DEUTSCH

 

 

Gesammelte

STALINWERKE :

 

 

 

 

Band 13

Juli 1930 - Januar 1934

Seite 252 - 336

 

RECHENSCHAFTSBERICHT AN DEN XVII. PARTEITAG
ÜBER DIE ARBEIT DES ZK DER KPdSU(B)

26. Januar 1934

„Prawda“ Nr. 27,
28. Januar 1934.

[70]

  1. Die fortdauernde Krise des Weltkapitalismus und die aussenpolitische Lage der Sowjetunion

  2. Der fortdauernde Aufschwung der Volkswirtschaft und die innere Lage der UdSSR

  3. Die Partei

 

I
DIE FORTDAUERNDE KRISE DES WELTKAPITALISMUS
UND DIE AUSSENPOLITISCHE LAGE
DER SOWJETUNION

 

Genossen!

Seit dem XVI. Parteitag sind über drei Jahre vergangen. Das ist keine sehr lange Periode. Aber sie ist inhaltsreicher als irgendeine andere. Ich glaube, dass keine einzige Periode des letzten Jahrzehnts so reich an Ereignissen war wie diese Periode.

Auf wirtschaftlichem Gebiet waren dies Jahre der fortdauernden Weltwirtschaftskrise. Die Krise erfasste nicht nur die Industrie, sondern auch die ganze Landwirtschaft. Die Krise wütete nicht nur in der Sphäre der Produktion und des Handels. Sie griff auch auf die Sphäre des Kreditwesens und der Geldzirkulation über und stellte die zwischen den Ländern bestehenden Kredit- und Valutabeziehungen auf den Kopf. Hat man früher hier und dort noch darüber gestritten, ob es eine Weltwirtschaftskrise gebe oder nicht, so streitet man darüber jetzt nicht mehr, denn die Krise und ihre verheerenden Wirkungen treten allzu klar zutage. Jetzt geht der Streit bereits um etwas anderes, nämlich darum, ob man aus der Krise herauskommen kann oder nicht, und wenn man herauskommen kann - was ist dann weiter zu tun?

Auf politischem Gebiet waren dies Jahre der weiteren Verschärfung der Beziehungen sowohl zwischen den kapitalistischen Ländern als auch innerhalb dieser Länder. Der Krieg Japans gegen China und die Okkupation der Mandschurei, die die Beziehungen im Fernen Osten verschärften; der Sieg des Faschismus in Deutschland und der Triumph des Revanchegedankens, die die Beziehungen in Europa verschärften; der Austritt Japans und Deutschlands aus dem Völkerbund, wodurch dem Anwachsen der Rüstungen und den Vorbereitungen zum imperialistischen Krieg ein neuer Anstoß gegeben wurde; die Niederlage des Faschismus in Spanien [71], die ein übriges Mal gezeigt hat, dass eine revolutionäre Krise heranreift und dass der Faschismus keineswegs von langer Lebensdauer ist - das sind die wichtigsten Tatsachen aus der Berichtsperiode. Kein Wunder, dass der bürgerliche Pazifismus in den letzten Zügen liegt und die Abrüstungstendenzen offen und unmittelbar durch die Rüstungs- und Aufrüstungstendenzen abgelöst werden.

Inmitten dieser tobenden Wellen der wirtschaftlichen Erschütterungen und militärisch-politischen Katastrophen steht die UdSSR unerschütterlich wie ein Fels da und setzt ihr Werk fort, das Werk des sozialistischen Aufbaus und des Kampfes für die Erhaltung des Friedens. Während dort, in den kapitalistischen Ländern, immer noch die Wirtschaftskrise wütet, dauert in der UdSSR der Aufschwung sowohl in der Industrie als auch in der Landwirtschaft weiter an. Während dort, in den kapitalistischen Ländern, fieberhaft zu einem neuen Kriege gerüstet wird, um die Welt und die Einflusssphären neu aufzuteilen, setzt die UdSSR den systematischen, beharrlichen Kampf gegen die Kriegsgefahr und für den Frieden fort, und man kann nicht sagen, dass die Bemühungen der UdSSR auf diesem Gebiet keinen Erfolg gehabt hätten.

Das ist das allgemeine Bild der internationalen Lage im gegenwärtigen Augenblick.

Gehen wir nun zur Prüfung der wichtigsten Angaben über die wirtschaftliche und politische Lage der kapitalistischen Länder über.

 

1. Der Verlauf der Wirtschaftskrise in den kapitalistischen Ländern

Die jetzige Wirtschaftskrise in den kapitalistischen Ländern unterscheidet sich von allen analogen Krisen unter anderem dadurch, dass sie die andauerndste und langwierigste Krise ist. Erschöpften sich früher die Krisen in ein, zwei Jahren, so dauert die jetzige Krise bereits das fünfte Jahr, verheert Jahr für Jahr die Wirtschaft der kapitalistischen Länder und zehrt das Fett auf, das sie in den früheren Jahren angesetzt hat. Kein Wunder, dass diese Krise die schwerste aller Krisen ist.

Womit ist dieser unerhört langwierige Charakter der jetzigen industriellen Krise zu erklären?

Er erklärt sich vor allem damit, dass die industrielle Krise alle kapitalistischen Länder ohne Ausnahme erfasst und das Manövrieren der einen Länder auf Kosten der anderen erschwert hat.

Er erklärt sich zweitens damit, dass die industrielle Krise sich mit der Agrarkrise verflochten hat, die alle Agrar- und Halbagrarländer ohne Ausnahme erfasst hat, was die industrielle Krise unvermeidlich komplizieren und vertiefen musste.

Er erklärt sich drittens damit, dass die Agrarkrise sich in dieser Zeit verschärft und alle Zweige der Landwirtschaft, darunter auch die Viehzucht, erfasst hat, zur Degradation der Landwirtschaft geführt hat, zum Übergang von den Maschinen zur manuellen Arbeit, zur Ersetzung des Traktors durch das Pferd, zu einer starken Einschränkung in der Anwendung von Kunstdünger, bisweilen sogar zum völligen Verzicht darauf, was die industrielle Krise noch mehr in die Länge gezogen hat.

Er erklärt sich viertens damit, dass die in der Industrie herrschenden monopolistischen Kartelle bestrebt sind, die hohen Warenpreise aufrechtzuerhalten, ein Umstand, der die Krise besonders heftig macht und es verhindert, dass die Warenvorräte aufgesaugt werden.

Er erklärt sich schließlich damit - und das ist die Hauptsache -, dass sich die industrielle Krise auf der Basis der allgemeinen Krise des Kapitalismus entwickelte in einer Zeit, da der Kapitalismus sowohl in den ausschlaggebenden Ländern als auch in den Kolonien und abhängigen Ländern nicht mehr jene Stärke und Festigkeit hat und haben kann, die er vor dem Kriege und der Oktoberrevolution hatte, und da die Industrie der kapitalistischen Länder vom imperialistischen Krieg eine chronische Unterbeschäftigung der Betriebe und Millionenarmeen von Arbeitslosen geerbt hat, die sie nicht mehr loswerden kann.

Das sind die Umstände, die den überaus langwierigen Charakter der jetzigen industriellen Krise bestimmt haben.

Aus denselben Umständen erklärt sich auch die Tatsache, dass die Krise sich nicht auf die Sphäre der Produktion und des Handels beschränkte, sondern auch das Kreditwesen, die Währung, die Sphäre der Schuldverpflichtungen usw. ergriff und die traditionellen Beziehungen sowohl zwischen den einzelnen Ländern als auch zwischen den sozialen Gruppen in den einzelnen Ländern zunichte machte.

Eine große Rolle spielte hier das Sinken der Warenpreise. Trotz des Widerstands der monopolistischen Kartelle sanken die Preise mit elementarer Gewalt immer tiefer, und zwar sanken in erster Linie und am meisten die Preise für die Waren der nicht organisierten Warenbesitzer, der Bauern, Handwerker, kleinen Kapitalisten, und nur nach und nach und in geringerem Grade für die Waren der organisierten Warenbesitzer, der in Kartellen zusammengeschlossenen Kapitalisten. Das Sinken der Preise machte die Lage der Schuldner (Industrielle, Handwerker, Bauern usw.) unerträglich, die der Gläubiger dagegen zu einer unerhört privilegierten Lage. Eine solche Lage musste dazu führen und hat auch tatsächlich dazu geführt, dass Firmen und Einzelunternehmer in kolossalem Umfang Bankrott machten. Daher sind im Laufe der letzten drei Jahre Zehntausende Aktiengesellschaften in den Vereinigten Staaten, in Deutschland, in England, in Frankreich zugrunde gegangen. Auf den Bankrott der Aktiengesellschaften folgte eine Entwertung der Währungen, die die Lage der Schuldner etwas erleichterte. Auf die Entwertung der Währungen folgte die vom Staat legalisierte Nichtbezahlung sowohl der auswärtigen als auch der inneren Schulden. Der Zusammenbruch solcher Banken wie der Darmstädter und der Dresdner Bank in Deutschland, der Creditanstalt in Osterreich und solcher Konzerne wie des Kreuger-Konzerns in Schweden, des Insull-Konzerns in den Vereinigten Staaten usw. ist jedermann bekannt.

Es ist klar, dass auf diese Erscheinungen, die die Grundlagen des Kreditwesens erschütterten, die Einstellung der Zahlungen für Kredite und Auslandsanleihen, die Einstellung der Zahlungen für die interalliierten Schulden, die Einstellung des Kapitalexports, ein neuer Rückgang des Außenhandels, ein neuer Rückgang des Warenexports, eine Verschärfung des Kampfes um die Auslandsmärkte, ein Handelskrieg zwischen den Ländern und - das Dumping folgen mussten und auch wirklich folgten. Ja, Genossen, das Dumping. Ich spreche hier nicht von dem angeblichen Sowjetdumping, über das noch vor gar nicht langer Zeit manche ehrenwerten Abgeordneten der ehrenwerten Parlamente Europas und Amerikas sich heiser schrieen. Ich spreche von dem wirklichen Dumping, das jetzt nahezu von allen „zivilisierten“ Staaten praktiziert wird, worüber diese wackren und ehrenwerten Abgeordneten wohlweislich Schweigen bewahren.

Es ist weiterhin klar, dass diese verheerenden Begleiterscheinungen der industriellen Krise, die sich außerhalb der Produktionssphäre geltend machten, sich wiederum auf den Gang der industriellen Krise auswirken, sie vertiefen und komplizieren mussten.

Das ist das allgemeine Bild des Verlaufs der industriellen Krise. Hier einige Zahlen aus offiziellen Materialien, die den Verlauf der industriellen Krise in der Berichtsperiode illustrieren:

 

Umfang der Industrieproduktion in Prozenten im Verhältnis zu 1929

 

1929

1930

1931

1932

1933

UdSSR

100

129,7

161,9

184,7

201,6

USA

100

80,8

68,1

53,8

64,9

England

100

92,4

83,8

83,8

86,1

Deutschland

100

88,3

71,7

59,8

66,8

Frankreich

100

100,7

89,2

69,1

77,4

Diese Tabelle spricht, wie Sie sehen, für sich selbst.

 

Während die Industrie der wichtigsten kapitalistischen Länder im Vergleich mit dem Stand von 1929 von Jahr zu Jahr zurückging und sich erst im Jahre 1933 etwas zu erholen begann, aber bei weitem noch nicht den Stand von 1929 erreicht hat, ist die Industrie der UdSSR von Jahr zu Jahr gewachsen und macht einen Prozess des ununterbrochenen Aufschwungs durch.

Während die Industrie der wichtigsten kapitalistischen Länder am Ende des Jahres 1933, im Vergleich mit dem Stand von 1929, im Durchschnitt einen Rückgang des Umfangs ihrer Produktion um 25 Prozent und mehr aufweist, ist die Industrie der UdSSR in dieser Zeit auf mehr als das Doppelte gewachsen, das heißt um mehr als 100 Prozent. (Beifall.)

Wenn man nach dieser Tabelle urteilt, so kann es scheinen, dass sich von den vier kapitalistischen Ländern England in der günstigsten Lage befindet. Aber das ist nicht ganz richtig. Nimmt man die Industrie dieser Länder und vergleicht sie mit dem Vorkriegsniveau, so ergibt sich ein etwas anderes Bild.

Hier die entsprechende Tabelle:

 

Umfang der Industrieproduktion in Prozenten im Verhältnis zum Vorkriegsstand

 

1913

1929

1930

1931

1932

1933

UdSSR

100

194,3

252,1

314,7

359,0

391,9

USA

100

170,2

137,3

115,9

91,4

110,2

England

100

99,1

91,5

83,0

82,5

85,2

Deutschland

100

113,0

99,8

91,0

67,6

75,4

Frankreich

100

139,0

140,0

124,0

96,1

107,6

Wie Sie sehen, hat die Industrie Englands und Deutschlands noch immer nicht den Vorkriegsstand erreicht, während die Vereinigten Staaten und Frankreich ihn um einige Prozent überschritten haben, die UdSSR aber ihre Industrieproduktion in dieser Periode im Vergleich mit dem Vorkriegsstand um mehr als 290 Prozent erhöht, gesteigert hat. (Beifall.)

Aber aus diesen Tabellen ergibt sich noch eine Schlussfolgerung.

Während die Industrie der wichtigsten kapitalistischen Länder seit 1930 und besonders seit 1931 fortwährend zurückging und im Jahre 1932 ihren Tiefpunkt erreichte, begann sie sich im Jahre 1933 etwas zu erholen und anzusteigen. Nimmt man die Monatsangaben für 1932 und 1933, so bestätigen sie diese Schlussfolgerung noch mehr, denn sie zeugen davon, dass die Industrie dieser Länder, trotz der Schwankungen ihrer Produktion im Laufe des Jahres 1933, nicht die Tendenz aufwies, bei ihren Schwankungen nach unten zu dem Tiefpunkt zurückzukehren, der im Sommer 1932 eingetreten war.

Was bedeutet das?

Das bedeutet, dass die Industrie der wichtigsten kapitalistischen Länder offenbar bereits den Tiefpunkt hinter sich hat, zu dem sie im Laufe des Jahres 1933 nicht mehr zurückgekehrt ist.

Manche neigen dazu, diese Erscheinung dem Einfluss ausschließlich künstlicher Faktoren, wie zum Beispiel der Kriegs-Inflationskonjunktur zuzuschreiben. Es kann kein Zweifel darüber bestehen, dass hier die Kriegs-Inflationskonjunktur eine nicht geringe Rolle spielt. Das ist besonders zutreffend in Bezug auf Japan, wo dieser künstliche Faktor den wichtigsten und entscheidenden Antrieb zu einer gewissen Belebung mancher Industriezweige, hauptsächlich der Kriegsindustrie, bildet. Es wäre aber ein grober Fehler, alles durch die Kriegs-Inflationskonjunktur erklären zu wollen. Eine solche Erklärung ist schon deshalb nicht richtig, weil die von mir charakterisierten bestimmten Wandlungen in der Industrie nicht in einzelnen und zufälligen Gebieten beobachtet werden, sondern in allen oder nahezu in allen Industrieländern, darunter auch in Ländern mit stabiler Valuta. Es ist offensichtlich, dass sich hier neben der Kriegs-Inflationskonjunktur auch das Wirken der inneren ökonomischen Kräfte des Kapitalismus geltend macht.

Es ist dem Kapitalismus gelungen, die Lage der Industrie etwas zu erleichtern auf Kosten der Arbeiter - durch Verschärfung ihrer Ausbeutung vermittels der Steigerung der Intensität ihrer Arbeit, auf Kosten der Farmer - durch eine Politik möglichst niedriger Preise für die Produkte ihrer Arbeit, für Lebensmittel und teilweise für Rohstoffe, auf Kosten der Bauern der Kolonien und der wirtschaftlich schwachen Länder - durch noch größere Senkung der Preise für die Produkte ihrer Arbeit, hauptsächlich für Rohstoffe und dann auch für Lebensmittel.

Bedeutet das, dass wir es mit einem Übergang von der Krise zu einer gewöhnlichen Depression zu tun haben, die einen neuen Aufschwung und ein neues Aufblühen der Industrie mit sich bringt? Nein, das bedeutet es nicht. Auf jeden Fall liegen gegenwärtig keine, weder direkte noch indirekte, Anzeichen vor, die von einem kommenden Aufschwung der Industrie in den kapitalistischen Ländern sprechen würden. Mehr noch: Nach allem zu urteilen, kann es solche Anzeichen, zumindest in der nächsten Zeit, gar nicht geben. Es kann sie nicht geben, denn es wirken alle jene ungünstigen Bedingungen fort, die es der Industrie der kapitalistischen Länder unmöglich machen, einen einigermaßen ernsthaften Aufschwung zu erreichen. Es handelt sich um die fortdauernde allgemeine Krise des Kapitalismus, auf deren Basis die Wirtschaftskrise vor sich geht, um die chronische Unterbeschäftigung der Betriebe, um die chronische Massenarbeitslosigkeit, um die Verflechtung der industriellen Krise mit der Agrarkrise, um das Fehlen einer Tendenz zu einer einigermaßen bedeutsamen Erneuerung des fixen Kapitals, die gewöhnlich den Beginn eines Aufschwungs ankündigt usw. usf.

Es ist offensichtlich, dass wir es hier mit einem Übergang von dem Tiefpunkt des Niedergangs der Industrie, von dem Tiefpunkt der industriellen Krise zu einer Depression zu tun haben, aber nicht zu einer gewöhnlichen Depression, sondern zu einer Depression besonderer Art, die nicht zu einem neuen Aufschwung und Aufblühen der Industrie führt, sie aber auch nicht zu dem Tiefpunkt des Niedergangs zurückführt.

 

2. Die Verschärfung der politischen Lage
in den kapitalistischen Ländern

 

Das Ergebnis der langwierigen Wirtschaftskrise war eine bisher noch nicht da gewesene Verschärfung der politischen Lage der kapitalistischen Länder sowohl innerhalb der einzelnen Länder als auch in deren gegenseitigen Beziehungen.

Die Verschärfung des Kampfes um die Auslandsmärkte, die Vernichtung der letzten Reste des Freihandels, die Schutzzölle, der Handelskrieg, der Valutakrieg, das Dumping und viele andere analoge Maßnahmen, die einen extremen Nationalismus in der Wirtschaftspolitik offenbaren, haben die Beziehungen zwischen den Ländern aufs äußerste zugespitzt, haben den Boden für kriegerische Zusammenstöße geschaffen und den Krieg als Mittel zur Neuaufteilung der Welt und der Einflusssphären zugunsten der stärkeren Staaten auf die Tagesordnung gesetzt.

Der Krieg Japans gegen China, die Okkupation der Mandschurei, der Austritt Japans aus dem Völkerbund und der Vormarsch in Nordchina haben die Lage noch mehr verschärft. Die Verschärfung des Kampfes um den Stillen Ozean und das Anwachsen der Rüstungen zur See in Japan, den Vereinigten Staaten, England, Frankreich bilden das Ergebnis dieser Verschärfung.

Der Austritt Deutschlands aus dem Völkerbund und das Revanchegespenst haben einen neuen Anstoß zur Verschärfung der Lage und zum Anwachsen der Rüstungen in Europa gegeben.

Kein Wunder, dass der bürgerliche Pazifismus jetzt ein klägliches Dasein fristet, das Geschwätz von der Abrüstung aber durch „sachliche“ Unterhaltungen über Rüstung und Aufrüstung abgelöst wird.

Wieder rücken, wie im Jahre 1914, Parteien des kriegslüsternen Imperialismus, Kriegs- und Revancheparteien, in den Vordergrund.

Es geht offensichtlich einem neuen Krieg entgegen.

Noch mehr verschärft sich infolge des Wirkens derselben Faktoren die innere Lage in den kapitalistischen Ländern. Die vier Jahre industrieller Krise haben die Arbeiterklasse erschöpft und zur Verzweiflung gebracht. Die vier Jahre Agrarkrise haben die besitzlosen Schichten der Bauernschaft nicht nur in den wichtigsten kapitalistischen Ländern, sondern auch insbesondere in den abhängigen und kolonialen Ländern vollends zugrunde gerichtet. Es ist eine Tatsache, dass trotz aller möglichen statistischen Spitzfindigkeiten, die es sich zum Ziel setzen, die Arbeitslosenzahl geringer erscheinen zu lassen, die Zahl der Arbeitslosen nach amtlichen Angaben bürgerlicher Institutionen in England 3 Millionen, in Deutschland 5 Millionen, in den Vereinigten Staaten 10 Millionen erreicht, von den anderen Ländern Europas ganz zu schweigen. Nimmt man noch die Kurzarbeiter hinzu, deren Zahl zehn Millionen übersteigt, nimmt man noch die Millionenmassen der ruinierten Bauern hinzu, so bekommt man ein ungefähres Bild von der Not und Verzweiflung der werktätigen Massen. Die Volksmassen sind noch nicht dahin gelangt, zum Sturm auf den Kapitalismus überzugehen, es kann aber wohl kaum daran gezweifelt werden, dass die Idee des Sturmes im Bewusstsein der Massen heranreift. Davon zeugen eindringlich solche Tatsachen wie die spanische Revolution, die das Regime des Faschismus gestürzt hat, und die Ausdehnung der Sowjetgebiete in China, der die vereinigte Konterrevolution der chinesischen und ausländischen Bourgeoisie nicht Einhalt zu gebieten vermag.

Daraus erklärt sich denn auch die Tatsache, dass die herrschenden Klassen der kapitalistischen Länder die letzten Überreste des Parlamentarismus und der bürgerlichen Demokratie, die von der Arbeiterklasse in ihrem Kampf gegen die Unterdrücker ausgenutzt werden können, geflissentlich vernichten oder auf ein Nichts reduzieren, die kommunistischen Parteien in die Illegalität treiben und zu offen terroristischen Methoden der Aufrechterhaltung ihrer Diktatur übergehen.

Chauvinismus und Kriegsvorbereitungen als Hauptelemente der Außenpolitik, Niederhaltung der Arbeiterklasse und Terror auf dem Gebiet der Innenpolitik als notwendiges Mittel zur Stärkung des Hinterlands der künftigen Kriegsfronten - das ist es, was die heutigen imperialistischen Politiker jetzt besonders beschäftigt.

Kein Wunder, dass der Faschismus jetzt zum gangbarsten Modeartikel unter den kriegslüsternen bürgerlichen Politikern geworden ist. Ich spreche nicht nur vom Faschismus überhaupt, sondern vor allein von dem Faschismus deutschen Schlages, der sich zu Unrecht Nationalsozialismus nennt, denn selbst bei gründlichster Prüfung ist es unmöglich, in ihm auch nur eine Spur Sozialismus zu entdecken.

In diesem Zusammenhang darf man den Sieg des Faschismus in Deutschland nicht nur als ein Zeichen der Schwäche der Arbeiterklasse und als Ergebnis der Verrätereien an der Arbeiterklasse seitens der Sozialdemokratie betrachten, die dem Faschismus den Weg ebnete. Man muss ihn auch als Zeichen der Schwäche der Bourgeoisie betrachten, als Zeichen dafür, dass die Bourgeoisie nicht mehr imstande ist, mit den alten Methoden des Parlamentarismus und der bürgerlichen Demokratie zu herrschen, und in Anbetracht dessen gezwungen ist, in der Innenpolitik zu terroristischen Regierungsmethoden zu greifen - als Zeichen dafür, dass sie nicht mehr imstande ist, einen Ausweg aus der jetzigen Lage auf dem Boden einer friedlichen Außenpolitik zu finden, weshalb sie gezwungen ist, zur Politik des Krieges zu greifen.

Das ist die Lage.

Wie Sie sehen, geht es einem neuen imperialistischen Krieg entgegen, der als Ausweg aus der jetzigen Lage dienen soll.

Natürlich besteht kein Grund zu der Annahme, dass der Krieg einen wirklichen Ausweg bringen kann. Im Gegenteil, er muss die Lage noch mehr verwirren. Mehr noch, er wird bestimmt die Revolution auslösen und die Existenz des Kapitalismus in einer Reihe von Ländern in Frage stellen, wie das im Verlauf des ersten imperialistischen Krieges der Fall war. Und wenn die bürgerlichen Politiker trotz der Erfahrung des ersten imperialistischen Krieges dennoch zum Kriege greifen wie der Ertrinkende nach einem Strohhalm, so bedeutet das, dass sie sich endgültig im eigenen Netz verstrickt haben, dass sie in eine Sackgasse geraten sind und drauf und dran sind, kopfüber in den Abgrund zu stürzen.

Es wird daher nicht schaden, ganz kurz jene Pläne zur Organisierung des Krieges zu betrachten, die jetzt in den Kreisen der bürgerlichen Politiker ausgeheckt werden.

Die einen meinen, man müsse den Krieg gegen eine der Großmächte organisieren. Sie gedenken, ihr eine vernichtende Niederlage beizubringen und ihre eigene Lage auf Kosten dieser Großmacht zu bessern. Nehmen wir an, sie hätten einen solchen Krieg organisiert. Was kann dabei herauskommen?

Bekanntlich wollte man während des ersten imperialistischen Krieges ebenfalls eine Großmacht, nämlich Deutschland, vernichten und auf seine Kosten Vorteile herausschlagen. Was aber ist dabei herausgekommen? Vernichtet haben sie Deutschland nicht, aber sie haben in Deutschland einen solchen Hass gegen die Sieger gesät und einen so fruchtbaren Boden für die Revanche geschaffen, dass sie bis auf den heutigen Tag jene abscheuliche Suppe nicht auslöffeln können und wohl auch nicht so bald werden auslöffeln können, die sie sich selbst eingebrockt haben. Dafür aber haben sie die Zertrümmerung des Kapitalismus in Rußland, den Sieg der proletarischen Revolution in Rußland und - folglich - die Sowjetunion bekommen. Wo ist die Garantie, dass ihnen ein zweiter imperialistischer Krieg „bessere“ Resultate bringen wird als der erste? Wäre es nicht richtiger, das Gegenteil anzunehmen?

Andere meinen, man müsse den Krieg gegen eins der militärisch schwachen, aber über weite Märkte verfügenden Länder organisieren, zum Beispiel gegen China, das man überdies, nach Meinung dieser Leute, nicht als Staat im eigentlichen Sinne des Wortes bezeichnen könne, das vielmehr lediglich ein „unorganisiertes Territorium“ darstelle, welches es nötig habe, von starken Staaten annektiert zu werden. Sie wollen offenbar dieses Land endgültig aufteilen und die eigene Lage auf seine Kosten bessern. Nehmen wir an, sie hätten einen solchen Krieg organisiert. Was kann dabei herauskommen?

Bekanntlich betrachtete man zu Beginn des 19. Jahrhunderts Italien und Deutschland genauso, wie man jetzt China betrachtet, das heißt, man hielt sie für „unorganisierte Territorien“, nicht aber für Staaten, und versklavte sie. Was aber ist dabei herausgekommen? Herausgekommen ist dabei, wie bekannt, der Krieg Deutschlands und Italiens für ihre Unabhängigkeit und die Einigung dieser Länder als selbständige Staaten. Herausgekommen ist dabei, dass sich in den Herzen der Völker dieser Länder der Hass gegen die Unterdrücker verstärkt hat, dessen Folgen bis auf den heutigen Tag noch nicht aus der Welt geschafft sind und wohl nicht so bald aus der Welt geschafft sein werden. Es fragt sich: Wo ist die Garantie, dass der Krieg der Imperialisten gegen China nicht das gleiche Resultat haben wird?

Die dritten meinen, dass eine „höhere Rasse“, sagen wir, die germanische „Rasse“, den Krieg gegen eine „niedere Rasse“, vor allem gegen die Slawen, organisieren müsse, dass nur ein solcher Krieg einen Ausweg aus der Lage bringen könne, denn die „höhere Rasse“ sei berufen, die „niedere“ zu befruchten und über sie zu herrschen. Nehmen wir an, dass man diese seltsame Theorie, die von der Wissenschaft ebenso weit entfernt ist wie der Himmel von der Erde - nehmen wir an, dass man diese seltsame Theorie in die Praxis umgesetzt habe. Was kann dabei herauskommen?

Bekanntlich blickte das alte Rom auf die Vorfahren der heutigen Deutschen und Franzosen genauso, wie jetzt die Vertreter der „höheren Rasse“ auf die slawischen Stämme blicken. Bekanntlich betrachtete das alte Rom sie als „niedere Rasse“, als „Barbaren“, die dazu bestimmt seien, für alle Ewigkeit der „höheren Rasse“, dem „Großen Rom“, unterworfen zu sein, wobei übrigens - unter uns gesagt - das alte Rom dazu einigen Grund hatte, was man von den Vertretern der jetzigen „höheren Rasse“ nicht sagen kann. (Beifallssturm.) Was ist aber dabei herausgekommen? Herausgekommen ist dabei, dass sich die Nichtrömer, das heißt alle „Barbaren“, gegen den gemeinsamen Feind zusammenschlossen und Rom über den Haufen rannten. Es fragt sich: Wo ist die Garantie, dass die Prätensionen der Vertreter der jetzigen „höheren Rasse“ nicht zu denselben kläglichen Ergebnissen führen werden? Wo ist die Garantie, dass die schriftstellernden faschistischen Politiker in Berlin mehr Glück haben werden als die alten kampferprobten Eroberer in Rom? Wäre es nicht richtiger, das Gegenteil anzunehmen?

Und schließlich meinen die vierten, dass der Krieg gegen die UdSSR organisiert werden müsse. Sie wollen die UdSSR zerschlagen, ihr Territorium aufteilen und sich auf ihre Kosten bereichern. Es wäre falsch zu glauben, dass nur manche Militärkreise in Japan so denken. Es ist uns bekannt, dass man sich in den Kreisen der politischen Führer gewisser Staaten Europas mit ebensolchen Plänen trägt. Nehmen wir an, dass diese Herrschaften von Worten zu Taten übergehen würden. Was kann dabei herauskommen?

Man kann wohl kaum daran zweifeln, dass dieser Krieg der für die Bourgeoisie gefährlichste Krieg sein würde. Er würde nicht nur deshalb der gefährlichste sein, weil die Völker der UdSSR auf Tod und Leben für die Errungenschaften der Revolution kämpfen würden. Er würde für die Bourgeoisie auch deshalb der gefährlichste sein, weil der Krieg sich nicht nur an den Fronten, sondern auch im feindlichen Hinterland abspielen würde. Die Bourgeoisie braucht nicht daran zu zweifeln, dass die zahlreichen Freunde der Arbeiterklasse der UdSSR in Europa und Asien bemüht sein werden, ihren Unterdrückern, die einen verbrecherischen Krieg gegen das Vaterland der Arbeiterklasse aller Länder angezettelt haben, in den Arm zu fallen. Und mögen die Herren Bourgeois nicht uns Vorwürfe machen, wenn sie am Tage nach einem solchen Kriege einige ihnen nahe stehende Regierungen vermissen werden, die jetzt „von Gottes Gnaden“ wohlbehalten regieren. (Beifallssturm.)

Einen solchen Krieg gegen die UdSSR hat es, wie Sie sich erinnern werden, vor 15 Jahren bereits gegeben. Bekanntlich hat der sehr ehrenwerte Churchill damals diesen Krieg in die poetische Formel „Feldzug der 14 Staaten“ gekleidet. Sie erinnern sich natürlich, dass dieser Krieg alle Werktätigen unseres Landes zu einem einheitlichen Lager aufopferungsvoller Kämpfer zusammenschweißte, die mit ihrem Leib ihr Arbeiter- und Bauernvaterland gegen die äußeren Feinde verteidigten. Sie wissen, womit er geendet hat. Er hat mit der Vertreibung der Interventen aus unserem Lande und mit der Schaffung von revolutionären „Aktionskomitees“ [72] in Europa geendet. Man kann wohl kaum daran zweifeln, dass ein zweiter Krieg gegen die UdSSR zu einer völligen Niederlage der Angreifer, zur Revolution in einer Reihe von Ländern in Europa und Asien und zur Zerschmetterung der Bourgeois- und Gutsbesitzerregierungen dieser Länder führen wird.

Das sind die Kriegspläne der bürgerlichen Politiker, die sich im eigenen Netz verstrickt haben.

Wie Sie sehen, glänzen sie weder durch Geist noch durch Heldentum. (Beifall.)

Während aber die Bourgeoisie den Weg des Krieges wählt, beschreitet die Arbeiterklasse der kapitalistischen Länder, die durch die vierjährige Krise und die Arbeitslosigkeit zur Verzweiflung gebracht worden ist, den Weg der Revolution. Das bedeutet, dass die revolutionäre Krise heranreift und weiter heranreifen wird. Und die revolutionäre Krise wird umso schneller heranreifen, je mehr sich die Bourgeoisie in ihren Kriegskombinationen verstrickt, je öfter sie zu terroristischen Kampfmethoden gegen die Arbeiterklasse und die werktätigen Bauern greift.

Manche Genossen glauben, die Bourgeoisie müsse, sobald die revolutionäre Krise da sei, unvermeidlich in eine ausweglose Lage geraten, ihr Ende sei also bereits vorausbestimmt, der Sieg der Revolution sei dadurch bereits gesichert und sie brauchten bloß auf den Sturz der Bourgeoisie zu warten und Siegesresolutionen zu schreiben. Das ist ein schwerer Irrtum. Der Sieg der Revolution kommt nie von selbst. Man muss ihn vorbereiten und erkämpfen. Ihn vorbereiten und erkämpfen kann aber nur eine starke proletarische revolutionäre Partei. Es gibt Momente, da die Lage revolutionär ist, die Macht der Bourgeoisie bis auf die Grundfesten erschüttert ist, der Sieg der Revolution aber dennoch nicht kommt, da keine revolutionäre Partei des Proletariats vorhanden ist, die genügend Stärke und Autorität besitzt, um die Massen zu führen und die Macht zu erobern. Es wäre unvernünftig zu glauben, dass solche „Fälle“ nicht vorkommen können.

Es dürfte nicht schaden, sich in diesem Zusammenhang die prophetischen Worte Lenins über die revolutionäre Krise in Erinnerung zu rufen, die er auf dem II. Kongress der Kommunistischen Internationale [73] gesagt hat:

„Wir kommen jetzt zur Frage der revolutionären Krise als der Grundlage unseres revolutionären Handelns. Und hier müssen wir vor allem zwei verbreitete Irrtümer hervorheben. Einerseits stellen die bürgerlichen Ökonomen diese Krise als einfache ‚Unruhe’ hin, wie der elegante Ausdruck der Engländer lautet. Anderseits versuchen Revolutionäre zuweilen den Beweis zu führen, dass es absolut keinen Ausweg aus der Krise gebe. Das ist ein Irrtum. Absolut ausweglose Lagen gibt es nicht. Die Bourgeoisie benimmt sich wie ein frech gewordener Räuber, der den Kopf verloren hat, sie macht eine Dummheit nach der anderen, verschärft die Lage und beschleunigt ihren Untergang. Das alles ist richtig. Aber man kann nicht ‚beweisen’, dass es für die Bourgeoisie absolut keine Möglichkeit gibt, irgendeine Minderheit der Ausgebeuteten durch irgendwelche kleinen Zugeständnisse einzuschläfern, irgendeine Bewegung oder einen Aufstand irgendeines Teiles der Unterdrückten und Ausgebeuteten niederzuschlagen. Wollte man von vornherein versuchen, die ‚absolute’ Ausweglosigkeit zu ‚beweisen’, so wäre das leere Pedanterie oder ein Spiel mit Begriffen und Schlagworten. Ein wirklicher ‚Beweis’ in dieser und in ähnlichen Fragen kann nur die Praxis sein. Die bürgerliche Ordnung in der ganzen Welt macht eine ungeheure revolutionäre Krise durch. Wir müssen jetzt durch die Praxis der revolutionären Parteien ‚beweisen’, dass sie genügend Bewusstheit, Organisiertheit, Verbindung mit den ausgebeuteten Massen, Entschlossenheit und Fähigkeit besitzen, um diese Krise für eine erfolgreiche, eine siegreiche Revolution auszunutzen.“ (Lenin, Bd. XXV, S. 340/341 [74].)

 

3. Die Beziehungen zwischen der UdSSR
und den kapitalistischen Staaten

 

Es ist leicht zu verstehen, wie schwer es der UdSSR war, ihre Friedenspolitik in dieser durch die Miasmen der Kriegskombinationen vergifteten Atmosphäre durchzuführen.

Inmitten dieser Vorkriegsraserei, die eine ganze Reihe von Ländern erfasst hat, behauptete die UdSSR in diesen Jahren fest und unerschütterlich ihre Friedensposition, kämpfte sie gegen die Kriegsgefahr, für die Erhaltung des Friedens, kam sie den Ländern entgegen, die in dieser oder jener Weise für die Erhaltung des Friedens eintreten, entlarvte sie diejenigen, die den Krieg vorbereiten und provozieren, und riss ihnen die Maske herunter.

Worauf stützte sich die UdSSR in diesem schwierigen und komplizierten Kampf für den Frieden?

a) Auf ihre wachsende wirtschaftliche und politische Macht;

b) auf die moralische Unterstützung der Millionenmassen der Arbeiterklasse aller Länder, die an der Erhaltung des Friedens aufs stärkste interessiert ist;

c) auf die Einsicht derjenigen Länder, die aus diesen oder jenen Motiven nicht an der Störung des Friedens interessiert sind und die Handelsbeziehungen mit einem so korrekten Kontrahenten, wie es die UdSSR ist, ausbauen wollen;

d) schließlich auf unsere ruhmvolle Armee, die bereit ist, das Land gegen Überfälle von außen zu verteidigen.

Auf dieser Grundlage ist es zu unserer Kampagne für den Abschluss eines Nichtangriffspakts und eines Pakts über die Bestimmung des Aggressors mit unseren Nachbarstaaten gekommen. Sie wissen, dass diese Kampagne Erfolg hatte. Bekanntlich ist ein Nichtangriffspakt nicht nur mit den meisten unserer Nachbarstaaten im Westen und Süden abgeschlossen worden, darunter mit Finnland und Polen, sondern auch mit solchen Ländern wie Frankreich und Italien sowie ein Pakt über die Bestimmung des Aggressors mit denselben Nachbarstaaten, einschließlich auch der Kleinen Entente [75].

Auf derselben Grundlage hat sich die Freundschaft zwischen der UdSSR und der Türkei gefestigt, haben sich die Beziehungen zwischen der UdSSR und Italien gebessert und sind zweifellos befriedigend geworden, haben sich die Beziehungen zu Frankreich, Polen und den anderen baltischen Staaten gebessert, sind die Beziehungen zu den Vereinigten Staaten und zu China wieder aufgenommen worden usw.

Aus der Reihe der Tatsachen, die die Erfolge der Friedenspolitik der UdSSR widerspiegeln, sind zwei Tatsachen, die zweifellos von großer Bedeutung sind, besonders hervorzuheben.

1. Ich meine erstens den Umschwung zum Besseren in den Beziehungen zwischen der UdSSR und Polen sowie zwischen der UdSSR und Frankreich, der in der letzten Zeit eingetreten ist. In der Vergangenheit bestanden bekanntlich zwischen Polen und uns keine besonders guten Beziehungen. In Polen wurden Vertreter unseres Staates ermordet. Polen hielt sich für einen Schutzwall der westlichen Staaten gegen die UdSSR. Auf Polen rechneten alle möglichen Imperialisten als auf einen Vortrupp im Falle eines militärischen Überfalls auf die UdSSR. Nicht besser stand es um die Beziehungen zwischen der UdSSR und Frankreich. Man braucht sich bloß der Tatsachen aus der Geschichte des Prozesses gegen die Schädlingsgruppe Ramsins in Moskau zu erinnern, um sich das Bild der Beziehungen zwischen der UdSSR und Frankreich zu vergegenwärtigen. Diese unerwünschten Beziehungen beginnen nun nach und nach zu verschwinden. Sie werden durch andere Beziehungen abgelöst, die man nicht anders denn als eine Art der Annäherung bezeichnen kann.

Es handelt sich nicht allein darum, dass wir mit diesen Ländern einen Nichtangriffspakt abgeschlossen haben, obwohl der Pakt schon an sich von größter Bedeutung ist. Es handelt sich vor allem darum, dass die durch gegenseitiges Misstrauen vergiftete Atmosphäre sich zu reinigen beginnt. Das bedeutet natürlich nicht, dass der beginnende Annäherungsprozess als nachhaltig genug betrachtet werden kann, um den Enderfolg der Sache zu garantieren. Überraschungen und Zickzackbewegungen der Politik, zum Beispiel in Polen, wo die sowjetfeindlichen Stimmungen noch stark sind, können bei weitem noch nicht als ausgeschlossen betrachtet werden. Aber der Umschwung zum Besseren in unseren Beziehungen, unabhängig von seinen Ergebnissen in der Zukunft, ist eine Tatsache, die es verdient, dass man sie festhält und in den Vordergrund rückt, als einen Faktor, der die Sache des Friedens fördert.

Wo liegt die Ursache für diesen Umschwung, wodurch wird er gefördert?

Vor allem durch die wachsende Stärke und Macht der UdSSR.

In unserer Zeit ist es nicht üblich, mit Schwachen zu rechnen, man rechnet nur mit Starken. Dann aber auch durch gewisse Veränderungen in der Politik Deutschlands, die das Anwachsen der Revanchestimmungen und imperialistischen Stimmungen in Deutschland widerspiegeln.

Manche deutschen Politiker reden aus diesem Anlass davon, dass die UdSSR sich jetzt auf Frankreich und Polen orientiere, dass sie aus einem Gegner des Versailler Vertrags zu dessen Anhänger geworden sei, dass diese Änderung sich aus der Aufrichtung des faschistischen Regimes in Deutschland erkläre. Das ist nicht richtig. Gewiss, wir sind weit davon entfernt, von dem faschistischen Regime in Deutschland entzückt zu sein. Doch handelt es sich hier nicht um den Faschismus, wie allein die Tatsache zeigt, dass der Faschismus zum Beispiel in Italien für die UdSSR kein Hindernis war, die besten Beziehungen zu diesem Lande herzustellen. Es handelt sich auch nicht um vermeintliche Änderungen in unserer Stellung zum Versailler Vertrag. Uns, die wir die Schmach des Brester Friedens ausgekostet haben, liegt es fern, den Versailler Vertrag zu lobpreisen. Nur sind wir nicht damit einverstanden, dass die Welt dieses Vertrages wegen in den Abgrund eines neuen Krieges gestürzt werde. Dasselbe ist von der vermeintlichen Neuorientierung der UdSSR zu sagen. Wir hatten keine Orientierung auf Deutschland, ebenso wenig wie wir eine Orientierung auf Polen und Frankreich haben. Wir orientierten uns in der Vergangenheit und orientieren uns in der Gegenwart auf die UdSSR und nur auf die UdSSR. (Stürmischer Beifall.) Und wenn die Interessen der UdSSR eine Annäherung an diese oder jene Länder erheischen, die nicht an der Störung des Friedens interessiert sind, so sind wir dazu, ohne zu schwanken, bereit.

Nein, nicht darum handelt es sich. Es handelt sich um die Änderung in der Politik Deutschlands. Es handelt sich darum, dass bereits vor dem Machtantritt der jetzigen deutschen Politiker, besonders aber nach ihrem Machtantritt, in Deutschland ein Kampf zwischen zwei politischen Linien begonnen hat, zwischen der alten Politik, die in den bekannten Verträgen der UdSSR mit Deutschland ihren Ausdruck gefunden hatte, und der „neuen“ Politik, die im wesentlichen an die Politik des ehemaligen deutschen Kaisers erinnert, der eine Zeitlang die Ukraine besetzt hielt, einen Feldzug gegen Leningrad unternahm und die baltischen Länder in ein Aufmarschgebiet für einen solchen Feldzug verwandelte; dabei gewinnt die „neue“ Politik in offenkundiger Weise die Oberhand über die alte. Man kann es nicht für einen Zufall halten, dass die Männer der „neuen“ Politik in allem das Übergewicht erlangen, die Anhänger der alten Politik aber in Ungnade gefallen sind. Kein Zufall ist auch das bekannte Auftreten Hugenbergs in London, genauso wie die nicht minder bekannten Deklarationen Rosenbergs, des Leiters der Außenpolitik der regierenden Partei Deutschlands, nicht zufällig sind. Darum handelt es sich, Genossen.

2. Ich meine zweitens die Wiederherstellung normaler Beziehungen zwischen der UdSSR und den Vereinigten Staaten. Es kann kein Zweifel darüber bestehen, dass dies für das ganze System der internationalen Beziehungen von größter Bedeutung ist. Es handelt sich dabei nicht nur darum, dass dadurch die Chancen für die Erhaltung des Friedens erhöht, die Beziehungen zwischen den beiden Ländern verbessert, die Handelsverbindungen zwischen ihnen gefestigt werden und eine Basis für die wechselseitige Zusammenarbeit geschaffen wird. Es handelt sich darum, dass ein Trennungsstrich gezogen wurde zwischen dem Alten, der Zeit, als die Vereinigten Staaten in verschiedenen Ländern als Bollwerk für alle möglichen sowjetfeindlichen Tendenzen angesehen wurden, und dem Neuen, der Zeit, da dieses Bollwerk freiwillig aus dem Weg geräumt worden ist, zum gegenseitigen Vorteil beider Länder.

Das sind die beiden grundlegenden Tatsachen, die die Erfolge der sowjetischen Friedenspolitik widerspiegeln.

Es wäre jedoch falsch zu glauben, dass in der Berichtsperiode bei uns alles glatt gegangen sei. Nein, es ist bei uns bei weitem nicht alles glatt gegangen.

Erinnern Sie sich zum Beispiel an den Druck von Seiten Englands, an das Embargo gegen unseren Export, an den Versuch, sich in unsere inneren Angelegenheiten einzumischen und uns dabei auf den Zahn zu fühlen, unsere Widerstandskraft zu erproben. Allerdings ist bei diesem Versuch nichts herausgekommen, und das Embargo wurde später aufgehoben, aber eine unangenehme Nachwirkung dieser Anrempelungen macht sich immer noch in allem fühlbar, was die Beziehungen zwischen England und der UdSSR betrifft, darunter auch in den Verhandlungen über den Handelsvertrag. Diese Ausfälle gegen die UdSSR kann man aber nicht für einen Zufall halten. Es ist bekannt, dass ein Teil der englischen Konservativen ohne solche Anrempelungen nicht leben kann. Und gerade weil sie nicht zufällig sind, müssen wir damit rechnen, dass man auch in Zukunft die UdSSR anrempeln, alle möglichen Drohungen von Stapel lassen, ihr Schaden zufügen wird usw.

Man muss auch die Beziehungen zwischen der UdSSR und Japan im Auge behalten, die einer ernsten Besserung bedürfen. Die Weigerung Japans, einen Nichtangriffspakt zu unterzeichnen, den Japan nicht weniger braucht als die UdSSR, unterstreicht ein übriges Mal, dass auf dem Gebiet unserer Beziehungen nicht alles wohlbestellt ist. Dasselbe ist von der Unterbrechung der Verhandlungen über die Ostchinabahn zu sagen, die nicht durch Verschulden der UdSSR eingetreten ist, sowie davon, dass die japanischen Agenten auf der Ostchinabahn unzulässige Dinge treiben, in gesetzwidriger Weise Sowjetangestellte der Ostchinabahn verhaften usw. Ich spreche schon gar nicht davon, dass ein Teil der japanischen Militärs in der Presse offen die Notwendigkeit eines Krieges gegen die UdSSR und der Eroberung des fernöstlichen Küstengebiets propagiert, unter offenkundiger Zustimmung des anderen Teils der Militärs, die Regierung Japans aber, statt die Kriegshetzer zur Ordnung zu rufen, so tut, als ob sie das nichts anginge. Es ist nicht schwer zu begreifen, dass solche Umstände eine Atmosphäre der Unruhe und Unsicherheit erzeugen müssen. Gewiss, wir werden auch in Zukunft beharrlich eine Politik des Friedens betreiben und eine Besserung der Beziehungen mit Japan herbeizuführen suchen, denn wir wollen eine Besserung dieser Beziehungen. Aber nicht alles hängt hier von uns ab. Deshalb müssen wir zugleich alle Maßnahmen ergreifen, um unser Land vor Überraschungen zu schützen und zu seiner Verteidigung gegen einen Überfall bereit zu sein. (Stürmischer Beifall.)

Wie Sie sehen, haben wir neben Erfolgen unserer Friedenspolitik auch eine Reihe negativer Erscheinungen.

Das ist die außenpolitische Lage der Sowjetunion.

Unsere Außenpolitik ist klar. Sie ist eine Politik der Erhaltung des Friedens und der Verstärkung der Handelsbeziehungen mit allen Ländern. Die UdSSR denkt nicht daran, irgendjemand zu bedrohen, und erst recht nicht, irgendjemand zu überfallen. Wir sind für den Frieden und verteidigen die Sache des Friedens. Aber wir fürchten keine Drohungen und sind bereit, auf einen Schlag der Kriegsbrandstifter mit einem Gegenschlag zu antworten. (Stürmischer Beifall.) Wer den Frieden will und sachliche Beziehungen mit uns anstrebt, wird stets bei uns Unterstützung finden. Denjenigen aber, die versuchen sollten, unser Land zu überfallen, wird eine vernichtende Abfuhr zuteil werden, damit ihnen in Zukunft die Lust vergehe, ihre Schweineschnauze in unseren Sowjetgarten zu stecken. (Beifallssturm.)

Das ist unsere Außenpolitik. (Beifallssturm.)

Die Aufgabe besteht darin, diese Politik auch in Zukunft mit aller Beharrlichkeit und Folgerichtigkeit durchzuführen.

 

II
DER FORTDAUERNDE AUFSCHWUNG
DER VOLKSWIRTSCHAFT UND DIE INNERE LAGE
DER UdSSR

 

Ich gehe zur Frage der inneren Lage der UdSSR über.

Vom Standpunkt der inneren Lage der UdSSR bietet die Berichtsperiode ein Bild des sich immer mehr entfaltenden Aufschwungs sowohl auf dem Gebiet der Volkswirtschaft als auch auf dem Gebiet der Kultur.

Dieser Aufschwung war nicht nur eine einfache quantitative Steigerung unserer Kräfte. Dieser Aufschwung ist deswegen so bedeutsam, weil er prinzipielle Änderungen in der Struktur der UdSSR zur Folge hatte und das Antlitz des Landes gründlich verändert hat.

Die Sowjetunion hat sich in dieser Periode von Grund aus umgestaltet und das Gepräge der Rückständigkeit und des Mittelalters abgestreift. Aus einem Agrarland ist sie zu einem Industrieland geworden. Aus einem Lande der kleinbäuerlichen Einzelwirtschaft ist sie zu einem Lande des kollektiven mechanisierten landwirtschaftlichen Großbetriebs geworden. Aus einem unwissenden, analphabetischen und kulturlosen Land wurde sie - genauer gesagt, wird sie - zu einem gebildeten, kulturell hoch stehenden Land, das von einem gewaltigen Netz von Hoch-, Mittel- und Elementarschulen bedeckt ist, die in den Sprachen der Nationen der Sowjetunion wirken.

Es wurden neue Industriezweige geschaffen: der Werkzeugmaschinenbau, die Automobilindustrie, die Traktorenindustrie, die chemische Industrie, der Motorenbau, der Flugzeugbau, die Produktion von Mähdreschern, von Hochleistungsturbinen und Generatoren, von Qualitätsstahlsorten, Eisenlegierungen, synthetischem Kautschuk, Stickstoff, Kunstfasern usw. usf. (Anhaltender Beifall.)

In dieser Periode wurden Tausende neuer, modernster Industriewerke errichtet und in Betrieb gesetzt. Es wurden Riesenwerke errichtet wie die Dnjepr-Kraftwerke, die Magnitogorsker Hüttenwerke, die Kusnezker Werke, die Tscheljahinsker 'Traktorenwerke, Bobriki, die Uraler Maschinenbauwerke, die Kramatorsker Maschinenbauwerke. Tausende von alten Betrieben wurden auf der Basis der modernen Technik rekonstruiert. Es wurden neue Betriebe errichtet und Industriezentren in den nationalen Republiken und in den Randgebieten der UdSSR geschaffen: in Bjelorußland, in der Ukraine, im Nordkaukasus, in Transkaukasien, in Mittelasien, in Kasachstan, in der Burjat-Mongolei, in Tatarien, in Baschkirien, im Ural, in Ost- und Westsibirien, im Fernen Osten usw.

Es wurden mehr als 200000 Kollektivwirtschaften und 5000 Sowjetwirtschaften geschaffen mit neuen Bezirkszentren und industriellen Stützpunkten für sie.

In fast menschenleeren Gebieten sind neue große Städte mit einer großen Bevölkerungszahl emporgewachsen. Die alten Städte und Industrieorte haben sich kolossal erweitert.

Es wurden die Grundlagen für das Kombinat Ural-Kusnezk, die Vereinigung der Kusnezker Kokskohle mit dem Eisenerz des Urals, geschaffen. Die neue Hüttenindustriebasis im Osten ist somit aus einem Traum zur Wirklichkeit geworden.

Es wurden die Grundlagen geschaffen für eine neue mächtige Erdölbasis in den Gebieten der westlichen und südlichen Abhänge des Uralgebirges - im Uralgebiet, in Baschkirien, in Kasachstan.

Es ist offenkundig, dass die gewaltigen Kapitalinvestitionen des Staates in allen Zweigen der Volkswirtschaft, die in der Berichtsperiode über 60 Milliarden Rubel betrugen, nicht umsonst verausgabt worden sind und bereits anfangen, Früchte zu tragen.

Infolge dieser Errungenschaften ist das Volkseinkommen der UdSSR von 29 Milliarden Rubel im Jahre 1929 auf 50 Milliarden Rubel im Jahre 1933 gestiegen, während das Volkseinkommen in derselben Periode in allen kapitalistischen Ländern ohne Ausnahme gewaltig zurückgegangen ist.

Es ist klar, dass alle diese Errungenschaften und dieser ganze Aufschwung zu einer weiteren Festigung der inneren Lage der UdSSR führen mussten und in der Tat geführt haben.

Wie konnten diese kolossalen Wandlungen in 3-4 Jahren auf dem Territorium unseres riesigen Staates mit seiner rückständigen Technik, mitseiner rückständigen Kultur vor sich gehen? Ist das nicht ein Wunder? Das wäre ein Wunder, wenn die Entwicklung auf dem Boden des Kapitalismus und des individuellen Kleinbetriebs vor sich gegangen wäre. Aber es kann kein Wunder genannt werden, wenn man in Betracht zieht, dass sich die Entwicklung bei uns auf der Grundlage der Entfaltung des sozialistischen Aufbaus vollzogen hat.

Es ist klar, dass dieser gigantische Aufschwung sich nur auf der Basis des erfolgreichen Aufbaus des Sozialismus, auf der Basis der gesellschaftlichen Arbeit von Dutzenden Millionen Menschen, auf der Basis der Vorzüge des sozialistischen Wirtschaftssystems gegenüber dem kapitalistischen System und dem System der Einzelbauernwirtschaft entfalten konnte.

Deshalb ist es kein Wunder, dass der kolossale Aufschwung der Wirtschaft und Kultur der UdSSR in der Berichtsperiode gleichzeitig die Liquidierung der kapitalistischen Elemente und die Zurückdrängung der bäuerlichen Einzelwirtschaft bedeutete. Es ist Tatsache, dass der Anteil des sozialistischen Wirtschaftssystems in der Industrie gegenwärtig 99 Prozent und in der Landwirtschaft, wenn man die Anbaufläche der Getreidekulturen in Betracht zieht, 84,5 Prozent beträgt, während auf die bäuerliche Einzelwirtschaft insgesamt 15,5 Prozent entfallen.

Die kapitalistische Wirtschaft in der UdSSR ist demnach bereits liquidiert, und der Sektor der bäuerlichen Einzelwirtschaft im Dorfe ist auf untergeordnete Positionen zurückgedrängt worden.

Lenin sprach bei der Einführung der Neuen Ökonomischen Politik davon, dass es in unserem Lande Elemente von fünf gesellschaftlich-ökonomischen Formen gab: 1. die patriarchalische Wirtschaft (die in hohem Grade Naturalwirtschaft ist); 2. die kleine Warenproduktion (die Mehrzahl der Bauern, die Getreide verkaufen); 3. der privatwirtschaftliche Kapitalismus; 4. der Staatskapitalismus; 5. der Sozialismus. [76] Lenin war der Auffassung, dass von allen diesen Formen schließlich die sozialistische Form die Oberhand gewinnen muss. Wir können jetzt sagen, dass die erste, die dritte und die vierte gesellschaftlich-ökonomische Form bereits nicht mehr bestehen, dass die zweite gesellschaftlich-ökonomische Form auf untergeordnete Positionen zurückgedrängt worden ist, während die fünfte gesellschaftlich-ökonomische Form, die sozialistische Form, die uneingeschränkt herrschende und einzige bestimmende Kraft in der gesamten Volkswirtschaft ist. (Stürmischer, anhaltender Beifall.)

Das ist das Ergebnis.

Dieses Ergebnis bildet die Grundlage für die Stabilität der inneren Lage der UdSSR, die Grundlage der Festigkeit ihrer Front- und Hinterlandspositionen unter den Bedingungen der kapitalistischen Umkreisung.

Gehen wir nun zur Prüfung des konkreten Materials über die einzelnen Fragen der wirtschaftlichen und politischen Lage der Sowjetunion über.

 

1. Der Aufschwung der Industrie

Von allen Zweigen der Volkswirtschaft ist bei uns am raschesten die Industrie gewachsen. In der Berichtsperiode, das heißt seit 1930, ist die Industrie bei uns auf mehr als das Doppelte, nämlich um 101,6 Prozent, im Vergleich mit dem Vorkriegsstand aber fast auf das Vierfache, nämlich um 291,9 Prozent, gewachsen.

Das bedeutet, dass die Industrialisierung bei uns mit Volldampf vor sich gegangen ist.

Das rasche Anwachsen der Industrialisierung führte dazu, dass die Industrieproduktion in der Gesamtproduktion der ganzen Volkswirtschaft die führende Stellung eingenommen hat.

Hier die entsprechende Tabelle:

 

Prozentualer Anteil der Industrie
an der Gesamtproduktion der Volkswirtschaft
(in Preisen von 1926/27)

 

1913

1929

1930

1931

1932

1933

1. Industrie (ohne Kleinindustrie)

41,1

54,5

61,6

66,7

70,7

70,4

2. Landwirtschaft

57,9

45,5

38,4

33,3

29,3

29,6

Insgesamt

100,0

100,0

100,0

100,0

100,0

100,0

Das bedeutet, dass unser Land unwiderruflich und endgültig zu einem Industrieland geworden ist.

Von entscheidender Bedeutung für die Industrialisierung ist das Anwachsen der Produktion von Produktionsinstrumenten und -mitteln im Gesamtumfang der Entwicklung der Industrie. Die Angaben über die Berichtsperiode zeigen, dass dieser Posten im Gesamtumfang der Industrie seiner relativen Bedeutung nach die vorherrschende Stellung eingenommen hat.

Hier die entsprechende Tabelle:

Anteil der Produktion
der beiden Hauptabteilungen der Zweige der Großindustrie
(in Preisen von 1926/27)

Gesamtproduktion (in Milliarden Rubel)

 

1929

1930

1931

1932

1933

Gesamte Großindustrie

21,0

27,5

33,9

38,5

41,9

Darunter:

 

 

 

 

 

Abteilung „A“. Produktionsinstru-
mente und –mittel

10,2

14,5

18,8

22,0

24,3

Abteilung „B“. Konsummittel

10,8

13,0

15,1

16,5

17,6

Anteil: (in Prozenten)

 

 

 

 

 

Abteilung „A“. Produktionsinstru-
mente und –mittel

48,5

52,6

55,4

57,0

58,0

Abteilung „B“. Konsummittel

51,5

47,4

44,6

43,0

42,0

Insgesamt

100,0

100,0

100,0

100,0

100,0

 

Wie Sie sehen, bedarf die Tabelle keiner Erklärung.

In unserem in technischer Hinsicht immer noch jungen Lande steht die Industrie vor einer besonderen Aufgabe. Sie soll nicht nur sich selbst, nicht nur alle Zweige der Industrie, darunter auch die Leichtindustrie, die Nahrungsmittelindustrie, die Holzindustrie, auf moderner technischer Basis rekonstruieren. Sie soll auch alle Arten des Verkehrswesens und alle Zweige der Landwirtschaft rekonstruieren. Aber sie kann diese Aufgabe nur dann erfüllen, wenn der Maschinenbau - der Haupthebel der Rekonstruktion der Volkswirtschaft - in ihr einen überragenden Platz eingenommen hat. Die Angaben der Berichtsperiode zeigen, dass der Maschinenbau bei uns im Gesamtumfang der Industrie die führende Rolle erlangt hat.

Hier die entsprechende Tabelle:

Prozentualer Anteil der einzelnen Industriezweige
im Verhältnis zum Ergebnis der Gesamtproduktion
(Gebiet der UdSSR)

 

1913

1929

1932

1933

Steinkohleindustrie

2,9

2,1

1,7

2,0

Koksindustrie

0,8

0,4

0,5

0,6

Erdölgewinnung

1,9

1,8

1,5

1,4

Erdölverarbeitung

2,3

2,5

2,9

2,6

Eisenhüttenindustrie

Keine Angaben

4,5

3,7

4,0

Buntmetallindustrie

Keine Angaben

1,5

1,3

1,2

Maschinenbau

11,0

14,8

25,0

26,1

Chemische Großindustrie

0,8

0,6

0,8

0,9

Baumwollindustrie

18,3

15,2

7,6

7,3

Wollindustrie

3,1

3,1

1,9

1,8

 

Das bedeutet, dass unsere Industrie sich auf einer gesunden Grundlage entwickelt und dass sich der Schlüssel zur Rekonstruktion - der Maschinenbau - ganz in unseren Händen befindet. Man muss ihn nur sachkundig und rationell ausnutzen.

Ein interessantes Bild bietet die Entwicklung der Industrie in der Berichtsperiode nach sozialen Sektoren.

Hier die entsprechende Tabelle:

Gesamtproduktion der Großindustrie nach sozialen Schichten
(in Preisen von 1926/27)

Gesamtproduktion in Millionen Rubel

 

1929

2930

1931

1932

1933

Gesamte Produktion

21025

27477

33903

38464

41968

Davon:
I. Vergesellschaftete
Industrie

20891

27402

Keine
Angaben

38436

41940

Davon:
a) Staatliche
Industrie

19143

24989

Keine
Angaben

35587

38932

b) Genossen-
schaftliche
Industrie

1748

2413

Keine
Angaben

2849

3008

II. Privatindustrie

134

75

Keine
Angaben

28

28

 

Gesamtproduktion in Prozenten

 

1929

2930

1931

1932

1933

Gesamte Produktion

100

100

100

100

100

Davon:
Vergesellschaftete
Industrie

99,4

99,7

Keine
Angaben

99,93

99,93

Davon:
a) Staatliche
Industrie

91,1

90,9

Keine
Angaben

92,52

92,76

b) Genossen-
schaftliche
Industrie

8,3

8,8

Keine
Angaben

7,41

7,17

 

II. Privatindustrie

0,6

0,3

Keine
Angaben

0,07

0,07

Aus dieser Tabelle ist ersichtlich, dass es mit den kapitalistischen Elementen in der Industrie bereits zu Ende ist und dass das sozialistische Wirtschaftssystem in unserer Industrie jetzt das einzige, das allein herrschende System ist. (Beifall.)

Aber unter allen Errungenschaften der Industrie, die sie in der Berichtsperiode erzielt hat, muss als die wichtigste Errungenschaft die Tatsache angesehen werden, dass sie es in dieser Zeit vermocht hat, Tausende neuer Menschen und neuer Leiter der Industrie, ganze Schichten neuer Ingenieure und Techniker, Hunderttausende von jungen qualifizierten Arbeitern zu erziehen und auszubilden, die die moderne Technik gemeistert und unsere sozialistische Industrie vorwärts gebracht haben. Es kann kein Zweifel darüber bestehen, dass die Industrie ohne diese Menschen nicht jene Erfolge hätte haben können, die sie jetzt hat und auf die sie mit Recht stolz sein kann. Die Angaben besagen, dass die Industrie in der Berichtsperiode aus den Betriebslehrlingsschulen ungefähr 800000 mehr oder weniger qualifizierte Arbeiter, aus den technischen Hochschulen, den Hochschulen und Techniken mehr als 180000 Ingenieure und Techniker für die Betriebe bekommen hat. Wenn es richtig ist, dass das Kaderproblem ein überaus ernstes Problem in unserer Entwicklung ist, so muss man anerkennen, dass unsere Industrie dieses Problem ernstlich zu meistern beginnt.

Das sind die Haupterrungenschaften unserer Industrie.

Es wäre jedoch falsch zu glauben, dass die Industrie nur Erfolge gehabt habe. Nein, sie hat auch ihre Mängel. Die Hauptmängel sind:

a) das fortdauernde Zurückbleiben der Eisenhüttenindustrie;

b) die fehlende Ordnung in der Buntmetallindustrie;

c) die Unterschätzung der überaus großen Bedeutung, die die Entwicklung der Ausbeute örtlicher Kohlenvorkommen für die gesamte Brennstoffwirtschaft des Landes hat (Moskauer Bezirk, Kaukasus, Ural, Karaganda, Mittelasien, Sibirien, Ferner Osten, Nordregion usw.);

d) das Fehlen der notwendigen Aufmerksamkeit für die Frage der Organisierung einer neuen Erdölbasis in den Bezirken des Urals, Baschkiriens, der Emba;

e) das Fehlen ernsthafter Sorge um den Ausbau der Produktion von Massenbedarfsartikeln in der Leicht- und in der Nahrungsmittelindustrie sowie in der Holzindustrie;

f) das Fehlen der notwendigen Aufmerksamkeit für die Frage der Entfaltung der örtlichen Industrie;

g) das ganz unzulässige Verhalten zur Frage der Verbesserung der Qualität der Produktion;

h) das fortdauernde Zurückbleiben in der Hebung der Arbeitsproduktivität, der Senkung der Selbstkosten, in der Einbürgerung der wirtschaftlichen Rechnungsführung;

i) die noch immer nicht liquidierte schlechte Organisation der Arbeit und des Arbeitslohns, das Fehlen persönlicher Verantwortlichkeit in der Arbeit, die Gleichmacherei im Lohnsystem;

j) die noch bei weitem nicht liquidierte kanzleimäßig-bürokratische Methode der Leitung in den Volkskommissariaten für Wirtschaft und ihren Organen, darunter auch in den Volkskommissariaten für Leichtindustrie und für Nahrungsmittelindustrie.

Man braucht wohl kaum noch zu erklären, warum es absolut notwendig ist, diese Mängel schleunigst zu beheben. Die Eisenhütten- und die Buntmetallindustrie haben bekanntlich im Laufe des ersten Planjahrfünfts ihren Plan nicht erfüllt. Sie haben ihn auch im ersten Jahr des zweiten Planjahrfünfts nicht erfüllt. Wenn sie auch künftig zurückbleiben werden, so können sie zum Hemmschuh für die Industrie und zur Ursache von Unterbrechungen in deren Arbeit werden. Was die Schaffung neuer Zentren der Kohlen- und Erdölindustrie betrifft, so dürfte es nicht schwer fallen, zu begreifen, dass ohne Erfüllung dieser unaufschiebbaren Aufgabe sich sowohl die Industrie als auch der Verkehr festfahren können. Die Frage der Massenbedarfsartikel und der Entwicklung der örtlichen Industrie wie auch die Fragen der Verbesserung der Qualität der Produkte, der Steigerung der Arbeitsproduktivität, der Senkung der Selbstkosten und der Einbürgerung der wirtschaftlichen Rechnungsführung bedürfen ebenfalls keiner Erklärung. Was die schlechte Organisation der Arbeit und des Arbeitslohns und die kanzleimäßig-bürokratische Leitungsmethode betrifft, so hat sich, wie das die Geschichte mit dem Donezbecken sowie mit den Betrieben der Leicht- und der Nahrungsmittelindustrie zeigte, diese gefährliche Krankheit in allen Industriezweigen eingenistet und hemmt ihre Entwicklung. Wird sie nicht ausgemerzt, so wird die Industrie auf beiden Beinen hinken.

Die nächsten Aufgaben sind die folgenden:

1. Die jetzige führende Rolle des Maschinenbaus im System der Industrie aufrechtzuerhalten.

2. Das Zurückbleiben der Eisenhüttenindustrie zu liquidieren.

3. In der Buntmetallindustrie Ordnung zu schaffen.

4. Die Ausbeute örtlicher Kohlenvorkommen in allen bereits bekannten Revieren voll zu entfalten, neue Kohlenreviere auszubauen (zum Beispiel im Bezirk Bureja im Fernen Osten), das Kusnezkbecken in ein zweites Donezbecken zu verwandeln. (Anhaltender Beifall.)

5. Die Organisierung einer Erdölbasis in den Gebieten der westlichen und südlichen Abhänge des Uralgebirges ernstlich in Angriff zu nehmen.

6. Die Produktion von Massenbedarfsartikeln in allen Volkskommissariaten für Wirtschaft zu entfalten.

7. Die Industrie der örtlichen Sowjets auszubauen, ihr die Möglichkeit zu geben, in der Herstellung von Massenbedarfsartikeln Initiative zu entwickeln, und sie nach Möglichkeit mit Rohstoffen und Geldmitteln zu unterstützen.

8. Die Qualität der gelieferten Waren zu verbessern, mit der Lieferung unkompletter Erzeugnisse Schluss zu machen und alle diejenigen Genossen ohne Ansehen der Person zu bestrafen, die die Gesetze der Sowjetmacht über Qualität und Vollständigkeit der Erzeugnisse verletzen oder umgehen.

9. Die systematische Hebung der Arbeitsproduktivität, die Senkung der Selbstkosten und die Einbürgerung der wirtschaftlichen Rechnungsführung zu erreichen.

10. Die Verantwortungslosigkeit in der Arbeit und die Gleichmacherei im Lohnsystem restlos auszumerzen.

11. Die kanzleimäßig-bürokratische Leitungsmethode in allen Gliedern der Volkskommissariate für Wirtschaft auszumerzen und systematisch zu prüfen, wie die untergeordneten Organe die Beschlüsse und Anweisungen der leitenden Instanzen durchführen.

 

2. Der Aufschwung der Landwirtschaft

 

Etwas anders ist die Entwicklung in der Landwirtschaft verlaufen. Zwar um ein Vielfaches langsamer als in der Industrie, aber immerhin schneller als in der Periode, da die Einzelwirtschaft überwog, hat sich in der Berichtsperiode der Aufschwung der Hauptzweige der Landwirtschaft entfaltet. In der Viehzucht aber hatten wir sogar den entgegen gesetzten Prozess - einen Rückgang des Viehbestands, und erst 1933 sind, und auch das nur auf dem Gebiet der Schweinezucht, Anzeichen einer Besserung sichtbar geworden.

Es ist offensichtlich, dass die gewaltigen Schwierigkeiten bei der Vereinigung der zersplitterten bäuerlichen Kleinwirtschaften zu Kollektivwirtschaften, das schwierige Werk der Schaffung zahlreicher Großwirtschaften für Getreidebau und Viehzucht auf fast menschenleeren Landstrichen und überhaupt die Reorganisationsperiode, die Periode der Umgestaltung der auf der Einzelwirtschaft beruhenden Landwirtschaft und ihrer Überleitung auf neue, kollektivwirtschaftliche Bahnen, die viel Zeit und große Unkosten erfordert - dass alle diese Faktoren zwangsläufig sowohl das langsame Tempo des Aufschwungs der Landwirtschaft als auch eine relativ lange Periode des Rückgangs in der Entwicklung des Viehbestands zur Folge hatten.

Dem Wesen der Sache nach war die Berichtsperiode für die Landwirtschaft nicht so sehr eine Periode des raschen Aufschwungs und mächtigen Anlaufs als vielmehr eine Periode, in der die Voraussetzungen für einen solchen Aufschwung und einen solchen Anlauf in der nächsten Zukunft geschaffen wurden.

Nimmt man die Zahlen über die Erweiterung der Anbauflächen aller Kulturen und dann gesondert der gewerblichen Nutzpflanzen, so erhält man folgendes Bild der Entwicklung der Landwirtschaft in der Berichtsperiode:

 

Anbaufläche aller Kulturen in der UdSSR
(in Millionen Hektar)

 

1913

1929

1930

1931

1932

1933

Gesamte
Anbaufläche

105,5

118,0

127,2

136,3

134,4

129,7

Davon:
a) Getreide

94,4

96,0

101,8

104,4

99,7

101,5

b) Gewerbliche
Nutzpflanzen

4,5

8,8

10,5

14,0

14,9

12,0

c) Garten- und Feld-
Gemüsekulturen

3,8

7,6

8,0

9,1

9,2

8,6

d) Futtermittel

2,1

5,0

6,5

8,8

10,6

7,3

Anbaufläche der gewerblichen Nutzpflanzen in der UdSSR
(in Millionen Hektar)

 

1913

1929

1930

1931

1932

1933

Baumwolle

0,69

1,06

1,58

2,14

2,17

2,05

Flachs (langfasriger)

1,02

1,63

1,75

2,39

2,51

2,40

Zuckerrüben

0,65

0,77

1,04

1,39

1,54

1,21

Ölfrüchte

2,00

5,20

5,22

7,55

7,98

5,79

Diese Tabellen bringen zwei Grundlinien in der Landwirtschaft zu Ausdruck:

1. Die Linie, die auf die größtmögliche Erweiterung der Anbauflächen gerichtet war, in der Periode, als die Reorganisation der Landwirtschaft in vollem Gange war, als Kollektivwirtschaften zu Zehntausenden geschaffen wurden, als sie die Kulaken vom Boden vertrieben, von den frei gewordenen Ländereien Besitz ergriffen und sie fest in die Hand nahmen.

2. Die Linie, bei der man von einer wahllosen Erweiterung der Anbauflächen Abstand nahm und von der wahllosen Erweiterung der Anbauflächen zur Verbesserung der Bodenbearbeitung überging, zur Einführung einer richtigen Fruchtfolge und einer richtigen Brache, zur Steigerung des Ernteertrags und, wenn die Praxis es erfordert, zu einer vorübergehenden Einschränkung der vorhandenen Anbauflächen.

Bekanntlich ist die zweite Linie - die einzig richtige Linie in der Landwirtschaft - 1932 verkündet worden, als die Reorganisationsperiode in der Landwirtschaft zu Ende ging und die Frage der Steigerung der Ernteerträge zu einer der Grundfragen des Aufschwungs der Landwirtschaft wurde.

Aber die Angaben über die Erweiterung der Anbauflächen können nicht als völlig ausreichende Merkmale für die Entwicklung der Landwirtschaft angesehen werden. Es kommt vor, dass die Anbauflächen wachsen, die Produktion aber nicht wächst, ja sogar sinkt, weil die Bodenbearbeitung sich verschlechtert hat und der Ernteertrag pro Einheit der Anbaufläche zurückgegangen ist. Infolgedessen muss man die Angaben über die Anbauflächen durch Angaben über die Gesamtproduktion ergänzen.

Hier die entsprechende Tabelle:

Gesamtproduktion von Getreide und gewerblichen Nutzpflanzen in der UdSSR
(In Millionen Doppelzentner)

 

1913

1929

1930

1931

1932

1933

Getreide

801,0

717,4

835,4

694,8

698,7

898,0

Rohbaumwolle

7,4

8,6

11,1

12,9

12,7

13,2

Flachsfasern

3,3

3,6

4,4

5,5

5,0

5,6

Zuckerrüben

109,0

62,5

140,2

120,5

65,6

90,0

Ölfrüchte

21,5

35,8

36,2

51,0

45,5

46,0

Aus dieser Tabelle ist ersichtlich, dass die Jahre, in denen die Reorganisation der Landwirtschaft in vollem Gange war, 1931 und 1932, Jahre des stärksten Rückgangs der Produktion der Getreidekulturen waren.

Aus dieser Tabelle folgt weiter, dass Flachs und Baumwolle, in deren Anbaugebieten die Reorganisation der Landwirtschaft in weniger raschem Tempo vor sich ging, fast überhaupt nicht gelitten haben, sich mehr oder weniger gleichmäßig und ununterbrochen aufwärts entwickelten und das hohe Entwicklungsniveau bewahrten.

Aus dieser Tabelle folgt drittens, dass, während die Ölfrüchte lediglich ein gewisses Schwanken aufzuweisen hatten und ihr hohes Entwicklungsniveau im Vergleich mit dem Vorkriegsniveau bewahrten, die Zuckerrüben, in deren Anbaugebieten man das höchste Tempo der Reorganisation der Landwirtschaft beobachtete und die zuletzt in die Reorganisationsperiode eintraten, im letzten Jahr der Reorganisation, im Jahre 1932, den größten Rückgang hatten und dass ihre Produktion unter das Vorkriegsniveau sank.

Aus dieser Tabelle folgt schließlich, dass das Jahr 1933 - das erste Jahr nach der Beendigung der Reorganisationsperiode - in der Entwicklung der Getreidekulturen und gewerblichen Nutzpflanzen ein Jahr des Umschwungs ist.

Das bedeutet, dass vor allem die Getreidekulturen und nach ihnen die gewerblichen Nutzpflanzen von nun an fest und sicher einem mächtigen Aufschwung entgegengehen werden.

Am schwersten hat die Viehzucht die Reorganisationsperiode überstanden.

Hier die entsprechende Tabelle:

Viehbestand in der UdSSR
(In Millionen Stück)

 

1916

1929

1930

1931

1932

1933

a) Pferde

35,1

34,4

30,2

26,2

19,6

16,6

b) Rinder

58,9

68,1

52,5

47,9

40,7

38,6

c) Schafe und Ziegen

115,2

147,2

108,8

77,7

52,1

50,6

d) Schweine

20,3

20,9

13,6

14,4

11,6

12,2

 

Aus dieser Tabelle ist ersichtlich, dass wir in der Berichtsperiode keine Zunahme des Viehbestands haben, sondern einen noch immer andauernden Rückgang im Vergleich mit dem Vorkriegsniveau. Es ist offensichtlich, dass einerseits die Tatsache, dass die Viehzucht am stärksten von großkulakischen Elementen durchsetzt war, und anderseits die verstärkte Kulakenagitation für das Schlachten des Viehs, die in den Jahren der Reorganisation einen günstigen Boden fand, in dieser Tabelle zum Ausdruck kommen.

Aus dieser Tabelle folgt weiter, dass der Rückgang des Viehbestands gleich im ersten Jahr der Reorganisation (1930) einsetzte und bis 1933 fortdauert, und zwar war der Rückgang am stärksten in den ersten drei Jahren, während im Jahre 1933, im ersten Jahr nach Beendigung der Reorganisationsperiode, als die Getreidekulturen einen Aufschwung nahmen, der Rückgang des Viehbestands minimal war.

Aus dieser Tabelle folgt schließlich, dass in der Schweinezucht bereits ein umgekehrter Prozess eingesetzt hat und im Jahre 1933 schon Anzeichen eines direkten Aufstiegs sichtbar geworden sind.

Das bedeutet, dass das Jahr 1934 ein Jahr des Umschwungs zum Aufstieg der gesamten Viehzucht werden muss und kann.

Wie hat sich bei uns die Kollektivierung der bäuerlichen Wirtschaften in der Berichtsperiode entwickelt?

Hier die entsprechende Tabelle:

Kollektivierung

 

1929

1930

1931

1932

1933

Zahl der Kollektivwirtschaf-
ten

57,0

85,9

211,1

211,05

224,5

Zahl der in den Kollektivwirt-
schaften angeschlossenen
Bauernhöfe (in Milionen)

1,0

6,0

13,0

14,9

15,2

Prozentsatz der Kollektivie-
rung der Bauernhöfe

3,9

23,6

52,7

61,5

65,0

Welche Wandlungen haben aber die Getreideanbauflächen nach Sektoren durchgemacht?

Hier die entsprechende Tabelle:

Anbauflächen der Getreidekulturen nach Sektoren
(in Millionen Hektar)

 

 

 

 

 

 

In Prozenten
Zur Anbau-
Fläche von

Sektoren

1929

1930

1931

1932

1933

1933

1. Sowjetwirtschaften

1,5

2,9

8,1

9,3

10,8

10,6

2. Kollektivwirtschaften

3,4

29,7

61,0

69,1

75,0

73,9

3. Einzelwirtschaften

91,1

69,2

35,3

21,3

15,7

15,5

Gesamte Getreide-
Anbaufläche in der UdSSR

96,0

101,8

104,4

99,7

101,5

100

 

Was besagen diese Tabellen?

Sie besagen, dass die Reorganisationsperiode der Landwirtschaft, in der die Zahl der Kollektivwirtschaften und ihre Mitgliederzahl in stürmischem Tempo anwuchsen, nunmehr zu Ende ist, schon 1932 zu Ende war.

Folglich ist der weitere Prozess der Kollektivierung ein Prozess, bei dem die Überreste der individuellen Bauernwirtschaften allmählich durch die Kollektivwirtschaften aufgesaugt und umgeformt werden.

Das bedeutet, dass die Kollektivwirtschaften endgültig und unwiderruflich gesiegt haben. (Stürmischer, anhaltender Beifall.)

Sie besagen ferner, dass die Sowjet- und Kollektivwirtschaften zusammen 84,5 Prozent der gesamten Getreideanbaufläche der UdSSR besitzen.

Das bedeutet, dass die Kollektiv- und Sowjetwirtschaften zusammen zu dem Machtfaktor geworden sind, der über das Schicksal der gesamten Landwirtschaft und aller ihrer Zweige entscheidet.

Sie besagen ferner, dass die 65 Prozent der in den Kollektivwirtschaften zusammengeschlossenen Bauernwirtschaften 73,9 Prozent der gesamten Getreideanbaufläche besitzen, während die ganze Masse der verbleibenden individuellen Bauernwirtschaften, die 35 Prozent der gesamten bäuerlichen Bevölkerung umfassen, insgesamt nur 15,5 Prozent der gesamten Getreideanbaufläche besitzt.

Fügt man noch die Tatsache hinzu, dass die Kollektivwirtschaften 1933 dem Staat, alle Arten von Eingängen gerechnet, über 1 Milliarde Pud Getreide abgeliefert haben, die Einzelbauern aber, die den Plan zu 100 Prozent erfüllten, insgesamt ungefähr 130 Millionen Pud, während 1929/30 die Einzelbauern dem Staat ungefähr 780 Millionen Pud, die Kollektivwirtschaften aber nicht mehr als 120 Millionen Pud abgeliefert haben, so wird es sonnenklar, dass die Kollektivwirtschaften und die Einzelbauern in der Berichtsperiode die Rollen vollständig vertauscht haben, und zwar sind die Kollektivwirtschaften in dieser Zeit zu dem herrschenden Faktor in der Landwirtschaft geworden, die Einzelbauern aber zu einem Faktor zweiten Ranges, der gezwungen ist, sich dem kollektivwirtschaftlichen System unterzuordnen und anzupassen.

Es steht fest, dass die werktätige Bauernschaft, unsere Sowjetbauernschaft, sich endgültig und unwiderruflich unter das rote Banner des Sozialismus gestellt hat. (Anhaltender Beifall.)

Mögen die sozialrevolutionär-menschewistischen und bürgerlich-trotzkistischen Klatschbasen davon schwatzen, dass die Bauernschaft ihrer Natur nach konterrevolutionär sei, dass sie berufen sei, in der UdSSR den Kapitalismus wiederherzustellen, dass sie kein Bundesgenosse der Arbeiterklasse bei der Errichtung des Sozialismus sein könne, dass es in der UdSSR unmöglich sei, den Sozialismus zu errichten. Die Tatsachen besagen, dass diese Herrschaften sowohl die UdSSR als auch die Sowjetbauernschaft verleumden. Die Tatsachen besagen, dass unsere Sowjetbauernschaft endgültig die Ufer des Kapitalismus verlassen hat und im Bunde mit der Arbeiterklasse dem Sozialismus zusteuert. Die Tatsachen besagen, dass wir das Fundament der sozialistischen Gesellschaft in der UdSSR bereits errichtet haben und dass wir es nur noch durch die Überbauten krönen müssen, was zweifellos leichter ist als die Errichtung des Fundaments der sozialistischen Gesellschaft.

Die Stärke der Kollektiv- und Sowjetwirtschaften erschöpft sich jedoch nicht in der Erweiterung ihrer Anbaufläche und Produktion. Sie findet ihren Ausdruck auch in der Vergrößerung ihres Traktorenparks, in ihrer zunehmenden Mechanisierung. Es besteht kein Zweifel, dass unsere Kollektiv- und Sowjetwirtschaften in dieser Hinsicht einen gewaltigen Schritt vorwärts getan haben.

Hier die entsprechende Tabelle:

Traktorenpark in der Landwirtschaft der UdSSR
(unter Berücksichtigung der Amortisation)

In Tausend

 

1929

1930

1931

1932

1933

Insgesamt Traktoren

34,9

72,1

125,3

148,5

204,1

Davon:
a) Traktoren in den MTS

2,4

31,1

63,3

74,8

122,3

b) Traktoren in den Sowjetwirt-
schaften der verschied.
Volkskommissariate

9,7

27,7

51,5

64,0

81,8

Leistungsfähigkeit in PS

 

1929

1930

1931

1932

1933

Insgesamt Traktoren

391,4

1003,5

1850,0

2225,0

3100,0

Davon:
a) Traktoren in den MTS

23,9

372,5

848,0

1077,0

1782,0

b) Traktoren in den Sowjetwirt-
schaften der verschied.
Volkskommissariate

123,4

483,1

892,0

1043,0

1318,0

 

Wir haben also 204000 Traktoren mit 3100000 PS für die Kollektiv- und Sowjetwirtschaften. Das ist, wie man sieht, eine nicht geringe Kraft, eine Kraft, die imstande ist, alle und jegliche Wurzeln des Kapitalismus im Dorfe auszurotten. Das. ist eine Kraft, die doppelt so groß ist wie jene Traktorenzahl, von der Lenin seinerzeit als von einer fernen Perspektive sprach [77].

Was den Park an landwirtschaftlichen Maschinen in den Maschinen und Traktorenstationen und in den Sowjetwirtschaften des Volkskommissariats für Sowjetwirtschaften betrifft, so geben hierüber folgende Tabellen Aufschluss:

 

In den Maschinen- und Traktorstationen

 

1930

1931

1932

1933

Mähdrescher (in Tausend)

7 Stück

0,1

2,2

11,5

Motoren und Lokomobilen (in Tausend)

0,1

4,9

6,2

17,6

Dreschmaschinen mit mehrfacher und mit
einfacher Reinigung (in Tausend)

2,9

27,8

37,0

50,0

Kraftanlagen für Drusch

168

268

551

1283

Kraftanlagen der Reparaturwerkstätten
in den MTS

104

770

1220

1933

Lastautos (in Tausend)

0,2

1,0

6,0

13,5

Personenautos (in Stück)

17

191

245

2800

In den Sowjetwirtschaften des Volkskommissariats für Sowjetwirtschaften

 

1930

1931

1932

1933

Mähdrescher (in Tausend)

1,7

6,3

11,9

13,5

Motoren und Lokomobilen (in Tausend)

0,3

0,7

1,2

2,5

Dreschmaschinen mit mehrfacher und mit
einfacher Reinigung (in Tausend)

1,4

4,2

7,1

8,0

Kraftanlagen

42

112

164

222

Reparaturwerkstätten
a) für Generalreparaturen

72

133

208

302

b) für mittlere Reparaturen

75

160

215

476

c) für laufende Reparaturen

205

310

578

1166

Lastautos (in Tausend)

2,1

3,7

6,2

10,9

Personenautos (in Stück)

118

385

625

1890

 

Ich glaube, dass diese Angaben keiner Erläuterung bedürfen.

Von nicht geringer Bedeutung für den Aufschwung der Landwirtschaft waren auch die Bildung von Politischen Abteilungen in den Maschinen- und Traktorenstationen und den Sowjetwirtschaften sowie die Entsendung von qualifizierten Arbeitskräften in die Landwirtschaft. Jetzt erkennen alle an, dass die Funktionäre der Politischen Abteilungen eine gewaltige Rolle bei der Verbesserung der Arbeit der Kollektiv- und Sowjetwirtschaften gespielt haben. Es ist bekannt, dass das Zentralkomitee der Partei in der Berichtsperiode mehr als 23000 Kommunisten zur Stärkung der Kader der Landwirtschaft ins Dorf geschickt hat, davon mehr als 3000 landwirtschaftliche Funktionäre, mehr als 2000 in die Sowjetwirtschaften, mehr als 13000 in die Politischen Abteilungen der Maschinen- und Traktorenstationen und mehr als 5000 in die Politischen Abteilungen der Sowjetwirtschaften.

Dasselbe ist von der Entsendung netter Ingenieure, Techniker und Agronomen in die Kollektiv- und Sowjetwirtschaften zu sagen. Es ist bekannt, dass in der Berichtsperiode mehr als 111000 Arbeitskräfte dieser Kategorie in die Landwirtschaft geschickt worden sind.

In der Berichtsperiode wurden mehr als 1900000 Traktoristen, Kombineführer, Gehilfen von Kombineführern, Chauffeure ausgebildet und allein im System des Volkskommissariats für Landwirtschaft zur Arbeit geschickt.

Mehr als 1600000 Personen wurden in dieser Periode zu Vorsitzenden und Mitgliedern der Verwaltungen der Kollektivwirtschaften, zu Brigadieren für den Feldbau, Brigadieren für die Viehzucht und zu Rechnungsführern ausgebildet oder umgeschult.

Das ist natürlich wenig für unsere Landwirtschaft. Aber es ist immerhin etwas.

Wie Sie sehen, hat der Staat alles getan, was möglich war, um die Arbeit der Organe des Volkskommissariats für Landwirtschaft und des Volkskommissariats für Sowjetwirtschaften zur Leitung des kollektiv- und sowjetwirtschaftlichen Aufbaus zu erleichtern.

Kann man sagen, dass diese Möglichkeiten so ausgenutzt worden sind, wie es sein sollte?

Leider kann man das nicht sagen.

Vor allem müssen wir feststellen, dass diese Volkskommissariate mehr als die anderen Volkskommissariate von der Krankheit des bürokratisch-kanzleimäßigen Verhaltens zur Arbeit angesteckt sind. Man entscheidet Fragen, denkt aber nicht daran, die Durchführung zu kontrollieren, diejenigen zur Ordnung zu rufen, die die Anweisungen und Verfügungen der leitenden Organe verletzen, diejenigen zu befördern, die ihre Pflichten ehrlich und gewissenhaft erfüllen.

Man sollte meinen, dass das Vorhandensein eines gewaltigen Traktoren- und Maschinenparks die landwirtschaftlichen Verwaltungsstellen dazu verpflichten müsste, diese wertvollen Maschinen in Ordnung zu halten, sie rechtzeitig zu reparieren, sie bei der Arbeit so gut wie möglich auszunutzen. Was tun sie auf diesem Gebiet? Leider sehr wenig. Die Unterbringung der Traktoren und Maschinen ist unbefriedigend. Die Reparatur ist ebenfalls unbefriedigend, denn bis auf den heutigen Tag will man nicht begreifen, dass die Grundlage der Reparatur die laufende und mittlere Reparatur, nicht aber die Generalreparatur ist. Was die Ausnutzung der Traktoren und Maschinen betrifft, so ist der unbefriedigende Stand dieser Sache so klar und so allgemein bekannt, dass er keiner Beweise bedarf.

Eine der aktuellen Aufgaben der Landwirtschaft ist die Einführung der richtigen Fruchtfolge, die Erweiterung der Schwarzbrache, die Verbesserung der Saatgutwirtschaft in allen Zweigen des Ackerbaus. Was wird auf diesem Gebiet getan? Einstweilen leider sehr wenig. In der Saatgutwirtschaft für Getreide und Baumwolle herrscht ein solches Durcheinander, dass man noch viel Zeit brauchen wird, um sie in Ordnung zu bringen.

Eins der wirksamsten Mittel zur Hebung des Ernteertrags bei den gewerblichen Nutzpflanzen ist die Anwendung von Düngemitteln. Was wird auf diesem Gebiet getan? Einstweilen sehr wenig. Düngemittel sind vorhanden, aber die Organe des Volkskommissariats für Landwirtschaft verstehen es nicht, sie zu übernehmen, und wenn sie sie übernommen haben, dann sorgen sie nicht dafür, dass sie rechtzeitig an Ort und Stelle geschafft und rationell ausgenutzt werden.

Was die Sowjetwirtschaften betrifft, so muss man sagen, dass sie ihren Aufgaben immer noch nicht gerecht werden. Ich bin weit davon entfernt, die große revolutionierende Bedeutung unserer Sowjetwirtschaften zu unterschätzen. Aber wenn man die gewaltigen Investitionen des Staates in die Sowjetwirtschaften mit den heutigen faktischen Ergebnissen der Arbeit der Sowjetwirtschaften vergleicht, so ergibt sich ein gewaltiges Missverhältnis zuungunsten der Sowjetwirtschaften. Die Hauptursache dieses Missverhältnisses ist der Umstand, dass unsere Getreide-Sowjetwirtschaften allzu groß sind, die Direktoren mit den riesigen Sowjetwirtschaften nicht fertig werden, die Sowjetwirtschaften selbst übermäßig spezialisiert sind, keine Fruchtfolge und keine Brache kennen, dass in ihrer Wirtschaft keine Viehzucht betrieben wird. Offenbar muss man die Sowjetwirtschaften zerteilen und ihre übermäßige Spezialisierung beseitigen. Man sollte meinen, dass das Volkskommissariat für Sowjetwirtschaften diese Frage rechtzeitig aufgeworfen und ihre Lösung durchgesetzt habe. Das ist aber nicht der Fall. Die Frage wurde auf Initiative von Leuten gestellt und entschieden, die mit dem Volkskommissariat für Sowjetwirtschaften nichts zu tun haben.

Schließlich die Frage der Viehzucht. Ich habe bereits über die schwere Lage der Viehzucht berichtet. Man sollte meinen, dass unsere landwirtschaftlichen Verwaltungsstellen eine fieberhafte Tätigkeit zur Liquidierung der Krise in der Viehzucht entfalten, dass sie Alarm schlagen, ihre Mitarbeiter mobilisieren und dem Viehzuchtproblem durch kühnes Eingreifen beizukommen suchen. Leider geschah und geschieht nichts Derartiges. Sie schlagen nicht nur keinen Alarm wegen der schweren Lage der Viehzucht, sondern bemühen sich im Gegenteil, die Frage zu vertuschen, mitunter aber versuchen sie sogar in ihren Berichten, vor der öffentlichen Meinung des Landes den wirklichen Stand der Viehzucht zu verheimlichen, was für Bolschewiki völlig unzulässig ist. Nach alledem darauf hoffen, dass die landwirtschaftlichen Verwaltungsstellen imstande sein würden, die Viehzucht aus ihren Schwierigkeiten herauszuführen und sie auf die erforderliche Höhe zu bringen, hieße auf Sand bauen. Die gesamte Partei, alle unsere Funktionäre, Parteimitglieder und Parteilose, müssen die Sache der Viehzucht in die Hand nehmen, wobei in Betracht gezogen werden muss, dass das Problem der Viehzucht jetzt ein ebenso erstrangiges Problem ist, wie es gestern das bereits erfolgreich gelöste Getreideproblem war. Es braucht nicht erst bewiesen zu werden, dass die Sowjetmenschen, die wiederholt große Hindernisse auf dem Wege zum Ziel genommen haben, es verstehen werden, auch dieses Hindernis zu nehmen. (Beifallssturm.)

Das ist die kurze und bei weitem nicht vollständige Aufzählung der zu behebenden Mängel und der in der nächsten Zeit zu lösenden Aufgaben.

Bei diesen Aufgaben darf es jedoch nicht sein Bewenden haben. Es bestehen noch andere Aufgaben in der Landwirtschaft, über die einige Worte zu sagen wären.

Vor allem muss man im Auge behalten, dass die alte Teilung unserer Gebiete in Industrie- und Agrargebiete bereits überholt ist. Es gibt bei uns keine ausschließlichen Agrargebiete mehr, die die Industriegebiete mit Getreide, Fleisch, Gemüse versorgen, ebenso wie es bei uns keine ausschließlichen Industriegebiete mehr gibt, die darauf rechnen könnten, dass sie alle notwendigen Lebensmittel von auswärts, aus anderen Gebieten bekommen würden. Die Entwicklung führt dazu, dass alle Gebiete bei uns mehr oder weniger zu Industriegebieten werden, und je weiter, desto mehr werden sie zu Industriegebieten werden. Das bedeutet, dass die Ukraine, der Nordkaukasus, das Zentrale Schwarzerdegebiet und andere ehemalige Agrargebiete nicht mehr soviel Lebensmittel an die Industriezentren abgeben können wie früher, denn sie müssen ihre eigenen Städte und ihre eigenen Arbeiter ernähren, deren Zahl zunehmen wird. Daraus folgt aber, dass jedes Gebiet sich eine eigene landwirtschaftliche Basis schaffen muss, um eigenes Gemüse, eigene Kartoffeln, eigene Butter, eigene Milch und in diesem oder jenem Grade eigenes Getreide, eigenes Fleisch zu haben, wenn es nicht in eine schwierige Lage geraten will. Sie wissen, dass diese Sache durchaus realisierbar ist und dass jetzt bereits daran gearbeitet wird.

Die Aufgabe besteht darin, diese Sache um jeden Preis zu Ende zu führen.

Ferner muss man das Augenmerk darauf richten, dass die bekannte Teilung unserer Gebiete in Lebensmittel-Zuschuss- und Überschussgebiete ebenfalls anfängt, ihren ausschließlichen Charakter zu verlieren. Solche „Zuschuss“gebiete wie das Moskauer und das Gorkigebiet haben in diesem Jahr dem Staat ungefähr 80 Millionen Pud Getreide geliefert. Das ist natürlich keine Kleinigkeit. In der so genannten Zuschusszone gibt es ungefähr 5 Millionen Hektar Neuland, das mit Gesträuch bedeckt ist. Es ist bekannt, dass das Klima in dieser Zone nicht schlecht ist, dass es an Niederschlägen nicht mangelt und dass es hier keine Dürre gibt. Wenn man dieses Land vom Gesträuch säubert und eine Reihe organisatorischer Maßnahmen durchführt, so kann man ein gewaltiges Getreidegebiet bekommen, das bei den gewöhnlich hohen Erträgen in diesen Gegenden nicht weniger Warengetreide liefern würde als jetzt die Untere oder die Mittlere Wolga. Das wäre eine große Hilfe für die Industriezentren im Norden.

Die Aufgabe besteht offenbar darin, in den Gebieten der Zuschusszone ein großes kompaktes Areal von Getreidekulturen zu schaffen.

Und schließlich die Frage der Bekämpfung der Dürre im Transwolgagebiet. Die Aufforstung und die Schaffung von Schutzwaldstreifen in den östlichen Bezirken des Transwolgagebiets ist von gewaltiger Bedeutung. Bekanntlich wird daran bereits gearbeitet, obwohl man nicht sagen kann, dass diese Arbeit intensiv genug betrieben wird. Was die Bewässerung des Transwolgagebiets betrifft - und das ist das Wichtigste vom Standpunkt der Bekämpfung der Dürre -, so darf man nicht zulassen, dass diese Sache auf die lange Bank geschoben wird. Allerdings ist sie etwas gehemmt worden durch einige äußere Umstände, die viele Kräfte und Mittel in Anspruch genommen hatten. Aber jetzt besteht kein Grund mehr, sie weiter aufzuschieben. Wir können nicht ohne eine ernste und durchaus stabile, von den Zufälligkeiten der Witterung unabhängige Basis der Getreideproduktion an der Wolga auskommen, die jährlich gegen 200 Millionen Pud Warengetreide liefern würde. Das ist unbedingt notwendig, wenn man das Anwachsen der Städte an der Wolga einerseits und alle möglichen Verwicklungen in den internationalen Beziehungen anderseits in Betracht zieht.

Die Aufgabe besteht darin, ernstlich an die Arbeit zur Organisierung der Bewässerung des Transwolgagebiets heranzugehen. (Beifall.)

 

3. Der Aufschwung der materiellen Lage und der Kultur
der Werktätigen

Wir haben somit die Lage unserer Industrie und Landwirtschaft, ihre Entwicklung in der Berichtsperiode und ihren Stand im gegenwärtigen Augenblick geschildert.

Das Ergebnis ist:

a) die Produktion hat sowohl in der Industrie als auch in den wichtigsten Zweigen der Landwirtschaft einen mächtigen Aufschwung genommen;

b) das sozialistische Wirtschaftssystem hat auf der Grundlage dieses Aufschwungs endgültig über das kapitalistische Wirtschaftssystem gesiegt, und zwar sowohl in der Industrie als auch in der Landwirtschaft, das sozialistische System ist zum einzigen System in der gesamten Volkswirtschaft geworden, die kapitalistischen Elemente sind aus allen Sphären der Volkswirtschaft verdrängt;

c) die gewaltige Mehrheit der Einzelbauern hat endgültig der kleinen individuellen Warenwirtschaft den Rücken gekehrt, hat sich auf der Grundlage der kollektiven Arbeit und des kollektiven Eigentums an den Produktionsmitteln in Kollektivwirtschaften zusammengeschlossen, die Kollektivwirtschaft hat über die kleine individuelle Warenwirtschaft den völligen Sieg davongetragen;

d) der Prozess der weiteren Ausbreitung der Kollektivwirtschaften auf Kosten der einzelbäuerlichen Wirtschaften schreitet fort, die Zahl der einzelbäuerlichen Wirtschaften geht somit von Monat zu Monat zurück, und sie verwandeln sich im Grunde genommen in eine Hilfskraft der Kollektiv- und Sowjetwirtschaften.

Es ist klar, dass dieser historische Sieg über die Ausbeuter zu radikalen Verbesserungen in der materiellen Lage und in den gesamten Lebensverhältnissen der Werktätigen führen musste.

Die Liquidierung der parasitären Klassen hat zum Verschwinden der Ausbeutung des Menschen durch den Menschen geführt. Die Arbeit des Arbeiters und Bauern ist von der Ausbeutung befreit. Die Einkünfte, die die Ausbeuter aus der Arbeit des Volkes herauspressten, bleiben jetzt in den Händen der Werktätigen und werden teils zur Erweiterung der Produktion und zur Einbeziehung neuer Gruppen von Werktätigen in den Produktionsprozess, teils zur direkten Erhöhung des Einkommens der Arbeiter und Bauern verwendet.

Verschwunden ist die Arbeitslosigkeit, diese Geisel der Arbeiterklasse. Während in den bürgerlichen Ländern Millionen Arbeitslose wegen Arbeitsmangel Elend und Not leiden, gibt es bei uns keine Arbeiter mehr, die nicht Arbeit und Verdienst hätten.

Mit dem Verschwinden des Kulakenjochs ist das Elend im Dorfe verschwunden. Jeder Bauer, ob Kollektiv- oder Einzelhauer, hat jetzt die Möglichkeit, menschlich zu leben, wenn er nur gewillt ist, ehrlich zu arbeiten, nicht zu faulenzen, nicht zu bummeln und sich nicht am Eigentum der Kollektivwirtschaft zu vergreifen.

Die Beseitigung der Ausbeutung, die Beseitigung der Arbeitslosigkeit in der Stadt, die Beseitigung des Elends im Dorfe - das sind historische Errungenschaften in der materiellen Lage der Werktätigen, die sich die Arbeiter und Bauern auch der „allerdemokratischsten“ bürgerlichen Länder nicht einmal träumen lassen können.

Geändert hat sich das Aussehen unserer Großstädte und Industriezentren. Ein unvermeidliches Kennzeichen der Großstädte der bürgerlichen Länder sind die Elendsquartiere, die so genannten Arbeiterviertel am Rande der Stadt, die einen Haufen von dunklen, feuchten Räumen, meist halbverfallenen Kellerräumen darstellen, in denen gewöhnlich die armen Leute hausen, im Schmutz verkommen und ihr Schicksal verfluchen. Die Revolution in der UdSSR hat dazu geführt, dass diese Elendsquartiere bei uns verschwunden sind. Sie sind durch neu erbaute gute und helle Arbeiterviertel ersetzt worden, und in vielen Fällen sehen die Arbeiterviertel bei uns besser aus als das Stadtzentrum.

Noch mehr hat sich das Aussehen des Dorfes verändert. Das alte Dorf, in dem die Kirche an dem sichtbarsten Platz stand, in dem der Landpolizist, der Pope und die Kulaken die schönsten Häuser im Vordergrund bewohnten und die halbverfallenen Hütten der Bauern im Hintergrund standen, beginnt zu verschwinden. An seine Stelle tritt das neue Dorf mit seinen gesellschaftlichen Wirtschaftsgebäuden, mit seinen Klubs, mit Radio, Kino, Schulen, Bibliotheken und Kinderkrippen, mit seinen Traktoren, Mähdreschern, Dreschmaschinen und Automobilen. Verschwunden sind der Kulak und Ausbeuter, der Wucherer und Blutsauger, der Händler und Spekulant, der Landpolizist, Figuren, die früher den Ton angaben. Jetzt sind die Funktionäre der Kollektiv- und Sowjetwirtschaften, der Schulen und Klubs, die Obertraktoristen und Kombineführer, die Brigadiere für Feldbau und Viehzucht, die besten Stoßbrigadier und Stossbrigadierinnen der Kollektivfelder die angesehenen Leute.

Es verschwindet der Gegensatz zwischen Stadt und Land. Die Stadt hört auf, in den Augen der Bauern das Zentrum ihrer Ausbeutung zu sein. Immer stärker werden die Fäden des wirtschaftlichen und kulturellen Zusammenschlusses zwischen Stadt und Land. Von der Stadt und ihrer Industrie erhält das Land jetzt Unterstützung in Gestalt von Traktoren, landwirtschaftlichen Maschinen, Automobilen, Arbeitskräften, Geldmitteln. Ja, das Dorf selbst hat jetzt seine eigene Industrie in Gestalt von Maschinen- und Traktorenstationen, Reparaturwerkstätten, allen möglichen Gewerbebetrieben der Kollektivwirtschaften, kleinen Kraftwerken usw. Die Kluft im Kulturniveau zwischen Stadt und Land wird ausgefüllt.

Das sind die wichtigsten Errungenschaften der Werktätigen auf dem Gebiet der Hebung ihrer materiellen Lage, ihrer Lebensverhältnisse, ihrer Kultur.

Auf Grund dieser Errungenschaften haben wir in der Berichtsperiode:

a) das Anwachsen des Volkseinkommens von 35 Milliarden im Jahre 1930 auf 50 Milliarden im Jahre 1933; dabei wird fast das gesamte Volkseinkommen - da der Anteil der kapitalistischen Elemente, darunter auch der Konzessionäre, am Volkseinkommen gegenwärtig weniger als ein halbes Prozent ausmacht - unter die Arbeiter und Angestellten, die werk-tätigen Bauern, die Genossenschaften und den Staat aufgeteilt;

b) das Anwachsen der Bevölkerung der Sowjetunion von 160,5 Millionen Ende 1930 auf 168 Millionen Ende 1933;

c) das Anwachsen der Zahl der Arbeiter und Angestellten von 14530000 im Jahre 1930 auf 21883 000 im Jahre 1933, wobei die Zahl der Arbeiter in dieser Periode von 9489000 auf 13797000, die Zahl der Arbeiter in der Großindustrie, einschließlich der Arbeiter des Verkehrswesens, von 5079000 auf 6882000, die Zahl der Landarbeiter von 1426000 auf 2519000, die Zahl der Arbeiter und Angestellten im Handel von 814000 auf 1497000 gestiegen ist;

d) das Anwachsen der Lohnsumme der Arbeiter und Angestellten von 13597 Millionen Rubel im Jahre 1930 auf 31280 Millionen Rubel im Jahre 1933;

e) das Anwachsen des jährlichen Durchschnittslohns der Industriearbeiter von 991 Rubel im Jahre 1930 auf 1519 Rubel im Jahre 1933;

f) das Anwachsen des Sozialversicherungsfonds der Arbeiter und Angestellten von 1810 Millionen Rubel im Jahre 1930 auf 4610 Millionen Rubel im Jahre 1933;

g) die Überführung der gesamten Industrie, mit Ausnahme der Untertagearbeiten, auf den siebenstündigen Arbeitstag;

h) die Unterstützung der Bauern durch den Staat in Form der Organisierung von 2860 Maschinen- und Traktorenstationen mit einem Kapitalaufwand von 2 Milliarden Rubel;

i) die Unterstützung der Bauern durch den Staat in Form von Krediten an die Kollektivwirtschaften in Höhe von 1,6 Milliarden Rubel;

j) die Unterstützung der Bauern durch den Staat in Form von Saatgut- und Lebensmitteldarlehen im Laufe der Berichtsperiode in Höhe von 262 Millionen Pud Getreide;

k) die Unterstützung der wirtschaftlich schwachen Bauern durch den Staat in Form von Vergünstigungen bei der Besteuerung und Versicherung in Höhe von 370 Millionen Rubel.

Was die kulturelle Entwicklung des Landes betrifft, so haben wir in der Berichtsperiode:

a) die Einführung der allgemeinen Schulpflicht in der ganzen UdSSR und die Erhöhung des Prozentsatzes der Lese- und Schreibkundigen von 67 Prozent Ende 1930 auf 90 Prozent Ende 1933;

b) das Anwachsen der Schülerzahl in den Schulen aller Stufen von 14358 000 im Jahre 1929 auf 26419000 im Jahre 1933, darunter in den Elementarschulen von 11697000 auf 19163000, in den Mittelschulen von 2453000 auf 6674000, in den Hochschulen von 207000 auf 491000;

c) das Anwachsen der Zahl der von der Vorschulerziehung erfassten Kinder von 838000 im Jahre 1929 auf 5917000 im Jahre 1933;

cl) das Anwachsen der Zahl der höheren Lehranstalten, der allgemeinen und der speziellen, von 91 im Jahre 1914 auf 600 im Jahre 1933;

e) das Anwachsen der Zahl der wissenschaftlichen Forschungsinstitute von 400 im Jahre 1929 auf 840 im Jahre 1933;

f) das Anwachsen der Zahl der Klubs und ähnlicher Einrichtungen von 32000 im Jahre 1929 auf 54000 im Jahre 1933;

g) das Anwachsen der Zahl der Lichtspieltheater, der Lichtspielapparate in den Klubs und der Wanderkinos von 9800 im Jahre 1929 auf 29200 im Jahre 1933;

h) das Anwachsen der Auflagen der Zeitungen von 12500000 im Jahre 1929 auf 36500000 im Jahre 1933.

Es dürfte wohl nicht schaden festzustellen, dass unter den Studierenden der höheren Lehranstalten die Arbeiter 51,4 Prozent, die werktätigen Bauern 16,5 Prozent ausmachen, während in Deutschland zum Beispiel unter den Studierenden der höheren Lehranstalten im Unterrichtsjahr 1932133 die Arbeiter im Ganzen nur 3,2 Prozent, die Kleinbauern im Ganzen nur 2,4 Prozent ausmachten.

Als erfreuliche Tatsache und als Zeichen des ansteigenden Kulturniveaus im Dorfe muss das Anwachsen der Aktivität der Kollektivbäuerinnen auf dem Gebiet der gesellschaftlichen organisatorischen Arbeit festgestellt werden. Es ist zum Beispiel bekannt, dass gegenwärtig ungefähr 6000 Kollektivbäuerinnen Vorsitzende von Kollektivwirtschaften, mehr als 60000 Mitglieder der Verwaltungen von Kollektivwirtschaften, 28000 Brigadierinnen, 100000 Gruppenorganisatorinnen, 9000 Leiterinnen von kollektivwirtschaftlichen Warenfarmen und 7000 Traktoristinnen sind.

Es braucht nicht erst gesagt zu werden, dass diese Angaben nicht vollständig sind. Aber auch das wenige, was in diesen Angaben enthalten ist, spricht eindringlich genug von dem gewaltigen Ansteigen des Kulturniveaus im Dorfe. Dieser Umstand, Genossen, ist von gewaltiger Bedeutung. Er ist von gewaltiger Bedeutung, weil die Frauen die Hälfte der Bevölkerung unseres Landes ausmachen, weil sie eine riesige Arbeitsarmee bilden, weil sie berufen sind, unsere Kinder, unsere künftige Generation, das heißt unsere Zukunft, zu erziehen. Deshalb können wir nicht zulassen, dass diese gewaltige Armee von Werktätigen in Finsternis und Unwissenheit dahinvegetiert! Deshalb müssen wir die zunehmende gesellschaftliche Aktivität der werktätigen Frauen und ihr Aufrücken in leitende Stellungen als unzweifelhaftes Zeichen des Steigens unseres Kulturniveaus begrüßen. (Anhaltender Beifall.)

Schließlich muss man noch eine Tatsache hervorheben, allerdings negativer Natur. Ich meine die unzulässige Erscheinung, dass die pädagogischen und medizinischen Fakultäten bei uns immer noch stiefmütterlich behandelt werden. Das ist ein großer Mangel, der an Verletzung der Staatsinteressen grenzt. Dieser Mangel muss unbedingt behoben werden, und je schneller das geschieht, desto besser.

 

4. Der Aufschwung des ‘Warenumsatzes
und das Verkehrswesen

 

Wir haben also:

a) das Anwachsen der Industrieproduktion, darunter der Produktion von Massenbedarfsartikeln;

b) das Anwachsen der landwirtschaftlichen Produktion;

c) das Anwachsen des Bedarfs und der Nachfrage nach Produkten und Erzeugnissen bei den werktätigen Massen in Stadt und Land.

Was ist noch notwendig, um diese Faktoren miteinander zu verknüpfen und der gesamten Masse der Verbraucher die notwendigen Waren und Produkte zu sichern?

Manche Genossen glauben, dass diese Faktoren genügen, damit sich das Wirtschaftsleben des Landes voll entfalte. Das ist ein schwerer Irrtum. Man kann sich vorstellen, dass alle diese Faktoren vorhanden sind, wenn aber die Ware nicht zum Verbraucher gelangt, so kann sich das Wirtschaftsleben nicht nur nicht voll entfalten, sondern wird im Gegenteil völlig zerrüttet und desorganisiert werden. Man muss endlich begreifen, dass die Waren schließlich und endlich nicht für die Produktion, sondern für den Verbrauch produziert werden. Es hat bei uns Fälle gegeben, dass nicht wenig Waren und Produkte vorhanden waren, dass sie aber nicht nur nicht zum Verbraucher gelangten, sondern jahrelang in den bürokratischen Kanälen des so genannten warenzuführenden Netzes wanderten, abseits vorn Verbraucher. Es ist klar, dass Industrie und Landwirtschaft unter diesen Umständen jeden Ansporn zur Erweiterung der Produktion verloren, dass sich die Waren im warenzuführenden Netz anstauten, die Arbeiter und die Bauern aber ohne Waren und Produkte blieben. Das Ergebnis war, dass das Wirtschaftsleben des Landes gestört wurde, obwohl es Waren und Produkte gab. Damit sich das Wirtschaftsleben des Landes voll entfalten könne, Industrie und Landwirtschaft aber einen Ansporn zur weiteren Steigerung ihrer Produktion erhalten, bedarf es noch einer Bedingung, nämlich eines entfalteten Warenumsatzes zwischen Stadt und Land, zwischen den einzelnen Bezirken und Gebieten des Landes, zwischen den verschiedenen Zweigen der Volkswirtschaft. Das Land muss mit einem dichten Netz von Warenlagern, Läden, Verkaufsstellen überzogen werden. Es ist notwendig, dass die Waren durch die Kanäle dieser Warenlager, Läden und Verkaufsstellen unaufhörlich von den Produktionsstätten zum Verbraucher zirkulieren. Es ist notwendig, dass sowohl das staatliche Handelsnetz als auch das Handelsnetz der Genossenschaften, die örtliche Industrie, die Kollektivwirtschaften und die Einzelbauern in diese Arbeit einbezogen werden.

Das eben nennen wir voll entfalteten Sowjethandel, Handel ohne Kapitalisten, Handel ohne Spekulanten.

Wie Sie sehen, ist die Entfaltung des Sowjethandels jene überaus aktuelle Aufgabe, ohne deren Lösung es unmöglich ist, weiter vorwärts zu schreiten.

Und obwohl diese Wahrheit völlig offensichtlich ist, musste die Partei in der Berichtsperiode eine ganze Reihe von Hindernissen auf dem Wege zur Entfaltung des Sowjethandels überwinden, die man der Kürze halber als Ergebnis einer Gehirnverrenkung bei einem Teil der Kommunisten in den Fragen der Notwendigkeit und Bedeutung des Sowjethandels bezeichnen könnte.

Vor allem muss man feststellen, dass unter einem Teil der Kommunisten immer noch ein hochmütiges, geringschätziges Verhalten zum Handel überhaupt und zum Sowjethandel im Besonderen herrscht. Diese, mit Verlaub zu sagen, Kommunisten halten den Sowjethandel für eine untergeordnete, unwesentliche Angelegenheit, die im Handel Tätigen aber für verlorene Menschen. Diese Leute verstehen offenbar nicht, dass sie mit ihrem hochmütigen Verhalten zum Sowjethandel keine bolschewistischen Ansichten, sondern die Ansichten von heruntergekommenen Adligen zum Ausdruck bringen, die große Ambition, aber keinerlei Munition haben. (Beifall.) Diese Leute verstehen nicht, dass der Sowjethandel unsere ureigene, bolschewistische Sache ist und dass die im Handel Tätigen, auch die Ladenangestellten, wenn sie nur ehrlich arbeiten, für unsere revolutionäre, bolschewistische Sache wirken. (Beifall.) Es ist klar, dass die Partei diese, mit Verlaub zu sagen, Kommunisten etwas unsanft anfassen und ihre Adelsvorurteile auf den Kehrichthaufen werfen musste. (Anhaltender Bei f all.)

Man musste ferner Vorurteile anderer Art überwinden. Ich meine das ultralinke Geschwätz, das unter einem Teil unserer Funktionäre in Umlauf ist, dass nämlich der Sowjethandel ein überholtes Stadium sei, dass wir den direkten Produktenaustausch organisieren müssten, dass das Geld bald abgeschafft werden würde, weil es zu einem bloßen Rechenschein geworden sei, dass man den Handel nicht zu entwickeln brauche, da doch der direkte Produktenaustausch bereits vor der Tür stehe. Es muss betont werden, dass dieses kleinbürgerliche ultralinke Geschwätz, das den kapitalistischen Elementen, die bestrebt sind, die Entfaltung des Sowjethandels zu vereiteln, in die Hände arbeitet, nicht nur bei einem Teil der „roten Professoren“, sondern auch bei manchen Funktionären des Handels in Umlauf ist. Es ist natürlich lächerlich und drollig, dass diese Leute, die nicht fähig sind, die überaus einfache Sache des Sowjethandels zu organisieren, von ihrer Bereitschaft schwatzen, die kompliziertere und schwierigere Sache des direkten Produktenaustausches zu organisieren. Aber die Don Quichottes heißen gerade deswegen Don Quichottes, weil ihnen der elementare Sinn für die Wirklichkeit abgeht. Diese Leute, die vom Marxismus ebenso weit entfernt sind wie der Himmel von der Erde, verstehen offenbar nicht, dass das Geld bei uns noch lange bestehen wird, bis zum Abschluss des ersten Stadiums des Kommunismus, des sozialistischen Entwicklungsstadiums. Sie verstehen nicht, dass das Geld ein Instrument der bürgerlichen Ökonomik ist, das die Sowjetmacht in ihre Hände genommen und den Interessen des Sozialismus angepasst hat, um den Sowjethandel voll zu entfalten und dadurch die Bedingungen für den direkten Produktenaustausch vorzubereiten. Sie verstehen nicht, dass der Produktenaustausch nur als Ablösung und Ergebnis eines ideal organisierten Sowjethandels kommen kann, von dem bei uns noch nicht die leiseste Spur vorhanden ist und den wir nicht so bald haben werden. Es ist klar, dass die Partei, die bestrebt ist, den voll entfalteten Sowjethandel zu organisieren, es für notwendig gehalten hat, auch diese „linken“ Missgestalten hart anzupacken, ihrem kleinbürgerlichen Geschwätz aber ein Ende zu machen.

Man musste ferner die ungesunden Gewohnheiten der Handelsfunktionäre, die Waren mechanisch zu verteilen, überwinden, die Geringschätzung der Erfordernisse des Sortiments und der Anforderungen des Verbrauchers ausmerzen, dem mechanischen Versand der Waren, dem Fehlen persönlicher Verantwortlichkeit im Handel ein Ende machen. Zu diesem Zweck wurden Warenlager, die je ein Gebiet beziehungsweise mehrere Bezirke beliefern, ferner Zehntausende von neuen Läden und Verkaufsstellen eröffnet.

Man musste ferner die Monopolstellung der Genossenschaften auf dem Markt beseitigen; im Zusammenhang damit verpflichteten wir alle Volkskommissariate, den Handel mit eigenen Waren zu eröffnen, und das Volkskommissariat für Versorgungswesen, den freien Handel mit landwirtschaftlichen Produkten zu entfalten, was einerseits durch den Wettbewerb zur Verbesserung des Handels in den Genossenschaften, anderseits aber zur Senkung der Preise auf dem Markt, zur Gesundung des Marktes geführt hat.

Es wurde ein weit verzweigtes Netz von Speisehallen geschaffen, in denen Mahlzeiten zu herabgesetzten Preisen verabfolgt werden („gesellschaftliche Speisung“), in den Betrieben wurden Abteilungen für die Versorgung der Arbeiter organisiert, wobei Personen, die mit dem Betrieb nichts zu tun haben, von der Versorgung durch den Betrieb ausgeschlossen wurden, was allein im System des Volkskommissariats für Schwerindustrie zum Ausschluss von nicht weniger als 500000 betriebsfremden Personen führte.

In die Wege geleitet wurde das richtige Funktionieren der einheitlichen zentralisierten Bank für kurzfristige Kredite, der Staatsbank mit ihren 2200 Bezirksfilialen, die imstande sind, die Handelsoperationen zu finanzieren.

Als Ergebnis dieser Maßnahmen haben wir in der Berichtsperiode:

a) die Erweiterung des Netzes der Läden und Verkaufsstellen von 184662 im Jahre 1930 auf 277974 im Jahre 1933;

b) das neu geschaffene Netz von 1011 Gebietswarenlagern und von 864 Warenlagern, die mehrere Bezirke erfassen;

c) das neu geschaffene Netz von 1600 Abteilungen für Arbeiterversorgung;

d) die Erweiterung des Netzes der Läden für den freien Verkauf von Brot, das gegenwärtig 330 Städte umfasst;

e) die Erweiterung des Netzes der öffentlichen Speisebetriebe, das jetzt 19,8 Millionen Konsumenten erfasst;

f) das Anwachsen des Warenumsatzes im staatlichen und genossenschaftlichen Handelsnetz einschließlich der gesellschaftlichen Speisehallen von 18,9 Milliarden Rubel im Jahre 1930 auf 49 Milliarden Rubel im Jahre 1933.

Es wäre falsch anzunehmen, dass diese ganze Entfaltung des Sowjethandels genüge, um die Bedürfnisse unserer Wirtschaft zu befriedigen. Im Gegenteil, jetzt wird es mehr denn je klar, dass der gegenwärtige Stand des Warenumsatzes unsere Bedürfnisse nicht befriedigen kann. Deshalb besteht die Aufgabe darin, den Sowjethandel weiter auszubauen, die örtliche Industrie dazu heranzuziehen, den Handel der Kollektivwirtschaften und der Bauern zu steigern und neue entscheidende Erfolge auf dem Gebiet der Hebung des Sowjethandels zu erzielen.

Man muss jedoch darauf hinweisen, dass man sich nicht auf die Entfaltung des Sowjethandels allein beschränken darf. Hängt die Entwicklung unserer Wirtschaft von der Entwicklung des Warenumsatzes, von der Entwicklung des Sowjethandels ab, so hängt die Entwicklung des Sowjethandels wiederum von der Entwicklung unseres Verkehrswesens ab, sowohl der Eisenbahnen und der Schifffahrt als auch des Automobilverkehrs. Es kann vorkommen, dass Waren vorhanden sind, dass die volle Möglichkeit besteht, den Warenumsatz zu entfalten, das Verkehrswesen aber nicht mit der Entwicklung des Warenumsatzes Schritt hält und nicht imstande ist, die Güter zu befördern. Bekanntlich kommt das bei uns sehr häufig vor. Deshalb ist das Verkehrswesen jene schwache Stelle, an der unsere gesamte Wirtschaft, und vor allem unser Warenumsatz, straucheln kann und wohl schon zu straucheln beginnt.

Allerdings haben die Eisenbahnen ihren Güterumschlag von 133,9 Milliarden Tonnenkilometer im Jahre 1930 auf 172 Milliarden Tonnenkilometer im Jahre 1933 erhöht. Aber das ist wenig, viel zuwenig für uns, für unsere Wirtschaft.

Die Schifffahrt hat ihren Güterumschlag von 45,6 Milliarden Tonnenkilometer 1930 auf 59,9Milliarden Tonnenkilometer 1933 erhöht. Aber das ist wenig, viel zuwenig für unsere Wirtschaft.

Ich spreche schon gar nicht vom Automobilverkehr, dessen Park von 8800 Automobilen (Last- und Personenwagen) 1913 auf 117800 Automobile Ende 1933 gestiegen ist. Das ist für unsere Volkswirtschaft so wenig, dass man sich schämt, davon auch nur zu sprechen.

Es kann kein Zweifel darüber bestehen, dass alle diese Verkehrsmittel viel besser arbeiten könnten, wenn die Organe des Verkehrswesens nicht an jener bekannten Krankheit litten, die man kanzleimäßig-bürokratische Leitungsmethode nennt. Die Aufgabe besteht also nicht nur darin, dem Verkehrswesen mit Menschen und Mitteln zu helfen, sondern auch darin, in den Organen des Verkehrswesens das bürokratisch-kanzleimäßige Verhalten zur Arbeit auszurotten und sie zu operativeren Organen zu machen.

Genossen! Wir haben erreicht, dass die Grundfragen der Industrie richtig gelöst worden sind, und die Industrie steht jetzt auf festen Füßen. Wir haben erreicht, dass die Grundfragen der Landwirtschaft ebenfalls richtig gelöst worden sind, und die Landwirtschaft - das können wir ohne weiteres sagen - steht jetzt ebenfalls auf festen Füßen. Aber wir können dieser Errungenschaften verlustig gehen, wenn unser Warenumsatz zu hinken anfängt und das Verkehrswesen wie ein Bleigewicht an unseren Füßen hängt. Deshalb ist die Entfaltung des Warenumsatzes und die entschiedene Verbesserung des Verkehrswesens jene nächste und höchst aktuelle Aufgabe, ohne deren Lösung wir nicht vorwärts kommen können.

 

III
DIE PARTEI

 

Ich gehe zur Frage der Partei über.

Der jetzige Parteitag steht im Zeichen des vollen Sieges des Leninismus, im Zeichen der Liquidierung der Überreste der antileninistischen Gruppierungen.

Zerschlagen und zerstreut ist die antileninistische Gruppe der Trotzkisten. Ihre Organisatoren treiben sich jetzt im Ausland in den Hinterhöfen der bürgerlichen Parteien herum.

Zerschlagen und zerstreut ist die antileninistische Gruppe der rechten Abweichler. Ihre Organisatoren haben sich schon längst von ihren Anschauungen losgesagt und geben sich jetzt alle erdenkliche Mühe, ihre gegen die Partei begangenen Sünden wieder gut zu machen.

Zerschlagen und zerstreut sind die Gruppierungen nationalistischer Abweichungen. Ihre Organisatoren haben sich entweder endgültig mit der interventionslüsternen Emigration zusammengetan oder Reueerklärungen abgegeben.

Die meisten Anhänger dieser antirevolutionären Gruppen waren gezwungen, die Richtigkeit der Parteilinie anzuerkennen, und haben vor der Partei kapituliert.

Musste man auf dem XV. Parteitag [78] noch die Richtigkeit der Linie der Partei beweisen und einen Kampf gegen bestimmte antileninistische Gruppierungen führen, auf dem XVI. Parteitag aber mit den letzten Anhängern dieser Gruppierungen aufräumen, so braucht man auf diesem Parteitag nichts zu beweisen, und es gibt wohl auch niemand, der geschlagen werden müsste. Alle sehen, dass die Parteilinie gesiegt hat. (Beifallssturm.)

Gesiegt hat die Politik der Industrialisierung des Landes. Ihre Ergebnisse sind heute für jedermann offenkundig. Was kann man gegen diese Tatsache einwenden?

Gesiegt hat die Politik der Liquidierung des Kulakentums und der durchgängigen Kollektivierung. Ihre Ergebnisse sind ebenfalls für jedermann offenkundig. Was kann man gegen diese Tatsache einwenden?

Auf Grund der Erfahrungen unseres Landes ist bewiesen worden, dass der Sieg des Sozialismus in einem einzelnen Lande durchaus möglich ist. Was kann man gegen diese Tatsache einwenden?

Es ist offenkundig, dass alle diese Erfolge und vor allem der Sieg des Fünfjahrplans alle und jegliche antileninistischen Gruppierungen vollständig demoralisiert und aufs Haupt geschlagen haben.

Man muss feststellen, dass die Partei jetzt einheitlich und geschlossen dasteht wie nie zuvor. (Stürmischer, lang anhaltender Beifall.)

 

1. Fragen der ideologisch-politischen Leitung

 

Bedeutet das jedoch, dass der Kampf zu Ende ist und dass die weitere Offensive des Sozialismus als etwas Überflüssiges wegfällt?

Nein, das bedeutet es nicht.

Bedeutet das, dass bei uns in der Partei alles zum Besten bestellt ist, dass es in ihr keinerlei Abweichungen mehr geben wird und dass man folglich jetzt auf den Lorbeeren ausruhen kann?

Nein, das bedeutet es nicht.

Die Feinde der Partei, die Opportunisten aller Schattierungen, die nationalistischen Abweichler aller Art sind geschlagen. Aber Überreste ihrer Ideologie leben noch in den Köpfen einzelner Parteimitglieder fort und machen sich nicht selten bemerkbar. Man darf die Partei nicht als etwas von den sie umgebenden Menschen Losgelöstes betrachten. Sie lebt und wirkt innerhalb des sie umgebenden Milieus. Kein Wunder, dass nicht selten von außen ungesunde Stimmungen in die Partei eindringen. Ein Boden für solche Stimmungen besteht aber zweifellos in unserem Lande, schon aus dem Grunde, weil bei uns immer noch gewisse Zwischenschichten der Bevölkerung sowohl in der Stadt als auch im Dorfe vorhanden sind, die einen Nährboden für solche Stimmungen bilden.

Die XVII. Konferenz unserer Partei [79] hat erklärt, dass eine der grundlegenden politischen Aufgaben bei der Verwirklichung des zweiten Fünfjahrplans in der „Überwindung der Überreste des Kapitalismus in der Wirtschaft und im Bewusstsein der Menschen“ besteht. Das ist ein völlig richtiger Gedanke. Kann man jedoch sagen, dass wir bereits alle Überreste des Kapitalismus in der Wirtschaft überwunden haben? Nein, das kann man nicht sagen. Umso weniger kann man sagen, dass wir die Überreste des Kapitalismus im Bewusstsein der Menschen überwunden haben. Das kann man nicht nur deshalb nicht sagen, weil das Bewusstsein der Menschen in seiner Entwicklung hinter ihrer ökonomischen Lage zurückbleibt, sondern auch deshalb, weil immer noch die kapitalistische Umwelt besteht, die bestrebt ist, die Überreste des Kapitalismus in der Wirtschaft und im Bewusstsein der Menschen in der UdSSR zu beleben und aufrechtzuerhalten, und gegen die wir Bolschewiki immer unser Pulver trocken halten müssen.

Man begreift, dass diese Überreste unvermeidlich einen günstigen Nährboden bilden, um die Ideologie der zerschlagenen antileninistischen Gruppen in den Köpfen einzelner Mitglieder unserer Partei neu zu beleben. Nimmt man noch das nicht sehr hohe theoretische Niveau der Mehrzahl der Mitglieder unserer Partei hinzu, die schwache ideologische Arbeit der Parteiorgane, die Überlastung unserer Parteifunktionäre mit rein praktischer Arbeit, die sie der Möglichkeit beraubt, ihr theoretisches Wissen zu vervollständigen, dann wird man verstehen, woher der Wirrwarr in einer Reihe von Fragen des Leninismus in den Köpfen einzelner Parteimitglieder kommt, der nicht selten in unsere Presse eindringt und die Belebung der Überreste der Ideologie der zerschlagenen antileninistischen Gruppen erleichtert.

Aus diesem Grunde kann man nicht sagen, dass der Kampf zu Ende sei und dass keine Notwendigkeit mehr bestehe, eine Politik der Offensive des Sozialismus zu betreiben.

Man könnte eine Reihe von Fragen des Leninismus nehmen und an ihnen demonstrieren, wie zählebig bei manchen Parteimitgliedern die Überreste der Ideologie der zerschlagenen antileninistischen Gruppen noch sind.

Nehmen wir zum Beispiel die Frage der Errichtung der klassenlosen, sozialistischen Gesellschaft. Die XVII. Parteikonferenz hat erklärt, dass wir der Schaffung der klassenlosen, sozialistischen Gesellschaft entgegengehen. Es ist klar, dass die klassenlose Gesellschaft nicht sozusagen von selbst kommen kann. Man muss sie durch die Anstrengungen aller Werk-tätigen erkämpfen und errichten: durch Stärkung der Organe der Diktatur des Proletariats, durch Entfaltung des Klassenkampfes, durch Aufhebung der Klassen, durch Liquidierung der Überreste der kapitalistischen Klassen, im Kampf mit inneren wie mit äußeren Feinden.

Das ist wohl klar.

Wem wäre es indessen nicht bekannt, dass die Verkündung dieser klaren und elementaren These des Leninismus bei einem Teil der Parteimitglieder einen nicht geringen Wirrwarr in den Köpfen und ungesunde Stimmungen hervorgerufen hat? In der These von unserem Vormarsch zur klassenlosen Gesellschaft, die als Losung aufgestellt worden ist, haben sie unseren Vormarsch als spontanen Prozess aufgefasst. Und sie räsonierten: Wenn von klassenloser Gesellschaft die Rede ist, so heißt das, dass man den Klassenkampf abschwächen, die Diktatur des Proletariats abschwächen und überhaupt dem Staat ein Ende machen könne, der ja ohnehin in der nächsten Zeit absterben müsse. Und sie gerieten in höchste Verzückung in Erwartung dessen, dass es bald keine Klassen geben werde - also auch keinen Klassenkampf, also auch keine Sorgen und Aufregungen, dass man also die Waffen beiseite legen und sich getrost schlafen legen könne in Erwartung der klassenlosen Gesellschaft. (Allgemeine Heiterkeit im ganzen Saal.)

Es kann kein Zweifel darüber bestehen, dass dieser Wirrwarr in den Köpfen und diese Stimmungen den bekannten Ansichten der rechten Abweichler wie ein Ei dem andern gleichen, denen zufolge das Alte von selbst in das Neue hineinwachsen müsse und wir eines schönen Tages, ohne es zu merken, in der sozialistischen Gesellschaft anlangen würden.

Wie Sie sehen, sind die Überreste der Ideologie der zerschlagenen antileninistischen Gruppen durchaus imstande, wieder aufzuleben, und haben ihre Zählebigkeit noch lange nicht eingebüßt.

Es ist klar: Wenn dieser Wirrwarr in den Ansichten und diese unbolschewistischen Stimmungen die Mehrheit unserer Partei erfasst hätten, so würde die Partei demobilisiert und entwaffnet dastehen.

Nehmen wir weiter die Frage des landwirtschaftlichen Artels und der landwirtschaftlichen Kommune. Jetzt geben alle zu, dass das Artel unter den heutigen Verhältnissen die einzig richtige Form der kollektivwirtschaftlichen Bewegung ist. Und das ist durchaus verständlich: a) das Artel verknüpft in richtiger Weise die persönlichen, die Tagesinteressen der Kollektivbauern mit ihren gesellschaftlichen Interessen; b) das Artel passt die persönlichen, die Tagesinteressen in glücklicher Weise den gesellschaftlichen Interessen an und erleichtert dadurch die Erziehung der Einzelbauern von gestern im Geiste des Kollektivismus.

Zum Unterschied vom Artel, wo nur die Produktionsmittel vergesellschaftet sind, waren in den Kommunen bis in die letzte Zeit hinein nicht nur die Produktionsmittel vergesellschaftet, sondern auch die Hauswirtschaft jedes Kommunemitglieds, das heißt, die Kommunemitglieder hatten zum Unterschied von den Artelmitgliedern kein Geflügel, kein Kleinvieh, keine Kuh, kein Getreide, kein Hofland in persönlichem Besitz. Das bedeutet, dass die persönlichen, die Tagesinteressen der Mitglieder in den Kommunen nicht so sehr berücksichtigt und mit den gesellschaftlichen Interessen verknüpft als vielmehr durch die letzteren um einer klein-bürgerlichen Gleichmacherei willen in den Hintergrund gedrängt wurden. Es ist klar, dass dieser Umstand die schwächste Seite der Kommune ist. Dadurch erklärt sich im Grunde auch, dass die Kommunen keine große Verbreitung gefunden haben, nur vereinzelt anzutreffen sind und höchstens nach Dutzenden zählen. Aus demselben Grunde haben sich die Kommunen, um ihre Existenz zu behaupten und nicht auseinander zu fallen, gezwungen gesehen, auf die Vergesellschaftung der Hauswirtschaft zu verzichten, sie fangen an, das System der Tagewerksnormen anzuwenden, ihren Mitgliedern Getreide auszufolgen, sie gestatten den persönlichen Besitz von Geflügel, Kleinvieh, einer Kuh usw., daraus folgt aber, dass die Kommunen faktisch zu Artels geworden sind. Und daran ist nichts Schlimmes, denn das erfordern die Interessen der gesunden Entwicklung der Kollektivierung als Massenbewegung.

Das bedeutet natürlich nicht, dass die Kommune überhaupt nicht notwendig sei, dass sie nicht mehr die höchste Form der kollektivwirtschaftlichen Bewegung sei. Nein, die Kommune ist notwendig, und sie ist natürlich die höchste Form der kollektivwirtschaftlichen Bewegung, aber nicht die jetzige Kommune, die auf der Basis einer unentwickelten Technik und des Mangels an Produkten entstanden ist und die jetzt selber zum Artel wird, sondern die künftige Kommune, die auf der Basis einer höher entwickelten Technik und einer Fülle von Produkten entstehen wird. Die jetzige landwirtschaftliche Kommune ist auf der Grundlage einer wenig entwickelten Technik und des Mangels an Produkten entstanden. Dadurch erklärt sich im Grunde auch, dass sie Gleichmacherei betrieb und auf die persönlichen, die Tagesinteressen ihrer Mitglieder wenig Rücksicht nahm, weshalb sie jetzt gezwungen ist, zur Form des Artels überzugehen, in dem die persönlichen und die gesellschaftlichen Interessen der Kollektivbauern in vernünftiger Weise miteinander verknüpft werden. Die künftige Kommune wird aus dem entwickelten und wohlhabenden Artel emporwachsen. Die künftige landwirtschaftliche Kommune wird entstehen, wenn auf den Feldern und in den Farmen des Artels Getreide, Vieh, Geflügel, Gemüse und alle anderen Produkte im Überfluss vorhanden sein werden, wenn in den Artels mechanische Wäschereien, moderne Küchen und Speisehallen, Brotfabriken usw. errichtet sein werden, wenn der Kollektivbauer erkannt haben wird, dass es für ihn vorteilhafter ist, Fleisch und Milch von der Farm zu beziehen, als eine eigene Kuh und Kleinvieh zu halten, wenn die Kollektivbäuerin erkannt haben wird, dass es für sie vorteilhafter ist, in der Speisehalle zu Mittag zu essen, Brot von der Brotfabrik zu beziehen und die Wäsche in der gesellschaftlichen Wäscherei waschen zu lassen, als sich selbst damit abzugeben. Die künftige Kommune wird auf der Basis einer höher entwickelten Technik und eines höher entwickelten Artels, auf der Basis einer Fülle von Produkten entstehen. Wann wird das sein? Natürlich nicht so bald. Aber es wird kommen. Es wäre ein Verbrechen, den Prozess des Hinüberwachsens des Artels in die künftige Kommune künstlich beschleunigen zu wollen. Das würde alles durcheinander werfen und die Sache unserer Feinde fördern. Der Prozess des Hinüberwachsens des Artels in die künftige Kommune muss allmählich vor sich gehen, in dem Maße, wie alle Kollektivbauern sich von der Notwendigkeit dieses Hinüberwachsens überzeugen werden.

So steht es mit der Frage des Artels und der Kommune.

Man sollte meinen, das sei eine klare und geradezu elementare Sache.

Indes besteht bei einem Teil der Parteimitglieder ein gründlicher Wirrwarr in dieser Frage. Man meint, die Partei habe sich dadurch, dass sie das Artel zur Grundform der kollektivwirtschaftlichen Bewegung erklärte, vom Sozialismus entfernt, habe einen Rückzug von der Kommune, der höchsten Form der kollektivwirtschaftlichen Bewegung, zu einer niederen Form angetreten. Es fragt sich warum? Weil es im Artel, so heißt es, keine Gleichheit gebe, da dort der Unterschied in den Bedürfnissen und in der persönlichen Lebensweise der Artelmitglieder bestehen bleibe, während in der Kommune Gleichheit herrsche, da dort die Mitglieder sowohl in ihren Bedürfnissen als auch in ihrer persönlichen Lebenslage gleichgestellt seien. Aber erstens gibt es bei uns keine Kommunen mehr, in denen auf dem Gebiet der Bedürfnisse und der persönlichen Lebensweise Gleichstellung, Gleichmacherei herrschten. Die Praxis hat gezeigt, dass die Kommunen bestimmt zugrunde gegangen wären, wenn sie nicht auf die Gleichmacherei verzichtet hätten und nicht faktisch zum Artel geworden wären. Folglich darf man sich nicht auf etwas berufen, was in der Wirklichkeit nicht mehr vorhanden ist. Zweitens ist es jedem Leninisten bekannt, wenn er wirklich ein Leninist ist, dass die Gleichmacherei auf dem Gebiet der Bedürfnisse und der persönlichen Lebensweise ein reaktionärer, kleinbürgerlicher Unsinn ist, der irgendeiner primitiven Sekte von Asketen, aber keiner marxistisch organisierten sozialistischen Gesellschaft würdig ist, denn man kann nicht verlangen, dass alle Menschen die gleichen Bedürfnisse und den gleichen Geschmack haben, dass alle Menschen in ihrer persönlichen Lebensweise sich nach ein und demselben Muster richten. Und schließlich: Besteht denn unter den Arbeitern keine Unterschied sowohl in den Bedürfnissen als auch in der persönlichen Lebensweise? Bedeutet das etwa, dass die Arbeiter dem Sozialismus ferner stehen als die Mitglieder der landwirtschaftlichen Kommunen?

Diese Leute glauben offenbar, dass der Sozialismus die Gleichmacherei, die Gleichstellung, die Nivellierung der Bedürfnisse und der persönlichen Lebensweise der Mitglieder der Gesellschaft fordere. Es braucht nicht erst gesagt zu werden, dass eine solche Annahme mit dem Marxismus, mit dem Leninismus nichts gemein hat. Unter Gleichheit versteht der Marxismus nicht Gleichmacherei auf dem Gebiet der persönlichen Bedürfnisse und der Lebensweise, sondern die Aufhebung der Klassen, das heißt a) die gleiche Befreiung aller Werktätigen von der Ausbeutung, nachdem die Kapitalisten gestürzt und expropriiert sind; b) die gleiche Abschaffung des Privateigentums an den Produktionsmitteln für alle, nachdem die Produktionsmittel zum Eigentum der gesamten Gesellschaft geworden sind; c) die gleiche Pflicht aller, nach ihren Fähigkeiten zu arbeiten, und das gleiche Recht aller Werktätigen, hierfür nach ihrer Leistung vergütet zu werden (sozialistische Gesellschaft); d) die gleiche Pflicht aller, nach ihren Fähigkeiten zu arbeiten, und das gleiche Recht aller Werktätigen, hierfür nach ihren Bedürfnissen versorgt zu werden (kommunistische Gesellschaft). Dabei geht der Marxismus davon aus, dass der Geschmack und die Bedürfnisse der Menschen der Qualität oder Quantität nach weder in der Periode des Sozialismus noch in der Periode des Kommunismus gleich sind oder gleich sein können.

Das ist die marxistische Auffassung von der Gleichheit.

Eine andere Gleichheit erkannte und erkennt der Marxismus nicht an.

Daraus die Schlussfolgerung zu ziehen, dass der Sozialismus die Gleichmacherei, die Gleichstellung, die Nivellierung der Bedürfnisse der Mitglieder der Gesellschaft, die Nivellierung ihres Geschmacks und ihrer persönlichen Lebensweise fordere, dass nach dem Plan der Marxisten alle die gleichen Kleider tragen und die gleichen Speisen in der gleichen Menge essen müssen, heißt Plattheiten reden und den Marxismus verleumden.

Es ist Zeit, sich darüber klar zu werden, dass der Marxismus ein Feind der Gleichmacherei ist. Schon im „Manifest der Kommunistischen Partei“ geißelten Marx und Engels den primitiven utopischen Sozialismus und nannten ihn reaktionär, weil er einen „allgemeinen Asketismus und eine rohe Gleichmacherei“ [80] propagierte. Engels unterzog in einem ganzen Kapitel seines „Anti-Dühring“ den „radikal gleichmacherischen Sozialismus“, der von Dühring im Gegensatz zum marxistischen Sozialismus vertreten wurde, einer geißelnden Kritik.

„Der wirkliche Inhalt der proletarischen Gleichheitsforderung“, sagte Engels, „ist die Forderung der Abschaffung der Klassen. Jede Gleichheitsforderung, die darüber hinausgeht, verläuft notwendig ins Absurde.“ [81]

Dasselbe sagt Lenin:

„Engels hatte tausendmal recht, als er schrieb: der Begriff der Gleichheit, der nicht die Abschaffung der Klassen bedeutet, ist ein äußerst dummes und unsinniges Vorurteil. Die bürgerlichen Professoren versuchten uns wegen des Gleichheitsbegriffs der Absicht zu überführen, die Menschen einander gleichmachen zu wollen. Diesen Unsinn, den sie selbst ausgeheckt haben, versuchten sie, den Sozialisten vorzuwerfen. In ihrer Unwissenheit wussten sie jedoch nicht, dass die Sozialisten - und gerade die Begründer des modernen wissenschaftlichen Sozialismus, Marx und Engels - erklärt haben: Die Gleichheit ist eine leere Phrase, wenn man unter Gleichheit nicht die Abschaffung der Klassen versteht. Wir wollen die Klassen abschaffen, in diesem Sinne sind wir für die Gleichheit. Aber den Anspruch erheben, dass wir alle Menschen einander gleichmachen werden, ist eine hohle Phrase und die dumme Erfindung eines Intellektuellen.“ (Rede Lenins, „Wie das Volk mit den Losungen der Freiheit und Gleichheit betrogen wird“, Bd. XXIV, S. 293/294 [82])

Das ist wohl klar.

Die bürgerlichen Schriftsteller stellen mit Vorliebe den marxistischen Sozialismus als eine alte zaristische Kaserne dar, wo alles dem „Prinzip“ der Gleichmacherei unterworfen ist. Aber die Marxisten können nicht für die Unwissenheit und für den Stumpfsinn der bürgerlichen Schriftsteller verantwortlich gemacht werden.

Es kann kein Zweifel darüber bestehen, dass bei einzelnen Parteimitgliedern dieser Wirrwarr in den Anschauungen über den marxistischen Sozialismus und die Begeisterung für die gleichmacherischen Tendenzen der landwirtschaftlichen Kommunen wie ein Ei dem andern den klein-bürgerlichen Anschauungen unserer ultralinken Toren gleichen, bei denen die Idealisierung der landwirtschaftlichen Kommunen eine Zeitlang so weit ging, dass sie sogar in den Industriewerken und Fabriken Kommunen zu schaffen versuchten, wo die qualifizierten und unqualifizierten Arbeiter, jeder in seinem Beruf arbeitend, den Arbeitslohn zusammenlegen und dann untereinander gleichmäßig aufteilen sollten. Es ist bekannt, welchen Schaden diese kindischen gleichmacherischen Übungen der „linken“ Toren unserer Industrie zugefügt haben.

Wie Sie sehen, haben die Überreste der Ideologie der zerschlagenen parteifeindlichen Gruppen eine ziemlich große Zählebigkeit.

Es ist klar: Wenn diese ultralinken Anschauungen in der Partei die Oberhand gewonnen hätten, dann hätte die Partei aufgehört, eine marxistische Partei zu sein, und die kollektivwirtschaftliche Bewegung wäre vollständig desorganisiert worden.

Oder nehmen wir zum Beispiel die Losung „Alle Kollektivbauern wohlhabend machen“. Diese Losung gilt nicht nur für die Kollektivbauern. Sie gilt noch mehr für die Arbeiter, denn wir wollen alle Arbeiter wohlhabend machen, wollen sie zu Menschen machen, die ein Leben in Wohlstand, ein wirklich kulturvolles Leben führen.

Man sollte meinen, die Sache sei klar. Was hätte es für einen Sinn gehabt, den Kapitalismus im Oktober 1917 zu stürzen und im Laufe einer Reihe von Jahren den Sozialismus aufzubauen, wenn wir nicht erreichen, dass die Menschen bei uns in Wohlstand leben? Sozialismus bedeutet nicht Elend und Entbehrungen, sondern die Beseitigung von Elend und Entbehrungen, die Organisierung eines wohlhabenden und kulturvollen Lebens für alle Mitglieder der Gesellschaft.

Indes hat diese klare und im Grunde genommen elementare Losung eine ganze Reihe von Zweifeln, Wirrwarr und Unklarheit bei einem Teil der Parteimitglieder hervorgerufen. Ist diese Losung, sagen sie, nicht die Rückkehr zu der alten, von der Partei verworfenen Losung „Bereichert euch“? Wenn alle wohlhabend werden, fahren sie fort, und es keine Armen mehr gibt, auf wen werden wir Bolschewiki uns in unserer Arbeit stützen, wie werden wir ohne die armen Volksschichten arbeiten?

Vielleicht ist das lächerlich, aber das Bestehen solcher naiven und antileninistischen Anschauungen bei einem Teil der Parteimitglieder ist eine unzweifelhafte Tatsache, mit der man rechnen muss.

Diese Leute verstehen offenbar nicht, dass zwischen der Losung „Bereichert euch“ und der Losung „Alle Kollektivbauern wohlhabend machen“ ein ganzer Abgrund klafft. Erstens können sich nur einzelne Personen oder Gruppen bereichern, während die Losung vom Leben in Wohlstand nicht für einzelne Personen oder Gruppen, sondern für alle Kollektivbauern gilt. Zweitens bereichern sich einzelne Personen oder Gruppen, um sich die übrigen Menschen zu unterwerfen und sie auszubeuten, während die Losung vom Leben aller Kollektivbauern in Wohlstand bei vergesellschafteten Produktionsmitteln in den Kollektivwirtschaften jede Möglichkeit der Ausbeutung der einen durch die anderen ausschließt. Drittens wurde die Losung „Bereichert euch“ im Anfangsstadium der NÖP ausgegeben, als der Kapitalismus teilweise wieder auflebte, als die Kulaken stark waren, als im Lande die bäuerliche Einzelwirtschaft vorherrschte, die kollektive Wirtschaft aber sich im Keimzustand befand, während die Losung „Alle Kollektivbauern wohlhabend machen“ im letzten Stadium der NÖP ausgegeben wird, in dem die kapitalistischen Elemente in der Industrie beseitigt, die Kulaken auf dem Lande zerschmettert sind, die individuelle Bauernwirtschaft in den Hintergrund gedrängt worden ist und die Kollektivwirtschaften zur herrschenden Form der Landwirtschaft geworden sind. Ich spreche schon gar nicht davon, dass die Losung „Alle Kollektivbauern wohlhabend machen“ nicht isoliert ausgegeben worden ist, sondern in untrennbarem Zusammenhang mit der Losung „Die Kollektivwirtschaften bolschewistisch machen“.

Ist es nicht klar, dass die Losung „Bereichert euch“ im Grunde genommen die Aufforderung bedeutete, den Kapitalismus wiederherzustellen, während die Losung „Alle Kollektivbauern wohlhabend machen“ die Aufforderung bedeutet, durch Stärkung der wirtschaftlichen Macht der Kollektivwirtschaften und durch Verwandlung aller Kollektivbauern in wohlhabende Werktätige die letzten Überreste des Kapitalismus vollständig zu vernichten? (Zurufe: „Sehr richtig!“)

Ist es nicht klar, dass diese Losungen miteinander nichts gemein haben und nichts gemein haben können? (Zurufe: „Sehr richtig!“)

Was die Behauptung betrifft, dass ohne die Existenz von armen Volksschichten weder bolschewistische Arbeit noch der Sozialismus denkbar seien, so ist das eine solche Dummheit, dass man gar nicht davon sprechen möchte. Die Leninisten stützen sich auf die Armen, solange es kapitalistische Elemente gibt und Arme, die von Kapitalisten ausgebeutet werden. Sind aber die kapitalistischen Elemente zerschmettert und die Armen von der Ausbeutung befreit, dann besteht die Aufgabe der Leninisten nicht darin, die Armut und die Armen, für deren Existenz die Voraussetzungen bereits vernichtet sind, zu verewigen, zu erhalten, sondern darin, die Armut aus der Welt zu schaffen und den Armen ein Leben in Wohlstand zu sichern. Es wäre eine Dummheit anzunehmen, dass der Sozialismus auf der Basis des Elends und der Entbehrungen, auf der Basis der Einschränkung der persönlichen Bedürfnisse und der Senkung der Lebenshaltung der Menschen auf die Lebenshaltung von Armen errichtet werden könnte, die übrigens selbst nicht arm bleiben wollen und nach einem Leben in Wohlstand streben. Wer braucht einen solchen, mit Verlaub zu sagen, Sozialismus? Das wäre kein Sozialismus, sondern eine Karikatur auf den Sozialismus. Der Sozialismus kann nur auf der Basis eines stürmischen Wachstums der Produktivkräfte der Gesellschaft, auf der Basis einer Fülle von Produkten und Waren, auf der Basis eines Lebens der Werktätigen in Wohlstand, auf der Basis eines stürmischen Wachstums der Kultur errichtet werden. Denn der Sozialismus, der marxistische Sozialismus, bedeutet nicht Einschränkung der persönlichen Bedürfnisse, sondern ihre allseitige Erweiterung und Entfaltung, nicht Beschränkung oder Verzicht auf die Befriedigung dieser Bedürfnisse, sondern allseitige und vollständige Befriedigung aller Bedürfnisse kulturell hoch stehender werktätiger Menschen.

Es kann kein Zweifel darüber bestehen, dass dieser Wirrwarr in den Ansichten einzelner Parteimitglieder in Bezug auf Armut und Wohlstand eine Widerspiegelung der Ansichten unserer ultralinken Toren ist, die die Armut als ewige Stütze des Bolschewismus unter allen und jeglichen Umständen idealisieren und in den Kollektivwirtschaften die Arena eines erbitterten Klassenkampfes sehen.

Wie Sie sehen, verlieren auch hier, in dieser Frage, die Überreste der Ideologie der zerschlagenen parteifeindlichen Gruppen noch immer nicht ihre Zählebigkeit.

Es ist klar: Wenn solche törichten Ansichten in unserer Partei den Sieg davongetragen hätten, dann hätten die Kollektivwirtschaften nicht die Erfolge aufzuweisen, die sie in den letzten zwei Jahren erzielt haben, und sie wären in kürzester Frist auseinander gefallen.

Oder nehmen wir zum Beispiel die nationale Frage. Auch hier, in der nationalen Frage, besteht, ebenso wie in anderen Fragen, bei einem Teil der Partei ein Wirrwarr in den Ansichten, der eine gewisse Gefahr mit sich bringt. Ich habe von der Zählebigkeit der Überreste des Kapitalismus gesprochen. Zu bemerken ist, dass die Überreste des Kapitalismus im Bewusstsein der Menschen auf dem Gebiet der nationalen Frage viel zählebiger sind als auf irgendeinem anderen Gebiet. Sie sind zählebiger, weil sie die Möglichkeit haben, sich im nationalen Gewand gut zu maskieren. Viele glauben, dass der Sündenfall Skrypniks ein Einzelfall, eine Ausnahme von der Regel sei. Das stimmt nicht. Der Sündenfall Skrypniks und seiner Gruppe in der Ukraine ist keine Ausnahme. Genau solche Gehirnverrenkungen kann man bei einzelnen Genossen auch in anderen nationalen Republiken beobachten.

Was bedeutet die Abweichung zum Nationalismus - gleichviel, ob es sich um eine Abweichung zum großrussischen Nationalismus oder um eine Abweichung zum lokalen Nationalismus handelt? Die Abweichung zum Nationalismus ist eine Anpassung der internationalistischen Politik der Arbeiterklasse an die nationalistische Politik der Bourgeoisie. Die Abweichung zum Nationalismus spiegelt die Versuche der „eigenen“, „nationalen“ Bourgeoisie wider, das Sowjetsystem zu untergraben und den Kapitalismus wiederherzustellen. Die Wurzel beider Abweichungen ist, wie Sie sehen, die gleiche. Es ist die Abkehr vom Leninschen Internationalismus. Wenn man beide Abweichungen unter Feuer halten will, so muss man vor allem gegen diese Wurzel den Schlag führen, gegen diejenigen, die den Internationalismus aufgeben, gleichviel, ob es sich um eine Abweichung zum lokalen Nationalismus oder um eine Abweichung zum großrussischen Nationalismus handelt. (Stürmischer Beifall.)

Man streitet darüber, welche Abweichung die Hauptgefahr darstelle, die Abweichung zum großrussischen Nationalismus oder die Abweichung zum lokalen Nationalismus. Unter den jetzigen Verhältnissen ist das ein formaler und deshalb müßiger Streit. Es wäre eine Dummheit, ein für alle Zeiten und Verhältnisse brauchbares fertiges Rezept dafür geben zu wollen, welches die Hauptgefahr und welches nicht die Hauptgefahr sei. Solche Rezepte gibt es nun einmal in der Welt nicht. Die Hauptgefahr stellt diejenige Abweichung dar, gegen die man zu kämpfen aufgehört und die man dadurch zu einer staatsgefährlichen Erscheinung hat anwachsen lassen. (Anhaltender Beifall.)

In der Ukraine war noch vor ganz kurzem die Abweichung zum ukrainischen Nationalismus nicht die Hauptgefahr; als man aber aufhörte, gegen sie zu kämpfen, und sie so weit anwachsen ließ, dass sie mit den Interventionisten gemeinsame Sache machte, da wurde diese Abweichung zur Hauptgefahr. Die Frage nach der Hauptgefahr in der nationalen Frage wird nicht durch leere formale Diskussionen entschieden, sondern durch die marxistische Analyse der Lage der Dinge im gegebenen Augenblick und durch das Studium der Fehler, die auf diesem Gebiet begangen worden sind.

Dasselbe ist von der rechten und der „linken“ Abweichung auf dem Gebiet der allgemeinen Politik zu sagen. Auch hier besteht ebenso wie auf anderen Gebieten ein nicht geringer Wirrwarr in den Anschauungen einzelner Mitglieder unserer Partei. Manchmal läßt man im Kampf gegen die rechte Abweichung die „linke“ Abweichung gewähren und schwächt den Kampf gegen sie ab, weil man glaubt, dass sie nicht gefährlich oder nur wenig gefährlich sei. Das ist ein ernster und gefährlicher Fehler. Das ist ein Zugeständnis an die „linke“ Abweichung, das für Parteimitglieder unzulässig ist. Es ist umso unzulässiger, als in der letzten Zeit die „Linken“ endgültig zu den Positionen der Rechten hinab geglitten sind und sich im Grunde genommen von ihnen durch nichts mehr unterscheiden.

Wir haben stets erklärt, dass die „Linken“ dasselbe sind wie die Rechten, nur dass sie ihre rechte Politik mit linken Phrasen maskieren. Jetzt bestätigen die „Linken“ selbst diese unsere Behauptung. Nehmen Sie die Nummern des trotzkistischen „Bulletins“ vom vorigen Jahr. Was fordern und worüber schreiben dort die Herren Trotzkisten, worin besteht ihr „linkes“ Programm? Sie fordern: die Auflösung der Sowjetwirtschaften, weil sie nicht rentabel seien, die Auflösung des größeren Teils der Kollektivwirtschaften, weil sie künstliche Gebilde seien, den Verzicht auf die Politik der Liquidierung des Kulakentums, die Rückkehr zur Konzessionspolitik und die Übergabe einer ganzen Reihe unserer Industriebetriebe, weil sie nicht rentabel seien, an Konzessionäre.

Da haben Sie ein Programm verächtlicher Feiglinge und Kapitulanten, ein konterrevolutionäres Programm zur Wiederherstellung des Kapitalismus in der UdSSR!

Wodurch unterscheidet sich dieses Programm von dem Programm der äußersten Rechten? Es ist klar, dass es sich durch nichts davon unterscheidet. Die „Linken“ haben sich also offen dem konterrevolutionären Programm der Rechten angeschlossen, um mit ihnen einen Block zu bilden und einen gemeinsamen Kampf gegen die Partei zu führen.

Wie kann man nach alledem sagen, dass die „Linken“ nicht gefährlich oder wenig gefährlich seien? Ist es nicht klar, dass Leute, die solchen Unsinn reden, den geschworenen Feinden des Leninismus Wasser auf die Mühle leiten?

Wie Sie sehen, haben auch hier, bei den Abweichungen von der Parteilinie - gleichviel, ob es sich um Abweichungen in der allgemeinen Politik oder um Abweichungen in der. nationalen Frage handelt -, die Überreste des Kapitalismus im Bewusstsein der Menschen, auch im Bewusstsein einzelner Mitglieder unserer Partei, eine ziemliche Zählebigkeit.

Das sind einige ernste und aktuelle Fragen unserer ideologisch-politischen Arbeit, über die in einzelnen Teilen der Partei unklare Anschauungen, ein Wirrwarr und zuweilen auch direktes Abweichen vom Leninismus bestehen. Das aber sind nicht die einzigen Fragen, an Hand deren man den Wirrwarr in den Anschauungen einzelner Parteimitglieder demonstrieren könnte.

Kann man nach alledem behaupten, dass bei uns in der Partei alles zum Besten bestellt sei?

Es ist klar, dass man das nicht behaupten kann.

Unsere Aufgaben auf dem Gebiet der ideologisch-politischen Arbeit bestehen darin:

1. das theoretische Niveau der Partei auf die gebührende Höhe zu heben;

2. die ideologische Arbeit in allen Gliedern der Partei zu verstärken;

3. unermüdlich den Leninismus in den Reihen der Partei zu propagieren;

4. die Parteiorganisationen und das sie umgebende parteilose Aktiv im Geiste des Leninschen Internationalismus zu erziehen;

5. die Abweichungen mancher Genossen vom Marxismus-Leninismus nicht zu vertuschen, sondern mutig zu kritisieren;

6. die Ideologie und die Überreste der Ideologie der dem Leninismus feindlichen Strömungen systematisch zu entlarven.

 

2. Fragen der organisatorischen Leitung

 

Ich habe von unseren Erfolgen gesprochen. Ich habe von dem Sieg der Parteilinie sowohl auf dem Gebiet der Volkswirtschaft und der Kultur als auch auf dem Gebiet der Überwindung der antileninistischen Gruppierungen in der Partei gesprochen. Ich habe von der welthistorischen Bedeutung unseres Sieges gesprochen. Das bedeutet jedoch nicht, dass wir überall und in allem gesiegt haben und dass bereits alle Fragen gelöst seien. Solche Erfolge und Siege gibt es überhaupt nicht. Ungelöste Fragen und Mängel aller Art bleiben bei uns noch in nicht geringer Zahl übrig. Vor uns haben wir eine Menge von Aufgaben, die ihre Lösung erheischen. Aber das bedeutet zweifellos, dass bereits der größere Teil der unaufschiebbaren aktuellen Aufgaben erfolgreich gelöst ist, und in diesem Sinne kann der gewaltige Sieg unserer Partei nicht angezweifelt werden.

Es entsteht aber die Frage: Wie ist dieser Sieg herbeigeführt, wie ist er praktisch errungen worden, durch welchen Kampf, durch welche Anstrengungen?

Manche glauben, es genüge, die richtige Parteilinie auszuarbeiten, sie vor aller Welt zu verkünden, sie in der Form von allgemeinen Thesen und Resolutionen darzulegen und einstimmig anzunehmen, damit der Sieg von selbst komme, sozusagen im Selbstlauf. Das ist natürlich nicht richtig. Das ist ein großer Irrtum. So können nur unverbesserliche Bürokraten und Kanzleimenschen denken. In Wirklichkeit sind diese Erfolge und Siege nicht von selbst gekommen, sondern wurden im erbitterten Kampf für die Durchführung der Parteilinie errungen. Der Sieg kommt nie von selbst, er wird gewöhnlich mühselig erkämpft. Gute Resolutionen und Deklarationen für die Generallinie der Partei sind nur der Anfang der Sache, denn sie bedeuten lediglich den Wunsch, zu siegen, nicht aber den Sieg selbst. Nachdem eine richtige Linie gegeben worden ist, nachdem man die richtige Lösung einer Frage gefunden hat, hängt der Erfolg der Sache von der Organisationsarbeit ab, von der Organisierung des Kampfes für die Durchführung der Parteilinie, von der richtigen Auswahl der Menschen von der Kontrolle über die Durchführung der Beschlüsse der leitenden Organe. Fehlt dies, so läuft man Gefahr, dass die richtige Parteilinie und die richtigen Beschlüsse ernsten Schaden nehmen. Mehr noch: Ist eine richtige politische Linie gegeben worden, so entscheidet die Organisationsarbeit alles, auch das Schicksal der politischen Linie selbst - ihre Durchführung oder ihr Scheitern.

In Wirklichkeit wurde der Sieg erreicht und errungen durch systematischen und harten Kampf gegen Schwierigkeiten aller Art, die der Durchführung der Parteilinie im Wege standen, durch Überwindung dieser Schwierigkeiten, durch Mobilisierung der Partei und der Arbeiterklasse zur Überwindung der Schwierigkeiten, durch Organisierung des Kampfes für die Überwindung der Schwierigkeiten, durch Absetzung untauglicher Funktionäre und durch Auswahl der Besten, die fähig sind, den Kampf gegen die Schwierigkeiten zu führen.

Was sind das für Schwierigkeiten und wo stecken sie?

Diese Schwierigkeiten sind Schwierigkeiten unserer Organisationsarbeit, Schwierigkeiten unserer organisatorischen Leitung. Sie stecken in uns selbst, in unseren leitenden Funktionären, in unseren Organisationen, in dem Apparat unserer Partei-, Sowjet-, Wirtschafts-, Gewerkschafts-, Komsomol- und verschiedener anderer Organisationen.

Man muss verstehen, dass die Stärke und die Autorität unserer Partei-, Sowjet-, Wirtschafts- und verschiedener anderer Organisationen sowie ihrer Leiter ganz außergewöhnlich gewachsen sind. Und gerade weil ihre Stärke und Autorität ganz außergewöhnlich gewachsen sind, hängt jetzt von ihrer Arbeit alles oder nahezu alles ab. Die Berufung auf die so genannten objektiven Bedingungen ist nicht begründet. Nachdem die Richtigkeit der politischen Linie der Partei durch die Erfahrung einer Reihe von Jahren bestätigt worden ist und an der Bereitschaft der Arbeiter und Bauern, diese Linie zu unterstützen, kein Zweifel mehr besteht, ist die Rolle der so genannten objektiven Bedingungen auf ein Minimum zurück gegangen, während die Rolle unserer Organisationen und ihrer Leiter entscheidend, überragend geworden ist. Was aber bedeutet das? Das bedeutet, dass die Verantwortung für die Misserfolge und Mängel in der Arbeit von nun an zu neun Zehnteln nicht auf die „objektiven“ Bedingungen, sondern auf uns selbst und nur auf uns fällt.

Wir haben in der Partei mehr als zwei Millionen Mitglieder und Kandidaten. Wir haben im Kommunistischen Jugendverband mehr als vier Millionen Mitglieder und Kandidaten. Wir haben über drei Millionen Arbeiter- und Bauernkorrespondenten. Im „Ossoaviachim“ haben wir mehr als 12 Millionen Mitglieder. In den Gewerkschaften haben wir über 17 Millionen Mitglieder. Diesen Organisationen verdanken wir unsere Erfolge. Und wenn wir trotz des Vorhandenseins solcher Organisationen und solcher Möglichkeiten, die die Erzielung von Erfolgen erleichtern, nicht wenig Mängel in der Arbeit und eine nicht geringe Anzahl von Misserfolgen zu verzeichnen haben, so sind nur wir, unsere Organisationsarbeit, unsere schlechte organisatorische Leitung schuld daran.

Der Bürokratismus und das Kanzleiunwesen im Verwaltungsapparat; das Geschwätz von der „Leitung im allgemeinen“ an Stelle einer lebendigen und konkreten Leitung; der Aufbau der Organisationen nach dem „Funktionärsystem“ (System der Verwaltung eines Betriebes bzw. einer Institution, das auf einer übermäßigen Zersplitterung der Funktionsbereiche, auf einer Zersplitterung der Leitung in eine Vielzahl künstlich geschaffener und organisatorisch gesonderter Abteilungen und Sektoren beruht. Der Übers.) und das Fehlen persönlicher Verantwortlichkeit; die Verantwortungslosigkeit in der Arbeit selbst und die Gleichmacherei im Lohnsystem; das Fehlen einer systematischen Kontrolle der Durchführung; die Angst vor Selbstkritik - das sind die Quellen unserer Schwierigkeiten, hier stecken jetzt unsere Schwierigkeiten.

Es wäre naiv zu glauben, dass man diese Schwierigkeiten mit Hilfe von Resolutionen und Beschlüssen überwinden könne. Bürokraten und Kanzleimenschen haben schon längst die Fertigkeit erlangt, mit Worten ihre Treue für die Beschlüsse der Partei und der Regierung zu demonstrieren, sie aber in der Praxis zu den Akten zu legen. Um diese Schwierigkeiten zu überwinden, musste man das Zurückbleiben unserer Organisationsarbeit hinter den Forderungen der politischen Linie der Partei beseitigen, musste man das Niveau der organisatorischen Leitung in allen Sphären der Volkswirtschaft auf das Niveau der politischen Leitung heben, musste man erreichen, dass unsere Organisationsarbeit die praktische Durchführung der politischen Losungen und Beschlüsse der Partei gewährleiste.

Um dieser Schwierigkeiten Herr zu werden und Erfolge zu erzielen, musste man den Kampf für die Überwindung dieser Schwierigkeiten organisieren, musste man die Arbeiter- und Bauernmassen in diesen Kampf einbeziehen, musste man die Partei selbst mobilisieren, musste man die Partei und die Wirtschaftsorganisationen von unzuverlässigen, schwankenden, entarteten Elementen säubern.

Was war hierzu nötig?

Wir mussten organisieren:

1. die Entfaltung der Selbstkritik und die Aufdeckung der Mängel in unserer Arbeit;

2. die Mobilisierung der Partei-, Sowjet-, Wirtschafts-, Gewerkschafts- und Komsomolorganisationen zum Kampf mit den Schwierigkeiten;

3. die Mobilisierung der Arbeiter- und Bauernmassen zum Kampf für die Durchführung der Losungen und Beschlüsse der Partei und der Regierung;

4. die Entfaltung des Wettbewerbs und der Stoßbrigadenbewegung unter den Werktätigen;

5. ein großes Netz von Politischen Abteilungen der Maschinen- und Traktorenstationen und der Sowjetwirtschaften und die engere Verbindung der Partei- und Sowjetorgane mit dem Dorf;

6. die Zerlegung übergroßer Volkskommissariate, Hauptverwaltungen und Truste und die engere Verbindung der wirtschaftlichen Leitung mit dem Betrieb;

7. die Abschaffung der Verantwortungslosigkeit in der Arbeit und die Beseitigung der Gleichmacherei im Lohnsystem;

8. die Abschaffung des „Funktionalsystems“, die Stärkung der persönlichen Verantwortlichkeit und den Kurs auf Liquidierung der Kollegien;

9. die Verstärkung der Kontrolle über die Durchführung der Beschlüsse und den Kurs auf Reorganisierung der Zentralen Kontrollkommission und der Arbeiter- und Bauerninspektion im Sinne der weiteren Verstärkung der Kontrolle über die Durchführung der Beschlüsse;

10. die Überführung qualifizierter Arbeitskräfte aus den Kanzleien näher an die Produktion;

11. die Entlarvung und Verjagung unverbesserlicher Bürokraten und Kanzleimenschen aus den Verwaltungsapparaten;

12. die Entfernung aller, die die Beschlüsse der Partei und der Regierung verletzen, sowie der Schönfärber und Schwätzer von ihren Posten und ihre Ersetzung durch neue Menschen, durch Menschen der Tat, die fähig sind, die konkrete Leitung der ihnen übertragenen Arbeit und die Stärkung der Partei- und Sowjetdisziplin zu gewährleisten;

13. die Reinigung der Sowjet- und Wirtschaftsorganisationen und die Einschränkung ihres Personalbestandes;

14. schließlich die Reinigung der Partei von unzuverlässigen und entarteten Leuten.

Das sind im Wesentlichen die Mittel, die die Partei einsetzen musste, um die Schwierigkeiten zu überwinden, das Niveau unserer Organisationsarbeit auf das Niveau der politischen Leitung zu heben und auf diese Weise die Durchführung der Parteilinie zu gewährleisten.

Sie wissen, dass das ZK unserer Partei seine Organisationsarbeit in der Berichtsperiode gerade in diesen Sinne geleistet hat.

Das ZK ließ sich dabei von dem genialen Gedanken Lenins leiten, dass die Hauptsache in der Organisationsarbeit die Auswahl der Menschen und die Kontrolle der Durchführung der Beschlüsse ist.

Über die Auswahl der Menschen und die Absetzung derjenigen, die sich nicht bewährt haben, möchte ich einige Worte sagen.

Neben unverbesserlichen Bürokraten und Kanzleimenschen, über deren Beseitigung bei uns keine Meinungsverschiedenheiten bestehen, gibt es bei uns noch zwei Typen von Funktionären, die unsere Arbeit hemmen, unsere Arbeit behindern und uns nicht vorwärts kommen lassen.

Der eine Typ von Funktionären, das sind Leute mit gewissen Verdiensten in der Vergangenheit, Leute, die Würdenträger geworden sind, die glauben, dass die Partei- und Sowjetgesetze nicht für sie, sondern für Dummköpfe geschrieben seien. Das sind dieselben Leute, die es nicht für ihre Pflicht halten, die Beschlüsse der Partei und der Regierung durchzuführen, und die auf diese Weise die Grundlagen der Partei- und Staatsdisziplin zerstören. Worauf rechnen sie, wenn sie die Partei- und Sowjetgesetze verletzen? Sie hoffen, dass die Sowjetmacht sich nicht entschließen wird, sie anzutasten, und zwar wegen ihrer alten Verdienste. Diese überheblichen Würdenträger glauben, dass sie unersetzbar seien und ungestraft die Beschlüsse der leitenden Organe verletzen können. Was soll mit solchen Funktionären geschehen? Man muss sie ohne Schwanken von den leitenden Posten absetzen, ohne Rücksicht auf ihre Verdienste in der Vergangenheit. (Zurufe: „Sehr richtig!“) Man muss sie absetzen, sie auf niedrigere Posten stellen und das in der Presse bekanntmachen. (Zurufe: „Sehr richtig!“) Das ist notwendig, um diesen überheblichen Bürokraten und Würdenträgern den Hochmut auszutreiben und sie in die Schranken zu weisen. Das ist notwendig, um die Partei- und Sowjetdisziplin in unserer ganzen Arbeit zu stärken. (Zurufe: „Sehr richtig!“ Beifall.)

Jetzt komme ich zu dem zweiten Typ von Funktionären. Ich meine den Typ von Schwätzern, ich möchte sagen, von ehrlichen Schwätzern (Heiterkeit), von ehrlichen Leuten, die der Sowjetmacht ergeben, aber nicht fähig sind, zu leiten, nicht fähig sind, irgend etwas zu organisieren. Ich hatte im vorigen Jahr ein Gespräch mit einem solchen Genossen, einem sehr geachteten Genossen, aber unverbesserlichen Schwätzer, der imstande ist, jedes beliebige lebendige Unternehmen in Geschwätz zu ersäufen. Hier dieses Gespräch.

Ich: Wie steht es bei Ihnen mit der Aussaat?

Er: Mit der Aussaat, Genosse Stalin? Wir haben mobilisiert. (Heiterkeit.)

Ich: Nun, und?

Er: Wir haben die Frage scharf gestellt. (Heiterkeit.)

Ich: Und was weiter?

Er: Wir haben einen Umschwung erzielt, Genosse Stalin, bald wird ein Umschwung eintreten. (Heiterkeit,)

Ich: Aber trotzdem?

Er: Es machen sich bei uns Fortschritte bemerkbar. (Heiterkeit.)

Ich: Aber immerhin, wie steht es bei Ihnen mit der Aussaat?

Er: Mit der Aussaat kommen wir vorläufig nicht vorwärts, Genosse Stalin. (Allgemeines Gelächter.)

Da haben Sie das Bild eines Schwätzers. Sie haben mobilisiert, haben die Frage scharf gestellt, haben einen Umschwung und Fortschritte erzielt, aber die Sache kommt nicht vom Fleck.

Ganz genauso, wie unlängst ein ukrainischer Arbeiter den Zustand einer Organisation charakterisierte, als man ihn fragte, ob diese Organisation eine Linie habe: „Nun ja, eine Linie... eine Linie ist natürlich da, nur sieht man keine Arbeit.“ (Allgemeine Heiterkeit.) Es ist offenkundig, dass diese Organisation ebenfalls ihre ehrlichen Schwätzer hat.

Und wenn man solche Schwätzer von ihren Posten absetzt, sie von der operativen Arbeit möglichst weit entfernt, dann machen sie große Augen und fragen bestürzt: „Weshalb setzt man uns ab? Haben wir denn nicht alles getan, was für die Sache notwendig ist, haben wir nicht ein Treffen der Stoßarbeiter veranstaltet, haben wir nicht auf der Konferenz der Stoßarbeiter die Losungen der Partei und der Regierung verkündet, haben wir nicht das ganze Politbüro des ZK ins Ehrenpräsidium gewählt (allgemeine Heiterkeit), haben wir nicht eine Begrüßung an Genossen Stalin geschickt - was wollt ihr noch von uns?“ (Allgemeines Gelächter.)

Was soll man mit diesen unverbesserlichen Schwätzern tun? Belässt man sie bei der operativen Arbeit, so sind sie imstande, jedes beliebige lebendige Unternehmen in einer Flut von wässrigen und endlosen Reden zu ersäufen. Es ist offensichtlich, dass man sie von den leitenden Posten absetzen und ihnen eine andere, nicht operative Arbeit geben muss. Für Schwätzer ist kein Platz in der operativen Arbeit. (Zurufe: „Sehr richtig!“ Beifall.)

Wie das ZK die Auswahl der Leute in den Sowjet- und Wirtschaftsorganisationen geleitet und wie es eine festere Kontrolle der Durchführung durchgesetzt hat, darüber habe ich bereits kurz berichtet. Ausführlicher wird Ihnen Genosse Kaganowitsch zum dritten Punkt der Tagesordnung des Parteitags darüber berichten.

Was die weitere Arbeit zur Verstärkung der Kontrolle der Durchführung betrifft, so möchte ich einige Worte darüber sagen.

Die richtige Organisierung der Kontrolle der Durchführung ist von entscheidender Bedeutung für den Kampf gegen Bürokratismus und Kanzleiunwesen. Werden die Beschlüsse der leitenden Organisationen durchgeführt oder von den Bürokraten und Kanzleimenschen zu den Akten gelegt? Werden sie richtig durchgeführt oder entstellt? Arbeitet der Apparat ehrlich und auf bolschewistische Art, oder hat er Leerlauf? All das kann man nur dann rechtzeitig erfahren, wenn die Kontrolle der Durchführung gut organisiert ist. Eine gut organisierte Kontrolle der Durchführung ist jener Scheinwerfer, der uns hilft, den Stand der Arbeit eines Apparats zu jeder beliebigen Zeit zu beleuchten und die Bürokraten und Kanzleimenschen ans Licht zu ziehen. Man kann mit Bestimmtheit sagen, dass neun Zehntel unserer Mängel und Misserfolge sich aus dem Fehlen einer richtig organisierten Kontrolle der Durchführung erklären.

Es kann kein Zweifel darüber bestehen, dass bei einer solchen Kontrolle der Durchführung den Mängeln und Misserfolgen bestimmt vorgebeugt worden wäre.

Damit aber die Kontrolle der Durchführung ihr Ziel erreiche, sind mindestens zwei Bedingungen notwendig: erstens, dass die Kontrolle der Durchführung systematisch und nicht sporadisch geschehe, zweitens, dass an der Spitze der Kontrolle der Durchführung in allen Gliedern der Partei-, Sowjet- und Wirtschaftsorganisationen nicht untergeordnete Personen, sondern genügend autoritative Personen, die Leiter der Organisation selbst, stehen.

Von größter Bedeutung ist die richtige Organisierung der Kontrolle der Durchführung für die leitenden Zentralinstitutionen. Die Arbeiter- und Bauerninspektion kann ihrer Organisation nach den Anforderungen einer gut organisierten Kontrolle der Durchführung nicht genügen. Vor einigen Jahren, als unsere Arbeit auf wirtschaftlichem Gebiet einfacher und minder befriedigend war und als man eine Inspizierung der Arbeit aller Volkskommissariate und aller Wirtschaftsorganisationen für möglich halten konnte, war die Arbeiter- und Bauerninspektion am Platze. Jetzt aber, da unsere Arbeit auf wirtschaftlichem Gebiet gewachsen und komplizierter geworden ist und da weder die Notwendigkeit noch die Möglichkeit mehr besteht, sie von einem Zentralpunkt aus zu inspizieren, muss sich die Arbeiter- und Bauerninspektion umstellen. Wir brauchen jetzt keine Inspektion, sondern eine Prüfung der Durchführung der Beschlüsse der zentralen Instanzen - wir brauchen jetzt eine Kontrolle über die Durchführung der Beschlüsse der zentralen Instanzen. Wir brauchen jetzt eine Organisation, die, ohne sich das universale Ziel zu stellen, alles und jedes zu inspizieren, imstande wäre, ihre ganze Aufmerksamkeit der Kontrolle und Prüfung zu widmen, wie die Beschlüsse der Zentralinstitutionen der Sowjetmacht durchgeführt werden. Eine solche Organisation kann nur eine Kommission für Sowjetkontrolle beim Rat der Volkskommissare der UdSSR sein, die auf Grund von Aufträgen des Rates der Volkskommissare arbeitet und an den einzelnen Orten Vertreter hat, die von den örtlichen Organen unabhängig sind. Damit sie aber genügende Autorität besitze und imstande sei, nötigenfalls jeden beliebigen verantwortlichen Funktionär zur Verantwortung zu ziehen, ist es notwendig, dass die Kandidaten für die Kommission für Sowjetkontrolle vom Parteitag aufgestellt und vom Rat der Volkskommissare und vom Zentralexekutivkomitee der UdSSR bestätigt werden. Ich glaube, dass nur eine solche Organisation imstande wäre, die Sowjetkontrolle und die Sowjetdisziplin zu festigen.

Was die Zentrale Kontrollkommission betrifft, so wurde sie bekanntlich vor allem und hauptsächlich zu dem Zweck geschaffen, eine Spaltung der Partei zu verhüten. Sie wissen, dass die Gefahr einer Spaltung eine Zeitlang bei uns wirklich bestand. Sie wissen, dass es der Zentralen Kontrollkommission und ihren Organisationen gelungen ist, die Gefahr der Spaltung abzuwenden. Jetzt aber besteht die Gefahr einer Spaltung bei uns nicht mehr. Dafür brauchen wir jetzt sehr dringend eine Organisation, die imstande wäre, ihre Hauptaufmerksamkeit darauf zu konzentrieren, die Durchführung der Beschlüsse der Partei und ihres Zentralkomitees zu prüfen. Eine solche Organisation kann nur eine Kommission für Parteikontrolle beim ZK der KPdSU(B) sein, die auf Grund von Aufträgen der Partei und ihres ZK arbeitet und an den einzelnen Orten Vertreter hat, die von den Ortsorganisationen unabhängig sind. Es ist klar, dass eine solche verantwortliche Organisation große Autorität haben muss. Damit sie aber genügend Autorität besitze und imstande sei, jeden beliebigen verantwortlichen Funktionär, der sich etwas zuschulden kommen läßt, auch Mitglieder des ZK, zur Verantwortung zu ziehen, ist es notwendig, dass die Mitglieder dieser Kommission nur vom obersten Organ der Partei, vom Parteitag, gewählt und abgesetzt werden können. Es kann kein Zweifel darüber bestehen, dass eine solche Organisation wirklich fähig sein wird, die Kontrolle der Durchführung der Beschlüsse der zentralen Parteiorgane zu gewährleisten und die Parteidisziplin zu festigen.

So steht es um die Fragen der organisatorischen Leitung.

Unsere Aufgaben auf dem Gebiet der Organisationsarbeit sind:

1. unsere Organisationsarbeit auch in Zukunft mit den Anforderungen der politischen Linie der Partei in Einklang zu bringen;

2. die organisatorische Leitung auf das Niveau der politischen Leitung zu heben;

3. durchzusetzen, dass die organisatorische Leitung die Durchführung der politischen Losungen und der Beschlüsse der Partei vollständig sichert.

 

*

 

Genossen, ich schließe meinen Rechenschaftsbericht.

Welche Schlussfolgerungen ergeben sich aus ihm?

Jetzt erkennen bereits alle an, dass unsere Erfolge groß und außergewöhnlich sind. Das Land ist in verhältnismäßig kurzer Frist auf die Bahnen der Industrialisierung und Kollektivierung hinübergeleitet worden. Der erste Fünfjahrplan ist erfolgreich verwirklicht worden. Das erzeugt ein Gefühl des Stolzes und stärkt den Glauben an die eigenen Kräfte bei unseren Funktionären.

Das ist natürlich gut. Aber Erfolge haben manchmal auch ihre Schattenseite. Sie erzeugen mitunter gewisse Gefahren, die, wenn man sie sich entwickeln läßt, dazu führen können, dass die ganze Sache aus den Fugen geht. Es besteht zum Beispiel die Gefahr, dass diese Erfolge manchen unserer Genossen zu Kopfe steigen. Solche Fälle hat es bekanntlich bei uns gegeben. Es besteht die Gefahr, dass mancher unserer Genossen, von Erfolgen berauscht, ganz und gar hochmütig wird und anfängt, sich mit Prahlereien einzulullen: „Für uns ist jetzt alles ein Kinderspiel“, „Wir werden mit jedermann leicht fertig“ usw. Das ist keineswegs ausgeschlossen, Genossen. Es gibt nichts Gefährlicheres als solche Stimmungen, denn sie entwaffnen die Partei und demobilisieren ihre Reihen. Wenn solche Stimmungen in unserer Partei überhand nehmen, so können wir der Gefahr gegenüberstehen, dass alle unsere Erfolge zunichte gemacht werden.

Gewiss, den ersten Fünfjahrplan haben wir mit Erfolg durchgeführt. Das ist richtig. Aber damit, Genossen, ist die Sache nicht zu Ende und kann nicht zu Ende sein. Wir stehen vor dem zweiten Fünfjahrplan, den man ebenfalls durchführen, und zwar gleichfalls mit Erfolg durchführen muss. Sie wissen, dass Pläne im Kampf mit Schwierigkeiten, im Verlauf der Überwindung von Schwierigkeiten durchgeführt werden. Das bedeutet, dass es Schwierigkeiten geben wird, dass es auch einen Kampf mit ihnen geben wird. Die Genossen Molotow und Kujbyschew werden Ihnen über den zweiten Fünfjahrplan berichten. Aus ihren Berichten werden Sie ersehen, welche großen Schwierigkeiten wir zur Verwirklichung dieses grandiosen Plans zu überwinden haben werden. Man darf also die Partei nicht einlullen, sondern muss in ihr die Wachsamkeit entwickeln, darf sie nicht einschläfern, sondern muss sie im Zustand der Kampfbereitschaft halten, darf sie nicht entwaffnen, sondern muss sie bewaffnen, darf sie nicht demobilisieren, sondern muss sie im Zustand der Mobilisierung zur Verwirklichung des zweiten Fünfjahrplans halten.

Daraus ergibt sich die erste Schlussfolgerung: Sich nicht von den erzielten Erfolgen hinreißen lassen und nicht überheblich werden.

Wir haben Erfolge errungen, weil wir eine richtige leitende Parteilinie hatten und es verstanden, die Massen zu organisieren, um diese Linie in die Tat umzusetzen. Es braucht nicht erst gesagt zu werden, dass wir ohne diese Bedingungen nicht jene Erfolge erzielt hätten, die wir jetzt haben und auf die wir mit Recht stolz sind. Aber eine richtige Linie haben und sie durchzuführen verstehen - das ist eine große Seltenheit im Leben regierender Parteien.

Sehen Sie sich die uns umgebenden Länder an: Werden Sie viele regierende Parteien finden, die eine richtige Linie haben und sie durchführen? Eigentlich gibt es solche Parteien jetzt nirgends in der Welt, denn sie alle leben ohne Perspektive, irren umher im Chaos der Krise und sehen keinen Weg, sich aus dem Sumpf herauszuarbeiten. Nur unsere Partei weiß, welchem Ziel sie zusteuert, und führt ihre Sache erfolgreich vorwärts. Welchem Umstand verdankt unsere Partei diesen ihren Vorzug? Dem Umstand, dass sie eine marxistische Partei, eine leninistische Partei ist. Sie verdankt ihn dem Umstand, dass sie sich in ihrer Arbeit von der Lehre von Marx, Engels, Lenin leiten läßt. Es kann kein Zweifel darüber bestehen, dass wir, solange wir dieser Lehre treu bleiben, solange wir diesen Kompass besitzen, Erfolge in unserer Arbeit haben werden.

Man behauptet, dass im Westen in gewissen Staaten der Marxismus bereits vernichtet sei. Man behauptet, dass ihn die bürgerlich-nationalistische Richtung, die man Faschismus nennt, vernichtet hätte. Das ist natürlich Unsinn. So können nur Leute reden, die die Geschichte nicht kennen. Der Marxismus ist der wissenschaftliche Ausdruck der Lebensinteressen der Arbeiterklasse. Um den Marxismus zu vernichten, müsste man die Arbeiterklasse vernichten. Die Arbeiterklasse aber kann man nicht vernichten. Mehr als 80 Jahre sind vergangen, seitdem der Marxismus auf den Plan getreten ist. In dieser Zeit haben Dutzende und Hunderte von bürgerlichen Regierungen versucht, den Marxismus zu vernichten. Und das Ergebnis? Die bürgerlichen Regierungen kamen und gingen, der Marxismus aber ist geblieben. (Stürmischer Beifall.) Mehr noch: Der Marxismus hat es erreicht, dass er auf einem Sechstel der Erde den vollen Sieg davontrug, und zwar hat er den Sieg in dem Lande errungen, in dem man den Marxismus für endgültig vernichtet hielt. (Stürmischer Beifall.) Man kann es nicht für einen Zufall halten, dass das Land, in dem der Marxismus den vollen Sieg davontrug, jetzt das einzige Land in der Welt ist, das keine Krisen und keine Arbeitslosigkeit kennt, während in allen übrigen Ländern, auch in den Ländern des Faschismus, bereits vier Jahre lang Krise und Arbeitslosigkeit herrschen. Nein, Genossen, das ist kein Zufall. (Anhaltender Beifall.)

Ja, Genossen, wir verdanken unsere Erfolge der Tatsache, dass wir unter dem Banner von Marx, Engels, Lenin gearbeitet und gekämpft haben.

Daraus ergibt sich die zweite Schlussfolgerung: Bis zum letzten treu bleiben dem großen Banner von Marx, Engels, Lenin. (Beifall.)

Die Stärke der Arbeiterklasse der UdSSR besteht nicht nur darin, dass sie eine in Kämpfen erprobte Leninsche Partei besitzt. Ihre Stärke besteht ferner nicht nur darin, dass sie von den Millionenmassen der werktätigen Bauern unterstützt wird. Ihre Stärke besteht auch noch darin, dass das Weltproletariat sie unterstützt und ihr hilft. Die Arbeiterklasse der UdSSR ist ein Teil des Weltproletariats, seine Vorhut, und unsere Republik ist eine Schöpfung des Weltproletariats. Es kann kein Zweifel darüber bestehen: Wenn sie nicht die Unterstützung der Arbeiterklasse der kapitalistischen Länder gehabt hätte, dann hätte sie nicht die Macht behauptet, dann hätte sie nicht die Bedingungen für den sozialistischen Aufbau schaffen können - sie hätte also nicht die Erfolge aufzuweisen, die sie jetzt aufzuweisen hat. Die internationalen Verbindungen der Arbeiterklasse der UdSSR mit den Arbeitern der kapitalistischen Länder, das brüderliche Bündnis der Arbeiter der UdSSR mit den Arbeitern aller Länder - das ist einer der Grundpfeiler der Stärke und Macht der Republik der Sowjets. Die Arbeiter im Westen sagen, dass die Arbeiterklasse der UdSSR die Stoßbrigade des Weltproletariats ist. Das ist sehr gut. Das bedeutet, dass das Weltproletariat auch in Zukunft bereit ist, die Arbeiterklasse der UdSSR nach Kräften und Möglichkeiten zu unterstützen. Aber das erlegt uns große Pflichten auf. Das bedeutet, dass wir durch unsere Arbeit den Ehrennamen der Stoßbrigade der Proletarier aller Länder rechtfertigen müssen. Das verpflichtet uns, besser zu arbeiten und besser zu kämpfen für den endgültigen Sieg des Sozialismus in unserem Lande, für den Sieg des Sozialismus in allen Ländern.

Daraus ergibt sich die dritte Schlussfolgerung: Bis zum letzten treu bleiben der Sache des proletarischen Internationalismus, der Sache des brüderlichen Bundes der Proletarier aller Länder. (Beifall.)

Das sind die Schlussfolgerungen.

Es lebe das große und unbesiegbare Banner von Marx, Engels, Lenin! (Stürmischer, anhaltender Beifall im ganzen Saal. Der Parteitag bereitet dem Genossen Stalin eine Ovation. Die Anwesenden singen die „Internationale“. Nach dem Gesang der „Internationale“ setzt die Ovation mit erneuter Kraft ein. Rufe: „Hurra Stalin!“, „Es lebe Stalin!“, „Es lebe das ZK der Partei!“)

 

 

 

Anmerkungen Band 13

 

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