSSR zu unterstützen.

Was bedeutet all dies?

Das bedeutet, dass die internationale Bedeutung des Fünfjahrplans, die internationale Bedeutung seiner Erfolge und Errungenschaften nicht in Zweifel gezogen werden kann.

Das bedeutet, dass die kapitalistischen Länder mit der proletarischen Revolution schwanger gehen, und eben weil sie mit der proletarischen Revolution schwanger gehen, möchte die Bourgeoisie aus Misserfolgen des Fünfjahrplans ein neues Argument gegen die Revolution schöpfen, während das Proletariat, im Gegenteil, aus den Erfolgen des Fünfjahrplans ein neues Argument für die Revolution, gegen die Bourgeoisie der ganzen Welt zu schöpfen sucht und auch wirklich schöpft.

Die Erfolge des Fünfjahrplans mobilisieren die revolutionären Kräfte der Arbeiterklasse aller Länden- gegen den Kapitalismus - das ist eine unbestreitbare Tatsache.

Es kann keinen Zweifel darüber geben, dass die internationale revolutionäre Bedeutung des Fünfjahrplans in der Tat unermesslich ist.

Mit umso größerer Aufmerksamkeit müssen wir die Frage des Fünfjahrplans, des Inhalts des Fünfjahrplans, der grundlegenden Aufgaben des Fünfjahrplans behandeln.

Mit umso größerer Gründlichkeit müssen wir die Ergebnisse des Fünfjahrplans, die Ergebnisse der Durchführung und Verwirklichung des Fünfjahrplans analysieren.

 

II
DIE GRUNDLEGENDE AUFGABE
DES FÜNFJAHRPLANS UND DER WEG
ZU IHRER VERWIRKLICHUNG

 

Gehen wir nun zur Frage des Fünfjahrplans selbst über.

Was ist der Fünfjahrplan?

Worin bestand die grundlegende Aufgabe des Fünfjahrplans?

Die grundlegende Aufgabe des Fünfjahrplans bestand darin, unser Land mit seiner rückständigen, mitunter mittelalterlichen Technik auf die Bahnen der neuen, der modernen Technik überzuleiten.

Die grundlegende Aufgabe des Fünfjahrplans bestand darin, die UdSSR aus einem Agrarland, einem machtlosen, von den Launen der kapitalistischen Länder abhängigen Land in ein Industrieland, in ein mächtiges, völlig selbständiges und von den Launen des internationalen Kapitalismus unabhängiges Land zu verwandeln.

Die grundlegende Aufgabe des Fünfjahrplans bestand darin, durch Verwandlung der UdSSR in ein Industrieland die kapitalistischen Elemente restlos zu verdrängen, die Front der sozialistischen Wirtschaftsformen zu erweitern und die ökonomische Basis für die Aufhebung der Klassen in der UdSSR, für die Errichtung der sozialistischen Gesellschaft zu schaffen.

Die grundlegende Aufgabe des Fünfjahrplans bestand darin, in unserem Lande eine Industrie zu schaffen, die imstande sein würde, nicht allein die ganze Industrie, sondern auch das Verkehrswesen und die Landwirtschaft auf der Grundlage des Sozialismus neu auszurüsten und zu reorganisieren.

Die grundlegende Aufgabe des Fünfjahrplans bestand darin, die kleine und zersplitterte Landwirtschaft auf die Bahnen des kollektiven Großbetriebs überzuleiten, dadurch die ökonomische Basis des Sozialismus im Dorfe sicherzustellen und auf diese Weise die Möglichkeit der Wiederherstellung des Kapitalismus in der UdSSR zu beseitigen.

Schließlich bestand die Aufgabe des Fünfjahrplans darin, im Lande alle notwendigem technischen und ökonomischen Voraussetzungen zu schaffen, um die Verteidigungskraft des Landes maximal zu heben und so die Organisierung der entschiedenen Abwehr aller und jeglicher Versuche einer militärischen Intervention von außen, aller und jeglicher Versuche eines militärischen Überfalls von außen zu ermöglichen.

Wodurch wurde diese grundlegende Aufgabe des Fünfjahrplans geboten, wodurch war sie begründet?

Durch die Notwendigkeit, die technische und wirtschaftliche Rückständigkeit der Sowjetunion zu beseitigen, die sie zu einem nicht gerade beneidenswerten Dasein verurteilte; durch die Notwendigkeit, im Lande die Voraussetzungen zu schaffen, die es ihm ermöglichen würden, die fortgeschrittenen kapitalistischen Länder in technisch-ökonomischer Hinsicht nicht nur einzuholen, sondern mit der Zeit auch zu überholen.

Durch die Erwägung, dass die Sowjetmacht nicht lange auf einer rückständigen Industrie basieren kann, dass nur eine moderne Großindustrie, die der Industrie der kapitalistischen Länder nicht nur nicht nachsteht, sondern sie mit der Zeit zu überflügeln vermag, der Sowjetmacht als wirkliches und zuverlässiges Fundament dienen kann.

Durch die Erwägung, dass die Sowjetmacht nicht lange auf zwei entgegengesetzten Grundlagen basieren kann, auf der sozialistischen Großindustrie, die die kapitalistischen Elemente vernichtet, und auf der kleinen bäuerlichen Einzelwirtschaft, die die kapitalistischen Elemente erzeugt.

Durch die Erwägung, dass, solange die Landwirtschaft nicht auf die Basis der Großproduktion gestellt ist, solange die bäuerlichen Kleinwirtschaften nicht zu kollektiven Großwirtschaften vereinigt sind, die Gefahr der Wiederherstellung des Kapitalismus in der UdSSR die realste von allen Gefahren ist.

Lenin sagte:

„Die Revolution bewirkte, dass Rußland in einigen Monaten seinem politischen System nach die fortgeschrittenen Länder eingeholt hat.

Aber das ist zuwenig. Der Krieg ist unerbittlich, er stellt die Frage mit schonungsloser Schärfe: entweder untergehen oder die fortgeschrittenen Länder auch ökonomisch einholen und überholen... Untergehen oder mit Volldampf vorwärts stürmen. So wird die Frage von der Geschichte gestellt.“ (Siehe Bd. XXI, S. 191 [50].)

Lenin sagte:

„Solange wir in einem kleinbäuerlichen Lande leben, besteht für den Kapitalismus in Rußland eine festere ökonomische Basis als für den Kommunismus. Das darf man nicht vergessen. Jeder, der das Leben auf dem Lande aufmerksam beobachtet und es mit dem Leben in der Stadt verglichen hat, weiß, dass wir den Kapitalismus nicht mit den Wurzeln ausgerottet und dem inneren Feind das Fundament, den Boden nicht entzogen haben. Dieser Feind behauptet sich dank dem Kleinbetrieb, und um ihm den Boden zu entziehen, gibt es nur ein Mittel: die Wirtschaft des Landes, auch die Landwirtschaft, auf eine neue technische Grundlage, auf die technische Grundlage der modernen Großproduktion, zu stellen... Erst dann, wenn das Land elektrifiziert ist, wenn die Industrie, die Landwirtschaft und das Verkehrswesen eine moderne groß-industrielle technische Grundlage erhalten, erst dann werden wir endgültig gesiegt haben.“ (Siehe Bd. XXVI, S. 46/47 [51].)

Diese Leitsätze wurden denn auch den Erwägungen der Partei zugrunde gelegt, die zur Ausarbeitung des Fünfjahrplans, zur Festlegung der grundlegenden Aufgabe des Fünfjahrplans geführt haben.

So steht es mit der grundlegenden Aufgabe des Fünfjahrplans.

Die Verwirklichung eines solchen grandiosen Plans kann jedoch nicht aufs Geratewohl in Angriff genommen werden. Um einen solchen Plan zu verwirklichen, musste man vor allem das Hauptkettenglied des Plans finden, denn erst als das Hauptkettenglied gefunden und erfasst worden war, konnten auch alle übrigen Kettenglieder des Plans nachgezogen werden.

Worin bestand das Hauptkettenglied des Fünfjahrplans?

Das Hauptkettenglied des Fünfjahrplans bestand in der Schwerindustrie mit ihrem Herzstück, dem Maschinenbau. Denn nur die Schwerindustrie ist imstande, sowohl die gesamte Industrie als auch das Verkehrswesen und die Landwirtschaft zu rekonstruieren und auf die Beine zu stellen. Die Verwirklichung des Fünfjahrplans musste denn auch mit der Schwerindustrie begonnen werden. Folglich musste die Wiederherstellung der Schwerindustrie der Verwirklichung des Fünfjahrplans zugrunde gelegt werden.

Auch in dieser Hinsicht haben wir Hinweise von Lenin:

„Die Rettung für Rußland ist nicht nur eine gute Ernte in der Bauernwirtschaft - das ist zuwenig - und nicht nur ein guter Zustand der Leichtindustrie, die der Bauernschaft Gebrauchsgegenstände liefert - das ist ebenfalls zuwenig -, wir brauchen auch eine Schwerindustrie... Ohne Rettung der Schwerindustrie, ohne ihre Wiederherstellung können wir keinerlei Industrie aufbauen, ohne diese aber werden wir überhaupt als selbständiges Land zugrunde gehen... Die Schwerindustrie braucht Staatssubsidien. Wenn wir sie nicht finden, so gehen wir als zivilisierter Staat - ich sage schon gar nicht als sozialistischer - zugrunde.“ (Siehe Bd. XXVII, S. 349 [52].)

Die Wiederherstellung und Entwicklung der Schwerindustrie ist aber, besonders in einem so rückständigen und armen Lande, wie es unser Land zu Beginn des Fünfjahrplans war, die schwierigste Sache, denn die Schwerindustrie erfordert bekanntlich gewaltige finanzielle Aufwendungen und das Vorhandensein eines gewissen Minimums an erfahrenen technischen Kräften, ohne die, allgemein gesprochen, die Wiederherstellung der Schwerindustrie unmöglich ist. Wusste dies die Partei und hat sie sich darüber Rechenschaft gegeben? Ja, sie wusste es. Und sie wusste es nicht nur, sondern sie verkündete es auch laut und vernehmlich. Die Partei wusste, auf welchem Wege die Schwerindustrie in England, Deutschland und Amerika aufgebaut worden war. Sie wusste, dass die Schwerindustrie in diesen Ländern entweder mit Hilfe von großen Anleihen oder durch Ausplünderung anderer Länder, oder auf beiden Wegen gleichzeitig aufgebaut worden war. Die Partei wusste, dass diese Wege unserem Lande verschlossen sind. Worauf rechnete sie nun? Sie rechnete auf die eigenen Kräfte unseres Landes. Sie rechnete darauf, dass wir, die wir die Sowjetmacht haben und uns auf die Nationalisierung des Grund und Bodens, der Industrie, des Verkehrswesens, der Banken und des Handels stützen, das strengste Sparsamkeitsregime durchführen können, um genügend Mittel zu akkumulieren, die für die Wiederherstellung und Entwicklung der Schwerindustrie notwendig sind. Die Partei erklärte offen, dass dieses Werk große Opfer erfordern wird und dass wir, ohne etwas zu verhehlen, bewusst zu diesen Opfern bereit sein müssen, wenn wir unser Ziel erreichen wollen. Die Partei rechnete darauf, dieses Werk mit den inneren Kräften unseres Landes, ohne knechtende Auslandskredite und -anleihen, zu vollbringen.

Lenin sagte darüber folgendes:

„Wir müssen danach streben, einen Staat aufzubauen, in dem die Arbeiter die Führung über die Bauern behaupten, sich das Vertrauen der Bauern bewahren und durch größte Sparsamkeit jede Spur jedweden überflüssigen Aufwandes aus ihrer Gesellschaftsordnung ausmerzen.

Wir müssen unseren Staatsapparat auf die größte Sparsamkeit einstellen. Wir müssen jede Spur überflüssigen Aufwandes aus ihm ausmerzen, der sich in ihm vom zaristischen Rußland, von seinem bürokratischen kapitalistischen Apparat in so großem Maße noch erhalten hat.

Wird das nicht ein Reich bäuerlicher Beschränktheit sein?

Nein. Wenn wir der Arbeiterklasse die Führung über die Bauernschaft erhalten, dann wird es uns um den Preis der größten, der allergrößten Sparsamkeit in der Wirtschaft unseres Staates möglich sein, zu erreichen, dass jede noch so kleine Ersparnis für die Entwicklung unserer maschinellen Großindustrie, für die Entwicklung der Elektrifizierung, der Torfgewinnung im Pumpverfahren, für die Fertigstellung des Baus der Wolchowkraftwerke usw. erhalten bleibt.

Darin, und nur darin, wird unsere Hoffnung liegen. Nur dann werden wir imstande sein, um es bildlich auszudrücken, uns von dem einen Pferd auf das andere zu setzen, nämlich von dem Bauernklepper, von dem heruntergekommenen Gaul des Mushik, dem Pferd der Sparmaßnahmen, die auf ein verarmtes Bauernland berechnet sind - auf ein Pferd, wie es das Proletariat für sich sucht und suchen muss, auf das Pferd der maschinellen Großindustrie, der Elektrifizierung, der Wolchowkraftwerke usw.“ (Siehe Bd. XXVII, S. 417 [53].)

Sich von dem heruntergekommenen Bauernklepper auf das Pferd der maschinellen Großindustrie zu setzen - das war das Ziel, das die Partei bei der Ausarbeitung des Fünfjahrplans und beim Kampf für dessen Verwirklichung verfolgte.

Einführung des strengsten Sparsamkeitsregimes und Akkumulation der für die Finanzierung der Industrialisierung unseres Landes notwendigen Mittel - das war der Weg, der beschritten werden musste, um die Schaffung der Schwerindustrie und die Verwirklichung des Fünfjahrplans zu erreichen.

Eine kühne Aufgabe? Ein schwieriger Weg? Aber unsere Partei heißt eben deshalb die Partei Lenins, weil sie nicht das Recht hat, Schwierigkeiten zu fürchten.

Mehr noch. Die Partei war davon, dass der Fünfjahrplan verwirklicht werden kann, so fest überzeugt, und ihr Glaube an die Kraft der Arbeiterklasse war so stark, dass sie es für möglich hielt, sich die Aufgabe zu stellen, dieses schwierige Werk nicht in fünf Jahren zu verwirklichen, wie dies der Fünfjahrplan verlangte, sondern in vier Jahren, eigentlich in vier Jahren und drei Monaten, wenn wir das Sonderquartal mitrechnen.

Auf dieser Grundlage entstand denn auch die berühmte Losung „Fünfjahrplan in vier Jahren“.

Und was geschah?

Die Tatsachen haben in der Folge gezeigt, dass die Partei Recht hatte.

Die Tatsachen haben gezeigt, dass ohne diese Kühnheit und ohne diesen Glauben an die Kräfte der Arbeiterklasse die Partei jenen Sieg nicht hätte erringen können, auf den wir jetzt mit Recht stolz sind.

 

III
DIE ERGEBNISSE DES FÜNFJAHRPLANS
IN VIER JAHREN
AUF DEM GEBIET DER INDUSTRIE

 

Gehen wir nun zu den Ergebnissen der Verwirklichung des Fünfjahrplans über.

Welches sind die Ergebnisse des Fünfjahrplans in vier Jahren auf dem Gebiet der Industrie?

Haben wir auf diesem Gebiet den Sieg errungen?

Ja, das haben wir. Und wir haben nicht allein den Sieg errungen, sondern sogar mehr getan, als wir selbst erwartet hatten, als die größten Heißsporne in unserer Partei erwarten konnten. Das stellen jetzt selbst die Feinde nicht in Abrede. Umso weniger können das unsere Freunde in Abrede stellen.

Wir hatten keine Eisenhüttenindustrie, diese Grundlage der Industrialisierung des Landes. Jetzt haben wir sie.

Wir hatten keine Traktorenindustrie. Jetzt haben wir sie.

Wir hatten keine Automobilindustrie. Jetzt haben wir sie.

Wir hatten keinen Werkzeugmaschinenbau. Jetzt haben wir ihn.

Wir hatten keine ernst zu nehmende, keine moderne chemische Industrie. Jetzt haben wir sie.

Wir hatten keine wirkliche und ernst zu nehmende Industrie zur Herstellung moderner landwirtschaftlicher Maschinen. Jetzt haben wir sie. Wir hatten keine Flugzeugindustrie. Jetzt haben wir sie.

In der Erzeugung elektrischer Energie standen wir auf dem letzten Platz. Jetzt sind wir auf einen der ersten Plätze vorgerückt.

In der Erzeugung von Erdölprodukten und in der Kohlenförderung standen wir auf dem letzten Platz. Jetzt sind wir auf einen der ersten Plätze vorgerückt.

Wir hatten nur eine einzige Kohlen- und Hüttenbasis, und zwar in der Ukraine, eine Basis, mit der wir mit Mühe zurechtkamen. Wir haben erreicht, dass wir nicht nur diese Basis hochgebracht, sondern auch eine neue Kohlen- und Hüttenbasis im Osten geschaffen haben, die der Stolz unseres Landes ist.

Wir hatten nur eine einzige Basis der Textilindustrie, und zwar im Norden unseres Landes. Wir haben erreicht, dass wir in der nächsten Zeit zwei neue Zentren der Textilindustrie, in Mittelasien und in Westsibirien, haben werden.

Und wir haben diese neuen, gewaltigen Industriezweige nicht nur geschaffen, sondern haben sie in einem solchen Maßstab und in einem solchen Umfang geschaffen, dass vor ihnen Maßstab und Umfang der europäischen Industrien verblassen.

All das hat dazu geführt, dass die kapitalistischen Elemente aus der Industrie endgültig und unwiderruflich verdrängt worden sind und die sozialistische Industrie zur einzigen Form der Industrie in der UdSSR geworden ist.

All das hat dazu geführt, dass unser Land aus einem Agrarland zu einem Industrieland geworden ist, denn der Anteil der Industrieproduktion an der Gesamtproduktion stieg im Verhältnis zur Produktion der Landwirtschaft von 48 Prozent zu Beginn des Fünfjahrplans (1928) auf 70 Prozent am Ende des vierten Jahres des Fünfjahrplans (1932).

All das hat dazu geführt, dass es uns am Ende des vierten Jahres des Fünfjahrplans gelungen ist, das Programm der gesamten Industrieproduktion, das auf fünf Jahre berechnet war, zu 93,7 Prozent zu erfüllen, wodurch wir den Umfang der Industrieproduktion im Vergleich mit dem Vorkriegsniveau auf mehr als das Dreifache und im Vergleich mit 1928 auf mehr als das Doppelte erhöht haben. Was das Produktionsprogramm der Schwerindustrie betrifft, so haben wir den Fünfjahrplan zu 108 Prozent erfüllt.

Allerdings fehlen zur Erfüllung des Gesamtprogramms des Fünfjahrplans 6 Prozent. Das aber ist damit zu erklären, dass wir infolge der Weigerung einiger Nachbarländer, Nichtangriffspakte mit uns abzuschließen, und infolge der Verwicklungen im Fernen Osten [54] gezwungen waren, zur Stärkung der Verteidigungskraft eine Reihe von Betrieben eiligst auf die Erzeugung von modernen Verteidigungsmitteln umzustellen. Diese Umstellung aber hat, da eine gewisse Vorbereitungsperiode durchzumachen war, dazu geführt, dass diese Betriebe ihre Produktion für vier Monate einstellten, was sich auf die Erfüllung des gesamten Produktionsprogramms des Fünfjahrplans im Laufe des Jahres 1932 auswirken musste. Diese Operation führte dazu, dass wir die Lücken auf dem Gebiet der Verteidigungskraft des Landes restlos ausgefüllt haben. Sie musste sich aber auf die Erfüllung des Produktionsprogramms des Fünfjahrplans ungünstig auswirken. Es kann kein Zweifel darüber bestehen, dass wir, wäre dieser Umstand nicht dazwischengekommen, die Gesamtproduktionszahlen des Fünfjahrplans nicht nur erfüllt, sondern bestimmt auch übererfüllt hätten.

Schließlich hat all das dazu geführt, dass die Sowjetunion sich aus einem schwachen und zur Verteidigung nicht gerüsteten Land in ein im Sinne der Verteidigungskraft mächtiges Land verwandelt hat, in ein Land, das gegen alle Zufälligkeiten gewappnet ist, in ein Land, das alle modernen Verteidigungsmittel in Massenumfang herstellen und seine Armee bei einem Überfall von außen mit ihnen versorgen kann.

Das sind im Großen und Ganzen die Ergebnisse des Fünfjahrplans in vier Jahren auf dem Gebiet der Industrie.

Urteilen Sie jetzt selbst, was nach alledem von dem Geschwätz der bürgerlichen Presse vom „Scheitern“ des Fünfjahrplans auf dem Gebiet der Industrie zu halten ist.

Und wie steht es in den kapitalistischen Ländern, die jetzt eine schwere Krise durchmachen, um das Wachstum der Industrieproduktion? Hier die jedermann bekannten offiziellen Angaben.

Während der Umfang der Industrieproduktion der UdSSR bis Ende 1932 im Vergleich zum Torkriegsstand auf 334 Prozent gewachsen ist, ist in dem gleichen Zeitraum die Industrieproduktion der Vereinigten Staaten auf 84 Prozent des Vorkriegsstandes, Englands auf 75, Deutschlands auf 62 Prozent zurückgegangen.

Während der Umfang der Industrieproduktion der UdSSR bis Ende 1932 im Vergleich mit dem Stand von 1928 auf 219 Prozent gewachsen ist, ist in dem gleichen Zeitraum die Industrieproduktion der Vereinigten Staaten auf 56 Prozent, Englands auf 80, Deutschlands auf 55 und Polens auf 54 Prozent zurückgegangen.

Was besagen diese Angaben anderes, als dass das kapitalistische System der Industrie im Wettstreit mit dem Sowjetsystem die Probe nicht bestanden hat, dass das Sowjetsystem der Industrie in jeder Hinsicht dem kapitalistischen System überlegen ist.

Man sagt uns, all das sei recht schön, es seien viele neue Betriebe gebaut und die Grundlagen der Industrialisierung geschaffen worden. Es wäre jedoch weitaus besser gewesen, auf die Politik der Industrialisierung, auf die Politik der Erweiterung der Erzeugung von Produktionsmitteln zu verzichten oder wenigstens diese Aufgabe in den Hintergrund zu rücken, um mehr Kattun, Schuhe, Kleider und andere Massenbedarfsartikel herzustellen.

Es sind tatsächlich weniger Massenbedarfsartikel erzeugt worden als benötigt werden, und das schafft gewisse Schwierigkeiten. Aber man muss wissen und sich Rechenschaft darüber ablegen, wohin uns eine Politik, die die Industrialisierungsaufgaben in den Hintergrund rückt, geführt hätte. Natürlich hätten wir von den eineinhalb Milliarden Rubel in Valuta, die während dieser Periode für die Ausrüstung unserer Schwerindustrie aufgewandt wurden, die Hälfte für den Import von Baumwolle, Leder, Wolle, Kautschuk usw. verwenden können. Wir hätten dann mehr Kattun, Schuhe, Kleider. Aber wir hätten dann weder eine Traktorenindustrie noch eine Automobilindustrie, hätten keine einigermaßen bedeutende Eisenhüttenindustrie, wir hätten kein Metall für den Maschinenbau und stünden der mit moderner Technik ausgerüsteten kapitalistischen Umwelt wehrlos gegenüber.

Wir hätten uns dann der Möglichkeit beraubt, die Landwirtschaft mit Traktoren und landwirtschaftlichen Maschinen zu versorgen, säßen also ohne Brot da.

Wir hätten uns der Möglichkeit beraubt, den Sieg über die kapitalistischen Elemente im Lande zu erringen, hätten also die Chancen für eine Restauration des Kapitalismus unermesslich erhöht.

Wir hätten dann nicht alle die modernen Verteidigungsmittel, ohne die die staatliche Unabhängigkeit eines Landes unmöglich ist, ohne die sich ein Land in ein Objekt der Kriegshandlungen auswärtiger Feinde verwandelt. Unsere Lage wäre dann der Lage des heutigen Chinas mehr oder weniger ähnlich, das keine eigene Schwerindustrie, keine eigene Kriegsindustrie hat und das jetzt von allen, denen es nur gefällt, gerupft wird.

Mit einem Wort: Wir hätten in diesem Fall eine militärische Intervention, keine Nichtangriffspakte, sondern den Krieg, einen gefährlichen Krieg auf Tod und Leben, einen blutigen und ungleichen Krieg, denn in diesem Kriege hätten wir den Feinden, denen alle modernen Angriffsmittel zur Verfügung stehen, fast wehrlos gegenübergestanden.

So liegen die Dinge, Genossen.

Es ist klar, dass eine Staatsmacht, die etwas auf sich hält, eine Partei, die etwas auf sich hält, einen solchen verderblichen Standpunkt nicht einnehmen konnte.

Und eben weil die Partei eine solche antirevolutionäre Einstellung verworfen hat, eben deshalb hat sie einen entscheidenden Sieg bei der Erfüllung des Fünfjahrplans auf dem Gebiet der Industrie errungen.

Bei der Verwirklichung des Fünfjahrplans und bei der Organisierung des Sieges auf dem Gebiet des industriellen Aufbaus hat die Partei die Politik des maximal beschleunigten Tempos der Entwicklung der Industrie durchgeführt. Die Partei hat das Land gleichsam angepeitscht, um seinen Vormarsch zu beschleunigen.

Hat die Partei richtig gehandelt, als sie die Politik des maximal beschleunigten Tempos durchführte?

Ja, sie hat unbedingt richtig gehandelt.

Man muss ein Land, das um 100 Jahre zurückgeblieben ist und dem infolge seiner Zurückgebliebenheit eine tödliche Gefahr droht, vorwärts treiben. Nur auf diese Weise konnte dem Lande die Möglichkeit gegeben werden, in aller Eile auf der Basis der modernen Technik umzurüsten und endlich die breite Heerstraße der Entwicklung zu betreten.

Wir konnten ferner nicht wissen, an welchem Tage die Imperialisten die UdSSR überfallen und unseren Aufbau unterbrechen würden; dass sie uns aber in einem beliebigen Augenblick, unter Ausnutzung der technischen und wirtschaftlichen Schwäche unseres Landes, überfallen konnten, darüber war kein Zweifel möglich. Die Partei war deshalb gezwungen, das Land anzupeitschen, um keine Zeit zu versäumen, um die Atempause restlos auszunutzen und in der UdSSR rechtzeitig die Grundlagen der Industrialisierung zu schaffen, die die Basis ihrer Macht bilden. Die Partei hatte keine Möglichkeit, zu warten und zu manövrieren, und sie musste die Politik des maximal beschleunigten Tempos durchführen.

Schließlich musste die Partei in möglichst kurzer Frist der Schwäche des Landes auf dem Gebiet der Landesverteidigung ein Ende setzen. Die gegenwärtige Lage, die Zunahme der Rüstungen in den kapitalistischen Ländern, das Fiasko der Abrüstungsidee, der Hass der internationalen Bourgeoisie gegen die UdSSR - all das drängte die Partei dazu, die Stärkung der Verteidigungskraft des Landes, dieser Grundlage seiner Unabhängigkeit, zu forcieren.

Hatte aber die Partei die reale Möglichkeit, die Politik des maximal beschleunigten Tempos durchzuführen? Ja, sie hatte sie. Sie hatte diese Möglichkeit nicht nur deshalb, weil es ihr gelungen war, das Land rechtzeitig zum raschen Vormarsch zu mobilisieren, sondern vor allem auch deshalb, weil sie sich bei dem umfassenden neuen Aufbau auf alte oder erneuerte Werke und Fabriken stützen konnte, deren Technik von den Arbeitern, Ingenieuren und Technikern bereits gemeistert worden war und die daher die Verwirklichung des maximal beschleunigten Entwicklungstempos ermöglichten.

Eben auf dieser Grundlage setzte bei uns in der Periode des ersten Fünfjahrplans die rasche Entfaltung des neuen Aufbaus, das Pathos des voll entfalteten Aufbaus ein, traten Helden und Stoßarbeiter der Neubauten auf den Plan, entstand die Praxis des stürmischen Entwicklungstempos.

Kann man behaupten, dass im zweiten Fünfjahrplan genau dieselbe Politik des maximal beschleunigten Tempos durchgeführt werden muss? Nein, das kann man nicht behaupten.

Erstens haben wir dank der erfolgreichen Durchführung des Fünfjahrplans seine Hauptaufgabe im Wesentlichen bereits erfüllt: die Schaffung einer Basis der neuen modernen Technik für die Industrie, das Verkehrswesen und die Landwirtschaft. Ist es da geboten, das Land auch weiterhin anzupeitschen und anzutreiben? Es ist klar, dass hierzu jetzt keine Notwendigkeit vorliegt.

Zweitens ist es uns dank der erfolgreichen Erfüllung des Fünfjahrplans bereits gelungen, die Verteidigungskraft des Landes auf die gebührende Höhe zu bringen. Ist es da geboten, das Land auch weiterhin anzupeitschen und anzutreiben? Es ist klar, dass hierzu jetzt keine Notwendigkeit vorliegt.

Schließlich ist es uns dank der erfolgreichen Erfüllung des Fünfjahrplans gelungen, Dutzende und Hunderte neuer großer Werke und Kombinate zu errichten, die über eine neue, komplizierte Technik verfügen. Das bedeutet, dass im zweiten Fünfjahrplan schon nicht mehr die alten Werke, deren Technik bereits gemeistert ist, in Bezug auf den Umfang der Industrieproduktion die Hauptrolle spielen werden, wie dies in der Periode des ersten Fünfjahrplans der Fall war, sondern die neuen Werke, deren Technik noch nicht gemeistert ist und erst gemeistert werden muss. Die Meisterung der neuen Betriebe und der neuen Technik bereitet aber bedeutend größere Schwierigkeiten als die Ausnutzung der alten oder erneuerten Werke und Fabriken, deren Technik bereits gemeistert ist. Sie erfordert mehr Zeit, denn die Qualifikation der Arbeiter, Ingenieure und Techniker muss erhöht werden, und sie müssen neue Fertigkeiten erwerben, um die neue Technik restlos ausnutzen zu können. Ist es nach alledem nicht klar, dass wir in der Periode des zweiten Fünfjahrplans, insbesondere in den ersten zwei, drei Jahren des zweiten Fünfjahrplans, selbst wenn wir es wollten, die Politik des maximal beschleunigten Entwicklungstempos nicht durchführen könnten?

Deshalb glaube ich, dass wir im zweiten Planjahrfünft ein weniger beschleunigtes Wachstumstempo in der Industrieproduktion werden einschlagen müssen. In der Periode des ersten Fünfjahrplans betrug die jährliche Zunahme der Industrieproduktion durchschnittlich 22 Prozent. Ich glaube, dass wir für den zweiten Fünfjahrplan eine jährliche Zunahme der Industrieproduktion um durchschnittlich 13-14 Prozent als Minimum werden ansetzen müssen. Für die kapitalistischen Länder ist ein solches Tempo der Zunahme der Industrieproduktion ein unerreichbares Ideal. Und nicht allein ein solches Tempo der Zunahme der Industrieproduktion, selbst eine Zunahme um durchschnittlich 5 Prozent im Jahr ist jetzt für sie ein unerreichbares Ideal. Aber dafür sind sie ja auch kapitalistische Länder. Anders liegen die Dinge im Sowjetland mit seinem sowjetischen Wirtschaftssystem. Mit unserem Wirtschaftssystem haben wir vollauf die Möglichkeit, eine jährliche Zunahme der Produktion um 13-14 Prozent als Minimum zu erreichen, und wir müssen das erreichen.

In der Periode des ersten Fünfjahrplans haben wir es verstanden, den Enthusiasmus, das Pathos des neuen Aufbaus zu organisieren, und haben entscheidende Erfolge errungen. Das ist sehr gut. Jetzt genügt das aber nicht mehr. Jetzt müssen wir erreichen, dass sich hierzu der Enthusiasmus, das Pathos der Meisterung der neuen Betriebe und der neuen Technik gesellt, dass eine ernste Steigerung der Arbeitsproduktivität, eine ernste Herabsetzung der Selbstkosten einsetzt.

Das ist jetzt die Hauptsache.

Denn nur auf dieser Basis können wir erreichen, dass wir, sagen wir, um die Mitte des zweiten Planjahrfünfts sowohl auf dem Gebiet des Aufbaus als auch hinsichtlich der Zunahme der Industrieproduktion einen neuen machtvollen Anlauf nehmen können.

Schließlich einige Worte über das Entwicklungstempo und über den Prozentsatz der jährlichen Produktionszunahme. Unsere Industriefachleute beschäftigen sich wenig mit dieser Frage. Und doch ist das eine sehr interessante Frage. Was bedeutet die prozentuale Zunahme der Produktion, und was steckt eigentlich hinter jedem Prozent der Zunahme? Nehmen wir zum Beispiel das Jahr 1925, die Wiederherstellungsperiode. Die Zunahme der Produktion betrug in diesem Jahr 66 Prozent. Die Gesamtproduktion der Industrie belief sich auf 7,7 Milliarden Rubel. 66 Prozent Zunahme machten also damals in absoluten Zahlen über 3 Milliarden aus. Folglich war jedes Prozent der Zunahme gleich 45 Millionen Rubel. Nehmen wir jetzt das Jahr 1928. Es ergab eine Zunahme um 26 Prozent, das heißt prozentual etwas mehr als ein Drittel der Zunahme von 1925. Die Gesamtproduktion der Industrie betrug damals 15,5 Milliarden Rubel. Die gesamte Zunahme in einem Jahr betrug in absoluten Zahlen 3280 Millionen Rubel. Folglich war jedes Prozent der Zunahme damals gleich 126 Millionen Rubel, das heißt, es betrug fast dreimal soviel wie im Jahre 1925, als wir eine Zunahme um 66 Prozent hatten. Nehmen wir schließlich das Jahr 1931. Es ergab eine Zunahme um 22 Prozent, das heißt ein Drittel des Prozentsatzes von 1925. Die Gesamtproduktion der Industrie machte damals 30,8 Milliarden Rubel aus. Die gesamte Zunahme ergab in absoluten Zahlen mehr als 5600 Millionen. Folglich betrug jedes Prozent der Zunahme mehr als 250 Millionen Rubel, das heißt sechsmal soviel wie im Jahre 1925, als wir eine Zunahme um 66 Prozent hatten, und doppelt soviel wie im Jahre 1928, als wir eine Zunahme um mehr als 26 Prozent hatten.

Was besagt das alles? Das besagt, dass man sich beim Studium des Tempos der Produktionszunahme nicht auf die Prüfung der prozentualen Zunahme allein beschränken darf, man muss auch wissen, was sich hinter jedem Prozent der Zunahme verbirgt und wie hoch der Gesamtbetrag der jährlichen Zunahme der Produktion ist. Wir setzen zum Beispiel für 1933 eine Zunahme um 16 Prozent an, das heißt ein Viertel des Prozentsatzes von 1925. Das bedeutet aber noch nicht, dass die Produktionszunahme in diesem Jahr gleichfalls ein Viertel der von 1925 betragen wird. Die Produktionszunahme im Jahre 1925 betrug in absoluten Zahlen mehr als 3 Milliarden Rubel, und jedes Prozent war gleich 45 Millionen Rubel. Es besteht kein Grund, daran zu zweifeln, dass die Produktionszunahme im Jahre 1933 in absoluten Zahlen, bei einer Norm von 16 Prozent Zunahme, nicht weniger als 5 Milliarden Rubel, das heißt fast doppelt soviel wie im Jahre 1925 betragen wird, und jedes Prozent wird mindestens 320-340 Millionen Rubel gleich sein, das heißt, es wird wenigstens siebenmal soviel ausmachen wie jedes Prozent der Zunahme im Jahre 1925.

So liegen die Dinge, Genossen, wenn man die Frage des Tempos und des Prozentsatzes der Zunahme konkret untersucht.

So steht es um die Ergebnisse des Fünfjahrplans in vier Jahren auf dem Gebiet der Industrie.

 

IV
DIE ERGEBNISSE DES FÜNFJAHRPLANS
IN VIER JAHREN
AUF DEM GEBIET DER LANDWIRTSCHAFT

 

Gehen wir nun zur Frage der Ergebnisse des Fünfjahrplans in vier Jahren auf dem Gebiet der Landwirtschaft über.

Der Fünfjahrplan auf dem Gebiet der Landwirtschaft ist ein Fünfjahrplan der Kollektivierung. Wovon ging die Partei bei der Durchführung der Kollektivierung aus?

Die Partei ging davon aus, dass zur Festigung der Diktatur des Proletariats und zur Errichtung der sozialistischen Gesellschaft außer der Industrialisierung noch der Übergang von der kleinen individuellen Bauernwirtschaft zu dem mit Traktoren und modernen landwirtschaftlichen Maschinen ausgerüsteten kollektiven landwirtschaftlichen Großbetrieb notwendig ist, als der einzig festen Grundlage der Sowjetmacht im Dorfe.

Die Partei ging davon aus, dass es ohne die Kollektivierung unmöglich ist, unser Land auf die breite Heerstraße der Errichtung des ökonomischen Fundaments des Sozialismus zu führen, dass es ohne die Kollektivierung unmöglich ist, die vielen Millionen der werktätigen Bauernschaft von Elend und Unwissenheit zu erlösen.

Lenin sagte:

„Mit der Kleinwirtschaft kann man aus der Not nicht herauskommen.“ (Siehe Bd. XXIV, S. 540 [55].)

Lenin sagte:

„Wenn wir in althergebrachter Weise in kleinen Wirtschaften hocken bleiben, und sei es auch als freie Bürger auf freier Scholle, so droht uns dennoch der unvermeidliche Untergang.“ (Siehe Bd. XX, S.417 [56].)

Lenin sagte:

„Nur durch gemeinsame, artelmäßige, genossenschaftliche Arbeit kann man aus der Sackgasse, in die uns der imperialistische Krieg getrieben hat, einen Ausweg finden.“ (Siehe Bd. XXIV, S. 537 [57].)

Lenin sagte:

„Es ist notwendig, zur gemeinsamen Bodenbestellung in großen Musterwirtschaften überzugehen“, denn „sonst kann man aus der Zerrüttung, aus der geradezu verzweifelten Lage nicht herauskommen, in der sich Rußland befindet.“ (Siehe Bd. XX, S. 418 [58].)

Davon ausgehend, gelangte Lenin zu der folgenden grundlegenden Schlussfolgerung:

„Nur in dem Falle, dass es gelingt, den Bauern die Vorzüge der gesellschaftlichen, kollektiven, gemeinschaftlichen, artelmäßigen Bodenbestellung in der Praxis vor Augen zu führen, nur wenn es gelingt, dem Bauern mittels der gemeinschaftlichen, der Artelwirtschaft zu helfen, nur dann wird die Arbeiterklasse, die die Staatsmacht in der Hand hat, den Bauern wirklich den Beweis erbringen, dass sie im Rechte ist, und die Millionenmassen der Bauern fest und wirklich auf ihre Seite ziehen.“ (Siehe Bd. XXIV, S. 579 [59].)

Von diesen Thesen Lenins ist die Partei bei der Durchführung des Programms der Kollektivierung der Landwirtschaft, des Programms des Fünfjahrplans auf dem Gebiet der Landwirtschaft ausgegangen.

In Verbindung damit bestand die Aufgabe des Fünfjahrplans in der Landwirtschaft darin, die zersplitterten und kleinen individuellen Bauernwirtschaften, die nicht die Möglichkeit hatten, Traktoren und moderne landwirtschaftliche Maschinen anzuwenden, zu kollektiven, mit allen modernen Geräten einer hoch entwickelten Landwirtschaft ausgestatteten Großwirtschaften zu vereinigen und auf den restlichen freien Bodenflächen mustergültige Staatswirtschaften, Sowjetwirtschaften, zu errichten.

Die Aufgabe des Fünfjahrplans in der Landwirtschaft bestand darin, die UdSSR aus einem kleinbäuerlichen und rückständigen Land in ein Land landwirtschaftlicher Großbetriebe zu verwandeln, die auf der Grundlage der kollektiven Arbeit organisiert sind und den größten Prozentsatz an Warenproduktion ergeben.

Was hat die Partei bei der Durchführung des Fünfjahrplans in vier Jahren auf dem Gebiet der Landwirtschaft erreicht? Hat sie dieses Programm erfüllt, oder hat sie eine Niederlage erlitten?

Die Partei hat erreicht, dass sie in nicht mehr als drei Jahren über 200000 Kollektivwirtschaften und an die 5000 Sowjetwirtschaften für Getreidebau und für Viehzucht zu organisieren vermochte und dass gleichzeitig in vier Jahren die Anbaufläche um 21 Millionen Hektar erweitert wurde.

Die Partei hat erreicht, dass die Kollektivwirtschaften jetzt mehr als 60 Prozent der Bauernwirtschaften vereinigen und mehr als 70 Prozent des gesamten bäuerlichen Bodens erfassen, was eine Erfüllung des Fünfjahrplans zu 300 Prozent bedeutet.

Die Partei hat erreicht, dass sie jetzt die Möglichkeit besitzt, statt der 500-600 Millionen Pud Warengetreide, die in der Periode der Vorherrschaft der individuellen Bauernwirtschaft aufgebracht wurden, 1200 bis 1400 Millionen Pud Warengetreide jährlich aufzubringen.

Die Partei hat erreicht, dass das Kulakentum als Klasse zerschmettert, wenn auch noch nicht restlos vernichtet ist, dass die werktätige Bauernschaft von der Knechtung und Ausbeutung durch die Kulaken befreit ist und dass für die Sowjetmacht im Dorfe eine feste ökonomische Basis geschaffen wurde, die Basis der kollektiven Wirtschaft.

Die Partei hat erreicht, dass die UdSSR aus einem Lande der kleinbäuerlichen Wirtschaft bereits zum Lande der größten landwirtschaftlichen Betriebe der Welt geworden ist.

Das sind im Großen und Ganzen die Ergebnisse des Fünfjahrplans in vier Jahren auf dem Gebiet der Landwirtschaft.

Urteilen Sie jetzt selbst, was nach alledem von dem Geschwätz der bürgerlichen Presse vom „Zusammenbruch“ der Kollektivierung, vom „Scheitern“ des Fünfjahrplans auf dem Gebiet der Landwirtschaft zu halten ist.

Und wie ist es um die Landwirtschaft in den kapitalistischen Ländern bestellt, die jetzt eine schwere Agrarkrise durchmachen?

Hier offizielle Angaben, die allen bekannt sind:

In den wichtigsten Getreide produzierenden Ländern beträgt der Rückgang der Anbaufläche 8-10 Prozent. Die Anbaufläche der Baumwolle ist in den Vereinigten Staaten um 15 Prozent, die Anbaufläche der Zuckerrüben in Deutschland und in der Tschechoslowakei um 22-30 Prozent, die Anbaufläche des Flachses in Litauen und Lettland um 25-30 Prozent zurückgegangen.

Nach den Angaben des amerikanischen Departements für Landwirtschaft ist der Wert der landwirtschaftlichen Gesamtproduktion in den Vereinigten Staaten von 11 Milliarden Dollar im Jahre 1929 auf 5 Milliarden Dollar im Jahre 1932 gesunken. Beim Getreide ist in dem gleichen Lande der Wert der Gesamtproduktion von 1288 Millionen Dollar im Jahre 1929 auf 391 Millionen Dollar im Jahre 1932 gesunken. Bei der Baumwolle ist dort ein Rückgang von 1389 Millionen Dollar im Jahre 1929 auf 397 Millionen Dollar im Jahre 1932 zu verzeichnen.

Sprechen nicht alle diese Tatsachen von der Überlegenheit des Sowjetsystems der Landwirtschaft über das kapitalistische System? Sprechen diese Tatsachen nicht davon, dass die Kollektivwirtschaften eine lebensfähigere Wirtschaftsform darstellen als die einzelbäuerlichen und kapitalistischen Wirtschaften?

Man sagt, die Kollektiv- und Sowjetwirtschaften seien nicht ganz rentabel, sie verschlängen ungeheure Mittel, es hätte gar keinen Sinn, solche Betriebe aufrechtzuerhalten, es wäre zweckmäßiger, sie aufzulösen und nur diejenigen Betriebe aufrechtzuerhalten, die rentabel sind. So können aber nur Leute sprechen, die von den Fragen der Volkswirtschaft, von den Fragen der Ökonomik nichts verstehen. Mehr als die Hälfte der Textilbetriebe war vor einigen Jahren unrentabel. Ein Teil unserer Genossen schlug uns damals vor, diese Betriebe stillzulegen. Wo wären wir hingekommen, wenn wir ihnen gefolgt wären? Wir hätten das größte Verbrechen an dem Lande, an der Arbeiterklasse begangen, denn wir hätten damit unsere aufstrebende Industrie zugrunde gerichtet. Wie haben wir damals gehandelt? Wir haben etwas mehr als ein Jahr gewartet und erreicht, dass die ganze Textilindustrie rentabel wurde. Und unsere Autowerke in der Stadt Gorki? Auch sie sind doch einstweilen unrentabel. Wollen Sie, dass wir sie stilllegen? Oder unsere Eisenhüttenindustrie, die ebenfalls einstweilen unrentabel ist? Sollen wir sie etwa stilllegen, Genossen? Wenn man die Rentabilität so auffasst, dann dürften wir nur einige wenige Zweige der Industrie mit voller Kraft entwickeln, und zwar diejenigen, die den größten Gewinn abwerfen, zum Beispiel die Konditoreiwaren-, Mühlen-, Parfümerie-, Wirkwaren-, Spielwarenindustrie usw. Ich bin natürlich nicht gegen die Entwicklung dieser Industriezweige. Im Gegenteil, sie müssen entwickelt werden, da sie für die Bevölkerung gleichfalls notwendig sind. Aber erstens können sie nicht entwickelt werden ohne Maschinen und Brennstoffe, die ihnen die Schwerindustrie liefert. Zweitens kann die Leichtindustrie nicht die Basis der Industrialisierung sein. Darum handelt es sich, Genossen.

Die Rentabilität darf man nicht auf Krämerart, vom Standpunkt des Augenblicks betrachten. Die Rentabilität muss man vom Standpunkt der gesamten Volkswirtschaft in der Perspektive einiger Jahre betrachten. Nur ein solcher Standpunkt kann als wirklich leninistischer, wirklich marxistischer Standpunkt gelten. Und dieser Standpunkt ist obligatorisch nicht nur hinsichtlich der Industrie, sondern in noch höherem Grade hinsichtlich der Kollektiv- und Sowjetwirtschaften. Bedenken Sie doch nur: In nicht mehr als drei Jahren haben wir über 200000 Kollektivwirtschaften und an die 5000 Sowjetwirtschaften geschaffen, das heißt, wir haben völlig neue Großbetriebe geschaffen, die für die Landwirtschaft von ebensolcher Bedeutung sind wie die großen Werke und Fabriken für die Industrie. Nennen Sie ein Land, das es vermocht hätte, im Verlauf von drei Jahren nicht etwa 205000 neue Großbetriebe, sondern auch nur 25000 solche Betriebe zu schaffen. Sie werden es nicht nennen können, denn ein solches Land gibt es nicht und hat es niemals gegeben. Wir aber haben 205000 neue Betriebe in der Landwirtschaft geschaffen. Und da zeigt sich nun, dass es in der Welt Leute gibt, die verlangen, dass diese Betriebe sofort rentabel werden, und wenn sie nicht sofort rentabel würden, so müsse man sie zerstören und auflösen. Ist es nicht klar, dass die Lorbeeren des Herostrat diese mehr als sonderbaren Leute nicht schlafen lassen?

Wenn ich von der Unrentabilität der Kollektiv- und Sowjetwirtschaften spreche, so will ich damit durchaus nicht sagen, dass sie alle unrentabel sind. Keine Spur! Jedermann weiß, dass es schon jetzt eine ganze Reihe von hochrentablen Kollektiv- und Sowjetwirtschaften gibt. Wir haben Tausende von Kollektivwirtschaften und Dutzende von Sowjetwirtschaften, die schon jetzt völlig rentabel sind. Diese Kollektiv- und Sowjetwirtschaften sind der Stolz unserer Partei, der Stolz der Sowjetmacht. Die Kollektiv- und Sowjetwirtschaften sind natürlich nicht überall gleichartig. Unter den Kollektiv- und Sowjetwirtschaften gibt es alte, neue und ganz junge. Das sind noch schwache, noch nicht voll entwickelte Wirtschaftsorganismen. Sie machen in ihrem organisatorischen Aufbau annähernd die gleiche Periode durch, die unsere Industriebetriebe in den Jahren 1920 und 1921 durchgemacht haben. Es ist klar, dass sie in ihrer Mehrzahl noch nicht rentabel sein können. Dass sie aber im Verlauf von 2 bis 3 Jahren rentabel sein werden, genauso wie unsere Industriebetriebe nach dem Jahre 1921 rentabel geworden sind - darüber kann kein Zweifel bestehen. Wollte man ihnen aus dem Grunde, weil sie im Augenblick nicht alle rentabel sind, Hilfe und Unterstützung verweigern, so würde man das größte Verbrechen an der Arbeiterklasse und an der Bauernschaft begehen. Nur Volksfeinde und Konterrevolutionäre können die Behauptung aufstellen, dass die Kollektiv- und Sowjetwirtschaften unnötig seien.

Bei der Verwirklichung des Fünfjahrplans in der Landwirtschaft hat die Partei die Kollektivierung in beschleunigtem Tempo durchgeführt. Hat die Partei richtig gehandelt, als sie die Politik des beschleunigten Kollektivierungstempos betrieb? Ja, sie hat unbedingt richtig gehandelt, obwohl es hier nicht ohne einen gewissen Übereifer abgegangen ist. Bei der Durchführung der Politik der Liquidierung des Kulakentums als Klasse und bei der Vernichtung der Kulakennester konnte die Partei nicht auf halbem Wege stehen bleiben - sie musste dieses Werk zu Ende führen. Das als erstes.

Zweitens hatte die Partei, da sie einerseits über Traktoren und landwirtschaftliche Maschinen verfügte und sich anderseits das Fehlen von Privateigentum an Grund und Boden (Nationalisierung des Bodens!) zunutze machte, alle Möglichkeiten, um die Kollektivierung der Landwirtschaft zu forcieren. Und sie hat auf diesem Gebiet in der Tat einen gewaltigen Erfolg errungen, denn sie hat das Programm des Fünfjahrplans der Kollektivierung zu 300 Prozent verwirklicht.

Bedeutet das, dass wir auch in der Periode des zweiten Fünfjahrplans eine Politik des forcierten Tempos der Kollektivierung betreiben sollen? Nein, das bedeutet es nicht. Die Sache ist die, dass wir in den wichtigsten Gebieten der UdSSR die Kollektivierung im Wesentlichen bereits abgeschlossen haben. Wir haben also auf diesem Gebiet mehr geleistet, als man erwarten konnte. Und wir haben nicht nur die Kollektivierung im Wesentlichen abgeschlossen, wir haben auch erreicht, dass die gewaltige Mehrheit der Bauernschaft die Kollektivwirtschaften als die geeignetste Wirtschaftsform erkannt hat. Das ist eine gewaltige Errungenschaft, Genossen. Lohnt es sich hiernach, sich für ein schnelles Tempo der Kollektivierung zu ereifern? Es ist klar, dass es sich nicht lohnt.

Jetzt handelt es sich nicht mehr um ein beschleunigtes Tempo der Kollektivierung und noch weniger um Sein oder Nichtsein der Kollektivwirtschaften - diese Frage ist bereits positiv entschieden. Die Kollektivwirtschaften haben festen Fuß gefasst, und der Weg zu der alten, der Einzelwirtschaft ist endgültig versperrt. Jetzt besteht die Aufgabe darin, die Kollektivwirtschaften organisatorisch zu festigen, die Schädlingselemente aus ihnen zu vertreiben, echte, bewährte bolschewistische Kader für die Kollektivwirtschaften auszuwählen und die Kollektivwirtschaften wirklich bolschewistisch zu machen.

Das ist jetzt die Hauptsache.

So steht es um den Fünfjahrplan in vier Jahren auf dem Gebiet der Landwirtschaft.

 

V
DIE ERGEBNISSE DES FÜNFJAHRPLANS
IN VIER JAHREN AUF DEM GEBIET DER VERBESSERUNG
DER MATERIELLEN LAGE DER ARBEITER UND BAUERN

 

Ich habe vorhin über die Erfolge in Industrie und Landwirtschaft, über den Aufschwung der Industrie und der Landwirtschaft in der UdSSR gesprochen. Welche Ergebnisse haben diese Erfolge vom Standpunkt der Verbesserung der materiellen Lage der Arbeiter und Bauern gebracht? Worin bestehen die Hauptergebnisse unserer Erfolge in Industrie und Landwirtschaft vom Standpunkt der radikalen Verbesserung der materiellen Lage der Werktätigen?

Sie bestehen erstens darin, dass die Arbeitslosigkeit überwunden und die Ungewissheit der Arbeiter über den morgigen Tag beseitigt ist.

Sie bestehen zweitens darin, dass nahezu die gesamte arme Bauernschaft durch den kollektivwirtschaftlichen Aufbau erfasst ist, wodurch der Differenzierung der Bauernschaft in Kurlaken und arme Bauern Einhalt geboten und zugleich der Verelendung und dem Pauperismus im Dorfe ein Ende gemacht worden ist.

Das ist eine gewaltige Errungenschaft, Genossen, von der kein einziger bürgerlicher Staat, und sei es der „demokratischste“, auch nur zu träumen wagt.

Bei uns, in der UdSSR, haben die Arbeiter schon längst vergessen, was Arbeitslosigkeit ist. Vor etwa drei Jahren hatten wir an die anderthalb Millionen Arbeitslose. Jetzt sind es schon zwei Jahre, dass wir die Arbeitslosigkeit überwunden haben. Und die Arbeiter haben während dieser Zeit die Arbeitslosigkeit, ihren Druck, ihre Schrecken schon vergessen. Sehen Sie sich doch die kapitalistischen Länder an, was für fürchterliche Dinge dort infolge der Arbeitslosigkeit geschehen. In diesen Ländern gibt es jetzt nicht weniger als 30-40 Millionen Arbeitslose. Was sind das für Menschen? Man spricht von ihnen gewöhnlich als von „erledigten Menschen“.

Täglich bewerben sie sich um Arbeit, befinden sie sich auf der Suche nach Arbeit und sind bereit, unter fast beliebigen Bedingungen Arbeit anzunehmen, aber sie werden nicht eingestellt, denn sie sind „überflüssige“ Menschen. Und das geschieht zu einer Zeit, da gewaltige Massen von Waren und Produkten vergeudet werden, um den Launen der vom Schicksal Verwöhnten, der Kapitalisten- und Gutsbesitzersöhnchen, Genüge zu tun.

Man verweigert den Arbeitslosen die Nahrung, weil sie sie nicht bezahlen können, man verweigert ihnen ein Obdach, weil sie die Miete nicht bezahlen können. Wovon und wo leben sie? Sie leben von dürftigen Brosamen, die von der Herren Tische fallen, sie wühlen in den Müllkästen, wo sie verfaulte Nahrungsmittelreste finden, sie leben in den Elendsquartieren der Großstädte, zumeist aber in elenden Hütten außerhalb der Stadt, die von den Arbeitslosen aus Kistenbrettern und Baumrinde notdürftig zusammengezimmert werden. Aber das ist noch nicht alles. Unter der Arbeitslosigkeit leiden nicht nur die Arbeitslosen. Auch die beschäftigten Arbeiter leiden unter ihr. Sie leiden deshalb, weil das Vorhandensein einer großen Zahl von Arbeitslosen für sie eine unsichere Lage im Betrieb, eine Ungewissheit über den morgigen Tag schafft. Heute arbeiten sie im Betrieb, doch sind sie nicht sicher, ob sie morgen beim Erwachen nicht erfahren, dass sie bereits entlassen sind.

Eine der Haupterrungenschaften des Fünfjahrplans in vier Jahren besteht darin, dass wir die Arbeitslosigkeit beseitigt und die Arbeiter der UdSSR von ihren Schrecken erlöst haben.

Dasselbe ist über die Bauern zu sagen. Sie ihrerseits haben die Differenzierung der Bauern in Kulaken und arme Bauern, die Ausbeutung der armen Bauern durch die Kulaken, den Ruin vergessen, der jährlich Hunderttausende und Millionen von armen Bauern an den Bettelstab brachte. Vor 3-4 Jahren gab es bei uns an armen Bauern nicht weniger als 30 Prozent der gesamten bäuerlichen Bevölkerung. Das waren ungefähr zwanzig Millionen Menschen. Noch früher, vor der Oktoberrevolution, machten die armen Bauern nicht weniger als 60 Prozent der bäuerlichen Bevölkerung aus. Was stellen die armen Bauern dar? Das sind Menschen, denen in der Wirtschaft gewöhnlich entweder das Saatgut fehlte oder die kein Pferd, keine Arbeitsgeräte hatten, oder denen alle diese Dinge zusammen fehlten. Die armen Bauern sind Menschen, die ein Hungerdasein fristeten und in der Regel das Joch der Kulaken trugen, in der alten Zeit aber sowohl das der Kulaken als auch das der Gutsbesitzer. Noch vor ganz kurzer Zeit zogen jährlich mehr als zwei Millionen arme Bauern auf Arbeitsuche nach dem Süden, nach dem Nordkaukasus und in die Ukraine, um dort als Tagelöhner bei Kulaken, und noch früher bei Kulaken und Gutsbesitzern, Verdienst zu suchen. In noch größerer Zahl kamen sie jährlich vor die Fabriktore und füllten die Reihen der Arbeitslosen. Und nicht nur die armen Bauern befanden sich in einer solchen elenden Lage. Gut die Hälfte der Mittelbauern litt unter dem gleichen Elend und den gleichen Entbehrungen wie die armen Bauern. Alles das haben die Bauern schon vergessen.

Was hat der Fünfjahrplan in vier Jahren den armen Bauern und den unteren Schichten der Mittelbauern gegeben? Er hat dem Kulakentum als Klasse den Boden entzogen und es zerschlagen und damit die armen Bauern und gut die Hälfte der Mittelbauern vom Kulakenjoch befreit. Er hat sie in die Kollektivwirtschaften einbezogen und eine gesicherte Existenz für sie geschaffen. Er hat damit die Differenzierung der Bauernschaft in Ausbeuter - Kulaken - und in Ausgebeutete - arme Bauern - unmöglich gemacht und das Elend im Dorf beseitigt. Er hat die armen Bauern und die unteren Schichten der Mittelbauern in den Kollektivwirtschaften zu Menschen mit gesicherter Existenz gemacht und damit dem Prozess des Ruins und der Verelendung der Bauernschaft ein Ende gesetzt. Es kommt jetzt bei uns nicht mehr vor, dass sich Millionen von Bauern jährlich von der heimatlichen Scholle losreißen und auf der Suche nach Verdienst in ferne Gebiete ziehen. Will man jetzt den Bauern für eine Arbeit irgendwo außerhalb seiner eigenen Kollektivwirtschaft gewinnen, so muss man einen Vertrag mit der Kollektivwirtschaft unterschreiben und darüber hinaus dem Kollektivbauern noch unentgeltliche Eisenbahnfahrt gewähren. Es kommt jetzt bei uns nicht mehr vor, dass Hunderttausende und Millionen Bauern ruiniert werden und die Tore der Fabriken und Werke umlagern. So etwas hat es gegeben, aber das ist schon längst vorbei. Jetzt ist der Bauer ein Landwirt mit gesicherter Existenz, Mitglied der Kollektivwirtschaft, ihm stehen Traktoren, landwirtschaftliche Maschinen, Saatgutfonds, Reservefonds usw. usf. zur Verfügung.

Das ist es, was der Fünfjahrplan den armen Bauern und den unteren Schichten der Mittelbauern gegeben hat.

Das ist das Wesen der Haupterrungenschaften des Fünfjahrplans auf dem Gebiet der Verbesserung der materiellen Lage der Arbeiter und Bauern.

Als Ergebnis dieser Haupterrungenschaften auf dem Gebiet der Verbesserung der materiellen Lage der Arbeiter und Bauern haben wir im ersten Planjahrfünft:

a) die Verdoppelung der Zahl der Arbeiter und Angestellten in der Großindustrie im Vergleich mit dem Jahre 1928, was eine Übererfüllung des Fünfjahrplans um 57 Prozent ergibt;

b) das Anwachsen des Volkseinkommens - folglich ein Anwachsen des Einkommens der Arbeiter und Bauern -, das im Jahre 1932 45,1 Milliarden Rubel erreicht hat, was eine Steigerung um 85 Prozent im Vergleich mit dem Jahre 1928 ergibt;

c) das Anwachsen des durchschnittlichen Jahreslohns der Arbeiter und Angestellten der Großindustrie um 67 Prozent im Vergleich mit dem Jahre 1928, was eine Übererfüllung des Fünfjahrplans um 18 Prozent ergibt;

d) das Anwachsen des Sozialversicherungsfonds uni 292 Prozent im Vergleich mit dem Jahre 1928 (4120 Millionen Rubel im Jahre 1932 gegenüber 1050 Millionen Rubel im Jahre 1928), was eine Übererfüllung des Fünfjahrplans um 111 Prozent ergibt;

e) die Erweiterung der Werkküchenverpflegung, von der mehr als 70 Prozent der Arbeiter der ausschlaggebenden Industriezweige erfasst sind, was eine Übererfüllung des Plans um 500 Prozent ergibt.

Wir haben natürlich noch nicht die restlose Befriedigung der materiellen Bedürfnisse der Arbeiter und Bauern erreicht. Und wir werden sie in den nächsten Jahren kaum erreichen. Aber wir haben zweifellos erreicht, dass sich die materielle Lage der Arbeiter und Bauern bei uns von Jahr zu Jahr verbessert. Bezweifeln können das höchstens geschworene Feinde der Sowjetmacht oder vielleicht manche Vertreter der bürgerlichen Presse, darunter auch ein Teil der Korrespondenten dieser Presse in Moskau, die von der Ökonomik der Völker und von der Lage der Werktätigen kaum mehr verstehen als, sagen wir, der abessinische Kaiser von höherer Mathematik.

Und wie steht es um die materielle Lage der Arbeiter und Bauern in den kapitalistischen Ländern?

Hier die offiziellen Angaben.

Die Zahl der Arbeitslosen in den kapitalistischen Ländern ist katastrophal gestiegen. In den Vereinigten Staaten ist nach offiziellen Angaben die Zahl der beschäftigten Arbeiter allein in der verarbeitenden Industrie von 8,5 Millionen im Jahre 1928 auf 5,5 Millionen im Jahre 1932 zurückgegangen, und nach den Angaben der Amerikanischen Arbeitsföderation erreichte die Zahl der Arbeitslosen in den Vereinigten Staaten in der gesamten Industrie Ende 1932 an die 11 Millionen. In England ist die Zahl der Arbeitslosen nach den Angaben der offiziellen Statistik von 1290000 im Jahre 1928 auf 2,8 Millionen im Jahre 1932 gestiegen. In Deutschland ist die Zahl der Arbeitslosen nach offiziellen Angaben von 1376000 im Jahre 1928 auf 5,5 Millionen im Jahre 1932 gestiegen. Dasselbe Bild ist in allen kapitalistischen Ländern zu beobachten, wobei die offizielle Statistik die Angaben über die Arbeitslosen, deren Zahl in den kapitalistischen Ländern zwischen 35 und 40 Millionen schwankt, in der Regel zu gering ansetzt.

Der Lohn der Arbeiter wird systematisch abgebaut. Nach offiziellen Angaben hat der Abbau des durchschnittlichen Monatslohns im Vergleich mit dem Jahre 1928 in den Vereinigten Staaten 35 Prozent erreicht, in England in derselben Zeit 15 Prozent, in Deutschland sogar 50 Prozent. Nach den Berechnungen der Amerikanischen Arbeitsföderation betrug der Verlust der amerikanischen Arbeiterschaft infolge des Lohnabbaus im Jahre 1930131 mehr als 35 Milliarden Dollar.

Die ohnehin unbedeutenden Sozialleistungen zugunsten der Arbeiter sind in England und Deutschland bedeutend gekürzt worden. In den Vereinigten Staaten und in Frankreich gibt es überhaupt keine oder fast keine Formen der Arbeitslosenversicherung, was zur Folge hat, dass die Zahl der obdachlosen Arbeiter und der verwahrlosten Kinder, insbesondere in den Vereinigten Staaten, kolossal anwächst.

Nicht besser ist die Lage der Bauernmassen in den kapitalistischen Ländern, wo die Agrarkrise die Bauernwirtschaft von Grund aus unterhöhlt und Millionen ruinierter Bauern und Farmer an den Bettelstab bringt.

Das sind die Ergebnisse des Fünfjahrplans in vier Jahren auf dem Gebiet der Verbesserung der materiellen Lage der Werktätigen der UdSSR.

 

VI
DIE ERGEBNISSE DES FÜNFJAHRPLANS
IN VIER JAHREN AUF DEM GEBIET DES
WARENUMSATZES ZWISCHEN STADT UND LAND

 

Gehen wir nun zur Frage der Ergebnisse des Fünfjahrplans in vier Jahren auf dem Gebiet des Wachstums des Warenumsatzes zwischen Stadt und Land über.

Das gewaltige Wachstum der industriellen und landwirtschaftlichen Produktion, das Wachstum der Warenüberschüsse sowohl in der Industrie als auch in der Landwirtschaft und schließlich das Anwachsen der Bedürfnisse der Arbeiter und Bauern - all das musste zur Belebung und Erweiterung des Warenumsatzes zwischen Stadt und Land führen und hat auch in der Tat dazu geführt.

Der Zusammenschluss von Stadt und Land auf dem Gebiet der Produktion ist die grundlegende Form des Zusammenschlusses. Aber der Zusammenschluss allein auf dem Gebiet der Produktion genügt nicht. Er muss durch einen regen Warenumsatz ergänzt werden, damit die Verbindung zwischen Stadt und Land fest und unzertrennbar wird. Das kann nur durch die Entfaltung des Sowjethandels erreicht werden. Es wäre falsch zu glauben, dass zur Entfaltung des Sowjethandels ein Kanal allein, zum Beispiel die Genossenschaften, genüge. Zur Entfaltung des Sowjethandels müssen alle Kanäle benutzt werden: das Genossenschaftsnetz, das Netz des staatlichen Handels und der kollektivwirtschaftliche Handel.

Manche Genossen glauben, dass die Entfaltung des Sowjethandels, besonders aber die Entfaltung des kollektivwirtschaftlichen Handels, eine Rückkehr zum ersten Stadium der NÖP darstelle. Das ist absolut falsch.

Zwischen dem Sowjethandel, darunter auch dem kollektivwirtschaftlichen Handel, und dem Handel des ersten Stadiums der NÖP besteht ein grundlegender Unterschied.

Im ersten Stadium der NÖP haben wir eine Belebung des Kapitalismus, haben wir den privaten Warenumsatz, die „Tätigkeit“ von Privathändlern, Kapitalisten und Spekulanten zugelassen.

Das war ein mehr oder weniger freier, nur durch die regulierende Rolle des Staates beschränkter Handel. Damals nahm der privatkapitalistische Sektor im Warenumsatz des Landes einen ziemlich großen Platz ein. Ich spreche schon gar nicht davon, dass wir damals weder eine so entwickelte Industrie hatten wie heute noch Kollektiv- und Sowjetwirtschaften, die nach einem Plan arbeiten und dem Staat gewaltige Reserven an landwirtschaftlichen Produkten und städtischen Erzeugnissen zur Verfügung stellen.

Kann man nun sagen, dass wir gegenwärtig in der gleichen Lage sind? Natürlich nicht.

Erstens darf der Sowjethandel keineswegs mit dein Handel im ersten Stadium der NÖP auf eine Stufe gestellt werden, obwohl auch dieser vom Staat reguliert wurde. Während der Handel im ersten Stadium der NOP eine Belebung des Kapitalismus und das Wirken eines privatkapitalistischen Sektors im Warenumsatz zuließ, hat der Sowjethandel die Ablehnung, das Fehlen des einen wie des anderen zur Voraussetzung. Was ist Sowjethandel? Sowjethandel ist Handel ohne Kapitalisten, ohne kleine und große Kapitalisten, Handel ohne Spekulanten, ohne kleine und große Spekulanten. Das ist eine besondere Art Handel, wie ihn die Geschichte bis jetzt noch nicht gekannt hat und den nur wir Bolschewiki unter sowjetischen Entwicklungsbedingungen betreiben.

Zweitens haben wir jetzt eine genügend entwickelte staatliche Industrie und ein ganzes System von Kollektiv- und Sowjetwirtschaften, die dem Staat gewaltige Reserven an landwirtschaftlichen und Industriewaren zur Entfaltung des Sowjethandels sichern. Das gab es nicht und konnte es auch nicht geben unter den Bedingungen des ersten Stadiums der NÖP.

Drittens haben wir es erreicht, dass wir in der letzten Zeit die Privathändler, Kaufleute und Zwischenhändler aller Art aus dem Warenumsatz völlig verdrängt haben. Natürlich schließt das nicht aus, dass im Warenumsatz nach dem Gesetz des Atavismus neuerlich Privathändler und Spekulanten auftauchen können, die das für sie geeignetste Feld, nämlich den kollektivwirtschaftlichen Handel, für ihre Zwecke ausnutzen. Mehr noch, die Kollektivbauern selbst sind zuweilen nicht abgeneigt, sich auf Spekulation einzulassen, was ihnen natürlich nicht zur Ehre gereicht. Aber gegen diese ungesunden Erscheinungen existiert bei uns das unlängst erlassene Gesetz der Sowjetmacht über die Maßnahmen zur Verhinderung der Spekulation und zur Bestrafung der Spekulanten. [60] Sie wissen natürlich, dass diesem Gesetz nicht besondere Milde vorgeworfen werden kann. Sie werden natürlich begreifen, dass es ein solches Gesetz unter den Bedingungen des ersten Stadiums der NÖP weder gab noch geben konnte.

Sie sehen also: Wer nach alledem von einer Rückkehr zum Handel des ersten Stadiums der NÖP redet, der versteht nichts, rein gar nichts von unserer Sowjetökonomik.

Man sagt uns, dass es unmöglich sei, den Handel zu entfalten, selbst wenn es der Sowjethandel ist, ohne eine gesunde Geldwirtschaft und eine gesunde Valuta zu haben, dass vor allem die Geldwirtschaft und unsere Sowjetvaluta, die angeblich gar keinen Wert darstelle, kuriert werden müssten. Das sagen uns die Ökonomen der kapitalistischen Länder. Ich glaube, dass diese verehrten Ökonomen von politischer Ökonomie nicht mehr verstehen als, sagen wir, der Erzbischof von Canterbury von antireligiöser Propaganda. Wie kann man behaupten, dass unsere Sowjetvaluta keinen Wert habe? Ist es etwa nicht Tatsache, dass wir mit dieser Valuta die Magnitogorsker Werke, die Dnjepr-Kraftwerke, die Kusnezker Werke, die Traktorenwerke in Stalingrad und Charkow, die Automobilwerke in Gorki und Moskau gebaut, Hunderttausende Kollektivwirtschaften und Tausende Sowjetwirtschaften errichtet haben? Glauben diese Herren etwa, dass alle diese Betriebe aus Stroh oder aus Lehm und nicht aus wirklichen, bestimmten Wert besitzenden Materialien erbaut worden sind? Wodurch wird die Stabilität der Sowjetvaluta gesichert, allerdings wenn wir den organisierten Markt im Auge haben, dem im Warenumsatz des Landes entscheidende Bedeutung zukommt, und nicht den unorganisierten Markt, der nur untergeordnete Bedeutung hat? Natürlich nicht allein durch Goldreserven. Die Stabilität der Sowjetvaluta wird vor allem durch die gewaltige Menge von Waren in den Händen des Staates, die zu festen Preisen umgesetzt werden, gesichert. Wer von den Ökonomen kann bestreiten, dass eine solche Sicherung, die nur in der UdSSR vorhanden ist, eine realere Sicherung der Stabilität der Valuta darstellt als jede beliebige Goldreserve? Werden die Ökonomen der kapitalistischen Länder jemals begreifen, dass sie mit der Theorie der Goldreserve als der „einzigen“ Sicherung der Stabilität der Valuta endgültig in eine Sackgasse geraten sind?

So steht es um die Fragen, die mit der Entfaltung des Sowjethandels zusammenhängen.

Was haben wir dank der Durchführung des Fünfjahrplans in der Entfaltung des Sowjethandels erreicht?

Wir haben im Ergebnis des Fünfjahrplans:

a) die Vergrößerung der Produktion der Leichtindustrie, die im Vergleich mit dem Jahre 1928 auf 187 Prozent gestiegen ist;

b) das Anwachsen des genossenschaftlichen und staatlichen Einzelhandelsumsatzes, der gegenwärtig in Preisen von 1932 39,6 Milliarden Rubel beträgt, das ist eine Steigerung der Warenmasse im Einzelhandel im Vergleich mit dem Jahre 1928 auf 175 Prozent;

c) die Erweiterung des staatlichen und genossenschaftlichen Handelsnetzes um 158000 Läden und Verkaufsstellen im Vergleich mit dem Jahre 1929;

d) die immer größere Entfaltung des kollektivwirtschaftlichen Handels und die immer umfangreichere Beschaffung landwirtschaftlicher Produkte durch die einzelnen staatlichen und genossenschaftlichen Organisationen.

Das sind die Tatsachen.

Ein völlig anderes Bild zeigt die Lage des Warenumsatzes in den kapitalistischen Ländern, wo die Krise zu einer katastrophalen Schrumpfung des Handels, zur massenhaften Stilllegung von Betrieben und zum Ruin der kleinen und mittleren Kaufleute, zum Bankrott großer Handelsfirmen und zu übermäßigen Warenvorräten im Handel bei andauerndem Sinken der Kaufkraft der werktätigen Massen geführt hat.

Das sind die Ergebnisse des Fünfjahrplans in vier Jahren auf dem Gebiet der Entwicklung des Warenumsatzes.

 

VII
DIE ERGEBNISSE DES FÜNFJAHRPLANS
IN VIER JAHREN AUF DEM GEBIET DES KAMPFES
GEGEN DIE ÜBERRESTE FEINDLICHER KLASSEN

 

Als Ergebnis der Verwirklichung des Fünfjahrplans auf dem Gebiet der Industrie, der Landwirtschaft und des Handels haben wir in allen Sphären der Volkswirtschaft das Prinzip des Sozialismus durchgesetzt und aus ihnen die kapitalistischen Elemente vertrieben.

Wozu musste das in Bezug auf die kapitalistischen Elemente führen, und wozu hat es in der Tat geführt?

Das hat dazu geführt, dass die letzten Überreste der sterbenden Klassen: die Privatindustriellen und ihr Anhang, die Privathändler und ihre Handlanger, die ehemaligen Adligen und Popen, die Kulaken und ihre Helfershelfer, die ehemaligen weißen Offiziere und Landpolizisten, die ehemaligen Polizisten und Gendarmen, die verschiedensten bürgerlichen Intellektuellen chauvinistischer Färbung und alle sonstigen antisowjetischen Elemente aus dem Geleise geworfen wurden.

Diese „Ehemaligen“, die aus dem Geleise geworfen wurden und sich über das ganze Gebiet der UdSSR verstreut haben, verkrochen sich in unseren Werken und Betrieben, in unseren Institutionen und Handelsorganisationen, in den Eisenbahn- und Schifffahrtsbetrieben und hauptsächlich in den Kollektiv- und Sowjetwirtschaften. Sie verkrochen sich und versteckten sich dort unter der Maske von „Arbeitern“ und „Bauern“, wobei sich der eine oder andere von ihnen sogar in die Partei einschlich.

Was brachten sie dorthin mit? Natürlich das Gefühl des Hasses gegen die Sowjetmacht, das Gefühl erbitterter Feindschaft gegen die neuen Wirtschafts-, Lebens- und Kulturformen.

Gegen die Sowjetmacht direkt Attacke zu reiten sind diese Herrschaften nicht mehr imstande. Sie und ihre Klassen haben schon einige Male solche Attacken geritten, aber sie wurden geschlagen und zerstreut. Darum ist das einzige, was sie noch tun können, Schaden und Unheil für die Arbeiter, die Kollektivbauern, die Sowjetmacht und die Partei zu stiften. Und sie schaden auch, wo sie nur können, indem sie versteckte Wühlarbeit betreiben. Sie stecken Lagerhäuser in Brand und beschädigen Maschinen. Sie organisieren Sabotage. Sie organisieren Schädlingsarbeit in den Kollektivwirtschaften, in den Sowjetwirtschaften, wobei manche von ihnen, unter denen sich auch einige Professoren befinden, in ihrem Schädlingsdrang so weit gehen, dass sie dem Vieh in den Kollektiv- und Sowjetwirtschaften die Pest, die sibirische Seuche einimpfen, die Verbreitung der Meningitis unter den Pferden fördern usw.

Aber das ist nicht die Hauptsache. Die Hauptsache in der „Tätigkeit“ dieser Ehemaligen besteht darin, dass sie massenhaft Diebstahl und Veruntreuung staatlichen und genossenschaftlichen Gutes, kollektivwirtschaftlichen Eigentums organisieren. Diebstahl und Veruntreuung in den Werken und Fabriken, Diebstahl und Veruntreuung von Eisenbahnfrachten, Diebstahl und Veruntreuung in Lagerhäusern und Handelsbetrieben - besonders aber Diebstahl und Veruntreuung in den Sowjet- und Kollektivwirtschaften -, das ist die Hauptform der „Tätigkeit“ dieser Ehemaligen. Sie fühlen sozusagen mit ihrem Klasseninstinkt, dass die Grundlage der Sowjetwirtschaft das gesellschaftliche Eigentum bildet, dass man, um der Sowjetmacht zu schaden, eben diese Grundlage erschüttern muss - und sie bemühen sich tatsächlich, das gesellschaftliche Eigentum dadurch zu erschüttern, dass sie Diebstahl und Veruntreuung in Massenumfang organisieren.

Zur Organisierung von Diebstählen nutzen sie die aus dem Privateigentum herrührenden Gewohnheiten und Reminiszenzen der Kollektivbauern aus, die gestern noch Einzelbauern waren, heute aber Mitglieder der Kollektivwirtschaften sind. Sie als Marxisten müssen wissen, dass das Bewusstsein der Menschen in seiner Entwicklung hinter ihrer tatsächlichen Lebenslage zurückbleibt. Die Kollektivbauern sind ihrer Lage nach nicht mehr Einzelbauern, sondern Kollektivisten, aber ihr Bewusstsein ist einstweilen noch das alte, das Bewusstsein von Privateigentümern. Und die aus den Ausbeuterklassen stammenden Ehemaligen nutzen die aus dem Privateigentum herrührenden Gewohnheiten der Kollektivbauern aus, um Diebstahl an gesellschaftlichem Gut zu organisieren und damit die Grundlage der sowjetischen Gesellschaftsordnung, das gesellschaftliche Eigentum, zu erschüttern.

Viele unserer Genossen stehen diesen Erscheinungen gleichmütig gegenüber und verstehen nicht Sinn und Bedeutung der massenhaften Diebstähle und Veruntreuungen. Sie gehen wie Blinde an diesen Tatsachen vorbei, in der Annahme, dass es „daran nichts Besonderes gibt“. Aber diese Genossen sind sehr im Irrtum. Die Grundlage unserer Gesellschaftsordnung ist das gesellschaftliche Eigentum, ebenso wie die Grundlage des Kapitalismus das Privateigentum ist. Die Kapitalisten haben das Privateigentum für heilig und unantastbar erklärt und seinerzeit eine Festigung der kapitalistischen Gesellschaftsordnung erreicht. Wir Kommunisten müssen umso mehr das gesellschaftliche Eigentum für heilig und unantastbar erklären, um damit die neuen, die sozialistischen Wirtschaftsformen auf allen Gebieten der Produktion und des Handels zu festigen. Diebstahl und Veruntreuung gesellschaftlichen Eigentums - gleichviel, ob es sich um Staatseigentum oder genossenschaftliches und kollektivwirtschaftliches Eigentum handelt - zulassen und an solchen konterrevolutionären Schandtaten vorbeigehen heißt die Untergrabung der sowjetischen Gesellschaftsordnung fördern, die sich auf das gesellschaftliche Eigentum als ihre Basis stützt. Davon ging unsere Sowjetregierung aus, als sie unlängst das Gesetz zum Schutz des gesellschaftlichen Eigentums [61] erließ. Dieses Gesetz ist die Grundlage der revolutionären Gesetzlichkeit im gegenwärtigen Augenblick. Seine strengste Durchführung ist die erste Pflicht jedes Kommunisten, jedes Arbeiters und Kollektivbauern.

Man sagt, dass sich die revolutionäre Gesetzlichkeit unserer Zeit durch nichts von der revolutionären Gesetzlichkeit der ersten Periode der NÖP unterscheide, dass die revolutionäre Gesetzlichkeit unserer Zeit eine Rückkehr zu der revolutionären Gesetzlichkeit der ersten Periode der NÖP sei. Das ist absolut falsch. Die revolutionäre Gesetzlichkeit der ersten Periode der NÖP richtete sich mit ihrer Spitze hauptsächlich gegen die Auswüchse des Kriegskommunismus, gegen die „ungesetzlichen“ Konfiskationen und Eintreibungen. Sie garantierte dem Privateigentümer, dem Einzelbesitzer, dem Kapitalisten die Unversehrtheit ihres Besitzes unter der Bedingung, dass sie die Sowjetgesetze aufs strengste einhalten. Ganz anders steht es um die revolutionäre Gesetzlichkeit in unserer Zeit. Die revolutionäre Gesetzlichkeit unserer Zeit ist mit ihrer Spitze nicht gegen die Auswüchse des Kriegskommunismus, die schon längst nicht mehr existieren, sondern gegen Diebe und Schädlinge in der gesellschaftlichen Wirtschaft, gegen Rowdys und Leute gerichtet, die das gesellschaftliche Eigentum veruntreuen. Die größte Sorge der revolutionären Gesetzlichkeit in unserer Zeit gilt folglich dem Schutz des gesellschaftlichen Eigentums und nichts anderem.

Deshalb ist der Kampf für den Schutz des gesellschaftlichen Eigentums, ein Kampf, der mit allen Maßnahmen und Mitteln geführt wird, die uns die Gesetze der Sowjetmacht zur Verfügung stellen, eine der Hauptaufgaben der Partei.

Eine starke und mächtige Diktatur des Proletariats - das ist es, was wir jetzt brauchen, um die letzten Überreste der sterbenden Klassen zu vernichten und ihre Diebesmachenschaften zu vereiteln.

Manche Genossen haben die These von der Aufhebung der Klassen, von der Schaffung einer klassenlosen Gesellschaft und vom Absterben des Staates als Rechtfertigung für Trägheit und Gleichmütigkeit aufgefasst, als Rechtfertigung der konterrevolutionären Theorie vorn Erlöschen des Klassenkampfes und von der Schwächung der Staatsmacht. Es erübrigt sich zu sagen, dass solche Leute mit unserer Partei nichts gemein haben können. Das sind Entartete oder Doppelzüngler, die man aus der Partei verjagen muss. Die Aufhebung der Klassen wird nicht durch das Erlöschen des Klassenkampfes, sondern durch seine Verstärkung erreicht. Das Absterben des Staates wird nicht durch Schwächung der Staatsmacht erfolgen, sondern durch ihre maximale Verstärkung, die notwendig ist, um die Überreste der sterbenden Klassen zu vernichten und die Verteidigung gegen die kapitalistische Umkreisung zu organisieren, die noch bei weitem nicht beseitigt ist und noch nicht so bald beseitigt sein wird.

Durch die Verwirklichung des Fünfjahrplans haben wir erreicht, dass wir die letzten Überreste der feindlichen Klassen aus ihren Positionen in der Produktion endgültig hinausgeworfen, das Kulakentum geschlagen und die Grundlage für eine Vernichtung geschaffen haben. Das ist das Ergebnis des Fünfjahrplans auf dem Gebiet des Kampfes gegen die letzten Trupps der Bourgeoisie. Aber das ist noch zuwenig. Die Aufgabe besteht darin, diese Ehemaligen aus unseren eigenen Betrieben und Institutionen hinauszuwerfen und sie endgültig unschädlich zu machen.

Man kann nicht sagen, dass diese Ehemaligen durch ihre Schädlings- und Diebesmachenschaften an der jetzigen Lage in der UdSSR irgendetwas ändern könnten. Sie sind zu schwach und ohnmächtig, um sich den Maßnahmen der Sowjetmacht zu widersetzen. Wenn sich aber unsere Genossen nicht mit revolutionärer Wachsamkeit wappnen und das spieß-bürgerlich gleichmütige Verhalten zu Fällen des Diebstahls und der Veruntreuung gesellschaftlichen Eigentums nicht aus der Praxis ausmerzen, so können die Ehemaligen nicht wenig Schaden anrichten.

Man muss im Auge behalten, dass die wachsende Macht des Sowjetstaates den Widerstand der letzten Überreste der sterbenden Klassen verstärken wird. Gerade weil sie im Sterben liegen und ihre letzten Tage fristen, werden sie von den Vorstößen der einen Form zu Vorstößen in anderen, schärferen Formen übergehen, an rückständige Schichten der Bevölkerung appellieren und sie gegen die Sowjetmacht mobilisieren. Es gibt keine Gemeinheit und keine Verleumdung, zu der diese Ehemaligen in ihrem Kampf gegen die Sowjetmacht nicht greifen und mit deren Hilfe sie nicht versuchen würden, die rückständigen Elemente zu mobilisieren. Auf diesem Boden können die zerschlagenen Gruppen der alten konterrevolutionären Parteien der Sozialrevolutionäre, Menschewiki, der bürgerlichen Nationalisten im Zentrum des Landes und in den Randgebieten wiederaufleben und sich zu regen beginnen, können die Splitter der konterrevolutionären Elemente aus den Reihen der Trotzkisten und der rechten Abweichler wiederaufleben und sich zu regen beginnen. Das ist natürlich nicht schrecklich. Aber all dies muss man im Auge behalten, wenn wir mit diesen Elementen schnell und ohne besondere Opfer Schluss machen wollen.

Deshalb ist die revolutionäre Wachsamkeit diejenige Eigenschaft, die die Bolschewiki jetzt besonders brauchen.

 

VIII
ALLGEMEINE SCHLUSSFOLGERUNGEN

 

Das sind die Hauptergebnisse der Durchführung des Fünfjahrplans auf dem Gebiet der Industrie und der Landwirtschaft, auf dem Gebiet der Verbesserung der Lebensverhältnisse der Werktätigen und der Entwicklung des Warenumsatzes, auf dem Gebiet der Festigung der Sowjetmacht und der Entfaltung des Klassenkampfes gegen die Überreste und Überbleibsel der untergehenden Klassen.

Das sind die Erfolge und Errungenschaften der Sowjetmacht in den letzten vier Jahren.

Es wäre ein Fehler, wollte man auf Grund dieser Erfolge glauben, dass bei uns alles zum Besten bestellt sei. Natürlich ist bei uns noch nicht alles zum Besten bestellt. Mängel und Fehler in unserer Arbeit gibt es genug. Misswirtschaft und Durcheinander kommen in unserer Praxis noch immer vor. Leider kann ich jetzt auf die Mängel und Fehler nicht eingehen, da der Rahmen des mir aufgetragenen Berichts über die Ergebnisse des Fünfjahrplans hierfür keinen Raum läßt. Doch handelt es sich jetzt nicht darum. Es handelt sich darum, dass wir trotz der Mängel und Fehler, die keiner von uns bestreitet, ernste Erfolge erzielt haben, die in der Arbeiterklasse der ganzen Welt Begeisterung hervorrufen, dass wir einen Sieg errungen haben, der von wahrhaft weltgeschichtlicher Bedeutung ist.

Was konnte bei der Tatsache, dass die Partei trotz der Fehler und Mängel entscheidende Erfolge in der Durchführung des Fünfjahrplans in vier Jahren errungen hat, die Hauptrolle spielen und hat sie in der Tat gespielt?

Welches sind die Hauptfaktoren, die uns trotz alledem diesen historischen Sieg gesichert haben?

Es sind dies vor allem die Aktivität und die Hingabe, der Enthusiasmus und die Initiative der Millionenmassen der Arbeiter und Kollektivbauern, die gemeinsam mit den Ingenieuren und Technikern eine kolossale Energie entwickelt haben, um den sozialistischen Wettbewerb und die Stoßbrigadenbewegung zu entfalten. Es kann kein Zweifel darüber bestehen, dass wir ohne diesen Umstand das Ziel nicht hätten erreichen können, uns keinen Schritt hätten vorwärts bewegen können.

Es ist dies zweitens die feste Führung der Partei und der Regierung, die die Massen zum Vormarsch aufriefen und alle und jegliche Schwierigkeiten auf dem Wege zum Ziele überwanden.

Es sind dies schließlich die besonderen Vorteile und Vorzüge des sowjetischen Wirtschaftssystems, das kolossale Möglichkeiten in sich birgt, die zur Überwindung der Schwierigkeiten notwendig sind.

Das sind die drei Hauptfaktoren, die den historischen Sieg der UdSSR bestimmt haben.

Die allgemeinen Schlussfolgerungen:

1. Die Ergebnisse des Fünfjahrplans haben die Behauptung der bürgerlichen und sozialdemokratischen Politiker, dass der Fünfjahrplan eine Phantasie, ein Fieberwahn, ein unerfüllbarer Traum sei, über den Haufen geworfen. Die Ergebnisse des Fünfjahrplans haben gezeigt, dass der Fünfjahrplan bereits durchgeführt ist.

2. Die Ergebnisse des Fünfjahrplans haben den bekannten bürgerlichen „Glaubenssatz“ zunichte gemacht, dass die Arbeiterklasse nicht fähig sei, Neues aufzubauen, dass sie nur fähig sei, das Alte zu zerstören. Die Ergebnisse des Fünfjahrplans haben gezeigt, dass die Arbeiterklasse ebenso fähig ist, Neues aufzubauen, wie das Alte zu zerstören.

3. Die Ergebnisse des Fünfjahrplans haben die These der Sozialdemokraten zunichte gemacht, dass es unmöglich sei, den Sozialismus in einem einzelnen Lande zu errichten. Die Ergebnisse des Fünfjahrplans haben gezeigt, dass es vollauf möglich ist, in einem Lande die sozialistische Gesellschaft zu errichten, denn das ökonomische Fundament dieser Gesellschaft ist in der UdSSR bereits gelegt.

4. Die Ergebnisse des Fünfjahrplans haben die Behauptung der bürgerlichen Ökonomen über den Haufen geworfen, dass das kapitalistische Wirtschaftssystem das beste und jedes andere Wirtschaftssystem nicht stabil sei und den Schwierigkeiten der wirtschaftlichen Entwicklung nicht standhalten könne. Die Ergebnisse des Fünfjahrplans haben gezeigt, dass das kapitalistische Wirtschaftssystem unhaltbar und nicht stabil ist, dass es sich überlebt hat und einem anderen, einem höheren, dem sowjetischen, sozialistischen Wirtschaftssystem Platz machen muss, dass das sowjetische Wirtschaftssystem das einzige Wirtschaftssystem ist, das keine Krisen fürchtet und fähig ist, die für den Kapitalismus unlösbaren Schwierigkeiten zu überwinden.

5. Schließlich haben die Ergebnisse des Fünfjahrplans gezeigt, dass die Kommunistische Partei unbesiegbar ist, wenn sie weiß, welchem Ziele sie zuzusteuern hat, und Schwierigkeiten nicht fürchtet.

(Stürmischer, nicht endend wollender Beifall, der in eine Ovation übergeht, die Anwesenden erheben sich von ihren Plätzen und jubeln Genossen Stalin zu.)

 

ÜBER DIE ARBEIT AUF DEM LANDE

Rede am 11. Januar 1933

 

Genossen!

Ich glaube, dass die Redner den Stand der Parteiarbeit auf dem Lande, ihre Mängel, ihre Vorzüge - besonders ihre Mängel - richtig umrissen haben. Und dennoch scheint mir, dass sie über die Mängel unserer Arbeit auf dem Lande das Wichtigste nicht gesagt, die Wurzeln dieser Mängel nicht aufgezeigt haben. Indes ist diese Seite für uns von größtem Interesse. Erlauben Sie mir daher, meine Meinung über die Mängel unserer Arbeit auf dem Lande auszusprechen, mit all der Offenheit auszusprechen, wie sie den Bolschewiki eigen ist.

Worin besteht der Hauptmangel unserer Arbeit auf dem Lande im letzten Jahr, im Jahre 1932?

Der Hauptmangel besteht darin, dass die Getreidebeschaffung in diesem Jahr unter größeren Schwierigkeiten verlaufen ist als im vorhergehenden Jahr, im Jahre 1931.

Das läßt sich durchaus nicht mit einer schlechten Ernte erklären, weil die Ernte in diesem Jahr bei uns nicht schlechter, sondern besser war als im vorhergehenden Jahr. Niemand kann bestreiten, dass der Gesamtertrag der Getreideernte 1932 größer war als im Jahre 1931, als die Dürre in fünf Hauptgebieten des Nordostens der UdSSR sich sehr nachteilig auf die Getreidebilanz des Landes auswirkte. Gewiss hatten wir auch 1932 einige Ernteausfälle infolge ungünstiger Witterungsverhältnisse am Kuban und am Terek und ebenso in einigen Gebieten der Ukraine. Aber es kann kein Zweifel darüber bestehen, dass diese Verluste nicht einmal halb so groß sind wie die Verluste, die 1931 infolge der Dürre in den Nordostgebieten der UdSSR zu verzeichnen waren. Es gab also 1932 bei uns im Lande mehr Getreide als 1931. Und dennoch, trotz dieses Umstands, verlief die Getreidebeschaffung im Jahre 1932 bei uns unter größeren Schwierigkeiten als im vorhergehenden Jahr.

Woran liegt das? Was ist die Ursache dieser Unzulänglichkeiten in unserer Arbeit? Wodurch ist dieses Missverhältnis zu erklären?

1. Dies ist vor allem dadurch zu erklären, dass es unsere Genossen an Ort und Stelle, unsere Funktionäre auf dem Lande nicht verstanden haben, der neuen Lage auf dem Lande, die die Einführung des kollektivwirtschaftlichen Getreidehandels mit sich brachte, Rechnung zu tragen. Und gerade weil sie der neuen Lage nicht Rechnung trugen, gerade deshalb haben sie es nicht verstanden, sich entsprechend der neuen Lage umzustellen. Solange es keinen kollektivwirtschaftlichen Getreidehandel gab, solange es nicht zweierlei Getreidepreise gab, den staatlichen und den Marktpreis, hatten wir auf dem Lande eine bestimmte Lage. Mit der Einführung des kollektivwirtschaftlichen Getreidehandels musste sich die Lage schroff ändern, weil die Einführung des kollektivwirtschaftlichen Handels die Legalisierung des Marktpreises für Getreide bedeutet, eines Preises, der höher ist als der festgesetzte staatliche Preis. Es braucht nicht erst bewiesen zu werden, dass dieser Umstand bei den Bauern eine gewisse Zurückhaltung in der Getreideablieferung an den Staat hervorrufen musste. Der Bauer rechnete so: „Der kollektivwirtschaftliche Getreidehandel ist eingeführt, der Marktpreis ist legalisiert, auf dem Markt kann ich für die gleiche Getreidemenge mehr bekommen als bei der Getreideablieferung an den Staat - folglich muss ich, wenn ich kein Dummkopf sein will, das Getreide eine Zeitlang zurückhalten, dem Staat weniger Getreide abliefern, für den kollektivwirtschaftlichen Handel mehr zurückbehalten und auf diese Weise erreichen, dass ich für die gleiche Menge verkauften Getreides mehr erziele.“

Die einfachste und natürlichste Logik!

Aber das Schlimme dabei ist, dass unsere Funktionäre auf dem Lande, jedenfalls viele von ihnen, diese einfache und natürliche Sache nicht begriffen haben. Um die Erfüllung der Aufgaben der Sowjetmacht nicht zu gefährden, hätten die Kommunisten angesichts dieser neuen Lage schon von den allerersten Erntetagen an, schon im Juli 1932, die Getreidebeschaffung in jeder Weise fördern und vorantreiben müssen. Das erforderte die Lage. Aber wie haben sie in Wirklichkeit gehandelt? Statt die Getreidebeschaffung voranzutreiben, begannen sie, die Bildung aller möglichen Fonds in den Kollektivwirtschaften zu forcieren, wodurch sie die Ablieferungspflichtigen darin bestärkten, bei der Erfüllung ihrer Verpflichtungen gegenüber dem Staat Zurückhaltung zu üben. Da sie die neue Lage nicht verstanden, befürchteten sie nicht etwa, dass die Zurückhaltung der Bauern bei der Getreideablieferung die Getreidebeschaffung hemmen könnte, sie befürchteten vielmehr, die Bauern würden nicht auf den Gedanken kommen, das Getreide eine Zeitlang zurückzuhalten, um es dann im kollektivwirtschaftlichen Handel auf den Markt zu bringen, und könnten es sich gar einfallen lassen, ihr ganzes Getreide sofort an die Elevatoren abzuliefern.

Mit anderen Worten: Unsere Kommunisten auf dem Lande, mindestens aber die Mehrzahl von ihnen, nahmen den kollektivwirtschaftlichen Handel nur von seiner positiven Seite, sie verstanden und erfassten seine positive Seite, aber die negativen Seiten des kollektivwirtschaftlichen Handels verstanden und erfassten sie ganz und gar nicht, sie begriffen nicht, dass die negativen Seiten des kollektivwirtschaftlichen Handels dem Staat großen Schaden zufügen können, wenn sie, das heißt die Kommunisten, nicht gleich in den ersten Tagen der Getreideernte beginnen, die Getreidebeschaffungskampagne mit aller Kraft voranzutreiben.

Und dieser Fehler wurde nicht nur von Funktionären der Kollektivwirtschaften begangen. Er wurde auch von Direktoren der Sowjetwirtschaften begangen, die das Getreide, das an den Staat abgeliefert werden sollte, in verbrecherischer Weise zurückhielten und anderweitig zu höherem Preis zu verkaufen begannen.

Haben der Rat der Volkskommissare und das ZK dieser neuen Lage, die sich im Zusammenhang mit dem kollektivwirtschaftlichen Getreidehandel ergeben hatte, in ihrem bekannten Beschluss über die Entfaltung des kollektivwirtschaftlichen Handels 62] Rechnung getragen? Ja, sie haben es getan. In diesem Beschluss heißt es ausdrücklich, dass der kollektivwirtschaftliche Getreidehandel erst aufgenommen werden darf, wenn der Getreidebeschaffungsplan restlos erfüllt und das Saatgut bereitgestellt ist. Dort heißt es ausdrücklich, dass erst nach Abschluss der Getreidebeschaffung und der Bereitstellung des Saatguts, ungefähr um den 15. Januar 1933, dass erst nach Erfüllung dieser Bedingungen der kollektivwirtschaftliche Getreidehandel aufgenommen werden dürfe. Mit diesem ihrem Beschluss haben der Rat der Volkskommissare und das ZK unseren Funktionären auf dem Lande gleichsam erklärt: Lasst euch nicht durch die Sorge um Fonds und Reserven aller Art ablenken, lasst euch nicht von der Hauptaufgabe abbringen, entfaltet die Getreidebeschaffung schon von den ersten Erntetagen an und forciert sie, denn das erste Gebot ist die Erfüllung des Plans der Getreidebeschaffung, das zweite Gebot ist die Bereitstellung des Saatguts, und erst nach Erfüllung dieser Bedingungen könnt ihr den kollektivwirtschaftlichen Getreidehandel beginnen und zur Entfaltung bringen.

Der Fehler des Politbüros des ZK und des Rates der Volkskommissare bestand vielleicht darin, dass sie diese Seite der Sache nicht genügend eindringlich betont und unsere Funktionäre auf dem Lande nicht laut genug vor den Gefahren gewarnt haben, die der kollektivwirtschaftliche Handel in sich birgt. Dass sie jedoch vor diesen Gefahren gewarnt, und zwar deutlich genug gewarnt haben - darüber kann keinerlei Zweifel bestehen. Man muss zugeben, dass das ZK und der Rat der Volkskommissare die Leninsche Stählung und den Scharfblick unserer örtlichen Funktionäre, nicht nur der Bezirksfunktionäre, sondern auch einer Reihe von Gebietsfunktionären, etwas überschätzt haben.

Hätte man vielleicht den kollektivwirtschaftlichen Getreidehandel nicht einführen sollen? War das vielleicht ein Fehler, besonders wenn man berücksichtigt, dass der kollektivwirtschaftliche Handel nicht nur positive, sondern auch gewisse negative Seiten hat?

Nein, das war kein Fehler. Keine einzige revolutionäre Maßnahme ist gegen gewisse negative Seiten gefeit, wenn sie falsch durchgeführt wird.

Das gleiche gilt für den kollektivwirtschaftlichen Getreidehandel. Der kollektivwirtschaftliche Handel ist notwendig und vorteilhaft sowohl für das Dorf als auch für die Stadt, sowohl für die Arbeiterklasse als auch für die Bauernschaft. Und eben weil er vorteilhaft ist, musste man ihn einführen.

Wovon ließen sich der Rat der Volkskommissare und das ZK leiten, als sie den kollektivwirtschaftlichen Getreidehandel einführten?

Vor allem von dem Bestreben, die Grundlagen des Warenumsatzes zwischen Stadt und Land zu erweitern und die Versorgung der Arbeiter mit landwirtschaftlichen Produkten und der Bauern mit städtischen Erzeugnissen zu verbessern. Es kann kein Zweifel darüber bestehen, dass der staatliche und der genossenschaftliche Handel allein dazu nicht genügen. Diese Kanäle des Warenumsatzes mussten durch einen neuen Kanal, durch den kollektivwirtschaftlichen Handel, ergänzt werden. Und wir haben sie ergänzt, indem wir den kollektivwirtschaftlichen Handel einführten.

Sie ließen sich weiterhin von dem Bestreben leiten, dem Kollektivbauern mit Hilfe des kollektivwirtschaftlichen Getreidehandels eine zusätzliche Einnahmequelle zu verschaffen und seine ökonomische Lage zu festigen.

Sie ließen sich schließlich von dem Bestreben leiten, durch Einführung des kollektivwirtschaftlichen Handels dem Bauern einen neuen Ansporn zur Verbesserung der Arbeit der Kollektivwirtschaften sowohl bei der Aussaat als auch bei der Ernteeinbringung zu geben.

Sie wissen, dass die Richtigkeit all dieser Erwägungen des Rates der Volkskommissare und des ZK durch Tatsachen aus dem Leben der Kollektivwirtschaften in der letzten Zeit völlig bestätigt worden ist. Der fortschreitende Prozess der Festigung der Kollektivwirtschaften, das Aufhören der Austritte aus den Kollektivwirtschaften, der zunehmende Drang der Einzelbauern, in die Kollektivwirtschaften einzutreten, das Bestreben der Kollektivbauern, bei der Aufnahme neuer Mitglieder sehr wählerisch vorzugehen, all dies und viele ähnliche Erscheinungen sprechen unzweifelhaft davon, dass der kollektivwirtschaftliche Handel die Lage der Kollektivwirtschaften nicht nur nicht geschwächt, sondern im Gegenteil gestärkt und gefestigt hat.

Die Unzulänglichkeiten unserer Arbeit auf dem Lande sind also nicht aus dem kollektivwirtschaftlichen Handel zu erklären, sondern aus seiner nicht immer richtigen Durchführung, aus dem Unvermögen, der neuen Lage Rechnung zu tragen, aus dem Unvermögen, die eigenen Reihen entsprechend der neuen Lage umzustellen, die durch die Einführung des kollektivwirtschaftlichen Getreidehandels geschaffen worden ist.

2. Die zweite Ursache der Mängel unserer Arbeit auf dem Lande besteht darin, dass unsere Genossen in den Ortsorganisationen - und nicht nur diese Genossen - die Veränderungen in den Bedingungen unserer Arbeit auf dem Lande nicht begriffen haben, die im Zusammenhang damit eingetreten sind, dass die Kollektivwirtschaften die herrschende Position in den Hauptgetreidegebieten eingenommen haben. Wir freuen uns alle, dass die kollektivwirtschaftliche Wirtschaftsform in unseren Getreidegebieten zu der herrschenden, Form geworden ist. Aber nicht alle begreifen, dass dieser Umstand unsere Sorge und unsere Verantwortung für die Entwicklung der Landwirtschaft nicht verringert, sondern steigert. Viele glauben: Sobald einmal eine Kollektivierung von, sagen wir, 70 oder 80 Prozent in diesem oder jenem Bezirk, in diesem oder jenem Gebiet erzielt worden ist, so sei damit schon alles erledigt, und wir könnten die Sache dem natürlichen Lauf der Dinge, dem Selbstlauf überlassen, denn sie meinen, die Kollektivierung würde selbst das ihrige tun, von selbst die Landwirtschaft heben. Das ist aber ein großer Irrtum, Genossen. In Wirklichkeit verringert der Übergang zur kollektiven Wirtschaft, als der vorherrschenden Wirtschaftsform, unsere Sorge um die Landwirtschaft nicht, sondern erhöht sie, er verringert nicht die führende Rolle der Kommunisten bei der Hebung der Landwirtschaft sondern vergrößert sie. Der Selbstlauf ist jetzt mehr denn je für die Entwicklung der Landwirtschaft gefährlich. Der Selbstlauf kann jetzt die ganze Sache zugrunde richten.

Solange auf dem Lande der Einzellandwirt das Übergewicht hatte, konnte die Partei ihr Eingreifen in die Entwicklung der Landwirtschaft auf einzelne Hilfs- und Vorbeugungsmaßnahmen beziehungsweise Ratschläge beschränken. Damals musste sich der Einzelbauer selbst um seine Wirtschaft kümmern, denn er hatte niemand, auf den er die Verantwortung für seine Wirtschaft abwälzen konnte, die nur seine persönliche Wirtschaft war, und er konnte auf niemand rechnen, außer auf sich selbst. Damals musste sich der Einzelbauer selbst um die Aussaat, um die Ernteeinbringung und überhaupt um alle landwirtschaftlichen Arbeitsprozesse kümmern, wenn er nicht ohne Brot bleiben und Opfer des Hungers werden wollte. Mit dem Übergang zum kollektiven Wirtschaften hat sich die Sache wesentlich geändert. Die Kollektivwirtschaft ist keine Einzelwirtschaft Die Kollektivbauern sagen ja jetzt: „Die Kollektivwirtschaft ist mein und nicht mein, sie ist mein, aber gleichzeitig gehört sie auch Iwan, Philipp, Michael und anderen Mitgliedern der Kollektivwirtschaft, die Kollektivwirtschaft ist Gemeingut.“ Jetzt kann der Kollektivbauer, der Einzelbauer von gestern und der Kollektivist von heute, die Verantwortung von sich abwälzen und auf, die anderen Mitglieder der Kollektiv wirtschaft bauen, da er weiß, dass die Kollektivwirtschaft ihn nicht ohne Brot lassen wird. Deshalb hat der Kollektivbauer jetzt weniger Sorgen als bei der individuellen Wirtschaft, denn Sorge und Verantwortung für die Wirtschaft sind heute auf alle Kollektivbauern verteilt.

Was folgt nun daraus? Daraus folgt, dass jetzt das Schwergewicht der Verantwortung für die Führung der Wirtschaft von dem einzelnen Bauern auf die Leitung der Kollektivwirtschaft, auf den führenden Kern der Kollektivwirtschaft übergegangen ist. Jetzt fordern die Bauern Sorge um die Wirtschaft und vernünftige Führung der Geschäfte nicht von sich selbst, sondern von der Leitung der Kollektivwirtschaft oder, richtiger gesagt, nicht so sehr von sich selbst als vielmehr von der Leitung der Kollektivwirtschaft. Was aber bedeutet das? Das bedeutet, dass die Partei sich jetzt nicht mehr auf einzelne Akte des Eingreifens in den Prozess der landwirtschaftlichen Entwicklung beschränken kann. Sie muss jetzt die Leitung der Kollektivwirtschaften in ihre Hände nehmen, die Verantwortung für die Arbeit auf sich nehmen und den Kollektivbauern helfen, ihre Wirtschaft auf Grund der Ergebnisse der Wissenschaft und der Technik in die Höhe zu bringen.

Das ist aber noch nicht alles. Die Kollektivwirtschaft ist eine Großwirtschaft. Eine Großwirtschaft aber kann nicht ohne einen Plan betrieben werden. Ein landwirtschaftlicher Großbetrieb, der Hunderte und manchmal auch Tausende von Höfen umfasst, kann nur unter planmäßiger Leitung betrieben werden. Sonst muss er zugrunde gehen und zerfallen. Hier haben wir noch eine neue Bedingung unter dem kollektivwirtschaftlichen System, die sich von den Bedingungen, unter denen eine kleine Einzelbauernwirtschaft geführt wurde, von Grund aus unterscheidet. Kann man die Führung einer solchen Wirtschaft dem so genannten natürlichen Lauf der Dinge, dem Selbstlauf überlassen? Es ist klar, dass man das nicht kann. Um eine solche Wirtschaft zu führen, muss man die Kollektivwirtschaft mit einem gewissen Minimum von Leuten versorgen, die die elementaren Sachkenntnisse besitzen und imstande sind, die Wirtschaft planmäßig zu betreiben, sie in organisierter Weise zu führen. Es ist klar, dass eine solche Wirtschaft ohne systematisches Eingreifen der Sowjetmacht in den kollektivwirtschaftlichen Aufbau, ohne ihre systematische Hilfe nicht in Gang gebracht werden kann.

Was aber folgt daraus? Daraus folgt, dass das kollektivwirtschaftliche System die Sorge und die Verantwortung der Partei und der Regierung für die Entwicklung der Landwirtschaft nicht verringert sondern erhöht. Daraus folgt, dass die Partei, wenn sie die kollektivwirtschaftliche Bewegung leiten will, in alle Einzelheiten des kollektivwirtschaftlichen Lebens und der kollektivwirtschaftlichen Leitung eindringen muss. Daraus folgt, dass die Partei ihre Verbindung mit den Kollektivwirtschaften nicht verringern, sondern vervielfachen muss, dass sie alles wissen muss, was in den Kollektivwirtschaften vorgeht, um rechtzeitig zu Hilfe zu kommen und den Gefahren vorzubeugen, die den Kollektivwirtschaften drohen.

Was sehen wir aber in Wirklichkeit? In Wirklichkeit sehen wir, dass eine ganze Reihe von Bezirks- und Gebietsorganisationen dem Leben der Kollektivwirtschaften entfremdet ist und ihren Anforderungen fern steht. Die Leute sitzen in Kanzleien und kritzeln selbstzufrieden mit den Federn, ohne zu bemerken, dass die Entwicklung der Kollektivwirtschaften an den bürokratischen Kanzleien vorbeigeht. In einzelnen Fällen war man den Kollektivwirtschaften so sehr entfremdet, dass manche Mitglieder von Regionalorganisationen über das, was in den Kollektivwirtschaften ihrer Region vorgeht, nicht von den entsprechenden Bezirksorganisationen, sondern von Mitgliedern des ZK in Moskau erfuhren. Das ist traurig, Genossen, aber wahr. Der Übergang von der individuellen Wirtschaft zu Kollektivwirtschaften sollte zur Stärkung der führenden Rolle der Kommunisten auf dem Lande führen. In Wirklichkeit aber hat dieser Übergang in einer Reihe von Fällen dazu geführt, dass die Kommunisten auf ihren Lorbeeren ausruhten, sich mit dem hohen Prozentsatz der Kollektivierung brüsteten und die Sache dem Selbstlauf, dem natürlichen Lauf der Dinge überließen. Die planmäßige Leitung der Kollektivwirtschaften sollte zur Stärkung der führenden Rolle der Kommunisten in den Kollektivwirtschaften führen. In Wirklichkeit aber ist es in einer Reihe von Fällen so gekommen, dass die Kommunisten nicht auf dem Posten waren und in den Kollektivwirtschaften ehemalige weiße Offiziere, ehemalige Petljuraleute und überhaupt Feinde der Arbeiter und Bauern schalteten und walteten.

So steht es um die zweite Ursache der Mängel unserer Arbeit auf dem Lande.

3. Die dritte Ursache der Mängel unserer Arbeit auf dem Lande besteht darin, dass viele unserer Genossen die Kollektivwirtschaften als neue Wirtschaftsform überschätzten, sie überschätzten und aus ihnen ein Heiligenbild machten. Sie meinten, da einmal die Kollektivwirtschaften als sozialistische Wirtschaftsform vorhanden sind, so sei damit schon alles getan, so sei damit auch schon die richtige Führung der Kollektivwirtschaften, die richtige Planung der kollektiven Wirtschaft, die Umwandlung der Kollektivwirtschaften in sozialistische Musterwirtschaften gesichert. Sie haben nicht begriffen, dass die Kollektivwirtschaften in organisatorischer Hinsicht immer noch schwach sind und ernstlich der Hilfe der Partei bedürfen, sowohl in Bezug auf ihre Versorgung mit erprobten bolschewistischen Kadern als auch in Bezug auf die laufende Geschäftsführung der Kollektivwirtschaft. Aber das ist noch nicht alles und nicht einmal die Hauptsache. Der Hauptmangel besteht hier darin, dass viele unserer Genossen die Kräfte und Möglichkeiten der Kollektivwirtschaften als einer neuen Organisationsform der Landwirtschaft überschätzten. Sie haben nicht begriffen, dass die Kollektivwirtschaft an und für sich, obwohl sie eine sozialistische Wirtschaftsform ist, bei weitem nicht gefeit ist gegen allerlei Gefahren und gegen das Eindringen von konterrevolutionären Elementen aller Art in die Leitung der Kollektivwirtschaft, nicht dagegen gefeit ist, dass sie unter gewissen Umständen von sowjetfeindlichen Elementen zu deren Zwecken ausgenutzt werden kann.

Die Kollektivwirtschaft ist eine sozialistische Form der wirtschaftlichen Organisation, ebenso wie die Sowjets eine sozialistische Form der politischen Organisation sind. Die Kollektivwirtschaften sind ebenso wie die Sowjets eine gewaltige Errungenschaft unserer Revolution, eine gewaltige Errungenschaft der Arbeiterklasse. Die Kollektivwirtschaften und die Sowjets stellen jedoch nur Organisationsformen dar, zwar sozialistische, aber dennoch nur Organisationsformen. Alles hängt davon ab, welcher Inhalt in diese Form gegossen wird.

Wir kennen Fälle, wo die Sowjets der Arbeiter- und Soldatendeputierten eine gewisse Zeit lang die Konterrevolution gegen die Revolution unterstützten. So war es zum Beispiel bei uns in der UdSSR im Juli 1917, als die Sowjets von den Menschewiki und Sozialrevolutionären geleitet wurden und die Konterrevolution gegen die Revolution deckten. So war es in Deutschland Ende 1918, als die Sozialdemokraten die Räte leiteten und diese die Konterrevolution gegen die Revolution deckten. Es kommt also nicht nur auf die Sowjets als Organisationsform an, obwohl diese Form an sich eine gewaltige revolutionäre Errungenschaft darstellt. Es kommt vor allem auf den Inhalt der Arbeit der Sowjets, auf den Charakter der Arbeit der Sowjets an, es kommt darauf an, wer die Sowjets leitet - Revolutionäre oder Konterrevolutionäre. Dadurch ist ja im Grunde auch die Tatsache zu erklären, dass die Konterrevolutionäre nicht immer gegen die Sowjets Stellung nehmen. Es ist zum Beispiel bekannt, dass das Haupt der russischen Konterrevolution, Miljukow, während des Kronstädter Aufstands [63] für Sowjets Stellung nahm, aber für Sowjets ohne Kommunisten. „Sowjets ohne Kommunisten“ - das war damals die Losung Miljukows, des Hauptes der russischen Konterrevolution. Die Konterrevolutionäre hatten begriffen, dass es nicht auf die Sowjets selbst ankommt, sondern vor allem darauf, wer sie leiten wird.

Dasselbe ist von den Kollektivwirtschaften zu sagen. Die Kollektivwirtschaften als sozialistische Form der Wirtschaftsorganisation können im wirtschaftlichen Aufbau Wunder wirken, wenn an ihrer Spitze wirkliche Revolutionäre, Bolschewiki, Kommunisten stehen. Und umgekehrt können die Kollektivwirtschaften eine gewisse Zeit lang zu einer Deckung für allerlei konterrevolutionäre Machenschaften werden, wenn in den Kollektivwirtschaften Sozialrevolutionäre und Menschewiki, Petljuraoffiziere und sonstige Weißgardisten, ehemalige Denikin- und Koltschakleute schalten und walten. Dabei muss man im Auge behalten, dass die Kollektivwirtschaften als Organisationsform nicht nur gegen das Eindringen sowjetfeindlicher Elemente nicht gefeit sind, sondern in der ersten Zeit sogar mancherlei Bequemlichkeiten für ihre zeitweilige Ausnutzung durch Konterrevolutionäre bieten. Solange die Bauern individuell wirtschafteten, waren sie zersplittert und voneinander getrennt, so dass die konterrevolutionären Umtriebe sowjetfeindlicher Elemente unter den Bauern von keiner großen Wirkung sein konnten. Ein ganz anderes Bild ergibt sich beim Übergang der Bauern zur kollektiven Wirtschaft. Hier haben die Bauern bereits die fertige Form einer Massenorganisation in Gestalt der Kollektivwirtschaften. Infolgedessen kann das Eindringen sowjetfeindlicher Elemente in die Kollektivwirtschaften und ihre sowjetfeindliche Tätigkeit von viel größerer Wirkung sein. Es ist anzunehmen, dass die sowjetfeindlichen Elemente allen diesen Umständen Rechnung tragen. Es ist bekannt, dass ein Teil der Konterrevolutionäre, zum Beispiel im Nordkaukasus, selbst bestrebt ist, etwas in der Art von Kollektivwirtschaften zu schaffen und sie als legale Deckung für ihre unterirdischen Organisationen auszunutzen. Es ist ebenfalls bekannt, dass die sowjetfeindlichen Elemente in einer Reihe von Bezirken, wo sie noch nicht entlarvt und zerschmettert sind, mit Vorliebe in die Kollektivwirtschaften eintreten und die Kollektivwirtschaften sogar loben, um innerhalb der Kollektivwirtschaften Nester konterrevolutionärer Umtriebe zu schaffen. Es ist fernerhin bekannt, dass sich jetzt ein Teil der sowjetfeindlichen Elemente selbst für die Kollektivwirtschaften ausspricht, aber unter der Bedingung, dass in den Kollektivwirtschaften keine Kommunisten seien. „Kollektivwirtschaften ohne Kommunisten“ - das ist die Losung, die jetzt von den sowjetfeindlichen Elementen ausgeheckt wird. Es kommt also nicht nur auf die Kollektivwirtschaften selbst als sozialistische Organisationsform an, sondern vor allem darauf, welcher Inhalt in diese Form gegossen wird, es kommt vor allem darauf an, wer an der Spitze der Kollektivwirtschaften steht und wer sie leitet.

Vorn Standpunkt des Leninismus sind die Kollektivwirtschaften wie auch die Sowjets, als Organisationsform genommen, eine Waffe und nur eine Waffe. Diese Waffe kann unter gewissen Bedingungen gegen die Revolution gerichtet werden. Sie kann gegen die Konterrevolution gerichtet werden. Sie kann der Arbeiterklasse und Bauernschaft dienen. Sie kann unter gewissen Bedingungen den Feinden der Arbeiterklasse und Bauernschaft dienen. Alles hängt davon ab, in wessen Händen sich diese Waffe befindet und gegen wen sie gerichtet wird.

Das beginnen die Feinde der Arbeiter und Bauern zu begreifen, die von ihrem Klasseninstinkt geleitet werden.

Das begreifen leider noch nicht manche unserer Kommunisten.

Und eben weil manche unserer Kommunisten diese einfache Sache noch nicht begriffen haben - eben deshalb sehen wir jetzt, dass in einer Reihe von Kollektivwirtschaften gut getarnte sowjetfeindliche Elemente schalten und walten und dort Schädlingsarbeit und Sabotage treiben.

4. Die vierte Ursache der Mängel unserer Arbeit auf dem Lande besteht darin, dass eine ganze Reihe unserer Genossen in den Ortsorganisationen nicht versteht, die Art des Kampfes gegen das Kulakentum zu ändern, und nicht begreift, dass der Klassenfeind in letzter Zeit ein anderes Gesicht angenommen hat, dass sich die Taktik des Klassenfeindes auf dem Lande geändert hat und dass man dementsprechend die eigene Taktik ändern muss, um einen Erfolg zu erzielen. Der Feind hat die veränderte Lage begriffen, er hat die Kraft und die Macht des neuen Systems auf dem Lande erkannt und hat sich demgemäß umgestellt, hat seine Taktik geändert, ist von der direkten Attacke gegen die Kollektivwirtschaften zu versteckter Wühlarbeit übergegangen. Wir aber haben das nicht begriffen, haben die neue Lage nicht erfasst und fahren fort, den Klassenfeind dort zu suchen, wo er nicht mehr ist, fahren fort, die alte Taktik des weniger komplizierten Kampfes gegen das Kulakentum zu befolgen, zu einer Zeit, da diese Taktik selbst schon längst veraltet ist.

Man sucht den Klassenfeind außerhalb der Kollektivwirtschaften, man sucht ihn in der Gestalt von Leuten mit tierischer Physiognomie, mit riesigen Zähnen, mit feistem Nacken und mit einem Stutzen in der Hand. Man sucht den Kulaken, wie wir ihn von Plakaten her kennen. Aber solche Kulaken sind schon längst von der Bildfläche verschwunden. Die Kulaken von heute und ihre Tellerlecker, die heutigen sowjetfeindlichen Elemente auf dem Lande - das sind größtenteils „stille“, „honigtriefende“ Leute, beinahe „Heilige“. Man braucht sie nicht weit von der Kollektivwirtschaft zu suchen, sie sitzen in der Kollektivwirtschaft selbst und bekleiden dort die Posten von Lagerverwaltern, Wirtschaftsleitern, Rechnungsführern, Sekretären usw. Sie werden niemals sagen: „Nieder mit den Kollektivwirtschaften“. Sie sind „für“ die Kollektivwirtschaften. Aber sie betreiben in den Kollektivwirtschaften eine Sabotage- und Schädlingsarbeit, die für die Kollektivwirtschaften üble Folgen hat. Sie werden niemals sagen: „Nieder mit der Getreidebeschaffung“. Sie sind „für“ die Getreidebeschaffung. Sie treiben „nur“ Demagogie und fordern, dass die Kollektivwirtschaft einen dreimal so großen Getreidevorrat für die Viehzucht anlege als notwendig, sie verlangen, dass die Kollektivwirtschaft dreimal so große Reservefonds anlege als notwendig, dass die Kollektivwirtschaft für Gemeinschaftsverpflegung 6-10 Pfund Getreide täglich pro Arbeitskraft verabfolge usw. Es ist klar, dass nach solchen „Reserven“ und Ausgaben für die Gemeinschaftsverpflegung, nach einer solchen Gaunerdemagogie die wirtschaftliche Stärke der Kollektivwirtschaft untergraben sein muss und für die Getreidebeschaffung kein Raum mehr bleibt.

Um einen so geriebenen Feind zu durchschauen und auf die Demagogie nicht hereinzufallen, muss man revolutionäre Wachsamkeit üben, muss man die Fähigkeit besitzen, dem Feinde die Maske herunterzureißen und den Kollektivbauern sein wirkliches, konterrevolutionäres Gesicht zu zeigen. Gibt es aber bei uns auf dem Lande viele Kommunisten, die über diese Eigenschaften verfügen? Nicht nur, dass die Kommunisten oft solche Klassenfeinde nicht entlarven, sondern sie fallen im Gegenteil selbst auf deren Gaunerdemagogie herein und lassen sich von ihnen am Gängelband führen.

Manche unserer Genossen, die den Klassenfeind in seiner neuen Maske nicht erkennen und nicht imstande sind, seine gaunerischen Machenschaften zu entlarven, beruhigen sich oft damit, dass es keine Kulaken mehr gebe, dass die sowjetfeindlichen Elemente auf dem Lande dank der Politik der Liquidierung des Kulakentums als Klasse schon vernichtet seien und dass man sich infolgedessen mit der Existenz „neutraler“ Kollektivwirtschaften abfinden könne, die weder bolschewistisch noch sowjetfeindlich seien, die aber von selbst, sozusagen automatisch auf die Seite der Sowjetmacht werden übergehen müssen. Das ist aber ein großer Irrtum, Genossen. Die Kulaken sind geschlagen, aber noch lange nicht vernichtet. Mehr noch - sie werden auch nicht so bald vernichtet sein, wenn die Kommunisten Maulaffen feilhalten und Gleichgültigkeit an den Tag legen, in der Meinung, die Kulaken würden von selbst in die Grube fahren, sozusagen kraft ihrer automatischen Entwicklung. Was die „neutralen“ Kollektivwirtschaften betrifft, so gibt es solche überhaupt nicht und kann es sie auch nicht geben. „Neutrale“ Kollektivwirtschaften - das ist ein Phantasiegebilde von Leuten, die ihre Augen dazu haben, um nichts zu sehen. Bei einem so scharfen Klassenkampf, wie er gegenwärtig bei uns im Sowjetland vor sich geht, bleibt kein Raum für „neutrale“ Kollektivwirtschaften, unter solchen Verhältnissen können die Kollektivwirtschaften nur entweder bolschewistisch oder sowjetfeindlich sein. Und wenn in diesen oder jenen Kollektivwirtschaften nicht wir die Führung haben, dann bedeutet das, dass sie von sowjetfeindlichen Elementen geführt werden. Darüber kann gar kein Zweifel bestehen.

5. Schließlich noch eine Ursache der Mängel unserer Arbeit auf dem Lande. Diese Ursache besteht in der Unterschätzung der Rolle und Verantwortung der Kommunisten heim Aufbau der Kollektivwirtschaften, in der Unterschätzung der Rolle und Verantwortung der Kommunisten bei der Getreidebeschaffung. Spricht man von den Schwierigkeiten bei der Getreidebeschaffung, dann wälzen die Kommunisten gewöhnlich die Verantwortung auf die Bauern ab und behaupten, die Bauern seien an allem schuld. Das ist aber ganz falsch und völlig ungerecht. Die Bauern haben damit nichts zu tun. Handelt es sich um Schuld und Verantwortung, so fällt die Verantwortung voll und ganz auf die Kommunisten, und schuld sind hier an allem nur wir, die Kommunisten.

In der Welt gab es und gibt es keine so starke und autoritative Macht wie unsere, die Sowjetmacht. In der Welt gab es und gibt es keine so mächtige und autoritative Partei wie unsere, die Kommunistische Partei. Niemand hindert uns daran, und niemand kann uns daran hindern, die Sache der Kollektivwirtschaften so zu führen, wie es die Interessen der Kollektivwirtschaften, die Interessen des Staates erfordern. Und wenn es uns nicht immer gelingt, die Sache der Kollektivwirtschaften so zu führen, wie es der Leninismus fordert, wenn wir nicht selten eine Reihe grober, unverzeihlicher Fehler begehen, sagen wir, bei der Getreidebeschaffung, so sind wir daran schuld, und nur wir allein.

Wir sind schuld daran, dass wir die negativen Seiten des kollektivwirtschaftlichen Getreidehandels nicht erkannt und eine Reihe gröbster Fehler begangen haben.

Wir sind schuld daran, dass sich eine ganze Reihe unserer Parteiorganisationen den Kollektivwirtschaften entfremdete, auf ihren Lorbeeren ausruhte und sich von dem Lauf der Dinge treiben ließ.

Wir sind schuld daran, dass eine ganze Reihe unserer Genossen immer noch die Kollektivwirtschaften als Form der Massenorganisation überschätzt, ohne zu begreifen, dass es nicht so sehr auf die Form selbst ankommt als vielmehr darauf, dass man die Leitung der Kollektivwirtschaften in die eigenen Hände nimmt und die sowjetfeindlichen Elemente aus der Leitung der Kollektivwirtschaften verjagt.

Wir sind schuld daran, dass wir die neue Lage nicht erkannt haben und dass wir uns über die neue Taktik des Klassenfeindes, der versteckte Wühlarbeit betreibt, nicht klar wurden.

Es fragt sich, was haben die Bauern damit zu tun?

Ich kenne ganze Gruppen von Kollektivwirtschaften, die sich entwickeln und in Blüte stehen, die vom Staate gestellten Aufgaben pünktlich erfüllen und von Tag zu Tag wirtschaftlich erstarken. Anderseits kenne ich auch Kollektivwirtschaften, die in der Nachbarschaft der vorher erwähnten Kollektivwirtschaften liegen, aber trotz gleichen Ernteertrags und trotz gleicher objektiver Bedingungen dahinsiechen und verfallen. Worin liegt die Ursache? Die Ursache liegt darin, dass die erste Gruppe von Kollektivwirtschaften von wirklichen Kommunisten geleitet wird, die zweite Gruppe aber von Schlafmützen, die allerdings das Parteibuch in der Tasche haben, aber dennoch Schlafmützen sind.

Es fragt sich, was haben die Bauern damit zu tun?

Das Ergebnis der Unterschätzung der Rolle und Verantwortung der Kommunisten ist, dass nicht selten die Ursache der Mängel unserer Arbeit auf dem Lande nicht dort gesucht wird, wo sie gesucht werden muss, und dass die Mängel infolgedessen nicht behoben werden.

Nicht bei den Bauern muss die Ursache der Schwierigkeiten in der Getreidebeschaffung gesucht werden, sondern bei uns selbst, in unseren eigenen Reihen. Denn wir stehen an der Macht, wir verfügen über die Mittel des Staates, wir sind dazu berufen, die Kollektivwirtschaften zu leiten, und wir müssen die volle Verantwortung für die Arbeit auf dem Lande tragen.

Das sind die Hauptursachen, die die Mängel unserer Arbeit auf dem Lande hervorgerufen hatten.

Man könnte glauben, dass ich ein allzu düsteres Bild entworfen habe, dass bei uns die ganze Arbeit auf dem Lande ausschließlich aus Mängeln bestehe. Aber das ist selbstverständlich falsch. In Wirklichkeit hat unsere Arbeit auf dem Lande neben diesen Mängeln eine ganze Reihe von überaus ernsten und entscheidenden Errungenschaften aufzuweisen. Aber ich habe schon zu Beginn meiner Rede gesagt, dass es nicht zu meinen Aufgaben gehört, eine Charakteristik unserer Errungenschaften zu geben, dass ich nur über die Mängel unserer Arbeit auf dem Lande sprechen möchte.

Können diese Mängel behoben werden? Ja, sie können zweifellos behoben werden. Werden wir sie in der nächsten Zeit beheben? Ja, das werden wir unbedingt tun. Darüber kann kein Zweifel bestehen. Ich glaube, dass die Politischen Abteilungen der Maschinen- und Traktorenstationen und der Sowjetwirtschaften eins jener entscheidenden Mittel sind, mit deren Hilfe diese Mängel in kürzester Frist beseitigt werden können. (Stürmischer, nicht enden wollender Beifall.)

 

 

 

 

 

 

 

Anmerkungen Band 13

 

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